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Full text of "Deutsche Schriften im Auftrag der Württembergischen Kommission für Landesgeschichte"

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FROM  TBE  BEQUEST  Or 

GEORGE  FRANCIS  PARKMAN 

(CUuoflSM) 

OF  BOSTON 


HEINRICH  SEUSE 


Deutsche  Schriften 


im  Auftrag  der  Württembergischi 


Kommission    für 


urttein 
Landesgeschic 


herausgegeben  ' 


Dr.  Karl  Bihlmeyer. 


STUTTGART. 

Druck  und   Veilaj  von   W.  Kohlhanini 
iyo7. 


HEINRICH  SEUSE 


Deutsche  Schriften 

im  Auftrag  der  Württembergischen 
Kommission  für  Landesgeschichte 

herausgegeben  von 

Dr.  Karl  Bihlmeyer. 


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STUTTGART. 
Druck  und  Verlag  von  \V.  Kühlliammer. 

1907. 


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Dem  Gedächtnis 


meines  hochverehrten  Lehrers 


Professor  ü.  Dr.  F.  X.  von  Punk 


in   Dankbarkeit 


;^evvidinet. 


Eint"  kritisclie  Edition  der  deutaelien  Sohril'ren  Seuses  bedarf 
flcbwerlich  einer  besonderen  Itechtfertigung.  Denifles  Aasgabe. 
in  ihrer  Art  eine  treffliche  Leistnng,  kann  der  wiseeiiBcLaftlicIien 
Forfchuiiß  nicht  genügen,  weil  sie  nur  eine  neu  hoch  dentsctie  Über- 
Ira^nne  des  Originaltestes  bietet,  auf  einer  nicht  völlig  ausreichenden 
haiitWbrift lieben  Grundlage  beruht  und  zudem  UDVoll^-tündig  geblieben 
i»t  Möge  daher  diese  erste  vollständige  Ansgabe  des  Urtextes  wohl- 
wollende Aufnahme  linden!  Kirchen-.  Lileratur-,  Sprach-  und  Kultur- 
gescliicble  interessieren  sich  ja,  wenn  auch  in  verschiedenem  Masse, 
fiir  den  liebenswürdigen  schwäbischen  Mystiker,  der  den  Oeist  des 
deutschen  Mittelalters  nach  seiner  scliünsten  Seite  repräsentiert  und 
dnrch  seine  gemnlstieien  Schriften  noch  heute  wie  ehedem  zu  fesseln 
vermag. 

Das  Hauptaugenmerk    hei    vorliegender  Ausgabe   war   darauf 

gerichtet,  eine  möglichst  breite  und  sichere  Basis  für  die  Herstellung 

des  Textes  zu  schaffen.     Zu  diesem  Zwecke  wurden,  von  sonstigen 

Xachforachungen   abgesehen,    auf   wiederholten    Studienreisen    eine 

^nisserc  Zahl  von  Bibliotheken   Deutschlands  und  der  Schweiz  nach 

Seose-Haadscliriften    durchsucht,    so   namentlich  die  Bibliotheken  zu 

rlin,     Ei  II  siedeln,     Engelberg,     Kolmar,     Konstanz, 

I  llailiingen,    München.  Nürnberg,  St,  Gallen,  Stuttgart, 

I Wnlfenbüttei,  Zürich.     Der  Erfolg  war  ein  günstiger,    insofern 

leine  stattliche  Anzahl  wichtiger,    noch  nicht  bekannter  Manuskripte 

afgefnnden    wurde,    mit   deren    Hilfe   es  gelang,   den    DeniHeschen 

I  Text   an    vielen   Punkten   erheblich    zu    verbessern    und   das   Grosse 

IBriefbncb    in  guter  Rezension    vorzulegen.     Zum   erstenmal    werden 

I  in  dieser  .Ausgabe  jene  elf  Briefe,  welche  Seuse  gekürzt  in  das  kleine 

Briefbach  aufnahm,  in  ihrer  ursprünglichen  Form  bekannt  gemacht. 

Aii«drücfclich    sei    auch    anf   das    bis   jetzt    unbekannte    interessante 


VI  Vorwort. 

„Testament  der  Minne"  (Brief  XXVIII)  aufmerksam  gemacht,  ge^^en 
dessen  Echtheit  freilich  begründete  Zweifel  bestehen. 

Der  Kommentar  ist  im  allgemeinen  auf  das  Nötigste  beschränkt 
worden.  Wie  viel  ich  für  das  Verständnis  und  die  Kommentierung 
der  schwierigeren  mystischen  Stellen  Denifle  verdanke,  bekundet  fast 
jede  Seite  der  einschlägigen  Partien.  Mit  ihm,  dem  ausgezeichneten 
Kenner  der  Mystik  und  Scholastik,  konnte  ich  es  auf  diesem  Gebiete 
nicht  aufnehmen,  und  es  war  auch  gar  nicht  meine  Absicht,  seine 
Ausgabe  ganz  überflüssig  zu  machen. 

Die  Einleitung  versucht  eine  knappe,  aber  im  wesentlichen 
erschöpfende  Orientierung  über  lieben  und  Werke  Seuses  zu  geben, 
und  insbesondere  seine  Stellung  im  Entwicklungsgang  der  deutschen 
Mystik  und  Literatur  zu  präzisieren.  Am  kürzesten  glaubte  ich  mich 
in  dem  Abschnitt  über  die  Lehre  fassen  zu  dürfen,  da  dieser  Gegen- 
stand schon  genügend  behandelt  ist  und  Seuse  hierin  weniger  original 
erscheint.  Wenn  ich  in  der  Einleitung  manchmal  etwas  warm  ge- 
worden bin,  so  möge  dies  mit  den  Worten  des  edlen  Linsenmann 
(in  einer  Besprechung  von  Denifles  Seuse,  Theol.  Quartalschrift  1877,1 35) 
Entschuldigung  finden,  die  ich  zu  meinen  eigenen  mache:  „Dem 
Theologen  ist  das  literargeschichtliche  Interesse  an  den  Schätzen  der 
grossen  Literaturperiode  der  deutschen  Theologie  im  Mittelalter  nicht 
das  höchste.  Was  die  mittelalterliche  Mystik  für  ihre  Zeit  war, 
das  könnte  und  sollte  sie  auch  für  unsere  Zeit  sein,  eine  Ergänzung 
der  vorherrschend  nominalistischen  Scholastik,  eine  Lichtseite  im 
religiösen  Volksleben,  ein  Sauerteig,  welcher  Gärung  und  Bewefiung 
in  die  erstarrten  Massen  des  kirchlichen  Lebens  bringen  könnte. 
Uns  ist  die  Mystik  eines  Eckhart,  Tauler  und  Seuse  nicht  bloss 
romantische  Poesie,  noch  blosse  Philosophie,  sie  ist  dazu  bestimmt, 
Leben  zu  werden  und  Gestalt  anzunehmen  ..." 

Unumgänglich  schien  es,  der  Ausgabe  ein  ausführliches 
Glossar  beizugeben,  da  wir  ein  solches  bis  jetzt  von  keinem  der 
bedeutenderen  deutschen  Mystiker  besitzen  und  doch  für  philologische 
und  literarhistorische  Untersuchungen  kaum  entbehren  können.  Ich 
bin  mir  freilich  bewusst,  dass  der  vorgelebte  Versuch  etwas  recht 
Unvollkommenes  darstellt.  Allein  Zeit  und  Raum  verboten,  ein 
mehreres  zu  tun.  Philologische  Zwecke  im  eigentlichen  Sinne  lagen 
mir  ferne;  ich  glaubte,  die  sprachgeschichtlich-lexikalische  Ausbeutung 
Seuses  den  Germanisten  von  F.ach  überlassen  zu  sollen.  Um  auch 
solchen,  welche  mit  dem  Mittelhochdeutschen  weniger  vertraut  sind, 
die  Ausgabe   zugänglich    zu   machen,   ist   in   zahlreichen  Fällen  die 


Vorwort.  VII 

neuhochdeutsche  Bedeutung  eines  Wortes  angegeben.  Ich  hoflTe 
ührigens,  in  nicht  zu  langer  Zeit  eine  Auswahl  aus  Seuse  in  Über- 
tragung für  weitere  Kreise  vorlegen  zu  können,  und  behalte  mir  die 
Benützung  der  Ausgabe  für  solche  Zwecke  vor. 

Es  ist  mir  eine  angenehme  Pflicht,  für  die  Unterstützung  und 
Beihilfe   zu  danken,    die  mir  von  vielen  Seiten  zuteil  geworden  ist, 
?>o  insbesondere  den  Bibliotheksverwaltungen  zu  Berlin  (Kgl.  Bib- 
liothek), Breslau  (Domkapitelsbibl.),  Cues  (Hospitalbibl.),  Darm- 
stadt,   Einsiedeln,   P'ngelberg,   Freiburg  (Uni versitätsbibl. 
und  Erzbischöfliches  Archiv),  Giessen,  Göttingen,  Heidelberg, 
Kolmar,     München     (Staatsbibl.),     Muri-Gries,     Nürnberg 
(Stadtbibl.),  Paris  (Bibl.  nationale),  Raigern,  St.  Gallen,  Strass- 
barg  (Universitätsbibl.),   Stuttgart,   Überlingen,  Wien  (Hof- 
bibliothek), Wolfenbüttel  und  Zürich  (Stadtbibliothek),  welche 
mir  teils  Manuskripte  zur  Benützung  hieher  sandten,   teils  die  Kol- 
lationierung  an  Ort  und  Stelle   ermöglichten,    und  der  Universitäts- 
bibliothek zu  Tübingen,  welche  die  Entlehnung  zahlreicher  Hand- 
schriften  in   liebenswürdiger  Weise   vermittelte.     Eine  grosse   Zahl 
von  Bibliotheken   des  In-   und  Auslands  erteilte    auf  Anfragen  nach 
Seuse-Manuskripten  gütige  Antwort. 

Für  wertvolle  Auskünfte  und  Winke  bin  ich  ganz  besonders 
deu  Herren  Professor  Dr.  Ph.  Strauch  in  Halle,  Professor  Dr.  H. 
von  Fisch  er  und  K.  Bohnen  berger  in  Tübingen,  Hochw.  P.  P.  von 
LoeO.  Pr.,  Prior  in  Düsseldorf  und  Herrn  Dr.  J.  Ries  in  St.  Peter 
bei  Freiburg  zu  Dank  verpfliclitet.  Herr  Professor  Dr.  F.  Vetter 
in  Bern  hatte  die  Güte,  mir  eine  Abschrift  des  Büchleins  der  Ewigen 
Weisheit  nach  der  Einsiedler  Handschrift  710  zur  Verfügung  zu 
stellen,  und  die  Kgl.  bayerische  Akademie  der  Wissenschaften  in 
München  erlaubte,  den  schon  von  Preger  1896  edierten  Text  des 
Minnebüchleins  wieder  abzudrucken. 

Der  Görresgesellschaft  und  ihrem  verehrten  Herrn  Präsidenten 
Exzellenz  Reichsrat   Fn^iherr    Dr.  6.  von   Hcrtling   sage   ich    für 
'!ie  Bewilligung  eines  Stipendiums  für  meine  Bibliotheksstudienreisen 
geziemenden  Dank.    Ebenso  der  Württembergisehen  Kommission  für 
Landesgeschichte   für   die  Aufnahme  dieser  Arbeit  unter  ihre  Publi- 
kationen, und  namentlich  ihrem  Geschiiftsiuhrer,  Herrn  Archivdirektor 
Dr.  E.  von  Schneider  in  Stuttgart  für  stetes  liebenswürdiges  Ent- 
ge^'enkomraeu. 

Für  opferwillige  Beihilfe  bei  der  Korrektur  schulde  ich  meinem 


VIII  Vorwort. 

Bruder  P.  Pius   Bihlmeyer   0.  S.  B.   in  Beuron    und  Herrn   Dr. 
A.  Hauber  in  Tübingen  ganz  besonderen  Dank. 

Mein  verehrter  Lehrer,  Professor  Dr.  F.  X.  von  Funk,  dessen 
Stellvertreter  zu  sein  ich  zuraeit  die  Ehre  habe,  hatte  schon  einige 
Zeit  vor  seinem  allzufrühen  Tode  gütigst  gestattet,  dass  das  Werk 
ihm,  dem  Altmeister  der  kirchenhistorischen  Wissenschaft,  gewidmet 
werde.  Leider  hat  er  die  Vollendung  desselben  nicht  mehr  erlebt. 
So  bleibt  mir  nur  übrig,  es  als  schwaches  Zeichen  des  Dankes  für 
die  stetige  herzliche  Anteilnahme  und  die  Förderung  meiner  Studien 
auf  sein  frisches  Grab  zu  legen. 

Tübingen,  im  April   1907. 

K.  Bihlmeyer. 


Inhalt. 


Seite 

Einleltnnff 1*-163* 

Erster  TeU.    Die  Vberllefernnff ;r-62* 

A.  Die  einzelnen  Handschriften 3*— 29* 

1.  Handschriften  des  Exemplars B* — 9* 

II.  Handschriften  der  Vita 9*— 11* 

III.  Handschriften  des  Büchleins  der  ewigen  Weisheit     .  11* — 18* 

IV.  Handschriften  des  Büchleins  der  Wahrheit    ....  18*— 20* 
V.  Handschriften  des  Brief büchleins 20* 

VI.  Handschriften  des  Grossen  Briefbuchs 20* — 26* 

Vn.  Handschriften  der  Predigten.    Das  Minnebüchlein  .     .  27*— 29* 

ß.  Da»  HandschriftenTerhftltnis.     Art   nnd  Weise   dieser 

Ausgrabe 29*  -45* 

I.  Das  Leben  Seuses 29*— 36* 

11.  Die  übrigen  Schriften  des  Exemplars 36* — 37* 

III.  Das  grosse  Briefbnch 37*— 43* 

IV.  Die  Predigten  und  das  Minnebachlein 43*— 44* 

V.  Bemerkungen  zur  Orthographie  des  Textes    ....  44* — 45* 

('.  Bilder  nnd  Hprflclie  des  Exemplars 45*— 57* 

Seuses  Terliältnis  zur  Kunst 57*    <)-2* 

Zweiter  Teil.    Sensen  Leben  nnd  Werke  ....  63* -163* 

A.  Jui^end-  und  Lenijalire   zu  Konstanz   und  Köln  (ca. 

1295-1827) 6.r-  95* 

1.  (teburtsjahr  und  -Ort,  Abstammun«:: 63* —70* 

11.  .Tugendzeit,  P^intritt  ins  Kloster.  Rekehnniir  ....  70'*'^ — 73* 

III.  Der  Dienst  der  ewigen  Weisheit 73*     76* 

IV.  Seuses  Kasteiungen 76*— 80* 

V.  Visionen  und  Ekstasen 80^ —S5* 

VI.  Studiengang  zu  Konstanz  nnd  Köln 85"— 90* 

\'ll.   Das  Büchlein  der  Walnlieit 90"^'-  95* 

K.  Seuse  als  Lel^tor  und  Pri4»r.    Seliriflstellerisclie  und 

seelsor^erlichc  Tätigkeit  (ea.  1827-I;i4s)    .     .  95*-  130* 

I.  Allgemeine  Verhältnisse  der  Dii)zese  Konstanz  und 

des  Dominikanerordens 95*     lUO* 


X  inlialt. 

Seile 

II.  Sense  als  Lektor  in  Konstanz 100*— 101* 

III.  Das   Büchlein    der   ewigen    Weisheit,    HoroJogium 

Sapientiae  nnd  Minncbiiclilein 101* — 111* 

IV.  Seuses   Leiden   und   Heimsuchungen.     Seine    seel- 

sorgerliche Tätigkeit       111*— 117* 

V.  Seuses  Briefe  und  Predigten      ........  117*— 122* 

VI.  Verkehr  mit  anderen  Mystikern.     Elsbeth  Stagel    .  123*— 127* 

VII.  Die  Jahre  des  Exils  (1339—46).     Seuse  als  Prior  .  127*— 130* 

(*.  S01180  in  Ulm  (ca.  l^US-lSfU;),  sein  Tod  und  Nachruiini. 

Übersetzungen  und  Ausgaben  seiner  Werke  130*— 163* 

L  Seuses  AVirksamkeit  in  Ulm 130* -132* 

n.  Redaktion  des  Exemplars 132*— 136* 

III.  Seuses  Tod  und  Nachruhm.     Ikonographisches    .     .  136*— 140* 

IV.  Charakteristik  von  Seuses  Person  und  Werken.    Seine 

Lehre 141*  -150* 

V.  Nachwirkung  Seuses  in  der  Literatur 150* — 156* 

VI.  Übersetzungen  und  Ausgaben  von  Seuses  Werken  .  157*-  163* 


Text 1—554 


Erste  Abteilnng:«    Menses    Exemplar 1-401 

Prolog 3—6 

Eriites  Buch«    8eases  Leben 7—195 

Erster  Teil       7—95 

Prolog 7—8 

I.  Kap.  Von  den  vorstriten  eins  anvahenden  menschen    .  8  —  10 

n.  Kap.  Von  dem  übernatürlichen  abzug,  der  im  do  ward  10 — 11 

III.  Kap.  Wie  er  kam  in  die  geistlichen  gemahelschaft  der 

ewigen  wisheit 11-15 

IV.  Kap.  Wie  er  den  namen  Jesus  uf  sin  herz  zeichente  15 — 17 
V.  Kap.  Von  dem  vorspil  gütliches  trostes,  mit  dem  got 

etlichü  anvahcndn  menschen  ri;izzct      .     .     .  17 — 22 

VI.  Kap.  Von  etlichen  Visionen 22—24 

VII.  Kap.  in  weler  Ordnung  er  ze  tisch  gie 24—25 

VIII.  Klip.  Wie  er  bcgie  daz  ingcnd  jor 26 — 27 

IX.  Kaj».  Von  den  Worten  Sursum  corda 27 — 29 

X.  Kap.  Wie  er  begie  die  liehtmiss 29 — 30 

XI.  Kap.  Wie  er  begir  die  vasnaht 30    32 

XII.  Kap.  Wie  er  begie  den  m(?igen 32—33 

XIII.  Kap.  Von  dem  eilenden  krnzgang,  den  er  mit  Cristus 

nam,  do  man  in  us  filrte  in  den  tod     .     .     .  34  —  37 

XI\'.  Kaj».  Von  der  niizzen  tugende,  du  da  heisset  swigen  37—38 

XV.  Kap.  Von  ke.Ntgung  des  libes 39-40 


Inhalt.  XI 

Seite 

XVI.  Kap.  Von  dem  scharpfen  kn'iz,  daz  er  tnig  uf  einem 

ruarg:en 41-44 

XVII.  Kap.  Von  sinem  greliger 44—46 

XVIII.  Kap.  Von  dem  abbrechene  des  tränke» 46—53 

XIX.  Kap.  Wie  er  ward  gewiset  in  die  vernünftigen  schule 

zu  der  kunst  rechter  gelassenheit   ....  68—54 

XX.  Kap.  Von  wetfmdem  undorgene 55—61 

XXI.  Kap.  Von  inrlichem  liden 61  —  63 

XXII.  Kap.  Von  dem  usker  uf  sines  nehsten  heilsamen  be- 

hulfenheit 63—65 

XXIII.  Kap.  Von  menigvaltigem  lidene 66 — 70 

XXIV.  Kap.  Von  gi'ossem  lidenne,  daz  ime  zft  viel  von  siner 

liplichen  swoster 70—74 

XXV.  Kap.  Von  swerem  lidene,  daz  im  einest  zu  viel  von 

eim  sinem  gesellen 74—78 

XXVI.  Kap.  Von  dem  morder 78 — 81 

XXVII.  Kap.  Von  wassernot 81—82 

XXVIII.  Kap.  Von  einem  ruwliu,  daz  im  got  einest  Hess  werden  82 — 83 
XXIX.  Kap.  Von  einer  minneklicheu  rechnung,  die  er  einest 

mit  got  hate 84—86 

XXX.  Kap.  Wie  er  von  lidenne  eins  males  kam  uf  den  tod  87 — 90 
XXXI.  Kap.  Wie  ein  mensch  sin  liden  in  lobricher  wise  sol 

got  wider  uf  tragen 90—92 

XXXII.  Kap.  Wa  mite  got  ergezzet  in  der  zit  einen  lidenden 

nienschon  sines  lidens 93 — 95 

Zweiter  Teil 96—195 

XXXIII.  Kap.  Von  dez  dieners  geischlichen  tohter    ....  96—99 

XXXIV.  Kap.  Von  dem  ersten  begin  eins  anvahenden  menschen  99  —  102 
XXXV.  Kap.  Von  den  ersten  bilden  und  lere  eins  anvaheuden 

menschen,   und  wie  sin  iibunge  son  sin  mit 

bescheidenheit 103—109 

XXXVI.  Kap.  Von  kintlichem  andaht  eins  jungen  anvahenden 

menschen 109 — 114 

XXX VIT.  Kap.  Wie  er  üpigü  menschen  zii  gote  zoh  und  lidendü 

menschen  tröste 114 — 117 

X XXVII 1.  Kap.  Von  einem  vil  jenierli<h«*n  lidene,  daz  im  hier 

inne  begegente 117—130 

XXXIX.  Kap.  Von  inrem  lidenne 130-132 

XL.  Kap.  Welü   liden    sien    <h:m    uiensclien   aller  nüzest 

und  got  aller  loblicliest 132-135 

XLI.  Kap.  Wie  er  etlichü  niinnendü  herzen  v(m  zitlicher 

minne  zu  gotlicher  niiiine  zoch 135  —  141 

XLII.  Kap.  Von  etlichen  lidenden  menschen,  du  mit  sunder- 

licher  trüw  iUtm  dirner  zii  geh(»r(en     .     .     .  142—144 
XLIII.  Kap.  Wie   im  Christus  vor  erschein  in  eins  Scratin.s 

bilde  und  in  lerte  liden 144—149 


XII  Inhalt. 

Seite 

XLIV.  Kap.  Wie  vestklich  der  müss  «triten,  dem  der  geisch- 

lich  pris  soJ  werden 149  —  153 

XLV.  Kap.  Von  dem  minneklichen  uamen  Jesus  ....     163— 15ö 


XLVI.  Kap.  Güte  underschaid  enzwfisdien  warer  und  falscher 

vernünftkait  in  etlichen  menschen  ....  15.'> — 158 
XL  VIT.  Kap.  Underscheid  enzwischen  ordenlicher  und  floieren- 

der  veniünftikeit 15ö— 160 

XLVIII.  Kap.  Göt€r   underscheid   under  warer  und   falscher 

gelassenheit 160—163 

IL.  Kap.  Ein  vernünftiges  inleiten  dez  ussren  menschen 

zu  siner  inrekeit 163—  170 

L.  Kap.  Von  den  hohen  fragen,  die  du  wolgeiiptü  tohter 

fragte  iren  geischlichen  vater 170 — 17H 

LL  Kap.  Ein  usrihtunge,  wa  got  ist  und  wie  got  ist    .  176 — 1K4 
LH.  Kap.  Von  dem  aller  hohsten  Überflug  eins   geleptt*n 

veniünftigen  gemiite.s 184 — 190 

LIIL  Kap.  Diss   bfiches    uieinunge    ein    heschliessen    mit 

kurzen  einvaltigen  worten 190 — 195 

Zweites  Bneh.    Bficlileln  der  £wi|:en  Weisheit     .    196-3l>5 

Prolog 196—200 

Erster  Teil 200—278 

I.  Kap.  Wie   etlichü   menschen   von   got  unwissentlich 

werden  t  gezogen 200—204 

11.  Kap.  Wie  es  vor  dem  krüzgenne  ergie 204 — 207 

III.  Kap.  Wie  es  an  dem  krüz  umh  in  stund  nah  dem 

ussren  menschen 207—209 

IV.  Kap.  Wie  reht  getrüwlich  sin  liden  waz     ....    209  -210 
V.  Kap.  Wie  du   sele   under  dem   krüz  kunt  ze  einem 

herzklichen   n'iwenne   und   ze  einem   muten 
vergebennr 211 — 216 

VI.  Kap.  Wie  betrogen  der  weit  minne  ist  und  wie  min- 

neklich  aber  got  ist 216—223 

VII.  Kap.  Wie  minnekliche  tr(»t  ist 228-229 

VIII.  Kap.  Ein  usrihtunge  drier  dinge,  du  einem  minner 
aller  meist  mohtin  an  got  widerstan.  Daz 
ein  ist:  wie  er  s(>  zornlich  mug  geschineu 
und  doch  so  minnklich  sin 229—230 

IX.  Kap.  I>az  ander:    war  umbe  er  sich  sinen  vründen 
dik    uaii   horzlust«'   enzühet,  und  wa  hi  uian 
sin  waren  geireuwürtkeit  erkenuta       .     .     .     2:^0—285 
X.Kap.  Daz   dritt*:    war   uuil»e   es   got   sinen    vründeu 

als  reht  ülxd  in  zit  irrstattet 236—237 

XI.  Ka]>.  Von  ienur  werendem  we  der  helle     ....     237 — 240 


Inhalt.  XIII 

Seite 

Xll.  Kap.  Von  unmcssiger  vrode  des  himelrichB     .    .     .  240 — 248 

XJn.  Kap.  Von  nnmessiger  edli  zitliches  lidennes    .    .     .  248    254 
XIV.  Kap.  Von  unsäglicher  giiti  der  betrahtunge  des  got- 

lichen  lidens 254—259 

XV.  Kap.  Von  dem  njinnekosen,  daz  du  sei  mit  got  hate 
gehebt  unter  dem  krdze,  keret  si  sich  wider 

zu  siueni  lidenne 259—262 

XVI.  Kap.  Von  dem  wirdigen  lobe  der  reinen  königen  von 

himelrich       262—268 

XVII.  Kap.  Von  ire  unsäglichem  herzleide 268-271 

XVni.  Kap.  Wie  es  ze  der  stund  nah  dem  inren  menschen 

umb  in  stund 272—274 

XIX.  Kap.  Von  der  ablosunge 275—277 

XX.  Kap.  Von  der  jemerlichen  schidunge  von  dem  grabe  277 — 278 

Zweiter  Teil 278-B14 

XXI.  Kap.  Wie  man  sol  lernen  sterben  und  wie  ein  un- 
bereiter tot  geschaffen  ist 278—287 

XXII.  Kap.  Wie  man  inrlich  leben  soi 288—290 

XXni.  Kap.  Wie  man  got  minneklich  enpfahen  sol   .    .    .  290-303 

Gebet 303 

XXIV.  Kap.  Wie  man  got  grundlosklich  alle  stunde  loben  sol  304 — 314 

Dritter  Teil«   Die  hundert  lletrachtungen  und  llegelirnngeii  314 — 322 

Epiloir 322-324 

Kecrister 324—325 

^ritten  Bach.    Büchlein  der  Wahrheit 326—359 

Prolog 326-328 

I.  Kaj).  Wie  ein  t^elazener  mensche  beginnet  und  endet 

in  einikcite 328-329 

II.  Kap.  Ob  in  der  hohsten  einikeit  kein  anderheit  nnige 

bestan 329—331 

III.  Kap.  Wie  sich  der  mensche  und  alle  kreaturen  ewklich 

haben  gehalten,  niid  von  ircni  gewordenlichen 

usbruchc 331-  332 

IV.  Kap.  Von   dem   waren    iiikere.    den    ein    jL^olazsener 

mensche  durch  den  einbornen  8un  nemen  sol  333 — 338 
V.  Kap.  Von  den  hohen  und  nützen  fragen,  die  ime  du 
warheit  lies  werden  von  der  glichnüsse  eins 

gelassen  menschen 338-352 

Vi.  Kap.  Uff  welen  pnncten  dWu  nicnsclien  4»ebristet.  die 

valsche  friheit  fiirent 352-357 

VII.  Kap.  Wie  adelliclien  sich  haltet  ein  reht  i^elazsener 

mensch  in  allen  diufron 357 — 359 


XIV  luh'Ah. 

Seite 

Viertes  Buch.    Brief  bfichlein .    360—393 


Prolojjc 300 

I.  Brief.  Von  eins  aiivahcndcn  meuschen  ledigen  vonker 

von  der  weit  zfi  got.    Kegnnin  mundi  et  omnem 
ornatuni  saeculi  contenipsi  propter  amorem  do- 

mini  mei  Jesu  Cristi 300-363 

II.  Brief.  Von  einem  demntigen  undergang  eins  gotJicheu 

menschen.    Habitabit  lupiis  cum  agno     .     .     .     363 — 307 

III.  Brief.  Wie  sich  ein  mensch  poI  geben  willeklich  in  liden 
nach  dem  bilde  CYisti.  Eisbeten  der  Staglin 
ze  Tozz.     Nigra  sum  sed  formosa      ....     367— 30S 

TV.  Brief.  AVie  ein  ungelebter  mensch  sich  zu  im  selber 
allein  sol  keren  und  endri'i  menschen  unberichtet 
söl  lassen.  Quoraodo  potest  caecus  ducere?  .  369 — ;i72 
V.  Brief.  Von  jubilierender  frode ,  die  die  engel  und 
engelschlichfi  menschen  enpfahent,  so  sich  ein 
Sünder  bekeret.  Exultet  iam  angelica  turba 
coelorum 373  —  378 

VI.  Brief.  Wie  sich  ein  mensch  sol  halt-en  unerschrokenlich, 
so  es  gat  an  ein  sterben.    Absalon.  lili  mi.  quis 

mihi  det,  ut  ego  moriar  pro  teV 37H— 3H1 

Vn.  Brief.  Wie  sich   ein  mensch   in  ustragenden  emptorn 
sül  halten.    Oistus  factus  est  pro  nobis  obediens 

usque  ad  mortem 381 — 3SH 

VIII.  Brief.  Wie  sich  ein  gotlicher  mensch  in  gotlicher  suzze- 
keit  sol  haben.  Elsbeth  Staglin.  Annunciate 
dilecto,  quia  amore  langueo 384     380 

IX.  Brief.  Wie  ein  mensch  ze   ruwe  sinea  herzen  in  got 

söl  kommen.     In  oranibus  requiem  quaesivi    .     387  -389 
X.  Brief.  Von  etlichen  stüken,  die  ze  volkomenheit  liorent. 

Estote  perfecti 389—391 

XI.  Brief.  Wie  sich  ein  mensch  zii  dem  gotlichen  namen 
Jesus  sol  andehtklich  lialten.  Pone  ni«*  ut 
signaculum  super  cor  tuuni! 391- -393 

Zusätze  zum  Brief hiichloin :    Kr/ählinig  toii  der  Verehrung 

des  Xamens  Jesu,  Morgenuruss  und  Sprüche  .     .     393— 4ni 

Zweite  Abteilang:.    Die  nicht  in  das  Kxemplar  auf- 

l^enommenen  deutschen  Schriften  Keanes    4u3  -.554 

I.  Das  is^rosse  Itriefbnch 405-494 

Prolog .     4O5--406 

1.  r>rief.  \{v\  l>avid  s«Miuorat 406     410 

II.  Brief.  B«*gnum  mundi  et  omnem  ornaium  saeculi  oon- 

tempsi  propter  amorom  domiui  mei  Jesu  Oisti     410—417 


Inhalt.  XV 

Seite 

III.  Brief.  Surrexi,  ut  aperirem  dilecto  meo 417—419 

IV.  Hrief.  Habitabit  hipus  cum  agno 420-423 

V.  Brief.  Sonet  vox  tua  in  auribus  meis,  vox  enira  tna 

duJcis  et  facies  tua  dccora 423—425 

VI.  Brief.  Vineae  florcntes  odorem  dederunt,  et  vox  tur- 

turis  audita  est  in  terra  nostra 425—427 

VII.  Brief.  Trabe  rae,   post  te  cürremus  in  odore  unguen- 

torum  tuorum! 427—429 

M3I.  Brief.  Gustate  et  videte,  quouiam  suavis  est  dominus  429—432 

rX.  Brief.  Quam  dilecta  tAbeniacula  tna  domine  virtutum!  432—434 
X.  Brief.  Kevertere,  revcrtere  Sunamitis,  revertere,  rever- 

tere,  ut  intueamnr  te! 434-437 

XL  Brief.  Audi,  fili  mi,  disciplinam  patris  tui!    .     .     .     .  437  —  439 
XII.  Brief.  Nigra  sum,  sed  formoaa,  filiae  Jerusalem,  sicut 

tabemaeula  Cedar,  sicut  pellis  Salomonis    .     .  439-444 

XIII.  Brief.  Absalon,  tili  mi,  fili  mi  Absaloii,  ([uis  mihi  det, 

ut  ego  moriar  pro  te? 444—446 

XIV.  Brief.  Exultet  iam  angelica  turba  celonim!    ....  446—451 
XV.  Brief.  Surge  aquilo  et  veni  auster,  perfla  hortum  meum, 

et  fluant  aromata  illias! 451—454 

XVI.  Brief.  In  exitu  Israhel  de  Egypto  etc 454 — 457 

XVII.  Brief.  Quomodo  potest  cecus  cecnm  ducere?       .     .     .  457 — 460 

XVIII.  Brief.  Nemo  potest  dnobus  dominis  servire    ....  461 
XIX.  Brief.  Christus  factua  est  pro  nobis  obodiens  usquc  ad 

mortem 462 — 465 

XX.  Brief.  Annunciate  dilecto,  quia  amore  langueo   .     .     .  466  — 46H 

XXI.  Brief.  In  omnibus  requiem  quesivi    . 468—470 

XXII.  Brief.  Estote  perfecti! 471—472 

XXIII.  Brief.  Exivi  a  patre  et  v«*ni  in  niundum ;  itenini  relinquo 

mundum  et  vado  ad  patn?ni 472—475 

XXIV.  Brief.  Nos  autem  revelata   facie  ^loriam  domini   spe- 

culantes  in  eandeni  iniaginein  transformamur  a 

claritate  in  claritatem.  tamquain  a  domini  spiritn  475—477 

XXV.  Brief.  Mihi  anteni  adhaorere  deo  bonum  est       .     .     .  477 — 479 

XXVI.  Brief.  Pou<'  me  ut  sionaculum  super  cor  tuum!      .     .  479— 4sO 

XXVIl.  Brief.  Cum  essem  parvulus,  loqucbar  ut  parvulus  .     .  480-  4H5 

XXVIII.  Brief.*)  Testament  der  Minne  oder  Miiin.reirel   .     .     .  486—494 


li.  Predi|:ten 495    r>;i6 

I.  Predigt.    Lectulus  noster  fioridus 495-  5(  »8 

TL  Predigt.*)  Miserunt  .Tudaei   ab  Jero»olymi.s  sueerdotes 

et  levitas   ad  Johannem,    ut   iuterrogarent 

eum:    Tu  quis  es? 509—518 

*i    Der   Asterisk    bedeutet,    dass   die   Echtheit   des    betreffenden    :^tiUkf<5 
/Avoifelhaft  ist. 


XVI  Inhalt. 

Seite- 

III.  Predigt.*)  Exivi  a  patre  et  veni  in   mundum,  iterum 

relinquo  mundum 518— 62B 

IV.  Predigt.  Iterum  relinquo  mundum  et  vado  ad  patrem  529—536^ 

III.  Das  Hinnebfiehlein*) 537-554 

'    I.  Kapital 537-543 

IL  Kapitel 544-547 

lU.  Kapitel 548—554 

Berichtigungen  und  Nachträge 555—558 

Glossar 569— «28 


Verzeichnis  der  Bilder. 

1.  Zur  Vita. 

Abb.  1  (Erklärung  S.  3) 2 

Abb.  2  (Erklärung  S.  20; 19 

Abb.  3  (Erklärung  S.  51) 52 

Abb.  4  (Erklärung  S.  65) 65 

Abb.  5  (Erklärung  S.  130) 129    | 

Abb.  6  (Erklärung  S.  140) 141     j 

Abb.  7  (Erklärung  S.  148) 147 

Abb.  8  (Erklärung  S.  152) 150 

Abb.  9  (Erklärung  S.  152) 151 

Abb.  10  (Erklärung  S.  155 j 154 

Abb.  11  (Erklärung  S.  195) 195 

a.  Zum  Büchlein  der  Ewigen  Weislieit. 

Abb.  12  (Erklärung  S.  258) 255    | 

*)    Der  Asterisk    beloutct,    dass   die  Echtheit   des  betreffenden   Stückes    j 
zweifelhaft  ist. 

I 


Yerzeiohnis  der  Abkttrznng^iL 


=  Leben  Seiues. 
=  Büchlein  der  ewigen  Weisheit. 
=  Büchlein  der  Wahrheit 

J  =  Kleines  Brief bttchlein. 

Bfb  ■=  Grosses  Brief  buch. 

=  Minnebttchlein. 
r.  =  Horologium  Sapientiae. 

=  Deutsches  W^örterbuch. 
(i).  =  Handschrift^en). 
=  Jahrhundert. 
=  Urtnindenbuch. 

lir  oder  ALKliM  =  Archiv  für  Literatur-  und  Kirchengeschichte  deH  Mittel- 
alters, 
^i^  ==  Buch  von  geistlicher  Armut,  hrsg.  von  Denifle  1877. 
OL  =  Denifles  Scuseausgabe  (1880). 
iep.  =  Diepenbrocks  Senseausgabe  (•1884). 

^hut  =  Pfeiffer,  Deutsche  Mystiker  des  14.  Jh.  11  Meister  Eckhart  (1857). 
•^th  =  C.  Grrith,  Die  deutsche  Mystik  im  Predigerorden  (1861). 
rxer  =  M.  Lexer,  Mittelhochdeutsches  Handwörterbuch,  3  Bde  (1872  78). 
;)PH  =  Monumenta  Ordinis  Praedicatonim  Historica  ed.  Reichert  (1895 ff.j. 
^^T  I— ril  =  W.  Freier,  Geschichte  der  dmtschen  Mystik  im  Mittelalter, 

8  Bde  (1874  93). 
'eger  Briefe-  =  Die  Briefe  H.  Susos  hrsjr.  von  Proger  (1K67). 
•eisrer  Vurarbeiteu  =  P reger,  Vorarbeiten  zu  einer  Geschichte  der  deutschten 

Mystik,  Zeitschrift  fiir  bist.  Theologie  1869,  IflF. 
»eberg  — -   K.  Strebe rg.  Ein  Kampf  um  jenseitiges  Leben,     liebensbiid   eim^s 

mittelalterlichen  Frommen  (II.  Sense)  1HH9. 
tranch,  Ad.  I^angmann  =  Die  Offenbarungen  der  Ad.  I^.  hrsg.  von  Strauch, 

ifV  26  (1878). 
Inoch,  Marg.  Kbner  =  Strauch,  M.  E.  und  Heinrich  von  Nördlingen  (1882). 
iriot  =  Oenvrfrs  mystiques  du  bienh.  H.  Suso,  trad.  par  Tli.  T  (J8?^9). 
toer  =  Th.  Vetter,  Ein  Mystikerpaar  des  14.  Jh.  (H.  Sousr  und  E.  SUigel)  1882. 
~  Z^-itsrhrift  für  deutsches  Altertum. 
=  Anz^-iger  der  Zeitschr.  f.  dt»Qh.  A. 
ih  =  Z**it<ichrift  für  deutsche  Philologie. 


Einleitung. 


—  ^«^  ^«. 


II .   M-  u  ■  c,  Dentiohc  Schriften. 


A.    Die  einzelnen  Handschriften. 


Die  deutschen  Schriften  Seuses  sind  in  sehr  zahlreichen  und 
»«'(  zersirtuteit  Handschriften  überliefert.  Soteeit  sich  ihre  Pro- 
tmem  feststeäen  Insst.  stammen  die  meisten  derselben  mis  Nonnen- 
Wiiiem,  besonders  des  Dominikanerordens,  in  Süddeutschland  (Elsass, 
Baden,  Wärtlendterg,  Bayern)  und  der  Schweiz,  doch  nicht  wewiye 
auch  aus  Mittel-  und  Niederdeutscfdand;  nach  dem  Osten  (Österreich) 
tthniten  Seuses  Werke  weniger  gedrungen  zu  sein.  Insbesondere  das 
pde»  ist  im  14.  und  15.  Jh.  so  häufig  abgeschrieben  worden,  dass 
jede  grössere  Bibliothek  in  Deutschland  und  in  der  Schweiz 
mehrere  Exemplare  daran  enthält.  Es  kann  sicJt  daher 
bei  der  Aufzählung  noch  bei  der  Benutzung  der  Band- 
tAriflm  um  absolute  Vollständigkeit  handeln;  namentlich  aus  Privat- 
ÜUiothtken  »cird  noch  dies  und  jenes  Manuskript  nachgetragen  werden 
länwn.  Möglichste  Lückenlosigkett  ist  jedoch  angestrebt  bei  den 
Mdtrhandschriften  des  sog.  Exemplars  (d.  h.  des  von  Seuse  selbst 
T*digiiTien  Sammelwerks,  seine  oier  Hauptschriften:  Vita,  Bdew, 
Bda  und  Kl  Bfb  umfassend),  beim  Leben  Seuses  und  beim  Gr  Bfb. 
Dit  in  dieser  Ausgabe  benützten  Handschriften  sind  mit  fettgedruckter 
fiißre  bezeichnet;  von  den  übrigm  sind  die  meisten  wenigstens  ein- 
ten worden.  Bei  der  grossen  Zahl  der  zu  eneähnenden  Manu- 
'ipte  musste  die  Beschreibung  so  knapp  als  möglich  gehalten  werden. 

L  Handsehliften  des  Exemplars. 

A  =  Berlin,  KijL  Bibliothek  Ms.  germ.  'inarto  840  face.  9493), 

'trg.  ISO  Bl.   (die  Bl.  84—87   sind   au  falscher  Steile  gebunden, 

gehören   zwischen   fik   und  (i9)    170  X  215   mm.    Lagen   von   ge- 


Einleitung'.    I.     Die  Oberliefpmng. 


1 


wöhtUich  12  BL,  durch  schnittlich  33  Zeilen  auf  einer  Seite,  von 
einer,  sich  aber  nicht  immer  gaiiz  gleichbleihoiden  Hand  in  da 
zweiten  Hälfte  des  14.  Jh.  sorgifältig  geschrieben.  Dieselbe  Hani 
hat  nachträglich  Korrekturen  vorgenommen,  dann  und  tearw,  aba 
seltener,  auch  eine  zweite,  spätere  Hand.  Dialekt  alemannisch,  tooh 
nur  ganz  leicht  vom  elsässischen  heeinfiusst.  Inhalt:  das  Ejremplat 
vollständig  mit  Prolog,  Bildern  und  einigen  gemalten  Initialen  (übet 
die  bildliche  Ausstattung  siehe  genaueres  unter  C).  Die  Kapitel»' 
Überschriften  und  Anfangsbuchstaben  sind  rot.  BL  1 '  oben  am  Bandi 
steht  von  alter  Hand  (rot):  Pater  noeter  et  Ave  Maria,  d<irunter: 
Gelobt  vnd  gebenediet  sy  der  werde  nameti  vosers  herren  tesn  spi 
vnd  der  lioh  gelobten  junefrouwe  Marien  einer  mftter  eweclicben 
an  ende  Amen.  Darauf  von  jüngerer  Hand  (15.  Jh.,  teilweise  rer- 
wischt):  lESUS  MARIA  zarter  minneclicherherre  vnd  frunt . .  .  hertzea 
Amen.  Darunter  si;hu:arz  (14.  Jh.):  XI  bilde.  .Im  Schltisse  BL  160* 
steht  (rot):  Explicit.  Finis  adeat  vere  Echriptor  wnit  precinm  habere 
Die  für  die  Seuseforachwig  ätisserst  wichtige  Hs.  —  sie  ist  dh 
älteste  Htid  beste  Hs.  des  Exemplars  und  daher  dieser  Ausgabe  zw 
gründe  gelegt  —  hat  merkwürdige  Schicksale  erl^t.  Sie  stammt  aui 
d-er  Bibliothek  des  Johanniter havses  zum  Grünen  Wörth  in  Straw 
bürg,  imtrde,  wie  ihr  Zustand  zeigt,  von  den  dortigen  mystisch  g* 
stimmten  Kreisen  fiel  gelesen  und  kam  bei  der  Aufhebung  d* 
Klosters  mit  anderen  wertvollen  Hss.  jener  Sammlung ')  in  die  Strasf 
burger  SladtbibUothek,  wo  sie  wie  vorher  die  Signatur  B  139  trufft 
Hier  wurde  die  Hs.  von  K.  Schmidt  zu  einem  Auf  säte  über  Senat 
in  Theol.  Studien  und  Kritiken  1843,  835  ff.,  der  auch  maneh^ 
Auszüge  daraus  gibt,  benutzt,  ferner  in  den  vierziger  Jahren  dm 
19,  Jh.  von  dem  bekannten  Germanisten  Franz  Pfeiffer,  der  etfM 
Ausgabe  Seuses projektierte'),  in  ziemlich  mangelhafter  und  ungenau«i 
Weise    teils    abgeschrieben*),    teils    kollationiert.      Pfeiffers    Man» 


'>  Vgl.  darüber  J.  J.  Witltr,  Cataiogus  Cod.  Mt».  in  InhUothtca  eaen 
ordinis  UUroaoh/mitati  ArgetUorati  aseervatoram ,  SIrtusburg  1746  (uim* 
Stastits.  S.  19  unter  B  139,  doch  füUchlkh  aU  Fapitrh».  btteichntt):  J,  Äad 
gtber,  Die  htl.  Schatte  der  früheren  Strassb.  Stadthibliothek  1876,  41  f.', 
C.  Schmidt,  Zur  Ge*eh.  ätr  älteattn  Blbliothtken  za  SImstburg  1883,  ISj 
K.   nieder,   Dir  OottMfreund  vom  Oberland  1905,  35eff. 

')  Übtr  di«s(  Stint  PMiie  tgl.  K.  Bartack  in  eeinn- Biugraphie  Pf*ifftr 
in  ,BriefiixfliatI  gwisdmn  Jos.  von  Lassberg  u.  L.  Uhland'  hrsg.  von  F.  Pfefffi 
1870,  XXX  f.,  XLVIl. 

•)  Ein  Teil  der  Absehriß  ist  aUtydingg  nicht  von  Pfeiffer  nrlb/ä,  sondert 
vnn  unbekannter  Hand. 


t  einzolnen  HandBolirift«ii.  5* 

•kfii>lc ')  kamen  nach  eeiium  Tode  (f  29.  Mol  18^)  in  äü  HofbibUotkek 
n  Wie»  (=Suppl.  2778  [N.  S.  208]  eMkalteml  Vita'),  Bdw, 
KIBß.  und  Sujijyl.  2779  [Nr.  15379;  tujL  Tnbuine  codd.  VIII, 
155  f.]  enthallend  Bdmf,  Gr  Bfb  [)>.  imU-r  VI],  Predigt  I  und  IV 
(•.  anter  VII],  und  eiuüje  Stacke  von  Eckhort  nach  Abuchift  «ow 
J.  Hfitiptj,  ifo  sie  auch  Dtnifie  für  "eine  Aiisgahe  heniitzte.  Die 
Siiassburger  Hs.  selbst  galt  als  verloren,  da  am  24.  August  1870 
i"i  der  Behgerung  die  Stadfbibh'ofhek  in  Brand  geschossen  und  zer- 
'lärt  trurde.  Gross  wnr  daher  die  Überraschung,  nls  Schreiber  dieses 
m  September  1903  rfns  verlorene  Manuskript  in  Berlin  wieder  ent- 
d«ktf.  Eingezogenen  Erkundigungen  zufolge  ist  es  im  September 
ms  «US  dtm  Nachlass  Pfeiffers  käuflich  eiteorben  worden.  Es 
lifgt  die  Vermutung  nahe,  dass  der  Gelehrte  die  Ha.  zur  Benützung 
fntliehen  hatte,  jedoch  starb,  ehe  er  sie  zurückgeben  konnte,  und  dass 
tit  darauf  als  sein  Eigentum  angesehen  und  verkauft  wurde;  dass 
man  in  Strassburg  den  Verlust  nicht  bemerkte,  ist  zwar  auffallend, 
"btf  dem  Krieg  konnte  die  Sache  aber  uiohl  in  Vergessenheit  geraten. 
tt«  Zweifel  an  der  Identität  der  Hs.  kann  nicht  bestehen:  nicht 
nur  ist  die  alle  Signatur  B  139  anf  dtm  Rücken  des  Einbandes 
«och  deutlieh  sichtbar,  sie  stimmt  auch  aufs  genaueste  mit  den 
f^neipten  Schmidts  und  den  Abschriften  Pfeiffers.  Habent  sua 
Mit  libeUi! 

IL  =  Einsiedeln,  Stiftsbibliothek  Ih.  i\r.710.  Pap.  9  +  232 
■m  (Uter  Hand  numerierte  Bl.  fol.  (208  :-  302  mm),  d(rppel>^ltiy 
der  Bweiten ')  Hälfte  des  15.  Jh.  sehr  achün  geschrieben,  reich 
Miniaturen  ausgestattet  (s.  unter  C).  Sprache:  alemannisch- 
^Kkicdbisch.  Inhalf:  Bl.  6'^—7'^  Register;  Bl.  I—XXI  (alte  Be- 
iißerung}  Gedicht  von  Christus  und  der  mtnnenden  Seele  (mit 
Bildtni},  da»  sich  auch  in  der  1/onaueschinger  Hs.  Nr.  106  Bl.  1—40, 

')  Über  «rmm  bis  jrtst  gan£  ungenügend  auegtniUiUn  und  he/ichriebentn, 
He  ilt  G*9ehiehU  der  druttchen  MyHik  trei-tvolltn  Naehlasfi  vgl.  jftzl  Otto 
^faofl,  Oberlirfrrung  und  Handselirifttnverhältmn  den  Traktate«  ,Sehfcetter 
JPalf«',  Diss.  Hau*  1906,  9  f. 

*)  liit  »r»tr  tlätftr  dergeiben  ist  nach  der  Stuttgarter  He.  Cod.  aseet.  I&, 
fr^ith  nicht  »eilen  nachlattig  abgrschrirben  und  nach  der  Straesliurger  Hs. 
i-Hatio^rrt,  tiuu iJenifU  XX,637  und Zfda  XXI,  IST  nie/it  erkannt  hrU,  in  der 
netitn  H'ilftt  i*t  nur  da»  Strateh.  Manutkript  kt^ien. 

*)  Dmiße  XXVIII  weist  die  H».  dem  Anfang  dts  JH.  Jh.  tu,  aber  die 
TON  dtrttlhen  Hand  geeehriebene  Einsiedler  Ha.  Nr.  3^3  ist  im  Jährt  1463 
"Mendti  (tgl.  Vatatogus  Codd.  tnet.  in  hihi.  Monaiä.  Einsiedl.  descript.  a.  P. 
0.  iltler  I  {189.9}  260K 


L 


Einleitung.    I.    Die  Überliefenmg. 

ni  K'irWuhe,  Cod.  St.  Georij.  Pap.  Germ.  91  Bl.  1—80  (ehenfnU»  mit 
Bildern),  und  Überlmgm,  Hs.  Nr.  22  (=  U)  Bl.  3-20  findet ');, 
Bl,  XXIII"— CLXXXIIII'-  das  Exmplnr  vollstäiidüj  mit  Prolog, 
von  da  l/is  Schhiss  Bl.  CCXXIX  kleinere  asketische  und  mystisch* 
Stucke  (vom  christlic/tt-n  Lehen,  von  einem  geistlichen  Kloster  nach 
St.  Bernhard,  Bruderschaft  der  ewigen  Weisheit  im  Auszug 
[Bl.  Cölt—CCIll],  ton  vollkommener  Demut,  von  dm  Graden  und. 
Staffeln  iler  Geduld,  von  einem  anfangenden,  zunehmenden  und  voll^ 
kommenen  Leben  «.  a.).  Die  Hs.  stammt  laut  altem  Eintrag  Bl.  4*" 
aus  dem  Uominikanerinnenklosier  St.  Petrr  zu  Konstanz; 
Vergleich  mit  Hs.  Nr.  383  und  752 ')  legt  die  Vermutung  nahe,  da» 
sie  wie  diese  von  detu  reichen  und  angesehenen  Patrizier geschleclii 
der  Ehinger  —  ihr  Wappen  findet  sich  in  allen  drei  Hss.  —  dortt 
hin  geschenkt  wurde.  Auszüge  aus  den  lier  Schriften  des  Exemplar* 
nach  K  bei  F.  Vetter,  Lehrhafte  Literatur  des  14.  und  15.  Jlh, 
2.  Teil:  Geistliches  (=  Kürschners  Deutsche  Nationoüiteratur  Xlt^ 
2  [1889])  109—247. 

R  =  Hs.  der  Domkapilelsbibliothek  in  Breslau,  ohne  Sigtiatur^ 
Pap.  293  Bl.  fol.  (220  x  320  mm),  mit  Bildern,  am  Ende  dlH 
lö.  Jh.  von  Schwester  Katkarina  Menttellwergerin  (Bl.220'*)  » 
lieh  fiächtig  geschrieben.  Dialekt:  bagerisch.  Die  Hs.  utammt 
dein  Dominikanerinnenklosier  zum  hl.  Kreuz  in  Regensburg,  und 
irurd«  i'on  Kardinal  Diepenbrack  der  Bibliothek  des  Domkapitels  Ht' 
Breslau  vermacht.  Inhalt:  Bl.  i™ — 244"*  dtis  Exetnplar  vollständig* 
mit  Prolog  (vom  Bdw  fehlen  aber  die  Kap.  3,  4,  6,  7,  vom  Kl  Bß 
Brief  6  und  7);  Bl.  244'"— 79'*  23  Briefe  des  Gr  Bfh  (s.  untei 
VI);  Bl.  279 •*—82 -*  Zttmtz zum  Bfb  (393,8—96,5);  Bl.  282'*~93* 
Bruderschaft  der  ewigen    Weisheit. 

H=  Wolfenbüttel,  Herzogl.  Bibliothek  Cod.  78.  ö.  Aus 
fol.,  Pap.  322  Bl.,  im  15.  Jh.  (Bd.  322":  1473)  in  bayerisch«» 
Dialekt  von  mehreren  Händen  geschrieben  und  mit  Miniaturen  autfi 
gestattet.  Die  Hs.  stammt  vermutlich  aus  einem  Nürnberger  Klostä 
lind  enthält  das  ijanze  Exemplar  mit  Register,  Prolog  und  den  Na^ 
trägen   zum  Bfb,    die   Bruderschaft   der    ewigen    Weisheit   und  da 


')  Ein  Brucltttück  ül  in  Monet  Anziifftr  VIII  (1839)  334 ff.  abgtärudt 
dit  AnfSngt  ttnd  Ühtrsehrifltn  aun  übet  F.  VilUr,  Das  Lehm  der  Sehtür.ttt 
n>  Tßen  19oe,  X f.  Bttehreibung  bei  A.  Peltter,  Deutscht  Mystik  h 
deutliche  Kunst  (Studien  »ur  dtulschen  KumtgeschichU  H.  31)  lti99,  181  f. 

')  Betehreibung  diuer  Hs.  bei  Simon  a.  a.  0.  .Uff. 

•)   Deitifle»  Ängnbi-  XXVIII f..  da»»  das  Bdew  fehle,  ist  HfiriehHg. 


Die  Giuselnen  HaoilBchriften.  7* 

Stunfthenbuch  Mersicinf ').  beschreihumj  in  0.  ton  Ittiiir iiiuniis 
Kntäog  2.  Aht.   IV  (19fM>)  7. 

f  =  //(f.  der  Freihuryer  Universitätsbibliothek  AV.  45S, 
Pay.  213  bl.  fol.  (220  x  290  tum)  15.  Jh.  (Bl.  212'*  :  1440),  im 
dmanninehschwäbisckem  Dialekt,  das  Exemplar  vollsiätidtg  mit  Re- 
jiiltr,  Vorrede,  Nachträgen  und  die  Bruderschaft  der  ew.  Weish. 
fntkaltend;  früher  im  Besitz  des  Fransiskaner-Tertiarierinnenklostere 
a  ImiykofeH  bei  Sigmaringen,  dann  des  Professors  F.  K.  Ories- 
h-ibrr,  Hftch  dessen  Tod  (ISfiG)  die  Hs.  »ach  Freiburg  gelangte. 

H  =  Hs.  der  Siodtbibliothck  in  Nürnberg  Cent.  VII,  DO, 
Pap.  173  Bl.  4'  (150x210  mm)  mm  15.  Jh.,  in  bayerischer 
Mundart;  sehr  fehlerhaft  und  ohne  Verständnis  geschrieben,  früher 
dm  Dominikaner  Konrad  Förster  von  Ansbach  zu  Nürnberg  ge- 
*mj.  Enthält  Bl.  2^66  Bdew  vollständig;  Bl.  67—123  Vita  bis 
Sr.Uuss  von  Kap.  44,  teils  stark  gekürzt,  teils  mit  Auslassung  einzelner 
Kapitel  (z.  B.  6,  30,  33,  34,  57  usw.),  wofür  dann  andere  ab- 
jäfjlt  und  mit  neuen  Überschrtften  versehen  werden'');  Bl.  124 — 3Ü 
Bdic;  BL  140—73  25  Briefe,  eine  Kompilation  aus  Briefen  des 
KldJ  Nr.)  und  Gr  Bfh  (14  resp.  15  Nr.)  mit  den  Nachträgen 
:m  Kl  Bß.      Vgl.  die  TabeUe  zu   VI. 

m  =  ll8.  der  Münchner  Staatsbibliothek  Cgm  819,  Pap. 
S46  bl.  8 ".  15.  Jh.,  in  bayerischem  Dialekt.  Der  Inhalt  ist,  von 
im  fehlenden  Bdew  abgesehen,  genau  derselbe  wie  in  N  mit  allen 
charakteristischen  Eigenheilen  und  Abweichungen,  besonders  in  der 
yita  und  im  Brief  buch;  man  ist  zur  Annahtne  genötigt,  dass  ent- 
wdtr  Mite  Hss.  eine  gemeinsame  Vorlage  hatten,  oder  dass  eine  von 
der  anderen  direkt  abhängt  (wahrscheinlich  m  von  N).  Beschreibung 
iir  da.  in  SchmeUeis  Katalog  139.  Das  Briefbuch  der  Hs.  m  hat 
H".  Preger  1867  unter  dem  Titel:  „Die  Briefe  Heinrich  Susos 
»och  einer  Handschrift  des  XV.  Jahrhunderts"  ediert  in  der  irr- 
limiichen  Meinung,  darin  das  endgültige,  von  Seuse  redigierte  Brief- 
iuch  gefntiden  zu  haben  (weiteres  unter  B). 

B'  =  Äs.  der  Kgl.  Bibliothek  in  Berlin,  Ms.  germ.  fol.  f58, 
Pap.  232  Bl.,  15.  Jh.  (ztveite  Hälfte),  in  bayerischem  Dialekt,  mit 
Bildern,  aus  dem  Dominikanerinnenkloster  Allenhohenau  bei  Wnsser- 
barg  in  Oberbayern,  dann  im  Besitze  Meusebachs.   Besteht  aus  zwei 

>)   Ühtr  diitet  vgl.  Strauch  in  Z/dph  1902,  S3il. 

•)  htr  Schreibt''  htgrUndet  »ein  Verfahren  am  Schiuti  lies  Prologs  der 
f'ia:  ilocli  han  ich  das  pest  damn!;  gelesen  in  knrtzen  «orten,  und  SI.  139': 
ptoMum  ed  fieri  per  phtra,  qitod  pnte«t  flen  per  panciora. 


8*  Einleituüg.    I,    Die  Übcrliefermig. 

'leilen:    1.  Bl.    1 — 85   Heiligenleben,    2'eil   eines   Pasnionals;   2, 
1 — 147   Vita   mit  Proloij   de^  Exemplars   und  Bdew,   aber  ohne  di 
100  Betrachtungen.     Text  spät  und  umucetiätsig. 

P  =  Paris,  Bibliol/iique  nationale.  Ms.  aUem.  223,  Pap.  3U 
Bl.  4".  15.  Jh.,  in  alemanninoh~el«ässischeiii  Dialekt,  aus  dem  Do* 
minikanerinmnkioster  St.  Nikolaus  in  imdis  zu  Sirassburg  stammendi 
Inhalt:  Bl.  I'-^IOO'  Vita;  Bl.  lOff—lW  KlBfb  ohne  Nr.  tl 
{Pone  me);  Bl.  118' — 24'  die  Bilder  des  Exemplars  in  sehr  rohM 
Ausführung  mit  den  Sprächen  dazu.  Über  den  weiteren  Inhalt  dei 
interessanten  mystischen  Sammelhs.,  auf  die  zuerst  F.  fetter'] 
aufmerksam  gemacht  hat,  siehe  die  Beschreibung  bei  G.  Hue% 
Catatoque  des  mss.  aliemands  de  la  bibl.  nationale,  Paris  1895,  IStj 
rollständiger  und  genauer  bei  Simon  (s.  o.  S.  5*  Ä.  1 )  n.  a.  0.  27^, 

S  =  Cod,  ascet.  15  der  Kgl.  Handbibliothek  in  Stuttgartf 
Jetzt  (seit  1901)  in  der  Kgl.  Landesbibliothek,  Pap.  233  Bl.  4* 
(145x210  mm),  von  zwei  Händen  in  der  ersten  Hälfte  des  15.  JA^ 
schön  gesehrieben;  alemannische  Mundart.  Itihalt:  Bl.  1'  Sprüefn 
eom  ersten  Bilde;  Bl.  2"" —233'  Exemplar  mit  Prolog  ohne  Bdeit^ 
Die  Bilder  fehlen,  aber  der  Platz  dafür  ist  freigelassen.  Die  H± 
war  früher  im  Besitz  des  Dominikaneriniienklosters  Ötenbach  be 
Zürich  laut  Notiz  auf  der  Rückseite  des  vorderen  Deckels  von  einei 
Hand  des  15.  Jh.:  Dis  hdoh  iat  des  cODventz  an  Ötenbach  genl 
{=: gebet  es)  dur  got  wider;  i.päler  kmn  sie  nach  Weingarten  (Bl.  1 
oben:  Monasterti  Weingarteusis  1674).  lil.  233'  steht  (rot):  Ga 
(ienkent  Johannea  ^eye  (irohl  Verunstaltung  aus  Seüs)  durch  go^ 
darunter:  Gedenkent  durch  got  Jnngkher  DiethelmB  von  klingen 
dem  band  wir  dis  bücb. 

S'  =  Cod.  theol.  et  philos.  fol.  381  der  Kgl.  Landesbibliothei 
in  Stuttgart,  Pap.  228  Bl.  210x310  mm,  alemannisck-schittäH 
acher  Dialekt,  zweite  Häufte  des  16.  Jh.  (Bl.  .39'  :  147G,  Bi 
228':  1475).  Ent/tält  Bl.  l'—39'  das  Leben  der  gel.  MargareU 
von  Ungarn*),  dan  sich  auch  in  der  St.  Gallsr  Hs.  (>03  (vgi 
Vetter,  Viten  von  Tös  VIII),  in  Cgm  750,  in  de)-  Hs.  der  Nünt 
berger  Stadtbibliothek  Cent.  VI,  53,  und  in  U  (s.  S.  9" 
Vetter    a.    a.    0.    XU)   findet;     Bl.    42'  — 220'    Exemplar 


')  Ei«   Mi/stikerpaar  (s.  S.  97)  57,0I>  Anm.  47  and  62. 

<]  Tockttr  König  Bila»  /^',  +  1271  als  Lominikanermnnt.  Ihre  Vt 
itt  von  dem  Hominikaner  Garinu»  1340  eriftust,  von  gtinen  Ordetisgeitott 
JSrg  VaHf  und  Konrnd  deultch  btarbriM  trordm.  Vgl.  darüber  Kaini 
im  Ärohiv  für  öttfrräeh.  Otich.  91  (1903)  53  ff.:  Riet.  Jahrbuch  19o6,  HO. 


Die  einzelnen  Handschriften.  g*" 

B^ter,    Prolog    und    Nachträgen    zum    Bfö,    aber    ohne    Bdew; 

BL220^—28''  Bruderschaft  der  ew.  Weish.  S^  ist  mit  f  nahe 
verwandt  und  hat  dieselben  zahlreichen  Fehler;  dem  ersten  D)'uck 
im  li82  lag  eine  S^f  ähnliche  Hs.  zugrunde  (vgl.  Denifle  in 
Z/da  XIX,  350  f.). 

\i  =  Hs.  der  Überlinger  Stadtbibliothek  Nr.  22,  Pap.  321 
Kfol.  (210x295  mm)  in  alemannisch-schwäbischer  Mmidart,  aus 
dm  Dotninikanerinnenkloster  Zofingen  zu  Konstanz  stammend.  In- 
kalt:  BL  5'' — 20^  Gedicht  von  Christus  und  der  minnenden  Seele 
h.  oben  S.  6*);  BL  20  *" — 125  *"  Exemplar  mit  Prolog,  doch  ohne 
Bdeic');  BL  lW—25''  14  Briefe  des  Gr  Bfb  (s.  unter  VI);  über 
den  iceiteren  Inhalt  der  Hs.  (Viten  von  Töss  und  Katharinental, 
Lehm  der  sei.  Margareta  von  Ungarn  und  des  hl.  Ludwig,  Traktat 
CO»  den  40  Myrrhenbiischeln )  vgl.  die  Beschreibung  bei  Vetter 
ff.  n.  0.  X—XIII"). 

n.  Handseliriften  der  Tita. 

Ausser  d-en  unter  I  aufgeführten  Hss.,  welche  sämtlich  al^ 
trtte^i  Buch  des  Exemplars  das  Leben  Seuses  enthalten,  sind  folgende 
nock  besonders  zu  nennen,  in  welchen  sich  nur  die  Vita  oder  Bruch- 
ftidce  derselben  finden. 

A*  =  Hs.  der  Universitätsbibliothek  in  Strassburg  L  genn.  75, 
hp.  142  BL  4  ®  (145  x  220  mm),  15.  Jh.,  alemannisch'elsässii<che 
Xundarf,  aus  dem  Dominikanerinnenkloster  Unterlinden  in  Ko/mar 
ftmmend.  Enthält  BL  2'' — 4"^  den  Prolog  des  Exemplars,  BL  4"" 
ktf  U2^  die   Vita. 

M  =  Hs.  der  Münchner  Staatsbibliothek  Cgm  362,  Pap. 
n^  BL,  von  denen  zwei  an  falscher  Stelle  {das  25.  nach  dem  35., 
^»  36.  nach  dem  38.)  stehen,  4^  (145  x  220  mm)  vom  Anfang  des 
^5.  Jh.  oder  vielleicht  noch  etwas  früher,  ziemlich  fiüchtig  7nit  teil- 
fciw  fiark  verblasster  Tinte  geschrieben,  in  alemannisch-schwäbischem 
Kffteti;  enthält  die  Vita  in  ganz  eigener,  von  den  übrigen  Hss.  ab- 


^  Die  Sehreiberin  begründet  Bl.  90 r  die  Auslassung  damit,  dass  das 
*•■  ^»onst  als  trohl  und  gut  gescJirirlen'"  in  ihrem  Kloster  vorhanden  sti. 
"  ^  Tat  gind  zwei  Exemplare  des  Büchleins  aus  dem  Zojinger  Kloster  noch 
**^  (#.  unter  III  F"^  und  K\). 

*)  Die  ebenfalls  das  Exemplar  voraussttzende  Kolmarn-  Hs.  Nr.  2ii(i  {sie 
'^  ia9  Bdw  und  Bfb  als  3.  U7id  4.  Buch  ein)   wird   unten    unter  IV  auf- 


lU*  Einleifoing.    I.     Die  Überüefcruug. 

weichender  Rezension,  worüber  unter  B  ausführlich  zu  himdtln  ia 
Bl.  1 '  steht  oben :  assit  prinoipio  eaDCta  maria  meo.  Item  der  wndfl 
sves;  uiilfn  am  Bande  von  späterer  Hand:  das  bftch  von  dem  (liene 
der  ewigen  wizhayt;  Bl.  73''  unten  (hei  Kap.  38):  ich  han  den 
eysseti  lieb  vod  hertzen.  Vi/l.  auch  die  Beschreibung  der  Hs.  durch 
'Strauch  in  Äfda  IX  (1883)  HO. 

Vollständiy,  aber  in  ziemlich  verderbter  Form  enthalten  den 
'iWt  der  Vita  auch  Cgm  4374  Pap.  4"  15.  Jh.  Bl.  1—129  (v(4. 
SchmeUers  Katalog  449)  und  die  1596  geschriebene  Hs.  d^r  Uni- 
eersitätsbibliothek  in  München  Hr.   146. 

Nur  im  Auszug  von  Kap.  1—44  und  zwar  ganz  in  der  Ä* 
sension  der  oben  angeführten  Hss.  N  und  m  ßndet  sich  das  Leb«» 
Seuses  in  folgenden  drei  Hss. : 

Ms.  Theol.  133  der  Göttinger  Universitätsbibliothek,  Pap, 
167  Bl.  15.  Jh.  in  mittelfränhschem  Dialekt  (vgl.  W.  Megerf 
Katalog  II,  3G3);  Hs.  der  Stodtbibliotfiek  in  Mainz,  ohne  Signatufi 
Pap.  15.116,  Jh.,  ebenfalls  in  mittelfränkisc-hem  Dialekt  (Beschreibung 
von  F.  W.  E.  Roth  in  Zfdph  26  [1894]  67 f.);  Wien,  KaUen 
HojUbliothek  Nr.  3022  Pap.  236  Bl.  4"  15.  Jh.,  niederrheinise, 
(den  iceiteren  Inhalt  der  Hs.  in  Tabulae  codd.  II,  IdO  und  Öt 
Hoffmann  von  Fallerslcben,  Verzeichnis  der  altdeutschen  Hut 
der  Hofbibliothek  zu   Wien  1846,  346). 

Eine  Anzahl  von  Hss. ')  endlich  enthalten  Bruchstücke  d«\ 
Vita:  Berlin,  Ms.  germ.  oct.  69  (s.  unter  VI)  Bl.  135—4$ 
264^73:  Kap.  49  und  teilmise  50,  11,  12,  8;  (iättingen,  i^ 
Theol.  292  Bl.  55,  131—36 :  Kap.  49  und  teilweise  20  (  W.  Mty« 
Katalog  II,  472  ff.);  Kolmar,  Stadibibliothek  Nr.  268  Bl.  174-7$ 
Kap.  9  (vgl.  Bartsch,  Beiträge  zur  Quellenkunde  der  altdeutschel 
Literatur  1880,  314):  Milnchen,  Cgm  455  Bl.  1—6;  Cgm  45i 
Bl.  64—70  und  Cgm  457  Bl.  318—23:  Kap.  13;  Cgm  531  /o| 
Bl.  116—24:  Kap.  1—9;  Muri-Gries,  titiftsblblioihek  Cod.  10^ 
157  Nr.  104,  Pap.  16.117.  Jh.,  enthaltend  Kap.  1—33  und  im  Am 
zug  40—49;  Stuttgart,  Cod.  theol.  et  phil.  od.  19  (vgl.  unter  VI. 
Bl.  61—64:  Sprüche  aus  Kap.  35;  Cod.  a.-<cet.  203  Bl.  10t, 
176-82,  191  f.:   Kap.  6,  49,  35. 

Nach  K.  Schmidts  Angabe  in  Theol.  Studien  und  Kritikü 
1843,  865  Amn.  befanden  lich  in  der  1870  verbrannten  Hs.  dt 
Strassburger    StadtbihHothek  B    146   Teile    der     Vita.     Eine    Hi 

ü  aiigrfirhrii  dem  l.'i.  .Jh.  angtMrtnA 


Die  eitueliia»  IIitui]»chrifteii. 

Pnvalbesiiz    (Dr.    Karl     Widmann),    Pcr.j.     und    I'fi/i.    lü.    Jli. 
'p4m,  i-tneichtiel  K.  Roth,  Deutsche  Predigten  dc^  12.  und  13.  Jh. 
,  3  Anm. 

m.  Handscliriften  des  BfieblelnH  der  ewigen  Weisheit. 

Dit  Zahl  der  llss.  des  zweiten  Buchen  Scuses  iat  Legion.  Keine 
im  Gebiet  der  deutschen  Mystik  aiigehörige  Schrift  wurde  so  uft 
kopiert  und  go  viel  gelesen.  Bei  diesem  Btwhe  ist  ma»  daher  auch 
m  der  gtückÜcken  Lage,  eine  Ansa/d  alter  Pergamenthss.,  die  in 
die  Zeit  Sevses  selbst  zurückgehen  oder  ihr  wenigstens  nahe  steheti, 
iur  Verfügung  zu  haben.  Von  ilen  unter  I  aufgeführten  Bss.  des 
Krtmpltirs  ist  das  Bdew  in  A  K  K  \V  f  X  B  '  enthalten,  oon 
di»m  aber  nur  A  und  K  zur  Rezensierung  des  Textes  verwendet 
Wrden  sind.     Ausserdem  sind  zu  nenneti: 

l=Hs.  der  Stiftsbibliothek  zu  Engelberg  Nr.  141,  Perg. 
113  Bl.  4"  C118-Xlt>6  mm),  14.  Jh.,  nlemannischer  Dialekt.  Be- 
ickmibung  bei  B.  G  ottwald,  Catalogtis  cudd.  mss.  in  bibl.  monast. 
Engtlb.  1891,  144.  Die  Kafiitdilberschriften  utid  initialen  sind 
rot;  die  Hs.  ist  von  einer  alteren  gleichzeitigen  und  eimr  jüngeren 
Band  des  15.  Jh.  nachkorrigiert  wurden,  von  lezterer  zienäich  will- 
käriieh.  Leider  fehlt  etwa  ein  Drittel  des  Bdew:  der  2. — 5.  Sextern 
int  eoüständig  verloren  gegangen,  i'on  dem  ersten  sind  nur  zwei 
Blätter  übrig.  Inc.  Bl.  1'' :  enwoltest  dv  (202,12),  Schluss  Bl.  2": 
Itificegen  ergie  (204,3);  Bl.  S""  beginnt:  gerent  doe  dv  frümelichen 
i'24ii,26>.  Das  Manuskript  stammt  aus  dem  Benediklinerinnen- 
läufter  St.  Andreas  zu  Samen,  das  sich  bis  1015  in  Engelberg  neben 
•lfm  dortigen  Mönchskloster  befand.  Auf  der  letstett  Seite  stehen 
wi  zwei  verschiedenen  Händen  eine  Reihe  von  Einträgen,  von  denen 
iii  für  die  Geschichte  der  Hs.  bedeutungsvollen  aufgeführt  seien: 
Ueben  geiBÜichen  frowen  gedenkent  ouch  min  Jo.  frikers  des  alten 
äohribers  von  lucern  der  vch  da  half  singen  dur  got.  Datum  circa 
Verene  ( 1.  Se/zt.)  Anno  domini  MCCCLXXVIII ".  Weiler  unten 
i(«i  älterer  Hand,  welche  mit  der  ersten  korrigierendrn  identisch  ist: 
Gedenkent  dvr  got.  S.  f'=  Swester)  Elyzabeten  Btaglin  ze  t6z  in  dem 
feloster  vnd  ir  vater  Rödolfes  Margareten  ir  mftter  vnd  drier  ir 
brfider .  fridrihes .  otten .  vnd  Riidolfes.  Gedenkent  5ch  eines  bröders 
Ines  brüder  iobana  von  Rauenspurg  von  dem  man  vcb  den  mergten ') 

')  Gottwtld  a,  a.  0.  liest  meDst«ii,  re  hin»»  aber  Steher  mcrstea,  woraus 
iIm  niUert  Hand  meyrten  gemacht  hm. 


n 


12*  EiuleituDg.    I.    Die  Dberlivl'emat'. 

teil  an  dis  Buch  gab.  Aus  der  letzteren  Notiz  yeht  hervor,  das»  i 
Hs.  aus  dein  DomimkanermnenUloster  Töss  stammt  und  in  irgen 
welcher  Beziehung  zu  Seuaes  geistlicher  Freundin,  Etsbeth  Stagtl 
die  „mit  solchem  Fleisse  und  göttlichen  Treuen  hehalfen  war",  sein 
Büchlein  zv  „vollbringen",  d.  h.  abzuschreiben  ( Vita  109,  6  f.) 
gestanden  hat,  sei  es  nun,  dass  sie  dieselbe  selbst  schrieb^),  oda 
wenigstens  durchkor rigierie.  Die  Notiz  über  den  „Bruder"  d. 
offenbar  Dominikanermönch  Johann  eon  Baoensburg^)  will  in  ihn 
zieeiten  Teile  wo/U  besagen,  dass  aus  einer  von  diesem  nach  TSt 
gemachten  Stiftung  die  Kosten  der  Herstellung  der  Hs.  zum  grösstt, 
Teil  bestritten  wurden.  Später  kam  dieselbe  in  den  Besitz 
Luzerner  Stadtschreibers  Johannes  Friker'),  der  sie  1378  ; 
Engelbery  schenkte.  Als  älteste  aller  Seusehss.  hat  sie  auch  Jetzt  noä 
hohe  Bedeutung. 

t'  =  Hs.    derselben    Bibliothek     Nr.    153,    Ferg.    U7 


')  Bits  is(  Denißee  Anntihmr.  (305  A.  J). 

'')  Ed  lausen  sieh  mthrn-e  Johattnee  von  Raptnshnrg  nachweiset 
Der  fine,  Sohn  de*  Schuhmachers  Htinrich  von  Üaransburg,  var  Katar  m 
llofschreibrr  def  BiicIwfM  Nikolaus  1  von  Konstant  (1334— 4t ),  Laie,  und  sta 
vor  1380  (i)yt  Hegesta  »pisenporum  ConstitntitHsium  II,  171,  193:  PA.  Ru_ 
perl,  Die  Clironihen  der  Stadt  Konslam  1891,  45  ff.).  Ein  andertr,  au»  A 
liavenebvrger  Palrititrgeschleeht  äti-  Hunlpis  { Uttmpiss)  slammtnd,  Prirtter  u 
Chorherr  am  Kollegiatstift  Mänsttr  (Beromüneter  im  Kanton  T.uttrnI,  iet  i 
bunälich  zwischen  1340  und  1369  lu  htlegen  {Geschichtafreund  XXXII,  ISoM 
XXXIV,  352;  X,  90:  V,  199:  dominus  Joh.  de  H.:  Heu.  ep.  Comt.  JI,  3i 
fi.  6767,  vgl.  n.  5994).  Doch  handfit  es  sich  walimcheinlieh  um  keinen  i 
dieem  beiden,  da  die  Btteichnung  Srudfr"  doch  ico/il  auf  eitieti  Mönch,  d.1 
hier  einen  Dominikaner  hinwii»t.  ils  ist  daher  wa/trscheintieh  Johanr 
Raretulnirg,  atanfiaeher  MinisteriaU  und  Herr  tu  Löwental  (bei  Friedi-iehshafa^ 
gemtini,  der  l'JfiO  ia  das  Dominikanerkloster  Konstant  eintrat  (FrÜb.  DiöKi 
Archiv  1901,  31,  47  f.i  und  ewtschtn  läüO  und  1204  bei  licchtsgeechllften 
tilgender  KonnsTiklöster  Stints  Ordens  oft  als  Zeuge  ersehrint  {Reg.  ep.  Const.  J 
301  n.  1704:  Wirt.  TJrk.-Buch  V,  181,  213,  ::i.%  285,  398,  301,  360;  V. 
ISH:  Zürrh.  L'rh.-Bueh  Hl,  HIB,  346).  Sein  Name  ist  in  dem  Kalendarim 
eines  iJaminikaaerinnenkltister  (in  Konstant  oder  TSss?>  au»  dem  14.  Jh.,  i 
der  Kinsiedler  Hs.  Nr,  623  Bt.  6',  am  äO.  April  eingetragen. 

')  Joh.  Friker  de  Brugga  iBrugg,  Kanton  Aargaul  ist  als  noiariue  « 
Lutertt  öfter»  betrugt;  tr  vertiehtele  1378  aufsein  Amt,  nachdem  er  es  17  Jaht 
verwallet  und  tag  sieh  ~in  den  Hnf  auf  die  T.aiimpfrilnde"  (irohl  am 
kermatift  tu  Lutem)  turitck,  starb  am  34.  Februar  unbekannten  Jahres  (Q 
schichtefreund  II,  136:  IV,  222:  XXII.  154).  Er  »ehrieb  auch  die  Engt 
herger  lls.  Cod.  memt'r.  1S5  und  schenkte  sie  1380  dem  Fraaenkloster  i 
Kngelberg  (Goltwald,  Catalogtig  ViSf.;  M'.  Wackernagel,  Aitdtutea 
Predigten  und  Gebete  187(i,  390). 


r>ie  einzelne»  Uanil^chriften. 


13* 


(/.  101  fehlt)  8"  (83x12<)  mm)  14.  Jh.,  zweispaltig  schön  i/e- 
triebe»  in  alemannischem  Dialekt,  mit  gemallen  Initialen,  ebenfalls 
dem  Frauenkloster  Engelherg-Sarnen.  Die  Hs.  ist  vom  Miniator 
ausserdem  von  einer  späteren  Hand  dunhkorrigiert  worden.  Der 
(325,  18—28)  fehlt.  Vgl.  auch  Gotitoald  n.  „.  O.  149. 
f  =  Hs.  der  Freihur ger  Universitätsbibliothek  Nr.  474, 
i'trg.  223  BL  8"  (77 >c  120  mm),  14.  Jh.  alemannisch,  am  Gries- 
habere  Vermächtnis.  Zwischen  212  und  213  fehlt  ein  Blatt.  Ent- 
hält Bl.  l'—223'  Bdew;  223'— 28'  Gebete  m  Maria,  die  aber 
States  Stil  nicht  eerraten,  vgl.  Denifle  5<iO  A.  5.  Die  Hs.  ist  von 
Fnaz  Pfeifer  in  Stuttgart  28.  Dez.  1842—10.  Jan.  1847  ab- 
jtsehrieben  und  mit  der  Sirassb.  Hs.  B  139  koUntioiUert  worden; 
it  Kopie  ist  jetzt  in  Wien,  Cod.  Vindob.  Suppl.  2779  BL  1-149 
(>.  oben  S.  5*). 

F'  =  Hs.  des  Krzbischö fliehen  Archivs  in  Freiburg  i.  B.,  ohne 

Mgtutur,    Pap.  13t}  Bl.  4"  ( 148  >^.  202  mm),   Anfang  des  15.  Jh., 

Hnisch-schifäbisck,    am   dem    Dominikanerinnetikloster   Zofingen 

'i.cAenS.9*  A.  t).    Bl.  J*"— /a'  Bdeu)  ohne  Vei-mahiung  an  die 

•hreiher;   Bl.   72' — 75'  myst.  Gedicht:   von   armfit   des  gaistes 

^iatutbt  bei  Tauler  1543  f.  332',   in  Cgm  447  und  455,  in  Cod. 

■Ol.  ijervu  qtiart.  191  Bl.  170^71);  Bl.75'-—133'  mgst.  Trtik- 

(Inc.:   Es  ist  ze  wissest  daz  in  der  sei  obrosten  vemunft  .  .; 

ron   Interm  leben;    Bl.  90" — 102''  deutsche    Stücke   unter 

iniichen  Überschriften :  de  resurrectione  tnaterie  hominie,  de  oom- 

pontiooe  hominiB,   yirginitaa,   novitas  vite    usw.;  Bl.   108''  Maiater 

Bggbiirt    sprach  Cristus   mag  Dtt   eopfaDgen    werden    in  des  men- 

tAm  eel . . .)' 

f-  =  Ifs.  desselben  Archivs,  ohne  Signatur,  Pap,  191  Bl,  8" 
(100x^148  mm),  15,  Jh.,  alemannisch-schwäbisch,  ohne  den  Epilog 
«I  die  Abschreiber,  ebetifalle  aus  dem  Zofinger  Kloster. 

H  =  Hs.  der  Universitätsbibliothek  in  Seidelberg,  Cod.  Pal. 
Stm.446,  Perg.  llO  Bl.  4"  (130^170  mm).  14.115.  Jh.,  ale- 
manni.*chschKäbisch,  geschrieben  von  Conrad  von  Wynsperg  (Bl.  1 10 '). 
ifw-hreibung  in  K.  Bartschs  Katalog  188?.  139. 

Z~Hs.  der  Stadtbibliothek  in  Zürich  C  172  (früher726), 
146  Bl.  8°  (90,-125  mm),  14.  Jh.,  aUmmniach:  drei 
mer  (zwischen  8  uml  9,  19  und  20,  66  und  67)  fehlen.  Die 
hat  »ehr  guten  Tcxf  und  namentlich  die  Vdterzitate  am  Bande 
tMsländigsten,  eine  spätere  Hand  hol  Korrekturen,  die  leicht  er- 
ibar  und  ohne  besondere  Bedeutung  ^itd,   angebracht.     Auf  der 


14*  EinlottuDg-    I-    riie  flicrlieferung. 

Rücksäte  den  vordereii  Deckels  steht:  dis  bflcli  ist  des  conventen  | 
ättenbaoh.    gebend  es  durch  gott  wider  (vgl:  oben  S.  8*). 

Zu  den  beachtenxwerlen  alten  Hss.  des  Bdew  {sämtlich  Pety.j 
gehören  ferner  folgende:  Äarnu,  Kniilotisbibliotheh  B  98. 
14.  Jh.,  ohne  die  100  Betrachtungen,  aus  dem  Frauenkloster  Hennetsek 
ivffl  bei  Muri;  Maihingen,  Fiirstl.  Öttingeii-WalUrstein.  BibU» 
thek  HI  1.  8"  1.  154  Bl.  eon  1408,  am  dem  Kloster  Kirchhä» 
im  Bies;  München,  Cgm  174,  124  Bl,  14.  Jh.;  Wolfenbätt^ 
Cod.  67.  9.  Aug..  184  Bl.  8"  14.  Jh.,  Bl.  2'-— 130'  (»gl.  v.  HeiHi 
manns  Katalog  IX,  134);  Zürich,  Kantonsbibliothek  Cod.  14S> 
131  Seiten  8°  14.  Jh.  aus  KloKter  Bheinau,  unvollständig  (Kap. 
bis  15  fehUn). 

Die  Papierhss.  de.<  Bdew  aus  dem  15.  Jh.,  soweit  bekam 
seien  summarisch  aufgezählt:  Berlin,  Ms.  germ.  quarto  173  £S 
2—148:  194  Bl.  3—105');  1121  Bl.  1—131;  1135  Bl.  7—10, 
(aus  dem  Kloster  Buxheim);  oct.  379  ( unvoUstandig ).  An^efO{ 
SM  Ms.  germ.  fot.  1155  Bl.  1—71  aus  dem  IH.  Jh.  —  Ber 
Stadtbibliothek  (vgl.  F.  Vetter  in  Germania  1877,  357).  —  Bresla 
Universitätsbibliothek  Hs.  I  8"  27  von  1402  (vgl.  Anzeiger  f.  Kun\ 
der  dtsch.  Vorzeit  I  [1832]  282),  —  Eichslätt,  Seminart 
hibliothek  (nach  gütiger  Mitteilung  von  Prof.  Dr.  Schlecht  in  Freising^ 
-  Einsiedehi  Nr.  H23  und  708  Bl.  122— 1>4.  —  Engelber 
Cod.  340  (Gottwald  a.  a.  0.  240).  —  St.  Florian,  SHfk 
hibliothek  Cod.  XI.  i^ß  Bl.  57—146  (rgl.  Czerngs  Katalog  l&Tl 
114).  —  St.  Gallen,  Stiftsbibliolhek  Nr.  961  und  995.  —  Goth 
Hm-zogl.  Bibliothek  Cod.  138^  Bl.  127^70  (am  St.  Klara  in  Nüm 
berg).  —  Heidelberg,  Universitätsbibliothek  Cod.  Pal.  germ.  ^ 
Bl.  1—81;  Cod.  Pal.  germ.  474  Bl.  1—77  und  570  Bl.  1—lOi 
(vgl.  K.  Bartsch«  Katalog  9  ff.,  144,  154).  —  Kalmar, 
coangel.  Pf arr hibliothek  Nr.  321  Bl.11—123  (beschrieben  im  Jahr 
buch  für  Geschichte,  Sprache  und  Literatur  Elsass-Lothringens  XQ 
[1903]   20  ff.).  —    Konstanz,    Gymnasialbibliothek   Nr.  29    a 

•)  Enthäh  Bl  199'-— S12^  das  Leben  de»  ««ligin  Ehbeth  van  BemU 
lüttrtr,  Mtmtrläasigtrar  Vrrsion  (aUmantütehl,  als  der  von  Birlinger  in  A 
mannia  IX,  376  ff.  X,  Slff.  ISS  ff.  aaeh  einer  Strtu&hurger  und  Inndm^ 
Ha.  eilitrte  TtJ't.  Ich  gedmke  e»  in  Bdidt  nach  diestr  und  der  Maihinfft 
Ht.  HI  1.  4"  8.  Bl.  ari4—301  mitzuteilen.  In  der  Berliner  Hs.  Hfhl  Bl,  S13—i 
Mermeine  Bearbtitung  von  Ruyshroek»  ,Zierde  der  gtisiUchen  Hochxeit'.  Still 
aus  dem  Bdew  hat  Bormann  in  v.  d.  Hagenn  Germania  II,  173  ff.  « 
iiirtntlieM. 


Die  eiiiaelneii  Handucliriften.  15* 

dm   Konstamer    FVamiakanerkloskr.    —    Maihingen   III  1.    i° 

Bl.   193—304;   1.  i"  25.   itus  Kloster   KircJüie'm.    —    Mainz, 

SminarbibliotJtefc   zwei  Hss.,    beschrieben   von    F.    H'.    E.  Roth   in 

Otmattia    1892,   283  f.;   die  oben  S.  10*   eriräknle  Hs.  der  Sladt- 

hibliitthdc  in  Mainz  enthält  im  ersten   Teil  dwi  Bdew  ( alemannisch ) 

m  Uli.  —   Melk,  Stiftsbibliothek  Cod.  72  Bl.  1—174  und  Cod. 

17S  Bl.  1 — 281,  beide  in  bayerischer  Mundart  (vyl.  Catalogus  codd. 

m.in  bibl.  mun.  MeiUcemis  I  [1889]  142 ff.,  258).  —  Die  StaaU- 

läbliothek  in  München  zählt  ausser  dem  oben  angeführten  Cgm  174 

wirf  abgesehen   non  den  kleineren  Bruchstücken   noch   zwölf  Hss.  des 

BSchleins:  (gm  352  Bl.  1—96;  403  Bl.  106—71;  405  Bl.  1—106 

nw  Wessobrunn;  406  Bl.  59—153;  746  Bl.  127—234  aus  Tegem- 

m;  759  BL  1—102   aus  St.   Ulrich   in   Augsburg   (vgl.   Strauch 

in  Zfdph    1903,    236  f.);    765    BL   114—240    aus   Fölling;    820 

Bl  1—146;   3900  foL  BL  27—09;   4275   unmllständig;   4308  aus 

\im  17.  Jh.;   Clm  15604   BL  218  ff.  awi  Kloster  Rot   am  Inn.  — 

EXürnberg,  Sfadtbibliothfk  Cent.    VI,  43"  BL   122—85;  Cent.  VI, 

wSI  Bl  1 — 248   iius   dem  Dominikanerinuenklosler  St.  Kathwina  in 

KSirnbtrg,  alte  Signatur  Iv  (vgl.  den  Bibliothekskahdog  des  Klosters 

Waü  Jostes,  Meister  Eckhart  und  seine  Jünger  [Oollectanea  Fribur- 

PfiNÄo   IV]    1893,   133);    Cent.    VI,   85   BL    1—131.    —   Paris, 

f  Bibliothi'jue  nationale  Ms.  allem.  303  (vgL  Huet  a.  a.  0.  138).— 

ft*th,   Ungarische  Landesbibliothek  Cod.  germ.   15   bezw.   14  in  12° 

\   ftgi.  A.  Hartmann,  Deutsche  Meisterliederhss.  in  Ungarn  1894,  2). 

I  -  Prag.   Univer.iitätsbibliothek  Cod.  XVI G.  25  Bl  225—343  (vgl 

I  Sn-opeum  1859,    56  f.).  —  Baigern   bei  Brunn,   Stiftsbibliathek 

\Mi.  TheoL  360  BL  4—121  aus  dem  Kloster  St.  Katharina  in  Nüm- 

■in^  (vgl.  Neuer  Anzeiger  für  Bibliographie   und  Bibliotkeksrnssen- 

m^ftimi,   353  ff.).  —  Stuttgart,    Kgl.  Landesbibliothek   Cod. 

Bwfl.  et  philos.  fol.  19  Bl.  1 — 47   mit   einem   gereimten  Eingang  in 

mli  Zeilen   von   dem  Schreiber:   aoh    h&eter    vatter  Jbesu  Crist  .  .  . 

Wtgl.  K.  Bartsch,  Beiträge  366);  4"  57  BL  1  ff.;  4"  98  BL  28 

Kit  80,  beschrieben  von  K.  Helm  in  seiner  Ausgabe  lies  Eeangelium 

^icorfewi,   LH.   Verein   224  (1902)  IX.  —    Wien,   Bibliothek   des 

peWtenrti/fci  .Vi-.  57    Bl  84—180  (vgl.  Hübler,    Catalogus  codd. 

fm9,  58  ff.);   lioßibliothek  Nr.  2974,    nicht  vollständig  (Tabula^ 

eod.  tte.  II,  165).  —    Wärzburg.   Uniiersitätsbibliothek  M.  eh.  9. 

f7  (rgi.  Archiv   des   hist.    Vereins  für   den   üntermainkreis  IV,   3, 

m).  —  Zürich,  Stadtbibliothek  Cod.  C  108*  Bl  1—122. 

Nach  der  Vorschrift  Seuscs  in  seiner  Schlussermahnung  an  die 


16*  Einleitung.    I.    Die  Überliefenmg. 

Abachreiber  (325,22  f.)  sollten  nur  die  hundert  Betrachtungen  aus 
dem  Bdew  gesondert  abgeschrieben  werden   dürfen.     Trotz  der  dem 
Zuwiderhandelnden  angedrohten  göttlichen  Rache  finden  sich  doch  in 
sehr  vielen  Hss})   Bruchstücke   des  Büchleins^),   so   in  den  fol- 
genden: Berlin,  Ms.  germ.4''  125  Bl.  25—26;  8 ''42  Bl.  43—60; 
8^  69  Bl.  194-200;  8«  364  Bl.  115—28.  —  Büdingen,  Fürsü. 
Isenburgsches   Archiv    4  Bl.   Perg.   14.  Jh.   (vgl.  Zfda  X  [1856] 
290).  —  Einsiedeln   Nr.  645   Bl.  16—69,    16.  Jh.   —  Engtet- 
berg,    Cod.   membr.   94^  Bl.  8 — 9.    —    Frauenfeld ,    Kantons- 
archiv    Hs.    Y   80    Perg.    14.    Jh.    (vgl.   Katalog   der    Thurgauer 
Kantonsbibliothek    1887,    489).     —    St.    Gallen,    Stiftsbibliothek 
Nr.  955  S.  251;  982  Bl.  127—67;  986  S.  135—63;  1142  S.  490 
bis  624.  —  Göttingen,  Ms.  Theol.  292  Bl.  231—32.  —  Heidel- 
berg,   Cod.   Pal.  germ.   617   Bl.  273—85;    Cod.  Salemit.  IX,    16 
Bl.  36—38.  —  Karlsruhe,  Cod.  St.  Georg.  Pap.  Germ.  91  Bl.  30. 

—  Kloster7ieuburg,  Stiftsbibliothek  Cod.  1226  Perg.  14.  Jh. 
Bl.  26—29  (vgl.  Anzeiger  f.  Kunde  d.  dtsch.  Vorzeit  1861,  310  ff.). 

—  Kolmar,  Stadtbibliothek  Nr.  268  Bl.  174—76.  —  Krems- 
münster,  Stiftsbibliothek  Cod.  VI.  184  (vgl.  J.  Bach  im  Theol.. 
Literaturblatt  1868,  210).  —  München  Cgm  58  Perg.  14.  Jh^ 
Bl.  206^8;  215  Bl.  166—97;  354  Bl.  139—46;  412  Bl.  1—29; 
437  Bl.  101—6;  488  Bl.  1—28;  831  Bl.  56—63;  843  Bl.  125—30; 
4880  Bl.  261—69.  —  Muri-Gries  Cod.  239  Nr.  103  Bl.  1—6, 
10—11.  —  Nürnberg,  GemMn.  Museum  Nr.  18525  Bl.98—13ff. 

—  Stuttgart,  Cod.  theol.  et phil.  8^  19  Bl.  34—44;  8^  24  Bl.  J/". 

Besonders  häufig  wurde   das  21.  Kapitel   des   Bdew:   Wie 
man    sol    lernen  sterben   etc.   separat    abgeschrieben    —    meist   von 
280y7  an  —  und  mit  eigener  Einleitung  als  Sferbebüchlein  verbreitet  *) 
so   z.   B.    in  folgenden    Hss.:    Dresden,    Kgl.    öff'entl.   Bibliothek 
M  277  Bl.  89—106  (vgl.  Schnorr  von  Carolsfeld,  Katalog  II, 
516  f.).  —  Heidelberg,    Cod.  Pal.  Germ.   105   Bl.  76—90.   — 
Karlsruhe,  Cod.  St.  Georg.  Pap.  Germ.  97  Bl.  7—33  (von  1560). 

—  Maihingen  111  1.  4'  23.  Bl.  284—96;  1.  4""  32.  Bl.  80—90. 

—  München  Cgm  234  Bl.  177—22;  622  Bl.  156-62;  763 
Bl.  37-44;  835  Bl.  56-^74;  841  Bl.  72-89.  —  Nürnberg, 
Stadtbibliothek  Cent.  IV,  36  Bl.  152-58;    VI,  43'';  VII,  88. 

^)  Wo  nicht  anders  bemerkt  sind  es  Papierhss,  des  15.  Jh. 
')  Besonders  häufig  Kap.  13  über  das  Leiden. 
^   Vgl,  die  Anm.  zu  278^20. 


Die  einzelnen  Handschriften.  17* 

Von  der  Erlaubnis,  die  hundert  Betrachtungen,  welche 
den  dritten  Teil  des  Bdew  bilden,  separat  abzuschreiben  und  zu  ver- 
Mm  (325,23),  wurde  reichlich  Gebrauch  gemacht  ^).  Sie  finden  sich 
in  folgenden  Hss,:  Bamberg,  Kgl.  Bibliothek  N.  178  Ed.  Vlll  0 
BL50—1OO  (15.116.  Jh.).  —  Engelberg  Nr.  155  Perg.  14.  Jh. 
BL  9 — 23.  —  Freiburg,  Universitätsbibliothek,  Deutsches  Gebet- 
buch 15.  Jh.  S""  BL  37  ff.  —  Karlsruhe,  Cod.  St.  Georg.  Perg. 
G&rm.  41  Bl.  15  ff.;  Cod.  St.  Pet.  Pap.  9;  Cod.  Licht.  37  vom 
IL  Jh.  (nur  der  Anfang);  Cod.  Licht.  99 ;  Cod.  Wonnenth.  16 
tmie.  Jh.  —  Kolmar  Nr.  271  Bl.  25—38  (aus  Unterlinden). 
-- Maihingen  III  1.  4""  5.  Bl.  137-^43;  1.4^  4L  Bl.  250—58; 
18'  12.  Bl.  155—88.  —  München  Cgm  455  Bl.  126—48;  763 
Bl.69—75;  851  Bl.  1—17.  -  Nürnberg,  Stadtbibliothek  Cent.  V 
App.  81  Bl.  23—39;  Cent.   VI,  86. 


Die  bisher  angeführten  Hss.  des  Bdew  sind  sämtlich  in  hoch- 
ifutschem  Dialekt  geschrieben.  Bas  Erbauuungsbuch  war  aber  auch  m 
Mittel-  und  Niederdeutschland  nicht  weniger  beliebt  und 
abreitet  und  wurde  namentlich  im  15.  Jh.  sehr  oft  ganz  oder 
teilweise  abgeschrieben.  Eine  Hs.  in  mitteldeutscher  (hessischer) 
Mundart,  Perg.  von  ca.  1400,  aber  nur  fragmentarisch  erhalten^ 
findet  üich  im  Fürstl.  Hohen  zoller  nsc/ien  Museum  zu  Sigmaringen, 
fl«.  W  (vgl.  Lehner,  Verzeichuia  der  Hss.  1872,  21);  ferner  zwei 
^okhe  zu  Gi essen,  Universitätsbibliothek,  Cod.  778  Bl.  2—216, 
firg.  14.  Jh.;  Cod.  852  Bl.  22 — 94,  und  eine  in  der  Bibliotheca 
PhiUippica  zu  Cheltenham  Nr.  647  Bl.  l—()7  (vgl.  U,  Priebsch, 
l^eutsche  Hss.  in  England  I  [1896]  60  f,).  Zahlreiche  nieder- 
deutsche und  niederländische  Hss.  des  Bdew  oder  von  Teilen 
^tmlben  in  Amsterdam,  Ebstorf  Flensburg,  Greifswalde, 
^ftngy  Hamburg,  Hildesheim,  Kopenhagen,  Münster, 
^Idenburg^  Osnabrücky  Rostock^  Upsala,  Wolfenbüttel 
^ftschreibt  sehr  sorgfältig  Borchiing  in  seinem  1. — 3.  ^ Reisebericht^ , 
^'(ichrichten  der  Göttinger  Geselli^chift  der  Wissenschaften ^  Beiheft 
^^08,  85,   los,  127,  178  f.,  243,  254 ff.,  289,  299,  309,  315;  1900, 


')  Dies  geschah  besonders  unter  dem  Titel:  yKurs  oder  Tagzeiten  (nd, 
9ffiden)  von  der  ewigen  Weisheit,  mit  Verteilung  der  Betrachtungen  auf  die 
fintdnm  Tage  und  Hören,  tote  auch  hei  Diepenhock*  416  ff. 

FT.  Senn«,  Dtfutich«  Sohriften.  2* 


18*  Einleitung.   1.    Die  Überlief  er  uug'. 

26.  38,  40,  127,  158,  175,  194;  1002,  44,  85,  214  ').  Dazu  Jtornm. 
noch  folgende:  Berlin,  Ms.  geitn.  fol,  76;  qttttrto  172  Bl.  1 — Sf 
553  Bl.  1—63;  1253  Bl.  Iff.;  oct.  340  Bl.  1—147  aus  der  Am» 
waldtschen  Sammlung  (vgl.  Jahrbuch  des  Vereins  für  nd.  Sprach 
forsckung  1883,  132  f.);  349  Bl.  12—16  (vgl.  Jahrbuch  a.  a.  0.)_ 
380  BL  1—26;  393  Bl.  50—87.  —  Bonn.  Universitäts&iblwthi 
Cod.  390  vom  16.  Jh.  —  Brüssel.  Kgl.  Bibliothek  Nr.  2841 
(vgl.  Jahrbuch  a.  a.  0.  132  Anm.  2;  ebd.  ist  eine  Leidener  Hs.  dt 
16.  Jh.  mtiert).  —  Cues,  Hospitaibibliolhek  M  115  Bl.  1—67 
(Beschreibung  unter  V).  —  Darmstadt,  Grossherzogl.  Bibliothtk 
Cod.  1847  Bl.  71—155  (vgl.  unter  VI);  Cod.  1956  (vgl.  Germania 
1887,  343).  —  Greifswald,  Ms.  theol.  N.  8  Bl.  Gl~86 
14.  Jh.  —  Heidelberg,  Cod.  Träbner  44  Bl.  49  ff.;  1474  Bl.74  ff, 
—  Sigmaringen,  Fürstl.  Museum  H".  45,  48  und  49,  alle  de» 
Perg.  vom  15.  Jh. 

Zum  Schlosse  sei  noch  auf  einige  verlorene  hezw.  verachoUm 
Hss.  des  Bdew  hingewiesen.  Die  verbrannte  Stadtbibliothek  in  Straw 
bürg  enthielt  deren  mehrere,  vgl.  Witter  l.  c  (s.  oben  S.  4*  Ä.  1)  19 f^ 
unter  B  139,  140,  147,  148;  G.  Hänel,  Catalogi  liborum  mss.  1830, 
468  f.  und  K.  Schmidt  in  Theol.  Stud.  und  Kritiken  1843,  851 
Weitere  Notizen  im  Zentralblatt  für  Bibliothekswesen  1900,  421  ut 
in  Germania  1886,  336  f.  Auf  ,Catalogue  ofthe  libranj  of  Dr.  Kloa 
of  Franckfoii  a.  M.'  1835  verweist  Strauch,  Äüg.  deutscfie  Biogr, 
XXXVn,  179  (vgl.  ders..  Marg.  Ebner  XVII,  Ä.  2). 

IT.  Handschriften  des  BOchleins  der  Wahrheit. 

Die  oben  aufgeführten  Hss.  des  Exemplars  AK H  ÜfytntiS* 0 
enthalten  auch  das  Bdw ;  sie  sind  alle  ausser  BW  und  m  für  diiS{ 
Ausgabe  herangezogen  worden.  Abgesondert  findet  sich  dieses  Back 
lein,  dti«  wegen  feines  schwerverständliche»,  Inhalts  nicht  so  häu^ 
abgeschrieben  irurde  wie  die  Übrigen  Schriften  Seuses,  in  folgenden  Hss,. 

B=  Berlin,  Kgl.  Bibliothek,  Ms.  germ.  quarto  191,  Pap\ 
und  Perg.  398  Bl.  (150'K220  mm),  14.  und  15.  Jh.,  ans  Dam 
Sudermanns^)    Besitz,  früher    in    einem   Strassburgei-    Kloster;    i 


')  Zu  beachten  iatwas  B  archUng,  1.  Reisebericht  ISOsagt: 
aas  den   Werken  Seine«  sind  tcohl  häufiger,   als  man  annimmt,   unter  den  (wr 
schitdeiieten  Titeln  versleckt." 

'')  Sadtrmann  ist  geboifn  am 3i.  Februar  löBO  eu  Lattich,  war  tangi 
Jahre  Hofmeiittr  bei  verschitdmten  Grafen  und  Herren  in  Deiüsehland,  seit  ISS 
in  Slrain-hur^,  wo  er  nacli  /Ö.7 J  slarh ;  Schrenh/eldlann;  gfintlicheT  LitderdichtU 


Die  eimeliiL'n  UandBchrifteii.  19* 

lm*.-'nnte,    von    mehreren  Hunden   geschfiebetu  mystische  Sammdks., 
dertn  eimelw  Släcke   (I — XLVIII  rot  numeriert)   erst   später   ^M- 
Mmmeni/ebundfn  teiirdtn.     Mundart:  nlemanntsch-elsässigch,    Haupt- 
inhalt: Bl.  llr — llS'  Predigten    und  Lehren    von  Bruder  Heinrich, 
Btichtiger  zu  Schönernteinbach  ( JJotnimkanerinnenkloster  im  Elsass); 
hl.  115' — 18^  von  dem  Sterben  des  Genannten,   au/gezeichnet  durch 
mnm    Nachfolger  Johann   von    Mentze*)   (Mainz);   Bl.  132^—202' 
Prtdigten  und  Traktate  von  Tauler,  Eckhari,  Heinrich  son  Löwen  k.  a.*); 
81.  205—16  12  Perff.-BL  14.  Jh.,  mgst.   Traktat  dex  Bruder  Konrad 
Kn   Weissenburg,   betitelt  „Der  Baumgarten",    teilweise  gedruckt  in 
t.  der  Hagern^  Germania  II,  303 — Kl  (vgl.  dazu  P  reger  II,  51  f. 
wi  Strauch  in  Afda  IX,  121);   Bl.  219'-—S7''  Bdw   »lit  gutem 
Ttil;   Bl.  237' — 70'  Legetiden   (von   der  seligen  Schererin,    f  1409 
i»  Strassburg,    und   von    der   seligen  Krüppelgredtn,    Klausnerin  zu 
Ktmtantinopel,  Barlamn  und  Joeaphat,  St.  Petemeüe) ;  Bl.  ^S^  bin 
W?-  WM    dem    Baum   göttlicher   Lieb    und    Tugend;   Bl.   352'~-9V 
Spräche   eon   Mgatikem    (darunter   Gregor,    Augustinus,    Bernhard, 
Diem/tius;    die    der  deutschen   sind   bis   auf  wenige^   von   Pfeiffer 
Germania  III,  235—43  abgedruckt  [vgl.  dazu  Preger  II,   110 f. 
\i  Strauch  a.  a.  0.  127  A.  1});    Bl.   391'— 'M^-  drei  Predigten 
Bruder  Kon r ad  von  Esslingen,  Provinzial  Wolfram*)  und  Lese' 
lur  yikolaus  von  Köln  (^  von  Stritssburg),  nach  der  Adelhouser 
(htmik  im  Freib.  Diöz.-ArcJiiv  1880,  189—93  veröfentlicht. 

C  =  Kohnar,  Stadtbibliothek  Nr.  2G0,  Pap.  137  Bl.  4" 
(!ä0>:220  mm)  15.  Jh.,  alenmnnisch-elsässisch,  am  Unterlinden; 
itf  Schreiber    bis    Bl.    (iO    scheint    derselbe    zu    sein    wie    bei    A^ 

trnagtl,  liai  deidaeke  Kirchtnlifd  I,  666 ff.  V,  546—676).  Die 
Ton  ihm  gemmiaeiun  ll/is.  der  dtuUchtn  Mystiker  harnen  in  die 
t/i.  Bibliothek  nach  Berlin  ;  Vtreeic/iiiix  dcrselhtn  und  voti  Sudermanna  Schr^fttn 
a. Aiugahm  vm  Tauler,  Bui/sbroek;  Eckhari, Seus') bei A.  F.  H.Schntide r, 
■  Literatur  der  Schwenkfeldttcken  Liedtrdiehter  bi»  Daniel  Sudermann, 
.  £eriiu  mm, 12  ff.  17  f. 
•)  Ein  Brief  von  ihm  if  1467)  in  der  Nürnberger  Ha.  Cent.  VII,  20, 
Vfi.  auek  K.  Schieler,  Joh.  Nider  1886,  354  und  Joh.  Meyer,  LeheH  der 
fkkineiuteiMbaehfT  Sehiceetem  (Tübingen,  Univere.-Bibl.  U».  Md  4öfi). 

"i  Bl  303'  unten  steht  aehtrer  festHich:  ditz  bBcli  ist  brflder  .  .  iuliaua 
k*ta«u(cT  teiuehea  oritens  i?l. 

'i  Au/faB*ttdenceier  sind  gerade  die  Sprüche  rf«  Johannen  Puterer  (vgl. 

Hu  33,1  ArnnJ  übergangen.     Ich  werde  tie  bei   anderer  Gelegenheit   mitteilen. 

')  WM  idenUteh  mit  br&der  Wolfram  öiuer  proftncifti,  der  in  den  Vilen 

««  Ti$»fed.  Vetter  67,11  genannt  im.     In  der  Freifmrger  ffn.  heitnl  tr  Wolfart. 


20*  Einleitung.    I.    Die  ÜterlietVrung. 

(h.  oben  S.  9*).  Enthält  Bl.  2'—2i'  Bdw;  Bl.25'-—49'  Kl  Bfi 
(11  Briefe);  Bl.  49''— 57'  Predigt  Lectulm;  57'~60'  dr»i  Bri^ 
«US  dem  Gr  Bfb:  Surge  aqiiilo,  Quotnodo  potest  und  Nemo  poU 
(XV,  XVU,  XVIII);  Bl.  61'—13G'-  von  anderer,  späterer  Hm 
geschriebette  Briefe  und  Predigten  von  dem  Dominikaner  Johann 
Nider  (f  1438),  götlicbur  kvnste  meUter,  seinen  geisUivhen  Kiruient 
{Nonnen)  geechriben  nnd  gelert  zii  den  zitCD,  ak  er  leezmeiBter') 
waz.  Es  sind  23  Stücke,  meist  mit  tuteinisckeni  l'ün-pruch  (Egreden 
de  terra,  Exaudiat  dominus  orationes,  Fylia  conlide,  Ädorna  tha: 
lamuDi  usw.),  eon  Sense  beeinfiutst,  aber  ohne  seinen  Geist*). 

Eine  spätere ,  felderhajh  Abschrift  des  Bdw  enthüll  Codi 
nscet.  303  (4"  15.  Jh.,  ans  dem  Kloster  Oggelsbeuien)  in  Stutt 
gart  Bl.  153 — 75,  in  welchem  neben  anderem  sich  auch  Stück f  c* 
Tauler,  Eckhart,  Merswin  (Rutfsbroeks  ,Zierde  der  geistlichen  Hock 
zeit'  bearbeitet,  vgl.  Strauch  in  Zfdph  191/7,  124}  und  der  Trakt» 
von  den  drei  Fragen  finden.  Ein  kleines  Bruchstück  ist  in  Bt 
lin f   Ms.  gerin.    qunrto    125   Bl.  75 — 7(!, 

V.  Handschriften  des  Brlerbttchletni. 

Von  den  bisher  beschriebenen  Has.  ist  das  vierte  Büchlein  e 
Exemplars  in  AKRWfNmPSS^ VC,  in  Nw  freilich  in  eigentümliche 
t'crquickung  mit  dem  Gr  Bß>,  gegeben.  Abschriften  einzelner  BrüJ 
firuleti  sich  dann  und  wann,  doch  ohne  besonderen  kritischen  Wti 
aoinSt.Gallen,  Cod.  10(17  Bl.  235— 41  Brief  III,  IV,  VI,  VIl 
München,  Cgm  456  Bl.  54—00  Brief  VI;  H43  Bl.  12(r  und  m 
bis  125'-  Stacke  au?  Brief  IX,  III  und  II;  Muri-Grits,  Cod.  21 
Nr.  lOS  Bl.  fi—10  Brief  III  und  1;  Nürnberg,  Cent.  VII,  i 
Bl.  197—20]  Stücke  aus  Brief  III  und  IV.  In  einigen  anderen  Ht 
sind  Briefe  dr.s  Kl  BJb  unter  die  des  Gr  Bfb  gemischt,  s.  unter  Vi 

VI.  Handsohrirten  des  Grossen  Briefbaches. 

ht  die  Überliefemn'/  der  Schriften  des  Ej-emplars  eine  i 
t/rossen  ganzen  geschlo-^sene  nnd  tinhtHUch'-,   da  sie  von  Seuse  seiht 


')  Xider  lear  1428—37  Profasor  an  thr  UnivereiW  und  Lektor  oh  i 
OrihmachUte  zu  Wien. 

')  Der  11.  Brirf  urf  an  Weihnaditen  eu  Nürnberg  gaehrieben  (Bl,  WO* 
da»  wdnt  auf  1427  oder  liJib  hin.     Von  obigen  Brieftn  Nidurg  weies  Sehiiti 
in   siiner   wnfangrticken  Biographit   (vgl.  auch   aeinm   Arlikel   im 
IX',  34Sff.)  nicht».     Bneff  Nider»  ßnde»  »ich  aiu-h  in  Nürnberg  Cent. 
20,  wohl  auch  Cent.   VI,  W*,  ein  eimeiner  in   Cgm  312  Bl.  141—43;  vgl 
Jotle»  a.  n.   0.  XXI  A.   1. 


Hie  einzeluen  HimJscIirifteii 


21* 


1 


gtgen  Ende  feines  Lebens  rfoidiert  und  zur  Htniusifnbe  bestimmt 
levrdeti  Mnd,  so  wird  bei  den  Schriften  (Gr  Bfb  und  Predigten), 
dtren  Art  drr  Kopieruntf  und  Verbreitung  mehr  oder  weniger  dem 
Zm/aä  nnheim  gegeben  war,  das  Bild  ein  viel  mannigfaUigeres  und 
ica  kritische  Verhältnis  komplizierter.  Van  den  Briefen  enthalten 
iie  einen  Hs».  nur  einige  Nummern,  andere  elwn  ein  Dutzend,  wehrrre 
?3— 2C;  im  einzelnen  ist  grosse  Vnriiition,  doch  laust  die  Atifeinander- 
fölge  und  Textgeft^ltting  der  Briefe  auf  ein  einheitliches  Schema  in 
ier  Anordnung  titid  auf  eine  Ureortage  schliessen.  Zur  Erleichterung 
itt  Chemicht  ist  am  Schlüsse  dieses  Abschnittes  eine  Tabelle  het- 
jtgtben,  durch  welche  der  Inhalt  dei-  Hss.  des  (Ir  Bfb  und  zu- 
jirt'cA  dessen    Verhältnis  zum   Kl  Bfb  statistisch  dargestellt  wird. 

Die  einzelnen  lixe.,  von  denen  bisher  der  Forschung  (Denifle, 
Prtger)  nur  der  kleinere   Teil  bekannt  war,  sind  folgende: 

b=  Berlin,  Ms.  germ.  oct.  ß9,  Pap.  308  Bl.  jmxUSmm, 
(OB  mehreren  Händen  am  Ende  des  14.  und  im  15.  Jh.  in  aleman- 
'tikh-tlaässischem  Dialekt  geschrieben,  aus  Daniel  Sudermanns  Besitz, 
die  H».  mit  vielen  Bandglosaeti  versehen  hat,  früher  einem  Strass- 
Hr  Nonnenkloster')  gehörig.  Hauptinhalt:  Bl.  2' — 35'  asketischer 
Lehren  einer  ,erleuchteten,  grossen  dotteafreundin',  worin 
rj  iler  Täweler,  der  von  beröwe,  von  biele  zitiert  werden,  mit 
itistischem  Einschlag  ähnlich  der  Gottesfreundliteratur ,  uncoll- 
idig  überliefert;  Bl.  3S-—1W  Prolog  zum  Gr  Bfb,  18  Briefe 
Predni  Lectidus,  meist  unter  der  Aufschrift  (rot):  eine  gute 
ligc;  Brief  XII  ist  nach  derselben  Vorlage  doppelt  abgeschrieben 
,S.i3$J,  Nr.  II  und  XX  sind  unvollständig;  Bl.  112'— 35''  Traktat 
,hohen  Berge'  (vgl.  Denifle,  Taulers  Bekehrung  1879,  10); 
il  135'— 49'  und  364'— 73^  Auszuge  aus  Seuses  Vita,  BL  194'  bis 
'üXf  iius  dem  Bdeie;  Bl.  iS.V' — Sfi"  Predigt  des  Lesemeisters  bei  den 
Bar/iltsfm  bflcoirlin');  Bl.  166'-— 78'-  Brief  IV  aus  dem  Gr  Bfb; 
BL  18ir—91'-  Traktat  von   der  Messe;    Bl.  20(1'— 20G'  Stücke   aus 

')  Der  Umeiand.  dax»  b  im  BritfAudifili  (439,11  Katberina  slatl  Angnesc 
•tkrtibt.  iitüt  a-ohl  auf  da»  ßnfninikantrinnenklasUr  St.  Katharina  hin  irgl. 
ou-A  dii  Anm.  tu  Vita  23,1),  leas  tHtderunt  die  Fermulanj/  nahe  legt,  dass  dan 
*» in  h  6btrlie/rrte  Teetameni  der  Minne  t Brief  XX  VIII)  an  dataelb»  Kloattr 
$tw<mdt  tforden  ixt. 

*)  Konrad  BÖmlin  iB'inAlini,  Franiiskaaer,  yeh.  um  1380,  trat  in 
EMÜitgm  in  den  Orden,  I409  Lektitr  su  SehwOh.-Haü,  1449  ea  Hrilbronn  ije- 
iM^n.  Vgl.  aber  ihn  K.Brehm  im  Diöt.-Ä'-chlf  für  Sehwaben  1904,  ISü  ff. 
Hidtdu  Prtdifflm  Bitnling  ßndm  sich  auch  in  Berlin,  Ms.  germ.  ifuarlo  194; 
Karleruht.  Cod.  St.   Sias.  76. 


22*  Einleitung.   I.     Die  Überliererung. 

TuuUrs  Predigten;  Hl.  nS^—'^d"  mystische  üprüche  (Bl.  221':  * 
von  berowe);  Bl.  230' — ^5'  Leben  der  sei.  Margareta  po«  Ypert 
ff  1237),  nach  dem  Lateinischen  des  BrudeiS  BygeroB  1391  geschrieben; 
Bl.  248^ — 60"  Testament  der  Mintie  oder  Minneregel  (vielleicht 
Sei4se). 

Die  Briefe  Seuses  nach  b  finden  sich  in  Abschrift  von  Suder- 
tnanns  Band  nebst  der  Predigt  Lectvlus  und  vielen  anderen  Stärken 
aus  Tauler,  Eckhart  und  späteren  Mystikern  in  der  Berliner  ffst. 
Ms.  tferm.  qtiarto  344;  derselbe  hat  sie  darnach  in  einem  Sammel- 
werk unter  dem  Titel:  Güldene  Benrttbrieff  vieler  Alten  Qottseeligen 
Kirchen  Lehrer :  Ale  Johann  Thaiilere,  Heinrich  Seiissen,  Johan  CreStzera 
vnd  mehr  Anderer:  In  etliche  Theil  abgeteilt  vnd  den  vhraltea 
Schrifften  durchausz  gemäez  gantz  vnverfälscht  an  dasz  Liecht  ge- 
geben.    D.  S.  Anno   1622  (34  Seiten  4"),  herausgegeben*). 

C  =  Kalma r  Nr.  266,  oben  unter  IV  beschrieben,  entl^ 
drei  Briefe,  davon  Nr.  XVII  unvollständig. 

0  =  Cues,  Hospitalbibliothek  Ms.  115  (früher  D  41).  Pap.  1H 
Bl.  foL,  15.  Jh.,  niederrheinischer  Dialekt.  Beschreibung  (ungenatti 
bei  J.Marx,  Verzeichnis  der  Hss.-Snmmlung  des  Hospitals  zuCuesl90i 
Ulf  Inhalt:  Bl.  1—67'"  Bdew;  Bl.  67'*^8l'^  vom  Leiden  CkriOi 
iuc:  Elegit  Buependium  anima  mea  .  .  .  (teilweise  eine  NachahmiMi 
des  Bdew  und  der  Vita  Seuses);  Bl.  83"-— 113^  26  Briefe  des  ^l 
Bfb  mit  Prolog  und  vorausgehettdetn  Register,  in  36  Kap.  eingeteilt 
Br.  XVn  uiul  XX  unvollständig;  Bl.  113"— 18"  Predigt  LectuluS 

d  =  Darmstadt,  Grossherzogliche  Bibliothek  Cod.  1847,  Pap^ 
342  Bl.  8^  (!Ol>xl45  mm),  15.  Jh.,  iiiederrheinisch.  Beschreibung 
von  F.  W.  E.  Roth  in  Germania  1687,  341  f.  Enthält  Bl.  206'— 69* 
24  Briefe,  davon  X,  XVII,  XX,  XXI  nicht  vollständi</. 

g  =  St.  (fallen,  Stiftsbibliothek  Nr.  U70,  Pap.  319  Seiten 
(135.^200  mm),  15  Jh.,  alemannisch.     Beschreibung  in  Scherrer* 
Katalog  363 f.  S.  13-71   Traktat  Audi  filia  iiber  das  hl.  Sakn 


•\  Der  Tiltl  luieb  A.  V.  H.  .Schneider  u.a.  0.  15.-  vgl.  auch  DtnifU 
in  Zfda  XIX,  3t7,37U,  deuten  An</aben  durch  obigtv  sugleie/i  rrgiinU  und  V 
liehtigt  nnd.    Ein  Exemplar  des  Druckes  i.it  in  n'olfeitbmtel :  er  enthnU  m 
den   ernten   Tri!,    eben  Seuses   Briefe   (mehr   schtiM    nicht    erschitntH   tu   w<i^ 
Mir  liegt  »in  Exemplar  der  Dniversitiltbibliothtk  T&bingm  vor,  mit  fatgenik 
Titel:  Der  Erste  Theil,  Inholtend  EÜicb  schone  »uHzerleBene  Brieff  auch  I 
Predigten,  welche  Herr  UBinrich  Senme  vor  ohngefchr  dritthalbhundert  Jäh 
an  Geisllicho  Jaiiglruweii  g^iclirieben  vnd  get'ertiget  hat . . .  abgetchiieben  ds 
D.  S.  (■ohne   Ort  und  Jahr). 


Die  einzeloen  Haudechriften.  23* 

rf<r  üi  Hm.  oft  beyeijnel  (no  in  Berlin,  Kurlsruhe,  Kolmiir,  Mnihingen, 
Nümbery,  Stuttgart,  Zürich);  S.  82'— SS'  Brief  Habitahit  (IV); 
S.  127—39  und  150  der  Proltxj  und  weitere  10  Briefe,  von  denen 
dir  meinten  aber  unvollständig  sind,  wie  überhaupt  g  manche  Spuren 
rinfT  gewissen  Überarbeitung  (teils  Kürzung,  teils  Veruäsetrung) 
an  sich  trägt;  S.  13'J  und  149—50  zwei  PredigiexserjHe'),  Inc.: 
••)  Jesutn  qneritis  Nazarennm  .  .  .  disü  wort  sprach  der  engel  .  .  . 
hl  Delicie  mee  .  ,  .  mir  ist  gar  wunueklich  .  .;  S.  140 — 49  Predigt 
Ifclultig,  stark  gekargt. 

h  =  Cod.  Heidelberg.  358,  38,  Pap.  326  BL,  16.  Jh.,  in 
ukieä/iischer  Mundart.  Beschreibung  in  Bartschs  Katalog  206. 
Bl.3'~14'  Bruderschaß  der  ewigen  Weisheit:  Bl.  15'— m*  26  Briefe 
mt  dem  Prolog  (Bl.  21'),  davon  aber  XVII,  XX  und  XXVI  in 
Bezettiimt  des  Kl  Bfb  und  zwischenhineiu  Bl.  W — 19'  die  Er- 
tÜtury  ton  der  Verehrung  des  Namens  Jesu  und  der  Morgengruss 
ßSß— 396,5) ;    Bl.  SO'— 84'  Vocatum  est  und  Sprüche  (396,20  bis 

mß). 

n=:  Cgm  bl9  und  N  =  Nürnberg  Ce>tt.  VII,  90.  Über 
mitRiiB.  8.  oben  S.7*.  HVr  haben  m  ihnen  eine  ziemlich  fehlerhafte, 
einem  späteren  Abschreiber  herrührende  Zusammenschweissung 
Kl  und  Gr  Bfb,  in  der  iVeise  gearbeitet,  ilass  auf  Brief  I — /// 
<fe<  ersteren  14  Briefe  des  letzteren  folgen,  dann  wieder  sieben  des 
irtkren  (IV — X),  darauf  als  25.  Brief  Vocalum  est  mit  den  Sprächen, 
tk  Nr.  26  Pone  me  (XI  vom  Kl  Bfb)  mit  der  Erzählung  vom 
Jmtn  Jesu  und  Morgengruss^  Die  Inferiorität  dieser  Überlieferung 
)er  der  in  den  anderen  Hss.  des  Gr  Bfb  liegt  auf  der  Hand 
wird  unier  B  (S.  39^ ff.)  auefiihrlicher  nachgewiesen  werden. 
n  =  Nürnberg  Cent.  VI,  55,  Pap.  344  Bl.  4"  (15ox205mm), 
!ä.  Jh.,  (Bl.  219' :  1447),  bayrischer  Dialekt,  aus  dem  St.  Katharinen- 
ieOer  in  Nürnberg,  alte  Signatur  E  XXX  VI  (vgl.  Jostea  a.  a.  0. 
^f.).  Mystische  Sammelh».,  darin  Bl.  1' — 37'  Augustins  Hand- 
*fhUin  deutsch;  Bl.  37' — 66'  innerliche  Hede  der  Seele  mit  dem 
\tr;en  und  des  Herzens  mit  der  Seele;  Bl.  67' — 76' Bede  Richards 
»  St.  Viktor  mit  dem  Herrn  nach  seiner  gegenwärtigen  euigen 
fofie;  Bl.  97' — 201'  Von   dem  Leben   der  geistlichen   Schwestern; 


n  Dait  me  von  Stute  slammrii,   wofür  ihre  ümg^ung  epreehen  ki)nnte, 
flieh,  aber  niekl  s*hr  wahrtchdnlich.    An  Auhtoritäleii  werden  Auguetin, 
wd,  Chrytoetomu»,  Grtgw  und  Ämhrosiu»  litiert. 
*)  BritfMihi  auf.  tat  mU  einfm  StUek  aus  der  ersten  Prtdigi  verbunden. 


24*  Eiulpitutif,'-  I-    t»ie  Ülierlieferuiit'. 

Bl.  2-^6'— 9u'  -JO  Briefe  iU.s  Qr  Bfb,  die  aber  sämtlich  stark  6. 
arbeitet,  teils  gekürzt,  teils  erweiiert,  teils  umgestellt  sind;  tli-r  zireit« 
Teil  non  Itegtmm  muiidi  steht  nach  Nr.  XXVI,  der  erste  mich  Xj 
in  Nr.  II,  XI,  X  VII  fehlt  ein  grösseres  Sfiiek. 

H=z  Breslau,  DomkayitdsbibUothek,  n.  oben  S.  (i*.  Enthält 
Bl.  'M4'-'-—79'*  23  Briefe  mit  Prolog,  davon  «her  XIV  Ejttltet  in 
der  Rezension  </«t  Kl  Bfb. 

%  =  Stuttgart  Cod.  theol.  et  phil.  qunrto  (i7,  Pap.  84  Bl. 
145x2u5  mm,  15  Jh.'),  in  alemannisch-elsässischer  Mundart.  Vont 
ersten  Blatt  ist  die  untere  Hälfte  weggerissen  und  «wischen  10  und 
n  fehlt  ein  Blatt.  Inhalt:  Bl.  1"—G2^  Prolog  und  35  Briefe, 
in  Abschrift ■')  vm  F.  Pfeiffer  in  Cod.  Vindob.  Suppl.  2779  BL 
158—244  (beendigt  24.  März  1851),  vgl.  oben  S.S';  Bl.62^—7C* 
Predigt  Leciulus,  nach  deren  Schluss:  Explicit  über  Deo  graciu 
Amen;  Bl.  77''— 84''  von  späterer  Hand  i/eschrieben  und  »nchti-äglich 
angeheftet  drn  Predigten  Taulers,  Frankf.  Ausg.  If,  323f.  3<J7 ff. 
111,  133  f. 

s'  =  Stuttgart  Cod.  theol.  et  pkit.  od.  10,  Pap.  176  Bl. 
lOUxlöO  mm,  1.5.  Jh.,  iiiemunnisch-schteäbisch.  Bl.  17" — 49'  untf 
ISO'— 37'  sechJi  Briefe  aus  dem  Gr  Bfb;  BL  92  ff.  Meister  Eckharts 
Wirtschaft  zu  Köln;  Bl.  f25ff.  von  zwei  Predigern  und  «»«*, 
Müüerin;  Bl.  127 ff.  von  12  Meistern  iu  Paris;  Bl.  133'— 35' 
Klagsprüche  des  leidenden  Mennchen  (397,9  ff.}. 

U  =  Überlingen  Nr.  22,  s.  oben  S.  '.I*.  Bl.  Hb'  -25-  14  Brief», 
davon  Nr.  II  nur  zur  Hälfte. 

Z  =  Zürich.  SladtbibUothek  Hs.  G  96.  Pap.  139  Bl. 
(145x210  mm),  14. ,'15.  Jh.,  alemannisch -schuäbisch.  Beschreibung 
der  Hs,  bei  Vetter,  Ein  Mystikerpaar  59 f.  A.  62;  P 
Zfda  XX,  374 f. ,  vgl.  seine  Ausgabe  des  Minnebüchleins  (s.  S.537}  441 
A.  1.  Enthält:  Bl.  f  41'  21  Briefe  des  Gr  Bfb  mit  Prolog,  dav(m. 
Nr.  XI  und  XVII  unvollständig,  II  in  zwei  getrennten  Hälften  (dit 
zweite  erst  nach  XIX);  Bl.  63'— 7.5'  Minnebüchlei 
nach  dieser  (einzigen)  Hs.  von  Preger  (zugleich  mit  den  nicht  von 
Seuse  stammenden  Gebeten  Bl.  75' — tfO')  und  in  dieser  Ausgabe  n&i 
gedruckt.  Weitere  Stücke  aus  der  Hs.:  Bl.  IMf^Utp  Brief  eint» 
Gotte-sfreumUs,  118'— 21*  ein  göt  lere  des  Talers  (schwerlich  echt!), 
121'— 22'  Brief  Taulers  (?),   122'— 22'  Sprüche   sind  bei  Prege. 


')  Dtntßt  Z/da  XIX,  367  nimmt  wohl  mit  Unrtcht  das  14. 
')    FTi«  dir  ährigfn  fiüditig  uad  at^tnau  gemacht. 


-'    '  •=V"K 


Die  einzelnen  Handschriften.  25* 

MjfstiklU,  411  f.  ediert.    Bl.  13^—3^  ist  ein  Brief  einer  Gottes- 
freundin,  in  verderbter  Form  gedruckt  bei  Tauler  1543 f.  329". 

Endlich  sind  noch  zu  erwähnen  einige  Hss.  von  geringerer 
Bedeutung,  welche  nur  den  einen  oder  andern  Brief  aus  dem  Gr 
ifl  enthalten:  Berlin,  Ms.germ.  quarto  125  BL  74 — 75,  St,0 allen 
Nr.  965  S.  134—35  (vgl.  Simon  a.a.O.  17)  und  Cgm  447  Bl. 
^""—217"  haben  ein  Stück  aus  Br.  XI  Audißli;  Berlin,  Ms.  germ. 
juarto  149  BL  75''— 77"^  Br,  XII  Nigra  sum  (des  süsen  bredige), 
Bl  125''— 27"  Br,  XXVI  Pone  me;  Ms.  germ.  quarto  182  BL  30 
bU  40  Br.  XXVI,  III  und  II  (von  aüen  aber  nur  ein  Stück  und 
miigeänderter  Einleitung).  —  St.  Gallen  Nr.  1014  (vgl.  Scherrers 
Katalog  386  f)  S.  89 — 116  Br.  X  Bevertere,  aber  nur  den  Anfang 
da^an,  der  mit  dem  Traktat  ,von  rechter,  wahrer,  sicherer  Ända4:ht^  ^) 
zmmmengefügt  ist.  —  Göttingen,  Ms.  Theol.  292  (vgl.  oben  S.  10*) 
bl,  137^-^47^  Br.  XII  Nigra  sum  in  ziemlich  fehlerhaftem  Text 
(ob  g*  bei  der  Edition  439,9  ff.  benützt).  —  Die  verbrannte  Strass- 
hur g er  Hs,  F  128  enthielt  23  Briefe  in  der  Reihenfolge  von  s, 
ds  vorletzten  aber  den  Br.  Exivi  (XXIII),  der  in  s  fehlt  (P reger 
in  Zfda  XX,  375). 

Die  folgende  Tabeüe  soll  die  Überlieferung  de,s  Gr  Bfh  in  den  wichtigeren 
^99,j  namentlich  die  Aufeinanderfolge  der  einzelnen  Briefe  veranschaulichen. 
^  iiigleich  im  Kl  Bfh  enthaltenen  sind  gesperrt  gedruckt,  die  beigegehene 
2aW  (in  runder  Klammer)  zeigt  ihre  Reihenfolge  an.  Eckige  Klammer  bedeutet, 
^  der  betreffende  Brief  in  der  Hs.  in  der  Rezension  des  Kl  Bfb  enthalten 
w^  der  Asterisk,  dass  ein  Teil  desselben  fehlt,  Brief  XK  VIII  (Testament 
^  Minne)  ist,  weil  nur  in  b  sich  findend,  weggelassen.  Zu  bemerken  ist  noch, 
^h  Bl.  61*  und  66  *•  eine  Notig  hat,  womach  Br.  XXI  (In  omnibus)  und 
^^VI (Pone)  falsch  eingereiht  sind;  ersterer  sollte  eigentlich  nach  XIX  (Chri- 
«<>«),  letzterer  nach  XXV  (Mihi  autem)  stehen. 

*)  Kommt  häufig  in  Hss,  vor,  so  in  Berlin,  Ms.  germ.  4"  174:  Karls- 
»•»Ae,  Cod.  St.  Pet.  19;  Kolmar  !}6S;  Cgm  457;  Nürnberg  Cent.  VI,  43^ 
'ol.  :i74r  steht  am  Rande:  Eberhart  Madach  [Dominikaner prior  in  Nürnberg 
i*^-:i6,  vgl.  Schieler  a.  a.  O,  73 ff.]):   VI,  100. 


26* 


Einleitung.  I.    Die  Überlieferang. 


Übersieht  Ober  die  Überlieferung  des  Grossen  Briefbuehs. 


Britfe 

i 

i   b 

C 

c 
1 

d 

9 

h 

mN 

n 

R 

8 

8^ 

1 

ü 

1 

L 

I.  David  Rex    . 

2 

__ 

3 

4 

1 

1 

1 

II.Regnum  m. 

1 

W   .    .    .    . 

17* 

2 

1 

2* 

4 

[1] 

4* 

2 

2 

2 

2* 

IIL  Surrexi    .    . 

18 

— 

3 

2 

3 

6 

6 

9 

3 

3 

3 

IV.Habitabit 

(2)    .    .     ,     . 

19 

4 

3 

1 

6 

[2] 

6 

4 

4 

V,  Sonet  vox  .    . 

3 

5 

4 

4 

7 

5 

10 

6 

6 

1 

VI,  Vineae.    .    . 

4 

— 

6 

6 

6* 

8 

7 

17 

6 

6 

1 

VII.  Trahe  me  .     . 

5 

7 

6 

9 

8 

7 

7 

/ 

— 

9     . 

VIII.  Gmtate     ,    . 

6 

8 

7 

6* 

10 

9 

18 

8 

8 

3 

4 

IX.  (Juam  düecta 

7 

9 

8 

7 

11 

10 

19 

9 

9 

6 

* 

0 

X,  JRcvct^tTt  . 

8 

10 

9* 

8* 

12 

11 

8 

10 

10 

• 
6* 

XLAudifiU  .    . 

9 

n 

10 

11* 

13 

12 

2* 

11 

11 

1 

7 

XIL Nigra  8 um 

(3)   .... 

10 

12 

11 

10* 

14 

IS] 

11 

12 

12 

I 

XIILAbsalon  (6) 

— 

13 

12 

16 

[20] 

16 

.13 

13 

1 
1 

XIV.Exultet  (6) 

14 

13 

16 

[19] 

12 

[14] 

14 

1 

X  V,  Sarge    aquüo 

11 

1 

15 

14 

17 

13 

13 

15 

16 

—  10\ 

1 

XVLIn  exüu  L    . 

12 

17 

16 

18 

14 

6 

16 

16 

—   11 

XVILQuomodo 

pot.  (4)   .     . 

— 

2* 

16* 

16* 

125] 

[18] 

14* 

17 

1 

X  VIIL  Nemo  polest . 

13 

3 

18 

17 

— 

15 

18 

1 

,  — 

XIX.  Christus 

1            1 
1     f       : 

f  actus  (7)  , 

,19 

^^^ 

ly 

121] 

1 

17 

19 

4 

—  1 

XX.  Annunciate 

1 

(8)   ,    .    ,    . 

14* 

20* 

18* 

[2S] 

[23] 

20* 

1 

XXL  In  Omnibus 

' 

(9)    .     .     .     . 

1 

21 

19* 

a 

[23] 

18 

21 

1 

1 

XXILEstoieperf. 

(10),     .     .     . 

1 

20 

20 

[24] 

19 

22 

i 

1 

XXI IL  Exivi  a  patre 

15  ^—     24 

22 

24 

16 

— 

u 

XXIV.  Nos  autem    . 

16  \  —  \  26 

23 

21 

17 

20 

23 

12 

X  X  V.  Mihi  autem  . 

1     —     23 

21 

9 

15* 

20 

21 

1 
24  — 

13 

XXVLPoneme(ll) 

—     —  1  2fß 

24 

[il 

[251 

3 

')*) 

»v«* 

25  . 

XX  VII.  Cum  esseni 

~r 

a3 

m^im 

23 

Die  einzelnen  Handschriften,  ^7* 

TIL  Handschriften  der  Predigten,     Das  JtUnuebttclilein. 

A'«r  die  erste  Predigt  Seuses  ist  in  reichlivher  Weine  überliefert, 
icas  icoht  mit  dtr  benonderm  Wertschätzung  zusammenhängt,  deren 
sie  »ich  bei  ihm  selbst  (131,28/.)  und  bei  anderen  üottesfreunden 
erfreute;  sie  begegnet  üfter»  (eo  in  bCcgs)  unter  den  Biiefen  und 
rrschaint  gleichsam  als  au  diesen  gekörig.  An  der  Verbreitung  der 
übrigen  Predigten  lag  Seuse  wohl  icentg,  und  duher  sind  sie  nur 
tnangelhtift  erhalten.  Dabei  tritt  die  auffallende  Erscheinung  su- 
tage,  dass  für  Predigt  2 — i  fast  nur  mittel-  und  niederdeutsche 
Hss.  in  Betracht  kommen.  Es  lässt  sich  dies  wohl  nur  damit  er- 
ktären,  di'ss  einerseits  das  Nach-  und  Abschreiben  homiletischer  Er- 
teugnisse  der  mystischen  Literatur  im  14.  und  15.  Jh.  in  Mittel-  und 
Siederdeutschland  (Siederrhein)  ganz  besonders  im  Schwünge  war, 
andererseits  die  überragende  Kraft  und  AitktoriUit  Taulers  als 
Prediger  diejenige  Sevses  in  den  Hintergrund  gedrängt  hat.  Schon 
frühzeitig  wurden  die  Uomilien  des  letzteren  —  immer  von  der  ersten 
abgesehen  —  mit  denen  Taulers  vermengt.  Es  ist  wohl  möglich,  dass 
eine  sgstematische  Durchforschung  und stilhitische  Untersuchung  der 
Tttulfrüberlieferung  neite  Predigten  Seuses  zutage  fördert  oder 
wenigstens  eine  bessere  Basis  für  die  Textesrezenaierung  der  be- 
kannten schafft;  diese  Arbeit  lässt  sich  aber  nur  im  Zusammenhang  tnit 
mer  kritischen  Taulerausgabe  unternehmen. 

l.  Die  Predigt  Lectulus  ist  in  folgenden  Hss.  tnthalten: 

b  =  Berlin,  Ms.  germ.  oct.  69  Bl.  93'— UV  (s.  oben  S.  31"). 

h»  =  Basel.  Universitätsbibliothek  Hs.  B  XI  23,  Peig.  22f! 
Bl.  16",  14.  Jh,  Beschreibung  bei  W.  Wackernagel,  Altdeutsche 
Predigten  547/.  Enthält  S.  314—69  die  Pr.  Lectulus,  welche  nach 
dieser  Vorlage  bei  Wackernagel  a.  a.  0.  552 — 61  abgedruckt  ist. 
Die  S,  172 — 314  vorangehenden  Gebete  zu  den  Tagzeiten  und  zur 
Kominunion  ßei   Wackeriuigel  561 — 83)    verraten   nicht  Seuses  Stil, 

C  =  Kolmar  266  BL  i9'-57'  (s.  oben  S.  19'/). 

e  =Cues,  Ms.  115  Bl.  IVr'—lä"  (s.  oben  S.  22f). 

S  =  St.  Gallen,  Ms.  070  S.  140—49  (s.  oben  S.  T^ f,). 

m  =  Cgm  819  und  H  =  Nürnberg  Cent.  Vit,  90  haben  nur 
ein  Stück  aus  d^r  ersten  Predigt  (vgl.  S.  495  u.  ob.  S.  23*  A.  2). 

n'=  Nürnberg  Cent.  VI,  43",  Pap.  298  Bl.  4",  15.  Jh., 
bayerischer  Dialekt,  aus  dem  Kloster  St.  Katharina  in  Nürnberg. 
Bl.t-r.2  TralAat  rom  hl.  Sakrament  (vgl.  oben  S.  22*);  Bl.  53-136 
Bu4:h  con  wahren  Tugenden  Alberts  des  Gr.;  Bl.  160—67  Stücke 
oiu  </<TM  Benner  Hugos   von   Trimberg;   Bl.  248 — 56  Pr,  Lectulus. 


1 


28*  Einleitung.   L    Die  Überlieferung. 

S  =  Stuttgart,  Cod.  theol  et  phil  quaHo  67  Bl.  62^— 76"^ 
(s.  oben  S,  24*).   Abschrift  von  Pfeiffer  in  Cod.  Vindob.  Su-ppl.  2779. 

Weiter  findet  sich  die  Predigt  Lecttdus,  meist  mt  minder- 
wenigem  Text,  in  folgenden  Hss.:  Bamberg  Nr.  178  Ed.  VIII  6 
(Katalog  von  Leitschuh  J,  3.30 f)  BL  1 — 22.  —  Berlin,  Ms. 
germ.  quarto  149  Bl.  77^—84%  174  Bl.  138'''-48%'  580  Bl.  1—8; 
1094  Bl,  102^ — 10^  niederdeutsch  (vgl.  Jahrbuch  für  nd.  Sprachf. 
1884,  36).  —  München  Cgm  447  BL  86—92;  456  BL  90—116. 
Münster,  KgL  Bibliothek  Nr.  501  Bl.  7 — 28,  moderne  Abschrift 
eifier älteren  Vorlage  (vgl.  Katalog  von  Ständer  110).  —  Nürnberg 
Cent.  VI,  43*^  BL  135^ — 45'',  im  Verlaufe  aber  stark  abireichend. 
—  Stuttgart,  Cod.  theol.  et  phiL  foL  155  BL  264—72  (aus  dein 
Dominikanerkloster  in  Bottweil;  vgl.  atich  iJenifle  Bvga  XI).  — 
Zürich,  Stadtbibliothek  Hs.  B  223/730  enthält  ein  Bruchstück  der 
Pr.  Lectulus  (vgl.  Wackernagel  a.  a.  0.  259,  552,  558 ff.)-  — 
Die  Strassburger  Hs.  A  88,  welche  ebenfalls  die  Predigt  hatte 
(vgl.  K.Schmidt  in  Theol.  Stud.  und  Krit.  1843,  856),  ist  verbrannt. 

2.  Die  zweite  Predigt  ,Miserunt  Judaei^  (Echtheit zweifelhaft !) 
ist  handschriftlich  fast  nur  mittel'  und  niederdeutsch  erhalten: 

b^  =  Berlin,  Ms.  germ.  oct.  329 f  Pap.  348  BL,  15.  Jh.,  nieder- 
deutsch, aus  dem  Klostrr  der  Franziskanei'tertiaren  in  Aachen. 
BL  114 — 56  Collacien  von  Joh.  Brinckerink ;  Bl.  118  jf.  Stücke  aus 
M.  Eckhart;  BL  274  "•  —82«'  Pr.  Miserunt. 

g''^  =  Gi essen,    Universitätsbibliothek  Nr.  850,  Pap.  239  BL 

foL,    15.   Jh.   (Bl.   239*':  1460),   mittelfränkisch.     Beschreibung  in 

V.  Adrians  Katalog  251  f.  BL  1-167  der  Seelentrost;  BL  194 f. 

229  ff.   Predigten   von    Tauler;   BL  205 — 29   Marcus  von   Lindawe 

aber  die  zehn  debote;  Bl.  235*" — 39*'  Seuses  2.  Predigt. 

r  =  JJs.  der  Gyninasialbibliothek  in  Rostock,  unsigniert 
8  BL  4  ^,  15.  Jh.,  niederdeutsch.  Beschreibung  und  Abdruck  im  Jahr- 
buch f.  nd.  Sprachforschung  II  (1877)  11— W. 

DieseMe  Predigt  ist  nd.  auch  in  Brüssel,  BibliotJieque  royale 
Cod.  14688,  Perg.  14.  Jh.  BL  93*'  — 118*';  genaue  Beschreibung  der 
Hs.  bei  Borchling,  1.  Ileisehericht268ff.,  und  von  Priebsch  in 
Zfdph  1904,  58ff.  —  Ein  Auszug  aus  der  Predigt  Einsiedeln 
Cod.  708  Bl.  6*^—8*'  (alemannisch). 

3.  Die  dritte  Predigt  ,Exivi  a patre'  (ob  echte')  war  bisher  nur 
in  dem  Taulerdruck  von  1543  bekannt  mui  ist  darnadi  S.  518  ff. 
abgedruckt.  Nachträglich  iiurde  ich  auf  die  Taulerhs.  Cod.  Vindob. 
2739,  Perg.  14.  Jh.  niederrheinisch,  aufmerksam,  welche  die  Predigt 


Da»  HandschriftenTcrliSItiiis.    An  und  Weise  dieser  Auscalie.         29* 

Exivi  Bl.  79" — 87"*  enthält;  eine  Kollation  dieser  Hu,  folgt  in  den 
Nachträgen.  Jn  dernelbeti  Hs.  Bl.  S?"* — 92"  ßiidet  sich  unter  Seme» 
Na$MH  die  vierte  Predigt  ,Iterum  relinquo';  henätzt  wurde  eine  Ab- 
idirift  von  J.  Haupt  in  der  Wiener  Hs.  Suppi.  :^7i)  Bl.  247-— SO* 
(cijl.  obai  S.  5*). 

4.    Da»  Mianebächlein  ixt  allein  in  z  =  äs.  der  Züricher 
Staätbit>li</lhek-  C  96  Bl.  63'-75'-  überliefert  (s.  oben  S.  24'). 


1 


II 


B.    Das  Handschriften  Verhältnis.     Art  und 
Weise  dieser  Ausgabe. 

L  Das  Leben  Seuses. 

Fiir  den  Prolog  des  Exemplars,  der  der  Vita  vorausgeht, 
litid  haiiptmchlich  AÄ'KS  benüiist,  in  zweiter  Linie  auch  RVW 
uni  1  =  erste  Druckaungabe  Seuses,  Au(/sburg  1482;  die  letztgenannten 
f/«.  und  der  Druck  weisen  sämtlich  sehr  eerderbten   Tejct  auf. 

Für  die  Herstellung  eities  guten  Textes  der  F/i«')  sind  vor 
"Im  AA'KMPS,  .^bsidiär  auch  B'NRS'UWf  zu  benützen.  Von 
-I  md  M  sind  die  Varianten  vollständig  in  den  kritischen  Apparat 
"i'Jpiiommen,  um  ein  genaues  Bild  von  diei/en  Hsn.  zu  geben,  von 
A'  die  meisten,  von  A'PS  die  bedeutsameren,  von  den  übrigen  Hsfi. 
nid  von  «,  die  sämtlich  von  Fehlern  und  Verderbnissen  wimmeln, 
hmnlm  nur  in  einzelnen  wichtigeren  Fällen  die  Lesarten  verzeichnet 
"^tritai.  Übrigens  ist  bei  den  ersten  Kapiteln  —  das  gilt  auch  für 
'iit  folgenden  Schriften  Seuses  —  ein  ivichlicherer  Varianteimpparat 
l'rijtgelien,  der  in  der  Folge  auf  das  Nötigste  beschränkt  wird. 

Weitaus  den  besten,  wenn  auch  nicht  fehlerfreien  Text  bietet  A, 
vdthe  Hs.  daher  zugrunde  gelegt  ist.  A  zunächt  stehen  in  bezug  auf 
^it  Gült  der  Überlieferung  K  und  S,  dann  folgen  A'MP  mit  schon 
fhr  ritten  Fehlem  und  Lakunen.  A  zeigt  verhältnismässig  die  nächste 
yerwandtschaft  mit  S,  S  mit  P,  ohne  dass  jedoch  auf  direkte  Äh- 
l>^«gylceit  zu  schliessen  wäre;  APS  bilden  eine  zusamntengthörige 
Gfvppe,  wie  eine  Anzahl  gemeinsamer  Lesarten  und  auffallender 
Awila*gungen   zeigen    (z.  h.  40,13.28;   5«.Ö;  72,30;   83,14;  12t>,5; 

'I  Hiete  Autgabe  xöhit  nur  53  Kapitel,  Deniflf  56,  Diepmttroek  fl/"  und 
[  *r  tntr  Druck  59.    Die  betten  Bss.  markieren  bei  8,4;  äü,U:  I40,16  ttear 
*  Äbeatt,  abm-  *«n  neues  Kapitel;  «ii  goklies  wird  «ontt  immer  durch  eigene 
flw»cir[/l  gekefimeichn't. 


30*  Einicilimg.    I.    Die  Überliefemnsj. 

145,18;  158,24  usw.).  Femer  stehen  unter  sich  in  gewisser  Beziehung 
die  H«8.  A  und  Ä',  K  und  M,  SP  und  M,  besonders  aber  M  und  Ä\ 
die  eine  Reihe,  allerdings  meist  minder  wichtiger  Lesarien  gemeinsam 
haben;  in  der  Hauptsache  gibt  A'  die  Texigestalt  von  A  wieder,  wit 
es  auch  den  Prolog  des  Exemplars  enthält,  der  in  M  fehlt. 

Wie  man  sieht,  ist  das  Hss.-Verhältms  ein  kompliziertes  und 
daher  auch  nicht  möglich,  in  allen  Fällen  eine  sichere  Entscheidung 
über  eine  bestimmte  Lesart  zu  Ireffen;  eine  gewisse  Bürgschaft  ftif^ 
die  Zueerlässigkeit  des  Textes  bieten  die  Gruppen  AA'K,  AKP, 
KMP,  besonders  auch  A'KMa.  gegenüber  von  APS,  Jedenfalls  tat 
CS  aber  in  dieser  Ausgabe  gelungen,  den  Text  gegenüber  Denifle  an 
nicht  wenigen  Stellen  zu  verbessern. 

Eine  gesonderte  Betrachtung  fordert  die  Hs.  M.  Sie  zeigt 
zahlreichen  Stellen  tiefgreifende  Änderungen,  Auslassimgen  und 
Zusätze*),  welche  unmöglich  alle  von  blosser  Schreiberwillkür  Ä«r-i 
riüiren  können  und  somit  dazu  nötigen,  die  Entwicklungsgeschichtt 
lies  Vitatexfes  zu  untersuchen.  Diese  Verschiedenheit  von  M  gege» 
aber  den  übrigen  Texteszeugen  —  ich  nenne  sie  A-Gi-vppe  nach 
Hauptrepräsentanlen  —  hat  Anlass  zu  einer  heftigen  Kontroverai 
ztoischen  Preger*)  und-  Denifle^)  gegeben.  Ersterer  behauptet«^ 
A  und  seine  Trabanten  stellen  die  erste,  M  die  letzte,  für  dat 
Exemplar  bestimmte  Redaktion  der  Vita  dar,  letzterer,  dem  sich 
wesmUtchen  auch  Strauch*)  anschloaa,  trat  mit  Entschiedenheit  fÜ 
die  Priorität  von  M  ein. 

Es  kann  nun  aber,  vollends  auf  Grund  des  durch  diese  Au»- 
gäbe  erschlnssenfn  reichere?»  Materials,  kaum  mehr  einem  Zweifel 
unterliegen,  dass  die  Pregersche  Hypothese  durchaus  verfeMt  ist, 
Wentt  zwei  Redaktionen  der  Vita  ztt  unterSchäden  sind,  so  Jtniwl 
man  in  M  nur  die  erste  sehen ;  das  hat  Denifie,  der  überhaupt  ^m 
eine  gründlichere  Kenntnis  der  Hss.  verfügte,  siegreich  nacftgewiei 
Ausschlaggebend  ist  allein  schon  der  Umstand,  dass  sämtliche  Uli 
der  Vita,  welche  das  Exemplar  enthtäten  oder  wenigstens  vorauasetBti 
(im  ganzen  ca.  20),  samt  den  Drucken  die  Rezension  von  A  i 
weisen;  es  wäre  aber  doch  ein  merkwürdiger  ,Zufall'  zu  nent 
wen7i  gerade  dfis  für  das  Exemplar  bestimmte  Leben  Seuses 

')  Diudben  tnnd  weder  hti  Deni/li  noch  b»i  Fiegtr  fs.  folgtndi 
Anm.)  voUetSndig  aufgtfährl. 

')  Zfda  XX  (1876)  <Ofijf.;  Oetch.  d.  d.  MytUk  II,  5/0/. 
'^  ^da  XXI  (1877)  126 ff.!  Settae  XVIJt—XX. 
■)  Afdtt  IX,  13S-40. 


j  Das  HandacbritleDTcrhÄltuis.    Art  tind  Weise  dieser  Aiingabe.         ^l* 

halit  flesseiben  gemten,  das  nickt  für  die  Veröffentlichung  vorgesehene 
dagegen  in  das  ,gereckte'  Exemplar  (  Vita  iß)  gelangt  icäre^).  Weitere 
Gründe  werden  im  folgenden  Erwähnung  finden. 

Ist    es    nun   aber  unumgänglich  notwendig,   amunekmen,    das» 

Seuse   feine  Biographie   zweimal  redigiert  habe'i'      Vor  allem   ist  zu 

sagen,  dn*s  der  Text  von  M  bisher  zienüich  äbeischätsst  wurde;  er  ist 

weder  so  alt  noch  so  gut,    wie  Deniße  und  Preger  meinten*).    Eine 

vBrüfung    des   Variantenapparates  zeigt,   da^s   der  Schreiber   von   M 

kAl  ,^ort  und  fort  den  grössten  Fleins" *)  aufgewendet  hat,  nondern 

jSkk  zafülose  Nachlässigkeiten   zu   Schulden   kommen  liesg.     Oft  hat 

br  bei  schwierigeren  mystischen  Partien   den  Sinn  nicht  mehr  ver- 

tUmtdtn,    wie   die«   bei  sfpäteren  Abschriften  gewdhidich   dsr  Fall  ist 

ff»  z.  B.  164,12;  165,17;  167,5;  168,15.  24;  170,12.  19;  174,23; 

175,*'   usw.),    häufig  macht   er  Änderungen   und  Zuslitze,   um    das 

Yentändnig  zu  erleiditern  (z.  B.  8,3;  lO.llf;  21,6;  46,5 f.  60,6; 

I  e8j2/. ;   67fif  10;   70,7  usw.),  wobei  aber  öfters  etwas  gattz  Un- 

' — '-'-fe«*)   und  Sinnloses   herauskommt   (so    12,10;    16,9;    27,15; 

(,J7;  77,21;  83,20 ff.;  105,26;   108,9;  111,3  umc);   Überhaupt  ist 

»  Tendenz  zur  Erwaterung   d.  h.    Verfluchung  und  Verwässerung 

nTe.eUs  hervorsUchend  (z.  B.  50,8;   57,4;   59,33;  66,4f.;  70,3; 

IK;  75,14f.;   77,25;   86,23f.:   87,22ff.  usw.).     Man   sieht  sich 

f  Irrund  von  alte  dem  zu  der  Annahtne  genötigt,  dass  in  M  bezw. 

litwr  Vorlage   nicht   so  fast   die  Hand  eines  Abschreibers,   als  die 

t  Bearbeiters  tätig  war. 

Daneben  weist  aber  M  manche  Spuren  hiJheren  Alters  auf  in 

fcritom  gegenüber   der  A-Gruppe,    die   nach  Ausdruck   und  Inhalt 

t  «Aj  susonisches  Gepräge  tragen,  da.'ts  sie  nicht  als  Interpolationen 

*^uh9H   werden  können").     Bei  15,4  und  82,11  f.   Hesse   sich   der 

baftUl  eines  Satzteils  allenfalls  durch  Homoioteleuton  erklären,  nicht 

tr  bei  122,lf.  und  159,13 f.    Es  ist  kein  Grund  abzusehen,  warum 

f  Seuxe    bei    einer   zweiten    Redaktion    sollte   gestrichen    habe?t; 

')  Dit  Vtrntutung  Fregere  11,  342  ff.,  Seitee  iti  durch  den  Tod gthindirt 
•*«,  'tin  vkHeiliges  Werk  m  einem  Bande  tu  viitinigen,  und  lin  Schreibrr 
w*  doM  Mufanig  die  falgche  Vita  in  das  Extmplar  aufgtnumnen,  int  dach 
'  |«««fci  iMd  data  tchon  durch  den  Prolog  hinrrichend  tcidtrhgt. 
*)  Vgl  dagtgen  da»  vwiiehtigere  üneil  Strauch»  a.  n.  O.  140. 
^DtnifU,  Zfda  XXI,  131. 

)  SanuitfT  gehört  auch  5ä,39  die  AHseteuitg  eines  nrurn  KapUtb  mit 
"pvtndm  Überschriftt  Wie  er  «ch  aioig  hielt. 
■)  Irh  habi^  tlie»eibeii  in  <  >  gtsettl. 


32*  Einleitung.   I.    Die  Überlieferung. 

mindestens  ebenso  plausibel  ist  die  Annahme,  dose  schon  im  Arche' 
typus  der  A  Gruppe  die  Auslassung  durch  ein  Schreiberversehen 
geschah. 

An  einer  Anzahl  von  Stellen  hat  M  Sonderlesarten  von  ge- 
ringerer Bedeutung,  die  zwar  gegenüber  van  Aund  seinen  Anhängern 
ursprünglich  sein  können,  aber  keineswegs  sein  müssen  und  es  meines 
Erachtens  auch  nicht  sind,  da  sie  sich  ungezwungen  aus  der 
schon  konstatierten  Art  des  Abschreiber-Bearbeiters  erklären  lassen 
(so  12,14;  50,27;  51,10;  62,15;  80,22;  86,25;  88,9;  99,3;  100^0; 
103,10  f.;  118,24;  126,20;  135,32;  143,32  f.;  158,25;  168,3;  172,6; 
177,23;  179,32;  180,1). 

Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  die  Lesart  von  M  18,11/.: 
daz  (nämlich  das  Gebet  Anima  mea)  er  do  schreib  an  dem  nacb- 
genden  briefb&chlin  (vgl.  auch  A^  in  den  Varianten)  und  der  Zu- 
satz 155,7:  als  an  dem  nüwen  briefb&cb(l)iD,  daz  hie  ze  hindroflt 
och  stet,  aigenlich  ist  geschriben.  Der  M-Text  kann  an  diesen 
Stellen,  tvie  auch  Preger^)  sah,  nicht  von  erster  Redaktion  her- 
rühren, denn  er  setzt  ja  das  abgeschlossene  Exemplar  voraus,  aber 
auch  nicht  der  zweiten,  endgültigen  Redaktion  bei  V erÖffentUchwng 
des  Exemplars  angehören,  denn  sonst  wäre  es  unerklärlich,  warum  aOe 
anderen  Hss,,  von  M  und  teilweise  A^  abgesehen,  berichten,  Seuse  , 
habe  den  Morgengruss  nur  an  „etliche^  neue  d,  ä.  gekürzte  Briefe 
büchtein  geschrieben  (18,12).  Diese  Na^ihricht  muss  aber  richtig 
sein,  denn  keine  alte  Hs.  enthält  den  bezw.  die  Zusätze  (vgl.  Anm» 
zu  393,6).  So  bleibt  nur  die  Annahme  einer  Interpolation  übrig, 
die  auch  von  Denifle^)  und  Strauch^  gemacht  wurde  und  zu  de0^ 
Charakter  von  M  gut  pa^st.  Dies  gibt  uns  aber  das  Recht,  auch 
den  ungeschickten  Zusatz  in  M  175,21 :  als  da  vor  gesait  ist  eis 
eine  spätere  Einfügung  zu  betrachten. 

Einem  Schreiber- Bearbeiter,   der  sich  solche  Eingriffe  in  def^ 
Text  erlaubt,  wird  man  auch  Auslassungen  zumuten  dürfen.    Vita  63,ld 
ist  in  M  der  Name  Anna  tveggela^sen   und   der  Satz  entsprechend 
geändert,   64,  1 — 65,3,  enthaltend   die  zweite  der  Anna  geworderi^ 
Offenbarung  samt  der  Rosenvision,  fehlt.    Mit  Sicherheit  ist  hierauf 
weder   auf  erste  noch  auf  zweite   Redaktion   zu  schliessen:    SeuS^ 
konnte  ebenso  gut  nachtragen  als  tilgen  %     Immerhin   spricht  meh^ 

M  Zfda  XX,  407,409;  Mystik  II,  311  f, 

«)  Zfda  XXI,  128,137, 

«)  -4.  a.  0.  139, 

*)  So  auch  Strauch  a,  a,  0, 


D»8  HuKlucliriftünverhtiltiiü.    Alt  iiml   Weise  -lieBer  Äiisii-abr. 


33* 


fir  Denifif»  Auffassuni/,  du  es  Ja,  nenn  ihr  Schri/Mel/er  auf  die 
nxh  Ufiendf  Anna  Jiückiticht  nehmen  woUle,  yenvgt  hätte,  ikrtn 
Samen  toeg zulassen ;  zudem  ist  Kap.  H7  —  mich  in  M  —  eine  Anna 
•/mannt,  ivelehe  lenhrscheinlich  mit  der  in  Kitp,  '4'i  erwähnten  identisch 
i4.  Ater  auch  De7nßes  Annahme,  M  veirate  hier  die  erste  Redaktion, 
ht  nicht  Bioinffend,  denn  es  konnte  auch  der  Schreiber  von  M  den 
Text  an  der  ernten  Stelle  ändern  und  an  der  xueilen  die  beiden  Hr- 
iMunge»  streichen,  ohne  dass  wir  den  Grund  hiefür  eu  erkennen 
»rmöchten;  cielleichl  geschah  das  letztere  deshalb,  weil  in  Kap.  34  zwei 
SMiche  Ersählungen  folgen.  Ganz  tihnlifh  liegt  der  Fall  auch  in 
houy  auf  den  in  M  fehlenden  Passm  von  dem  ,neuen  Büchlein',  dos 
in  den  Rhein  fiel  tffl,f>  —  t3J,  und  bei  den  kleinen  .Ittslnssungen 
äI.Ü— <  und  S5,18—VJ. 

Am  tiefsten  einschneidend  und  für  unset-e  Frage  am  wichtigeteti 
*d  die  Abweichungen  von  M  in  Vita  IHO.lff.  und  177,1  ff.  Am 
Ort  bringt  die  He.  statt  der  allgemeinen  Andeutung,  dam 
so  schwer  verleumdete  Unschuld  sich  liermtsgesteUt  habe,  die 
konkrete  Xachricht,  der  Ordenageneral  und  der  Provimial  von 
tnltmia  hätten  die  Sache  genau  untersucht  und  alles  als  böswillige 
YtHeumdung  erkannt  usw.;  ausserdem  ist  die  folgende,  10  Zeilen 
nfiuftendt  Ersühlung  von  der  Erscheinung  eines  Freundes,  der  jenem 
'früAir  unrecht  getan,  gestrichen.  Auch  hier  stehen  wir  vor  der  Alter- 
lative.  Streichung  des  interessanten  Zusatzes  in  A,  oder  spätere  Ilin- 
fJiyuHg  in  M  anzunehmen.  In  der  Tat  möchten  Denifle^)  und 
!^lrauch*)  den  Zusatz  der  ersten,  Preger')  der  zweiten  Redaktion 
twfisfn.  Aber  wahrscheinlich  ixt  keine  der  beiden  Annahmen  richtig. 
f'.inmal  finden  wir  in  jenen  Worten  Seuses  «onst  so  leicht  erkennbaren 
Stil  jiicht  wieder,  die  Aund rucksweise  klingt  fremdartig*)  und  sehr 
nichterti,  sodann  ist  Preger  zuzugeben,  dass  Sense,  wenn  er  einmal 
tiM  Ehrenrettung  durch  die  höchsten  Instanzen  des  Ordens  in 
tni-Jctntn  Worten  niederschrieb,  sie  schwerlich  in  der  zweiten  Redaktion 
Kitder  getilgt  hätte.  Daher  empfiehlt  sich  auch  hier  wieder  die  An- 
nahme, dass  ein  Unbekannter  die  Interpolation  gemacht  und  die 
Änderung  vorgenommen  hat.  Seuse  selbst  hat  sich  wohl  in  bescheidener 
Xvrilckiuiltnng   mit  allgemeinen  Andeutungen    begnügt,  —  seine   Un- 


')  Z/da  XXI,  130  f. 
')  ia.  U.  iSBf. 

■)  Zfda  XX,  ifJH:  Mystik  II,  3Hjr. 
')  Atuk  Strauch   a.  a.  0.  ßnäel   die  Leg 
'■  Guekuiaek  weit  anaithrndn: 


I  A  paerl/ieher  und  filr 


&»•«■ 


,  DmIwiM  SebriflMi. 


34*  Einleitung.   I.    Die  Überlieferung'. 

xchuld  id  ja  ^^orausfietzung  der  yanzen  Erzählung!  —  nach  seinem 
Tode  aber  hat  ein  mit  den  Verhältnissen  l^ertrauter ,  vielleicht  ein 
Ordensgenosse  im  Ulmer  oder  Konstanzer  Konvent,  die  Notiz  ein-, 
gefügt.  Anregung  d/izu  mochte  ihm  die  Bemerkung  (126,13/,)  üher 
das  Kommen  der  Ordensobereti  (nach  Konstanz)  geben,  die  von  selbst 
dem  Leser  die  Frage  nach  dem  Atisgang  der  Untersuchung  auf  die 
Zunge  legte;  die  anschliessende  Erzählung  über  die  Erscheinung  eto 
verstorbenen  Freundes  konnte  dann  als  entbehrlich  wegfallen. 

Wer  den  Text  zu  Beginn  von  Kapitel  51,  wo  über  die 
G Ott eser kenn tnis  gehandelt  wird,  nach  der  A-Gruppe  und  M 
mit  einander  vergleicht,  erkennt  unschwer,  dass  hier  eine  einschneidet 
Änderung  in  ganz  bestimmter  Tendenz  vorgenommen  worden  ist. 
Während  in  M  nach  dem  Vorgange  Bonaventuras,  der  hier  ah 
Quelle  dient  (vgl.  den  Nachweis  in  den  Anmerkungen  zu  176,11  ff»), 
und  Meister  Eckharts^)  dargetan  ivird,  dass  Gott  das  j^rimum  cognitm 
sei  und  dieser  Gedanke  den  ganzen  Abschnitt  beherrscht,  wird  in  A 
der  Frage  nach  dem  Ersterkannten  ausgewichen  und-  der  Ged/inke!h 
gang  in  recht  gezwungener  Weise  dahin  gewendet,  dass  Gott  nicht 
in  die  zerteilten  Wesen  aufgehe,  sondern  der  Enthalt  aller  Diny 
sei  ^).  Kein  Zweifel,  dass  der  Text  in  M  besser  fliesst  und  deti  Ein' 
druck  der  Urspriinglichkeit  macht.  Daher  meint  Denifle%  dat 
Hervorgehen  des  Textes  von  M  aus  A  lasse  sich  in  keiner  WeifC 
begreifen,  wohl  aber  umgekehrt;  anfangs  habe  sich  Seuse  fast  sklavisch 
an  das  fünfte  Kapitel  des  Itinerariums  gehalten,  später  aber,  ab 
er  daranging,  die  Vita  zur  Veröffentlichung  vorzubereiten  und  (& 
schwierigen  mgstischen  Partien  dem  Provinzial  Bartholomäus  vorlegt 
{Prolog  5,18ff.)y  habe  er  den  Text  ^so  gut  es  ging^  geändert,  weH 

')   Vgl  Denifle  in  seinem  Archiv  II,  619 f.;  587,21:  600,15:  605,6, 
^)    Vgl  Denifle,   Zfda  XXI,  131  f.     Der   Versuch   Pregers  II,  SIT 
nachzuweisen,   dass  zwischen    A  und  M  kein   wesentlicher    Unterschied  bestehe 
und  dass   die   letztere  Hs.  und  Bonaventura  Gott   nicht  für  das  IJrsterkanM^ 
halten,   verrät  so  wenig  Kenntnis  der  scholastischen  Terminologie,  dass  er  aJb 
ganz  verfehlt  nicht  weiter  zu  berücksichtigen  ist.     Vgl  auch  Denifles  scharfe 
Zurückweisung  im  Archiv  II,  620  A.  1,  687,    Dass  die  Lehre  der  älteren  ^ansii*^ 
kanerschule  von  der  ,cognitio  in  rationibus  aeternis^  mit  der  thomistischen  Lchr€ 
nicht  harmoniert,  —  die  Herausgeher  des  Itinerariums  fs.  Anm,  zu  176,6),  SchoUim 
p,  487  ff ,  suchen  vergebens  Bonaventura  und  Thomas  in  Einklang  zu  bringen  — 
hat  neuerdings  lichtvoll  und  überzeugend  M.  Grabmann,  Die  philosophiwke 
and    theologische    Erkennt nisUhre    des    Matthaeus    vwi   Aquasparta    (=  Th%dU 
Studien  der  Leogesellschaft  H,  14)  1906,  65 ß\  gezeigt  (S.  60  f  über  Bonaventura)* 
Vgl  auch  Krebs,  Meister  Dietrich  (s.  S.  3:!^8)  124 ff. 
'•')  Zfda  XXI,  131  ff. 


Das  Handschriftenverhältaiis.    Art  und  Weise  dieser  Ausgabe.         35 

jepie   Lehre   der  im  Orden   streng    vorgeschriebenen  ^)    thomistischen 
Doktrin  widersprach. 

Die  Lösung  des  Problems  ist  sicher  eine  ansprechende,  tve^in" 

gleich  nicht  alle  Bätsei  schwinden.   Anfallend  bleibt  dann  immerhin, 

warum  Seuse  bei  seiner  „ängstlichen  Furcht**  (Denifle)  nicht  besser 

dafür  sorgte,  dass  die  Spuren   der  anstössigen  Lehre  verschwanden , 

und    wie  er   überhaupt   dazu  kam,    in   dieser  wichtigen   Frage  von 

Thomas,  den  er  so  hoch  schätzt  und  dessen  Gegner  er  so  sehr  tadelt 

(Vita  180,16 f,.  Hör,  151  f.),   abzuweichen^).     Doch   wird  man  die 

Möglichkeit  nicht  leugnen  können,  dass  er  trotzdem  jene  Theorie,  die 

sieh  auf  die  Auktarität  des  grossen  Augustinus  stützte  und  von  einer 

Reihe  von  Theologen  seiner  Zeit,  vor  allem  von  seinetn  Lehrer  Eck- 

hart,  vertreten  wurde,  adaptierte  und  in  seiner  mystischen  Spektdation 

anfänglich  zum  Ausdruck  brachte.     Viel  schwerer  wird  man  zu  der 

Annahme  greifen,  —  und  sie  bliebe  allein  noch  übrig  —  dass  etwa 

auch  hier  der  Interpolator  von  M,   der  die  Notiz  130,1  ff.  einfügte, 

8ewi€  Hand  im  Spiele  hatte,   indem   er  sich  angetrieben  fühlte,  den 

Tejrf  der  Vita   nach  Bonaventuras  Itinerarium,   von   dem  Seuse  so 

flötzlich  abweicht,  zu  ändern  und  zu  ebnen. 

Das  Resultat  dieser  Untersuchung  ist  demnach  folgendes:  wohl 
wr  in  bezug  auf  den  Anfang  des  51,  Kapitels  kann  man  mit  ziem- 

*)  Auf  dem  Generalkapitel  von  1278  wurden  die  Dominikaner  streng  auf 
*«  Lthrt  des  fd.  Thomas  von  Aquin  verpflichtet  und  zugleich  eigene  Inquisitoren 
^fgttteÜt,  durch  welche  die  NichtnThomisten  bestraft ,  aus  ihrer  Prooine  aus- 
9*iiouen  und  jeden  Amtes  enthoben  werden  sollten  (MOPH III,  199).  Ähnliche 
^»Ummungen  wurden  öfters  wiederholt,  so  auf  den  Generalkapiteln  von  1279, 
^  1309j  1313,  1329,  1342,  1344  usw.,  ein  Beweis,  dass  sie  nicht  immer  genau 
f^thaUen  wurden  und  dass  die  antithomistische  Strömung  auch  im  Prediger^ 
^dtn  tUcht  unbedeutend  war.  Meister  Eckhart  und  Dietrich  von  Freiberg,  die 
^olzdem  hohe  Ordensstellungen  bekleideten,  sind  Zeugen  dafür.  Übei-  des  letzteren 
^rienntnislehre ,  welche  ebenfalls  antithomistisch  ist  und,  wenn  auch  von 
«»<fef«i  philosophischen  Grundlagen  ausgehend,  doch  in  der  Hauptsache  mit  der 
^alteren  Franziskanerschule  zusammentrifft,  vgl.  Krebs  a.  a.  0,  l'^3  ff., 
^*ff.,  203*;  ebd.  220*  auch  über  den  Traktat  von  der  Minne  (bei  Preger 
^  it9ff.). 

^  Als  Gegeninstanz  wird  man  weniger  betonen  dürfen  (vgl,  Denifle 
ö  fl.0. 134  A.  2),  dass  Seuse  kurz  vorher  (17 2,1  ff,)  den  Weg  der  Gotteserkenntnis 
P^  crtüturas  auf  aristotelisch-thomistische  Art  beschreibt,  und  dass  auch  das 
^^ßff,  angeführte  Beispiel  vom  Licht  und  von  den  Fledermausaugen  der  Lehre, 
^  göttliche  Wesen  sei  das  primum  cognüum,  nicht  recht  entspricht.  Ein  der- 
^^ti  Ineinander  spielen  augustinischer  und  aristotelischer  Gedanken  findet  sich 
<w»cÄ in itm  System  Bonaventura.?,  bei  Matthäus  von  Aquasparta  n.  a.  (vgl.  Grab' 
»'»n«  a,a,  Q.  öTjff.,  60  f.). 


\ 


36*  Einleitung.    I.    Die  Überlieferung'. 

licher  Wahrscheinlichkeit  von  eifier  doppelten  Redaktion  der  Viia 
reden;  einen  grösseren  Umfang  hatte  diese  scJiwerlich^),  Doch  mri 
bei  dieser  Annahme  der  Ausdruck  „Doppelredaktion*"  besser  ver- 
mieden *),  denn  auch  die  Rezension  von  M  war  von  Anfang  an  für 
das  Exemplar  bestimmt^):  Vita  18,11  f  und  155,7  {s.  oben  S.  32*)  i$t 
von  dem  Briefbüchlein  die  Rede,  96,2  wird  das  Leben  als  erstem 
Buch,  nämlich  des  Exemplars,  bezeichnet,  und  es  fehlt  auch  nicht  der 
Hinweis  auf  die  Bilderausstattung  desselben  (193,24). 


II.  Die  übrigen  Sehriften  des  Exemplars. 

1.  Das  Bdew   hat  eine  verhältnismässig  sehr   alte,  gute,  aber  i 
doch  nicht  ganz  einheitliche  Überlieferung,     Von  den  benutzten  JSTä  | 
(x,  S.  196)  ist  der  Konformität  halber  auch  hier  A  zugrunde  gelegt  m 
obwohl  wir  in  EE^Z  einen  älteren  und  besseret  Text  vor  uns  haben; 
in  rein  sprachlicher  Hinsicht  stimmt  jedoch  A  mit  diesen  Hss,  foit 
vollständig   überein.     Relativ  den   besten  Text  hat  Z,  dctö  auch  dk 
Autorenzitate    am    Rande    am  genauesten   verzeichnet,    dann  feigen^ 
E  und  E\     Diese  beiden  Hss,  weisen  Korrekturen  von  einer  äUerei^ 
und  Jüngeren  Hand  auf,  welche  nicht  immer  mit  voller  Sicherheit  e» 
unterscheiden  sind,  Z  nur  solche  aus  sjniterer  Zeit ;  die  sicher  jängerm 
und  unrichtigen  Korrekturen  sind  im  Variantenapparat  nicht  berück^ 
sichtigt.    In  E^  und  F,  welche  miteinander  verwandt  sind,  zeigt  Hdk 
häufig  ein  willkürliches  Eingreifen  des  Schreibers;  E^  hat  daneben  . 
aber   auch   oft  sehr  gute   und   alte   Überlieferung.     Verwandt  sin^ 
feriier  F  und  F^,   E^F  und  F\   namentlich   aber  A  und  K,  denen 
sich  noch  manchnuxl  cl  anscMiesst,     AKol,   welche   das  Bdew  in  der 
Form  repräsetitieren,   wie  es  in  das  Exemplar  aufgenommen  wurdSm 
stehen    durch    zahlreiche    Änderungen,    Auslassungen    und   sonstige 
Korruptelen  allen  übrigen  Hss,,    welche   das  Büchlein   separat   übef^ 
liefern,   als   eigene,   minderwertige   Gruppe  gegenüber,    weis  zu   defn 
Schlüsse  berechtigt,  dass  der  Vorlage  von  A  keine  sehr  gute  Abschrift 
f=  X)  des  BdeWy  das  schon  ca.  S5  Jahre   vor  der  Redigierung  d0^ 


^)  Höclisteiis  wäre  noch  159,13  f.  an  ein  Kingreifen  Seuses  seihst  zu  ifonÄ?**^ 
^)  ÄXAch  Denifle  redet  wiederholt  nur  hypothetisch  davon  (Seuse 

Zfda  XXI,  137), 

*)  Unrichtig  sagt  Denifle,  Seuse  XIX:  „w  steht  fest,  dass  das 

in  M  von  Seuse  nicht  für  das  Exemplar  bestimmt  war.^     Dagegen  mit 

F reg  er,  Mystik  II,  321  f. 


I>ii8  HftDilachrifteuvcrliSIiuia.     Art  und  Weist  dieafcr  Äusgalie.         37* 

larif    nerfnsit   war,    zugrumle   Ici/^);    und   zwar  musn   X   in 

■  Beziehunff   zu    der    in    Töss  geachriebeHen    Hs.  E  ge^tandm 

dae  zeiijt  das  äfiers  vorkommeiidv  Zusnmmetitreffm  von  A 
'f  AK  und  E,  AKx  und  E,  neben  d^m  jedoch  auch  die  Ver- 
tuen AF  und  AI!  betnerkemweri  xinri.  In  ZweifelufSllen  wird 
ich  hei  HezenMerwiff  den  Textex  in  der  Hegel  auf  jene  Hss.- 
w  zu  stützen  habe»,  bei  der  Z  vorkommt.  Es  gelingt  auf  diese 
öfters  einen  zuverlässigeren  Text  gu  erzielen,  als  ihu  Denifle  hat, 

■  und  E'  bevorzugte. 

2.  Dna  dritte  Büchlein  (Bdw),  weniger  kopiert  und  daher 
tr  verdorben,  ist  ziemlieh  gut  überliefert.  Führerin  ist  A,  und 
itser  H«.  bezw.  ihrer  VorInge  scheinen  alle  übrigen  abzustammen ; 
ndt  tiitd  besonders  A  und  li,  A  und  K,  A  und  S,  AB  und  S. 
Ha  Varianten  eon  CXSfm,  welche  voll  Fehlern  »ttcken,  »ind  mir  zum 
iäntUn  Teil  angeführt.  Gegenüber  JJeniJIr.  der  geringeres  Material 
bte,  ist  der  Text  nn  manchen  Punkten  verbessert. 
H.  Beim  Bfh  gilt  so  ziemlich  dasselbe,  wie  beim  Bdu:  A  über- 
oU$  übrigen  Hss„  von  denen  VKPS  manche,  N  Ü  H'fm  a.  sehr 
Verderbnisse  aufweisen,  weit,  und  nur  sehr  selten  muss  eon 
tbgtgangen  werden.  Verwandt  sind  unterei minder  //emmders  .1 
S,  C  und  S,  AC  und  S,  K  und  U.  m  und  N. 
4.  Di«  Zuaätze  zum  Bfb')  sind  in  mangelhafter  iVeise  über- 
t,  und  zwar  weichen  die  Hss.,  welche  das  Exem/ilar  enthalten 
h/j,  lind  a  öfters  ab  eon  denen,  welche  sie  in  Verbindung  mit 
hBfb  bieten  (Shms').  Der  letzteren  (rrujij/e  wird  meistens, 
itlieh  bei  den  Sirrüchen,  der  Vorzug  zu  geben  sein.  Denifle 
rie  e»  scheint,  nur  x  und  m  benutzt.  Zur  Grundlage  sind 
df  genommen,  weil  diese  Hss.  die  älteren  Sprachf armen  und 
lannifchen   Dialekt  am  meisten  bewahrt  haben. 


III.  Das  Grosse  Briefbach. 

Nach  ö'dHWfi  Zeugnis  hat  seine  geistliche  Tochkr  Elsbvth 
'  an»  .allen"  Briefen,  die  er  ihr  und  andern  seinen  geistlichm 
(TU  i/esandt,  ein  Buch  gemacht;   er  ."elbst   nahm  einen   Teil  der 

'\  Au/falimii  in  dire  aÜndingn,  da  Seutt  nach  l'rolog  4,1  ß'.  Obrr  Schreiber- 
rrlmiitf,  spttirll  im  Bdmt;    hhujl  und  von  Mine"  Banitlimtgfn  um  lin  ,ge- 
'f  Eiimplar  btrielittt.    Mim  ivird 'iber  von  rinem  miltfl-aUerlicHen  Schrift- 
*  W«<  aOtH  grotet  Akribiti  erwartfii  diir/mi. 
1  ygl  dif  Anm.  S.  393. 


'iS*  Einleitung.    I.    Die  Überlieferung. 

Briefe,  kürzte  sie  und  machte  ein  neues  Büchlein  (873,22:  diz  kleia 
ding)  von  elf  Briefen  daraus,  dds  er  als  vierten  Teil  dem  Exemplar 
einverleibte;  die  Briefe,  welche  ihm  zur  Aufnahme  nicht  taugUek 
schienen,  vernichtete  er  (Prolog  zum  Exemplar  4,18 ff.;  Vita  18,12; 
Kl  Bß  360,1  ff.,  373,22  ff.). 

Ist  nun  wirklich  das  ursprüngliche,  ungekürzte  Brief  buch  der 
Stagel  unwiderruflich  verloren,  oder  ist  es  in  irgend  einer  Form  e^ 
halten  geblieben?  Über  diese  Frage  ist  vor  30  Jahren  zwiseki» 
Denifle^)  und  Preger^)  eine  heftige  Kontroverse  ausgefoehUB 
worden,  die  zwar  kein  völlig  sicheres  Resultat  herbeiführte,  derm 
Verlauf  aber  doch  unzweideutig  erkennen  Hess,  auf  welcher  Seite  sick 
der  grössere  Scharfsinn  und  die  umfassendere  Kenntnis  des  haut'  ^ 
schriftlichen  Materials  befand^).  In  seinem  ersten  Aufsatz  hatk 
Denifle  ausgeführt,  dass  das  ursprünglicfie  Brief  buch  nicht,  wie  mm 
glaubte,  verloren  sei,  sondern  sich  im  wesentlichen  in  der  Stutigarltr 
Hs.  Cod.  theol.  et  philos.  4^  67  (^  s,  s.  oben  S.  24*)  erhalten  finita  H 
während  das  von  Preger  1867  herausgegebene  Brief  buch  des  Cgm  8tt  1 
(s.  oben  S.  7*,  23*),  das  dieser  für  die  endgültige,  von  Seuse  für  dm  "^ 
Exemplar  bestimmte  Redaktion  ansah,  sich  nur  als  ein  ungeschiMm  ^ 
Konglomerat  aus  Briefen  des  ungekürzten  und  gekürzten  Briefbuchm  *1 
darstelle.  Dem  gegenüber  suchte  Preger  nachzuweisen,  dass  dir  i 
Si<igelsche  Sammlung  gar  nicht  erhalten  sein  könne,  da  Seuse  naek 
seine)}  eigenen  Worten  (373,27 ff.)  sie  vernichtete;  derselbe  hoklf  \ 
mederholt  eine  Auslese  aus  ihr  veranstaltet :  die  erste  besitzen  wir  noA 
in  s  (das  „alte^  Brief  buch),  die  zweite  in  den  11  Briefen  des  erski^  ' 
Druckes  (das  „neue^  Briefbüchlein),  die  dritte,  für  das  vierteilig^ 
Sammelwerk  bestimmte,  die  aber  durch  einen  Zufall  nicht  in  ioM 
Exemplar  kam,  in  m. 

Das  neu^  Material,  da^  in  vorliegender  Ausgabe  der  Forschung 
unterbreitet  wird,  ergibt  mit  Sicherheit,  dass  Denifle  in  allen  wesffHp* 

')  ..Zu  Seuses  ursprünglichem  Brief  buch,''  Zfda  XIX  (1876)  346—7$» 
^Ein  letztes  Wort  über  Seuses  Brießücher,''  ebd.  XXI  (1677)  89—138.  Fffc 
auch  Seuse  XXV IL 

«)  ..Die  Briefbücher  Susos^  Zfda  XX  (1S76J  373—416.    Die  Abh€mS^ 
lang  in  Gesch.  d,  d.  Mystik  II,  331  ff.  bringt   nichts  Neues  von  Bedeutung 
ebensowenig  die  persönlichen  Erklärungen  der  beiden  Gegner  in  Äfda  Uly  211 — 1 

^  Strauch,  Afdn  IX,  i56*  hält  Denißes  Ansicht  für  glaubhafter^ 
AÜg.  dtsch.  Biogr.  37,179  schliesst  er  sich   derselben   rückhaltlos  an.     Vett€ 
a.  a.  0.  59 f.  meinte,  es  habe  nicht  bloss  ztvei,  sondern  mehrere  BriefbUcher 
abweichender  f^^ihenfolge  und  Ausirahl  der  Stücke  gegeben,  die  „Kürzung^  dmrc^ 
Seuse  sei  nur  entschuldigende  Fiktion  eines  spiUeren. 


r>M  Uaii(lEchri(t£ii  Verhältnis.     Art  und  Weise  dieser  Ausgabe.  39* 

liekfH  Punkten  da«  BicJitige  genekett  hnt,  Preyer  dotjfijeH  wie  »Vi  bezug 

auf  dif    Vita   so  auch  hier   sich  nuf  falscher  Fährte  hefund.      Was 

zKHQchai    das  Heitif  mUr   neue  (ijekürzte)  Büchlein   mit    11  Briefen 

anlangt,  so  kann  es  keinem  Zweifel  mehr  unterlitym,  dnsu  tvir  darin 

die   Iftste,    in   guiiz   ttestimmter    Tendenz^)   benrheiteie    und    in    das 

Eiem/tlar  auft/eiwtnmene  Auswahl  Setises  cor  uns  hahrn.   Gegenüber 

dem  Zeugnis  der  Hu».,  welche  dasnelbe  sämtlich  ausser  m  und  N  in 

tinhtiÜicher  Form  bieten    u»d   als  viertes  Buch   dem  Bdw   anfügen, 

mken  die  Pregerschen  Erkfärungscenmehe  und  Kombinationen  *)  i« 

luthU  zusammen,     m,    wozu   n/s  Dopjielgängeriu   die  fast  identische 

Hl.  S  kommt  (s,  oben  S.  7* ),  kann  dagegen  unmöglich  als  Schluss- 

ttdaktion  Seusei*  gellen  und  ist  überhaupt  gar  keine  Originalarbeit  ^). 

Di«   Entstehung   dieser    Kompilation    lässi   sich   unschwer   begreife». 

Ütr  Münchner  fiezw.  Nürnberger  Bearbeiter  hatte  eine  Hs.  cor  sich, 

m  welcher  airf  das  Kl  Hfb   das    ungekürzte   ( und   wohl   auch  die 

1     Prtdigt  Ltctulus)  folgte,  —  solche  Hss.  haben  wir  noch  in  B  und  V 

I     ~  fr  H/ihm  da.i  erstere  ganz  auf,    von  dem  letzteren    aber   nur  die- 

I     'r^gen  Briefe  (14),  leelche  ein  abiceicketides  Motto  trugen  und  fügte 

(K  aaeh  Br.   111  (Nigra  num)  ein  frgl.  oben  S.  23*).     Dieses  Ver- 

fihrtn  hatte  notwendig  Ungleichheiten  in  den  Überschrifli-n  und  eine 

.itihe  unnütter   Wiederholungen  2ur  Folge*). 

1  DU  Vtiri-tde  »p'i'cfit  von  ttna-  Itre,  jeder  Brief  ist  mit  einer  ni/eiien 
fUnchrift  ctTtehrn,  die  KurEUtig,  Zusammensettunff  untt  Äbfntyt  der  Brieff 
Ut  nocA  taehtiehen  Getiehtupankten  {».  ü.  43*  A.  S)  beteerksleliigt.  Alt«  Vita 
JS,1I/.  ffrAl  hemir,  data  Abnehriften  des  Kl  BJ'b  schon  vor  der  Sehluss- 
niikiini  4**  Extmplar»  im   Umlauf  irarcn. 

1  Hfda  XX,41fi:  MusUk  11,  342 f.  Vgl.  dagegen  iiamtntlich  ll'Uifti', 
Zlia  XXI,  136. 

'i  IHc  einsetnen  Argumente  Pregers ,  der  iifUr»  angtjch'ckl  Ofieriert, 
laaiirhin  hi*r  nicht  mthr  uiidtrlegt  tu  werden:  Drnifle  hat  dies  fast  in  aUrn 
AWw  fieyreieh  getan,  tgl.  hefondtis  Zfda   XIX,  300f.  XXI,  103ff.  llOff. 

Dir»  eehuH  dir  tinieuehtendt  Krktaiung  Drnifles,  Zfda  XXI,  Wo. 

^    treilere  Xolizen    übtr   dir  lifscliaßenheit   des  Textes   in  m  N.     Der 

«   dtrettbe   wie    im  Kl  Bfli,     Die  11  Briefe   de*   letiieren   sind,    tornn 

Khr   rtrdtrht,   in  der  Rezension   eon  A,    doch  hat   der  Kompilator   nicht 

,  leo  es  ihm  pattmd  seMm,   eineelnr  Wörter  und  Phrasen  aus  dem 

Sfh  tu   äbemthmen,   bette,  rinselnes   utiezulaiitrH,   val  ts  dort  nicht  stand; 

t  Beispiele   hat  schon  Denifle,   Zfda   XXI.  llOff.  aufmcrklam  ge- 

io   ist  Sö,t3  (ich  tiiiere  Pregtr  nach  Üriltn  und  Zeilenl    in    den    Uer- 

GrBfl'  tll,Vi:  L'!f,l  steht  liegcheidenheit  etatl  inrkeit  =  J.?0,&;  30,1 

~  43/,l().-  61,17  waz  will.        leren  =  467,17:  0:1,10  on  seinem   gebet 

«WI;  SJ^  goükhen  =  «V?--  «-'.^  g<"«8  ^nialiol  =M«^S;   TO.lü  fehlt 

.S'dmAui  =  4St),t8.    Am  Sehlues  ron  Brief  II,  III,  XXII,  XXIV  (nach 


40*  Einieituiig.    I.     Uie  Überlieferung. 

Dem  geijetiüber  tceisen  s  luid  die  dnmit  zusammen  zustellenden 
Hss.  bCcdgg^hnRs^Uz  untrüffliche  Merkmale  tiuf,  an  denen  loir  m 
die  Singelscke  Sammlung  erkennen  können.  Per  Prolog  (405,1  ff.) 
redet  nicht  von  einer  Auslene  wie  heim  Kl  Bfb  (3G<t,äff.),  son/lei 
weist  deutlich  auf  die  Originalhritfe  hin  ');  esfelilen  die  yedaktionel/en 
Zusätze,  welche  Brief  IV,  V,  VI (  Anfang  undSchluss)im  Kl  Hf  herhalten 
haben*),  samt  —  doch  ausgenommen  hÜs'  —  der  Erzühbmg  con  dtt 


Pftgtrl  isl  ein  lateiniacher  Spruch:  hec  nobie  cnncednt  ille,  qui  pusua  eet  pro  noUi 
l'iiltr  ähnlich)  angefügt.  Die  rfdnttiontlh  BeiMfkung  fi4,4~~T  iBriff  (^uomot 
polMt,  vffh  diese  Ausgabt  371,3^  ''of-A  "«*  tcelchtr  Preger  iZfda  XX,  40Si 
Myalik  II,  339f.)  für  seine  Hyjmtiiee«  KaiHfnl  *chl/lgt,  hnt  Itenifle,  Zfda 
XXI,  IJSff,  aberitugend  als  mnsehifbsel  dfs  Kiimpilators  nachgtwi 

')  Es  ist  Seiuea  Geteohnheit ,  i'n  deii  Vorreden  und  aoast  bei  ff«- 
Irgenheit  sich  über  die  Entstehung  seiner  Schriften  auszulasten  (vgl.  Dei 
a.  a.  0.  lOfJf.i;  irie  das  gtkärwte  Rfb  au  iitande  kam,  erzählt  er  sogar  dreimali 
liier  aber  haust  et  rinfaeh :  die  (briefB)  SAnte  ...  Tsl  das  nieht  ein  deutlieh» 
Fingertrig,  datt  tcir  keine  von  b'euse  veranstalttle  Sammlung  vor  uns  habent 
Er  pflegt  sich  sonst  auch  nicht  ein,  sondern  der  dieuer  der  ewi^-im  wisheit  a^ 
itfimtu.  liats  ein  Satt  in  beiden  Prologen  fast  identisch  ist,  darf  '  "  '--^ 
sondtra  auffallen,  dctm  Seuss  hat  auch  Verse  der  Slagel  eiiiirlnen  Absekrifit* 
des  neuen  Bfb  lugrselxt,  und  einige  davm  unter  die  tu  Bild  1  und  iü  gehört 
Sprüchr  aufgeniimmen.  I'regti-  räumt  übrigens  selbst  die  Möglichkeit  der  i 
lehnung  ein  (Zfdn   XX,  380). 

')  Brief  XVII  KJuumodo  poteidj  des  GrBfb  (vgl.  Kl  Bf b  IV)  erfordert 
i/tsonderte  Betrachtung.  Er  terfällt  in  twei  deutlieh  gssrhiedme  Teile,  die  n 
ins  unter  einem  Motto,  doch  durch  rote  Initiale  und  Absat»  getrennt  (i£a,tO) 
fiei  eiTiandsr  stehen,  während  C  e  d  nur  den  erstell,  n  t  nur  den  neeitm  TA 
enthalten.  Im  KlBfb  sind  die  swei  Stücke  mit  Hr.  XVIII  (A'tmo  igtest)  t 
tammtngisehmolsrn  und  haben  eine  historische  Einleitung  erhalten,  aus  »elchn 
hervorgeht,  dass  alle  drei  Teile  an  dieselbe  Adrcssalin,  wenn  nueh  nicht  alle  M 
gleicher  ZeÜ  geschickt  worden  waren.  Da  na»  im  Gr  Bfb  mr  der  tmeitea  At 
teitung  VOR  Br.  X  VII  dieselbe  Einleitung  steht,  vttnn  auch  ausführlicher  und  m 
clutrakttristischen  Zügen  bereichert  r  Jß8,/0— <iW,9(,  teie  im  Kl  Bfb  (370,1— 
so  sieht  Preger  <Zfda  XX,  3S0:  Mgslik  II,  33af.l  darin  einen  uniriiglicha 
Seiceis  der  Rtdigierung  durch  Stuse  selbst.  Doch  ixt  dir  Argumentation  fliW 
beweiskräftig  und  schon  von  I'enifle  fZfda  XXI,  90ß.)  genügend  iridn-ltg 
worden.  Warnta  soUjene  Einleitung  nicht  schon  in  Stagtls  Sammlang  gttlandM 
haben  f  Es  ist  aneitnehmen,  dass  Sease  den  xweitm  Teil  zugleich  mit  dem  vatt 
an  dieselbe  Nonne  sendete ;  deshalb  hat  jener  auch  krin  eigene«  Motto,  nms  tom 
bei  allen  Briefen  Seusrs  der  l'aü  ist.  n  allein  {S.  im  Variantenappiital  1 
458tl0>  kann  dagegen  nichts  beictisen.  du  diese  Tis.  überhaupt  einen  sehr  ttm 
und  oft  villißrilch  bearbeiteten  Tc.rt  enthält.-  nueh  bei  4U1,19  selten  n  Ml4> 
unmoticisrienctito  den  Beginn  eines  neuen  Briefes  an.  Eher  noch  känhU  A 
ftir  »ich  unrrrstKtidliche  Er  "fri  Heijinne  der  Uriilhlui-g  (ifiS.ldi  auffallen,  ab 
mellticht  hat  die  Slagrl  hier  geändert. 


l'iia  Quiidi-L'liriftvuTerhallDiH,    All  iiail  Weise  dieetr  Ä-Ua^abe.  41*^ 

Vn-rhruuff  des  Samrns  Jesu,  Morgengrits»  und  Sprüchen,  und  über- 
haupt ergibt  sich  dfU  Gi'  Bfb ')  bei  genauer  Vergleichung  unzwei- 
deutig als  die  Vorlage  zu  erkennen,  »(ich  der  die  11  Briefe  des 
Ki  Hfl)  gekürzt  und  zusnmmengeslellt  ifordeti  sitid^).  Ein  Blick  in 
_  die  TabeOe  S.  Hfi*  (vgl.  auch  die  S.  25*  vorangehende  Notiz)  zeigt,  da"« 

■  Üi  Aufeinanderfolffe  der  Nummern  des  <Jr  Bfb  in  den  Hss,,  zu 
I  4«w  auch  die  ehemalige  Strasshurger  Hs.  F  128  {s.  oben  S,  25*) 
■n  sleUen  wäre,  —  die  nur  wenige  Briefe  enthaltenden  Manuskripte 
HfamMm  nicht  in  Betracht  —  im  wesentlichen  konstant  ist;  nur  gegen 
HEcUuas  macht  sich  ein  leichtes  Schwanken  gellend.  VerhäUntsmäBsig 
Hm)  besten  scheint  die  Abfolge  des  Originals  in  s  repräsentiert.  Es 
Hvl  eine  interessante  Beobachtung  und  zugleich  eine  Probe  für  die 
^mBichtigkeit  obiger  Beweisführung,   dass  die  Art,   wie  die  Briefe  des 

^1  'i  leb  fftbrauehe  diese  Set*ichnung,  nicht  wie  TJeniJle  „vnyekil-rttea-  Bi-itf- 

^B  kal,  Hvä  (Ttr  nt'cAt  sieher  missen,  ah  alle  BiieJ'e  dtr  Slagelachfn  Sammlung 
?J  thhm  sind.  Zudem  mag  der  eine  oder  andere  noeli  nachträglich  data  ge- 
J  Wnmi  stin:  so  ist  Nr.  XXVII  lair  .*»  drei  S}>ätereH  Hss.,  XXVIII  (die 
irl    Mthtit  prtittumirrlj   nur  in  einer  überlit/crt. 

'I  *)  E*  ist  ron  Inlcrrste  Seusrs  Vorgehen  hierbei  tu  beobuchtfn.    Er  kärtt 

■r-t  >kkt  bhi»,  sondrm  macht  dann  und  mann  auch  kleinere  ndsr  grösser^  ZusMte 
'\  i'fi  Brir/  IV—VIEinleitungeti,  s.  S.  40*1,  verdeullie/U  ditreh  Vtrlausehung 
^L  ■»«  JHsA-Hck»  durch  einen  anderen,  bringt  hleint  stüistieche  Vtrbesnerungen 
^K «.  Die  Sprache  im  Gr  Bfb  ist  Sftera  origineller,  kräftiger,  weniger  gefeilt, 
^1  ii  Kl  Bfb  glatter,  weniger  iiersflnlieh.  Infolge  der  Kürsung  icird  der  Gedanken- 
H l»f  oitr  laicAl  immer  klarer,  z.  B.  int  S68,S7  ff. :  370,16:  ilS3,17  ohne  die  Vor- 
V  V  tann  rrrständlieh.  Im  eintelnen  entsprechen  sich  die  Briefe  im  Kl  and 
m  (irBß  ia  folgender  Weise  (die  betreffenden  Partien  des  Kl  Bfb  sind  immer 
'm  funiKgtsttlll  und  die  Briefe  des  Gr  Bfb  mit  römischai  Ziffern  btteiehnet): 
H  Ikrguiua  mundi  besteht  am  II  1.  Teü  {Stiü.lU— 362,19^410,10— 413,17)  and 
^tbuwi  .Sluek  von  III  Surr rxi  iSG2,äO— 32  =  418,ß -419,10);  der  2.  Teil  von 
^^AifNHn  ainndi  im  Gr  Bfb,  der  ganr  spesielle  lialsMäge  für  eine  Nonne  ent- 
^BlllL  ist  im  Kl  Bfb  übirgangeu,  ihn  nie  eigenen  Brief  ansusehen  (Preger  in 
^I^iId  XX,  375),  ist  aber  kein  genügender  Grund.  —  2.  Habitabil  ist  aas  seetis 
^m-nthiedtntn  Teilen  suaammertgesetst :  a)  363,4— 364,16  =  IV  Uabitahit ; 
■^1  364,1S-3S  =  V  8onet  423,18—424.22;  c)  364,29—360,2  =  VI  Vintae 
■«;U~3S.  dt  360,3— I(J=  VIII  auslote  430,5—13:  e)  365,11—366,6  —  X 
ÄWtoTB  i3(i. 4-437. 13.-  f)  36U.7—^  =  KI  Audi  ^7,31—439,7.  —  3.  Mgra  sum 
^■M  »<u  XII  stark  gekürzt.  —  4.  In  Br.  Qutmodo  polest  entspricht  369,4—871,32 
^Bh  »mntUchtn  XVII  und  371,33—372,25  XVIII  Nttnu  polest.  —  5.  Exulttt 
^■^  XtV.  -  6,  Abealiin=  XIII  (tisndich  erweitert).  —  7,  fChristusI,  8.  (Annun- 
^g>su>  iMd  9.  fln  nntnibwii  geben  die  Vorlage  Br,  XIX— XXI  unwesentlich 
■••^•J«  wieder.  —  10.  Eslole  besteht  aus  ev>ei  Teilen:  al  389,24 ^3m,37 
im  =  XXU 471,3—472,11;  b)  3al,l-10  =  XXIV  Noa  autim  476,7—24.  -  ]L  Pone 

■  ««^AXK/  4IM  Schlms  ovniieri. 


12*  ifiinleitung.    I.    Die  Uberliefening. 

O  Bfb  aufeinanderfolgen   und  wie  die  einzelnen  kombifiiert  sitid, 
leutlich  erkennen  lässt,   dass  Seuse  eine  Sammlung  vor  sich  hatte, 
velche  die  Briefe  so  ziemlich  in  gleicher  Reihenfol-ge  und  Anzahl  wie 
enthielt^). 

Man  wende  nicht  mit  P  reg  er '^  ein:  Stagels  Samndung  ist  ja 
mi  Seuse  vernichtet  worden,  wie  kann  sie  dann  erhalten  sein  ?     Wir 
umnen  doch  nicht  annehmen,   dass  Ehbeth   ohne  sein  Wissen   und 
Wollen   eine  Briefsammlung  veröffentlichte!    Darauf  ist  zu  sagen, 
lass  die  Absicht  einer  Veröffentlichung  in  den   Worten  des  Prologs 
licht  notwendig  gefunden  werden  muss;  sie  haben  einen  guten  Sinn, 
cenn  Elsbeth    die   Briefe    auch    nur  für  ein  Kloster   bestimmte^ 
bbrigens  ist  ein  eigentliches  Verbot,   die  Briefe  anderen  mitzuteilenf 
tuch  flicht  gegeben  worden,   die  Bedenken  Seuses  gegen  eine  weitere 
Verbreitung  (7,9 ff\,  118,24 ff\)   bezogen  sich  zunächst  nur  auf  das, 
vas  er  von  seinem  eigenen  Leben,  seinen  Übungen  und  Leidefi  erzählt 
xatte,   und   davon  enthält  da^  Gr  Bfb  nicht  viel.     Dass  sich  Seuse 
n  seiner  Meinung,  das  ursprüngliche  Briefbuch  sei  bis  auf  den  ins 
Kl  Bfb  übernommenen  Beat  vernichtet,  getäuscht  hat,  ist  richtig  und 
mmerhin   auffällig.     Aber   die   Tatsachen    verlangen   die   Annahme: 
'S  muss  noch   ein  zweites  Exemplar  des  Briefbuches,   sei  es  in  der 
Hand   der  Stagel   oder   einer  Gesinnungsgenossin    (vgl.   113,24  ff",), 
xistiert  haben,    das  erhalten  blieb.     Völlige  Aufhellung  des  Rätsels 
vird  uns  wohl  nie  gelingen. 

0   Vgl.  die  vorige  Äntn.    Warum  im  Kl  Bfb  von  Nr.  JT—  VI  eine  andere 
Ordnung  beliebt  ist,  ist  leicht  ersichtlich.    Kr  war  dem  Lehrzweck  angemeesen, 
gleichartiges  zusammenzustellen:  Br.  1 — V  behandeln  geioissermassen  die  Anfangs- 
gründe  des  geistlichen  Lehens.    Das  Wort  ..alle''  im  Prolog  (4,19)  ist  nicht  n^ 
pressen ;  es  wäre  auch  kaum  möglich  gewesen,  dass  Elsbeth  alle,  möglicherweise 
ceit  zerstreuten  Briefe  Seuses  in  Abschriften  zusammenbrachte.    Dass  uns  nu^ 
in  „Bruchstück''  (Denifle,  Seuse  XXVIII)  der  Sammlung  erhalten  sei,  i^^ 
laraus  aber  nicht  zu  folgern  (vgl,  auch   Preger  II,  333),     Die  in  die  Yit^ 
^erarbeiteten  Briefe  sind  selbstverständlich   nicht  in   die  Stagelsche  SamnUut^ 
lufgenommen   worden :  dafür  tvaren   manche  von  ihnen  nicht  geeignet  und  ^-^ 
nusste  genügen,  sie  auf  jene  Weise  ror  dem  Verlorengehen  gu  befvahren.    1)09^ 
Hr.  XX  Ännuntiate  in  allen  Hss.  des  GrBfb  unvollständig  ist,  dürftt  ledigUc^ 
Schuld  der  Abschreiber  sein,  die  den  Schluss,  weil  völlig  gleichlautend  mit  d$s^ 
Kl  Bfb,  wegliessen. 

*)  Zfdn  XX,  370 f.  379  ;\Mystik  II,  332 f. 

•)  iSo  Denifle,  Zfda  XXI,  93.  Ganz  verkehrt  ist  es  zu  sagen,  d^^ 
Erwcihnung  des  ..neuen"  Bfb  setze  voraus,  dass  ein  „altes"^  existierte  und 
iannt  war  (Preger,  Zfda  XX,  369  A.  1:  Mystik  II,  333).  .yNeW  heisst 
loch  nur  mit  Bäcksicht  auf  seine  Entstehung  aus  Stagels  Sammlung,  von  d^^ 
"ieuse  dreimal  ei-täklt. 


DsK  UandDchrifteuTui'UMüiiti.    AiL  uuJ  \Vt.'ise  dieser  Aus^julie.  43^ 

Wag  dag  Handschrifttnverhältni»  in  bezug  auf  das 
tr  Bfb  betrifft,  »o  ist  es  nicht  leicht,  ein  klares  Bild  hiereon  und 
hte  »icherr  Grundiaije  fär  die  TextgesUdtung  zu  yemnneii,  und  dies 
tsbeaondere  deshalb,  weil  fast  bei  jedem  Brief  die  Zahl  der  ihn 
iberlieffrnden  IIss.  sich  ander.i  zusammensetzt  und  weil  es  nn  einer 
•ntUeh  fährenden  Ha.  fehlt.  Sämtliche  Texteszeugen  sind  com 
AreketypuK  schon  ziemlich  weit  entfernt,  und  heiner  derselben  ist  frei 
I  zahlreichen  Verde rbiu'fisen  and  Auslassungen.  Verh^tnissmässig 
«m  beste»  ist  z,  dann  folgen  b  u»k/  s,  hierauf  chßü,  Ods^;  recht 
»ehlfchlett  Text  haben  mK,  g  zeigt  viele  starke  Eingriffe  des  Schreibers, 
Und  n  ift  icegen  seiner  zahlreichen  Erweiterungen  und  Streichungen 
tktr  eine  Umarbeitung  als  Abschrift  zu  nennen.  Nach  dem  Gesagten 
ist  auch  der  kritische  H'ert  der  einzelnen  Hss.  zu  bemessen.  Kine 
ftmigsf  Sicherheit  für  richtige  Lesart  gibt  dan  Zusammentreffen  von 
t  und  b.  Verwandt  sind  folgende  Hss.:  b  und  C,  b  und  c,.b  und  s, 
i  md  U ;  d  und  s;  g  und  n;  h  und  R,  h  und  s;  m  und  N,  n  und  z; 
»nd»';  Oundz;  bhs,  bhBs,  bmN,  dmN,  hmN,  hBs.  hlts\  hRss\ 
JHz.  Die  Variatiten  sind  bei  Brief  1  und  III  fast  voüstätuiig  an- 
f^hen,  bei  II  die  meisten,  von  IV  an  musste  mit  Biicksicht  auf 
itH  üaum  eine  bedeutende  Einschränkung  eintreten,  indem  nur  mehr 
die  wichtigeren,  für  die  Textgeschickte  bedeutsamen  Abweichungen 
mtiert  wurden. 

In  sprachlicher  Hinsicht  ist  z  zugrunde  gelegt,  weil  diese  Hs. 
irmöge  ihres  Alters  und  ihrer  Mundart  dem  Original  am  nächsten 
B  dürfte;  doch  nind  nicht  alle  Inkonsequenzen  der  Schreibung 
^tixch  kopiert,  für  das  und  dz  ist  stets  daz  geschrieben  und 
«ei«Ae/i  waz  ( Belat.)  und  was  ( Verb.)  unterschieden.  Bei  den 
Britfen,  welche  in  z  nicht  stehen,  ist  s  bevorzugt  unter  Berücksichtigung 
«n  h  und  U.  bei  Br.  XXIII  b  und  bei  XXVII  s\ 


IT.  Die  Predigtet!  und  <Ias  Miunebiichlein. 

l.  Die  Überlieferung  der  ersten  Predigt  (Lectulue)  ist  keine 
te^mders  gute;  auch  die  relativ  beste  Hs.  b',  welche  zur  Grund- 
logt  genommen  ist,  hat  nicht  wenig  Fehler.  Als  zusammengehörig 
tnnii-m  sich  namentlich  b  und  b'',  ä*  und  s,  b  a7id  C,  b  und  c, 
C  und  i:  g  und  *,  n'  K»rf  s,  ferner  bCc.  bb'C,  gnh.  g  zeigt  he- 
gegen  Schluss  starke  Kürzung.  Von  den  Varianten  sind 
die  wichtigsten  verzeichnet. 


4 


44*  Einleitung.    I.    Die  Cberlieferung. 

2,  Bei  der  Predigt  Miserunt  wie  bei  den  beiden  folgenden  ist 
wegen  d^s  unzulätiglichen  Materials  nicht  immer  ein  sicherer  Text  zu 
erzielen.  Für  die  ersfere  ist  in  sjyrachlicher  Hinsicht  die  mittel- 
fränkische  (hessische)  Hs,  g^  benutzt,  die  aber  in  sachlicher  Beziehung 
wegen  ihrer  zahlreichen  Interpolationen  weniger  Vertrauen  verdient, 
Sie  ist  zu  verbessern  durch  b^,  und  namentlich  durch  die  Gruppe  b^r. 
Für  die  Predigt  Exivi  stapid  nur  d^r  schlechte  Abdruck  in  der  Tauler- 
ausgäbe  von  1543  zur  Verfügung,  d^r  hier  mit  einigen  Konjekturen 
und  mit  Ausgleichung  und  Reduzierung  der  inkonsequenten  und  ver- 
wilderten Schreibungen  iviedergegeben  ist;  vgl.  jedoch  oben  S.  28* f.  Für 
die  vierte  Predigt  haben  wir  eine  ältere  Hs,  nieder  rheinischen  Dialekts, 
die  aber  d/is  hochdeutsche  Original  noch  stellenweise  durchblicken 
lässt,  und  den  Taulerdruck.  Über  den  Zusatz  in  letzterem  vgl.  die 
Bemerkung  S.  536, 

3.  Das  Minnebüchlei.n  ist  bis  jetzt  nur  in  z  gefunden 
worden,  wornach  es  schon  Preger  1896  edierte  (s.  S,  537).  Für 
den  mitunter  mangelhaften  Text  hat  der  erste  Herausgeber  wenig 
getan,  es  ist  hier  durch  vorsichtige  Konjektur  an  einigen  Stellen  eine 
Besserung  versucht  worden.  Ausserdem  ist  der  Text  nicht  wie  bei 
Preger  diplomatisch  genau  abgedruckt^  sondern  wie  beim  Gr  Bfb 
leicht  retouchiert.  Dass  die  in  Pregers  Edition  466 — 71  angehängten 
(iebete  nicht  von  Sewie  stammen,  wird  später  gezeigt  werden, 

y.  Bemerkungen  zur  Orthographie  des  Textes^). 

Der  Einheitlichkeit  halber,  und  zugleich,  um  diese  Ausgabe  für 
philologische  Zwecke  möglichst  brauchbar  zu  machen,  ist  beim  Exemplar 
die  Schreibart  der  vorzüglichen  Hs.  A,  obwohl  sie  sich  nicht  immer 
konsequent  bleibt'^),  möglichst  beibehalten  worden.  Wo  geändert  ist, 
sei  es  um  das  V'eratändnis  zu  erleichtern'^)  oder  weil  ein  offenbarer 
Schreibfehler  oder  eine  falsche  Lesart  vorliegt,  wird  die  Lesart  von  A 

')  Dir  folgenden  (irundsätte  sind  tunlichst  mit  den  mn  der  ^deutschen 
K ommiHHion**  dtr  Kgl.  Freuasisdun  Akadnnie  der  Wissenschaften  für  die  Her- 
ausgabe der  „deutschen  Ttxte  des  Mitt .lalters^  aufgestellten  in  Übereinstimmung 
gebracht  worden.  Vgl.  Heft  1  der  „7'ex/t":  Friedrich  von  Schwaben,  hrsg.  von 
Jellinek  Umj4  S.  VL 

')  Anmentlich  in  der  Anwendung  von  s,  ss^  z,  zz  harscht  starkes  Schwanken. 
Heim  Text  des  lidew  zeigen  sich  sowohl  bei  Vokalen  (z.  /A  o,  oi),  als  hei  Kon- 
sonanten ( htiujigere  Dopplung!)  Abweichungen  gegen  früher, 

•')  Aus  diesem  Grund  ist  in  einigen  wenigen  Fdllm  waz  (Verb,)  in  was 
geändirt,  wo  es  nahe  mit  waz  [Helat.)  zusammensteht. 


Bilder  und  Sprüche  des  Exemplars.    Seuses  Verhftltnig  zur  Kuust.      45* 

hn     Variantenapparat    verzeichiet.     Von    der    Regel   etner   genauen 

Wiedergabe  von  A  ist  jedoch  femer  in  folgenden  Fällen  abgewichen 

worden:  statt  der  Schreibung   e,   welche  die  Hs.  bis   auf  einigemal 

festhält,  ist  stets  ö  gesetzt;  u  und  v,  i  undj  sind  nach  dem  Lautwert 

verteät;  Abbreviaturen^)  sind  aufgelöst,  Eigennamen  gross  geschrieben 

und  unllkürliche    Grossschreibungen    bei   anderen    Wortern    beseitigt, 

Worttrennung    und    -Zusammensetzung    sowie    Interpunktion    nach 

modemer   W^eise  geregelt.     Bei  der  Ansetzung  neuer  Abschnitte  habe 

ich  mich  möglichst  an  die  §  Zeichen  in  A  gehalten,  jedoch  öfters  auch 

nach   Denißes   Vorbild   bei  längeren  Auslassungen    Unterabteilungen 

gemacht.     In  Sperrdruck  ist  gegeben,  was  in  der  Hs.  rot  geschrieben 

oder  unterstrichen  ist.   Zu  bemerken  ist  noch,  dass  zwischen  ü  und  ü 

in  A  nicht  immer  mit  Sicherheit  unterschieden  werden  kann;   es  ist 

m  diesen  Fällen    die  nach   der  Analogie    wahrscheinlichere    Lesart 

^twäUt. 

Vorstehende  Grundsätze  sind  im  wesentlichen  auch  bei  den  nicht 
im  Exemplar  stehenden  Schriften  in  Anwendung  gebracht  worden, 
jedoch  mit  etwas  mehr  Freiheit  in  bezug  auf  Beseitigung  inkonse- 
JM^wfer  Schreibungen.    Das  einzelne  ist  schon  unter  III  und  IV  gesagt. 


C.    Bilder  und  Sprüche  des  Exemplars. 
Seuses  Verhältnis  zur  Kunst. 

Aus  Aiüass  der  Redaktion  des  Exemplars  hat  Seuse  dasselbe 
'"'^  Bildern  und  Sprüchen  ausgestattet,  icelche  den  Zweck  habeti, 
•»POrt  dieser  falschen  niederziehenden  Welt  wieder  auf  zu  dem  minnlg- 
^^^^m  Gott  reizlich  zu  ziehen^  (4,27  f),  Sie  sollen  den  Eindruck  der 
''or/^  verstärken,  das  Unsichtbare  und  Unaussprechliche,  soweit  es 
möglich  istj  der  Anschauung  und  dem  Verständnis  naherncken  (vgl, 
^^^M).  Nicht  als  ob  Seuse  die  mystische  Spekulation  selbst  in  Linien 
^i^d Farben  hätte  bannen  wollen  —  „wie  kann  man  bildloses  bilden?'" 
f^ägt  er  selbst  (191,6),  und  erklärt  seine  „entworfetien  Bilder*"  und 
"^bildeten  Worte*^  der  blossen  Wahrheit  ferner  und  ungleicher,  als 
«»  schwarzer  Mohr  der  schonen  Sonne  ist  (193,32  f),  —  sondern 
*^  stellen  teils  die  mystischen  Erlebnisse  in  symbolischer   Weise  dar, 

0  xpa  ist  in  Crisius,  Jhs  in  Jesua  aufgelöst,  wie  die  Hs.  auch  manch- 
^  ausführlich  schreibt. 


4ö*  Einleitung.    I.    Die  Überlieferang*. 

teils  halten  sie  die  in  dsr  Beschauung  gezeigten  Phantasiebilder  fest. 
Eine  Ausnahme  macht  nur  das  elfte  Bild,  welches,  auf  Bitten  der 
St<igel  wohl  schon  früher  entworfen  (190,27 ff.),  den  Ausgang  der 
vemiinftigen  Kreaturen  aus  Gott  und  ihren  Wiedereingang  in  Ober" 
aus  sinnreicher  Weise  veranschaulicht ,  und  von  Seme  selbst  im 
53,  Kapitel  der  Vita  erklärt  wird. 

Der  Entwurf  der  Bilder  und  allem  nctch  auch  die  Ausführung 
stammt  von  dem  Autor  selbst,  denn  sie  sind  von  höchst  origineller 
Erfindung  und  ganz  organisch  aus  den  Einzelheiten  des  Textes,  den 
sie  illustrieren,  hervorgewachsen,  tragen  auch  in  allem  den  Stempd 
seiner  reichen  und  edlen  Phanta^ne. 

Bilderhandschriften  des  Exemplars  sind  uns  in  AKEWB\ 
teilweise  auch  in  P,  erhalten^),  wozu  noch  die  Druckausgaben  v<m 
1482  und  1512  kommen.  Die  Ausführung  der  Bilder  im  einzelnen 
zeigt  entsprechend  der  mehr  oder  minder  grosseti  Gewandtheit  und 
Sorgfalt  der  Illuminatoren  manche  Unterschiede,  wenn  auch  der 
Uaupf-charakter  der  Komposition  gewahrt  bleibt;  von  den  beigeg^nen 
Sprüchen  fehlt  i7i  den  jüngeren  Hss,  ein  Teü  (namentlich  die  laiei' 
nischen),  noch  mehr  in  den  Drucken.  In  der  vorliegenden  Ausgabe 
sind  aus  den  vier  Haupthss.  AKRW  die  bezeichnendsten  Bilder  a^ 
gewählt  und  nachgebildet'^);  alle  aus  der  ältesten  Hs.  A  zu  nehmen 
ging  nicht  an,  weil  hier  verschiedene  Bilder  sehr  roh  ausgeführt  und 
mangelhaft  erhalten  sind.  Die  folgende  Beschreibung  und  H^iedef' 
gäbe  der  Sprüche  besieht  sich  jedoch  zunächst  auf  Hs.  A  *),  wo  das  Ot> 
ginal  Seuses  wohl  am  treuesten  wiedergegeben  ist;  die  wichtigeren  ' 
Abweichungen  von  K  und  den  anderen  Manuskripten  sind  verzeichnet, 
ebenso  die  bedeutsameren  Varianten  zu  den  Sprüchen.  Übrigens  ist 
bei  den  letzteren  in  A  der  Text  vorzüglich  und  nur  an  ganz  wenigen 
Stellen  zu  verbessern. 

1.  Bild  (Abb.l  S.  2  nach  K)  in  A  Bl.  1"  vor  dem  Prolog.    Oben 
üteht:  Disü  bild  bewisent  der''^  Ewigen  wisbeit  mit  der  sele  geisch- 


«)  die  K 

^)  Denifle  kannte  davon  nur  K  und  B;  er  gibt  in  seiner  Ausgabe  jwctüe 
genaue  Beschreibung  der  Bilder  und  Sprüche  erster  er  Hs.  Beprodueiert  sind 
bis  jetzt  von  den  Bildern  der  Hss.  nur  Nr.  11  nach  K  bei  Denifle^  Nr.  1 
nach  Bbei  A.  Salz  er,  Geschichte  der  deutschen  Literatur  1904  ff.,  Beilage  61m 

*)  Durch  ein  Versehen  ist  bei  einem  Teil  leider  ein  zu  kleiner  MaesMäk^ 
genommen  worden,  so  dass  die  Details  nicht  alle  leicht  erkennbar  sind. 

^)  Div  einzelnen  Bilder  sind  in  der  Hs.  von  alter  Hand  mit  Ziffer  I- 
(Bild  ö'  und  0  sind  als  eines  gerechnet)  numeriert. 


Bilder  uiid  .'^prücbv  des  [■^vt^m^ltLr 


i  VerliSltnis  znr  Kmiet.     47* 


getnalielscbaft")  ( roll.  Links  David  f  nbt-r  dir  Mrejfent/pn 
\teM  je  ihr  i\ame)  mit  folgenden  Sprüchen:  Iniciom  sapiencie 
domini  (Pt.  110,10;  SimcA  1.10;  vgl.  Bdiw  ■2H7,7i.  Ein  anvang 
etlicbn  wisheit  ist  got  flisecblich  dieoen  in  vorchtlicher  behilt- 
Techf.''  Salomoo:  Der  sunnen  bild  ist  nit'')  ho  tin,  siu  vbertriffet 
l.rteriien  seliin  ( Weish,  7,29;  vgl.  4(Hl.&f.).  Unter  David  Die 
ige  wislieit  mit  deu  Spriicheit:  läH,  concupiecJs  B&pienciam  etc.') 
irach  l,:iH)  Kind  mins,  begerst  du  der  getliclien  wisheit,  tto  be- 
ll die  tugent  der  gerelitikeil ;  unter  Salonioii  Der  diener  der  Ewigen 
BJieit,  nrfjen  dem  «teht:  hanc  amari.  Diz  hau  ich  geminnet  vnd 
gesftchet  von  minen  jungen  tagen  vnd  han  mir  si  vserkorn  ze  einer*) 
mhel  (  Weish.  8,3;  vgl.  2iM,liff.).  Unten  links  Job  mit  den 
'orten:  Sapiencia  non  iniienitur  in  terra  suauiter  uiuentiuni  (Job 
i3f.).  VVer  Bincs  libes  mit  Zartheit  wil  pflegen,  der  endarf  sich 
■  Ewigen  wisbeit  minn')  niemer  angeuemen.  Der  weit  ralnne 
B  er  lan,  der  die  Ewigen  wisbeit  ze  einem  liep  wil  iiau;  rechts 
illotilez:  Sapientie  est  ordinäre  (Aristot.,  Metaph.  1,2  Ö82al7f.). 
tr  diser  wisbeit  wil  pflegen,  der  eol  ordnen  alles  sin  leben  (eyl. 
Wol.  HIOJ.  Hie  einzelnen  Personen  tragen  Spruchbänder,  auf  denen 
I  deutuchen  (nicht  die  lateinischen)  Sprüche  stehen.  Die  tmge 
tilhiit  (mit  Kiinigamfintel  und  Krone,  die  ii'eltsckeibe  wit  Sonne, 
hd  und  Sternen  nuf  der  Bntut  haltend,  ogl.  103,17)  und  der 
Im«-  (im  Dominihnnerhabit,  den  Namen  IHS  auf  der  Brust,  bart- 
ifeo  ttet»  in  A.'J,  ohne  den  Kram  von  Hosen,  den  er  in  K  und 
)irägt)  ■•'ind  in  ganzer  Figur,  die  vier  übrigen  Personen  im  Brust- 
U;  batid  und  Salomon  tragen  die  Königskrone,  Job  und  Arisfotelea 
itige  Mütze.  In  KB^RWol  steht  die  ewige  Weisheit  rechts,  Seuse 
it,  die  Spruchbänder  fehlen  zum  Teil,  im  übrigen  xind  die  .ih- 
ickungen  unbedeutend. 

'  2.Bitd<Abb.2S.19nachW)inABl.i^\  Vorher. Mfht:  Dis 
Vf/etA  bilde  bewi^et  eins  wolannahenden  menschen  raizzlich  gesttche 
^  getlicbem  tröste  (rot):  nuf  dem  Bilde  selbtt:  Er  hat  mich  vnd 
in  miuneklicb  vmbuangeii,  dez  stan  tcb  aller  creaturen  ledig  vnd 
I  mit  in  vnbehangen.  Du"  Bild  stellt  Seuse  dm-  —  über  ihm 
b:  der  diener  der  Ewigen  wisheit  —  in  sitzender  Stellung,  auf 
■•»  Schosse  umarmen  sich  die  ewige  Weisheit  in  kleiner  Figur  und 
i  IHtfurs  Seele,   die   nach   mittelalterlicher  Art   als   nacktes  Kind 

■)  i^eraalielichAfft  mit  der  gel  goistlicheu  B'Il        '•)  nil  frhli  B'  W       -■)  cW. 
Hl  KU      ■')  aiaem  K  meiucm  fi>       ')  minii  fthh  KR 


48*  Einleitunjf.    I.    Die  Oberlieferang. 

abyebildet  ist,'^)     Hechts  und  links  stehen   zwei   Engel  (in    W 
einet'   rechts   und  fünf  kleinere  oben,  s.  Bild),   die  auf  den  Di 
hinzeigen;   in  K  tichweben  sie  in  der  Luft  und  haltete  einen  Kt 
von  Hosen  um  Seuses  Haupt. 

3,  Bild  (Abb.  3  S.  52  nach  W)  in  A  Bl  22^    Oben  steht: 
nagend  bild  meinet  eins  wolzftnemenden  menschen  f  bigen  dorpi 
^rot).    Das  Bild  stellt  dar,  ivie  Maria,  auf  einer  Bank  sitzend, 
ias  Kind  Jesus  dem  knieenden  Seuse  (über  ihm  steht:   der  dien< 
2r   trägt  von  jetzt   an   den   Rosenkranz,    der   sein.  Haupt   wie 
Heiligenschein  umgibt)  zu   trinken  geben,     Rechts  von  den  Figt 
^teht:  wer  sin  vichlichkeit  mit  strengen  wirigen  ^)  f bangen  hat 
bin  geleit,   dem  wird  von  got  erlobet  sins  libes  pflegnAs  in  on 
lieber  messikeit.    In  K  ist  das  Bild  durch  eigene  Zutaten  des  Mc 
'^gotischer  Baldachin,  prächtiger  Thronsessel,  reiche  Gewänder,  alli 
Hausgeräte  mit  realistischer  Beobachtung  dargestellt)  verschöneri 

4.  Bild  (Abb.  4  S.  65  nach  A  Bl.  28"),  Doppelbild,  vor  . 
iteht:  Dis  nagende  bilde  mit  dem  reselohtem  ringe  betätet  menge 
iden,   in  den  ein  warer  gotesfr&nd  mfiss  beweret  werden  (r 
Oben  Seuse   (überschrieben:    der  diener)  mit  dem  Kransse  und 
ien    roten    Malzeic/ien    an    den    Händen    ufid    Füssen    (vgl. 
Erklärung  64,24 ff.)  inmitten  seiner  Ordensbrüder  (links  und  rn 
'e  drei  Dominikaner),  ein  Engel  ihn  umarmend;  links  oben  eine 
ien  Wolken  reichende  Hand  mit  Kreuznimbus,  die  göttliche  Vorsehi 
'dextera  Dei)  bedeute}id%     Unten  Anna  in  nomvenartiger  Kleide 
cnieend,   mit  einend  Kreuzchen  in  der  Hand,  von  einem  Engd  n 
)hen   auf  den  Diener  hingeunesen.     In    K  steht  das  Bildchen 
4nna  vor  dem  andei*en. 

o.  Bild  (Abb.  5  S.  129  nach  K)  in  A  Bl.  57r  Oben :  Diz  nage 
jrbermklich  bilde  zeget  den  strengen  vndergang  etlicher  vserwe 
fotes  frönden  *)  (rot).  Auf  dem  Bild  selbst  stehen  folgende  Spri 
Über  deren  Zuteilung  zu  den  Figuren  die  Abbildufig  zu  vergleic 
at) :  Liplichü  ^biing  dv  tut  wc,  aber  eines  gelassen  menschen  vo 
^ndergang  tasentstunt  me. 

Wer  in  sinem  bitern  liden  ane  bimelscben  trost  och  mAss 
laz  ist  grosse  jamer  vor  allem**)  pin. 


")  der  diener  fehlt  KKW        *)  wirdigen  B^W       <?)  der  gawse  Vorepi 
ehli  K      ^)  aUer  KPRW 

^)    Vgl.  Krths,  Die  Mystik  in  Adelhausen  (s.  Änm.  zu  113,14)  82. 
^  Vgl  F,  X.  Kraus,  Gesch.  d.  christl.  Kunst  I  (1895)  117  ff. 


Bilder  and  Sprücbc  dvn  Ezemplarü. 


s  VerhälliiiK  r, 


•  Kuuat, 


49* 


,  6ot  von  himel  der  bat  mich  gelagseo,  des  lid  ich  Bwarlich") 
||-alie  maese. 

Da  bist  wordeo  ein  äffe  vnd  ein  tore,  vnd  an  den  eren  Bwerzer 
B  ein  more. 

I  Ein  beser  lieger  vnd  ein  falscher  trieger  von*)  bilHcb  liden 
|wan  er  bat  es  verBchuldct  wol. 

I  Mit  eeeicb  vnd  mit')  gallen,  wellen  wir  in  trenken  mit  eehallen*'), 
U  Einen  hingeworfenn  geheimen  sol  nieman  klagen,  wan  sul  in 
Lmtier  lassen  gnagen. 

L  Eilt  ffietfich  Bol  man  hin  werfen  den  hundeu  vf  den  mist,  wan 
■kIos  vnd  vnsuber  ist;  dz  fQstüch  eol  sich  uit  weren,  es  sol  sich 
E  biUicb  lan  mennlich  serzerren. 

I    In  <ier  Mitte  links:   frater  eram  leonum  et  socius  strueionum '), 

mmler  Job  (3o^9;  vgl.  Hör.  114):   Min  bröder  waren  mir  grimm 

■b  vnd  minO  gesellen  vngehiir»)   strussen.     Das  Bild  stellt  dar, 

KjStuse  von  bdsen  Geistern  und  durch  Verleuniduitg  dtr  Menschen 

Wiii^t  wird.    Er  steht  in  d^r  Mitte,  die  Kapuze  bin  über  die  Augen 

igezögen   und   die   Hände   über  dem    Kopf  zusammenschlagend, 

\Geister  in   allerlei  äpukgestoUnii  (Affe,  Habe,  Schwein  u.  s.w.) 

.   und   speien  Feuer   und  Schwefel  auf  ihn,   einer  bedroht  ihn 

einem    Bohrer    (vgl.  tl  1,14 ff.),    ein    anderer   mit   einem   Pfeile 

l^2f.);    rechte   oben    befindet   sich   die   verriegelte   Himmelstür, 

'TrosUosigkeit   bedeutend,   links   in   der   Mitte   ein   mit   spitzigen 

H  besckUigenes  Krem  (vgl.  Kap.  LG),  auf  dem  der  Name  I H  8 

tgraben  ist  und  Don  dem  zwei  Geissein  mit  je  drei  Zacken  herab- 

fm  (43,4ff.);   in  K  sitzt  auf  dem  Kreuz  noch  eine  Eule.     Am 

'   dejt  Dieners  nagen  und  zerren  allerlei  Tiere:    Hund,    Löwe, 

pw,  Schlange,  Skorpion.    Rechts  befinden  sich  mehrere  Personen  '): 

'.  Dominikanerinnen,   von  denen  eine  einen  Kessel  trägt  und  dem 

r  mit  einem  Schwamm  Esaig  reicht,  ferner  drei  Männer  fltomini- 

;  odtr  ein  Mönch  und  zwei  Laien?);  mehrere  con  den  Personen 

Im  i»t(  dem  Finger   auf  Sevse.     Unterhalb   davon  zwei  Fiichse, 

ll«  W»  kUinrg  Tier  zernagen,    und  ein   Hund  mit  dem  Fusstuch 

Maid  (58,6 f.). 

H.  Bild  (Abb.  <!  S.  141  nach  H)  in  A  Bl.  62-.    Vorher  liest  man: 


•)  WacA  ««r&rlich  iit  vnd  tum  größten  Teil  htrausradirrl  A  *)  von 
S  ')  mit/thU  A  -*)  schal  Ä  acbaUe  KP  ')  der  tat.  Spruch  frUl  EPS 
n  ftkU  A        »)  /ort  gam  inrgradiert  A 

')  in  K,  Vit  t»  scheint,  ncei  Dominikanfr  und  drei  Dominikanerinnen. 

H.  BtiKD,  Dtntish*  flobrirun.  4' 


50*  Einleitung.   I.    Die  Überlieferung'. 

Disv«)  nagenden*)  bild  gebend  ze  vereten  die  tröstlichen  vnderlibi, 
die  got  sinen  lidern  vnderwilent  lat  werden  (rot).  Maria  mit 
Königsmantel  und  Krone  auf  dein  Haupte,  das  Kind  auf  dem  Arm,  das 
eine  Paternoster schiur  oder  einen  Rosenkranz  in  der  Hand  hält  —  in  S 
hat  Maria  eine  Rose  —  erscheinen  Seuse  (überschrieben :  der  diener), 
der  dakniet  und  die  Arme  ausbreitend  zu  Jesus  spricht:  Ach  zartes 
herzentrat.  Auch  rechts  herüber,  teilweise  noch  über  Maria  stehl 
HERZTRUT.  Links  ein  Engel  stehend,  in  den  Wolken  ein  weiterer 
kleiner  Engel  mit  einer  Harfe  (in  K  zwei  Engel  mit  kleiner  Orgd 
und  Psalterium), 

7.  Bild  (Abb.  7  S.  147  mich  K)  in  A  BL  6'5^•  ChriHus  erscheint 
als  gekreuzigter  Seraph  dem  knieenden  Seuse,  über  dem  der  dienert 
steht.     Vorher  die  Horte:    Diz  nagend  bild  lert  den  menschen,  wie 
er  nuzzberlich  sol  liden  (rot).    Bei  d^m  oberen  der  drei  Flügelpaan    ; 
ist  geschrieben :   lern  liden  cristförmklich,  beim  mittleren :  trag  lidea    '■ 
gedulteklich,  beim  untern :  enpfah  liden  willeklich,  zwischen  Christia    : 
und  Seuse:  Ach   herr,   1er  mich,   dazach  knnne  liden  nach  dinem    - 
aller  liebsten  willen.     Das  Kreuz  ist  in  W  und  ol,  wie  in  der  spät' 
mittelalterlichen  Kunst   häufig,   ein  Rosenstrauch  mit   ausgebreiUiff^ 
Asten  (vgl,  auch  Bild  12).     Es  ist  nicht  unmöglich,  da^ss  das  Büi, 
welches  den  Grundgedanken  der  Mystik:  die  NachfoUße  Christi  synh 
bolisch  zusammenfasst ,   von   der  Darstellung  der  Stigmatisation  des 
hl.  Franz   von  Assisi^)   beeinflusst  ist.     Eine  moderne  Düsseldorfer 
Nachbildung  (Stahlstich)  s.  bei  Den  ifle,  Das  geistliche  Leben  H880, 
Titelblatt, 

H.  u.  .9.  Bild  (Abb.  8  S.  150  nach  W,  9  S,  151  nach  K)  in  A  Bl.  67% 
zwei  zusammengehörige  Bilder:  Seuse  empfängt  himmlische  Tröstung 
und  wird  als  geistlicher  Ritter  investiert.     Vorher  die   Worte:  Diz*) 
nagenden  bild  bewisent  aller  gotlidender  menschen  himelschen  troet 
in  zit  vnd  ir  gross  erc  vnd  loblich  wirdekait,  die  su  son  besizen  in 
in  ewikait  (rot).     Auf  dem  oberen  Bild  Seuse  (überschrieben:  der 
dienen*),   neben  einem  Stuhle  stehend  und  von  einem  Engel  umarmt, 
rechts  ein  kleinerer  Engel  auf  einer  Leiter  mit  einer  Harfe  (K:  Hand-^ 
orgel),  ferner  zwei  weitere  mit  Buch  wmi  Geige,  ganz  oben  die  ei€ig0 


«)  die  K      ^)  radiert  A       n  K  fügt  hinzu :  der  ewigen  wiszhait 
'0  die  K        «)  fehlt  K 

')  Vgl,  IL  Thode,  Franz  von  Assist  und  die  Anfänge  der  Kunst  diT* 
lienaissance  in  Itidim  ^1904,  144  ff.,  der  10  italienische  Darstellungen  dM0 
wunderbaren  Vorganges  aus  dem  13.  Jh,  aufführt.  Die  spätere  Kunst  bis  160^ 
hält  den  durch  Giotto  (f  ^337)  gescfuiffenen  Typus  fest. 


Bildor  und  Sprüche  des  KxempiarB.     SeaHe»  VerhUtniH  zur  Kuawl.     51* 

Weisheit  (Christus)  mit  Marin  in  Brmtbild.  llW'X.  wetic/ien  in  un- 
htdeulaiden  Einzelheiten  iib.  Auf  dem  hildn  die  Sprüche:  Der  von 
der  Ewigen  wiBlieit  pnd  von  dem")  hsiligen  engel''}  ist  vmlivangen, 
den  mag  enkein  scbedlicb  viigelück  nieiner  erlangen. 

Mit  himeUcher  süzikeit,  gütlicher  wisheit  vnd  engelschlicher 
urtlieit  ergezzet  got  bIo  diener  alier  ire  widerwertikeit.  Auf  dem 
liiiteren  Bild  rric/it  Christus  die  ewige  ileinheit  (BriisthUd;  in 
JJ'  und  H  wird  ein  Engel  daraus),  von  Wo/kennimöus  umgehen, 
im  knieenden  Seuse  (über  ihm  steht  ivieder:  der  diener'')  einen 
lütig.  drei  Engel  bringen  Schuhe,  lütterkteiii,  ('iirtel  und  eilte  Krone, 
fKhts  oben  blasen  zwei  Engel  die  Posaune,  ein  dritter  schlägt  die 
Pauke.  Unterhalb  ein  Schild  mit  Topfhelm;  das  Feld  ist  weiss 
inrf  rot  und  mit  einem  Kranz  von  Boxen  geziert,  d-irüber  ateht  I H  S '). 
JbcAte  hieeon  zwei  Bitter  auf  Pferden  mit  einem  Fähnlein,  das 
in/ulU  mit  IBS  gezeichnet  ist,  hinter  ihnen  ein  Knappe,  Dazu 
f^tSrtn  die  Sprüche:  Ritterlichii  klaid  vnd  ere  son  eä  eweklich 
Ben,  die  sieh  hie  dur  got  lidens  vnd  midens  nit  land  verdriessen. 
Wer  sieb  gütlicher  ritterschaft  nimet  an,  der  aol  in  allem  liden 
liiR  mannes  herz  in  vnverzagter  wise  han. 

Um  den  Schild  herum  steht:   Dz  wies  felil  betütet'')  luterkeit, 
In  rot  gedultekeit. 

Garn  unten  am  Band«  ist  in  A  notiert:  äü  obren  bild  hörend 
mit.  l/arnach  hätte  der  Illuminatot-  die  Bilder  falsch  gruppiert; 
I  auch  in  den  andern  Hss.  ist  die  Beiheufolge  dieselbe.  Zum 
fmtändnis  des  zweiten  Bildes  vgl.  Kap.  2u  und  44. 

tu.  Bild  (Abb.  10  S.  154  nach  K)  in  A  Bl.  t!8":  Die  Ewige  wia- 
toil  m  königlicher  Gestalt  tnit  Szepter  (in  K  auch  Reichsapfel)  hält 
r  dem  weit  auegebreiteten  Mantel')  eine  Anzahl  Personen:  links 
if  ( rAersckrieben :    der  diener),    rechts  seine  geistliche   Tochter, 


•)  den  B'Ütr        üj  eugeln  B'RW        •:)  fehlt  K        "i  betlit«t  fthU  AP 

")  Phanlattüch  i»l  es,  fi-tnn  t.  J.  Mont  auf  Grund  diente  Bilde»  Stune 
IMitmeieitr  und  Auktontäi  in  der  Heraldik  aiuiehl  (Diäs.-Arehh  von 
S  [16931  ÖJ;  XV  [1807]  14i}). 
^  Dae  Bild  seheinl  bteii\ftusgt  von  der  Idee  and  Darnttllung  der  Sehuti- 
ifi  Maria  (vgl.  317,14.  647,28  ff.),  die  gerade  im  14.  Jh.  in  Domini- 
tutn  aufkam,  ogt.  IC.  Krebe  in  „fVeibuiger  Münnlerblätfer*'  1(1906), 
I,  Gtteh.  der  ehrittl.  Kuitet  II,  1  (1897)  433/.;  Paltttr  f 
Gant  im  Einktang  diimit  sieht,  data  in  A  auf  Bild  9  und  10  die  ewige 
il  in  «•eAtieher  Farm,  liorllos  und  mit  gelbem  Hnar  darnest 
l  auf  Bild  in  deutlich  Maria  daraus. 


y 


52*  Einleituug.    I.    Die  Überlieferung. 

ü/ier  der  Elisabef)  (rot)  uteht,  im  iJoiiiinikatterirmenlmbit,  auf  gfnem 
Throne  sil3eiid  und  von  einem  Engel  gekrönt;  neben  ihr  ein  Bueh^)i 
Seme'^uiid  Elsheth  hallen  einen  Kram  von  Rosen,  iimerhalh  dessen 
IHS*)  steht,  rechts  von  ihnen  sind  ein  Mönch  und  eine  Nonne  det 
Dominikanerordens,  unterhalb  eine  bürgerlich  yekleidete  Frau  mit 
zwei  Mädchen  (diese  beiden  fehlen  in  K)  und  drei  Mäniur,  icelcii 
sämtlich  nach  den  von  der  Strigel  ausgeteilten  Namen  IHS  die  Bänät 
ausstrecken.  Links  oben  ein  kleiner  Kngel  mit  einrm  Buch '),  i 
noch  einer  rechts  den  Mantel  haltend.  In  B^R Ha  fehlen  vemchiedeni 
Einzelheiten  (Thron  der  Elsbeth,  Kranz'lu.  s.  w.).  Vor  dem  Bildt 
stehen  die\Worte:  Diz  nagend  bild  z&iget,  wie  ein  äberuollee  her» 
gotee  das  selb  ocli  gern  gemainsameti  vil  andren  menschen  (rot); 
auf  demselben:  In  minen  getlicben  scbirm")  wil  ich  eii  nemen,  die 
minen  nameu  JesDB  in  ir  begtrd  wen  tragen, 

11.  Büd  (Abb.  11  S.  195  nach  A  Bf.  82-),  da"  wichtigste  von  aäat% 
den  mystischen  ü'eg  darstellend.  Einleitend  die  Worte:  Diso  nageBd& 
bild  bezeichuent  der  blossen  gotheit  iewesentheif*)  in  persenlicber 
driheit  vnd  aller  oreatnren  üb  vnd  wideringeflosBenbeit  vnd  zegent 
den  ersten  begin  eins  annabenden  menschen  vnd  sinen  ordenlichen 
durprucb  dc2  sünemens  vnd  den  allerhehsten  vberswank  Vberwesticher 
volkomenheit  (rot).  Linkv  üben  drei  einander  umschlirssende  Ringt 
(vgl.  l!)l,25f.)  und  eine  Art  Triptgchon  mit  der  Überschrift:  Dl» 
ist  der  ewigen  gotheit  wisloses  Abgrunde,  daz  weder  anrang  li 
noch  kein  ende.  .4ms  der  Einheit  des  göttlichen  W'esfns  geki^ 
die  drei  giittlichen  Persmien  hervor,  in  ganzer  Gefiolt  dargettd 
Unks  Gott  Vater  bärtig,  in  der  Mitte  der  hl.  Geist  mit  d^  Taubtf 
die  anderen  Per.?onen  umfassend  als  die  Liebe,  die  aus  beiden  t 
geht,  rechts  der  Sohn  gesenkten  Blickes,  womit  d^s  Leiden  nnged* 
ist.  Dazu  die.  Worte:  Diz  ist  der  persnncn  driheit  in  wesenlichc 
einikeit,  von  dem  erielanr  gelob  seit.  Als  erstes  geschöpßieh 
W^ese»  folgt  der  Engel:  Disfi  figur  ist  der  ussfluzz  engelscblicbei 
natur;  daneben  ein  Dämon,  abwärts  schiessend,  weichet-  den  Engels- 
sture   symbolisiert.      Darauf   als   zweites   Gi'schiipf  der   Mensch 


--I')  fehlt  K         '\  »chrin  A        •')  getrennt  gtechriebtn  K,  ic  frhit  B' 

')  Bedeutet   offenbar  di>  von  ihr  gemachte  Sammlung  der   Tüseer   V'ilen 
Vgl.  97,Sff. 

)  Üidtuitt  wohl  StMts  Scimfitn;  vgl.  394,S3. 
')  Abbildung  ?Mch  K  bei  Dmijte  302. 


Bilder  und  Sprüche  des  Esemplara,     Seuaee  Verblihnia  / 


53« 


lengeaialt^) :  Diz  ist  men»cb1icbü  geecbaffenlieit  gebildet  nach 
fifcr  §ntbeit.  Jetsi  »cheiden  sich  die  Wege:  die  einen  wenden  nick 
zu  der  Luxt  der  Welt  und.  gehen  mit  ihr  zugrunde,  daher  rechts 
mäeii  ein  Innzendes  Liebespaar  (ein  Ritter  mit  dem  Schwert  um- 
jirtet  hält  eine  modisch  gekleidete  Frnu  an  der  Hand;  in  K  Jüng- 
i\iuj  und  Mädchen),  über  welchem  steht:  Diz")  ist  der  weit  minne, 
d*  Dimt  mit  jamer  ein  ende,  und  hinter  ihnen  der  Tod  in  teiif- 
tiicher  Frntse  mit  der  SeiMf ")  (über  ihm  steht:  Üiz  ist  der  t3t'), 
—  A"e  anderen  kehren  sich  zu  Gott  und  gelangen  auf  dem  Wege 
der  Reinigntig,  Erleuchtung  und  Einigung  zur  höchsten  VoUkommen- 
luil.  Deshalb  die  mit  einer  Kette  gefesselte  (versinnbildet  Bezähmung 
iiT Leidenschaften),  knieende  Nonne  mit  demSpruch:  Minen')  ker  wÜ 
iit  IT  got  netnen,  wan  diz  ist  gav  ein  kurtzes  leben,  und  die  daneben 
grosser  Figur,  die  von  Pfeilen  und  Schceiiern  eerwundet, 
Schlange  und  Skorpion  (in  K  auch  von  ein^n  Hunde)  bedrängt, 
d*r  Betrachtung  des  Leidens  Christi  hingibt;  sie  hält  mit  der 
Hand  ein  grosses  Kruzifixbitd  und  spricht:  Ach  lÖg,  wie 
mäs  sterben  vnd  mit  Cristns  gecrntzget  werden!  Durch  Meiden 
Leideil  kommt  die  Seele  zur  rechten  (Jelassenheit,  dargestellt 
ein«  weibliche  Gestalt,  welche  mit  herabgesunkenem  Haupte, 
iloasenifn  Augen  und  schlaffen  Armen  in  einem  hohen  Lehnstuhl 
')  und  SU  der  die  Worte  gehfiren:  Gelassenheit  mich  heroben 
»ü,  wa  min'')  ie  waz  ze  vil.  Der  Weg  führt  weiter  über  das  schon 
mtiknie  Krusifixbild  zu  einer  Halbfigur ,  ebenfalls  wie  fchlafend  und  mit 
ienbhängenden  Armen  dai-gestellt.  welche  den  Zustotid  der Besc hauung 
tminnhildet:  Die  sinne  Bint  mir  entwürcket,  die  hoben  kreft  sint 
»benrtrket.  Die  folgenden  Bildchen  stellen  die  mijstische  Vereinigung 
ifu:  a)  die  Seele  im  Schosse  der  Gottheit:  Hie  ist  der  geist  in 
gnwangcn  vnd  wirt  in  der  driheit  der  personen  funden;  b)  in  der 
UcAjte»  Beschauung,  in  den  Abgrund  des  göttlichen  Wenens  starrend 
vAdoch  tne  in  einem  „Ausschlag"  (vgl.  193,10.  189,13):    Ich  hin 


ÜMn  K        »1  bloeg  der  tod  B'KItW       <■)  Einen  B'i(        ''i  miniie  /• 

9'  Keb  N  imin  ül  Genet.^des  Mtinigm) 

■t  Bcnc.  alg  Nunnt  dnrgtslellt,    iiahl  deshalb,   Keil  dm  Bild  auf  BilUn 

'jd,  aUo  zunächst  für  Nonnen,  entKor/cn  vurdc. 

■)  IM*  Darstrilimg  iM  ritJleieht  von  einem  Bilde  der  Tott>Uamet/Ut 
'.  dtrt»  Eitttiekiittg  man  geieöhnlich   mit  der  grossen  Pexl  den  14.  Jh, 
in  Zatavtmenliang  bringt:  rgl.  Kraus  II,  I,  44bjf'. 

^  Bei  diner  und  der  fotgmden  iSgur  ist  in  K  und  noch  mehr  in  ander 
dk  Pointe  tiemlieh  ceridicM,  rj!.  das  Bild'hH  Dfnifle. 


J 


54*  Einleitung.   I.    Die  Überlieferang'. 

in  got  vergangen,  nieman  kan  mich  hie")  erlangen  (cgL  Gr  Bfb478/L 
c)  nla  letztes  Ziel:  „des  Geistes  Überfahrt^^  (193,11),  wo  in  C 
der  Beyinn  und  das  Ende  eins  wird:  In  dem  inschlag  ban  ich  a 
ding  vergessen;  wan  es  ist  grundlous  vnd  vngemessen. 

Das  ganze  figurenreiche  Bild,  dessen  kurze  Erklärung  St 
selbst  gibt  (191,30 ff.),  veranschaulicht  somit  geschickt  den  We\ 
gang  der  Mystik  im  einzelnen  Individuum;  der  Weg  ist  durch  i 
kräftige  rote  Linie,  welche  die  Figuren  verbindet  und  jeweils  in 
Gegend  des  Herzens  in  ein  Ringlein  (der  „Seelengrund^^,  vgl,  192,4 
einmündet,  bezeichnet.  Aber  nur  in  A  ist  der  Entwurf  noch  l 
und  scharf  erhalten,  schon  K  und  noch  mehr  spätere  Hss,  ha 
wesentliche  Bestandteile  weggelassen  *);  in  den  Holzschnitten  der  bei 
Drucke  ist  die  Bedeutung  der  Figuren  und  Spräche  kaum  mehr 
enträtseln. 

12.  Bild  (Abb.  12  S.  255  nach  A  Bl.  109''),  Einziges  zum  Ä 
gehöriges  Bild,  eigentlich  eine  Verbindung  zweier  Bilder,  die  in 
d^nn  auch  getrennt  sind.  Einleitend  die  Worte:  üiz  nagenden  bi 
meinent  ein  süsses  traten  mit  himelschen  worten  aller  tmrigen  hei 
(rot).  Oben  Christus  am  Kreuz,  dessen  Fuss  ein  Rosenbaum  < 
s^priesst;  oberhalb  des  linken  Querbalkens  ein  geflügelter  bärtiger  Ki 
wohl  Gott  Vater  darstellend  (in  K  deutlich  ein  Engelskopf).  Li 
unten  steht  (in  K  kniet)  Seuse  (überschrieben:  der  diener*);  rti 
auf  dem  Baum  das  Kind  Jesus,  Rosen  auf  den  Diener  werj 
(vgl.  102,18 ff.).      Dazu  die   Verse: 

Alles  liden  wenden  tfit^  der  Jesus  treit  in  sinem  mAt. 

Kosen  wil  ich  brechen^  vnd  vf  sü  liden  trecben. 

Jesas  min  herz  verwandet  hat,  gezeichenf)  da  min  Jesas  sti 

Zum  unteren  Bild  zwei  Engel  mit  Spruchband :  Wer  sui 
lieb  von  got  wil  han,  der  sol  in  lait  von  billich  stan.  Lidens 
er  tragen  vil,  der  gottes  früntschaft  haben  wil.  Es  ist  Christus 
Schmerzensmann^  dargestellt,  neben  der  Geisselsäule  stehend  ( 
198,24 ff.  und  Amn.  ebd.);  Seuse  (überschrieben:  der  diener**), 
einer   Bank   sit-zend,    berührt   mit   der   Rechten    die    Wunden  Ch 


«)  hie  fehlt  KW       t)  u.  d)  fehlt  K        ^^  bezaichnet  K 

';  So  fehlt   in   W  der  Engehsturz,   die  J'lgareit  stehen  sehr  dicht 
einander^  die  Linie  if<t  verwirrt  und  seihst  unterbrochen:  ähnlich  auch  in  B^  ui 

■)  Diese  drei    Verse  hat  Stuse   wohl  aus  den  Sprüchen  der  Stagel  \ 
nommen,  vgl  39b,Uf.  8 f.  401^3 f. 

=h  Ein  in  der   mittelaUerliche.H  Kunst    häufiges  Motiv,  vgl.  Kraus 
t,  306 f;  Peltzer  16:? ff. 


Bflder  iind  Sprüche  des  Exemplar».    Scuscs  Verhältnis  zur  Kunst.     55* 

(tgi  199,8)  und  greift  mit  der  Linken  in  ein  P salter ixim  (vgl.  250,18 
AHm,)f  dcts  ihm  ein  Engel  übergeben,  Rechts  sitzen  zwei  weibliche  Personen 
(eine  dopon  Nonne  ?),  über  denen  steht:  Daz  sint  zwei  lidendü  menschen 
(vgl  253,19,  198,17  f.).  Das  obere  Bild  ist  in  W  und  in  den  beiden 
Drucken  etwas  abgeändert  schon  beim  Schluss  von  Kap,  34  der  Vita, 
dm  bei  der  dctzugehörigen  Erzählung  gegeben. 

Ausser  den  bisher  beschriebenen  zwölf  grosseren  Bildern  finden 
nch  in  mehreren  Hss.,  namentlich  in  den  älteren  und  teilweise  auch 
in  den  Drucken,  noch  einige  kleinere,  meist  als  Initialenverzierungen. 
Es  ist  zu  vefynuten,  d(fss  auch  diese  auf  Seuses  Hand  zurückgehen. 
Bei  Beginn   des  Prologs  zum  Exemplar  (3,2)   eine  schöne  gemalte 
Initiale  I und  in  dieser  zwei  Engel  mit  Wappenschild,  auf  dem  IHS 
ikk  (AKB^Wol),  ähnlich  wie  auf  dem  9.  Bild;   beim  Anfang  der 
Vita  (7,2)  eine  Initiale  E  mit  Brustbild  Seuses,  betend  und  um  das 
üaupt  den  Rosenkranz  (AK,  in  W  einfacher);   zu  17,5  der  Name 
IHS  mit  Goldfarbe  gemalt  (AB' KR);  96,5  Initiale  C  mit  Pelikan 
die  Jungen   nährend  (AK),   vgl.  99,2 ff. ;    155,14   bei  Beginn    des 
'f^kulaUvef^  Teils  der   Vita  ein  Adler  mit  ausgespannten  Flfigeln  in 
itr Initiale  S  (AKol);  196,2  bei  Anfang  des  Bdew  der  Name  IHS 
und  Brustbild  Seuses   (wie  oben)   in   der  Initiale  E   (AKW;   in   a 
l)(irAtellung  der  Verkündigmuj  Maria);  200,14  Initiale  H  mit  einer 
nackten  menschlichen  Figur  =  die  Seele  (A);  326,4  (Bdw)  Initiale  E 
rot  und  blau  (A  W ;  in  K  wie  bei  196,2,  in  W  und  ol  Bild  der  Ver- 
sündigung Maria);   360,2   und  10   (Bfb)  je   eine  farbige   Initiale 
('iKW;  in  B  und  TL  Bild  des  Dieners  mit  Buch  und  Abtsstab  (!)). 
Mimrdem  haben  W  und  die  beiden  Drucke  zum  Schluss  des  34.  Kapitels 
fkr  Vita   ein   kleines  Bild:    Anna   in    der  Burg    betoid   (vgl.  Anm, 
*•«  m,2). 

Was  das  Technische  und  Künstlerische  der  Bilder  anlangt,  so 
^^d  sie  in  AB^PRW  in  der  bei  der  deutschen  Buchmalerei  des  au^^- 
9(kenden  Mittelalters  so  beliebten  laviert4in  Federzeichnung^)  ausgeführtj 
^fi  roh  und  unbeholfen^  sehr  mangelhaft  in  Perspektive  und  Anatomie, 
'^^r  doch  flott  im  Vortrag,  naiv  und  treuherzig,  von  bemerkenswerter 


I  *)   Vgl.  darüber  Janitschek,    Geschichte   der  deutschen  Mahrei  1890, 

^^^S-;  R.  Kautesch,  Einleitende  Erörterungen  zu  einer  Geschichte  der 
^*^chen  Uandschrifienillustration  im  sp^i leren  Mitt einher  1694:  Klein- 
*«*»iid<,  Zur  süddeutschen  Buchmalerei  ds  späten n  Mittelalters^  in  der 
^^mmhrift:  ,JHe  christliche  Kunst'  IT  (190516)  2Mfff.  269 fi. 


5G*  EinleituiiK-    I.    Die  Überliefern ng. 

Gewandtheit  im  Ausdruclc  der  Seelenstimmungen  und  in  der  Gharakieri 
siervuij  der  Personen.  Zur  richtigen  BeuritHltmg  ist  wichtig,  im  Äugt 
zu  behalten,  daas  die  Bilder  nicht  Srifistzireck  sind,  sondern 
dem  Bestreben  dienen ,  sum  Wort  die  Illustration  zu  liefern.  Im 
einzelnen  sind  manche  Unterschiede  zwischen  den  verschiedenen  Hut. 
Am  nächsten  steht  dem  Original  A,  in  welcher  Hs.  die  Bilder  noch  am 
meisten  archaistisch  sind ;  die  Farbe  ist  sehr  matt  und  unschön,  Teilt 
der  Zeichnung  sind  mitunter  selbst  unkoloriert  gelassen.  Stäkritisei 
betrachtet  stellen  sich  die  Darstellungen  irohl  am  nächsten  zu  der  ta 
1350  zu  Konstanz  entstandenen  „Armenbibel"*).  R  und  H'  ver- 
einfachen das  Detail,  geben  den  Gestalten  mehr  Rundung  and  Fiill^ 
nnd  wirken  kräftiger  durch  lebhafte  Kolorierung.  Ähnlich  ist 
auch  bei  den  bemalten  Holzschnitten  des  ersteht  Druckes ")  (Av^thurti 
Anton  Sorg  J482);  die  des  zweiten  Druckes  (Augsburg,  Hans  Othmar 
1512)  sind  zwar  sacklich  dieselben,  haben  aber  künstlerisch  rid  ge* 
Wonnen :  sie  sind  in  den  mittlerweile  aufgekommenen  neuen  Stil  ifflt^ 
gearbeitet  und  kÜnnen  daher  der  Bemalung  entbehren.  R.  Muth< 
meint,  es  lasse  sich  fast  mit  Sicherheit  sageji ,  dass  der  KünstUfi 
welcher  die   Umarbeitung  vornahm,  Hans  Burgkmair  war. 

Eine  besondere  Stellung  nimmt  K  ein  (vgl.  oben  S.  5*y.y,  W 
woU  von  einem  Berufsschreiber  und  -Illuminator*)  hergestellte  Prachtht 
bringt  die  Bilder  noch  mehr  miniaturenartig  und  unter  Benützm, 
der  älteren  Manier  der  Deckmalerei,  in  kräftigen,  leuchtenden  FaiiH 
(viel  Gold).  Hier  allein  nwcht  sich  auch  die  realistische  RichUW{ 
die  in  der  ersten  Hälfte  des  15.  Jh.  in  der  Buchmalerei  Oberdeuti^ 
lands  sich  regt  und  zum  Durchbruch  gelangt,  in  etu-a  geltend, 
s.  B.  beim  dritten  Bild  (s.  o.  S,  48'),  ferner  in  dem  zierlichen  Rankem 


'}  Hrtg.  von  Laib   und  Sehwart  1867,  ''iSSÜ.    Zur  richtigen  Dati 
rang  vgl.  Sehr eibert  Einleitung  eu  F.  Htile,  Btblia  pauperum  ISOH,  39,!tl 

»)  Vgl  H.  Malker,  Die  deuUche  SUcheriüustration  der  GolMk  i 
iyahrenaüsnnce  1887  I.  31  Nr.lGS;  II  Tnfd  70  »nd  71  ( Reproduklien 
I.  und  10.  Hilde»). 

•)  A.  a.  O.  I,  166  Nr.  tt83. 

'I  VermHtlirh  i»t  n  drrsrtbe,  der  auch  an  der  Ausachnnloknny  der  1 
Siedler  Has.  -JSS  und  765  tätig  war.  Auf  Bl.  SO  drr  trsteren  steht:  Auno  sd 
1462  .Tohannes  Salier  presbiter  me  fecit,  auf  drvi  ersten  Blatt  der  htittrti 
1483  heiiali  me  fecit.  ^itileicht  igt  t»  da-  im  Konslanger  RaUlmch  1471  tw 
iiniitffn  Malern  und  Goldtehntiedett  eingetragene  maieter  Hans  (Ph.  Suppe. 
Komtamtr  gMchickll.  Beiträge  II  fWUO}  t6:>,>.  Ein  bisehö/ticher  JVo 
»omtnt  Gehhard  Saltler  ist  148ä  btteagt  (J.  Eisdriu,  GmvMclitt  nnd  . 
sohrfibung  van  Koneiana  1851,  3S6i. 


Bilder  iiud  Sprüche  des  ExeuijilaiB,     SeuBe»  VürlillMiia  zur  Kuiial.      57* 

litr  obtn    erwtihntcn  Initialen ,  besonders   aber   auf  dem  zugei/ebetien 
Vidmimgsbilt/e  bl.  4  fein  Engel,  zwei  Wappenschilder  haltend,  unten 

tth  und  Hirsch,  in  den  Ranken  hübsche  Dröleries). 
Die  lüuatrierung  von  Seuses  Sammelwerk  eröffnet  uns  ehun 
ck  auf  ein  interesnantes,  noch  nicht  genügend  erforschtes  Gebiet: 
iit  öeziehungen  zwischen  deutscher  Mystik  und  deutscher 
Kunet').  Wenn  Mgsttk  und  Kunst  eerwandt  sind,  und  sie  sind 
lienn  beide  richten  sich  vorzugsweine  an  dasselbe  Seelenvermögen, 
Phantasie,  künstlerische  Konzeption  und  visionäre  Schauung 
gleichmässig  innere  Gestaltungskraft  und  eine  ausgeprägte 
ividiKilität  voraus,  —  so  teird  eine  gegenseitige  Beeinflussung  not- 
die  Folge  sein  und  auch  bei  Seuse  ^  wird  sich  dies  irgendwie 
\i^n  lassen.  Dnd  in  der  Tat ,  wenn  bei  irgend  einem  der 
;hen  Mystiker,  so  bei  ihm,  dem  phantnsieroUsten  und  poetischesten 

')  Di*  neuttte  SpeiiaHileratur :  Ä.  Peltier,  DtuUche  Myntik  und  dtut- 
UKunat  1899,  und  E.  Hintee.  Der  ?:v\ßa»g  der  Mystiker  auf  die  äU«e 
•  Maleraehule,  Breelauer  Disn.  1901 :  der»,  in  Wratdeutsche  Ztitsehrifl 
12 ff.  (Besprechung  vm  Hchtiblfr-Äldtnhotc»,  OetchichU  der  Kölner  Maltr- 
t  1902),  befrirdigt  icenig:  ihrt  Vtrfoistr  ioMStn  richtiges  Verständnis  der 
^fiUk,  wie  Hberhaiipt  historinche  Schulung  sehr  vermiesen  (vgl.  Über  Peltter 
tu  Khar/t  Urieil  finkrs  in  Alemannia  19(11,  129;  1903,  ZTBff.).  Immer  noch 
'"«ncerl  igl  das  schöne  Kapitel  bri  Schnaaae,  GttcläehU  der  bildenden 
i'toil«  IIB  Mitlelaller  VI  (1S61)  27—60.  In  der  imitrilimm  Fragr,  ob  die 
<i(illufrrundt  (auch  Srvst.')  auf  die  Kölner  MalereehuU  (Wilhelm  von  Herle, 
I  Wjmrich  u.  a.)  an  der  Wende  des  14.  Jh.  einen  Einfluai  ausgeilht, 
I  die  Bemerkungen  von  Kraus  II,  1,360 f.  wohl  da»  richtige  treffen 
3tSff,  ist  die  Sache  sehr  übertrieben).  Wie  alle  grossen  EreehHnungen 
K  Oibiete  dee  religiösen  Lebens  hat  sicher  auch  die  milltlallsrliche  Mystik, 
I  die  edelsten  in  ihren  Bann  eng  und  ihre  Empfinduagewelt  be- 
^idenden  Kunst  Anregungen  gegeben,  die  allerdingt  oft  mehr  nach- 
I  tlatittisch  aitfzutOhlen  sind.  J-'iir  Matthias  GrUnw^ald  hat  den 
'  mystischen  Ideen  jüngst  in  muslrrhqfter  Weise  Er.  Schneider 
l.  tur  Aügem.  Zeitung  19l>i  Nr.  :1S4  und  336  naehgemiesen  (die  knieende 
Wkengestatt  auf  dem  Isenheimrr  Allarwerk  ist  nicht  Maria  in  Juxtaposition, 
h  Pütter  64,174  noch  annimmt,  sondern  Personifikation  der  „minnenden 

*  alt  Braut  Christi). 
')  Sieht  die  eingthendm,   aber  nicht  immei'   ilberzrugenden  Amffühntngtn 

r  oaff.,  Rintee  ISff.Sftf.      Vglaueh  Kraus  II,  1    439:  ..Was 

•  man  aUe*  für  dir  Anschauung   der  Zeit  und  der  Kilnutlej-   aus  Heinrich 
"vWnm,"- 


J 


58*  Eiuli'iluiife-,    I.     lÜL'  OlurliBfeiiiiig. 

unter  ihnen.  Smtse  toar  eine  kiinsUensch  empßndtndi'  Nntur.  SA 
reichbegahter,  für  alles  Schöne  so  emi>J'äiit/licher  Geint  fiegnügl  ^ 
nicht  mit  nebelhaften  Phantasieyebilden ,  er  atelll  sowohl  das  in  ^ 
Verzückung  Gesc/imite  wie  die  innig  meditierten  Begebenheiien  d 
Ueilsgeschichte,  besonders  des  Leidens  Christi,  plastisch  greifbar  ■ 
unsere  Augen;  mitunier  „glaubt  man  geradezu  Beschreibungen  e 
Gemälden  zu  lesen"  *).  Ebenso  spricht  sich  seine  malerische  Begabu 
in  der  Freude  an  bildlichen  Üaratelhoigen  aus.  Seiner  Andacht  K 
er  „in  bildreicher  IVeisc'  (103,15)  genugtun:  schon  in  der  Jugti 
lässt  er  die  ewige  Weisheit  in  minniglicher  Gestalt^)  auf  Pergnmi 
malen  und  nimmt  das  Bild  mit  auf  die  hohe  Schule,  um  es  tägU 
anzusehen  (l(l3,lGff.),  veranlasat  die  Ausstattung  seiner  Kapelle  i 
Bildern  und  Sprächen  der  Alträter  (f>0,12,ff..  104,1  ff.)  und  andet 
andächtigen  Materien  (Name  Jesu,  liosenbavm  des  zeitlichen  Leidi 
und  Baum  der  welllichen  und  göttlichen  Minne,  vgl.  39ti,21ff.},  w 
sendet  eine  Kopie  der  erstgenannten  an  Elsbeth  Stagel  (107,lj 
Er  kennt  genau  ilte  Einzelheiten  der  künstlerischen  Technik  M 
redet  gerne  davon  (00,16.  (14,11  f.  333,17 f.;  Hör.  00,  150),  schÜSi 
die  Himmelswonne  mit  dem  Brunnen  des  Lebens^)  und  den  einzeh 
Chören  der  Heiligen  (242,3  ff.,  243,24  ff.),  den  Etigelatam  (21,G^ 
die  Madonna  mit  dem  Kinde  (267.14ff.,  vgl.  15,lOff.;  Hör.  U 
in  so  lebhaften  Farben  und  mit  soviel  Anmut  und  Holdseligkeit,  <i 
man  meinen  könnte,  er  habe  Bilikr  der  alten  Kölner  oder  ßämiad 
Malerschule  oder  der  Sienesen  und  Florentiner  des  14.  und  15,  ^ 
namentlich  seiites  Ordensgmossen  Fra  AngeUco  da  Fiesole'),  ■■ 
Augen  gehabt.  Das  Leiden  Christi  stellt  er,  Kapitelssnal,  Kreuzg\ 
und  Chor  der  Kirche  seines  Klosters  zur  via  dolornsa  machend  i 
die  einzelnen  Stationen  des  Leidenstcege^  in  Betrachtung  miterl^ 
in  so  dramatischer  Lebendigkeit  sich  und  uns  vor,  dass  man 
Fug   bei  ihm  die  Idre  der  Kreuzwege,    deren  Darstellung  dock  i 


')  Strauch  in  AUff.  dUch.  Bioijr.  H7.176. 

')  Wohl  ffans  ähnlich  icie  «uf  Bild  1  t».  ".  S.  4T*i. 

•)  Vgl  datu  auch  die  Vinon  da-  Brli  con  I.iehenbtrij  zu  T6k*,  Vitm  3U 

')  Der  Vergleich  Angtlkoa  mit  S»use  lifgt  naht,  vgl.  Itenifte  XIF, 
Über  den  „mj/etiichen  Maler"  par  t-xctUenee  handeil  auegittiebnel  Sehrdr 
ZtiUchrift  für  chrigtl.  Kuunt  189S,  193 ff.  u.  B,  Vgl  das  Urltü  M»«ch\ 
in  Stimmm  aus  Maria  Lanch  ISffT  I,  40H:  „Aiigdicos  WtrU  sind  die  hOl 
m^MiiiKhc  Po*sie  der  Farbig,  n»  wie  dit  .Sehrt/Ieu  Sunn»  und  riiiAi.w  die  Mjf 
dtl  Gemütes  xind." 


I     BilUer  uad  Sprticlio  de»  Eitunplars.    StiusM  Vtriiältnia  zur  Kuust.      59* 

nd.  Jh.  auftaurht,  vorgebildet  sehen  dnrf^).  Endlklt  lint  er, 
MM  kümstlerixchen  Drantje  folgend  nach  dem  Vorbilde  früherer 
(»(•Apr^  aeim  Schriften  treibst  mit  BU^^ern  mtsyentnttet,  die,  weim 
\^ituch  in  fielem  mit  dem  Apparat  herkömmltc/ier  Anschauungen 
itüen  find  eich  mitnnter  wohl  auch  direkt  an  Vorbilder  anlehnen^ 
{A  als  Games  für  originelle  Schöpfungen  gelten  dürfen. 

Ein  persönliches   Verhältnis   Seuses  zt>r   Kunst   ist   somit    un- 

'itbnr.     Nichl  ebenso  leicht  ist  die  Frage  zu  beantworten,  üb  er 

\cHd  riner  Weise  auf  die  Kunstübung  seiner  und  der  folgetiden 

tini)twirkt  hat.   Es  ist  bereits  su  denSprüchen  H98,10f  darauf 

iteiesen  worden,  dass  zahlreiche  in  der  ehemaligen  Dominikaner- 

zu  Konstanz,   dem  Jitzigen  Inselhotel,   aufgefundene  Fresken 

14.  Jh.,    Martyrien   darstellend  und  die   Hand   eines   tüchtigen 

verratend  %    neuerdings   in   Beziehung    zu   Seuse   gebracht 

fdeu  sind.     Vielleicht  mit  einigein  Recht;  aber  beueinen  läast  sich 

r freilich   nichts,   und  Jedenfalls   ist  Sense   nicht  selbst  dabei  als 

'SbendtT  Künstler  tätig  zu  denken,  wie  Peltzer^)  annehmen  mischte. 

meowenig   werden  wir  ettras  darüber  ausmachen  können,    ob  sein 

Irt  oder  Beispiel  für  die  Kunstpflege  in  den  mystischen  JJwnini- 

itrintienkH/Ktern  AUmannietiS,  wie  sie  für  Unterlinden,  KUngenttd. 


[  'i  Viii  Pttiter  S4ff.,  im  einttlum  itohl  Su  irtit  gehctiä.  I>if  eiste  Ei-- 
mm»g  dtt  Krmticege  tcheinl  bei  dem  Dominibantr  Alvaras  von  Gordiwa 
h*30  ndtr  1430»)  tu  sein  (vgl.  Katholik  1895  I,  S2H;  ThuratoH,  The 
IMdm  ii/  the  Croae,  London  1906).  Sehr  wahrtcHeitdich  sind  die  Kreuurrge 
flhur  Verbindung  von  bibli»ehen  fasttinnsetenen  mit  VorwOrfen  der  mytli- 
Ir  Kontemplatiim  entetandm  (Kraus  II,  1,30S). 

L  *]  So  uigtn  namentlich  iwei  Wienbadttitr  und  Heidtlbcrger  Uta.  in.  XII 
m.  XIII)  de»  Libtr  Sctvioi  der  AI.  Hildegard  zahlreiche  Miniaturen,  meist 
PMm  der  Mystikerin  darsteUeitd.  Aunführliche  Seschreibuag  bei  A.  BOn 
ntlhäuaer,  Bit  Miniaturtn  der  Univeraitätabibliolhek  zu  Heiddbtrg  I 
fo  75  f.:  Pttizer  34 ff.  febd.  41  f.  über  eint  Sililer/u.  der  Werke  Elisabeth» 
WSehönauK 

,  ')  Bf  mtlire>'tn  Sildern  ist  oben  schnn  darauf  hingtvitaen  morden  (Mantel- 
wft  Mari'l,  der  Tod  und  dn«  tfinmnde  Paar,  Christus  als  gekreuzigter  Seraph 
malt  Schmtriensmann,  das  Krevi  als  Mosenbauvil. 

k 


')   über  ueilere  Spuren  von  Wandgemälden  in  der  Kirche  (Kreutigungs- 
an  drr  nördlichen  Leilnernische,    teilweise  erltalti^)   und  im  Kreusgang 
M.  Wingenroth  in  ZcHsehrift  für  Qeeehiclde  des  Oberrhevt»  N.  F.  SO 
433 ff. 
')  A.  a.  t>.  101. 


60*  EiulLituiig.    1.     Die  Übt-rlieferung. 


1 


Adethausen  und  itantentlich  Töne  bezogt  ist^),  non  Bedtutumj 
Dagegen  wird  man  den  Anteil  Semes  an  der  Anregung  und  Bi 
fruchtung ,  welche  die  mittelalterliche  Kunst  durch  die  symboUsehH 
Vorgtelluttgen  der  Mystik"^  empfing,  ziemlich  hoch  einschätzen  dürft 
denn  gerade  er  hat  sie  in  so  ungemein  zaiier  und  poesievoUer  Am 
ausgebildet  und  angewendet :  ao  die  Vorstellung  von  der  ewigen  Weü 
heit,  die  bald  auf  Christus  bald  auf  Gott  Vater,  in  gewissem  Shim 
auch  auf  Maria^)  bezogen  wird,  eon  der  mitmenden  Seele  als  Brat 
Christi,  die  Symbolik  der  Forben  (besonders  rot,  grün,  weiss,  geü 
vgl.  r,4,7.  199,2.  244,2  usw.),  Blumen  (Rosen  *),  Lilien,  Veikhet 
vgl.  33.10 f.,  59,8 ff.,  il4, 7 ff.,  25  ff.,  102,10  ff.,  224,21  ff.)  und  Edei 
steine  (242,8 f.  252,25.  271,20);  auch  die  Übertragung  hiiß»ch9 
Anschauungen  in  das  Religiöse,  z.  Ü.  bei  Schilderung  des  liinn 
(242,8ff.  432,26 f.  457,1  f.),  und  die  sinnige  Naturbetrachtung 
Mystikers  ist  in  diesem  Zusammenhang  zu  eriPähnen.  Ganz  besondti 
aber  dürfte  das  biblisch  begründete  Bild  von  der  geistlichen  Riite% 
schaß,  das  bei  Seuse  Lieblingsmotiv  ist  (egl.  55,19 ff.,  149,4  ff.,  205,7 ff'. 
352,14  ff.,  370,22  ff.,  Hör.  29,  Hl,  122).  durch  ihn  seine  VolkstUmiieli 
keit  wie  seine  Einführung  in  die  Kunst  gefunden  haben.  Anfang 
wurde  es  in  Literatur  und  Kunst  wie  bei  Seuse  noch  mehr  ii 
Sinne  einer  speziellen  Berufung  aufgefasst,  später  aber  auf  jeA 
Christenleben  übertragen.  „  Von  der  deutschen  Mystik  lässt  sich  m 
direkte  Verbindungslinie  ziehen  bis  auf  Dürer  (vgl,  dessen  Kupfa 
stich  von  1513:    Ritter,    Tod   und  Teufel)   und   Erasmus   (vgl,  sei 


')   Vgl  PrUter  70 ff.,  dtr  aber  auch  hier  wie  öfter»  zu  weit  geht.    Ül 
Töte  eiehe  bmondtrs  die  Monographie  von  J.  B.  Bahn,    Bauten  und   WaMl 
gtmäldr  in  Töas  (=  Mittmlungen  der  antiquar.  Oadlsehaft  in  ZSrteh  XX. 
B,  3)  1906.     Der  Kreiiigang    war  mit    l/iblüchen  Frenken    aui   dem  Ende 
IS,  und  Artfang  dts  IG,  Jh.,  «um  Teil  aber  auch  aas  früherer  Zeit, 
—    VöBig   aae    der  Laß  gegriffen   igt  m,   wmn  F.  J.  Mont   im  DiöB.-Ärtk 
von  Schwaben  X  VI  (1696)  120  meint,  dass  einigt  plastische  Figuren  Mbcn 
Südportal  dts  Überlinger  Miinstere  (Johannes  der  Täufer  und  Sebastian  [i 
Judas!})  nach  den  Angahtn  Seuses  gemacht  worden  sein. 

'J  Vgl.  Fellttr  iöfiff.  Freilich  ist  nicht  au  vergesse»,  daes 
derselben  ihren  eigentlichen  Nährboden  in  der  kirehlichtn  Liturgie  haben.  Dt 
ist  die  F<ie*it  der  Farben-  und  Blamensprache  durch  die  Schriften  der  deutsei 
Slysliher,  besonders  Seuses,  aufs  höchste  ausgebildet  unrden  (vgl.  Kra  us  II,  1^44 

")   Vgl.  oben  S.  61'  Anm.  2.   Dittte  Inrinanderspieten  ist  der  allegorieeh 
Auelegung  des   Wrisheitsbuches  und  der  Lilurgi»  der  Kirche  geldujig. 

'}  Pell  st  r  :iOä  iragl  die  Vermutung,  dass  Seitse  taersl  das  Motiv 
Rose  als  Sinnbild  des  Iteidens  und  des  liosrnbaams  als  Symbol  de»  Krm 
in  die  deuisehr  Kunst  eingeführt  habt. 


Mder  nnri  Sprllche  duH  ExempUrs.    Spuren  VerhSItoii'  zur  Kunal.     61* 

,EiKhiridiott  militis  christimii'  lö02,  deutsch  und  illuntnert  so»  Urs 
Graf  1520*),'-  und  — /äye«  wir  hinzu  —  schon  zu  der  Darstellung 
itr  „Streiter  Vkristi"  auf  dem  Kölner  Dombild  und  Oenter  Altar. 
VieUacht  ist  Seuse  überkaujit  der  erste,  der  das  Motiv  künstlerisch 
I  tmtertet  hat  (in  stimm  9.  Bild). 

I         Anregung   hat  Setisea   Ulustrierung    des   Exemplars    auch    der 

wkutKhen  Holzschneidekunst  des  15.  und  16,  Jh.  gegeben,   wie 

mtAon  bei  Besprechu)tg  der  allen  Drucke  ausgeführt  wurde.     Ausser 

miwni  Bildern  ßnden  sich  mehrfach  zu  Devotionsztoecken  hergestellte 

ftinftiattdrucl-e,   welche   steh   an  Seuses   Werk  anlehnen').     So  stellt 

I   («n  btmnlter  Holsuchiiitt,  um  1470  zu  Au(/siurg  oder  Nürnberg  ent- 

finnjen,  das  Christkind  dar,  in  einem  Korbe  Rosen  tragend  und  mit 

Spruchband,    auf  dem   pariencia   steht;    unterhalb   eine  fünfzeilige 

Cnttrschrift,  die  mit  geringer  Änderung  den  Sprächen  beim  12.  Bild 

StuKcs,  von  dem  die  Komposition  ja  sichtlich  beeinßusst  ist,  tntspricht 

leb  wil  Fosen  ttrecheo  .  .  .  Wer  snnder  lieb  .  .  .  Liden  boI  er  haben 

..  vgl.  398,4—9);   ein  Exemplar   davon   im  Kgl.  Kupferstich- 

wf  zu  Berlin.     Leicht  variierte  Kopien  dieses  Hokschnittes  mit 

itmüben     Versen    befinden    sich    zu   München  und   Nürnberg   (Ger- 

tamacA^Ä  Museum);  von  letzterer  ist  noch  der  Holzstock,  früher  dem 

Klarissenklnster  SSflingen  bei  Ulm  gehörig,  vorhinden  ^).    Noch  naher 

hrükrt  sich  mit  dem  12.  Bild  ein  um  1470/80  in  Schwaben,  leahr- 

^tinlich  in  Ulm  bezto.  Sößingen,  entstandener  bemalter  Holzschnitt, 

fc  twei  Exemplaren  zu  Stuttgart   (Landeabibliothek)    und  Nürriberg 

{birmanisches  Museum  *f   erhalten:    Seuse   knieend   mit  dem  Kranz 

(   lind   dem  Monogramm  IMS,   rechts    oben  Maria  (tkzw. 

üt  jtwige  Weisheit'}  mit  Krone,  Szepter  und  Reichsapfel,  unten  der 

Bind  mit  dem  Fit.^sfiich,  links  das  Jesuskind  auf  einem  Rosenbaum, 

•)  P.  Wrbtr,  BeürSge  sa  Dürers  Wellanschauung  (Studien  lar  deut- 
•■bii  Kitnttgt-ickichU  U.  331  1900,  äO.  Elid.  18  ff.  etngtliatdf  liUrarisvhe  und 
^MhiMorisehe  SaehwHfungm.  Eine  <ntire«ia»U  Stelle  au«  Tatiltr  b$i 
^'Ui,r  im  f. 

')Gmaut  Begchrtibungdtr  folgenden  fünf  Holimchnitte  bei  W.  L.Sehrei- 
*'',  Uanad  de  Vamateur  de  la  gravure  aur  boi»  et  aar  mital  au  XV'  Hiele 
^iVSli  234/.  .\>.  821—33:  11  (1S93I  176  f.  Nr.  1698,  1699. 

'l   Vgl.  Katalog  der  im   Gei-m.  Museum  tu  Nürnberg  vorhandenen  Hole- 

l  {18931  15;  Abirildung  S.  in  und  bei  (Esuenuiein),  die  Sduehnittt 
*«  I4.utid  16.  Jh.  im  Germ.  Mtunim  1874,   Tafel  86,2. 

')  Dietet  Exemplar  wie  der  eben  ertcühnl'  Holenlock  war  früher  im  Be- 
•l«  eoii  ^rofetaor  Basiter  in  Ulm. 


1 


62*  Einleitung:.   I.    Die  Überlieferung'. 

Rosen  auf  Seuse  werfend,  unten  das  Wappen  von  Ulm.     Als  Ut 

Schrift  trägt  das  Devotionsbild  die  Verse: 

Der  selig  hainrich  f&s  ze  costentz  gebom  am  bodmersee 

Nam  die  ewig  wysshait  zfim  gmahel  gaistlicher  ee 

Sein  gespons  tet  im  den  namen  verwannden 

Amandas  hiesz  sy  in  nennen  in  allen  lannden 

Sein  leben  wz  er  in  irm  dienst  vertzeren 

Des  frödt  sich  vlm  die  sein  grab  vnd  hailtnm  halt  in  erei 

Abbildung  nach  dem  Nürnberger  Exemplar  bei  Essenwein  (s,  S. 

Anm.  3)  Tafel  92  und  darnach  in  verkleinertem  Massstab  bei  De\ 

(Titelbild).    Derselbe  Holzschnitt,  aber  mit  lateinischen  Versen  \ 

est  heinricns  constancia  quem  generauit  Snsz  etc.),  ist  in  Berlin '! 
Weiteres  soll  später,  wo  von  der  Ikonographie  Sensen  gehan 

tvird,  Erwähnung  find-en. 


0  Vgh  Schreiber  a.  a.  0.  II,  176.  Nach  Kärcher  (Freib.  D 
Archiv  1866,  215),  der  sich  aa^  eine  brief liehe  Mitteilung  Sigharts  bei 
befand  sieh  im  Dominikanerinnenkloster  AUenhohenau  —  dorther  stammt  i 
die  Hs,  J?*,  s.  oben  S.  7*  —  ein  fünf  Fuss  hohes  Bild  Seuses,  wie  er  in  t 
Vision  den  Hund  mit  dem  Fusstuche  erbUckt.  Bei  Murer^  Helvetia  sa 
314  ein  Holzschnitt  mit  (ihnlichem  Bild  wie  das  oben  guletzt  genannte,  doch 
anderen  Sprüchen  und  im  Hintergrund  das  Konstanzer  Predigerkloster, 


—•-^•^  <• 


Zweiter  Teil. 


Seuses  Leben  und  Werke ')< 


A.  Jugend-  und  Lemjahre  zu  Konstanz  und  Köln 

(ca.  1295— 1327). 

L  Oebnrtsjahr  und  -Ort,  Abstammung. 

Nur   weniges   ist   uns  über  den   äusseren    Lebensgang  Seuses, 
^f^ondere  über  seine  Geburts-  und  AbstammungsverhäUnisse  über- 

')  Verzeichnis   der  Literatur  (Detaüunter^uchungen   werden   zutreffenden 
Oru  angegeben):    i.  Biographien    bezw.   Monographien:    F.  Bricka, 
^99ai  sur  la  vie,  les  ecrits  et  la  doctrine  de  Henri  Suso,  Thhse^  Strasbourg  1654^ 
^ P' (unbedeutend);  W,  Volkmann,  Der  Mystiker  H,  Suso,  Programm  DuiS' 
^91869,  63  S.:  F.  Vetter,  Ein  Mystikerpaar  (s,  Anm.  zu  96,  7;  beachtens- 
^^frte  Anmerkungen);  R,  Seeberg ,  Ein  Kampf  um  jenseitiges  Leben,  Lebens- 
^  eines  mittelalterlichen  Frommen  (Seuse)   in  protestantischer  Beleuchtung, 
^^>rptu  1889,  148  S,  (im  literarhistorischen  Teil  gut,   in  der  Beurteilung  vor- 
*w^«wmm«i^,  gekürzt   unter  dem   Titel:   „H,  Seuse,   Der   Gottesfreund**   auf- 
t^Mwmen  in  R.  Seeberg,  Aus  Religion  und  Geschichte,  Gesammelte  Aufsätze 
itd  Vorträge,   I  (1906)  188—246;  Th,  Jilger,  Heinrich  Seuse  aus  Schwaben, 
I    B^ü  1893,    160  S.   (populär -erbaulich).    —    2,   Chrössere    Abhandlungen 
m Sammelwerken,  A ufs ätze  und  enzyklopädische  Artikel:  Acta  Sanctorwm 
2i.  Jan,  II  (Antwerpen  1643)   652 — 89  (ganz   nach  Surius,  daher   ohne  selb- 
ständigen Wert);  H.  Murer,  Uelvetia  sancta.  Lucern  1648,  315 — 46  (ebenfalls 
nach  Surius,  doch  mit  eigenen,  nicht  immer  zuverlässigen  Zutaten);  Fr.  St  ei  II, 
Ephemerides  Dominicano-sacrae  I  (Dilingen   1691)   145—64  (mit   Vorsicht  zu 
henütsen!);   Quitif  et  Echard,  Scriptores  Ordinis  Praedicatorum  I  (Paris 
1719)  653 — 59,  II  (ebd,  1721)  821  (wertvoll,  meist  kritisch  und  quelle ntnüssig); 
Ä.  Tour  an,   Uistoire  des   homme^  illustres   de   Vordre  de   S\  Dominique  II 
(Paris  1746)   435 — 60   (erbaulich):   A.  Weif  ermann,   Nachrichten   von    Ge- 
kkrten  uno.  aus    Ulm,    Ulm   1798,    499—508;  K,  Schmidt,  Der  Mystiker 
H.  Suso,  TheoL  Studien  und  Kritiken  1843,  835—92;  ders,  in  Memoires  de 
tAcadimU  roydle  des  aciences  moraleti  et  politiques  de  V Institut  de  France, 


64*  Eiiileitiiiig.    IJ.    (?euseö  Lebeu  und  Werke. 

liefert,    und   nun   dam   wenigen    können   wir   nur  mit  Mühe   das  t 
verläasiye  heraustesett.    Ein  einfaches  Mouchleben  setzt  eben  die  Fei 
der   Geschichtsschreiber    weit    weniger  in   Bewegung    als    die    Tatt 
derer,   die  on/"  der  Höhe  der  Metischheit  wandeln.     Kein  seiner  2 
angehäriger   oder  ihr  nahestehender  Gkroriint ')  nennt  i'eineti  NanM 

l,  II  tavanis  elrangert  18411,  396—486  (mit  dem  deutschen  AafeaU  btiiai 
identiiehi:  St.  Bormann,  Über  den  MyslUcer  H.  Saeo,  c,  d.  Hagmt  G* 
mania  II,  172— ht:  Fr.  BUhringtr,  Die  deuUchen  Mj/atiker  dt»  li.\ 
15.  Jh.  (Bit  Kirchr  Chi-iUi  und  ihre  Zeugen  II,  3),  Zürich  7855  (Ü.  Ä 
SiuUgaii  1877)  S37—44I  (»ehr  brauchbare,  ivartne  Darstellung);  K.  Grtit\ 
in  Eath.  St-hiceitirblätter  II  11860}  65 ff.,  137 ff.,  399 ff.;  i 
Mystik  im  Prtdigerorden  1861,  71ff.,  219ff.  3Q3ff.:  J.  Bach,  Meisler  i 
hart,  1S64,  164— 7U:  E.  Böhmer  in  OiwbrechU  Damaris  1S6B,  SSl—i 
L.  Karchtr,  H.  Suao,  Abhandiung  aber  Ort  und  Zeit  »einer  Geburt,  Fr 
Diot.'Arch.  111(1866)  187—320:  W.  Preger,  Vorarbeitet!  tu  einer  Geeelikk 
der  deutsche«  Mystik,  ZtHschr.f.  historische  Theologie  1869,  HS — 37  (kritiii 
Unttrsuchutiu  der  Lebmsdaten) :  dtrs.,  Gesch.  der  deutschen  Mystik  II  (M 
309 — 415  (viel  wertcoÜta  Material  neben  manchem  Anfechtbaren,  vgl.  die  Krilä^ 
von  Strauch,  Afda  IX  (1883)  138— U,  und  Denifle,  Deutsche  i»t-2 
1883,  201ff.);  Fr.  Btvan,  Three  friends  nf  God  (TauUr ,  Xikotami  v 
Basel,  Stiso),  London  1887,  301—88  (witsenschnfaich  wertlos  »nd  tmdsnäl^ 
Seh.  (Sehunr  ?;,  H.  Smto,  ein  Originalbild  diesem  grossen  schwäbischen  MystÜm 
Didt.-Arch.  von  Sehwahtn  III  (1886)  41,  4y  w.o.  (erbaulich,  kritisch  » 
A.  Baumgarlner  im  Kirchenlexikon  V  (1888)  1721—29;  Ph.  Sir 
in  Allff.  deutsche  Biographie  37  (1894)  169-  79  (treffliche  Zusammtnfam 
H.  Suao  the  MysHc,  in  Tht  Church  (^uaterty  Bet^eic  61  (1905t  164—81  fi 
unsugangliehj ;  Cohrs  in  Realeniyklop.  f.  prot.  Thtol.  XIX'  (1907)  173" 
(mat^elhaft).  Zu  vergleichen  sind  auch  die  Einleilungm  in  den  Äitsgt 
von  Denifle  und  Thiriol  (s.  u.l  und  die  (aber  nicht  vollatSndige  und 
verlntsigt)  AuffOhrung  dir  Literatur  bei  U,  Chevalier,  Bipertoirt  des  »tna 
hisl.  du  tnoyen^gr,  I  Bio-BibUogr.,  3.  id.  Paris  1906,  2101  f.  Auf  MH«m  IM 
beruht  ea,  uienn  Kobertiein,  Deutuchs  Nationallileratur  V*,  447  Jxm.  { 
und  Strauch  a.  a.  O.  179  eine  popvlSrr  Darstellung  de«  Lebens  Seuset  > 
Denifle  in  ,Jlte  und  Nine  WtW,  Einsiedeln  1883/4,  Heft  10  u,  11  angeben! 
handdl  sich  um  eine  kure»  Biographie  Heinrich  Seue»  Dtniftts. 

')  Der  Dominikaner  Joh.  Meyer  au»  Zürich  (1433— 8&),  eifriger  Samt 
und  fleisiiger  Chronist  seines  Ordens  —  über  ihn  jetzt  tusammenfassend  P.  Alht 
in  Ztitaehr.f.  Gesch.  des  Oberrheins  1898,  355—63;  1906,  504—10:  vgl.  Bild 
in  Freib.  Diöe.-Arch.  1906,  391  f.  —  weiss  an  verschiedenen  Stellen,  ko  er  t 
Stute  spricht,  so  im  ,Chronicon  df  Praedicatoribus'  (Mone,  QueUensammtung 
3311.  im  ,Libm-  de  illustribus  niris  ordinis  fr.  Fraedicat.  (d)d.  II,  157),  \ 
,J.tbm  da-  33  ernten  Meister  de»  Predigerorden^  (Adel/tauser  Sammitband 
Frtdiurgtr  Stadtarchiv  Bt.  303,  nach  gütiger  Mitteilung  von  Herrn  ArcM 
Dr.  P.  Albert),  und  in  der  Vorrede  der  Töaser  Viten  (ed.  Vetter  4  ff.),  mj 
uie  nichts  tu  berichten,  leas  er  nicht  aus  Seuses  Schriften  geschöpft  haben  h 


Geburtiijahr  aud  -Ort,  Ahgtaramnng. 


65* 


4if  Vrkutidrn  uiui  Bächetve/iäUe  dir  Ktöstrr^),  in  denen  er 
find  durch  die  Ungunst  der  Zeit  fast  ganz  verloren  gegangen. 
wrf  wir  zur  ErvifrMuj  der  Lebensdaten  Semes  in  der  Haupt- 
\  au/ seine  eigenen  Schriften  angewiesen,  die  nher  weit  mehr  liae 
t  Seelenleben  als  die  äusseren  Umstände  beiUcksichÜgen,  und 
,  hm  dem  Mangel  einer  streng  chronologisckett  Ordnung  nur 
t  sichere  AithiUtspunkte  Ineleti,  Da  und  dort,  nnmentlivh  in 
Vorrede  zur  Ümckaungahe  von  1512  und  Im  den  nur  mit  Vor- 
2u  benutzenden  Hngiagrapheii  M iirer  und  Steill,  ßtukn  sich 
ergänzende  Sotiscn. 

use  erzäiill  selbst  (  Vita  44,4  f.),  dass  er  am  St.  Benedifctm- 
'Hl,  März)  in  ,diese  elende  Welt'  geboren  norden  sei;  das  Jahr 
wir  nicht.  Die  Attsic/Uen  der  Neueren,  um  von  äUeren, 
\ren  Meinungen'^)  abzusehen,  schwanken  zwischen  1295^)  and 
!■*},  beide  Zahlen  rund  genommen.  Der  erstem  Ajisatz  hat  mehr 
Peinlichkeit  für  »ich,  das  ergibt  sich  aus  Bücksehlüssen  aus 
I  datierbriren  Ereignissen  in  Üeuses  Leben'").  Wenn  er,  irie 
r  gezeigt  werden  soll,  um  1324  nach  KiUn  übersiedelte  und  um 
e  Zeit  durch  Eckhart  von  seinen  quälenden  Zfeeifeln,  die  nach 
r Bekehrung  (im  IS.  Jahre,  vgl.  8,4  f.)  gegen  Kl  Jahre  gedauert 
l  (63,2),  befreit  wurde,  so  werden  wir  ungefähr  1295  ala  Ge- 
fahr anzunehmen   haben ;    doch   nind  l^if  Jahre  Spielraum  zu 


>)  Du*  Aiciiio  de»  Sonilamfr  Prrdigcri-lositrs  iar  in  den  lie/oitnaliniis- 
n  («I.  15'/7>  rrriorin  gegangen   (vgl.  MoHt,  (^wllrnnaiamluitg  IV,  äSt): 

■  SitUolheh  jinden  »ich  Sparen  nach  in  äett  tieanMiger  Jahren  de»  19.  Jh. 
,roB  Zeppelin  in  Sthrifttn  dea  Verein»/.  Gmch.  die  Bodeaetea  FI,S4i. 

■  iit  nur  da»  Kopialbueh  dt»  l'redigerklonUr»  erhalten  {im  Siadiarchir), 
tr  Seu»ai  Nam:n  mu  »einen  Lthttiten  nicht   nrnnt    legi.  Kornbtck   in 

de»  Vereins  /.  Xuiiat  u.  Allerlum  in  Ulm  n/id  (Iherschteahen  WHI, 
W. 
1  Lärrarhi»torikef  wie  Altamura,  Bellarmin,  Dupin,  Care  u.a. 
I  St»**»  l'od  Irits  um  mos  a«  und  lanttn  Ihn  schon  1323  mit  Thoma» 
l)Mn  tur  Kaniinitation  ttnrgtachktgen  merden,  teil»  rricken  »ie  ihn  Aber 
Xach  ttHer  handuchrifÜichen  Noiit  von  1516  in  ejnn'  Ausgabe, 
i^ienbroek  /vgl  »ein  Sueo  lt<  A  li  heia»»,  wäre  tr  »chm  ISf^)  gehören. 
*SSo   Weyeimann,  Vulkmaun,    Frtgfr,  Jlenifte  (Seuet  XIII: 

)  tSSfd  und  laoO-':  Da»  geifiÜ.  Leben   XXI:  ..um   1396"),  Sethtig. 
»)  Mmrtr,  stein,   (Juilif  und  Kehard,  Schmidt,  Bf.hringfr, 
k,  Kareher.  Vttttr.  Strauch. 

)  Die  Vtrruoke  l'regtr»,  Vt/rarbtitm  IHff.,  avu  der  Abfa»tungSMtit 
r  Scheißen  auf  da»  Gebartnja/^  Sea»ei<  tu  .leliltrxsen,  sind  hinfiUti//, 
fc  Jim«  Thitierttngen  al»  unriehtig  rnnriae». 

;  lUntitbc  äcUilliL'D.  5' 


lassen  (wohl  1293 — 95).  Damit  stimmt  dann  auch,  wenn  Murer^)  thi 
1365  (richtiger  1366)  im  Alter  von  70  Jahren,  Joh,  Meyer^  ,ga 
alt  an  den  Jahren^  sterbest  lässt,  und  eine  Notiz  aus  dem  15.  Jh 
in  Clm  15312  Bl.  84"*  besagt:   decrepitas  obiit  anno  domini  1366 

Die  Frage  fiach  Seuses  Geburtsort^)  hängt  enge  mit  dei 
nach  seiner  Abstammmig  ztisammen.  In  dsr  Vorrede  der  Druck 
ausgäbe  von  1512 f.  i*  ist  benchtet,  er  habe  eigentlich  Heinricl 
von  Berg  geheissen,  sein  Vater  sei  ein  adeliger  Herr  von  Berg  im 
Hegau  gewesen,  seine  Mutter,  deren  Namen  er  selbst  aus  Verehrwij 
für  sie  annahm,  hiess  Seüsserin,  Murer*)  und  St  ei  11^)  wissen  «ä 
erzählen:  um  da^  Jahr  1295  vennählte  sich  ein  Herr  von  Berg  odn 
Berger  aus  Konstanz  mit  einem  Fräulein  von  Saussen  aus  Überlingaif 
beide  aus  altefn  und  vor^iehtnem  Geschlecht;  um  130()  wurde  ik 
berühmter  Sohn  geboren  y  der  in  der  Taufe  den  Namen  HeinriA 
erhielt.  Darüber  hinaus  erfahren  wir  bei  späteren  Schriftsteilem*) 
nichts  weiteres  von  Belang. 

Obwohl  die  angefnJD'ten  Nachrichten  ziemlich  spät  sind,  so  darf 
doch  wohl  die  überei)istimmende  Angabe,  d^4is  Seuse  aus  elftem  adeligen 
Geschlecht  von  Berg  stamme  und  dass  seine  Mutter  eine  gebürtige  Stu 
oder  Süs  (so  die  ältere  alemannische  Namensform)  war,  für  glauh 
würdig  gelten.  Zweifelhaft  aber  bleibt,  ob  der  Wohnsitz  der  Elten 
und  Geburtsort  des  Sohnes  Konstanz  oder  Überlingen  ist.  Von  dei 
zahlreichen  adeligen  Geschlechtern  von  Berg,  die  im  13.  und  14.  Jh 
in  Schwaben  und  in   der  Schweiz   a massig   waren'^,   ist  am  ehestem 


^)  Helvetia  s,  346.  Die  Zahl  70  ist  jedoch  mit  Rücksicht  auf  Ps.  89,  i 
nicht  zu  pressen.  Ein  lap»u8  memoriae  ist  es,  wenn  Murer  315  Seuse  äH 
um  13(X)  geboren  sein  lässt.  P reger,  Vorarbeiten  128  meint^  er  habe  die  Zal 
1295  als  Geburtsjahr  in  einer  alten  Quelle  gefunden, 

^  Kurze  Chronik  des  Predigerordens,  Tübinger  UniversiiätsbibliMSi 
Ifs.  Md  456  des  15.  Jh.  (aus  Ineigkofen;  s.  obeti  S,  li^  A,  1), 

^)  Ich  habe  über  Seuses  Abstammung  und  Geburtsort  ausführiieh  « 
Hist.'pol.  Blmei'  ISO  (1902  II)  46—58,  106—17  gehandelt;  hier  eine  kitri 
Zusammenfassung  mit  einigen  Nachtrögen. 

')  Helvetia  s.  315. 

^)  Ephemerides  I,  146,  Steill  fügt  am  Schlüsse  hinzu:  Haec  ex  M8 
Antiq.  Adelhus.,  was  sich  wahrscheinlich  auf  eine  (jetzt  verlorene  ?)  Schrift  h 
,Joh.  Sieger,  der  zu  Adelhausen  lebte,  bezieht. 

")  So  bei  Surius  in  der  Votrede  seiner  lateinischen  Übersetzung  Seusti 
li u celinus,  Constantia  lihena na  1667,  280 :  Quetif  et  Kchard I,  663  tm 

')  So  in  Württemberg  rw  Berg  ()A.  Ehingen,  Ravensburg,  Tettnang^  \ 
der  Schweiz  zu  Berg  am  Irchel,  bei  Arbon  und  bei  Weinfelden,  Im  He§i 
—  von   den    Grafen   von   Heiligenberg,  die  Sevin,  Kaiset*  Baibarts  J^^nrnh 


Ctljurtajtthr  und  -Ort,  AbBiaramung'.  67* 

m  dm  Konsttime.r  Patriziergescklecht  von  Berg  zu  denken, 
Ihar  Herren  van  Berg  »mxen,  wie  es  scfifint,  ursprünglich  nla  Mini- 
tkrtalen  das  Biacho/s  con  Konstanz  zu  Burg  bei  Weinfelden  im 
Kanton  Thurgau,  nach  d«r  Mitte  d&<  18.  Jh.  aber  zog  Ulrich  von 
Birg  wie  manche  andere  LaiidfdeUent«  in  die  Stadt,  Aitgehünge 
dt»  üeschlechlcs    .ipietcn    in  der  grossen   Xniiftheire<jung   des  14.  Jh. 


EMiagm  I900,  71  ohit  Oiimd  mit  Satte  in  B*sithung  brint/l,  wird  ahm- 
n  —  ui%d  in  VbrrlUigtn  ilasl  nich  ein  adeligts  Gtachlechl  von  Berg 
■htceUrn.  —  Nach  *w«i  BerielUfa  au«  dem  Hominikanerordensarchiv 
teelche  der  Rtgmaliurgtr  Predigtrkonvent  im  18.  Jh.  (den  einen  1TÖ4, 
im  nndrm  venig  früher)  an  den  Ordensgeneral  beew.  an  dag  Gmrralkapiiel 
röfftnlticM  in  Analecla  Ordinis  Pratdieatoram  Vlll  [19001  "ÖIp  flSfi; 
inungin  ZtiUthr.f.  kath.  Thtol.  1H03,  3GU  Jf./,  würde  Seufr  von  einem  Gitt/m- 
pKÜtcht  ron  Brrg  und  Saasaiberg  abstammen.  Es  wird  nlimlieh  darin  gesagt, 
Valer  Seuats  (UeoricaB  comeB  de  Monte  el  Sanaeaberir,  quibasdam  Subu 
I  Jährt  1300  am  Tage  des  Apostels  Thiimag  (Sl.  fJez.l  gtslorben  und 
>»  Kraugaag  des  llegensburger  Kloster»  begrabm,  die  i'htrreste  aber  IIJUO  in 
ti  lagen.  Alf>trt<i»taptllt  älierlragen  und  in  einem  Grabe  mit  dem  bekannten 
ner  Joh.  HeroU  {f  1468)  bestattet  wordm  sein.  An  einer  benachbarten 
Unk  habe  man  eine  Intehn/t  (nicht  mehr  erhalten)  mit  einer  Notit  über  die 
Teten  angebracht.  Ich  glaube  nicht,  dass  mit  diesem  sehr  sjiSlen  Ziugnia 
*fmJ  »hro«  antu/angen  ist.  Es  steht  mit  dem  Prolog  der  Ausgabe  vim  1&12 
iwJ  anderen  Berichten  durchaus  im  Widerspruch.  Schon  das  Datum  1300 
Tietl  Misatrauen,  dsnn  damals  var  tlruse,  dem  der  Vater  nach  seinem  Tode 
•ndHnwN  sein  soll  (Vita  23,  :iiff.).  erst  ein  jiaar  Jahre  all.  .S'tine  Jr'amiiir 
(rtiTri*  auch  scha-eriieh  dem  Hoehadtt  an.  Es  gah  femer  gar  kein  Grafen- 
pifUtda  ,rim  Berg  und  Saustnhei'g' :  die  Burg  .Sausenberg  (ä^ji  Std.  südwestlich 
"*  Xidlheim  im  Breisgau)  var  im  Jksilte  der  Markgri^rn  ron  Baden-Hach- 
•"P  <ad  eist  1306  nannte  sich  ein  Zu>eig  des  Geschlechtes  infolge  Teilung  de» 
imiia  Haehberg-Sausenherg  wler  Hachberg-Röttel-n  (s.  die  Hegesten  der  Mark- 
Ftfat  em  Sadm  und  Hachbrrg,  I  bearbeitet  von  R.  Fester  l'MO,  h  SOff. 
iililer  ton  Knobiach,  Ohrrbadisches  Oesehlechtrrlmeh  I  [18981  504f.). 
i*i^tinl  gunt,  als  ob  jene  Nachitchl  durch  einen  findige«  Gehhrten  aus  dem 
^emn  Sausrnhtrg  (Susrnberg  ss  Borg  des  8uso,  vgl.  A,  Soein,  Mhd.  Namen- 
*"*  taiia,  imi:  Krieger,  Topograjih.  Wlbch.  von  Baden  II',  7.*»Jfl  heraus 
i"i/iiiüen  trorden  irär*.  Maji  mag  auch  die  Vermutung  wagen,  dass  Markgraf 
Situich  II  enn  Hachltry,  der  um  1333  in  den  Veulschorden  trat  und  1300, 
>Hf  uw,  starb  (rgl.  I-'esler  a.a.O. h  11,  94)  im  Regrnshurger  Dominikaner- 
bestatlet  aurde  und  dass  sein  Grab  spHltr  Anläse  eu  jener  Legende 
f''.  Hier  »'i  ange/figl,  dass  dax  neue  Material,  das  Denifle  «ach  einer 
Uäteümg  Strauchs  in  Dcutuch'  Lit.-Ztg.  tSHl,  64:  Afda  IS,  143:  Allg. 
dMi.  Biogr.  ä7,  V9  aufgefunden  haben  soUtt,  sieh,  wie  er  mir  selbst  1901 
if  die  '•bmgenaniilc'i,  in  ihrer  Bedeutung  anfangs  «ehr  ithersehätilen 
itiehtt  b'schrSiikt, 


()8*  EinleituDg.   IS,    Seuses  Leben  und  Werke. 

zu  Konstanz  wiederholt   eim   Rolle^).     Konrad  dictus   Tuchscherer 
de  Beryey   1286   bezeugt'^),   war   vielleicht  Seuses  Vater,  —  manche 
Patrizier  verschmähten  es  nicht,  ein  vornehmeres  Handwerk,  wie  das 
der   Tuchmacher,   hezw.    Tuchhandel   zu   betreiben.     In  Ulrich   ton 
Berff,   Chorherr  bei  St  Johann  in  Ko7istanz,   der  1298,  1301  und 
13()7  urkundet  ^),  dürfen  wir  wohl  einen  Olieim  des  Mystikers  seheti  *). 
Damit  ist  mm  auch  mit  ziemlicher  Wahrscheinlichkeit  gegebeUf 
dass  Seuse  selbst  in  Kofistanz  geboren  ist.    Das  älteste  Zeugnis,  das 
wir  besitzen,    die  Unterschrift  des  oben  S,  62*  beschriebenen  Ulmer 
Holzschnitts  von  ca.  1470  besagt  deutlich:    hainrich  fÜ8  ze  costents 
geborn    am    bodmersee.      Im   Ernste    kann    wohl   nur    Überlingen 
Konstanz  die  Ehre,  Geburtsort  Seuses  zu  sein,  streitig  machen,  und 
in  dsr  Tai  haben  nicht   wenige,    nachdem  früher  Konstanz  in  der 
Vorderhand  gewesen  war,  den  eingehenden  Darlegungen  Kärchers^ 
folgend,   wenn  auch   teilweise   mit   Reserve,   sich  für  erstere  Stadt 
entschieden  ^).    Doch  sind  die  Beweise  schicerlich  stichhaltig,    Kdrcher 
legt  mangels  älterer  Nachrichten  das  Hauptgewicht  auf  das  fiegatwe, 
bereits  als  unhaltbar  nachgewiesene  Moment,   dass  sich  in  Konstanz 
kein  Geschlecht  von  Berg  nachweisen  lasse,  ferner  auf  drei  in  Dheat' 
lingen  aufbewahrte  Seusejwrträts,  welche  die  Aufschrift  treten,  dass 
der  Dargestellte  ebendort  (um  1300)  geboren  sei,  und  auf  die  Lokal' 

*)  *SVi7  1:^70  öfters  in  Konstanz  urkunäUch  bezeugt;  vgL  die  Zusammen 
stellang  in  Hist.-pol.  Bl.  a,  a.  O.  51  ff.,  56  ff.  und  dazu  Reg.  ep.  Conet  U 
n.  5S14,  6032  (1363  und  1367  Konrad  von  Berg),  n.  6317  (Johann  vm  Btr§ 
[de  Monte],  KUriker,  öffentlicher  kaiserlicher  Notar),  n.  6440,  6441  (tST* 
Bruder  Uuhert  von  Berg  [de  Monte],  ep.  Hossensis,  Weihbischof  Heinrichs  lÜ 
von  Konstanz).  Nicht  hieher  werden  gehören :  f rater  Johannes  de  Berg  eoncersm 
(1319)  und  F.  Thomas  de  Bergen  (1361),  beide  im  Necrologium  des  l^Veiburger 
Dominikanerklosters   verzeichnet  (Freib.  Diöz.-Arch.  XVI,  42). 

2)  Württemb.  ÜB  IX,  79;  Fürstenb.  ÜB  V,  198:  K.  Beyerle,  Die 
Konstanzer  Ratslisten  1898,  63 f.  Das  Haus  derer  von  Berg  lag  (1360)  in  der 
Paulsgasse  und  hiess  ,zur  Taschen^,  vgl.  K,  Beyerle,  Grunde igentumsverhäU' 
nisse  im  mittelnlterl.  Konstanz  II  (1902)  375 f.;  Marmor,  GeschichÜ.  Toitf 
graphie  von  Konslam  1860.  180, 

»)  Cod.  diplom.  Salem.  II,  638;  III,  129;  Reg.  Ep.  Const.  II  n.  3208,3219: 
Freib.  Diöz.-Archio  1903.  137  f.  In  der  Urkunde  von  1301  werden  sein  V4r- 
storbener  Vater  Marguard,  seine  Mutter  Mechthüd  und  seine  Schwester  Mar^ 
fjnreta  genannt, 

*)  Dies  ist  auch  die  Ansicht  Beyer les,  Freib.  Diöz.- Archiv  1903,137^ 

'')  S.  den  oben  S.  63*  Anm.  1  zitierten  Aufsatz;  vorher  schon  tfhnlich  im 
Freib.  kath.  Kirchmhlatt  1866,  362 f.,  371f.,  381  f. 

')  So  nnmentUvh  Denifle,  Preger,  Strauch. 


Geburtsjahr  um!  -Ort,  Äbstauiuiunt-, 


69* 


ition,    iBflche  das  Haus  Nr.  493  in  der  nett  1HS9  no  (/mannten 
ftisitt  tils  sein  Geburtshaus  beseichne.    AHein  jene  Bilder  yehüren 
I  18„  frühestens  17,  Jh.  an  und  haben  somit  ganz  ijeHnge  Auk- 
die  Trndilion  aber  für  da«   angebliche  SusohauH  '),  (Ais  eor 
Jnhren  mit  Hilfe  der  bndischen  BegieruHy  pietätcoU  rentouriert 
und  immerhin  eine  Sehenswürdigkeit  der  Stadt  bildet,  ist  mit 
'heil   kfinnt    über  100  Jahre  zurück  zu  rerfolgen,  ja  ihr   Vcr- 

wird  von  Serin')  ganz  in  Abrede  gestellt. 

Es  fileibt  aber,  wenn  auch  Seuse  selbst  allem  nach  zu  Konstanz 

ift,  doch  die  Möglichkeit  offen,  dass  Seuses  Mutter  aus  Übcr- 

%m  ttammief  wie  auch  Murer  und,  Steitl  berichten.     Dann  würde 

'id  um  ungezwungendateu  erklären,  ivit  man  dazu  kam,  Üherlingen  alx 

tat  Beuses,    der   »ich   nicht   nach   dem    Vater,   sondern  tiach  der 

irr  nannte,   zu  hezachnen.     Zicnr   lässt  sich   der   Familieniuime 

Säs')  im  späteren  Mittelalter  in  den  Gegenden  am  Bodensee  und 

•\  Näherei  Hüit.-p'A.  BL  a.  a.  O.  113f.    Das  im  ällfutea  Teilt  Überlingens 

me  Uavis  knnn  nach  dem  Urtril  Sachverst/Indiifer  aeintm  Kerne  nach  xoht 

lai  U.  Jh.  stifilclireichm :  vgl.   F.  H.  Sraug,  Sunstdenktnäler  des  ffrOMS' 

^UDM  Bndea  I  (IBüT)  666f.:  H.  Sfviii ,   (''hm-linger  Häutrrlmeh  1890,  HO. 

't  Kaiser  llntbarls  Kronhof  72. 

'l  Ihr  illttren  H$s.,    leetehe  dtm   aUmaniiischea  Sprachgebiet   angehören, 

ilifH  durchtreg  Stt»,  Sfise,  orfer  auch  SnB(ei,  Heinrieh  von  ^iirdiingtii:  Jer 

I  iSirauth,   M.  Eimer  XXXI,  22)    und  der  Süsse   lLI,S6f.).     Dem  Süsn 

riciu  in  aekie'lbiseiirhayrisehtr  Mundart  Sense,  dem  Siis  —  Satis.     Erstere 

I  in  heanudera   durch  die  Augsburger  Ausgabe  von   1483  verbreitet  leoi'den 

durch  henifie   mieder  in  Aufnahme  gelirimmen;    Saeo   isl   das   latinisierte 

und   homml   schon    im   14.  J/i.  vtir   (sti   in   dem   später   su   trwälinenden 

eon  13fi6i.     Her  Personenname  Sa»  (siis,)  scheint  nach  Fnrstemanu, 

Uehes  yamenbaeh  J*  (1900)  1373  tu  dem  akd.  siisim,  staöa»,  «thd.  süsc», 

nhd.  sausen  tu  gehören;   ein  Susi)  findet  sieh  tuersl  im  U.  Jh.  iTradi- 

Carbsimses  ed.  Wigand  1843,  244).     Ebenso  pfiegie  auch  Ssase  selbst 

nwm  Kamen    ahtuUiten:   nach  dem  Prolog  von  lälS  —  die  Änekdnt«  scheint 

fhudiKttft  ülierüt/ert  —  munterlc  er  bei  «etn«n  Predigten  seine  Zuluirtr  und  sieh 

ulbri auf  mit  den  Worten:  Merckt  oaS,  Mona  der  sellM  will  seitascii,  oder:  Nu 

•oIm   iruax.   in    luflst   seüspu ;   wenn   er   das    l'o/t   strqfen   inolile,   sprach  er: 

th  laGn  d«r  seüas  »euBen,  daa  euch  die  orea  seUseu  j    oder,  tcenn  er  sich  nicht 

fitniiti,  itttan  SU  sagen:    Der  geÜBX  getar  da  nit  seäBep,      Vielleicht  liegt  auch 

X,31-  eüeeut  iil  in  di(^  Löhi  eine  derartige  Anspielung  vor.    Ohm  Grand 

SIeill,   Wegermann  und  Kär  eher  den  Samen  mit  dem  mhd.  siiet« 

vgl.  auch  die  Vbtrsehrift  der  Vita  7,1  «ach  M:  der  wnder 

Auf  einer  Veneechslang  von  G  und  S  scheint  es  tu  britthtn,  wenn  in 

'S.  oben  S,  8')  gey s,  und  hei  Zillard,  Kurte  Chronica  des  Uomini- 

I,  Jtütngtn  JÖ96,  47,b3  {dach  vergleic/ie  am  .fchlusse  die  Errata  und 


70^  Einleitung.    II.    Senses  Ijeben  und  Werke. 

Oberrhein  verschiedentlich  nachweinen  \  doch  scheint  auch  in  Übe\ 
lingen  eine  Familie  dieses  Namens  existiert  zu  haben,  d<(  sich  < 
einem  Anniversarienverzeichnis  des  dortigen  Pfarrarchivs  1523  et 
Jahrtag  für  Snsanna  SäseriD,  ihre  Vorfahren  und  Nachkommet 
notiert  findet^).  Kaum  wird  man,  tcie  Sevin  ( s.  oben  S,  66 
Anm.  7 )  will,  die  eine  halbe  Stunde  westlich  von  Überlingen  gelegen 
Sassen-  bezw.  Siessenmnhle  hier  hereinziehen  dürfen,  d<i  die  Ableitun* 
dieses  Natnens  ganz  unsicher  ist^). 

II.  Jugendzeit,  Eintritt  ins  Kloster,  Bekehrung. 

Die  Eltern  des  jungen  Heinrich  *)  von  Berg  waren,  tcie  er  sdbsi 
erzählt  (2H,21ff,,  142,17  ff.),  sehr  ungleichen  Charakters;  schrofft 
Gegensätze  standen   einander  gegenüber,    wie   wir   es  im  Mitteklttt 


Strauch,  M.  Ebner  364)  Geiss  geschrieben  ist;  es  ist  aber  auch  möglich,  dm 
eine  Konfundiei'ung  mit  dem  Wiener  Professor  und  I>r.  tfieoh  Johannes  Gtva^ 
(Geiz)^  f  1440,  vorliegt,  der  verschiedene  asketische  Schriften  verfassie  (die  Hti 
721  und  756  in  Giessen  enthalten  Collationes  super  Ave  Maria  und  Sermwii 
von  ihm). 

>)  So  in  Wil  hei  St,  Gallen  (St.  Galler  ÜB  III,  360,426  [1320  des  Süsei 
mtili/;  IV y  663),  in  Strassburg  (vgl,  Anm,  zu  74,2)  und  Basel  (Suser,  ÜB  III 
142 f,;  IV,  173,261):  vgl,  auch  Socin  a.  a.  0.  443,  Über  die  in  einem  Brie) 
Heinrichs  von  Nördlingen  (Strauch  XXIX,  37 f.)  vorkommende  Sussin  ze  Hoch 
stetton  vgl.  die  Anm,  zu  74,2. 

*)  Genaueres  Hist,'pol.  Bl.  a,  a.  (),  109  Anm.  2. 

•'•)  Von  einem  Personennamen  Sns,  oder  von  ahd,  siosza,  Weidepiais 
Vgl,  Bück,  Oberdtsch.  Flurnamen  1880,  269:  ders.  in  Schriften  d.  Ver, , 
Gesch.  d.  Bodensees  XI,  113;  Krieger  a.  a.  O.  1132, 

*)  Schwerlich  echt  ist  der  Name  Johannes,  der  sich  in  manchen  Hs 
des  Hör.  (so  in  Clm  18608,  18737:  Cod.  Mdlic.  106  usw,)  und  namentlit 
in  den  Hss.  der  altfranzösischen  Übersetzung  dieser  Schrift  ( (juetif  ei  Kchard 
653:  Theol.  Stud.  und  Krit,  1843,  852),  dagegen  nur  ganz  vereinzelt  i 
deutlichen  Hss.  (s,  oben  S.  6*:  vgl.  S.  69^  Anm.  3)  findet,  -  -  Der  Naf 
Aman d US,  ,Liebetraut^  oder  ,Herzentr(iut^  (vgl,  140,7),  ist  nicht,  iß 
vielfach  geschieht  (K drehe r  206:  Vetter  21:  Strauch  169  usw.)  fl* 
Klostei'name  aufzufassen  —  die  Dominikaner  pflegten  damals  bei  der  Profe* 
den  Namen  nicht  zu  ändern,  —  sondet^i  gncissermassen  als  Seuses  nom  de  guen 
als  Mystiker,  deti  er  nach  seiner  Erzählung  in  der  Jugend  von  der  ewigf 
Weisheit  selbst  erhielt  (Hör.  216:  in  ea  vinionis  gratia  quodam  novo  et  mystic 
nomine  ab  ipsa  [Sapieutia]  vocatus  frater  Amandus;  vgl.  tbd.  17,222),  Es  wät 
sonst  nicht  zu  erklären,  dnss  der  Xam*'  weder  in  einvr  deutschen  Hs,,  7wchh 
Heinrich  von  Nördlingen  oder  Joh.  Meyer  oder  in  iSeuses  Epitaph  vorkomm 
somiern  nur  in  zahlreichen  Hss.  des  Hör,  (vgl,  Strange  o;  Quetif  ei  Echard 
653,   656 f.:    Clm   7819,    14604  usw.):    düae  achövften    ihn    eben    ein f eich  a\ 


Ja  gen  (i /dt,  Einlvitl  ii 


,  Bekehrung. 


71* 


4   selten   antreffen  ')■     Der   Vater   irnr  durchaus  ueltlich  gesinnt, 

Mutter   (Uigegen  eine   ,heiliije'  Frau,    ,m't  deren  Herz  und  Leih 

Wunder')   wirkte   bei  ihrem  Lehen';   sie  imr  .voll  Gottes'  und 

gerne   darnach  .heilig*,   d.  h.  ihren   Übungen  der  Frömmigkeit 

Askese   i/etebl,   ollein   des   Mannes   rauhe   Gemütsart   war   dem 

«hgrneigl,  und  so  ßel  ihr  manches  Leiden  su ;  sie  war  ,nlle  ihre  Tage 

title  grosse  Leiderin'.     Beide   Eltern   starben    wohl,    ehe   der  Sohn, 

m   dem   nur  noch  con  einer  Tochter'),  die  Klosterfrau  war,   die 

k  ist  (70,17  ff.ß,  das  rolle  Manttesalter  erreicht  hatte.     Auf  aeinen 

/•l  und  Charakter  hat  die  Mutter  massgebenden  Einflua»  ausgeübt; 

übermächtige  religiöse  Gefühl,  das  die  edle  Frau  einst  ,minnesiech'  *) 

•.hie   und  um  Karfreitag    vor   Teilnahme  an  den  Leiden  dts  Ge- 

vagteti  »terben  Hess,   das  lieheswarme,   weiche  und  sinnige  Gemüt 

dem  Zug  ins  Elegische  ist  als  ihr  Erbteil  auf  ihn  äbergeganffen. 

\'thl  glaublich   ist   es   daher,    wenn   berichtet   wird"),    er   habe  sich 

ttr  nach  der  Mutter  Geschlecht  genannt;  schon  1338  hezw.  1347 

«t  ihti   Heinrich   von  NördNngen  '^   schlechtweij  ,den  Süssen',  und 

tr  dem  Stichwort  .der  Siine'  ging  später  die   Vita  (vgl.  7,1)  hesir. 

Exemplar  in  die   H'elt. 

Den  con  Jugend  mf  kränklichen  (56,16  f.,  280,1  f.,  Hör.  ff3, 

<J  Knaben,  der  wohl  für  einen  uvltlichen  Beruf  nicht  recht  taitgen 

■Jite  (vgl.  146,11),  bestimmten  die  Eltern  für  das  geistliche  Leben 

I  hrachten    ihn   im  Älter   von   13  Jahren    den    Domimkanem    in 

Iwftans  als  Novizen.     l>as  idyllisch    am  Aasßiiss  des  Rheins  ans 


tlr.T  dts  Hör.,  trie  auch  r.  B.  Xolür«  nm  .Sc/.hisw  des  ß-ifhes  in  Cht 
Blind  13375  draÜieh  seilten,  liiuittrtß'end  ixl  es,  irenit  der  Frolog  von 
l!  tagt,  Staat  habt  den  Namen  Amandi*»  liti  Lebetiieit  geheim  gehalten,  tirr- 
^  tdtrst  nach  Htintm  Tode  in  aeinrn  Offenbarungen  gründen  wurdrn.  Abtr 
Ittnd  ja  in  dem  1334  publüierte»  Horotiigium!  £in  B'iminikaner  Amandas 
12X  (BaaUr  ÜB  III,  1511  u.  13113  iah  Pruvintiai  von  Tciil.mi»,  vgl. 
'Ijf'r,   Vorarbeiten  3(l>  btitugt. 

')  Ein  inUreetaTitta  Bcispitl  m-tählt  Stiine  Hm:  llii. 
■}  Das   Wart    wuuder   (24,4)   ist   nicht   biichnläblieh   tu  fansen,   snuilern 
iU  «hA   a^r  daa  14S,3S  ff.  trtfihlle  Vorkommnis  (vgl.  auch  i/7,4.  Iü2,4>. 
*J  Murer  315  »piHcht  viin  mthriren  Kindern,  schwerlich  als  suverl listiger 


*)  Gant  daisttbe  wird 

Iff.l  und  nott  ElieabHh  n 

•)  Pnu(oj  dl»  Druckes  i 

■)  IMtge  obtn  S.  tiä'  A 


von    lUli    eoa  Sure-  in   Tim  (Vit- 
1  Ksalingen  lu  Wiitr  ertähll. 


ed.   y-llir 


72*  Einleitung.    II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

dem  Bodensee  gelegene  InselUosfer^)   (vgl.  48ßf,)   war  foiHan  die 
längste  Zeit  seines  Lebens  seine  Heimat,  und  die  Handschriften  des 
Hör,  ^^)   bezeichnen   ihn   mit  dem  offiziellen  Titel  als  frater  Henricus 
Su8o    (bezw,   fr.   Amandas)    ordinis   praedicatoram   conventas  (oder 
domuB)  ConBtantiensis.    Der  Predigerorden  stand  damals  in  Deutsch- 
land auf  dem  Höhepunkt  seines  Ansehens  und  seiner  Ejcjfansivkrafif 
und  übte  als  der  vornehmere,  die  Wissenschaft  ex  profes>o  pflegende 
Zweig   der  Bettelorden  auf  die  Söhne  adeliger  Familien  immer  fuxA 
eine  nicht  geringe  Anziehung  aus'^;   im  Innern  des  Ordens  ßtilich 
begann  die  ursprüngliche  Zucht,  welche  fast  das  gatize  13.  Jh.  stand- 
gehalten hatte,  sich  zu  lockern,  und  es  zeigten  sich  manche  bedenkliche 
Spuren    des  Niedergangs.      Das  Konstanzer  Kloster   machte  hierin 
keine  Ausnahme*).    Es  hat  Sense  später  bittere  Seelenpein  verursaehtf 
als  ihm  gesagt  wurde,  seine  Kitern  hätten  bei  Gelegenheit  seiner  Auf- 
nahme ins   Kloster,    die   sonst   nicht    vor  dem  15.  Jahre  geschehe* 
durfte,  ein  grösseres  Geschenk  gemacht  (62,23 ff.,  vgl.  die  Anm.  dazuh 
Wir  wissen  nicht,  ob  dabei  wirklich  eine  Unordnung  vorkam  —  der 
Kontext  spricht  schwerlich    dafür,   —  jedenfalls  aber  spiegelte  sein» 
aufgeregte  Seele  ihm  vor,  es  sei  Simonie  gewesen,   und  er  litt  gegem 
zehn    Jahre   schwer  darunter,    bis   ihn   Meister   Eckhart   durch  rer- 
niinftige  Belehrung  von  seinen  Skrupeln  befreite. 

Die  ersten  fünf  Jahre  des  Klosterlebem  verflossen  ohne  eiit^ 
Aussergewöhnliches ;  wie  der  rückwärtsschauende  Asket  in  strenger^ 
wohl  allzu  strenger  Selbstbeurteilung  erzählt  (  Vita  8,4 ff. ;  Bdew  Kap.  1; 
Hör.  15  ff.  56)^  trug  er  zwar  ,geistlichen  Schein^  d.  h.  das  Orden»' 
gewandy  das  nach  aller  Anschauung ,  rechtlich  betrachtet,  an  sich 
schon  den  Mönchscharakter  verlieh  '*),  aber  sein  GetniU  blieb  ,vnr 
gesammelt*,  er  begnügte  sich  mit  dem  Geuöhnlichen,  ohne  sich  besondere 
sittliche  Anstrengungen  zuzumuten.  Doch  seine  ideal  angelegte  Nat^ 
fand  bei  dieser  Halbheit  auf  die  Dauer  kein  Genüge;  er  war  in 
seinem    Innern    stets    unruhig    und    unbefriedigt ,    ein    unbestinntite$ 

')  1^36  fjegrüudety    llbiCt   ron   Kaiser  Joseph  II  aufgehoben,  seit   Ibli 
JnselhoteV. 

-)   Vf/i.  oben  iS.  70*  Anm.  4. 

•')    Vf/i.  Fiiihe,   ViKjedruckti  Domiuikanerbrieft  des  13.  Jh.^lisOl,  10, 

*)  Vtß.  Vila  IfyJJfiJf.  Nö,:J3ß'.  Savh  Hör.  JJ  'jiugcn  manche  Mönche 
nach  dir  Noii  in  die  JStndi.  um  Bekannte  zu  besuchen :  die  discursus  iiiutiles 
evaiij^elizaTitiiiin  tadelt  ASeusc  scharf  ( l.  c.  174).  Weiteres  über  die  Zuatändt 
im  Predigerardvn  unter  B  L 

•')    1'///.  7.'.  Sc  her  er,  Kirchenrecht  11  {lüUl)  b03. 


Dirr  Dienst  der  ewigpn  WeislieiL  7 

«  und  Dürsten  noch  etwas  Qrossem,  das  die  gunse  Seele  aus- 
beutete ihn  iintihläs»iij  ').  Die  innere  Umwandlung,  ps^c/iolof/isch 
lange  vorbereitit,  pertlichtetf  fich  in  seinem  18.  Lebensjahre, 
vm  VHS"),  «14  dem  durchgreifenden  Entschlma  (der  geewinde 
6,14),  sein  Leben  forUm  ohne  Bückhnlt  in  ikn  Dienitt  OoUes 
<^tUtn.  Durch  einen  ,verbory0Hen  liehtreivhen  Zwj  mn  doH' 
I  er  «ich  märhtig  geHärkt,  durch  Kampf  und  Askese  hindurch 
der  .höchHen  Kumt  rechter  (Ifhssenheit'  (5.H,/lf.  J5 )  zii  ringen. 
er  führte  seinen  Vorsatz  aus,  ohieohl  dem  Anfänger  Zweifel 
flog  Gelingen  tntti  fremde  Einreden,  seihst  Spott,  nicht  erspart 
m  (8JilJf.  Hör.  IS  f.)  und  er  unter  seinen  Klostergenossen 
» ijieichgestit/imten  Freund  fand,  der  sein  Streben  hätte  unterstützen 
in  {9,äl>f.).  Mit  rfer  AbUgung  einer  Lebensbeichte  (43,13f. 
K/.>  begann  er  seine  ,Vita  nuova',  die  er  in  all  ihren  Phasen 
rückhaltloser  Offenheit    und    unnachahmlicher  Zitrtheit  schildert. 

III.  Der  Dienst  der  ewigen  Weisheit, 

Dir  Keligiosität  Senses  nach  seiner  DeMtrung  nalim  eine  ganz 
ni^ristische,  ihm  eigentilnUicIie  Ausprägung  an.  Wir  sehen  in 
n  Anfang  an  zwei  verschiedene,  sckeinliiir  sich  widersprechende 
ituHgen  neben  einander  herlauj'en:  die  gefühlmnässig-schuHinneriKche 
die  itxketifch  -selbs  Uf  ui'ile  r  euch  e. 

,Er  halle  von  Jugend  auf  ein  niiunereiches  Herz',  bekennt  er 
$ich  seibst.  (11.27,  vgl.  13,14  f..  Dar.  16).  Seiner  lebhafte» 
asie  genügte  es  aber  nicht,  Gott  nur  im  allgemeinen  als  das 
idrrdatf  und  Schünheit  sich  vorzustellen,  es  verlangte  ihn  nach 
R  Üymbol,  oder  bester  einer  Personißkation  der  göttlichen  Voll- 
ntuheiten,  die  ihm  greifbnr  nahetrelen  und  mit  der  er  in  Verkehr 
n  konnte.  Er  fand  diese  in  der  „ewigen  Weisheit".  In  seiner 
tfKap.  3)  und  noch  deutlicher  im  Hör.  (15  ff,)  berichtet  er,  wie 
I  dieser  Vorstellung  kam  und  welche  Entwicklungsstufen  sie  bei 
I  durchmachte.  Angeregt  von  dtn  ,Lihri  Sapientiales'  des  alten 
menles,  besonders  dem  Buch  der  Weisheit,  den  Sprüchen  Salomos 
Jem*  Sirach,    deren  Ausspräche  über  die  „ewige    Weisheit"  seit 

*)  tiif  Ertätilitiig  ti,iff.  rrinntrt  im  dirjenir/e  iler  hl.  Oertruil  im  I.rgalux 
m  pittatüt,  Hwlat.  Girtrud.  ac  Mtc/ithitd.  1  (W/ö)   103ß. 

*)  Unriehlig  Sirbtrg  136:  ..seine  Brkehru'ig  gesrliali  am  St.  Aiineslag% 
NO  31.  Jan.  V113~.  Abu  '»  ttanätll  sictt  hiei-  <  Vila  10.11  f.l  um  riiie 
1,   äif  ,tn  »einem  Anfanii',   d,  h.  in  ilrr  rrtttn   Zeil  nnch  der  Behthrung 


74*  Einleitung.    11.     SeuBug  Lebfii  iinil  Wt-rke. 

altera  von  der  Ideologischen  Spekulation  nicht  bloss  auf  die  Eiget 
•fchafUn  Gattes,  sondern  auf  eine  eigene  göttliche  Hgpostnse 
Logog,  gedeutet  und  in  der  kirchlichen  ägml/olik  und  Liturgie  du 
Mittelalters  vielfältig  in  diesetn  Sinne  eeruendet  wurden  (vgl.  oboi 
S.  51*  A.  2  u.  S.  CO*  A.  3),  fnsste  er  sie  zunächst  ganz  allgemein  oü 
den  Inbegriff  alles  Schönen  und  Liebenswürdigen,  iilentifiziertd  i 
aber  dann  fortschreitend  mit  dem  ,ausqmllendtn  Ursprung  der  blostm^ 
Gottheit'  (14,30  f.),  d.  h.  mit  dem  göttlivhen  Wesi-n  an  und  für 
darauf  konkret  mit  der  persönlichen,  menschgeu-vr denen  eiligen  K«V 
hat :  Christus,  ohne  jedoch  die  allgemeinere  Auffassung  ganz  aufsu* 
geben,  und  lässt  auch,  wie  es  in  der  Liturgie  geschalt  bezw.  gestAttHj 
die  Bezugnohne  auf  Maria  dann  und  wann  miteinfiiessen. 

Seine  Seele  rang  nach  bildlichem  Ausdruck  seiner  inneren  A\ 
Schonung  und  begehrte  die  Geliebte  zu  sehen;  sie  zeigte  sich  t 
wirklich  seinen  .inneren'  Augm  in  bedeutungsvollen,  der  hl.  8dt 
entnommenen  Bildern:  sie  leuchtete  wie  der  Morgenstern  und  s 
wie  die  aufgehende  Sonne,  bald  erschien  sie  ihm  als  schöne  Jungfru 
bald  alu  edler  Jüngling,  bald  als  weise  Meisterin,  bald  als  statlUd 
Minnerin,  und  sprach  zu  ihm  gütlich:  „Sohn,  gib  mir  dein  Hertf^ 
(14,10 ff.  Hör.  20 f.  57).  Die  Worte  Pavli  von  Christus  als  ,6(^ 
Kraß  und  Weisheit'  (l  Kor.  1,24),  ,in  dem  (die  Schätze  der  W^ 
heif  und  Wissenschaft  verborgen  sind'  (Kol.  3,3),  wiesen  ihn  t 
auf  die  zweite  göttliche  Person  hin,  durch  deren  leidend«  Mensehhü 
er  zur  Gottheit  vordringen  solle  (Hör.  21,25;  Bdew  203,6ff.).  / 
Sinnbild  der  eirigen  IVeisheit  iii  letzterem  Sinne  erschien  ihm  t 
Name  Jesus  (40<),2tiff.),  und  ihm  widmete  rr  einen  bis  ins  ktetH 
geregelten  Kult,  der  in  der  ,Brudcrschaft  der  ewigen  Weisheif  • 
weitere  Kreise  verbreitet  wurde  (Kap.  45;  393,8 ff.).  Ihineben  fük 
er  aber  doch  stets  die  Idee  der  ewigen  H'ei.'-heit  auf  ihren  Vrsprti 
und  Quellpunkt,  das  Wesen  Gottes  als  den  ,grundlosen  Abgrund  (a 
üartheit,  Schönheit,  Herienlust  und  Lieblichkeil'  (14,29 ff.  Hor.i 
zurück.  Einen  unauslöschlichen  Eindruck  machte  es  auf  ihn,  auf 
am  St.  Agnestog  erstmals  in  einer   Verzückung   rorubergehend  jt^ 


'l  Aus  dtr  iirilehtigrn  SrhiWcrung   der    Vita  Imt  Herdtr   den   Vm 
zu  Ktinmn  KChSntn  (itdkhU  „JMe  nniji-  Weükeif  (ahgedrueH  bfi  Diep.  Sl- 
•jriiommcH.    Eingehenden  f^ueUmnacliteeis  hat  H.  Kühler  grlirjirl  i 
<ltr  Kgt.  tächs.  (it»eÜachaft  dtr  Wies.'  168'.,  li>b—3i  (dtr  Au/sais  cnrnUit 
Kühl»»  Kinneren  Schriften  111  119001  1U7-31)  und  fettgteleUt,  das»  ifoi 

ds»   Urtext,   »ondem   Muin;    Hrheiia  >.  Sliiß.  ticniita    und  das  G«d 

verfemst  hat. 


Der  Dienst  der  ewigen  Weisheit.  75* 

Zustand  des  Sichselbstverlierens  und  der  mystischen  Einigung  mit 
fM  erlebte  (Kap,  2,  Hör.  22),  auf  den  alle  Mystik  hinzielt. 
Was  er  da  sah,  kann  er  nicht  beschreiben:  es  war  formlos  und 
weisdos*  —  die  Vision  war  also  mehr  eitie  intellektuelle  als  eine  bild- 
liche^) (vgl.  Hör.  22:  in  hoc  fontali  principio  nee  forma  erat  nee 
raateria)  —  und  doch  war  es  alles  Entzückens  voll;  er  konnte  nur 
^ch  selbst  vergessend  einstarren  in  den  glanzreichen  Widerschein  der 
(jottheit.  Als  die  Erscheinung  zu  Ende  war,  sank  er  erschöpft  wie 
ohnmächtig  zu  Boden,  seine  Seele  und  Ge^nüt  aber  waren  voll  ,himm- 
Men  Wunders',  und  latige  Zeit  blieb  ihnen  der  fühlbare  Eindruck 
iacon  *). 

Die  Liebe  zur  ewigen  Weisheit  ist  fortan  die  überirdische  Atmo- 
sphäre, in  der  Sense  schwebt,  „Diener  der  ewigen  Weisheit*^  die 
istAende  Bezeichnung,  die  er  sich  gibt.  Was  nur  je  irdische  Minne 
ff«  Lobsjyrüchen  erdenken  kann,  häuft  er  auf  dieselbe:  sie  ist  sein 
Herzeiitraut  (27,4.  140,7),  seines  Herzens  Kaiserin  (15,17),  sein 
fröhlicher  Ostertag,  des  Herzens  Sommerwonne,  seine  liebe  Stunde 
(37,1  f.,  Bdew  223,28  ff.,  Hör.  58  ff.),  mit  ihr  glaubt  er  sich  vermählt 
Vit  Franz  von  Assisi  mit  der  Armut  (vgl.  Hör.  217),  und  strömt 
rfm  Jubel  seines  Herzens  über  diese  Gnade  In  Worten  voll  stürmischer 
Begeisterung  aus  (Kap.  H;  Hör.  215  f.,  vgl.  P  reg  er  II,  362  f.).  Er 
v)idmi  ihr,  besonders  in  den  Tagen  seiner  ^blühenden  Jugend^  (110,4), 
^0  sein  Antlitz  noch  von  frischer,  blühende^'  Farbe  war  (110,14), 
änen  Dienst  voll  rührender  Zärtlichkeit  *^),  wie  es  ganz  seiner  poetisch- 
'^mantischen  Anlage,  seiner  ritterlicti-adeligen  Erziehung  entsprach, 
^^^d  fühlte  sich  darin  unaussprechlich  selig;  seifte  tägliche  Lebens- 
^rdnung,  seine  ,kindlichen  Andachten^  (110,3),  seine  Naturbetrachtung 
"nd  unter  diesen  Gesichtspunkt  eingestellt.  So  trenn  er  ein  neues 
^^^trnnd  anlegt,  oder  sich  zu  Ader  iässt  oder  die  Tonsur  erneuert 
i  110,4 — 25),  wenn  er  Lieder  singen  oder  Saitenspiel  erklingen  hört 
^^^}Sff,),  unterlässt  er  nicht  sie  zu  ,meineti'  und  um  ihren  Segen 
V«  hitten;  das  YV eltall  mit  allen  Geschöpfen  ruft  er  zu  ihrem  Lobe 
''"/(Sursom  eorda!  Kap,  i)).  Zu  Ehren  der  ewigen  Weisheit  reifasst 
^f  ein  eigenes  Gebetlein  lateinisch  und  deutsch  als  ,Morgengrtiss^ 
USfl2f,,  395,18  ff.),  dessen   \  er  breitung  er  sich  angelegen  sein  lässt, 

'j   Vgl.  Anm.  zu  34:2,:i()ff. 

*i  Zum  Vergleiche  ist  sehr  lehrreich  die  dichterisvh-sgmholische  Schilde- 
^ng  dtr  Ekstase  hei  liiehard  von  St.  Viktor,  Bvnjainin  Maior  IV,  ^3  (ange- 
M  bei  Krebs,  Meisler  Dietrich  /s.  Anm.  zu  328,17}  133  A,  4). 

^)  Ililbsdie  Schilderung  bei  Bö hr inger  304 — 6^. 


76*  Einleitung.    II.    Seuse«  Leben  nnd  Werke. 

f^etzt  sie  in  holder  Sjmlerei  als  Tischyenossen  vor  sich  hin,  dass  sie 
ihm  Speis  und  Trank  segtie  (Kap.  7)j   erbittet   con  ihr  am  Neujahr 
wie  die  Jünylinye  in  Schwaben  ein  Kränzleiyi  (Kap.  8),    und  setzt 
am  ersten  Mai  als  seinen  geistlichen  Maibaum  das  Kreuz  mit  allerlei 
lüumemier  geschmückt   (Kap.  12).     Er  lässt  sich   auch   die   eunge 
Weisheit  in  minniglicher  Gestalt,  tvie  sie  Himtnel  und  Erde  in  ihrer 
(wewalt  hat,  auf  Pergament  malen,  nimmt  das  Bild  mit  auf  d-ie  hohe 
Schule  nach  Köln  und  bringt  es  uneder  zurück  in  ,seine  Kapelle^ 
in  der  P redig erkir die  zu  Konstanz,  in  der  er  gewohnlich  seiner  An- 
dncht  pflegte  (103,14  ff.).     Wie  er  in  einem  eigenen  prächtigen  An- 
dachtsbuche,    dem   BiicIUein   der   ewigen    Weisheit,    das   Lob  seiner 
(reliebten  verkündete,   soll  später  Ertvähnung  finden.     Seine  Liehen- 
Inbrunst  ging  sogar  so  weit,   dass  er  einmal  in  seifier  Anfang«s^ 
mit  einem  eisernen  Griffel  sich  den  Namen  Jesus  als  bleibendes  Unlr 
zeichen   in   die  Brust  eiiigrub^),    ,gleichwie  weltliche  Liebhaber  dm 
Namen  ihrer  Dame  am  Kleide  tragen^;    unvertilgbar  blieb  er  da  Um 
zu  seinem  Tode,   nur  zwei  vertrauten  Frewnden   und  Elsbeth  Stagd 
offenbarte  er  d<t^  Geheimnis  (Kap.  4;  143,32 ff.  393,12 f.;  Hör .76,221; 
Minmb.  538,5  f). 

lY.  Senses  Kasteiungen. 

,Zur  Minne  gehört  ron  altem  Hecht  Leiden^  Jeder  Minner  id 
auch  ein  Märtyrer'  (13, 15 f.),  das  war  Seuses  Überzei4gung,  der  auck 
hierin  die  Idee  des  mittehtlterlichen  Frauendienstes  ins  Religiöse  übet' 
ir(igt%  Der  ewigen  Weisheit  zu  lieb  int  er  daher  bereit,  alles,  auch 
d<ts  schwerste  zu  leiden  (34,13  ff..  Hör.  18,65).  Und  er  wartet  nicki^ 
bis  Leiden  von  selbst  kommt,  sondern  beginnt  bald  nach  seifier  Be- 
krhrum/  damit,  seinen  ^wilden  Mut\  den  ,verwöhnien,  widerspefisOgen 

*»  Ähnliches  trird  erzählt  von  der  hl.  Jindegundis  (f  567)  und  Edäkt 
fV^M^  «y«  Znchler,  Askesv  und  Mönchium  IV  (1897)  45^:  ders.y  Ik» 
Knuz  Christi  Iblö,  :J47 :  ron  Christina  Ebner y  rf/l.  Lochner,  Ze&M  und 
(resichte  der  Chr.  K  1^1'^,  11:  ferner  von  Veronika  Giuliani  (f  1727\  tf/^ 
Stimmen  aus  Maria-Laach  W0;'>  II,  ::^S4. 

-»  Vgl.  Hör.  8!:  militiae  species  amor  est:  /.  c.  11  f.:  litore  qnot  coBchia^ , 
tot  sunt  in  amore  ilolori's  .  .  .  Revolve  innuniora  et  stupenda,  qaac  legisti  et. 
andivisti,  quac  prohpiuior  Iiuius  roundi  aniatons  ex  amore  vanissimo  sa^tinaenut , 
Noiinr  in^t'iuisoebas,  cum  ad  notitiam  tuam  ])ervenit  iuvenem  quendam  tibi  noteB; 
in  tantum  fiiisse  fascinntnm.  ut  ob  amorem  nuiu^  puellae  fermm  quoddam 
siiae  inlixum  portaret?  Man  fühlt  sich  unicillkürlich  an  die  LiebestOi 
r/r/<7iv  vnn  I.irhtenst.in  erinuti,  der  sich  um  seiner  Dame  tciihn  einen 
ah  hackt  <. : 


i 


Seiise«  Kft5l«iiiiigen.  77* 

(.«ü',  seine  ^eieitdige  Natur'.  7iiil  dey  er  sich  äicrhtdett  fii/Uie  ('J.l'J. 
iS.  39^  ff.,  108,18  ff.,  Bihw  2(M),20),  durch  ein  erfinderischfs  Syntem 
«H  ÄbUitungeii  und  Kristftungen  zu  bezwingen  und  zu  unterjochen. 
l)ie  Eintfrabung  dex  Xametui  Jesu  in  die  Brust  iet  schon  efwähnt 
it»räfH.  Seine  Zunge  hielt  er  in  strengster  Hut,  ao  dims  er  inner- 
Ml,  Ho  Jahren  bei  Tische  nie  das  StiUschteeigen  brach  (Kap,  14); 
ith«  Jahre  blieb  er  in  seinem  Kloster  tibgeschieden  i^on  iilter  Welt 
(i2^iiif.,  103,5 ff.),  trug  lang  ein  hürenes  Hemd  und  eine  eiserne 
Kfttt  Hin  den  Leib,  schlief  des  Nitc/tts  wohl  1(1  Jahre  in  einem  enge», 
fit  Söget»  besetzten  Unterkleid,  die  Arme  in  Schlingen  gespannt 
«(kr  die  Hände  in  lederne  Hundschuhe  gesteckt,  die  mit  spitzigen 
Utmngsiiften  versehen  waren  (Knp.  15).  Acht  Jahre  tntg  er  ein 
wi  Khar/en  Nägeln  und  Nadeln  beschlagenes  hiihernes  Kreuz  unter 
dm  Kleide  auf  dem  Kücken,  und  nahm  mit  demselben  wie  auch  mit 
rintr  eigens  präparierten  Geissei  häußg  Disziplinen  (Kap.  IG).  Un- 
yfitkr  acht  Jahre  schlief  er  auf  einer  nlten  Türe  oder  in  einem 
'«¥M  Stuhle  sitzend,  ohne  hinreichende  liedeckung  im  Winter,  icärmte 
'ich  iftgen  25  Jahre  nie  am  Konventsofen  und  mied  olles  Bad,  ass 
limijr  Zeit  nur  einmal  lies  Tages  und  brach  sich  nicht  nur,  wie  im 
'Jrdtt>  zu  gewissen  Zeiten  üblich,  das  Fleisch,  sonilern  auch  Fisch 
ml  Eier  ab  (Kap.  17),  enthielt  sich  zwei  Jahre  des  Obstes  (25,8 f.), 
trank  viele  Zeit  keinen  Hein  ausser  am  Ostertag  (46,19 f.)  und  er- 
hivbtr  eich  nur  ein  gaiiz  kleines  Mass  Wasser  (Kap.  J8).  Nach  der 
MtUe,  die  sehr  früh  am  Morgen  stattfand'),  trachte  er,  auf  blossein 
Silin  im  Chore  stehend  bin  zu  Tage  (47,8  f.).  Vom  18.  bis  40.  Lebens- 
Jokrr  trieb  Seuse   diese   ,marterlichen   Übungen'^,   an   deren  Glmth- 

''  Üu»  ,Ofßciunt  noclumum'  mardr  nicht  übtrall  für  gUie/ien  ZtH  ab- 
friallm  fiim  MitItrnnckI  oder  1—3  Stunden  später,  vgl.  Mörtier,  Sialoire 
*•  nailita  grnfraax  dr  Vordre  de»  frrrte  prichews  1  [Paria  JH03}  öSlf.).  In 
'  Kmtaiu  variierte  man,  wit  ee  tcheint  (vgl.  47,3f.),  nach  der  Jahreetett. 

'[  A*  irtrd  kaum  gelingen,  wie  ei  Prrger,  Vorarbeiten  1^4ff.,  l30ff., 
■  Mim*«  eemvxht  hat ,  jene  Kattei-ungen  in  Siune^  J.tben  chronologiseh  tu 
.ffrea.  iJesu  »intl  dit  Ztitangabm  zu  unhiatimmt;  etwas  Sehematieiercn  mai/ 
^t*  trohl  mitanrerlat^lm.  Aai  69,30/.  dürfle  tu  fotgem  »ain,  dose  Sense  die 
"Wn  ifhn  .Jahn  nach  seiner  Bekehrung  (cn.  1313— S3)  in  Konstant  btitb.  — 
^ijiitb  -jUivh'f  odir  ähnlicher  Abtötuni/tn,  wie  Sfuse  eie  ähtt,  bimnen  aue  dtr 
'^liUfengeatKichle  und  auch  aus  der  deutschen  Mystik  m  Menge  beigebracht 
'irden;  tgl.  s.  B.  Zöekler,  Askese  II>,  bälff.  457:  Aers.,  Kreui  Christi 
%379:  Oreith  3ölf.  383,31^6,414  (aus  Katharinental  und  TBse);  Pes, 
Mieea  tuieeliea  VIll  (ITSSt  107,156,307  u.  ö.  (aug  Untertindln);  Srehs, 
■r,  ChrisUna  Khner  1S73 paesitii;  Strauch,  M.  Ebner 
tegl.  Anm.  S.  302 ff.  I.     Auch   Mechlhild  ron  Magdeburg   uidPtetf  tich 


78*  Einleitung.    II.    Scuses  Leben  nnd  Werke. 

Würdigkeit  wohl  nicht  zu  zweifeln  ist^),  und  wir  glauben  es  ihm  gerne, 
wenn    er   erzählt,    dass   er   sich    dadurch    viele   Krankheiten   zuzog 
(01,17.  45,18  ff,) j  und  daas  zuletzt  seine  ganze  Natur  verwüstet  und 
verdorben  war,  so  das»  nichts  mehr  übrig  blieb,  als  sterben  oder  da* 
von  lassen   (52,8 f.  55,3).     Das   Resultat  seiner  Kasteiungen  aber 
fasst  er  in  den  Satz  zusammen,   dass  alles  nur  ein  ,guter  Anfang' 
und  ein  ,  Durchbrechen  sei^ies  ungebrochenen  Memchen^,  gewesen  sä, 
worauf  erst  die   yhohe  Schule  der  rechten  Gelassenheit^  folgen  ioOe 
(53,1  ff.,  3,10 ff.). 

Die  Beurteilung  von  Seuses  strengen  Abtötungen  wird  wohl  stäs 
je  nach  dem  Standpunkte  eine  verschiedene  sein.  Wer  die  ko^yerticki 
Askese  prinzipiell  veru-irft  oder  sie  wie  z.  B.  Seeberg^  nur  unUr 
dem  Gesichtswinkel  der  Beformaforen  betrachtet,  wird  notwendig  zu 
einer  mehr  oder  weniger  schaffen  Verurteilung  gelangen.  Doch  dürfte 
es  in  unserem  Falle  richtiger  sein,  Seuse  zunächst  aus  seiner  ZtU 
und  seinem  Charakter  heraus  verstehen  zu  lerneti;  manches  wird  »ci 
dann  begreifen  lassen,  zum  Teil  wohl  auch  entschuldigen.  Die  A^ 
Übung  von  Busswerken,  mitunter  selbst  in  einer  für  unseren  «i^ 
feinerten  Geschmack  abstossenden  Form,  lag  ganz  im  Geiste  dt» 
Mittelalters  und  galt  als  ein  Teil  der  für  jeden  pflichtmässigen  Nadh 
folge  Christi y  nicht  als  Selbstzwecky  sondern  als  Mittd  zu  dem  Zweck, 
die  lolikommene  Herrschaft  über  die  sinnliche  Natur  und  dadurch 
die  wahre  sittliche  Freiheit  zu  erlangen.  Seuse  selbst  spricht  siA 
wiederholt  deutlich  genug  darüber  aus  (30^3 ff'.,  41, 4f.,  106,1  f.,  107,16, 
I0tij8ff..  Bdiw  '^89,2 ff.,  Bfb473,Wff.,  Hör.  171).  Das  augustinisek 
,per  Christum  hominem  ad  Christum  Deum^  (vgl.  34,9  ff .,  168,10» 
ISfj:iff.^  Iidi*w  2(f3,S  jf/',^  Hör.  '^5)y  Losungswort  der  ganzen  mtlidr 
altrrUchen  Mi/stik^),  com  hl.  Bernhard  in  seinen  Homilien  zum  Hohü^ 


vom    'Jf),—4fi.  Lt'bvnjfjahrf  schweren  Ahtiitungen   (ed.  Gall  Moni  94/.).     Ühr 
Kastauntfrn  dtr  Amichonten  in  dtr   Wüste  s.  unten. 

■>  A'fi(7*  einer  Ändeutnntf  .^:iJ  ist  das  Berichtete  sogar  nur  ein  Teü. 

■»  u':f.s  Till  dcrs,  in  liealenzt/khp.  f.  pratest.  Theo!.  II \  138.  Bitk^ 
(/(ii/c'iMi  B oh  ring  er  31;'»/.  K.  I'Uehitjer^  l'ber  die  Selbstverleugnung  v^ 
den  Htiuptrertniirn  der  dentiivhtn  Mgatik  des  Mittelalters ^  Gymn.'-ProgrQfM^ 
Brity  I^^i*  und  J^iHK  bthnndeli  nur  Kekhart.  Jauler  und  einige  spätere  MfStikir* 

'*)  Auch  Kekhart  dtnkt  trotg  seines  ^upranuturalismus  nicht  anden  (^ 
Vhiß\r;}i*A4ß.,  4(H'.:f.',  J>enso  I'nuhr  f  Behgt  htiFitbigrra.a.O.,  2.Td)» 
/•.V«f^  reiche  Stimuduntj  von  ::> teilen  «m.v  deutschen  Mystikern  bei  Deniflt^  IH* 
ueistl,  Lthtu  i*t  rf\  Vtßl.  auch  dit  AusfiihrMnotn  von  I) enit'le  über  .»Auübti 
tingen  der  Kathtdisrhen  I.threr  l>i\'  Luther  Hhtr  dii  Kasteiungen  und  die  BÜ^ 
ÄTt/i.»M"  in  .Lttthrr  lud  Luthertunr  1-  iji*it4»  ot>l—7t:  (StiitjK.  iif»er  die  deuiad^ 


!   Kiieleiuiitjeu.  79* 

•itiir  mit  gli'tkeniier  Beyeiste>-ung  vorgetmyen  und  amgeleift,  hat  der 

tkmäbische  MijHtiker   mit  dem  ihm   eigenen  jitgendlichen  Fewf  und 

nnge*tüm,  das  am  liebsten  nach  dem  änssersten  grtift,  nufgenovmten 

md  ihm  nachgete/it,  nicht  bloss  in  sinniger  Meditation  der  vin  dolorosa 

te  ErlQsers   (Kap,  13;   vgl.  Bdew  Knp.  14),   sondern   in   grausamer 

W'iridichkeit.      Wer  wollte  leugnen,   dass  er  durch   Übei-maas  gefehlt 

kal,auch  wenn  man  dfn  Maisstnb  mititlalUrlichet  Ethik  anlegtY   Aber 

H  trotz  seiner  übertriebenen  Askete  alt  geworden  und  teilt  seine  Ver- 

ig,  die  er  spälrr  selbst  bereut  haben  mag,  mit  andern  Frommen  vor 

nach  ihm ').     Und  es  enlirnffnet  unsere  Kritik,  wenn  wir  sehen, 

tr  Elsbeth  Stngel  gegenilbi-r,  die  seine  Strenge  nachzuahmen  sucht, 

mtersagt,    weil  sich   nicht   alles  für  alle  schicke  (107,7  f.),  und 

Leitung  seiner  anderen  geistlichen  Töchter   eine   zarte  Dis- 

itm  und  rühmenswerte  Klugheit   in   bezug   auf  die  Askese   zeigt 

.Llff-,  :i88,21f;  469,25/'.,  Hör.  43,222).    In  jenem  Briefe  an 

fJi  ^ibt  er  uns  auch  den  Schlüssel  zum  Verständnis  ceincs  eigenen 

tdonungiilase}*   Vorgehens:  die  Altväter  der   Wüste,   deren  asketische 

Sprüche   er   an    die    Wänd^    seiner    Kapelle    malen    Hess    (60,12  ff'., 

^'JJiöJ/'.),  deren  Lebensbeschreibungen  er  täglich  las  und  meditierte 

r«r.  II6),  haben  es  ihm  angetan,  sie  will  er  nachahmen  (vgl.  107, 21  ff.), 

Collatiotien  Cassians  sind  seine  Richtschnur,  der  ,sHmmws  philo- 

m'  Arsenius  sein  Vorbild  (Hör.  9,  41, 152, 172  ff.).     Wir  können 

Nachahmung   der   alten  Anackoreten   in  Seuses  Abtötungen  fast 

\  für  Zug   nachweisen^).     Es  gab   im    14.  Jh.  im   Dominikalter- 

tfm,  wie  später  noch  genauer  zu  zeigen  sein  wird,   gegenüber  dem 

►t  grassierenden  Laxismus  eine  streng  reaktionäre  Richtung,  welche 

'$  Rückkehr  zu  den  alten  Idealen,  die  bei  Gründung  des  Ordens  in 

mung  gewesen  waren,  betonte  und  mit  dem  altchristiichen  Mönchs- 

mche   verwandte  Züge  aufweist^     Auch  Sei*se  hat  zu  ihr 

^M^',  /n-nrr  Thomas* ns-3eehfrg,  Dngmengeach.  des  Mitlelalters  1S8S, 
*/«■<* /fir  da/i  AOgemtine  Linsenmaitn,  Lehrbutb  der  Maraltheol.  ia7K, 

So  :.  S.  mit  dtni  hl.  Bernhard  (vgl.  Amn.  ta  im,t7.  ö3l,Sf.). 
So  für  da»  Meidtn  des  Bades,  du  KnthaUgamkeit  in  Speite  und  Tränt, 
Naehtmaehett,  da»  »ileend  Schlafen,  das   Wnhueii  im  gam  enger  Zelle,    die 
dttreh  Hilit  und  Kälte,  h/irenff  Hemd  und  ei»rme  Kelle,  die  Ab- 
Skutuag  ron  den  Mensehrn.    Vgl.  die ZanammensUllimg  bei  Lucius- Anrieh. 
Anfänge  da  Hriligentititas  I9(J4,  367  ff.,  und  eur  Bturteilnng  C.  Butler, 
Laueiae  Hiatory  nf  Palladius  (Text  and  Studie»   VI,  1)  I«,'«,  IttSff. 
')  Ihren  Aundruck   hat   ditst  lliehtung   namentlich  auch  in  der  Croniea 
Prardinaorum  de»  fintttagno  dr  la  Flnmmn  (rm  1343,  hrsg.  in  MOPH 


^ 


80*  Einleitung,    fl.     Öeusea  Leben  und  Werke. 

yeh'ört    und  in   seiner  Jugendzeit  ihr  im    Übemia^  gehuldigt.     In 
reiferen  Jahren  sind  seine  Ansichten  gemässigter.    Freilich,  schreibt  er 
an  Elsbeth,   sollen  die   weichlichen  Menschen  zu  diesen  neuen  Zeiten 
jene  strengen  Übungen    bei  anderen   nicht   verwerfen   oder  in  arger 
Weise  beurteilen,   denn  sie  wissen  nicht,   was  inbrünstiger  Bimst  mä 
göttlicher  Kraft  erzeugen  mag,  zu  tun  und  zu  leiden  um  Gottes  willen 
—  wiewohl  manch  grosser  Heilige  sich  hierin  übersehen  habe,  —  aberei 
sei  doch  besser,  vernünftige  Strengheit  zu  üben  als  unvernünftige,  tmi 
weil  die  rechte  Mitte  schwer  zu  finden,   sei  es  geratener,   ein  wmij 
darunter  zu  bleiben,   als  sich  zu  viel  hinüberzuwagen ;   schaue  jeder 
Mensch  auf  sich  selbst  und  merke,  was  Gott  von  ihm  will  (107^14 f.)! 

y.  Visionen  und  Ekstasen. 

Es  ist  nicht  verwunderlich,  da^s  Seuses  ernstes  Bingen  und 
Streben  durch  jene  inneren  Tröstungen  und  Einsprachen,  Vision» 
und  Ekstasen  belohnt  wurde,  denen  wir  im  Lebeti  fast  aller  Mgstikr 
begegnen.  Anhebend  mit  jener  schon  erwähnten  Verzückung  OM 
St  Agnestag  schildert  uns  die  Vita  eine  reiche  Fülle  ausserordent- 
licher Erscheinungen  und  Erlebnisse  mystischer  Natur  ^),  nicht  selUn 
in  reizvoller,  hochpoetischer  Weise.  Hieher  gehört  jenes  schöne  G$- 
sieht,  wie  das  Chnstuskind  als  ,minniglicher  Schüler^  dem  Dientr 
vorsingt  und  in  einem  Körbchen  Erdbeeren  bringt  (31,15 ff.),  M 
,unsere  Frau^  mit  dem  Kinde  ihm  zu  trinken  gibt  (49,4 ff.  28ff.)f 
ferner  die  Vision  von  der  Investierung  als  geistlicher  Ritter  (55,21  ff^jt 
von  der  Begnadigung  seiner  geistlichen  Tochter  (101,7  ff.),  der  HM- 
gung  des  himmlischen  Hofes  an  Maria  (111,17 ff\),  die  Rosenviäon 
(64,21  ff.),  die  Erscheinung  ,unserer  Frau^  mit  dem  Kinde  als  ,Her2en' 
trauV  (139,34 ff.)  und  die  Vision  Christi  als  gekreuzigter  Serajfh 
(144,25 ff. )y  die  himmlische  Messe  an  Weihnacht  (386,3  ff.).  Bald  sieht 
er  auf  seinsm  Herzen y  wo  er  den  Namen  Jesus  eingegraben,  ein  goldenit 
Kreuz  strahlen  (17, 3 ff.),  schaut  seinen  eigenen  Leib  durchsichtig 
wie   Kristall  (vgl.   Amn.  zu   1^>3,2 ff\)  und  die  ewige   Weisheit  seii^ 

II j  7,  lbiii7)  gefunden,  der  zahlrciclie  Beispiele  aus  den  Vitae  patrutn  und  A* 
Collationen  Cassians  anführt  und  zeigt,  wie  die  ersten  Brüder  des  Predigt 
ordeiui  nach  dem  Vorbild  der  Altväier  sich  kasteit  hätten.  Ähnlich  auch  «€Ää* 
in  den  Vitae  fratrum  Ordini.s  Fracdicatorum  des  Gerard  von  Vracheto  (f  1371)f 
hrsg.  in  Mi) VII  /,  1896),  die  Seuse  jedenfalls  kannte, 

M  Ilieher  gchitren  all*'  jene  St  dien,  wo  die  Ausdrücke  ,abge8ehiedener  Ei^ 
blick',  junsäglicher  Umfangt,  .lichter  Schlaf  \  ,Kntsinku7ig*  oder  ,Vergangenht^ 
oder  ,'Ruhe  dtr  niusserm)  Sinne^  ystilhs  Jxiihlein^  und  f'ihnliche  vorkommen. 


\'i8ionen  iiml  KkHta»'D. 

wie   in    unsäglicher   Wonne    umaitne»  und  ihr  ,Minnespiel'  mit  ihr 

tiben   (20,12ff.),  /tat   oft   mit   (len  Engeln   ,himmli»che  Kurzweil- 

wird   von   ihnen   in   seinem   Leide   r/etröstet,   kört   überirdiivhen 

\mmg    uml    Mitstk    (17,25f.,    18,23 ff.,    10, J f.,     3l,tiff.    2Hff., 

tUöff..    Ii4,19ff..    tiif.lÖff.,    S9,Gff.,    109,17 ff.,    lli,9ff.    mir.). 

linviai  verrät  er  Elgbetk,  icas  «■  bisher  noch  keinem  Menschen  ijesagt, 

ibrr  Btek  jetzt   doch   za   nagen  gedrängt  fühlt '),  da»»  er  in  seinem 

isifmvj  zehn  Jnhre  lang   iüglich   iwtimat   die  gettfUiche  Freude  det 

Juhtin'  geh'tbt  (173,13  ff.),    später,   nach  seinem  grossen  Leiden,  c« 

rV  ihm   in   bleibender   ü'eise   zuteil   geworden,    doch   so,   dass   man 

imerlich  nichts  «m  ihm  merkte  (175,22  f.;  vgl.  341,17  ff.).    Oft  hat 

tr  auch  Visionen  zakiinjtiger  und  verborgener  Dinge,   erhält  Kennt- 

iDie  es  im   Himmel,   in   Hülle  und  Fegfeuer   auxsrhe  (22,21  ff'.), 

\ntä  sieht    in    reger    Kommunikation    mit    den    Seelen    des    Purgn- 

toriums  und  den  Verklärten  des  Himmels,   deren   nicht   wenige,  dar- 

uitfr  Meisler  Eckhort  und  Johanne"  der  Fuoterer,  Meister  Diirtholo- 

«iHWü  PO«  Bolsenkeim,   sein   eigener  Vater   und  seine  Mutter,  Elsbtth 

Stoi/d,   und   verschiedene    nndere  Freunde   und    Behinnte    ihm    er- 

Kktitten   (22,2Sff.,  f!,7  ff.,  23,21  ff'.,  143,11  ff.,  194,23  ff.,  128,1  ff'., 

^8ff.,    130,9 ff.,   144,12 ff.,   148,20 ff.).      Jedes  wichtigere    Vor- 

muüa  m  seinem  Leben ,    vollends  entscheidende   Wendepunkte  des- 

bi  (40,28 f.,   52,10ff.,   53,9 ff.,   C,3,10ff'.,  ö32,14ff.)   sind  durch 

ivntn  und  himmlische  Offenbarungen,   die  ihm  selbst  oder  Gottes- 

d  -Freundinnen  Über  ihn  zuteil  werden  (22,Hff'.,  44,16 ff., 

iSff..  59,7 ff.,   63,14ff'.,   04.3 ff.,  70,3 ff.,   lo2,6ff.,   115,14 ff.}. 

So    wird  ihm  auch  neues  Leiden  programmatisch   eorher- 

't    (^4,2lff.,    ^,3ff.,   117,29ff.),    in    visionärem   Schaiu» 

Arung  aber  das  Leiden    (58,24  ff .,  85,24  ff.,    90,18 ff..   93,3  ff\} 

'  Weisung  über  Abfassung  und  Veröffentlichung   seiner  Schriften 

im    (6,7  ff:,    7,19.   198,15  ff.,   253,17  ff.,   322,21  ff.,   373,29  tf., 

r.  13 f.). 

Auch  Wandergeschichten,  i»  denen  Sense  aktiv  oder  passiv 
I  fioī  tpiell,  obgleich  nicht  viele  und  nicht  in  so  krasser  Aus- 
rvng  wie  bei  manchen  Hagiogroplien  des  Mittelalters,  feiner 
1  al«  meist  in  den  Dominikanerinnenviten  des  14.  Jh.,  werden 
Uft.  So  wird  ein  Maler  in  auffallender  Art  von  seinem  Augen- 
hi  ytheÜt   (60,35 ff.),   ein  Mann   durch   eine  himtnlische  Stimme 

0  Ähntieh  rfdet  i*r  hl.  Btrnhard,  um  andere  jw  betthrtn,  von  srinm 
*nt  Erfahrungm  und  Geheimiiieatn.  ..wie  ein  Mann,  der  lu  spreclirtl  hangt 
dach  nicht  n-liweigcu  kann"  {termo  74  in  Cant.  n.  1). 
U.  S  (  B  •  * ,  DiuMcb*  8<:liFln«D.  G' 


82*  Einleitung.    II.    Peuaea  Leben  uml  Werkp. 

vom  Selbstmord  zurücktfe/talten  (13H,7ff.).  der  Wein  teunderk 
vermehrt  (140,25 ff.),  dem  Konvent  in  der  Kot  uiterwnrttt  Gt 
gebracht  (25,14 J".,  146,0 ff),  dem  ermatteten  Dimer  ein  Rösdl 
zum  Reiten  gesendet  (13S,S2ff.),  seine  Feinde  werden  durch  jäh 
Tod  beHraft  (70,13 ff:,  128,23 ff .,  148,8/.).  Man  wird  n 
fehl  gehen,  wenn  man  die  misten  diese)'  yorkommniise  u?iter 
Gattung  der  „(tnmutigen  Klosternocellen"')  einreiht,  welche  in  yleitk 
oder  ähnlicher  Form  zu  Dutzenden  in  den  Klöstern  von  Mund 
Mund  liefen  und  in  der  hagiographischen  Litenitur,  die  ja  Lieblinf 
lekttlre  jener  Kreine  war,  nacherzählt  wurden\  Senne  ist  naiä^ 
auch  in  diesen  Dingen  ganz  Kind  seiner  Zeit,  aber  im  eigentUekk 
Sinne  iviindersächtig  wie  et-tea  Gänarius  von  Heinterbach,  Thtm 
von  ChantimprS  und  sein  Ordensgenosse  Gerard  von  Frachelo ") 
er  nicht;  in  dem  Falle  des  blutenden  Kruzifi.ceg  hat  er  sogar 
betnerkensw&'te  Probe  nüchterner  Auffassung  gegeben  (67,Hi\ 
vgl.  auch  60,28 f.,  141,7  ff.). 

Auch  über  die  Visionen,  Ekstasen  und  Offenbarungen  urU 
Seuse,  wo  er  als  geistlicher  Lehrer  und  Führer  darüber  redet,  i 
aüe  ernsten  Mystiker*)  mit  gesunder  Zurückhaltung  und  Vorsiel 
jene  süssen  Gaben  seien  nicht  notwendig  —  nicht  darauf,  soHd4 
auf  die  Reinheit  d-es  Lebens  und  die  Vollkommenheit  des  WiUl 
komme  es  an,  —  aber  auch  durchaus  nicht  zn  verachten;  bei  ih\ 
Beurteilung  sei  grosse  Vorsicht  anzuwenden,  da  man  sieh  Uü 
täuschen  könne,  den  richtigen  Massstab  gebe  die  hl.  Schrift  U 
Lehre  der  Kirche  (183,16ff.,  l97,Wff..  385,l2ff.,  mimend 
Pr.  Kxici  524,21f.  [wenn  echt];  Hör.  13f.).  Je  inteliektwA 
d.  h.  bildloser,   geistiger  eine  Vision  "),    desto   edler  sei   sie   und 

■l  Michail,  Geteh.  das  dluch.  FuUa  II!  {1903}  169. 

')  Zahheieht  Belehr  he!  Krel/t  a.  a.  0.  9tß.,  113f.,-  OäHter,  Ltf 
ttenatudien  190G,  162ß.  (IliJ  A.  3.  u.  4  übtr  die  Wemvermfjirungl. 

*)  Vgl.   oben    S.   TS*    Änm.  3.      Auch    Reichert    in    »emer    A« 
(MOPH  1,2)  nmnt  Omard  IriehtglSuUg,  ja  gtradteit  abtrgläubiseh. 

')  So  namentlich  David  buk  Äuffsburg,  De  eompo».  III,  2  h.  G:  alju 
solatione«,  sicut  nun  sunt  uecessariae  saluti ,  nie  etiaiu  auspectue  üuiit  et 
fftlsae  et  flctae  et  lieceptoriai-,  ut  viniones,  revelalionea,  prophetiae,  seneualM  oU 
tationcp,  luiraculorum  operiLtiones,  maxime  muderniH  temporibiis,  licet  quutdo^ 
vertie  reperiantur,  ued  in  paueis.  Vgl. avch II, 34 ;  III, 6T  n.3;  Michael a.  a.  0.  t 

*)  Die  Visionen  a-erdrn  »eil  Augaitin  in  kürpfrlieht,  imaginüre  und  iä 
ItktutUt   eingrteüt,    vgl.   Anm.   zu    lS3,fiff..-    Denifle   377   A.   7:     Kirchm 
VIII',  aaSi;    Xir.    tfXJS/.:   Joly,    Fsijchologk    dir   Hriligtn,    deUtHh 
I^l  1904,   USff.,    J4nf.,    und   heeondem    das    Irrßliche   Werk   von  Poull 
Des  gräcf*  d'iiralton,  Tiaili  dt  theolngii  mgstique,  6,  id.  Pari*  1906, 


der  Kontemplation,  welches  hi  dem  miiielhsm  Schnumi  der  blossen 
Vkeit  lügt,  desto  näher  (183,6 f.,  342,26ff.,  391.2.  476,2ff., 
f^9).  Man  wird  diese  Grundsätze  auch  auf  die  im  Leben  Äpwws 
t  berichteten  aunaerordentlichen  Erecheinungen  anwenden  dürfen. 
im  «ich  diese  nun  freilich  keinesweife  in  Bausch  und  Bogen  als 
mkhaftg  Halluzinntionen  eines  übe/reisten  Gehirns" ')  ausgeben 
die  Ehrlichkeit  der  Berichterstattung  und  die  Lauterkeit  von 
»f  Absicht  i»t  von  keiner  Seite  bestriltai.  —  «o  ixt  doch  hei  aäer 
(TW,  die  ilem  Historiker  geziemt,  wo  er  ein  Gebiet  betritt,  liei 
»ich  Ntftur  und  Übernatur  berühren,  zu  betonen,  dass  das  Psychisch- 
'icke  in  jenen  Zuständlichkeiten  eine  nicht  geringe  Holle  >y>ielt 
'manchen  wohl  auch  pathologischen  Ckiir<ikter  an  sich  trägt,  „E» 
int  Seusee  eigene,  aber  h&here  Natur  zu  sein,  die  in  dieser  Weise 
wbrieht,  Trost  und  Erleuchtung  sucht  und  gewinnt .  .  .  Die  Lauter- 
der  himmlischen  Erscheinungen,  die  Süssigkeit  der  Gesünge,  dies 
I,  was  ihn  so  wnnderhtir  ergreift,  —  was  ist  dien  anderes,  als 
1  lUr  heimlich«  Dichter  «nd  Sänger  in  ihm,  der  geweckt  worden 
und  nun  in  ihm  spieil'f  Aber  auch  im  Inhalt  sind  diese  Nachi- 
tht*  ganz  der  Beßex  der  Taggesichle:  es  ist  immer  d^:r  Susu, 
erscheint  und  spricht,  das  heisst,  die  Jenseitigen  sprechen  ganz 
mnen  Ideen  und  Vurstellungen  .  .  Sogar  diemomentanen  Stimmungen, 
■hrungen,  Leiden  reflekÜeren  sich  in  diesen  Zuständen  und  ßnden 
ihnen  ihre  Tröstungen,  Heilungen,  ihren  Ersatz"^.  Und  das  ist 
\t  iiaffäUig,  denn  Seuses  durch  fortgesetzte  Kränklichkeit  ohnehin 
terst  empfindliche  Natur  musste  durch  die  übermässige  Askese 
ttiidig   in   einen  Zustatut  abnoi-mer  Reizbarkeit   versetzt  wenlen; 

•)  l'tittr,  Myslik^ipriar  H4.  Gewigg  sayt  Denifle  mit  Rtehl  (Smutt 
lY):  ,iwr  aÜ*  Vininnm  für  Eraugnüse  nnrr  krankhaften  VluiHlasie  und 
I9utionen  an»irM,  mu»»  auch  die  yanee-  Gtsehichte  der  Mi/zitik  ah  rln« 
lM*iUf«tehichle  ansehen-.  Aber  Im  eimilnrn  Falle  tm'rd  man  M  lang 
'Märtiehe  L'reachen  erkennen  mäe/tn,  als  sich  der  übematäriiehe  Eittfiues 
!■  Änttii  an  den  Simonen  nicht  Ülxraeugend  nachweiatn  lägst  (Schaut  im 
rAtnUx.  XII',  1010).  Und  es  ist  I.insenmannt  Wort  (Tbtsl.  (Juartal- 
Kß  m<3,  6.W  ru  beachten:  „dem  hohen  und  äbemaläriichen  Charakter  der 
Uekin  mUtelaltei-Uehen  Mji»tih  wird  dndureh  noch  kein  Abbruch  getan,  dass 
fiiimten  frommer  Frrsontn  o/t  genug  die  Merkmale  d*s  subjektiven  mansch- 
W«  Olauhens  und  \'a-iitäHdnisses  im  sieh  tragen''.  Vgl.  auch  die  treffenden 
W<  liti  ZSckler,  Askese  I',  iOf.  und  Michael  a.  a.  O.  ÜOäff.  Über 
iBttUung  der  neueren  Psyehologie  und  Physiologie  bu  den  mi/slischai  Er- 
' i^wtilta  pgl.  nammllich  ./.  Bessmer,  Störungen  im  Stelenlebfn  1904,  92 ff.; 
ift  Jamrs.  Tbr  varieties  of  rtliii'owi  erperience,  London  '' lÜOä, 
')  BShrin;irr  322 f. 


84* 


Einleituuir.    tl.    yeiiBe»  Leben  nnd  Werke. 


Uias  er  in  der  fietrichtiing  mit  (/lühendeii  Affekien  erwogen,  was  m 
Phantasie  mit  leuchkiiden  Farben  ihm  vori/evtall,  leicht  ward  es  tir 
in  der  Stille  der  Nackt  —  die  meinten  Visionen  stellen  sieh  JrU 
am  Morgen  mich  der  Mette  ein ')  —  im  Chor  d«r  Kirche  oder  ät 
seiner  Kapelle  knieenden  Mystiker,  dsr  ja  gnm  in  der  Sphäre  da 
Übernatürlichen  lebte  und  ausserordtmiliche  Erscheinungen  erwartflt, 
zur  Wirkiickeit '}.  Ein  rein  innerer  Vorgang  wird  gleichsam  dialogiidt 
gespalten  und  gestaltet  sich  in  der  dtvmatisch  veranlagten  DicMtl» 
seele  zum  äusserett  Geschehnis,  zum  Ge^>räch  und  Verkehr  mit 
Himmlischen^.  Untcahr  werden  aber  diese  Erscheinungen  dadvf^ 
noch  lange  nicht,  dass  wir  rf«»  Anteil  der  Natur  darin  festsltÜMi 
man  kann  mit  Görres*)  sagen:  „wie  vieles  immer  diesen  GesicklK 
aus  der  Persönlichkeit  beigetreten,  doch  hat  in  ihnen  eine  Gotteskri^i 
gemrkt.'  tibrigens  gibt  uns  Seuse  selbst  in  der  Vorrede  zum  bdil 
einen  werteollen  Fingerzeig  zur  Auffassung  seiner  Visionen,  wetm 
sagt  (197,32 f.):  ,die  GesicJite,  die  hier  stehen,  geschahen  nicht 
leiblicher  [\'eise,  sie  sind  allein  ein  ausgelegtes  Gleichnis'  (Hör.  It 
visioneR  in  Bequentibas  oontentao  uon  sudI  omnes  accipiendae  BecUD< 
literam,  licet  inoltae  ad  literam  contigerint,  egiI  est  figurata  locatio)« 
Ea  stellt  nichts  im  Wege,  diese  Erhlürun;/  auch  auf  manche  Vinione» 
der   Vita  anzuwenden  *). 


')   ygl  oben  S.  77'  Anm.  1. 

*)  So  trltläii  Krehga.  a.  0.  7ftff.,  103  niMprei-henä  vtraehndme  l'Ui 
«im  Adtlhau»m  und  anderen  Domiiiiknnerinnmkl'istrm.  Atteh  Oörrti  (Vi 
rede  bei  Dir]>.  124)  ileulft  dn«  Vita  49,38 ff.  r^eahlU  Vorlcommnie  i 
(iihnliehes  gt»chah  in  Töas  drr  Adtlhfid  von  Fraumbierg, 
öifiiff.:  vgl.  auch  Güntir  a.  a.  0.  166).  Lucius  o.a.  0.34liff..360ff.fat 
all«  auaserordentliehf»  Ertigttisie  und  Visionm  im  Lrbm  der  AUrältr  ai»  Hau 
nnatianen  auf,  dnriu  gichfrlteh  Muwelt  gehend  —  richtiger  urttilt  Bvth 
a.  a.  0.  192ff.,  —  im  tintflnm  bringt  er  manchts  brauehbore  Materiat  1 
Vergleichung  hei.  Seuae  mag  mtch  in  dieser  Beziehung  van  den  Vitae  patr 
beeinjluest  eein,  e.   S.  in  beiug  auf  die  dämonischen  Infeslationm. 

*)  Vgl.  M-chael  a.  a,  0.  21(1,  wo  «Hfl  Beispiel  atu  dem  Legalua  t 
pietalif  drr  hl.  Gertrud  angeführt  tcird.  JBeachtetmcerl  ilt  die  niichleme  Auti 
rung  Ee&haits  634,  3ff. 

*j    Vorrede  in  Dirpettbrocki  Aueg,  134. 

'j  So  urteilt  aui:h  A'cu*m  Ordmsgcnosne 
>>56)  mit  der  Begründung:  ille  eniin  per  figumt. 
visioniiinque  locutboem  scribeodi  tnodus  plurimm 

apud  spirituiUea  invaluit,  ut>  Tiilcre  est  in  Tbointi  Kempensi,  Catbariiia  de  i 
Birgfitta  äuecs,  Alano  a  Bupe  aliie<jufl  Mtictis  viris  ac  femiiiie. 


Erhard  (f/uitiiet  Echard, 
im  cültognii  cum  D«o  et  C 
i  saeculiH  XIV  et  XV  praeseit 


$tiiiiienK>ng  xu  KonstaiiK  und  Köln.  fiö* 


/wi  Leiten   der  Mi/vliker  ist  es  etwas  ganz  gewöhnliches^),  </f/sn 

WfB   dea   iiuieien    Tröste»   und   der  fühlbaren    Gnade   ubweckseln 

ml  Perioden  der  Trockenheit  und  tiefsten  Niedergeschlagenheit.    Auch 

tiaut  machte  diese  Erfahrung '),    Im  21.  Kapitel  seines  Lebens  erzählt 

er  ton   seinen    innerliciien  Leiden  (vgl.  auch  HöG,25Jf..  Hör.  1'^ ): 

miiU  Hrun  Jahre  war  er  von  Ghubenssweifeln  heimgesucht,  acht  Jahre 

pSÜe  ihn  ungeordnete  Traurigkeit,  zehn  Jahre  glaubte  er  sich  wegen 

tnistischtr  Aufnahm.:  ins  Klonter  itufewig  verloren  *)  (s,  oben  S,  72*). 

int  nicht  anzunehmen,  das»  diese  Feinen  ununtei'brochen  die  an- 

itne  Zahl  von  Jahreti  dauerten  —  das  würde  mit  anderweitigen 

fsben   nicht   stimmen,   —   aber  sie  traten  immer  wieder  von  Zeit 

Zeit   auf.     Hieher  gehören   auch   die  entsetzlichen  Anfechtungen 

\  Quälfreien,  denen  er  von  Seiten  der  bösen  Geister  auegesetzt  zu 

\  glaubft  ßl,I3f.,    1HI,7M'.,    S70,12ff.,   458,21  ff.,   vgl.  70,6 f., 

J-iff.).    H'»c  kSmun  es  seiner  Erzählung  jetzt  noch  nachfühlen, 

A«  Freude  ihn  beseelte,  als  er  dieses  Durchgnngsstadium  der  via 

rgatiea ')  hinter  sich  hatte. 

TI,  Stndien^ang  zu  Koustanz  nnd  K31n. 

H'rV  kehren  nach  diestm  Ej-kurs  iiber  die  religiöse  Entwick- 
Seunes,  welcher  manches  zeillich  später  Liegende  der  Übersicht- 
en halber  vorausnehmen  musste,  zu  seinem  äusseren  Lebensgang 
]ck. 

Es  igt  bekannt,  welch  hohen  Wert  der  Dominikanerorden  von 
fcij  auf  die  u'issensc/tafllichen  Studien  legte  ^),  wie  er  dieselben 
\  teeige  Bestimmungen   regelte   und  den  Studierenden  ihre  Attf- 

1  VffL  t.  B.  Joljf  a.  a.  0.  65. 

*)  Die  rolfftruagen,  dit  Schmidt  Mä,  Volkmann  34  und  Stehenj 
it  fir  den  Charakter  Seitteg  daraus  stehen,  ginrt  nicht  MUtreffetid;  vgl. 
'/I*  838. 

*>  Eine  ahnliche  An/rchlung  hallt  Jüttt  Sckalthaein  eu  Tösg,  Viten  7 1,13 ff. 

')  Vi'  Ui/ttiker  reden  von  einer  Tteinii/unij  dir  Seele  und  des  Geistes 
tifo  paesifa'  und  vurgleichen  die  Grügtt  dieser  Leiden  mit  der  Hält enptin 
Untex.    Vlir.  LfJBlf.:  Schräm  [s.  Anm.  tu  497,31/.}  I,  S79ff.,  399ffJ. 

»)  V^  «her  das  Stuäienuitsen  der  Uaminikantr :  Jienifle  im  Arehiv  I, 
:  Preger,  Vor<trheitm  Uff.:  Bnar  im  Frcib.  Diüt.-Areh.  ISOl,  4ff.; 
tk,  Kirthengeteh.  Deateehlanda  IV,  iöbff.:  Douuie,  Setai  sur  Vorgtini- 

dea   i!»des   liane   furdec   des  fr'eres  Preehears  au   XIII  et   XI  i'  siielt, 

tSS4;  Mortitr  a.  a.  O.  I,  Miff.;  H.  Felder,  Geich.  der  irwsen- 
L  .Sluditn  im  Franti»kanerorden  1304,  'eo  tim-h  die  farntifle  EnliHck- 
tks  lytdij/erordens  beriieksichtigl  itl. 


J 


86*  Einleitung.    IT.    Seuses  Leben  und  Werke. 

gäbe  durch  mancherlei  Privilegien  und  Ammihmen  von  der  strengen 
Ordetisregel  erleichterte.  Die  Kenntnis  der  ,grammaticalia%  d.  k 
des  Latein,  der  Logik  und  Bhetorik,  war  beim  Eintritt  in  den  Orden^ 
wenigstens  in  der  früheren  Zeit,  eigentlich  vorausgesetzt^);  andernfalU 
musste  einer  sich  erst  in  der  Klosterschule  genügend  darin  ausbilden^ 
ehe  er  zu  den  höheren  Studien  —  anfangs  nur  Theologie,  seit  dtr 
zweiten  Hälfte  des  13,  Jh.  auch  Philosophie  —  übergehen  durfte. 
Diese  begannen  aber  nicht  gleich  nach  dem  in  der  Regel  einjährigm 
Noviziate  ^),  sondern  es  wurden  vorher  noch  zwei  Jahre  der  Erlernung 
des  ydivinum  officium'  (Chorgebet)  und  der  ^reguläres  observanUatf 
(Ordsnskonstiiutionen)  gewidmet^).  Darauf  folgte  das  achtjährigi 
philosophisch-theologische  Studium,  zuerst  drei  Jahre  ^ogicalia^  (ariu) 
und  zwei  Jahre  ,naturalia%  im  wesentlichen  auf  Grund  der  Schriflm 
des  Aristoteles  über  Logik,  Natuiphilosophie  und  Metaphysik,  .(tofw 
drei  Jahre  Theologie,  einen  einjährigen  Bibelkurs  und  zweijährig 
Studium  der  Sentenzen  des  Petrus  Lombardus  umfassend^).  Mittd' 
punkt  des  theologischen  Unterrichts  war  die  hl.  Schrift  %  LeitHfrn 
die  im  Orden  offiziell  vorgeschnebene  Lehre  des  Thomas  von  AgtA^ 
(s,  oben  S.  35*),  dessen  Wei'ke  (öfters  zur  Erklärung  der  Sentenzen 
noch  beigezogen  wurden  ^.  Mit  diesem  geschilderten  Studiengang  vost 
die  Bildung  der  gewöhnlichen  Ordensmitglieder  abgeschlossen,  und  m 
konnten,  twchdem  der  Befähigungsnachweis  geliefert  war,  zu  (fcf 
eigentlichen  Ordenstätigkeit,  der  Predigt  und  Seelsorge  übergekm^ 
Die  Priesterweihe  sollte  nach  der  Ordensvorschrift  nicht  vor  dtm 
25,  Lebensjahre  empfangen   werden'^. 

Es  scheint,  dass  Seuse  jene  achtjährigen  Studien  in  Konstanz 
selbst   hat  nwchen   können,   wenigstens  ist  wahrscheifUich,   dass  «fcl 


')  Comtit,  im  Archiv  /,  4/OA?.  vgl.  M  O  i'  H  IJI,  17:  Fe  Idera  a,0,  336 f. 

^  Consta.  (Archiv  I.  201,  203). 

*)  Cap.  gen.  1305,  1311,  13 IQ  (M  O P II  IV,  12 f.,  52,  58),  Ich  fi*t^ 
nur  die  in  die  Jugendzeit  ^Seuses  fallenden  Beschlüsse  an  unter  Übergehung  i^ 
früheren  und  später en,  und  berücksichtige  nur  die  Siudienordnung,  me  si$  «*^ 
in  der  zweiten  Hälfte  des  13,  Jh.  herausgebildet  hatte  (vgl.  Felder  a,  a,  O.  Mf^ 
und  für  die  Folgegeit  in  Geltung  blieb, 

*)  Cap,  gen,  1305,  1309,  1312,  1315,  1325  (MO  1*11  IV,  13,  38,  66,9^ 
<sJ,  157)^     Für  das  einzelne  vgl,  Felder  a.  a,  0,  525 ff, 

*)  Felder  a,  a.  0.  491  ff.:  Saul,  Die  biblischen  Studien  im  Prediger^ 
Orden,  Katholik  1902  II,  269 ff. 

•*)  Das  Generalkapitel  von  1313  (MO PH  IV,  65)  schreibt  vor,  dass  90 
minus  tres  vel  quatuor  articuli  de  doctrina  fratris  Tliomae  gelesen  werden  miUsei^ 

0  Cap.  gen,  1242,  1311  (MO  PH  III,  23:  IV,  51). 


IJtuiliengDng  zu  Konataux  nnil  Küln,  g^* 

SU  sauer  Üeit  daselbut  wie  in  einigen  andern  südiieutschen  Prediger- 
mnten  ein  .Studium  pnrtiailare'  oder  .provinciiile'  befand ');  miiglich 
aber  auch,  dass  er  die  Theologie  oder  eitlen  Teil  derselben  in 
}$sburff  absolvierte*),  Jas  eine  bedeutendere  Ordenssekute  besass. 
Für  dir  Talentvolleren  gab  e«  jedoch  in  dem  „grossnrtigen 
wl»y»Utn'*)  der  Dominikaner  nach  eine  weitere  Gelegen/teit  zur 
^Idung.  Diejenigen,  welche  gut  gesittet  waren  und  begründete 
ung  gaben,  dass  sie  später  als  Lehrer  tüchtiges  leisten  würden*), 
ften  ein  ,studium  generale'  oder  .sollemne'  besuchen,  deren  jede 
)im  eines  besnss.  Hier  blieben  die  Studierenden  (studenies)  ije- 
Uick  wieder  drei  Jahre");  es  wurde  Schriftkunde  und  Studium 
tekaUtstischen  Theologie  auf  breiterer  Grundlage  beirieben,  in  Ver- 
eng mit  praktisclien  Übungen  (Disputationen).  Das  deutsche 
tralsfudium  war  seit  etwa  1248  in  Köln")  und  blieb  auch  da- 
4,  als  die  deutsche  Provim  130H  in  die  Provinzen  Teutonia  und 

*)  Xaeh  den  in  Rom.  Quartnhchr.  1H97,  SSrff.  edinlen  Abiin  der  I'rom'- 
\apiUl  eon  Teutonia  1H9S,  t4(X>  und  1403  u;ar  um  die  Wende  de»  14.  Jh. 
^üuffans  tin  Studium  der  Theologie. 

1  Die»  die  Annahme  I-rfgrr«,  Vorarbeiten  130:  Mystih  II,  36ä.  Im 
t  1325  Importen  sieh  die  Thfologle  gludierenäea  jungen  Dominikaner  r'n 
Uiburg  grgen  den  dortigen  I'rior  und  Kurden  eur  Strafe  von  der  Schult 
rn;  Se lut  ßndct  sich  nicht  unter  den  namvnltich  aufgeführte»  Miieelätern 
OPBIF,  IGO).  —  Einen  interesmutea,  uiita-em  Veraldndni^  £um  Teil  ver- 
nehrfaeh  talyrieeh  gehaltenen  RüekhUck  auf  seine  Studienzeit  (dam 
■tndiu  ttd  Btudioin  pergeret,  Biir.  149)  gilt  Seuse  Hör.  149 f.,  vgl.  Itl9ff. 
Viaion  stoti  Sehulrn,  in  der  ersten  werden  die  artes  liberales 
werden  genannt  die  aetrolo^i,  physici,  geometxici,  muHici) 
tt,  die  iteeite  i»t  die  scola  theologicae  veritatia.  In  dieter  sind  Sehöler 
Lthrir  In  drei  Klastrn  geteilt  igana  wie  es  in  Wirklichkeit  au  dm  theolO' 
ka  Fatiultälen  var.  vgl.  Felder  a.  a.  0.  SSSff.),  aber  das  Büd  iet  ein 
'f  itfritdigendie :  viile  btlreibrn  die  H'issenschaft  nur,  um  Ehrrnsfellefi  tu 
V«!  —  die»  gab  »eit  Endf  de»  13.  .Jh.  im  Dominikanerorden  unatiggtsetet 
Bojwi  Anlass,  vgl.  Monier  a.  a.  0.  II  llHOü)  lS4f.,  3Sö/.,  «?#.,  547 ff.: 
mdtrt  die  Würde  eines  jiratdicator  generali*'  war  angestrebt,  —  andere 
m  aicA  in  Spiitfindigkriten  und  ersannen  opinionum  noviUteH  mirabiles, 
ntf  dir  reine  Lehre  des  di)CtJ>t  egregina  (roea  Bine  Bgiina,  soi  sioe  nube, 
kr  Thona»  n<m  AqHtnl  mistachtet  and  hekämpft  wurde.  Nur  .Schiller 
'  tbrrttn  Klasse  hatten  die  richtige  Art  studendi  saaram  acriptiiram,  indem 
•ithf  nur  uaeh  Wissen,  sondern  auch  nach  dtr  Vultkummenheit  und  Liebe 
(reUitrrtlcn;  dies  sind  auch  die  geeignetsten  für  l'rälaluren  und  Lehrstühle. 
")  G.  Kaufmann,  Gesch.  der  deutschen  Universitäten  I  tlSfibi  äOH. 
'1  Cap.  gen.  1306,  1317,  1333,  ISäö  (MOFE  IV,  13,  iu:i,  148,  161  f.). 
'1  Caf.  gen.  1337  (MOI'H  IV,  J7B). 
")  Vgl.  Uenifl»,  Gesch.  der  Universinilea  I  (lö65)  StfTj: 


Einleitung.    11.    Seiiaps  Leljeii  liiiii  Werke. 


1 

[-reis  aM 


Snxonia  geteilt  wurde,  für  die  emtgeninitite.  in  deren   Ilmki 
der  Komtamer  Konoent  Itnj. 

Es  ist  ein  riihMiches  Zmtgtiis  für  Seiises  wissemckafUiche 
fähigwuf,  dass  auch  er  unter  den  wenigen  Erkorenen  tmr,  die  t. 
Köln  ouf  die  Hochschule  gesclüekt  wurden.  Er  ertoähnt  seim 
Aufenihnli  daselbst  <in  mehreren  Orten  (143,10. 19,  rgl.  103,21. 152,^. 
Wann  die  Übersiedlung  tfeschak,  int  nicht  sicher,  doch  lässt 
ffro»se  Begeisterung  für  Afeister  Eckhart  schliessen,  dnss  er  ihn  «üJ 
erst  kurz  vor  seinem  Tode  (1337)  kennen  lernte,  sondern  einige  Jak 
zu  seinen  F^sen  sass,  und  dies  führt  uns  etwa  nuf  dan  Jahr  13i 
Sein  Leben  der  Askese  setzte  Seuse  auch  in  Köln  fort,  doch  rfa 
er  jetzt  nicht  mehr  allein,  er  fand  einen  gleichgesinnttn  Frevnil,  i 
dem  er  einige  Jahre  zusammenlebte  und  bis  über  den  Tod  hin» 
verbunden  blieb  (143.19 f.).  In  dieselbe  Zeil  fällt  auch  der  H 
seiner  Mutter  (Katfreitag  1326  oder  1327).  Sie  erschien  ihm  dornt 
tote  er  erzählt,  in  verklärter  Gestalt  und  tröstete  ihn  in  seinem  Leu 
(143,10  ff.);  ihr  Bild  lebte  als  das  einer  Heiligen  in  seiner  Sede  fo 

Von  einschneidender  Bedeutung  für  seine  EntmcMung  als  Tkt 
löge  und  Mystiker  ivurde  seine  Bekanntschaft  mit  Meister  Eckhv. 
und  dfts  SchülerverhäUnis,  in  das  er  tu  diesem  gefeierten  Lehi 
an  dir  Schule  zu  Köln  trat.  Mng  er  auch  schon  früher  dessen  Idi 
am  seinen  Schriften  gesogen  haben  oder  ihn  bei  einem  AufenthiM\ 
Obenleutschland  vorübergehend  persönlich  kennen  gelernt  haben,  jed 
falls  datiert  hauptsächlich  aus  der  Kölner  Studienzeit  seine  liohti 
geisterung  und  treue  Anhänglichkeit  an  den  Meister ').  Wäre  es  uns  ni 
durch  lindere  Zeugnisse  verbürgt,  wir  könnten  es  allein  schon  owS« 
ermessen,  welch  machtvollen  Eijidruclc  Eckhart  durch  seim  Lü 
und  sein  heiliges  Leben  auf  ideal  gesinnte  jüngere  Urdensmit^it 
ausgeübt  haben  inuas;  zu  der  kleinen,  aber  um  so  treueren  Oentee 
von  Anhängern,  die  er  besass'^,  —  eon  einer  Schule  Eckharls  la 
man    nur    im    weiteren  Sinne    sprechen ")  —  gehörte   neben    Tat 

')  Alt  rin  Nachhall  »einer  Stimmung  eu  Köln  mag  dit  Schilderung  gtl 
die  Sru»«  Hör.  164  vo»  dfr  drittnt  Klasxf  der  Theologie  .'^udiermdni  (t.  i 
S.  SI*  Änm.  2)  gibt:  tertii  prupe  magi»tnim  cnogederant  et  aqiKun  BapJGBl 
aalutsris  ex  ore  eiut«  bibeatee  ioebriabaDtur  in  tantnm,  iit  eeipaoa  et  oi 
atiornm  obliTiscereatur,  et  corde  et  unimo,  nciili»  hc  facie  aursuni  tenderBotj 
i|uodiiiiimodo  in  »byssum  divinai-  speculationis  bc  duk-ediuis  iiimierai  et  abMl 
ad  divina  conlemplaiida  rapcrentur. 

•)   Vgl.   die   Vorrede   tum    ftfw   tripartitiim   im   Archiv  II,  533,5ff. 
l'rtgtr  I,  354f. 

•)  n»nifle  im  Archie  II,  .•>2:i. 


■  Staileugnag  zu  KunKtanx  uiid  Riiln.  g])*       ^^^J 

pwRtfirA  auch  Seuse.    Obwohl  nicht  blind  gegen  die  Schwächen  set'tie»     ^^^H 

^'Btukeits  nennt  tr  dock  deti  Verewigteii  in  der  \'itn  nie  nnders  als  den      ^^^^| 

^iftn'  oder  .heiligen'  Meisler  (22,28  ff.  ß3,4.  90,12),  und  redet  mit 

Smter  Wäi-me  von  dem  ,edlen  Tranke'  seiner  ,ai>ssen  Lrhre'  (99,12. 14). 

Wir  dürfen  annehmen,  dasn  Sense  den  Pruzem  gegin  Eckhart,  der 

m  Anfang  des  Jahres  1326 ')  angestrengt  wurde  und  seinem  Leben 

(inin  so  tragischen  Aasgang  gab,  vielleicht  auch  densen  Tod  (1337^, 

1»  fiöln    miterlebt   hat.     Seine  Anhänglichkeit    an   den   Meinter  ver- 

aochte  all  dies  aber  nicht  zu  erschüttern.      Bald    nach   seinem   Tode 

irickirn  ihm  derselbe  nach  seiner  Erzählung  (22,28Jf.)  in  ,überH-hwäng- 

liehtr  Herrlichkeit',  ,in  Gott  vergottet',  und  charakteristisch  ist  seine 

idli/nrt  inif  die  Frage   des  Jüngers,    welches   die   beste   Übung  sei, 

m  zur   Vereinigung  mit    Ootf   su   gelangen:    sich   selbst   mit   tiefer 

'i^assenheit   entsinken,   alle  Dinge  von  Ootf,    nicJit  ron  der  Kreatur 

ntlimttt    nnd   ttich    in    stille  G  eduldigkeit    setzen    gegen    alle 

JSil/ischen  Menschen. 

V     In  xein  Heimatkloster   ist   Seuse    irnhrecheinlich   1337   zuräck- 

■lArf.     Vorher  wird  er,  wie  es  Sitte  war%  einen  einjährigen  prakH- 

Hm  Lehrkurs   zur   unmittelbaren   Vorbereitung   auf  das   Lehramt 

^btmacht  haben.    Man  kann  die  Fragt!  aufwerfen,  warum  der  so 

^tSglich    befälligte    Dominikaner    nicht   wie   andere   hervorragende 

Uitgllrder  seines  Ordens  nach  Paris  gesandt  wurde,  um  daselbst  die 

Xogisterwürde  zu  erwerben*)'?    Liegt  der  Grund  in  dem  Misstrauen, 

iat  man  gegen   den  Schüler  deK  der  Häresie   verdächtigen  Meisters, 

Ar  aus  seiner  Verehrung  für  ihn  kein  Hehl  mochte,  hegen  mochte':' 

A'j  iit  möglich.    Jedenfalls  war  es  aber  auch  seine  eigene  asketische 

Sichtung,    die  ihn   der    weiteren    Verfolgung    der    wissen-'ichaftlichen 

Laufbahn   abwendig   machte.     Aus   den   interessanten  Bekenntnissen 

"»  Hör.  157  ff.,  173  ff.  geht  hervor,   dass  er  sich  im    Verlauf  seiner     > 

Studien,   namentlich    während   des  philosophischen  Kurses  stark  an- 

Jttkdt  fühlte  durch  die  Art  und  Weise,  wie  er  viele  seiner  Genoasen 

iite  Wi»senschfift    nur  aus  ehrgeizigen  Motiven    betreiben  sah.     Eine 

f*)  VgL  A,  Pummerer,  ller  gegentBärliiji  Stand  dtr  Bckhartforschung, 
iWcr  i'j   Lebeiuguny ,      Programm    der    ,'^'tellii    7MlUtitiu    in    l-'tldk'reh 
soff. 
'>  A.  a.  U.  33  f. 
*)  Cap.  gen.  1306  tMHI'H  IV,  Vi). 
*t  Nafb  drm  Prolog  ron  IÖ13  sollte  .Smx^  nuf  der  ll'-cligeliuk  nt  Köln  /f) 
trawior  {=  Maffister)  der  hl.  .Schrift  trcrdm,  alirrr  die  viiige  Wcixlieil  inden-i-i 
Ähnlich  Murer,  Steilt  «.  n. 


90*  Einleitung.    II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

Zeitlafig  drohte  ihn  dieses  unlautere  Strebertum  selbst  zu  erfasun\ 
abir  seine  tiefer  angelegte  Natur  riss  sich  los  und  trieb  ihn  zu  mm 
entgegengesetzten  Extrem,  einem  Leben  strengster  ZurOckgezogeniuA 
gleich  dem  der  Anachoreten  der  Wüste,  hin  (vgl.  oben  S.  79*  *).  Er 
verliess  die  Schulen,  qnas  ab  aliis  salubrius  regi')  aestimabat  (EarJ5)f 
und  gab  sich  ganz  der  spiritnalis  philosophia  hin,  welche  schon  auf 
Erden  einen  Vorgeschnack  den  Himmels  zu  geben  imstande  iä 
(Hör.  73). 

yn.  Das  Bachleln  der  Wahrheit')* 

In  die  Kölner  Studienzeit  fallen  noch  andere  für  Sense  4^ 
Ueutsame  Ereignisse  seines  Lebens.  Li  den  Jahren  1326  und  13X1 
ist  seine  erste  ^)  Schrift,  das  Büchlein  ihr  Wahrheit  entstanden,  wdckt 
Eckharts  Einßuss  noch  am  stärksten  zeigt.  Zwar  hat  Preger^ 
aus  dem  Prolog  desselben  gefolgert,  dass  Seuse  es  erst  nach  voU- 
endetem  40.  Jahre  (also  ruich  1335)  verfasst  habeti  könne,  damabj 
als  er  seine  Kasteiungen  aufgab,  um  in  die  höhere  Schule  der  vdär 
kommenen  Gelassenheit  eingeführt  zu  werden.  Aber  die  Beweisführung 
ist  nicht  stichhaltig,  da  d£r  Begriff  der  Gelassenheit  im  Bdw  wd 
in  der  Vita  sich  nicht  deckt:  hier  ist  die  praktische  Bewährung  der 

^)  Hör.  173:  ccpit  ad  honores  ac  promotiones  pluB  quam  oportoit  aspinn 
temporales. 

*)  Den  Anstoss  gab  nach  Hör,  173  eine  Vision,  in  welcher  er  auf  d§t 
Wort  des  Altvaters  Arsenius:  fons  et  origo  omnium  bonorum  homini  spiritoili 
est  in  cella  sua  iugiter  commorari  (vgl.  Vita  104,8  f.)  verwiesen  umrde^  Ä 
wird  hinzuzudenken  sein,  dass  Seuse  sicJi  damals  entscMeden  jener  Michiiui§ 
im  Dominikanerorden  atischloss,  welche  die  allzu  starke  Betonung  der  Wisse»' 
Schaft  und  besonders  der  Philosophie  (mundana  philosophia,  Hör.  174)  A 
Preisgabe  der  ursprünglichen  Ideale  des  Ordens  verpönte,  wie  dies  iehe» 
Gerard  von  Fracheto  getan  (s,  oben  S.  79*  A,  3,  vgl.  Felder  a.  a,  0,  46^ 
und  Th.  Wehofer  im  Jahrbuch  f.  Philos.  u.  spekuh  Theoh  XI  [1897]  17ii' 

")  Dieser  Ausdruck  lässi  schli essen,  dass  bei  Seuse  toirklich  die  EryDer* 
bung  des  Magister grades  in  Frage  kam:  ,magister  regens^  hiess  der  an  <Ur 
Spitze  des  Lehrkörpers  einer  theologischen  Fakultät  stehende  Lektor  (Felätr 
a.  a.  0.  538).     Vgl.  auch  Hör.  154:  praelationes  ac  rogimina. 

*)  Über  die  Abfassungsverhältnisse  und  -Zeit  des  Bdw,  Bdetc  und  BiHf* 
habe  ich  ausführlicher  im  Hist,  Jahrbuch  1904^  176—90  gehandelt, 

^)  Ich  sehe  hier  von  dem  dritten  Teil  des  Bdew  (die  hundert  Betraehr 
tungen)  ab,  der  vielleicht  vorher  entstanden  ist. 

«)  Vorarbeiten  126 f.:  Mystik  II,  329 f.,  359.  Denifle  XXVI,  Se»' 
brrg  49,  138  ff.  und  Strauch,  Allg.  dtsch.  Biogr.  37,  170  lassen  das  Büc^ 
lein  zwischen  1327  und  1329  rerfasst  sein. 


hu»  Büt'liIeiD  äet  WabrLeit. 

kld  in  Heimfiichtingen  und  Widerwärtigkeiten,  dort  nher,  wenn 
\  nicht  nuxuclUieitdich,  die  mystische  Vereinigung  der  Seele  mit 
\  gemeint;  dass  aetne  Mortißkationen  alle  schnn  zu  Ettde  Heien, 
Seuee  im  Bdiv  nirgends.  Näherhin  bestimmt  sich  die  Abfassung»- 
iks  lidw  nach  der  dex  Bd«ir:  es  miins  vor  dem  letzteren  verfasst 
,  denn  Bor.  14,  ho  Sense  über  die  Ent4ehunij  des  Bdew  Auf- 
tos  gibt,  sagt  er:  tiniens,  De  iatud  quoqne  »imiliter  piiim  opoe 
HD  (aemnloram)  dentibuB  dilaeeraretnr,  Viit<r  der  angegriffenen 
rift  kann,  sotfeil  wir  wissen,  nur  das  Bdw  gemeint  sein.  Nun  ist 
r  dag  Bdew,  icie  später  nachgewiesen  wird,  1327 j28  entstanden,  also 
\t  da»  Bdw  vorher  fallen,  und  zwar,  da  im  sechsten  Knpitel 
itee  Eckhart  in  einer  Weise  eingeführt  ist,  dass  miin  ihn  nur 
gestorben  denken  kann  (354,5 f.:  ich  han  vernomen,  daz  ein 
er  meister  ei  gewesen),  ist  der  Schlnss  nach  des  Meisters  Tod 
\  1327  terfagst.  Die  vorausgehende  Hauptjmrtie  (Kap.  l~r>)_ 
de  lonkrscheinlich  schon  vorher  während  Eckharts  I'rozess,  in  dem 
tieh  ja  um  ähnliche  Fragen  handelte,  wie  sin  in  dem  Hiichhin 
werden,  niedergeschrieben. 
Seinem  Inhalt  nach  ist  das  Bdw  eine  in  Dinlogform  (der 
er  fragt,  die  [ewige]  Wahrheit  antwortet)  gekleidete  Ausein' 
•Htzung  über  die  höchsten  Fragen  der  Mystik:  Gott  und  Gottes 
n,  seine  Einheit  und  Dre^rsönlichkeit,  Schöpfung  und  Mensch- 
ditng,  Vereinigung  der  SeeU  mit  Gott  hienieden  und  im  Jenseits, 
iheü  und  sittliches  Betragen  des  Menschen ').  E.i  ist  die  einzige 
fift  Beuten,  wenn  man  von  Kap.  46—53  der  Vitn  absieht,  welche 
tx professo  mit  der  spekulativen  Mystik  hefasst,  nach  Denifles*) 
hI  ths  schwierigste  Büchlein  unter  den  Schrijten  der  deutschen 
Üker.  Besonders  das  fünfte  Kapitel  leidet  n»  Dunkelheit  und 
■Verständlichkeit.  Seuse  ist  im  Bdw  nicht  der pruktisch  gerichtete 
der  aus  der  Fülle  des  Herzens  redet,  vielmehr  wiegt  der 
lehrhafte  7'on  vor  und  lerrüt  den  noch  im  Schulyetriebe 
\ätn  Anfänger.  Die  Ausirahl  der  behandelten  Fragen  ist 
■  die  polemische  Tendenz  bestimmt:  das  Büchlein  richtet  sich 
ulick  zunächst  gegen  die  Begharden  und  Brüder  des  Jreien 
*«'),  welche  einerseits  den  Wesensunterschied  zwischen  Galt  und 

')  Kmt   genauen-    Analyse    und    Enlurkktiiny    </"'    Lehre    des    lliiw    hri 
1  tr  11,  386-400. 

•)  StuH  XKV. 

*)  YgL    Anm.    su    S3,liff.      Wtittrrt    Ober    diree    Srklrn    bei    Ja 
»f* da  fanl/iiieme pofiutaire  av  moyen-äge,  Paris  1875,  47  ff.;  Dilaet 


J 


92*  EinMtiiritf.   IL    Stiiaes  U-hm  und  Werke. 

der  Seele  in  der  Beschauuni/  panthtistiach  verfiüchtigen,  rtnderefteiü 
in  falscher  Anffassmy  der  Wiedergeburt  dem  mit  Gott  OetiiAn 
alles  erlauben  und  so  in  Libertintsmus  auarirten.  Vorübergehend 
(340,3  ff.)  acheint  Seuse  auch  eine  rigoristiscJie  Bichlung  der  AskiM 
(die  FraticeUeit?)  sit  hckämpfen,  welche  die  Nachfolge  Christi  > 
üusserlich,  nicht  im  Geiste  auffa^sie  und  die  Liebe  hintametste. 
nechnten  Kapitel  nimmt  er  seinen  verehrten  Meister  Eclfhtirt,  jedoA 
ohne  seinen  Nnmeti  z«  nennen,  gegen  die  Begharden  (daz  wiUe) 
in  Schutz,  indem  er  in  takttmlier  Weise  deren  Berufung  auf  eimelw 
unvorsichtige  und  paradoxe  Sätze  jenes  als  unberechtigt  aitmit 
und  ihnen  gegenüber  die  gesunde  kirchliche  Lehre  entwickelt').  Mam 
wird  in  Bücksicht  darauf  kaum  sagen  können,  Seuse  tmye  im  Bdw 
Kckharts  Lehre  vor'),  denn  den  materiellen  Inhalt  der  angefockitUi 
Sülze  macht  er  sich  keineswegs  zu  eigen.  Übrigens  ist  das  Andenid 
an  den  Meister  in  dem  Bvchlein  durchweg  noch  ein  sehr  früeh» 
und  lebendiges. 

Das  Bdw  fand  in  gewissen  Kreisen  —  zweifetJos  divselbtn, 
welche  gegen  Eckhart  so  gehässig  vorgegangen  waren  ~ 
i/iinstige  Aufnahme.  Es  darf  uns  das  nicht  überraschen:  EckM 
war  eben  gestorben,  aber  sein  Prozess  war  noch  nicht  entschiei 
und  die  Erregung  der  Gemüter  dauerte  fort,  da  taucht  Seuses  Sckrij 
auf,  ganz  im  Sinn  und  Geist  des  Meisters,  wenn  auch  ohne 
Extravagamen  und  von  untadelhafter  Orthodoxie,  sie  rühmt  ji 
als  den  ,hohen  Meister'  und  scheint  Ihn  zu  verteidigen  oder  we> 
zu  entschuldigen,  —  was  WuTider,  wenn  der  Schüler  in  das  Vi 
hängnie  des  Lehrers  hineingezogen  wird  M«d  sich  harte  Ankiogi 
gefallen  lassen  muss?    Verschiedene  Andeutungen  über  Anfeim 

Et»ai  nur  Ir  my:tiiclsme  gpictilatif  «n  Atlemagne  au  XFV  eiiele,  Pari»  U 
77/.;  H.  Haupt  in  Unainntgklop.  f.  prot.  Thwl.  //',  533f.,  lli;  401 
VittleicM  hat  Haupt  Steht  (IIi;  470/.),  ieenn  er  meinl,  m  maehe  dm  1 
druck,  alH  ob  bei  Seuse  nicht  so  fatt  eint  eigentliehe  Sekte,  ah  eine  kraiAM 
Itiehtuag  und  ein  Vheraehviang  der  mgetitehtn  KdigioeiKil  Überhaapl  I 
kämpft  wfrden. 

')  yähere»  im  Kommentar  tu  S.  364^-57. 

')  rreger.  VorarhtiKn  137.  Wenn  derai-ll'e,  Mystik  II,  360, 
Stuee  sitee  eieh  durch  leine  V'ertndiyumj  Eekharte  in  Oegmsaft  ruf  pSfi 
liehen  Ymlammungehulle  von  1339,  mclc/te  eine  VtiieidigH«n  oder  BitUg» 
der  verurttiltfn  S6ttr  Kckharts  verbiete,  ti>  erweiin  lich  diett  Anaicht  bei  < 
fri>he-rm  tiatieeung  dri  Büchlein/i  alu  utiiiehtig.  rie  heriiht  iihnehin  auf  ei- 
falschen  Auslegung  de»  Texitn. 


DiiB  Büchlein  der  Walirheit, 


Verfolgutu/en  in  der  Vita  (5,11  f.,  68,17  f.)  und  im  Hör.  (13 f.') 

'fK  äck  kaum  auf  etwas  anderes  ah  auf  jtne   WiderwäHiykeiien 

\en,  tcelche  die  Veröffentlichung  des  Bdw  Sense  zuzog.    Es  wird 

•  Zeitpunkt  auch  mit  jenem  zusommenfalirn,  iro  ihm  im  Traum- 

ejb    der    verstorbene    Meister   Eckhart    und    seine    selige    Mutter 

nen  und  ihm  Mahnung  und  Trost  gaben:  er  solle  sich  in  stille 

ydigkeit   setzen  gegen   alle  wölfischen  Menschen,    Gott  werde  ihn 

\mr   Widerwärtigkeit  verlassen  (23,11/.  143,12/.). 

Die  Anfeindung  verdichtete  sich  sogar  zw  einer  formellen  An- 

vor   dem  Oedenafornm.     Settse   erzählt   im   23.  Kapitel  seines 

w;   zu   einer  Zeit  sei  er   auf  die  Anklage  zweier  ,Vornehmen' 

Ordensbrüder  in  höherer  Stellung)  hin  vor  eine  Ordensversnmm- 

in  den  Siederlanden  zitiert  worden.    Es  wurde  ihm  unter  ,viden 

■«n  Sachen'  nnmenÜich    das   vorgeworfen,   er   mache   Bücher*), 

btieR  stünde  falsche  Lehre,  von  der  aÜfS  Land  verunreinigt  würde 

hetzerischem  Unfiat.    Man  setzte  ihm  mit  harter  Bede  scharf  zu 

droht«  schwere  Strafe  an,  ,mewohl  ihn  Gott  und  die  Welt  darin 

iuldig  wtisste' ;  er  litt  .grosse  Unehre  und  Schmach'  (fi9,8f.),  aber 

iner  eigentlichen  Bestrafung  scheint  es  nicht  gekommen  zu  sein. 

Ordenskapitel,   auf  dem  Seuses  Sacke  perhandelt  vnrde,   kann 

Versammlung    des   ganzen    Ordens  (Generalkapitel)   oder    der 

IM  Teutonia,  zu  der  auch  die  Niederlande  (Brabont)  gehörten, 

WM  »em');  auch  bei  Provinzirdkapiteln  hntten  nämlich  die  ,inqui' 

iw  haereticae  pramfutis'   amresend   su   sein*).      Von  den  in  der 

txm  1327  iiis  1.334  —  dieser  terminus  ad  quem  ist  anzunehmen 

K  der  Datierung   des  Hör.,   n.  unter  B  III  —   in  den  Nieder- 

m  abgehaitenen  Ordensversamnüungen  *)  ist  das  für  unsern  Fall 

')  Sni»f  fährt  Mtr  tin«  «e/tf  «vhar/e  Spracht  gtgen  stine  (and  Eekhaiin) 
er,  er  muxate  Kitten,  das«  der  Ordmsgmm-dl  Hugo  von  Vaucemain,  dtm 
I  Üchhft  widmete,  kein  Gegner  df  mystischen  Richtung  »ei. 

*]  Aach  w«in  Sfusr  zartfit  nur  rine  6'chrift  (das  Bdvl  vtrfasH  hallt, 
U  AwA  verallgtmeinernd  gesagt  Verden,   fr  maeht  kelntrisckr  ,Bücher'  (so 
rkhtig   l'rtger  II,  33U  gegen  DtHiflt  XXVI)!  vielUicht   handelte   es 
tbv  auch  noch  um  eint  ander'  xtnt  unbtknnnlt  (lairinitehr  ?)  Schrift. 
'\  Vfß.  Aam.  SU  38,3. 

•)  Cap.  gen.  Iä7ä,  1385  (MO PH  III,  161,  3SHh 

*)  Vl30 Gatei'alkapilel  tu  Maaatriehl;  1337  Proviaiialkap.  su  Antwerpi^, 
V  Utrecht.  Die  Prorineialkap.  und  -Pi-iortn  werden  nach  dem  Vergeichnis 
Vey<r«  f»  Cod.  BruÜ.  E  III  (V  Bl.  136 f.  sitieit  (Publikation  durch 
WnLoi  tithl  bevor;  mir  uland  rin-  Abschrift  von  Prof.  L.  Baur  in 
ttn  nr  Vfrfügung). 


94*  Einleitung.   II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

zutreffende  sehr  wahrscheinlich  das  Provinziddkaipitd  von  Antwerpen 
1327  ^).  Provinzialprior  von  Teutonia  war  damals  (1326 — 31)  Hein- 
rieh  de  Ligno  *),  iDid  die  Provinz  befand  sich,  wie  aus  verschiedenen 
Anzeichen  hervorgeht,  in  Unordnung  und  Verwirrung.  In  einem 
päpstlichen  Schreiben^)  vom  1,  August  1325  wird  beklagt,  dassUnr 
friede  und  Parteiungen  unter  den  deutschen  Dominikanern  herrschen 
und  dass  Geicalttätigkeiten  und  Missbrauch  der  Amtsgewalt  gegen 
sittenstrenge  Untergebene  vorgekommen  seien  (quod  quamplares  fratrei 
laudabilis  conversationis  et  vitac  graves  ab  eorum  saperioribns  BOot 
perpessi  iactaras  etc),  und  es  tvird  daher  eine  Visitation  und  Re- 
formation der  Provinz  Teutonia  angeordnet,  zu  der  auch  der  bekannte 
Mystiker  Nikolaus  von  Strassburg  als  Vertrauensfnann  beigezoqen 
wurde.  Der  eigentliche  Grund  jener  Wirren  lag  aber  darin,  dass 
der  Orden  in  Deutschland  in  eine  strengere  und  laxere  Sichtung 
gespalten  war;  wenn  nicht  alles  trügt  —  das  spärliche  Quellen* 
material  erlaubt  es  nicht,  in  d^r  Sache  ganz  sicher  zu  sehen,  —  so  hat 
es  sich  auch  bei  dern  Prozess  Eckharts  um  einen  Zusammenstoss  beider 
Richtungen  gehandelt.  Es  ist  aus  den  Akten  erwiesen,  duss  bei  demr 
selben  Neid,  Parteigehässigkeit  und  niedeHrächtiges  Denunziantentum^) 
inn-  und  ausserhalb  des  Ordens  eine  Hauptrolle  spielten;  den  Feinden 
Eckliarts  gelang  es  sogar,  den  päpstlicfien  Kommissär  Nikolaus,  der 
Eckharts  Angelegenheit  zunächst  in  einem  diesem  günstigen  Sinne 
entschieden  hatte,  in  dessen  Schicksal  zu  verwickeln  und  bei  dem  erzr 
bischöflichen  Gerichte  in  Köln  seine  Exkommunikation  als  ,Begünstigef 
der  Häresie^  zu  erwirken,  welches  Urteil  aber  vom  Papste  bald  dar' 
auf  wieder  aufgehoben  unirde'"*)  (erste  Hälfte  von  1327).  In  dis 
unmittelbare  Folgezeit,  als  die  Verwirrung  in  der  Provifiz  Teutonia 
noch  fortdauerte,  fällt  auch  das  Vorgehen  gegen  Seuse.     Wir  werdet 

^)  Entsprechend  der  späteren  Datierung  des  Hör,  entschieden  iid 
DenifU  98  für  datt  Generalkap,  zu  Brügge  1336',  V  reg  er,  Mystik  II,  33tl 
360  und  Seeherg  144  für  das  Promnzialkap,  von  Hersogenbusch  1335, 

-)  Nach  dem  eben  zitierten  Verzeichnis  J.  Meyers;  vgl,  auch  Jund 
a.  a.  0,  287 ff .     Vreger,   Vorarbeiten  34  hat  fälschlich  de  Lingo. 

8)  Veröffentlicht  von  Denifle  im  Archiv  IV,  314 ff.,  von  HauvilW 
in  Analecta  ÄrgeiUinensia  I  (J9C0)  83 Jf. 

')  Ztrei  sittlich  anrüchige  Dominikaner,  fr*  Hermann  de  Summo  ud 
Wilhelm  (de  Xidecken)  traten  hauptsächlich  als  Ankläger  gegtn  Eckhart  atfy 
vgl,  V  u  mm  er  er  a.  a.  0.  23  ff, 

'•)  In  einer  Beschwerdeschrift  tratm  sich  deshalb  vifr  Fraticellen,  dai  imM 
Wilhelm  von  Occam,  gegen  I*apst  Johann  XXII  auf,  vgl.  P reg  er  I,  483f, 
Denifle  in  Zfdn  XXIX,  2fiO:  Pummerer  a,  a,  O.  28,  32 f.        . 

r 


iler  Diilze^e  Kntmtnux  und  des  Donutiikantrorilptiij.      95* 

fehlgreifen,   wenn  wir  die  tief  erliegende  Ursache  desselben  wie 

■.hart  in  dem  Ham  und  der  Aimeiguiig')  gegen  den  unbequemen 

iritualen")  sehen;  die  Atikloge  wegen  heterodoxer  Lehrmeinung  war 

Ir  V&neand   und  auch    tatsächlich  nicht  zu  enteisen,   denn   sonst 

H  8euse  wohl  nicht  straflos  ausgegangen.     Immerhin  dürfen  wir 

kb  einen   Nachklang   der  gegen    Eckhart,   und  Seuse  gerichteten 

inndlungen  auffassen,  wenn  das  Generalkapitel  zu  Toulouse  1$28 

Imimunyen   gegen   einige  (aliqaj)  Ordensbruder   erlässt,    welche  in 

n  Predigten    vor    dem   Volke    quaedam    Bubtilia   behunddn,    iriix 

Volk   leicht   in  Irrtum  führen   könne,   und   auch   den  Lektoren 

ikärft,  in  ihren  quaestioues  und  lectiones  nicht  i^olch  i/efäkrliche 

ji  vorzutragen  ^. 


B.  Seuse  als  Lektor  und  Prior, 
^ftstellerische  und  seelsorgerliche   Tätigkeit 
(ca.   1327—1348). 

lllgemeiue    Verhältnisse    der    Diözese    Konätaoz    uud    des 
Uominibanerordens. 

schon  erwähnt,  itsl  Seitut  vermutlich  im  Jahre  1327  nach 
Itlim  zurückgekehrt,  sei  es  vor  oder  nach  Jenem  Kapitel,  auf 
so  hart  behandelt  wurde.  Auf  dem  Heimweg  —  die  Prediger 
I  stets  zu  Fuea  reisen  in  Begleitung  eines  ,GeselU-n'  (socius), 
•Anm.  zu  ('iii,lll  —  befiel  den  geplagten  Mann  schwere  Krankheit, 
ihn  dem  Tode  nahe  brachte  (68,27 ff.);  damals  mag  sich  auch 
so  ergreifend  erzählte  Begegnung  mit  dem  Mörder  am  Ufer  des 
abgespielt  haben  (Kap.  26). 

'.  Sor.  13/.:  aemnli,  qiii  nunc  quoqiie  sicut  olim  invidia  stimaiante 

t  Ucet  bona  depravare  aiit  penitus  annuUfire  non  degietunt,  dWina 

lautes  Bupentitiosa  flguenta,  et  sanctas  revelationes  fantastieas 

tonimque  gvtitn  pstnini  eaae  dicunt  narratdrium  faliuloBum  .  . . 

idu  adinycationea  topieas  Tel  propoBitiones  dabias  seiiimnliir 

B  dcmonetratioDeB  certas. 

^  SpirÜitalM    (niVa,  philosophia,    homo    U9U>.)   ist   rm  Liehlini/taitsdruck 

Zfdn  XXIX,  363:  I'ummtrer 


96"^  Einleitung.   II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

In  der  Hehnat  traf  Seuse  recht  unerquickliche  VerhäUniise 
an  ^).  Nach  dem  Tode  des  Bischofs  Heinrich  von  Klingenberg  (1306) 
war  die  Glanzzeit  des  Bistums  Konstanz  vorüber,  es  geriet  immer 
mehr  in  Schäden  und  die  Verweltlichimg  zog  immer  weitere  Krei»; 
die  zwiespältigen  Bischofftwahkn  wollten  nicht  enden.  Itisbesandm 
war  es  auch  der  unselige  Kampf  zwischen  Ludwig  d-em  Bayer  und 
der  Kurie,  der  seinen  Wellenschlag  in  die  Bodenseestadt  mrf, 
Bischof  Rudolf  III  von  Montfort  (1322  ^3i)  hielt  bis  zum  Jahre 
1332  zum  Papste,  d<m  er  seine  Erhebung  verdankte^  während  siek 
die  Stadt  und  ein  Teil  der  Geistlichkeit  (namentlich  die  Franziskaner) 
auf  Seite  Ludwigs  schlugen,  weshalb  1326  wie  über  andere  Reich»' 
Städte  so  auch  über  Konstanz  das  Interdikt  verhängt  wurde;  von  da 
an  war  der  öffentliche  Gottesdienst  zwölf  Jahre  lang  eifigestdlt,  eim 
Massregel,  die  notwendig  das  kirchliche  Leben  aufs  schtverste  schädig» 
musste.  Der  Bischof  änderte  im  Laufe  dss  Jahres  1332  seine  /wff- 
tische  Gesinnung,  unterwarf  sich  1333  dem  Kaiser  und  empfing  po» 
ihm  die  Regalien,  was  die  Verhängmig  des  Bannes  auch  über  ifc» 
zur  Folge  hatte%  Nach  seinem  Tode  fand  1334  eine  Doppelwakl 
statt;  der  Kandidat  der  Majorität,  Nikolaus  von  Frauenfeld  (1334^44), 
trug,  vom  Papste  bestätigt,  den  Sieg  davon.  Dem  überlegenen  B^ 
Werber  Albrecht  von  Hohenberg  kam  Ludwig  der  Bayer  mit  Wa^f»r 
gewalt  zu  Hilfe,  aber  ohne  viel  auszurichten;  von  Mai  bis  August  1334 
hielt  er  sich  am  Bodensee  auf  und  belagerte  14  Wochen  lang  wt^ 
geblich  das  feste  Meersburg,  in  das  sich  Bischof  Nikolaus  einge^ 
schlössen  hatte^. 

Die  Dominikaner  standen  von  Anfang  an  treu  zum  PapfAej 
doch  flicht  ohne  Ausnahme^  me  verschiedene  Verordnungen  der  Generd" 
kapiU'l  von  1325 — 30  gegen  Brüder  der  Provinz  Teutonia  zeigtet 
welche  die  päpstlichen  Erlasse  nicht  ausgeführt  hatten  %  Im  IwMfif^ 
des  Predigerordens  war  wie  bei  anderen  Orden  seit  Ende  des  13.  J^' 


')  Vgl,  sum  folgenden  besonders  K,  Müller ,  Der  Kampf  Ludwigs d,  ^ 
mit  der  Kurie  I  (1879)  passim;  Heg,  Ep.  Const.  II;  J.  Knöpfler^  KaÜM^ 

m 

Ludwig  d,  B.  und  die  Ueichstädie  in  Schwaben,  Ehass  und  am  Oherrhetn^  •• 
besonderer  Berücksichtigung  der  städtischen  Anteilnahme  an  des  Kaistrs  KoMfi 
mit  der  Kurie,  in  ,For8chungm  zur  Gesch.  Bayerns'  XI  {1903)  Iff.,  103  ff.  Ex^ 
gute  Übersicht  der  hirchenpolitischen  Ereignisse  zu  Konstanz  gibt  K,  Beyerl^ 
im  Freih.  Liöz.- Archiv  1904,  Iff, 

-)  Heg.  Ep.  ConsU  II  n.  4336, 

^  A.  a.  ().  II  n.  4435. 

^)  MOPH  IV,  160f.  16S,  178f.  197,  Vgl,  auch  Preger  II,  290f.i 
Pflugk'Harifung  in  Zeitschr,  f,  Kirchengesch,  XXI  (1900)  217 ff. 


Aflg.  VMhKUnisse  der  Jiiöyaee  Konstimz  nnil  dw  l'oiniiiilianerordeus.     9' 

Ertchlaffunij  eingetreten,  die  sich  in  der  foiyendtn  Zeit  in  be- 
tiicher  Ü'eiae  str.if/erte^);  Missbräuche,  unter  denen  Missachtvng 
UösterUchen  Disziplin,  Beihebnltunij  und  Erwerb  von  Privrtt- 
itn*),  leichtsinniges  Schuldenmilchen  und  VernachlässiyuHg  der 
n.  Haschen  nach  Ehrenstillen  und  Privilegien  ulier  Art,  in 
nkiöatcrn  Üppigkeit  und  ZuchUosigkeit '}  eine  Hauptrolle  sjnelen, 
n  sogar  teilweise  einen  raschen  Verfall  herbeizuführen.  Die 
Hflen  Seusfs  sind  voll  von  Klagen  darüber,  die  schwerlich  iiber- 
m.  Im  sechsten  Kapitel  des  Bdew  und  noch  eingehender 
A^ ff.  { Aufschrift :  Planctus')  BUper  extiDcto  fervore  devotionis 
Irersis  personie  ntriusqoe  sexas  moderni  teiiiporis)  »chUdtrt  er 
Kloslerwesen  seiner  Zeit  in  Fomi  einer  Vision  unter  dem  Bilde 
alten,  zerftUenen  Stadt  mit  ruinösen  Mauern  und  Gräben,  voll 
•  Tiere  in  Menac/iengestalt.  Obwohl  die  Zahl  der  Outen  an  sich 
achtet  immer  noch  eine  grosne  sei  (Hör.  4l^:  licet  [electi,  inste 
I  inter  alios  oouvereantes]  in  magno  adhuc  nnmero  inveniantur 
Doi  gtatD  et  religione  ac  aetate  ntriusque  sexue),  so  Überwiege 
iceit  die  Zahl  derer,  die  u-eltUche  Herzen  unter  geistlichem  Ge- 
t  tragen,  denen  Verstösse  gegen  Gehorsam,  Armut  und  Keusck- 
heinahe  zur  Gewohnheit,  ja  zur  Ehrbarkeit  geworden  seien,  und 
ihre  Vergehen  durch  sophistische  Auslegttnij  und  Deutung  der 
•egtln  zu  brsehiinigen  auchen.  Eine  Gegenbewegung  gegen  jene 
Ordnungen  machte  sieh  zwar  schon  bald  von  innen  heraus  geltend, 
der  rätnischen  Provinz  eon  seilen  einiger  eifriger  Refortnfreunde, 
ton  dei%  Laxeren  SpirituaUu  (auch  ,spigolistae'  oder  ,de  spiritu') 
nt  wurden,   an  denen  aber  das  Generalkapitel  von  1321  nichts 

1   Vgl.  auch  ohen  S,  72*,  94*.  Eine  quellfiimäteigr  Schilderung  der  Zu- 

and  der  Beformvermeke  unter  dem  Ordensmeii'ter  Herväas  (131S—S3) 

trtitr  a.a.  0.  II.  ädSJf. 

*)  Dan    (Itnfralkapitel  von    1318  (MOI'H  IV,  108)   klagt:  cum   ynasi 

:  commmutas  pereat  elc. 

't  Statt  tieltr  Belege  rerweiee  ich  auf  das  Leben  Llutgarts  von  WitUchen 

i(,  tjttiinigatamlung  III,  iSOf.),  die  Sariiei-  Predigten  von  ea.  1350  (bei 
eiernagel  a.  a.  0.  6S3ff.J  und  Seuerg  Sriefr  (namentlich  Gr  Bfb  II, 
TIU,  XJV,  XVII-X.IX,  XXVIIl. 

*)  Wir  beßndirt  uns  in  der  Zeit  der  Riform- und  Streiitchriften :  Alvaru 
fo  terfanat*  1333  eetnen  Traktat  ,l}r.  planctu  tcdesiar',  Konrad  von  Mri/en- 

133718  eein  Gedicht  ,FIanctM  tcclesiac  in  Gn-maniam'  (Au.iiüije  von 
I  im  Hi«t.  Jahrb.  1901,  63Jß.),  ersterer  als  Anklinger  de»  Papste», 
als  aolcher  Ludwig»  d.  B.,   heide  aber  alf  lUfifm/reunde  aus  ivaitner 


98*  Einloilunf;.    II.    Seasc-s  Leben  iiii<I  Werte. 

ctla  ihre  mit  gewissem  Eigensinn  festgehaltenen  Sonderheiten  in  (Jebm 
und  Fasten,  die  leicht  zu  einer  Spnltunfj  im  Orden  föhren  konnten, 
aitszusetiMn  wuaste ').  In  Deutuchland  standen  auf  Seite  der  strengere» 
Richtung  nmnentlich  auch  (.lie.  Gottenfreunde  und  Mgstiker,  tne  Etl> 
hart,  Tau/er,  Seuse '),  Nikolaus  von  Strassburg,  die  aber  gerade  rf«*' 
wegen,  wie  irir  bereits  sahen,  von  den  laxeren  Elementen  geilte  alt- 
,freie  Geister'  und  Häretiker  (vgl,  Anm.  2u  fS3,}iff.)  gebrandmarit' 
und  verfolgt  wurden.  Im  Jahre  1325  (vgl.  oben  S.  94*)  regte  der 
Ordensgenerol  Bamabaa  bei  Papst  Johann  XXII  eine  Reform  ikf* 
Provinz  Ti'Utonin  an;  der  Promnzial  Heinrich  de  Ligno  nppellitrti 
dagegen  an  den  Papst,  der  ihn  aber  1331  seines  Amtes  enthob  ml 
der  Proeim  in  dtr  Person  des  Franzosen  Bernard  Carrcrim 
Generalmkar  gab,  der  im  gleichen  Jahr  zum  Provimial  gacäliä' 
wurde^).  Papst  Benedikt  XU  be^chied  1333  den  Ordimimeütir, 
Hugo  nach  Ävignon,  um  mit  ihm  über  Abschaffung  verschiedeiUf: 
Missbräuche  im  Orden  zu  beraten  *).  Zu  einer  durchgreift 
Aktion  kam  es  aber  damals  nicht,  und  als  vollende  die  PestjaKrt 
(1348—50)  die  Zmhi  und  Ordnung  allmthalhen  auflösten  \  varM 
das   Übel  noch  ärger. 

Der  allgemeine  Niedergang  des  kirchlirhen  Lebens,  die  unktü 
vollen  kircfienpolitischen  Verltältnisse  in  der  ersten  H/ilfte  des  14.  JA 
dazu  eine  Reihe  erschütternder  Naturi-reignisse  seit  den  dreisagH 
Jahren"):  Erdbeben,  Überschwemmung,  Heuschreckenplage,  MiaswacH 
und  Seuchen,   mit   ihretn   reichen  Gefolge   an   sozialem  Elend  alUf 


•)  MOPH  IV,  IJT ,-  vgl.  Morticr  a.  a.  0.  II,  ^56 ff. 

')  In   der  Jvh.  Mtytrsehtn  Chronik   der  (rmeralmrister    drx    Prrdig^ 
ordms  steht   hrim  15.  General  Barnahan  (1334—33)    dir  Bemtrkung:   \n    X 
zitten  lebUn  vil  heiliger  brfiiler,  den  von.  bertzen  wc  tett  der  ab^ujig  der  ob 
vantK  dea  orduaa  und  duz  mans  nit  reformierea  niocbt,  under  den  was  byMi 
VenturinuB,   tl.  SÜsr,  Johannes  Tauler,  meister  Eckard  etc.  (nach  dem 
hamer  Cod.  PhilUpp.  33H0  S.  p-  siliert  bri  Priehseh  u.  a.  0.  I,  SO). 

*)  Notie  in  Joh.  Mtyers  Liste  drr  I'roointiak,  ha  Jundl  n,  a,  0,  i 
(diich  steht  hier  fäUehlich  Tarrerim,  s.  dagegen  MUPH  IV,  311):  < 
A'.  Müller  a.  a.  0.  I,  168/.  Sit. 

•)  Reichert  in  Rüm.  i^narlaischr.  1897,  389  mit  Beleg  aue  dem  m 
kiinisrh(n  Akten. 

<•)    Vgl.   dif  Klagen  des   GmeralkapiteU  von  1353  (MOPH  IV,  MSj 

")  ZtisarnrnetieteUungen  bei  Pregtr  tl,  2.99;  III,  9S:  StraueH,  . 
Langmann  Ifüf;  Grauert,  Meintet-  .Joh,  von  Taleili;  in  de»  Sitzungshtriel 
der  Mmtehner  Akadmii,  phil.-^ist.  Kl.  1901,  SUdff. 


AUg.  Verbriltnusc  der  lliöEesc  Eoiifltanz  und  des  DniuiiiikatierurdeuB.      99* 

')   haben   hekanntUck   einen   Hauptanstoss   zur    Verbreitung   des 

tischen  Lehens  tjejfben  und  die  lümpföntflichkeit  dafür  in  vielen 

ten  geweckt.    Eine  tiefe  Erregung  ging  damaln  durch   die  Geinter, 

atlgptifche  Prophezeinngen  wurden  ausgestreut,  Diele  glaubten  das 

le  der   yi'elt   nahe*):   in    dieser  Not  der  Zeit  zogen  sich  ernstere 

lüter  gerne  in  dns  innerste  Heiligtum  der  Seele  ziniick,  um  hier 

Feuer  idealer  Begeisterung    und  eines  mystischen  Gnadenlebens 

listen  und  zu  nähren.     Von  diesen  Gottes/r euiiden "),  wie  sie  sieh 

)en,  nicht  im  Sinne  eines  freikircklichen  Geheimbundea,  xondern 

innigen  Zueammenscftlusse''  aller  Gleichgesinnten  zw  gegenseitigen 

•eung   und  Erbauung,   ging   eine   geistige  Befruchtung  zunächst 

Uöslerliche,  dann  aber  auch  in  Laienkreise  aus,  von  ihnen  inirden 

religiöeen  Bedürfnisse  der  liefer  Angelegten  befriedigt,  sie  erzeugten 

mggtisch-asketiscke  Literatur  in  der  ans  Hers  redenden  deutschen 

tttersprache,  ihr  Leben  teurde  zum  Sitlemiiiegel  ffir  den  vielfach 

•ItUchen  Klerus*). 

Unter  der  Schar  dieser  iVackeren  steht  als  einer  der  Edelsten 
:  Von  dem,  was  er  in  langer,  mühsamer  Sdbstzucht  für  sich 
errungen,  teilte  er  als  abgeklärte  Persönlichkeit  die  goldenen 
"Sehte  in  Wart  und  Schrift  an  andere  aus.  Allein  unter  dem 
tichtspunkt  der  Seelsorge  gefassi,  hat  er  eieihicht  die  gesegnetste 
khamkeit  unter  den  um  bekannten  Mystikern  entfaltet ;  als  Schrift- 
fr  con  gewolltem  und  bewiisstem  Können  uitd  anziehender  Eigenart 

')  Eine  sehr  h/lujigt  Ersdninang  int  wirtgchafilicher  Riiekganij  und  Ver- 
mg  (If  Kläater;  eablreichr  Bthge  für  den  Oberrhein  birirn  di'  Reg.  Ep. 
1  II  partim.-  naueiller  a.  a.  (I.  1,  CLXIlff.;  Mone,  y«eCen*»nim- 
<S  U,  38  A.  1 :  III,  117.  Bctüglich  dta  Konstanstr  rrtdigtrklosttra  vgl. 
kl46,t4f.,  für  Taxe:  Rrg.  Ep.  Connt.  II ».  4703 ,  n.  t77  (tSU);  n.  ö430, 
*  (ISS8). 

*t  Ffl  Prefftr  II,  äOO:  IH,  92;  Graurrl  a.  a.  O.äÜlS-:  Vtlter, 
Uitrpaar  51  A.  6.  Stuif  spricht  untderhnlt  von  ,mundue  senetetua'  (Hör.  9, 
tJj  von  ,appropinquans  muniii  Urminus'  fSor.  50,  105,  lOS:  der  Auadntck 
1«  lieh  abtr  gekon  in  der  Käo  S,  Dominici,  vgl.  liominiliantrhrtiüa-  4.  Auy. 
tt  IV). 

'\  Vgl.  Anm.  eu  34,10.  Bei  Srutf  inl  die  Brstichnung  gnni  allgemein  für 
»Fntmm*n  (t.  B.  auch  die  Martt/rer,  vgl.  117,31  ff.),  nammtlich  aber  für  dit 
Ikätjw  drr  mystiichen  Devotion  gtbrnucht.  Ein  herrUche»  Lob  der  Gottts- 
»it  Bor.  JA:  electi,  qni  iiiata  et  pie  ioter  alios  uouTersantes  ...  in  iiiedii) 
linni  praToe  et  perversoe,  velut  lumiiiaria  lucentin  iu  lioc  maniio  caliginoso 
t"  Hiü.  2,15J,  terbo  ritae  proiimoA  quoque  illuminntit  et  inäammant  etc. 

'1  VgL  LinstnmanH ,  Der  ithinehe  Charakter  M.  Kckharla,  l'ruiiromm 
6*«ffOi  1S13,  31). 


I 


100*  Einleitung.   IL    Seuses  Leben  und  Werke. 

erzielte   er   auf  begrenztem  Gebiete  Erfolge,   wie   nach   Thomas  von 
Kempen  wohl  kein  zweiter  im  ausgehenden  Mittelalter, 

IL  Sense  als  Lektor  in  Konstanz. 

Nach  Konstanz  zurückgekehrt  widmete  sich  Seuse  zunächsi 
noch  einige  Jahre  mehr  internen  Aufgaben  des  Klosters  und  schrift- 
stellerischer Tätigkeit.  Wir  dürfen  als  sicher  amiehmen,  dass  er 
seiner  Ausbildmig  entsprechend  im  heimatlichen  Konvent  als  Lektor 
verwendet  wurde^);  denn  die  Ordensstatuten  schreiben  vor,  dass  kein 
vom  Generalstudium  Zurückkehrender  zum  Prior  —  das  wurde  Seuse 
später  —  gewählt  werden  dürfe,  bevor  er  flicht  zwei,  bezw.  drei 
bis  vier  Jahre  das  Lektoramt  verwallet  habe  ^.  Jedes  Kloster  musstt 
einen  Lektor  haben,  dessen  Amt  es  war,  die  gesamte  wissenschaft- 
liche Ausbildung  nicht  bloss  der  eigentlichen  SUidenten,  sondern  der 
Klostergemeinde  überhaupt  zu  leiten;  denn  auch  die  älteren  BeligioaeHi 
seihst  d-er  Prior,  sollten  so  viel  als  möglich  dem  Unterricht,  da'  in 
Vorlesungen  (gewöhnlich  über  die  hL  Schrift)  und  Disputation^ 
bestand,  beiwohnen.  Dem  Lektor  stand  für  die  Abhaltung  pofi 
Eepetitionen  und  zur  Überwachung  der  äusseren  Studienordnung  eif^ 
ymr/gister  studentium*  zur  Seite;  entsprechend  seiner  wichtigen  um 
angesehenen  Stellung  genoss  er  verschiedene  Privilegien:  Entbinduni 
von  der  Missionsarbeit,  teilweise  auch  vom  Chorgebet,  eigene  Zelle  ustc 
Über  Seuses  Schicksale  in  Jenen  Jahren  sind  toir  nur  unvoll 
kommen  unterrichtet.  Verschiedenen  Andeutungen  im  Uor.  (112 f. 
vgl,  132 f.)  ist  zu  entnehmen,  dass  schwere  Heimsuchungen  über  iht 
kamen^):  ein  teurer  Vericandter,  sein  einziger  zeitlicher  Trost  stirbt 
die  ,  Wölfe'  rauben  zwei  seiner  Obhut  anvertraute  Schaf  lein,  dii 
Feinde  stürmen  mit  Beschimpfungen  und  giftigen  Verleumdung^ 
gegen  ihn  an,  sein  blühendes,  mit  grossem  Fleiss  von  Jugend  auj 
bebautes  Arbeitsfeld  wird  ihm  entzogen,  die  ,cathedra  honoris*  ufn 
fjestürzt*).     Die  letzteren   Worte   können  m,  E,  nur   darauf  bezogt} 

')  Das  direkte  Zeugnis,  das  man  bisher  aus  V'ita  39,18  entnahm,  indet 
man  leser  =  Lektor  las  (statt  lesscr  =  Aderlasser),  fdllt  jetzt  weg.  ÜbrigM 
nennt  ihn  Joh,  Meyer  ,lector  et  prior^  (Mone  a.  a.  0.  /T,  US). 

^  Cap,  gen.  132U  1324,  1320  (MOPII  IV,  133,  162,  165).  Ober  da 
Lektoramt  im  allgemeinen  vgl.  Preger,  Vorarbeiten  9;  Hauch  a.a.  0.  Jl 
469 f.;  Felder  a.  a.  0.  368 ff.,  367 ff . 

•')  Darauf  bezieht  sich  wohl  auch   Vita  87,14  ff. 

•)  llur.  113:  etenim  nemus  viriditate  folionnn  vonuHtum  cum  magno  laboi 
et  studio   a  puoritia   mea  i)lantaverani,   cathedrae  honoris   contentivum,   de  qi 


1  Vas 

Wäea,  do88  Si 


l>(i«  Büchlein  der  ewigen  Wcisbeit,  Horulogium  etc. 


101» 


dnaa  Sßuse  infolge  verleumderischer  Auklagen  des  Lektorats, 
zwiacken  1389  und  1334,  entsetzt  murde:  das  ,a  pueritia'  ge- 
]mtr  und  gehegte  ,nemus  eenuatttm'  ist  die  yVissensckaft ,  die 
lAedra  honoris'  die  Lehrkamel  des  Lektors.  Als  Nachklang  der 
•K  Erfahrung,  die  Seuse  damals  mnchtf,  dürfen  wir  es  ansehen, 
rr  Hör.  54  die  ewige  Weisheit  angehende  Haifchläge  darüber 
lÜfn  täe^t,  wie  sich  ein  Prälat  oder  Vorsteher  bei  Anklage  gegen 
läoäkrie  Brüder  verhalten  solle:  oft  zeige  es  sich  bei  genauerer 
Untersuchung,  dass  gerade  die  Ankläger  die  Schuldigen  seien,  welche 
FiAfcr  der  Vorgesetzten  vorschützen,  um  selbst  der  verdienten  Strafe 
IKtgeheu  '). 

I.  Das  Bachlflin  der  ewigen  Weisheit,  Uorologlnm  Sapieiitfae 

und  MinueliUchlein. 

In  die  Zeit  zwischen  1327  dis  1334,  die  Seuse  zurückgezogen 
Konstanz  zubrachte,  fällt  die  Abfassung  zweier  seiner  Haiipt- 
fiften:   des  Bücfileins   der   eicigen   Weisheit    und  des  Horologium 

Über  die  Entstehungsgeschichte  des  erateren  Werkes  spricht  sich 
Wf  im  Prolog  zu  d^iselben  und  zum  Hör.  aus.  Darnach  bilden 
Grundstock  die  hundert  Betrnchtungett,  welche  jetzt  den  dritten 
t  aumtachcH.  Diese  wurden  ihm  einstmals  ,eittt/eleuchtei',  als  er 
gemhnlich  nach  der  Mette  das  Passionsdrama  geistig  durchlebte 
ia3G,14;  Bdew  106,2 f.,  314,19  f.,  Hör.  12).  Das  war  um 
'  Zeit,   wo  er  sich  die  Marter  mit  dem  näijelbeechlagenen  Kreuze 

•Ol  vt  honorem  iu<?  recepturuiu  sperabuin,  iluinque  iuri  t«iii|iU8  ndeaset,  Dt 
(merer  lalmre,  cathedra  siihvertiliir  et  neraus  in  aUeriug  cniiiailBin  rfidigitur 
hium  et  Isbor  nninis  petditiir  nc  Huis  intentiiH  fmstratiir. 

')  Praeliliis  vel  rector  frnlnini  l.n  cudj  bis,  licet  in  miaiiuo  gradn,  discBB 
bb  non  atatim  Adhibere  fidein  hii>,  i[ui  ccteroK  deferre  cuUHueverunt  etc. 
Igtr,  i'ararbtitea  I2lff.:  Mi/stik  11,  ä36g.  älil:  Setberg,  92/.  a.  a. 
fctMn  aun  dimrr  und  der  in  voriger  ÄHmfrkung  iitierten  Slellr,  Seuae  sei 
Hit  Prior  geinram  und  auf  dem  Grnrralltapitel  tu  Brügge  1336,  auf  dem 
■il  NaptTH  nicht  genannter  Frior  von  Konatans  nhsotfirrl  iitirde  (MtiPH 
i  iiü),  abgteetil  worden.  Ir.h  glauhf  mit  Unrecht,  denn  jtnt  StelUn  ßndvn 
■ilmr  itteithuug  auf  das  Lektorat  eine  fiel  bewere  ErktHrung;  ferner  .itellen 
Wvrtt  Vila  Uößff.  die  Erkebumj  i-im  Pr/Ilalm  —  1343/4  irurdr  Seusr 
k,  tgL  Anm.  «u  145,14  --  aU  rluias  Nrtif«  für  ihn  hin,  und  endlirh  inl 
ta»»i  glaublich,   dass   »r  13<ili   unter   drm   Ordmgmfisliir  Hugo,    hei  dem   er 


1 


102*  Einleitung.    II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

bereitete  (42^6  ff.  *).  Er  übte  nun  täglich  diese  hundert  Betrach- 
tujirgen  mit  ebensoviel  ProstrationeUy  schrieb  sie  auch  deutsch  nieder 
und  teilte  sie  anderen  frommen  Personen  (GoUes/reunden)  mit 
(197y5ff,y  Hör.  12),  Im  Laufe  der  Zeit  schloss  sich  an  die  Be- 
trachtungen eilte  Beihe  von  weiteren  Erwägungen  und  Erleuchtungen, 
aus  denen  er  den  ersten  und  zweiten  Teil  des  Bdew  zusammenstdUe. 
Seuse  versichert,  dass  alles  in  Gegenwart  der  fühlbaren  Gnade,  gleich- 
sam at4S  göttlicher  Inspiration  und  Nötigung  niedergeschrieben  worden 
sei'^,  und  dass  er  das  Konzipierte  stets  genau  daraufhin  geprüfi 
habe,  ob  es  mit  der  hl,  Schrift  und  der  Väterlehre  in  Einklang  siehe 
(197, 12 ff,,  199,16  f.,  323,30  f..  Hör.  10—13).  Aus  Furcht  jedoch, 
es  möchte  der  neuen  Schrift  ebenso  ergehen  wie  detn  Bdw,  wollte  er 
dieselbe  anfangs  geheimhalten  oder  gar  vernichten;  doch  die  ewige 
Weisheit  habe  dies  durch  deutliche  Zeichen  und  Offenbarungen  ver- 
hindert, und  Maria  mit  dem  Kinde  in  einer  Erscheinung  die  UiU 
teilung  der  Schnft  an  alle  gottliebenden  Seelen  angeordnet  (Hör.  U)* 
Die  Abfassungszeit  des  Bdetv^  fällt  vor  diejenige  des  Hor,i 
welches  sicher  1334  geschneben  bezw.  vollendet  ist.  Zur  genaueren 
Datierung  ist  eine  Stelle  ans  dem  21,  Kapitel  beizuziehen  *),  wo  die 
ewige  Weisheit  dem  Diener,  der  vom  Tode  noch  nicht  gern  hören 
ivill,  sagt:  Sibe^  danDan  riechent  (mehren  sich)  ietzent  die  anbereiten, 
erscbrokeDÜchen  tode,  dero  die  stette  und  klöster  voll  sint  (279,33 ff*', 
vgl.  287,15 f..  Hör.  168).  Man  wird  diese  Worte  schwerlich  andere 
als  von  einer  Seuche  verstehen  können;  die  starken  Ausdrücke  trärei^ 
sonst  kaum  erklärlich.  Nun  wissen  die  Chroniken  der  Zeit  in  (fc* 
Jahren  1327  bis  1334    nur  von  einer   einzigen  Seuche  zu  berichten'' 


^)  Dass  diese  Marter  gerade  com  32,^40,  Jahre  dauerte  (Preger,  Vof' 
arbeiten  124:  Mystik  II,  3^6),  lässt  sich  nicht  heiceistn,  es  kann  auch  etv^ 
früher  gewesen  sein. 

*)  Ilor,  12:  supernae  inspiratioiii  hoc  adsciibite,  qnae,  ut  testis  est  inft* 
I)eu8,  me  die  noctuque  quiescere  non  permisit,  douec  eins  coactioni  acquicTi» 
L,  c.  13  :  iiotandum,  quod  originale  hiiius  operis  certis  temporibus  et  non  ni' 
in  praesentia  magnae  gratiae  councriptum  fuit.  Non  enim  predictus  disdpohi 
.  .  .  videbatur  ibidem  habere  modum  agentis  vel  dictantis  sed  modum  quemdaf 
divina  patientis. 

»)  P  reg  er  (Vorarbeiten  124  f.;  Mystik  II,  318,  30 1)  lässt  es  iwisck» 
1327  und  1335  entstanden  und  1337  8  vertiff entlicht  sein.  Denifle  XXV  wd 
tSt rauch,  Ällg,  dtsch,  Biogr.  37 f  170  geben  kein  genaues  Datum  innerhA 
der  drei^siger  Jahre  an. 

')  Hör.  lo6  ist  diese  Stelle  iceggelassm,  wohl  weil  eine  Ansjtielung  (H( 
lokal-  und  zntgcschichtliche  Vei'hältni^se  für  r(fumlich  und  geiilich  ferm 
Stehende  keinen    Wert  hatte. 


Das  Büchlein  der  ewigen  Weisheit,  Horoiogium  etc.  103* 

Johann  von  Winterthur  erzählt  als  Augenzeuge  von  einer  pestartigen 
Krankheit,  welche  im  März  1328  besonders  in  Ober-  und  Mittel- 
deutschland grosse  Verheerungen  anrichtete,  und  er  hebt  gerade  jene 
Punkte  besonders  hervor,  auf  die  es  beim  Vergleich  mit  Sense  an- 
kmmt:  das  rasche,  unvorbereitete  Hinscheiden  vieler  ohne  die  Sakra- 
mk  der  Kirche  ^).  Damit  haben  wir  7iun  ein  Mittel  an  der  Hand, 
Ue  Entstehungsgeschichte  des  Bdew  getiauer  zu  skizzieren.  Die 
hndert  Betrachtungen  sind  1327  oder  schon  früher  efitstanden, 
nach  und  nach  folgten  mit  längeren  Unterbrechungen  (bei  Kap,  5, 
vgl  198,12  f.  Hör.  13,  und  Kap,  16,  vgl  322,21  ff,)  bis  März  1328 
Kap,  1—20;  der  Schluss  des  Werkes  samt  dem  vorläufig  ausgelassenen 
16.  Kapitel  wird  im  Frühjahr  1328  noch  rasch  zu  Ende  geführt 
nrdm  sein,  da  279,13  ff.  die  folgenden  vier  Kapitel  programmatisch 
(angekündigt  werden.  Die  Publikation  des  Büchleins  ist  möglicher- 
^ftlH  erst  später  erfolgt^. 

Das  Bdew  gehört  seinem  Inhalt  nach  der  praktischen  Mystik 
%  es  ist  eine  allgemein  verständliche  Erbauungsschrifi  (ein  gemeinü 
lere  5,19;  197,28),  bestimmt  für  , einfältige  Menschen,  die  noch  haben 
(Gebresten  abzulegen^  (198,11).  Namentlich  sind  Klosterleute  und  unter 
iieun  wohl  in  erster  Linie  Nonnen^  Seuses  geistliche  Töchter,  ins 
^e  gefasst  (vgl.  Kap,  6,  bes,  218,1  ff,).  Schon  der  Titel  der  Schrift  : 
der  Ewigen  Wisheit  büchli  (324,3  f.)  drückt  den  Fortschritt  aus, 
^r  in  ihr  gegenüber  dem  Bdw  liegt:  Sache  der  Weisheit  ist  es,  das 
^hen  zu  ordnen  (cgi.  Hör,  210  und  oben  S.  47*),  nachdem  die 
,(U!ige  Wahrheit*  (327,25)  den  Verstand  erleuchtet  hat.  Der  Zweck 
^Büchleins  ist  nach  Seuses  Angabe'^),  ,die  göttliche  Minne,  die  in 
^if'^er  jüngsten  Zeil   in   manchem   Herzen   zu   erlöschen    beginnt,    in 


*)  Chronicon  ed.  Wyss  1656,  104  f.:  anno,  quo  Imperator  Ludovicus  secundo 
"•  Ilalia  demorabatur,  pestilentia  ingeus  in  Germania  orta  tarn  excessive  saeviebat 

■ 

^  popalo  tempore  quadragesimali,  quod  quandoque  una  die  in  civitate  Basiliensi, 
ubi  tUDc  praesens  eram,  L  fnnera  reperta  fuerant  tumulanda.  In  Mainz  seien 
'^Uch  200 — 30(J  Menschen  gestorben;  in  Winterthur  und  anderwärts  habe  der 
^us  nicfU  hingereicht,  um  die  Sterbsakramente  zu  spenden  und  viele  seien 
intersehen!'  gestorben. 

^  Ich  verkenne  die  Schwierigkeit  nicht,  welche  in  der  Annahme  liegt, 
ISS  Seuse  so  rasch  hintereinander  das  Bdw  und  Bdew  verfasst  habe,  aber  die 
eweisgründe  scheinen  mir  durchschlagend. 

*)  Genauer  Hör.  9 :  divina  sapientia  ...  in  praesenti  opere  intendit  princi- 
liter  non  qaidem  informare  iiescientes  .  .  .  s(!d  reaccendere  extinctos,  frij2:idos 
(ammare,  movere  tepidos,  indevotos  ad  devotioncm  provocare  ac  «omno  nogli- 
itiae  torpentes  ad  virtutum  vigilautiam  excitare. 


104*  Einleitung.    II.    Seuses  Leben  und  W'erke. 

etlichen  wieder  zu  f-nUütideti'  (324,4 /•;  vgl.  die  Anm.  dmu  uud\ 
300,5ff.J.  Diesen  Zweck  zu  erreiclien  werden  in  2i  Kapitdn  Üii 
kräfVgMeH  Motive  mtwicke/t.  Entsprechend  dem  203,8  ß.  ni»- 
gesprocheiie»  Satze  ,pvr  Chrixhit»  hornigem  (pn»mm)  ad  CkristaM 
Deum'  bildet  den  Hauptinhalt ')  die  Betrochtung  des  Leidem  da 
Erlösers;  um  diesen  Kern  schliessen  sich  Eru'äguttgen  über  die  GrÖat 
der  Sünde,  die  Trüglichkeit  der  Welt  und  den  Adel  der  Gotl»- 
mi7ine,  die  Sirnfgerechtigkeit  Gottes,  Gedidd  im  Leiden, 
und  Hölle,  die  ,reine  Königin  vom  Himmelreich'  und  ihr  ,unsäglichll 
Herzleid'.  Der  zweite  Teil  des  Buches  gibt  ganz  konkrete  Enntihnungtitf 
,wie  man  soll  lernen  sterben',  ,wie  man  innerlich  leben  soll',  über  i«K 
Empfang  der  Kommunion  und  die  Pflicht  des  immerwährenden  Gatten 
lobes.  Um  die  Darlegungen  lebendiger  und  anregender  zu  gestaiM 
(vgl.  197,36 f.,  Hör.  10),  int  die  Lehre  in  Form  eines  Ztdegesprikh»^ 
zwischen  der  ewigen  Weisheit  und  ihrem  Diener  gegeben;  es  » 
auf  diese  Art  zugleich  die  innigste  persönliche  Verbindung  ztevsth 
der  nnima  fidelis  und  ihrem  Bräutigam  Christus  hergestellt. 
Recht  hat  man  das  Bdew  die  ,achönste  Frucht  der  deutschen  MgstA 
genatmt^).  Es  lässt  sich  an  innerem  Wert  neben  die  HomÜien  t 
hl.  Bernhard,  die  Seuse  wiederholt  zitiert  und  verwertet  (egl.  besotultt 
254,20  ff.),  oder  neben  die  Imitatio  Christi  des  Thomas  von  Ken^ 
stellen.  Zutreffend  urteilt  Preger')  daräber:  „so  viel  Seuse  t 
von  anderen  entlehnen  mag,  er  prägt  allem  seine  Eigenart  auf;  t 
ist  alles  von  seiner  zarten  Empfindung  durchwoben,  von  seiner  iiwi^j 
keit  vergeistigt,  von  dem  milden  Feuer  seiner  Liebe  durchglühte 
„In  herrlicher  Weise  offenbort  sich  in  dieser  Schrift  ein  in  Lid 
an  seinen  Erlöser  hiiigegebeties  Gemüt  und  eine  durch  eigene  Erfahvi 
gereifte  Gotlesweiskeit,  die  ernst  und  milde  zugleich,  mit  einen»  Ruf* 
das  aus  dem  innersten  Herzen  kommt,  irim  dem  Unfrieden  i 
Frieden  führen  will,  und  mit  Worten  voll  Gei^t  und  Leben, 
Licht  und  Schönheit  Sinn  und  Hers  ergreift  und  in  ihre  Kni 
zieht,"  Man  wusste  im  ausgehenden  Mittelaller  ihren  ü'ert  auch  i 
schätzen;  das  Bdew  war  in  der  zweiten  Hiilfte  den  14.  und  im  15. « 


')  Oute  Analyst   und  liarwtrlluny   der  I.thre   hei    l'rrger   II,  3i6- 
*)  Übel-  die  Jiialogfoi-m  in  der  mitItlaUerliehtit  grisütehen  Literatur 

W.   WacbtrHaffcl,    dtucb.  drr   deutsch.  Lit.  P  (16791  4l'!i.   Jnm.   4ä. 
dort   ausgeaprtiekent   I'»>-fnu(«n^,   Stase   ttaht   die  Gapräehtfat'm  vitüeithi 

dem  Lueidariu«  entie/mt,  ist  dureham  probletnaitseh. 

")  Deni/le  XXI.  ^ 

•)  ift/tiik  II,  3S9,  aae.  i 


Dai  BlicLlciii  der  ewigen  WeiBheit,  Ilorulnfriuui  i'tc. 

geUsensie  deutsche  Andficiitsbiich ,  tci'e  die  imgeinein  r/rosse  Ünfil 
Ssa.  zeifft^). 

ii'ohl  Htc/it  sehr  lange  ttach  Vollenduny  des  Bdew  machte  «ich 
M  an  eine  Übertraguttg  dfr  Schrift  ins  Lateinische  %  Verschiedene 
fBnde  miigen  ihn  dazu  bewogen  haben:  der  Mutuch,  auch  in 
ttiogisehen  Kreisen  ^),  besonders  in  Mönchsklöstern,  mehr  Beachtung 
finden  und  Gutes  zu  stiften,  die  Absicht,  durch  die  grössere 
läm/on  des  lateinischen  Ausdtvch  und  durch  Vorlage  bei  der 
\kfUn  Ordenainstam  gegen  Ar^riffe  und  Verleumdungen  mehr  ge- 
\Uzt  zu  sein,  nicht  euUtzt  auch  die  echt  mittelalterliche  Enrägung, 
0 1«  .deutscher  Zunge'  gar  zu  viel  verloren  gehe  von  der  Ursprung- 
Ifi»  Ki-aft  und  Wärme  der  Worte,  ,die  in  der  lauteren  Gnade 
tfangen  werden',  niedergeschrieben  aber  ,erka/tett  und  verbleichen 
t  die  abgebrochenen  Bösen'  fl9if,14ß'.).  Aus  der  Bearbeitung  ist 
\t2u  ein  neues  Werk  geworden,  das  gegenüber  dem  deutschen  eine 
rke  Vermehrung  des  Stoffes  aufweist  und  auch  einen  neuen  Titel: 
irologium  Saplentiae*)   erhielt.     In  einer    Vision   sah   näinlirh 

')  Oben  S.  II* ff.  Kind  ca.  IW,  mit  den  Bntrhatückt»  ca.  ISO  Hau.  auf- 
kn.  Ik  manrhrn  Haa.  dta  Ewemplara  Kurde  ^at  Bdew  ausutlaiien,  vml 
Ml  «n  Abnehriflat  ttark  vrrbreitet  war.-  vffl.  oben  S.  T'ff. 

•)  VrraUtte  AnniehUn  aiie  die  de*  Suriua,  da»  Uur.  mi  die  frtie  Über- 
mg  dea  Bdtui  ins  Lateininche  darck  Hntn  Unbfitannleit,  von  Qtiltif  und 
ard  t,  664/.,  das  Büehlrin  sei  wsprünglieh  laUini»ch  verfangt,  vitn 
p,'  Tff.,  •S'cAmiil  661  »nd  Votkmunn  33,  die  Abweichuiigen  dee  lat*i- 
itn  Wrriu  fnm  deuUchm  aeien  Vn-derbniaur  und  InMrpolationtn  der  Alt- 
ibv,  brauchen  nicht  mehr  inidrrUgt  ev  werdr». 

'l  Vgl.  Hör.  67 :  sMignat  üiniplice«  illitprati  et  indocti ...  et  ddü  sulitilia 
HC*  ac  veritatis  Tiam  celeris  demonetrantes  . .  K;a  agite,  noiifratreB  et  Bodalea ! 
'1  Xach  drn  34  Standen  dta  Tatian  /tat  das  W«rk  24  (18 +  6)  Kapittt. 
■  ifle  XXIJI  liffll  ea  für  tcahrselielnlich,  data  sich  Seuae  beim  Hör,  in 
t  auf  Tilrl  und  Auaieahl  dea  Stoffes  an  ein  fremdea  Sfuatir  angelehnt 
JfAfli'M,  daag  der  Titel  von  dem  ,JIornlori%itm  devotionia  circa  ottam  Ghriati' 
Dominikanera  Berthold  aua  dem  Anfang  dea  14.  Jahrh.  etUlehnt  ist  (dasdbe, 
m  und  Bfter  gedruckt  fHain  SäSfl  99],  ist  ehenfidia  eint  Obrraeltung  einea 
bthm  Originale,  drr  Vcrfaaaer  wahracheinlich  identisch  mit  dem  Bearbeiter 
'  ättmma  cunfraaorwm'  des  Johannes  von  i'reiburg,  vgt.  Dictterle  in 
ilv.  f.  SirchtngeachkhttSe  101061  67  ff.;  Fink  ein  Alemannia  1902,  163  ff.): 
iUiehbsaUht  k'iue  Abhängigkeit.  Itaa  Hur.  devotionia  Kuidt  apHter  öfters 
im  Hör.  Snpienliat  rericecltaelt.  Clm  5609  s.  XV  Bl.  i—66  tnthäU 
Bar.  Seusta  unter  dem  Titel:  Bar.  nurtum  divinae  sapirntiae;  in  Catal. 
3,3$  ist  aber  fälschlich  ein  Johannes  de  S.  Lamparto  (=:  Jnh.von  I-Veiburg^) 
fsrfasser  angsgrben.  Vgl.  eum  Tilrl  avrh  <ii-rlrnd,  Lvg.  die, piet.  IV,  5,36 
l,  312,  4u4J. 


A 


lOG*  Einliütun^.    II.    Seuses  Lehen  tind  Werke. 

Seuse  seiv  Werk  unter  dem  Bilde  eines  ktttistreichen,  mit  den  xchönskn 
Hosen  geschmückten  Uhrwerks,  dessen  Cymbalschläge  die  Herzen  »il 
himmlischem  Klange  nach  oben  zogen  (Hör.  i)f.).  Manche  Dinp, 
die  Seuse  in  dem  populären  Werkchen  zu  sagen  sich  nicht  getraiAt 
oder  nickt  für  passend  hielt,  hat  er  hier  eingeschoben,  no  namenUith 
Betrachtungen  über  das  Kloster-  und  Studienwemn  seiner  Zeit  (3.  obtn 
8.67* f.,  97*),  über  den  kirchenpolitischen  Kampf  zwischen  Ludtdgiitm 
Bayer  und  der  Kurie '),  auch  mnncherUi  mehr  oder  weniger  verstedctt 


')  Ein  interensanier  Exkurs  Hol:  51—04,  der  in  der  kirchenpoUtiidu» 
Sirdtlitiralur  der  Zeit  Beachtung  rerdtml  (vergl.  auch  Prtgtr,  Myttik  II, 
2Sif, :  der»,  in  Abhnndl.  der  baytr.  Akademie  der  Wisseimckaften,  plUl.-hiat.  öi 
XIV  l  tan}  46).  Eh  ist  eine  Alkgorie,  oh  Vigion  eines  homo  Pei  lUtrguUlU 
mii  folgetidrta  Inhalt :  im  Wetten  der  civitas  ohristiana  iriil  ein  Widder  fitwl- 
mig  da-  Bayer)  mit  ewei  Hdmerii  auf,  eine  eiKti-ne  Krone  auf  dem  Ha»^ 
(Krünung  Ludwige  mit  der  eisemtn  Krone  tu  Mailand  am  äU  Mai  ISSßh 
dem  TU  oder  mehr  £Vchae  folgen,  die  rhenfalU  Kronen  erhalten  (die  iialHnisehM 
Ghibetlinenf) :  viel*  treten  aus  furcht  oder  Leidettechoft  oder  Einfeti  i 
Oeietts  auf  »eint  Seite.  Trote  Bedrängung,  Verbannung  uxtr.  durch  denWiäi»t 
leinten  manche  vom  iiopulu»  Dei  Widerstand,  indem  sie  Gott  mehr  fürehli*  <Jl 
die  Mensehen,  und  sie  unleretSlst  der  dux  fitioruiu  Dei,  loci  eiusdem  suprewH 
^bernator,  rir  utique  per  omnia  laudnbitia  et  mn^iänimuB  iustiüacqnc  ) 
tPapgt  Johann  XXII:  er  war  den  })rmiiniknne>-n  htsonder»  gewogen  und  ü 
colli  Generalkapitd  und  Ordensmeieter  öfters  dem  Gthete  der  Brüder  empfM», 
vgl.  MOFH  IV,  Uli:  V,  363.-  Mortier  a.  a.  U.  II,  514,  Ö34/,)  ; 
«itcAi  der  Widder  ihn  mit  seineti  Hörnern  ooin  Throne  fu  stosien  (Erk 
de»  Petrus  von  Corvara als  Nikolaus  Veum  Oegen)iapet).  Dabegibt  er aieh n 
printeps  totioB  nmlütudinis  (Friedrieh  der  Schönt  tnrn  Österreich),  betört  m 
arglosen  Sinn  durch  EinßOslerungtn,  sieht  ihn  auf  »eine  Seilt  und  gewinnt  so  M 
l'rintipat  f  Trausniteer  Vertag  ev/iechen  Ladung  und  IVirdrich  vom  13.  Märt  U 
besK.  Vertrag  von  Müjichen  rom  5.  Sept.  1326).  Die  Not  drr  Getreuen  wdeAd,  i 
der  Widetei-  mit  gewaltiger  Heertsmacht  gegen  »eine  Gegner  oustieht  (H6mtft 
Ludwigs  1337— 29)  :  sie  nehmen  Zußuclit  mm  Gebet,  und  siehe:  der  WidderlH^ 
plßtglieh  zur  Erde  (Fiasko  de»  Bümersugs),  eine»  seiner  Homer  terbrieM  (SM 
tnll  den  Gegenpapstes,  August  1330) :  et  cxiude  coepit  iiotestoH  eiua  defioere  et  dHt 
«jere  de  die  in  diem.  —  Ans  der  Schilderung  geht  hervor,  das»  .Seaee  sntflf 
anderen  Mystiker a  fvgl.  Preger  II,  391ff.)  ein  »charfrr  Gegner  Ludmigi  » 
treuer  Anhänger  der  Kurie  irar:  er  folgte  also  der  Parole  leinet  Ordtnt  ■ 
der  Tradition  de»  oberrheinischen  Adels,  der  eumeiet  auf  Seitin  des  Habtbu 
»fand.  JJie  Angatii,  dasK  Ludwigs  Macht  von  1330  an  immer  mehr  dahinackt 
irißl  eigentlich  nicht  zu:  trotz  des  itisserfolgs  in  Italien  war  ai 
Deuixchland  nicht  ungünstig,  iiammtlieh  die  »üddeutrhen  StOdten  hiilttn  N 
zu  ihm  (vgl.  Knöpf  ler  a.a.  U.  3tiJ/'.;  Assmann,  Handbuch  der  Allgemein' 
Gtschiehte  II,  3,  neubearbeittt  von  Viereck  Woe,  Vmjf.l.  Man  kann  dii  SeUn 
uorie  leohl  nur  dann  erklärlich  finden,  teenn  man  annimmt,  das»  sie  tu  J9 
Zeil  gesrhrifbin  wurdet),  wo  Ludloig  sieh  mit  dtm  (irdanken  trvg  (Noo.  1333  I 


Das  Bii(.')jlein  fler  ewigen  Weisliciti  Unrnlot'iiuii  de.  107* 

iuiscetizen  an  Vorkommtime  stines  eigenen  Le/ienn(i^.  obenS.lOOf.*), 
ir  hindert  Belrachtmigen  nind  der  Kürze  halher  weggelassen  (Hör,  12), 
|ni  ScfUuss  i>(  ein  neiies  Kapitel  (11,  7j  eingefügt  mit  der  Üöer- 
\rift:  Qnaliter  roalti  fideles  possint  sapientiam  divinam  desponaare 
iL,  das  in  deutscher  Betirl/eitting  als  ,Bruderi<chirft  der  ewigen  Weis- 
iceite  Verbreitung  fand  (s.  unten  S.  1 16*f-).  Der  darin  (Hör.  223t 
<täiinte  CnrSQS  de  aeterna  Sapientia,  den  Amgabm  des  Hör.  (jedoch 
Ü  der  von  Strange)  gewöhnlich  beigedruckt,  ixt  ein  Uel/ei»forinul(ir 
\k  Art  der  Hören  des  Breviere.,  aus  Psabneu,  Hymnen  (Jesua 
Ws  memoria)  und  Lektionen  bestehend  und  zum  Gebrauche  der 
nhrer  der  ewigen  Weinheit  bestimmt.  Vermutiich  stammt  auch  das 
tgebene  Officium  Miseae  de  aeferna  Sapientia  eo»  Seuse. 

Was  Sense  vom  Bdew  bezeugt,  dass  es  im  Zustande  höchster 
»bang  des  Oeniätes  geschrieben  sei,  gilt  auch  für  das  Hör.,  ja 
diesem  noch  tnehr.  Fast  jede  Seite  zeugt  dafür;  Öfters  weiss 
^e  glühende  Begeisterung  kaum  mehr  in  Worte  zufassen  (vgl.  oben 
75*^.  Seuse  zeigt  sich  auch  im  Hör.  als  SchriJ'tsteller  von  be- 
enden Gaben,  der  nicht  seinen  stilue  simples,  sermo  imperitUB  et 
tBB  (Hör.  10)  hätte  zu  entschuldigen  brauchen.  Etwas  frostig 
|ti-(  es  uns  nur  dann  und  wann,  wenn  er  mit  scholastischen 
Mauedtäcken  operiert;  im  übrigen  ist  die  Sprache  überaus  gt- 
dt  vnd  bilderreich,  voll  Rkgthmus,  and  oft  bricht  der  Beim 
or.  Der  Inhalt  ist  wie  in  den  Werken  Bernhards  ganz  durch- 
kt  Fon  Worten  und  Sentenzen  der  hl.  Schrift  und  voll  von  An- 
limgm  auf  liturgische  Texte  der  Kirche,  die  nw  dem  Kenner 
io^atn.  Kein  Wunder  daher,  dass  das  Werk  die  weiteste  Ver- 
häng fand,  cor  allem  in  den  Kreisen  der  Gottesfreuude.  Am 
September  1339  schreibt  Heinrich  con  Nördiingen  von  Basel  aus 
Hargareta  Ebner,  er  habe  ein  Tauler  gehöriges  Buch,  das  man 
OrolngiotD  Sapientiae  ze  latin,  an  den  Prior  eon  Kaisheim  zum 
gesendet,  sie  möge  es  sich  von  ihm  Irihen  und  ebenfalls 

;  iugututm  seine»  Vttters  Heinrich  von  Kiedurbager»  Mui-ücl/julrcten. 
t  hiermm  kam  gam  unerKarUt  —  in  der  Tat  sind  tili-  Beweggrändt 
t  auch  nicht  klar,  rgl.  die  rersrhicdenm  Hgpolhe/ien  hei  Aistnanu 
.  137  A.  9  —  und  mumle  bei  den  Grgnrrn  drs  Kaisrrs  den  Eindruck 
ufnt,  dam  stinr  .^'trllung  erschütirrl  sei  (rgl.  K.  Maller  a.  a.  0. 1,  335).- 
4bliehe  ßtlagemng  Mtertburgs  com  Mai  bis  August  13m  (vgl.  oben  S.  H6*> 
r,  »ein  Antrhim  /«  erhiihen.  Zu  diesrr  jioiitischtn  Situatiiin, 
n  der  trelm  llttfie  di-s  Jalirt»  JHS4  grgrbtn  lear,  passen  Seuses  Worlr  am 
I,  mitr  rW  noih  nachher  ßadm  tcir  in  dm  drmsigrr  Jahren  eine,  ähnliche , 
p  ISiS  milnidi  liBnnten  sie  unmöglich  ijeschritbm  sein. 


108*  Einleitung;.    IL    Seases  Leben  und  Werke. 

kopieren^).  Es  u>urde  überhaupt  Lieblingslektüre  in  den  Klöstern 
des  ausgehenden  Mittelalters^  und  zwar  nicht  nur  in  Deutschlanm 
sondern  auch  in  den  Niederlandefi,  Frankreich,  Italien  und  Englancz 
ivie  die  sehr  grosse  Zahl  der  Hand^schriften  und  eine  Beihe  ro 
Übersetzungen  beweisen'^). 

Seuse  hat  das   Werk  seinem  Ordensgeneral  Hugo  von  Vauce 
main  gewidmet,  der,  auf  dem  Generalkapitel  zu  Dijon  1333  ertcählf, 
den  Orden  bis  zu  seinem  Tode  (1341)  leitete^.     Er  übersandte  es 
ihm  mit  einer  schwungvollen  Zueignung   im  Prolog  (Hör.  11  f.)  zur 
Prüfung  und  Begutachtung*).     Wir  dürfen  daraus  wohl  schliesienf 
d-ass  Seuse  in  den  Augen  seiner  Vorgesetzten  vollständig  rehabilitiert 
war;  dies  dürfte  übrigens  schon  bei  Neubesetzuiig  des  Provinzialais 
von  Teutonia  1331  (v<jl,  oben  S.  98*)  der  Fall  gewesen  sein.    Der  ter- 
minus  a  quo  für  die    Vollendung  des  Hör,  ist    di'mnach   das  Jahr 
1333.     Einen  sicheren  Anhaltspunkt  für  die  Bestimmung  des  Eni- 
termin.^  gibt  uns  eine   Bemerkung  Setcses   im  Prolog  (Hör.  11  f»)' 
Er  redet  hier  nämlich  von  den  literae  exhortatoriae  des  Ordensgenerah 
Hugo,  worin  dieser  filios  dilectos  admoDitione  paterna  ad  pacem  et 
fraternam  caritatem,  ad  disciplinae  rigorem  et  fervorem   devotionii, 
ad   conformitatem   Christi   Jesu  ac   omnium    virtutum    perfectiooeiii 


')  Strauch,  M.  Ebner  XXXV,  82 ff,,  vgl  ebd.  S.  362 ff.  Wir  sind  ht 
rechtigt,  obengenanntes  ,Orologium*  mit  Seuses  Hör.  zu  identißzierefi,  wie  Ofte^ 
Preger,  Vorarbeiten  65,  i^ö;  Mystik  II,  3L>3f.  gezeigt  hat,  Denifle  XXIIIf» 
war  in  diesem  Punkte  zu  vorsichtig  (vgl,  auch  Strauch  in  Afda  IX,  liSi 
M.  Ebner  363 f.):  die  voti  ihm  notierten  ,meditationes'  über  Tod,  GrtritM 
und  Hölle  evier  Kren^munsterer  Hs,,  die  aus  einem  ,Orologium  SapieniiM^ 
stammen  sollen,  sind  in  Wirklichkeit  aus  dem  ,Tractatus  de  spiritualibus  flWCCTJ»- 
onibus^  des  Fraterherrn  Gerhard  von  ZiUphen,  s,  meinen  Nachweis  im  flilt 
Jahrb.  1904,  177  f. 

-)  Über  die  Übersetzungen  später.  Eine  neue  kritische  Ausgabe  an 
Hör,  würe  tcünschenswert ,  da  die  Edition  St  rang  es  (Köln  166 1 )  viele  Mängt 
hat.  Ich  verzeichne  für  einen  künftigen  Herausgeber  eine  Anzahl  guter  Per 
gamentftss,  rf«w  14.  Jh.:  München  (Jim  14604,  15  747,  24811;  Erlangen  Nr.  565 
Göttingen,  Ms,  Theol.  151 ;  Basd  B  VIII 4:  Nürnberg,  Stadtbibl  Cent.  V,  76 
Wien,  Cod.  3605,  3961;  Heiligenkreuz  C  166.  Weitere  Hss.  hei  Quetif  un 
Echard  I,  656  und  bei  Haenel  /.  c.  passim. 

«)  Vgl,  MO  PH  IV,  UW,  220,  279:  Quitif  und  Echard  I,  XVI 
5bOf.  655;  Denifle  im  Archiv  II,  217  (Hugo  wurde  1320  magister  theologi* 
in  Paris :  vgl.  Hör.  11 :  von,  qui  honore  uiagisterii  theologicae  scientiae  polletii 

*)  Ülyrigens  durfte  kein  Dominikantr  ein  Werk  veröffentlichen,  5<9i 
,fraires  periti\  die  der  Gnieral  odtr  Provinzini  aufstellte^  es  geprüft  hatt 
(Cap.gen,  1256,  1316:  MO  PH  III,  78;  IV,  ,93). 


Dm  BäclüeiQ  iler  ewigen   Weislitil,   llorolugiiim  et^.  J09'' 

we,  und  miseroB  quoque  huius  mandi  sectatorea,  ut  hunc  tnim- 

fagitivurn  ac  rallacem   deserant  et  ad  veram  ac  aetern^m  est- 

am  veniant,  durch  Wort  und  Beispiel  der  Ordensbrüder  einladen 

Diese  yi'orte  sind  nun  aber,  wie  ich  im  Hintorischen  Jahrbuch 

4,  lätff.  im  einzelnen  nachgewiesen  habe,  nichts  anderes  als  eine 

rSngle,    teilweise    KörÜich    herUbergenommene    Inhaltsangabe    der 

Encyklika  Hugos,    die   auf  dem  Generalkapitel   von  1333  (in 

PßnguHeoche )  eflnasen  wKctfe').    Mit  den  folijnnden  sechs  Rund- 

Hben    (1334,   1336,   1337,    133i>,  1340,  1341")   zeigt  Seuse   da^ 

I  keine  Jiekannlschaß.    Damit  ist  der  Beweis  geliefert,  drns  er, 

r  da»  Uor.  i'oUendete  bezw.  den  Prolog  daen  schrieb,  die  erste 

iklika  Hugos  und  nur  diese  vor  Augen  hatte,  dass  also  der  Ab- 

w  rf«s    Werkes   zwischen  Mitte   1333  uttd  1334  fällt.     Berück- 

Ügtn   wir  weiter  die  in  Kaji.  5  voi-ausgesetzte  politische  Situation 

S.  106*  Anm.  1),  so  merden  wir  mit  Fug  den  Zeitpunkt  der 

htdung  auf  die  erste  Hälfte  oder  Mitte   1334  ansetzen^ 


Dem  Bdeic  und  Hör.  stellt  sich  in/ialtlich  eine  Icleinere,  zeitlich 

genau  fixierhnre  Schrift    an    die   Seite,    welche   vielleicht  auf 

r  t«lbsi  zurückgeht  oder  doch  sehr  wahrscheinlich  in  irgend  einer 

•htmif  zu  ihm  steht:  das  Minnebüchlein  (Te^rt  S.  537-54). 

Pret/er  in  einer  Züricher  Hs.  aufgefunden  und  1896  erstmals 

f  (g.  S.  537)  enthält  es  in  drei  Kapiteln  in  Form  0()M  geistlichen 

frachen  innige  Gebete  und  Betrachtungen  über  das  Leiden  Christi, 

tntsprechend   dem  Titel   das   ,wahre   Minnebuch'   (537,12;   vgl. 

]^)  genannt   wird,   und   über   die  Schmerzen  Mariens.     Ob   die 

ikende  Schrift  wirklich  von  Scuse  herrührt,  ist  schwer  zu  sagen. 

Beweis  der  Echtheit  hat  Freger,  Mystik  II,  344—47,  und  in 

V  Ävsgahe  S,  441 — 54  zufahren  gesucht.    Seine  Argumente  las-ten 

noch   vermehren   uikI   Verstärken,   doch  ist  zu  aüem  Anfang  zu 

«,  dnsK  die   in   der  Hs,  unmittelbar  folgenden   Gebete  (Pregers 

ttgabe  S.  466 — 71)  sicher  nicht  von  Seusc  rerfnsst  sind,  wie  schon 

'I  C«<ir,H-*(  in  MOPll  V.  i>äO—&4. 

■)  aOI^H  y,  364—73. 

'i  l)amil  faüen  aMck  di»  Datirrungivrrtache  Pregers,  Vnrarheilm 
-^(j-aieehm  1334/8  ahi/rfatti')  und  Mystik  II,  3ä7,  3Ü1  (,l33T'(i  voll- 
""'  ütni/lr  XXiy/.  imgis  kam  gniauen'  Oatkrnmj  zwhrheii  1.133 
'  'Wl.  Mntieh  .Strauch,  Altg.  dlscli.  Ilwgr.  37,   171. 


4 


110*  Einleitung.    II.    Seuses  Leten  und  Werke. 

aus  ihrem  ganz  abweichenden  Stil  (auffallende  Häufung  der  EpUhet 
und  Bilder  usw.)  hervorgeht^);  sie  gehören  überhaupt  nicht  zm 
Minnebüchlein.  Die  Hauptargumente  für  die  Echtheit  des  leteieret 
sind  folgende.  Aus  Vita  109,11  f.  kann  man  sc/Uiessen,  dass  Seusi 
nicht  nur  ein  Büchlein  (Bdew)  ,von  dem  minniglichen  Gott^  gemacht 
hat,  und  auch  die  Idee  und  der  Titel  des  Minnebüchleins  lässt  siek 
in  Bdew  209,11  (vgl.  Hör.  33)  angedeutet  finden^.  Das  Zusammen- 
treffen der  Schrift  mit  den  entsprechenden  Abschnitten  des  Bdew 
und  teilweise  auch  mit  Briefen  Seuses  bis  aufs  Detail  des  Ausdrueh 
und  auf  Lieblingswörter  des  Mystikers  ist  sehr  häufig  und  eklatant 
(vgl.  die  Nachweisufigen  im  Kommentar  meiner  Ausgabe  genauer 
als  bei  Preger).  Wir  finden  ferner  in  der  ganzen  Schrift  denselben 
Rhythmus  der  Sprache  mit  dem  durchbrechenden  Beim,  dieselbe  poeti- 
sche Anschaidichkeit  und  tief  innige  Empfindung  (vgl.  name^iüich  den 
Eingang  des  dritten  Kapitels  548,4  ff.),  wie  in  sicher  echten  Schrifkn 
Seuses,  und  das  alles  in  ganz  einheitlicher  Form,  ohne  die  Unter* 
schiede,  die  bei  einer  blossen  Nachahmung  wohl  zutage  treten  würden. 
Fügt  man  endlich  hinzu,  dass,  wie  S.  537,  543,  554  angegeben  o^ 
das  Einleitungs-  und  Schlussgebet  des  ersten  und  das  abschliessenit 
Gebet  des  dritten  Kapitels  sich  wörtlich  mit  den  Lektiofien  des  van 
Seuse  verfassten  ,Cursus^  (s.  oben  S.  107*)  decken  —  ob  die  lateinische 
oder  deutsche  Form  früher  ist,  lässt  sich  kaum  entscheiden  —  i^ 
dass  gleich  zu  Anfang  (538,3  ff.)  allem  nach  auf  Seuses  Vermählunj 
mit  der  ewigen  Weisheit  und  das  Eingraben  des  Namens  Jesu  in  die 
Brust  (Vita  Kap.  3  und  4)  hingewiesen  wird,  so  scheint  die  Bew»^ 
kette  geschlossen  zu  sein.  Und  doch  stehen  der  Annahme  der  EchtheS 
schwere  Bedenken  von  Seiten  des  Stils  und  Wortschatzes  entgegen: 
die  Ausdrucksweise  ist  nicht  so  prägnant  und  packend,  wie  etwa  iif 
Bdew,  sondern  hat  etwas  Schwerfälliges  und  Langatmiges  (vgLz.B* 
die  vielen  koordinierten  Sätze  mit  do),  es  kommen  ungetvohnte  Konsti'uk' 
tionen  cor  (z,  B,  541,5.  542,7)  und  finden  sich  manche  Worter,  ito 


M  ^'och  einige  weitere  Gründe  stehen  entgegen:  die  Gebete  beMtehenii^ 
nicht  blo^is  auf  das  Leiden  Christi^  sondern  sind  zum  Teil  siemlich  aJIgemeki 
gehalten  :  sie  haben  fast  alle  die  Anrede  jHerr  Jesu  Christe*,  während  vorher 
das  ,Herr*  fehlt:  endlich  würde  das  dritte  Kapitel  hei  Annahme  der  Eehtkmi 
unrerhfiltnismässig  Idnger  als  die  beiden  andern. 

^  Tn  den  Vitac  fratrum  des  Gerard  von  Fracheto,  ed.  Reichert  217  id 
erzählt,  dass  in  jeder  Zelle  eines  Dominikanerklosters  ein  Bild  des  Ch" 
kreuzigten  an  die  Wand  gemalt  war :  iitpote  über  vitae  expensuH  et  libcr  de 
arte  rtinoriH  Dei. 


Suusc»  (.eideii  iimi  Heimaucbiinuren.    Seine  setlrtorgerliclii' Tül.igkeit.    Hl'' 

K  sonst  nicht  gebraucht*).  Schwerlich  kann  man  diese  Verschieden- 
<ft  dndurch  erklären,  dass  mo»  die  Schrift  für  ein  JugendtCerk 
WS  ausgibt.  Eher  noch  wird  die  Annahme  etwas  für  sich  haben, 
r  (w  sich  um  eine  Inteinische,  von  Seune  selbst  verfasste  Vorlage 
Mt  —  «0  erklären  sich  omh  die  lateinischen  Anfungsuiorte  der 
tlnen  Abschnitte  um  besleti,  —  die  von  rinem  geistesverwandten 
älrr  (oder  cielUicht  van  Elsheth  Slagel'^)  unter  Benützung  s^ner 
riflen  deutsch  bearbeitet  wurde"^. 

Senses  Leiden  und  HeimsQchuugen.     Seine  seelsnr^erliche 
Tätigkeit. 

Der  Zeitjiunkt,  wo  Seuse  eon  seinem  Lehramt,  das  ihn  itn 
Ifer  zurückhielt,  entbunden  wurde  und  das  Hör.  zum  Abschluss 
"Wife  (1334),  wird  wohl  so  zirmlieh  mit  demjenigen  zusammenfallen, 
»^ er  sich  innerlich  angetrieben  fühlte,  das  Leben  der  Abgeschlossen- 
*a/  aufzugeben  und  sieh  au^schlieselich  der  Sorge  um  das  Seelenheil 
A»  NäcMtrn  SU  widmen  (63,9 ß'.).  Er  erreichte  nun  sein  40.  Lebens- 
ki»; da»  Hie  bei  anderen  Mystikern  so  auch  hei  ihn  einen  Wende- 
funit  bildet  ^.-  er  lä^st  i-on  den  strengen  Ablöliingen  ab,  um  in  die  hohe 
Schule  drr  coUkominenen  Gelassenheit  einzutreten,  die  vor  allem  darin 
liateht,   fremde    il'iderwärtigkeit  *),    Verschmähung   und    Verfolgung 

')  Z.  B.  63S.lä  ferwürtzt;  539,13  gulllich  läs  Adjeklio .-  539,17.  543,12. 
nintilulbeii;    ä41,8   hemog;    511,11.   14  pfeller,   -lieh;     643,13.    645^. 

wwse  (vgl.  dagtgm  :>73,6.  320,1(1}:  Höß  entachöpfen ;  5*5,15   kleckeii, 

i;  546,6  erbimnen;  54H.15  wäff,   550^)  wiifen;  647,11  berlichi;   5i7,3.'i 
AI»  tachliehe  Divtrgtns  von  aUerdings  nicht  grostfr  Bedeutung 

M  noU^tn,  dose  noc/t  Minneb.  546,36/.  Maria  unter  dem  Krfuzr  beinaht, 
I  Bdno  äli9,21f.,  XiO,32ff.  wirtlich  ohnmächtig  irurdr.  Die  Meinung  war 
ioMM  Z*il  aber  diue*  Punkt  bei  den  Theologen  geleilt. 

■)  Darnach  ist  die  S.  53T  gemachte  Bemerkung  stt prüLititren.  Deniftr 
1  XII  hiai  die  Echtheit  für  urtifrlhafl  (vgl.  ders..  Das  grisil.  Lehm  *18S0, 
i:  .mÖglichfriDeise  von  Seasi* ;  *1896,  X:  ,kaum  von  Seuse  selbst  veffaast'l. 
dam  drr  Zürieher  Bs.  beiliegenden  Bri^e  vom  9.  Juli  1879  hebt  er  ähnliche 
W(  wie  die  oben  genannten  hfrvor  und  vermalel,  das  Minnebächlein  sei 
(  Vmtirlitilung  rint»  lateiniecken  Schrifichens,  von  rinem  Schiitt-r  Seuses  und 
•rtw»  Geiste  gesehrieben. 

*)  SohtiMeehthild  von  Magdeburg,  liugabrotk  und  anderen.  W.  Wacher- 
'f  *i  MM  in  Zfda  VI,  SÖS  die  Meinung  turück,  als  küantf  der  bekannte 
*•(  tNi»  Sehtfabinalttr  auf  Seutes  Lebensänderung  eurückgehen.  Eine  Spur 
fnfmi^  gieh  erst  in  Hebels  t'acelien  und  Kirchhofn  Weiidurtmut.  Vgl. 
«*  J.  ffdr-riHann,  SehwabenspitgH   1901,  30. 

')  MA  {'»reehl  nimmt  Preger,  Vorarbeiten  124ff.  an,  erst  nach  dem 
',  Uhrv^ahr*  seien  äussere  Leiden  aber  Sense  gekommen.  So  exklun'v  können 


J 


M 


112*  Einleitung,    n.    Seusea  Leben  und  Werke. 

mit  Geduldj  ja  mit  Freudigkeit  aufzunehmen  (Kap.  19,  vgl,  oh 
S.  90f*).  Erst  wenn  er  dies  gelernt,  kann  er  den  geistlichen  BitU 
schlag  empfangen  (55,10 ß'.).  Dreierlei  Leiden  besonders  werden  Sei 
vorauscerkündigt:  Untergang  seiner  weltlichen  Ehre,  Untreue  und  Lii 
losigkeit  seitens  der  Freunde,  innere  Trostlosigkeit  und  Verlassenk 
Und  sie  kommen  auch  wirklich  über  den  armen  Mann  in  einer  Men 
und  in  allen  Formen,  so  dass  sie  ihm  etwas  Alltägliches  in  seim 
Leben  werden  und  er  ihr  Ausbleiben  als  etwas  Ungewöhtüid 
empfindet  (82,22 ff.).  Mit  ergreifenden  Zügen  erzählt  er  in  ä 
Vita  eine  Reihe  seiner  schmerzhaften  Erfahrungen:  er  wird  fl 
Diebstahls  der  wächsernen  Exvotobilder  in  einer  Kapelle  und  ö 
Betrugs  mit  einem  blutenden  Kruzifix  beschuldigt  (Kap.  23),  m% 
seine  eigene  Schwester,  die  in  Sünde  fisl,  unter  Schmerz  und  Schan 
ins  Kloster  zurückbringen  (Kap.  24).  kommt  zur  Pestzeit  als  angi 
licher  Brunnenvergifter  in  Todesgefahr  (Kap.  25),  hat  ein  gefäl 
liches  Abefiteuer  mit  einem  liaubmörder  im  tiefen  Walde  zu  besteh 
(Kap.  26 )f  wäre  bei  einer  Pastorationsfahrt  einmal  beinahe  im  Rh 
ertrunken  (Kap.  27 ),  wird  wiederholt  auf  den  Tod  krank  (Kap. 
und  30);  adelige  Herren  wollen  ihn  töten,  weil  er  ihre  Töchter  u 
Geliebten  zum  geistlichen  Leben  verfuhrt  (Kap.  28),  desgleichen  o 
ungeratene  Sohn  eines  Chorherrn,  weil  er  sich  durch  ihn  finanziell  i 
nachteiligt  glaubt  (Kap.  43);  er  muss  von  seinen  Klostergenossen  Schmd 
ung  und  Beschimpfung  leiden  (Kap.  29;  145,23 ff.) ^  von  anderen  ül 
Nachrede  erfahren  wegen  seines  Verkehrs  mit  den  Sündern  (Kap,  39 
Das  Schlimmste  aber  geschah  ihm  von  einem  teuflischen  Weibe,  das  i 
der  Unzucht  beschuldigte  (Kap.  38)  und  dadurch  weithin  in  Verr 
brachte.  Durch  diese  Flut  von  Leiden  hindurch  ward  Seuse  e 
,gelassener' ,  ,durch geübter^  Mann;  Friede  und  Freude  in  allen  Dinff 
war  ztdetzt  der  Gewinn,  den  er  aus  allen  Heimsuchungen  zog  (130,16 ff 
Die  meisten  der  erzählten  Leiden  hängen  mit  der  intensiven  sei 
sorgerlichen  Tätigkeit  zusammen,  die  Seuse  in  jenen  Jahren  zu  entfaW 
begann  (vgl.  1 14,19 ff'.).  (Heichsam  nur  zufällig  wird  um  von  seini 
Pastorationsfahrttn  erzählt  (vgl.  87,31  f.,  117,17.  120,18 f.,  153, U 
auf  denen  er  von  Konstanz  aus  in  die  Schweiz  (109,31  f.,  138^26 f> 
in  das  Elsass  (75,10.  81,6),  den  Rhein  hinab  bis  nach  Aach 
(153,10 f.)  und  in  die  Niederlande  (78,22)  kam.  Wir  werden  d 
eifrigen  Mann  einen  grossen   Teil  des  Jahres  auf  der  Wandersch 

aber  seine  Worte  nicht  gemeint  sein;  vgl.  23,11  f.,  64,26.  68,17 ff.,  143^13;  H 
112  ff.  Nur  im  Unterschied  von  den  selhstgewdhlten  Leiden,  die  jetzt  aufhör 
i<ind  die  ffemden  Heimsuchungen  ao  betont. 


Seuse«  Leiilen  und  Heimsucliunfit 


eelHiirnedkhe  Tätigkeit,    HS* 


■Anken  hohen,  teobei  er,  wie  es  der  Beruf  seines  Ordens  mit  steh 
»kte,  dem  Volke  in  Stadt  und  Land  predigte  (v<jit.  112,24.  149,7). 
A  Kar  er  nicht  eigenüich  ein  Prediger  und  Seelsorger  für  die 
um,  wie  ein  Berthald  von  Uegensburg,  seine  Domäne  imr  die 
eelpnntoration,  für  die  er  ein  wahres  Charisma  gehabt  zu  haben 
tüU,  Er  verkehrte  dabei  in  hohen  und  niederen  Krdsen  (117,'J. 
\,4ff-)>  »•''  fClosterleuten  und  Laien,  teeiss  ebenso  die  Tirfyemnkenen 
Hockenden  Herzenstünen  zu  gewinnen  (Kap.  26;  llt!,2Jf.,  110,7 ff., 
l^liff.)  wie  amerwählte  Seelen  zur  Beschaulichkeit  anzuleiten. 
I  zartem,  mildes  ff  m«  tnusste  besonders  für  die  Frauen  ettvas 
lohendes  haben,  und  an  sie  hat  er  sich  me  Heinrich  mn  Xörd- 
vorzugsweise  und  mit  grösslem  Erfolge  gewendet.  Seiner  be- 
en  Anlage  kamen  aber,  auch  die  Verhältnisse  seines  Ordens 
m,  dessen  Aufgabe  es  unter  anderem  war,  die  seiner  Obhut 
Wsteüten  Frauenklfister,  welche  geroile  in  Oberdeutschlund  besonders 
•tich  waren*),  seelsorgerlich  zu  leiten.  Nachdem  sich  der  Orden 
I  die  Übernahme  der  schweren  Bürde,  welche  nicht  selten  die 
n  Kräfte  absorbierte  und  die  Pflege  der  Wissenschaft  beetn- 
iktigte,  lange  gesträubt  hatte,  wurde  ihm  die  ,cura  monialium' 
th  Papst  Kleniens  IV  1207  definitiv  übertragen^).  Die  Prediger 
men  »ich  nunmehr  mit  allem  Ernste  der  Angelegenheit  an,  und 
■  Karen  es  in  der  Hegel  die  gelehrten  Brüder,  Magistri  und 
i  der  Theologie,  welche  mit  der  geistlichen  Leitung  der  viel- 
I  hochgebildeten '),  zum  guten  Teil  aus  adeligen  Häusern  stammen- 
' Nonnen    betraut   wurden^     Es  ist   durch    Denifles^)    Vnter- 

')  In  d'r  Proeins  Tiulonia  wnivn  en  zu  Beginn  des  14.  JH.  70  Donini- 
m^nen-  und  46—48  Dvminikanrrklöeter  (Archiv  II,  G43I.  Dir  ohnthin 
IK  kok*  Konaaltahl  (M)  der  Nonnen  in  den  eituthten  Klnslem  irurde  oft 
MAritlM;  tu  u:aren  t»  in  Öterthach  tä86  J30  (Freffrr  II,  366),  in  Töts 
I  Hfirf  J366  ea.   Km  Schwestern  (Itfg.  Ep.  CmuU  II  n.  177,  n.  5433). 

•)  F^.  Mortier  a.  a.  0.  I,  3ilff.,  SSiff.;  Dtniflt  im  Archiv  II, 
\f.:  L.itaur  im  Frtib.  Diöc.-Arehie  1901,  lHg.  4H. 

'    *)  Beispitlt  bitten  die  Vilen  in  Menge.     Viele  Nonnen  konnten  lateinisch 
Ittr/auten  asHtitthe  Schriften.     Vgl.  Preger  II,  254. 

')  VgL  in  der  InsIruktinH  dei  l'rniiintiaU  Htrtnami  von  Minden  (138ß 
tO)  bftüglir.h  der  cura  monialium  die  Vorschrift :  providet*,  ne  refectione 
Mit  (lororc«)  Tcrlii  Ilei,  aed  sicut  eruditioni  ipsanim  convenit,  per  fratres 
Ho»  uepiUB  pr&edicetur  (Archiv  II,  HöOJ.  Die  Dominikaner  rerioeiUen  aber 
iir  Begtt  nicht  ttdndig  am  Situ  der  Nonnenklöster,  sondern  hemchten  die- 
i«  PIKT  BMI  Zeil  cu  Zeit .  für  den  tägltchen  Gotttsdiensi  Kar  gewöhnlich 
VälgeietUcher  alt  Kaplan  mneitrlU. 
'I  Ärekir  II,  641ff. 

StutCt  Oeulirlio  ^.JiiiriDi..  8* 


114*  Einleilnug.    II.    Sensea  Leben  uni5  Werke. 

nuchunyen  HfirgtsleUt,  dass  dieser  Ums/and  sehr  viel  zum  Au/kot 
der  mystische»  P redigtweise  in  Deutschland  beitrug.  In  Prediglitf- 
und  Kollationen  (\gl.  Anm.  zu  47,21)  machten  die  Dominikaner  die 
lionnen  in  deutscher  Spruche  mit  der  scholastischen  und  mgstischett 
Spekuhtion  bekannt  und  hemiihten  sich  mit  vielem  Erfolge,  dieselben 
nicht  nur  zu  genauer  Befolgung  der  Ordensregel  anzuhalten,  sondern 
iiuch  ihrer  Frömmigkeit  ein  gediegenes  Futidament  zu  geben.  Di« 
Probleme  der  Mystik  wurde  die  erlesene  und  begierig  aufgenommene 
Kost  der  Gottesfreundinnen  in  den  Klöstern  und  Beginenhäusern. 
Wie  andere  Predigerkonvente  hotte  auch  derjenige  zu  Konsian» 
eine  Anzahl  Nonnenklöster  des  gleichen  Ordern  zu  leiten ').  In  seinm 
.termini'  (vgl.  Anm,  zu  119,10)  lagen  im  14.  Jh.  die  Dominikanerinnen' 
klöster  zu  Katharinental  bei  Diessenhofen,  zu  Meersburg.  Buchkür» 
und  in  der  Nähe  davon  Löwental,  Münsterlingen,  Habstal,  Engtnt 
Siesseti  bei  Snulyau,  und  drei  Klöster  zu  Konstanz  selbst,  genannt 
Wil,  St.  Peter  an  der  Brücke  und  Zoßnyen  %  In  mehr  ah  «im 
dieser  Klöster  wird  auch  Seuse  zeitweilig  geu-irkt  haben.  Näherm 
über  das  innere  Leben  erfahren  wir  aber  nur  ron  Kathari 
wo  im  13,  und  14.  Jh.  eine  Pßanzschtäe  der  Mystik  war;  hin 
scheinen  in  der  Tat  die  Spuren  seiner  Tätigkeit  in  den  LebensbÜdtnt 
einzelner  mystischer  Nonnen  noch  erkennbar  zu  sein "),  Auck  i 
weiter  entlegenen  Klöstern  hatte  Seuse  Beziehungen,  vor  allem  i 
Töss*)  bei  Winterthur,  wo  seine  bedeutendste  SchtUerin  Eisbeth Stag4. 


')  Binchof  Oerhard  von  Konstant  terkäadete    1318  »eintr  GeUtlie) 
dant   alle   ScIitrtxUrti   dts  Augitstinerurdena   der   SnUorgt    der  Prtdigrr 
untrrsirhen  (Reg.Ep.  Conti.  II.  471  n.  Tfii. 

»)  Vgl.  Quitif  und  Echard  I,  X;  König  im  Frab.  IHöt.'AnM 
Xin,  209  (aacli  dfr  StaHiiih  den  J.  Meyer):  L.  Säur  ebd.  1901,  33,4 
64,  56,  70,  81/. 

•)  Bits  aaek  die  Annahmt  Baihiolds,  LH.-Gtieh.  der  SehutiJi  ÜX 
Slä,  und  schon  Murtre  349.  Es  iil  aber  ei*  heaehten,  dass  tcohl  die  mnft 
dtf  in  den  Viten  von  Katharinental  (ed.  Birlinger  in  Alemaimia  tS6 
ISa—Si;  Auscügt  bei  Mut  er  349  ff.)  vorkommenden  Nonnen  cur  Stuse  IttU 
An  StHSt  f-innent  Eltbeth  Heimburg  und  EUbäh  eon  Mo/eJi,  Adelkad  Pfif» 
liart  (aus  Konalant)  und  Anna  cdti  Ramsieag  (verkehrt  mit  Eekhart,  w«  JSStI) 
in  beeuij  auf  die  Andachten,  Kasteiangen.  Visionen  und  die  sinnig«  lf<A 
bttraehlung  der  h'chwettern  leigt  sieh  manche  Ähnlichkeit  mit  Sense,  f 
Adelheid  ist  greagt  (16U>:  atnurs  herreu  fmud  lietten  haimlicbi  und  minn  e& 

')  Vgl,  die  Anm.  zu  flft',/  und  die  dort  lilicrle  Literatur,  ferner  Grti 
!i»Slf.,363ff.i  Vetter,  Mystiierpaar  13ff.,  53  ff..  E.  Schiller ,  Das  myslm 
Leben  der  (M-dauschwrslim  lu  Töss,  Bemer  Bits.  lltOS  (nur  alt  MaltridÜi 
Sammlung   brauchbar).     In  den  Töasrr    Yiten  finden   sieh  i'iel«  AntUogien 


^eusEH  Leiden  imd  Heims uuhimgcti. 


eclHorgerliche  Tätifrlieit..    1  Ift* 


H.S.12i*ff.)UbU,  eennutlich  auch  zuÖtenbach')  bei  Zürich,  Adel- 
,  ArtMÄfM*)  bei  Freiburg  und   JJnterliuden'^  zu  Kolmar,  —  lauter 
Statten  deji  beschaulichen  Lebens.     Wie  viele  Verdienste  Seune  um  die 
(fcwl  zu  findende  Blüte  der  Nonuenrnysttk  hat,  kennen  wir  nicht  aus- 
machen.    Beachtenswert  ist,  dass  die  von  seiner  geistlichen  Freundin 
üiabeth  cerfii»ste  Viteasammlung  von  Töss  eine  Reihe  ähnlicher  literari- 
kUt  Produkte   veranlasst  oder  wenigsUnn   beeinflusst  hat,   die  zwar 
rfiw  Vorbild   an    Tiefe   der  Auffassung   nicht   erreichen,    aber   doch 
m  ihrer  desamtheit  einen  reizvollen  Einblick  in  die  reliyidstn  Ideale 
»fli/  Stimmungen  Jettes  Kreises  frommer   Frauen   gewähren.     Adolf 
I  üarnnck^)  hat  mit  Be2Ug  darauf  das  Wort  gesprochen:  „Welcher 
I  äiHoriker   mit   hellen  Sinnen   wird  an   diesen  Früchten   der  Mystik 
mkänahmslos   oder   ach»elzuckenii   vorbeige/ten   können,   welcher  Christ 
i  nicht  mit  herzlicher  Freude  aus  dem  Quell  lebendiger  Ansckau- 
,  der  hier  gesprudelt  ist,  schöpfen,  wer  wird  nicht  zuversichtlich 
k  IJenchichtsforscher   bezeugen,   das«  eine   evangelische  Reformation 
I  JäOft  (1300?)  ebenso  unmöglich  gewesen  wäre,  wie  sie  um  15(K> 
treitet  tear"')'^ 
Von  Seuses  Methode  der  Pastoration  me  überhaupt  von  seinem 
WfeeAr  mit  den  Goltesfreundinnen  können  wir  uns  auf  Grund  der 
Vtlungen  in  der  Vita,  seiner  Briefe  und  Predigten  ein  deutliches 
l  machen.      Weit  über  die   schwiihifchen  Lande   hin  und  in  den 


n  Kykt 


•4  L^en  (vgl.  dU  Zu»ammenHellany  hei  tivhilhri.  Doch  ist  auch  hier 
en,  dau  rieb  der  Hchaegtem  «c/ion  geatoiben  waren,  als  Seits»  nach 
f  kam:  jidmfall»  kann  man  nicht  gagtn  ino  Greith  in  Kath.  SehwäzerH. 
',  74}  dann  rr  di%  myetiteht  Schute  da/ielbtt  .geschaffen^  habt.  Chronologisch 
tinglith  i»l,  aa»  Greith  a,  a.  0.  Itü  meint,  diiss  Sevse  Itl  Jahre  lang 
MaUr  der  Prinzeenti  Eluheth  von  Ungarn  (f  1336)  tu  TUss  tear. 
')  Vgl.  Murrr  315,  Nach  der  Tradition  katn  Seuse  •ifters  i 
wUotter  nach  Zürieh,  also  mohl  auch  nach  Öimbach:  Elaheth  r 
iJ  aiimerl  gant  an  ihn  (vgl.  Prtger  II,  364). 
*\  So  die  Annahme  Kärehers  188. 

')  Vgl.   Ingold,    Nntice   sur   l'fgline   et   h   eonvcnt    dm   doinin 
r  iBH,  33. 
*)  Dogmengtschichte  IIP  (1S97I  .W4. 

^  CKarakUrisUk    und  Klassifititrimg  der  myatischen    Vitrnlilrratur  von 

m/U  in    Lü.  Hundaehau    1879,    136/.    und   A/da    K  260:    vgl.    auch 

f'kitgtr,  Di*  OotUitfreundt  J879,  337 ff.    Üher  das  AllgemHnt  handeln  gut 

\ff*htil,  Oeschiehle  des  dtseh.  Volkes  III,  167ff.:  Pi-tger  II,  363ff.  und 

»tadicl   di*   ößers    tilitrU  Schrt/t  von  Krths   über  Adelhausen,   die  auch 

I"  PAw  eoR  TSss,  Katharinenlal,  Unterlindeu  und  Kirchberg  tum  Vergldeh 

in  den  richtigen  literarhistorischen  Zusammenhang  sIeUt, 


116*  Einleitung.   11.    Seuses  Leben  und  Werke. 

ayistossenden  Gegenden  besass  er  eine  grosse  Zahl  begeisterter  Jüni^ 
rinnen,  „geistlicher  Töchter*^  oder  „Kinder*^,  teils  in  der  Welt,  tne 
aber  in  den  Klöstern  und  Klausen  (vgl.  116,23  f,,  140,17  ff.).  Manc 
adelige  Tochter  hat  er  durch  Wort  und  Beispiel  für  dtzs  geistlic 
Leben  gewonnen  und  bewogen,  die  väterliche  Burg  mit  der  Klosti 
zelle  zu  vertauschen  (83,12 ff.).  Stet^  fasst  er  die  Beziehung  a 
Seele  zu  Gott  unter  detn  Gesichtspunkt  eines  geistlichen  Liebesverhä 
nisses  —  charakteristisch  für  das  Zeitalter  des  Minnesangs, 
von  der  falschen,  trügerischen  Minne  der  Welt,  die  mit  Lieb  (Freue 
anfängt  aber  mit  Leid  endet  ( 455,21 ),  toill  er  hinführen  zur  treu 
Liebe  Gottes,  die  hienieden  anfängt  und  immer  und  immer  tvähr 
zu  Christus  dem  himmlischen  Bräutigam  (137,11  ff.).  Dünkte  ihn  j 
dass  sein  Lieby  das  er  zu  minnen  gab,  besser  sei  als  alle  Lieb  die»^ 
Welt  (139, 23 f.).  Eine  wundersame  Macht  muss  die  Persönlichkeit  diei^ 
Mannes  ausgeübt  haben.  Wir  erkennen  dies  aus  der  unbegrenzten,  fc 
schtcärmerischen  Anhänglichkeit,  mit  der  seifte  geistlichen  Töchter  an  ih 
hingen :  sie  schauen  ihn  in  ihren  Gesichten,  emjjfangen  Offenbarung* 
über  seine  Schicksale  und  Lei  den ,  empfindeii  selbst  seine  Schmerz 
mit,  werden  durch  himmlischen  Befehl  an  ihn  gewiesen  (44,14], 
51,17 ff.,  117,9  ff'.).  Seine  Auffassung  von  dem  seelsorgerlich 
Beruf  war  auch  die  idealste:  er  dünkt  sich  einen  Kärrner  Gotte 
der  aufgeschürzt  durch  die  Lachen  fährt,  um  die  Menschen  aus  dt 
tiefen  Lache  ihres  sündlichen  Lebens  wieder  an  die  Schöne  zu  brifige 
(385,24  ff.,  467,32 ff,).  In  ihm  vereinigte  sich  vieles,  was  anstehe 
musste:  reiche  Lebens-  ufid  tierzenserfahrung,  die  in  die  Tiefen  va. 
Leid  und  Freude  geschaut  hat,  Reichtum  an  Liebe  und  innerer  Ten 
nähme  —  sein  mildes  Herz  war  sprichwörtlich  (vgl.  117,1),  —  A7mj 
heit  und  Milde  in  den  Anforderungen  gegen  andere  bei  grösster  Streng 
gegen  sich  .selbst,  unverdrossener  Eifer,  der  nicht  ablässt,  auch  tcen> 
es  auf  den  erstell  Anlauf  nicht  gelingt. 

Man  hat  öfters  fälschlich  angenommen  %  dass  Seuse  unter  dt 
Gotfesfreunden  einen  besonderen  Bund,  die  „Bruderschaft  de 
ewigen  Weisheit^  gestiftet  habe,  und  berief  sich  zum  Beweis 
dafür  auf  die  Begeht  der  genannten  Bruderschaft,  welche  sich  teii 
im  Anschluss  an  das  Exemplar  in  den  beiden  ältesten  Drucken 
(etwas  gekürzt)  und  in  manchen  Hss.^  teils  separat  in  verschiedem 


»)  So  z.  B,  Kärcher  n6f.:  Schmidt  857 f. 

-)  14S:if.  103^—1 10 r;  1512 f.  146*— 51^;  Diep.*  4if6—604. 


SoüBes  Briefe  und  Predigten.  117* 

Hw,  ßndtn^).  Allein  jene  Annahme  hing  zusmnmtn  mit  der  früheren 
iTTtämlichen  Anschauunff,  als  ob  die  Gotte,i freunde  eineti  Geheimbund 
«i(  Kpnrniistischer  Tendenz  gebildet  hätten^).  Sie  hat  auch  an  dem 
Texte  dtr  ,Brudefscha/t'  keinen  An/iiill.*i»inkt.  Die  deutsche  Fassung 
dtrselben  ist,  wie  eine  Reihe  oun  Hss.  und  die  Drucke  anheben '), 
nur  eine  frfie  Übertragung  eines  Kapitels  des  Hör.  (II,  7 ;  vgl.  oben 
i.lin^),  die  tpokl  erst  im  15.  Jh.  gefeitigt  wurde  und  allem  nach 
nickt  von  Seuse  stammt.     In  divse  Ausgabe  ist  sie  daher  nicht  auf- 


V.  Benses  Brifre  und  Predigten. 

Seuees  Briefwechsel  ist  ganz  in  den  Dienst  der  Seelsorge  gestellt: 
'ftttr  durch  miindlicke  Unterweisung  bei  seitten  geistlichen  Töchtern 
iigonnen,  setzte  er  brieflich  fort;  nur  selten  sind  persönliche  Ver- 
^Unisne  darin  berührt,  rein  weltliche  Dinge  gar  nie.  Wir  haben  es 
i^ieth  Singel  zu  verdanken,  dass  uns  eine  Anzahl  von  Seuaes  Briefen 
frhalten  aind,  und  zwar  nicht  nur  die  in  die  Vita  verarbe.iteten,  die 
»ich  nickt  olle  mehf  mit  Sicherheil  ausscheiden  lassen,  sondern  auch 
tine  ausführlichere  Sammlung  von  ungefähr  27  Kummern  (das 
»npfüngliche  Briefbuch  der  Siagel),  und  ein  von  Seuse  selbut 
ifiütrr  verunstalteter  und  ale  viertes  Buch  dem  Exemylar  ein- 
wlHbter  Auszug  von  II  Briefen.  Über  das  Verhältnis  des  Gr  und 
Kl  Bfb  zu  einander  i»t  schon  oben  S.  37*  ff.  das  Nötige  gesagt  worden. 
DiV  1}  Briefe,  welche  Seuse  selbst  redigiert  hat,  erscheinen  in  dieser 
infgabe  zum  erstenmal  in  ihrer  ursprünglichen  Gestalt  publiziert');  im 
&tm}itiir  »ind  dieselben  stark  gekürzt,  mit  Stücken  aus  anderen  Briefen 
iomhiniert  und  so  geordnet,  dass  darin  in  gedrängter  Form  eine 
fttUtändige   Jjehre'   (Hlil>.'J)   von    der  Bekehrung   bis   zur   höchsten 

')  Z.  B.ia  Ui.  K,  R,  S\  WJ,  h  fit.  oben  S.  6* f.,  9",  SS"},  ferner  in  <U„  ll^n. 
«  tHuien  M  S77  Bl.  83—89.  Htiddb»r,j,  Cod.  Pal.  gervi.  57()  Bl.  104—10: 
Svbmht,  Cod.  Lichttnt.  oy ;  Maihingtn  III  1.  8"  Sil :  München  Cgm  405, 
l^.m.-  Niii-nbtrg  Cent.  V  app.  Bl  Bl.  3—22;  Cent.  VI,  44  Bl.  196—303; 
CbB.  vi,  si  Bl.  131—44.    StmÜkli*  Es»,  gehüren  dem  16.  Jh.  an. 

')  Vgl  die  Anm.  tu  34,10;  Btnifle  Ü37f.  und  oben  Ä  .99*. 

'i  In  dmt  hritek  von  1482  sieht  f.  103":  Das  heruai'b  gefcLribeu  «l^t 
**  in  *e  teÜUche  braucht  von  der  weiszheit  bfli-he.  in  latPin. 

'I  In  Pregtre  Amgab»  (Ibti?)  «tW  difstlbeu  in  der  Eeeenaion  ilr/i 
f^  9fgebm,  vgl.  oben  A'.  ~'i",  26". 


118*  Einleitung.    11.    Seuses  Leben  und  Werke. 

Stufe  des  rnysii sehen  Lebens  geboten  wird^).  An  Elsbeth  sind  sieht 
drei  Briefe:  ^Hgra  sunt  (Nr.  Xllbezw,  III),  Annuntiate  (XXbef^i 
VIII)  und  Pone  nie  (XXVI  hezw.  XI)  gerichtet%  letzterer  jedot 
nicht  an  sie  allein,  sondern  als  eine  Art  Zirkularsekreiben  ziigleic 
an  andere  Nonnen  in  Töss  (vgl.  auch  die  Anm,  zu  479,13),  Übe. 
die  Adresse  der  anderen  Briefe  Uisst  sich  nichts  Genaueres  sagen, 
sie  sind  wohl  sämtlich  an  Nonnen  gerichtet  und  setzen  zum  Teil  sehr 
verschiedene  Charaktere  und  Verhältnisse  voraus;  Nr,  I,  III,  T/, 
VIII,  IX,  XI,  XXI,  XXIV,  XXV  sind  für  mehrere  bestinmt, 
Nr,  XVII  und  XVIII für  dieselbe  Empfängerin  (vgl.  S.  40*  Anm.  2). 
Die  Echtheitsfrage  braucht  bei  der  weitaus  grössten  Zahl  auch  jener 
Briefe  des  Gr  Bfb,  von  denen  nicht  Stücke  in  das  Kl  Bfb  auf 
genommen  worden  sind  (Nr,  1,  VII,  IX,  X  V,  X  VI,  XX  V),  schwerlich 
besonders  erörtert  zu  werden,  denn  sie  tragen  fvach  Ausdruck  und 
Inhalt  das  Gepräge  der  Susonischen  Autorschaft  an  der  Stirm» 
Zweifel  dagegen  kann  man  hegen  bei  Nr,  XXIIl  Exivi,  Nr.  XXV 11 
Cum  essem  parvulus  und  namentlich  bei  Nr,  XX VIII,  dem  hier 
erstmals  edierten  Testament  der  Minne  (Minneregel),  Brief  XXÜI 
ist  eigentlich  eine  Predigt  ^)  und  weicht  in  seiner  aphoristischen  Fort^ 
und  sei^nem  stark  mystischen  Inhalt  von  den  übrigen  Briefen  ab;  doch 
ist  es  wohl  möglich,  dass  Seuse  einmal  eine  seiner  Predigten  im  Auszug 
als  Brief  versandte.  Zudem  ist  das  Stück  in  sechs  Hss,  in  eng^r 
Verbindung  mit  echten  Briefen  übeiiiefert.  Wir  sind  also  tPoU 
berechtigt,  die  Echtheit  anzunehmen.  Dasselbe  gilt  für  Nr.  XXYIl 
worin  detaillierte  Vorschriften  für  das  Verhalten  einer  jungen  Honne 
in  einer  zu  Seuses  Art  wohl  passenden  Fonn  gegeben  fverdef^' 
Schwieriger  ist  die  Frage  zu  entscheiden  bei  dem  Testament  dif 
Minne,    Gewiss  ist  es  ein  sehr  interessantes  Stück,  von  einer  Gefühls- 


^)  Brief  I—V  befuindeln  die  Anfangsgründe  des  geisiUchefi  LeheMi  i^ 
kehr  von  der  Wdtf  J^^estigkeit  gegen  die  Versuchungen,  Geduld  im  Leidifh 
Br.  VI  die  V^orbereitung  auf  das  Sterben,  VII  gibt  Vorschriftefi  für  ^ 
Vorsteherin,  VIII — X  enthalten  Verhaltungsmassregeln  bei  mystischen  Et^ 
fahrungen,  XI  empfiehlt  Verehrung  des  Namens  Jesu  und  eifriges  Gehet  üJ^ 
, Krone  aller   Übung''.      Vgl.  auch  oben  S.  39*—4:ti^. 

-)  Vetter,  Mystikerpaar  62  findet  mit  Unrecht  einen  Widerspruch 
zwischen  393,8  und  194,14  fi',,  denn  das  jungst  an  ersttrem  Ort  ist  nicht  zeiÜM^ 
sondern  lokal  gemeint,  in  Hinsicht  auf  den  an  letzter  Stelle  im  Bfb  stehende^ 
Brief  Pone  tne. 

•')  Vgl.  namentlich  die  charakteristischen  Eingangs-  und  Ubergang$ 
fitrmeln  (473^0.  10,  474,1.  7)  und  den  nur  in  U  überlieferten  Schluss  (476,1 
bis  19). 


Seosea  Briefe  «od  Predigten, 


119" 


iciirme  und  amr  dichterisch  gehoUenen  Dar^tfllumj,  wie  sie  in  der 
myiHechen  Korrespondenz  kaum  ihrenyleicken  findet.,  und  zHyt  sehr 
titli  Anklänge  an  Seuse,  altein  die  Bedenken  gegen  die  Echtheit  von 
»ilen  des  Gesnmtcharakters,  des  Stäes  und  [i'ortifchatzes  sind  so 
>tin-k,  dnne  wir  es  hei  einem  non  liquet  bewenden  lassen  müssen^). 
w  nicht  von  Seuse  selbst,  so  ist  der  Brief  jedenfalls  ton  einem 
ihm  nahestehenden  Mgstiker  verfamt. 

Ihrem    litcrarit-chen    Charakter    nach    sind    die   Briefe   Seuses, 


}  Leider   Kurdt    vern&unit,    S.    4S6   eine    dicsbezffyliehe    Bcmtrkawg    mu 

"atktn.    J>as«  dtr  Brief  »thr  »lark  an  Seane  erinnert,   litgt   auf  der  Hand: 

■  All  Aimerkungm  tat  die  starke,   teilweise  wöriticite  Benütiung  von  Brief 

j  nU,    XII,     XU'    und    XXVI   des    Gr   Bfb    und    sonstige    Anlehnuttg    an 

mSta»   SchriflsH    nachgaoUsrn.     Die  Entlehnungen   sind  nicht  bloss  äasser- 

aitgektiht,   »ondem   organisch  mit  dem  Ganren  verbunden,     Ks  ist  sthtner 

la  vrralihtn,  m«  ein  »o   hochbegabter,   dichterisch   veranlagter  Mystiker,   als 

I   «rfcA«B  sieh  der  Schreiber  des  Briefes  ausweist,  der  in  hohem  Alter,  unmittelbar 

I  Tode  siebend,   tum   tetilenmal  seinen   gtislUehen   Töchtern   aekreibt 

wd  ihntn  die  Summe  stimr  Lehren  sieht,  dasukam,  die  Briefe   eines  andern 

("  ttark  tu  plündern !  Man  ist  an  mittelalterlichen  Plagiaten  tnanches  gewähnt, 

«htr  hier  stehen  wir  vor   einem  psycholoifischtn  Rätsel,     Und  doch  virbittta 

thitm    Beäenien,    die    Echtheit    ohne    weilrres    amunehmin   (Professor    Dr. 

Straueh-Balle  hat  mich    durch  giltigf  briefliehe  Meinungsäusserung  in  deii 

ISedtnien  bestärkt).     Dtr  gance  To»    des  Briefes   ist    überscbwänglicher,   s&ss- 

UrÄ»,   als   man    es  bei  A'euse  gewohnt  ist,   and  näheii   sich   der  Art  Heiniichs 

I  *•■  SSrdlingm :    milunler    wird    der    Stil    tändelnd,  spielerisch    und    durch 

'    Ührrmass   des    Gefühls    unklar.     Der     Wurlsckals   erigt    eine    lieihe    von 

ücktn,   die  mir  sonst   liei  Seuse  nicht  ßndm,  s.  B.  dSH.lS  minnendiep  ,- 

/.  iiiii'esatl«  wise  (klingt  mehr  Taultrisch .') ;  469,^  gefüllich;  493,6  quit/ 

b  minnenfiDg'erUü ,-  wohl  späterer  Sprachgebrauch  sind:  467,13  lutopeD  und 

I,  4i/U,J  gemHUe,  433,13  wettelöf ;  das  unedle  Bild  von  der  griebe  (491,301 

b  Stuses  Feinheit  nicht  gut  an  fduclt  vgl.  Hermann  viin  Fritdar  63,29  und 

Hfftrs  Aam.  S.  431),  die  Ausdrücke  i93,Gf.  sind  zu  stark  und  su  un- 

■  f-ir  ihn.     Bedenklicher  ist  noch  der  viermalige  Gebrauch  der  Phrase  (der 

I  wl  winli^)  nin  gottes  und  der  junekfrowen  (466,7.  469,ä.  24.  493,3),  die  nicht 

mtieli  ist  (über  da»    Vvrkommen  des  Ausdrucks  ,der  megde  kint^  und   tlhn- 

l  W.  Grimm,  Goldene  Schmiede  XLVlIlf:  Jostes,  Die  Waldenssr 

ii  eorlutherischf  Bibrlübersetsung  ISeS,  37;  ders.,  Dir  Trpler  Bibrlüber- 

l  löse,  aiff.J.    Auch  was  4S7,lSJf.  über  den  Empfang  der  Kummunion 

ist.  findet  sieh  sonst  nicht  bei  Smtst,  dagegen  ähnlich  wohl  bei  Tauler, 

itniflt  Bvga   XXXIVff.      Man   kBvnte   darauf  hinrceisen,   daas  die 

n  Sritfe  Stusts  aus  jUngeren  Jakren  stammtn  und  daher  markiger  und 

r   sind,    dieser   leiste   dagegen    die  Abnahme   der  geistigen  Kraft  in  Stil 

tt  ium  Ausdruck  bringt .     Aber  schicclirb  sind  damit    die   Unterschiede 

etid  trUari. 


120*  Einleituiig.    IL    Seuses  Leben  and  Werke. 

wie  namentlich  Strauch^)  und  Steinhausen'^  hervorgeholt 
haben,  nicht  Briefe  im  modernen  Sinne  des  Wortes,  sondern  gei^ 
liehe  Sendschreiben y  religiöse  Ansprachen  in  Briefform,  Als  altes 
lins  erhaltene  eigentliche  Brief  Sammlung  in  deutscher  Sprache  A( 
die  Korrespondenz  Heinrichs  von  Nördlifigen  mit  Margareta  Ebn^ 
zu  gelfe7i.  Von  diesen  Btiefen  heben  sich  Seuses  Schreiben  ab  dun 
verhältnismässige  Annut  an  persönlichen  Beziehungen  und  durch  et 
weit  geringeres  Mass  an  kulturhistorischem  Einschlag,  stehen  abi 
hoch  über  ihnen  und  nehmen  ihrer  Empfindsamkeit  und  Übe 
schwänglichkeit  gegenüber  ein  durch  Tiefe  und  Echtheit  der  Empfindun 
durch  anmutige,  hochpoetische  Sprache,  die  „oft  von  wunderban 
Schönheit''^)  ist  (tgl.  z,  B.  Brief  XII,  XIV  und  XV  des  Gr  Bfb 
Ihr  hoher  Wert  ist  tätigst  anerkannt  utid  gebührend  gepriese 
worden*).  Preger'^)  sagt  mit  Recht:  es  sind  Pastor  albriefe,  tc 
sie  besser  das  Mittelalter  nicht  hervorgebracht  hcU,  voll  seelsorgerlicht 
Weisheit,  die  uns  Betvunderung  abnötigt.  In  hohem  Grade  besit 
Seuse  darin  die  Gabe  der  Unterscheidung  d^r  Geister,  die  jedem  di 
zu  raten  weiss,  was  nach  seiner  Individualität  und  Lage  das  Hei 
samste  ist:  er  warnt  vor  Halbheit  und  straft  die  Lässigen,  ermunte 
die  Zagen,  tröstet  die  Leidenden  und  Sterbende^i,  hält  die  Ungeduldige 
zurück,  jubiliert  über  die  Bekehrten,  gibt  weisen  Bat  für  d^n  Gt 
brauch  der  mystischen  Gaben.  Einige  Male  macht  er  auch  gam 
konkrete  und  ins  einzelne  gehende  Vorschriften  für  das  Verhalten 
seiner  geistlichen  Töchter  (Brief  II  zweiter  Teil  und  XXV JI  im 
Gr  Bfb).  Es  sind  intime  Schilderungen  des  Seelenlebens  von  hohem 
psychologischem  Reiz,  utid  seine  Worte  haben  hier  eiyie  noch  grössere 
Eindringlichkeit  als  in  seinen  anderen  Schriften. 

Von   Seuses  P  redigt  tat  igk  ei  t^')   sind   nur  spärliche  Beste 
erhalten.      Ohne   Zweifel   hat   er  auch   als    Volksredner   seine  hohe^ 


')  Marg.  Ebner  LXIIf, 

')  Geschichte  den  deutschen  Briefes  I  (1869)  14 j\ 

•)  Steinhausen  a.  a.  0.  14. 

*)  Vf/l.  namentlich  Preger,  Briefe  20ß.;  Mystik  II,  366 ff.;  Denifi 
XXVIf : 'Seeberg  64f.;  Böhrinyer  425—31:  Thiriots  franz.  Ühn 
Setzung  (s.  u.)  /,  LXVIf. 

'•)  Briefe  M). 

•^)  Vgl.  über  Seuse  als  Frediger  besonders  Bö  Jtr  in  ger  431—36;  Cr  HC 
Gesch.  der  disch.  Prcdif/t  im  Mittelalter  lS79j  397 ff. ;  Linsenmayer,  Gesc* 
d$r  Pndiijt  in  Deutschland  usw.  18S6,  433-36.  Sehr  mangelhaft  lUstoriH 
orientiert  ist  F.  U.  Albert,  Gesch.  der  Predigt  in  J)eutf<chland  III (1896)  16üj 


Seuacs  Briefü  und  Predife'teii.  121* 

GiiIkii  nicht  verieugnet  und  icar  beim  Volke  beliebt  und  kochungexehen '); 
äieiit  keine  einzige   vor  der  Menge  gehaltene  Predigt   ist  uns  über- 
Sr/til.      Uns    wir   besitzen,    sind  einfache,    in   NonnenklÖslern    ge- 
hdkne  und  von  den  Zuhörerinnen  aufgezeichnete  Hotnilien,  die  ähn- 
lichen Inhalt   wie   die  Briefe   haben:    Aufforderung  zum    Verlassen 
<iir  Weit,   zitm  Absterben   feiner   selbst  und  zur  gänzlichen  Hingabe 
1  Gott.     Sie  richte»  sich  nicht  an  die  Gesamtheit,  sondern  an  das 
taiulne  Indiciduum,  das  sie  belehrten,  antreiben,  trösten  wollen.    Am 
ii\ti.tten  praktisch  gehalten   ist    die   erste   Predigt,    welche    auch    die 
müeite  Verbi-eitung  gefunden  hat,  während  in  der  dritten  das  mystische 
\B(inmt  eorwiegt.    Nach  der  formalen  Seite  hin  entbehren  die  Predigten 
<■  streng  logischen  Gliederung  der  Gedanken,  zwischen   Text  und 
besteht  nur   ein   loser  Zusammenhang,   eon  Schriftstellen   ist 
Srlich  Gebrauch   gemacht;   im  übrigen  aber  eignen  auch  ihnen  die 
^lutigen    Vorzüge   der   Susonischen   Diktion:    warme  Innigkeit    und 
hthrndigkeit   der   Sprache.     Im  ganzen   kann   man   es   als   eine   der 
Tauterischen  ähtUiche  Art  bezeichnen,   die  uns  in  den  Uomilien  ent- 
Stgtntriti,    obwohl  Seuse,    wenn   wir  nach   den  geringen  Fragmenten 
urleilm  dürfen,  Taider  an  rednerischer  Kraft  und  allseitiger  Kentttnis 
und  Beimchtung  d(»  Lebens  nicht  gleichkommt*). 

Die  mangelhafte  Überlieferung  der  Seiise-Predigte»  ist  schon 
öifii  .S.  27* f.  erwähnt  worden.  Erstmals  wurden  die  Eier  in  dieser 
Aiugabe  stehenden  unter  denen  Taulers  1543  gedruckt,  aber  erst  in 
irr  lateinischen  Obet'tragjing  eon  Seuses  Werken  durch  Surius  (Köln 
~U6ö5J  erscheinen  sie  unter  seinem  Name».  Die  Echtheit  der  ersten 
Wr*digf  ,Ltctidm  noster  fioridus'  ist  gesichert,  da  Seuse  sie  selbst  in 
r  Vita  1.31,29  zitiert'^),  und  auch  bei  der  eierten  ,Iferum  relinquo' 
T  —  von  dem  Anhang  in  der  Taulerausgabe  abgesehen,  vgl. 
<  Bemerkung  S.  53(1  —  nicht  ernstlich  daran  zweifeln  dürfen,  da 
t  einer  Bs.  dre  14.  Jh.  unter  Seuses  Namen  geht  (vgl.  S.  28*  f.) 
i  532,14ß'.  eine  auch  in  der  Vita  Kap.  19  vorkommende  Erzählung 
fifdiTgegefien  (sC),    Bei  der  zweiten  f,Miserunt  Judaei')  und  dritten 

')  S*iH  Andenken  lehlt  im  Volke  fort,  vgl.  die  ahm  S.  i>9'  A.  3  cilierlcn 
Muldof«H,  vomach  er  neine  lUdt  mit  dnii  Sauten  dee  Winde»  m  virgleiche»  pjleglt. 
*l  Linginmaycr  a.a.  0.43li  ui-Uii!  zu  günttig  aber  Senat,  ictnn  er 
■  atff  TauUr  Metlt.  Vgl.  auch  Prtger  111,  Ulf.r  Uenifte,  Tauters 
^Anmg  72ß. 

'<  Mine  mijKtUche  Predigt  Über  dtmtlhen  beliebten  l'ixt  in  einer  ilam- 
<^ir  ä».  tititrl  Horchling,  rraltr  lUifthtrichl  131,(f.:  vgl.  aueh  Schulze 
^ZKhr./.Eirchtngeseh.   Xt.  610  ,  Traktat    Veglus). 

■)  LitiUrt»  Argamtnt    war»  für   sich    allein   allerdings  hui<n  beirtigend. 


I 

J 


122*  Einleitaug.    II.    SeiiseB  Leben  und  Werke. 

(,Exm  a  patre')  Predüft  Jedoch  kalten  nich  die  Gründe  pro 
contra  xo  ziemlich  die  Wai/e:  sie  zeigen  wohl  manche  Berührungen 
mit  der  niertent  Prediijt  und  mit  anderen  Schriften  Seuses 
den  Nachweis  in  meinem  Kommentar),  aber  es  findet  sich  in 
manches  FremdarUye  im  Inhalt  und  Ausdi-uck,  und  auch  mit  Prtr> 
digimi  Taulers  ist  die  Ähnlichkeit  nicht  unbedeutend.  Es  wird  dahn 
geraten  sein,  die  Frage  in  suspenso  zu  lassen,  zumal  auch  eine  hani 
schriftliche  Bezeugung  für  Seuse  fehlt').  Diepenbrock'  f><l4^9. 
hat  nach  Taaler  1543 f.  141^—42'*'  (Frankfurter  Ausg.  n,309ff.}i 
als  Kr.  r  eine  weitere  Predigt  ,Lnznriis  mendicnns'  auf  den  erat» 
Sonntag  nach  Trimtatls;  dieselbe  ist  aber  offenbar  unfcM,  da  «» 
sich  im  ersten  Teil  als  ein  Auszug  aus  Kap.  fi  den  Bdew  (219,13 
bis  222,17)  und  im  zweiten  als  Bearbeitung  des  Briefes  II  (Hegmm 
mnndi)  aus  dem  GrBfb  erweist^.  Eine  sechste  Predigt:  ,Ego  » 
jiontor  bonuü'  auf  den  zweiten  Sonntag  nach  Ostern,  bei  Tauler  f, 
!}S~_(j(j«  (Frankf.  Ausg.  II,  51  ff.;  vgl.  Diep.'  597  Änm.  1),  hm 
ebenfalls  auf  Echtheit  schwerlich  Anspruch  erheben,  da  sie  m 
Überarbeitung  des  siebten  Briefes  aus  dem  Kl  Bfb  ist,  mit  i 
fägung  einer  Einleitung^). 


')  Denifle,  TaitUr»  BekthruMj  SU  mcml,  iHe  eu-citt  Prediyt  nd  noA 
li'lil  und  Inhalt  Taulerigch,  auch  weür  die  folgende  l'redigl  lEgo  nitx  clantaMtii 
(lö43f.  aS-*)  auf  die  Predigt  Mi»ei-uni  surück.  Ob  aber  äitse  Vtatotitm, 
ist?  Ute  EMeitungtn  manchrr  Taala-predtgte»  sind  interpoliert  oder 
haupt  erst  »päter  gefertigt. 

*)  Nicht  au»geachlng»tn  ist  Jedoch,  da»s  ein  in  der  Mitte  stehtndet  U 
BrucliitäeL  wil/ekannlrr  Herkunft,  schwungvoll  und  durehteeff  gerätnl,  auf  St 
euräclcgeht.    Ich  lasse  e»  dnher  hier  abdrucken  (Tauler  f.  141'*):  Dainmb,  lia 
kiniler,  verlawet  die  weit  lilosz,  «tan   sie   ist  bo  gar  trüwelofixr  ir  «oUniti 
tinreinigkeit,   ir  rat  iHt  liofTart  and  ^citzigkeit,  ir  dieiist  ist  sUesx,  ir  In  i 
kranck,   ir  bli'm  ist  aohon,  ir  fimcht  ist  stanck,  ir  sicberheit  i»t  TeiratiniKi ! 
hülf  ist  Vergiftung,  ir  vt^rheiHcbeo  ist  liege»,    ir  halten  i«t  triegen.    Ffir  ft 
gibt  sie  reflw,  schände  für  ere,   falachlieit  fdr  Lreüw,  für  rf.icheit  gibt  üc  g 
tinndt,  fflr  ewig  leben  den  ewigi-n  todt,  dann  wer  in  diser  leit  erkuiat  liut' 
weit,  da  er  got  mit   rorlnist,   wenn   es  dann   koml  ans  (fchcideu,  ao  mft 
derben  alle<r)  bnden.    Et  gedenkt  nicht,  wie  lustig  es  da  aei»  nag,  da  ti 
jar  ist  ein  tag;   bei  das  es  ist  zu  scinl?),  uldB(r)  da  eine  nacht  iat  t&aia 
und  niiuiner  hoI  werden  morgen,  vnr  diaer  nacbt  stet  uns  wul  kS  sorgen. 

")    Hier  einige  ireilere  Noiiiren  über  verschiedene  fredigttn,  die  tek« 
.Veu«  t»  Anspruch  genommen   trord'"  tind.    Nielti  .Seuse»  Stil  ttigt  (iw  1 
Jostes  a.  u.  (I.  103 — 6  auf  einer  F'rtibarger  iSvhu'riz)  Hs. publititris  1 
Coneditc   atuid  .  .  habent  bochzit  und  Wirtschaft  ,  .  (dimtlbe  in 
Ähtchrift  in  Berlin,  Ms.  gtrm.  quarto  344  Bl.  31b— 2fJ:  nach  riner  Nötig  A 
in  »einer  ,Harmo»ia'  f.  QT-  gtdruikll,  dir  der  Herausgebrr  mit  Rtstre*  ihm  I 


Verkehr  mit  anderen  Mystikern.    Elsbeth  StageL  123* 

Tl.  Verkehr  mit  anderen  Mystikern.    Elsbeth  Stagel. 

Wir  werden  anzunehmen  haben,  dass  Seime  mit  ehier  Reihe 
migeniAssischer  Mystiker ,  die  fast  alle  seinem  Orden  angehörten,  be- 
kannt und  befreundet  war.  Ausser  Eckhart  ist  aber  nur  einer  in 
seinen  Schriften  mit  Namen  genannt:  der  ,heilige  Bruder^  Johannes 
der  Fuoterer^)  von  Strassburg  (23,1,  13 ff.),  der  1325  als  Mit- 
^lied  des  Basler  Predigerkonvents  ^mchgewiesen  ist  und  aus  angesehener 
Strassburger  Familie  stammt;  genaueres  über  ihn  wissen  wir  nicht, 
und  von  seinen  Predigten  sind  nur  unbedeutende  Spruche  erhalten, 
die  van  seiner  Bedeutung  keine  Vorstellung  geben  (vgl.  Anm.  zu  23,1). 
Dm  SeuM  auch  mit  Tauler  befreundet  war  tmd  dass  sich  ihre 
Lebenswege  mehr  als  einmal  kreuzten y  ist  so  gut  tcie  sicher.  Wahr- 
^heinlich   haften  sie  einander  schön   beim  Studium  in  Köln  kennen 


w»>«n  möchte.  —  Dia  Predigt  Audi  lilia  .  .  hör  tohter  min  .  .  In  den  heiligen 
Mtertagen  nach  metten  .  .  (der  Anfang  aus  einer  Mainzer  Hs,  von  F,  W,  E. 
Uihin  Germania  1892,  200 f.  gedruckt,  vgl.  auch  Denifle,  Luther  T,  309, 
375;  dieselbe  Predigt  steht  in  zwei  Nürnberger  Hss. :  Cent.  VI,  46^  Perg,  14.  Jh.  ; 
Ctnt.  VII,  20  Pap,  15.  Jh.;  identisch  ist  damit  wohl  die  bei  Borchling , 
1.  Reisebericht  100  ff.  315  zitierte  Predigt  einer  Hamburger  Hs, ;  eine  Predigt 
w  Versen  über  denselben  Text  im  Besitze  Eoths,  vgl.  Germania  1892,  285) 
f^nert  in  ihrem  schwungvollen  Eingang  mit  der  pnlchfigen  Naturschilderung 
w^  an  Seuse,  ist  aber  in  der  Fortsetzung,  die  vom  Klosterleben  handelt,  wesent- 
^h  nüchterner.  —  P  reg  er  I,  217:  II,  28  ff,  will  in  dtn  Traktaten  V—VII 
^^Pfeiffer,  Mystiker  I,  361  ff,  Seuses  Art  ßnden:  Strauch  in  Afda  IX, 
^^Ä/.  schreibt  sie  aber  nach  genauerer  sprachlicher  Vergleichung  me  der  Heraus- 
?'W  mit  Hecht  David  von  Augsburg  zu.  —  J)ie  , Predigt  unserer  liehen  Frau 
"» Bruder  Heinrichs  Person  auf  dem  Hofe  zu  Köln^,  ivelche  in  sehr  vielen  Hss, 
^rkommt  (gedruckt  in  Pfeiffers  Germania  III,  242),  ist  nicht,  wie  z.  B.  hei 
^Qckernagel,  Altdtsch.  Pred,  377  angenommen  wird,  von  iSeuse,  sondern 
^on  Heinrich  von  Löwen,  vgl,  Preger  II,  131;  Strauch  in  Alemannia 
'^-V/,  16.  -—  Über  zwei  Predigtfragmente  in  der  St.  Galler  Hs,  970  s,  oben 
•^■.^^•.  —  Ch.  Th.  Murr,  Memorahilia  hihlioth.  puhl.  Norimberg,  II  (1788) 
^^  notiert  eine  Hs.  der  Nürnberger  Stadthihliothek  (aus  der  Biblioth.  Ebneriana, 
^fiiher  Imhofiana)  N,  67  Pap.  4°,  entlKiltcnd  ,Concione.s  de  tempore,  dt  sanctis 
^  (jmdragesimale  Henrici  Stisofiis  0,  Pr,^.  Die  Angabe  dürfte  wohl  auf  einer 
^fnetchslung  beruhen;  die  Hs.  selbst  ist  in  der  Nürnberger  Stadthihliothek  nicht 
wAr  zu  finden.  Übrigens  bemerkt  auch  B.  Braun  in  seiner  Ausgabe  des 
l'ff.  1724,  LI,  (rottfr.  Olearius  verzeichne  in  seiner  Bihl,  Script,  ecclesiast.  I, 
?7  Sermonen  de  tempore,  de  sanctis  et  quadragesimale  von  Suso,  und  er  fügt 
nzu,  van  diesen  Predigten  befinden  sich  zwei  Hss.  aus  dem  14,  Jh.  mit  he- 
tchtiichrn  Fragmenten  in  der  Imhofschen  und  Thomassinscheii  Bibliothek  zu 
hiiberg. 

*)  Denifle  36,336  hatte  ihn  aufamjs,  von  K.  Schmidt  verleitet,  Tucrtr 
)annt,  aber  die  sichere  Lesart  ist  Fuoterer, 


124*  EinleituD^^.    IT.    Seuses  Leben  und  Werke. 

gelernt  ^),  und  wenn  Seuse  ,7iach  seiner  Gewohnheit^  öfters  nach  StrasS' 
bürg  fuhr  (81,6),  so  wird  er  dort  wohl  auch  mit  Tauler  zusammen- 
getroffen sein.  Das  Hör.  Sciises  besass  Tauler,  me  schon  erwähnt 
(S,  107* f.),  bereits  wenige  Jahre  nach  seiner  Abfassung.  Freund  und 
Gesinnungsgenosse  unseres  Mystikers  war  auch  Heinrich  von  Nord- 
lingen,  der  geistliche  Berater  der  Margareta  Ebner,  von  dessen 
Verhältnis  zu  Seu^e  später  noch  die  Bede  sein  wird.  Als  Charakter 
wie  an  Geist  und  allseitiger  Bildung  steht  Heinrich  nicht  so  hoch 
wie  Seuse,  er  war  eine  allzu  weiche  und  etwas  oberflächliche 
Natur'). 

Die  folgenreichste  Bekanntschaft,  die  Seuse  in  den  Jahren  seiner 
seelsorgerlichen  Tätigkeit  machte,  war  die  mit  der  begabten,  ihm  kon- 
genialen Dominikanerin  Elsbeth  Stagel^  zu  Töss,  die  bisher 
wiederholt  schon  zti  ei^ähnen  war.  Wahrsclteinlich  trat  er  um 
1336/7  mit  ihr  in  Verkehr,  denn  damals  lagen  seine  strengen  Kastei- 
ungen  schon  einige  Zeit  hinter  ihm  (vgl.  1(>7,J9J.).  Elsbeth  stammte 
aus  altem,   angesehenem  Züricher  Geschlecht^).     Sie   war  noch  eim 


»)    Vgl.  Preger  III,  93 ff. 

*)  Strauch,  M,  Ebner  LXXIff.  Ute  Offenbarung  der  Christina  Ebner  ji 
über  einen  gewissen  Heinrich ,  dessen  Name  mit  dem  Taulers  in  den  Himmd  ^ 
geschrieben  sei  (Lochner  34),  bezieht  sic?^  sicher  auf  Heinrich  von  Nördlingei^  A 
nicht  auf  Heinrich  Seuse;  vgl.  Strauch  a.  a.  0.  LX;  Denifle,  TauUn  ^ 
Bekehrung  ^öff'.  J)er  Irrtum  findet  sich  auch  in  der  Vorrede  zur  TauUf'  ": 
ausgäbe  von  1643 ^  die  wohl  von  Canisius  stammt  (s.  u.  C  V).  j 

^)   Vgl.  Anm.  zu  96,7  und  ausser  der  dort   zitierten  Literatur  Fregtf     - 
Bnefe  15  ff.;  Schiller  a.  a.  ().  11  ff.   Bei  Murer  heisst  sie  SteigUn  und St^    J 
lein,  bei  Steill  und  Zittard  Steiglehi  und  SteigUn.  Ausser  dem,  was  Seuse  ti^     i 
Elsbeth  berichtet,   wissen  wir  so  gut  wie  nichts   von   ihr.    J.  Meyer  holt  i0^ 
Tösser   Viten  in  der  Nürnberger  Hs.  Cent  V,  10  ein  Lebensbild  der  Stngelwef 
ausgeschickt  {gedruckt  bei  Vetter  3 — 11),   bringt   darin  aber  durchaus  luk$ 
neue  selbständige  Nachricht.  j| 

*)  Das  Geschlecht  der  Stagel  (weibliche  Form:  Staglin;  ,stageV  bedtutä    i 
wohl  Steinbock,   das  Wappen   des  Geschlechtes  führte  den  Kopf  tines  sokht^    ■ 
vgl.   Vetter,    Mystikfrpaar  10,52)   erscheint  seit   dem   13.  Jh.  häufig  in   Ü& 
künden  (vgl.  Züricher  ÜB  III—  V  passim)  und  iciederholt  auch  in  Verbindmut 
mit  den  Klöstern.  Töss  und  Otenbach  (vgl.  die  Angaben  bei  Vetter  a.  a.  0.69)t 
und  erlosch   im   15.  Jh.    Elsbtths    Eltern    und   Brüder   sind,   wie  schon  o6#* 
S.  11*  f.  erwähnt,  in  einem  wahrscheinlich  von  ihr  selbst  gemachten  Eintrag  tP* 
einer  Engelberger,  früher   Tösser  Hs.   des  Bdew   dem    Gedächtnis   empfokktß* 
Der    Vater  Kudolf,   am  Bindermarkt  wohnend,   Ratsherr^  empfing   132S 
Herzog  Leopold   von  Österreich    die  Fleischbank  in  Zürich  su  Lehen  für 
und  seine  Nachkommeti  gegen  10  U  9  seh.  jährlichen   Zinses,  vgl.   Zürick0^ 
Stadtbücher  des  14.  und  15.  Jh.,  hrsg.  von   Zeller-Werdmüller  I  {1899} 


Verkelir  mit  anderen  M,T8[Jkerii.    Ebheth  SteRel.  ]  25* 

Juiyt  ungeübte  Schwester'  (98,9  f.),  als  sie  steh  hochgemuten  Geistes 
m  die  Theosophie  Eckkirt»  vertiefte  (97,10ff.  99,10  ff.).  Da  xie 
ach  darin  nickt  zurecht/aKd,  schrieb  sie  an  Seuse,  dm  sie  wohl  bei 
dum  Besuche  in  Töi^  kennen  gelernt  hatte,  und  bat  um  Aufklärung; 
tr  erklärte  sich  auf  ihre  Bitte  bereit,  ihr  geistlicher  Führer  zu 
«frden  (08,1 — 101,28).  Es  entwickelte  sich  nunmehr  zwischen  den 
kiden  gUichge«innten  Seelen  ein  edles  Freundschaftsverhälttiis,  dos 
4mh  wiederholte  Besuche  Seuses  in  Tiiss  (109,31.  394,2.  IS  f.) 
und  durch  lebhafte  Korrespondenz  (97,19.  98,1.  äl-  99,1.  10. 100,13. 
m,4.  107,1.7.18.  109,3 f.  114,10. 17.  130,28.  155,20.  194,10.  393,8; 
y.  oben  S.  118*),  gelegentlich  auch  durch  Übersendung  von  Ideinen 
Üftchenken  (vgl.  107,1.  368,28.  443,19  ff.)  genährt  wurde  und  bis  zu 
Elsbeths  Tod,  der  wohl  um  13ßo'),  oder  schon  etwas  früher  anzu- 
utztn  ist,  dauejie.  Seuse  entwirft  im  zweiten  Teil  seiner  Vita  ein 
anziehendes  Bild  von  der  Persönlichkeit  seiner  geistlichen  Tochter, 
Sie  hatte  nach  ihm  einen  ,heiligen  Wandel  eon  aussen  und  ein 
»nglitches  Gemüt  von  innen'  (96,6  f.)  und  ,wohnte  als  ein  Spiegel 
«C*r  Tugenden  unter  dtn  Schwestern'  (97,1).  Mit  alter  Entschieden- 
wandte  sie  sicit  der  asketischen  und  mystischen  Richtung  zu  und 
ife  in  allem  ihren  geistlichen  Vater,  an  dem  sie  mit  unbegrenzter, 
i»e  ans  Schwärmerische  streifender  (igl,  394,2ff,)  Verehrung 
nachzuahmen.  In  der  harten  Schule  des  Lebens  gereift  warnte 
I»  aber  ehrnso  vor  d^n  Gefahren  übertnossi/jer  Spekulation  wie 
indiskrtter  Kasteiutig  und  wies  sie  auf  den  Weg  der  Nachfolge 
[Öfwfi  durch  Demut,  Busse  und  Selbstverleugnung  (98,1  ff.  11)7,7  ff.). 
\Knl  nachdem  die  gelehrige  Schülerin  sich  in  den  Elementen  des  geist- 
iÜchen  Lebens  genugsam  geübt  hatte,  hielt  er  es  an  der  Zeit,  sie  in 
üt  theoretische  Mystik  einzuführen,  damit  sie  sich  ,wie  ein  junger 
Jiifer  mit  den  wohlgewachsenen  Fittichen  der  obersten  Kräfte  ihrer 
iidt  in  die  Hi'ike  des  besehaulichm  Adels'  erschwinge  (156,3 ff.). 
^'ilo  Kap.  4ti — 53  enthalten  im  u-esenilichen  die  Unterweisungen, 
^  tr  ihr  darüber  gab. 

Elsbeth  war  geistig  sehr  regsam  und  wie  manche  Dominikaner- 
timen hochgeliildet  —  sie  verstand  Latein  und  übersetzte  die  ihr  von 

'  i.  1.  Auch  ihre  Brildfr  FrirdHch,  Otto  und  Rudolf  und  andere  Glitder 
■  QttchUehle»  (Johann,  Heinrich,  Peter)  sind  im  14.  Jh.  u-iederholt  beeeugl 
|(9l.  Vtltir  o.  a.  0.:  Zäricher  .Stadthüchtr  I  und  II  [s.  Begisterj). 

Sa  Murer  346:  Bucelinus  399.    Preger,  Britfr  1!>;  Mystik  11, 
i(  ton  nnrichtigm  VorauKsel Zungen  nun  nuf  den  Anfang  der  fi>nf.Tig*r 
pi*v,  ryL  dagft/im    Vitier,  Myltikerpanr  .W. 


126*  Einleitung,    n.    Seuses  Leben  und  Werke. 

Seuse  übersandfeti  lateinischen  Sprüche  in  deutsche  Verse  (S97,5ff,)  — 
und  hatte  auch  lebhaftes  literarisches  Interesse.   Sie  zeigte  dies  nicht  bloss 
als   eifrige  Sammlerin  und  Abschreiberin  asketischer  und  mystischer 
Traktate  (96,18  ff.)  und  als  verständnisvolle  Gehilfin  Seuses  ,bei  Voll- 
bringung^  seiner  Büchlein  (109,7 ),  ihr  Verdienst  ist  auch,  wie  schon 
erwähnt,   die  Sammlung  seiner  Briefe,   und  auf  sie  geht   die   Idee 
und  der  Kern  seiner  Biographie  zurück.     Wenn  er  nämlich  zu  ihr 
zu  Besuch  kam,   so   wussie  sie  ihm  mit  weiblicher  Klugheit  die  Ge- 
schichte  seines  geistlichen  Lebens  zu  entlocken;   was  sie  durch  solch 
,gött/iches  Kosen^  (113,23)  von  ihm  erfuhr,  schrieb  sie  heimlich  auf, 
bis  er  eines  Tages   des  ,geistlichen  Diebstahls'  inne  ward,   die  Au»- 
folgung  der  Aufzeichnungen  verlangte  und  das  Erhaltene  verbrannte. 
Als  er  des  anderen  Teiles  der  Aufzeichnungen,  den  Elsbeth  vermuüick 
zur  Aufbewahrung  anderswohin  gesandt  hatte  (vgl.  X13,24ff.),  auch 
habhaft  wurde  und  ihm  dasselbe  Schicksal  bereiten  wollte,  wurde  ü 
,durch  himmlische  Botschaft  von  Gott'  verhindert  (7,9 — 8,2).    Vidi 
Jahre    lagen    die  Memoiren   bei  ihm    verschlössest,    bis  er   sie  nidU 
lange   vor  seinem  Tode  überarbeitete,  ergänzte   und  als  erstes  Bud 
des  Exemplars  der  Öffentlichkeit  übergab. 

Ausser  den  geiiannten  literarischen  Werken  ,ist  von  Elsbetln 
Hand  noch  eine  Originalarbeit,  eine  Sammlung  mystischer  LebeM-  _ 
bilder  aus  Töss,  erhalten,  die  Seuse  in  seiner  Vita  (97,1  ff.)  rühmend  ^ 
hervorhebt.  Wir  haben  darin  wohl  die  erste  schriftstellerische  Leistung 
d-er  Stagel  zu  sehen,  die  vielleicht  schon  vor  ihrem  Bekanntuierdeii 
mit  Seuse  begonnen  wurde  ^).  Das  Werk  —  es  ist  erst  1906  iw« 
F.  Vetter  vollständig  herausgegeben  worden,  vgl.  Anm.  zu  96,7  — 
enthält  ungefähr  40  Lebensbilder  von  meist  verstorbenen  Schwestern 
seit   Gründung   des  Klosters  (1233)  bis  gegen   1340,   ufid  ist  teä$ 


^)  Abgeschlossen  aber  ivurde  sie  wohl  erst  später,  denn  es  scheinen  sÜ 
in  den  Viten  einige  Beminiszenzen  an  Seuses  Schriften  zu  finden  (Anft0^\ 
der  Viten:  Estote  perfecti  eic.  (Mt.  5j4S),  wie  heim  X,  resp.  XXII  Brif' 
SeuseSj  der  wohl  an  Elsbeth  gerichtet  sein  kann:  Vitefi  52,29  besses  fttttWtJ 
vielleicht  von  Gr  Bfb  443,9  ff.  beinßusst;  V Um  87,21  f,  der  Zweck  der  SammlMa§, 
fihnlich  tvie  in  Seuses  Bdeir  324,3 ff.  angegeben).  Die  Ausführungen  Pregifl 
Briefe  16 f.  über  die  Ahfnssungszeit  der  Sammlung  (ca,  1340)  mögen 
Stichlich  das  Bichtige  treffen,  wenn  auch  seine  Voraussetzungen  sum  Teü 
richtig  sind.  Ob  die  Legende  der  Prinzessin  Ehbeth  von  Ungarn  (bei  retltfi 
9^ — 120),  die  nach  dem  von  J.  Meyer  medirgegebeneti  Epitaph  (ebd.  121)  r 
31.  Okt.  1336  nach  28jährigcm  Klosterleben  starb  (die  chronologischen  AngeSk 
scheinen  aber  nicht  ganz  übereineustimme^i),  eben  falls  von  der  Stagei  wrft 
ist,  l^sst  sich  nicht  sicher  nagen,  vgl.  Vetter  a.  a.  O.  XVIII f. 


I 


Die  Jahre  dee  Eiiis  (!*<»— W)-    i^eiiae  ala  I'rior.  127* 

S  tigentn  Wahrmhmangen  Elsbeths,  teils  nach  mündlichen  und 
Mißlichen  Berichten  anderer  nbgefa»st;  unter  den  gleichartigen  Pro- 

duÜemeichnet  e»  sich  durch  gewandtere  Darstellung  und  tiefere  Auf- 
faaung  aus  und  gibt  ein  anschauliches  Bild  von  dem  kochentteickellen 

rtijgiönen  Leben  jenes  Klosters.  „  Wir  finden  in  diesen  Schilderungen 
jugendliche  Gestillten  voll  frischaufknospemler  Gottesminne,  lernen 
fine  Reihe  adeliger  Witwen  kennen  mit  den  ofl  ergreifenden  Er- 
hkrungen  ihres  Vorlehem.  Wir  vernehmen  von  den  hohen  Eigen- 
Kkafteu  einer  Anna  von  KUngnau  und  einer  Jtitzi  Schitlthess ,  rou 
JrH  besonderen  Tugenden  eitler  Bell  von  Liebenberg,  von  der  chor~ 
mi  predigteifrigen  Gutta  von  Schönenberg  und  Margareta  Fink,  die 
vir  tin  irdischer  Engel  unter  den  Schwestern  wandelte.  Wir  wandern 
mt  den  Schwestern  ins  ,Weykhaus',  wo  xie  ihren  Flachs  sfiannen 
t«ä  dabei  fröhliche  Lieder  sangen,  ins  Schreibzimmer,  wo  unter  Leitung 
^ats  Sueo  viele  Schwestern  ßei.isig  waren,  Bücher  abzuschreiben  oder 
telbst  abzufassen,  in  den  Chor,  wo  Schwester  Metzi  von  Klingenberg 
iit  Mesiyesänge  mit  herrlicher  Stimme  und  tiefer  Hükrung  sang,  ins 
Siechhous'  mit  seinem  erfinderischen  Reichtum  nn  Liebeswerken,  Das 
rührendste  und  ergreifendste  Bild  deutscher  Mystik  zu  Töss,  lieblivh 
Vit  ein  junger  Maienmorgen,  fieckenlos  wie  eine  Lilie,  aber  ist  ElsbeÜi 
'<n  Ungarn,  das  i'on  seiner  Stiefmutter  ins  Kloster  gestossene  Königs- 

vui' '). 

TU.  Die  Jahre  des  l^xila  (1339—46).     Seuse  als  Prior. 

Bis  Ende  des  Jahres  1338  war  Seuse,  von  seinen  Pastorations- 
t  Miesionsfahiien  abgesehen,    in    Konstanz  geblieben.     Aber   nun 
I  unruhige  Zeiten  infolge  des  schärferen  Vorgehens  Ludwigs  des 
Die  Erkiärung  der  ünuhhängigkeit  des  deutschen  König- 
I  com  Papste   durch   den  Kurverein   zu  Eetise   (16.  Juli  1338) 
ntf  Ludwigs  Stellung  bedeutend,  so  d(is.i  er  es  wagen  konnte,  auf 
\  Reichstag   zu  Frankfurt  (6.  August  1338)   die  'päpstlichen  An- 
leA«  auf  Übertragung  der  kaiserlichen  Gewalt  zurückzuweisen  und 
Wich   die  fernere  Nichtbeachtung    der  Exkommunikation   und  des 
fnierJikL- ,    sowie    die    allgemeine    Wiederaufnahme    des    'öffenüicheu 
iftes   bei   strenger   Strafe   zu    befehlen.      Dir.    Bürgerschaft 


'.  t'inke,  Geiietisebt  und  klrrikaU  GttehichUnuffasnung,    Jane  Ai 
r.  Lamprrcht  1867.  17:  vgl.  auch  Hiit.-pol.  Bl.  IS63  1,  ä;!. 
'}    Vgl.  tarn  /oliirnd'it  K.Mäli.r  a.  a.  0.  11  t IStHil  ?Bf..-   A/igmin 
l  O.  //?/. 


U 


128*  Einleitung,   ü.    Seuses  Leben  und  Werke. 

zahlreicher   Reichsstädte   unterstützte  nein   Vorgehen   tatkräftig,     l 
Konstanz  wurde  der  Geistlichkeit  bis  Oktav  von  Epiphanie  (13.  Januar 
1339  Frist  zur  Wiederabhaltung  des  Gottesdienstes  gewährt;  sie  ga^ 
dann  auch  zum  grössten  Teil  gegen  den  Willen  des  Bischofs  dem  Druck 
der  Bürgerschaft  ncwh.     Über  die  Schicksale  des  dortigen  Prediger 
klosters  sind  wir  durch  den  Chronisten  Heinrich  von  Diessenhofen^l 
der  als  Domherr  zu  Konstanz  die  Ereignisse  miterlebte,  genau  unten 
richtet.     Die  Konstanzer  Dominika/ner  fügten  sich,   von   vieren  a^ 
gesehen,  welche,   dem  Prior  ungehorsam,  ^profanierten',   dem  Oebai 
des  Rates  nicht   und  mussten  daher  die  Stadt  auf  zehn  Jahre  «?#/• 
lassen;  acht  derselben  fanden  in  Diessenhofen  unweit  Konstanz,  wok 
bei  den   befreundeten    Dominikanerinnen  zu   Katharinental  (s.  oben 
S.  114*),  die  übrigen  ausserhalb  der  Stadt  im  Schottenkloster  ein  Unter- 
kommen.    Die  Diessenhofer  Verbannten  führte  der  neugewählte  Bischof 
Nikolaus  Pf  ef erhart  (1346—51)  am  25.  Apnl  1346  bei  seinem  feier- 
lichen Einzug   in   die  Stadt  mit  zurück,   und  sie  durften  in  ihre» 
Inselkloster  unbehelligt   bleiben,   obwohl  sie  das  Interdikt  weiter  be- 
obachteten und  bei  verschlossenen    Türen  zelebrierten,  während  die 
vier  genannten   ,schismatischen^  Brüder  weiter  öffentlich  die  Messe 
mngen.    Doch  scheinen  sich  die  papsttreuen  Dominikaner  wegen  dieser 
unerträglichen  Sjyaltung  nach  einiger  Zeit  zu  den  Brüdern,   wdci$ 
im  Schottetikloster  ivaren,  zurückgezogen  zu  haben.     Am  15.  Jannaf 
1349   kehien   sämtliche  Prediger  nach   zehnjähriger  Abwesenheit  Ä 
ihr  Kloster  zurück.    Doch  dauerte  da^selbH  die  Spaltung  des  Konvente 
immer  noch  fort,  bis  am  4.  April  1349  die  Bürgerschaft  von  Konstant 
(ftif  ihr  Ansuchen  com  Bischof  Absolution  empfing  und  das  InterdtU 
(fi(f gehoben  wurde. 

Welclies  in  diesen  wirren  Zeiten  Seuses  Schicksal  war,  enizi^ 
sich  zum  grössten  Teile  unserer  Kenntnis.  Als  entschiedener  GegMf 
dcif  Kaisers  war  er  natürlich  auch  unter  den  Verbannten.  Aus  ein^ 
Briefe  Heinrichs  von  Nördlingen  *)  erfahren  wir,  dass  dieser,  fl& 
er  am  21.  Dezember  1338  nach  Konstanz  kam,  Seuse  nicht  mekr 
dort  antraf.  Vielleicht  war  derselbe  einsttceilen  ausgezogen^  wtw  fif 
seine  Mitbrüder  ein  Obdach  zu  suchen  ^).  Ob  er  sich  die  fotgeniee^ 
Jahre   miter  den  acht  Brüdern  in  Diessenhofen    oder   bei   der  ZM 


')  Bn  Böhmer,  Fontes  I\\  16 ff,  30,  50,  63,  66,  71.  Vgl.  die  Z)•^ 
Stellung  hei  K.  Müller  a.a.  0.  II,  94,  99 ff.  23h  248/.;  Pflug k-Haritun§ 
o.a.  O,  186  ff. ;  A.  Ha  ah  er  in  Wiirtt.  Vierteljahrsh.f.  Landesge^c?^.  1906,  3l7l 

0  Bei  Strauch,  M.  Ehner  XXXI,  21;  vgl.  ehd.  8.  356 f. 

^)  So  die  ansprechende   Vermutung  Pregem,   Vorarhoiten  61  f. 


Die  Jahre  des  Exils  (1339—46).    Seuse  als  Prior.  129* 

^ereff  die  im  SchoUenkloster  sich  befanden,  aufTiielt,  lässt  sich  nicht 
icher  entscheiden  ^).  Vielleicht  spricht  für  erstere  Annahme  die  Tat- 
ff  che,  dass  er  nach  der  Erzählung  der  Vita  (145,14  ff,)  in  jenen 
fahren  —  es  muss  wegen  der  dabei  encähnten  Teuerung  1343  oder 
'344  gewesepi  sein,  vgl.  Anm.  zu  145,14  —  zum  Prior  gewählt 
vwrde.  Über  die  Filfirung  dieses  Amtes  erJahren  wir  nur,  dass  die 
Brüder  sich  in  der  Erwartung  nicht  täuschten^  die  sie  in  jener 
'chweren  Zeit  auf  ihn  gesetzt  hatten:  trotz  seiner  offenkundigen 
^eschäftsunkenntnis  (146,5  f)  war  auch  da^  Zeitliche  unter  ihm  gut 
besorgt,  sodass  er  sogar  alle  Schulden  des  Klosters  abbezahlen  konnte 
(U6,16f). 

Wenn  Seuse  sich  zur  Zeit  des  Exils  in  Diessenhofen  aufhielt, 
*o  ist  er  icohl  auch  1346  mit  den  übrigen  Brüdern  nach  Konstanz 
^'ückgekehrt.  Konstanz  ist  wenigstens  allem  Anschein  nach  der 
Schauplatz  jener  furchtbaren  Heimsuchung,  die  durch  Verleumdung 
«MM  schlechten  Weibes  wohl  im  Jahre  1347^)  über  ihn  kam.  Bis 
in  die  toeitr.  Ferne,  wohin  vorher  seine  ,vomehme  Heiligkeit^  (120,9 f) 
frsehoUen  war,  wurde  die  leide  Märe  getragen  und  sein  guter  Euf 
zugrunde  gerichtet;  selbst  seine  besten  Freunde  wandten  sich  von  ihm 
öi;  unter  ihnen  sehr  wahrscheinlich  bei  dieser  Gelegenheit  auch 
Beinrich  von  Nördlingen  (vgl.  Anm.  zu  124,15).  Noch  dauerte  das 
}Ungeheure  Wetter  des  Leidens'  {130,1)  forty  als  man  Seuse,  wo/U 
^it  Rücksicht  auf  die  Ehre  des  Ordens,  in  ein  anderes  Kloster  ver- 
^^e.  Möglicherweise  ist  er  mit  dem  durch  das  Generalkapitel  von 
^onl348^)  abgesetzten  Konstanzer  Prior  identisch.  Wie  er  erzählt 
(l'^6,13f.J,  war  er  bereits  ,anderswo  wohnejid^  als  der  Ordensgeneral 
^^  der  Provinzial  von  Teutonia  miteinander  in  die  Stadt  kamen, 
^0  Seuse  verleumdet  worden  war,  und  die  Angelegenheit  untersuchten. 
Natürlich  stellte  sich  Setises  Unschuld  heraus  (vgl,  oben  S.  33'^ f.). 
Ein  Generalkapitel  des  Dominikanerordens  fand  nun  in  der  ganzen 
Zeit  von  1330 — 1370  in  Konstanz  nicht  statt.  Es  7nuss  sich  also  um 
fin  ausserordentliches  Kommen  des  Generalmeisters,  oder,  was  wahr- 
scheinlicher, um  das  Provinzialkapitel  gehandelt  haben,  das  1354  in 


')  Preger,  Vorarbeiten  134;  Mystik  II,  364,368  nimmt  zu  zuversichtlich 
0$  ergiere  an.  Aus  der  Erzählung  Vita  146,8 ff.  —  der  Chorherr  vor  am 
mUm  Morgen  sehr  rasch  zur  Hand  —  könnte  man  vielleicht  auf  Konstanz 
'<  Aufenthaltsort  schliessen, 

*)  Vgl.  Preger,  Vorarbeiten  135  f.  Das  I)ntum  ist  aus  dem  gleich  zu 
yriihnenden  Brief  Heinrichs  von  Nördlingen  zu  erschliessen, 

^  MOFH  IV,  324. 

n.  SeuRC.  Deutsche  Schriften.  9* 


130*  Einleitung.   11.    Seuses  Leben  und  Werke. 

Komtanz  tagte  ^),  und  bei  dem  sich  ausnahmsweise  auch  der  oberste 
Leiter  des  Ordens  einfand.  Durch  die  furchtbare  Pest,  die  von 
1848 — 1350  wütete  ^),  mochte  die  Sache  in  den  Hintergrund  gedrängt 
worden  sein;  bei  dem  Kapitel  von  1354  bot  sich  aber  Gelegenheit, 
darauf  zurückzukommen.  Damals  trat  eben  der  Provinzial  Johann 
von  Zweienbergen  von  seinem  Amte  zurück  und  Seuses  Gönnep 
Bartholomäus  von  Bolsenheim  übernahm  die  Leitung  der  Provinz 
Teutonia'%     Ordensgeneral  war  1352 — 67  Simon  de  Lingonis*). 


C   Seuse  in  Ulm  (ca.  1348 — 1366),  sein  Tod 
und  Nachruhm.   Übersetzungen  und  Ausgaben 

seiner  Werke. 

I.  Senses  Wirksamkeit  in  Ulm. 

Wir  wissen  nicht,  ob  Seuse,  als  er  um  das  Jahr  1348  tm 
Konstanz  versetzt  wurde,  gleich  nach  Ulm  übersiedelte;  doch  ist  diu 
wahrscheinlich  ^).  Im  Anfang  des  Jahres  1348  hatte  der  dortiy 
Predigerkonvent,  der  ebenfalls  wegen  Beobachtung  des  Interdikts  1339 
vertrieben  worden  war^),  nach  Ulm  zurückkehren  können'^),  Cbrigent 
zeigt  die  Erzählung  in  Kap.  25  der  Vita,  wornach  Seuse  zur  Zeit  det 
schwarzen  Todes  in  einem  Dorfe  am  Rhein  beinahe  dem  unheimlick^^ 
Verdacht  der  Brunnenvergiftung  zum  Opfer  gefaUeti  wäre,   dass  if 

*)   Vgl,  die  Liste  Joh.  Meyers  (s,  oben  8.  93*  A,  5.). 

•)  Die  jähen  Todesfälle,  welche  I:i8,23ff.  erwähnt  werden,   mögen  dawiU 
im  Zusammenhang  stehen, 

»)   Vgl.  Jan  dt  a,  a,  0.  289. 

*)  Quvtif  et  Echard  ly  XVII:  MOPH  IV,  339  n,  16;  V,  290. 

^)  Eine  handschriftliche  Notiz  von  1518  (vgl.  oben  S.  66*  A.  2)  sagt,  Se^ 
habe  lange  in  Ulm  geirohnt.   Murer  346,  Bucclin  299  und  Weyerman* 
503  lassen  ihn  dagegen  erst  wenige  Jahre  vor  seinem  Tode  nach  Ulm  gelang^'. 
Der  Ulm  er  Dominikaner  Edix  Eabri  (Hist,  Suevorum  J,  114;  vgL  Sulg$fti^ 
Annales  Zwiefalt,  I  [1698]  276;  Steill  I,  163)  meint,  Seuse  habe  1339  in  IM 
Zuflucht  gesuchty   sei   dann  mit   den   dortigen  Dominikanern  vertrieben  woräHHf^ 
18  Jahre  sei  dn^  Kloster  leer  gestanden  und  der  Mystiker  erst  1367  mit  «MHi 
Ordensgniossen  nach  Ulm  eurückgekehrt ! 

•)  Heinrich  von  Diessenhofen  32. 

^)  Als  Ulm  vom  Banne  absolviert  wurde  (29.  Jan.  1348,  vgl.  Ülmtr  W 
II,  n.  311). 


i 


Seuses  Wirksamkeit,  in  01m.  131* 

Jttst  noch  seine  PredigUoanderungen  fortsetzte ' ).  Über  scth 
und  seilte  Tätigkeit  in  Ulm  sind  uns  nur  lehr  späriiche  NacJi- 
i(w  äbeilieferl.  Gereift  und  geldulert  durch  die  letzte  nchwere 
Msuchung.  und  belohnt  mit  ,innerh'chein  Herzensfriedfn,  stiller 
■  und  liihtreichen  dnaden'  (130,17 f.)  sollte  er  hier  in  Jiuhe 
I  Lebensabend  Ireschliessen.  Dasi^  er  in  Ulm  noch  einnuil  Prior 
•den  sei*),  ist-  eine  unbewiesene  Annahme,  und  ebeiutotcenig  fie- 
|de(  die  Nachricht,  welche,  wie  ca  scheint,  zuerH  bei  Touron^ 
^cht,  und  darnach  in  die  Darsteüungen  von  Schmidt, 
Vetter  u.  a.  übergegangen  ist,  dags  er  1363  auf  dem 
tralkapitel  ron  Magdeburg  neuerdings  wegen  Ketzerei  nngeklagt 
Un  Ml*).  Eitie  glaubwürdige  Trndition'")  berichtet  in  unmutige 
von  seiner  Freundn-hafl  und  seinem  innigen  Verkehr  mit 
Itt«'  eon  Hibra  (wohl  ^=  Biberach  a.  R.),  der  unter  Abt  Ulrich  II 
' — 71)  Cellerarius  in  dem  luihe  bei  Ulm  gelegenen  BenediHlner- 

')  Die  Karlsruher  Ug.   Cod.  St.  ftearg.  Pap.  Germ.  75  von  1448  Bl.  4—ä 

Lüngins  Kntaiog  SU  und  A.  K^Uk-,    Verteichnia   alldmluchr  H»s., 

um  Sirvert  18!H),  3S,I  überliefert  Brflder  heinriche  »tBeen  gebet  ainH  Innl- 

ligers  Ton  ITIm  (=  Bdite  303,i g.l. 

*)  Kärchtr   19b,   213   nach   der    Untemchrift   rints    Überlingtr   Siuae- 

t».     Wahrscheinlich  licyt  eine  Yerictehfilwig  mil  dem   Dimer  Dominikaner 

ich  drr  Prioi'  vor,  der  1351  und  J3ö3  bezeugt  int  f  Ulmer   ÜB  II  n.  367, 

tber   einem  in   Ulm  anglasigen  Geschhr.hte   iPi-Iol,  Priel)  angthSrt.     Von 

Datninikanerjtrioren  in  jenen  Jahren  sind  tu,  belegen:  1347  Konrad  von 

Krtn'n  iUlmer  US  II  n.  494);  1364  und  1365  Konrad  Traber  (tbd.n.66S; 

j£j).   Cmgt.   II  n.   5886) :    13H?    Johann    Dyemt,    rjerwimf    ,der    .^ehi-iber' 

ÜB    II   n.    1386).      In    dem    erbaitent»    Kopialhiieh    des    KloHrrs 

itn  S.  66'  A.  II  tcird  Sruee»   Name  erst  im  ir>.  Jh.  («.  anlen  >S'.  läT')  gi- 

Cbrr    die    Geaehichtr    des    Slottnv    handeln    Kornbeeh    a.    a.    O. 

66"   Ä.  I>    11—21;   E.    Nahlinii,    Ulm    unter    ffn.so'    Karl    IV   lyos, 

\ff.,  mg.,  177  ff,  266 ff.,  305f. 

•)  Hittnir»  fit.  ts.  S.  63'  A.  1)  II,  456. 

*J  h  dm   Akten  dt*  Kapileh  (MOPH IV,  Sgl  ff.)  finde)  sieh  keine  Spur 

*)  Dtr  Stricht  findtt  »ieh  euertt  in  den  tingedraekien  Ännales  Wiblingani 
jUebände,  noch  jettt  m  Wiblingta)  des  Priors  Mrinrad  Btuehlinger, 
I  im/  da»  Fragment  tinar  Vita  dt»  »tilgen  Walther,  das  in  Aiideehg 
.hrt  werde,  beruft;  gekärst  in  dem  gedruckten  Auszug  aus  demselbeH 
,Tfmplum  honorir  tii't  virorum  honoris  monachorum  Wildingensium' 
JH^wfiur^  170:i.  Da»  Seuse  und  Wallher  betreffende  aus  dm  Aimatcs  teilt 
im  t>iöt.-Ai-chie  wmi  Schieaben  XVII (1899)  ß6f.  mit;  vgl.  auch  Braig, 
OtmehieUt  von  Wihlini/en  lf>34.  DOf  und  J.  Hartmann  in  BliJtter 
•t.  Kirckmgeseh,  1900,  0.^  f.  In  den  Annales  findet  sich  ein  Bild: 
und  Wallher  im  Gtsprächi:  auf  frvletn  i'elde,  mit  Ulm  im  Hintergrund. 


4 


n 


13^*  Eiuleitmig.    11.     i!^eu8C!s  Leteu  qu<I  Werke. 

kloster  Wiblingeii  war.    Die  beideti  Freunde  hätttn  sich  mit  Eriauh 
ihrer   Vorgenetzten  manchmai  am   Ufer  der  Hier  zu  frotmnem  Zwi 

gegprüch  zusfiiHinengefunden '). 

Kf.  Redaktion  des  Exemplars. 

Eine  Haupinrbeit  Seusfn  in  seiner  letzleti  Lebenszeit  war 
liedaktion  und  einheitiic/ie  Ztisrrmmenfassunff  seiner  der  HaaptschrifUmi 
der  Vita,  des  Bdew,  Bilw  und  Bfb,  Seine  Biographie  lag, 
auch  vielleicht  schon  etita^  üherarbeilet,  doch  im  wesentlichen  in  d^ 
Form  vor,  die  sie  schon  Johre  zuvor  durch  seine  geistliche  Freund 
Elsbeth  erhalten  hatte  (vgl.  oben  S.  1^0*).  Das  Bdew  und  ,etbdi 
mehr  seiner  Bücher'  (4,2),  d.  h.  wohl  das  Bdw  und  Bfb  (s, 
S,  39*  Anm.  1),  waren  ,in  fernen  und  nahen  Landen'  (4,2,  vgl.  87ßt 
124,tOff.)  verbreitet  worden,  jedoch  durch  die  Schuld  nachlättig» 
Schreiber  oft  in  verstümmelter  and  fehlerhafter  Form  (4,3 ff.), 
lat/  Seu^e  aber  Kehr  viel  daran,  ein  ,gerechtes  Exemplar',  ein  Muik^ 
buch  seiner  Schriften  zu  hinterlassen  ,nach  der  }Veise,  teie  m 
des  ersten  von  Gott  einleuchteten'  (4,6 f.).  Daher  machte  er 
daran,  den  Text  zu  revidieren  und  die  vier  Schriften  zu  e 
Korpus  zusammemustellen,  das  er  mit  einem  besondfren  Prolog 
und  mit  eigenhändigen  Zeichnungen  ausstattete.  Der  Zeitpunkt  dii 
redaktionellen  Arbeit  lasst  sich  annähernd  bestimmen.  Seuse  ilbt^. 
gab  nämlich,  um  sich  gegen  Angriffe,  wie  er  sie  Jriiher  erfahrt^ 
zu  schützen,  den  spekulativen  Teil  der  yitu  (Kap.  4t> — 53)  dem 
wohlgeginnten  Protinzinl  von  Teutonia  Bartholomäus  von  Bolsenh^ 
zur  Prüfung  und  Begutachtung.  Als  dieser  das  H'erk  bilUgtt  «i 
Seuse  ihm  auch  die  übrigen  Teile  {du  getnain  lere  ö,?2)  eorUf 
wollte,  starb  der  Meister.  Derselbe  sei  Ihm  aber,  so  erzählt  d 
Mystiker,   da  er  in   Verlegenheit   war,   was  zu  tun  sei,   nach   seiw 


')  Supra  nienun  coavenieotes  sacra  miscebBtit  colloqaia,  laudeH  c 
diTioaa,  uoek^iiia  perDactabant  i;uudiB,  aecreU  uanifuHUliant  rovelst«  dirinil 
tuitu  ftuimonitn  «iiuvitate  ac  duicedine,  ut  coelicalas  non  terrigenaa  d 
(aua  ßtuchtingeri  Annale»).  Die  Anlthnung  der  Ereählung  an  den  Berieht 
&reff.  M.,  Zlial.  II,  33  ff.  (vgl.  Bree.  Mom.  10.  l<'rhi:  Leelh  IV  et  V)  «Aw 
gtiatlichen  ünterrfdungen  des  M.  Benedikt  mit  sw'ntr  Sehtculer  Scholaniilu 
einem  Benediktiner  «ruhl  bekannt  sein  tnusstt,  epringt  i»  die  Augen.  L 
*timmt  tutainrnfn,  data  Seuer  nach  HeuchUngerg  BertcM  seinen  tVrund  * 
tfiaai  Glauben»  mit  Abraham  und  wegen  enne'-  Liebe  tu  geisttichrii  JMt 
mit  Benedikt  vtrfflichcH  habe, 

')  Ohne  triftigen  (Jrtmd   hat    Vttl-r.    Mynlibrrpaar   5*  seine   Eck 
in  Zweifel  gesogen. 


Settoktidu  des  E:(eRiplara.  ISS" 

1»  einem  ,lichtnichen  Gesicht'  erschienen  und  hnbe  ihm  icinid- 
fftiH,  er  soUe  die  Schrift  allen  gvtherzit/e/i  Menschen,  die  in  rechtet- 
^finuny  darnach  ein  Verlangen  trügen,  mitteilen  (5,12— 6,10),  Nun 
i>t  Heister  Barfholommts  nach  zuverlässigen  Berichten  1362  gestorben 
^'ijl.  Anm.  zu  5,18),  iclr  haben  demnach  die  Bedtiktion  und  Ver- 
'frntlkhung  de«  Exeniplm-s  auf  1362  besw.  1362/3  amusetzen. 

Die  Aufzeichnungen  der  Stagel  über  Sewtes  Leben  haben  also 
ri  bei  diesem  Anluss  durch  seine  eigene  Hund  die  definitive  Form, 
der  nie  nns  jetzt  vorliegen,  erhalten.  Sense  hatte  aus  begreiflicher 
■heu,  die  Geheimnisse  seines  Seelenlebens  bei  Lebzeiiin  der  Ojf'etit- 
hkeil  preiszugeben,  ursprünglich  die  Absicht,  seine  Biographie  bis 
<eh  seitum  Tode  liegen  zu  lassen;  allein  die  Befürchtung,  sie  möchte 
aus  Missgunst  oder  Nachlässigkeit  unterdrückt  werden,  und  die 
'ung,  mehr  vor  Angriffen  und  Verunglimpfungen  gesichert  zu  sein, 
er  sie  selbst  seinen  Obern  vorlege,  heicogen  ihn,  sie  fchon  früher 
■öfftnllichen  (4,29  f.).  Er  überarbeitete  daher  jene  Aufzeich- 
und  legte  ,in  der  Person'  der  Elshtth,  die  nicht  lange  vorher 
war,  ,etunuf  guter  Lehre'  hinzu  (S,2f.).  Die  letztere  Be- 
\g  dürfte  sich  namentlich  avj' Kap.  46 — 53  beziehen,  welche  in 
wm  eines  Oesprüchs  zwischen  Seuse  und  seiner  geistlichen  Tochter  die 
^nttruieisung  in  der  eigentlichen  Mystik  enthalten.  Im  einzelnen  lässt 
leA  aber  der  Umfang  der  Bearbeitung  und  Ergänzung  nicht  mehr 
wtimmen:  manchmal  liegen  iiwar  die  Fugen  der  Komposition  noch 
lto«(ry/,  S.  134*  Anm.  2),  auch  lassen  sich  zahlreiche  Briefe,  welche 
Stagel  hineingearbeitet  hat,  noch  herausschälen  \  aber  in  den 
Fällen  sind  Seuses  Zusätze  und  Änderungen  con  Elsbeths 
nicht  mehr  zu  unterscheiden^), 

')   Vfl.  dii  Naehweüungfn  von  F.ci/er,  Afila  J,  36:.':   Z/dn  XX,  377 

»i/lt,  Xfda  XXI,  äif. 
*}  Spätre  hiwzugiifügt  »tnrf  jtdtnfaVt  di-;  Von-edii  dfr  Vila,  Kap.  SU 
(  läi»  hitr  ertählt»  Vigion  hatlr  wahrselmvUch  Elsbrthj,  ferner  dm- 
t  von  Kap.  38  und  S3.  Ich  möchtr  als  sehr  teahrgcheinlich  annehmen, 
8**f4  Stdakiitrn  ttärher  eingtgriffm  hat,  als  n  auf  dm  ersten  Blich 
t  ÜJ/erattinder  l'itn»eigl»ic/i  g«tnfcintr  Stil,  sei»  äethetincher  Sinn  und 
I  tkroloffische  Dwchbildaiig,  leomil  die  Darstellatig  in  den  T(is»er  Viten 
t»  MfcAt  konkarrirrrn  kann.  Aucli  legt  sich  jene  Annahme  nahe,  wenn 
r  VtrhaUnü,  in  dem  dag  Kl  Hfb  tum  Gr  Jifh  steht  ivgl.  oben  S.41' 
I,  ins  Auge  fassen.  Lrhrreieh  ist  es  aueh  tu  sehen,  tei»  verschieden  im 
die  Geschiehle  von  dem  Hunde  mit  dem  fusetuch  im  Gv  Sfb  (■I43,4ff.j 
I  Oer  Vita  föSySjT-)  erz-lhll  med,  obwohl  tele  nicht  wisnen,  oh  die  Stagel 
Itdtiehlf   direkt  au»  B%-ief  XII  hfBbergenommen   hnl:    dort  ein  getn'ifves 


I 


J 


134*  Einleitung.   II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

Das  Werk  ist,  vom  Prolog  abgesehen,  in  zwei,  bezw.  drei  Teil 
eingeteilt:  dsr  erste  (Kap.  1 — 32)  beschäftigt  sich  ausschliesslich  m. 
Sense  selbst  und  schildert  meist  sein  Leben  vor  dem  Bekanntwerde 
mit  Elsbeth ;  dsr  zweite  Teil  (Kap.  33 — 45  bezw.  53)  beginnt  mit  ,di 
Uieficrs  geistlicher  Tochter*  und  gibt  an  der  Hand  von  Seuses  Lebe 
eine  Art  Anleitung  zum  vollkommenen  Leben.  Besonders  von  diese) 
Teile  gilt,  was  Seuse  im  Prolog  zum  Exemplar  (3,2 ff.)  sagt,  dai 
seine  Vita  in  ,bildgebender  Weise^  erzähle  von  einem  anfangendem 
zunehmenden  und  vollkommenen  Metischen.  Die  eigentliche  mystisch 
Lehre  wird  in  den  letzteti  Kapiteln,  welche  gewissermassen  eint 
eigenen  dritten  Teil  bilden  und  von  Seuse  jedenfalls  stark  überarbeit 
sind^),  entwickelt  Schon  aus  dieser  Inhaltsangabe  erhellt,  dass  d\ 
Vita  keine  Autobiographie  im  modernen  Sinne  des  Wortes  ist;  sii 
berücksichtigt  fast  nur  die  innere  Entwicklung  des  Helden  und  zu- 
qunsten  des  asketischen  Zweckes  ist  die  sachliche  Gruppierung  statt 
der  chronologischen  bevorzugt^).  Wir  werden  dies  aber,  wie  DenifU^ 
mit  Becht  sagt,  so  wenig  bedauern  dürfen^  als  dass  Angelico  da 
Fiesole  seine  Gestalten  nicht  nach  streng  aftatomischeti  Verhältnism 
gezeichnet  hcU;  Seuses  minnereiches  Herz  lernen  wir  am  besten  da 
kennen,  wo  es  sich  ganz  frei  und  ungezwungen  ergiesst.  BückhaltUi 
und  mit  gewinnender  Naivetät  enthüllt  er  darin  seine  gans» 
Seelengeschichte  in  einer  Anschaulichkeit,  die  alle  abstrakte  Charah' 
teristik  weit  hinter  sich  lässt  und  gibt  mis  eignen  Typus  der  Äf^ 
schauung,  die  er  sich  von  der  Entwicklung  eines  ,geistlichen  Menschen* 
gebildet.     „Nicht  leicht  wird  ein  anderer  gefunden  werden,   der  dii 


tSichgehenlassen,  hier  knappe  tcirkungsvolle  Zusammenfassung ,  stilistische  Av^e 
feilung,  überhaupt  Seuses  reife  schriftstellerische  Kunst 

*)  JJer  Elsbeth  werden  diese  Lehren  Kohl  meist  in  Briefform  zugekwKm€' 
sein.  Dem  steht  nicht  entgegen,  dass  es  öfters  heissi:  er  (der  Diener)  htm 
sie  (die  Tochter)  ,sprach'  (löö,l3.  16.  170,37.  171,6.25.  172,1  usic),  denn sol^ 
Formeln  kommen  auch  in  unzireifelhaften  Briefen  trar  (e.  B.  99,1.  107^,  130,2!^. 
und  gehören  wohl  erst  der  späteren  Redaktion  an. 

•0  Vgl^  Vetter,  Mystikerpaar  66,  61;  Seeberg  136 f.  Unvergtändliä 
ist  z.  h.  20,24,  da  erst  im  Kap.  15  von  der  betreffenden  Kasteiufig  erzählt  wifdi 
auch  104,7—9  wird  nur  durch  Vergleich  mit  Hör.  173  f.  verständlich.  Sow^l^ 
sich  Zeitangaben  in  der  Vita  Jinden,  sind  sie  allgemein  gehalten  oder  durtk 
ein  ,irohV  oder  ähnliche  Zusätze  verallgemeinert.  Das  mahnt  gur  VoreitH 
damit  vortilige  Schlüsse^  wie  sie  dann  und  wann  bei  Freger  vorkamzM^ 
(vgl.  auch  Strauch,  Afda  IX,  143),  vermieden  werden.  Zuweitgehend  iHi 
es  dagegen,  trenn  Vetter  a.  a.  ().  61  in  den  Zeitangaben  lediglich  ^phn 
tatiti sehen  Schematismus^^  oder  auch  „späteren  Zusatz^  sehen  möchte, 

=)  Seuse  XVIIL 


Redaktion  ^es  Exemplars.  1S5* 

Erforschung  seines  innersten  Seelengrundes  dem  einig ermassen  kundigen 
Forscher  so  leicht  gemacht  hat,  wie  diese  durch  ihre  unverfälschte 
Lauterkeit  bis  in  ihre  tiefste  Verborgenheit  durchsichtige  Natvr*^^), 
K,  Schmidt^  und  nach  ihm  Vetter^)  und  Bächtold*)  haben 
die  Ltbemgeschichte  Seuses  bei  aller  Anerkennung  des  hohen  sittlichen 
Ernstes,  der  darin  waltet,  und  ihres  poetischen  Schwunges  als  „eines 
der  phantastischsteti  Erzeugnisse  des  Mittelalters*^,  W,  Scherer  ^)  als 
»m  heiliges  Seitenstück  zu  Ulrich  von  Lichtensieins  unheiligen  Liebes- 
wwoiren^  bezeichnet.  Es  lässt  sich  über  solche  Urteile  nicht  streiten, 
da  sie  von  einem  zum  voraus  eingenommenen  Standpunkt  aus  gefällt 
find,  allein  wir  werden  Preger^)  wohl  mehr  Recht  geben,  der  sie 
^änes  der  schönsten  christlichen  Lebensbilder  und  fast  einzigartig  in 
ihrer  Ausprägung^  nennt''). 

In  der  deutschen  Literaturgeschichte  dürfen  Seuses  geistliche 
Memoiren  auch  deshalb  ein  besonderes  Interesse  in  Anspruch  nehmen, 
veilsie  wohl  das  erste  Beispiel  einer  vom  Helden  selbst  verfassten,  bezw. 
autorisierten  und  herausgegebenen  Autobiographie  in  deutscher  Sprache 
Äwi*).  Sie  stellen  sich  zugleich  in  einen  grossen  literarhistorischen  Zu- 
immenhang,  der  von  den' Confessiones  Augustins  über  die  Historia 
^lamitatum  Abälards  und  die  Vita  nuova  Dantes  zu  Goethes  Dichtung 
vnd  Wahrheit  führt^).  An  Augustins  genialer  Selbstschilderung  im 
kesmdem  hat  sich  auch  Seuse  wie  so  viele  andere  gebildet  und  die 
Irrgänge  seines  Herzens  aus  den  Wegen  der  ,  Ungleichheit^  zum  Friedeti 
in  Gott  in   beumsster  Anlehnung   an    sie  geschildert   (vgl.  besonders 


•)  Gör  res  bei  Diep*.  117. 
^  Theol.  Studien  und  KriU  1843,  864. 

*)  Mystikerpaar  22.     In  einigen  Teilen  der  Vita  will  Vetter  22,  57  die 
'"Spuren  einer  dritten  Hand  finden,  auf  deren  liechnung  namentlich  die  ,wundtr- 
^^igm  und  schwärmerischen^  Erzählungen   des   ersten  Teiles  kämen.    Allein 
^ider  der   handschriftliche  Befund   noch  der  Inhalt  selbst  gibt  einen  Anhalts- 
punkt für  eine  derartige  Annahme. 
*)  Lit.-Gesch,  der  Schweiz  215. 
5)  Gesch.  der  dtsch.  Lit.  1883,  236. 
*)  Briefe  18;  Mystik  II,  268. 

^   Vgl.  auch  das  schöne  Urteil  hei  Schnaase  a.  a.  0.  VI,  41  f. 

»)   Vetter  a.  a.  0.  25:  Strauch,  Allg.  dtsch.  Biogr,  37, 172:  Seeberg  IX. 

•)   Vgl.  Kraus  a.  a.  0.  II,  2,1,  8 ff.   und  namentlich  F.  von  Bczold, 

Über  die  Anfänge   der  Selbstbiographie    und  ihre  Entwicklung   im  Mittelalter, 

Erlangtr  Rektoratsrede    1893.     Beachtungswert   ist   S.  5  f.    der   Hinweis,    dass 

auch  in  den  Mänchsromanen  der  Vitae  patrum,  welche  der  Verherrlichung  und 

Empfehlung  der  Askese  dienen,  vieles  in  autobiographischer  Form  gegeben   ist. 

ieust  mag.  auch  hiervon  Anregung  empfangen  haben  (vgl.  oben  S.  79*  f.). 


136*  Einleitung.   11.    Seuses  Leben  und  Werke. 

Bdew  Kctp.  1;  Hör.  15  ff.;  Minneb.  548,29  ff.).    InhnltUch  stellt  sich 
dcis  Werk  des  Bettelmönches  am  dem  14.  Jh.  jedoch  nähei'  zu  jener 
mystischen  Offenharungs-  und   Vision^literatur,   die  seit  dem  12.  Jh. 
auftaucht   und  die  ritterlich-höfische  Kultur  mit  ihrem  Mimiedienst 
und  SchönheitsbedürfniSj  ihrefi  weichen  Stimmungen  und  ihrem  Formtn- 
sinn  wieder si)iegelt^)y  freilich  in  Strahlen,  die  gebrochen  sind  durch 
das  Prisma   der  religiösen   uluffassung.     Zur  Steigerung  und   Ver- 
tiefung des  persönlichen  Innenlebens,-  zur  Veredlung  und  Verfeinerung 
des  religiösen  Gefühls  selbst  bis  zum  Süsslichen  und  Weichlichen,  hat 
diese  Literatur,   deren  Trägerinnen  fast  ausschliesslich  Frauen  oder 
doch  wenigstens  frauenhaft  etnpfind^nde  Seelen  sitid,  ungemein  viel 
beigetragen.     Es  ist  gewiss  bezeichnend,   da^ss  auch  die  Lebenserinne- 
rungen Seuses  nicht  zuerst  von  ihm  selbst,  sondern  nach  seinen  Ge- 
spräclien  und  Briefen   durch   seine  geistliche  Tochter  Elsbeth  Steiget 
gesammelt  und  niedergeschrieben  worden  sind,  und  dass  er  selbst  erst 
später  nach  Überwindung  tnanc/ier  Bedenken  auf  ihre  Idee  eingingt 
Im  zweiten  Teile  der  Vita  (Kaj).  33)  Iwt  Seuse  zugleich  seiner 
geistlichen  Freundhi  ein  Denkmal  gesetzt.    Es  scheint,  dass  sie  nicht 
lange   vor  der  Redaktion   des  Exemplares  starb  (vgl.  oben  S.  125*), 
nachdem  der  geistliche  Vater  sie  noch  einmal  besucht  hatte  (394,12 ff,). 
Nach  ihrem  Tode  erschien  sie   ihm,    wie   er  erzählt  (194,22 ff.)^  in 
einer   Vision   ,in   schneeweissetn  Gewand  wo/d  geziert  mit  lichtreicher 
Klarheit   coli  himmlischer  Freude^  und  zeigte  ihm  an,   da^s  sie  nun 
,in   die  blosse  Gottheit  vergangen^  sei.     Elsbeth  hat  in  Seuses  Lebe» 
eine  so  grosse  Holle  gespielt,   dass  beids   von   einander  so  wenig  zu 
trennen  sindy  als  Margareta  Ebner  und  Heinrich  von  Nördiingen. 

III.  Seuses  Tod  und  Nachruhm.    Ikonographisches. 

Datum  und  Ort  von  Seuses  Tod  sind  in  zuverlässiger  Wevic 
überliefert.    Er  starb  am  25.  Januar  ISdd  zu  JJlm^)  und  wurde  in 

»)  Vgl.  ir.  Scher  er,  a.  a.  0.  239:  „die  Schriften  der  Mystiker  und 
ihrer  frommen  Verehrerinnen  loaren  die  lettte  Zuflucht  de^  hitfischen  GeiftfS! 
Zartheit  und  Formenainn  waren  nur  noch  hier  zu  Haus/' 

0    Vgl  Bezold  a.  a.  0.  18. 

*)  Siehe  die  im  Text  gleich  darauf  zitierte  Notiz  aus  Clm  7819;  die  gJeiehf* 
Angaben   in  Hff.  S  (s.  oben  S,  8*)  BL  233^  von    einer  Hand   des  16,  Jh.:  ft 
ist  zo  wissen,  dnz  der  selig  brüder  heinrich  süs  ist  von   diser  zit  gescheiden  in 
dem  iar  da  man  zalt  von  xps  gcburt  MCCC  und  LXYl  in  dem  confent  ze  ulm 
und  lit  och  da  begraben  und  stat  die  iarzal  uf  sim  grab  und  starb  uf  converao 
sancti  pauli  apostoli ;  ähnlich  auch  in  dei-  Hs.f  (s.  S.  1*)  BL  1^  (f  1366  in  die  «»• 


Sciises  TnJ   iiml  NnclirnLm.     Ikuiiograiiliisches. 


137* 


■  Ar  Predigtrkirche  daselbst  (Jetzt  evangelische  D reif altigkeitskir che) 
~l<p-fiīi;  das  Grab  befand  sich  nach  der  (Jimer  Tradition  und  nach 
•ilbnZeitpm'ssen  in  der  Kirche  selbst'),  neben  dem  Altar  des  JJominikarter- 
lifäiffeH  Peiru»  von  Verona  (f  1252),  keinenfnlU,  wie  einige  Spätere  ^) 
mtiaUn,  int  Kreuzgmuj  des  Klosters.  In  einer  Münchner  Hs.  des 
Ihr.,  am  7819  BL  24a'  Oeßndel  sich.  i>i>n  einer  Hand  des  15.  Jh. 
Mtiert,  die  O rabschrift  des  frater  AmaDdns  Sewez:  Ohiit  venerabiÜB 
liater  frster  Heinricus  Subo  Anno  dnmini  MCCCLXVI  aiense  JaDuarii 
die  XXV  obdormivit  in  domiDU  propter  quod  gandeamus  in  evis 
dilecto').  Wir  haben  darin  zugleich  einen  deutlichen  Beweis  für 
die  Verehrung,  die  er  schon  zur  Zeit  seines  Todes  in  Ordenskreiaen 
und  darüber  himius  genoss:  man  sah  ihn  bald  alUjemein  nls  Heiligen 
nii,  und  der  Titel  ,beatus'  wird  ihm  im  15.  Jh.  wiederholt  gegeben, 
iieiti  Andenken  erlosch  auch  in  Schwaben  und  speziell  in  Ulm  in  der 
Folgezeit  nicht*).  Laut  Eintrag  im  Kopialbuch  der  Ulmer  Domini- 
er Bl.  228  stiftete  noch  nach  der  Mitte  des  15.  Jh.  eine  Frau 
ifirina  H'eltzlerin,  H'itwe  des  Ulridt  Wdtzlin,  Hof  Vizekanzlers 
I  Kaiser   Iriedrich    III,    ein    ewiges   Licht    vor    das    Grab    des 


.  Pauli)  und  Itd  J.  Meifr,  Chrotucon  lU  Praed.  (Mone  I,  UM), 
t  tU  aiiuli:  vir.  ord.  l*raed.  (ä)il.  IT,  137)  u.  ,Lrben  dir  33  «'«««  Meisler' 
I*  8.  W*  J.  t).  Wfnn  Meger  in  den  zu-ti  Ulttgenannten  Wrrktn  States  Tud 
<^f  ^nl  l'auhu  bekrrtlug'  anaetet,  ihn  aber  doch  am  lö.  Januiir  alrrhcn  ISesI, 
t  Utjfi  levht  nn  lapaiu  ealami  vor;  auch  in  der  'IHiiecsr  Konalans  und  im 
lliminikanerorden  ftitrti  man  conversio Pnali  am  35.  Januar.  Sri  L.Albertas, 
I>i  cirii  iUuttr.  urd.  Praiä.  l.  V/.SM.  M urur  3*li;  Sieill  I,  164:  Buee- 
'  äoO  u.  a,  wird  IMS  al$  Todeigalir  angugtbtn,  oh  infolge  falscher  Über- 
[H/t/aBfl  Mirr  uiidrrtr  Sertchnung  dee  Jahresanfanges  iCalculas  t^orentinue 
H  Jahrrtlirgiriii    am   S5.  Milrz  postnumerando?),    Idssl   sieh   nirht  leicht  «i(- 


')  J.  Meyrr   im  .Ltlirii   der  33  ersten  Meister'-,    int   erlicb    begraben  in 
*Iin;iiiw  küchen  zu  li|m;    Clm  16311'  ».  XV  Bl.  ftJ-*.-  sepultua  in   eecleMa 
läic»toniiii  iiutU  ultan'  Bniict.i  petri  martyris;  Ausgabe  dr«  H<t.  Paris  1611 
:  HpiiltOB  *nr«  sllore  t.  Pelri  m. ;  ebenso  die  Ulmer  Tradition  bei  Weyer- 
htr  Petersallar  befand   sich   ,in    der  £c/ie   hei   der  RitlM<n   Br- 
ornbeck  a.  a.  O.  17). 
*)   Wie  es  scheint,  gutrsi  Mar  er  34ti. 
'}  Vorher  gehen  die  Wurtt  Nota  veraciter  Kiütiipliium  oou)pÜaloriB',LuiQ8 
läri  idt»  Hör.).     Die  Abkürzangrn   sind   aufgrliiat.      Vgl.  auch    dir    Noiiz  aus 
ä».  S  eben  Ä'.  136'  Arm.  3. 
'J   Vgl.  auch   oben   H. 
)üder  äet  16.  Jh. 


Notiie 


über    ülmri'    hetir.    SöjUnger 


138*  Kiiileitun^.   H.    Seuaes  Lebeu  und  Werke,  I 

sdiyen  Heinrich  Sense ').  Aber  schon  vorher  war  .fein  Nnme  durch  seiiA 
Schriften  über  Deutschlands  Grenzen  hhutnvgedrungen.  Besonderä 
in  den  Kreisen  der  Fraterherrn  war  er  hochverehrt.  Als  d^r  Windtfi 
heimer  Prior  Joh.  Vos  (f  1424)  beim  Konzil  zu  Konstanz  icetlt» 
besuchte  er  mit  anderen  ,Devoten'  roll  Andifckt  die  Zelle  den  Mystiken 
,der  auf  Antrieb  d-es  hl.  Geistes  rfns  Horologium  yesckricben").  Papt 
Gregor  XVI  bestätigte  nach  eingeholter  Information  im  Jahre  IS3| 
seine  Verehrung  und  gestattete  die  Feier  des  Festes  im  Dominikoftsu 
orden  am  11.  Mäis^).  i 

Das  Grab  Seiises  i.it  i^eit  mehr  als  drei  Jahrhunderten  r*i 
nchollen.  In  d^t  Jahren  1617 — 21  wurde  das  Schiß'  der  Predigmk 
kirche,  das  schon  lange  vorher  baufällig  gewesen  war,  niedergerisa^ 
und  in  veränderter  Gestalt  wieder  aufgebaut;  nur  dtr  gotische  Cht, 
und  die  südlich  an  ihn  angebnute  Sakristei  nebst  einem  anstossendn 
klänen  gewölbten  Raum  (Kapelle)  blieben  vom  alten  Bau  übrig.  Dun 
diesen  Umbau  und  durch  spätere  Auffüllungen  und  Verändenuign 
des  Terrains  infolge  der  Fettungsbauten  ist  die  Örtlicbkeit  so  e 
umgestaltet  woi-den,  dass  kaum  eine  Hoffnung  auf  Wiederauffim 
des  Grabes  besteht.     Widerspruchsvoll  ist  die  Erzählung  Murert*]^ 

')  Laiupas  mite  flepulchnini  beati  Henrici  äUsz  nutrietidn  eat  ob  rennt 
tiiiLij  iliuti  patri«  et  prn  benefactoribuB  per  modam  participaCioaie  ardere  data 
et  donata  a  Domina  Catharina  WeltElerio,  qoe  conventiii  dodit  46  flor.  p 
contiDualioue.    De  hoc  uon  liabentur  literae  (Kornbeck  a.  n.  0. 17/.). 

-)  J.  Busch,  Chronicon  Windeshan.  rd.  Grubt  (Gnehiehlnquellai  i 
Pi-oeins  iS'aehsen  XIX  1806)  e.  41  p.  357.     Von  einun  andtrrn  Wii 
J-Yattr  tpiril  äi*  Naehahmung  von  Seunt-s  Kasteiunsm  htricMet,  rbd.  c.  108, 

')   Vgl.  Stadler,   BtiUgenlfx.  II  (1861)   641.     Stiist   reitrde   ,ji«-  f 
cvltm'  aeliggntproehen  ohne  eigentlichen  Progesn. 

'1  Btli!.».346r  der  Leichnam  Srusts  nei  16 IH  beim  Umbnu  der  Kirche  H 
den  Werileiiten  im  Krtutyang  gr/unden  iroiden,  der  Biirgtrmtiiiter  tol 
litfuhten  da»  Grab  wiedti-  in  nflilittaen,  ahrr  ein  Kathnlili  (der  tpiitere  ÜK" 
Werknifiiter  Leonhard  Bitcltmllkr)  habe  ein  Stück  dts  ManteU  abge^diiuM 
teovon  er  iMurrr)  auch  einen  Teil  besHse.  Der  Bericht,  cum  der  Jahrlätti 
gant  äbgetehtn,  kann  Kchon  deshalb  nicht  ttimmen,  weil  Seiuf  nicht  tn  Krtä 
gang,  sondern  in  der  Kirche  begrabm  icar.  Murer  itl  auch  »ongt  untuvtrtdUi 
(vgl.Denifte  in  Z/da  XIX,  348  A.  1).  Ober  die  Veihandlungm  dt«J\  ' 
lees  vgl.  IVeycrmann  503ff.  lAantUge  aus  drr  Korretjiondem  i 
Hitchof  und  Halt;  Git/el  im  Diöt.-Archiv  on  Schwnben  II,  fiS/.  «I 
KUrchtr  191/.,  304.  Di*  Vermittltr  machten  neilrna  der  Kalholittn  i 
Dekan  de«  Chorherrnsti/ts  Wtngen  Georg  l-'bdrrlt  und  der  ICaUherr  Jah* 
Adam  Kitidrn.  Buchiniller  erklärte  bei  Meiner  Vernehmung  durch  den  S 
man  habe  geinmeit  (altu  ror  aber  60  Jahren)  tttiir  einen  Leichnam  gt/imi 
aber  nicht  im  Krtuegang,  sondern  in  der  alten  Kirchs,  der  Habit  » 


Scustia  Trid  unil  Xadinihm.     Ikano^aphUcheB.  139* 

fiwmck  1613  der  Leichtuim  Setises  wohlhe/ialten  und  lieblich  duftend 
/t/iindm  iconfen  sein  soll.  Die  Hemii/iuit^di  des  Konstnnzer  Bischofs 
Inrrn  Johann  foh  Prnssherg  im  Ja/ire  1668,  genaueren  darüber  su 
trftthren  und  ilen  angeblich  gefundenfn  Leichnam  aufgeliefert  zu 
erkalten,  sc/tlvgen  fehl.  Ebenso  erfolglos  waren  die  Nachgrabungen, 
fttehe  eeraiislaltet  wurden,  als  Ulm  im  spanischen  Erbfulgekrieg  1702 
ttrübergekend  nm  den  Bayern  und  Franzosen  besetzt  wnr').  Als 
lS9ti  in  dem  neben  dei'  Sakrintei  gelegenen  Räume,  der  ohne 
rruad  schfin  Susokoj/elle  genannt  wurde,  aiUäsalieh  der  Einrichtung 
Heizanlage  Grabarbeilen  lomahm  und  unter  dem  Bilde  eines 
totniniktriiera,  dos  sich  um  Schlussstein  des  Oewölbes  befindet,  Gebeine 

'undiTH  wurdett,  tauchte  die  Meinung  auf  man  sei  auf  Semes 
\rabstätte  gestossen.  Dans  diese  Annahme  nicht  richtig  sein  kann, 
schon  aus  dem  Gesagten  hervor,  und  sie  ist  nuch  von  sachver- 
Madiger  Seite  sofort  in  überzeugender  H"e/*e  zurückgewiesen  worden'). 
Über  Aussehen   und  Gestalt  Seuses   ist   nichts   überliefert   und 

»sowenig  besitzen  wir  ein  beglaubigtes  Porträt  van  ihm;  dass  die 

trstHlungen  nvf  den  Bildern  des  Exetnplars  fceiiw  Portrillähnlichkeit 
bntef»,  bedarf  in  Anbetracht  der  Art  und  Zeit  ihrer  Entstehung 
Wws  Beweises.  Einiges  ikonographisehen  Material  zu  Seuse  wurde 
fcfc>M  oben  S.  ßi*f  beigebracht,  wozu  nachzutragen  ist,  dass  Mone') 

1/  ein    weiteres    Ejremplar    eines    brmfilten    Sensefiolzschnittes    auf- 

■•«»«,  dt  Leichnam  aber  rcitecxt  und  ohne  liehlichtn  Grrueh.  AuJ'  Antrag 
f  aa.ngtli*chen  (fritütchkat,  von  dtr  ein  (futacJUim  eingtholt  murdc,  »ehlug 
V  fiel  itcM  Billgesaeh  dt»  Biachafg  nb. 

'1  Vgl.  W lytrmaun  bOäf.  und  W.  Braun  in  sriner  Aaagabe  des 
y.  llJM)  IL.  Der  Kurfflr»t  Max  Emmanuel  nun  Bnyem  aehrifh  am 
*.  FOr.  1704  an  den  Slsc/wf  von  K,mstam  Marquard  Kailolf  von  ICoth  'i< 
"mr  AngtSrgtnheil  {vgl.  Gie/el  <i.  n.  0.691.  Auch  IITG,  id»  rinr  KaptlU 
*  Ktrehe  ahgffieoehtn  ward«,  eulUn  dir  Kalhotiktn  uachgcgrahtn  liitli<n 
'^lytrmann  äOT.l. 

*1   Vffl.    namentlic/i    ,Drutschis    VoUi»l'lall'    vom    1!/.  August    JS9ii.     Mit 
Kht  sahen    Grüneisen   und   Mauch   (Uims   Kumttebtn   im   MUielaiiei- 
I,  13)  in  dem  Bild  ein  PorirUt  ü'tasis  und  nannU  tetiterer  (Mut.  des  l'treiiis 
iiMst  u.  Alt.  is:4,  24)  jenen  gmoMbten  Kaum  SusokapeOe.    Daa  Bild,  einen 
HiMiifincr  darsttlUnd  mit  IltiUgmsc/irin,  einer  .Somic  M^f'  der  Brasi  und 
fc*  Mir  Hostie   in  drr   itehlm  Band,    dürfte   viel  richtiger  auf  Thomas  mii 
•  t»  betithen  »ein  .•  es  gah  in  drr  'Tal  in  der  2*redlgtrkirche  eine  ,capMt 
■  de  Aquiao'  (Komb  eck  a.  a.  ').  171. 
')  Qnethnnammtung    11,     Iö7    Ahm.     TJnx    Bild   ixt    in    die   Basler  Üb. 
IX'  S  von  Meyers  I.iber  de  dlunli:  viria   II.  I'r  einykleht. 


140*  Biiildtuni,'.    I[.    Sfuse«  Lebpu  uml  Werke, 

7tterksam  macht,  mid  dass  mich  Weifermann  507  ein  Bild:  Seui9 
mit  dem  Muitogyamm  IffS  auf  der  Brust,  unten  den  Hund  mit 
dem  Ftisstuch  und  im  Hintergrund  Ulm  darstellend,  zu  Augsburg' 
bei  Götz  d?"  Glttube.r  in  Kupfer  gtf^tochen  wurde.  In  Überlingen  btt 
finden  sich  noch  drei  von  einander  wenig  verschieden«  Seiiseportröfa '^ 
sämtlich  Ölgemälde  (Brustbild),  welche  Sense  in  der  gewöhnliche» 
Weise  als  Mann  i'on  mittlerem  Alter,  bärtig,  mit  gewinnenden  ZügeHj 
auf  der  Bnist  das  bekannte  Monogramm  und  um  das  Haupt  einen 
Kram  i-on  Rosen,  darstellen.  Keines  der  Bilder  geht  aber  über  dnt- 
17.  Jh.  hinaus,  künstlerisch  sind  sie  wertlos.  Ahnlich  verhält  es  sich 
mit  mehreren  kleineren  Seusebildern,  welche  sich  noch  jetzt  im  Domini- 
lämerinnenkloster  Zofingen  zu  Konstanz  befinden,  wo  die  Verehnatf 
Sense»  sich  durch  die  Jahrhunderte  erhalten  hat;  im  Hintergrund 
befindet  sich  auf  einigen  derselben  das  Konstamer  Predigerklostef. 
Ein  Zeichen  der  hohen  Wertschätzung,  die  man  im  Orden  für  Seuu 
hegte,  obwohl  er  noch  nicht  kanonisiert  war,  ist  auch  der  Umstand, 
dass  auf  den  seit  dem  15.  Jh.  Mufig  sich  findenden  Dominikaner- 
Stammbäumen  unter  wenigen  deutschen  Ordensmitg/iedern  auch  sfl'iM 
Figur  angebracht  ist%  Am  interessantesten  ist  wohl  ein  bis  jetzt  uwü- 
beachtetes  Ölgemälde,  das  sich  in  der  Sammlung  des  Herzogs  ««' 
Urach  auf  dem  Schlosse  Lichlenstein  befindet  (Nr.  43).  Seuse  ilt; 
darauf  in  ganzer  Figur  mit  Ueüigenschein  auf  Goldgrund  gema^ 
bartlos,  mit  energischen  Zügen,  in  der  rechten  Hand  einen  KroM 
von  Kosen,  in  der  linken  einen  Griffel,  mit  dem  er  sich  auf  du 
entblössten  Brust  den  Namen  IHS  eingegraben  hat.  Das  Bild  stamm 
aus  der  Ulmer  Schule  des  ausgehenden  15,  Jh.  und  ist  etwas  hand», 
werksmässig  ausy^ührt. 

In  der  modurnen  religiösen  Kunst  wird  Seuse  geu-iiliniick 
gebildet,  nie  er  vor  der  himmlischen  Weisheit  kniet  und  das  Mowf 
gramm  IHS  auf  der  Brust  trägt  (ähnlich  wie  auch  Bernarü 
non  Siena'% 

')  Zwei  im  KuHurhutoriachfu  Mu»eum,  einrt  (dnt  l/rsterhaltm«)  im  B< 
gifte  ton  Stadtpfantr  Hr.  pon  RäpiiUn.  Es  ist  vohl  mäglich,  das»  dem  Mab 
da»  Bild  bti  Murrr  i».  ahm  S.  6'.'.'*  A.  1)  als  Vorlage  gedient  hat.  Vgl. 
die  Bilder  auch  meine  liarUgungin  Hinl.-pol.  hl.  1S02  II.  114/.:  Ritr 
l!>7ff.!  Pregtr  II,  3i9  A.  2;  Peltif  lOti. 

')  Einen  solchen  SUimmhaum  voit  1473  {HoUichntW  htschrüibt  Sehn 
a.  a.  <}.  II,  SOef.  Nr.  17J6.  In  der  filnflen  Reihe  nach  Thomas  ron  Aguii 
vor  Margareta  von  Ungarn  atehl  Sets  heinricus  huäbp.   Vgl,  auch  Pflttn 

')  Kraus  a.a.  0.  il,  ],434. 


Charakteristik  von  Seuses  Person  und  Werken.    Seine  Lehre.       141* 

IT.  Charakteristik  Ton  Senses  Person  nnd  Werken.  Seine  Lehre. 

Blicken  wir  noch  einmal  zurück  avf  das  einfache  und  doch  so 
reiche  Leben  Seuses  und  suchen  wir  uns  ein   einheitliches  Bild  von 
seiner  Persmüichkeit   und  seinen    Werken  zu   machen^).      Der  alles 
beherrschende  Grundzug  seines   Wesens  ist  die  Liebe,  der  Reichtum 
mjMinnef  (11,27 ),  der  nicht  nur  das  eigene  Limre  erwärmt  und  ent- 
sendet j  sondern  auch  nach  aussen  überquillt^  um  andere  zu  beglücken. 
Seine  ganze  Eeligiosität  ist  von  dieser  Liebe  gestaltet  und  durchgossen, 
in  seinen  Schriften  weht  ein  johanneischer  Geist.     Darum  heisst  er 
mch  mit   Recht   AmandfiSy   der  Liebetraute.     Seuse  hat  aber  seine 
U(he  nicht   bloss  in   lyrischen  Ergüssen   ausgeatmet,   sondern  nach 
dorre s^  schönem  Wort  episch  sein  Leben  in  ihr  gefasst  und  dieses 
Lefen  zu  einem  grossen  Epos  der  Gottesliebe  ausgedichtet    Nach  all- 
^meinem  Urteil  ist  er  der  liebenswürdigste  und  anziehendste  unter 
ien  deutschen  Mystikern.    Auf  seinem  Leben  liegt  der  herzerquickende 
Sonnenschein  einer  reinen,   kindlichen  Natur  voll  innerer  Harmonie 
deines  unerschütterlichen  Glaubens  an  Gott  und  die  Menschen.   Mit 
^dch  liebreicher  Geschäftigkeit  müht  er  sich  ab,  alles  mit  der  Wärme 
2«  durchquellen  und  zu  durchströmen,   die  ihn  selber  beseelt/     Wie 
^Hsser  andere  zu  trösten  und  aufzurichten ^  ob  ihm  auch  da^  eigene 
Berz  verblutet!     Man  spricht  von  einer   Mystik  des   Leidens^): 
Sense  ist  einer  ihrer  edelsten   Vertreter  in  Tat  und    Wort.     Seine 
Udme    Vita   ist   unter   dem   Gesichtspunkt    des   Leidens   geschrieboi, 
«w  wahre   ,Hisioria    calamitatum^ ;    sie   zeigt,    wie    die   mystischen 
^dengaben  aus  dem  Mysterium  des  Leidens  ßiessen.     Vielleicht  ist 
nie  schöneres  über   die  läuternde   und  stählende  Kraft    des  ,christ' 
förmigen^  (145,4)  Leidens  geschrieben   worden,   als   im  13.  Kapitel 
des  Bdew,  wo  Seuse  uns  den  Schatz  des  Leidens  auf  seh  li  esst ;  es  sind 
icahrhaft  ^goldene  Worte,  die  nicht  nur  vom  Standpunkt  des  mittel- 
alterlichen Mönchtuins  dieses  Beiwort  verdienen"*). 

Als  zweiter  Grundzug  in  der  Lidividualität  des  Mystikers  lässt 
Mich  das  tiefe  Gemüt  bezeichnen,  das  eine  hervorstechende  Eigenschaft 

*)  Zur  Charakteristik  Seuses  vgl.  besonders  I*  reg  er  II y  371 — 74; 
Iiöhrinffer436—4t:  Görres  bei  Diep.  117  ff, :  Strauch  in  Alig.  disch. 
Biogr,  37 j  171  f. 

s)  Bei  Diep.  1:20, 

•)  Vgl.  Linsenmann  in  Theol.  Quart alschr.  1SS:J,  65:2:  P,  W, 
r<w»  Keppl^r,  Das  Probletn  des  Leidens  in  der  Moral  -1904.  16ß\74;  Joly 
fl.  o.  O,  193  ff.;  Böh  ring  er  405—7 ,  Ho  rnack  ,  Dogmengesch.  IIP,  39^. 

*)  Strauch  a.  a,  0,  171. 


142*  Einleitung:.   II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

des  deutschen   und  speziell  des  schwäbischen  StammescharaJcters    ms(, 
Den  schwäbischen  Dichtern  von  der  Hohenstaufenzeit  bis  auf  unsere 
'Tage   eignet  jenes  sinnige   und  sinnende   Mitgefühl  mit  Natur  tiud 
Menschen,  jene  Herzens-  und  Blutwärme,   die  anzieht  und  sich  ath 
gezogen  fühlt,  gepaart  mit  Phantasie  und  poetischer  Gestaltungskraft 
und  mit  jener  eigentümlichen  Schwermut,  die  in  der  Tiefe  der  deut- 
selten  Volksseele  wohnt^).    Freilich  wird  die  Empfindung  auch  manch- 
mal zur  Empfindsamkeit,    das    Weiche   bekommt  eitlen   Anflug  von 
Sentimentalität.   So  ganz  auch  bei  Seuse.    Nicht  ohne  ein  gewisses  Hoch- 
gffühl   scheint  er  sich    einen   Sohn   der   schwäbischen   Erde   (TJi), 
Schwaben   sein  Land  zu  nennen  (26,3).     Er  ist  wie  seifie  MuUer 
ein  Schwabe  par  excellence.    Man  hat  mit  Recht  gesagt  ^),  dass  dieur 
unvergleichliche  Mann  des  Gemütes  in   bezug   auf  die   Überfülle  i$t 
Herzenszartheit    und    den   lyrischen   Schwung    seines    Denkens  «urf 
Fiihlens  eigentlich  nur  einen  Nebenbuhler  hat  —  Franz  vofi  Asm. 
Mit  diesem  teilt  er  auch  die  Liebe  zur  Natur,  das  sinnige  L^ 
und    Weberin  in  ihr.     Auch   im  kleinsten   Kreatiirlein  sieht  er  eitit 
Staffel,  Gott  zu  nahen  (455,18 f.),  einen  Abglanz  von  Gottes  Schotir 
heit.     Lenzeswonne  und  Maienzanber,    Vogelsang  und  Blumendufit 
die  Schönheit  des  gestirnten  Himmels  und  die  Majestät  des  GewitUrs 
bringen   ihm  Entzücken^);   ,aller  Tierlein   und   Vögelein   und  Goittf 
Kreatiirlein  Mangel  und  Trauern*  geht   ihm   an   das   Herz  und  vt 
sucht  ihm   abzuhelfen,   wie  er  nur  immer  kann  (85,13 fi^.).     Fiww 
ynan   schon  d^en  Satz  aufgestellt  hftt,   erst  die  Eenaissafwe  habe  die 
Natur  entdeckt,  so  ist  das  nur  in  beschränktem  Masse  ricJitig;  oueh 
die  deutschen  Mgstiker,  vor  allem  Sense,  haben  ihren  Anteil  an  dir 
Erschliessung  der  Natur  für  das  Geistesauge,   wenn  auch  zugegebe» 
werden  tniisSy  dass  ihre  Palette  noch  ziemlich  farbetiatyn  ist  und  do-^ 
die  Natur  nicht  an  und  für  sichy  sondern  nur  als  Spiegel  der  Voll- 
kommenheiten  Gottes  ihr  Interesse  fesselt^). 

In  der  Stärke  ron  Seuses  Charakter  liegt  aber  doch  in  gewiss^ 

*)    Vgl.  e,  li.  die  Charakteristik  Hartmanns  von  Aue  bei  Saran,  H,  v.  A^ 
nls  Lyriker  1889y  96 f. :  ferner  R.  Kraus s,  Schwab.  Lit.-Gesch.  1(1897)  11  f 

-)  A.  M.  Weiss,  A])ologie  des  Christentums  IIP  (1897)  836. 

^)  Vgl.  statt  vieler  Belege  (namentlich  die  Briefe  sind  voll  prilchii§(f 
Xnturhildir),  besonders  17,17  ff.,  17:2,7  ff..  304,13 ff.,  406,15  ff.,  409,14  ff.,  426^ f 
Nor.  56,  70,  137,  199. 

*)    Vgl  A.Biese,  Die  Entioicklung  des  Naturgefühls  1889,  197;  Zroui   ' 
a.  «.  0.11,3,  1,  19 ff.     über  Seuses   XaturgefiÜd   besonders  Hintge  (s.obt» 
'S.  fi7*  A.  1)  36 ß.  und  Dnlgnirns,    Th'  Crerman  mystics,   in  Dublin  Review 
44  (hS5ty)  96. 


ChüTsktariHlik  v 


*  Pef^im  Bßd  Werkeil.    Seine  Lehre. 


pH  mich  »nieder  mnt  Schwäche:  die  Gefahr,  der  Gefiihlsichwäi'meret 
wtrfalUn.  In  der  Tut  i-e.itnhsen  wir  bei  ihm,  wenigstem  in  seiner 
Utreti  Zeit,  miluiUer  den  Hiichtemen  Sinn,  die  Abgeklärtheit  und 
\A^ä8aige  Haltung,  und  milttsen  zuweilen  ein  alhustarkes  Schwelgen 
Se/ählen  und  Empfindungen,  ein  Schwanken  zwischen  entgegett- 
atlen  Stimmungen,  eitte  gewisse  Ängstlichkeit  und  Verzagtheit,  ein 
rtgliges  Jammern  konstatieren.  Aber  doch  wiirden  wir  ihm  Unrecht 
l  woiUen  ißir  daritus,  wie  Seeberg^)  tut,  einen  harten  Vorwurf 
(M  ihn  schmieden.  Wenn  man  bedenkt,  dass  Seune  in  seinem 
im  Wesen  eine  geradezu  Jungfräuliche  Zartheit  zeigt,  dass  seine 
)ferliehe  Kraft  durch  übertriebene  Askese  geschwächt  war.  nament- 
^aber,  dang  dnm  Mittelalter,  und  vollends  eine  so  unmittelbare 
iftr  wie  Seuse,  an  der  auch  giir  nichts  Gemachtes  und  Geziertes 
I  »larke  Gefühlsäuseerungen  liebte,  —  so  werden  wir  eerstehen 
\'  «ntw/iutdigen.  In  tlem  schwachen  Körper  wohnte  doch  eine 
tcke  Seele.  Seuse  ist  eben  in  aOem,  auch  in  dei-  ,complexii) 
ilitorum'  seines  Charakter.^,  ein  echter  Sah»  des  Mitteloltrrs,  einer 
r  reinsten    Vertreter'). 

Der  dritte  Grundzug  in  Seuse-i  Charakter,  von  dem  vorigen 
ich  untrennbar,  ist  sein  romantisch-ritterlicher  Geist, 
hier  Mystik  ist  dies  nichts  Neues,  Auch  der  wundersame  Seilige 
tAt»isi  ist  ganz  durchdrungen  von  den  ritterlichen  Anschauungen 
l  Kreuzfahrerzeit,  die  er  ins  Religiöse  überträgt  und  in  lyrischen 
IRK»   zum  Ausdruck   bringt').     Selbst  Frauen   wie  MecMhild  von 


')  NamiitUeh  S.  Sl ff.  seines  Werkt».  Seebfi-g  äbertreibt  öJUrs  und  tat 
iiloriecheit  Dingen  »icht  gtnüf/end  wicntirrt.  Er  meint,  Stiise  habe  e»  nicht 
k  guthloMentn  Einheit  tiate  grossen  Charakttrs  gebracht  (S.S7)  und  ßnäel 
ir  .lehwilchh'ehe  tiniickt  Stimmung"  hei  ihm  (3.  143).'  Bau  konfeasiontJU 
mtut  »1  gant  unnötig  stark  hereingezogen.  Wenn  S.  Hl  ganc  butondem  da» 
pUlrn  Settact  grgen  seine  Schwestur  gctndtlt  wird,  dass  er  nämlich  tutrtt 
^ttnin  Schmers  und  die  Zerstörung  seiner  Ehre  denke  (Vüa  71,ä4ff.}, 
Uh  dabei  nickt  berücksichtigt,  das»  die  Atusserung  de»  Schmtrjts  im  Mittel- 
w  eine  andtre  war  als  hei  modernen  Menschen.  Vieh  Belege  da/Or  bietet 
wßapptrt,  i'btr  den  Atudruek  de»  geistigen  SehmerBt»  im  Mittelalter, 
mKM/tm  der  Akad.  der  Wis».  au  Wim,  phU.-hi»t.  Klasse  V  (18041  73  ff.  .- 
Ibm«A  A.Schulti,  Das  höf.  Leben  II,  412:  Schönbach,  Hartmann 
|u«<  HS.  Auch  Maria  lins»  man  stit  dem  13./14.  Jh.  unter  drm  Kreuze 
I  «*  lautem  Klage-  und  Jammergeschrei  ergehen  (Minntb.  S4ß,]6.  547,10; 
'im  X!f^ff.  £70,10.-  vgl.  Zappert  a.  a.  0. 137/,). 
,   ■)   ^a'-  'f"'«»   a.a.O.    V"  (JS9S)   SJ»;    Eöhringer   440^    Strauch 

I.  176. 
[  »)    Vgl.  beeonder»   G.  Schnurfr,  Krnns  von  As^isi  ;«)5,  l^iiff. 


144*  Einleitung.    II.    SeiiBcs  Leiieu  uud  Werke. 

Mof/debufi/  Ulla  Gertrud  d.  Gr.  zeiijen  unter  religiöser  Hülle  männlid 
kriegerischen  Geint  und  ihre  Schriften  stehen  unter  dem  Zeichen  d( 
höfischen  Kultur').  Noch  weit  mehr  in(  dies  hei  Se.use  der  Fii 
Er  verleugnet  mich  in  keinem  Stücke  —  selbst  nicht  in  seinem  Liri 
lingmusruf:  waffent  —  seine  adelige  Geburt  und  Erziehung.  Mit 
darf  mit  Strauch')  sagen:  „Die  ritterliche  Zeit  spiegelt  eich  i 
Setise  besser  wieder  als  bei  irgend  einem  anderen  Dichter  der  Ef 
gonenzeit;  der  Glanz  des  BitteHums  strahlt  fast  noch  ebeimo  ki 
Im  ihm  leie  in  dessen  schönsten  Zeiten,  die  damals  schon  vergnnffi 
waren'.  Sein  ganzes  Leben  hat  Sense  als  geistliches  Rittertum  nig 
gefasst,  als  Lehensdienst  im  Solde  einer  himmlischen  Herrin, 
ewigen  Weisheit*).  Von  derselben  ritterlich-romantischen  Auffaititi 
ist  auch  seine  Marien  Verehrung*)  beseelt,  die  bei  ihm  eine  griii»m 
Rolle  spielt  als  bat  den  anderen  deutschen  Mystikern.  Er 
von  Jugend  auf  treuen  ,Dien»f'  der  ,zarten,  geblümten,  rosigen  Magi 
(taUes  Mutter'  (110,29  f.),  und  zeichnet  im  Bdeic  die  ,süsse  Königi 
des  himmlischen  Landes'  (243,1  f.)  mit  derselben  ^kindlichen  Innigkti 
und  mit  dem  gleichen  engelsreinen  A^ekl"  *),  w/e  etwa  später  Stephai 
Lochner  seine  Madonna  im  Rusrnhag  oder  Fra  Ängelicn  seine  Madoniü 
della  Stella  malt.  Er  beweist  dadurch,  wie  tief  und  i-ein  er  dl 
Ideal  edler  Weiblichkeit  er/asst  hat.  Aus  dem  Marienkult  eni 
auch  sein  ritterliches  Benehmen  gegen  die  Frauen  überhaupt:  um  dt 
Gottesmutter  willen  bietet  er  allen  Frauen,  selbst  dem  ännlirh^ 
Weibe,  gerne  Zucht  und  Ehre  (49,11  f.,  vgl.  133,9f.  2fi5,18/.). 
W.  Wackernagel'^)  hat  Seuse  einen  „Minnesänger 
Prosa  und  auf  geistlichem  Gebiet"  genannt  und  andere  Liter 
historiker'')   haben   dieses   tretende   Urteil   übernommen.     Er   iit 

')  Vgl.  tu  Mtchtliild  .Vlrau  c  h  in  Allg.  dueh.  Siogi:  31,  166;  Miehm 
a.  a.  0.  191;  gu  Gurtrud  H*i)tlal.  I,  670  und  Miehnel  IHH.  Kerner  PtUti 
a.  n.  (f.  184  f. 

*)  Allg.  dtech.  Biogr.  37,  17b. 

")    Vgl.  oben  S.  60',  75'  und  dniu    IFriM  a.  n.  0.  I*  (1894)  722ff. 

*.l  Stutt  folgt  darin  nur  der  Tradüion  »eines  Ordeiui,  vgl.  Greilh33Sf 
Haurk,  Kire/itngftch.  Deutiehlands  IV  (1903)  395f.  Die  HauplMttUn  *i 
17,19ff,  3»,8ff.,  3H,30ff.,  41,iaff.,  89,Sff..  110,39ff.,  Ii7,12ff.,  343,1  ff.  und^ 
Konder*  Itd^ui  Kap.  16,  IT,  19,  SO  (Hör.  137—48).  Im  Sinnt  du  hl.  Ktmkal 
nennt  Snuir  Maria  Hne  ,gnädige  Mittlerin  und  Sßhnerin'  tmtchen  den  Mm 
und  der  einigen  Weisheit  <364,lf.),  dar  .mitttUone  Mittel  allr  Sünder'  (mS^, 
f'hfT  die  Identifitierung  Marias  mit  der  ewigen    Weiiiheit  e,  nhrn  .S".  SO*.  TO*. 

")  Dtnifle  413  Ä.  1. 

')  Geirk.  dei-  denUchen  Lit.  /',  430. 

')  So  namenllie/i    tV.Sc/iert,-  o.a.  0.:.:18. 


CharakteriHlik  lon  Seuae«  Pereou  iind  Werken,    Seine  Lehre.        145* 

iir^K  Poet,  (jetiHuer  ausgedrückt  der  Lt/riker  unter  den  deutschen 
ifyiiiktrn ')  und  mehr  Dichter  als  mancher  seiner  verseschmiedetideu 
BWj«ffos*e»;  (M  der  Geschichte  der  deutschen  Nationalliteratur  Ver- 
ität rr  lUiher  auch  einen  Ehrenplatz*).  Seine  geistliche  Liebe  ist 
min  Fonnen  gekleidet,  welche  an  die  weltliche  Liebeslyrik  erinnern; 
ist  iiohl  auch  kaum  zu  bezweifeln,  ditse  er  wie  das  hößsclie  Epos "j 
auch  den  Minne^sang,  der  in  Schwaben  ja  ganz  besonders  zu  Hause 
V,  gekannt  luit  und  von  ihm  beinßuast  wurde  *).  In  jenen  j'eurigen 
orten,  womit  er  die  Junge,  wohlgeborene  Tochter',  die  ihr  Herz 
■tppige  Minne  verstrickt  hafte,  für  Gottes  Minne  zu  gewinnen  sucht 
W,loff,),  spricht  gleichzeitig  der  Minnesänger  und  der  Mönch. 
Ober  seine  Rede  ist  noch  jetzt  ein  wunderbarer  Zauber  gebreitet,  der 
gtj'angen  nimmt.  Mehr  noch  als  bei  Mechthild  von  Magdeburg  klingt 
Sprache  wie  Musik,  nie  ist  sie  abstrakt  und  nüchtern,  sondern 
■  lebensfrisch,  farbenreich  und  schwungvoll,  voll  treffender  Ver- 
und  Bilder,    nicht   selten  auch    ron   prägnanter   Kürze,    voll 


')  JÜtniJlc,  Taulers  Bthtbrung  Ö5  sagt  stoar,  venu  man  nun  nalie^u  kim- 
netl  Seuee  eum  TJnteischied  von  den  übrige»  äeuteehm  Myetiktrn  als  dtn 
fltr  dtr  diehlerischtrt  Hichtung  der  Mystik  beeeiekne,  so  sei  es  an  da- 
diMM  Urteii  Sa  korrigieren,  denn  TaMler  sei  nicht  weniger  poetisch  als 
d  an  Beiehtum  der  Phantasie  könne  sich  Seuse  mit  Tauler  nicM  messen. 
i  u  itt  sehr  fraglieh,  ob  Denifle  imstande  ist,  die  allffemeine  Auffassung 
ttosstn:  er  hat  sein  Urteil  in  seiner  Seuseausgahe  auch  nicht  unederhoU. 
r  ist  gtteiss  nicht  in  gleichen  Masse  Momaatiker  uiui  Lyriker  uu'e  Sense, 
k*i[rt  nicht  dessen  Kraß,  das  gante  Leben  poetisch  su  verklären  und  in 
«cA  gsluAtner  Sprache  darrustctitn,  seine  Bilder  sind  äsllirlisch  Keniger 
h  mkJ  nicht  so  abgerundet. 

')  Vgl.  e.  S.  seiius  learme  Würdigung  bei  Scher  er  a.  a.  O.  ä38f.  und 
rrt  Vogt  in  B.  Paula  Grundriss  der  german.  Philal.  II'  (19(11)  357 f. 
l'OHcA,  Ällg.  dtsch.  Bingr.  37,  176  nmnt  Seuse  geradezu  den  „letslen 
^tachdeuiachm  Dichter,  mit  dem  die  Periode  abschliesst",  und  Vogt 
ii.  0.357   meint,    Seusss   Vita   sei  wo/il   das  poesitvoOste  Prosadeukmal   der 

tmodt. 

1  Vgl.  die  An»,  ru  56,5f.  113,16  und  nammtlich  Rar.  18  (schon  S.  76' 
i  liüerlt.  Cl'tr  Kenntnis  der  Artussagi  in  geistlichen  Kreisen  vgl.  Schein- 
(A,  Üarfmattn  von  Aue  446 f. 

'\  J/itsBT  Einflnsa  verrSt  sich  besonders  in  seinen  Natarschilderungen,  in 
I  Ytrkindung  nrin  iVühling  und  Liebe,  Winter  und  Trauer,  in  dem  Apparat 
r  Btider  und  Vergleiche  (  Vögel,  Blumen,  Tant  und  Spiel  uate.).  Bei  Vita 
7jf.  arird  man  an  die  geistlichen  'Tagelieder  erinnert.  Der  bekannte  term. 
m,  fir  Abfassung  und  Vortrag  Igriseher  Poesien:  Bbgen  und  eagea  begegnet 
ferlmlt  M  Seuse  (15,6.  6e,ti.  610,61. 

n.  Saaia,  ßnUohi  SsbrirtEB.  10* 


1 


,-lJ 


I 

146*  Einleitung.    U.    Seuses  Leben  und  Werke. 

Salz  und  Sinnigkeit  ^).     Senses  Werke  bezeichnen   einen  Höhepunkt 
der  deutschen   mittelalterlichen  Prosa;   das   alemannische  Idiom   ist 
darin   in   seiner  ganzen  Biegsamkeit  und  Fülle  angewandt   ohne  alle 
Manieriertheit  und   Künstelei ,    in   naiver,   unbewusster  Schönheit'). 
Man  hat  schon   oft  rühmend  hervorgehoben,   loelche  Bedeutung  det^ 
defftscheti    Mystikern   zur  Ausbildung    einer  guten   deutschen  Prosr^ 
zukamy   und  wie  sie  es  verstanden  haben,   auch   das  Abstrakteste  i^ 
deutscher  Zunge   treffend  wiederzugeben^),     Sense  hat  seinen   woi 
gemessenen  Anteil  an  diesem   Verdienste.     Nicht  als  ob  er  eigentiit 
ein   sprachschöpferisches   Genie  gewesen,   allein   er  hat  es   wie   ke^g:^ 
zweiter  verstanden,  auch  die  feinsten  Nuancen  des  Empfindungslebe-^^i^ 
treffend  und  plastisch  in  einer  anmutigen  laui  bilderreichen  Sprac^^ 
auszudrücken,  welche  in  der  Seele  des  Hörers  oder  Lesers  unwillkürl£cA 
ähnliche  Envpfindmigen  auslöst.    Als   Virtuose  des  religiösen  GefUJUs 
hat  er  das   Wort  seinen  innersten  Anschauungen  und  Empfituluttpen 


*)  Vgl  seine  schönen  Wortspiele,  z.  B.  174,9  f.,  221,1  f,,  234,13  ff,,  249;i2f,, 
269,10 f,,  299,0  f.,  312,31  f.,  431,23 f.,  433,17,  455,21  ff.,  462,t 5 f,,  463,21,  478ßf,; 
ferner  den  häufigen  Gebrauch  von  Sprichwörtern  und  Sentenzen,  so  e,  B,  ISßff*^ 
384,12f,,  407,19,  420,19,  424,13.  441,12/,,  445,18,  460,9f.,  462,5/.,  463,17/., 
23/,,  464,26,  483,16.  ö  15,20,  535,19/  Birling er  /ührt  in  Alemannia  1877, 
56/,  14  Sprüche  aus  dem  Bdetc  an.  In  Seuses  Rede  bricht  nicht  selten  dit 
Heim  durch  (z,  B.  224,16 ff,)  und  Assonanzen  sind  sehr  häufig;  er  Uebt  « 
namentlich,  den  Schluss  eines  Abschnittes,  z,  B,  in  den  Briefen  437,13.  458,6 ft 
460,29/,  477,5  durch  Reim  zu  bezeichnen.  Über  den  Gehrauch  des  Beimts  •» 
den  deutschen  Preditjten  des  Mittelalters  vgl,  Wackernagel,  Altdeutsek 
Fred.  324/ 

-)  Seuse  selbst  schätzt  seine  schri/tslellerische  Kunst  und  die  Ausdruck»' 
fähifjkdt  des  Deutschen  gering  ein  (Bdew  199,14  ff, ;  vgl.  oben  S,  105*);  das  LaU^ 
stand  ehrn  den  Theologen  im  Mittelalter  immer  hoch  über  den  Vulgärsprach0» 

^)  Vgl,  namentlich  P/ei//er  in  seiner  Ausgabe  der  deutschen  Theclogi^ 
und  in  Germania  III,  409:  Wackernagel,  Lit.-Gesch.  /',  423;  Fregtf 
in  der  Ausgabe  des  Minneb,  132  ff.  Über  Seuse  speziell:  P  reg  er  a,a,  0.437f»t 
B ö h r i n g er  441 :  Seebe rg  71  /,  Auf  Einzdunt-^rsuchung  kann  hier  nkM 
eingegangen  wirden.  Ga/enübcr  Kramm  in  Z/dph  XVI,  Iff.  hat  DenijU 
im  Archiv  II,  42-1/  davor  gewarnt,  die  Verdeutschung  der  scholastischen  Kw^ 
ausdrücke  durch  die  Mt/fftiktr  allsuhoch  anzuschlagen.  Zu  gründlicher  UnUf* 
sachung  sind  bis  jetzt  aber  kaum  die  ersten  An/änge  gemacht  (vgl,  ainA 
Jostes  n.  n.  ().  [s,  S.  l.'f* l  VIII /.).  Auch  ist  noch  nicht  er/orscM,  toeldbOl 
Antfil  die  Predigt  der  Beitelniönche  und  die  Mgstik  an  der  Überführung  iä 
deutschen  S/trache  aus  der  rittvrlich'hofischen  Welt  in  die  bürgerlich^ theologiitk 
Sphäre  im  sptftercn  Mittelalter  gehabt  hat  (vgL  den  Bedeutungswandel  k. 
Wörtern  wie  guot,  milt,  tuginthn/t  usw.). 


Charakteristik  von  Seuses  Person  und  Werken.    Seine  Lehre.       147* 

f(/ebildet  %ind  mitunter  auch  in  7ieuen  Formen  denselben  dienstbar 

mcht  *). 


Nicht  sehr  viel  ist  über  Seuses  Lehre  zu  sagen^).  Durch 
i^che  Zergliederung  und  systematische  Zusammenfassung  laufen 
e  gottinnigen  Gedanken  Gefahr,  den  lieblichen  Zauber,  der  über 
ausgegossen  ist,  zu  verlieren.  Seuse  will  mehr  nachempßoiden 
genossen,  als  verstandesgemäss  aufgefasst  sein.  Seine  spekulativen 
'anken  entwickelt  er  in  den  letzten  acht  Kapiteln  der  Vita  und 
Bdw,  seine  Grundsätze  über  das  asketische  wnd  mystische  Leben 
iuiers  im  Bdew,  in  den  Briefen  und  Predigten.  Um  ein  zu- 
menhängendes,  methodisch  durchgeführtes  System  handelt  es  sich 
ihm  weder  in  der  spekidativen  noch  in  der  praktischen  Mystik, 
keiner  von  beiden  Beziehungen  kann  er  eigentlich  originell  oder 
nhrechend  genannt  werden :  er  trägt  das  von  Väterzeiten  her  Über- 
h'te  und  durch  die  Scholastik  systematisch  Bearbeitete  mit  grosser 
Mi  vor  und  macht  kaum  einen  Versuch,  darüber  hinauszukommoi, 
ue  ist    in    allem   der  getreue    Gefolgstnann   seines   Ordenslehrers 


')  Einzelne  Beispiele  bei  Prep  er  a,  a,  (),  43b,  Surius  in  der  Vorrede 
^tr  lateinischen  ühersetsung  (Köln  1655,  5)  urteilt  über  Seuses  Sprache: 
•wo  eiiis  Germanicus  magnam  habet  gratianij  adeo  ut  Latino  sermone  eam 
^(qui non  potuerim.  W,  von  Scholz  als  moderner  Dichter  schreibt  in  der  Vor- 
\^  seiner  Auswahl  (s,  u.)  S.  IX  f.:  „Ein  Dichter  spricht ^  ein  starker  Beweger 
Hnr  schönen,  anschaulichen,  gedanklich  nicht  zersetzten^  reichen  alten  Sprache^ 
Mann,  der  zu  dieser  Sprache  von  Geburt  an  begabt  ist,  dem  selbst  Gedanken 
ft  naturgetnäss  leuchtende  Anschauung,  Vision  werden  .  .  .  SuSo  ist  vielleicht 
n  ganzer  Erzühlungskänstler :  er  sieht  als  Erzähler  über  das  einzelne  Erlehnis 
ht  weit  hinaus.  Aber  das  weiss  er  mit  Kunst  aufzurollen.  Wo  die  ruhigere 
Mlung  zum  Ereignis  zusarnmendrcingt,  da  fosst  ihn  im  lebhaften  Vergegen- 
rtigen  der  Rhythmus  de.s  Geschehens  selbst.  Sein  Aietn  geht  rascher,  seine 
ize  werden  knapper,  seine  innere  Anschauung  reiht  hart  Moment  an  Moment'* 
l.  Knp,  26  der  Vita).  Wie  vid  die  Modernen  in  sprachlicher  Hinsicht  an 
i  deutschen  Mystikern  lernen  können,  zeigt  z.  B.  P.  Ernst,  Der  Weg  zur 
^fli.  ästhetische  Abhandlungen  WOd, 

^  Seuses  Lehre  etitwickeln,  frdlich  zum  Ttil  nicht  immer  richtig,  weil 
".genügende  Kenntnis  der  Scholastik:  F  reg  er  II,  375—415:  Schmidt 
-85;  Böhringer  365— 4:H;  Volkmann  4<S—6:?:  Greith  303— S5, 
itrre  Aufschlüsse  findet  man  in  Denifles  ireß'Uchem  Kommentar,  Eine 
'  Entwicklung  der  Hauptgedank(n  der  ikutsrhvn  Mystik,  die  auch  auf  Seuse 
endbar  ist,  bei  Krebs ,  Meister  JJietrich  1:?T — 34  .  T h  omasi us-Se cbcr g 
0,  290-315. 


148*  Einleitung.    IL    Seuses  Leben  und  Werke. 

Thomas  von  Aquin ^),  den  er  aufs  höchste  verehrt  (vgl.  oben  S,  3o 
87*  A.  2).  Daneben  ist  er  freilich  auch  Schiller  Eckhartt*^,  aüei 
er  folgt  dem  Meister  nur  so  weit,  als  die  strenge  kirchliche  Lehr 
mit  sei)ien  Aufstellungen  harmoniert^),  und  vermeidet  sorgfältig  un 
mit  Glück  die  Klippen,  an  denen  jener  gescheitert.  Von  Pantheismu 
oder  Quietismus  kann  bei  Seuse  keine  Rede  sein;  er  hält  in  seinei 
Weltbilde  die  Immanenz  und  Transzendenz  Gottes  fest  und  verteidig 
den  Begharden  gegenüber  den  wesentlichen  Unterschied  zwischen  Goi 
und  der  Menschens^ele  auch  in  der  höchsten  Beschauung  (vgl.  3 50 ,21  ff 
354,13ff.). 

Li  einer  Hinsicht  ist  Seuse  jedoch  durch  und  durch  origind 
in  der  Art,  tvie  er  die  mystische  Lehre  vor  allem  auf  sich  selb- 
angewandt  und  sich  zu  einem  durchgeübten  Geistesmann  herangebilc: 
hat.  Er  wirkt  mehr  durch  das,  ivas  er  selbst  war,  als  durch  d^ 
was  er  tat  und  lehrte.  Seuse  ist  auch  der  einzige  deutsche  Mgstih^i 
von  dessen  Persönlichkeit  wir  uns  ein  ganz  klares,  scharfumrissea 
Bild  machen  hönnen.  Weit  mehr  als  bei  Eckhart  und  Tauler,  vo 
denen  wir  überhaupt  nicht  sicher  wissen,  ob  sie  auch  pi-aktischt 
Mystiker  waren,  steht  bei  Seuse  die  mystische  Devotion,  das  innere 
Erleben  im  Vordergrund  und  beeinflusst  auch  seine  Spekulation*), 
Auch  wo  er  sich  mit  mehr  theoretischen  Fragen  befasst,  hat  er  stets 
praktische  Ziele:  Unterweisung  der  fortgeschritteneren  Gottesfreunde 
oder  Polemik  gegen  irrtümliche  Atiffassungen,  im  Auge,     Sein  Ver- 


« » 

^)  Über  die  strittige  Stelle  zu  Beginn  von  Kaj>.  51  der  Vita,  wo  Seus€ 
in  der  Frage  der  Gotleserkenntnis  sich  zuerst  der  ältei-en  FranziskanerschuU 
und  Eckhart  angeschlossen  zu  haben  scheint,  vgl.  oben  S,  34*  f, 

*)  Stdrker  benutzt  ist  Eckhart  namentlich  in  Kap,  5Ü  der  Vita ;  vgl,  aucf 
Bdw  Kap.  1  und  6,  Vita  170,7  f.  ist  der  pseudoeckhartische  Traktat  ,Schicest^ 
Katrei*  bezic,  seine  Quelle  benutzt;  vgl.  dazu  auch  Krebs,  Meister  iJietrici 
U4  A,  1. 

°)  Daher  betont  Seuse  in  den  Prologen  seiner  Schriften  ('5,4?i.  197,15 ß 
328,2  ff.,  Hör,  13)  immer  ganz  besonders  die  Zusammenstimmung  mit  der  ^eüig^^ 
Schrift^  (svriptura  sacra  im  weiteren  Sinne  gebraucht,  vgl,  die  Anm,  zu  107,20)* 

*)  K,  Müller  in  Zeitschr.f,  Kirche ngesch.  VII  (1885)  116 ff.  (vgl.  aud^ 
ThomasiuS'Seeberg  a,  a,  0,  :J91;  Deniflc  im  Archiv  II,  526 f.)  betOfU 
mit  Hecht,  dass  Pregers  Darstellung,  tcelche  sich  vornehmlich,  ja  fast  au^ 
schliesslich  für  die  dogmen-  und  lUerargeschichtUche  Seite  der  Mystik  intertssiertt 
den  eigentlichen  Kernpunkt  derselben  sticht  treffe:  das  eigentümliche  in  dit 
deutschen  Mystik  sei  nicht  die  „Lehre^,  in  der  sie  sich  zugestandenertnastm 
ganz  auf  dem  Boden  der  Scholastik  bewege,  sondern  die  mystische  Devation  im 
weitesten  Sinne  des   Wortes.     Das  trifft  ganz  besonders  auf  Seuse  zu. 


Charakteristik  von  Seuses  Person  und  Werken.    Seine  Lehre.       149"' 

hältm  zu  Eckhart  und  Tauler  pflegt  man  gewöhnlich  in  die  Forfnel 

:us(mmen2ufassen,  dass  Eckhart  die  Mystik  vormegend  von  der  Seite 

der  Erkenntnis,    Tauler  von  der  Seite  des  Willens,   Seuse  aber  von 

der  Seite  des  Gefühls  erfasst  habe  ^).     Wie  alle    Vergleiche  so  hat 

auch  dieser  seine  Schwächen,  wenngleich  er  in  der  Hauptsache  zweifellos 

das  richtige  trifft    An  spekulativer  Kraft  steht  Seuse  Eckhart  jeden- 

falk  nicht  gleich,  obwohl  seine  Begabung  auch  nach  dieser  Seite  hin 

nicht  unterschätzt  werden  darf^,  an  Gemütsinnigkeit  und  dichterischem 

Sinne  steht  er  über  Tatäer,  der  ihn  aber  seinerseits  an  Klarheit  und 

jh'aktischer  Erfassung  aller   Verhältnisse  des  Lebens,  wie  an  edlem, 

eindringlichem  Pathos  übertrifft.      Wie   bei  jenen  beiden  Koryphäen 

(kr  deutschen  Mystik  bildet  auch  bei  Seuse  die  areopagitische  Form 

der  Mystik,    die    durch   die   Viktoriner   erneuert   worden    war,    das 

Knochengerüst   seiner  Spekulation,    aber    mehr   noch    als  sie  belebt 

und  erfrischt  er  dieselbe  durch  die  bernhardinische  Art  der  Frömmig- 

Wf,  die  in   der  bräutlichen  Liebe  zu  Jesus  gipfelt^).     Der  Grund- 

jedanke   seiner  Mystik  kann   7Ücht  besser  und  bündiger  ausgedrückt 

werden,  als  er  es  selbst  tut  mit  den  Worten  (168,9  f):  ,ein  gelassener 

Hemch  muss  entbildet  werden  von  der  Kreatur,  gebildet  werden  mit 

Christo  und  überbildet  in  der  Gottheit*, 

Seuses  Gelehrsamkeit  geht  nicht  über  das  im  Zeitalter  der 
Scholastik  gewöhnliche  Mass  hinaus^),  Seinai  Aristoteles  hat  er 
'ßt  Elidiert  und  zitiert  ihn  gerne  als  jhohen'  oder  ,weisen*  Meister 
^^"^1,12, 177,15, 388,3,  428,1).  Als  Kronzeuge  seiner  Spekulation  figu- 
^'•^rtder  ,lichte'  Dionysius  (190,4.  390,1.  471,6).  Er  kennt  und  be- 
'^''izt auch  Boethius,  unter  den  Kirchenvätern  besonders  Augustin 
f^'id Gregor  d.  Gr,;  unter  den  mittelalterlichen  Theologen  haben  ihn 
'^omentlich  der  ^süsse  Herr  Sankt  Bernhard'  (254,17)  und  ,das 
^l^m  Licht,  der  liebe  Sankt  Thomas,  der  Lehrer'  (180,16  f.),  zum 
^^'tl  auch  Bonaventura    (vgl,    Vita  Kap.  51)    heeinßusst.     Noch 


^)  Vgl.  Wackernagel,  Altdeutsche  Pred.  4ol ;  P reger  II,  373  :  G reit  h 
''^V"..'  Strauch,  Allg.  dtsch,  Biogr,  37,  176, 

-)  Unrichtig  sagt  Schmidt  bSOf,:  „Seu.sc  konnte  haum  zu  einem  Ge- 
timtken  kommen,  der  nicht  unter  sichtbanr  Gestalt  seiner  Phantasie  erschien  .  .  . 
Iffii'um  will  ihm  auch  d<i8  Philosophieren  nicht  gelingen.'" 

*)    Vgl,  besonders  K.  Müller.  Kirchen gesch.  II,  1  (hs97)  38 f.;  Loofs, 

Leitfaden  der  iJogmengesch,  ^1906,  ti3()f. :   Ilar  nach  ,  iJogmengesrh.  Iir\  396 f, 

.*)  In  naturwissenschaftlichen    ( rgl.  z.   B.    l'^,6f.,    99,:Jff..    ii(>6,:*4f.)    and 

hi^orischen   (vgl.  die   Legenden   von    J.    Chrgsostomus,    Paulus    und   Ljnatius, 

Vita  Ö0f2^ff.:  Bfb  392,!^ l ff,)  Dingen   zeigt    er   dir  ganze  Kaivdc'it  seiner  Zeit, 


150*  Einleitung.    IL    Seuses  Leben  und  Werke. 

viel  weniger  cds  bei  irgend  einem  anderen  deutschen  Mystiker  könnet 
hei  ihm  vorreformatorische  Tendenzen,  eine  ,evangelische  Grundrichtung 
nachgewiesen  werden^);  er  ist  ganz  und  gar  katholisch  und  mit  alle^ 
Fasern  auf  dem  Boden  mittelalterlichen  Kirchen-  und  Christentum 
festgewachsen.  Wenn  er  manche  Formen  der  kirchlichen  trömmigke 
verinnerlicht  und  ihnen  die  Glut  seines  Lebens  eingehaucht  hat  ^,  «. 
ist  das  sein  persönliches  Verdienst,  das  ihn  aber  in  keiner  \Ve^ 
über  seine  Zeit  hinaushebt, 

T.  Nachwirkung  Senses  in  der  Literatur. 

Seuses  Werke  waren  nicht  bloss  zu  seiner  Zeit,  sondern  a-94 
in  den  folgenden  Jahrhunderten  sehr  beliebt^)  und  viel  gelesen; 
haben  dementsprechend  auf  die  spätere  geistliche  Literatur  einen  tttc 
unbedeutenden  Einfluss  ausgeübt,  der  freilich  im  einzelnen  oft  schice 
nachzuweisen  ist*).  Manche  Verfasser  von  asketischen  Traktaten  uttt 
Briefeti,  sowie  Prediger  des  14,  und  15.  Jh,  haben  Seuse  benutzt 
und  oft  fnehr  oder  weniger  wörtlich  Teile  aus  ihm  herüber  genommen  % 


^)  Die  Versuche  hei  Volk  mann  30  f,;  Albert  a.  a,  0,  Uly  100  ff,  ; 
Lechler,  Wiclif  I  (1873)  lüO f.  sind  hinfällig;  vgl.  dagegen  JDenifUBdS 
A,5;  Schmidt  892:  Seeberg4Sf.;Thomasiu8-Seeberg  a.  a.  0. 299 A,  i- 

2)   Vgl  I' reg  er  II,  372, 

=)  Vgl.  die  Schreiber notiz  in  Hs.  M  (s.  oben  S.  10*) :  ich  han  den  Sysseo 
lieb  von  hertzen  und  eine  ähnliche  Bemerkung  von  einer  Hand  des  16.116.  Jh 
auf  dem  letzten  Blatte  eines  Exemplars  des  Druckes  von  1462  (in  der  K^* 
Landtsbibliothek  zu  Stuttgart):  man  soll  das  mit  gülden  pnchstaben  schreibei 
prueder  .  . .  (das  folgende  teils  unleserlich,  teils  ioeggeschnitten). 

0  Vgl,  Strauch  in  Allg,  dt  seh.  Biogr,  37,  178:  „es  wäre  eine  danken  J^ 
werte  Aufgabe,  dieses  Nachwirken  einmal  im  Zusammenhange  zu  vmfdlgcf*' 
Auf  Vollständigkeit  kann  es  hier  nicht  abgesehen  sein. 

'^)  Benützungen  von  geringerer  Bedeutung  seien  hier  summarisch  auj 
geführt :  die  Verfasserin  des  Traktates  ,Buch  der  göttlichen  Liebe*  in  der  Et'* 
Siedler  Es.  762  (vgl  Simon  a.  a.  O.  [s.  oben  S.  ö*  A.  1]  31  ff.)  hat  SeuS^ 
Vita  und  Bdew  mehrfach  benutzt ;  in  einer  asketischen  Schrift  über  G$duld  '* 
Leiden,  Kolir.ar  Hs.  332  und  Zürich,  SiadtbibL  Hs.  C  127  (beide  15.  Jh}, 
ßndffn  sich  Stücke  aus  dem  Bdew ;  in  der  Maihinger  Hs.  III  1.  4^  3.  ist  i^ 
l^assionshetrachtungen  einiges  aus  Vita  und  Bdew  verwoben,  und  ähnlich  auch  »* 
Cod.  Nori?nh.  Cent.  IV,  30;  die  100  Betrachtungen  sind  benütgt  beere,  nax^ 
geahmt  in  Cod.  Berol.  germ.  oct.  42  und  Cod.  Norimb.  Cent.  VI,  63  und  VII,  Si 
(lOff  Artikel,  von  Lesemeister  Gerhart  zu  Unttrlinden  1426  gepredigt);  in  der 
Maihinger  Hs.  111  1.  4"  8.  Bl.  179—94  ein  Brief  mit  dem  Motto  ,Habitchii 
lujms'  ähnlich  demjenigen  von  Seuse.  Auf  weitere  Benützungen  Seuses  (n  Ha. 
zu  Berlin,  Cnes,  >/.  Güllen,  Nürnberg  ist  schon  oben  S.  22*,  26*  und  26*  auf' 
merksam  gemacht  worden. 


Nachwirkung  Seuses  in  der  Literatur.  151* 

Die  Benützung   von  Bdew  232,16 f.  und  Brief  Audi  fili  437,16  ff. 
durch  Rulman  Merswin^)   ist  im   Kommentar   zu   diesen  Stellen 
erwähnt;  in  dem  Schürebrandtraktat  (ed.  Strauch  50,14),   der  zur 
GotiesfreundJiteratur  gehört,    werden  die  zwei  angeredeten   Nonnen 
auf  die  Schriften  der  hl.  Kirchenväter  und  der  ,erleuchteten  Gottes- 
freunde'  Tatder  und  Seuse  hingewiesen  *).     Die  schöne  Parabel  von 
der  Ewigkeit  (das  Vöglein,  das  alle  hundertausend  Jahre  ein  kleims 
Körnlein   vom  Berge  abbeisst),  wohl  erstmals  durch   Seuse   in   die 
Literatur  eingeführt,  findet  sich  bis  ins  18.  Jh.  sehr  häufig  in  ver- 
schiedener Variation  in  poetischen  und  prosaischen  Werken  (vgl.  den 
zu  239,12 ff.   zitierten  Aufsatz   R,  Köhlers),     Möglicherweise   ist 
auch  der  Gebrauch  des  Wortes  ,Fusstuch*  (^8,7  u.  ö.,  vgl.  das  Register) 
zur  Bezeichnung   des   geduldigen    Leidens   ohne  allen    Widerspruch 
durch  ihn   aufgekommen  ^).     Der  unbekannte   Verfasser  eines  Lehr- 
<!fstems   der  deutschen  Mystik  (bei  Greith  96 — 202),   welches  teils 
ms  älteren  Theologen,   teils  aus  verschiedenen   deutschen  Mystikern 
des  14.  Jh.  zusammengefügt  ist,  hat  aus  Seti^es  Vita  und  Bdw  grössere 
Abschnitte  wöHlich  entlehnt,  ohne  seinen  Namen  zu  yiennen  *).    Ehen- 


^)  Dass  das  Buch  von  den  neun  Felsen^  das  bis  neuestens  vielfach  Seuse 
^^fschrieben  und  in  die  Ausgaben  seiner  Werke  aufgenommen  wurde ^  vicht 
'■'>n  ihm  stammt ^  braucht  jetzt  nicht  mehr  bemesen  zu  werden,  ,^Soivohl  der 
fimertn  Form  wie  dem  inneren  Geiste  nach  herrscht  zwischen  ihm  und  den 
^kten  Schriften  Seuses  ein  wesentlicher  Unterschied,  und  zwar  ein  so  fjcvjaUiycr^ 
^t  smschen  Seuse  und  Bulman  Merswin^'  (Denifle  XII).  iJem  letzteren  ist 
strotz  der  Bestreitung  durch  Bieder  (Der  Gottesfreund  vom  Oberland,  Hne 
Erfindung  des  Johanniterbruders  Nikolaus  von  Löwen  19fJÖ,  98  ff.)  allem  nach 
immer  noch  zuzuschreiben  (vgl,  gegen  Bieder  namentlich  Strauch  in  Zfdph 
^^^  121  ff.).  Über  Komposition  und  Quellen  des  Traktates  vgl,  die  eindringen- 
^  Untersuchungen  Strauchs  in  Zfdph  1902,  235—311, 

*)  In  dem  noch  ungedruckten  Gottesfreundtraktat:  Leben  zweier  heiliger 
^iosterfrauen  in  Bayern  (Margareta  und  Katharina)  Jindet  sich  eine  Vision, 
*ti  der  beide  Frauen  mit  roten  Bosenkränzen  geschmückt  erscheinen  (Strauch 
^  Healenzykl,  f.  Protest,  Theoh  XVIP,  210,15  f:  vgl,  ebd,  212,23  ;  216,40),  und 
'Mich  im  Zweimannenbuch  ed.  Laudiert  1S96,  12,10  und  in  einem  Briefe 
^^-i  Gott^sfreundes  bei  Bieder  a.  a.  (K  109*,  42;  offenbar  isf  Seat-e  {vgl.  die 
Stellen  oben  S.  fiO*)   Vorbild  gewesen, 

^)  Es  findet  sich  z.  B.  in  den  Viten  von  Tnss  <s.  oben  S.  I2ti'"  A,  Ij,  in 
Ittiysbroeks  ,Buch  von  zwölf  Tugtnden^  (vgl.  Böhringcr  ülo)  und  hei  higolt 
(Goldenes  Spiel  ed,  Schröder  15,10  L 

*)  Bei  Greith  123,  126,  129 ff.,  152 ff.,  174.  Cbn-  diisr  Kompilation,  die 
Greith  viel  zu  hoch  eingeschätzt  hat,  vgl.  M.  Pahncke ,  Untersuch ungtn  zu 
den    deutschen     Predigten     M,    Kckharts.     l)iss.  llalU    1905,    6  ff. ;    Knhs. 


152*  Einleitung.   II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

falls  noch  ins  14.  Jh.  gehört  d-er  süddeutsche  Prediger,  dessen  Sammel 
werk:  Sermones  de  tempore  et  de  sanctis,  das  im  15,  ufid  16.  Jh 
häufig  gedmckt  und  fälschlich  Albert  dsm  Gr.  zugeschrieben  wurds 
einigetnnl  Seuf^es  Hör.  zitiert^). 

Es  ist  bekannt,   dass  die  asketische  Literatur  am  Ausgang  de^ 
14.  und  im  15.  Jh.  an  Originalität  und  Tiefe  gegenüber  der  voran 
gehenden  Periode  bedeutend  abnimmt;  sie  gebraucht  zwar  noch  viel 
fach  Wendungen  der  deutschen  Mystik  und  benützt  deren  Erzeugnisse 
aber  ohne  imstande  zu  sein,  ihrem  hohen  Gedxinkemchwung  zu  folgen 
und  ihre  poesievolle   Redeweise  nachzuahmen.     Der  Basler  Minor^ 
Otto  von  Passau  zeigt  sich  in  seiner  Schrift:  yDie  24  Alten  od  ^ 
der  goldene  Thron',  die  er  für  Gottesfreunde  verfasst  hat  (ca.  138^ 
inhaltlich  von  den  deutschen  Mystikern  nicht  unberührt,  aber  er  ziti  ^ 
sie   nicht '^).     Die   Abhandhnig  seine.^   Ordensgenossen  Markus  ^- 
Lindau  (f  1392)  über  die  zehn  Gebote^  die  ebenfalls  vornehmt r'i 
die  Gottesfreunde   berücksichtigt  uml  in  Nonnenklöstern  riel  gele^ 
wurde,  streut  einige  Male  Zitate  aus  dem  Hör.  ein  ^).     Wärmer  stm 
die  Beziehungen  des  Dominikaners  Joh.  Nider  (f  1438)  zu  Seme, 
zwar    nicht   so   sehr   in   seiner   Erbauungsschrift :   ,Die  24   goldenen 
]Tarfen%  wiewohl  er  ihn  auch  hier  in  der    Vorrede  und  sonst  einigt 
Male  zitiert,   als  vielmehr   in  den  schon   oben  S,  20*  erwähnten  an- 
gedruckten geistlichen  Briefen  an  Klosterfrauen,  die  einen  recht  herz- 
liehen   Ton  anschlagen  *),    und  in  einer  ebenfalls,  wie  es  scheint,  bis 
jetzt  unbekannt  gebliebenen  Anweistmg  für  seine  geistlichen  Kinder? 
yWie  sie  sich   der   ewigen    Weisheit   vennählen    sollen^   (in  der  Karl^' 
rnher  Hs.  Cod.  St.  Georg.  Genn.  103  Bl.  138—54  [von  1572,  au^ 

]\[t^i.st*r  Dietrich  217*,  :J:^l*.     Eim-   bessere   und  vollständigere  Hs,  in  Zurief* 

Stadihihl.   C  WS'\ 

^)    Vgl.  Crui'l  n.  a.  0.  3<i:J :  J.  i  ns  e  um  (i  yr  r  a.  a.  0.  401  ff. 
')   Vgl.  Strauch  in  Allg.  dlsch.  Biogr.  i*4,  741  ff  :    Deutsch   in  Real' 
enzyklop*  f.  prntcst.  Theol.  XIV  \  f):i7ff. 

•')   Vgl.  Cruel  a.  a.  O.  40 J :    Gcffckvu.    Der    Bilderkatechismus  dtf 

i:>.  Jii.  isö:k  ijjff.  109 f. 

')  iJicsclhen  sind  icohl  nacfi  Schönnistfinhaih  im  El  sass  gerichtet,  wenigsUm 
irird  in  den  ron  ./.  Mei/tr  henrheiiitcn  Sc.Jiöm-nsteinhav.her  Viten  (s.  oben  S.  19* 
A.  Ji  g^'sagtf  Xidt'r  hnhe  an  die  SchtiKsfirn,  deren  ]'icanus  er  war  (vgl.  auch 
Schirltr  a.  (i.  0,  141  ff.),  r/f/c'  Brirfe  geschrivhcn,  die  noch  in  einem  Budu 
crha/fcu  seitn.  iJtr  <cht  Senstsc/n'  Ausruf  .Waff'rtr  kehrt  in  den  Briefm 
mt'hnunls  irif.der.  Zirii  an  Scusv  tr.innernde  liriefv  htzir.  Predigten  von  Nidtr 
ührr  d'e  Texte  ,Xif/ra  sum'  und  ,OscuUtur  mr  in  (U)d.  Xorimh.  Cent,  VII,  2X^ 
Bl   105- VJ. 


Nac-hwirkune  Seusea  in  d^r  Literatur.  153* 

Klwter  Urnpring],  v(/l.  Lffnghts  Kotftlog  79),  die  ersicktiich 
Bnw  nachahmt ').  Der  Geist  S»«omaeher  Denotion,  den  Nider  in 
im  FraMeniUöstem  seinen  Ordens  anzufachen  nuchte,  findet  sich  in 
zweiUn  Hälfte  des  15.  J}>.  iw  anziehender  Foiin  ganz  besonders 
der  Abtisfin  den  Klansnenklosters  (Bickenkhster)  zu  Villingen, 
iSuula  Haider  aus  Letttkirch  (f  U98).  Die  edle  Frau,  eine 
titr  M^stikerin,  hemnyebHikt  in  de>-  Schule  der  El^Acih  von  Beute, 
ihren  Andachten,  Vinionen  und  Offenbarungen,  über  die  tde 
mdjge  Aufzeichnungen  hinterlassen  haf).  stark  von  Seuse  be- 
Auch  ein  schönes  geistliches  Lied  der  Äbtissin  eon  Frauen- 
Katharina  ton  Senuhingen  (1518),  weist  Erinnerungen  an  die 
'^Oüre  des  My*tikers  auf^). 

Bcfonilers  lebhaft  u!(ir  die  Verehrung  für  Seuseg  Person  und 
\trke  auch  in  den  religös  angeregten  Kreisen  der  Niederlande  (vgl. 
S.  138*).  Zwar  hat  die  Forschung  das  Ver/iältnis  der  nieder- 
iMtwAeM  Mgstik  zur  oberdeutüchen  noch  Kenig  aufzuheUen  vermocht, 
"wi  persönliche  Berührung  und  Ideenaustausch,  sei  es  milndlick 
B"  durch  Übersendung  von  Briefen  und  Schriften,  lässt  sich  nwhr- 
ii  konstatieren.  Der  grosse  flämische  Mystiker  Buysbroek 
liHlf  ist  sicher  von  Eckhart  beeinflusst  worden;  vielleicht  hat  er 
t  Meister  selbst  noch  in  Köln  gehört  und  6«  dieser  Gelegenheit 
ri  TaaUr  und  Seuse  kennen  gelernt.  Bei  seinen  Fahrten  in  die 
"MedanJe  (s-  oben  S.  112*)  maij  der   schwäbische  Mi/stiker  auch 

')  Et  wird  im  nntelffn  dwv/ii/efährt,  wir  die  Nonnen  du  geiMichta 
^pptlin'  au*  aÜfrlei  Btamm  wriudra  sollen  (vgl.  dazu  Vita  Kap.  8  und  12). 
^fmaiUrh  Hamm!  tin*  in  derselbtii  Ui.  Bl.  3U9—i07  btfindlickt  Bearbeitung 
Bndtnek»/)  der  etoigen  Wäakeit,  in  die  vtrschirdenes  aus  der  Viia  und 
i"*  Sehri/Ieti  Stusis  hineingtarb^H  ist,  ehenfalU  von  Nidcr. 

')  Aufgeao'nmen   tn  dir   Chronik  des  Bickenl-losterg,  hr/g.  von   Glntt 

.Vtrmt  1611  1S83.     Vgl.  darin  S.^äf.  dii    Vision  vom  Rosenstrauch,  41  ff. 

ftdnmg  der  aeigen   Weühsit   (nach  Art  von  Seiuea  .Bruderschaft'),  67  Er- 

'iiUnjf  Marias:    112,  1S8,    130,    13ii,    14t)  eimetne  Htminisafneen   an  S^use. 

'l  S*i  Orrilh  aasff.:  Damarit   ISÜii,  33ä.     Die   Vnse:  Du  hast  die  ro« 

ISeket,  JesDs,  mi-in  herzenstraut  etc.  irklfiren  sich  am  besttn  autt  S*H»r,  — 

I  Gtil  t  r  hat  Schriflm  Setue»  gekannt  und  btniiUl  (vgl.  Jitaleiisykiop.  /. 

A  Thtot.  IV,  T9St.    Im  übrigen  ist  aber  seine  Richtung  diejenige  Gtreona, 

If  rfiV  dcmttchen    Myiiiker  finssen    ihm   eher    Migelraucn   ein :   er  meint,  die 

'AWrr  SeuMtB  über   die   bräutUchr    Vereinigung   der  SrMt  mit  Chrittu»  lönuteu 

fir   i/t    PhoHlaii*    gtfnhrlieh    werden    (Pred.   und    Leren  f.    IT,    Mititrt    bei 

ekSehmidt.   Uietoirt  iitirairt  de  VAUact  1  (1879}  4371.  —  Einige  weitere 

Über   VtHrreituiig  Seuxei  im  lö.  Jh.  bii  L.  KtUer.  Itie   Reformation 

dir  atterm  Stformparleirn   18S6,  3H4f. 


154*  Einleitung.    II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

jenen,  der  so  manche  verwandte  Züge  in  seinem  Leben  aufwei'<t ' 
bemicht  liaben.  Die  mystischen  Grundgedanken  sind  bei  beiden  dt 
selben,  wenn  auch  jeder  sie  in  eigentiimliclier  Art  auffasst  un 
darstellt;  selbst  Beminiszenzen^)  aus  Seuses  Werken  fehhn  nici 
ganz  bei  Ruysbroek,  der  verhältnismässig  erst  spät  Schriftstellerisc 
auftrat  Der  Mystiker  Johann  von  Schönhof en  (f  143 1)  z 
Grönental  schrieb  einen  ,PrologVrSf  zu  den  ,Centum  meditation^ 
Dominicae  passionis*  Seuses,  der  aber  inhaltlidi  nur  eine  Ihischre 
bung  und  Erweiterung  der  deutschen  Vorrede  Seuses  (314,11  ff. 
darstellt^).  Unter  den  Frater her rn*)  ist  besonders  Gerhard  Groo> 
zu  lunnen,  der  den  Gläubigen  Seuses  Hör.  und  Bdew  warm  zw 
Lektüre  empfahl  ^)  imd  das  erstere  Werk  auch  in  seinem  erst  unlä)k/8t 
entdeckten  flämischen  Traktat  ,De  simonia  ad  begutta^^  zitiert  %  Auch 
Thomas  von  Kempen,  der  in  seinen  Lehreti  im  wesentlichen  mit 
der  oberdeutschen  Mystik  übereinstimmt,  hat  allem  nach  Seuse  ge- 
kannt und  benutzt^).  Unter  den  angeblichen  Verfassern  der  Imi- 
tat io  Christi  figurierte  auch  Seuse^)! 


^)  Z.  B.  in  dem  Verhältnis  zu  seiner  Mutter,  in  der  Abfassung  der 
iSchriften  infolge  höheren  Antriebs  und  in  der  Bekämpfung  des  üppigen  Klotier' 
lebens  und  der  ^ freien  Geister* ;  vgl,  die  Belege  bei  Böhringer  443 ff.,  454,  476. 

^  So  findet  sich  in  dem  ^Buch  von  zwölf  Tugenden^  (Ausgabe  i?a»/*- 
broeks  von  Da  cid  II I^  104),  dessen  Echtheit  allerdings  bestritten  vird,  d** 
Stelle  Bdeio  i^l4,lff.     Vgl.  auch  S,  151*  A,  3, 

«)  Er  findet  sich  z,  B,  zu  Triei;  StadtbibU  Hs.  496  Bl.  74;  Bantber^ 
Kgl  Bibl.  Cod.  Q  VI  73  Bl.  8  und  ist  nach  einer  Pariser  Hs.  bei  QuHif  * 
Echard  /,  658  abgedruckt. 

*)  Die  Littraturgattung  der  ^geistlichen  Minnebriefe*  pflegten  die  Brüä^ 
des  gemeinsamen  Lebens  gerade  so  lebhaft  wie  Seuse,  vielleicht  auch  v<^ 
ihm  angeregt ;  freilich  ist  der  Inhalt  meist  nüchterner  und  praktisch^ 
Vgl,  W.  Moll-Z  uppkcy  Die  vor  reformatorische  Kirchengeschichte  der  Xied^ 
lande  IT  {1895)  34U. 

'")  In  einem  Briefe  von  1380,  hrsg.  von  P reg  er  in  Abhandlungen  (/« 
Münchner  Akademie,  phil.-hist.  Klasse  XXI  (1894)  35. 

")  Bei  Langenberg ,  (Quellen  und  Forschungen  zur  Geschichte  d^ 
deutschen  Mystik  1902,  32. 

"')  So  die  Angabe  des  tüchtige^i  Thomaskenners  Pohl  im  KirchenU^ 
XP,  1677.  Da  Thomas  selten  Autoren  zitiert^  sind  Belege  schwer  zu  gebefi 
doch  vgl.  seine  naiv-kindliche  Andacht  zum  Kinde  Jesu,  seine  Vei'ehrutig  dfi 
Passion  Christi^  seine  Ausführungen  über  das  jSpiel  der  Liebe^  in  den  ,Sermont 
de  incarnntione,  vita  et  passinne  JJomini^  {Analyse  hei  Böhringer  726 f 
734  ff.).  Die  Germanismen  des  Thomas  und  seine  BtTührungen  mit  den  de\k\ 
sehen  Mystikern  behandelt  Denifle  in  /Asv.hr.  f.  kath.  Theol,  1883,  697—}0( 

^)    Vgl.  Eahricius,   Jiihlioth.  tat.  medii  aeri  II  (1754)  222, 


Nach  Wirkung'  Sensen  in  der  Literatur.  155* 

Hie  Mystik  laust  sich  als  Unter  Strömung  der  rfliffiösen 
Btmjung  auch  lins  yame  IG.  Jh.  hindurch  in  der  katholischen 
utiä  protestantischen  Kirche  verfolgen.  In  der  letzteren  ist  Sense 
nilerdings,  vielleicht  von  einigen  Sekten  abgesehen^),  irohl  kaum  he- 
hannl  —  erst  die  Pietisten  zeigen  wieder  Berührung  mit  ihm,  — 
wäirmd  Tauler  von  Anfang  an  eine  Hauptrolle  spielt;  in  der 
iatholischen  Kirche  dagegeti,  wenigstens  in  germanischen  Ländern, 
ial  jener  seine  Beliebtlieit  nie  ganz  eingebüssi.  Es  Ist  nicht  sufälUg, 
dim  Sevse  im  16.  und  17.  Jh.  auch  innerhalb  des  Jesuitenordens,  der 
eon  seinem  Stifter  her  einen  mystische»  Zug  besa^*),  bekannt  und 
Ttrthrt  'car;  wenn  eine  Zeitlang  In  demselben  Orden  eine  antimystische 
Strömung  die  Oberhand  gewann,  so  rührt  dies  daher,  diiss  man 
färelttetr,  der  quietisUschen  Sekte  der  Alumbrados  Vorschub  zu 
Uiäen,  beztp.  der  Begünstigung  derselben  angeklagt  zu  werden,  was 
UiUächlich  selbst  den  Ordensgeneralen  Ignatius  und  Franz  rfe  Borja 
mi/eniossen  war").  Unter  de»  deutschen  Seuseverehrern  ist  haupt- 
iärüich  Petrus  Canisius  (f  1597 )  anzufahren,  der  inmitten  eines 
asketischen  Kreises  zu  Köln  aufgewachsen  war*)  und  mit  Männern 
nw  dfn  Karthäuseni  Surius  (Übersetzer  Taulers,  Seuses  und  Biiys- 
\ntkt)  und  Landsberg  (Herausgeber  der  hl.  Gertrud)  verkehrte.  Er 
Vranalaltete  1543  zu  Köln  eine  wertvolle  neue  Taulerausgabe ^), 
»  'Irren    Eitäeitung   er  wiederholt    auf  Seuse   Bezug    nimmt;    den 

)  Ch.  E.  Luthnrdl,  Gtseh.  der  chnsll  Ethik  II  (1893)  5.<)  fS/trt  — 
idimrUch  mit  Rreht  —  die  Wurztht  der  teiedei-lättferise/itn  BeweguTiit  auf  die 
^"Oichf  Mi/ttik  euräck.  Thomas  Milager  «n  mit  Saso  und  btsondem  mit 
ic  etrtraut  ffttutatn. 
')  Vgl.  t,  B.  Holt,  Die  geistlivhen  Übungen  des  Ignatius  «.  L.,  eine 
fykdlogisehe  Studie  (Sammlung  gemeinverstflnäl.  Vorträge  und  Schriften  aus 
'•  Ötbift  der  Theol.  und  lidigiorngtiehichte,  Heft  41)  190ä. 

■)  Vgl.  F.  X-ltfusih,  Her  Index  der  verbotenen  Bücher  I  1 18fi3)  6S9. 
*■  Jfsuitmgeneral  Evrrard  Mercurian  verordnete  1576:  Neque  Bpiriluales 
un,  iini  inatituto  Doetro  minue  conveniunt,  nnatris  peimittautur,  ituales  sunt 
tolenw,  BnslirocbiUB,  Henr.  Suao,  Rosetnin,  Henr.  Her»  {lies  Herp),  Ars  scr- 
radi  Duo,  Kajiu.  Lnllas,  Gertrudia  opera  et  MeubtildiH  et  alia  hiiiusmodi. 
«Ü  vi^ro  hnram  librorum  uspiam  servetur  in  noatria  collegÜB  sisi  ex  P.  Pro- 
86Dtpntift    i Friedrich ,     Beilrögr    cur    Gegehicble    dex    .Jfiititenordcns 

til. 

•)  Vgl.  ¥.  Drevi,  P.  Canisius,  dei-  erste  deuttehe  Jeeuit  (Schiiften  des 
ftrtint  f.  SeformaliOTUgesch.,  Heft  36)  1S03,  6 f. 

*)  Drall  rr  der  Herausgeber  lear,  ist  nicht  gant  sicher,  aber  sehr  trahr- 
sdMitlieA,  vgl.  P.  Canisii  Epietulat  et  Acta  ed.  Brauttsbtrger  I  (ItlS'J)  93: 
Ad,  79 — V3  ist  die    Vorrede  der  Tauirrausgabe  abgeilritckl. 


156*  EinleituBg.   n.    Seuses  Leben  und  Werke. 

yCurstis  de   aeterno   Sapientia^    schätzte  er  besofiders   hoch  *).      Dei 
edle  Jesuit  Friedrich  Spe   (f  1635)  zeigt  sich   „im  Leben  unc 
Dichten  nahe   mit  Sense  verwandf^^.     Die   empfindsame  Jesuslieb 
seiner  yTrutznachtigaV   und   die   treuherzigen  Unterweistingen  seines 
jGüldenen    Tugendbuchs'   knüpfen  gerade   in    dem  Besten j   was  st^ 
bieten  und  wo  sie  sich  von  dem  verderbten  Geschmack  der  Zeitgenosse 
abwendeyi,  an  die  Tradition  der  älteren  deutschen  Mystik  an.    Viel^ 
namentlich   der   Gedankengang,    die  Parabeln   und   die   Sprache 
letzterem    Werke   erinnern    unwillkürlich   an   die   Art    Taiders   u  9 
Seuses'^).     S2)e   ist   ein  zartbesaiteter  Sänger  der  Gottesminne,   «^ 
sinniger    Naturbetrachter    wie  jener.      Auch    die    pietistischen    uni 
mystischen  Dichter  des  17.  und  18.  Jh.,  zu  denen  er  überleitet,  trn 
Angelus  Silesius  (Johann  Scheffler*),  Daniel  Suderfnann^),  Knarr 
V071  Rosenroth,   Spener,  Frank,    Tersteegen  u.  a.  bieten  manche  Be* 
rührungspunkte   mit   ihm,    wie   überhaupt  mit  den  Ideen   und  Be- 
strebungen der  deutschen  Mystik  ^").    Endlich  hat  am  Ende  des  18.  Jh. 
Herder    mit   feinem    Gefühl    den   poetischen    Gehalt    der   Mystik 
Seuses  erfasst  und  sein  Lob  der  ewigen   Weisheit  in  einem  schwung- 
vollen Hymnus  ernexiert  (s.  oben  S.  74*  A.  1).    Im  19.  Jh.  ist  durch 
die    Romantik,    die   in   ihm   Fleisch    voyi    ihrem   Fleische   erkannte, 
die   Aufmerksamkeit   weiterer  Kreise   wieder  auf  den  schwäbischen 
Mgsfiker  gelenkt  worden. 


*)  Braunshcrger,  Entstehung  und  Eniivichlung  der  KatechistMn  d^ 
P.  Caniaiuit  lt>93y  126f. 

^  Strauch  in  AUg.  dtsch,  Biogr,  37 j  17b. 

^)  (r.  Balkfy  Spes  Trutznnchiigal  {Deutsche  Dichter  des  17.  Jh.  XIIX 
/cs;p,  XXXIV.  Vgl  auch  Diel,  Fr.  Spe  ^1901,  51  f.  und  die  mir  nicht  Mtd 
gtingliche  Schrift  von  11.  Schachner  j  Xat Urbilder  und  Naturbetrachtung  ^ 
den  Dichtungen  Fr.s  v.  Sjte,  G gmnas.-Programm  von  KremsmünHer  1906. 

0  F<//.  die  Vorrede  Kllingers  zu  seiner  Ausgabe  des  ^Cherubinische 
Wandersmnnn*  1695 j  XXXl^III.  Ob  Seh.  Suso  gekannt  hat,  ist  dama^ 
zircifclhaß ;  er  erwähnt  ihn  nicht  unter  den  miitcJ alterlichen  Mystikern,  die  ^ 
studierte.  Im  siebten  Sonett  (Elli  ng  er  S.  149)  erinnert  die  Klage  des  Ve* 
dawmten  an  Bdeir  2b5,7,  aber  dies  genügt  nicht,  am  Abhängigkeit  zu  konstatiere^ 
Seh.  kann  auch  aus  einem  anderen  Erbauungsbach  (einem  Sterbchächlein^  vg< 
AniH.  zu  ?7cS,5ry)  geschöpft  habjn. 

•')  Vgl.  oben  S.  Iti*  A.  f.\  Seine  Lieder  bringen  mitunter  direkt  Texte  da 
Mystiker,  namentlich  Taubers,  in  \'erse :  an  Scase  erinnert  Nr.iSö7  bei  Wacktf* 
n  a  //  el  Bd.  V. 

'')  Vgl.  A.  Hitschh  Gesch.  des  Pietismus  III  ( ISS4)  63 ff.:  „Jesusliik 
in  Poesie  and  Prosa^. 


Übersetzungen  und  Ausgaben  von  Seuses  Werken.  157* 

TL  Übersetrangen  und  Ausgaben  Yon  Seuses  Werken. 

Der  Beliebtkeit,  welche  Seuses  Schriften  von  Anfang  an  genossen, 
Spricht  ihre  weite  Verbreitung  durch  zahlreiche  Hss,  und  Druckaus- 
ben und  durch  Übertragung  in  fast  alle  europäischen  Ktdturspra- 
m^).  Auf  die  von  Borchling  beschriebenen  und  auf  weitere 
ederdeutsche  und  niederländische  Hss.  des  Bdew  bezw.  des 
•r.  ist  schon  oben  S.  17* f.  aufmerksam  gemacht  worden^).  Zum 
brauch  bei  der  Privatandacht  wurden  die  hundert  Betrachtungen 
ien  Niederlanden  allgemein  verwendet  ^).  Die  Allegorie  vom  Kampf 
Widders  und  der  70  Füchse  gegen  die  Söhne  Gottes  aus  dem  Hör, 
oben  S,  106*  Anm.  1)  musste  im  Jahre  1572  bezw.  1573  sogar 
u  dienen,  in  einem  Flugblatt  gegen  die  Spanier  —  der  Widder  ist 
rzog  Alba  —  Stimmung  zu  machen^).  1627  wurde  die  Vita  Seuses 
Antwerpen  in  niederländischer  Sprache  herausgegeben^).' 

Eine  altenglische  Übersetzung  eines  Auszugs  aus  dem  Hör, 
>.  Jh.)  in  sieben  Kapiteln  (The  seueo  poyntes  of  trewe  loue  or 
)logium  Sapientiae)  hat  K.  Horstmann  in  Anglia  X  (1888) 
H—89  ediert;  derselbe  Auszug  wurde  um  1490  bei  Caxton  in 
estminster  gedruckt.  Der  erste  englische  Dtmck^  des  ,Horloge  de 
^Itience^  erschien  schobt  1483  '^),  eine  Übertragung  von  Diepenbrocks 
H^gabe  durch  Rychard  Eaby  zu  London  1867,  2.  A.  1868%  Eine 
'mische  Übersetzung  des  Hör.  aus  de^n  15.  Jh.,  wohl  in  einem 
irffittinerkloster  etitstandeyi  und  zum  Gehrauch  bei  der  Tischlektüre 
'Mmnt,  hat  C.  J.  Brandt  unter  dem  Titel  ,Gudelig  Visdoms  bog 
dnMk  oversaetelse^  etc.  in  der  Sammlung  ,Dansk  Klosterlaesning^  zu 

^)  Leider  ist  es  ohne  Einsicht  in  die  Hss.  und  die  oft  seltenen  Drucke 
v:ht  immer  möglich^  genau  zu  unterscheiden^  oh  es  sich  um  eine  Übersetzung 
<«  Bdew  oder  des  Ho-r.  handelt;  meist  ist  das  leietere  der  Fail. 

*)  In  Cod.  8224  der  Bihl.  des  Arsenals  in  Paris  (Catal,  VI,  444)  ist  eine 
ifdtrl,  Übertragung  des  Hör.  von  ca.  1380. 

*)  Vgl.  oben  S.  17*  A.  1.  und  Mei/hoom,  Susos  honderi  artikelen  in 
'fderlandj  Archief  voor  Nederlandsche  Kerkgeschiedenis  I  (188fJ)  173  ff.  Ein 
fiterer  Beleg  bei  Langenherg  a.  a.  O.  109,  WO. 

*)  Pr&phetie  Een  wonderlike  ende  gt sieht  etc.,  gcdrukt  hut/ten  Noonriis 
''3:  tgl.  Graesse,  Tresor  de.<t  l irres  rares  et  precieux    VII^  450. 

^)  Het  Leven  van  den  Salighca  Ihnrictis  Suso  door  Johann  van  Heren- 
l  233  S.  in  12^. 

''')  Notizen  über  Hss.  der  englischen  Übersetzung  des  Hör.  bei  (J  ue  t  if 
^chard  I,  658;  Oudin  1(j66. 

'^)Grae88e    V,  50  verzeichnet  einen  weiteren   Druck  s.  a. 

'')    Vgl.  die  Rezension  von  J.  Bach  im  TheoL  Literaturblatt   I8(j8j  209. 


158*  Einleitung.    IL    Seuses  Leben  und  Werke. 

Kopenhagen  1865  herausgegeben.  Zivei  Birgitthiennnen,  Karen  Jew 
Tochter  und  Kirstin  Hans*  Tochter,  übersetzten  da^  Hör.  um  loO{ 
unter  dem  Titel:   ,  Wecken*  gottseligeyi  Geistes^  ins  Schwedische^] 

Bedeutsamer  ist,   dass  das   Hör.  schon   im  Jahre  1389   unte 
dem  Titel  firloge  de  Sapience^  als  Werk  eines  frere  Je/ian  de  Sonbs 
haube  ^=  Schwäbelt)  von  einem  unbekannten  lothringischen  Minorite 
Magister  der  Theologie,  zu  Cha^stelneuf  ins  Französische  Hberseit 
wnrd£  (de  latin  en  ronmans  donnee).    Die  gereimte  Vorrede  ^  erzäl^ , 
dass  die   Übersetzutig   auf  \Vu7isch   des  Maistre  Dirnen  che   de  Por 
Lizentiaten  des  bürgerlichen  urul  kanonischen  Rechtes,  gefertigt  um 
am  28,  April  1389  vollendst  worden  sei.    Dieselbe  wurde  van  einem 
Karthäuse}'mönch  zu  Paris  1493  bei  Verard  ctJs  eige)ie  Arbeit  heraus- 
gegeben und  König  Karl  Vlll  dediziert;  Neudrucke  ebd.  1499  und 
1530.     Die  Suriussche  Bearbeitung   der    Werke  Seuses   wurde  von 
Fr.  N.  Le  Cerf  ins  Französische  übersetzt  und  zu  Paris  1586  und 
1614    gedruckt^,     eine     Übertragung    des    Bdew    und    Bdw   nach 
Surius  von  dem  Kanonikus  D.  de  Vienne  erschien  Paris  1684  und 
1701.     Die  Übersetzer  Chavin   efe  Malan  et  Üartier  (La  vie  et  IfS 
epHres  de  H.  de  Suzo,   Paris   1842)  wnd  Cartier  (Oeuvres  du  J. 
Hetiri  Suso,  Pans  1856)  arbeiteten  nach  der  italienischen  Ausgabe 
des  Dominikaners  Igmtzio   del  Nente  (Vita   ed  opere  »pirituali  dd 
beato  Enrico  Susone,  Firenze  1642,  Roma  1663,  Padua  1675,  Paru 
1697,   Orvieto  1861),   die  aber  selbst  wieder  nach  Surius  gefeiiifi 
worden  war^).      Weit  brauchbarer  als  diese  sehr  fehlerhaften  Aus- 
gaben   ist   die    neue    Übersetzung    dss    Dominikaners    G.    Thiriot 
(Oeuvres  mystiques  du  b,  Henri  SusOy   2  Bds  Paris  1899),  icekhe 
die  Deniflesche  Ausgabe  zugrunde  legt  —  für  die  bei  Deniße  fehlet^ 

*)  Hrsij.  ron  Ji erf/str/hn  in  der  Sammlung  der  ,Svenska  Jh^omskrifl' 
siWffkapet^ ;  vgl.  IL  Schuck  in  II.  Pauls  Grundriss  der  gernu  Phüol.  I^ 
(1901)  93^:   Krogh-Tonning,    Die  hl  BirgiUa    ron  Schwtfden  1907,  129 f> 

-)  Zum  grössUn  Teil  gedruckt  hei  Quet  if  et  Kchard  I,  663  und  (WH 
K.  Brunn  er  in  Mitteilungen  der  hndischen  hvst.  Kommission  n.^20  (BeHagi 
zur  Ztschr.  f.  Gesch.  des  Oherrheins  lti98,  7o).  Bei  (Juitif  a.  a.  0.  und  bfi 
Brunn  er  51,  70^  7 5 f.  78  Nachweise  über  Hss.  zu  Paris  und  andtrwärts. 

•')  'fouron  a,  a.  (>.  II,  549  führt  noch  die  Übertragung  eines  DovM 
kaners,  Lgan  17 U5  an. 

')  Graesse  \\  50  und  Chevalier  (s.  tS.  04*)  ^lOlf.  fahren  weiter  an 
(h'ologio  delln  sojnenza  aus  dem  Französ.  übersetzt,  Ven.  de  Luere  1611 ;  Sc^ 
li  u  r  ri,  I  ila  dtl  h.  Kurien  S.,  \  'erona  10:^5 :  Lorenzo  Mar  er  a^  Hintoria  i 
la  vida  g  milagros  de  los  b.  frag  II.  S\.  Barcelona  1024.  Stücke  von  Sem 
fnthtflt  Thomas  de  liocaberti ,  Alimento  espiritual,  Barcelona  1668. 


Übersetzungen  und  Ausgaben  von  Seuses  Werken.  159* 

l^nefe  des  Gr  Bfb   ist  Preger  benützt,  für  die  Predigten  Diepen- 
i/'ock  —  und  der  ei}ie  gute  Einleitung  vorangeht. 

Ins  Lateinische  wurden  die  deutschen  Schriften  Seuses  schon 
^'rtilo.  Jh.  von  einein  Karthäusermönch  übertragen;  das  Werk  befand 
<ich  nach  Joh.  Meyer  ^)  in  den  Bibliotheken  der  Predigerklöster  zu 
^^nsel  und  Nürnberg,  ist  aber  jetzt  verschwunden.  Nach  dem  Drucke 
'on  1512  übersetzte  sie  in  freier  Weise  auf  Wunsch  des  Abtes 
Ludwig  Blosius  der  Karthäuser  Laurentius  Surius  (H.  Susonis 
Opera),  Köln  bei  Quentel  1555;  er  gab  auch  vier  Predigten  ^lach 
1er  Taulerausgabe  von  1543,  das  unechte  Büchlein  von  den  neun 
Fdsefi,  den  Cursus  und  das  Officium  de  aeterna  Sapientia  bei.  Neu- 
Irucke  der  Ausgabe  erfolgten  Köln  1588,  1615  und  Neapel  1658. 
Die  Suriussche  Ausgabe  wurde  durch  Anselm  Hoffmmn,  Köln  1661, 
nieder  ins  Deutsche  zurückübersetzt. 

Von  den  deutschen  Ausgaben  sind  die  beiden  ältesten  die 

nkon  öfters   zitierten   Drucke:    Augsburg  1482  bei  Anton  Sorg^, 

108  +  146  BL  (die  Vita  ist  besonders  beziffert)  fol.  (Panzer  I,  124 

yr.l44)   und  ebd.  1512  bei  Hans  Othmar  228  Bl.  fol.  (Panzer 

1 338  Nr.  710).    Beide  enthalten  das  Exemplar  mit  den  Nachträgen, 

&  Bruderschaft  der  ewigen  Weisheit  und  die  neun  Felsen,  der  zweite 

l^ruck  ausserdem  ein  längeres  Vorwort  und  Nachwort  des  Druckers. 

Uw  die  Ausstattung  mit  Holzschnitten  s.  oben  S,  46^  ff.     Die  erste 

Misgabe  ist  allein  nach  von  dem  bekannten  Ulmer  Dominikaner  Felix 

Fobri  besorgt^),  und  zwar,  wie  schon  Denifle^)  gegen  Preger"") 


*)  Notiz  in  seinem  Lehen  der  Mutter  Seuses j  das  er  den  Viten  von  Tüss 
^^gtgeben  hat,  ed.   Vetter  96,  26  ff. 

')  Schlusswort  des  Druckers  f.  146 r :  Gedruckt  viid  vollendet  ist  dicz 
^fidi  (des  geleicb  nocb  bessers  den  laien  nit  kund  ist  sein  leben  ze  bessern,  ge- 
^t  der  Seüsse)  von  Antonio  sorg  etc.  Ein  Extruplar  aus  der  Kapiielshihliothek 
^«*  Waldsee  (früher  einem  Waldseer  Nonnenkloster  [Klause]  (jehörig)^  stand 
•t  in  dankenswerter  Weise  längere  Zeit  zur    Verfügung. 

^  Vgl.  die  Vorrede  von  151:2 f.  :J'':  so  das  (buch)  on  Ordnung  hin  vnd  her 
festrowet  gewesen  ist,  so  hat  der  wird  ig  Icszmaister  brfider  Felix  Fabri  zä  Ulm 
das  mit  fleisz  züsamen  gelesen  vnd  in  Ordnung  gesetzt  in  lateinischer  sproch. 
Da  Fabri  schon  1502  starb,  so  kann  sich  seine  Beihilfe  wohl  nur  auf  dm  Druck 
'^»  1482  bezogen  haben.  Was  die  Schlusswortc  hedadtn,  ist  nicht  recht  klar: 
wahrscheinlich  liegt  ein  Irrtum  des  l)r  uckers  vor.  Mar  er  315  und  Wtyer- 
lann  203  (vgl.  auch  liealenzykl.  f.  protesi.  Theol.  \"-\  723)  sprechen,  offenbar 
^hl^cht  unterrichtet,  von  einer  Übersetzung  des  Lehens  Seuses  aus  dem  Lafeini- 
hen  ins  Deutsche. 

*)  Zfda  XIX,  347  ff: 

'-)  Briefe  2 ff.;  Zfda  XX,  413 f. 


160*  Einleitung:.    II.    Seuses  Leben  und  Werke. 

nachgewiesen  hat  und  aus   dieser  Ausgabe   noch   deutlichem   erhellt 
nach  einer  späten  und  schlechten  Hs.  (vgl.  oben  S,  9*).    Die  zweite  ist 
obwohl  Meister   H.  Othmar  den  Sorgschen    Druck   herunterzusetze 
sucht  (f,  218*',  220^ )y  nur  ein  durch  neue  Fehler  vermehrter  Abdruc^ 
der  ersten.   Eine  Gesamtausgabe  der  deutschen  Schriften  Seuses  wur^^ 
erst   wieder  im   ersten  Drittel  des  19.  Jh.  versucht,   als  man  unt:^ 
anderen  Schätzen  des  Mittelalters  auch  die  deutschen  Mystiker  wieUe, 
am  Tageslicht  zog.    Melchior  von  Diepenbrock  (nachmals  Karditvii 
und  Fürstbischof  von   Breslau,   f  1853)   veröffentlichte  eitie  solcie 
unter   dem    Titel:   Heinrich  .Susos,  genannt  Amandus,   Leben  und 
Schriften,   nach  den  ältesten  Hss.  und  Drucken   mit  unveräputerim 
Text    in    neuerer   Schriftsprache    herausgegeben,    Regensburg   1829, 
H837,    H854,    ^1884.     Die   Ausgabe   ist  nach   den  beiden  ältestm 
Drucken   bearbeitet  unter   Hinzuziehung  des   Cgm  362   und  einiger 
jüngerer  Münchner  Hss.  für    die    Vita    und  das  Bdew;   es  ist  auch 
die  Bruderschaft  der  ewigen  Weisheit  und  das  Neunfelsenbuch  darin 
aufgenommen.    Für  ihre  Zeit  verdienstlich  ist  sie  icissenschafüich  t?a» 
keiner  Bedeutung,   da  Diepenbrock  für  die   Verbesserung   des  TexUi 
fast  nichts  getan  hat^).    Immer  noch  sehr  beachte^is-  Mid  lesenswert 
ist  die  ausführliche  Einleitung,   welche  Josef  von  Gör  res  dazu  gt" 
schrieben  hat  (4.  Aufl.  S.  25 — 136) ;  er  handelt  darin  geistreich  und 
mit  brillantem  Stil  über  die  kirchenpolitischen  und  religiösen  Verhält 
nisse  d^s  14.  Jh.,  über  Wesen  und  Bedeutung  der  Mystik,  und  gibt  eim 
schöne  Charakteristik  von  Seuses  Person  und  Werken^).   Ganz  wertlos 


*)   Vgl.  auch  Denifle  X. 

•^)   Vgl.  darüber  J.  Galland,  J.  von  Görres  1676,  479 ff.;  A.  WihUlU 
J.  von  Görres  als  Literarhistoriker  1899 ^  71  ff.   Der  Brief  Diepenbrocks  (V9» 
IS.  Mörz  18^7) f  worin  er  auf  Veranlassung  Clemens  Brentanos  Görres  utn  <*• 
Geleit^wort  fiir  seine  Ausgabe  ersucht,  steht  bei  Gör  res  j  Gesammelte  Britftlll 
(1674),  294 ff.     Nach  Empfang   der  Einleitung   schreibt  er   am  37.  Sept.  10 
enthusiastisch  an  Gön-es:  ,.  Welche  Freude  macht  mir  dieser  herrliche  ÄttfitiMi 
und   welche   wird  er  dem   bessern  Publikum   machen!    Es  ist   icundersam,  wk 
alles  lebendig  wird,   und  sich  organisch  gestaltet   und  sein  tiefstes  Leben  atf* 
schliesst  vor   ihrem  Blick,    und  wie  trefftfnd  ihre  Hand  das  Erschaute  md^  ^ 
kann.    Sie  sind  kein  Poef,  kein  Philosojjhy  kein   Theolog,  sondern  dcLS  Dr§ieiM  1 
aus  allen,  und  Theologie,  Philosophie   und  Poesie  ist  lebendig   innetooknend  ift  j 
Ihnen  in  Geist,  ,swh'  und  Leib,  zu  einer  Persönlichkeit  sich  gestaltend'*  (a.tu(Ki 
359).     Der  Historiker  J.  Er.  Böhmer  rühmte  besondtrs  die  Schilderung  d^e] 
kirchrnpolifischtn    Vcrhöltnisse  durch  Görres  und  schrieb  in  einem  Briefe:  sJü. 
scimn  Anschauungm   ist    tine  Grossartigkeit    und  ein  Tiefbliek,   wovor  ich  tr* 
staune.      Wer   von    den    leihenden    könnte  sich    einer   solchen  Ditnnationsgokt 
riihmrn,  wie  rr  sif  Itesitzti^"     (J.  Janssvn,    Böhmers  Leben  I  [1868]  ^63 f^ 


Übersetzungen  imd  Ausgraben  von  Seuses  Werken.  161* 

f<tdie  1863  in  Wien  erschienene  Ausgabe:   Amandus  des  seligen,  (je- 
innnt  H.  Suso,    Lehen    und  Schriften,   drei  Bändchen   (I  Büchlein 
^on  den   neun   Felsen,    II  Bdew,    III  Leben    und   Lehren   Susos). 
WmenschafÜicheJi  Anforderungen  entsprach  bis  jetzt  nur  Denifles 
Bearbeitung:  Die  deutschen  Schriften  des  seligen  Heinrich  Seuse  aus 
iem  Predigerorden,  nach  den  ältesten  Hss,  in  jetziger  Schriftsprache 
\eruusgegeben    von   P.   Fr.    Heinrich   Seuse   Denifie    aus    demselben 
Jrden,  erster  (einziger)  Band  München,  M,  Huttier  1880,  XXX  und 
iii  Seiten.    Sie  bietet  nebst  einer  gediegenen  literarhistorischen  Ein- 
eitung  die  Schriften  des  Exemplars  vollständig  samt  de)i  Nachträgen 
hzu.     Der  zweite  Band,  der  nach  dem  Tode  des  grossen  Gelehrten 
^f  10.  Mai  1905)  sicher  nicht  mshr  erscheinen  wird  ^),  sollte  Forsch- 
ungen über  Seuses   Leben    und  Lehre,    den    Text   des    ungekürzten 
Briefbuchs,  der  Predigten,  d^s  Hör.  und  der  Bruderschaft  der  ewigen 
Weisheit,  anhangsweise   auch  den  fiursus  de  aeterna  Sapientia^  und 
Aw  Minnebüchlein  bringen.    Denifle  hat  in  seiner  Ausgabe,  um  Seu^e 
ilem  allgemeinen    Verständnis   zu    erschliessen ,    mit   viel   Glück  eine 
sprachliche  Erneuerung  versucht,  dabei  sich  aber  doch  „durchaus  und 
zmr  fast  sklavisch*''^)  an  die  Hss.  angeschmiegt.     Benutzt  sind  für 
(/en  Text  die  besten  Denifle  bekannten  Hss.,  vor  aUem  A  (in  Pfeiffers 
Akchrift),  ferner  KMIi  Um,  für  das  Bdew  E  und  E^,  für  das  B<lw 
^uch  b;  Varianten  sind  jedoch  nur  bei  einzelnen  wichtigeren  Stellen  an- 
Udjeben,    Was  der  Au^sgabe^)  einen  bleibenden  Wert  verleiht,  ist  namen t- 
U  die  im  Komment-ar  gegebene  Erklärung  der  schwierigeren  mystischen 
^t^llerij  in    welcher   der   enge    Xusamtnenhang   zwischen    Mystik   und 
Scholastik   deutlich   ans    Licht  gestellt    wird   und   Denifle    überha/ipt 
^mtmngistrnler  Gelehrsamkeit  seine  umfassenden  Kenntnisse  ausbreitet, 
tine  populäre    Auswahl    aus   Seuse    nach    Diepcnbrock    mit   (iörres 

^n  diesr  Ausfiihrunyeti  fanden  alu^r  den  Tadel  des  Ch-meng  und  Christian 
^rtnl ano :  vgl,  Görrea*  Verieidigunfj  in  einem  Brief  vom  1:J.  ^fifrz  183(J  an 
^nf  Tochter  Sophie  (^ich  siimme  überall  für  die  frische,  grüne  Wahrheit,  ohne 
aOf  Furcfav  in  Ges,  Briefe  I  (IböS)  314,  \\\  von  Scholz  in  der  \\)rrede 
»einer  Ausgabe  (s.  oj  KIV  bezeichnet  Görres*  Einleitung  als  „inhaltlich  teihreis 
ffTTj  gedanklich  unklar^,  sagt  aber  doch,  dass  sie  in  ,Ahrem  stünnischen  Sprach - 
'k^ihmus,  ihren  melodisch  steigenden  und  fallenden  Perioden,  ihrer  aus  unserem 
Uten    Wortschatz  erworbenen  T^iille."'  ein  grosser  Genuss  für  den  Leser  sei, 

^)  Noch  vor   einigen    Jahren    äusserte   Denifle   die,    fnilich    utojnstisrhe 
hfnung,  noch  einmal  zu  Seuse  zurückhehren  zu  können. 
*)  Seuse  XXX. 

^    Vgl.    aber   dieselbe   auch    iStrauch    in    J)fsch.   Lit.-Ztg.   is^l,   S3jl'.: 
.  Grab  mann,  P.  U,  Denifle  190ö.  11  f. 
H.  Sense,  Deatsche  Schriften.  W" 


162*  Einleitung.   ET.    Seuses  Leben  und  Werke. 

EMeitiuiy  und  mit  den  Holzschnitten  des  ersten  Druckes  hat  jüng^ 
W,  iwn  Scholz   lierausgegeben  (Heinrich  Stiso,   eine  Auswahl  a 
seinen  deutschen  Schriften  [=  Die  Fruchtschale  Bd.  XIV],  Münch^^f 
und  Leipzig  1906,  XCI  und  219  S.);  eiyie  ähnliche  Auswahl  in  zto^/ 
Bänden  soll  im   Verlage  von  E.  Diederichs  in  Jena  erscheinen.    Eü^ie 
rollständige  kritische  Ausgabe  Seuses  im   Urtext   blieb  nach  Deniftes 
Veröffentlichung   immer   noch  ein   dringendes  Bedürfnis;   namentlick 
Strauch^)    hat   das   zu    wiederholten    Malen    betont.      Mit   Setises 
Sprache  wird  man  sich  erst  dann  in  erspriesslicher  Weise  beschäftigen 
können.    In  dieser  Beziehung,  z,  B.für  Untersuchungen  Hber  Sprach- 
schätz  und  Syntax  verspricht  er  grössere  und  sicherere  Ausbeute,  ab 
etwa  Berthold  von  Regensburg,  Meister  Eckhart  und  andere  hervor' 
ragende  Prosaiker  des  IS. 114,  Jh.,  für  die  wir  wohl  niemals  so  zu* 
verlässige  Texte  bekommen  werden  wie  für  Seuse.    Van  dem  Original' 
text  sind  aber  bis  jetzt  nur  ganz  geringe  Bruchstücke  nach  verschiedene!^ 
Hss,  an   zerstreuten  Orten   veröffentlicht'^);    die  Absicht   eine  Seuse^ 
ausgäbe   als  ztveiten  Band  der  ,Bihliothek  älterer  Schriftwerke  def 
deutschen  Schweiz',   herausgegeben   von  Bächtold  und  Vetter,  durch 
Letztgenannten  besorgen  zu  lassen,  wurde  nicht  ausgefUhrt.     So  soß 
vorliegende  Edition  die  Lücke  ausfüllen.    - 

Drucke  von  einzelnen  Schriften  Seuses  seien  zum  Schlüsse  sunh 
niarisch   aufgezählt:   das  Leben  Susos   wurde  1744  zu  Dillingen  g^ 
druckt,  das  ,Buch  von  der  ewigen  Weisheit'  in  ,verbesserier  Schrifl' 
s^prache'  'on  Rauche nbic hier,  Augsburg  1832  herausgegeben;  das  Bdiit 
und  die  Bruderschaft  der  ewigen  Weisheit  sind  gekürzt  enthalten  tK 
,Der  ewigen  wiszheit  betbüchlein%  Basel  1518^),  neugedruckt  DiUingm 
15^7  und  NeU'Ruppin  1861*^);  ein  ,  Manual  oder  Handbüchlein  det] 
e  tri  gen    Wet/szheif^   (Abriss  des  Lebens  Seuses,    Unterweisungen 
Gebete)    erschien   1622  zu   Konstanz   bei   J,  Sprenger.     Die   Suder^. 
mannsche  Ausgabe   von    22  Briefen    (1622)  ist  oben  S.  22*  zitii 


»)  Afda  IX,  13^:  AUg.  dtsch.  Biogr.  37,  179. 

0    Vgl.  oben  K  7*f,;  14*  Anm,  1,  ferner  die  Anm.  zu  211,1,  236^1. 
495f1.  ö(j9J.  ö:J7,     Einzelne  Stücke  aus  dem  Bdeio   7iach  F  hei  t\  K,  Gri§i 
haher.  Alte  ungedruckte  deutsclie  Sprachdenkmale  1644,  36 — 47  (deisselbe 
in  (irieshaher.    Vaterländisches  t84:i,  292— 303) ;   aus  dem  Gr  Bfh  nodb-j 
in  Z/da  XIX,  360  ff.  XXI,  103  ff. 

^)    Well  er  Nr.  1094.     Exemplare   des    Druckes  s,  B,  in  MainM, 
Inhliothek   (vgl.  Zfdph  1894,  66 K   Zürich,   Knntonshihliothek ;  AuseÜge   dm 
hei  Hasak\    Der  christliche  Glauhe   des    deutschen   Volkes   heim  Sehhust 
Mittelalters  1866.  ihSI  ff. 

*)  (r messe    17,   7,  531. 


Übersetzungen  und  Ausgaben  von  Seuses  Werken.  163* 

Vo)i  dem  Horologlum  sind  folgende  Äusfjahen   x\i  nennen: 

'lieälkste  s.  l.  et  a.  (Paris  1470?),  nachgedruckt  Paris  1479 ;  ferner 

(Ii(  Ausgaben  zu    Venedig  1492 j   1536 ;   Köln  (Joh.  Landen)  1496, 

im,  1503,   1509;   Nürnberg  1479,   1724;  Paris  (J.  Petit  1511, 

tbd.  1578   unter    den   Exercitia    S.    Gertrudis;   Neapel   1658^).     In 

neuerer  Zeit  ivurd^  das  Hör.  herausgegeben  von  Reg.  Braun  0.  Pr,, 

Kolli  1724  und  von  Jos.  Strange  ebd.  1861;  beide  Ausgaben  sind 

'(bei'  recht  mangelhaft  und  sollten    durch  eine  neue   kritische   ersetzt 

icerden   (vgl.  oben  S.  108*  A.  2).     Die   ,Cenium   meditationes'  sind 

inti^ser  in  den  meisten  Ausgaben  des  Hör.  da  und  dort  in  Andtzchts- 

bkhern,  z.  B.  im  Precordiale  devotorum,  Strassburg  1489  ^,  gedruckt. 

Das  jOfficium  de  aeterna  Sapientia'  erschien  Paris  1578  und  Luxem- 

Imj  1605. 


')  Obige  Notizen  nach  (rrat'ssp   V,  ;Vy.-    Murr,    Metrtornhilin  IJ,.?4^; 
ii.  Braun,  Hör.  XXIII ff. 

')    V*jL  Gr  ieshaher,  Sprachdenkmale  5. 


Erste  Abteilung. 

Seuses   Exemplar. 


B.  Seate,  Denttcbe  Schriften. 


^^flc^^i^ 


|A2'J  DIz  ist  d«r  prologn^.  dae  ist  i\6  vorred  dlsa  büclies. 


In  disem  exemplar  stand   geschriben    vier   gfttii   büchhi. 


Da: 


frsi  seit  fiberal  mit  bildgebeiider  wise  von  eini  anvaheuden  lebeue 

und  Kit  logenlich   ze   erkennen,    iu   weler  ordcDhafti   ein    rebt    an- 

i  fuliender  mensch   boI  den   usBern    nnd   den   inren   menschen   richten 

nah  gotes  aller  liepsteu  willen.     Und    wan    giitü  werk   ane    allen 

iwirel  me  wisent  and  dem  menschen  neiswi  rebt  sin  herz  erlupbeut, 

nie  denn  wort  allein,  60  t>eit  es  für  sich  an  bin  mit  gUehnuegebender 

"iae  von  inengerley  bailigen  werken,  dii   in   der  warheit  also   ge- 

ii'baben.      Es    eait    von    aim   zflaemenden    meuscben.     wie    er    mit 

miden  and  mit  lidenn  und  iibenne  einen  durpruch  sol  nemen  durch 

,  m  selba  unerstorben  vichlichkeit  hin  zi\  grosser  löblichen  heilikoit. 

g  och  etlichii  menschen   sind,   dero   sin   und   müt   na   dem    aller 

J  nebsten  nnd  besten  ze  ervolgen  ringet  und  in  aber  underschaides 

■^ebristet,  da  von  sü  veriert  nnd  ver^^'iset  werdent,   hier  umb  git  es 

In/  göten   nnderschaid    warer   und   valscher   vernünftekeit    nnd   lert, 

^wie  man  mit  rehter  ordenhal'ti  zu  der  blossen   warheit   eins   seligen 

rolkomeu  lehetts  sol  kamen. 

Duz  ander  büchli  ist  ein  gemeinii  lere,  nnd  sait  von  betrahtung 
0  iiniiers  berren    marter    und   wie   man   sol   lernen    inrlJch    leben   und 


A  =  B*.  Btrlm  4"  840  (-  ÜtroaKliarg  B  139);  A' -  SlriMsburg  On.Bibi. 
Z.  75;  B'  -  Bei-tin  fol.e&S:  Ä-  Einsitdeln  710:  M-  Cgm  36Si  iV  =  Närti- 
btry  Cma.  VII.  90;  P  -  Purü  Bibl.  iiat.  323;  R-Bralau  Domkap.BiM. ; 
S  -^  Stuttgart  AKtt.  15:  S'  -  Stuttgart  Theol.  et  jJÄfl.  381 .-  (/  =  Überlingen 
22;  W  WolfenbätUl  78.  &  Aug. ;  f  l-YeHiurg  Un.Bibl.  453 ;  a  -  1.  Dritck 
1483.  —  In  MKP  fthlt  der  Prolog.  Vor  dtmaMen  in  AKBWB'a  ein  Bilä 
(Abb.  1  nach  K  Bl.  39'):  David,  Salomoii,  der  Bitner  fSeugel.  die  Ewige 
W^sheit,  Job  und  ArietoUles  mit  Sprüchen. 

I  Rotr  (fhertehri/t :  liie  Iahet  an  des  sfiaen  leben  und  ander  gute  leer  A' 
Um  iet  der  prologua  dias  liQclia  und  die  vorred  desa  dienerg  der  Ewigen 
■wwihnlf.  darin  gar  vil  trost  nnd  uoderwiHtiaiig'  Funden  wirti  Einefl  gediehen  g&iBt- 
Uebeo  menschen  U  red  S  den  Imchlins,  du»  da  heisHet  der  Seltsj^e  {süsa*.' 
W)aW         2  An  X"         7  naiawen  A'a         reht  fehlt  EA'U      2il  lemen|  Ktcii  A' 


4  Prolog  des  Exemplars. 

selklich  sterben  und  des  gelich.  Wan  aber  daz  selb  buebli  ur 
etlicbü  me  siner  bucher  nn  lange  in  verren  und  in  nahen  lande 
von  mengerley  unkunnenden  schribern  und  schriberin  ungantzlic 
abgeschriben  sind,  daz  ieder  man  dur  zfi  leite  und  dur  von  nai 
nach  sinem  sinne,  dar  umb  hat  sA  der  diener  der  ewigen  wishe 
hie  zA  samen  gesezzet  und  wol  gerihtet,  daz  man  ein  gereht  exen 
plar  vinde  nach  der  wise,  als  sü  ime  dez  ersten  von  gote 
luhten. 

Daz  dritt  buchli,  daz  da  heisset  daz  büchli  der  warheit,  de 
mainung  ist:  wan  bi  unsren  ziten  etlichü  ungelertü  und  doch  ver 
nAnftigu  menschen  die  hohen  sinne  der  heiligen  scfarift  von  den 
lerern  verkerlich  faain  genomen  nah  ire  selbs  eigem  und  wilden 
gründe,  und  sü  och  also  hein  angeschriben,  und  nüt  nach  der  meinnnge 
der  heiligen  schrift,  so  wiset  es  hie  den  menschen  in  den  selben 
hfihsten  sinnen  mit  underscheid  uf  den  rechten  weg  und  uf  die  [2^] 
ainvaltigen  warheit,  du  dar  inne  von  got  nach  oristanlioher  nemnng 
gemeinet  ist. 

Daz  vierd  buchli,  daz  da  heisset  daz  brief buchli,  daz  m 
geischlichA  tobter  och  zesamen  brachte  uss  allen  den  briefen,  die  er 
ir  und  andren  sinen  geischlichen  kinden  hat  gesendet,  und  si  ein 
bfich  dar  us  hate  gemachet,  uss  dem  bat  er  genomen  enteil  den) 
brieven  und  hat  es  gekurzet,  als  man  es  hie  na  vindet.  Dez  knrzen 
büchlis  mainung  ist,  daz  es  ein  underlibi  geb  und  ein  lihtrung  eim 
abgescheiden  gemüte.  Und  du  himelschen  bilde,  du  hie  vor  und 
na  stand,  sind  dar  zi\  nüzz,  daz  ein  g&tlicher  mensch  in  sinem 
usgang  der  sinnen  und  ingang  dez  gemütes  alle  zit  etwaz  vinde, 
daz  in  von  diser  valschen  niederziehenden  weit  wider  uf  zft  dem 
minneklichen  got  reizlicb  ziehe. 

Es  ist  och  ze  wussen:  do  die  quaternen  diss  ersten  sinnen« 
riehen  bäches  heinlich  beschlossen  lagen  vil  jaren  und  dez  dieners 
todes  beiteten,  wan  er  sich  in  rechter  warhoit  ungern  dur  mit  bi 
sinem  lebenne  keinem  menschen  wolt  offnen,  ze  jungst  do  seit  in 
sin  bescheidenheit,  daz  ze  disen  ziten  nah  dem  gegenwärtigen  lof 
der  abnemenden  menscheit  besserr  und  sicherr  weri,  daz  daz  bucH 
mit  gotes  urlob  wurdi  geofnct  sinen  obren,  die  wil  er  lepti  und  i 
Hieb   wol   uf  ellü   stuk  diser  warheit  versprechen   könde,   denn  ii 


2  etlicher  S        6  reht  A^aW        11  f.  von  der  lere  in  verkerlich  h.  g.  JK 
12  ergem  A         16  meinung  ASA^E  20  sinen  fehlt  SI{  23  underiilm] 

KURaW       29deBA'aIiW        81  dur  nüt  iC        32  doJehHKUa        34  bem 
:>'KU  sicher  SA^  sichrer  KT         35  sinem  AW 


Prolog  des  Exemplars, 

■m  tode,  ob  Joch  daz  also  gevieli,  daz  etlicbü  UDveratandnil  men- 

!!D,  der  rede  nit  ze  ahten  iBt,   daz  dii  hier  uinb  in  verkerlicher 
:  valgch  arteil  dar  über  wurdin  gebende,  die  ain  guten  meinung 
iaue  Dit  w61tiu  an  sehen,   ald  die  vi>n  ir  grobbeit  kein  besBere 
I  selber  kunneii  verBtan.    Wau  es  möbti  wol  also  Bin  ergangen, 
es  Da  sinem  tode  deu  lawen   and   gnadloBen   weri   worden,   die 
n  erbet  dar  mit  hetiu  gehabt,  daz  es  fürba/,  got  ze  lob  begirigeo 
BHcbcD  wen  gemeinsamet,  und   tnüsti   also   uuuuzberlich    Bin   ver- 
Bgen.    Ocb  möhti  sin  geBcheben,  daz  es  blinden  an  der  bekantnnst 
den  argen  an  dein  gemtite  dez  erBteu  weri  wurdeu,   die  es  von 
gebi-eetlithen    uugunBt   hctin    under   gedruket,   ala   och    me   ist 
lebeo.     Dar  umbe   erbaldet   er   »ich    mit   ainer   götHcben   kraft 
BÜndert  itBSer  disem  bfteh  die  aller  höbsten  sinne  und  die  aller 
eakfiten  materiell,  die  iene  bie  Bttind,    und   gab   sie   selb  dez 
ze    überiesene   einem    hohen   ineister,   der   waz   von   got   mit 
lenrichen   tagenden   wol    begäbet    und   waz   an   g&tlicbcr    kunst 
I  bewerter  [3 ']  maister.     Dar   zö    waz   er   über   tüteches   land   in 
dier    orden    gewaltige    preUt.     und     hieBS     maister     Bartholo- 
Dem    enlwnrt   er   es   demüteklich,    und   er   überlaz   es   mit 
ganzen  wolgeyallen  eines  herzen  und   meinde,    es   weri   allea 
:  als  ein  togenlicher  süzzer  kerne  uss  der  heiligen  scbrift  allen 
^eeehenden  menücfaen.     Dar  nach  do  du  gemain   lere   ward  zb 
n  geeezzet,  nf  daz  daz  ieder  mensch  dan  ein  hie  fundi,  und  er 

7  dorch  micb(!)  EU        14  ga\i  fehlt  KU       23  f.  zh  d.  wart  gesclzet  A^ 

13  sinne  hier  mit  ÖfttTS  =  /rnnleiUtae,  Sfriiche,   Austiirüehe,  Thesen,  Ab- 

Sammlungen  van  Viüereteileii  und  Släteultsutt  aut  schotaHtiiichan 

!  m^ürhtn    Autoren    (Setilenien.    auch   .Summen   fftnannl)   sind   stit    litm 

fjl.  »thr  häitfig  ;  vgl.  Denifii  in  ALKGM I,  58b.  18  Bartholomaau  von 

Ml.     Ohtr  ihn  s.  Dtnifie  8  A.  1  u.  ALKGM  II,  334:  Prtger,    Vor- 

33/.;   Jundl,   Histoirt  du  panthiisme  populaire  au  mogtn  äge.   Porig 

I  aw». .  Pnintignon  im  Frtibayger  Diöiuanarchiv  X  VI,  11/.,  IS,  iU;  QuÜif 

■      t,  Striptortf  nrdiais  Praedicatontm  1(1719),  6ST ;  Sftill,  Ephemeridtg 

■no-aacrae  I  11691),  :i3.     Er  stammte  atm    einem    angetehtncn,  frähtr 

^kUrdiof«,    atit    dem    in.  Jh.    im    Breisgaa    antnetigen    Adelsg&eMeeM 

von  Knobloch.   Oberbadisches  GeichleclUrrbach  I  [1898],  140f.),  war 

Ir  im  SlriUBburgtT  Preiligerkloittei;  Prior  in  Freiburg  (fi,   Mayiiter  der 

\fgit  in  Pari«  and  magtstcr  gaeri  palatii  apostolici.  lag  1361  in  Paria  dit 

tem   fMOPH  /!'  [1999],  337J   und   vertBaltete   vm  1354   bin    ea   »einem 

13G3    (Nekroloj/ium    det    Feeihurger    Dominikaiierkloflerii,     Poingignon 

tt.43  a.  Ad^httueer  Chronik  den  Joh.  Meyer  a.  u.  ".  i;-)  das  Prnvintialat 


6  Prolog  des  Exemplars. 

im  daz  gemein  och  wolt  han  gezfiget,  do  zukte  der  minbekli 
disen  edeln   maister  von   binnan.     Do  der  diener  veniam, 
tot  waz,  do  ward  er  gar  sere  betrübet,  wan  er  nit  wäste,   ^ 
dar  mite  ze  tun  was.     Also  kom  er  sin  mit  vil  grossem   er 
die  ewigen  wisheit  und  bat  si^^  daz  si  in   in  der  sacbe  dez 
bewisti.     Dar  na  rieiswen  do  ward  er  erhöret,   und  der  vor] 
maister  der  erschain  im  vor  in  ainer  liehtricher  gesiht  und 
kund,  daz  es  gotes  guter  wille  were,  daz  es  färbaz  würdi  g 
samet   allen    gfitherzigen    menschen,    da    mit  rehter   meinnn 
jamriger  belanguug  sin  hetin  ein  begeren. 

Swer  nn  gern  ein  gfiter  seliger  mensch  wurdi  und  gotes 
heinlichi  gern  heti,  oder  den  got  mit  swerem  liden  gemeine 
als  er  gewoniich  phliget  ze  tftne  sinen  sundren  fründen,  den 
dis  buch  gar  ein  tr6stlichü  behulfenheit  Es  git  och  gfitb< 
menschen  ein  liehtrich  wisnnge  ze  götlicher  warheit  und  vernä 
menschen  einen  richtigen  weg  zu  der  aller  höhsten  selikeit. 


1  erzöget  K         2  cliseui  S         do  er  die  rede  vemam  A^         4 
7  [der]  erschein  -4*  W        10  jomrigem  belangen  A^R        12  sweren  lide: 


Erstes  Buch. 

Seuses    Leben. 


Erster  Teil 


Hlenhet  an  daz  erste  tail  dizz  bflches,  daz  da  haisset  der  Sdse, 

Es  waz  ein  brediger  in  tiitsciiem  lande,   von  geburt  ein  Swabe, 

ia  nam  gescliriben  sie  an  dem  lebenden  bi'ieh,    Der  bat  begird,  daz 

er  wurde    nnd   bit^ase   ein   diener   der   ewigen  wisheit.      Er    gewan 

&kDDtsami  eins  beiligen  erlabten  menseben,  der  ein   vü  erbetseliger 

lidtuder  nienscb  waz  in  diser  weli     Der  mensch   begert  von  im, 

hl  er  ir  etwaz  seiti  vun  lidene  usser  eigenr  enpfindunge,    dar  abe 

ir  lidendes  herz  ein  kraft  mÖhti  nemen;   und  daz  treib  si  vil  ziteB 

ime.      Wenn  er  ztt  ir  (com,    do   zoch   si    im    ns   mit   heinlichen 

nAsgen  die  wise  sines  anvanges  und  fürgangs  nnd  etliefa  ubunge  und 

,  liden,  die  er  bat  gehabt,    du  seit  er  ir  in  gotlicher  heimlichi.      Do 

Eti  7on  den  dingen  trost  und  wisung  befand,  do  schreib  ei  es  alles 

las,  ir  selb  nnd  och  andren  [3'j  menschen  ze  einem  hehelfen.  und 

(et  daz  versloln  vor  ime,  daz  ev  mit  dnr  von  wüste.     Dar  na  neiswen, 

b  do  er  diser  geischlichcn   däpstal   innen   ward,    do   straft   er  si  dar 

Dinbe,   nnd  mßste  im  es  her  us  geben.      Er   nam   es   und   verbraud 

es  alles,  daz  im  do  ward.     Do  ime  daz  ander  teil  ward  und  er  im 

in  glicber  wise  och  also  wolt  hau  getan,    do  ward  es  understanden 

mit  bimelscber  hotschaft  von  got,  du  im  do  geschah,  du  daz  waute. 

1  Bote  Obergehriß:  Ais  ist  Am  sflaen  leben  P  Assit  principio  aaiicta 
Hnia  meo  Item  der  wmier  saea;  darunter:  Hie  vahet  —  Söse;  am  imttrn  Rand: 
Dkz  bflch  von  di-m  dlner  der  ewigen  wiHzhayt  M  duz  leben  eins  predigera 
der  do  bies  güse  N  daz  da  —  Sftse  fehlt  A'  5  heil,  fehlt  A'  5f.  erber 
setiger  PM  erher  selig  lidendcr  A'  7  enger  M  dar  nmb  Ma  9  körnende 
wa^  A'  11  du]  do  M  lä  tüle«  fehlt  S  13  an]  in  P  14  tfit  J/  er] 
<«  A}  neiHwi  A^  17  [du]  ward  P  ucli  ward   M  18  in  fem  A' 

19  bkimoUcher  M        d6  Im  da/  M 

3  Vffl.  Hör.  127:  eviug  nomen  sil  i»  Ubro  vitae  (Jt.  iji.-  Dmn.  13,1; 
Phü.  4.3  wuj         B  Etibtth  Slagel.  Ä'«i«w  rjeütliehc  Tochter :  vgl.  Kap.  33. 


8  Leben  Seoses,  Prolog  und  Kap.  I. 

Und  also  bleib  dis  nagende  un verbrennet,  als  si  es  den  meren  tei**. 
mit  ir  selbes  banden  bäte  gescbriben.     Etwaz  guter  lere  wart  od 
na  ir  tode  in  ir  person  von  im  dar  zft  geleit. 


Der  erst  anvang  dez  dieners  beschab,  do  er  waz  in  dem 
zebendem  jare.     Und  do  er  dero  selben  jaren  fünfü  geischlici^ee 
scbin  bat  getragen,  do  waz  dennocb  sin  geinüte  ungesamnet;  eht    j^ 
got  bebftte   vor   den   meisten   gebresten,    du   sinen   lünden   mohfeo 
swecben,  so  dabte  in,  dez  gemeinen  m6bti  nit  ze  vil  werden.    Hier 
inne  waz  er  docb  von  got  neiswi  bewaret,  daz  er  ein  angenügde  in 
im  vand,   wa   er  sieb  bin  kerte  zu  den  dingen,    du  ime  begirlioh  10 
waren,  und  dubt  in  als  es  weri  neiswaz  anders,  daz  sin  wildez  ben 
friden  sölte,  and  was  im  we  in  siner  anrüwigen  wise.    Er  bäte  alle 
zit  ein  widerbissen  und  konde  docb  im  selb  nit  gebelfen,  unz  das 
in  der  mute  got  dar  von  entledgot  mit  einem  geswinden  kere.    Si    , 
namen  wunder  ab  der  geswinden  endrunge,  wie  im  gescbeben  weri,  U 
und  spracb  eine  dis,  der  ander  daz,   aber  wie  es  waz,   daz  rftiie 
nieman,  wan  es  waz  ein  verborgen  liebtrieber  zug  von  got,  und  der 
wurkte  geswintlicben  den  abker. 

I.  Kapitel. 
Ton  den  vorstrlten  eins  anvahenden  menschen. 

Do  im  dise  indruk  von  got  bescbab,  do  erbüben  sich  bald 
etlicb  vorstrite  in  ime,  mit  dien  in  der  fient  sines  heiles  wolt  bai 
verierret.  Und  die  waren  also:  daz  inrlicb  triben,  daz  im  von  go* 
waz  worden,  daz  vordret  von  ime  einen  lidigen  vonker  von  alle» 
dem,  daz  im  ein  mitel  möhti  bringen.  Dem  widerstund  dA  aa- 
vehtung  mit  einem  inscbicssenden  gedank  also:  „bedenk  dich  bai, 
es  ist  Übt  an  ze  vabene,  es  ist  aber  mülicb  ze  volbringen."  D* 
iure  ruf  der  bot  für  gotes  kraft  und  sin  hilf,  der  widerruf  meiade, 
es  enwer  kein  zwivel  an  gotes  gewalt,   es  weri  aber  zwivellich,  ob 


1  also  fehlt  P  3  [in  —  im]  darzu  geschriben  M  Ainen  ^  4  fi* 
ÜberscIiHft:  von  dem  gotlichen  intruck  Cap.  I  N;  die  übrigen  Hbs,  haben  Uf 
kein  neues  Kapitd.  9  imgemugd  M         12  entfriden  P  alle  /eÄft  A* 

17  der  fehlt  M  18  acker  A'  22  erstriteii  P  mit  dien  fMt  A^  dem  Ö 
24  vordret]  vertreip  P  vorker  M  25  mitte  A^  28  inrüffe  A^  [der! 
bot  (bat  A'^  für  PA'\Va        got  P 


Leben  .SeuHen.     Kiip.  I.  9 

er  welle.     Üez  ward  er  och  hewiset  kiiiitlicli,  wan  daz  hat  der  milt 

got  beweret  mit  sjoeii  gQten  geheisseu  usser  siuem  götlichen  muude, 

das  er  nerlichen  [4'']  helfen  welie  allen  den,  die  es  in  einem  namen 

an  vahent.      Do  dii  gnade    in  disem  atrite  an  ime  gesigte.   do  kom 

t  ein  vieotlicher  gedank  in  fründes  bilde  und  riet  im  also:    „es  mag 

g6t  sin,   da  Holt  dich  besron,   aber   du   solt   uit   ze   vast  dur  binder 

komen.      Vah  es  an  also  messeküch,    daz  du  es  mngist  volbringen, 

da  solt  vast  e»tsen  und  tiinken    und   dir  selb  ^ütlieh  tiin.   nnd  solte 

dich  da  mite  vor  sfindea  hüten.     Bis  wie  göt  du  will  in  dir  selb. 

Ol  nnd  doch  also  raegseklieb,  daz  die  lüt  von  ussnen  keinen  gruBen  ab 

ilir  tieoien;    nach   der   litten   rede:    ist  daz  herz  {;üt,  so  ist  es  alles 

gftl.    Du  macht  mit  den  Uiten  avoI  frolich  sin,   und  doch  ein  gilter 

menseli  sin;  endrü  menschen  wen  och  ze  himelrich  komen,  die  doch 

nil  liein  ein  so  übiges  leben."     Hie  mite  und  dez  EjHch  wart  er  dn 

j  15  gar  vast   angevohten;    aber   die  betrogen   rete   widerwarf   du   ewig 

wislieit  in  ime  also:   „swer  den  belen  visoh,  der  da  heissct  ein  al, 

lii  dem  sweif  wil  liaben  und  ein  heilige»  leben  mit  lawkeit  wil  an 

"ihea,  der  wirt  in  baiden  betrog:en;   wan  so  er  wenet  haben,  so  ist 

n  endninneu.     Wer  och  einen  verwenteu  widerspenigen  lip  mit 

ftairtheit  wil  überwinden,  der  bedarf  göter  sinnen.     Der  die  weit  wil 

I  lallen   und    doch    got    Tolkomenüeh    dienen,    der    wil    unmüglicber 

'  ikgea  phlegen  und  gottes  1er  selb  felschen.    Dar  umb,  wilt  du  ab 

lusen,  so  lass  och  ze  frumen  ab."     In  disem  gevehte  waz  er  neiswi 

lang;  ze  jungst  gewan  er  ein  getürstekeit  und  kerte  sich  vermügent- 

^Jicb  vun  den  saclien. 

Sin  wilder  mf\t  nsm  des  ersten  menges  sterben  von  dem  er- 
ecbcne,  daz  er  tet  von  fipiger  geselschaft,  Etwen  überwand  in 
idü  natnr,  daz  er  zfi  in  gie  dur  ein  lihtrung  sines  gemütes,  und  be- 
»chah  gemeinlich,  daz  er  frSliche  dar  gie  und  trurige  von  in  gie; 
^1  «an  du  red  und  kurzwil,  die  sü  fftrten.  waz  im  unlustig,  und  aber 
da  «ine  waz  in  unlidig.  Underwilent,  so  er  zf^  in  kom,  so  äptan 
sä  in  mit  s6lichen  worten.  Eine  sprach  also:  „waz  sonder  wise 
tiasl  du  dich  an  genomenV     Der  ander  sprach:  „ein  gemein  lelien 


1  er  /thU  PH  och]  oIbo  M  1  f.  wan  es  der  mute  gotte«  beweis  i*A' 
S  betrart  M  5  fränd.]  A-om<]ei<  f  7  also  an  P  9  hCidiI  P  10  gmew] 
rrgmug  P  11  e«  fthll  S  12  wol  frei,  »n   loit  d.  I.  S  IS  ain  mit 

udrni  ni-,   wenn  Oie  wih  K         hiiud  MaXRW  16  rede  KA^  rflder(I)  P 

16  in  ime]  iiiinne  K  17  Awanx  MR  21  voUekUch  PK  i.  wil  dienen 
wa  Tolk.  d-  A'  23  och|  es  P  doch  A'  31  du  sine  rede  P  32  niscn 
aa  an  dich  K 


-J 


10  Leben  Seuscs.    Kap.  U. 

weri  daz  sicherst.**  Der  dritte  seite:  „es  nimet  niemer  gftt  ei 
Und  also  gab  in  eine  dem  andern.  Er  sweig  als  ein  stumbe 
gedahte:  „wafen,  zarter  got!  Es  ist  nät  bessei*  denn  fliehen.  H> 
du  na  dis  red  nit  geh6red,  so  könd  si  dir  int  'geschaden.^ 
ding  waz  im  do  ein  pinliches  liden,  daz  er  nieman  hate,  den 
sin  liden  klagti,  der  daz  selb  sQchti  in  der  sielben  wise,  als  [4^ 
gerufet  waz.  Dar  umbe  gie  er  eilend  und  lieblos  und  enzoh 
mit  groser  gezwungenheit,  daz  im  dur  -im:  waii;  ein  grfissü  süse 


IL  Kapitel. 

Yon  demV Übernatürlichen  abzug,  der  Im  do  ward. 

In  sinem  anvang  do  geschah  eins  males,  daz  er  kom  in 
kor  gendc  an  sant  Agnesen  tag,   do  der  convent  hat  enbisse: 
mitem  tag.     Er  waz  da  alleine  und  stund  in  dem  nidren  ge 
dez  rehten  chores.     Dez  selben  zites  hat  er  sunderlich  gedrenge 
swerem  liden^  daz  im  ob  lag.     Und  so  er  also  stat  trostlos 
nieman  bi  im  noh  umb  in  waz,   do  ward  sin   sei  verzuket  in 
libe  neiss  ussdem  libe.>    Da  sah  er  und  horte,   daz  allen  zui 
unsprechlich  ist:  es  waz  formlos  und  wiselos  und  hate  doch 
formen   und  wisen  frödenrichen  lust  in  ime.     Das  herz   waz  | 
und  doch  gesatet,  der  müt  lustig  und  wol  gefuret;  im  waz  wAns 
gelegen  und  begeren  engangen.     Er   tet  nüwen   ein  steren   in 
glanzenrichen    widcrglast,    in    dem    er   gewan   sin  selbs  und 
dingen   ein  vergessen.     Waz  ez  tag  oder  naht,   dez  enwust  er 
Es  waz  dez  ewigen  lebens   ein  usbrechend&  süssekeit  nach   ge 
würtiger,  stillestender,  riiwigen    enpfintlicheit.     Er  sprach  dur 
„ist  dis   nit  himelrieh,   so  enweis  ich  nit,   waz  himelrich  ist; 
alles  daz  liden,   daz  man  kan  gewörten,   enmag  die  fr&de    nit 
billich  verdienen,  der  si  eweklich  sol  besizzen.**     Diso  übersw» 
zug  werte  wol  ein  stunde  neiss  ein  halbe;   ob  du  sei  in  den 
belibi  oder  von  dem  lip  gescheiden  weri,  des  enwust  er  nit.     E 


4  uiircd  M  G  in  ir  [selben]  >vi8  M  wiz  A  7  erzoh  M  Ij 
s.  u.  an  sant  agnesiin  tag  do  beschach  daz  er  kam  gand  in  den  chor  M  \ 
sund.  ^.  A^  17  ueiszwi  A^  18  weselos  P  21  vergangen  K  vngi 
AA"  23  ein  fehlt  M  24  Eh]  er  A^  25  stillender  A^  27  gewart 
mag  ASa  2fl  neiss]  ald  K  30  das  iV 

12     21.  Januar,  l«f.    Vgl  II  Kor.   U,3f, 


Leben  Seusefl.    Kup.  III.  H 

vider  zu  im  selb  kom,  do  wnz  im  in  alter  wise  ale  einem  menseben, 
der  von  einer  andren  weit  ist  komen.  Dem  lip  geschah  als  ne  von 
dem  karzen  ogenblik.  daz  er  nit  wände,  da/,  keinem  menschen  ane 
lien  tod  in  so  kurzer  frist  so  we  molit  geschehen.      Er   kom   wider 

ineiswi  mit  einem  grundlosem  süfzen,  and  der  lip  seig  nider  gen 
fcr  erde  wider  einen  dank  als  ein  mensch,  dem  von  nnmaht  wil 
Itbretten.  Er  erschrei  inrlich  und  ersüfzet  ingruntlich  in  im  selb 
iBil  sprach:  „owe  got,  wa  waz  ich,  wa  bin  ich  nu?"  und  sprach: 
,ach  lierzkliches  gut,  dieu  stunde  enmag  von  minem  herzen  niemer 

linnft  komen."  Er  gie  da  mit  dem  übe  und  ensah  noch  enniarkte 
umesdig  nieman  nüt  an  ime;  aber  [5']  sin  sele  tnid  müt  waren 
inwendig  vol  himelscfaes  wundei-s;  die  himelscben  blike  giengen  nnd 
wdergiengen  in  siner  innigosten  inrkeit,  und  waz  im  neiswi  als  ob 
«r  ia  dem   lüfte   swebti.      Die   kreft   siner   sele   waren    erfüllet   dez  . 

Wtnssen  bimelsmakes,  als  so  man  ein  gfit  latwergen  usser  einer  bühsen 
«intet  und  du  bühs  dennoch  dnr  n;t  den  gflten  smak  behaltet. 
Diser  himelscher  smak  bleib  im  dur  na  vil  zites  und  gab  im  ein 
bioflsch  senung  nah  got. 

III.  Kapitel. 
"  Ifie  er  kam  in  die  geistlichen  genialtelscliart  der  ewigen  wlsheit. 

Der  lot.  uf  den  sin  leben  dur  na  vil  zites  geribtet  was  mit 
inrlicher  ubange,  waz  ein  steter  fliz/,  cmzlger  gegen würtikeit  in 
BiDneklicIier  vereinung  mit  der  ewigen  wisheit.  Aber  wie  daz  des 
fntcn  gewnnni  einen  anvang,  daz  mag  man  merken  an  siuem 
häthhn  der  wisbeit  in  lutsch  und  in  latln,  du  got  dur  in  bat  ge- 
m«chet. 

Er  batc  von  jngent  uf  ein  minneriches  berz.  Nu  erbütet  sich 
da  enig  wisbeit  in  der  heiligen  scrift  als  minneklich  als  ein  lütseligi^ 

i  ile»  bCBcliach    dem  I.  A'          6  einem  menschen  PMS'W        8  sprach 

/(Ab  M        10  dem  frltlt  A^  ood]  noch  Ä'        15  lectuaricii  AA'  electuarium 

«fS'«'      16  dnr  na  /Ml  M  17  bleib  [im]  M      20  gehü.  fehü  M       21  dnr 

am  fthlt  P       2*2  doK  waz  ^1/  gegcaw.]  wirdeksit  M      24f.  viaea  bücblauhen 

15  electaarinm,  Utwnrje,  latwerje  fLexer  I,  lB40f.)  =:  diek  HngekoetiUr 
it^  vtrtehiedtner  Beil-  itnd  WOrikräater,  ah  Salbe  in  einer  Büchne  oder  in 
Avffjfttn/ann  aufheteahrt:  vgl.  M.  Heyne,  Fflnf  BBcher  deutlicher  BnutialUr- 
limer  III  (19fl3),  IM  f.  25  Büchlein  der  ewigen  Weisheit  und  Nor  " 

Sapientiae. 


12  Leben  Seuses.    Kap.  in. 

minnerin,   da  sich   finlich   nf  machet,   dar  umb  daz  8i  menlich  w^ 
gevalle,   und  redet  zartlieh  in  fröwlicbem  bilde,   daz  si  ellA  herz^ 
gen   ir  geneigen  muge.     Underwileut  seit  si,   wie  betrogen  anc^ 
minnerin  sien  und  wie  recht  minneklich  und  stet  aber  si  sie.     £r 
von  wart  sin  junger  niut  gezogen,  und  geschah  im  von  ir,  als  so    ^ 
pantier  sinen  süssen  smak  us  lat  und  du  wilden  tier  dez  waldea 
ime  zühet.     Dis  reizlich  wise  hate  si  gar  dik  und  ein  minnekliei}i 
luderen  zu  ir  geischlichen  minne,  sunderlich  an  den  bucbern,  dik  d 
heissent  der   wisheit  bucher.     Wenn  man  du  ze  tisch   laz,   und  ei 
denne  derley  minnekosen  horte  dar  ab  lesen,  so  waz  im  vil  wol  ze 
mute.     Hie  von  begond  er  ein  elenden  han  und  gedenken  in  sinem 
minnerichen  mute  also:  „du  soltest  reht  versuchen  din  gelük,  ob  dir 
disü  hohü  minnerin  möhti  werden  ze  einem  liebe,  von   der  ich  ab 
grössü  wunder  hör  sagen,   wan  doch   din  jungez  wildes  herz  ane 
sunder  liebi  nit  wol  mag  die  lengi  beliben.^     In  den  dingen  oam 
er  ir  dik  war,  und  viel  im  minneklichen  in  und  geviel  ime  wol  in 
herzen  und  in  mute. 

Es  geschah,  so  er  momendes  aber  dar  ze  tisch  gesass,  so  r&fte 
si  US  der  wise  Salomon  und  sprach  also:  „Audi,  fili  mi!  H6r, 
kint  mins,  den  hohen  rat  dins  vater!  Wellest  du  hoher  mione 
pflegen,  so  solt  du  zu  einem  minneklichen  lieb  die  zarten  wisbät 
nemen,  wan  si  git  iren  minnern  jugent  und  mugent,  edli  und  rieh* 
tum,  ere  und  [5^]  gefür,  grossen  gewalt  und  einen  ewigen  namen. 
Si  machet  in  minneklich  und  lert  in  wesen  hoflich,  lob  vor  deo 
luten,  rftm  in  den  scharen;  si  machet  in  lieb  und  werd  got  und  deo 
lüten.     Dur  si  ist  daz  ertrich  geschafen,   dur  si   ist   der  himel  ge- 


2  frolichein  PA'W  4  siiit  SaN  5  also  31  8  lüder  Jtf  suDderÄP 
in  d.  b.  P  9  zö  tusche  (.!)  JPaW  10  diT  minn  der  lay  koseu  M  11  eUetd 
Ma  W  14  horte  F  herz  also  wildez  M  15  die  lengi  fefUt  P  16  dik 
fddt  A'  18  dar  fehlt  A'aNW  do  röfte  im  [us]  ^*  19  mi  etc.  Kß 

22  lugend  u.  m.  M  24  Si  —  25  scharen  nach  26  lüten  M  25  go£  T« 

d.  1.  P        26  beschaffen  P        [ist]  der  A"^ 

6 f.  Zuerst  hei  Aristoteles,  Eist.  Antm.  JX,  6  (p,  612  a,12  98.)  erwokid, 
dann  im  Physiologus  (Fr,  Lauchert,  Ge^ch,  des  Phys,  1689,  19,  176/.,  199  fj^ 
bei  VinBenz  von  Beauvais,  Spec.  nat.  XX,  99  und  bei  Seuses  Zeitgemossn 
Konrad   von   Mcgtnherg   (j  1374),    Buch   der    Natur   ed.   Pfeiffer  1861,  W 

9  Als  „  Weisheitsbücher''  (Libri  sapientiales  oder  morales)  wurden  im  MiM 
alter  sämtliche  Lehrschriften  des  Altm  Testamentes  bezeichnet^  besonders  dj 
Libri   Salomonis    quinque    (Sj)richto.,    Höh,    Lied,    Pred.,     Weish,,     Siraeh 

19—13,2  Weisheit  K,  7  u.  8,  besonders  8,2.  10.  18.  Sprichw.  K.  i— ^,  h% 
3,19.  4.L 


Leben  SeuRea.    Kup.  m. 

htael  und  daz  abfand  andergründet.  Der  si  hat,  der  ^t  ge- 
iriich  nnd  Bchlaffet  rftwklich  und  lept  sicherlich."  Do  er  die 
h(D  rede  also  bort  lesen  vor  ime.  do  zehand  gedabte  sin  sendes 
rz  also:  „owe.  wel  ein  lieb  daz  ist!  Wan  ni&hti  mir  du  ze  teil 
mlen,  wie  wer  ich  denn  so  recht  wol  beraten!"  Daz  widerzugen 
bdä  bilde,  nnd  gedaht  also:  „aol  ich  minnen,  da?,  leb  nie  gesach, 
I  ich  enweiss,  »az  es  ist?  Es  ist  besser  ein  bandvol  mit  besizene 
BD  ein  husvol  allein  mit  wartcne.  Der  hob  zitnbret  nnd  weh 
inel.  der  gewinnet  nnderwilent  bungermal.  Disü  herii  mionerin 
irigöt  lieb  ze  haben,  liessi  si  ire  diener  de?,  libes  wol  und  zärtlich 
legen.  \n  eprichet  ei  also:  „gQtu  niQrsel  und  starken  win  und 
nge«  schlaffen,  wer  de?,  wil  pflegen,  der  endarf  sich  der  wisbeit 
inne  nietner  an  genenien,"  Wa  wurden  ie  keinem  diener  so  hertü 
H  für  geworfen"?  Daz  widersprach  ein  götlicber  gedank  also: 
Ibt  minne  von  altem  recht  höret  zu  liden.  Nu  ist  docb  enkein 
iriier,  er  sie  ein  lider,  noch  kein  minner,  er  si  ein  martrer.  Dar 
rit  ist  nit  nnbillich,  der  so  boh  minnet,  ob  im  etwen  ein  wider- 
Migeg  begegent.  Nim  her  für  alles  daz  ungehik  nnd  verdrossen- 
H,  daz  die  weltminner  müssen  erüden,  es  ei  in  lieb  ald  leid." 
1  disem  nnd  derley  insprechene  ward  er  denne  aber  vestklicb  ge- 
hfcet  ze  volbprteue.  Des  gelich  beschah  im  vile.  Etwen  hat  er 
In  willen,  underwilent  licRS  er  sin  herz  aber  nf  zerganklich 
Ine.  So  er  denne  bin  und  her  gesftchte,  so  vand  er  ieraer  etwaz, 
■  der  gant7.e  ker  sines  herzen  widerspracli,  von  dem  er  denn  ward 
ff  wider  getriben. 

I  Gins  tages  las  man  in  ze  tische  von  der  wisbeit,  da  von  ein 
R  ingmotlieh  bewegt  ward.  Si  sprach  also:  „sam  der  scbAne 
pboDi  blüget  nnd  als  der  hohe  liban  unverschniteu  smaket  nnd 
k  der  nnvermiscbet  baisam  röchet,  also  bin  ich  ein  blandes,  wol- 
hhendes,  un  vermischtes  Heb  an  urdruzz  und  ane  biterkelt  in 
ndloseT  minneklicher  süzzekeit.  Aber  alle  ander  minnerin  hein 
M  wort   und    bitem    Ion.   ire  herzen   sint  dez  tndes  seginan,    ire 


2  schaffet  KP  lept]  gBt  S  loft  P  3  diso  fehlt  >V  hört  leaeii  also  Jtf 
At  «hand  K  i  wel]  wie  KaW  S  Joch  also  M  7  wux  <1bz  ist  P 
M]  bobe  i*  10  ze  fehll  .S  12  den  eniiarf  A'  bedarf  MW  U  als» 
.Jf  17  e).wrn]  iergent  A'  widerwerlikcit  P  20  denne  fthlt  K 

/tut  A'  en-terket  M         26  in]  im  MaW,   fehlt  K         27  gmolJieh 

)t  M        38  liubuiu  M  lilian  A^        80  undniee  A        32  herzen]  herrcn  A 


7    Vgl.  Prrdig.  4,6. 
*  24.18.  30.  SJ. 


11—13   Vgl.Sprichw.i 
32    Vgl.  Pred.  7^7. 


W.  :'l,]r. 


27  ff.  Vgl. 


14  Leben  Seoses.    Kap.  III. 

bend  sint  iseDhalten,  ire  red  gesüstü  [6 ']  gift,  ire  kurzwile  erenrok 
Er  gedahte:  „wafen^  wie  ist  dis  so  war!*"  und  sprach  frilich  iu  I 
selb:  „gewerlieb;  ez  müs  recht  sin^  si  müs  rebt  min  liep  sin,  i 
wil  ir  diener  sin/  Und  gedahte:  „ach  got,  wan  mfibti  ich  d 
lieben  nüwan  einest  gesehen,  wan  möhti  ich  nüwan  einest  zu 
red  komen!  Ach  wie  ist  das  liep  gestalte  daz  so  vil  lastlicfae 
dingen  in  im  hat  verborgen?  Weder  ist  es  got  ald  mensch;  fron 
oder  man;  kanst  ald  list;  oder  waz  mag  ez  sin?*^  Und  als  verr  er 
si  in  den  usgeleiten  bischaften  der  schrift  mit  den  inren  ogen  ge- 
sehen mohte;  do  zogte  si  sich  ime  also :  si  swepte  buh  ob  ime  in 
einem  gewülkten  throne,  si  luhte  als  der  morgensterne  nnd  schein 
als  du  spilndü  sunne;  iru  kröne  waz  ewikeit;  ire  wat  waz  selÜLeit, 
irü  wort  süzzekeit;  ire  umbfang  alles  lustes  gnuhsamkeit.  Si  wu 
verr  und  nahC;  höh  und  nider,  si  waz  gegenwärtig  und  doch  ver- 
borgen ;  si  liess  mit  ir  umb  gan,  und  moht  si  doch  nieman  begriffen. 
Si  reichete  über  daz  obrest  dez  böhsten  himels  und  rftrte  daz  tiett 
des  abgrundes ;  si  zerspreite  sich  von  ende  ze  ende  gewalteklich  und 
richte  ellü  ding  us  susseklich.  So  er  iez  wände  haben  ein  sehte 
jungfrowen,  geswind  vand  er  einen  stolzen  jungherreu.  Si  geharrt 
etwen  als  ein  wisü  meisterin,  etwen  hielt  si  sich  als  ein  vil  weiden- 
lichä  minnerin.  Sie  bot  sich  zu  im  minneklich  und  grfizte  in  fil 
lechelich  und  sprach  zu  ime  gutlich:  „PrebC;  fili,  cor  tann 
mihi!  Gib  mir  diu  herz,  kind  mins!**  Er  neig  ir  uf  die  faflN 
'Und  danket  ire  herzeklich  uss  einem  demütigen  gründe.  Dis  ward 
ime  do,  und  nit  me  mofat  im  do  werden. 

Dar  na  ge wonlich ,  so  er  also  gie  verdahte  nah  der  allei 
lieplichosteu;  do  tet  er  ein  inrlich  frage  und  fragte  sin  minnesftchendei 
herze  also:  „ach  herz  mins,  lüg,  wannen  flässet  minne  und  elH 
lütselikeitV  Wannen  knmt  ellü  Zartheit,  Schönheit;  herzlust  od 
lieplichi  ?  Kunt  ez  nit  alles  von  dem  usquellenden  Ursprung  da 
blossen  gotheit?  Wol  uf  dar,  herz  und  sin  und  mftt,  dar  in  im 
grundlos  abgründ  aller  lieplichen  dingen !  Wer  wil  mir  nu  werrea' 
Ach,  ich  umbvach  dich  hüt  nach  mins  brinnenden  herzen  begirde! 
Und  denne  so  trukte  sich  in  sin  sele  neiswi  der  ursprünglich  usftoi 


1  gesüssestc  S  2  wafeu  fehlt  M  4  wan  fehlt  MaW  5  an  f 
sehen  M  9  mit  [den]  K  11  gewilketen  trone  gewolketen  <^  14  d» 
fehlt  S  16  rillte  -4*  17  erspreite  P  18  wolt  haben  oder  wonde  haben  a 
22  lech.]  lübklich  (?)  P  26  f.  aller  liepsten  MW  30  us  wellenden  M  81  n 
ufl"  wol  Mfi  KaW       33  Ach  fehlt  S 

• 

16-18  Wdsh.  S;L  22f.  Sprichw.  :i3,26. 


Lebfu  Seuscs.    Kap.  IV.  15 

in  dem  er  bevaud  geiechlicb  allez,  daz  gcbon,  lleplich 
begirlicb  waz;  daz  waz  alles  da  in  unsprechlieher  wise. 
Hie  mite  Itoin  er  iu  ein  gewoobeit,  wenn  er  loblieder  horte 
ider  Büzzü  geitenspil  erklingen  oder  von  zitlichem  Heb  bort^- 
:n  ald  singen,  so  wart  im  sin  [6^]  herz  und  mCit  geewintlicb 
ig  geiiiTt  mit  einem  abgescheiden  inblik  in  sin  lieplichostes  lieb, 
WD  dem  alles  liep  flüsset.  Wie  dik  daz  minneklich  Hep  mit  minne- 
wdoenden  ogeii,  mit  uazergpreitem  grundlosen  herzen  sie  umbvangen 
!  in  daz  minnenrich  herz  lieplich  gedruket,  daz  weri  unsäglich, 
geeebaeh  hie  von  dik  reht,  als  so  ein  mäter  ir  sugendez  kindli 
ander  den  armen  u(  der  schösse  stende:  als  daz  mit  sinem 
te  Dnd  bewegte  eines  liblis  gen  der  zarteuden  luöter  enbor  vert 
1  sias  herzen  frÖde  mit  den  lechlichen  geberden  erzöget,  also  fbr 
herz  dik  in  sinem  libe  gen  der  ewigen  wisheit  lustrieben  gegen- 
ttikeit  in  einer  enpäntlichen  dnrfloBsenheit.  So  gedabt  er  denne: 
re  herr.  weri  mir  nn  ein  künegin  gemehelt,  dez  gasti  sieb  min 
\;  owe,  nn  bist  du  mins  herzen  keisrin  und  aller  gnaden  geberin! 
dir  han  ieh  ricbtumg  gnüg,  gewaltes  als  vil  leb  wil.  Alles  des, 
ertricb  bat,  wfilt  ieh  nit  me  haben!"  Und  alsus  betrabteude  do 
1  ein  antlöt  so  fr&licb,  siuü  ogen  so  gütlich,  sin  herz  ward 
lierende  and  alle  sin  iuren  sinne  diz  singende:  „Snper  ealn- 
;  etc.,  ob  allem  glükd,  ob  aller  scbonheit,  du  mins  herzen  glük 
BOboDfaeit;  wan  gelükt  bat  mir  mit  dir  gevolget  und  alles  gflt 
iefa  in  dir  und  mit  dir  l 


IV.  Kapitel, 
er  d«n  mlnnekllchea  aamen  Jesus  of  sin  herz  zetchente. 

In  den  selben  ziten  ward  neiswaz  unmeziges  türes  in  .sin  sei 
idet,  daz  sin  herz  in  gütlicher  minne  gar  inbrünstig  macbete, 
tages,  do  er  sin  hevand  in  ime  und  sere  wart  kaiende  in  göt- 
r  minne,  do  gie  er  in  sin  celle  an  sin  heinlicbi  und  kam  in 
iininnekHcta  betrabtunge  und  sprach  also:  „acb,  zarter  got,  wan 

2   «U  /thit  Ä'  i  Bingen   i>der   —   hört   M,  fehit  ASPKA'aNUW 

npr.  A  9  m  /Mi  M.  10  also,  als  %o  M  kint  P  13  Karten 
d'  13  der  lieplichen  c^cb&rd  M  den  lieplichcn  geberden  aW  16  gssti] 
P  18  de»,    (laz   dB!    Uta  20   anlWt]   hen    M  24  dir  terste»j\ 

K        29  enpfand  Pa        31  ein]  Bin  M        wan  feM  Ma 

2]  ff.    i'^il,   Wtish.7,10f. 


* 


16  Leben  Seuses.    Kap.  IV. 

kfind  ich  etwas  minnezeichens  erdenken^  daz  ein  ewiges  minnezeiehen 
weri  enzwischan   mir  und  dir  ze  einem  Urkunde,  daz  ich  din  and 
du  mins  herzen  ewigu  minne  bist,   daz  kein  vergessen  niemer  me 
verdiigen   möhti!*'     In   disem  inbrunstigen  ernste  warf  er  yoman 
sinen  schapren  uf  und  zerlies  vornan   sinen  büsen,  und  nam  einen  I 
grifel  in  die  band  und  sach  sin  herz  an  und  sprach :  „ach,  gewaltiger 
got,  nu  gib  mir  hüt  kraft  und  macht  ze  volbringen  min  begirde, 
wan   du  mAst  hüt  in  den  grund  mins  herzen  gesmelzet  werden. ** 
Und  vie  an  und  stach   dar  mit  dem  grifel  in  daz  flaisch  ob  dem 
herzen  die  richti,   und  stach  also  hin  und  her  und  uf  und  ab,  nni  ] 
er  den  namen  IHS  eben   uf  sin  herz  [7']  gezeichent      Von  den 
scharpfen  stieben  wiel  daz  blfit  vast  uss  dem  fleische  und  ran  Aber 
den  lip   abe  in  den  büsen.     Daz  waz  ime  als  minneklich  an  ze 
sehent  von  der  fürinen  minne,   daz  er  dez  smerzen  nit  vil  ahtete. 
Uo  er  dis  getet,  do  gie  er  also  verserte  und  blutige  uss  der  cell 
die  cancell  under  daz  cruciiixus  und  knäwet  nider  und  sprach:  „eya, 
herr  mine  und  mins  herzen  einigä  minne,  nu  Ifig  an  mins  heneo 
grossen  begirde!     Herr,   ich  enkan  noch  eumag  dich  nit  fürbaz  in 
mich  gedruken;  owe  herr,  ich  bite  dich,  daz  du  es  volbringest  md    . 
daz  du  dich  nu  fürbaz  in  den  grund  mins  herzen  drukest  und  dinen  9j 
heiligen  namen  in  mich  also  zeichnest,  daz  du  uss  minem  henei    2 
niemer    me  gescheidest.  *^      Er  gie   also   minnewnnt  vil   zites,  nu 
neiswen  über  lang,  do  genas  er,  und  beleih  der  nam  IHS  eben  nf 
dem  herzen  stende,   als  er  begeii;  hate,   und  waren  die  bfichstabea 
umb  sich  wol  als  breit  als  du  breiti  eins  geschlichten  halmes,  und  ' 
als  lang  als  ein  gelid  des   minsten   vingers.     Er  trüg  den  namn    i 
also  uf  sinem  herzen  unz  an  sinen  tod,  und  als  dik  sich  daz  hene  ^ 
bewegte,  als  dik  wart  der  nam  bewegt.     In  der  nuwi   waz  es  gar    \ 
schinber.    Er  trug  in  in  der  heinlichi,  daz  in  nie  kein  mensch  gesak, 
denne  eine   sin  gesell,   dem  zöget  er  es  in  gfitlicher  heinlichi.    So 
in  dur  na  üt  widerwertigs  an  gie,  so  sah  er  daz  minneklich  minne- 
zeichen an,  so  ward  im  du  widerwertikeit  dest   lihter.      Sin  bcBü* 
etwen  in  einem  minnekosen  gesprochen:  „Herr,  lüg,  die  minner  diatf 
weit  die  zcichent  irü  liep   uf  ir  gewant,   ach  minne  minü,  so  hil 
ich  dich  in  daz  frisch  blfit  mins  herzensafes  gezeichent.** 


1  ininiu'z.]  miimklich(!)  M  0  die]  sin  M  8  noch  hüte  P  demÄi 
«  stach  den  griffel  da  mit  in  d.  f.  M  11  sin  fMt  S  und  von  A^  13  an«  8\ 
17  und  min.s  —  18  Herr  fehlt  S  ewigü  MA^  22  also  gie  er  M  19^1 
wimt  P  25  <Kil  ein  P  als  du  b.  —  26  lan^  fahU  K  28  An  MA^\ 

20  k«'iu  fehlt  M        in  nach  mensch  A^ 


Leben  Seuses.    Kap.  V.  17 

Eins  males  na  meti,  do  er  von  sinem  gebet  kooi,  do  ^ie  er 
\  sin  cell  und  sass  also  uf  sinen  stül,  und  nani  der  altveter  biich 
nder  sin  hobt  zii  einem  kässin.  In  dem  entsank  er  im  selb  und 
lacht  in,  daz  neiswaz  lichtes  us  drungi  von  sinem  herzen^  und  er 
ögte  dar:  do  erschein  uf  sinem  herzen  ein  guldin  krüz,  und  dar 
in  waren  verwürket  in  erhabenr  wisc  vil  edelr  stein,  und  die  luhten 
zeroal  schon.  Also  nam  der  diener  sin  kapen  und  schlAg  si  über 
daz  herz  Und  meinde,  daz  er  daz  usbrehend  klar  lieht  gern  heti 
bedeket,  daz  ez  nieman  mohti  han  gesehen.  Do  braunen  die  us- 
'driogent  glenz  als  wünneklich,  wie  vast  er  sü  barg,  daz  es  nit  half 
von  ire  kräftigen  Schönheit, 

V.  Kapitel. 

[<']  Ton  dem  vorspil  götliches  trostes,  mit  dem  got  etlichii 

anyahendd  menschen  reizzet. 

'*  So  er  nah  siner  gewonheit  nach  der  mettin  in  sin  kapeil  kern 
nnd  dar  eins  rüwelis  willen  in  sinen  stfil  gesass  —  dis  sizzen  waz 
kurz  nnd  weret  nit  länger,  denn  unz  daz  der  wahter  kunte  den 
Dfgenden  tag,  —  und  denne  giengen  im  och  uf  sinü  ogen,  und  viel 
geswind  of  sinü  knü  und  grftzte  den  ufbrechenden  lichten  morgen- 
sternen.  die  zarten  küngin  von  himelrich,  und  meinde:  als  du  kleim'i 
vogelü  in  dem  sumer  den  lichten  tag  grüzent  und  in  frolich  enphahent, 
also  in  der  frolichen  begirdc  grfr/t  er  die  liehtbringerin  des  ewigen 
tages,  und  sprach  denn  du  wort  nit  einvalteklich,  er  sprach  sü  mit 
rinem  süssen  stillen  gedone  in  siner  sele. 

'  Eins  males  sass  er  also  der  selben  zit  in  siner  rfiwe,  do  bort 
er  neiswaz  in  siner  innewendekeit  als  lierzklich  erklingen,  daz  alles 
rin  herz  bewegt  wart,  und  du  stimme  sang  mit  einer  luter  süsser 
Teilung,  under  dannen  do  der  morgenstern  uf  gie,  und  sang  disü 
^^rt:  „Stella  Maria  maris  ho  die  processit  ad  ort  um,  der 

1  na  meti  fehlt  K  nach  der  nietti  M        2  sinem  M        :3  in  im  s.  ASF 
5  im  uff  P        6  [die]  erluhten  P  B  nsbrechend  SP         IHf.  mit  —  roizzct 

/^  M  etlichen  andehtigcn  m.  A^  15  SoJ    do  Ä"  17   daz  fehlt    M 

^1  grnszten  A'  und  [in]  M  enph.J  sahcnt  A'  22  also  |in|  K  2:3  nit| 
^t(r)  M  24  srnfieii  fehlt  A^  stillen  suzzen  M  27  hiW.vftlift  M  2H  dannen] 
em  P        29  ad  ortum  fehlt  P 

2  altveter,  vgl.  Kap.  35.        5    In.AKJiB^   ein   Ideiue.s  IJild:    dtr  Xame 
HS  mit   f/rossen  goldenen  Buchatahiii    in  farbiger  Uinrahmuny.  2J>  Aus 

m  9.  Jiesponsorium  der  Maiutin  am  Fest  Maria  Gehurt  f^.  SeptJ,  nach  dem 
ym  irtiUantrr  officium. 
}{,   Sc  OS«,   Httotiche  Schrifteu.  2 


18  lii'ben  Seiiscs.     Kap.  V. 

merslern  Maria  ist  liüt  her  lür  gezogt/*  Di»  gesang  erhal  als  iibe 
natürlich  wol  in  ime,  daz  im  alles  sin  gemüt  verflöget  ward,  u\ 
sang  mit  ime  frulich.  Do  sü  es  mit  einander  huglieh  us  gesungc 
do  ward  im  ein  unsäglicher  umbvang,  und  in  dem  ward  zu  in 
gi'si>rochen  also:  ^so  du  mich  ie  minneklieher  umbvahest  und  ie  ür 
nintorilicher  küssest,  so  du  in  miner  ewigen  klarheit  ie  minnekliclie 
und  ie  lie[>lieher  wirst  umbvangen."  Also  gicngcn  im  die  ogen  ul 
die  trehen  waletan  im  daz  antlut  abe,  und  grftzte  den  ufgeudeu 
morgensternen  nah  siner  gewonheit. 

Dar  na  uf  den  grnzz  gie  der  ander  morgengröz  och  mit  einer 
venje  der  zarten  ewigen  wisheit  mit  dem  lobrichen  gebetlin,  daz  er 
schreib  an  etliehü  nüwc  briefl)uehli,  uml  vahet  an:  Anima  mea 
desideravit  etc.  Hier  uf  gie  denne  der  drite  grflz  mit  einer 
venje  dem  höhsten  minnerichstem  geiste  von  Seraphin,  der  in  der 
aller  hitzigosten  fürinen  minne  uf  flammet  gen  der  ewigen  wisheit, 
dar  umb  daz  der  hizzige  geist  sin  Iierz  inbrünstig  in  götlicher  minne 
nincheti,  also  daz  es  in  im  selb  brunni  und  ellü  menschen  durch  ginii 
minnerichü  wort  und  lere  enzunti.  Dis  waz  do  sin  teglicher 
morgengruz. 

Einest  an  der  vasnaht  hat  er  sin  gebet  gezogen^  unz  daz  der 
wahter  den  lajr  blies.  Also  gedaht  er:  ,,sizz  enklein,  e  daz dn den 
lichten  morgensternen  \S^]  enpfahest".  Und  do  im  also  ein  vii kleiu 
<lie  sinne  in  ein  rnw  kamen,  do  erhttben  die  himelschen  jonglinp 
mit  hoher  stimme  daz  schön  resi)ons:  llluminare,  ill  um  innre 
Jerusalem  etc.,  und  daz  erklang  als  unmesseklieh  süzz  enmiteo 
in  siner  sele.  Do  sü  kummc  ein  vil  wenig  gesungen,  do  wart  ixt 
himelschen  gedönes  du  sei  als  vol,  daz  sin  der  krank  lip  idt  »^ 
nioht  erliden.  und  giengen  im  du  ogen  uf,  und  daz  hei*ze  gieng  tter 
und  Aussen  die  inbrünstigen  trehen  über  abe. 


1  für]  fit!  S  Disj  (iaz  P  4  uiislilig(!)  .1/  5  und  lie]  M  w 
luiitrrlicliir  P  U)  d.  a.  irruz  *^s'  mit  e.  v.  och  .1/  12  an  etliehe  njDBti 
liiu'hlaeh  uf  do  sHircib  an  dem  iiucligcndtMi  briet'lturiiliii  M  an  dem  nagende 
iiuwcii  l»ri«'tl»iuldiii  A^  V.\  ctr.  fehlt  Kl'  h'wr  us  ASJ'  16  inbritautigtf 
vKV  iiihn'instly:«'!-  liitziiror  miiiiiv  J'  18   wurt|    wfrck  P  20  verlogen  P 

2i  daz|  ilni  J'        2:")  daz  fehlt  .V  disz   K        29  aho]  al  M 

12  in'iwc  1».  —  iiekiirzte  lirivfftücfdiin.  14  venje,  venia  =  l'roslrathi 
(auf  (he  rechte  Seite  des  J\t">rj)er.s\  vgl.  Coiist.  FF.  (hd.  Praed.  iJigt.  I  C ', 
lt.  t:^'i  I.  24  'J.  liespnnsorinin  der  Matutiu  an  h'fn'/th<mie  nach  dem  iJomin, 
Jinricr  fJs.  fi(Kl). 


Lüljeii  fteuse^i.     Kiiji.  V. 


\l<>  er  einest  ulsn  sass  der  selben  zit,  do  was  im  vor  in  einer 

e  er  neiswar  verfiiret  weri    iu  ein  ander  lajul.     Also  dnht 


enycl  gar  gütlieh  vor  im  stünde  /.e  sincr   rehten    liaud. 
iener  vert   geswind   uf  und    iinimvahct   den   ;,'eininiiten    eiigel, 
ftl.ll   1'         -2  -.'efiirt   M         4  v.Tr  A   vnr  P  -tiint  S 


20  Leben  Seurscs.    Kap.  V. 

und  uinbschlüsset  in  und  trukt  in  an  sin  sele,  so  er  iemer  minnek- 
lichest  konde,  daz  reht  kein  mitel  was  enzwischen  in  zwein,  dez  in 
duhte,  und  hub  uf  mit  kleglicher  stimme  und  mit  weinenden  ogeu. 
und  sprach  us  einem  vollen  herzen:  „owe,  eugel  mine,  den  mir  der 
minneklieh  got  ze  trost  und  ze  hfit  hat  geben^  ich  bite  dich  dar  die  ^ 
minne,  die  du  ze  got  hast,   daz  du  mich   nit  lassisf     Do   entwürt 
der  engel  und  sprach  also:    „getaret   du  got   nit  getruwenV     Lttg, 
got  der  hat  dich  also  lieplicli  unibvangen  in  siner  ewikeit,    daz  er 
dich  niemer  wil  gelassen.** 

Und   eins  males  nach    einem   lidendeu   zite  do   geschah  eios  ic 
morgens  frft,  daz  er  och  umbgeben  waz  mit  dem  himelschen  ingesinde 
in  einer  gesiht.     Do  begert  er  von   ire   einem   klaren    himelfärsten. 
daz  er  im  zogti,   in  weler  wise   gotes   vcrborgnu   wonung  in  siner 
sele  gestalt  were.     Do  sprach  der  engel  zfi  im  also:   „nu   ttt  einen 
frolichen  inblik  in  dich  und  lag,   wie  der  minneklieh  got  mit  diner  V^ 
minnenden  sele  tribet  sin  minnespil.**     Geswind  sah  er  dar  und  sah,     "j 
daz  der  lip  ob  sineni  herzen  ward  als  luter  als  ein  kristalle,  und     :^ 
sah  enmiten  in  dem  herzen  rftweklich  sizen   die  ewigen   wisheit  in      i 
minneklicher  gestalt,  und  bi  dem  sass  des  dieners  sele  in  himelscber    j 
senung;   du  waz   minneklieh   uf  sin   siten   geneiget  und   mit  sinen  4| 
armen  umbvangen  und  an  sin  götlich  herze  gedruket,   und  lag  also 
vei-zogen     und    vei'sofet    von    niinnen    under    dez    geminten    ^te» 
armen. 


[9*^J  Er  hate  im  selb  ernüwrct  etlichü  band,  und  do  ward  lU» 
der  engel  naht,  do  waz  im  vor  in  der  gesiht,  wie  er  horti  engelsck- 
liches  gesang  und  süzzes  himelsches  ged6ne.  Da  von  ward  im  il* 
wol,  daz  er  alles  sines  lidens  vergass.  Also  sprach  ire  [d""]  einezfc 
ime:  „sih,  als  du  gern  hörest  von  uns  daz  gesang  der  ewikeit,  al«^ 

1  umbschüssi;t   M  2    dez)   daz    P  8  der  fehlt  S  10  eiii«ai.', 

dem  6'        12  ire)  orst(!)  P        einen  KA^        14  einem  A        17  ward /«Alt  i^ 
18  ensach  «V  ruwekl.  fehlt  M  22  verzoy:en  nnd  fehlt   M  imd 

minnen  A"         24   Ks  K         27  ainü  .1/  28   als  gern  du   von   uns  h, 

ainikeit  M 

2'.^  In  AKJiWB^cc  ein  Bild:   die  ewiye    Weisheit  and  des  Diener«  .V« 
umarmen    sich    auf   seinem    Schoss    (Abb,  :?   nach    W  Bh  14*').  24  I 

Kap.  15.  25   Vorabend   des  FesUs    aller    Kngel  ( Michaelittfe^tJ,  dae 

:Jlf.  Sept.  (jeftiert  wurde 


^ 


lA-boil 


Ki>p.  ' 


21 


Pen  wir  von  dir  gern  daz  gesang  von  der  ewigen  wislieit."    Und 

Ps^ach  über  dur  na  alßo:  „die  ist  des  gesanges,  daz  die  nserwelti'n 

tieiligen  werdeut  frölicli  singende  an  dem  Jnngsten  tage,    so   sii   an 

schfiwent,     dnz     sä    in    iemer    werendei-     fr6de    der    ewikeit    aint 

5  liestelel." 

Kr  bäte  dur  uu  einest  an  ire  liobzit  vil  stunden  in   semlicber 

fflliownng  ir  fr6den  verzeret,   iind  do  es  nabele  dem  tago,   do   kom 

n  .iungiing.  der  gebarete  dem  glich,  als  oh  er  were  ein  hiinelscher 

spilinan  von  got  zfi  im  gesendet.     Mit  dem    kamen   ueiswi    nienger 

Miiolzer  jnngling  in  .ijlichei'  wise  und  geberde  als  der  vorder,   denne 

1  daz  der  erst  etwaz  wirdekeit  Imte  vor  den  andren,  als  ob  er 

«i-ri  ein  furstengel.     Der  selb  jungling  kom  als  recht  wol  gemiitek- 

I  lieh  zfi  ime  und  nieinde,   sfi  weriu   dar  nmb  her  all  von  got  zll  im 

Ipfendet.  daz  ^ii  im  söltin    in    stnem   llden   himelsch    fröd    machen, 

IkhI  £|>racb.  er  Rfilti  sinü  Itdeu  nz  den  sinnen  werfen  und  inen  gesel- 

fiAift  leisten,    und   er   müsti   mit   in   och    himelschlieb   tanzen.     Sü 

'  EUgvii  den  diener  bi  der  band  an  den  tanz,  und  der  jungling  vie  an 

I   fid  rr&lii-bex  gesengeli  von  dem  kindlin  Jesus,  da/,  spricbet  also:  In 

nlci  Jubilo  ete.    Do  der  diener  borte  den  geniinten  namen  Jesus 

0  süsseklieh  erklingen,   do  ward   sin   lierx  und  sinne  alse  reeiit 

frenifit,    daz   ime   verswand,    ob   er  ie  liden  bat  gehabt.     Nu 

t  er  mit  fröden,  daz  sn  taten   die  aller  liöbsten   und  die  aller 

r  frieiteii  9|ininge.    Der  vorsenger  der  kond  es  ids  gar  wol  mren,  und 

dfT  sang  vor  und  eü  na,  und  sungcn  und  raniteten  mit  jubilierendem 

Der   vorsenger   macbete   die    repetitio   wol    drivalt:    Ergo 

etc.     Dis  tanzen  waz  nit  gescbaten  in   der   wise,   als   man 

P  diser  weit  tanzet;    ez  waz  neiswi  ein  bimelscber   uswal   und  ein 

in  daz  wild  abgründ  der  götlieben  togenbeit.     Die  und 

■  himelsches  trostes  ward  inic  unzallicli  vil  in  den  selben  jaren. 


1  gern  v.in  dir  SM         [vi.»]  di-r  MA^         ew 
4  iii  fthll    M  8  einest  fthll  A' 

na]  »irenif  »hniu;  K,  feldt  Jf        7  tr5<l  ^t 

y         IH  üch   mit  in  M  20  u.  sin 


n  ftiat  M        3  frStich 

huliz.   iiiijs  nachtz   3f 

t^'iiiifii  und  i^caoiidet  M 

II  .1/         21  k-  f^hll  A' 


■ivierwi  HA'fö'   regieren   KaU         24  jiibi- 
c-  fehtt  M         11  diaer]  «ier  i'M 

Vgl.   H'iffmann  v.  t'uUenhhtH,   lii  dulei  Jiililo,   ein  Btitrag  tur  Gt- 

|«tmii«  df  druUcbtn  Pon-ie,  S.A.  1861.  Bf.  4tl—6u.-  i'h.   Waektr, taget,  Tia» 

e    Kirchnilicä  II,  4a:iff.     Hit    Übc.-llrfvrnng    ,le-   Müthlittiei    üt   vtn- 

•  -■    Uoffma'"'    Uietrt   tinc  nitdtrländi'cl-e  I'faKung  des  IS.  Jli.   mit    d-m 

I   Krijo   merilii  in  der  rrsten  Slf'/'/n: 


1 


22  Leben  Seuses.    Kap.  VI. 

und  aller  meist  xfi  den  ziten,  so  er  mit  grossem  liden  waz  umbgebei 
und  dö  wurden  im  denne  dest  lichter  ze  lidene. 

Einem  heiigen  menschen  waz  vor  in  einr  gesiht,   do  er  ühc 
alter  waz  gegangen  mess  sprechen,  daz  er  wurdi  luter  mit  einr  irc 
Zierde  einr  durlühten  minne.  und  sah,  daz  dii  götlich  gnade  her  al 
towete  in   sin   scle,   und   daz   er  ward  eins   mit  gote.     Do  kamen 
hinder  in  stende  gar  vil  lutseliger  kinden  mit  brinnenden  [10']  kerzen 
zft  dem  alter,   eine  na  dem  andern.     Sü  zerspreiten  Ire  arme  nud 
umbviengen  in.  ein  ieklicher  sunderlich,  so  sü  iemer  lieplichest  kondcn, 
und  trukten  in  an  ire  herzen.    Sü  fraget  von  wunder,  wer  sü  werin 
ald  waz  sü  meindin?     Sü  sprachen:   ,,wir  sien  üwrü  gcswisteroit 
mit  lobe  und  fröde  in  ewiger  selikeit,   und  sien  bi  üoh  und  hüten 
üwer  ze  allen  ziten.**     Si  sprach:    „ach   lieben  engel,   waz  meinet, 
daz  ir  den    herren    so    reht   minneklich    heind    umbvangen?"    Sa 
sprachen:  ^do  ist  er  uns  als  herzeklich  liep,  daz  wir  vil  tüues  mit : 
im  haben,  und  wüssist,  daz  got  unsaglichü  wunder  würket  in  ^iner 
sele,  und  waz  er  got  ernschlich  hat  ze  bitcne,  dez  wil  im  got  niemer 
versagen." 


VT.  Kapitel. 
Von  etlichen  Visionen.  ^ 

Do  in  den  selben  ziten  hat  er  gnr  vil  vision  künftiger  und 
verhorgenr  dingen  und  gab  im  got  neiswi  ein  enptintlich  kuntsanii. 
als  verr  es  denn  moht  sin,  wie  es  in  himelrich  und  in  helle  und  in 
vegfür  stünde.  Es  waz  im  gewonlich,  daz  vil  seien  im  vor  erschinen? 
so  Sil  von  diser  weit  geschieden,  und  im  kund  taten,  wie  es  iß ' 
ergangen  weri,  wa  mit  sii  ir  bfisse  hetin  verschuldet  und  wa  wi^ 
man  in  gehelfen  inöhte,  oder  wie  ir  Ion  vor  got  weri.  Under  deö 
andren  erschein  im  och  vor   der   selig   meist  er  Eghart  und  def 


1    irrosM-n    A  7    Ihtzcii    ihin-hstrichen,    darunter    kerzen    M   heiifO 

ASPA'  8  sül    (hl  ASA'  12  init]  an  M         lobe  \\n^  fehlt  F         \h  M 

so  S  17  irnstliclies   Z^  bictene   .1  dez]  dz   l^M  22  gab  im  got] 

i^owan  M        2'i  bimelr.  |uiul|  P         24  vil  üowonl.  M         vor  im  M        25  in] 
iin(!)  M         2G  \v  fi'hlt  A^         27  von  L'-ot  S        28  do  erscbein  S 

28   Ecklicirt   .sfarh   bald    nach    seiner   Krhlärnntj    com    13.  Vehrnar  i-W*« 
///  dassclfiL  Jahr  f(dJf  wohl  auch  die    Vision. 


\m\\g  brildei'  Jnlians  der  Ffitrer  von  Straebiirg,    Von  lU-ni  ineieter 

wnnl  er  bewiset.   tiaz  er  waz  in  iiberswenker    giinlifhi.    in   die 

irk  hlos  vergütet  waz  in  gote.    Also  begertr  der  iHcner  zweiev  ding 

II  im  zc  wÜBseiie;  da/,  ein  waz:  wie  dfi  monsclien  in  got  stiinilin. 

»ilii  iler  nehsten  warlielt  mit  rehti-i-  gelafiscnhi-it  ane  allen  faleeli  {;erit 

piii::  >vmn.     Dez  wart  ime  evüüpet,  <iaz  dero  menschen  ingenonien- 

Wil  JQ  die  wigelosen  abgrändkcit  nieman  niöhti  gewÖrten.    Er  traget 

akt  fiirbaz  also;  ein  inenscU.  der  gern  dar  zQ  kemj,    waz  dem  dii 

fdrderltchest  Übung  weri?     Ün  sprach  er:    „er  sol  im  seil)  nnh  f'm 

lD»ll)Rheit  mit  tiefer  gelasHetilieit  entsinken,  und  ellü  ding  von  gut 

der  creulur  nemeii,    und  sicli  in  ein  stille  gedultkeit  sezzcn 

ft{ei)  »llen  wullineu  menschen  ^ 

Der  ander  bnidei   Joiians  iIli   /ogk    im  ihIl  in  dei  geiilit  die 

nnncdicheii   icbonbeit,   mit  dei    &m   seh    vcikleiet   nae     nnd   \nn 

I  begert  u  och,  da/  ci  im  ein  frag  n/  nliti     Du  fug  » »•*  nlsii 

If  fraget    nelu  under  [10']  allen  ubungLn  du  wen,  du  einem  men 

n  aller  wtr'^t  teti  mid  im  allei   uuzest  wen  ''    Do  hfih  ei   ut  und 

mich  da/  mit  wetuiiders  und  uiizeis  di  m  mensch' n  wen,  denn  di 

[(fr  men-tth  ni  „-elasBenheit  von  fiot  im  stlbci  gedulleklich  nb  rin-igi 

pnuilalsi  gnt  dm  .irot  Ikem 

■510  eigne  vater    du    di.i    wAt  kiiit   zi  iinl    «iz   gt«f-Ln     tlei 
fi^them  im  vor  na  «iiieni  t  de    und  /  )plt   im  mit  unim  )injeilniiiii 
|>ullikBin  angHtlalic^  legUir    und  wo.  mit  n    du    iIIli    um  ist    h  itc 


1 


1  liejlig]  nelit;  S        fütrc 
"'  3ii  J.  i  sind  ann'chligl 
§p»irti:ii  ,U      8  deml  ira  A' 
«f  fraget  A''"  ■*'         IT  'Vi 

«Um]  ilnr  JA'  durch  (I)  K 


AKl-MA^U  furer.V 

dun  ru«i»t.L-ni  M 

n  siclj  HI.U1  in  aJu 

■9  AE  IS  iiiiU  — 

22  mit]  in   .1/ 


Icror  «/.S-  , 
5  mit  der 


?»»:«<*  An- 
i^lil^n  g.  ^U 
UE  M't  P 

21    (I.T 


l  Johannes  >ler  Fiilerer  gflt-irl  einer  ungeielieniii,  nichliialri-'irhcit  A'Inms- 
trJ-^iuilie  .in ;  ;4l3S/3tf  »ml  tUlli2  wird  Clames  F&Urer  mu  der  A'iJr«c/.i.ci-- 
fi  in  den  Hat  ytvähU  iSlrassb.  ÜB  \'H,  69-',  895). ■  1307  sind  Wilhetni  J-'. 
^  A^mtin.  II,  ■^  Altxandtr  !■'.  cu/iontcus  am  St.  ThiimaekapHel  url:uii<lHi-h 
a.l}.3T7t.  Johanne»  !•:  rrncktinl  1335  fthd.  III,  3JL')  tilsMit- 
atltr  l'rtdigtrkonvriiU ;  der  ISüli  ynanvte  lehd.  \'II,  'iö^t  gleifJi- 
tK'liurgcr  Sa'ipi'ior  uiird  ir-IU  ein  V-nraiidler  von  »Am  gtirentii  m-in. 
fmfiiU  m^iriitLher  Pndigtfti  von  ..Bruder  Jnhan»  der  fSttrur  ein  hitdi'itr" 
m  in  ittr  Strlinrr  Handnelii-ift  ,U-.  germ.  gnart.  191  <XV.JIk'  BI.  iSTi'; 
Si*.  .%?■',  ätü)''.  ISit  sitmlieh  migcachiekl  tusninineni/ttlellleii  ft'tiriiclit 
alHr  keinen  it,grijf  eon  Ks  Brdiuluii//  als  Brrdirjer ;  Bt.  ^iÜS'  nennt  *lr 
=   UiiinimiiaticrlnutnkhiKltr   Sl.  Kolhiiriuu    iu    Sirmxl'nry    ut»    Ort 


M 


24  Leben  Seuscs.     Kap.  VII. 

verschuldet;  und  seit  im  usgesclieidenlieh.  wie  er  im  helfen  sohi 
Und  dnz  tet  er.  Und  er  zogte  sich  im  dur  na  und  seit  im,  daz  e 
lidig  dur  von  waz  worden.  Sin  heilgü  rofiter,  mit  der  hei'zen  unf 
übe  got  wunder  würkte  bi  ir  lebene,  dii  erschein  im  och  vor  in 
einer  gesiht  und  zogte  ime  den  grossen  Ion,  den  si  von  got  enpfangen 
hate.  Des  glich  beschah  im  von  unzallichen  vil  seien;  und  hier  ab 
nam  er  do  lust,  und  gab  im  vil  zites  einen  bildrichen  afenthalt  in 
der  wise.  die  er  do  ffirte. 

VII.  Kapitel. 
lu  weler  Ordnung  er  ze  tiseh  gie. 

So  er  ze  tisch  solte  gan,  so  knuwet  er  nider  mit  inrlicher  he- 
trahtung  sines  herzen  für  die  ewigen  wisheit,  und  bat  die  vil  ge- 
tnilich,  daz  si  mit  ime  ze  tische  giengi  und  mit  im  enbissi,  und 
sprach  zfi  im  nlso:  „aller  süssester  Jesu  Criste,  ich  lade  dich  mit 
grosser  begirde  mins  herzen  und  bite  dich,  als  du  mich  milteklicb 
spisest,  daz  du  mir  och  hüte  din  zarten  gegen würtikeit  verlihest.'* 
So  er  über  tisch  gesass,  so  saste  er  den  geminten  gast  der  reinen 
seie  eben  für  sich  zu  einem  gemassen  und  sah  in  vil  gütlich  an; 
etwen  neigte  er  sich  uf  die  siten  sines  herzen.  Zö  einer  ieklichea 
trabte,  die  man  im  für  saste,  bot  er  nf  die  schnssel  gen  dem  himel- 
sehen  hüswirt,  daz  er  im  sinen  heiligen  segen  dar  über  teti,  and 
sprach  dik  in  einer  minnericher  frnntlichcit:  „ach  zarter  gemasse, 
nu  isse  mit  mir.  herr  mine,  nu  grife  vor  dar  und  iss^  mit  dinem 
knchtl'*     Und  derley  minnekosendü  wort  hat  er  gen  ime. 

So  er  trinken  wolte,  so  hfib  er  den  köpf  uf  und  bot  im  in 
och  vorhin,  daz  er  trunki.  Er  trank  do  ob  tisch  gewonlich  fünf 
trünke  und  tet  die  uss  den  fünf  wunden  sines  geminnten  hcrren; 
wan  aber  |11']  wasser  und  blüt  uss  der  götlichen  siten  ran,  bicf 
unibe  tet  er  disen  trunk  zwivalt:  den  ersten  muntvol  und  deo 
jüngsten  noss  er  in  der  minne  dez  minnerichsten  herzen,  so  die 
ertrich  geleisten  mag,  und  in  der  inhizigosten  minne  dez  hohsten  geistefi 
von  Seraphin,    daz   die  mit  sineni  herzen  wurdin  völleclich  geteilet 

1  usbcsrlicid.  M  2  er  irzoigte  P^l'«  4  vor  naiswie  M  5  voi 
irot  fehlt  A^  6  Dos]  dis  S  7  doj  deime  P  10  8:ie  essen  P  13  [im 
enb.  P  14  siirucb  also  z.  i.  P  17  gesass  feUit  A^  18  för  sich  eben  Ä 
22  ininneklichcii  .1/  25  uf  nach  hub  er  -V  26  do  fehlt  MA^  28  wti 

J\'h1f  M        blüt  u.  Wasser  F       den  A^'P       HO  miniiricben  M       31  hitzigosteB  1 
:V2  wurd  M        voll,  fthlt  M 


Leben  ^Seusfs.     Kuji.  VII.  25 

l'ic Spiee,  du  im  uit  Uiiplig  wax,  bot  er  ze  tiuiken  geu  dem  minnewutiileu 
knea  mit  ^bteiu  globeii,  aar.  »i  iin  denne  nit  möliti  genclmdeii. 

Er  sAfate  last  an  op^e.  und  daz  wolt  im  got  nit  gestntcn.  Im 
iu  vor  in  einer  geBiht.  wie  im  einr  Imti  einen  apfel  und  sprach : 
'.nim  hin.  da/,  ist  daz.  da  du  lust  au  sQcbst,"  Do  sprach  i?r: 
.Dein,  alle  iniu  lust  lit  an  der  minneklicben  ewigeu  wislieit."  Do 
meiiide  er,  änz  weri  nit  war,  er  eflliti  sinen  luet  ze  vif  an  dem  ops, 
l'nd  dez  erscliamt  er  sieb  iu  im  selb,  und  was  zwei  jar.  daz  er  uie 
ieiiies  opses  enbetss.  Do  dfi  zwei  jar  mit  belangiing  hin  kamen 
KmiHi  in  dem  nagenden  jare  daz  ops  erseseen  waz,  daz  dem  convent 
nil  npses  ward,  und  er  mit  mengem  strite  sich  selber  überwand, 
||«z  er  kein  sunderlieit  ob  dem  tieclie  wolt  haben  mit  opae.  du  bat 
CT  gnt,  weri  es  sin  wiiie.  daz  er  es  t'BSe,  daz  er  denne  den  cunveut 
tllen  npses  beriete.  L'ud  daz  geschalt.  Do  mornend  ward,  do  kom 
Um  frömdü  person  und  braelite  dem  unnvent  ein  gfit  teil  nüwer 
Pfenning,  und  wolt  nit  enbern,  wan  kofti  liberal  nüwan  epfel  dur 
Und  daz  geschah,  also  daz  sA  vil  /jtes  guQ^  baten,  und  also 
er  daiikberlich  ops  wider  ze  essen. 
Da/,  gross  ops  teilt  er  in  vier  teil:  du  diu  ass  er  in  dem 
liHnieii  der  heiligen  drivaltekeit,  daz  vierde  teil  in  der  minne,  als 
liii  bimelsch  mflter  irem  zarten  kindlin  Jesus  ein  epfelli  gab  ze  essen. 
Itiz  selb  teil  ass  er  unbesehniten,  wan  es  du  kindeKi  also  unbe- 
Khiiilten  pflegent  ze  essene.  Von  dem  winnahttag  nnz  etwi  lang 
na  so  ass  er  nit  daz  vierde  teil:  er  bot  es  in  siner  betrahtunge 
itT  Harten  mCiter.  daz  si'i  es  ir  lieben  jnngen  sfinlin  gebi,  so  wolt 
fr  äia  in  den  worten  enbern.  So  er  underwileut  ze  geawintliehen 
»f  die  spise  oder  trank  viel,  dez  erscbamt  er  sieb  vor  sineni  erberen 
pinaseen;  und  so  er  diser  Ordnung  keiner  ob  tische  weri  ab  ge- 
Mngen.  m  gab  er  im  selber  büss  dar  i'ilier. 

Eh  kom  einest  eiu  f^tttev  mensch  von  einr  andren  stat  zu  ime 
"id  seit  ime.  daz  got  iu  einer  gcsibt  zft  im  beti  gesprochen  also: 
.«eilest  |11']  du  ein  ordeiiliehes  tischsizen  haben,  so  gang  zfi 
wiiipm  diener.  und  bnispi  dir  alle  sin  wisc  sagen." 


I  mJiUK'iitleii  i'         L'  v-e»c1].  molilc  P         4  Imti  itiii<-r  MA'  :>  uiin] 

til-         7  diii]  PS  A'  ••>  hjiil  as  P         10  vcrsezaeii    MA'  11   sdb.T 

/•Uf  M  12  ■uiirlerhei't  .-l  13  uiti  fi/ill  S  13  f.  dem  c.  alle»  opaee  A' 
iß  tTtHTn  ASP        duj'  uiul>  P        18  dauklicfi  willer  ohe  M        21  uirteu  ffhit  M 

Xk/MI  .V         -^  finmASKA'   |<'ff/.  22,17)         3B  Winf\  fehll  Ä         iX  lieltl 

lil  m  K        sfMjirnrfien  liet  [alnn]  ,1/        :(:-(  Bin]  ilic  > 


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26  Leben  Sensos.     Kap.  VIII. 

VIII.  Kapitel. 

Wie  er  hegie  daz  ingend  jor. 

Als  ze  Swaben  in  sinem  lande  au  etlichen  steten  gewo 
ist  an  dem  ingendem  Jare,  so  gand  die  jungling  dez  nahtes  ii 
unwisheit  und  bitent  dez  genieiten,  daz  ist,  sü  singend  lieder 
sprechent  schönü  gediht  und  bringent  es  zu,  wie  sü  nu'igeni 
hof lieber  wise,  daz  in  ire  liep  schapel  geben.  Daz  viel  s 
jungen  minnerichen  herzen  also  vast  in,  so  er  es  horte,  daz  er 
der  selben  naht  für  sin  ewiges  liep  gie  und  bat  och  dez  gemt 
Er  gie  vor  tag  für  daz  bilde,  da  du  rein  mtiter  ir  zartes  1 
die  schönen  ewigen  wisheit  uf  ire  sclioss  an  ire  herz  hat  gedr 
und  knüwete  nider  und  hüb  an  ze  singen  in  stillem  süssen  ge 
siner  sele  ein  sequenci  der  müter  vor  an,  daz  si  im  erlopti 
schapel  ze  erwerbenc  von  ir  kinde,  und  da  er  es  nit  wol  köndi, 
si  im  da  hülfe,  und  ward  im  dik  als  ernst  und  als  not  ze  we 
daz  im  die  heissen  trehen  über  ab  waletan.  So  er  da  us  ges 
so  kert  er  sich  denn  gen  der  herzlieben  wisheit  und  neig  ir  i 
uf  die  füsse,  und  grftzte  sie  von  dem  tiefen  abgründe  sines  h( 
und  rftmde  si  mit  lobe  an  sehöni,  an  adel,  an  tugenden.  an  zart 
an  friheit  mit  iemer  wercnder  wirdekeit  über  alle  schön  jungfn 
diser  weit,  und  tet  daz  mit  singenc,  mit  sagene,  mit  gedenken 
mit  begirden,  so  er  iemer  best  konde.  und  wünschte  denn,  da 
in  geischlicher  wise  aller  minner  und  minneklicher  herzen  ein 
lofer  weri,  und  aller  lieplicher  gedenken,  worten  und  sinnen 
orthaber  weri,  dar  umbe  daz  er  die  wirdigen  gnü  minneklicli 
ire  unwirdigeni  diener  kond  geloben.      Und  sprach   denn   ze  ji 

:3  i,^<'\v(m  -1^  4  «l»'z  fehlt  M  5  unwisheit  korritjürt  aus  unw 

heit  A  unwissenlicit  P  11  [hat]  c^edrukti  .1/  15  als  not  u.  a.  en 
19   tujrent    3A  2\   mu\   mit   sair.  1*  25  entliaber  I*  wiiriloklicl 

2G  wirdigen  A^ 

IJ  tr.     Übjtr  die  ahmanniaclicn  Volhsfjehrüuvhe  in  der  Ntujahrsnacht. 
(las   Ansingen   dt  r    GrUehtai    ( früher  ..Kntnzstnffen"  genannt ^    noch   jetzt 
Holle  spielt,  vgl.  K.  II.   Mcf/er,  liadisr.lies    l'olkshhen  im  liK  Jahrhundert 
2(0Jf.,    4Uo.      Dt'Z    gemeiten    biten  um     das    Angenehmr^     die     LieU 

bitten  (von  üfomcit  schön,  stattlich,  li'.lf) :  (irimm  IJ]V  IV\  <J37:/ff.:  Si 
ier  ir-\  4.1! f.  Denifle  -10:  um  Kränz  lein  singen,  schapel  Kranz  ron  lil 
oder  I  wie  hier)  hünsilich'.'r  Kranz,  Hand  oder  Diadem  (oft  mit  Perlen  bt 
um  die  tStirne  geschlungen,  als  Sclimucl'  für  Jungfrauen.  Frauen  and  .Mö 
vgl.  Lerw  IL  HöU :  1)  W  VI  IL  :>lnüf. ;  A.  Srhnlt:,  Bas  hüf,  Leben  /-,  :>U 


Kii]i.  IX, 


»Iso;  ,ach,  du  bist  doeli,  liep,  min  frilicher  ostertay,  iniiis  herzen 
^nwrwunne,  mhi  liebii  stunde;  du  bist  dnx  lieb.  äa?.  miii  jimge/ 
Ijcw  «Hein  miniict  und  meinet,  und  alles  zitlicli  lieb  dnreh  dich 
hl  verschmähet-      Dez   lasa.   herzonlrut,   mich   gciiieasen,    und   tass 

i laich  faÄt  ei»  8cha|)el  von  diu  erwerben!  Ach  uiiltes  herz,  ttl  es 
ifirr  ilin  g&tlielien  tagende,  dur  diu  nntiirlichen  güti,  und  lass  mich 
liit  an  dieem  insendem  jare  nit  ler  von  dir  gnn!  Eya.  wie  slundi 
fB  dir.  8Ü8S*i  [12']  eüssekeit?  Gerlenk,  daz  eine  Hin  lieber  knelit 
m  ron  dir  seit  und  Bprichet.  daz  in  dir  nit  eic  nein  und  ja,  in 
liirgie  DÜwan  Ja  und  Ja.  Dar  unibe,  mius  herzen  minnt?,  Iifit  mir 
lilil  ein  liepliches  ja  diner  hinielschen  gäbe,  nnd  als  den  toben 
niiriDem  ein  liepliehes  schapel  wirt  gegeben,  also  müss  miner  sele 
W  zo  einem  gl\ten  jare  etwaz  Hunderlicher  gnaden  ald  nüwes  liehtes 
i'on  diner  8ch5nen  hant  geboten  werden,    zartii  trütii  min  wisheit!" 

'Ife  und  dez  gelich  begond  er  do  und  gie  nienicr  ungeweret  dannen. 


Von  den  Worten  Sursuiu  corda. 

Er  wart  gefraget,  was  sin  gegenwurl'  wei'i.  so  er  iiiess  sang 
ipd  er  ror  der  stillen  messe  ilie  prefation  an  bttb:  Sursum 
'rdn!  Wan  du  wort  nach  gemeiner  hellung  sprechet  ze  tütscb 
!":  Surstiin,  süsent  uf  in  die  höhl  elli'i  herzen  zä  gote!  Du  wort 
DCngeu  im  als  recht  begirlieh  uss  sinein  munde,  daz  dii  menschen. 
1  es  hortan.  einen  snnderu  andaht  dar  ab  m&btin  hau  genomen. 
an  frage  entwürt  er  mit  einem  innekücben  süfzen  und  sprach 
»:  „wenn  ieb  dn  selben  lobrichü  wort  Sursuni  corda  saug  in 
f  iDesse,  so  geschah  gcmeinlieh.  da/,  min  her/  iin<l  scle  zeiHussen 
n  g5ilichein  jamcr  und  begirde,  die  min  herz  ucs  im  selb  an  der 
rode  vcrfl6gteii;  wan  es  erlidhen  sich  dennc  gewonlieh  drierley 
"h  uftragender  meinungcn.  Etwen  kom  einü.  ctweu  zwo,'  elweii 
•JIp  drie.  in  den  ich  ward  nl'geswenket  in  got  nnd  dur  mich  allf 
Bfitnren. 


a   und    meinet  /Mi    M  6   j-rnil    ^iiii.l    AsP  lu 

ei'        II  lieiii-l  luiniitclicheK  A'        colieii  i'       la  licpl. /e/.«  .1/ 
K  werUi'Ti  «eh,   i'  15   iiieuier)   der  minner  0)  ^ 

it  P         23  ilur  all    nach  t^enomen    M         '24  inrlieliea  M 
1'  und  *i:li!  fehll  P         zi-rttix  PM         2«l  TiiiiiuiiiL'Pn  F 

9ff.    Paulus,  ti  Kor.  LV.i. 


Usehäncii 
21  sAsenii 

2ti  trowöii- 


28  Leben  Seuses.    Ka[).  IX. 

„Du   erst  inluhtend  meinunge  was  also:    ich   nam  far  minü 
inru  ogcn  mich  selber  nah  allem  dein,  daz  ich  bin,  mit  lib  und  sele 
und   allen    minen   kreften,    und  stalte  umb  mich  alle  creataren,   die 
got  ie  geschttf  in  himelrich  und  in  ertrich  und  in  den  vier  elementen^ 
ein  iekliches  sunderlich  mit  namen,    es   weri   vogel  des  luftes,  tieir 
des  Waldes,   visch  des  wassers.    lob  und  graz  dez  ertricbs   und  da^ 
unzailich  grien  in  dem  mere,  und  dar  zti  alles  daz  klein  gestaplaeh, 
daz  in  der  sunnen  glänz  schinet,   und  ellü   du   wassers  tröpflu.  du 
von   tow   ald  von  sehne   ald  von   regen   ie  ge vielen  ald  iemer  me 
gevallent,   und  wünschte,   daz  dero  ein  iekliches  heti  ein  süsses  uf-io 
tringendes  seitenspil,  wol  gereiset  uss  mines  herzen  innigostem  saffe^ 
und  also  uf  klanktin  ein  nüwes  hochgemutes  [12^]  lob  dem  geminteo 
zarten  gote  von  ewen  ze  ewen.     Und  denne  in  einer  häglichen  wise 
zertaten   und  zerspreiten   sich   die   minnerichen   arme   der  sele  gen 
der  unsäglichen  zal  nller  der  creaturen,   und  waz  sin  meinonge,  sAUft 
alle  frfitig  dar  inne  ze  machen,   recht   als  so  ein  frier  wolgemüter 
vorsenger  die  singenden  gesellen  reizet,   frölich   ze  singene  und  ire 
herzen  ze  got  uf  ze  bietene:  Sursum  cordal"  1 

„Du  ander  meinunge  waz  also/  sprach  er,  „ich  nam  her Mr 
in  minen  gedenken  min  herz  und  aller  menschen  herzen  und  binder-  W 
dahte,  waz  lustes  und  fröden,  waz  liebes  und  frides  die  gebrochent, 
<lie  iru  herzen  got  allein  gebeut,  und  da  wider,  waz  schadeu  ofld 
lidens,  waz  leides  und  unrtlw  zergaugkliehü  minne  in  treit  ire  unter* 
tanen.  und  rufte  denn  mit  grosser  begirde  zu  minem  und  zu  deo 
selben  herzen,  wa  su  sind,  über  ellü  ende  diser  weit:  „wol  uf,  ir^ 
;revangnü  herzen,  uss  den  engen  banden  zerganklicher  minne!  Wol 
uf,  ir  schlafenden  herzen,  uss  dem  tode  der  sünden!  Wol  uf,  ir 
üpigen  herzeu,  uss  der  lawkeit  üvvers  tregen,  hinlessigen  lebeos! 
Habent  üch  uff  mit  einem  gantzen  ledigen  kere  hin  zu  dem  roinnek- 
lichcn  ^ote:  Sursum  cor  da!"  Ä 

„Dil  dritte  meinunge  waz  ein  früntlicher  rflf  aller  g&twilligcr 

nn<c»»lasenr  menschen,   du  verierd  gand  in  in  selber,    daz   sft   weder 

i 

1   I  am  Kunde  (i'ot i  A  luaiiun«:  1*         -J  ^esjt-iilt  ilf  5  warin  K 

7  klein  J'ehli  A^  irosstüppe  S  stüplacli  M  8  troppfen  P  10  daz  fthli  M 
12  kleiiken  uüwrs  fehlt  s  IS  in  eirH»r|  niemer  (!)  Ä"  hfigl.]  frolichea 5 
14  zorbreiteii  .4'  minriekliolion  vor  niinncr.  durchstrichen  A  15  und  —  men. 
fehlt  M         H>  all.'  fihlt  M  18  iis  \zv]  b.  P  uf  fehlt  M  19  II  am  Bimü 

•  mti  A        a.  zwo  niannnge  V        '2i)  in  min  herz  A^        22  allein]  aller  ding  Jf 
iUi  fehlt  A'  25  wol  nf  wol  ut"  M  wol  —  26  minne  fehlt  A^  29  äff 

u.:h    6'  uff  fehlt    P  niinnekl.]    Iiimclsclien    P         31    111    a,   Raiul   (rnt)  A 

rrnntlicln's  iTiffen  P        32  verierd]  vierde  di  1* 


Lttbcn  Seiises.     Kau.  X.  2i^ 

an  got  noh  an  der  creatiir  hein,   wan  ir  herz  hin  und  her  mit  der 
zit  zerströwet  ist.     Den  rftft  ich    und   mir   selb  uf  ein   getürstiges 
wagen  unser  selbs  mit  einem  ganzen  abker  von  uns   und  von  allen 
creaturen." 
5        Und  dis  waz  sin  gegenwurf  in  den  worten   Sursum  cor  da. 


X.  Kapitel. 
Wie  er  begie  die  liehtmiss. 

An  iinser  frowen  tag  zfi  der  liehtmiss  bereit  er  vorhin  drie 
tag  mit  gebete  ein  kerzen  der  himelschen  kindbeterin,  und  du  kerz 

0  was  gewunden  mit  drin  strängen  also:  der  erste  in  der  meinung  ire 
reinen,  jnngfr6wlichen  luterkeit,  der  ander  ire  grundlosen  diemutikeit. 
der  dritte  ire  mftterlichen  wirdekeit,  du  drü  si  allein  hate  under 
allen  menschen.  Dis  geischlieben  kerzen  bereit  er  vorhin  alle  taj: 
mit  drin  Magnificat.     So  denn  der  tag  kom  der  kerzwihi,  frü,  e  daz 

loieman  ze  kilcben  giengi,  so  gieng  er  für  fronalter  und  wartet  da 
in  siner  betrahtunge  der  kindbeterin,  wenn  sü  kerne  mit  irem 
bimelgcben  horde.  Do  su  nahte  der  ussren  porte  der  stat,  so  fur- 
lnf[13']  er  in  sines  herzen  begirde  su  alle,  und  lüf  ir  engegen  mit 
dem  gezo;re  aller  gotesminnenden   herzen.     Er  viel   in    der   Strasse 

*•  für  gi  und  bat  si  still  haben  mit  ir  gezoge  ein  wili,  unz  daz  er  ir 
eins  gesungi.  Er  hob  denn  uf  und  sang  mit  geischlichem  stillen 
?ed6ne,  daz  der  mund  gie  und  es  docli  nieman  horte,  die  prose: 
In?iolata  etc.,  so  er  iemer  minneklichest  konde.  und  nei^  ir  von 
gninde,  so  er  daz  sang:  0  beningna,  o  beningna,  und  bat  si» 

^  daz  si  die  milten  güti  an  einem  armen  siinder  erzogti,  und  stund 
denn  uf  und  volgete  ir  mit  siner  geischlichen  kerzen  in  hegirde,  daz 
w  die  brinnenden  flammen  des  gotlichen  lichtes  in  im  niemer  liessi 
erligchen.  Dar  na  so  er  denn  zu  der  schar  aller  niinnenden  herzen 
kom,  dien  hüb  er  denne  an  daz  gesang:  Adorna  etc.,  und  ermant 

BÜy  daz  8Ü   minneklich  den  heilant  cnpfiengin  und  begirlich  sin  kind- 

2  vtTstrowet  *S  f^estrowct  P  zerstöret  .1'  ;)  leben  und  wa^^en  *y  alikei 
inuiiz  P  uns  selben  M  8  zu  fehU  F  10  bewundrn  P  1 L  in*]  in  .V 
12  den  dritten  ASKMA^  18  ^Hc  fehlt  A'  19  viel  nider  A'  20  unz 

md  K        24  so]  do  AS         26  an  im  o.  ^f         2B  in  der  beir.  M         29  dierii 
lenn  M  so  afS^ 

23  f.  Aiis  dei'  1,  Vesper  von  Maria  Lidttmess  cJ.  Vthrtiar)  mich  dem 
'jominikanerbrevier.  29  Antiphon  bei  der  Kerzcnprozei^Hon  an  Licht incss. 


30  Leben  Stuses.    Kap.  XI. 

beterin  urabfiengiii;  und  ffirteu  si  also  mit  lobe  und  gesange  un 
ztt  dem  tempel.  Dar  na  trat  er  mit  herzenbegirde  dar,  e  daz  d 
kindbeterin  bin  in  kemi  und  hern  Simeon  den  sun  gebi,  und  kniiuc 
für  si  und  hftb  sinü  ogen  und  hend  uf  und  bat  si,  daz  si  im  de 
kindli  zogti  und  im  daz  och  ze  küssen  erlopti.  Und  do  si  im  (h 
gütlich  bot,  so  zerspreit  er  sin  arme  in  du  endlosen  teil  der  wit « 
weit,  und  enpfie  und  umbfie  den  geminten  einer  stunde  ze  tuse 
malen.  Er  geschowete  sinü  hübschü  oglü,  er  gesah  sinü  klei : 
liendlü,  er  ergrüzte  sin  zartes  mündli,  und  ellü  sinü  kintlichü  gelid 
dez  himelschen  hordes  dursah  er,  und  hüb  denn  uf  sinü  ogen  ui 
orschrei  von  wunder  in  sinem  herzen,  daz  der  himeltrager  so  groi 
und  so  klein  ist,  so  schön  in  dem  himelrich  nnd  so  kintsch  in  ertric/j 
und  begie  sich  denne  mit  im.  als  er  im  es  denne  ze  läne  gab,  tnii 
singen  und  mit  weinen  und  mit  geischlichen  Übungen,  und  gab  in 
denn  geswinde  siner  müter  wider  und  gie  mit  ir  hin  in,  unz  daz  es 
alles  volbraht  ward. 


XI.  Kapitel. 

Wie  er  begie  die  yasnaht. 

So  denne  du  vasnah t  nahete,  des  abendes,  so  man  alleluja  leit 
und  die  unwisen  lüt  diser  weit  an  vahent  verlassen  ze  sine,  so  vic 
er  an  in  sinem  herzen  ein  himelsch  vasnaht  zesamen  tragen.  Unc 
du  waz  also.  Er  betrahtet  dez  ersten  den  kurzen  schedlicben  lus 
diser  liplichen  [IS""]  vasnaht,  und  wie  etlichen  umb  kurzes  lie| 
langes  leid  volget,  und  sprach  einen  Miserere  dem  werden  gote  f& 
alle  die  sünde  und  unere,  du  im  in  dem  selben  verlassen  zit  geschihi 

1  siinjre  P  '^  hin]  liif  .V  licrrn]  lieti  I\  den]  irn  M  geben  J 
o  och  daz  *y  5  f.  «;.  daz  gebot  6  teilj  tal  P  9  grüszet  A^  cllü/eW/  -'' 
10  dursah]  <laz  sähe  P         11  in  fehlt  M  Vi\  es]  des  A^  mit  sin^n  - 

J4  irab  fehlt  .1'  15  mit  ir  gW  S        gie  denn  M        20  nn\\T8en  A  unwi»ei 

unwurschen  A'        di'rlossen  ^^        21  hhwQWh  fehlt  M        22  dez  ersten /eÄft  3 
24  so  lanireb  1.  P        25  (ien  .  .  zit(?n  P 

19  \'on  der  Vesper  am  Samstag  ror  Scptuagesima  bis  Ostern  hört  dm 
AUelujfi  auf:  man  nannte  dies  das  A,  legen  (a.  claudcre,  dimitteref  sepelire),  3f^^ 
unter  waren  an  Sept.  nach  der  Non  symbolische  Feierlichkeiten  damit  ©er 
banden.      Vgl.    Gmtefendj    Zeitrechnung  /,   :'> :    Ducange  ed.   Henschd  J,  ISt 

20  ff.  Das  Fastnacht  treiben  ist  im  südlichen  Baden  j  von  der  Baar  hitt  zm 
JJodensee,    noch   jetzt    besonders    lebhaft,    vgl.    E.    H,   Meyer  a,  a,    0.   JO^'J 

24   Ps.  :'tO,  ah  hirchlichcs  Bnssgebet  nft  gebraucht. 


LeWn  r't» 


Kiiii.  XI. 


31 


\'>f  vasiialit  hiesf  er  dtr  cehnren  vasnaiit,  wan  bi!i  nit  beaeers  er- 
^pDnent,  Di'i  Miider  vasaaliC  woz  ein  betrolitange  (los  vorBpils  der 
i'wikdt,  wie  got  mit  einen  userwelten  rründen  dennoli  in  discm 
Mmigeni  libe  mit  liimeUclicm  trostn  »pilt.  iiud  uam  denn  her  fl'ii' 
'  mit  ibnklterem  lobe,  wiiz  im  de/,  wcirdcn  wns,  und  liess  im  mit 
;r<)i  »ol  ein. 

In  dem  sell>cii  aneviiliendei]  zitc  w:trt  im  ocIj  einest  ein  geimth- 
licbii  vnsmilit  von  gut,  nnd  du  wn?.  also.  Ki'  w:i/  an  der  vasnnlit 
VW  der  conplel  in  ein  warmes  stübli  {refranjjien,  da/,  er  sieh  wolte 
m  mniieti,  wnii  in  IVnr  und  linn^ret  in.  Aber  im  tet  nit  nl»  we  als  der 
tur]<t.  den  er  leid.  L'nd  do  er  da  )>i(Ii  lleise.b  essen  mid  gftten  win 
trinken  und  er  hun;;rigc  und  lursti^  was.  do  ward  er  von  innen 
gcruret,  und  gie  halde  us  und  liegond  »ich  selb  erbarmen,  nnd  ward 
tng  ^and  eins  ber/en  innekllcli  HÜfzende.  Des  selben  nahtes  was 
or  in  einer  j;esihlc,  da/,  er  weri  in  einer  siecbslubcn.  Also 
tWt  i^r  tissrenthalb  der  »tnlien  neiswen  singen  ein  himelecbes  geeang, 
Ulli  daz  gedöne  erklang  als  süsseklicb,  da/,  nie  kein  natitrlicliu 
ir|)f  80  BÜsseklieli  »{iraclt,  und  was  dem  glieh,  als  ob  ein  /well- 
'jwjes  sehCilerli  da  sungi  alleine.  Der  diener  vergase  aller  liplieber 
nt  Inset  dem  süssen  gcdöne,  und  sprncb  mit  begirliebem 
Wn:  „acb.  wnz  ist  da/,  dii  singetV  Ich  gehorte  doli  uf  ertrich  nie 
*' «iis«  gedöne!"  Do  entwürt  im  ein  stolzer  jungling,  der  stund 
epr.ieli  also:  „du  solt  wüssen,  da/,  dise  wolsiagender  knabe 
''Billiget,  nnd  da/,  er  dieb  meinet  mit  sinem  gesang."  Do  sprach 
dimier;  „nwe.  gesah  mich  gotl  Aih  bimelscber  jungling,  heiss 
n*^  singen!'  Er  san;;  aber,  dnz  es  in  dem  lut't  höh  eraclial.  und 
ing  tvnl  drit  himelsebn  lieder  us  und  ns.  Do  daz  gelang  ns  wnz, 
kom  der  seil)  wolsingender  knah.  de/,  in  duhte,  bin  in  dem  lulle 
dtai  vensterlin  der  stuben.  und  but  dem  jungling  ein  hübsches 
'Inli,  daz  wa/.  vol  mter  friiliten,  und  die  waren  glich  roten  zitigeu 
lltern,  und  waren  gross  nmb  sich.  Der  jungling  aiim  die  zeiiieu 
"")  dem  knallen  und  bot  [1-i'j  sü  dem  brfider  mit  fröden  nnd 
'pQCfa:  nl'i'kge.  geselle  nnd  geswislergil.  dis  n)ten  l'ruht  hat  dir  diu 
fruDi  und  diu  himelscher   hcrr  gesendet,    der  wunneklich    knab   und 

1  Hesfipfes]  iiuder<  ■■■       5  \\-.\h\  waz  A       7  ;iiin.'hteiiifeii  Jl/       lü  Imngrut 
liöl  f  IJ   <Tlinil  .V  lleisoli   «Uli  •:  .S'  17  natürl.  fefäl  .V  21  iia 

ia  i:\t         M  Do  —  üT  iiihI  m  fehlt  K         26  'lern]  li.m  A'         liöhe  luft  S 
3i  Hclli/e/i/l  M       ile^t  in  ihiUe /fhlt  A'        28f.  hin  in  xt  d.  v.  ia 
ilufte  a.T -I.  *        ao  Iriil.t  .1/        31  Der  Jana],  fehl  I  M        :il  dai  neiulin  P 
B  conplpl,  compUlarinm  ist  das  kirrklichf  Abeiutgchel. 


32  Lehen  Seu«OH.    Kap.  XJI. 

sun  dez  liimclscheu  vaters,  der  dir  och  gesungen  hat.    Ach,  wie  bat 
er  dich  so  recht  liep!"    Do  ward  der  brftder  enzündet  und  rot  ander 
sinem  antlut  von  fröden,  und  enptie  daz  körbli  begirlich  und  sprach  : 
„eya,  wol  minem  herzen!     Dis  ist  mir  ein  liebü  sandunge  von  dem 
minneklichen  himelschen  knaben;   des  sol   sich   min   herz  und  min 
sei  iemer  gesten.*"      Und   sprach   do  zft  dem  jungling  und   zft   dem 
andern  himelschen  gesinde,  daz  dawaz:  ^ach  lieben  fninde,  ist  nit 
billich,   daz  ich  disen  himelschen  gnadenrichen  knaben   lieb  habe? 
Ja^  gewerlich;  ich  sol  in  von  billich  lieb  haben,  und  waz  ich  wästi, 
daz  sin  aller  liepster  wille  weri,   daz   wölti   ich   iemer  tun!**     Und 
kerte  sich  hin  zu  dem  vor  genanten  jungling  nnd  sprach:  „sag  mir, 
liebe  jungling,  han  ich  nitrehtV"     Der  jungling  lachete  gutlich  and 
sprach:    Ja,  du  hast  recht!     Du  solt  in  billich  lieb  haben,  wan  er 
hat  dich  furbaz  gemeinet  und  geeret  denn  vil  ander  menschen.    Dar 
umb  hab  in  vil  lieb.      Und   sag  dir:    du  müst  liden  und  mt^st  och  15 
i^iirbaz  mc  liden  denn  vil  ander  menschen.     Dar  umbe   bereit  dich 
dur  zttl*^      Der  diener  sprach:    „ach,   daz  wil  ich  von  herzen  ^ern 
tftn,  und  bite  dich,  daz  du  mir  gehelfest,  daz  ich  in  gesehe  und  daz 
ich  im  gedanke  siner  schönen  gäbe."     Do  sprach  er:  „nu  gang  her 
zrt  dem  vensterlin  und  tft  einen  ogenblik!"     Er  tet  daz  venster  uf, 
—  do  sah  er  vor  dem  venster  stau  den  aller  zartensten,  minneklichsten 
Schüler,   der  mit  ogen   ie   gesehen   ward.     Und  do  er  zft  im  wolte 
dringen  dur  daz  venster  us,  do  kcrt  er  sich  lieplich  umbe  gen  ime. 
und  neig  ime  gütlich  mit  einem  früntlichen  gesegnen  und  verswand 
vor  sinen   ogen.     Also   zcrgie   du  gesiht.      Do  er  wider  zft  im  selb 
kom.   do  danket  er  gote   siner  gftten  vasnaht,   du   im   waz   worden. 


XII.  Kapitel. 

Wie  er  begie  den  meigen. 

All  der  nacht  des  ingendeii  meyen   vie   er  an  gewonlich  und    , 
.saste  einen  geistlichen  nieyen^  und  erete  den  etwi  lang  alle  tag  einest 
Under   allen   den    schonen    zwiern,    du   ie  gewfthsen,    kond   er  nit 

2  recht  fehlt  S        iS  gestoiij  iicfrowen  P        10  i4:eni  tun  P         12  ba] 
hat  .4^  10  nie  fehlt  M  menschen  andn'i  .V         19  goben  P         23  und 

do  .1/        ;31  allen  fehlt  M 

20  ft.  Das  Maietifittc/^eitj  Maibaumsetsen  (      Ernchten  eines  mit  Blumm 
und  Ji ander tt  (jeschmiickten  Tannen-  oder  Birkenba umes  oder  'Zweiges  vor  dt» 


Lebeu  Seu.*«es.     Kap.  XI F.  :;3 

i^lichers  vinden  dem  schönen  meyen,  denn  den  wunneklichen  ast  des 

ieiligen  cruzes,  der  blander  ist  mit  gnaden  und  tagenden  und  aller 

-Schoner  gezierde,  denn  alle  meyen  [M""]  ie  wurden.     Under  diseni 

ineyen  nam   er  VI  venjen,    und   hat   iedü   venje   in   ire   betrahtung 

5  ein  begird  eins  zierens  dez  geischlichen  meyen   mit  den   schönsten 

dingen,   du   denn   der  sumer  niobte  für  bringen.      Und   si)rach   und 

saDg  in   siner    inrkeit  vor    dem    meyen   mit  <lem    hymnus    Salve 

CTux  sancta  also:  ^gegrüzet  sist  du,  hymelscher  raeye  der  ewigen 

wisheit,  uf  dem  da  gewahsen  ist  du  fruht  der  ewigen  selikeitl 

I.  Dir  ze  ewiger  gezierde  für  alle  roten  rosen  büt  ich  dir  hüte 
ein  herzkliches  minnen ; 

IL  für  alle  kleine  vyol  ein  diemutiges  nigen; 

III.  für  alle  zarten  lilien  ein  luterliches  umbvahen; 

IV.  für  allerley  schon  geverwten  und  glenzenden  blfinien,   die 
^  kein  beide   ald  anger,   wald  ald  owen,   bome  ald   wisen   in   disem 

schönen  meyen   hein  fürbraht  ald   ie    wurden    ald    iemer    werdent, 
büt  dir  min  herz  ein  geischliches  küssen ; 

V.  für  aller  wolgemöter  vögelin  gesang,   daz  sü  uf  ie  keinem 
Qieyenrise  frilich  hein  gesungen,  büt  dir  min  sei  ein  grundloses  loben ; 

^  VI.  und  für  alle  die  gezierde,  so  ie  kein  meye  in  der  zit  ward 
gezieret,  erhebt  dich  min  herz  hüte  mit  einem  iicischlieheii  singene, 
Qöd  bite  dich,  daz  du,  gesegneter  meye,  mir  helfest,  daz  ich  dich  in 

[  fer  kurzen  zit  also  gelobe,  da/  icli  dich,  lobondü  fruht.  eweklich 
^erd  niessende." 

*        Und  alsus  w^ard  der  nicy  begangen. 


1  ;j^licher  [vinden |  den  seh.  m.  ^f        li  n.  mit  tutenden  .^."1/  :>  denn 

^i'U'         ie]  nie  S         und  disen  m.  A'  i  liat|  bat  ^1^         5  de/,  fehlt  M 

^'^  mn\  M        15  ald  owen]  und  A'         1(5  w]  iemer  P        H)  frolicli  .v        20  und 
M  M       war  31        20  f.  y-ez.  wart  S 

^dm  der  Geliebten f  iat  inlernalionale  JSitte :   nftcrs    ircrden  (lurk  (/rosse  Mm- 

^'^(ime  im  Dorfe  errichtet.     Für  Alemannivn  vf/l.  E.   H.  Meyer  a.  a.  ().  :J:il  [?.. 

^;  Schriften   de^    Vereins  für   Gofchicltte   d-s    Bodetis'-e.s    VI  i  IS7;'}),    14?  f. 

'i^fr.  11^  7  (p,  225):  iunc  (sc.  prima  die  inensifi  maiii  comnicfKtn  est,  tt  inaxiiiu 

ffi  jfartibus  Sueoiae  terrae  Altnaniuej  qiiod  adtdesccntes  de  uoctc  sih:<(s  /Ktmtt,  et 

iHore^  viriditate  foliorum  venustas  precidunl  et  ßorihiis   ornaias  prcic  forihus 

(ocantj  tdn  se  putant  habere  amicatij  in  s-ignum  amicitiae  et  fidcUtatii<.     Li  dem 

Maibaum   ein   Bild  des  Kreuzes  zu  sehen,   war   dem  Mittela/ttr  sehr  (/clüafif/. 

rgl.  die  Lieder  vom  ^^geistlichen  Maien^'    ha  Hoffmann    rou   Falhrshtien.    has 

deutsche  Kirclienlied  *  1661,    122  ff.,    und   Predvjien    (J eilers    rnu    Kaisersbcni 

über  den  ^Baum  des  hl.  Kreuzes."  7  llymnns   vom    l'\st  Krcuzerfmdung 

i3.  Maif. 

71.  Seuse,  Deatsche  Schriften.  .'> 


34  TiObon  Scuses.     Kap.  XIII. 


XIII.  Kapitel. 

Von  dem  eilenden  krdzgang,  den  er  mit  Cristus  uam,  do  i 

in  US  fftrte  in  den  tod. 

Got  der  hat  in  an  der  ersti  vil  zites  verwennet  mit  hiinelsc 
tröste,  und  waz  dar  inn  so  gar  verliket:  waz  die  gothcit  an  h 
daz  waz  im  lustlich,  so  er  aber  unsers  herren  marter  solte  betra 
und  sich  dar  in  mit  nachvolge  solt  geben,   daz  waz  im   swer 
bitter.     Dez  ward  er  eins  males  von  gote  herteklich  gestrafet, 
ward  in  ime  gesprochen  also:    ^weist  du  nit,   daz  ich  daz  tor 
dur  daz  alle  die  waren  gotesfnind  mussent  in  dringen,  die  zft  rec 
selikeit  son  komenV     Du  mftst  den  durpruch  nemen  dur  min  gelil 
nienscheit,   solt  du  warlich  komen  zft  miner  blossen  gotheit." 
diener  erschrak   und  waz  im  ein  swerü  red.     ledoch  begond  ei 
in  sin  gemerk  nemen,  wie  wider  es  ime  waz,  und  vie  an  ze  lerni 
daz  er  vor  nit  konde,   und  gab  sich  gelassenlich  dar  in.     Hie 
er  an,  daz  er  alle  nehte  na  der  meti  an  siner  «ewonlichen  stat,  [1 
daz  waz  in  dem  capitel,    sich   erl)rach   in   ein   cristförmig  mitli 
alles  des,   daz  sin  herr  und  sin  got  Cristus  vor  hate   geliten. 
stftnd  uf  und  gie  von  winkel  ze  winkel,  uf  daz  daz  im  ellü  trak 
enpfieli,  und  daz  er  munder  und  waker  in  des  lidens  enpfintlicb 
belibi.     Er  vie  es  an  mit  ime  an  dem  jüngsten  nahtmale   und 
sich  mit  ime  von  stat  zfi  stat,    unz  daz   er  in  brachte   für  Pvls 
Ze  jungst  nam  er  in  vor  gorihte  also  verteilten,   und  gieng  mit 
US   den   eilenden   cruzgang,   den   er  tet  von  dem  rihthus   unz  ui 
den  galgen.     Und  den  kri'iz<rang  begie  er  also: 

:J  zii  dem  tod  P         4  mit  dem  li.  t.  «V          5  dar  an  M  so  feh 

vrrl)likt  M         7  iiacl»vol«iOii  FKA'         8  w    -  0  \van\  fehlt  K  13  sv 

irn>ssu  M          16  daz  er  fehlt  A^          a.  iu*hte  tet  M         sine  P  17  df 

iu  d.  c.  ^ich  erbrach  M         18  daz]  so  P         19  und  zfi  w.  A^  22  bra* 
beiralite  A^ 

10  i'ber  die  Bezeichnung  gfotest'nnid  s,  Denifle  ti5  A.  1  und  namen 
dl  treffliche  Zusawmenfasimng  von  Strauch  in  Reahn%syklo^iädi€  für  prt 
Thcohf/ic  Xr//3  (J905),  :JOif.  An  Joh.  hyJ4f,,  Ps.  138,17  u.  Jak. 
unknüpfnd,  ist  gf.  zatiärhst  Epitheton  für  Kvangdifiten  und  Apositly  i 
nhtrhatipt  fitr  il eilige  und  fromme,  und  wird  von  den  Mystikern  des  14. 
scht'hfer  formuliert  als  Ideal  des  durch  Christas  zur  Freumlsehaft  und  li 
Schaft  Gottes  erhobenen  Menschen,  Kiue  Verwendung  des  Ausdrucks  in 
kinhlicheiu  iSinn  (bei  den   WaUlensern)  läuft  daneben  her» 


Leben  Seuses.     Kap.  XJII.  35 

So  er  kom  au  die  swellen  des  capitels,  do  knuwet  er  nider 
und  küste  die  ersten  ffisstapfeD,  die  er  tet,  do  er  also  verteilte  sich 
nmb  gekerte  und  in  den  tod  wolte  gan,  und  vieng  denne  an  den 
salraen  von  unsers  herren  marter:  Deus,  Dens  mens,  respice  etc., 
5  und  gie  dur  mit  zft  der  tür  us  in  den  kruzgang.  Xu  wurden  der 
gagsen  viere,  dur  die  er  mit  ime  wart  gende: 

Die  ersten  gassen  gieng  er  mit  ime  us  in  den  tod  in  der  be- 
inrde,  daz  er  baide,  frunden  und  zerganklichem  gute  wölti  us  gan 
and  liden  im  ze  lobe  trostloses  eilende  und  willig  armüt. 
10  Zfi  der  andren  gassen  hat  er  einen  fursaz  sich  ze  gebene  in 
einen  hinwerf  nah  zerganklicher  ere  und  wirdekeit,  in  ein  willeklicb 
veremeht  von  aller  diser  weit  mit  der  betrahtunge,  wie  er  och  waz 
worden  ein  wurm  und  ein  hinwerf  aller  menschen. 

An  dem  anvang  der  dritten  gassen  knüwet  er  aber  nider  mit 

15  einem  knss  der  erde  in  einem  frien  ufgebene  alles  unnoturftiges  ge* 

maches  und  Zartheit  dez  libes  in  du  ser  sines  zarten  libes,  und  leit 

inr  ginu  ogen,  als  da  stat,  wie  ellü  sinu  kraft  erdorret  und  sin  natur 

ertodet.     Und  so  su  in  vor  an  hin  also  jemerlich  triben^  so  gedaht 

;    er,  wie  billich    da  von   ellü   ogen   ernassen  söltin  und   ellü   herzen 

^fterrtfzen  söltin. 

So  er  denn  kom   an  die  vierden  gassen,   so   knüwet  er  nider 

enmitten  in  den  weg,  als  ob  er  knüweti  vor  dem  tor,  da  er  mftste 

ftr  in  US  gan,  und  viel  denne  engegen  für  in  und  kuste  daz  ertrich 

Qnd  ruft  in  an  und  bat  in,  daz  er  nit  ane  in  in  den  tod  giengi,  daz 

^er  in  mit  im  liessi,  wan  er  reht  an  ime  müste  hin  gan.     Und  bildet 

<laz,  go  er  iemer  eigenlichest  konde,  in  sich  und  sprach  dazgebetli: 

Ave  rex  noster,   fili  David  etc.,   und   Hess   in   denne  für  gan. 

Dar  na  knüwet  [lö""]  er  änderest  nider  also  gekerte  gen  dem 

tore  und  enphie    daz    krüz    mit  dem    vers:    0   crux  ave,    spes 

Konica  etc.,  und  liess  es  och  für  gan.      Denn  knüwet  er  nider  gen 

I   <i<?r  zarten   mftter,   die   man  in  grundlosem  herzeleid   da  hin  für  in 

ftrte,  und   nam   war,    wie   kleglich  si  sich  gehftb   und   der  heissen 

1  die]  doli  M  do]  so  jV  2  ersten]  eriden  -4'  5  wurden]  woren  P 
^  eüeude]  ende  K  12  daz  <>cli  M  IH  als  ein  wiiiin  A^  16  ser]  sele  A^ 
1"  4a  stat]  die  stück  P  kraf  A  19   nassen  M         22  in   dem  we<r  M 

2«  irebett  PK        27  liess  fehii  P        28  anderwerbe  SP        :^1  laid  M 


4  P#.  4>/.  13  Ps.  ;?y,  ;.  17  f.  Ps.  ^>i,  15  ß\  27  Antiphon 

^  der  Proz^Mton    am  Palmsonntag/   nach    Dornt nikanerr Uns.  29  Strophe 

***  dtm  tfchönen   Hymnuft    W.dlla   rtgit<  jtrodeunt  de.s    Vcnantiua  Fortunaius 
'«»  KrtHgerfindung  und  in  der  Paasionszeit  gesntifjenj. 


36  Leben  Scuses.     Kap.  XUI. 

\  trehen  und  eilenden  sufzen  und  ir  trureklichen  geberde,  und  meiiK 
sü  mit  einem. Salve  Reginn  und  kuste  ir  lYistapfen. 

Dar  na  stund  er  gcswind  uf  und  trat  sinem  berren  bald  i 
unz  daz  er  an  sin  siten  kom.  Und  daz  bild  waz  im  etwen  5 
gegenwürtig,  rebt  als  ob  er  liplicb  an  siner  siten  gicugi,  und  jredal 
also,  do  der  kung  David  von  sinem  kungrieb  was  Verstössen,  \. 
do  die  frümsten  ritor  an  siner  siten  umb  in  giengen  und  im  früntl  i 
bchulfen  waren.  Hie  gab  er  uf  sinen  willen,  waz  got  mit  im  te 
daz  daz  sin  balb  stet  were.  Zc  hindrost  nam  er  die  epistel  her  1" 
die  man  in  der  karwüchen  liset  uss  dem  wissagen  Isaias^  du  sprich 
Doniine.  quis  credidit  auditui  nostro  etc.,  du  als  eigenli 
sin  usfüren  in  den  tod  begrifet.  Und  mit  der  gie  er  ze  des  kores  ti 
in  und  gie  die  Stegen  uf  uf  die  canzell.  So  er  also  kom  under  <Ia 
krüz,  da  im  eins  males  die  bundert  betrabtunge  sins  lidens  wunieD 
da  knüwet  er  nider  in  dem  anscbowene  dez  abziebens  siner  kleidei 
und  des  grimmen  annegelens  sins  berren  an  das  krüz;  so  nam  ei 
aber  ein  disciplin  und  negelt  sieb  mit  berzklicber  begierde  zA  siiieir 
berren  an  sin  kruzz  und  bat  in,  daz  sinen  diener  weder  daz  lebei 
nob  der  tod,  nocb  lieb  nocb  leid  niemer  von  ime  gescbeiden  möliten 

Nocb  einen  andern  inrlicben  kruzgang  bat  er,  und  der  wa 
also :  so  man  daz  Salve  Regina  ze  conplet  sang,  so  saste  er  in  siner 
!  berzen  in  betrabtunge,  als  ob  du  rein  mtiter  nob  zu  der  seihen  z. 
bi  ir  liebes  kindes  grab  in  muterlicber  trurkeit  ires  begraben  kinde 
were,  und  daz  es  zit  were,  daz  si  wider  bein  gefiiret  wurdi,  un 
er  si  wider  bein  füren  sölte.  Also  macbet  er  in  sinem  berzen  dri 
venjen,  mit  dien  er  si  in  betrabtunge  wider  bein  fftrte: 

Uie  ersten  ob  dem  grabe,  so  man  an  vie  den  grüz  Salve  lU 
gina;  so  neig  ir  sin  sele,  und  enpfie  si  in  geisehlieber  wise  und( 
sin  arme  und  klagte  ir  zartes  berze,  daz  do  in  der  selben  zit  so  vi 
waz  biterkeit,  versmebt  und  totlieber  trurkeit,  und  trost  si  mit  eine' 

l  eil.  süfzenj  elloiidoz  schrien  .1/  maiitd  FMA^  4  unz]  iiml 

in  im  P  5  ob  fehlt  A^  8  s.  willen  in  j^otz  wilion.  waz  got  MA^  10  < 
da  sp.  M  11  düfeJilt  P  \'^  stieer  M  is  yWowQv  fehlt  A^  18  t'.  [da 
leben  n.  [der]  tod  M  19  mohte  FM  20  und  fehlt  S  21  ze  der  c.  ^ 
2:5  in]  ir  .1/  27  T  aiit  Bande  frot)  A  'M^  waz  sd  vol  S  trurk.]  bittr 
kait  M        eiiM.'in  tVlilt  8 

6tt.  //  Knii.  75, /.'>.//.  11  Is.  r,3,l.  13  f.    \'(jh  Proloff  den  Bdn 

21  Die  Antiphon  iSalve  Reniiui  wird  im  Domiuiknnerorden  seit  v.  1230  fThiO 

i^uartuhrhr.  7906,  7i.//. '  alle  Tatje  nach  der  Komplet  in  Prozession  gesungn 

H'obei  der  Ilrhdomadar  die  li rüder  mit  Weihwasser  besprengt;  vgl,    Vita  47,1 


Loben  Seuses.     Kap.  XIV.  37 

ennanene.  wie  si   dar  iiinbe  [16*]   nn  weri   ein  kungin  der  wirde- 

keit,  unser  zftversiht  und  unsrü  siissekeit,   als   an  dem  gesang  stet. 

So  er  si  denn  brahte   under   daz   tor  ze  Jerusalem^   so   furtrat 

fi  si  an  dem  wege   und   löget  wider   gen  ire,   wie   ellendeklich   si 

^  koin  ingcnde  also  blutrusig  dez  lüzzigen  blütes,   daz  uf  si  hate  ge- 

rmpfet.  daz  von  den  ufgebrochnen  wunden  ab  floss  ires  durgeminten 

kindes,  und  wie  si  gelassen  und  berobet  waz  alles  ires  trostes;  und 

denn  enptie  er  si   aber  mit  einer   inner  herzklicben   venje   in   den 

Worten:   Eya  ergo  advocata  nostra  etc.    und  meinde,    si  sölti 

!'-•  sich  wol  gehaben,  wan  si  nu  were  unser  aller  ein  wirdigü  fursprechin, 
und  hat  si,  daz  si  in  der  minne  dez  eilenden  anblikes  irü  erbarm- 
herzi«;ii  ogen  zft  ime  kerti  und  ime  den  werden  sun  na  disem  eilende 
lieplicli  ze  schowen  gebi,  als  der  rfif  des  gebetes  begert. 

Aber  die  driten  inrun  venje  machet  er  vor  der  ture  des  huses 

1*9 ant  Annen  ir  mftter.  da  si  in  ward  gefiiret  in  ir  leide,  und  tet 
•laz  mit  einem  genadene  und  bevelhene  in  ire  miltekeit  und  in  ir 
mtiterhehen  süssekeit   mit  den  andehtigen  Worten:    0  clemens,   o 

1  pia.  0  dulcis  Maria,  und  bat  si,  daz  si  sin  eilenden  sei  en- 
piiengi  an  siner  jüngsten  hinvart   und   ir   beleiterin   und   schirmerin 

'*'were  vor  den  bösen  vienden  dur  du  himelschen  tor  hin  in  die 
''wijron  selikeit. 


XIV.  Kapitel. 
You  der  niizzeu  tugeude,  du  da  heisset  swigeii. 

Der  diener  hate  ein  triben  in  siner  inwendekeit,  daz  er  niohti 
-■  konien  zu  gtltem  fride  sines  herzen,  und  duchte  in,  daz  im  swigen 


1  mi  (larmube  S  im  fehlt  P  3  IT  (tm  Rande  (rot)  A  4  wider 
/'■/'/■'  .1/  .5  lilötruusig  SPM  G  irciniiitrn  j*  8  inner  herz.|  inrklicht'n 
^'■V  H  Kvai  fehlt  M  10  wmliirü  fehlt  M  VI  u.  inu-  do  l*  113  gcrt  M 
^■1  ni  (im  Hunde  (roiß  A  15  s.  Annen  ir  swoster  ASPKMays^Uf  sant 
i-i'ubf  ir  ?w«»<ter  A^         2:i  da  fehlt  A^ 

2  Salcf  lieffina :    vita,   duhedo  et  .s-y/r.v  nostni.  S)   Im    Salrc  lief/iud. 
f          \'i(.Ehd.:  et  Jen  um  ^  hetiedicttim  frurtiim   renlris  iui.  nohis  post  hoc  exilinm 

'jstcitde.  15  Es   JUHfis   (»ßhdtar  „Matter^  statt  ,,6'chwester'^   (so  alle  IIss!) 

fiiUfiu .  denn  von  einer  Schwester  Marias  Kainens  Anna  iceiss  die  Lerjend' 
niehtit.    ])ie   St.  Annenverehrantj   war    im    14.   a.    lö.   dh.,   hctuniders   auch   tu 

iJentMchland^  ftehr  verbreitet:  vf/l.  E.  Srhamnkell,  JJer  Kultus  der  hl.  Anna  an» 

A'iJff/amj  des  Mittelalters  itSM7, 


38  lieben  Seuses.    Kap,  XIV. 

fürderlich  dar  zfi  weri.  Dar  umbe  hielt  er  sinen  mund  in  sölich 
httte,  daz  er  inrend  XXX  jaren  siu  swigen  ob  tisch  nie  gebrac 
denn  ze  eim  einigen  male,  do  er  von  einem  capitel  für  mit  > 
brüdem  und  sü  aasen  in  dem  schife,  do  gie  er  im  abe. 

Uf  daz  daz  er  siner  zungen  liberal  dest  baz  gemeistern  mok 
und  nnt  ze  vil  mit  rede  usbrVichig  were,  do  nani  er  in  siner  1 
trahtunge  drie  meister,  ane  dero  sunder  urlob  er  nit  reden  w61 
und  daz  waren  die  lieben  heiligen:  unse  vater  sant  Demi  nie  i 
sant  Arsen  ins  und  sant  Bern  hart.  So  er  reden  wolte,  so  ^ 
er  in  der  betrahtunge  von  eime  zft  dem  andern  und  bat  urlob  vi 
sprach:  Jube  domine  benedicere!  Und  wenn  du  red  mol 
beschehen  ze  rehter  zit  und  stat,  [Iß""]  so  hat  er  von  dem  erste, 
meister  urlob;  so  du  red  im  von  ussnan  enkeinen  anhang  gab 
so  hat  er  von  dem  andern;  und  so  si  im  inwendig  enkeiu  un 
lidkeit  brahte,  so  duhte  in,  daz  er  ire  aller  drier  urlob  hete. 
und  denne  redde  er.  So  daz  nit  waz,  so  duhte  in,  daz  im  ze 
swigen  were. 

So  man  ime  zfi  der  i)ort  rftfte,  so  fleiss  er  sich  diser  vie 
dingen:  des  ersten,  einen  ieklichen  menschen  gütlich  ze  enpfahen 
daz  ander,  kurzlich  us  ze  rihten;  daz  dritte,  trostlich  ze  lassen;  da 
vierde,  unbehenket  wider  in  ze  gene. 

1  dar  zu  fürd.  M        2  iiireiidj  in  PM        nie  j^fcbr.  ob  t.  P  3  einij^'e 

fehlt  M         5  dest]  beste  S         Vd  so  im  PA'         U  si  fehlt  A'  15  ir  drir 

aller  M         16  So  dis  M         19  monschen  fehlt  M         20  zß  einer  kurzwile 
21  niibolieiikend  M 

3  Ordtnsva'sammJung,  eniiader  aller  Pronnziah  mit  dem  General  d-* 
Ordentf  ( Generalkajnteh  oder  aller  Priortn  einer  Proving  (Prorinzialkapilei 
Sit'  wurden  jährlich  ahgdialien,  und  zwar  das  Generalkapiitl  in  der  Pfing^ 
oh'tav,  das  Vrovinzialkapitcl  7iach  den  Konstitutionen  von  li>2S  an  Micha t 
(:J9.  Sept.),  nach  deti  Konstitutionen  Jlaimunds  von  Pennaforte  (123^!4fif  ^ 
unbestimmter  Zeitj  doch  meist  an  Maria  Gehurt  (ti.  Sept,):  vgl,  Preger,  Voi 
urheiten  7  und  Reichert,  Feier  und  Geschäftsordnung  der  Pror, Kapitel  des  DomiH' 
kanerordens  des  13.  Jh.,  Römische  (^uartalschrift  190,3,  101  ff.  Die  Akten  dt' 
Gcneralkap,  sind  herausgegeben  von  Reichert:  Monumenta  ordinis  frairtt» 
Praediratorum  historica,  t.  III—  \  lS96ff.j  die  Akten  der  deutschen  Provinzinl' 
kap.  sind  bis  auf  kleine  Bruchstücke  tKinke  in  Rom,  (Jiutrtalschrift  1894, 
'j74ff.,  Reichert  ehd,  lbi97 ,  ^S7 ff.)    verloren  gegangen,  9  Arscniti»  d,  Gr. 

t  149  als  Einsiedler  in  Ägg/den  (vgl.  ASS  Jul,  IV,  617  ff.),  ron  Seuse  hocl 
r erehrt.  Kr  erzählt  Hör.  173—75,  wie  er  von  übertriebenem  Streben  find 
Wissenschaft  und  Ehren  sich  zur  Lebensweise  des  „sttmmus  philotophn 
Arsenius"  bekehrt  habe.  11    Bitte   um   dif  Benediktion  vor  den  Ltktitme 

des  Breviers  und  heim  Tischrfehet. 


LHiL'U  M-Ufes.     Klip,  XV. 


XV.  Kai.itci. 

Von  kcätgnng  de»  lihes. 

Er  hate  cur  ein  leMii'li  iisitiir   in   sincr  j(i{^einli?.      Uu 

pmk  ir  selbe«  beviinlcii  und  er  ULiikle,  da/,  er  mit  im  selben  iilier- 

lultn  was,   daz   wns  im  biter   und   swere.      Er   sfichtc   mengen   list 

Mil  croBs  bfisscn,   wie   er   den    lip    inachcti    undertenig  dem  geiste. 

Ei»  burin  bemde  und  ein  isnin  lietßii  trftg  er  nuiswi  Innge,  nnit  da?. 

äii  blftt  wart  von  im  zem  brunnea  gende,  i\a/.  er  es  meiste  ab  legen. 

iEr  hiess  im  heinlich  ein  hcrin  niderkleid  maclieii  nod  in  daz  nider- 

Nd  ricmen,  da  waren  in  geschlagen  fi'int'zeg  und  hundert  spi/.iger 

ä«!,  die  waren  m&echin  nnd  scbarpf  gevilct,  und  waren  der«  uiigel 

u  alle  zit  gen  dem  Heisehe  gekeret.      Er  macliete  daz  kleid  gar 

;e  ttnd  vornan  zesameu  gerigen,  dar  unibe  daz  es  sieh  deet  nelier 

U  den  lip  fi^gti  nnd  die  spizigen  nage!  in  daz  Heisch  drungin.  nnd 

iBctiek-  es  iu  der  höhi,  daz  es  im  unz  an  daz  gnibli  her  nl"  gie; 

Her  iune   schlief  er  des  nahtes.     In  dem  gumcr,   so   es   beiss   waz 

li  er  vil  mild  von  dem  genc   und    krank   waz  worden,   ald  so  er 

n  l«ser  waz  und  er  denne  in  den  erbeiten  also  gevangen  lag  und 

iilsigewi'irm  alsi.»  pingete,    so  lag  er  underwilent   und  gri'in   und 

[ramet  in   im  selb  und  wände  sich  von  niiten   umb   und  uinb. 

*l<<in  wurm  tßt,  m  man  in  mit  spizigcn  nadleii  stiebet.      Im  waz 

dik,  al«  üb   er  in  eint>m  anbesliufen   legi    von    angscfalichi   des   ge- 

"irme«;  wa»  so  er  gern  lieti  geschlafen  ald  so  er  entschlafen  waü, 

"ugen  Sil  nnd  bissen  in  wider  strit.     Kr  sprach  etwen  zf\  gut  mit 

llcm  herzen:  „nwe,  zarter  got,  wel  ein  sterben  dis  ist!    Wen  die 

ald  starki'i  üer  tädent,  der  kunt  geHwinde  ditr  von;  so  Hg 

»  l'le  ander  disen  ungenemen  würmuii  nnd  stirb  und  kan  doch  nil 

2  Cbtrrch-ifl  fehU    S  3   Ueplich    .V  4   im    sdlM-ii|    ir    /'  zi- 

*bLj1'  6lip/f/(i(3f         8  mag  M         10  spitzer  P         ffmfzcg  ii.  I..| 

iMnJb  [,.  M  11  messio  M  iri^vUet]  eenegtlt  !•  15  uiu  fthU  M 

\m  P  16  df-  fehlt  P  17  K|  vil  S  vou  dem  sen^  ffhlt  M  hM] 
IJ'  16  lesser  ASPA^  laaser  KMaü  lasMer  /  tDciiifle:  Legtr  =  Leit'.r!) 
vrfMl  M  20  in  sich  und  in  im  ücll)  .V  31  naifd  l'A'  -23  uldj 

A'  ^  itigeuj  «unifen  M  25  wul  S]'  26  ^»winde]  halde  7' schirr  M 
fitem  Djig.  ijTiwiirmc  M 

18  C'lfT  Aderlmt  m  Klötteru  ,i,„  I)omiiiika„a-'>rtU»  imiit  j.Jhiiifli, 
Ktiftäuliaiten,  ALKGÜ  I,  -Am:  V,  Ö40)  sithi  Slranch,  Marij.  Kbntr 
A.  «»  AT,  46  u.  Thirint  1.  1}4  A.  ^:  M.  Hn/fe,  Itownllrrhimtr  III, 
r.      i'al  auch  Sewr   Vita   K  3ti. 


^ 


40  Leben  Seuses*.    Kap.  XV. 

ersterben."      Du   nehte   wurden   in  dem  winter  niemer  so  laii:,^ 
der  [IT']  suraer  so  heiss,    daz  er   dur  von  liessi.     Und    daz   er 
diser  marter  dest  niinr  underlibi  gewönne,   do  erdaht  er  noch  ei 
er  band  umb  sin  kelen  ein  teil  eins  gürteis  und  an  daz  machet 
mit  listen  zwen  lidrin  ringe ;  da  schlofte  er  sin  hend  in  und  besch 
die  arm  dar  inne  mit  zwein  marhenschlossen.  und  die  Schlüssel 
er  für  daz  bet  uf  ein  bret,  unz  er  ze  meti  uf  stund  und  sich  se 
entschloss.     Sin  arme  waren  also  in  den  banden  ietwedrent  an 
kelen  utwert  gespennet,   und  hat  du  baut  also  versichert,   und  a 
du  cell  ob  im  gebrunnen,  er  enmöhti  im  selber  nit  haben  gehul 
Dis  treib  er,  unz  im  die  hend  und  arme  waren  vast  zitrend  won 
von  dem  spanene;  do  erdaht  er  ein  anders. 

Er    hiess    im    machen   zwo   lidrin   hantelen,    als    die    erbei 
pflegent   ze   tragene,    so   sü   dorne   gewinnent,    und  hiess  im  eir 
Spengler  dar  an  machen  moschinu   spizzigü    steftlü   umb   und  un 
und  leite  die  des  nahtes  an.     Er  tete  daz  dar  umbe,  ob  er  in  d 
schlaffe  daz  herin  niderkleid  wölti   von   im  werfen    oder  in  keii 
ander  wise  im  selber  behulfen  sin  in  dem  gnagene,  daz  im  tet  < 
gewürmme,  daz  in  denn  die  steften  in  den  lip  stechin ;  und  daz 
scliach  och.     Wenne  er  im  selb  mit  den  henden  wolte  helfen,  so 
er  schlaffende  mit  den  spizzigen  steften  in  busen   und   krazte  si 
er  machet  als  grülich  krczzc,  als  ob  in  ein  ber  under  sinen  spizi 
klawen  heti   zerkrawet.      Daz   erswar   denn   in  dem  fleisch  an 
armen  ald  umb  daz  herz,  und  so  er  über  vil  wuchen  genesen  v 
so  gewürset   er  sich  denn  aber,   und   machete   nüwe   wundan. 
marterlich  nbung  treib  er  wol  XVI  jar.      Dar  na  do  sip  adren 
natur  erkeltet  und  verwüstet  waz.  do  erschein  im  vor  in  einr  gc 
an  dem  pfiugstage  ein  himelsches  gesinde,   und  kunten  ime,  da: 
got  nit  leiiger  wolte  von  ime  haben.     Do  Hess  er  dur  von  und 
warf  es  alles  in  ein  abfliessendes  wasser. 


1   crstrib.]    stelx'ii  (I)    M        4  an    daz   fehli    P        5  schlofte]    be^l« 
<)  nialonslossfu  S  luaren  schl(is>en  K  nial-^lbsser  V  marrhschlossen  M  i 

wedtM'  >itc  S  ietwederLalb  .1/  9  uswcit  jV  i[;:espannen  PM  10 

linnunn  .1/  molit   .1/  11   vast  waren   M  wordru  ./V////  P  J 

ß/ih  A^         liantijuclM'ln  S  liantschfich  Mccfs^         15  nicssinfi  M  stefft 

stielt  .1/  st.Hhclin  P        17  von  im]  hin  .1/         18  nai>cnt  MA^        20  behelf« 
21  sclihitV.  fehlt   P         >to(!holn  J'         in    dou   bfisen    SPM         22  gekreta 
*2:i  «'rkniwet    .y  zerkrnnimot    I*   zerkratzet   -4^         2G   materlich  A         XXI 
üdren]    andren    A'        27  sin  natur  M        29  sot  fehlt  A^         von    im    wolt 
:J()  .in  fehlt  M 


Leben  Seuses.     Kap.  X.\'I.  41 

XVI.  Kapitel. 

Ton  dem  scharpfeu  krüz,  daz  er  trüg  uf  siueiu  ruggeu. 

Vor  allen  andren  Übungen  hat  er  einen  begirliclien  inval,  etwaz 
Zeichens  an  sinem  libe  ze  tragene  eines  enpfintlichen  mitlidens  dez 
0  pinlichen  lidens  sines  gekruzgeten  herren.     Also  machet  er  im  selb 
ein  hültczin  krüz,  daz  >vaz  in  der  lengi  als  eins  mannes  spang  und 
iiate  dez  sin  [17']  ordenlichen  breiti,  und  schlug  dar  in  XXX  isniner 
naiiel  in  sunderlicher  mainunge   aller  siner  wunden  und  siner  fünf 
minnezeiehen.     Daz  krüz  spand  er  uf  sin  blossen  rnggen  enzwischen 
lu  iiie  schulteren  uf  daz  fleisch,   und  trog  daz  tag  und  naht  steteklich 
WH  jar  dem  gekruzgeten  herren  ze  lobe.     Dar  na  in  dem  jüngsten 
jare  schlug  er  och  siben  nadlen  dar  in,  also  daz  die  spizze  dur  daz 
krüz  etwi   verr  drungen   und   dar  inne    stekend    bliben;     und   daz 
ander  teil  brach  er  hinnen  ab.      Diser  spizziger  nadlen  verwunden 
'15  %  er  ze  lobe  dem  nahtringenden  herzleide  der  reinen  gotes  mftter. 
to  ir  herz  und  sele  zu  der  stunde   sines  jcraerlichen  todes  so   gar 
<lQnvundete.     Do  er  dis  krüz  dez  ersten  uf  den  blossen  ruggen  ge- 
spien, do  erschrak  sin  menschlichü  nature  dar  abe,  und  meinde,  er 
mohti  es   mit   mitü  erliden,    und    nam    es   her   abe    und    widerleite 
'^'enklein  die  scharpfen  na^el  an  einem  steine.     Du  unmanJich  zagheit 
;rerow  in  balde,  und  machet  su  alle  andrest  wider  spizzig  und  scharpt" 
mit  einer  viln,    und   nam   es   wider   uf  sich.      Es   riflet   im   uf  dem 
ruggen,  <Ia  es  beinoht  was.  und  machet  in  blfitig  und  verseret.     Wa 
er  sass  oder  stund,  da  waz  ime,  wie  ein  i^elhut  uf  inic  lege:  so  in 
■^  ienian  rürrt  unverwenet  ald  in  stiess  uf  daz  gewant,  daz  verserte  in. 
Dhz  im  dis  pinlich  krüz  dest  lidiger  were,  do  ergrftb  er  hinnan  uf 
daz  krüz  den  lieben  namen  IHS.     Mit  discm  kurz  nam  er  vil  zites 
alle   tag  zwo  disciplinen  in  sölicher  wise:  er  schlug  hinnen  mit  der 
fii.st  uf  daz  kruze.  so  trungen  die  uagel  in  daz  fleisch  und  gesteketen 
9CI  dar   inne,    daz   er  sü   mit   dem    gowande   nuist  her  us  zukcn.      Die 
schieß  uf  daz  krüz  tet  er  als  togenlich,   daz   es   nieinan    wol    moht 
irernerken.     Die  ersten  disciplin  nam  er,  so  er  mit  betrahtuiig  komen 


2  uf  s.  r.  trug   /'  5  hoiTfii]  hrrzcii  (!)  M  ü  si»rani!    1'  7  dez, 

dz  rM         ^in  /^/*^^  ^        ^  maiiunge  P        10  luu-lir  u.  t-Ag  M        12  od\J\hU  A' 
jjiijrel   A^  1-i  er  fehlt  K        hin  ab  P         IG  ii.  ir  st'lr  P         17  rucken  Mos  P 

19  l»i   nute  P         21  bero  r        audrest  fvhU  M  andt^nverbe  P        23  da]  daz  SA^ 
VM-iiioht    roll   anderer   (alter)   Huud  A  25  [in]    stiess    .1/  26.28    hiudman 

.^/M/  -7  ilis  am  Rande  M         M  Wt  <  r  uf  d.  kruz  .V         uit   wol  il/ 


42  Leben  SeuseH.    Kaj).  XVI. 

waz  zu  der  sul,  da  der  schon  lierr  als  grülich  gegeislet  ward,  uv^, 
bat  in,  daz  er  mit  sinen  wunden  die  sinen  heilti.     Die  andren  u^.  lu 
er,   so  er  fiirbaz  under  daz  kruz  komen  waz,   und  dar  an  geneg^^/f 
ward,   und  negelt  sich    zft    inie,   nieraer   von  im  ze  scheiden,     l  » 
dritten  disciplin  nam  er  nit  alle  tag,  er  tet  es,  so  er  im  selb  ze    tj7 
Zartheit   oder   ungeordenetes  lustes  hate   verhenget  an  trinken,     an 
essen  ald  solichen  sachen. 

Er  hate  sich  ze  einer  zit  misshütet,  daz  er  zwain  jungfroweu, 
do  [IS^^J   SU  oflfenlich  in  der  gemeinde  bi  im  sassen,   ire  hende  in 
sin  hende  hat  genomen   ane  alle  böse  geverde.     Du   unbehütekeit  ro 
gerow  in  geswinde.  und  meinde,  der  ungeordnete  lust  müsti  gehütet 
werden.      Do  er  von  den  jungfrowen  gie   und   in  sin  kapeil  an  sin 
heimlichen  stat  kom,   do   schlftg  er   sich   umb   dis  missetat  nf  daz 
krüz,  daz  imc  die  spizigen  nagel  in  dem  ruggen  gesteketen.    Er  tet 
sich  selb  och  umb  die  missetat  ze  banne,  daz  er  im  selber  nit  wolte  li?; 
erloben,   na  meti  hin   in  daz  capitel    an   sin  gewonlichen  stat  rin» 
gebctes  ze  gene  zfi  dem  reinen  himelschen  ingesinde,  die  im  an  der 
selben  stat  in  betrahtunge  gegenwürtig  waren.     Dar  na  neiswen,  do 
er  sich  gentzlich  wolte  versünen  umb  dis  missetat,  do  waget  er  sich 
hin  in  vil  blnklich,  und  viel  dem  rihter  vor  an  ze  fflssen  und  nam  3^ 
vor  ime  ein  disciplin  mit  dem  krnze,  und  gie  do  ietwedrenthalb  urab    J 
und  umb  vor  den  heiligen   und  nam  XXX  disciplinen,   daz  im  dal 
blüt  den  ruggen  ab  ran.     Und  also  erarnet  er  den  lust  vil  bitterlich 
den  er  hat  gehabt  unordenlich. 

So  man  meti  hate  gesungen,  so  gie  er  in  daz  capitel  an  sin 
heinlichi,  und  nam  da  hundert  gestrachter  venje  und  hundert 
knuwender,  ein  ieklich  vcnjc  mit  sunderlich  betrahtunge;  und  die 
taten  im  vil  we  von  doz  krüzes  wegen,  wan  wenn  er  daz  krüz  also 
strenklich  an  sich  gespien  und  naher  an  den  lip  getreib,  als  der 
einen  reif  tribet,  als  er  ze  der  zit  pflag  ze  tfme,  so  viel  er  nider  nf  8 
die  erde  und  nam  die  hundert  venjen,  und  von  dem  nidervallene 
so  «gesteketen  in  ime  die  na«;el.  und  so  er  dennc  uflFstftnd,  do  znkt 

4  |zcl  ^cscheidrii  A^        i»  sü|  die  A^        10  hof^Q  fehlt  A^         ifcbenli*  P 
11  \\\  fikll  M         14  krüzl  ortrich  F  15  zu   bau    umb  d.  m.  P  li>  hin 

fdiU  A'         17  i^csiiidr  M         18  stat  fehlt  P         U)  wolt  ^räntziich  .1/         20  in 
ft'hfi  iM'  bhikl.l   belienklich  P  |vur]   an   zc   tuzz   .1/  20  1.  vor  im 

Dam  er  A^        2()  >trjicker  P        28  vil  \\v  iiiie  S       20  stctteklich  A^        iiohe  jP 
M  iiidrr  vall  M        ^2  in  fvhff  A'         doj  und  .4* 

2()  f.  l '///.  Jidcir  Vorrede  und  J.  Teil  t  die  ICO  Bvtntchtunf/tnL  Gestreckte  Ktnte 
int  die  iifjLiüUche  Pro.stnition  im  Unterschied  vom  blossen  Kniefall  (vgl,  oben  16,14 f. 


1 


Lebeu  SeusoH.    Kap.  XVI.  43 

er  81  denn  her  wider  us,  und  aber  von  dem  nidervallene  stachen 
sü  nuwü  löcher^  und  daz  waz  im  gar  pinlich;  weune  sü  niiwan  an 
einer  stat  beliben  in  im  stekende,  so  waz  es  lidig. 

Vor  diser  übunge  hat  er  ein  ander.  Er  hat  im  selber  ein 
ö  geisel  gemachet  uss  einem  riemen ;  den  schuf  er  ime  beschlaben  mit 
m&Bchinen  spizzigen  steften,  die  waren  scharpf  als  ein  grifel,  und 
giengen  die  zwen  spiz  ietwedrent  für  den  riemen,  also  daz  ein 
ieklicbes  drispizig  was^  mit  welen  ort  es  den  lip  trefe^  daz  es 
wanden  machete.  Hier  us  machet  er  ein  geisel,  und  stund  vor  meti 
10 of  and  gie  in  den  kor  für  gotes  fronlicham,  und  nam  da  stark  [IS""] 
disciplinen.  Und  daz  tet  er  neiswi  lang,  unz  es  die  brfider  innen 
wurden,  do  lies  er  dur  von. 

Au  sant  Clemens  tag,  so  der  winter  an  vahet,  tet  er  einest 
ganz  biht.  Und  do  es  heinlich  wart,  do  beschloss  er  sich  in  der 
Ideell,  und  zoh  sich  bloss  us  unz  an  daz  heriu  niderkleid;  er  nam  sin 
geisel  her  f&r  mit  den  spizigen  dornen,  und  schlAg  sich  selben  über 
den  lip  and  umb  die  arme  und  du  bein,  daz  daz  blfit  von  obnen 
nider  ab  ran,  als  so  man  eime  schrepfet.  Es  waz  sunderlich  ein 
knunber  steft  an  der  geisel,  der  waz  gestalt  als  ein  heggli,  waz  der 
^greif  fleiscbes,  daz  zarte  er  da  hin.  Hie  mit  schlög  er  sich  als 
^wt,  daz  im  dft  geisel  in  drü  stuk  zersprang,  und  im  ein  stuk  in 
der  haut  bleib  und  die  spizz  umb  die  wende  fören.  Do  er  also 
Wütende  da  stund  und  sich  selber  an  sach,  daz  waz  der  jemerlichest 
*Dblik,  daz  er  in  dik  gelichte  in  etlicher  wise  der  geschöwde.  als 
do  man  den  geminten  Cristns  freischlicb  geislete.  Er  wäret  von  er- 
kermde  über  sich  selb  als  reht  herzklich  weinende,  und  knüwet  nider 
^ko  nakende  und  blfttige  in  dem  frost  und  bat  ^ot,  daz  er  sin 
^ind  vor  sinen  milten  ogen  dilgeti. 

Dar  na  an  der  pfafenvasnaht  gie  er  aber  als  och  vor  undei 
des  eonventes  tisch  in  sin  cell,  und  do  er  sich  blos  ab  gezoh,  de 
P^^  er  im  selb  gar  grimm  schleg,  daz  sin  blüt  den  lip  ab  floss. 
So  er  noh  vaster  wil  schlahen,  do  kom  ein  l)ruder,  der  hat  daz  ge- 

l  denn  her  fehlt  S  1  f.  st.  di  ime  S  S  l»eliben  fehlt  M  stekoion  .1/ 
0  »chöt]  hiesg  M  6  Hpitz.  meschinen  A^  stjicheln  l*  9  f.  uf  vor  m.  3[ 
*7  und  umb  d.  bein  SMA*^        18  schraffet  P        sunderl.  —  19  stet't)  ein  sunde' 

*^^l  P       19  daz  waz waz  daz  /'        2;^  uf  stvuido  A^        jemerlich  J' 

®  Anschlich  S31        25  f.  ermberinde  A        29  och  fehlt  P 

l'^  U3,  Nor.  14  BeicfU  über  das  f/mise  Lelnii.  29  Sountof/  Kst^ 

*^  f^uintfuagesima,  Fctstnachissonntagi,  auch  Herren-  oder  rfaffenfi^tnach- 
^^nnt,  f,  Orotffend,  Zeitrechnung  i,  öd. 


44  Lehen  Seuses.    Kap.  XVII. 

schelle  ueiswa  gehöret,  und  er  müste  hören.  Er  nam  ezzieb  uu 
<altz  und  bereib  sin  wunden  dur  mit,  daz  eines  smerzen  dest  ra 
wurdi. 

An  sant  Henedictus  tag,   an   dem   er  in   die  eilend  weit  wan 
^eborn,  gie  er  under  dem  inbiss  in  sin  capell ;  die  beschloss  er  un< 
zoh  sich  US  als  och  vor.     Er  nam  die  geisel  her  für,  und  vie  an  z( 
scldahent.     Also  ward  im  neiswi  ein  schlag  uf  den  lingen  arm  unc 
traf  die  ader,   du  da  heisset  mediana,   neiss  ein  ander  dur  bi.    De 
du  als  vast  troifen  ward,   do  sprang  daz  blfit  her   us,   daz  im  der 
runs  des  blutes  flos  über  den  ffiss  ab  dur  die  zehen  uf  den  estrich 
und  da  swebte.     Ime  geswal  der  arm   behendelich  gross  und  ward 
blawvar.      Hier  ab  erschrak  er,    und   getorst  nit  me  schlahen.    In 
der  selben  zit  [19']   und   an   der   selben   stunde,   do   er  sich  selber 
also  schlug,  was  ein  heiligu  jungfrow,  du  hiess  Anna,  du  waz  an 
ir  gebet  an  einr  andren  stat  uf  einer  bürg.      Der  waz   vor  in  einr 
gesiht,  daz  si  wurdi  hin  gefüret  an  die  stat,  da  er  die  disciplin  nam. 
Do  si  die  herten  schleg  an  sah,    daz  erbarmet  si   als  übel,  daz  81 
hin  zu  im  trat,   und   do   er  den  arm  hat  uf  erhebt  und   sich  wolte 
?ichlahen,  do  undergic  si  ime  den  schlag,  und  der  ward  ir  uf  ir  arm, 
als  si  duhte  in  der  gesiht.     Do  si  zft  ir  selber  wider  kom,  do  vand 
si  den  schlag  gezeichent  mit  swarzcn  totblüten  an  dem  arme,  als  d 
du   geisel   getrofen    hate.     Si   trfig   du   kuntlichen   Wortzeichen  mit 
irrossom  smerzen  vil  zites. 


XVII.  Kapitel. 

Von  sinem  geliger. 

In  den  selben  ziten  ward  im  neiswa  ein  eltü  hingeworfnü  tür; 
die  Icit  er  in  siner  cell  an  sin  betstat  under  sich,  und  lag  dar  ufc 
ane  alles  betgewand.  Ze  einer  behulfenheit  sin  selbes  hat  er  eil 
vil  tünnes  mctli  uss  ror  gemachet:  daz  leit  er  uf  die  türc,  und  das 

1  crlioiHt  A^        4  er  nacli  weit   .1/        0  tVir  her  K        8  ueissj  oder  ÄJ 

j  tropheiid  itn»i)tt'on)  MA^aV        12  torst  M        18  zu  im  hm  zö  S        19  unde 

uie  —  20  in]  -1'         19  uf  (hii  arm  1*        20  selhcr  zfi   ir  8        23  grossen  J 

2H  tur  waz  hin  ireworffeii  V         27  sin   P         29  vil  tünnes]  nüwes  KU        t 

ü.hlt  M         Hl  et  zun  ^S' 

4  4.''/.  Mär:.  8    \'ena    mediana,    die    mittlere    Blutader   am  inner^ 

J'J//'  nhof/eii.  im  MittdaUor  hüiififj  zum  Aderlass  henätzl,  .v.  M.  Höfler,  DeuUtdt 

Knnikk'jHfiiuuiunhuth   ISUlf.  4(Jti,  41S. 


Lebeu  8euses.     Kap.  XVII.  45 

erwand  im  an  den  knüwen.  Under  sin  hobt  für  ein  kiissi  leit  er 
eh  seckli  gefüllet  mit  erwisstro,  und  dar  uf  ein  vil  kleines  küsseli. 
Er  hate  enkein  betgewand  liberal,  und  als  er  des  tages  gie,  also 
lag  er  des  nahtes,   ane  daz   daz    er   die   schü   ab   zoh;   und   einen 

ötiken  mantel  tet  er  umb  sieb.  Alsus  gewan  er  ein  jemerlich  geliger, 
wan  daz  hert  erwisstro  lag  im  knollobt  under  dem  böpt;  do  stach 
in  daz  kruz   mit   den  scharpfen  nagel  in  den  ruggen ;   er  hate   be- 

;    «hlossnü  band  an   den   armen   und   daz  herin  niderkleid   umb   die 

i    baffen;  do  waz  der  mantel  gar  svvere   und   du   türe  hert.     Er  lag 

■10  also  verjamert,  daz  er  sich  nit  geleichen  mohte  als  ein  bloch:  wenn 
er  sich  wolt  umb  kercn,  so  geschah  im  we,  wan  so  er  schlaferlich 
Mnder  sich  uf  daz  krüz  üt  vaste  viel,  so  drungen  im  die  nagel  hin 
in  in  daz  gebcin,  und  denne  Hess  er  mengen  siifzen  zii  got.  In 
dem  winter  beschah  im  von  frost  gar  we,   wan   in   dem   schlafe  so 

Ä  er  die  füsse  wolt  streken  nah  gewonheit,  so  wurden  sii  bloss  uf  der 
tnr  ligende  und  erfruren  ime;  so  er  su  denn  zu  im  hin  under  zoh 
nnd  also  hüb  ungestreket,  so  ward  daz  bliit  wütende  in  den  bein: 
iaz  tet  im  vil  we.     Im  wurden  die  füsse  vol  gesühtcs :  do  geswullen 

'    ime  du  bein,  als  ob  er  wassersiihtig  w61ti  werden.     Du  knü  waren 

•  Wötig  und  verseret,  [lO""]  die  huflFcn  vol  schnatan  von  dein  herin 
niderkleid,  der  rugg  was  von  dem  kruz  verwundet;  der  lip  waz  öde 
v^on  masslosi,  der  mund  türr  von  turstiij:er  not,  die  hend  zitreden 
von  kraftlosi.  Und  alsus  in  diser  marterlicher  wise  vertreib  er  sin 
tag  and  nahte. 

*  Dar  na  endert  er  die  übunge,   die   er   hate   mit   der  tür,    und 

2oh  in  ein  kleines  celleli  und  machet  den  stul,  da  man  uf  sass,  im 

^Ib  ze   einer  betstat;   der   was   schmal   und  als  kurz,   daz   er  sich 

dar  ufe  nit  mohte  gestreken.     In  diseni  loche  und  uf  der  türe  bleib 

er  ligende  wol  VIII  jar  mit  sinen  gewonlichen  banden.     Do  hat  er 

ein  gewonheit,    daz   er   na   conplet   in   dem   winter,    so   er   in   dem 

jonvent  was,  in  kein  stuben  noh  über  des  convents  oven  dur  keiner 

2.6  erüwsstro  A  enveisstro  aSP  arbszstro  A'  liiibcrstro  ccf.s^  :>  het  an 
t*in  M  und]  denn  M  7  in  «Icn  rugj^en  nach  kn'iz  M  liato  fthU  S 
i  «chafferlich  A^  18  [in|  in  MÄ^  15  ?^terckon  S  nacli  <1«  r  gew.  ^f 
5  niKl«-r]  wider  3/  17  ungestr.]  im  ^a'strcket -4'  in  «loiii  baiu  .V  IS  do| 
?s  M  und  A^  20  schnattra  K  22  der  nmiid  -  not  fr/dt  M  waz  türr  P 
Tteni  P  28  diser]  der  P  2'y  mdet  A^  2«>  f.  im  seil»  nath  betstat  M 
'<  nit  molite  dar  uff  S 

24  Der  Zusatz  hei  Diepenhroch  {-  1S,'J7,  :U) :  *  /6.s/,  776' >  ßiuhfi  sich  nur 
t   dem  Druck  vo^n  1512  fol.  IS*"  und  fehlt  in  allen   llandschriflen. 


46  Leben  Seiincs.    Kap.  XVIII. 

wermi  willen  nie  kam  wol  inrend  XXV  jaren,  wie  kalt  es  wa«,   gs 
ffigtin  (lenne  ander  sacheu.     In  den  selben  jaren  meid  er  ellä  bad, 
beidü  wasserbad  und  sweisbad.   dnr  angemach  sines  zartsftchende^ 
libes.     Er  was  vii  zites,  daz  er  sumer  und  winter  nüwan  einest  ao 
dem  tag  ass,   nnd   nit  allein  mit  dem  vastene  ane  fleisch^   mer  dor 
zft  ane  viscli  und  ane  eyer  was.     Vil  zites  ftpte  er  sich  an  sölioher 
arniAt;  daz  er  enkeincn  pfenning  wolt  enpfahen  noch  handien,  weder 
mit  urlob  noh  ane  urlob.     Neiswi  vil  zites  sah  in  an  sölichä  Inter- 
keit,  daz  er  sich  selb  niene  an  dem  libe  wolte  krazen  noh  an  rüren, 
denn  allein  an  henden  und  fassen. 


XVIII.  Kapitel. 

Ton  dem  abbreeheue  des  trankes. 

Er  vie  einest  an  die  wetunden  übunge,  daz  er  im  selb  ein  vil 
klein  massc  uf  saste  ze  trinken;   und  daz  er  der  masse  dest  minr 
vermisti^  baidii  innen  und  usse,  do  scbflf  er  im  selb  umb  ein  k6pfli  j 
uf  die  selben  masse,   und   daz  trag  er  mit  im,   so  er  us  gie.     In 
grossem  tnrste  was  es  im  nüwan  ein  erkülen  des  türren  mundes,  ab  3 
der  einen  siechen  menschen  in  siner  hizze  labet.     Er  waz  vil  zito^ 
daz  er  liberal  enkeinen  win  trank  denn  allein  an  dem  ostcrtag;  dem 
hohen  tage  tet  er  es  ze  eren.     So  er  etwen  als  turstig  waz  und  in  iil 
selber  von  strenkheit  sinen  turst  weder  mit  wasser  noh  mit  wine  wolt    . 
{)üzen,  und  er  denn  vil  jemerlich  uf  zA  got  sah,  do  ward  im  einest  J 
von  got  incrlich  geentwürt  [20']  also  :  „lüg  du,  wie  ich  stand  turstige  I 
in  sterbender  not  mit  enklein  ezzichs  und  gallen,   nnd  waren  dodi  1 
alle  küleu  brunnen  des  ertrichs  min  eigen!"  d| 

Es  geschah  ze  einer  zit  vor  den  winnahten,   daz  er  gar  ver- 
rüchet  hate  uf  alles  liplich  geroach,   und  nam  an  sich  drie  fibnnge 

1  iniTiidl  in  PM        XXX  A'         2  fügte  P  fhgii  A'         3  usserbad  A^ 
«luroh  gemach  imd  ungeiiiach   S  4  f.  liz  nach  einest  M         5  nit  —  6  was] 

waz  an  Haiscli,  liii  fisch,  an  aiger  dar  zu  3/  10  und  an  fassen  SMA^m 
12  ÜUrschnft  fehlt  S         dem  fehlt  F         14  uf  —  masse  fehU  K  15  imi 

n.  uss  .1/  nmh  fehlt  S  19  fiberal  fehlt  M  22  zu  got  uff  S  23  iunek- 
lich  (!)  M  2)5  f.  in  sterb.  not  tnrstige  6"  24  gallen  wart  ich  ^trenkct  Ä^ 
25  dis  APA'a 

8  an  s<-hcn  mit  sacldichem  Snhjdd  und  ptrsönlichem  Objekt  -  etitew  «0 
und  NO  scheinen,  gut  dünken:  vyL  Grimm  I>\V  /,  466:  IL  Irischer,  Schwülb. 
Wötierh.  i,  :Ji',!f.  25  Der  Zusatz   hei  JJiepenhrock  (*  37 :  *  174)  ftkU  ni 

^dlen  JIs8.  und  steht  zuerst  in  der  Ausgabe  von  JoJ2  fol,  iö«*. 


Leben  Seuses.    Kap.  XVIIL  47 

ane  die  gemeinen,  die  er  lange  hate  gehabt.  Du  erst  was,  daz  er 
na  der  meti  vor  dem  fronalter  uf  den  blossen  steinen  also  stende 
Weib  unz  ze  tage,  und  daz  waz  urab  die  zit,  so  die  nehte  aller 
kngest  sind  und  man  vil  frü  meti  lute.     Du  ander  waz,  daz  er  an 

5  kein  warm  stat  gie  weder  tages  nob  nahtes^  noch  kein  wermi  von 
der  glöt  au  die  hende  ob  dem  alter  wolt  nemen ;  und  geswullen  im 
die  hende  groslichen,  wan  es  der  selben  zit  aller  keltest  waz.  Na 
coDplet  gie  er  also  kalte  uf  sinen  stül  schlaffen^  na  meti  stand  er 
vor  dem  alter  uf  blossem  stein  unz  ze  tage.     Du   drit  Übung  waz, 

10  daz  er  im  selb  allez  trank  ab  brach  dur  den  tag,  wie  übel  in  turste, 
denn  eht  des  morges  ob  tische,  und  denn  so  turst  in  nüt.  So  es 
aber  begond  abenden,  so  turst  in  als  reht  übel,  daz  ellü  sin  nature 
na  trinkene  mng;  und  daz  verhüb  er  alles  mit  mengem  bitterlichen 
ßmerzen.      Der  mund  ward  ime  als  türr  von  innen  und  ussnan   als 

15  einem  siechen,  der  an  einer  suht  lit.  Do  zerschrant  im  sin  zunge, 
diz  8i  dur  na  me  denn  in  einem  jar  nie  kond  verheilen.  So  er  ze 
conplete  also  turre  da  stiind  und  man  daz  wichwasser  nah  gewonheit 
nmb  gab,  so  tet  er  mit  begirde  den  türren  mund  uf,  und  ginet  wite 
gen  dem  sprengwadel   uf  daz   gedinge,    ob   im    en    kleines   tropfli 

io  witters  uff  sin  türren  zungen  vieli,  daz  si  da  von  joh  en  wenig 
erkult  würdi.  So  er  denn  ze  collacion  oder  ob  tische  also  turstige 
den  win  von  im  saste,   so   hub  er  etwen  sinü  ogen  uf  und  sprach  : 


1  jrehabtj  iu:et«ni  r  4  iiuti  lutc]  hat  iiietti  K  (3  an  <1.  hend«-  fehlt  ^f 
^  Hiieii]  ainen  K  fl  blosstMi  stWin-n  J'  10  soll»  fehlt  K  |abj  l»rach  /' 
11  «'ht  fehlt  P         13  incnpfon  A  15  zerschand  M  zerspit'lt  P        17  f.  gab 

«a^A  wichw.  M        20  joh]  doch  il/,  fehlt  1*        21  f.  den  win  also  durstig«»!  M 

5  f.  Zur  Krwärmung  der  1^'ingtr  hei  der  Mtfsse  wurde  im  kalten  Winter 

^'»  Gefäüx  mit  Kohlen  auf  den  Altar  (/enteilt ;  vgl.  Caerem,  Ord.  Praed.  II,  1  a. 

il'öti2  (Thiriot  /,  74):    ./.  Sauer,   Sgnibolik    de^   Kirchen  geh  üudeti  J^aJ,  211. 

17  Vgl,  oben  Anm.  zu  36yJl.  21  CoUatio    (collazie,   collacie :  Lerer  /, 

M'5)  ixi  die  schon  hei  den  alten  Orden  iReg.  /SV.  Benedict!  c.  4:i* :  Chrodegang, 

''(</'  can.  c.  21)  und  ehenso  hei  den  Dominikanern  ühliche  Bezeichnung  für  die 

Endliche   Tiachlesung,   bei  der  viel   die    Collationes   Patrum   (Unterredungen 

*Ä  den   Viltem)  des  Johannes  Cas,sian  gehraucht  wurden :  in  der  Folge  erhielt 

^V  Abendmahlzeit  selbst^  oder  der  Trunk  hti  derselben,  besfmdcrs  an  luistiagen 

''«  hominikanerorden   vom  14.  Se/tt.  bis  Ostern  ausser  den  Sonntagen^  ferner 

'^flt  Freitage  und  sonst  einige  Tage  des  Jahres:  vgl.  Constitutiones.  ALKGM 

i,  19t*\    Vf  u36)  dai   Kamen    Cnllatin.     Statt   der    Lesung    konnte    auch   unier 

leiinng  des  Lektors  oder  Priors  ein  Vortrag  oder  J)isjtuiation  über  theologische 

fotogen  oder  eine  Besprechung    über  geistliche  Dinge   stattfinden;   in   Frauen' 

kh'tstern   oder  Beghinenhäusern   hielt   der   Beichtvatfr  oder  ein  anderer  Geist- 


48  Lehen  Sense.'*.    Ka]).  XVIII. 

«owe,   himelscher  vater,    iiim  hin   zc  einem  opfer  mins  herzen  sap 
dis  kül  trank,   und  trenk  din  klnd   dur   mite   in  dem  turste,   als   er 
stund  turstige  an  dem  kn'ize  in  sterbender  not."     Etvven  gie  er  über 
den  brunnen  in  dem  grossen  turste,   und   sah   daz  klinglent  wasser 
an  in  dem  überzineten  kesselin,  und  sah  denn  uf  ze  got  mit  Lerzk- 
lichem    süfzene.     Etwen    so  er  als  gar  überwunden  waz,  so  sprach 
er  gar  von  ingrunde:    „owe,   ewiges  gilt,  dincr  verborgen  gerihtenl 
daz  [20""]  mir  der  breit  Bodense  so  nah  ist  und  der  luter  Rin  umb 
und  umb  mich  Üüsset,  und  mir  en  einiger  trunk  wassers  so  tür  isti 
Wel  ein  jemerlich  ding  daz  ist!"  l 

Dis  zoh  sih  uf  daz  zit,  so  man  lisct  daz  ewangelium.  wie 
unser  herr  wasser  in  win  verkerte.  Do  sass  er  des  selben  suimen- 
tages  ze  naht  mit  jamer  ob  tische,  wan  im  ward  daz  essen  mit 
grossem  turst  uit  ze  liebe.  Do  man  den  tischsegen  gelas,  do  ilte 
er  geswinde  in  sin  capell,  wan  er  enmolit  sich  von  überwundem  l 
lidene  nit  me  enthalten,  und  brach  us  und  flos  hin  mit  bitterUchen 
trehen  und  sprach:  „owe  got,  du  erkennest  allein  herzliden  und 
herzennot:  wie  bin  ich  in  dis  weit  so  recht  erbetselklich  geborn.  daz 
ich  in  aller  genügdc  so  reht  grossen  gebresten  mtlss  lidenl"  Do 
er  in  diser  klag  stund,  do  waz  im  in  siner  inwendekeit,  wie  neiswas  i 
in  sin  sele  sprechi  also:  „hab  guten  müt,  got  der  wil  dich  sehio" 
fröwen  und  trösten;  nüt  enwein,  frume  riter!  Gehab  dich  woll* 
Du  wort  erhügten  neiswi  sin  herz,  daz  er  uf  hüb  und  nüt  moht 
genzlich  weinen,  und  aber  von  smerzen  moht  er  nit  genzlich  frölich 
sin,  denne  mit  dem,  daz  im  die  trehen  ab  vielen,  do  zwang  in  - 
neiswas  inrliches  ze  lachene  uf  ein  gütlich  künftig  aventüre,  du  im 
küizeklich   von   got   werden   solte.     Also   gie   er  ze  conplete.     Der 

1  Uli II  M  2  dvm\  (h'\)  M  4   «lern  fehlt  M  7  von   gniiidf  ■? 

8  so|  als  «rar  M  \{in  fehlt  P  11  Dis|  daz  Ä^  daz  cw.  list  S  12f.nii» 
joimT  nach  sass  er  /'  1:5  [ze  naht]  <»b  tische  mit  j.  M  .  14  so  erossoiu  ^ 
15  moht  SM  18  hertzt;  imit  A'  li)  mu^s  fehlt  S  2^  daz]  des  A'  26  iw- 
iich  P  innrklich  M        gotlich  fehlt  P 

liclur  (ierariifjt'  Konferenzen.  Die  Kinrichtunij  irard  besonders  t'n  iV'oitHf"' 
Lhtstern  von  grosser  Tiedentiuuj  für  die  Fi^rderung  der  Mystik :  zahlreicht 
Predigten  oder  Traktate  Kchharts  (vgl.  Pfeiffer  ö4o;  Wackernagel,  Alidcuiitcht 
Predigten  and  Gebete  187 0^  15Ü,  IH),  Taulers  und  Stnses  sind  auf  diese  Wiü^ 
entstanden.  Vgl.  JJucange  s.  r.:  Dtnifle  in  ALKGM  II.(i41ß\;  Wackentag^ 
a.  a.  (},  :i07\:iiitf.:  Lecog  de  la  Marche,  La  chaire  fran{:aise  au  moyen  dgt 
-  hssa,  :J1J  f.  8  f.    J)as  Dominikanerkloster,  jetzt  In^elhotel   in  Konsta^^ 

liegt    auf   einer    kleinen    Insel    am    Ausfluss    des    [Rheins    aus   dem    BodeMti, 
1 1  f.  :J.  Sonntag  nach  Eptphanie. 


Leben  Seuacs.     Kap.  XVIll. 


49 


ind  sang  mit  zitrendem  herzen,  and  in  dem  duht  in  als  wie  er 
idier  alles  tünee  lidens  sAlte  ergezzet  werden.  Und  daz  gesehah 
clikurzlicb  dur  na.  Und  in  der  selben  naiit  hüb  es  an  enteil  also: 
ui  waz  vor  in  einer  geHiht.  wie  unse  frow  kernt  mit  dem  lieben 
iDdlin  Jesus  in  der  gestalt,  als  do  er  uf  ertrich  waz  und  aibenjerig 
az.  Es  brahle  in  der  band  ein  krugli  mit  frischem  wasser;  daz 
rügli  waz  überglcstet  nnd  waz  enklein  grOsaer  den  en  conventkopf. 
bo  nam  ünse  frow  daz  krügli  in  ir  band  nnd  bot  es  im,  daz  er 
i^.  Er  nam  e»  nnd  trank  mit  grosser  begirde  und  erlaste  sineii 
nt  na  wnnsche. 

Er  gie  do  einest  aber  veld,  und  uf  einem  schmalen  stige  do 
kom  im  gende  ein  arniü  erberü  frowe.  Do  dii  frowe  nahe  zö  im 
ta,  do  weich  er  ir  ab  dem  truchen  wege  und  trat  neben  sich  in 
t  nessln  nnd  Hess  so  fiir  gan.  Du  frowe  kerte  sich  nmb  und 
iracli  also:  „lieber  herr,  waz  meinent  ir  hie  mite,  daz  ir.  erbere 
in  und  [iriester,  [21']  mir  armen  froweo  als  demüteklich  wicbend, 
id  ich  iich  vil  billicber  solti  han  gewichen?"  Do  sprach  er:  „ey, 
ft6  frowe,  min  gewonheit  ist,  daz  ich  allen  frowen  gern  zuht  und 
B  blit  dar  der  zarten  gotes  mQter  willen  von  himelrieli,"  Si  hi"ii) 
irn  ogen  und  ir  hende  gen  dem  hiniel  und  sprach  also:  „nu  liil 
h  die  selben  erenwirdigen  frowen,  daz  ir  von  diser  weit  niemer 
ccheident,  ftch  bescheh  ttwas  sunder  gnaden  von  ir,  die  ir  an 
p  allen  frnwen  erent".  Er  sprach:  „dez  helf  mir  dii  rein  fruw 
Üitmelrieh!" 

Es  geschah  kürzlich  hie  na,  daz  er  ua  gewonheit  in  grosser 
■igile  mengerley  trankcs  einen  turstigen  mund  ab  tische  hat  ge- 
igen. Do  er  des  nabtes  nider  kom,  do  kom  für  in  stan  in  einer 
l^hte  ein  himelschas  fröwliches  bilde,  nnd  das  sprach  vA  im  also: 

fbia  es,  du  möter,  du  dici  in  der  vordren  naht  hat  getrenket 
dem  krüglin,  und  mein,  wan  dich  »h  übel  türstet,  so  wil  ich 
erbermde  dich  aber  ti-enken,"     Do  spiaeh  er  vil  bluklich  zu  ir: 


1  mit  iBcbeii  uud  luit  z.  li.  S        ä  dat  luioli  liärslich  S        Und  jihU  A^ 
10  na]  mit  M        11  Biege  KP        X2  armä/c/i/i  Af        erlierü]  er- 
19  rutu"'ich  /'        und  tral  neben  Kiub  in  ZtHe  li  nach  kerte  sieh 
f  ASP        16  a]f  dcuicit.  J'ihll  ASP        eiitwichuut  M        17  uud  ich  —  ge- 
ll /tMl  A.SP        ttiitwichen  Jtf         17  f.   ach  frow  li.'bii  M        IS  mStter 
P       von  hiiufilr.  willen  .tf        21  ewirdige  P        22  guad  AM        23  dez] 
25  geschah  aber  VurzL  M       28  fröwl.|  frölirhz  ;i/,  fehlt  ASP        das 
29  g^trpnhet  hat  A''        31  j^etrencken  i'        ir)  im  ASP 


50  LiibL'tj  Senses.    Kap.  Will. 

^nch  reinü  frnht,  du  ha^t  docb  nit  in  der  faant,  da  mite  du  micbi 
miigist  treoken."  Do  entwürt  ei  nnd  sprach:  „ich  wil  dich  trenkev 
mit  dein  heilsamen  tränke,  dnz  von  mlDem  herzen  tlügset."  Do  er- 
Pi-hrak  er,  dag  er  nit  konde  geentwürten,  wnn  er  sich  des  als  nn* 
wirdig  erkande.  Do  sprach  ei  gar  gütlich  zfi  ime:  „wan  sich  der 
hinielecher  hört  Jesus  als  lieplich  in  din  her/,  hat  gesenket,  und  das 
selb  din  türrer  mund  als  sur  hat  erarnet,  so  sol  es  dir  ze  gunderm 
trost  von  mir  werden,"  Und  sprach:  „es  ist  nit  ein  lipliches  trank, 
es  ist  ein  heilsames  geischliches  trank  warer  luterkeit."  Do  lie^ 
es  zö  gan  und  gedaht  in  im  selb:  „nn  solt  du  rebt  gnflg  trinkeo, 
daz  du  dinen  grossen  turst  ivol  mugist  erloschen."  Do  er  wol  hat 
getrunken  des  himelschen  trankes,  do  bleib  im  neiswas  in  dem 
munde  als  ein  tu  kleines  weiches  kn511eli.  daz  was  wiss,  als  du 
himelbrot  geschafen  was;  daz  bchflb  er  in  dem  munde  neiswi  lan; 
ze  einem  waren  Urkunde.  Dar  na  enbrast  er  an  ein  herzklichefl 
weinen,  und  danket  gote  und  siner  lieben  mflter  ire  grossen  gnaden, 
die  er  von  in  hate  enpfangen. 

Der  selben  naht  erschein  nnee  frow  einer  gar  heiligen  petyi 
vor,  dii  was  in  einer  andren  etat,  und  seite  der,  In  weler  wige  i 
in  [21^]  heti  getrenket.  und  sprach  zä  ir  also:  ^gang  hin  und  sag 
mins  kindes  diener  von  mir,  als  man  vindet  geschriben  von  dem 
hohen  lerer,  der  da  hoisset  Johannes  Chrysostomus,  mit  dem 
gnldin  mande:  do  der  ein  schökr  was  und  vor  einem  altar  knäwete, 
da  du  himclsch  möter  och  in  der  form  eins  hülzin  btldes  ir  kind 
uf  ii-  schösse  mCiterlichen  tränkte,  do  hiess  daz  mflterlich  bild  iP 
kint  ein  willi  nf  halten,  und  Hess  den  vor  genanten  schftler  och  VOB 
irem  herzen  trinken.  Du  selb  gnade  du  ist  im  och  im  in  der  ge«bt 
von  mir  worden,  und  ze  einem  Urkunde  der  warheit  so  nein  in 
war,  duz  sin  lere,  dii  von  sinem  munde  get,  vil  begirlicher  nnd 
lustlicber  nu  fiirba?.  wirt  ze  hörene  denn  vor."  Do  er  dis  erhört^! 
do  hfib  er  uf  sin  hende  und  herz  und  ogen  und  sprach:    „gelofi 

2  ii  inii/  V  4  !'.  als  imwirdig]  mit  würilig-  P  5  dcrj  min  .1/  T  i 
»ur  fehlt  M  8  tmal.  komen  und  vou  mir  w.  M  9  geiachl.  fehlt  M  11 1 
löwehon  .S'  13  kleiiKs  fehlt  A'  weiches  feldl  S         weiches  Weinei 

14  daz  —  lang]  v.r  häb  ez  naian-li'  lang  in  d.  mDnde  M        17  in]  ir  A'       l8i 
».  nacbtz  M        gar  hfi).  felill  M        20  f.  hin  z3  mlns  lt.  d,   und  Mg  in  T 
mir  P        23  der)  it  ÄSl-A'        2ä  hiez  SI'K        dem  S       27  |i!ü]  iit  ItP 
nu  wlrlich  [in  d«r  s..>siht|  AI        28  der  warlic-it  fehlt  M       30  nn  fürb«  W 
denn  Tor  M        zfi  hÖr.  nu  fürhaz  wftrt  .V         31  und  oiich  sin  hurzp  S 

14  Dat   Mani 


Lelif«  Srii«!-«.     Kap.  XVIII.  öl 

dk  ader  der    tieäies8eiKleii  gotbeit,   und    i'ibeilopE  sie  du  süss 
Ater  aller    gnaden   von    mir   armen    unwirdigen    menscben   diser 

himelachen  gäbe!"  Ein  glicbes  vindet  man  och  an  dem  ersten  tail 
dee  hdchcB,  daz  da  baisset  Speculuni  Vincentn. 

I  Dieü   beiligü  per^oD    bQb    aber   nn   und    i^pracb    iti    ime   also: 

,noli  eins  sol  icb  ü  sagen,  Ir  sond  wiiasen,  daz  mir  unse  frow  mit 
ir  lieben  kinde  hinabt  in  einr  geeihte  für  kom,  und  hat  iiiise  frow 
in  ir  band  ein  schönes  trinkvas  mit  wasger.  Daz  kind  und  du 
frowe  reddan  minneklichü  wort  von  ['icli.  Also  bot  sü  daz  vass 
mil  dem  waeaer  gen  dem  kindeliii  und  bat,  daz  es  sinen  segen  dar 
äher  tele.  Eh  tet  sinen  heiligen  segcn  Aber  daz  wasser,  und  ge- 
«ninde  do  ward  daz  wasser  zc  wine.  Und  sprach  also:  „ea  ist 
soi^,  ich  wil  iiiit,  daz  der  brftder  sieh  me  hier  inne  übe,  daz  er 
IM  ane  win  sie;  er  sol  im  hinnaii  für  wiu  trinken  von  siner  ver- 
«rter  oatnr  wegen."  Und  do  es  im  also  von  got  geurlobet  ward. 
iln  trank  er  fürbaz  win.  als  er  ocb  dur  vor  hate  getan. 

[22"]  Er  waz  do  in  den  ziten  vil  krank  worden  von  dem 
ibrrlaste  der  vordren  dbungen,  die  er  so  lange  hnt  getriben.  Ka 
erschein  unser  herre  vor  einem  heiligen  gotcsfründ  und  bäte  ein 
tiBcbBen  in  der  hant.  Si  sprach  zft  im:  „ach  herr,  waz  meinst  du 
Diii  der  bühaenV"  Er  sprach:  „do  wil  ich  minen  diener  ar/uen, 
der  ist  Biecli."  Also  [2^']  gie  unser  herre  zö  dem  diener  mit  der 
hiicbsen  und  det  die  uf,  do  was  in  der  büchsen  frisches  bli'it.  Des 
til6tes  nani  er  her  ns   und   streich   es   an   des  dieners  herz,    daz  es 

ÜKtaal  blfttig  wart,   und  streich   im  do  an  sin  bend  und  füsse  und 
«inü  gelider  ellü  sament.    Do  sprach  sti  zu  ime:   „acb.  min  lierr 


sie  fthlt  P  2  diser  -  4  \iiieentii  fehil  M  3  gi.beu  P 
S  miK  liebe  fr.  Ä'  7  hal  fthlt  S  9  vrort  fthlt  M  10  und  bat  fthlt  M 
pt  grawinde]  ep  stonfle  A^  12  do  fehlt  S  13  sich  der  brflder  S  mer 
bier)  dar  S  sich  daz  |?I  M  U  fiir]  hin  M  20  bfich.diii  dttreh- 
am  Hnniie  bfime  P  23 f.  das  Id&I  P  24  is  -  ffi  streich  fehlt  S 
d  <lo|  daz  5       2(i  un  fehlt  A 

«   Vinitnz    con    Btaurais,    Spec.    Mtl.    VIJI,84    ivon    einem    krankm 

ÄhnlichM  «Hrd  freShlt  vom  hl.  Brmhard  (vgl.   Vaeandard,   Vit  de 

jtficnuircf  //  [1895}  78 f.),  von  Lukardia  vtm  Oberweimar  il4.  Jh.;  Aualeeta 

•S99,  318),    in    den  Offenbarungen  deg  Alanm  de  Hupe   (i  1476  .- 

piff,  HoUayftl,  St.  Dominikug  und  der  Bosenkrane  19(J3,31ff.)  und  andere» 

Wiaritmlegenden   (A.  Poncelet,   Mü-amlorum  B.   V.  Marias  s.   VI—XV  Indtx, 

r.  SoU.  ia03,  241ß.  2fr.  184,  461,  614,  667>.  16  In  AKRWB'a  ein 

Wind:  Juut  und  Maria  tranken  di'n  Diener  lAhh.  3  nm-b   ^\'  Bl.  HP'K 


52 


Lelien  Seiises.     Kap,  XVUI. 


r 

■  und  ntio  ^ot,    wie  zeichnest  du  in  so!    AM  will  du  ime  A'inix  t'üaf 

I  zeichen  in  trukenV"     Er  sprach:  ja,  icli  wil  sio  herz  und  alle  sjs 

H  natnre  mit  lidenoe  tniiineklichen  zeichnen,  und  wil  in  denne  arznea 

I  and  gesunt  gemachen,    ich    wil   einen  menschen  us  im  machen  n; 

B  allem  tninem  herzen." 


Uo  der  diener  nölicli  iibig  leben    naL'li   dem   usscru   menschMiil 
ala  lia  vor  enteil  stat  geBchriben.  hat  geluret  von  sinem  ahtzehendeol 
jai-e  unz  uf  sin  vierzegst  jar,  und  elli'i  sin  natur  verwüstet  was,  d«»| 
niit  me  dur  hinder  waz,  denn   sterben   ald   über  von  dcriey  übnnW 
lassen,  do  liess  er  dur  von,  und  ward  ime  von  got  gezAget,  duq 


1  diufl!  Uie  J'         2  inimiüaichfu  M 
im  fehlt  il         l>  iil-iK]  lippii;  A' 


3  f.  I 


Leben  äeiitea.     Kiip.  XIN.  53 

"enkheit  un<I  die  wiseu  alle  sament  oit  auders  weri  gewesen,  denn 
an  guter  anvang  und  ein  durprechen  eines  ungebroolien  mensclieD, 
nnd  meinde,  er  musti  noch  fiirbaz  gedrungen  werden  in  einer  ander- 
ley  wise,  sölti  im  ieroer  reht  bcsclieheu. 


i  XIX.  KapiU-l. 

Wie  er  ward  gewiset  In  die  Teniüiiftigen  schäle  m  der  knnst 

rechter  Gelassenheit. 

Es  eaüs  der  diener   xe  einer  zit  nach  der  meti  in  sinem  stüle, 

und  in  einer  verdahtekeit  entBiinken  im  die  einne  und  duchte  in   in 

loiler  iuren  geeiht,  da?,  ein  stoltzer  juugling  obnan  ab  her  kemi  und 

für  in  stülidi,    und   sprecbi   zft    im  also:    „du   bist   gnd  lang  in  den 

iiidren  schulen   gewesen    und    hast   dich    gnüg  dar  inne  geiibct  und 

Mrt  zitig  wordei],     Wol  uf  mit  mir!   Ich  wil  dich  nn  füren  7,t\  der 

liAhsten  scbRIe,  dd  in  diser  zit  ist,    da   solt   du   nu  lernen  mit  Hisse 

liilie  h&hsten  kunst,  du  dich  in  g6tUchen   frid  sol   sezzen    und    diuen 

heiligen  anvang  zft  eim  seligen  end  bringen."     Des  was  er  tVo  und 

Wind  nf.     Der  jangling  nam  in  hi  der  band  und  fürte  in,  als  in 

iahte,  in  ein  vernünftiges  land,  da  was  neiswaz  schSnes  huses  und 

c  was  glicb.  als  ob  es  geischlicher  litten  wonung   weri.     In    dem 

kveilteD,  di  der  selben  kunst  phlagen.     Uo  er  hiu  in  kom,   do  ward 

er  |[itÜißb  enpfangen   und  lieplieb  griizet  von  in;  sü   ilten  hin  zu 

'     ivn  flbreBteii  [23']  meister  und  selten  ime,  es  weri  eine  komeu,  der 

»Mü  och  ein  junger  sin  und  w61ti  die  kunst  lernen.     Er  sprach: 

,deii  wil   ich    vor   ander   ogen  an  sehen,   vvie  er  mir  gevalle."     Do 

|l«r  in  gesah,  dn  lachet  er  in  vil  gutlich  an  und  sprach:  „nu  wüssent 

I  du  ron  mir,  daz  diser  gast  wol  mag  werden  ein  frumer  schftlpfaf 

r  hohen  kunst,    wil    er    sich    gedulteklich   geben    in    den    engen 

bnoUtal,    da    er   inne    m&ss    beweret   werden."     Der  diener  verstund 

kfr  verborgnen  Worten  dennoh  nil;    er   kerte  sich  zfi  dem  jungling, 

läcr  in  hate  hin  in  gefüret,   und   fragte  in  also:  „eya,   lieber  gesell 

sag  mir.   waz   ist  du  hfihste  schule  nnd  ir  kunst,  von  der  du 

i  Er  S        10  htr  ab  P        11  sprach  P        14  sdiflle  ~   16  IjSIisIch  fi/iü 

diwrl  der  P        nu]  inne  P,  fehlt  S        18  land  fehlt  A'        iIb)  daz  M 

a  trit.   hns  P        18  f.  hu»   [und  —  geiich]   M        19  weri,  dem   wob 

II  btut  griich  W        21  hiu  in  P       24  under  ögen  vor  iui  S        25  aacli  SM 

B  g*lL  iu  /'        27  geben  ged.  P 

iöff.      i'ffl.  ilie  SehtUUnrnff  Hm:  11,  1  n-il.  Strange  USff.K 


54 


Le\»-A 


Kiip.  XtX. 


mir  hast  geseil?"  Der  juag:ling  sprach  also:  „Du  faobe  scbU  iili 
ir  kunst,  die  man  hie  liset,  daz  ist  nit  anders  denn  ein  genz4,  vj^ 
komnii  gelassenheit  sin  aeDiB,  also  daz  ein  mensr?)  stand  in  s&lielNi 
enlwordenheit.  wie  im  got  ist  mit  im  selb  alil  mrt  einen  crealnm 
in  lieb  ald  in  leide,  daz  er  sich  dez  tibi^c,  dait  er  alle  zit  stau 
glich  in  einem  usgene  des  sinen,  als  es  denn  mensefalieh  krankbei 
erzügen  ma^,  und  allein  gotes  lob  und  ere  sie  ansehende,  als  ti4 
der  lieb  Cristus  bewiste  gen  sinem  himelsehen  vatter."  Do  ds 
diener  dis  erhörte,  dn  geviel  es  im  gar  wol  und  meinde,  er  wilM 
der  knnst  leben,  nnd  rs  enmöhti  nüt  so  swer  sin,  daz  in  des  mäht 
geierren ;  und  wolle  da  biiwen  und  vil  tinmüssiges  weikes  babci 
Daz  werte  im  der  jungling  und  sprach  also:  „disü  kunst  wil  haba 
ein  ledig  müssekeit;  so  man  ie  minr  hie  tut,  so  man  in  ^er  warbe 
ie  ine  hat  getan;"  und  meinde  ein  s6lich  lEin,  in  dem  der  nif 
nich  selb  vermitelt  nnd  nit  luter  gotes  lob  meinet. 

Nah  diser  rede  geswinde  koni  der  diener  zft  Ime  selben 
sass  also  stille;  er  begonde  discr  rede  tief  na  gedenken  und  merk« 
daz  es  lutn'i  warheit  ist,  die  Cristus  selber  lerte.  Er  begoid  in 
flelben  mit  im  selben  einreden  nnd  sprach  also:  „l&g  inwert  genol 
60  vindest  du  dich  selb  noch  eigenllch  und  merkst,  daz  du  ooh 
allen  dineu  iissren  iibnngen.  die  du  dir  selb  nsser  dinem  dg 
gmnd  an  tet,  bist  ungelassen  ze  enpfahene  frömd  widerwertib 
Du  bist  noh  als  ein  erschroekens  besli,  daz  in  einem  buschen  t 
borgen  lit  und  ab  iedcm  fliegenden  blate  erachriket.  Also  iel  d 
nb  ztivallendem  lidene  erschrikest  [24']  du  alle  din  tag;  ab  <1< 
anblik  diner  widersachen  entvarwest  du;  so  du  sollest  under  gl 
so  fli'ihst  du;  so  du  dich  göltest  bloss  darbieten,  so  birgest  dn  die 
so  man  dich  denne  labet,  so  lachest,  und  so  man  dich  schiltet, 
trurirtt.  Es  mag  wol  war  sin,  daz  du  einer  hoben  sehfll  bedfirftiBl 
L'nd  also  mit  einem  inneklichen  süfzen  sah  er  nf  z£i  got  nnd  epn 
also:  „eya  got,  wie  ist  mir  dA  warheit  so  bloss  geseit!"  und  eprSi 
„owe,  wenn  sol  ich  iemer  ein  reht  gelassenr  mensch  werden?" 


5  ald]   und  P         «  uf  yen  .U         es  Jehll  P         9  dis]  .laz   .1/ 

A'        er  woitfl  fe/tit  M        Vi  diaü]  diu  S        13  setöt  M  19  mit  im  sd* 

fthU  KA'   mit   im  selb  in    im  selli   M         [eiii)rede>i  P  als»  /«Alt  &l 

20  duK  fthU  SM        24  Ut]  ist  A*        och  Jir  M        27  fl&list  [du]  PA' 
dich  S        28  lachesrii  Ä        und  fehlt  F        29  tnirfstu  Ä 


1» 


r-ji.  Lui.  w.itj. 


^^^H  Lelii'n  Kap. 

^^^^^r  XX    Kapitel. 

I  Ton  wetönileni  nndergene. 

I  Du  dem  diener  dertey  usser  übungeo,  di  im  au  sin  leben 
ieDgtn.  wurden  von  got  abgesprocben,  des  wart  sin  vermügtü 
ilar  so  fro,  daz  er  weinet«  von  fröden.  So  er  hinderdabte  sinii 
üengu  band,  nnd  war.  er  eblich  erliten  und  erstriteo  liate,  so  apracb 
ta  im  selb  also:  „nu  dar,  lieber  hcrr,  nu  wil  ich  hinnan  für  ein 
kng  and  ein  fries  leben  ban,  and  wil  mir  wol  lassen  sin.  Ich 
1  minen  tnrst  mit  win  und  mit  wasser  wol  büzen,  icb  wil  un- 
^nden  uf  tninem  strosak  schlafen,  des  icb  dik  mit  jamer  hau 
(gert,  daz  mir  daz  gemach  vor  minem  tod  von  got  wnrdi.  Ich 
10  mich  selber  gnfl  lang  verderbet,  es  ist  zit,  daz  ich  hinnan  für 
jrflwe."  Sfilicb  vermessen  gedenke  und  derlej  invelle  lüfen  im 
I  do  nmbe  in  sinen  sinnen,  owe,  und  wüste  aber  nüt,  waz  got  über 

Ihate  gedaht ! 
,  Do  im  mit  disen  ergezzlifhen  gedenken  neiswi  meng  wuchea 
wol  was  gewesen,  do  gescbacb  eins  males,  daz  er  gesass  in 
aein  gewonlichen  betstöl  und  kom  in  ein  betrahtunge  des  war- 
iflen  Wortes,  daz  der  lideod  Job  sprach:  militia  est  etc.,  des 
enscfaen  leben  ut"  diaem  ertrieh  ist  nit  anders  denn  ein  riterschaft. 
■düer  betrahtnng  entsunken  im  aber  sin  sinne  und  duht  in,  wie  dort 
k  in  kemi  ein  snber  jungling,  der  was  gar  m;in1icb  gestalt,  und 
hu  mit  ime  zwen  klßg  riterschftb  und  endru  kleider,  du  riter 
Iteot  ze  tragene,  Er  gie  zb  dem  diener  und  lelt  im  an  du  riter- 
St  ond  sprach  iü  im:  „bis  riter!  Du  bist  unz  her  kneht  gesin, 
id  got  wil,  daz  du  nu  riter  sicst."  Er  sah  sieh  selber  an  in  den 
tetschdhen  und  sprach  mit  grossem  wunder  sinee  herzen:  „wafeii 
KI  wie  ist  es  mir  ergangen,  waz  ist  uss  mir  worden!  Sol  ich  uu 
Ich  pflege  hinnan  für  vil  lieber  mins  gemaches,"  und 
Kh  zfi  dem  jungting:  [24']  „sid  nu  got  wil,  daz  ich  riter  sie, 
i  ich  denne  loblieh  in  einem  strite  riter  worden,  so  weri  es  mir 


3  ilryerlej  (\)  A'        4  ab  gebrachen   K         de»]  do  A'         vermüdfte  P 

j}  fu  M        von]  vor  .V        So  [er]  Ä'        6  so]  du  M        Ü  turst]  Irost  (I) 

12  l.nn{,'  guSg  SP        13  geröwe]  mit  rSwe   K  gerflwetj  A'         U  als 

*inen]   den  S  sinem  sinn  M        22  iji  fL-hlt  P        23  klö;^  /Ml  K 

kKhfJ  ritter  J'        27  BcUahen  ASV        29  piläge  KM        vil  ftMl  M 


56  Leben  Seuses.    Kap.  XX. 

dest  lieber.^     Der  jungling  kerte   sich  einend  ab  und   lachcte  nnd 
sprach  do  zu  ime:  „bis  ane  sorge,  dir  sol  noh  strites  gnfig  werden! 
Wer  die  geischlicben  ritterschaft  gotes  wil  unverzageklich  füren,  dem 
sol  vil  me  grosses  gedranges  begegnen,   denn  es  ie  tete  hie  vor  bi 
den  alten  ziten  den  vernimten  beiden,  von  der  kechen  riterschaft  du  i 
weit  pfliget  ze  singen  und  ze  sagen.     Du  wenest,  got  hab  dir  dinü 
joch  ab  geleit  und  din6  band  hin  geworfen,  und  sülest  na  gemaches 
pflegen:  es  gat  noch  nit  also,  got  wil  dir  din6  band  nit  ab  legen, 
er  wil  sA  allein  endren  und  wil  so  vil  swerer  machen,  denn  sfi  ie 
wurden."     Hier  ab  erschrak  der  diener  vil  übel  und  sprach:   «EysiO 
got,  waz  wilt  du  nu  mit  mir  beginnen?    Ich  wände,  es  heti  ein 
ende,  so  gat  es  erst  her  för,  es  gat  mir  nu  erst  an  die  not,  des 
mich  dunket     Ach,  herr  von  himel,   waz  meinst  du  mit  mir?  Bio 
ich  allein  ein  sünder  und  ist  menlich  gereht,   daz  du  din  rüten  an 
mir  armen  also  übest,  und  si  an  mengen  menschen  also  sparest?  tt^i 
Dis  tribest  du  mit  mir  von  minen  kindlichen  tagen,  in  den  du  min     ^ 
jung  natur  mit  sweren,  langwirigen  siechtagen  krüzgetest,  nnd  wände, 
ez  weri  nu  gnfig !**     Er  sprach:    „nein,   es   ist  noh   nit  gnüg.    Da 
mfist  ze  gründe  in  allen  dingen  gesfichet  werden,   sol  dir  recht  be- 
schehen."     Der  diener  sprach:  „herr,  zog  mir,  wie  meng  liden  ich 
noh  vor  mir  habe."     Er  entwürt  und  sprach:    „lüg  ufwert  an  den 
himel:    mähst  du  die  unzallichen   mengi   der   Sternen  gezellen,  so 
mäht  du  och  dinfi  liden  gezellen,  du  dir  noch  künftig  sint;  und  ab 
die  Sternen  klein  schinent  und  doch  gross  sint,  also  son  dinü  liden 
klein  schinen  vor  ungeüpter  menschen  ogen,  dö  doch  na  eigenr  cn- 
pfindung  dir  gross  werden  ze  tragene."     Der  diener  sprach:  „adi 
herr,   z6g  du  mir  du  liden  vorhin,   daz  ich  sü  wüsse."     Er  spradi: 
„nein,  es  ist  dir  weger,  nit  ze  wissen,   dar  umb  daz  du  nit  vorhin 
erzagest.     Doch  under  den  unzallichen   liden,   dö  dir  künftig  sint, 
so  wil  ich  dir  nnwen  drü  nemmen: 

1  ein  halb  ab  P  2  do  fehlt  F  4  grossere  P  hie  vor  dct  P 
5  [den]  alten  M  von  der  kechen  r.  der  M  6  f.  din  joch  SP  8  es  g»t 
—  ab  legen  fehlt  ASP        10  her  ab  a^P  11  nu  fehlt  S       13  himelrich  8 

16  manigem  SÄ^  16  vouj  in  M  17  crftzigost  PM  19  ersftchet  i 
21  noh  fehlt  Ä^  hab  vor  mir  S  22  mengi  der  fehlt  K  24  und  -  26 
Bchincn  fehlt  P  gross]  klein  A^  25  f.  enphintnust  M  27  du  fehlt  UA^ 
28  vveger  fehlt  M  ze  fehlt  SP  vorhin  nit  SA^  29  verzagint  Ui^ 
den  fehlt  S        30  nemen  S 

5  f.  Erinnert  an  die  erste  Strophe  des  Nibelungenliedes ;  es  wird  o^ 
wohl  an  die  Helden  der  Artuffsage  zu  denkefi  sein. 


Kiip.  XX. 


57 


Dsz  ein  ist:  da  B<.'hlßgde  dich  Belbcn  bis  her  mit  dineii  eignen 
^en  nnd  hortest,  eo  du  woltest,  und  bittest  erbermdc  Aber  dich 
k  Ich  wil  dich  im  dir  selber  nemen,  und  wil  dich  ane  alle  wer 
I  frJuiden  -le  bändeln  geben.  Da  mhst  du  einen  bcrtichen  under- 
ig  [25']  nemen  diner  fürnemekeit  in  etlichen  blinden  menschen, 
I  dem  truke  dir  »irs  sol  geschehen,  denn  von  dem  seharpfen  krüz 
C8  verwundeten  ruggen;  wan  in  dinen  vordren  Übungen  wurde 
io  den  läten  gross  erhaben,  aber  hie  wirst  an  nnder  geschlagen 
i  inäHt  ze  nihtü  werden. 

Daz  ander  liden  ist:  wie  mengen  bittern  tod  du  dir  selb  hast 

äigetsn,  so  ist  dir  doch  daz  beliben  von  gotes  verhengde,   daz  du 

M"8l  ein  aart,  liebsftfhende  natur;  und  es  ivirt  geschehende,  da/,  an 

üen  steteD,  da  du  suuderlicb  lieb  und  tri'iw  sAhst,  daz  du  da  gross 

rfiw  und  gross  liden  und  nngemach  wirst  habende.     Daz  liden 

als  menigvnltig,  d»z  dennoh  du  inenscben.  dii  dich  mit  sunder 

Fe  meinent,  miissen  mit  dir  von  erbermdc  geliten  werden. 

Daz  dritt  liden  ist:  du  Itist  bis  her  ein  suger  und  ein  ver- 
lor zertling  gewesen,  und  hast  in  gütlicher  BÜssekeit  als  ein  viscb 
em  tner  geswebt.  Daz  wil  ich  dir  nu  zuken,  und  wil  dich  laa- 
dsrben  nnd  torren,  daz  du  baide,  von  got  nnd  von  aller  der 
t  soll  gelassen  werden,  und  mQ«t  von  friinden  und  vienden  ber- 
durehtet  werden.  Daz  ich  dir  es  kürze:  alles,  daz  du  an  vahest 
lieb  ald  ze  trost,  daz  mhsn  alles  Kinder  sich  gan,  und  waz 
leid  und  wider  ist,  duz  sol  alles  für  eich  gan." 

Der  diener  erschrak  hier  ab,  daz  elii'i  sin  natur  erzitrete,  und 
!  nf  toblicb  und  viel  da  nider  an  die  erde  in  kn'izwise,  and 
\  üb  got  mit  Bchriendem  herzen  und  mit  hnwlender  stimme  nnd 
in,  m&ht  es  sin,  daz  er  in  denne  überhübe  dez  grossen  jamers 
sin  milten  vcterliehen  gut!;  möhti  es  aber  nüt  sin,  daz  denn 
tiimelscb  wille  einer  ewigen  ordnnng  an  ime  volbraht  wurde. 
«r  also  gelag  in  den  n6ten  ein  g&t  wili,  do  sprach  neiswas  in 
tlto:   .gehab  dich  wol!     Ich  wil  selb  mit  dir  sin  und  wil  dir 


1  wlbPD  .Mdi  M        a  iLuiidiicii  A        3  ja  icL  ivil  K        [dichj  dir  nu  .? 

in  jT/       4  fromileu  enplielben  uud  z.  h.  ^^eboji  .V       kerlichen  .1/       6  wuret 

8  linder]  nider  A'         II  doch  daz  dir  A'        verhenganst  M        da  da 

13  simdeT  il         14  (gruBs]  liden  M        17  ist,  dar.   du  bisher  c.  r.  M 

imbc  P        19  ilas]  dii  Ä'        21  ii.  von  vienden  A'        23  Ueh]  leid  (!)  S 

itUen  Af         26  wiiBl]   für  M         27  uff  aS  got.  P         liftwl.]   liort«r  A' 

I  iln  .«         riB  ime  fthll  .V 


68  Ubcii  SiüiBCH.     Kap.  X.\. 

beU'eo,  dis  wttnder  alles  ^nedeklich  überwiDden."    Er  ^tänd  uf  m 
ergrab  sich  in  die  iicnd  g'ote». 

Do  morneDd  ward  na  der  mess,  und  er  in  der  cell  sase  tror 
nnd  verdabte  uf  digii  ding  und  in  fror,  wan  es  winter  v/a»,  i 
sprach  neiswaa  in  ime:  „tfi  uf  der  celle  veneter,  und  Ifig  und  lernJ 
Er  tet  nf  und  lAget  hin:  do  »ah  er  einen  biind,  der  lüf  enniÜteii  i 
dem  krüzgang  und  trag  ein  verechlisfien  fässtäcli  umbe  in  de« 
munde,  und  bat  wunderlich  geberde  mit  dem  füstttch;  [25']  er  wij 
es  uf,  er  warf  es  nider,  und  zarte  l&cher  dar  in.  Also  sah  er  ^ 
und  ersufzet  inneklich,  und  ward  in  ime  gesprochen:  „reht  also  will 
du  in  diner  brflder  munde."  Er  gedaht  in  im  selb;  „eid  es  andef 
nAt  mag  gesin,  so  gib  dich  dar  in,  und  Iftg  eben,  wie  sich  dazftia 
tüch  Ewigende  übel  lat  bandlen;  daz  tA  och  du!"  Er  gie  bin  a) 
nnd  behielt  da/  ftistüch  vil  jaren  als  sin  liebes  kleined,  und  so  f 
wolte  US  brecfaeii  mit  uogedalt,  so  nam  er  es  her  für,  daz  er  si^ 
selb  dar  inne  erkandi  und  gen  menlich  stille  swigeti. 

äo  er  etwen  sin  antlüt  unwertlich  gekeret  bäte  einend  ab  iß 
etlichen,  die  in  trnktcn,  da  ward  er  von  innen  umb  gestrafet  B| 
ward  gesprochen:  ,,gedenk,  daz  ich,  din  herr,  min  schünes  and 
nit  kerte  von  dien,  die  mich  an  gespfizeten,"  Es  gerow  in  übl 
und  er  kerte  sich  hin  wider  vil  gütlich. 

An    der   cr»ti,   so  im  ein   liden    begegnete,   so  gedaht  er 
„owe  got,  wan  heti  dis  liden  ein  ende,  daz  ich  sin  were  ab  komei! 
Do  erschein  im  vor  daz  kindli  Jesus  in  einer  gesibt  aii  unser  froW 
tag  ze  der  liclitmiss,  und  tutraft  in  und  sprach  also:  „du  kaust 
nit  wol  liden,  ich  wil  dich  es  leren.    I.fig,  wenne  du  in  einem  lidi 
bist,  SU  solt  du  nit  sebens  haben  uf  des  gegen wiirtigen  lidens  erf 
daz  du  wenest  denn  ze  rAw  komen;  dn  seit  dich  uuder  danuen. 
wil    ens    liden    wert,    bereiteu,    ein    anders    liden    gednlteklich 
enphaheue,    daz  hfiret   dur  zft.     iJu   solt   tfln   als   ein  jungfrow,  i 
rosen  briehet:  so  dö  einen  rosen  ab  der   rosensluden  gebrichet,  I 

1  als  M  a  er  /Mt   E  7  eirieu  .  -  .  fftzguder  S  8  t&6gaitt 

10  nrd   liwtitM)  fehil  ÄSKA^  U   munde  niube  jrelrageo  A^   munde  o 

gewurfeu  und  gezeixet  5  Er|  und  Ä^  12.14  der  (den)  ffizgiider  .V  14  1 
sfllerx  1.  ic.  S  liebea]  selliei)  A'  16  gen  fehit  M  swige  S  17  elM 
Lulben  [ulij  V  20  [an]  Terapöitzlen  P  an  Mpflwen  .V  an  apot«I«u  A'  Sl 
andern-  Hand  am  Banilt  So.  liii.  (=  Not*  Bemhardiis)  A  er  fehlt  S 
bIho]  aJa  er  M  2iJ  dU  lidea|  <iz  M  25  xe  felill  P  26  wol]  volle 
2fl  eitf]  fin  F         liwreiteii  fe/äl  S        30  ftls  feliü  M 


Kiip.  XX. 


5» 


fetiigl  Jr  Bit,  si  ninit  in  ir  sinne  einen  füreaK,  wie  si  noli  me  her 
ib  gewann e.  Also  tfl  och  du:  bereit  dich  vorhin  dar  zö,  wenn  di& 
fiflen  ein  end  hab,  daz  dir  geswind  ein  anders  begegent." 

Under  andren  goteefründen,  die  im  sini't  kiinftigii  liden  vorhia 
kniii)  taten,  do  kom  zu  ime  ein  fiimemer  heiliger  mensch  und  seite 
in,  daz  si  an  der  enge!  hobzit  na  meti  gar  ernstlich  got  Aber  in 
hfli  gebeten;  do  duhte  si  in  der  gesiht,  wie  si  wurdi  gefuret  an  die 
do  der  diener  was,  und  sah,  daz  oh  im  nf  gie  ein  6eb6ne  ros- 
und  der  waz  wit  und  breit  lunb  sich;  er  waz  einer  wünnik-. 
:hen  gestalt  und  was  vol  schöner  roter  rosen,  Si  lügete  hin  gen 
im  himel:  do  duht  si,  daz  du  sunne  schon  uf  giengi  ane  alles  ge- 
wiilk  mit  vil  glasles;  in  der  sunnen  glast  stfiud  ein  schönes  kindlin 
in  crtizwisp.  Also  sah  si,  daz  uss  der  sunnen  [2fi']  gie  ein  glast 
gen  des  dieners  hemen,  der  waz  als  kreftig,  daz  alle  sin  adrea 

linod  Kclider  enziindet  wurden.  Aber  der  rosbom  neigte  sieh  en- 
tniscben,  und  heti  gern  mit  sinen  diken  estcn  der  sunnen  schin 
gen  einem  hereen  gehindert.  Da/,  enmoht  er  nit  getün,  wann  dii 
nbrechenden  glenz  waren  als  stark,  daz  sü  durdrungen  alle  die  e»te 
und  luhten  hin  in  in  daz  herze.     Dar  na  snh  si.   daz  daz  kind  her 

^>i8  kom  geiide  uüs  der  sunnen.  >Si  sprach  zfi  im  also:  ,,ach  liebes 
Und,  war  wilt  dnV"  Es  sprach:  „do  wil  ich  gan  ztl  minem  ge- 
minlen  diener,"  .Si  sprach:  „ach  zartes  kind,  waz  meinet  der 
niDDen  glast  in  dines  geminten  herzen?"  Es  sprach:  ,,do  hab  ich 
iin  rainneriches  herz  als  klarlich  durglestet.  daz  ein  widerschin  des 

B  glattes  8ol  von  sinem  herzen  us  dringen,  der  menschlichij  herzen 
*°i  minDeklieh   z(i  mir  ziehen;  und   der  diker   rosbom.   der  da  be- 

k Intel  änü  manigvaltigü  liden,   du  im  künftig  sint,   der  enmag  daz 
tft  gehinderen,  es  niOss  adelich  in  im  volbraht  werden." 
i        Wan  abgescheidenheit  eim  anvahenden   menschen   als  nüz  ist, 
io  ward  er   ze   rat,    daz  er  bleib   in  sinem    kloeter   me  denn  X  Jar 
ibgescbeiden  von  aller  der  weit.     So  er  ab  tisch  gie,   so  bcschlosa 


I  beilägt  M       mit  eiiieiu  f.  A'       3  begebe  K      Q  Mndetan  S      6  f  über 
<>  p>t  hetUn  g.   if  B  [du]  ob  im  uf  gtn  A*  10  rot^T  »rbonrr  M 

13  tiodlin]  knebli  S  14  der]  daa  A'  15  enxfindet]  enznket  M  19  [in] 
«I  *  21  f.  geminten  /rhU  K  23  sprach  zfl  im  also  üf  25  Binem]  minem  K 
»!  rd  .SM  26  iimeküch  A'  20  neues  Kap.  mit  der  Überschrift:  Wie  er 
^h  ainig  hielt  M        31  <ler|  dirr  M 


e    V-jl.  dnm. 


29  ff.    Viii.   Hör.   IT.Hf. 


60  Leben  Seuses.    Kap.  XX. 

€r  sich  in  einer  kapell  und  bleib  alda.  Er  enwolt  weder  an  det- 
port  noch  anderswa  mit  frowen  noh  mit  mannen  einkein  lang  red 
haben  noh  sä  an  sehen.  Sinen  ogen  hat  er  ein  kurzes  zil  gebeo^ 
für  daz  su  uit  solten  sehen^  und  daz  zil  waren  fänf  füsse.  Er 
bleib  alle  zit  da  heime,  daz  er  weder  in  die  stat  noh  in  daz  land 
komen  wolte,  und  wolt  allein  siner  einikeit  pflegen.  Disä  hüt  ellfi 
half  in  nit^  wan  in  den  selben  jaren  vielen  uf  in  gar  berlichi  liden, 
von  den  er  ward  als  s warlich  gedrungen ,  daz  er  im  selb  und  andren 
menschen  ward  ze  erbarmene. 

Daz  im  sin  gevangnust  dest  lichter  wurdi,   als  er  sieh  selber] 
du  X  jar  ane  isen  hate  in  geschlossen  nah  blipnust  in  der  capelli 
do  frumt  er  von  einem  maler^  daz  er  im  entwarf  die  heiligen  alteo 
veter  und  ire  sprüch  und  etlich  ander  andehtig  materien^  die  einen 
lidenden  menschen   reizent  zu  gedult^keit  in   widerwertikeit    Dax 
selb  wolt  im  got  nit  lassen  ze  lieb  werden,  wan  do  der  maier  hate  1 
entworfen  mit  koln  in  der  capell  die  alten  veter^  do  ward  er  siech 
an  den  ogen,  daz  er  nüt  me  gesah  us  ze  strichen.     Also  nam  er 
urlob  und  sprach,  daz  werk   müsti  also  beliben,  unz  daz  [26^]  er 
genesi.     Er  kerte  sich  zu  dem  maier  und  fraget  in^   wie  lang  dar 
giengi,  daz  er  genesi.     Er  sprach:  uf  XII  wuchen.     Der  dienerS 
hiess  in  die  nidergeworfen  leiter  wider  uf  zu  den  entworfen  alten 
vetem  rihten,  und   gie  die  leiter  uf  und   streich  sin   hende  an  di 
bilde  und  bestreich  dem  maier  sinü  wetfindu  ogen  und  sprach:  gin 
der  kraft  gotes   und   der  heilikeit  diser  alter  veter  gebüt  ich  u, 
meister,  daz  ir  morn  des  tages  her  wider  in  koment  und  an  uwern  i 
ogen  genzlich  genesen  siend.  ^     Do  mornend  frü  ward,   do  kom  er 
frölich  und  gesunde  und  danket  got  und  ime,  daz  er  genesen  was. 
Aber  der  diener  gab  es  den  alten  vetern,  an  der  bilde  er  die  hende 
hat  gestrichen. 


1  alda]  da  K  4  fnzz  M  5  uf  daz  land  M  6  nit  komen  w.  ' 
allein  sin  in  siner  ein.  [pflegen]  M  but  fehlt  A^  8  warlich  MA^  9  ■• 
erb.  wart  A^  10  vanknust  M  12  frumt  er  von]  froget  er  noch  P  ent* 
wtirff  P  13  ainem  M  14  zu  gedultiklich  in  in  der  wid.  (!)  M  in  widcrw. 
fthlt  S  18  werk  fehlt  M  21  wider  fehlt  S  22  uf  fehU  S  24  und  i^ 
der  h.  M        25  morn  her  w.  i.  k.  dez  tagz  M        in  fehlt  P        28  die]  sin  U 

1  Nach  IT.  Marer,  Helvetia  Sancta  (Luzern  1648, 329)  war  Seuses  Ka]^ 
„in  dem  Predif/er  Kloster  zu  Cosiantz,  neben  dem  Chor  zu  der  rechten  Ew^ 
wie  man  auff  den  Lethner  gehet,  ander  de?  Stiegen**  noch  im  17,  Jh,  zu  sthei^ 
12  ff.      Vgl  dazu  Kap.  oö. 


Leben  Seuses.    Kap.  XXL  6  t 

6ot  der  tet  die  glich  do  in  den  seihen  ziten,  als  ob  er  den 
)68en  geisten  und  allen  menschen  über  in  erlobet  heti  in  ze  pingeu. 
Unzallichen  vil  erleid  er  do  von  den  b6sen  geisten,  die  im  mit  an- 
genonmen  jemerlichen  bilden  mit  wilder  freidkeit  so  vil  leides  and 
lidens  an  taten,  baidü  tag  und  naht,  wachende  und  schlaffende,  daz 
im  yil  we  dar  von  beschah. 

Ze  einer  zit  kam  er  in  ein  anvehtung,  daz  in  gelaste  fleisch 
ze  essene^  wan  er  waz  vil  jaren  ane  fleisch  gewesen.     Do  er  daz 
fleisch  geass  und  sinen  last  erst  gebfizte,  do  kam  in  einer  fesihte 
)  für  in  stende  ein  ungehürä  helschö  person   und  sprach   den  vers : 
Adhac   eseae   eoram    erant   etc.,    und    mit   bellender   stimme 
sprach  er  zu  den,  die  da  umb  stflnden:  ^dise  münch  hat  einen  tod 
venebaldet^  and  den  wil  ich  im  an  tfin.^     Do  sA  im  daz  nit  weiten 
gestaten,   do  zoh  er  as  einen  grülichen  negber  and  sprach   zu  im 
(dso:  ,8id  ich  dir  nu  anders  nit  get&n  mag,   so  wil  ich  dinen  lip 
^h  mit  disem  negber  pingen  and  ze  dem  mund  in  boren,  daz  dir 
als  we  mfiss  geschehen,  als  gross  din  last  mit  fleisch  essen  ist  ge- 
wesen,^ and  für  im  do  mit  dem  negber  gen  dem  munde.     Zehand 
geswnllen  im  d6  kinnbein  und  die  zene  und  verswal  im  der  mund; 
•  4tt  er  in  nit  mobte  af  getün  und  wol  uf  drie  tag  weder  fleisch  noh 
ander  ding  moht  essen,   denne  so  vil  er  dar  die  zene  raftst  sugei>. 


XXI.  KapitcL 
Yen  inrliehem  liden. 

Under  andren  sinen  liden  waren  drü  inrü  liden,  du  im  do  vil 
^pinlich  waren.  Dero  was  eins  unrebt  invelle  von  dem  globen.  [27'] 
h  viel  in  sinen  gedank  also :  wie  moht  got  mensch  werden  ?  und 
ies  gelicb  menges.  So  er  dem  ieme  begegente,  so  er  ieme  verierrete. 
Jd  dieser  anvehtung  liess  in  got  wol  uf  IX  jar  mit  sehriendem 
Wzen  und  weinenden  ogen  uf  zfi  gote  und  ze  allen  heiligen  umb 
^  kilf.  Ze  jungst  neiswen,  do  es  got  zit  duhte,  do  half  er  im  genz- 
lich  dur  von,  und  ward  im  von  got  grfissü  vestekeit  und  erlühtunge 
des  globen. 


3  vil  arbeit  S  im]  in  AS  5  slafeude  u.  wacheu<le  S  9  glust  S 
12  dar  umb  K  14.16.18  n&pper  K  nejrbor  P  ne^ebor  ^1*  19  kinbacken  P 
20  wol  uf  get.  M        23  innerlichen  S        28  wol  uf  fehU  S 

11    Pm.  77,30/.,  vgl.  IV  Mos.  11,33. 


^2  Leben  Scuses.    Kap.  XXI. 

Daz  ander  inrlich  liden  war  ungeordnetü  trurkeit.  Im  ^va 
-emzklich  als  swer  in  sinem  gemutC;  als  ob  ein  berg  nf  sinem  herze 
leg;  und  waz  daz  ein  teil  da  von:  sin  geswinder  abker  waz  g 
scharpf;  daz  siner  leblichen  natnr  vil  gross  gedrang  dur  von  bescbai 
Disü  not  werete  im  wol  VIII  jar. 

Aber  daz  drit  inrlich  liden  waz^  daz  er  gewan  anvehtung,   daz 
^iner  sele  niemer  rat  würdig  und  eweklich  müsti  verdammet  sin,  swie 
recht  er  teti  ald  wie  vil  er  sich  übti,   daz  daz  nihtes  nit  bulfi,  duz 
er  der   behaltnen   eine  wurdi;  es  weri    alles  vor  ns   bin  verloni. 
Hie  mite  bekämberte  er  sin  sinne  tag  und  naht   So  er  solte  ze  kor  i 
gan  oder  tt  anders  gutes  tfin,   so  kom  d&  anvehtang  her  ffir  nnd 
sprach  vil  kleglich:   ^waz  hilfet  dich  gote  dienen?    Es  ist  dir  nu- 
wan  ein  flfich,   din  wird  doch   niemer  rat.     Lass  nnwen  enzit  dar 
von,   du  bist  verloren,  wie  da  es  an  vahest.^     So  gedaht  er  denn: 
^eya,  ich  vil  armer  man,  war  sol   ich   mich   keren?     Gan  ich  ml 
dem  orden,   so  wird   ich  der  helle  ze  teil,  blib  ich  denne,  sO  wirt 
min  doch  niemer  rat.    Ach  berr  got,  ward  ie  keinem  menschen  wirs 
denn  mir?^     Er  stflnd  etwen  verdaht  in  im  selb  und   lies  mengen 
erholten  sufzen  mit  niderwalenden  trehen;   er  klopfete  an  siu  hen 
und  sprach  also:   ^owe  got,  sol  min  niemer  rat  werden?     Wel  eiii 
kleglich  ding  daz  ist!     Müss  ich  hie  und  dort  erbetselig  sin?    We 
mir,  daz  ich  von  miner  mftter  lip  ie  geboren  ward!" 

Disü  anvehtang  viel   im  zu  von  ungeordneter  vorte:  im  ward 
geseit,  daz  sin  enphahen    in   den  orden  weri  geschehen  mit  ander- 
tragene  zitlichs  gutes,   dannen  du  sönd  körnet,   du   da  heisset  sy*  fl 
monia,  da  man  ein  geischliches  umb  ein  liplichs  kofet.   Daz  sankte 


2  emzklich]  ane  uuderlas  S  siu.  herzen]  im  6'  5  im]  in  S  7  mofl  M 
9  es]  er  P  iia  fehlt  FÄ'  hin  fehlt  M  11  tun  gütz  M  komen  P 
he  für  ^  11  f.  und  —  kleglich  fehlt  M  12  f.  dienen ,  daz  sprach  er  ^ 
klaglich,  ez  ist  dir  doch  mm  ein  fl.,  dir  wird  niemer  r.  M  13  in  «it  S  «• 
zit  A*  15  vil  armer]  gmndarmer  M  19  erholten]  verholten  K  heimlichen  S 
20  also  fehlt  P        21  dort  und  hie  SP        23  von  fehlt  M        25  dannen  Ton  F 

23  ff.  Scuse  trat  schon  mit  13  Jahren  ( Vita  8,6)  in  das  DomimkSMt' 
klosta-  eu  Konstanz^  während  sonst  eine  Aufnahme  vor  dem  16,  Jährt  tÄ«* 
hcsondtre  Erlaubnis  des  VrovinzialpHors  verboten  war  (Generalkap.  von  lM» 
J.?6.?,  1^94,  i:jl:3,  MOPH  III,  129,  223,  273:  IV,  68).  Ob  wirklich  Simm$ 
dabei  vorkam  (ein  blosses  Gt'schtnh  wäre  solche  nicht  gewesen,  vgl.  A  Lti^ 
Die  Simonie  1902,  15  ff.  139  ff.),  wie  Preger  II,  349  und  Seeberg  13  aw¥^mlm^ 
wird  nicht  sicher  auszumachen  sein.  Dass  er  selbst  seine  Furcht  eine  ,1* 
geordnete*^  nennt,  spricht  eher  für  das  Geff  inieil. 


1 


Lelu'ii  Seiises.    Kap.  XXII.  63 

in  Btß  lierz,  unz  er  hinder  dis  lideii  koiii.  Do  dis  freidig  liden 
^werete  irol  uf  X  jar,  d&v.  er  sich  selber  in  dem  zit  allem  nie  an 
fetak,  denn  für  einen  verdamiineten  nieneehen.  do  kom  er  zfl  [27'] 
dem  hcilij^fn  meister  Eg:g:hart  und  klaget  im  sin  liden.     Der  half 

dnr  von,  und  also  ward  er  erlöset  von  der  helle,  da  er  so  lang 
Wai  inne  gewesen. 


XXn.  Kapitel. 

Von  dem  usker  »r  sines  nehsten  heilüAiiieii  beliiilfeiiheit. 

Do  er  vil  jaren  einer  inrkeit  liate  pHegen,  do  ward  er  von  got 
jetriben  mit  mengerlev  oft'enbamnge  uf  ainee  nehsten  heil,  daz  er 
dem  och  gniig  8Ölti  ein.  Was  im  eblich  grosses  lidens  vieli  nf  dis 
fhi  werk,  dm  waz  ane  zal  und  ane  mass,  wie  menger  sei  och  dur 
in  geliülfen  wurdi.  Üaz  zogte  got  einest  cini  userweiten  gotesfründ. 
lud  hiess  A 11  n  a  und  was  och  sin  gaischlichü  tohter.  Uu  ward  eins 
oiales  in  ir  andabt  veiztiket,  und  sab  den  diener  uf  ainem  hohen 
fcerg  mess  sprechen.  Si  sah  ein  itn/.allich  mengi  in  im  und  an  im 
l»iigeu,  und  was  eins  nit  als  dan  ander;  ein  ieklichea  als  vil  ez 
nwgotes  hate,  als  vil  hat  es  och  ine  stat  in  ime,  und  als  vil  ez  im 
uriicher  lag,  als  vil  hat  sich  och  got  zti  im  gekeret.  Si  sah,  daz 
o  ernschlich  über  bü  ellii  bat  den  ewigen  got,  den  er  in  sinen 
fnuterlichen  lienden  bäte;  und  si  begert  von  got,  daz  er  ir  kund 
tele,  wsz  dö  gesibt  belnti.  Des  ward  ir  von  gote  geentwürt  also: 
t^A  anmesBig  znl  dero  kinden,  du  an  im  hangent,  daz  sind  ellu  du 
■oengclien.  du  iu  siiier  biht  ald  lere  sind,  ald  in  ane  daz  mit  suiider 
'l'Sn'e  ineinent.  Du  bat  er  mir  als"  in  getragen,  duz  ich  ir  leben 
If  ein  gflt  ende  wil  richten,  und  BÜ  von  minem  frölichen  antlät 
fiiemer  gescheiden  son  werden,  Waz  im  eblieh  lidens  hier  uf  mag 
**ilen.  des  sol  er  alles  von  mir  wnl  ergenet  werden." 


1  Jax  lid.'u  M  2  wert  M  XI  jor  P  ailem  »u/i  allein  kon-iyio-t  A 
^  PKA'  4  Der]  Aas  A'  6  so  /ehU  A>  8  lieilsamcn  ffhli  M  1 1  eb- 
U]«(]jcli.9f  läf.dariDA'  14  [unä]  äie  h.  A'  uud  hiesa  —  15  diener] 
w  der  WS  in  siner  andaht,  do  wart  ai  verzukt  und  sah  in  dem  i^aist  den  gelben 
iuer  isa  wizhait  M  18  in  im  und  fehlt  P  18  [ne]  sUt  M  18  f.  ini 
tAinrklit^enL  M  ISinrlicliP  zfi]  ^n  J1/  20  |<;r]  eruachl.  ^'  22  also 
Itcnt  A^  26  ricblen]  uf  enthalten  S  bringen  M  27  äon]  bti  Ä^  sont 
NdL  ».  J/        ehlicL]  clielklichK  Af        29  gevallen  I'K        w.d  f(Ml  SM 


64  Loben  Seuses.     Kap.  XXII. 

£  daz  du  selb  vor  genand  edel  creatur  den  diener  der  ewigen 
wisheit  erkaudi^  do  gewan  si  von  got  ein  inrlieh  triben  in  ze  sehen. 
Und  geschah  ainest,  do  ward  si  verzuket,  und  ward  zu  ir  gesprochen 
in  der  gesiht,  daz  si  hin  kemi,  da  der  diener  waz,  und  in  gesehi. 
Si  sprach:  „ich  erkenne  sin  nit  nnder  der  menge  der  br&der.^     Do 
ward  zfi   ir  gesprochen  also:   „er  ist  gut  ze  erkennen  under  den 
andern:  er  hat  einen  grünen  ring  umb  sin  hobt,   der  ist  umb  nnd 
umb  mit  roten  und  wissen  rosen  vermischet  under  enander  ak  ein 
rösin  schapel,  nnd  betutend  die  wissen  rosen  sin  luterkeit  nnd  die 
roten  rosen  sin  gedultekeit  in  menigvaltigem  liden,  daz  er  mfts  er-  2 
liden.     Und  als  der  guldin  sinwel  ring,  den  man  den  heiligen  umb 
daz  hobt  pfliget  ze  malene,  [28']  als  der  bezeichent  ir  ewigen  seit- 
keit,  d&  s&  iez  besessen  hein  in  got,  also  bezeichent  der  rAsekAte 
ring  menigvaltikeit  dez  lidens,   daz  die  lieben  gotesfrfinde  mftflieiit 
tragen,  die  wil  sü  noch  in  der  zit  mit  ritterlicher  nbnng  got  dienend  II 
sind.^    Dar  na  fürt  si  der  engel  in  der  gesiht  hin,  da  er  was,  und 
si   erkand    in   balde   bi    dem   röselohten    ringe,    den   er   nmb  fh 
hobt  hate. 

In  dem  selben  lidenden  zite  was  sin  gröster  ufenthalt  von  imM    i 
der  himelscben  engel  emzigu  behulfenheit.    Eins  males,  do  er  mi 
komen  in  ein  Vergangenheit  der  ussren  sinnen,   do  waz  im  ▼or  li 
einer  gesiht,  wie  er  wurdi  gefiirt  an  ein  stat,  da  waz  gar  tU  dar 
engelschlichen   geselschaft,    und   ir   aine,    der   im   aller   nehst  wVi  i 
sprach  zu  im:   „tdi  diu   hend   her  für  und  lAg!**     Er  bot  die  hui 
her  für  und  lüget,  so  siht  er,   daz  enmitten  uf  der  band  entspiMI 
ein  schöne  rote  rose  mit  sinen  gr&nen  bletlin.     Der  ros  ward  ik 
gross,   daz  er  die  band  unz  an  die  vinger  bedahte,  und  w«d  «b 
sch&n  und  liehtrich,  daz  er  den  ogen  grossen  lust  brachte.    Er  hatf 
die  hend  umb  ussnen  und  innen,  do  waz  es  bedenthalp  ein  wuoNfe 
lieber  anblik.     Er  sprach  mit  grossem  wnnder  sines  herzen:  ^tjfjl 
lieber  gesell,   waz  betütet  disü  gesiht?^     Der  jnngling  sprach:  ^ 
betütet  liden  und  aber  liden,  und  och  liden  und  aber  nnd  och  lUHf 
daz  dir  got  wil  geben,   und  daz  sint  die  vier  rote  rosen  an  be^l^ 


1    K   daz  —  (55,:-3  got  fehlt  M         daz  fehlt  S         2  von   got  ßMii 

4  liin]  hein  Ä'  0  ofüt  fehlt  A^        10  manio^valtigen  S        10  f.  erL]  lidea  P 

12  als  fthh  6'  19  den  8.  1.  ziten  KA^        24  der  sprach  SP        für  her  I 

20  Der]  dio  P  27  vr]  su  P        die  jungt-r  (!)  untz  an  die  hant  b.  A*        28  tu 

lieht r.  K        .m]  su  P        :52  und  ahor  —  liden  fehlt  SPK 


es.    Kap.  XXJl. 


05 


n  und  lieden  füBsen."  I>e,r  diener  ersülzet  und  sprach:  „ach 
I  herr,  <laz  liden  Hein  luenBchcn  :>]e  reht  we  tOt,  und  es  in  doch 
llich  als  schon  zieret,  daz  ist  ein  wunderlich  gelesB  von  got!" 


1 


»56  lA'ben  Scusos.     Knp.  XXIJI. 

XXIII.  Kapital. 

[2tK]  Ton  menigvaltigeiii  lidene. 

Er  koni  eins  males  zfl  einem  stetlin  gegangen,  und  l)i  der.si;jf 
nahe  was  ein  hülzin  bilde,  ein  crucifixus,  daz  waz  mit  einem  hüsliu 
umbmachet,  als  etwa  gewonbeit  ist,  und  meinden  die  liite,  es  ge- 
schebin  vil  zeicben  da.  Dar  umbe  brabten  sü  wehsinü  bild  und 
vil  wabses  dar,  und  bankten  es  da  uf  got  ze  lobe.  Do  er  für  das 
crueifixus  ward  gende,  do  trat  er  hin  zu  und  knüwet  für  daz  craci- 
fixus.  Do^er  ein  wili  gebetete,  do  stund  er  uf  und  gie  mit  sineni 
gesellen  bein  in  die  herberg.  Dis  knüwen  und  bet^n,  daz  er  vor  i 
ilem  bilde  hat  getan,  bat  gesehen  ein  töliterli,  daz  waz  ein  kiud 
von  siben  jaren.  So  hin  wirt  in  der  naht,  do  kamen  diebe  zö  dem 
bilde,  und  brachen  uf  die  tür  und  verstalen  alles  daz  wahs,  daz  sii 
da  funden.  Do  ez  tag  wart,  do  kamen  du  mere  in  die  stat  und 
für  den  burger,  der  des  selben  bildes  pfleger  was.  Der  fragte  den  i 
dingen  na.  wer  daz  gross  mord  beti  getan.  Do  spraeli  daz  vor  ge- 
nant kind:  es  wüsti  wol,  wer  daz  beti  getan.  Und  do  man  es  vaJ^t 
an  kom,  daz  es  verjebi  und  den  böswibt  zogti,  do  sprach  es:  r,e^ 
ist  nieman  schuldig  an  der  missetat  denn  der  brüder,"  und  meinde 
den  diener;  „wan,"  sprach  es,  „den  sach  ich  nehtind  spate  bi  demi 
bilde  knüwen  und  do  in  die  stat  gan."  Dis  rede  des  kiudes  nam 
der  burger  in  für  ein  warheit,  und  seit  es  fürbas  umb  und  um^Je. 
daz  der  böse  lumde  also  dur  die  stat  wart  gend  über  den  bröder. 
und  ward  des  swaclien  dinges  gezi^icn.  Es  ward  meng  bösü  urteil 
über  in  gende,  wie  man  in  s6lti  verderben  und  als  ainen  bösen  man  i 
schier  ab  der  weit  tfin.  Do  er  disi'i  mere  erhörte,  do  erschrak  er 
übel,  wie  gar  er  sich  unschuldig  wüste,  und  mit  einem  inneklichen 
snfzen  sprach  er  hin  zu  gotc:    „ach  berr,  sid  ich  nu  liden  sol  und 

3  uud  t't'hlt  AS  4  t'.  liulziu  Iniselin  iiberniachet  M  5  t'.  «jcacheli^ 
vil    /A'ichcns   ^V  (5  f.    dar   nach   bild   SM  7  zu    i^otz  lob  M  9  sine» 

Kcc  10  ht'iu  fehlt  6'P  in]  an  S  14  da  fehlt  K  kam  P  15  vor 
bildes  ist  kindes  durchHn'chen  M  17  woi*  rz  h.  <:.  M  Yos^tev  M  18^ 
sprach  M        20  naht  KM        23  also]  all  MA\  fehlt  SK 

10  gt'soUen.  Die  reisenden  PreJigerbriiUcr  mussieu  stets  einen  „«oci»*'*' 
hei  sich  halten  trgl.  Knp.  :J5  ru  Beginn),  durften  weder  Wagen  noch  Pferde  hi' 
nützen  und  hatlai  iiterae  testimoninles  mitzuführcn  (Constitutiones  in  ALKG^ 
I,:J:^4:  V.  c>(it :  Fonlana .  Consfitutiones ,  Dedarationes  etc.  O.  Praed..  Koiß 
16Ü5.  340 Jf.:  MOPH  JII,  1:?,  Vi  u.  öfter). 


Lolioii  Soiisi's.     Ka]).  XXIII.  t>7 

•'HISS,  ^ebist  du  mir  denn  gemeiuü  liden,  du  mir  nit  unerlicli  werin, 
«iii  wolti  ich  frolicli  liden ;  nu  grifest  du  mir  in  min  lierz  mit  dem 
JMidergang  miner  eren  mit  den  sacben,  da  von  mir  aller  wirst  ge- 
schult/    Er  bleib  also  do  in  dem  stetlin,  unz  es  verredet  wart. 

Es  gcsebab  an  ainer  andern  stat,  daz  ein  gross  gescbell  über 

in  ward  gende,  so  vil   daz  du  selb  stat  und  ellü  du  gegin  dur  mit 

nrnb  gie.     Es  waz  in  der   stat  ein  kloster,   in  dem  waz  ein   steinin 

hMi\  ein  [29^]  crucifixus,  und  daz  was,  als  man  seit,  ein  ebenlcngi 

der  inasse,  als  Cristus  was.    Da  fand  man  eins  males  in  der  vasten 

frisches  hlfit  an   dem   selben   bilde  undcr  dem  zeichen   der  wunden 

•filier  siten.     Der  diener   koni  och  mit  den  andren  dar  lofende,   daz 

er  daz  wunder   geselle.     Do  er  daz   Wut  ersah,    do  bot  er  sich  hin 

/ii  und   enpüe   ez   an   sinen  vinger,   daz   es  alle  die  sahen,  die  dar 

unib  stunden.     Hie  ward  der  ztilof  aller  der  stat  gross,   und  triben 

5  in  dar  zd,   daz   er   must   uf  stau   oifenlich  vor   der  weit   und  mtist 

'^a^en.  waz   er  gesehen   und   griffen   heti.     Daz  tet  er   und  seit  es, 

'ioeli  in  der  gewarsamkeit,   daz   er  enkein    urteil   dar  liber  gab,  ob 

^  weri  von  got   dar  komen   oder  von  den   menschen ;   daz  Hess  er 

hin  zu  den  andren. 

^'        Disü  mere  erschulleu  verr  in  daz  lande,   und   leit  ieder  man 

'liir  zu,  daz  er  wolte.    und  ward    für  ^eben,    <m*  heti   im  selb  in  die 

Finger  gestochen  und  heti  daz  blfit  uf  daz  crneiiixus  ^^estrichen,  daz 

Jnan  wandi,  daz  daz  bild  blüti  von  im  selb,    und  hat  einen  lof  ge- 

inaohet  von  siner  gitekeit  wegen,  dnz  er  der  weit  dnz  gut  ab  nome. 

^  Solich  bös   rede   treib  man  von    ime   in   andren   stetten  und  seiten : 

'lo  die  burger   der   seihen    stat   innen  wurden   der   grosen  valscheit. 

'1^  miist  er  nahtes  endrinnen  von  der  stat,   und  sü  ilten  im  na  und 

^^«Itaii  in  han  verderbet,  wer  er  nit  endrunnen :  sü  buten  gross  gelt 


2  Ulli  fehlt  M        8  vonj  mit  X        4  ahn]  ald  M         nutz  daz  .1/       .5  i;ross 

-'♦'><li«ll]  jrftt  «roselle  (!)  P       ^5  ;r«Mi<l«\/W///  MA^       «»'^ni  A'       0  f.  dur  mit  —  jrio| 

la  mit  zf  schjiflVii  bot  M         h  i'in  oh.,    jils  m.  sait  6M/  9  f.  in  der  vaston 

tach  hiid»»  M,  nach  blüt  A^         10  f.  sirirr  vorwnntt'ii  siten  .1/  V6  i\n]  in  3/ 

15  nt  ffhlt  ^f         m  ireirrifteu  PM         nnd   seit   <'s  fehU  6'        21  die)   den  M 

JHü  d:u  iremai-lien  M         24  irritikrit   P        25  nnd  seiten   fehlt  A'^cc         28  irelt] 

:^\  s 

*:^&.  JLin  ganz  nhniicht'fi  Vorkoinmnisj  wohci  ztrei  I'raaen  J34ti  zu  Kon- 
•iuuz  einnn  Belruf/  versuchten,  herichtet  der  Chronist  Heinrich  ron  Diessenhoven 
Böhmer,  Fontes  rer.  gernianic,  IV  [LSCt^]  ßti).  Urzdhluuf/en  ron  blutenden 
Kruzifixen  sind  ühru/ens  im  Mittelalter  häufig :  vgl.  K.  v.  Dohschvtz,  Christ ns- 
^ihler  iTe-iic  u.   Unters.  XVII ]  t   ISfUK  2S1**  A.  :-i. 


Ö8  Leben  8eu«es.     Kap.  XXIII. 

Über  in,  swer  in  brehti  lebent  oder  toden.     Üis  und  derley  bos  ired 
was  vil.    Wa  disü  mer  hin  erschuUen,  da  kripften  sfi  es  uf  für    ^in 
warheit,   und  enpfie  sin   nain  meng  schelten  und  fluchen ;   es  w  s^rd 
meng  freidig  urteil   über   in   geben.     Etlich   waren   och   da   in    der 
bescheidenheit,  die  in  erkanden,  die  sprachen,   er  weri  unschuldig',  s 
Die  wurden  als  gremlich  widerworfen,  daz  sü  müsteu  swigen  und    in 
lassen  under  gan.    Ein  erberü  burgerin  der  selben  stat,  do  du  lioite 
daz  pinlieh  wunder  alles,  daz  der  armer  man  mit  Unschulden  erl<?id. 
do  kom  si  von  erbermde  zu  im   in   sinen   nöten   und  gab  im  eineii 
rat,  daz  er  sölti  brief  und  insigel  nemeu  von  der  stat  andei'swa  bin  lo 
siner  unschulde,    wan   menlich   in   der  stat  wol  wüste,   daz  er  im- 
schuldig   waz.     Do   sprach  er:    „eya,   licbü   frowe,   weri   dis  liden 
alleine  und  keins  me,  daz  got  über  mich  verhengeu  wölte,  so  wölt 
ich  mich  wol  verbrieven;   nu   ist  daz  liden  und  dero  glich  also  ril.       i 
[30']  du  mir  teglich  zfi  vallent,  daz  ich  es  nittss  got  enphelhen  and  16 
dur  zft  ungetan  lassen.^ 

Ze  einer  zit  für  er  abwert  in  Niderland  ze  einem  eapitel.  Da 
waz  im  vorhin  liden  bereit,  wan  es  füren  ire  zwen  fümemc  wider 
in  dar,  die  vil  unmüssig  waren,  wie  ßü  in  swarlich  betrüptin.  Er 
ward  mit  zitrendem  herzen  hin  für  geriht  gestellet,  und  wurden  vil  :W 
Sachen  uf  in  geleit,  dero  was  einü:  si  sprachen,  er  machet!  büiber. 
an  den  siündi  falschü  lere,  mit  der  alles  laut  wurdi  verunreinet  mit 
kezerlichem  unflat.  Hier  umbe  ward  er  vil  übel  gehandict  mit 
scharpfer  rede  und  ward  ime  getrowet,  wan  wölti  im  gross  liden  an 
tun,  wie  in  got  und  du  weit  dar  innc  unschuldig  wüste.  Au  disem  ^  i 
sweren  gedrang  gnüget  got  nit^  er  macheti  den  hufen  uoh  merer. 
Er  saute  im  uf  der  widervart  siechtagen  an,  und  gewan  einen  starken 
riten;  dar  zft  erhüb  sich  ein  sorklich  geswer  inwendig  nah  bi  dem 


1  boHor   MA^         2  WaJ    da    M  kripften  uf]    hej^reif  mau  8U  S 

4  freidig:  fehlt  S  5  und  [die]  sprachen  S  so  die  sprachen  ^fA^  er]  es  K 
6  grimeelich  ^'  ü:rinilich  M  7  in  der  6'M  14  daz]  der  M  15  all  tag  ^^ 
17  abw.  in  nid.]  aber  in  ander  lant  P  18  für  durc/isiricfieH  ut^er  wider  ^ 

20  zitr.]  zurnigem  A^  21  dero]  daz  .1/  falscliu  hficher  M  24  fcta  ffnw* 
SK        25  dar  inne  fehlt  M 

17  ff.     Wahrscheinlich   das  l^rovinzialhapitel   zu  Antwerpen  13:i7y  nich^ 
das    ron   Herzogenbusch  1336   {Frcger,  Thiriot)   oder  das  Getieralkapitd  9G^ 
Brftgge  1336  (Dcnifle),     Es  hann  sich  nur  um  da^t  Bdw  handeln:  dieses  vd^ 
aber  anfangs   1327  fertig^   und  nach    Vollendung  des  Bdew  (1328)  fürehU^* 
Seuse  (Ilor,  14) y  t's  möchte  ^auch  dieses  fromme  Wcrk*^  von  den  Zähnen  st» 
Gegner  zerrissen  xcerdcn. 


Lesben  Sell8(^s.     Kap.  XXIII.  69 

iierzeu.  Und  also,  baidü  von  inrem  gedrang  und  ussrem  laste  kom 
er  von  nöten  unz  uf  den  tod,  daz  im  nieman  daz  leben  gebiess. 
>5in  geselle  löget  in  dik  an,  wenn  im  dfi  sele  us  giengi. 

Do  er  in  einem  fromden  convent  vil  ellendeklich  ze  bet  gelag 

und  dez  nahtes  von  noten  des  grimmen  siechtagen  nit  mohte  schlafen^ 

rfo  begond  er  mit  got  ein  rehnnng  her  für  nemen  und  sprach  also : 

rsAch  gerehter  got,  daz  du  min  kranken  natnr  so  gar  überladen  hast 

Tnit  bitenn  lidene^   und  min  herz  dunvundet  mit  grosser  unere  und 

verschmebt^  du  mir  geboten  ist,  und  daz  ich  also  mit  biter  not,  baidu 

ussnen  und  innen  umbgeben  bin !  Wenn  wilt  du  an  mir  hören,  milte 

vater,  ald  wenne   dunket  es  dich  gnüg?*'     Und  nam   in  sinen  mftt 

die  totlichen  angst,  die  Cristus  leid  uf  dem  berge.     In  diser  betrah- 

tonge  kroch  er  ab  dem  bete  uf  den  sessel,  der  vor  dem  bete  stund, 

ttnd  gesass  also,  won  er  enmohte  von  dem  geswer  nit  ligen.   Do  er 

5  also  ellendklich  gesass,   do  yvas   im  vor  in   einer  gesiht,   wie  ein 

^ssü  schar  dez  himelschen  Ingesindes  kemi  zu   im  in  die  kamer 

im  ze  tröste,  und  die  himelschar  vieng  an  ze  singen  einen  himelschen 

^yen;  daz  erklang  also  susseklich  in  sinen  oren,  daz  ellii  sin  natur 

v^vandlet  ward.     Do  su  also  frölich   sungen   und  der  siech  diener 

■^ 'ö  trurklich  do  sass,   do  [SO""]  gie  ein  jungling  zft  ime  und  sprach 

^ar  gütlich:  „war  umbe  swigest  du,  war  umbe  singst  du  och  nit  mit 

'io^V  Du  kanst  doch  wol  den  himelsang?**   Do  entwürt  im  der  diener 

'^it  besoftkeit  sines  trurigen  herzen  und  sprach  also:  „ach  sihst  du 

^K  wie  we  mir  ist?  Wa  gefrowete  sich  ie  kein  sterbender  mensch  V 

'^1  icii  singen  ?  Ich  sing  iez  den  leiden  jamersang.     Gesang  ich  ie 

frolich,   daz  ist  nu  ein  ende,   wan    ich  warten   nu   der  stunde  mins 

Mes'"*.     Do  sprach    der  jungling   gar   frölich:    „Viril iter  agite! 

^»ehab  dich  wol.  bis  frölich,  dir  wirt  niti    Du  wirst  noh  ein  solich 

^'eüang  l>i  dinen  tagen  tünde,   da  von  got  in  siner  ewikeit  wirt  ge- 

h»pt  und  menig  lidender  mensch  getröstet."    In  den  dingen  volletan 

im  sinn  ogen  und  enbrast  an  ein  weinen,  und  geswinde  in  der  selben 

tnml   zerbrach    daz   geswer,    daz   er   hate  in  im,   und   ffir  von  ime, 

ind  ^renas  uf  der  stat. 


1  von  clfin  S        2  nifinaii  int  P        4  la^  KA^         l:i  da  vor  .1/  14  \V(mi 

lö    ij^esasfi  fehlt   K        von]    vor    .1/         2\   ni'it    och   PA^         2(5  im  «ler   st.] 

ü'l«»r  stunden  A^         27  a^c   otc  A/         28  du          20  nuido  fhff   M  2f>  von 
fsit  M         .'K)  voll.]  \valb«t»Mi   P        81  nbrast  .V 

27  Ps.  ."iO.fJö. 


70  liCbeu  S<;iis<'s.     Kap.  XXIV. 

Dar  iia,  do  er  wider  heiui  koin,  do  koiu  ein  seliger  ^^»t< 
/h  ime  und  sprach  also:  „lieber  herr,  wie  daz  si.  daz  ir  i\ 
vert  nie  denn  hundert  mile  von  nur  siend  gewesen,  doch  so 
uwer  liden  vil  gegenwurti^LT  gewesen,  leh  sah  mit  niinen  inre 
eins  tagcs  den  götlichen  richter  sizen  uf  sineni  stule,  und  voi 
verhengde  do  wurden  zwen  hos  geiste  us  ^^ehissen,  und  du 
üch  nrabe  dur  die  zwen  furnemen,  du  üch  daz  liden  an  täte 
rftft  ich  zii  got  und  sprach :  ,,aeh  niilter  got,  wie  nialit  du  di 
biter  liden  an  dinem  frund  erlidenV^  Er  entwurt  und  sprael 
„do  han  ich  in  mir  userweit,  daz  er  in  solieher  lidender  \> 
niiuem  einbornen  sun  gebildet  werde;  und  doch  so  mrtss  von 
gerehtekcit  daz  gross  unrecht,  daz  man  im  tnt,  gerochen  wen! 
zwein  jungen  toden  dero,  die  in  gepinget  hend.**  Daz  ges(*ha 
schier  dur  na  in  der  warheit,  daz  es  vil  kuntlich  ward  ni 
menschen. 

XXIV.  Kapitel. 

Voll  grossem  lideuiie^  daz  iuie  zu  viel  von  siner  liplic 

Nwöster. 

Der  diener  hate  ein  liplieh  swöster,  du  waz  ander  lyeh 
geischliches  lebens.  Dis  fugte  sieh,  do  der  brttder  andei'swii 
wonende,  daz  si  begond  us  !)rechcn  und  sich  zu  schedlicher 
Schaft  fügen.  Eins  males,  do  si  whz  usgevarn  n)it  der  j:esel 
do  misslang  [31 'J  ir  und  verviel  in  sunde;  und  von  leid  ui 
gemach;  daz  uf  si  gevallen  was,  do  gie  su  usser  ir  samnui 
verluf  sich,  er  enwüst  nit  war. 

Do  er  wider  hein  kom,  do  murmlet  man  du  leiden  men 
kom  zu  im  und  seit  ime,  wie  es  gevarn  waz.     Do  ersteinot 
leide,  und  erstarb  im  sin  herz,  daz  er  gie  als  ein  sinnloser  n 
Er  fraget,  wa  und  war  si  weri;  im  kond  nieman  gesagen  w 
gedabt  also:    „nuwes  lidens   ist   relit   al)er  hiel     Nu  erzag  ni 

:J  liuniU-rtl  tiisriir  t!i  M         W  vcrlicngt-n  .1/  7  üili  ..  .  ucli]  in  .. 

10  iiserwolt /t////   A'         l:J  Juii^tm)  iniiiijeii  .S'  «Icn»)  «Ion  »S         14  kii 

iin'ii:ieii  A         22  tng^eti  K         2\^  \vai|  \\;i  '!)  ,1/  .l«)  iiuwos]  iiiiii».-s  •>" 
A  li<l«n  SMA^a         vi'rza*r  M 

18  Xarh  Miu'cr  ( Jleir,  sttnctd  iciJ  f  sitll  S'  i(f*t.s  ^Srhicvjitrr  in  dem  1 
haiieriitnenJdosler  kH.  Peter  zu  Konstanz  i  I:J(}7  tfifiriiudet)  t,etcesin  st  in. 

21  ft'.  \'(jl.  dazu  den  hUien  Ahst hnitt  des  Jiritfcft  \htoinodo  j'Oi 
Ä/  Jifh. 


Leben  Seuses.     Kup.  XXIV.  71 

<>b  du  ieiuer  der  ariHen  verdorbncn   sei  mii^ist  wider  gehcifcii,  und 

opfer  reht  hiit  diu  zitlich  ere  dem  muten  got,  wirf  hin  alle  mcnscli- 

licb  scbame,  und  sprin^^  zfi  ir  in  die  tiefen  lachen  und  hab  si  ufl"^ 

Do  rlic  brüder   in  dem  kor   stünden,    do  tet  er  ainen  gang  dur  den 

')  kor,  daz  im  elln  sinu  varwe  engie,  und  inie  waz,  wie  cllü  sinü  lierlü 

ze  berg  giengin.    Er  engetorste  zti  nieman  gan,  wan  ieder  man  der 

schämte  sich  sin;   und   die  vor  sin   gesellen  waren,   die   Hüben  von 

ime.  So  er  rat  zft  sinen  frunden  stiebte,  so  kertan  sü  ir  antliit  un- 

wertlich  von  ime.     Do  gedahte   er  an  den   armen  Job  und  sprach  : 

i«»  ,110  niüss  mich  der  erbarinherzig  got  trösten,    sid  ich  von  aller  der 

weit  gelassen  bin." 

Kr  fragte  umb  und  umb,  war  er  sölti.  daz  er  der  verh)rnen 
j^ele  IUI  ilti.  Ze  jungst  do  ward  er  gewiset  an  ein  stat,  da  gie  er 
liiii.  Nu  waz  es  an  der  lieben  sant  Angncsen  tag,  und  waz  kalt; 

1^  es  waz  in  der  naht  ein  gus  wassers  komeu,  und  waren  die  beelie 
gross.  Do  er  über  einen  buch  soltc  springen,  do  viel  er  von  kraft- 
los! in  den  bach.  Do  er  mohte,  do  stftnd  er  uf,  und  waz  siner  inren 
Hut  als  vil,  daz  er  der  usren  wenig  ahtete.  So  er  hin  kunt,  do 
ward  si  im  in  einem  kleinen  hüslin  dort  neisvva  gezöget.    Da  tet  er 

^'  «lie  eilenden  trit  hin,  imd  kom  ingend  und  vand  si  da.  Do  er  si  an 
Wikte,  do  viel  er  nider  uf  den  bank,  da  si  sass,  und  geswand  im 
zwirent  uf  einander.  leso  er  zu  im  selber  kom,  do  hfib  er  uf  heiser- 
licli  ze  schriene  und  ze  weinen  und  die  hend  ob  dem  hobt  zesamen 
xe  sdilahene,  und  sprach:  „owe,  n)in  got,  wie  hast  du  mich  gelani* 

'ä>  011(1  vergiengen  im  denn  du  ogen  und  gestund  im  der  mund  und 
geragetan  im  die  hende,  und  gelag  also  hingescheiden  in  der  unmaht 
»in  wih.  So  er  denn  aber  zfi  [31  ""J  im  selber  kom,  so  nam  er  sin 
g»*8wÜ8tergit  uiider  sin  arme  und  sprach:  „owe.  kind  mins,  owe. 
5>w6ster  minü,  waz  han  ich  an  dir  geleptl"  und  sprach:   „owe,  zartü 

^)«>  l«ugfrow  sant  Angnes,  wie  ist  mir  diu  tag  so  biter  worden  I"  und 
^^^i^'  denn  aber  da  nider,  und  vergiengen  im  die  sinne. 

Do  stftnd  sin  krenkü  swoster  uf,  und  viel  im  ze  fiisse  mit 
;:rü^sen  bitterlichen    trehen    und    sprach    kleglich    zu    im  also:    ^ach 


l  armiMi    fehlt  M         4  (luij  «U»   .1/         5  varwtl   iiatiin'  vi'         wir  im   M 

'•  -"torste  SMA^         0  dru]    der  A         10  f.   |der|    wolt  M  1.')  giL^Mvas^cr  M 

^'»  Wh/e/,//  K         20  f.  Uli  «reblikt.-  AK         22  \o  do  SM  -J.-)  vi-ioii-ini  A 

'■*^»"/f/</;  ASp         27  df'ii II /'/////    .1/         2S  üL-wMst.J   s\vt^>t.r  1* 

U  ;>i.  Jan. 


72  Leben  Souses.    Kap.  XXIV. 

herr  und  vater  minc,    wel  ein  kleglicher  tag  der  waz,   der  mich  in 
dis  ertrieb  ie  brahte.   daz  ich  got  han  verloren  und  üch  so  grossez 
lidens  han  gestatet!     Dar   umbe  we  und  schäm  und  sufzen  mineni 
eilenden  herzen   iemer   und   iemer   noe!     Ach  getrüwe  widerbringer 
ininer  verlornen  sele,   swie  icli  üwer  red  und  beschöwde  nit  wirdig 
sie,  so  nement  doch   in  üwer  getrüwes   herz   und  gedenkent,  daz  ir 
got  niene  me  triiwen   mugent  geleisten   noch   im  glicher  gewürken, 
denn  an   einer  verworfenen   sünderin   und   einem   überladen   herzen. 
Got  der  hat  ü  doch   gen   allen   erbennklichen  dingen   erbarraherzig 
gemachet;   wie  wend  ir  denn  mir  armen  hingeworfnen  sünderin  er- 
bermd  versagen,  und  ich  got  und  der  weit  bin  ze  erbarmen  worden 
an  diser  stunde,   so  mich  min  sweren  schulde   so  baldc  und  so  an- 
wüssent  allen  menschen  ze  einem  unwerd  hat  gemachet?    Daz  ellu 
menschen  verwerfent  und  verpfuhzent,   daz  snchent  ir;  da  sich  min 
ellü  menschen  von   billich   schament,   da  gant  ir   üwerm  wetundem  li 
laster  under  ogen  und  sf^chent  mich.      Herr,  ich  bit  üch  mit  einein 
iemer  werenden  herzleide,  gestreket  und  geneiget  under  üwer  fiifiße, 
daz  ir  got  an  mir  armen  verviillen  sünderin  erent  und  mir  luterlich 
dis  mord  und  übel  vergebent,   daz  ich  an  ü  und  wider  min  armen 
sei  han  getan;   und  gedenkent,  han  ich  an  diser  weit  üwer  ere  ge-ll 
swecht   und    üwerm  lib   und  leben   abgebrochen,   so  gedenkent,  du 
ir  suuderlich  ere  und  ewigen  trost  da  von  sond  enphahen,  und  land 
üch  erbarmen,  daz  ich  du  arme  mfid  bin,   du  in  den   strik  bin  ge- 
vallen,  und  in  zit  und  in  ewikeit  daz  an  herzen  und  an  sele  iemer 
me  erben  müss,  und  mir  selben  und  allen  menschen  ein  burdi  mtal 
sin,  und  land  mich    üvvren   armen  dürftigen  hie  und  dort  sin.    Nit 
hohers   begert   [32']   min   herz   niemer  me,   daz  ich   na  rehte  üwer 
geswistergid  iemer   me  geheisse  ald  sie,   wan   nüwan  nah  erbermde 
so  land  mich  üwer  verlornes  geswistcrgit  sin,   und   na   rehte  uwen  j 
lünden  wol  erameten  dürftigen.    Und  diser  grund  der  ist  als  war  in  l| 
minem  herzen :   so  man  mich    üwer  swoster  heisset  ald  mich  leman  i 
in  diser  wise  zögan  wölti,   daz   daz   niinem   herzen   ein   sunderlidiA  ! 
biterkeit  ist.  und  ich  dike  ein  erbarmen  über  üch  han.  so  ir  da  sind, 

1  wrl]  wir  SPKMcc  i\\\  uff  M  2  t'.  ^loss  lideii  M  3  gestatet] 
;r('S(li:iftVu  'V  5  II.  uwer  lK's(lh)Wuiiirr  S  i\  lit-rz  mich  \\,  <^.  S  ww^  ftkU 
KM         S  uiiun  .1/         0  rrlKinulirrziireii  .1/         10  driiii  fehlt  M  16  u.  di 

ojjr»'n  .1/         cineiii  fc/ilf  ^f         IH  arnioii  suthUtju.  «In  vei\ allen  ist  M        21  üwtt 
.y.V        2:J  iih  arm  müt  bin  <Ii  .1/         hin]  ist  .Vi'J/a         2ii\a'AfehltM         26 hie  : 
sin  uuil  dort  M         '27  höhn   .1/         'Js.21>  ircswistcr  I*        icnicr  me]  uicmer  .>' 
iiO  t'uiKhii  /■"////  ASJ'        (Inrftiiicii  sin  ^f        o'J  in  in.  hcrzon  S        sunder  S 


J 


Kap,  XXIV.  73 

«tax  ir  mich  ge^enwnrteklicb  i^ehend  und  da  von  liden  ninsFieiit,  daz 
icb  an  n  weig^.  alW  daz  sicli  ein  herz  von  natar  scliamen  snl.  daz 
if  h  de?,  nit  erwerren  mayent.  Und  ander  gemeinsami  enBot  noh 
'iiinag  ich  nimiier  ine  von  d  noli  mit  ii  gehaben,  wan  daz  sieh  i'iwri'i 
5  "Sin  und  nreii  min  erschamen  und  ersehreken  müsaent.  Disü  wer- 
'■niiii  ding  vfil  ich  elin  liden  nnd  wil  sfi  got  fnr  min  lasterbercnd 
■nnil  opfren,  daz  ir  ein  miltes  erbarmen  und  ein  gptn'iwes  hesren  IVir 
"liih  arnicn  minderin  gen  got  halicnt.  nnd  miner  armen  sele  widci- 
"■  hdiden  helfent/ 

'  Diser  kleglichen  rede  enhviirt  der  brüder.  do  er  zn  iui  selber 
W.  also:  „owe,  heisscn  trehcn.  breehcnt  iiB  von  einem  vollen  herzen, 
'Isj:  sich  von  hei-zleid  nit  me  enthalten  mag!  Owe,  kind  mins,  owe, 
''inigii  fr6d  mins  her/en  und  miner  seje  von  minen  kintlichen  tagen, 
[  "Ii  dem  ich  wände  fröd  und  trost  gefeben,  kum  her  und  laes  mich 
"'''dl  trnkcn  an  daz  tot  herz  dins  eilenden  brftder!  Lass  mich  daz 
'i'itliit  mine»  geswiistergids  dnrglessen  mit  den  bitren  trelien  miiier 
"gen.  lass  mich  ob  minem  toten  kind  erschrien  nnd  weinen  I  Owe, 
'osend  lipltch  tÖde.  kleines  we.  owe.  sei  nnd  eren  tod,  grosses  wcl 
t*we,  leid  und  liden  mines  eilenden  herzen!  Ach  got,  owe,  erbarni- 
■M'r/igi'  got.  was  hau  ich  jrelept!  Owe.  kind  mins,  kum  her  zu  mirl 
Ehl  i<'h  min  kind  uoh  fluiden  han,  nu  wil  ich  min  klag  und  min 
"^finen  ab  lassen,  und  wil  dich  hi'it  enphaben  in  der  gnad  und  er- 
*ännde.  als  ich  beger.  daz  mich  sündigen  menschen  der  erbarm- 
^räg  got  t^nphali  an  miner  jüngsten  hinvart,  und  wil  dir  gern 
»itTlich  vergeben  daz  unmcHsig  leid  imd  liden,  daz  ich  han  von  dir 
^habt  und  iinz  min  ende  haben  mnss.  und  wil  dir  dtn  miBsetat 
»vftklich  helfen  büzen  und  besren  gen  got  und  gen  f32']  der  weit." 
taz  erbamiete  elU'i  dii  menschen,  dii  es  sahen  und  den  jamer  lie- 
pnlhalb  horten,  nie  iibel,  daz  sieh  nieman  moht  enthalten,  er  müsti 
leiaen.     Und  also  mit  kleglichem  gehabone  und  giitiichcm  trfistene 

Feilte   er   si,    daz   ei   gflten  willen   gewan,   sieh   schier  wider  in 
Bsmi  ze  gebene. 
Dar  na.   do  er  mit  unsäglicher   schäm   und   grosser   kost   und 
ireitfii   daz  verlorn  scbefli  hate  dem  milteii  gof  under  siner 


1  gegen "tifck Hell    .V         i  noii   mit   n  fflitl  K         ö  f.  wei*findö   A    »■■ 

i  MaffP        ß  ich  ftkU  K        10  f.  sIho  narh  lirflder  .V        J4  tro»t  halipu  m 

»  lieben  g.  M        -20  L-elopi  i!i  M        21  fllifl  siii  M        24  a 

lei-gebPti  fiMi    .V        -.'öf.  vou    <\h  ImW    PA'        2Et  ti.   iiiöh   mölilE'   . 

—  host  fehlt  Ä         iiii.l   mit  ^r-  k-  .itid  mit  »rlipil.'n   .1/ 


J 


74  Loben  8eiis(.'s.     Kap.  XXV. 

wider  braht  do  fugte  der  erbarmberzige  got,  daz  si  an  einer  \ 
trostlicher  stat  ward  enpbangen,  denn  si  vor  waz,  und  ward  dar  na  i 
ernst  so  gross  gen  got,  und  ire  wol  bebüte  heilig  wandel  so  bestet 
in  tugenden  unz  an  ir  tod,  daz  er  ward  gen  got  und  gen  <ler  w( 
an  ire  wol  ergezzet  alles  leides  und  lidens.  so  er  ie  bat  ;;ehal 
So  der  getrüw  brttder  sah,  daz  sin  liden  als  rebt  wol  geraten  \\i 
dar  an  bat  er  lust  und  fröd,  und  gedahte  an  gotes  beinlieb 
Ordnung,  wie  ellu  ding  dem  guten  konient  ze  gute,  und  den 
so  sab  er  uf  ze  gote  in  grosser  dankberkeit,  und  zerfloss  im  > 
herze  in  dem  götlichen  lobe. 


XXV.  Kapitel. 

Ton  .swerem  lideiie,  daz  im  einest  zu  viel  Ton  eini  siiieni 

gesellen. 

Im  ward  eins  males.  do  er  ns  wolt  varn,  ein  gesell  geben,  < 
leybrtider,  der  waz  nit  wol  besinnet.     Den  fürt  er  ungern,   wan 
binderdahte,  waz  er  eblicb  unertekeit  von  gesellen  hate  erliteu;  i« 
gnl)  sich  doch  dar  in,  und  nam  in  mit  ime. 

Nu  fttgte  sieh,  daz  sü  kamen  in  ein  dorf  vor  friigem  inbisj 
da  was  des  selben  tages  jarmarkt,  und  kom  gar  vil  allerley  volg( 
dar.  Der  geselle  waz  nass  worden  von  dem  regen,  und  gie  in  ei 
hus  zu  dem  füre  und  meinde.  er  enmöbti  nienr  komen,  daz  er  .<clit 
ane  in,  daz  er  ze  schaffen  heti,  er  wolti  sin  da  beiten.  Do  il» 
i)rüder  erst  uss  dem  hus  kom,  do  stfin<l  der  gesell  uf,  und  sas* 
sich  ze  tisch  zu  einem  wilden  gesinde  und  gutgewünnern.  die  o« 
zu  dem  jarmarkt  waren  komen.  Do  die  sahen,  daz  im  der  win 
wol   ersehoss,    und   uf  waz  gestanden    und   under   der   bofti'ir  stiii 


2  trosilirln.'ii  ASl'M        doiiii  ./'t////  .1/         :>  ire  w.  bcbutfu  bailiroii  \v. 
4  uiizj    l)is    .1/  5  io|    liie   K         16  hiiidenl.]    vor   «Iahte    «y  ebelklich 

IH  fili^-to  ("S  s.  P        21  iiiohte  S'h'A^         uiriu)  iii<Mlert  ^[   uieiiirr  A^        22 
schjatti'iulc  ö'         25  z»'|  so  M 

2  ll'o///  hl  einem  ^he.sc/tluifscuvn"  d.h.  utiier  Kluusnv  stehenden  AVo« 
Oh  die  in  einem  Jirief  Hcinnclis  ron  Xördliiif/(.'n  an  Martfareia  Kbntr  {Shw 
A\/a,  .;;  tS.  'Jl4i  f/i.nnnnlc  Sussin  zu  IJochstrtfen  lAugtatiini-rinneniflo* 
f'fi  /)iUinf/en)  viue  WrwandU  Seusts  oder  f/nr  r/t'.vÄen  Schwester  ttKir,  h 
sich  nicht  entscheiden.  Anch  eine  '^lra.ssffur[/'.r  Patniierfamili '  dts  14. 
hifs.s  SnssCj  Süsse.  SfiiiS'  (Vf;l.  Slr(t,ssh.  Uli  V — V ] I  paffsimt.  Q  Röw,  S. 


uiuli  sich  j^at'ende,  do  gvifen  sii  in  aiic  und  spmclieti.  <.'!'  bcti  in 
I  kes  vorstolii.  Under  tlannen  do  dis  bösen  lüt  mit  im«  aJen 
freideJilich  nmh  giengcu.  do  konieii  d&rt  ber  für  vier  neiss  (üiif 
Krrfichter  harscher,  und  valleud  in  och  an  iind  sprachen, '  der  hat- 
■lincb  weri  ein  gifttrager;  wan  es  was  in  den  selben  ziten,  do  daz 
)  gesL-hell  wo./,  von  der  gifl.  Also  viengen  sü  in  und  niachetun 
irroBS  gebrclit,  dass  menlich  zft  IM.  Do  er  sah,  wie  es  gie  nnd 
diz  (T  gevangeii  waz,  do  heti  er  im  selb  gern  gehulf'eii,  und  kertt- 
ioch  um  und  spiacb  zli  iu  also:  „haltent  nl'  ein  wiü.  und  stand 
itiilt'  nod  land  mich  /.e  red  körnen,  so  wil  ich  i'i  vergehen  und  sagen. 
s  gevaru  ist,  wan  es  ist  leider  übel  gevarn".  Öü  hielten  stille. 
ind  menlich  loset  zfi.  Er  hüb  ur  und  spraeb  also:  „IQgeut,  ir  merkeut 
nir,  daz  ich  bin  ein  tore  and  ein  unwiser  man,  und  hat  man 
kein  al)t  uf  mich.  Aber  min  geselle  der  ist  ein  wolkuunender  wiser 
1,  und  dem  hat  der  orden  bevoln  giftaeklii,  die  sol  er  in  die  brunnen 
ttrKeuken  hin  und  her  unzint  gen  Elsas  abbin,  da  er  iez  hin  wil,  und 
nil  alles  daz  verunreineu  mit  b&ser  git't,  da  er  hin  kumt.  Lugent. 
mz er  uh  bald  werde,  ald  er  stift  daz  mord,  üaz  uiemer  me  geheilet: 
1  bat  iez  ein  sekli  her  iis  genomeu  und  hat  es  in  den  dorf'brunneit 
|;elaii.  dar  umbe  daz  alle  die,  die  ber  Icomcnt  ze  markte,  müssin 
.  alle  die  des  brunnen  triiikent.  Hier  umbe  bleib  ich  und 
ttoll  mit  mit  im  hin  us  gan.    w:iii  es  mir  leid  ist.      Und   -/.e   einem 


1  apiücheuj  juoLcut  6'  2  mit  iiiif/eWi  .¥  3  fäifthll  APA'  »eis»] 
>  S  uu  A'  ne»  ,y  4  verrüebtcr]  verre  ilört  her  4'  5  wcri]  ist  .v 
rn^  U  •■}  itlsi)  üS  in  M  13  riu  tore  bin  £  U  f.  wulk.  mau  und 
yian  mun  .1/  15  f.  er  Irajjien  unrl  ]iiii  in  ü.  b.  \etf.  imd  her  |!)  M 
mj.  SKMA'  17  vergifl   .1/         lö  verheilet  -v         21  ulk  f*Mt  AMA'a 

fi  UthirMi  tun  DtegteithoBeit  eraahlt  (BlihtMt;  Fonitg  I\',öHff.}:  w/Uii«ti<l 

■  Surththareu  Ptat  {..»ehwarttr  Tod"  1347—60)  wurden  'von  A'ur.  i5JA  liie 

Jt  i34l>  'ilte  Juden  von  Kuln  bin  mich  IMerreich  hinein  terliruiinl,  denn  datr- 

'«U  batcliuläigtt  nie,  «ie  hätten  /itllimt  oder  durch  angeatiftett  ChnsUn  die 

'Minen  ttrgifttt.    In  Konstant  vernchilUete  man  die  WaseerbehäUcr  der  Juden. 

og  das  Trinkwanecr  aiu  dem  Bodenree   und  verbrannte  am  ä.  JUäi'g  134-'' 

I  Jaden  in  ehtem  eigint  iitiiinmtrita  Otbäude.  —  Margarela  Ebner  brgehri 

wÜMH,  ob  dir  Juden  an  dem  ^gemeinen  Sterben-  tehuldip  /leien,  und  en  uird 

in   iltr  Entrßckwig  gtantirortel :    „ts   wäif   iBabr-    ( ifjaiic/i,  Marg.  Kbntr 

'fiff.l.     Hin   J/Vattfishaner   bttehuldigle    läiä    in   einer   Predigt   eint   grositr 

Stratsburgur  Bürger,  'ie  Miien  Oifl  bei  sich  und  gebraucMiu  i^,  nm 

Wn  m   eergifien  tStritesb.  Uli  V,  :;iö)l     Wciltecs  ».  U.  HSniga;    l)tr 

■M  Tod  J8ti3,  äff.  3fiff.      L.   L-rcHsIcin,    Ge^ch.  der  J-'dm   um   llodt,- 

J87J>J. 


76  Leben  Seuaes.    Kap.  XXV.  , 

• 

airkünd,   daz  ich  war  sagen,   so  sond  ir  wüssen,   daz   er  hat   einen 
grossen  bftclisak,   der  ist  vol  dero  giftseklin  und  vil  guldinr,  die  er 
und  der  orden  von  den  Juden   hein  enpfangen,   uf  daz   daz   er   dis 
mort  volbringe."     Do  dis  red  erhörte  daz  wild  gesind  und  alle,  die 
<)ar  umb  st&nden   und   hin  zfi  waren   gedrungen,   do  tobten   si   und 
«chruwen  mit  luter  stimme:  „hin  bald  über  den  morder,  daz  er  uns 
nit  endrfinne!"     Eine  kripfte  einea  «piess,   der  ander  ein    mordax. 
und  ieder  man  als  er  niohte,   und  lüfen  mit  wilden  tobenden  siten, 
und  stiessen  du  häser  uf  und  kloscn  und  wa  su  in  wanden  vinden, 
und  stachen  mit  blossen  swerten   dur  du  bet  und  stro,  daz  der  jar- 
markt  alle  zfl  ward  lofende.     Es  kamen  och  dar  fr5md  erber  lüte, 
•die  in  wol  erkanden,  und  do  si  in  horten  nemmen,  do  traten  sfi  her 
für   und    sprachen   zfl   in,    sü  tetin   übel   an   ime,   er  weri   gar  ein 
frumer  man,  der  ungern  kein  s51ich  mord  begicngi.      Do  sü  in  nit 
funden,    do  liesscnt  sü  dur  von   und   fürten  den   gesellen    gevang«n  it 
für  des  dorfes  vogt,  und  der  hiess  in  besliessen  in  ein  gaden. 

Dis  zoch   sich  wol   uf  den   tag.     Von  disen  nöten  wüste  der 
<liener  nit.   denn  do  es  in  zit  duht,   daz  es  vastender   [33"^]  inbiss 
Avere,  und  sich  versah,  daz  sin  geselle  bi  dem   füre  vvol   ertruchnet   j 
were,  do  kom  er  gende  und  wolt  enbissen.     Do   er  in  die  herbeiy^i^ 
kom,  do  hüben  sü  uf  und  seiten  ime  du  leiden  mere,  wie  es  ergangen    . 
waz.     Do  lüf  er  balde  mit  erschrokem   herzen   hin   in  daz  hus,  dt 
der  gesell  und  der  vogt  inne  waz,  und  bat  für  sinen  gesellen,  dai    j 
man  in  licssi.      Do  sprach  der  vogt,  daz  möhti  nit  sin,   er  w61ti  in  j 
in  ein  turn  legen  umb  sin  missetat.     Daz  waz  im   swere  und  unli-Ä 
dig,  und  lüf  eins  hin  daz  ander  her  wider  umb  hilf,      Do  vant  er 
nieman  der  im  dez  vor  weri.     Do  er  daz  lange  mit  grosser  schäme  ; 
und   bitterkeit  getreib,    ze  jungst  do    schuf  er   mit   sinem   grosses 
schaden,  daz  man  in  Hess. 

Er  wände  do,  daz  sin  liden  ein  ende  heti,  do  vil  es  erst  ane;  J 
wan  do  er  sieh  mit  lidene  und  mit  schaden  von  den  gwaltigen  bat 

2   ouidiu  .^PKA'a         7   nit|    iit   M         kri))ftej   nam   S         8  [wilden] 

toi),  stiineii  und  sitten  S        siten)  sinnen  P        14  fniiner]  fumenier  4^  17  den 

mitten   dixff  P  IH   vast  der  i.   II          li)   truken    ^          24  moliti]  mag  M 

28  LTi'schuff  K  Bl  schndeiil  schiindrn  aS  sclianie  1* 

18  Jt'nijlc  6H8  trohl  uitrichiiij :  fast  der  Imhhs  =  hohe  Essenszeit  (SO 
'illtin  li ! I :  riehn^:hr:  fast fuder  Imlßins  =  Morgvnmahl  an  einem  (fftr  den  Orden 
rorf;eschriclntiinf  lasttatj.  In  dtn  Konstitutionen  (ALKGM  I^  198 :  V,  538) 
<find  die  Taijo  anf/cf/cltcn,  au  denen  nur  ..quadraf/esimalis  cibus*^  jytiona  dicta* 
^/enonnnen  irrrden  darftc. 


Leben  Seusc«?.    Kap.  XXV,  7T 

erbrochen,  do  ward  es  im  erst  geude  an  sin  leben.  Do  er  von  dem 
yogi  gie.  wol  uf  die  vesperzit,  do  waz  es  linder  daz  gemein  vol»; 
önd  hüben  erschullen,  er  weri  ein  gifttrager;  und  die  schrüwen  uf 
in  als  nf  einen  morder,  daz  er  mit  nütü  getorste  für  daz  dorf  komen. 
Sd  zögtan  uf  in  und  sprachen:  „lüg  menlich,  daz  ist  der  gitttrager! 
Kr  endrünnet  uns  tala,  er  müss  ertodet  werden !  In  hilfet  enkein 
Pfenning  gen  uns  als  gen  dem  vogte."  So  er  denn  wolt  eudrünnen- 
und  abwert  in  daz  dorf  entwichen,  die  schrüwen  noh  vaster  uf  in. 
Ire  ein  teil  sprachen:  „wir  süllen  in  ertrenken  in  dem  Rine,"  — 
wan  der  ran  bi  dem  dorf  ab,  —  die  andren  rfiftan:  „neina,  der 
unrein  morder  verunreint  daz  wasser  alles,  wir  süllen  in  verbrennen!" 
Ein  angehöre  gebur  mit  einem  rüssigen  Schoppen  erwuste  einen 
^iess  und  trang  dur  sü  alle  hin  für  und  rfift  also:  ^hörent  mich, 
ir  herren  alle  sament!  Wir  kunnen  disem  bösen  kezzer  nit  laster- 
liebers  todes  an  getan,  denn  daz  ich  disen  langen  spiess  enmiten 
dar  in  rihe,  als  man  tut  einer  giftigen  kroten,  die  man  spisset.  Also 
Und  mich  disen  gifttrager  also  nekent  an  disen  spiess  rihen  und 
klingen  uf  haben  und  in  disen  starken  zun  vast  stossen  und  ver- 
sichern, daz  er  nit  valle;  lassen  den  unreinen  toten  c6rpel  windtürr 
''erden,  daz  ellü  du  weit,  du  vür  in  uf  ald  ab  gat,  des  morders 
fc«b  ein  ansehen  und  ime  na  sinem  lasterlichen  tode  fluche,  daz  er 
*D  diser  weit  und  an  enr  weit  dest  feiger  [34']  sie,  wan  daz  hat 
^er  grundboswicht  wol  verschuldet."  Daz  horte  der  eilend  diener 
Diit  mengem  bitem  schreken  und  mit  erholten  süfzen;  daz  im  von 
•ögst  die  grossen  trehen  über  daz  antlüt  ab  runnen.  Ellü  du 
^engcben,  du  umb  den  ring  stünden  und  in  sahen,  wurden  biterlich 
•'einende,  und  etlichü  du  klopfeten  von  erber md  an  ir  herz  und 
flögen  ir  hend  ob  dem  hopt  zesamen.  Aber  nieman  getorst  vor 
^  fraidigen  volg  nüt  sprechen,  wou  si  vortan,  daz  man  sü  och 
*ö  griffe.  Do  es  begond  nahten  und  er  gie  hin  und  her  und  bat 
^^t  weinenden  ogen,  ob  sich  ieman  dur  got  über  in  wölt  erbarmen 


1  gebruclien  aS^  enbroclien  A'^  2  f.  volk  komen  und  [li&benj  eiöcli.  -^ 
aJa  K  daland  6'  dole  P  tala  M  talen  A^  7  als]  oder  P  denn]  denen  K 
\   A^  10   bi]   in   SM         15   enmiten]   (juent  -S'         17   »ifitterer  A    i^^ifter 

'€rf.s  *  nekent]  uebent  (!)  A^  19  toten]  bösen  SA^  korpper  P  20  ab] 
r  -P  mordes  SP  21  hab  ein]  gebain  (!)  M  flöcben  M  24  von] 
M  25  über  daz  wang  und  daz  antlüt  M  26  die  wurden  M  27  [du] 
ft,    Ä"  29   fraiden  M         nüt]    nu   S  nütz    .1/         won   sie   vortan]   von 

ten  M        31  wolte  über  in  SM 


78  Leben  Seuses.     Kap.  XX  VI. 

und  herbcrgon,  do  vertreib  man  in  herteklicli:  etlieh  gfttherzig  frowei 
Iietin  in  gern  behuset,  do  engedorstan  si. 

Do  der  eilend  lider  also  in  des  todes  noten  was,  und  ime  eil 
menscblichu  hilfe  enpfiel  und  man  nüwan  wartet,  wenn  sü  in  a 
^M'ifen  und  in  totin.  do  viel  er  nider  bi  einem  zune  von  jamer  un 
von  vorten  des  todes,  und  hub  uf  sinn  eilenden  verswuUen  o£:en  zi 
dem  himelschen  vater  und  sprach  also:  ,,owe,  vater  aller  erbermdt 
wenn  wilt  du  mir  hüte  ze  staten  komen  in  minen  grossen  noten'; 
Owe,  niiltes  herz,  wie  hast  du  diner  miltekeit  gen  mir  vergessen! 
Owe  vater,  owe  getrüwc  miltc  vater,  hilf  mir  armen  in  disen  grossen 
nöten!  Ich  enkau  doch  in  minem  vorhin  toten  herzen  nit  ze  rat 
werden,  ob  mir  lidiger  si  ze  ertrinken  ald  ze  verbrennen  ald  an 
einem  spiess  ze  erstcrl)en,  dcro  toden  ich  iez  mtiss  einen  nemen. 
Ich  bevil  dir  hüt  minen  eilenden  geist,  und  la  dich  erbarmen  mine« 
kleglichen  tod,  wan  su  sind  nahe  bi  mir,  die  mich  wen  todenl" 
Disü  jemerlichü  klag  du  koni  für  einen  priester,  und  der  lüf  dar 
mit  gewalt  und  zukte  in  uf  uss  ire  henden,  und  fürt  in  hein  in  sin 
hus  und  behielt  in  die  naht,  daz  im  nit  geschah,  und  half  im  inor- 
nent  frü  enweg  usser  sinen  noten. 


XXVI.  Kapitel. 
Von   dem   morder. 

Er  koui  einest  von  Niderland  und  gie  den  liin  uf.  Do  bat 
er  einen  jun^^en  gesellen,  der  moht  wol  gan;  und  geschah  eins  tages- 
daz  er  dem  gesellen  nit  wol  mohte  gevolgen,  wan  er  waz  do  vU 
müd  und  krank  worden.  Der  gesell  vergie  sich  vor  an  hin  vor  im 
wol  uf  ein  halb  mile.  Er  lögte  hinder  sich,  ob  er  ieman  sehe,  Dii< 
dem  er  gienge  dur  den  wald,  an  den  er  vil  nach  [34^^]  komen  wa«. 
und  was  spate  an  dem  tage.  Der  wald  waz  gross  und  sorklicb« 
wan  vil  menschen  dar  inne  ermordet  wurden.  Er  stund  stille  voi 
dem  wald  und  beitet  iemans.    Do  kamen  dort  her  an  zwei  menschen 


2  jy:ehiiset  ^STM        12  tTtrcnkoii  Ä'        verlninnet  M         13  [ze]  erst.  M 
19   usserj    von    M  24    freselleiij    selben    P  28    und    was   fehU  SPM 

29  mensclienj  Int  ^f        :K)  nnd  do  k.  M 

15  l'(jl  Ps.  ^>1,1^.  21  fr.     JJicJtes  Kap.  kat  eine  frappante  ParaM 

itn  einem  Abenteuer  im  Lehen  der  gleiclieeitigen  Mystikerin  Luitgard  von  WH 
ticken :  r(/I.  Mnne^  Quellenatammlnng  zur  badischen  Landesgeschichie  HL  463) 


Leben  Seiiscs.     Kap.  XX VT.  79 

ind  (lii  gieiigen  ^ar  roschlich ;  dcro  was  eins  ein  jungii  subrii  frowe. 
'iaz  amler  waz  ein  vil  i,^rülicher  langer  man  mit  einem  spiesse  und 
•"ineni  laniren  messer ,  und  liate  einen  swar/en  sehopcn  ane.  Er 
'Technik  ab  dez  vortlicben  mannes  ungestalt  und  Iftj^ete  umb  sich,  ob 

•i'Yiemnn  sebe  her  na  gan.  Do  sali  er  nieman.  Ergedahte:  „owe, 
'ler  ^0^  waz  lütes  ist  dis!  Wie  sol  icli  tala  dur  disen  langen  wald 
koiiiHi,  ald  wie  sol  es  mir  hut  erganV"  Und  maebet  ein  krüz  über 
"In  herz  und  waget  es. 

Po  sü  in  den  wald    kamen  vast  hin  in,    do  trat  du    frow   hin 

"iiTzii  ime  und  fraget  in,  wer  er  weri  ald  wie  er  liiessi.  Er  seits. 
"^i^iprach:  „lieber  berr,  ich  erkenn  ücb  wol  von  <lez  namen  wegen. 
Icli  bit  ucb.  daz  ir  mir  bibt  horent."  Si  hüb  an  und  bibtet  und 
sprach  also:  „owe,  tugenthafter  berr,  do  klag  ich  ü,  daz  mir  als 
:ar  übel  ist  geschehen.     Sehet  ir  den  man,    der  uns  na    getV     Der 

►  i>t  ein  rehter  morder,  und  mordet  die  lüt  hie  in  disem  walde  und 
andfrswa,  und  ninit  in  denn  ir  gelt  und  gewand,  und  schonet  nie- 
:i'aiis  iit*  «Mtrich.  Der  hat  mich  betrogen  und  usgefiiret  von  minen 
•^rlhiTii  tVünd'^n.  und  mtiss  sin  wip  sin."  Er  erschrak  ab  diser 
rt^ilr.  daz  ime  na  geswunden  waz,  und  Iftgte  umb  sich  vil  jemerlieb. 

''bir  ienian  .'^ehi  ald  horti.  ald  ob  er  in  keinen  weg  möbti  end- 
niimn.  Do  ensah  nob  enbort  er  nieman  in  dem  vinstern  walde, 
'i^iiii  (kn  morder  im  na  gende.  Do  gedaht  er:  ,.i1uhst  du  nu  also 
■iiinle.  so  hat  er  dich  bald  erlofcn  und  tödet  dich;  schrigst  du  denn, 
fc  höret  niemnn  in  diser  wiisti,  und  bist  aber  tod."      Und   sah  uf 

* ^il  ellcndeklich  und  sprach:  „ach  got,  wie  sol  es  mir  hut  ergan  V 
"we  tod.  owe  tod,  wie  bist  du  mir  so  iiahel^  Do  du  frow  gebilitet. 
'If^  ick  sl  hinder  sich  zu  dem  morder  un^l  bat  in  heinlieh  und  sprach: 
-^^51.  lieber  geselle,  ga  hin  und  bilit  ochl  Sü  sind  da  lieime  in 
-iiteiii  globen  gen  ime:  wer  im  gebihtel,  wie  sündig  er  ist.  daz  den 

'?'^tniemer  well  gelassen.  Dar  uml)  tu  (\s,  ob  dir  got  Job  von  sinen 
'^^'^en  an  dinem  junirsten  süfzen  zc  heU'  ki>m."  Do  sü  also  runeten 
^it  enander.  do  erschrak  er  voll  und  gedahte:  ^du  bist  verraten!" 
^r  morder  sweig  [35']  und  gie  hin  für.      Do   der   arm   man    sah. 

'Iaz  der  morder  mit  dem  spiess  gen  im  trat,  do  erzitrot  und  erschrak 

^flii  sin  natur  abe  und  gedaht:  „eya,  nu  bist  verlorn I"   wan  ov  en- 

*ast  nit   waz   sü    hatent   geredet.      Xu    waz   es    da    also   g(\^rhal'en. 


10  seit  AJ'A^  Si'it  irs  S'  sagt  er  ir.  wir  er  liicsz  a/.s '  1*J  inir|  min    /' 

II.  ir  fi-ewaiit  P        20  im  kciiion  w.  AK    in  keines  weir»*^    '''        *-^<>  '»w<»  t<»i| 
-  eiftmal  M        iU  dinen  M        Ho  •^h  im  -^         ))ist  du  S        :i(>  also  dr»   .1/ 


80  Leben  Seuses.    Kap.  XXVI. 

daz  der  Riu  nebend  an  dem  wald  ab  rau.  und  gie  der  äuiale  \vt- 
uf  dem  porte  und  schikte  es  der  morder  also,  daz  der  brftder  niösi 
gan  wassershalb  und  er  gie  waldcsbalb.  Do  er  also  gie  mit  zitrei 
dem  herzen,  do  hüb  der  morder  an  ze  bihten  und  verjah  im  ak 
die  totschlege  und  du  mord,  du  er  ie  begangen  hate.  Sunderüc 
seit  er  ime  ein  grüliehes  mord,  dar  ab  sin  herz  erstarb,  und  sprac 
also:  „ich  kom  einest  her  in  diseu  wald  dur  mordens  willen^  a 
ich  och  nu  hau  getan.  Do  kom  mir  zu  ein  erbere  priester,  dei 
bichtet  ich.  Der  gieng  nebent  mir  hie,  als  ir  iez  tünd,  und  do  d 
biht  US  kom,"  sprach  er,  „do  zoh  ich  diss  messer  us.  daz  ich  l 
mir  trag,  und  stach  es  dur  in  und  stiess  in  von  mir  über  daz  por 
ab  in  den  Rin." 

Ab  diser  rede  und  geberden  des  morders  erbleichet  und  erto- 
det  er  als  gar,  daz  im  der  kalte  totsweis  über  daz  antlüt  und  dur 
den  büsen  ab  ran,  und  erzagte  und  erstumbet,  daz  im  alle  sin  siooe 
entgiengen,  und  blikte  ie  neben  sich,  wenn  er  daz  selb  messer  in 
in  stechi  und  in  och  hin  ab  stiessi.  Da  er  von  angsten  iez  da 
nider  wolt  sin  gevallen  und  nüt  me  mohte,  do  lüget  er  vil  jemer- 
lich  hinder  sich  als  ein  mensch,  der  gern  dem  tod  weri  endruneo. 
Und  sin  jemerlich  antlüt  daz  ersah  daz  fröwli,  und  loft  hin  zft  und 
kripft  in  also  nidersigenden  under  ir  arme  und  hüb  in  vast  und 
sprach:  „göte  herr,  lurtent  üch  uit,  er  tötdet  üeh  nit!"  Der  morder 
sprach:  „mir  ist  vil  gutes  von  üch  geseit;  des  sond  ir  hüte  ge- 
niessen,  daz  ich  ü  wil  lassen  leben.  Bitent  got,  daz  er  mir  armen 
morder  an  miner  jüngsten  hinvart  dur  üch  ze  staten  kerne/ 

Under  dez  waren  sü  uss  dem  wald  komen.  Sin  geselle  sas» 
dort  vor  dem  walde  under  einem  bome  und  beitet  sin.  Der  morder 
und  sin  gespile  giengen  für.  Er  kroch  zu  sinem  gesellen  und  viel 
da  nider  uf  die  erde,  und  zitret  sin  herz  und  alle  sin  lip,  als  so 
eins  der  rite  schütet,  und  lag  also  stille  neiswi  lang.  Do  er  wider- 
kom,  do  stund  er  uf  und  volgie  den  weg.  und  bat  got  mit  ernst* 
und  mit  einem  [So""]  inneklichen  süfzen  über  den  morder,  daz  it 
got  liessi  geniessen  sins  guten  globen,  den  er  zfl  im  gewan,  mc 
daz  er  in  an   sinem  jüngsten    süfzen   nit   liessi    verdamnet   werden 


5  w  fehlt  M        ()  erstarb]  ersclirak  1*        11  von  mii  fehU  1*        13  gt* 

bärd  M  20  sin]  daz  M        [daz]  ersah  M       21  kripft]  begreif  S       22  en- 

ffthrtent  üch  nit,  er  eutiit  uch  nit  noch  tötet  üch   nit   M       28  vil  gfitx  v^ 

mir  M  29  und  a.  8.  lip  fehlt  M        alle  fthlt  E                31  folget»  8 


Leben  Seiises.    Kap.  XXVII.  81 

Dez  ward  im  ein  sölicher  gegenwiirf  von  got,  dar  an   or  enkeiucn 

zwivel  wolle  han,   daz  er  s61te  der   behaltnen  eine  wesen  und  von 
?ot  niemer  gescheiden  hier  umbe. 


XXVII.   Kapitel. 
1  Vou  wassernot. 

Er  waz  ainest  gen  Strasburg  gevarn  nah  siner  gewonheit. 
Do  er  wider  hain  wolte,  do  viel  er  in  einen  ungehüren  giessen  des 
Rines  and  daz  nüw  büchli  mit  im,  dem  der  bos  vient  vil  gever 
waz.  Do  er  in  des  todes  not  vast  abwert  ran  unbehulfenlich,  do 
'%e  der  getrüw  got,  daz  uf  die  selben  stunde  von  geschiht  ein 
JQDge  nüwe  ritter  von  Prüscen  dar  kam;  der  wagte  sieh  hin  in  zu 
im  in  daz  trüb  sturmig  wasser,  und  half  im  us  von  dem  jemerliehen 
tode  und  och  sinem  gesellen. 

Eins  males  für  et  us  in  einer  gehorsami,  do  es  kalt  waz.  L'nd 
io  er  also  spislos  allen  den  tag  unzin t  spate  in  dem  kalten  winde 
und  frostigen  weter  hate  gevani  uf  einem  wagen,  do  kamen  sü 
neiswa  zu  einem  trüben  wasser,  daz  waz  tief  und  schnei,  als  es 
von  dem  regenweter  waz  worden.  Der  kneht,  der  in  fftrte,  übersah 
|ich  neiswi,  daz  er  ze  nahe  uf  daz  port  kom,  und  warf  umbe.  Der 
"rüder  schoss  ab  dem  wagen  und  viel  in  daz  wasser,  daz  er  dar 
inne  an  dem  ruggen  gelag.  Der  wagen  viel  hin  na  und  viel  eben 
nf  in.  daz  er  sich  in  dem  wasser  noh  hin  noh  her  niohte  gekeren 
Doh  kein  hilf  von  im  selber  hau,  und  ran  also  man  und  wagen 
Qeiswi  verr  abwert  gen  einr  muH  sines  Undankes.  Des  lüf  der  kneht 
^  dar  und  ander  lüte,  und  Sprüngen  hin  in  in  den  wag  und  kripftan 
iB  und  hetin  ime  gern  her  us  gehulfen ;  do  lag  der  swer  wagen  uf 

• 

inj  nnd  trukt  in  hin  under.  Do  sü  mit  grossen  erbeiten  den  wagen 
*l>  ime  brahten,  do  zugen  si  in  her  us  also  triefenden  an  (hiz  hind. 
Ind  do  er  her  us  kom,    do    crefror   daz  irewand    l)ald   an    ime   von 


2  er   hie   uinb   M        3   hier   umbe  fthli    MA^        ♦>    Er  1:J   nesollen 

M/  M        9  abwert  vast  P         11  ritter  usz  Strasburg-  von    prassen  K        hin 

N  m        15  UDtz  Ö'KM        17  tief]  trübe  P        18  der  i'il)tT.s.  J/        li)  neiswa  -S' 

^i  iiin]  iiii  M        eben]  obnan  M        22  weder  bin  S  [uohj  hin  .1/        23  wagen 

Iman  *S'        25  in  [in]  SM       wagen  (!)  P       kri])ftaul  erwustent  X  boirripfton  M 

8   Sehr    wahrscheinlich    ist    das    iö'<iAs    v(f/lcndetc    Bdac   jicmeini    ((jtyen 
'rtfßtr  II,  317),  11  Ein  Ritter  des  Deufschordens,  der  in  S'irasfihvrr/  eine 

iederlassung  bestiss, 

H.  Seat«,  Deottchtt  Sehriften.  G 


32  Leben  Seiist's.     Kap.  \.\v  j...^. 

grosser  keltin.  Er  ward  zitreude  von  Irost,  daz  im  die  zene  in  ein- 
ander klaperten,  und  gestund  also  janirige  still  ein  wili  und  sah  u1 
ze  gote  und  sprach  also:  „wafen  got,  wie  sol  ich  tfln  ald  waz  so 
ich  an  vahenV  Ez  ist  spate  gen  der  naht^  so  ist  einkein  stat  not 
dorf  hie  umbe,  da  icli  mich  erwarmen  mug  ald  mich  mug  generen 
Mftss  ich  nu  hie  also  sterben?  Daz  ist  ein  kleglicher  tod!"  E 
[36'']  kerte  sich  hin  und  her,  do  sah  er  dort  verr  an  einem  her- 
ein vil  kleines  vvilerli,  und  da  kroch  er  hin  also  nasse  und  frostig« 
und  do  waz  och  du  naht  hie.  Er  gie  umb  und  umb  and  bat  he 
berg  dur  got.  Des  ward  er  von  den  hüsern  vertriben,  daz  sie 
nienian  wolte  iiber  sü  erbarmen.  Do  <  begond  im  der  frost  uk 
erbeit  umb  daz  herz  gan,  daz  er  sins  lebens>  begond  fürten.  S 
sprach  mit  einem  luten  rftf  zu  got:  „herr,  herr,  du  möhtist  mich 
mer  han  lan  ertrunken,  so  weri  ich  dur  von  komen,  lieber  dei 
daz  ich  nu  von  frost  hie  an  diser  strass  mfiss  sterben.**  Die  kl^ 
liehe  rede  erhörte  ein  gebur,  der  in  vor  hate  vertriben,  und  erba 
met  sich  über  in  und  nam  in  under  sin  arme  und  ffirte  in  hii 
wider  in  in  sin  hus,  und  also  vertreib  er  och  die  naht  mit  erbet- 
i^elikeit. 


XXVIII.  Kapitel. 
Ton  einem  rüwlin,  daz  im  got  eiuest  Hess  werden. 

Got  der  hat  in  des  gewennet:  wenn  im  ein  liden  ab  gie. 
waz  geswind  ein  anders  da  bereit.  Hie  mite  spilt  got  mit  i 
ane  underlass,  denne  einest  do  Hess  er  in  müssig  gan;  es  wei 
aber  nit  lange. 

Er  kom  in   dem  selben   müssigen  zite  zu  einem  frowenkl 
gende,  und  sinü  geischlichü  kind  frageten  in,  wie  ez  umb  in  sti' 
Do  sprach  er:  „ich  fürte,  daz  es  iez  übel  umb  mich  stände,  u 
da  von:   ich  bin   iez  wol  vier  wochen  gewesen,   daz   ich  wed 
lip  noh  an  eren  von  nieman  bin  angereunet  wider  min  alten  f 

1  V.  grossem  frost  M        2  stund  SP        4  so  eiiist  SP        4  f.  a 
noch   kain    d.  M        5  mich    [mu^]    M        crnereii   SPM         6  sterben 
0  [und]   do   M        9  f.   der  herherg   M        11  8Ü]  in  S        11  f.  Do  b 
fürten  M  Do  [begond  —  lebens]  begond  er  im  fürten  ASPKA^afUS^ 
mär  K  als  mer  S        15  ich  fnn]  M        hie  fehlt  SP        von  frost  nac 
16  die  erhört  M        17  hin  fehlt  K        18  [in]  in  M        21  ruglin   d 
23  da  fehlt  PS        24  dennoht  M        26  den  s.  ni.  ziten  P 


Leben  Seuscs.     Kap.  XX VIII.  83 

ieit  und  fürte  leider,  daz  min  got  hab  vergessen."    Do  er  also  ein 
^vl  kleines  vvlli   bi  in   gesass  an   dem  venster,   do  kom   ein   brüdcr 
'ie8  Ordens  und  rfifte  ini  hin  us  und  sprach  also:  „ich  vvaz  nu  kürz- 
lich uf  einer   bürg,    und    der   herr  fraget  ü   na,    wa  ir  werint,    vil 
hcrteklich.     Er  hüb  och  uf  sin  haut  und  swür  dez  vor  menlich,  wa 
♦^r  fich  funde,  da  wölt  er  ein  «wert  dur  üch  stechen.     Däz  selb  hein 
iretan  ire   etlich   freidig  harscher,   sin   nehsten   fründe,   die   üch   ze 
etlichen  klöstern  hier  urabe  hein  gesüchet,  daz  sü  iren  bösen  willen 
an  üch  volbringen.     Dar  umb   sind   gewarnet  und   hütent  üch,   nls 
lieb  üch  üwer  leben  sie!"     Ab  diser  red  erschrak  er  und  sprach  zu 
dem  brüder:  „ich  wüsti  gern,  wa  mit  ich  den  tod  verschuldet  heti." 
Do  sprach  er:    „dem  herren   ist  geseit.  ir  habent  im  sin  tohter  als 
•>ch  vil  ander  menschen  verkeret  in   ein    sunder  leben,    daz   heisset 
der  geist,   und  die  in  der  selben  wise  sind,  die  heisscnt  die  geister 
.5  und  die  geisterin,  und  ist  ime  für  geleit,  daz  daz  sie  daz  verkertest 
vol^.  dar  uf  ertrich  lebt.      Und  noh   [36^ J  rae:   ein   ander  freidiger 
man.  der  waz  da  und  der  sprnch  von  üch  also:    „er  hat  mir  einen 
rob  genomen  an  einer  lieben  frowen :   si  zühet   nu  die   stuchen   für 
Dnd  wil   mich  nit   me  an   sehen,    si  wil   nüwan   inwert  sehen;    daz 
äümüiis  er  gearnen!"    Do  er  disü  mere  gehorte,  do  sprach  er:  „gelopt 
^'iejrot!'*    und   ilte   bald  hin  wider   an    daz   venster   und    sprach    ztt 
feinen  tuhtrau:    „eya,  minü  kint,    gehabend   üch    wol!      Got   hat   au 
i*>ich  jcedaht  und  hat  min  noh  nit  vergessen,'^  und  seite  in  du  herten 
nif^re.  wie  man  im  umb  wolgetan  i'ibel  wölti  Ionen. 

2  vil  fehlt  M  5  och  fehlt  P  \)  siiit  ir  ^.  M  14  d<;r  ^^oist  - 
^m^'WX  fehlt  ASP  geister]  geist  P  18  stacheu]  stürtzr  /*  den  schlogcr  M 
^^  im  nit  me  S  20  eramen  M  20  ff.  sprach  er  o:en  sinon  tohtran:  „eya, 
nünü  kint.  j^ebabent  (ich  wol,  golopt  sie  g-ot  !**  und  ilt<;  bald  zu  in  an  daz  v.  und 
"prwli:  .,^or  bat  etc.^*  M  21  widrr  hin  in  iV  -Ji  nie  —  lonon  fehlt  P 
Mihi'  S 

2  In   den    Kraue nklötftetTi    mit   strenr/er   Khiusur   durfte    und   darf  der 

^trkdir  mit  der  Aussenwdt  nur  durch  ein  Sjtrachgilter  (rtdevcnster)  (jeschehen. 

Uff.   I)ie  »Stelle  Seigt,  dass  man  die  Gotteftfreunde  öfters  mit  den  ßer/harden 

'"'d  Brinkrn  (Schioestern)   des   ^J'reien  Geisten'^   zusammenwarf,    wehhe  in  der 

^Htn  Hälfte    des    14.  Jh.    besonders    am    Oherrhcin    anftrattn    und    von    der 

^'^<imUion   mederhoU   verfolgt   wurden    doIO  zu  Mainz,    loli    zu  >itrasshurg, 

^^WJT.  zu   Köln;    13S9    drei   liegharden    zu   Konstanz    hingerichtet ^    Hegesta 

^isci}porum  Constaniiensium  II  [1904]  n.  4:>(i7>.     Auch  Luitgard  ron  Witticheu 

fwde  Betrügerin  und  Ketzerin  gescholten  (Monc  a.  a.  ().  III.  443 f,  und  Tauler 

*ö^,  d(w«  die  Gottesfreunde   von   ihren   Gegnern   die    .,neuen  Geister'   genannt 

^''^  ^it  dem  Schimpf wot't  ..Begharden"  hcdacht  wurden  ( liöhringrr.  I)ie  deutsche 

-Vbk  f|fi55j  ogß  jnit  Quelletihelegen  S'.w,  8i^4). 


84  Leben  Soiisef«.     Kap.  XXIX. 

XXIX.  Kapitel. 
Ton  einer  minneklichen  rechnnng,  die  er  einest  mit  got  hate  ^^» 

In  den  seihon  lidenden   ziten  und  in  den  selben  steten,   da  e"    :— r 
do  wonte,   so   der  diener   underwilent  in   daz  siechhiis  gie,   daz  e    rr^r 
sinem  kranken  libe  eins  gemechlis  gestateti,  und  so  er  ob  tisch  sas  -^=!s 
swigende  nah  siner  gewonheit,   so  ward  er  geübet  mit  spotred   uii»-     d 
mit  unverwnsnen  worten,  daz  ime  an  der  ersti  vil  we  beschah ;  nn        rj 
erbarmet  sich  selb  als  übel,  daz  im  dik  die  heissen  trehen  du  \vange=^=!?n 
ab  waletan,    und  dnz  ime  die    trehen   mit   der    spise  und   mit   de^^K» 
tränke  in  den  mund  trungen.      Er  sfih    also   swigende   uf  zu   go     -^e  i 
und  sprach  mit  inneklichem   sufzen :   „acli  got.  gnüget   dich  nit  nr^it 
miner  erbetselikeit,   die  ich  tag  und  naht  lide,   mir   müss   och   n^  in 
spisli  ob  tisch  mit  grosser  widerwertikeit  vermischet  werden?"    TJ^is 
geschah  im  dik  und  vil. 

Eins  males,   do  er  ab  tisch  gie,   do  raoht  er  sich  nit  me  exjf-xj:^ 
halten,  er  gie  an  sin  heimlichi  und  sprach  zft  got  also:  „eya,  lieber 
got  und   ein   herr   aller  der  weit,    bis  milt  und  tugenthaft  gen  mir 
armen  menschen,   wan  ich    muss  hüt  ain    rechnung   mit  dir  habeo» 
des  mag   ich  nit   enbern.      Und   wie   daz   sie,   daz   du   nieman  uut 
schuldig  noch  gebunden  siest  von  diner  grossen   herheit,    so  gezirot 
doch  wol  diner  unmessigen  güti,  daz  dn  ein  volles  herz  lassest  sich 
mit  dir  erkülen  von  dinen  gnaden,  daz  nieman  andern  hat,  dem  es 
klage  ald  der  es  tröste.     Herr,  ich  zugen-daz  an  dich,  wan  du  ellü 
ding  weist,  daz  mir  daz  hat  gevolget  von  miner  müter  libe,  daz  ich 
en    miltes   herz  han   gehabt  alle  min    tag.      Ich    gesah    nie   keinen 
menschen  in  leid  noch   in  betrübde,  ich  heti  ein  herzklichs  mitliden 
mit  ime,  und  ennioht  nie  gern   hören  weder   hinder  den  menscbeo 
noh  [37']  vor  in  reden,   daz  ieman   besweren   mohti.      Dez  müssen 
mit  mir  alle  min  gesellen  jehen,    daz  es  von  mir   selten  ie  gehftret 
ward,  daz  ich  ie  keins   bröders  oder   keins   andern   menschen  ding 
bösreti  mit  minen  worten,  weder  gen  den  prelaten  noh  ane  daz,  denn 

5  «gemaches  M        ob  doni  tisch  ]\f        0  mit  dem  fehlt  M        11  brnügt3» 
nit  [mit]  FM        13  «pine  PA'         ob  tisch  fehlt  A^        17  bis]  wie  M       20  JT^' 
bumlen  noch  sohuldiir  S         noch  i!:ch.  fMi  M        23  ztigcn  [daz]  JSC       261ei."» 
liebe  iS'        27  f.  dem  m.  noch  vor  im  AI        2J»  mit  fehlt  S        29  f.  seltnen  n»-^^ 
daz  ich  .1/         80  dinir  fMt  A' 

4  siechlius,  besondere  Ableilunq  des  Klosters  für  die  kranken  Brüdtf^  - 


Leben  Seuses.     Kap.  XXIX.  85 

ler  menseben  ding  bessren,  als  verr  ich  mohte.  So  ich  daz  nit 
öht  getün,  so  sweig  ich  ald  ich  floh  dur  von^  daz  ich  es  nit  horti. 
i  menschen,  du  gelezzet  waren  an  ir  eren,  den  was  ich  von  er- 
rmde  dest  heimlicher,  uf  daz  daz  sii  dest  baz  wider  ze  ir  eren 
nin.  Dero  armen  getrüwe  vater  hiess  ich,  aller  gotesfründen 
der  fründ  waz  ich;  ellü  du  menschen,  du  trurig  ald  beswerd  ie 
mir  kamen,  du  fanden  iemer  etwas  rates,  da  sü  frölich  und  wol 
rostet  von  mir  schieden,  wan  mit  den  weinenden  weinet  ich,  mit 
trurenden  truret  ich,  unz  daz  ich  si  mfiterlich  widerbrahte.  Mir 
?t  nie  kein  mensch  so  gross  herzleid,  so  er  mich  nüwan  dur  na 
lieh  an  lachete,  so  waz  es  alles  da  hin  in  gotes  namen,  als  ob 
nie  weri  beschehen.  Herr,  ich  wil  geswigen  der  menscheit, 
noh  nie:  aller  tierlin  und  vögelin  und  gotes  creatürlin  mangel 
I  truren.  so  ich  daz  sah  ald  bort,  so  gie  es  mir  an  min  herz, 
I  so  ich  in  nit  moht  gehelfen,  so  ersüfzet  ich  und  bat  den  obresten 
ten  herren,  daz  er  in  hulfi.  Alles  daz  in  ertrich  lebt,  daz  vand 
id  und  miltekeit  an  mir.  Ach  und  du.  milter  herr,  gestatest 
eben,  von  den  der  lieb  Paulus  sait  und  sü  uamd  sin  valschen 
ider,  ach  herr,  daz  klag  ich,  daz  sü  in  so  grosser  grinimkeit  sich 
1  mir  bewisent.   als  du,    herr.    wol   weist   und  es  offenbar  gnftg 

Ach,  milter  herr,  da/  sieh  an  und  ergezz  mich  sin  mit  dir 
benl^ 

Do  er  ein  gut  wili  sin  herz  also  mit  got  erkölte.  do  kom  er 
iswi  in  ein  stilles  rüwli  und  luht  im  in  von  got  also:  „din  kint- 
hü  rehnung.  die  du  hast  gen  mir  getan,  kunt  da  von,  daz  du  nit 
e  zit  eben  war  nimst  dez  geliten  Cristus  worten  und  wisen.  Du 
It  wüssen,  daz  got  nit  von  dir  gnüget  eins  gütigen  herzen,  daz  du 
iSt.  er  wil  noh  me  von  dir,  er  wil  daz  och:  wenn  du  von  ieman 
irst  mit  Worten  ald  wisen  berlich  gehandelt,  daz  du  daz  nit  jillein 
iiulteklich  lidest,  du  müst  dir  selb  als  gar  under  gan,  daz  du  nit 
fangest  schlafen,  e  daz  du  hin  zfi  dinen  widersachen  körnest  und 
^  du,  als  verr  es  denn  müglich  ist,  ire  wütiges  herz  machest 
'^^g mit  dinen  süssen,  demütigen  [37']  worten  und  geberden;  wan 
'i^t  §6licher  senftmütigen  demut   benimesi   du  in   swmt    und    messer 

1  daz  n.  m.  —  2  daz  i<'h  fchU  K  (>  beswor  r  7  «laj  ilaz '  .Sa 
•^^migen  SPA'  10  f.  gutlicli  dar  iiacli  .1/  HJ  iniltcn  fvlili  s  18  von  — 
^^wb/e/ilf  M        namd]    maiitf   A'    inciiMlc    r         IS)  |(laz|    nit    S  \\\   hin 

;«^'/(  .v.v 

^^-  ^V.  Köm.  J:.Klö.  IS   II  Km-.   IL. 6.   dal.   -J.-i. 


86  Leben  Souses.    Kap.  XXIX. 

and   machest  sü   unmehtig  in  ir   schalkheit.     Sih,   dis   ist   der  all 
volkoraen  weg,  den  der  lieb  Cristus  lert  sin  junger,   do  er  spra( 
„Itt^ent,  ich  send  ü  als  du  sclieflü  under  die  wolfe."    Do  der  dien« 
zfi  im  selb  kom,  do  duht  in  dise  volkomen  rat  ze  mülich,  und  wj 
ime  swer,   dur  na  ze   betrahten,    und   noh  vil   swerer  ze  ervolgei 
Und  doh  gab  er  sich  dar  in  und  begond  es  lernen. 

Es  geschah  einest  dur  na,  do  hate  ein  leybröder.  der  waz  ä-  -jd 
suter,  vil  übermütklich  mit  im  geredet  und  berlich   missboten.     KDo 
sweig  er  vil   gedulteklich   und  wolte   es  da   mit   gnug   han   laaa<«ii 
gesin.     Do  ward  er  von  innen  vermant,  er  müsti  noh  baz  tun.    1h  i 
ze  abent  wart  und  der  selb  brüder  in  dem  siechhus  ass,  do  gie  der 
diener   für   daz    siechhus   stan    warten,    wenn    der    convers   her    m 
giengi.     Und  neiswen,  do  er  her  us  koni,  do  viel  der  diener  für  in 
und  sprach  mit  demütigem  tiehene:  7,eya,  lieber  togenthaftiger  vater.    ^ 
erent  got  an  mir  armen,   und  hab   ich  i'i  betrübet,   so  vergend  min 
luterlich  dur  got!"     Der  brüder  gestund  still  und  sah  uf  DÜt  wunder 
und  sprach  mit  einer  hüwlender   stimme:   „wafen!   wes   begand  ir 
Wunders?   Ir  getatent   mir   doch  nie   kein    leid,    als  wenig  als  den 
andren;  ich  han  üch  berlich  betrübt  mit  minen  schalkhaften  woriai. 
ir  sond  mirs  vergeben,  daz  bit  ich."     Und  alsus  ward  sin  herz  ge- 
stillet und  kom  ze  fride. 

Ze  aineni  male  do  er  ob  tisch  sass  in  dem  gasthus,  do  miese* 
böte  im  es  ein  brüder  mit  schalklicher  rede.     Do  kert  er  sich  gen 
ime  vil  gütlich  und  lachet  in  ane,  als  ob  er  im  etwas  sunders  klciae- 
des  heti  geben.     Des  wart  der  brüder  in  sich  selb  geschlagen,  du 
er  gesweig  und  sin  antlüt  och  gütlich  her  wider  gen  im  kerte.  Di^ 
seit  der  brüder  nah  inbiss  in  der  stat  und  sprach:  „ich  bin  hätsl^ 
berlich  ob  tisch  geschendet,  als  ich  ie  ward:  do  ich  es  dem  dicie^ 
ob  tisch  berlich  missbot,  do  neigte  er  sin  antlüt  vil  süsseklich  g0^ 
mir,  daz  ich  schamrot  ward;  und  daz  bild  sol  mir  iemer  gut  sin' 


4  volk.J  noch  koiueii  P  i*^ar  ze  m.  J/  5  dur  na  —  swerer /eÄÄ^ 
6  lernen]  liden  M  9  lian  nachyetrof/en  A,  fehlt  SKM  10  sin  SP  innem  ^ 
13  komj  ifien^r  s  14  tugrenthafter  SFMA'  15  mirs]  loir  KM  16  Ktuiit  t 
der  g^est.  M  17  hinvcUendcr  S  18  wundrr  S  den]  die  S  20  mir  M 
es  mir  A^  ver^-.  durch  got  >>  dez  3/  ich  uch  SP  23  aber  ain  ai* 
brüder  M  24  f.  iiin  sunder  khünet  h.  gejofeben.  Do  wart  M  26  der  brftikrl  i 
er  M        27  f.  oh  tisch  als  berlich  M 

'i\  Luk.  lOj.j.  12  converse,  coiwersus  =  Laienbruder, 


Loben  Seuses.     Kap.  XXX.  87 

XXX.  Kapitel. 
Wie  er  von  lidenne  eins  iiiales  l^ain  uf  deu  tod. 

r 

Es  geschah  ze  einer  zit,  daz  im  in  neiswi  nieuger  naht,  s^o  er 
erst  Q88  dem  schlaffe  uf  schrak^  —  do  vie  neiswaz  in  im  ze  au 
5  Fahene  den  salmen  von  unsers  herren  marter:  Deus,  Deus  mens, 
respice  in  me;  [38'J  den  salmen  sprach  der  eilend  Cristus,  do  er 
an  dem  galgen  des  cruzes  in  sinen  n6ten  von  dem  hinielschen  vater 
und  von  menlieh  gelassen  waz.  Ab  disem  emzigen  insprechene,  so 
er  erst  erwachete,  erschrak  er  übel  und  vort  ime.     Er   ruft  zu    im 

lo  an  daz  krüz  mit  bitterlichen  trehen  und  sprach  also:  „owe,  min  herr 
und  min  got,  sol  und  mfiss  ich  aber  ein  niiwes  krüzgen  mit  dir 
erliden,  so  ere  dinen  reinen  unschuldigen  tod  an  mir  armen^  und 
bis  mit  mir  und  hilf  mir  alles  min  liden  überwinden I"  Do  daz  krüz 
kam.  als  im  vor  waz  gesin,    do  begonden  im  ungehürü   liden,    von 

15  den  hie  nit  ze  sagen  ist,  vil  vast  wahsen  und  von  tag  ze  tag  meren 
und  worden  ze  jungst  als  gross,  daz  sü  ersuchten  den  kranken  mnn 
doch  als  gnote,  daz  sü  in  brahten  uf  den  jüngsten  ])uncten  sins 
lebeos.  Wan  do  er  eins  abendes  ussrent  des  conventes  was  nider 
an  gin  bet  gegangen  ruwen,  do  hindergie  in  ein  kraftlosi.  daz  in 
2i)dnhte,  daz  im  von  amaht  wolti  gebresten  und  daz  er  iez  miisti  aller 
ding  vergan.  Er  gelag  also  stille,  daz  sich  kein  ader  an  sineni  lip 
rftrte.  Do  dis  innen  ward  ein  gctrüwer  gutherziger  mensche,  der 
sin  do  pflag,  den  er  ztt  got  hate  gezogen  und  in  vil  sur  erarnet 
l^Äte,  do  lüf  er  dar  mit  leid  und  bitterkeit  und  greif  im  uf  sin  herz. 
Ädazer  markti,  ob  kein  leben  noh  da  were.  Do  waz  es  gelegen, 
^t  68  sich  als  wenig  rürte  als  in  einem  toten  meiisclion.  Des  sank 
^f  nider  von  grossem  leide  und  hüb  an  mit  iiidergiessendeu  trehen 
'^nd  jemerlicher  klag  und  sprach  also:  „owe,  got,  des  edlen  herzen, 
^az  dich,  minneklicher  got,   so  minneklich  mengen  tag   hat  in    inie 

■  *^ fragen,  daz  dich  so  lustlich  mengem  wiselosem  menschen  trcstlieh 
kat  usgesprochen  mit  worten  und  scrift  in  allen  landen,  wie  ist  daz 

3  daz   man    im   K        uciswi  fehlt  S        4  f.  ze  aiiiVchten(h'  *S'        7  dem 

hi;ii.J  Kinem   S         vater  fehlt    K         9   so    crsclirak    M  11    alxri    iciiur   -s 

12  rfinen  fehlt  S        16  wahsen  |undj  K         IS  uzwcMulig  S  \\>^('r  M         1!^  Imi- 

lin  J'        20  amaht I  unmaht  P  andahtc  (!)  A'        22  tt".  wiiideu  du  gt-tniueii  i^ür- 

//erzitren  meiischeu,  du  sin  do  ptiagen,  du  . .  si  ....  (24)  dl«'  lül'en  dar  ....  gritY»  ii 

....  (25)  ni  markden (26)  suuken  si  n '27i  und  ir  ainü  |liül>|  au  .1/ 

5  Py.  :J1. 


^8  Leben  Senscs.    Kap.  XXX. 

liinabt  vergangen!     Wel    ein    iil)el    mcr  daz  ist,    daz   daz  edel 
sol  fulen.  und  daz   es  nit  noli  vil   lenger  got  ze  lobe   und   men 
menschen  ze  trost  solte  leben  I"     Und  alsus  mit  erbermklicher 
und  mit  weinenden  ogen  neigte  er  sich  ie  dar  und  greif  im  uf 
herz  und  gen  dem  munde  und  an  die  arme,  ob  er  noh  lepti  odei 
weri.     Do  waz  kein  bevvegde  da;  daz  antlät  war  ime  erbleichet, 
mund  erswarzet  und  ellü  leblichi  waz  da  hin  als  eines  toten  mensc 
den  man  uf  die  bare  hat  geleit.     Daz  werete  wol  als  lang,  daz 
under  dannen  weri  ein  mil  weges  gegangen. 

Sines  geistes  gegenwurf,  [38 ""J  under  dannen   do  er   also 
gangen  lag,  waz  nit  anders  denn  got  und  gotheit,  war  und  wai 
na  ewiger  inswebender  einikeit;  wol  geschah  daz.   e  daz  er  ])eg( 
also  vast  swachen  und  von  im  selber  komen.     Do  vie  er  an  ne 
in  im    selben  ze  einkosene   mit  got   und   sprach   also:    „ach,   ev 
warheit,    dero   tieffu   abgruntliehkeit   ist    verborgen   allen    creatu 
ich  diu  armer  diener  versieh  mich,  daz  es  nu  ein  ende  sie  unib  ni 
dem  min  vergangnü  kraft  glich  tttt.    Nu  red  ich  iez  an  miner  jung 
hinvart   mit   dir.   gewaltiger   herr,   dem   nieman  liegen   noh   tri( 
kan,   wan  dir  ellü   ding  offenbar  sint;   so  weist  du   alleine,   wie 
zwischen  dir  und  mir  stat.     Hier  umbe  such  ich  diu  gnade,  getri 
himelscher  vater,   und  wa  ich  ie  keinen  usbruch  han  getan  in 
unglichheit  uss  der  nehsten  warheit,  ach  got,   daz  ist  mir  leid 
rüwet  mich  von  allem  minem  herzen,  und  bite  dich,  daz  du  daz 
dinem  kostberen  blftt  verdiigest  nah  diner  gnade  und  miner  not 
Gedenk,  daz  ich  daz  rein  unschuldig  blnt  han  alle  min  tage  mi 
und  wirdekeit  höh  erhaben,  als  verr  ich  mohte,   und  daz  mftss 
nu    an    miner  jüngsten  hinvart   alle   min   sünde  ab  weschen. 
knüwent  nider,   daz   beger   ich,    alle   heiligen    und   sunderlich 
gnediger  herr  sant  Niclaus;  hütend  üwer  hend  uf  und  helfen 

2  noch  nit  SM  d  sol  M  erbaniihertzig^er  P  erbarmherzlich' 
4  naiii"ton  si  ...  yritt'eii  M  t>  wol  ain  niil  wey-z  war  g.  M  12  inswe 
(Irr  A  inswrnk<'n(ler  A  12  f.  also  vast  l»e«rnnil  M  17  vergannü  A  ] 
<lir  fchit  AS  20  mir  und  dir  .1/  21  ixeixeii  dir  bau  g.  A^  25  gedenl 
20  irnrd.  inilter  b.   AM/ 

22  nn^licbbeit  (/ein  lateinischen  dissimiiitudn  (Aug.,  Conf,  VII^  j 
rtijittnc  dissiiniliiudinis)  nach(j(.hHdet  ^—  Entfeninng  ron  Gott.  S.  auch 
K.  1  Anfnmi  und  Heinrich  ron  Xord/uif/en,  bei  Si  rauch,  Marg,  Ebner  JA 
29  St.  Nikolaus,  nm  JUtdefis.r  riet  verehrt,  war  auch  Patron  des  Kon^i 
J'ndfgir/,lof(fcrf( :  dorh  n-unlc  f.r  iiherhaupt  als  Ihtfer  in  Not  und  Bedrä 
ftni/ernfm. 


II  •■^euses      Knii.  \XX, 

herren  biteii  nrab  eio  gut  eude!  Afli  reinü,  zarlu.  iiiiltü  niuter 
Itia,  bat  mir  bixt  din  hant,  din  gncdigeD  hand,  und  an  (User 
sten  Stande  enpfah  min  »el  iif  gnad^-  in  dinen  schirm,  wan  du 
mins  henten  troet  uud  fr6de  »Heine.  Ach,  frow  und  mfiter  niinfi, 
maniis  tuaa  conimendn  gpiritum  meum,  in  din  bende.  in 
griedigen  hende  bevil  ich  hinaht  minen  geist,  Kva.  lieben  engel, 
lenkeiit.  daz  min  herz  lacliete  alle  min  tag,  so  hh  üch  ni'iwan 
Demmen,  und  wie  dik  ir  mir  in  miuem  eilende  liend  himelach 
gemaebet  und  mich  bcind  vor  den  vienden  behütet;  eya.  zarten 
,  uu  »et  es  mir  nii  erst,  an  min  Jüngsten  not  nnd  bedarf  hilfe. 
,  nn  heifent  und  sehirment  mich  vor  dem  grAlicben  anblik  miner 
fcn.  der  bösen  geisten !  Ach.  herr  von  himelrich.  ich  lolien  dich, 
dn  mir  na  an  miuem  tode  ein  so  reht  gnt  bi^sebeideu  ende  und 
intnnst  hast  verifiwen,  und  var  nu  von  hinnen  mitt  ganzem  cristam 
ane  allen  zwifel  und  ano  alle  vort,  und  vergib  allen  [39 'J 
e  mir  ie  kein  leid  getaten.  als  du  vergehe  an  dem  urilce 
(  die  dich  toten.  Herr,  herr,  din  götlicher  fronlicham.  den  ich 
ni  der  mess  enptie.  wie  krank  ich  waz,  der  mtiss  min  bebiiter 
tnin  beleiter  sin  iiin  /,ö  diueni  gütlichen  aotlüt.  Und  min 
IBtes  biten,  daz  ich  nu  thn  an  miuem  ende,  acb  7Arter  herr  von 
■Jricli.  daz  get  über  minii  liebd  geistlicliii  kind,  du  sich  mit 
Iren  trüwen  ald  mit  bihte  friintlicb  in  disem  eilend  zil  mir  bein 
;.  Ach.  erbannherzige  Gristus,  als  du  an  dinem  jüngsten  hin- 
dene  din  lieben  junger  dinem  hinielschcn  vater  mit  trftwen  beviel. 
ir  selben  minne  sien  sii  dir  bevnln,  da/,  du  in  och  ein  gftt  heilig 
rerlihe^t.  Xu  nim  ich  einen  lidigen  abker  von  allen  creatnrcn, 
ker  mich  hin  zti  der  blossen  gotheit  in  den  ersten  Ursprung  der 
!D  »«likeit.* 

Do  er  also  dis  und  derley  neiswi  vil  in  im  seihen  geeinredete, 
Btgie  er  im  selb  und  kam  in  die  swacbheit.  von  der  geseit  igt. 

luillii   /elUl    .^         -2  \n-ni\ heud  S         ilin   triieil. 

mi]  :*i:lirin  AS         ö   in  <liii   hea^i- fehlt  M         7  daz  mir 
fihlt  S        14  vdriölieii  PA'  verlilieii  SKAl        lö  und 
S  IT  liPH'  (herrl   Ä         19  lieleiler]   beiialter  .v         riiuein]    dem  K 

l(k  ftAU  SMA^  221.  [Iiein]  gekttret  M  24  mit  trtwen  fehlt  M 
*e  SA^  bpfnilii  it  BnpfelcUt  K  25  »d  fdilt  M  heiliji  gfll  PM 
ler]  e»-i^T  sPl.  M        29  ireredeto  i"        :«  vim  iI.tJ  lin  von  P 

B  pM.,3IJ,(}:  Luk.  23,46:  iiiteh  im  ÜicMicken  Ahaulijiliil  f  Kimplrt : 
IMS  luar,  domine  etc.i  und  in  dtn  .SIrihegebcleii  i/thrauiht.  16  l.uli. 

23  f.  Joh.   }7,!>ff. 


90  Lesben  Seuses.     Kap.  XXXI. 

Do  er  uud  endrü  menschen  wanden,  er  solte  vergangen  sin,  dar  j 
neiswen  do  kom  er  wider  zft  im  selb,  daz  erstorben  herz  begoii. 
wider  leblich  werden  und  du  krenkü  gelider  wider  zft  in  selber  komen. 
und  genas,  daz  er  ward  wider  lebende  als  ie  von  erst. 


XXXI.  Kapitel. 

Wie  ein  mensch  sin  liden  iu  lobricher  wise   sol  got  wider  nf 

tragen. 

iJo  der  lidende  diener  disen  langwirigen  kämpf  mit  tiefer  be- 
trahtung  hinderdahtc  und  och  gotes  verborgnu  wunder  dar  inne  an 
sah,  do  kert  ersieh  eins  males  zfi  got  mit  einem  inneclichen  süfeenl 
und  sprach  also:  „ach  zarter  herr,  disü  vor  genantn  liden  du  sint 
uswendig  an  ze  sehene  als  die  scharpfen  dorne,  die  dur  fleisch  and 
bein  tringent;  dar  umbe,  /arter  herr,  so  lass  usser  den  scbarpfefl 
dornen  dero  liden  etwas  süsser  fruht  us  dringen  einer  gftter  lere, 
daz  wir  erbetseligü  menschen  dest  gedultklichcr  liden  und  unser  liden 
in  gotes  lob  dest  baz  kunnin  uf  tragen." 

Do  er  dis  neiswi  vil  zites  von  got  hat  begert  ernschlich,  do 
geschah  eins  males,  daz  er  neiswi  ward  verzuket  in  sich  und  über 
sich  selb,  und  in  entsunkenheit  der  sinnen  ward  in  im  süzoklieb 
gesprochen  also:  „ich  wil  dir  hüt  erzogen  den  hohen  adel  mins  liden*, 
und  wie  ein  lidender  mensch  sol  sin  liden  in  lobricher  wise  de» 
minneklichen  gote  wider  uf  tragen.^  Von  disen  siizzen  ingesprochiiett 
Worten  zerfloss  im  sin  sele  in  sinem  libe,  und  in  der  Vergangenheit 
der  sinnen  [39^]  von  grundloser  v611i  sines  herzen  do  zerspreiten  n\A 
neiswi  die  arm  siner  sele  in  du  witen  ende  der  weit  in  himeln  oid 
in  erde,  und  danket  und  lobte  got  mit  einr  grundlosen  herzklicken 
begirde  und  sprach  also:  ..herr,  ich  han  dich  unz  her  in  minen  p- 
dihten  gelopt  mit  allem  dem,  daz  lustlich  ald  minneklicli  mag  gesin 
in  allen  creaturen.  Eya,  aber  nu  so  muss  ich  aber  frolicli  uf  brechen 
mit  einem  nuwen  reyen  und  selzenen  lobe,  daz  ich  nieme  erkande, 
denne  daz  es  mir  nu  bekant  ist  worden  in  dem  lidene.  Und  dal 
ist  also:  ich  beger  von  mins  herzen  grundlosen  nl)gründe.   daz  elli 


3  lidor  M         H  lobliclirr  3/  ut'|  in  A'        8  So  AKA^         hinkwigi-u  J 

1»  himlrrd.  fehlt   S         15  daz]    dar  ASPMA'         arbeit    seligii    lideiidu   m.  } 

17  h«Mt    von    iror    b.    .1/         19  wart  neiswio    K         21  loblicher    M         27   iini 

l.i<  .1/         27t.  in  minem  fr»tiht  .1/  M  rs|  er  P        erkant  1' 


;hii.  \xx!. 


I^deii  uud  leid,  dfi  ich  ie  geleid,  uud  dar  zh  alter  herzen  wc- 
pdee  herzleid,  aller  wniiden  smerzen,  aller  siecben  alizen,  aller 
fingen  ||;eniiiten  süfzen.  aller  weinenden  ogen  trehen,  aller  veiiriikter 
leuächen  verschmeht,  aller  armer  dürftigen  witwen  und  weisen  ge- 
ttitKD.  aller  tiirstiger  und  hungriger  menschen  türre  mangel,  aller 
artrer  vergossen  blftt,  aller  frfilicher  blünder  Jugend  willen  brechen, 
ler  gottesl'ründen  wetAnden  Übungen  und  cUü  du  verborgnü  und' 
hobarfi  lideu  und  leid,  da  ich  ald  ie  kein  erbetseliger  lidender 
^ch  ie  gewan  an  lib,  an  gät,  an  eren,  an  ('runden  nid  an  unra&t. 
I  daz  hein  mensch  iemer  nie  erliden  sol  unz  an  den  jüngsten  tag. 
^  dir  daz  sie  ein  ewiges  lob,  faimelscher  vater,  und  dinem  ein- 
pDen  lidenden  snne  ein  ewigü  ere  von  ewan  ze  cwan.  Und  ich, 
i  krmer  dienet,  beger  hüte  aller  lidender  menschen,  die  vil  liht 
H  liden  iiit  kondan  rehte  ti)n  mit  gednitigem  dankberen  gotes  lobe. 
i  getrnwer  fiirweser  beger  ich  sin,  daz  ich  dir  irü  liden  an  Ire 
I  bot  loblich  uf  trage,  in  weler  wise  sü  geliteii  hein,  und  npfren 
|l  es  an  ire  »itat.  als  üb  ich  selbe  daz  alles  sament  nah  mines  herzen 
ÜHOb  au  minem  lib  und  herzen  allein  erüten  heti,  nnd  hüt  ez  hut 
'.an  ire  stat  dinem  einbomen  lidenden  suue,  daz  er  eweklieh  dur 
1  gelopt  werde  und  du  lidenden  menschen  getröstet  werden,  ri'i 
B  nob  hie  in  diaein  jamertal  ald  an  enr  weit  in  dlnem  gewalt, 
l  „0  ir  ellü  mit  mir  lidendü  menschen,  sehent  mich  an  und  lo&ent. 
■  ich  ü  sag:  wir  ermn  gelider  süllen  uns  trösten  und  fr&wen  unsere 
fe^en  boptes.  daz  ist  tlez  minneklichen  einliornen  sunes.  des,  der 
■Tor  geliten  hat  uud  uf  ertrich  nie  (40 ']  göten  tag  gewan.  LDgent, 
tweri  in  einem  armen  geschiebte  nüwan  ein  richer  werder  man. 
I  geschieht  alles  frÖweti  sich  sin.  Ach,  wirdiges  ho|.t  unser  aller 
[er,  bis  uns  gnedig,  und  wa  uns  gebristet  rehtcr  gednltekeit  in 
iner  widerwertikeit  von  menschlicher  krankheit,  daz  volbring  du 
Q  dinem  lieben  himelschen  vaterl  (iedenk,  daz  du  c-ineet  ze  hilf 
I  eim  dinem  diener;  do  er  wolte  In  Udene  verzagt  sin,  do  eprechd 
pt  ime:  „gehab  dich  wol  und  lüg  mich  ane!  Ich  waz  edel  und 
i  ich  waz  zart  und  eilend,  und  waz  hsb  allen  tV&den  geborn  und 
f  doch  vnl  lidens."  Hier  umbe  wir,  dez  keiserlichen  herren  Trumen 
erxagen    nit.   wir,   dez   wirdigen    vorgengers   edlen    nahvolger. 


arin'i-  li'leiiJiT  il.  M 
.■eil  II.  tr.  P  2i  des 
fehlt  l'        m  lifliru 


1)  rroli.liiT/Mi/A"        9eri-.S*        I; 

15  dir]  durch  P        "JS  iimien  lidrr  M        Irö 

■28  iii  —  -20  kriiukbci 


I 


92  Leben  Seuse.s.    Kap.  XXXI. 

gehaben  uns  wol  nnd  liden  nit  ungern !  Wan  weri  nit  anders  nuzze 
noch  gutes  an  lidene,  wan  allein,  daz  wir  dem  schönen  klaren  spiegt 
Cristus  so  vil  dest  glicher  werden,  es  weri  wol  angcleit.  Mich  dunk« 
eins  in  der  warheit:  ob  joch  got  glichen  Ion  wölti  geben  den  lidendc 
und  den  nit  lidendon  nah  diseni  lebene,  ^ewerlich,  wir  söltin  dennoc 
den  lidenden  teil  uf  nemen  allein  durch  der  glichheit  willen,  \va 
lieb  glichet  und  hüldet  sich  liebe,  wa  es  kau  ald  mag. 

„Eya,  mit  waz  baltheit  geturren  aber  wir  uns  dez  an  nemen, 
daz  wir  dir  mit  ünserm  lidene  glich  sülen  werden,  edelr  herr?  Owe, 
liden  und  liden,  wie  bist  du  so  gar  unglich!  Herr,  herr,  du  W 
allein  der  lider,  der  lidene  mit  schulden  ursach  nie  gegab:  owe,  wer 
ist  aber  der,  der  sich  des  niuge  gesten,  daz  er  lidene  nie  kein  ursach 
hab  geben?  Wan  waz  er  einend  ane  schulde  der  lidenden  Sachen, 
so  hat  er  andrent  daz  bftsswirdig  was.  Hier  umbe  so  sezzen  wir 
uns,  ich  meine  ellu  du  lidenden  menschen,  du  ie  gellten,  zu  einem 
grossen  witen  ringe  umb  und  urab,  und  sezzen  dich,  zarter  trater 
unschuldiger  bftle,  enmiten  under  uns  in  den  ring  dero  selben  liden- 
den  menschen,  und  zerspreiten  unser  turstigen  adren  wit  uf  ginende 
von  grosser  begirde  gen  dir,  usklinglender  gnadenricher  bmone. 
Lfigent  wunder  I  Daz  ertrich,  daz  aller  meist  von  turri  zerschrnnden 
ist,  daz  enphahet  aller  meist  dez  nassen  regens  stürmige  flüsse,  und 
^o  wir  ^ebresthaftigü  menschen  dir  icme  schuldiger  [40^]  sien  worden, 
so  wir  ienie  mit  ufgezerteni  herzen  dich  in  uns  schliessen  und  wellen, 
als  diu  götlicher  mund  selb  hat  gesprochen:  wem  lieb,  wem  leid, 
dur  din  lidenden  hintrieifenden  wunden  geweschen  und  aller  ding 
unschuldig  werden  aller  missetat,  von  dem  du  ewiges  lob  und  erc 
>olt  von  uns  haben  und  wir  gnade  von  dir  enpfahen,  wan  in  diner 
gewaltigen  vermügentheit  wirt  ellü  unglichheit  abgeleit.** 

Do  der  dieuer  ein  gut  will  also  stillr  gesasse,  unz  daz  sich  dis 
alles  in  der  innigosten  inwcndikeit  siner  sele  mit  grossem  ernst  ge- 
^^ffenbaret  hate,  do  stftnd  er  frolich  uf  und  dankete  got  siner  gnaden. 

2  claicii  silionrii  KA}  >vh'nm'n  fehlt  M  4  irot  joch  F  6  der]  des  I 
7  huldct]  h\\(\v\  u'V  liebe]  Wohor  K  wa|  wan  ö'  8  iiiitj  in  ASP  g« 
.valtkait    il/  alxr    luir/t   an    MOiiimen    M         0   mit    und    siner  liden  (!)  J 

■♦  In  rr  Ju  herr  lerfittfo  fehlt  M  11  mit  seh.]  noch  .schuld  M  13  einel 
halh  S  14  aiKU'rthalh  -S  17  huhe  P  18  uf]  und  K  19  nsklingendi 
MA^  i:n:i<llichei'  M  21  [stunniirej  ein  geflüsse  P  8ti'u*migeD  ilazz  . 
22  <(liiil(liii  A  25  [hin]  triett.  .1/  27  irnaden  K  29  unz]  bis  aS'^  m 
ASA'         M)  iiiniirosten  fthlt  S 


Leben  Seuses.     Kap.  XXXll.  93 


XXXII.  Kapitel. 

Wa  mite  got  ergezzet  in  der  zit  einen  lidenden  menschen 

sines  lidens. 

An  dem  frölichen  ostertag,  do  waz  dem  diener  eines  males 
3r  hüijlicb  ze  mute,  und  gesass  also  na  gewonheit  an  sinem  rüwiin. 
0  belfert  er  von  gote  ze  wüssenne,  waz  crgezzunge  du  menschen 
diser  zit  von  got  söltin  enpfalien,  du  dur  in  menigvalteklich  betin 
Uten.  Und  in  enr  entsunkenheit  luht  im  in  von  got  also:  fröwent 
b  wol  gemftteklicfa,  ellü  lidendü  gelassnu  meuseben,  wan  ire  ge- 
Itekeit  sol  herlich  gelopt  werden,  und  als  sü  hie  sind  vil  menschen 
erbarmen  worden,  also  wirt  sich  eweklich  menger  mensch  fröwent 
got  ire  wirdigen  lobes  und  ewiger  eren.  -  Sü  sind  mit  mir  erstorben, 
son  och  mit  mir  frölicb  erstan.  Drie  sunder  gaben  wil  ich  in 
>en,  die  sind  als  wirdig,  daz  sü  nieman  kan  gescbezzen.  Einü 
:  ich  wil  in  geben  Wunsches  gewalt  in  himeln  und  in  ertrich,  daz 
*8,  daz  sü  iemer  gewünschent,  daz  daz  geschibt.  Daz  ander:  ich 
in  minen  götlichen  frid  geben,  den  weder  engel  noch  tüfel  noch 
Dsch  noch  kein  creatur  mag  nemen.  Daz  dritist:  ich  wil  sü  als 
eklicb  durküssen  und  als  minneklich  umbvahen.  daz  ich  sü  und 
ich,  und  wir  zwei  ein  einiges  ein  iemer  me  eweklich  sülin  bliben. 
i  wan  langes  beiten  unruwigen  herzen  we  tut,  so  sol  für  dis  gciren- 
rtiges  stündli  eins  einigen  ogen])like8  lang  dis  liep  nit  gesparet 
den,  denn  nu  an  vahen  und  es  eweklich  niessen,  als  verr  es  denn 
tödemiich  menscheit  nach  eins  ieklichen  Gelegenheit  minr  und 
mag  erliden. 

Diser  frölicben  meren  waz  der  diener  fro,  und  do  er  zu  im 
er  kom,  [41']  dosprang  er  ufund  ward  inneklich  lachende,  daz 
n  der  kapell,  da  er  inne  waz.  lute  erhal,  und  sprach  frolich  in 
selben  also:  „der  geliten  hab,  der  gang  her  für  und  klage!    Weiss 

2    menHchen  fehlt  S        4   (lem|   ;dneni    KMa         8   eilitleii    M         dir 

S        9  trelassnü  fehlt  K        10  herzlich  M         11  meiiüei*  iii.  ewtiiklicli  A 

ch  fehlt  M        IB  himelrich  PM        16  d.  ander  ist  .1/         18  trciiemen  KA^ 

annien   M         ist  fehlt  S         19   iniiin.|    iniieklicli   S         i>()   si'i   mich   ^S7v' 

iten    M  uiiruwigem    31  fiir  A         2'^   nii|    im    M  H   do         ut 

M 

15  wünschen  gewalt   (optio  omnium)         Vermöt/eu    a/Us  Heil   und  Stg')t 
haffen  (Lexer  111,997):  vgl.  Ja/:.  Grimm.  MtjthoL   I\  IN  f. 
19  t.    Vgl.  Joh.  17,21—23. 


94  Leben  Scuses.    Kap.  XXXII. 

^ot,  ich  versprich  mich  selb  wol,  daz  mich  des  dunket,  daz  ich  hj 
liden  gewunni  uf  ertrich;  ich  enweiss  iiit,  waz  liden  ist,  ich  weis 
wol,  waz  wüune  und  fröd  ist:  Wunsches  gewalt  ist  mir  geben,  d« 
nienig  veriertes  herz  müss  manglen,  waz  wnl  ich  me?" 

Dar  na  kert  er  sich  mit  siner  vernünftekeit  zft  der  ewigen 
warheit  und  sprach  also:  „ach  ewigü  warheit,  nu  bewise  mich  diser 
verborgnen  togenheit,  als  verr  man  es  den  gewörten  mag;  da  war- 
heit mengem  blinden  menschen  so  gar  unkund  ist."  Dez  wanl  er 
von  innen  bewiset  also:  log,  dien  menschen,  dien  reht  beschihl  in 
dem  durpruch,  den  ein  mensch  vor  an  hin  mfiss  nemen  mit  einem 
entsinkene  im  selben  und  allen  dingen,  dero  doch  nit  vil  ist,  dero 
sin  und  müt  sind  als  gar  vergangen  in  got,  daz  sä  neiswi  umb  sieh 
selber  mit  wüssen,  denn  sich  und  ellü  ding  zc  nemene  in  ire  ersten 
Ursprünge.  Und  dar  umbc  hein  sü  als  grossen  lust  und  wolgevallen 
in  einem  ieklichen  dinge,  daz  got  tfit,  als  ob  sin  got  lidig  und  raüssig 
Stande  und  es  inen  na  ire  sinne  hab  geben  us  ze  würken.  Und  also 
in  diser  wise  gcwünnent  sü  Wunsches  gewalt  in  in  selb,  wan  in 
dienent  himel  und  erde  und  in  sind  gehorsam  alle  creaturen  in  itm, 
daz  ein  iekliches  tttt,  daz  es  tftt,  oder  lat,  daz  es  lat.  Und  sölichi 
menschen  enpfindent  nit  leid  von  herzen  in  keinen  dingen;  wandai 
heiss  ich  leid  und  liden  von  herzen,  daz  der  wille  mit  wolbedahtöf 
bescheidenheit  wolti  erlassen  sin.  Wan  nah  dem  usscm  ze  redenc 
so  hein  sii  empfinden  wol  und  wc  als  ander  lüte,  und  tringet  in 
etwen  naher  denn  andren  von  ire  entgrobten  Zartheit^  es  enhat  ab« 
da  inno  nit  st^t  ze  belibene,  und  nach  dem  usscm  so  blibent  sü  ve^ 
vor  ungehabtkeit.  Su  werdent  hie  übergesast.  als  verr  es  niäglid 
ist,  von  ire  selbs  entgangenheit,  daz  ire  fröd  ganz  und  stet  wirt  ii 
allen  dingen;  wan  in  dem  gütlichen  wesene,  da  sich  ire  herzen  han 
vergangen,  ob  in  reht  ist  beschelien,  enhat  leid  kein  etat  noh  h 
triibdc,  sunder  frid  und  frod.  Als  vil  dich  nu  eigne  gebrest  [41 
hin  ziihet,  daz  du  sunde  tust,  da  von  billich  leid  und  betrübt  kum 
einem  ieklichen  menschen,  der  si  iibet,  als  vil  gebrist  dir  noh  dis 
selikeit;   als  vil  du  aber   sund  midest  und   dir  selben   dar  inne 


Ü  und  warhfit  fehlt   A^         9  dorn   meu>clM*ii   deiu  M  lo  dun 

Inecbeii  *U  12  sinno  .V  *j;iiv  fehlt  S  13  »'iiwissen  il/  16  ireu  Binnen 
ir(?^^ebt'U  .1/  20  in]  von  .V  in  keinen  wv.a;  und  dingen  M  21  volbedahter 
23  enpfunden  SPK  25  so  fehlt  PA^  20  vor]  not  (!)  M  '  hie  werd.  si 
2H  dal  'hi^'  ■'^'-^f        -^'^  nirnscbon  fehlt  KA^         33  f.  uf  giist  A' 

.{1  f.    V(jl.  Köm.  :.%!K 


Lebeu  Seasen.    Kap.  XXXII.  95 

'^st  UDd  in  daz  vergast,  da  da  noh  leid  noh  swarheit  mäht  haben, 
deone  daz  dir  leid  nit  leid  ist  und  dir  liden  uit  liden  ist,   daz  dir 
ellü  ding  ein  luter  frid  sind,   so  ist  dir  reht  in  der  warheit.     Und 
daz  ^'eschiht  alles  in  der  verlornheit  des  eigen  willen ;  wan  sü  werdent 
i«  m  in  selb  getriben  mit  einem  jamrigen  turste  hin  zii  dem  willen 
$ote«  und  siner  gerehtikeit,   und   der  wille  gotes  smakt  in   so  wol 
nnd  hein   so  vil   gunlichi   dar  an,   daz   alles   daz,  daz  got  ober  sü 
verbenget,   daz  ist  in  so  lastlich,   daz  sü   nit  anders  enwellen  noh 
be^erent.     Daz  sol  man   nüt  also  versten,   daz  hie  mite  dem   men- 
«chen  sie  abgesprochen  biten  und  beten  zft  got,  wan  gotes  wille  ist, 
daz  er  wil  gebeten  werden ;  es  ist  ze  verstene  nah  dem  ordenlichen 
Qs^ene  der  sinsheit  in  den  willen  der  hohen  gotheit,   als  geseit  ist. 
Nu  lit  aber  ein  verborgne  stoss  hier  inne,    der  mengen  men- 
schen stössig  machet,  daz  ist  also:    „wer  weiss, *^  sprechent  sü,  „-ob 
^  gottes  wille  ist?"     Lftg,  got  ist  ein  überweslichü  sache,  du  einem 
ieklicheu  ding  inrlicher  und  gegenwürtiger  ist,  denne   daz  ding  im 
Seiben  sie,  und  wider  dez  willen  kein  ding  mag  beschehen  noh  bestan 
einen  ogenblik.     Dar   umbe  niüss  den  we  sin,   die  alle  zit  wider 
gotes  willen  strebent  und  ire  eigen  willen  gerne  fürtin,  ob  sü  möhtin ; 
die  hein  frid  als  in  der  helle,  wan  sü  sind  in  betrübde  und  trurikeit 
alle  zit.     Aber  da  wider  einem  entplözten  gemüte  entwürt  got  und 
frid  alle  zit  gegenwürteklich  in  den  widerwertigen   dingen  als  och 
in  den  wolgevallenden,  wan  er  werlich  da  ist,  der  es  alles  tftt,  der 
es  alles  ist:   wie  mag   inen  denne  der  lidend   anblik  svver   sin,    da 
nn  innc  got  scheut,  got  vindent,   gotes  willen  gebruchent   und  umb 
Jen  iren  willen  nüt  wüssentV    Ich  wil  geswigen  alles  dez  liehtrichen 
trostes  und  himelschen  lustes,  mit  den  got  verborgenlicb  sin  lidendeu 
fruode  dik  uf  enthaltet.    Disü  menschen  sind  neiswi  reht  als  in  dem 
biinelf42'^]rich;    waz  in  geschiht  ald  nüt   ^eschiht,   waz  got   tut  in 
^  allen  sinen  creaturen  oder  nüt  tut,  daz  kumt  in  alles  zti  dem  besten. 
Und  alsas  wirt  dem  menschen,  der  wol  liden  kan,  sins  lidens  in  der 
zit  ein   teil  gelonet,  wan  er  gewinnet  frid  und  fröd  in  allen  dingen, 
und   na  dem  tod  folget  im  daz  ewig  leben.     Amen. 

2  leid  [ist]  M  S  siiulj  si  S  7  dur  inne  V  IJ  uidriil.  fehlt  M 
12  <lez  sinsh.  MA^  IB  die  inengeni  K  14  daz  ist  fehlt  s  IG  innorklich 
n-  geg-enwürtig  3/  21  f.  und  frid  fehlt  S  25  au  ^ch^nt  A  27  siner  M 
28  ufeiithaltent  K  reht  fehlt  M  31  kau  liden  M  :32  wol  irel.  idii 
ru  il  M         ^  amen  fehlt  PM 

29  f.    Jy.  Bt-ftn,  a,26. 


96  l-''>«'""  JSeuMs.     Kiiii.  XXXm. 


Zweiter    Teil. 

Hie  vahet  an  daz  ander  teil  dis.s  ersten  büelies. 

XXXIIl.  Kapitel. 
Ton  dez.dieners  geisehliclien  toliter. 

Confide  filia!  Es  was  in  den  selben  ziten  dez  dicuer». 
von  dem  geseit  ist,  ein  geisehlichii  tohtor  bredier  ordens  in  einem 
beschlossen  kloster  ze  Tözze,  du  hiess  Elsbet  Staglin  und  hate 
einen  vil  heiligen  wandel  von  ussnan  und  ein  engelsehliches  gemüt 
von  innen.  Der  edle  ker,  den  si  nam  zft  gotc  mit  herzen  und  sele. 
was  so  kreftig,  daz  ir  enpfielen  alle  üpig  Sachen,  da  mit  sich  menger 
mensch  sumet  siner  ewigen  selikeit.  Alle  ir  fliz  waz  stellen  nah 
geischlieher  lere,  mit  der  si  mShte  gcwiset  werden  zu  einem  seligen 
volkomen  lebene,  dar  na  ellü  ir  begirde  rang.  Si  screib  au,  wa  ir 
ut  lustliches  werden  mohte,  daz  si  und  endn'i  menschen  gefürdren 
mohte  zti  götlichen  tugenden.  Si  tet  als  du  gewirbigii  binlü.  du  daz 
süss  hong  uss  den  menigvaltigen  blnmen  in  tragent. 

2  IJhtr Schrift  fehlt  1*  »liss]  (k'sz  KM  7  tozze  (eii weise  radiert  A 
tÖKse  'S'  tose  A'  Irzze  A^  Klihsibet  ^S'  Klsabet  stcii^erliii  A^  11  steüent  .V 
14  f.  7M  irotl.  tuy:.  nach  werdon  mohte  M  <laz  —  L")  mohte  fehlt  I*  15  dw 
si  tet   M         reht  als  .s'         H>  (h.'n|  «lein   M 

5    Matth.  Ity'j:^.  7    Tr»s>,    Dowinikanfnnnenklostrr.   ftiidtcestlich  v^ 

Winterthur  am  J^lu.sfi  Tötifi  tjehf/cn  j  1L*3'I  mit  Hilfe  der  Kyhurgtr  Grtffcit 
(/ergründet,  ff<lnnf/te  l>ald  zu  grosser  Blute  und  /rar  ein  Hauptsitz  des  myMi* 
scheu  Lehens.  Es  irurde  JöJu  rom  Züricher  Hat  aufyehohen  und  ist  j*^ 
Fabrik.  Von  d-jr  Literatur  ist  besonders  b(. achtenswert  G^reitftx  Aufsatz  t» 
Kath.  Schwcizcrblätter  18(i0,  6.0  7/.  137  (K  r/JO  f.  und  H,  Sulzer,  Das  Dointfw- 
kanerinnenkloster  Töss .  1.  Tnl:  Geschichte.  Mit  i,?  Tcxtillusiratianen  uhi 
4  Tafeln,  Zürich  1003,  4:^  S.  4"  (—  Mitteilungen  der  antiquarischen  fifweft 
Sihaft  in  Zürich  XX  VI,  :Jf.  —  Kl^hl•t]l  Stairol  oder  Staglin,  Seuses  begabt 
geistliche  Freundin,  von  der  schon  in  der  Vorride  der  Vita  die  Btde  «tff 
stammt  aus  angesehener  Züricher  Familie  (ihr  Vater  Rudolf  fear  JEUitsherrj 
trat  wohl  in  d' "  dreissiger  Jahren  des  14.  Jh.  zu  Töss  ein,  lourde  um  1337  m 


Leben  Seuses.    Kap.  XXXIll.  *)7 

In  dem  kloster,  da  ei  wonete  ander  den  sw&stran  als  ein  gpiegel 
■Her  engenden,  do  braht  bi  ztt  mit  item  kranken  übe  ein  vil  gftt 
tth  da  ßtet  an  under  andren  dingen  von  den  vergangnen  heiligen 
fiftrm,  wie  seiklich  die  leptan  und  waz  grosses  Wunders  got  mit 
vnrkte,  daz  vil  reizlicb  ist  ze  nndabt  gütberzigen  menseben. 

Du  selig  tohter  gewan  kuntsami  dez  dieners  der  ewigen  wis- 
it;  zft  dez  leben  und  lere  ward  si  von  gote  mit  grossem  audaht 
Iriben.  Si  zob  im  ns  verborgenlicli  die  wise  sines  dnrpruchca  zfl 
e  und  screib  es  an,  als  es  da  vor  und  hie  na  stet  geHcbrihen, 

In   irem    ersten    anevnug  wurden   ir   iiigetragen    vun    neiswem 

le  und  vemünttig  sinne,  die  vil  übcrewenk  waren:  von  der  blossen 

heit,  von  aller  dingen  nibtkeit,  von  sin  selbs   in  daz  [42']  nibt 

kssenheit,    von   aller   bilden    bildlosekeit   und   von   derley   sinnen, 

tnit  sch&nen  worten    bedaht  waren  und   dem   menschen   lust  in 

Igen.    Es  lag  aber  etwas  verborgen  schaden  da  hinder  einvaltigen 

anvabenden    menschen,    wan    im    gebrast    alzemal    noturitiges 

Iderscbatdes.  daz  man  dii  wort  mohte  hin  und  her  ziehen  nf  geist 

nf  natar,  wie  der  mensch  gemttt  waz.      Disü   lere  waz   gut   in 

Und  kond  im  aber  doch  nit  getün.     Si  screib  dem  diener,   daz 

ir  dar  iune   ze   staten   kerne   und   si   nf    den   rebten   weg   wlsti. 

idoch  bat  si  des  vordren  lustes  in  der  selben  lere  gelikct  und  dar 

le  meinde  si,  daz  er  grob  lere  underwegen  liessi  und  ir  von  den 

Iren  hoben  sinnen  etwas  scbribi. 


1  n  fehlt  M  3  wt^.]  vor  geuanlen  P  8  im]  in  M  die  iibigen 
kin«  darbr.  M  9  geechr.  HlÄt  M  11)  f.  von  nniswi  hoben  n.  vemfinf- 
I  linneti  P  12  in]  Bin  M  15  verborgens  scbudena  M  16  m<?iiBchen 
M       ül  erliicktt  P  gelitbet  A'        23  bobcu  fthlt  AS 

I  bekannt  und  »iarh  am  1360  (naeh  andern  schon  c.  S3öO).  Vgl,  Sbertit: 
er  II,  X5—69.-  F.  Vetter,  Ein  MijsUherpaar  des  li.  Jh.  (E.  Slagd  und 
t),  Baacl  ISüä  t  =  Offtuli.  Vorträge  gshalten  in  der  Sthiceii  VI,  12).  Ihr 
l  —  siv  ist  die  erste  :^ehrißaletkrin  Zürieht,  vgl.  Biic/Uold,  Literatui-- 
Axhle  der  Schu-eit  11)93,  :il3g.  —  sind  ausser  dem  Grundxtoek  von  .Sr««M 
md  der  Sammlung  seiner  Brie/t  (Gr  Bßi)  die  oben  eitcähnien  Lehens- 
abungen  der  Schifestem  von  Töss,  weicht  tu  den  betten  ProdukttTi  dieser 
ig  gehören  und  loohl  sah/m  vor  i/irtm  Sekannlieerden  mit  Seime  begonnen 
1.  Bit  vor  kurzem  utarm  nur  Ausmge  davon  bei  Sturer  u.  Greith 
Ü.-  eine  rolUt&niige  krititche  Aitsgahe  ton  F.  Vetter  erschien  1906 
"PeuUcht  Teaie  des  Hittelaltert,  iirsy.  von  der  Preuss.  Akademie  Bd.  VI). 
Vgl.  Prolog   der   Viia    [7, 6, ff.).  10 ff.   Aus   der   Lehre  Metgter  Eck- 

ib't  Seitte  im  futgtnden  einer  Irrß'ciirltn  Kritik  unlenrir/i.-  cgi.  auch 
k  im  Arehic  II.  6:27  f. 

»•VI*.  DvolKhe  Sllllri[|«i.  7 


98  Leben  Seuses.    Kap.  XXXIII. 

Der  diener  screib  ir  hin  wider  also:  „gütü  tohter,  fragest  diM 
mich  von  den  hohen  Sachen  uss  wunder,   uf  daz  daz  es  dir  bekan^ 
werd  und  daz  du  kunnist  von  dem  geist  wol  reden,  so  han  ich  di^ 
schier  dar  us  berihtet  mit  kurzen  werten.     Dez  darfst  du  dich  abe  - 
nit  vil  fröwen,  wan  du  mäht  dur  mit  in  einen  schedlichen  iergan^ 
komen.     Rehtu  selikeit  lit  nnt  an  schönen  werten,   si  lit  an  gfite^ 
werken.    Fragest  du  aber  nah  den  dingen  dur  ein  lebliches  eirolgeK: 
so  la  die  hohen  fragen  noch  underwegen  und  nim  sölich  fragen  h^ 
für,   die   dir  gemesse  sind.     Du  schinest   noh  ein  jnngü  angeüi^%| 
swöster,  dar  umbe  dir  und  dinen  glichen  ist  nüzzer  ze  wiissene  roj» 
dem  ersten  begin,  wie  man  sül  an  vahen,  und  von  übigem  lebeve 
und  guten   heiligen  bilden,   wie  diser  und   der  gotesfründ,   die  ocb 
einen  götlichen   anvang  baten,   wie  sich  die  des  ersten  mit  Gristffs 
leben  und  lidene  fiptin,  waz  sü  eblich  erliddin  und  wie  sü  sich  von 
innen  und  von  ussnan  hieltin,  ob  sä  got  dur  süssekeit  ald  dur  herti*  H 
keit  zugi,  und  wenn   ald  wie  in  d&  bild  ab  vielin.     Sich,  da  mit 
wirt  ein  anvahender  mensch  gereizet  und  gewiset,  fürbaz  in  da2 
nehst  ze  komen,  wie  daz  sie,  daz  got  dis  alles  möhti  dem  menschen 
in  einem   ogenblik  geben;    daz  pfligt  er  aber  nit  ze  tüne,  es  mtai 
gemeinlich  erstritten  und  [43']  ererbeit  werden.  ^ 

Du  tohter  screib  im  hin  wider  also:    „min  begird  stat  nät  oft 
klugen  werten,   si  stat  na  heiligem  lebene,   und  daz  han  ich  m&ty 
reht  und  redlich  ze  ervolgene,  wie  we  daz  iemer  mag  getfln,  essi^ 
miden,  es  sie  liden  oder  sterben  oder  waz  daz  ist,  daz  mich  zft  dein 
nehsten  mag  bringen;   daz    mftss  volhertet  werden.      Und  erzageo*'^ 
nüt  ab  miner   kranken   nature:   was  ir  geturrent  heissen,  daz  der 
natur  we  tut,  daz  getar  ich  ervolgen  mit  hilfe  der  götlichen  kraft 
Vahent  dez  ersten  an  bi  dem  nidresten  und  wisent  hin   durch,  ai^  I 
man  ein  junges  schülerli  dez  ersten  leret,  daz  zu  der  kintheit  höre^  J 
und  es  aber  und  aber  fürbaz  wiset,   unz  es  selber  wirt  ein  meiste* 
der  künsten.     Ein  einig  bet  Lan  ich  zu  üch,   der  sond  ir  mich  g^ 
weren  dur  got,  dar  umbe  daz  ich  nit  allein  gewiset  werde  von  icfc,   ; 
mer  daz  ich   och   gesterket  werde  in   aller  widerwertikeit,   du  mir 


2  von  —  3  werd  fehlt  A"        4  bedarfst  M        aber  fthU   M       7  l5^  ] 

liclies  P       8  sol.  [fragen]  M        11  übigem]  ubungeu  M  übingen  P        14  ebd-  j 

klich  M         16   ald  wie]   ad  wie  A  und   wie  M         17  ain  vahender  m.  K  ^ 
18  mohti  fehlt  S       dem]  den  AA^       24  liden  . . .  miden  P       32  werd  gewiset  K 

8  geist;   rgh  oben  83,  14  ff,  18  daz  nehst  =  die  höchste  Stuft  der 

Vollkommenheit. 


i 


Leben  Seuaes.     Kap.  SXXI\'.  yg 

me  begegnen  mag."  Erfraget,  waz  du  bet  weri.  Si  sprach: 
glerr,  ich  hau  gehöret  sageu,  daz  der  pellicanuB  solicher  natur  sie, 
dkt  er  in  sich  selben  bisset  and  einü  jungi'i  kind  in  dem  neste  von 
referlicher  minne  mit  sineiii  eigen    blöt   spiset.      Aeh   herr,   und   da 

D  mm  ich,  daz  ir  ze  glicher  wise  also  mir,  üwerm  taratigen  kinde, 
tä^eot  lind  mit  geischlicher  spisc  üwer  gflter  lere  fhrent,  und  nit  ze 
verr  Bitchent.  denn  daz  ir  üch  selb  nahe  grifent;  wan  so  es  üh  ie 
neher  ist  gewesen  iu  usgewürktcr  wise,  bo  es  ie  enpfenklicher  ist 
miner  begingen  sele," 

ü  Der  diener  scraib  ir  hin  wider  also:  „du  zogtest  mir  nu  kürz- 

lich neiswaz  äberswenker  sinnen,  die  du  dir  seih  batest  UBgelesen 
iiis  der  susf>en  lere  dez  heiligen  maister  Eghards,  daz  du,  als 
billich  ist,  so  zärtlich  handledest;  und  bin  in  grossem  wunder,  daz 
da  na  so  cdelni  tränke  dez  hohen  meisters  dich  als  turstig  erzögest 

lUnn  des  klainen  dieners  grobem  trank.  Aber  so  ich  es  reht  an  sibe, 
» !pür  ich  mit  frödcn  diu  grossen  wizze  iu  der  »ach,  daz  du  als 
gwirhig  bist  mit  frageu,  wie  der  erst  anvaug  sie  eins  hohen  siebern 
ItbenB.  ald  mit  welen   Übungen  ein   mensch   dez   ersten   sül  dnr  zfl 


XXXIV.  Kapitel. 

Ton  dem  ersten  begin  eins  anvahenden  menschen. 

.Der  anvang  eins  heiligen  lebens,  tohter,  der  ist  misslich:  ainer 
MS,  der  ander  [43'']  so.  Aber  dem  anvang,  dem  du  na  fragest, 
Ton  dem  wil  ich  dir  sagen.  Ich  weiss  einen  menschen  in  Cristo, 
jd  der  an  vieng,  do  rumde  er  des  ersten  siuer  gewiisni  mit  einer 
toen  bihte  und  waz  do  alle  Bin  flizz,  wie  er  der  biht  reht  getete, 
W  er  alle  siu  missetat  einem  wolbescbeiden  bihter  für  leti,  dar 
nbe  daz  er  von  dem  bihter,  der  au  gotee  stat  da  sizzet,  daz  er 
H  dem  Inter  und  rein  giengi  und  im  alle  ein  sAnd  vergeben  wenn, 

2  pellic]  veaix  (!)  IH  3  in  dem  neste  fMl  M  4  veterl.]  natur- 
ki  M  6  [also]  mir  tugent  als  üw.  t.  k.  .S  e  üwer]  imd  P  7  ir) 
I  M  10  wider)  wiher  A  10  f.  kürzlich  felilt  M  U  uaiaweiin  M 
il»inen  ffhlt  K        18  erster  A        dur  zn]  sB  dir  SA'-        29  werdent  S 

2  ff.  Vgl.  F.  Lauehei-i.  Gesch.  de3  Phytiologna  ItiBS,  8,  170,  211 ;  Knnrad 
I  Megtnberg,  Buch  der  Natur  td.  P/äffer  310  .■  der  r^Schwanviälder  Fredigtr'- 
.Jh.)  bei  GrüthaUr,  DeiiUche  Predigte  I  (lS4i>,  106.  25    Vgl  oben 

p.  IS  (43,13  f.). 


100  Leben  Seuses.    Kap.  XXXIV. 

als  Marien   Magdalenun   beschati,   do  si  Cristas   mit  niwig-ezz 
herzen  und  weinenden  ogen  sin  götlich  ffiss  wasch,  und  ir  got  a//e 
ir   s&nd    vergab.      Daz    waz    des    selben    menschen    erster   SLUvang 
zft  gote.* 

Dis  bilde  nam  du  tohter  vil  eben  in  ir  herze,  und  wolt  im  : 
geswind  genüg  sin  and  viel  mit  begirde  dar  uf,  daz  ir  der  selb 
diener  dar  zu  der  best  weri,  daz  si  ime  ir  biht  teti,  und  meinde 
och  dar  inne,  daz  si  von  der  biht  wegen  sin  geischlichu  tohter 
wurdi  und  im  dest  baz  in  götlichen  trnwen  bevoln  weri.  Nu  lageD 
die  Sachen  also,  daz  du  bihte  nit  moht  mit  worten  bescheheu.  Do  ]i 
nam  si  alles  ir  leben  her  für,  daz  in  der  warheit  rein  und  later 
waz,  und  wa  si  sich  ie  hate  nach  irem  sinne  verschuldet,  daz  screib 
si  an  an  ein  gross  wehsin  tavel,  und  sand  im  die  also  beschlossen  und 
bat  in,  daz  er  ir  aplass  sprechi  über  ir  sünde.  Do  er  die  bifattavel 
US  gelass,  do  stund  ze  hindrest  dar  an  also :  „min  gnediger  berr,  U 
nu  vall  ich  sündiger  mensch  für  üwer  füsse  und  bit  üch,  daz  ir  mit 
üwerm  minnerichem  herzen  mich  widerbringent  in  daz  götlich  herz, 
und  daz  ich  üwer  kind  heisse  in  zit  und  in  ewikeit."  Ab  der  tohter 
wolgetrüwendem  andaht  ward  er  herzklich  bewegt  und  kerte  sich  it 
gote  und  sprach  also:  „erbarmherziger  got,  waz  sol  ich,  diu  diener, a 
hier  zu  sprechen?  Sol  ich  si  von  mir  stossen?  Herr,  daz  möbti  ich 
einem  hündlin  nit  getfin;  herr,  teti  ich  daz,  daz  stündi  vil  übt  dir, 
minem  herren,  übel.  Si  sucht  die  richheit  dez  herren  in  sinem  knehte. 
Eya,  zarter  herr  mine,  nu  vall  ich  mit  ir  für  din  tugenthajQFten  fusse, 
milter  got,  und  bite  dich,  daz  du  si  erhörest.  Lasse  si  gemessen  S 
ire  göten  globeu,  ire  herzklichen  getrüwens,  wan  si  scriet  ins  n«. 
Wie  tete  du  der  heidinn?  Ach  miltes  herz,  lug,  din  grundlosü  milte- 
keit  ist  uns  als  herzklich  vil  gerümet,  und  weri  es  noh  vil  me,  dn 
soltist  es  vergeben.  [44']  Eya,  miltü  miltekeit,  ker  dinü  miltü  ogen 
zft  ir,  sprich  ein  einiges  w6rtli  zft  ir,  sprich  also:  Confide  fili«.  ^ 


2  und  mit  M  5  eben  war  ^S'  8  j^eischl.]  gotliche  A'  13  an  H 
MA^  14  er  [ir]  31  sünde]  schulde  .S'  19  liertzenandaht  K  21  berr 
fehlt  M        29  vil  miltü  m.  M        30  und  sprich  e.  e.  trostlichz  w.  M 

1  ff.  Luk.  r,  37  ff.  46.  10  Elsheth  ^Slagtl  war  zu  Töss,  Seuse  iwAf 

scheinlich  in  Konstanz.  13  Wachsiafdn  wurden  im  Mittelalter  noch  lon^ 

namentlich  für  Niederschrifitn  von  rorii hergehender  Bedeutung^  mitunter  awk 
zu  Briefen  verwendet :  vgl.  Wattenbachy  Das  Schriftwesen  im  MittMUer  •  1H96, 
81  ff.:   Michael j    Gesch.   des  deutschen   Volkes  III  (19()3),  3 f.  26  f.  VpL 

Matth.  15,  2:dff.  die  Erzählung  vom  kananäischen  Weibe.  80  f.  MaUh.  9^3, 


Leben  Seuse».    Kup.  XXXIV.  101 

iei  loa  te  salTam  fecit,  din  gAte  glob  bat  dich  behalten,  und 
gtet  an  miner  slat,  wan  ich  han  da?,  min  getan  und  han  ir 
iränschet  ganzen  apIas  aller  ir  sunden." 

Er  echraih  ir  bi  dem  seihen   boten  hin  wider  also:    „daz  du 

ert  hast  von   gote   dur   den    diener,   daz  int  bescheheu,    und  solt 

Ben,  daz  ea  im  alles  Torhiii  von  gnt  erzöget  ward.     Dez  selben 

genB  frb   waz  er  nah    sineiu  gebete   nider  gesessen  in  ein  stilles 

U,  und  in  einr  Vergangenheit  der  ussren  sinnen  was  im  vor  vil 

gütlichen  togni.     Under  dem  andern  ward  im  nfiswi  ingelühtet, 

got  die  engelschliehen   nature   heti  gesondert  in  iie  fÖrmilicher 

B,  und  wie  er  iektichem  also  sin  sunderlichen  eigenschaft  nah 

iderlicrher  ordenlicher  nsgescheidenheit  heti  gehen,  daz  er  nit  kan 

Ir&rtea,     Do  er   ein   gi^t  wili   mit   den   engelseh  liehen  junglingen 

■iBch  ktirzwil  hat  gehabt  und  im  sin  gemüte  fr&lich  wa/,  von 

öberflössigcn  wunder,   daz  ein  sele  befunden  hate,   do  waz  im 

in  der  selben  gesihte,  wie  du  kemist  in  gende  für  in  stan,  da  er 

under  dem  engeischlicben  gcsinde,  und  mit  grossem  ernst  knü- 

iBt  du  nider  Tür  in  und  neigtast  din  antUit  eben  uf  sin  herz,  und 

iwetast  also  mit  dinem  geneigten  antlüt  nf  sinem  her/en  ein  gut 

I,  daz  ea  die   bistenden  engel  an  sahen.     Also  nam  der  brfider 

ider  sh  diner  getiirBtekeit,  und  doch  do  stand  es  dir  als  heilklich 

t,  daz  er  es  dir  gütlich    gestatet.     Waz  dir  da  uf  dem  eilenden 

tn   Benei;:ct   der   himelsch  vater   gnaden   teti,    daz  weist  du  vil 

und  man  sah  es  an  dir;    wan  nah   einer  gOten  wile  rihtest  du 

of,  —  do  ward  din  antlüt  so  frÖlich  und  so  gnadenricli  gestalt, 

man  es  knntlich  bmfen   molite,    daz  dir  got  neiswas  sunder 

len  hat  getan  und  noh  tun  wil  dur  daz  selb  herze,  also  daz  got 

von  gelupt  und  du  getröstet  wirst." 


:i  »und   ,W        B  es]   et   K        IT   inut^Iud   M         19  sinetu)  ditiem    A' 
fihietesi  S 

S  Satse  ImI  dif  Beicht  gam  kontkt  nicht  tilg  nakramentah  aufyfj'iis^t, 
lJ(n«  nur  alt  eint  Art  „  fi«ieinacnartehennchafl~  (Deriifli:  149  A.  S) :  er  tenitt 
'  darum  nicht  die  Abtolution,  tondtrn  lOOiucKt  sie  nur.  Einem  abtrt&eaden 
*»((r  trhriftlieh  ea  btiehtta  hat  Thomas  x'On  Aquin  vtntrteüt  (S.  Th.  Suppl. 
*n-  3i  und  Pa/itl  Rhmima  VIII  IfSOS  als  itii(fäüig  veneor/m  (Denmager, 
Mirfii'an  symhottrmn  "  JH99  n.  9ii2i :  cgi.  Schant,  Snkramtntenlrhre  16$3,  Sdä, 
Wff.  A'acA  der  Lehre  des  Ttiomna  von  A^uin  (a:  Th.  I  q.  t 
«hart  276.  3.>/.V  bildet  jedes  KnstlinäiiidtMiin  zugleich  i 
Wm.-  vgl.  Seheehe»,  Handbuch  du-  kalh.  D"ijmnlik  II  (igf 
^'k  im  Atvhie  II,  437  A.  1. 


102 


Leben  Sensen.    Kap.  XXXIV. 


Dez  selben  glich  etwas  begcfaah  do  och  einer  g&llicheo  pera^ 
M  waz  ein  edlii  jungfrow  uf  einer  bürg  und  hiesa  Anna,  und  w 
och  alles  ir  leben  ein  luter  liden.     Mit  der  wurkte  got  eiuü  gr&a) 
wunder  von  jagent   uf  unz   an  ir  tod.     E  daz  du  [44*]  den  dieM( 
erkandi  ald  von  im  ie  iit  heti  gehöret,   do  si  ainest  an  ir  andsa 
verznket  way.,  do  eah  sie,  wie  in  dem  himelschen  hofe  die  heilige^ 
got  schowent  und  lobent.     Do  begert  si  von  irem  lieben  her 
boten  sant  Johanseii,  zu  dem  si  Bunder  gnad  bäte,  daz  er  irbi 
horte,    Do  sprach  er  vil  gütlich  zfl  ire:  „ich  wil  dir  geben  ein  gflt 
bihter  an  miner  etat,  dem  bat  got  ganzen  gewalt  über  dich  gebi 
and  er  kan  dich  wol   tr&sten   in   dinem   manigvaltigen    lidene. 
fraget  in,    wer  der  weri,   ald  wa,   ald  wie   er   hiessi.     Des  ward 
alles  von  im  bewieet.     Si  dankte  got  nnd  bftb  sich   mornent  (td 
und  kern  hin  zu  dem  kloster,  da  si  hin  von  gote  gewiset  waz,  d 
fraget  im  na.    Er  kam  zft  ir  an  die  port  und  fraget  si,  waz  ir  sacbd 
werin.     Si  hflh  an  und  seile  und    bihtet  ime,   und  do  er  horte  di 
götlichen  botschaft,  do  liess  er  es  zti  gan  nnd  rihte  si  us. 

Dil  selb  heiligü  tohter  seit  ime,  daz  ei  eins  males  heti  gesebei 
in  dem  geiste  einen  schönen  rosbom  wol  gezieret  mit  roten  rosM 
und  uf  dem  i-osbome  erschein  daz  kindli  JESUS  mit  einem  rot 
i'osensehapelin.  Under  dem  rosbom  sah  si  sizzen  den  diener.  0* 
ktndli  brach  der  rosen  vil  abe  und  warf  si  denne  uf  den  dieaa 
daz  er  zemal  mit  roten  rosen  bczetet  ward,  Do  si  daz  kindli  fragil 
waz  die  rosen  bezeichetin,  do  sprach  es:  „die  "mengi  dero  rosen 
sind  dli  mengvaltigü  liden,  du  im  got  wil  zA  senden,  da  er  frilutlid 
TOD  got  Bol  enphahen  und  sü  gedulteklich  liden." 

1  beschacb  im  do  M  tod  aioer  g.  p.  MA'  geistlicihen  P 
im  nach  heti  M  7  irem]  öuserm  Ä^  7  f.  und  boten  fehh  M  10  f.  gtM 
Aber  dich  and  der  U  12  der]  er  SP  U  [hin]  v.  gote  M  20  dem  n 
rosbom  0)  ^  20  f.  roterrosen  sah.  A  rotröseliii  seh.  P  26  «ü  g«t  . 
zfi  fefdl  K 

8  I}i«  hier  ffertanntt  Anna  üit  woM  idtntiedt  inii  dtr  in  Kap,  10  i4iM 
aber  venchieäeti  ton  der  in  Kap.  22  u.  37  efwä/tnte".  Die  Wot/tnbäUlrr  . 
Bl.  Gl',  die  trete  liruchauegaiif  vnn  I4ti3  Bl.  öSf  und  die  timlt  von  I 
Bl.  4ii''  haben  hier  ci»  kleinen  Bild:  Anna  in  der  Burg  betend.  —  Die  bä 
bei  Seu»e  vorknmmendtn  Anna  xind  wohl  nicht  sa  idenlifiiitriH  mit  der  in  ä 
Brief  Ueinriclia  mn  KUrdlingeH  iLII,  611  vom  Jährt  lSi8l4H  genanntem  Od 
/rmndia  Aniut  tu  Bauet:  cgi.  Sti-auch,  Marg.  Ebner  389. 

8  Der  Apostel  Johanne»  war  dtr  berorsuglr  Heilige  in  den  mygtim 
Kreisen,  htsonder»  der  NonnenklSeler,  aber  auch  im  Dominitiantrordm  i 
haitpt.  vgl.  Greilh  332  ff.  403:  Strauch,  Marg.  Ebner  292. 


r 


Leben  Seiisest.     Knp.  XXXV. 


XXXV.  Kapitel, 


fu  den  ersteu  liildea  und  Iure  eins  anvahenden  uienscheu, 
I        and  w!e  sin  ubun^'e  son  »n  mit  beseheidenheit. 

Do  der  diener  des  ersten  an  gevie  nud  sieh  mit  liihte  giidg 
de  gelntert,  <Io  machet  er  änr  na  im  selb  mit  gedeuEien  drie  kreiEs, 
(der  die  er  sich  in  geiechlich  hüt  bäte  beschlossen.  Der  erst 
'am  waz  sin  celle,  sin  capell  und  der  kor;  wenn  er  in  disem 
des  was,  80  dahte  in,  er  weri  in  giUcr  Sicherheit.  Der  ander  Itreiss 
IS  daz  kloster  alles  ane  allein  du  port.  Der  drit  und  der  i 
IE  dn  porte,  und  hie  bedorft  er  guter  hfitnnst.  So  er  uss  disen 
b  kreissen  kam,  so  duht  in,  im  weri  als  einem  [45']  wilden 
riin,  daz  QBser  sinem  loch  ist  und  mit  gejegdo  nmbgeben  ist,  so 
tJarT  es  gftter  listen  mit  sin  selbes  faftte. 

Er  hat  im  och  do  in  sinem  anvang  ein  heinlich  stat.  ein  capell 
f  erwclet,  da  er  siuem  andaht  nah  bildricher  wise  möhti  gnög 
i  .Sonderlich  hat  er  im  in  siner  Jugend  heissen  gemalet  an  ein 
hnit  die  ewige  wisheit,  du  himel  und  erd  in  ir  gewalt  hat,  und 
9  ei  in  minneklicher  Schönheit  und  licplicher  gestalt  übertrifet  aller 
Mtoren  Schönheit,  dar  umbe  er  sj  do  in  siner  blanden  jugent  im 
Iben  ze  einem  liep  bäte  us  erkoren.  Daz  miuneklich  bilde  fQrt  er 
b  ime,  die  wii  er  ze  schfti  für,  und  säst  es  für  sich  in  siner  celle 
RBter  und  bükt  es  au  lieplich  mit  herzklicher  begirde.  Er  braht 
1  wider  hein  mid  verwurkt  es  in  die  capell  mit  minneklicher 
nnange. 

j  Waz  aber  endrü  sinü  bild  do  wenn  uab  inrem  gegenwurf,  als 
im  und  andren  anvahenden  menschen  zil  gehöret,  daz  mag  man 

f 

I  5  im  dar  nach  FM  selb  fehlt  M  10  f.  diaen  kraiaen  allen  drien  M 
Hin  SIS  14  im  Hell)  M  lü  in  sinen  jungtn  tagen  .b'  malen  SPA^ 
Ut  in  ir  g.  M         18  liplicher  S  19  sl  fehlt  M         21  a<.lmlcn  P         le 

Weh  Jtf        26  anrah.  fMt  M 

f    li   capetl,   «gl.    obtn   17,1Ö.  60,1.  16  fl'.     \  yl    das   Bild   dti    ewigm 

WUit  uad  die  dazu  gehSrigen  Üpriicht  vor  dem  Prolog  den  Lxtmplart, 
titr  Gemahltchafl  der  eicigsn  Weis/ieä  handtit  das  dritte  Kap  u.  Hör. 
C  21    Seitte   Kurde    um   13ä4   an    dan    GtneraMudMim   df    llomini- 

w  nach  KSln   gtsehicM,   iro   tr   Schüler   Kckh<irta  irar   [Vyl.  Kap.  4U  und 


t 


J 


104  Leben  Seuses.    Kap.  XXXV. 

merken  an  den  gemaleten  bilden  und  guten  Sprüchen  der  alten  vet^ 
und  dero  spruch  ist  ein  teil  hie  na  geschriben^  als  sü  in  der  ea| 
sind  entworfen,  und  die  sprechent  ze  tütsch  also: 

Der  altvater  sant  Arsenius  fragete  den  engel,  waz  er  8.5, 
tun,  daz  er  behalten  wurdi.  Do  sprach  der  engel:  „du  solt  üiebei 
und  solt  swigen  und  dich  ze  rflw  sezzen." 

Dar  na  in  einer  gesiht  laz  der  engel  dem  diener  ab  der  alt- 
veter  bflch  also :  ein  Ursprung  aller  selikeit  ist,  sich  selb  still  hallen 
und  in  einikeit. 

Theodorus:  Luterlich  sich  halten  git  me  künsten  denne vast ; 
studieren. 

Abbas  Moyses:  Sizze  in  diner  celle,  du  sol  dich  ellü  ding 
leren.  —  Halte  dinen  ussern  menschen  in  stilheit  und  den  inren  in 
luterkeit. 

Abbas  Johannes:  Der  visch  usrent  dem  wasser  und  der] 
miinch  ussrent  dem  kloster. 


4  Arsenius  auch  am  Rande  AS  8  seilikeit  A  10  ff.  die  Namen  steki» 
in  ASPKMA^  rot  am  Rand  odei'  vor  den  betre finden  Sprächen  (deren  Zuteilung 
in  einigen  Hss.  mitunter  unklar  ist,  in  andern  ieilweist  ahxceicht)  Theod. 
abbas  AS        12  Moyses  abbas  AS        16  abbas  fehlt  AS 

1  ff.     Die    von   Seuse    öfters   genannten    und   so    hoch  geschätzten  f/fß' 
Hör.  41y  45,  116  f.,  lo'J,  172  ff,)  altveter  sind  die  Anachoreten  der  Wiiste,  D«' 
AltiHiterhuch     (Vitaii    odvr    Vitas   pairuin) ,    ein    aus    verschiedenen    Mönch*' 
geschichten  von   Athanasius,    Hiernnymus,    Palladius   (Historia  Lausiaca,  ^^ 
die  Ausgabe    von    C.  Buller,  Cambridge  lyai-)    und   andei'n  zusammengesett^^i 
nach  und  nach   immer  mehr   anschwellendes  Sammelwerk  (Ausg.  von  H.  H^' 
wet/dCf   Anfwerp-n   ItJlö ;  bei  Migne   Patr.  Lat.  7H  u.  74),   war   eines  der  g^ 
lesensten  Bücher  in  den  Klöstern  des  Mittelalters  (Seuse,  Hör,  116 :  collacioM* 
ac   vitas  patrum,    quas   coiidi ;   legis   ac   relegis),    irurde  frühe   gedruckt  (t^- 
y.  Falk,   Die  Drnckkunst   im  Dienst   der  Kirche  1^79,  36,  86)   und  in  Üler- 
Setzungen  und  Auszügen  weit  verbreitet  (poetische  Bearbeitufig  des  13,  Jh.  hrf§' 
von  Franke  IbiSo,  1.  Heft :   Prosaauseug  in  mitiddeutschem  Dialekt  hmg,  po» 
Palm,  lAt.  Verein  7:*  [1863],  in  alemannischer  Mundart  fc.   1350J  von  iVct«^ 
in    Zfdph    wo:»,  371ff.>.     Seuse   hat  seine   ASprüche   aus   den  Verba  seniomt» 
(apnphthegmata  2>alrum),    bei  Rosweyde  in  lib.  III,    V — VII,  gesammelt,    DoM 
AUvnterhuch    galt   ihm    als    „nucleus   totius   perfectiotiis"*  (Hör.  175)    und  du 
Ahtöfungen    der  Anachoreten    sind    ihm    bis    ins    einzelne   vorbildlich   gevtsen 
7  t'.    JJnr.   17:J  f.  berichtet  Seuse   von   einer   Vision,   wie    ihm    ein  Kngel  an 
den    Vitae    patrum    vorlas:  fons   et   origo   omnium    bonorum   hatnini  ifpirituai 
est,  in  cella  jugiter  commorari  (cgi.  Migne,  Patr.  Lat.  73,  801  und  H«tr,  17$ 
fUge,  tace,  tjuicsa:  haec  sunt  principia  salutis). 


Lehen  SeusM.    Kap.  XXX^^  105 

ADtoniDs:  Liplichfi  kestuug  und  herzenaitdaht  iiod  von  deii 
ilfD  fliehen  gebirt  künschkeit.  —  Du  sott  enkein  kleid  tragen,  an 
>m  man  äpkeit  miig  merken.  —  Der  eret  Btrit  eins  anvahenden 
mcben  ist,  sich  wider  frassbeit  kechlich  sezzen. 

Pastor:  Da  ensolt  mit  keinem  menschen  zürnen,  nnz  er  dir 
dlp  din  rehtes  oge  ns  brechen. 

Isidorns:  Ein  zorniger  menBcli  ist  gote  missvellig.  wie  ^rossü 
liehen  er  tftt. 

[45*]  Ipericiug:  Es  ist  minr  HÜnde  llergch  eseeu,  so  es  ze 
liilen  weri,  denn  sinen  nehsteu  hinderklafen, 

l'yor:  Es  ist  gar  bos,  frömd  gebresten  her  für  netnen  und 
rigcn  gebresten  ze  rnggen  Blossen. 

Zacharias;  üb  niügg  ein  mensch  gross  verachmeht  liden,  sol 
fni  iemer  reht  beschehen. 

Sestor;  Da  mflst  vor  ze  einem  esel  werden,  sottu  götlich  wis- 
it  besizzeD. 

Seuex:  Du  solt  unbeweglich  in  lieb  und  in  leid  stan,  als  der 
Wen  beiD  tut. 

Heltas:  Blaichü  vanve  nnd  ein  verzerter  iip  und  demütiger 
*au(1el  zierent  wol  einen  geiscblicben  menschen. 

Hilarion:  Wan  sol  einem  ze  geilen  rosse  und  einem  un- 
k*iL<cliem  übe  sinee  ffiters  ab  brechen. 

Senex.  Ein  vater  sprach:  tu  hin  von  mir  den  win,  wan  ein 
W  der  gele  lit  dar  inne  verborgen. 

Pastor:  Der  ward  nie  ein  geischlicher  mensch,  der  sieb  noh 
%et  nnd  an  zorne  und  undergene  und  vilrede  sich  nob  nit  kan 
ItliSBen. 

Cassianus:  Als  sich  der  sterbend  Cristus  an  dem  iTÜze  be~ 
<i)te.  dar  nah  sol  unsrü  bewisungc  gebildet  sin. 

Antonius  sprach  zQ  einem  bnlder:  mensch,  hilf  dir  selb, 
Bder«  weder  ich  noch  got  wen  dir  niemer  gehelfen. 

Arsenins.  Ein  frowe  bat  einen  alten  vater,  der  er  ir  gedehti 
i  got;  do  sprach  er:  „ich  bit  got,  daz  er  din  bild  nsser  minem 
(raen  verdiige." 


l    luud]    von    sM          2   ensolt  Win  P         6  aoU  M          11   prior   SP 

Ziich:miis  K        venichiuii'chait  M        15  Holtii  du  A  18  beiii]  kein  i!|  M 

B.vlsrius  K        '26  [und]  von  vilr.  M        27  lassen  M  ao  sprach  —  brader 
k  K        zä  einem  inenscheu  uime  brdder  S 

17  Senei  !ifdc«(t(  eintn  mit  Nnmm  iikhl  litkiiuntfii,  AltvaUr. 


106  Leben  Seuses.    Kap.  XXXV. 

Macharius:    Ich  tftn  minem   übe  vil  hertekeit  au,   wan 
von  ime  vil  anvehtung  haD. 

Johanne 8.  Ein  vater  sprach:  ich  behüb  minen  willen  . 
nob  gelerte  nie  mit  worten^  daz  ich  selb  nit  tet  mit  werken. 

Senex:  Vil  schöner  worten  ane  werk  ist  üpig  als  der  hon 
der  vil  lobes  treit  ane  frucht. 

Nilns:  Swer  bi  der  weit  vil  mfiss  wandeln,  der  mflss  oel 
meng  wunden  enpfahen. 

Senex:  Mögest  du  nit  anders  tftn,  so  solt  du  dur  got  dinei 
Celle  hüten. 

Ipericius:  Der  sich  kunscbklich  haltet,  der  wird  hie  geerel 
und  von  got  gekrönet. 

Apolloniu8:Du  solt  dem  anvang  widerstan  und  dem  schlangei; 
sins  hoptes  varen. 

Agathon.  Ein  vater  sprach:  ich  han  drä  jar  einen  stein  in 
minem  mund  [46']  getragen,  daz  ich  gelerneti  swigen. 

Arsenius:  Mich  hat  dik  geriiwen  reden,  aber  swigen  gerovi 
mich  nie. 

Senex.  Ein  junger  fragte  einen  altvater,  wie  lang  er  swigen 
sölte;  do  sprach  er:  „unz  daz  man  dich  frage. "" 

Sancta  Syncletices:  Wirst  du  siech,  dez  fröw  dich,  wan 
got  hat  an  dich  gedaht ;  wirst  du  krank,  daz  gib  nüt  dinem  vastene, 
wan  die  nut  vastend,  die  werdent  och  siech ;  wirst  du  geubet  mit  dez 
libes  anvehtunge,  fröw  dich,  daz  ein  andre  Paulus  mag  uss  dir  werden. 

Nestorius.  Ein  gftte  brAder  sprach:  d&  sunne  überscbelD 
mich  nie  essende. 

Johannes.     Der  ander  sprach:  noch  mich  zärnende. 

Antonius:  Die  gröst  tugent  ist:  mass  kunnen  haben  in  allei) 
dingen. 

Paphuucius:  Es  hilfet  nüt  wol  an  vahen,  wan  bring  es  denn 
zh  ainem  guten  ende. 

Abbas  Moyses:  Waz  dich  eines  Intern  gemütes  mag  ent 
sezzen,  daz  solt  du  miden,  wie  gut  es  schinet. 

Cassianus:  Ellü  vollkomenheit  endet  da,  wenn  du  sele  mi 
allen  iren  krcften  ist  ingenomen  in  daz  einig  ein,  daz  got  ist. 

7  yiim  fehh  K  vil  miiss]  wil  müssig  M  20  daz  fehlt  FM  21  sii 
ch'c'ic»  S  sinclerices  K  aiiklendcs  (!)  M  24  U8  dir  mnge  P  30  Pafnncii 
APA'  l»nfriiiciu8  M,  fehlt  K        32  abbas  Moyses /<-/</<  iL 

21   Dir  Xame.  lautet  sonst  JSyncltiica   {Mujnc,  Patr,  Lot,  ?Jf  ttyö  u.  6 
24    Vyl.  11  Kor.  12,  7ff. 


Leben  Seuses.    Kap.  XXXV.  lOT 

Disü  bild  und  lere  der  alten  veter  sante  der  diener  siner  geisch- 
lichen  tohter,  and  ei  nam  es  in  sich  und  kerte  es  uf  den  weg,  daz. 
er  meinde  da  mite,  daz  si  nah  der  alten  veter  strenger  wise  Iren 
lip  oh  mit  grosser  kestgnng  s51ti  üben,  und  vie  an,  ir  selben  ab  ze 
5  brechene  und  sich  ze  pingen  mit  herinen  hemdem  und  mit  seiln  und 
gmlichen  banden,  mit  scharpfen  isninen  nageln  und  dez  gelieh  vil. 

Do  der  diener  dez  innen  ward,  do  enbot  er  ir  also:  „liebü 
tohter,  wilt  du  din  geischliches  leben  nah  miner  lere  rihten,  als  du 
es  an  mich  hast  gevordret,  so  lasse  sölich   übrig  strenkheit  under- 

W  wegen,  wan  es  diner  fröwlichen  krankheit  und  wol  geordneten  nature 
nit  zu  gehöret.  Der  lieb  Cristus  sprach  nüt:  ^nement  min  krüz  uf 
ich,"  er  sprach:  „ieder  mensch  neme  sin  krüz  uf  sich!"  Du  solt 
nit  an  sehen  ze  ervolgen  der  alten  veter  strenkheit  noh  die  hcrten 
ubonge  dines  geischlichen  vaters,  du  solt  usser  dem  allen  dir  selb- 

^  och  ein  vabt  nemen,  daz  du  wol  niugest  erzügen  mit  dinem  kranken 
übe,  daz  du  Untugend  in  dir  sterbe  und  mit  dem  libe  lang  lebest. 
Daz  ist  ein  wirigü  ubunge  und  ist  dir  daz  beste.** 

Si  begerte  von  im  ze  wüssene,  war  umbe  er  so  streng  [46^] 
ibnng  heti  gehabt,  und  er  daz  selb  weder  ir  noh  andren  menschen 

'OwSlti  raten.  Do  wiste  er  si  uf  die  heiligen  scrift  und  sprach  also: 
»man  vindet  gescriben,  daz  hie  vor  under  den  alten  vetern  ire  etlicb 
^in  nnmenschlich  und  ungeloblich  strenges  leben  fürten,  daz  ze  disen 
Diwen  ziten  etlichen  weichen  menschen  ein  grüwel  ist  allein  dur 
von  hören  sagen;   und  merkent  nit,   waz  inbrünstiger  ernst  erzügen 

*  'öag  mit  g6tlicher  kraft  ze  tun  und  ze  lidene  dur  got.  Einem  s6- 
licben  inbrünstigen  menschen  werdent  ellü  unmüglichü  ding  müglicb 
2e?olbringen  in  gote,  als  David  seite,  er  w61te  mit  gotes  hilf  dur 
ein  gantz  mur  dringen.  Es  stat  och  an  der  altvater  buch  gescriben^ 
<laz  ire  etlich  in  selber  solich  gross  strenkheit  nit  an  taten,  die  doch 
baide  uf  ainem   zil  enden  wolten.     Sant  Peter   und  sant  Johann 


5  f.  und  mit  grül.  b.  PK        6  ist  vil  S        12  mensch]  man  S        15  wol 
eAit  K        17  wlirdige  F        19  und  daz  er  daz  h.  M       23  grül  M       25  ainen  K 

12  Matth.  16,24.  20  Hier  wie  oft  hat  d-.r  Ausdruck:  (heilige)  Schrift 

racra  scriptura  oder  pagina)  eine  viel  weitere  Bedeutung  als  jetzt  und  he- 
lichntt  die  Väterlthre  oder  die  theologische  Wissenschaft  überhaupt :  vgl, 
\  Velder^  Geschichte  der  wissenschaftlichen  Studien  im  Franziskanerorden  bis 
n  düf  Mitte  des  13.  Jh.  1904 y  493  ff. :  Michael,  Geschichte  des  deutschen 
olkes  III  (1903),  48  A.1:  Schönbach,  Über  Hartmann  von  Aue  1894,  192 f.. 
26  f.   Vgl  Phil.  4,13.  27  Ps.  17, oO. 


108  Leben  Seuses.    Kap.  XXXV. 

wurden  ungelich  gezogen.   Wer  kan  nu  daz  wunder  alles  us  gerich 
denn  daz  der  herr,  der  ein  wundrer  ist  in   sinen  frunden,  und    ci 
von  siner  grossen  herschaft  wegen   mit  mengerley  wisen  wil  gelop^ 
werden?    Dar  zu  sien  wir  och  ungelich  genaturt:  daz  eines  mengcbei? 
gute  fug  ist,  daz  füget  dem  andern  niht.    Dar  umb  sei  man  nAt  dar 
fär  haben,   ob  vil  liht  ein  mensch   sölich  strenkheit  nit  hat  gehabt, 
daz  er  dar  umbe  gehindert  werd,   daz  er  zfi  dem  nehsten   nit  mig 
komen.   Den  selben  weichen  menschen  sind  och  solich  streng  übuDgen 
in  andern   nit   ze  verwerfen   noch   in   arger  wise  ze  urteilen;  lüge 
allein  ieder  mensch  zfi  im  selb  und  merk,  waz  got  von  im  well,  und  ] 
sie  dem   gnfig   und   lasse  ellfi  endrü  ding  beliben.     Gemeinlich  ze 
sprechen   so  ist  vil  bessrer  bescheiden   strenkheit  füren  denn  unbe- 
scheiden.    Wan  aber  daz   mitel   mülich   ist  ze  findene,   so  ist  doch 
weger  enklein  dar  under  ze  bliben,  denn  sich  ze  vil  hin  über  wagen; 
wan    es    geschiht    dik,    so  man    der  natur   ze   vil   unordenlich  ab] 
prichet,  daz  man  ir  och  dur  na  ze  vil  mftss  unordenlich  wider  geben, 
wie  daz  sie,  daz  sich  hier  inne  menger  grosser  heilig  bab  fiberseben 
von  inbrünstigem  ernste.   Sölich  strenges  leben  und  dfi  bild,  von  den 
geseit  ist,    mugen   den   menschen   nüzz  sin,   die  sich  selber  ze  zait 
habcnt  und  ire  widerspenigen  natur  uf  [47']  ire  ewigen  schaden  zcl 
mütwilleklich  bruchent;  daz  höret  aber  dir  und  dinen  glichen  nitxi 
Gott  der  hat  mengerley  crüzze,   mit  den  er  sin  fründ  kestget.    Ich 
versieh  mich  dez,   daz   dir  got  einer  anderley   krüz  well  uf  dinen 
ruggen  stossen,  daz  dir  noh  pinlicher  wirt,  denn  semlichü  kestgnng 
sie;  daz  krüz  enpfah  gedulteklich,  so  es  dir  kome!" 


1  erzogen  M  3  gelopt]  geübt  A^  7  dem]  den  M  9  in  andern 
menschen  nit  ze  werfent  M  11  f.  am  Randv  Benil)ardus  AK  12  besser  SM 
ze  füren  K  13  am  Bande  In  collationibus  patrum  AK  mitel]  miden  K 
16  ze  vil  och  fdur  na]  M  unord.  mos  PM  20  wider  spenigung  A'  22  mit 
den]  da  mit  M        24  Holiche  A' 

2  Ps.  ü7,3fi.  11  ft".  Y'ffL  Hern.,  sermo  3  in  circumcis.  n.  11:  hoc 
rytßo  timendam  eat  ti,  qni  iania  ddectatione  (Sc.  in  devotionis  grntia)  omniä 
facit,  ne,  dum  sequiiur  offictionemj  corpus  destruat  per  immoderatam  w^fci» 
iationemj  ac  diinde  ntccsae  haheatj  non  sine  magno  spiritualia  exerciiii  däri' 
mtntOy  circa  debilitati  curam  corporis  occtipari.  Knjo  ....  necesse  est  lumiM 
discretionis  . . . ;  haec  nimirum  docet,  ne  quid  nimis.  Vgl.  auch  GuigOj  Ep. « 
fratres  de    Monte   Da    I,  11    (inter,   opp.    S.    Bern.,    Venet,   1781  ^   111,191) 

IB  ff.   Joh.  Cass. ,    CoUaiioncs   Patrum  II,  16.  17  iSfuae  selbst  htgi»{ 

diesen  l^\'kler  (vgl.  Kap.  18  Schluss).  wie  ror  ihm  auch  d$r  ?d.  Btmhat 
(  Vacandard.  Vie  de  S.  Bernard,  1  / 1695]  45  Jf.),  Franz  von  Assiifi,  Mechthü 
von  Magdeburg   (ed.  Gull.  Morel  94  f.)  n.  a. 


Lebeu  Seiiaes.     Kap,  XXXVI.  JOy- 

Dar  nah,  do  nit  vil  zites  bin  kont,  do  greif  got  die  geiscblich 
Her  an  mit  laii^wirigem  giechtagen,  daz  eic  wart  an  dem  libe  ein 
Weche  dürftig  unz  an  ir  tod.  Si  enbot  inie,  wie  es  ir  ergangen  waz. 
als  er  ir  vor  bäte  geseit.  Er  screib  ir  hin  wider  also;  „liehü  tobter, 
^t  der  bat  nüt  allein  dicb  dur  mit  getrofen,  er  hat  och  mich  io  dir 
^lezzet.  wan  ich  nieman  me  Lab,  der  mir  mit  sölicbem  üisBe  und 
gitliclien  trfin'en  beiialfen  sie  minü  bneblu  ze  volbringen,  als  du  tet, 
die  wil  du  gesund  werd.  Hier  umbe  bat  der  diener  got  getrüwÜcb 
aber  dich.  ni6bti  es  sin  wille  sin,  daz  er  dir  denne  gesuntbeit  gebi. 
Und  do  in  got  nit  wolte  bald  erhören,  do  zurede  er  mit  got  eines 
f[iiotbcb«s  zärnens  und  meinde,  er  enwölte  von  dem  minneklicben 
!."ole  nit  tne  bücLlü  maclien  und  wulti  ocb  sinen  gewonlicben  morgen- 
grti  nnderwegen  lassen  von  unmftt,  ob  er  dich  nit  wider  gesund 
maebeti.  Do  er  also  in  der  uurüw  eines  herzen  nider  gesass  in  der 
kB|ie|]  nah  siner  gewonljeit,  do  entsunken  im  naiswi  die  sinne  und 
riuclil  in,  es  kemi  ein  engelseblichü  schar  bin  in  für  in  in  die  kapell; 
die  gangen  im  ze  tröste  ein  bimelscbes  gesang,  wan  sü  in  do  in  der 
■elben  zit  in  snndern  lideu  wüsten,  und  fragten  in,  war  umb  er  als 
tnuklich  gebareti  und  nüt  mit  in  ocb  sunge.  Do  verjab  er  in  sin 
Monlenlich  entrihtunge,  die  er  gen  dem  lieben  got  bäte,  daz  er  in 
in  der  bete  diner  ge-snntbeit  nit  hat  erhöret.  Do  mcinden  sü,  er 
w'ilte  ab  lassen  und  sölti  nit  also  tftn,  wan  got  heti  den  siechtagen 
über  dich  verhenget  dur  daz  aller  beste,  und  daz  sülte  din  kröz  sin 
io  diaer  zit,  da  mit  du  soltist  erwerben  gross  gnad  hie  nnd  manig- 
^tlügen  lun  in  dem  himelrich.  Dar  umbe  bis  gedultig,  tobter  minü, 
BBd  nim  es  iif  allein  als  ein  friintlich  gäbe  von  dem  minneklicben 
.gMe." 

XXXVI.  Kapitel. 
[4T']  Ton  kiutlichem  andaht  eins  jaugeu  anvahenden 


Disu  siechü  getscbüchü  tobter  bat  einest  den  liiener,  do  er  dar 
Waz  komen  und  st  gesehen  wolte  in  ire  krankbeit,  daz  er  ir  etwaz 

3  «ieche  «Ifirre  dfirftige  A'       B  gestinffel  1'       10  linld /rhll  M       1 1  zumes  S 

SM       H  machen  K       '20  daz]  do  31       20f.  in  [in]  JfMA'       31  disfl]  diu  S 

6  (f.     Hitr  igt  wohl  nicht  die  'J'eiinahmf  uu  lUr  Abfassung  der  Vita  und 

S^ßr  Sr/b,   sofultrn   dae  Ahnchrtihtn  und   Vcrbreiltu   den  Bdtr  u.  Bdew  ge- 

DU  au»  TSs»  tlautmende  Engelberger  Hm.  (ICr.  141)  den  Itltttrin  Buch' 

H  rielkichl  vf  Ehbeth  aelbH  geschriibtii.  'dl  f.  N<iek  Tö's. 


110  Leben  Seuses.    Kap.  XXX VI. 

Seite  von  götlichen  dingen,  da  nit  grossen  ernst  in  trugin  und  doch 
einem  götlichen  geraüt  lustlich  wenn  ze  hören,  und  er  seit  ir  von 
sinem  kintlichem  andaht  und  sprach  also: 

Do  der  diener  dennoch  einen  blünden  möt  hate  in  siner  jugende, 
do  hat  er  neiswi  vil  zites  ein  wise,  so  er  erst  geliess  ze  ader,  daz 
er  uf  der  selben  stunde  einen  ker  nam  zu  dem  geminten  gote  nnder 
daz  kruz,  und  böte  sinen  verwunten  arm  her  für  und  sprach  denne 
mit  inneklichem  süfzen:  „ach  herzeklicher  fründ  minr,  gedenk,  daz 
gewonlich  ist,  daz  lieb  ze  lieb  pfliget  ze  gene,  so  man  gelassen  hat 
unib  gutes  bl&t.  Nu  waist  du,  lieber  herr,  daz  ich  nit  liebes  denol 
'dich  allein  han ;  dar  umbe  kum  ich  zu  dir,  daz  du  mir  die  wanden 
segnest  und  mir  gfit  bliU  machest."^ 

In  den  selben  ziten  siner  jugend,  so  er  etwen  hat  geschorO; 
und  dennoh  sin  antlät  in  schöner  ufgezunter  varwe  waz,  so  gie  er 
hin  zfi  dem  schönen  herren  und  sprach :  ^ach  zarter  herr,  wen  min  I 
^estalt  und  min  mund  als  rösloht  als  aller  roter  rosen  schin,  dtf 
wölti  din  diener  dir  behalten  und  nieman  andern  geben;  und  svie 
^u  allain  daz  herz  an  sihst  und  dez  ussem  nüt  vil  abtest,  geiuinter 
faerr,  so  büt  dir  doch  min  herz  ein  minnezeicheU;  daz  ich  dur  mite 
zu  dir  und  zfi  nieman  anders  kere.^  i 

[48']  So  er  denn  einen  nüwen  rok  ald  kapen  an  leite,  so  p^ 
er  etwen  hin  dez  ersten  an  sin  gewonlich  stat  und  bat  den  himd- 
sehen  herren,  der  in  dez  kleides  beraten  hate,  daz  er  im  gl&kes  und 
heiles  dar  in  wnnschti  und  im  hülfe,  daz  er  es  in  sinem  aller  lieb- 
sten willen  verschlissi.  ^ 

Hie  vor  in  siner  kintheit  hat  er  ein  gewonheit:  so  der  %c\M 
snmer  kam  und  du  zarten  blümlü  erst  entsprungend,  so  enthielt  er 
sich,  daz  er  der  blftmen  nit  wolte  brechen  noh  handien  nnz  an  dtf 
zit,  daz  er  sin  geischliches  liep,  die  zarten  geblümten  röselochtee 
magd,  gotes  m  fiter,  dez  ersten  gemeindi  mit  sinen  ersten  blflmen. 
So  es  in  zit  duhte,  so  brach  er  der  blumen  mit  mengem  minnek* 
liehen  gedanke  und  trfig  sü  in  die  celle  und  roachete  ein  schapel 
dar  US,   und  gie   hin   in  den   kor  ald   in   finser  frowen  kapeil  nirf 


1  von  geistlichen  dingen  oder  gotlichen  A^  2  war  M  8  herzlieberlf 
10  lieber  S  16  und  ni.  inund  fdilt  M  24  dar  in  fehlt  M  27  bloadi] 
blumen  P  ernst  entspringent  M  30  dez  ersten  fehlt  8  gemerndi  A 
sinem  MA^        31  f.  innekl.  A'        82  e.  minklich  schapel  M 

18   Vgl.  I  Kon.  10,7.  21  ff.   Das   Gläcktaünschen  und  Begcheiüm 

beim  Tragen   eines  neuen  Kkides  ist  noch  jetzt  in  Schwaben   VoiksgebraitA 


Leben  Seuses.    Kap.  XXXVI.  1 1 1 

kDQwete  fdr  die  lieben  frowen  demüteklicb^  und  saste  ir  bilde  daz 
minneklich  schapel  uf  in  der  meinunge,  wan  si  der  aller  schönst 
bifim  were  nnd  daz  si  sines  jungen  herzen  sumerwunne  weri^  daz 
8i  den  ersten  biAmen  von  ir  diener  nit  versmabeti. 

5  Eins  males  do  er  die  schönen  also  bäte  gekrönet,  do  waz  im 
vor  in  einer  gesibt,  daz  der  himel  offen  were,  und  sab  die  liebten 
enge!  klar  uf  und  ab  varn  in  lichter  wat.  Also  bort  er  daz  aller 
sehonst  gesang  in  dem  bimelschen  hofe  von  dem  frölicben  ingesinde, 
daz  ie  gehöret  ward.     Sü  sungen   sunderlich   ein  gesang  von  unser 

0  frowen,  daz  sprach  als  recht  süzeklich,  daz  es  sin  sele  von  grosser 
Wollust  zerfloste,  und  waz  dem  glich,  daz  man  von  ir  singet  an  aller 
heiligen  tage  an  der  sequenci:  lUic  regina  virginum,  trans- 
cendens  culmen  ordinum  etc.,  und  ist  der  sin  dez  gesanges, 
wie  du  rein  kungin  obswebt  in  eren  und  wirdekeit  allem  bimelschen 

^ker.  Er  hfib  och  uf  und  sang  mit  dem  bimelschen  ingesinde;  siner 
Kle  bleib  do  vil  bimlisches  smakes  und  jamers  na  gote. 

Dar  na  einest  do  hat  er  ze  ingendem  meyen  siner  aller  liepsten 
kimelschen  frowen  na  gewonheit  ein  scbapel  von  rosen  uf  gesezzet 
nit  grossem  andabt,  und  dez  selben  morgens  frü,  won  er  neiswannen 

^kooien  waz  und  müd  waz,  dez  wolt  er  im  selb  gnügd  an  schlafen 
kan  gestatet  und  [48'']  wolt  die  jungfrowen  ze  der  stund  nit  bau 
grazet.  Also  do  es  zit  waz  nah  siner  gewonheit  und  er  uf  solt  stan, 
do  waz  im  ze  glicber  wise,  wie  er  were  in  einem  himelscben  köre, 
und  da  sang  man  den  Magnificat  gotes   müter  ze  lobe.     Do  daz  us 

'kam,  do  trat  du  jungfrow  dort  her  für  und  gebot  dem  briuler,  daz 
er  an  viengi  den  vers:  0  vernalis  rosula,  daz  sprichet:  o  du 
ines  sumerlicbes  röseli!  Er  gedabte,  waz  si  da  mite  mcindi,  und 
doch  wolt  er  ir  gehorsam  sin  und  hüb  an  mit  einem  frölicben  gemüte: 

0  Fernalis  rosula,  und  zehand  ire  drie  neis  viere  jungling  des 


3  8.  herzen  jungü  s.  M  4  versniahen  K  10  siizzeklich  reht  M 
^Äsin  8.  3f  11  zerfloss  PM  12  sequentz  M  16  himelsmakz  M  20  dez] 
^  M  gnfig  ^'^t  22  gegrüzt  SM  27  sumerroselin  M  20  neis]  ald  K 
öw  ir  vier  M 

12 f.  lUic  —  ordinum,  eucuset  npud  Dominum^  nostrorum  lapsas  crimi- 
I««,  ist  eine  Strophe  des  Hymnus  Supernat  matris  gaudia ,  repraesentet 
cclesia  (von  Adam  von  St.  Viktor  verfaast) :  vgl.  Chevalier ,  Repert.  hymnolog. 
Vr.  19822  II,  626  f.  (111,287):  Mone ,  Lat.  Hymnen  111,10:  Daniel,  Thes. 
ffmn.   V,  109.  26  Sequenz  über   die   Antiphon  Alma  redemptoris   mater, 

fL  Galt  Mord,  Lat.  Hymnen  des  Mittelalters  1866,  129:    Chevalier  a.  a.  0. 
r.  13879  II,  249. 


112  Leben  Senses.    Kap.  XXXVI. 

himelschen  ingesindes,  daz  in  dem  köre  st&nd,  viengen  an  n 
ze  singen,  dar  na  du  ander  schar  ellu  sament  widerstritz,  und  s 
so  wol  gemütklich,  daz  es  als  susseklich  erschal,  als  ob  ellü  s 
spil  da  erklungen;  und  den  überschal  mohte  sin  t&demlichü  i 
nit  lenger  liden,  und  kam  wider  zu  im  selben. 

An  dem  nehsten  tag  nah  unser  frowen  tag  Assumptio,  do 
im  aber  grössu  fröd  erzöget  in  dem  himelschen  hofe,  und  wolt 
nieman  hin  in  dur  zu  lassen,  der  unwirdeklich  dar  kerne.  D 
diener  gern  heti  hin  in  gedrungen,  do  kom  ein  jungling  und 
in  mit  der  haut  und  sprach:  „gesell,  du  hörest  iez  ze  disen 
nit  hin  in;  belieb  hie  usse,  du  bist  in  schulden,  und  müss  vo 
missetat  gebüzet  werden,  e  daz  du  daz  himelsch  gesang  n 
hören.**  Und  fftrt  in  neiswa  hin  einen  krumben  weg  in  ein 
under  der  erde,  daz  waz  vinster  und  waz  öde  und  jemerlich  gi 
Er  enkonde  noh  hin  noh  her  komen  als  eine,  der  gevangen  li 
er  weder  die  sunnen  noh  den  man  mag  gesehen.  Diz  tet  in 
und  vie  an  ze  sftfzen  und  sich  übel  gehaben  umb  sin  gevan^ 
Dar  na  schier  do  kom  der  jungling  zu  ime  und  fraget  in,  ^ 
möhti.  Er  sprach:  „übel,  übel!**  Do  seit  im  der  jungling 
„wüssist,  daz  du  obrest  fürstin  von  himelrich  ieze  mit  dir  z 
umbe  die  schulde,  dar  umbe  du  och  hie  gevangen  bisf  Der  d 
erschrak  gar  übel  und  sprach:  „owe  mir  vil  armen!  waz  ha 
wider  si  getan?"  Er  sprach:  „do  zürnet  si,  daz  du  als  ungen 
ir  brediest  ze  ire  hohziten;  und  gester  an  [49']  irem  grossem  1 
verseitest  du  diner  meisterschaft,  daz  du  nit  weitest  von  ir  brec 
Er  sprach:  „owe,  gesell  und  herr  mine,  lüg,  mich  dunket,  d 
als  reht  grosser  eren  werd  sie,  daz  ich  mich  ze  klein  dar  zu  d 
und  bevil  es  den  alten  und  den  wirdigen,  da  mich  dunket,  d 
wirdeklicher  kunnin  von  ir  bredien  denn  ich  armer  mensch." 
sprach  der  jungling:  „wüssist,  daz  si  es  gern  von  dir  hat,  ur 
ir  ein  gencmer  dienst  von  dir.  Dar  umb  tu  es  nit  me!"  Der  d 
vie  an  ze  weinen   und   sprach  zft   dem  jungling:    „ach  herzk] 


2  widerstrit   SPMA'a        3  erhal  S        5  lenger  fehlt  M        6  a.«' 
tionis  Ka^        9  e.  gross  jungling  S        begreif  S        10  mit]  bi  4^3/        1; 
wi  K         14  und  waz  jem.   g.   M        15  lit]   ist.  A^         16  den   sunnen 
man  kS        19  übel  und  ü.  3/        29  von  ir  k.  S 

6   Also   am    16,   August.  15    In    einem   tiefen    Burgverliese 

Lanzelot  1680:  In  einen  turn  er  in  warf^  Da  er  Kunnen  noch  defi  mdnei 
(A,  Schultz,  Das  höfische  Lehm  I-  (IbSü),  44  f). 


Leben  Seases.     Kap.  XSXM.  HS 

,  versün  mir  ea  gen  der  reinen  mftter,  wan  ich  {;eloben  dir 
piininer  trflwe.  daz  es  mir  nit  nie  bescliilit."  Der  jungling  lachete 
d  tröste  in  gütlich  und  fhrt  in  usser  der  gevangnües  wider  hein 
i  sprach :  „ich  han  es  an  der  himelfurBtin  gütlichem  antlüt  und 
Wrteo.  die  si  hat  gen  dir,  geinerket,  daz  si  wil,  und  hat  iren  zorn 
D  dir  ab  gelan  und  wil  ienier  mftterlich  trüwe  gen  dir  han." 

Er  hate  do  ein  gewoaheit,  so  er  iiss  der  celle  hin  ab  gie  ald 

n  wider  uf,  daz  er  gewonlich  sinen  weg  machete  dur  den  kor  fiir 

da;  sacratnent,  nnd  gedaht  also:   swer  einen  herzklichen  rrünt  iene 

)  nf  KJner  Strasse  hat,  der  machet  sinen  weg  gern  enklcin  dest  lenger 

dnr  eins  lieplichen  erkosene  willen. 

Ein  mensch  begerte  einer  vasnaht  von  gote,  wan  er  si  von 
keiuer  creatur  haben  wolte.  Und  in  einer  eutgangenheit  siner  sinnen 
in  waz  im  vor,  wie  der  lieb  Cristus  kemi  in  gentle  in  der  gestalt, 
'alsdo  er  XXXjerig  waz;  und  meinde,  er  wolte  im  sin  begirde  er- 
rüllen  und  ein  himelsch  vasnaht  machen,  und  nam  einen  becher 
Mit  wine  in  die  band  nnd  bot  in  den  drin  menschen,  du  och  da 
»ssen  ob  tische,  einer  nah  der  andren.  Du  erst  seig  da  nider  kraft- 
los, dö  ander  ward  och  enklein  swach,  aber  du  drit  abtet  sin  niht. 
'l'ml  seit  im  do  den  underscheid  eins  anvnhenden,  zftnemenden  und 
Tolkomen  menseben,  wie  sich  die  misslich  haltent  in  g6tlicber 
SDisekeit. 

Mit  disem  und  derley  gütlichen  kosene  nam  da  red  ein  ende. 
Si  screib  es  alles  an  heinlich  und  sante  es  neiswa  hin  ze  gehalten 
and  ze  verbergen  in  ein  bescbloseen  lade.  Eins  males  do  kom  [49''] 
ein  ^lü  swester  7.h  der,  du  es  behalten  bäte,  und  sprach  also:  ^eya, 
liebu  swüster,  waz  hast  da  verborgens  gütliches  wanders  in  diner 
UdV  L6g,  mir  waz  hinaht  vor  in  einem  trome,  daz  ein  Junger 
timelBeher  knab  stöude  in  diner  lade,  und  hate  der  ein  süsses  seilen- 

tl  ez  mir  M        7  am  BamU  NO  bii  1=  Xota  Bemhardua)  A        8  hiu  w. 
■f  Jtf         9  also  fthh  S        13  vergajigenlieit  P  cigeulieit  A'         16  und  üii  K 
kn«)  »»^  M        21  behalteu  M         35  lade]  laude  S        26  di^  -  liate  ftlilt  A'- 

^ia  dur  euiht  M 

4f.  AU  ^langer,  eicrer  herre'-,  ..aU  er  wae  amb  drieiig  Jar"  (d.h.  cur 
■  öfffTttlichft   WirkfumkeitJ  truelieint  Christas  aw:h  den  myetiaehe» 
n  Bngtltal,  AdeXkaiuen,  Ünlerlinden,  Töa»;  rgl  E.  Krebs,  Die  Myitik 
^Ftstgabe"  für  H.  l'inke  1904)  93  A.  3. 


114  Leben  Seuses.    Kap.  XXXVII. 

spil  in  sinen  bandeD,  daz  man  nemmet  ein  röbobli,  und  da  macZi 
er  nf  geiscblich  reyen,  die  waren  als  reislicb,  daz  menlicb  dur  vo, 
geiscblicben  Inst  und  fröd  nam.  leb  bit  dich,  gib  es  ber  ns,  da}. 
du  bescblossen  bast,  daz  wir  endrü  es  oeb  lesen."  Si  sweig  und 
wolte  ir  nit  dur  von  sagen,  wan  es  ir  waz  verboten. 


XXXVII.  Kapitel. 

Wie  er  üplgd  menschen  zu  gote  zoh  nnd  lidendü  mensehen 

tröste. 

Es  waz  der  diener  einest  lang  zit  gewesen,  daz  er  siner  geiscb- 
licben tobter  nibtesnit  bat  enboten.  Do  screib  si  im  einen  brief,  daz 
si  wol  bedürfte,  daz  er  ir  etwaz  enbuti,  da  von  ir  lidendes  berz  er- 
lupfet wurdi,  und  spracb  also:  ein  armer  menscb  nimet  im  selb 
ein  tröstli  dar  ab,  so  er  etlicbü  noh  ermr&  menschen  vor  im  sibt, 
denn  er  sie,  und  ein  lidender  menscb  gewinnet  ein  gfit  m&tli,  so  er 
höret,  daz  ander  sin  nabgebur  in  noh  grösren  nöten  sind  gewesen 
und  in  got  dar  us  bat  gebnlfen. 

Und  screib  ir  also:  dar  nmbe,  daz  du  dest  gedultiger  siest 
in  dinem  lidcne,  so  wil  ich  dir  got  ze  lobe  etwas  von  liden  sagen, 
leb  wüste  einen  menschen,  uf  den  vielen  von  gotes  verbengde  ber- 
lichü  liden  an  sinen  färnemen  zitlicben  eren.  Des  selben  menschen 
gutü  begirde  lag  dar  an  alzemale,  daz  er  got  von  ganzem  grnnd 
sins  herzen  begerte  minnen,  und  daz  er  daz  selb  minneklich  liep 
allen  menschen  möbti  wol  gelieben  und  von  aller  ander  Apiger 
minne  ziehen;  und  daz  gescbab  ocb  an  vil  personen,  baidti  mannen 
und  frowen.  Da  er  dem  tüfel  daz  sin  entfrömdet  und  es  gote  wider- 
brachte, daz  mute  den  bösen  geist  übel,  und  erscbain  guten  menschen 
vor  und  trowte  im,  er  wölte  sieb  an  im  reeben. 


1   rubobU  M  robobli  A'   roddel  P        3  und  frod  fehlt  M       4  leseBJ 

losen  K        5  w.  verborgen  APKM  verborgen  waz  S  10  n6t2  M  niht  8 

11  dorfte  K       16  geholfen  hat  M        20  zitl.  fehlt  A^  23  f.  üppiger  ander 
m.  M        26  einem  guten  m.  S 

1  robobli  (Lexei'  II j  518:   ruheblin)  =  Ruhehe ,  rebeü,  rebec,  orabM 

rebah^  eine  kleine  zweiaaitige  Geige,   Taschengeige,    roddel  (P)  =  rottt  (Lern 

Ily  50y)f  eine   Art  Zither  oder  Harfe,  später  identisch  mit  dem  PsaUtriwm 

Vgl.  0.  Fleischet'  bei  H.  Faul,  Grundriss  der  german,  PhiloL  III  (1900),  572  f* 

A.  Schutts,  Das  höfische  Leben  I'-,  654  f. 


Leben  Seusea.     Kaji.  XXXVII.  115 

Sonderlich  do  kom  er  ainest  zfi  eiro  kloster  eins  söliehen 
1,  in  dem  die  geischlicheti  Iierren  pflegent  ir  sunder  wouuug 
liiu  and  die  geischlicheu  frowen  ii*  ordeDS  och  runder  ze  sine.  In 
dem  kloster  da  waren  zwo  geischlich  und  vil  gewegen  persooen,  ein 
Man  nnd  ein  frowe,  an  [öO']  einander  verkleibet  mit  grosser  rninne 
tnd  Bt^bedlicber  hainlichi;  nnd  daz  hate  der  tiifel  bedeket  in  ire 
laider  blinden  herzen,  daz  sü  die  missetat  an  sahen,  ab  ob  es  kein 
:ebre8t  noli  sind  weri,  und  in  von  got  weri  getirlobet.  Do  der 
liener  dea  hainlioh  gefraget  ward,  ob  es  also  nii'ihti  bestan  in  golee 
riiien  in  der  warheit,  do  sprach  er:  „nein,  mit  nihtö!"  und  seit  in, 
laz  daz  liebt  falsch  were  und  wider  cristenlich  lere,  und  schuf,  daz 
i^dur  von  lieesen  nnd  sich  luterlicb  dur  na  hielten. 

Under  dannen  do  er  daz  tet,  do  waz  ein  heiligii  person,  hiess 

loa,  an  ir  andabt  und  ward  verzuket  in  dem  geiste,  und  da  sah 

I  daz   ob   dem   dieuer   in   den   lüften    ein  grössü  sctiar   tüfellicher 

irier  sich  samnetan,   und  die   schrüwcn   alle   sament:    „mord  und 

»rd  aber  den  bösen  muncb!"     Sü  schnlten  und  flüeheten  ime  dar 

imbe,   daz  er  sü  von  der  selben  gevelligen   stat  vertriben  bäte  mit 

iiiem  rate,  und  swären  dez  alle  sament  mit  fraidigen  gebevden,  daz 

ü  iemer  wültin  uf  in  stellen,   daz  sü  sich   an  ime  gereebin,  und 

'an  sü  im  weder  an  Übe   noh   an  gtite   nit  miibtin   zi^  komcn,   daz 

i  in  doch    an   der   fürnemekeit   aiuer   eren  vor   der  weit   grösslich 

dn   beschalken.      Sü  wultin   unerlichü   ding   uf  in   trecbeu,    und 

sich  joeh  vor  ursach,    wie  gnot  er  iemer   möhte,    so  wMtin  sü 

loch  mit  falschen  listen  zfl  bringen,   da«  es  geschehe.     Dar  ab 

rak  der  beiliger  mensch  gar  übel    und  bat  unser  frowen,  daz 

le  ze  hilf  kern!  in  den  künftigen  nöten.     Do  sprach  du  milt 

gutlich  zu  Ire:  „sü  mugen  im  nüt  getün  ane  mins  lieben  kindes 

lengnus:  waz  der  über  in  verbeuget,  das  ist  nnd  wirt  sin  nehstes 

sin  aller  bestes.     Dar  umb  haiss  in  guten  müt  haben!'' 

2  ff.  (geüchlichen]  herren  phlegen   ainer  gaiatlichen  snnder  wonimg  und 

fr.  och  ir  orden«  besnnder  sind  in  dem  kloBter,  Da  waren  ...  M        4  z. 

nuchl.  S       7  baiden  K        8  im  M       9  wart  gefra^et  M        IB  in  dem 

H        18  hette  t-ertriben  PM        19  fradigen  A        mit  einen  fraid.  g.  M 

fehlt  M        S2  3ä  im  3/        24  er  joob  ieiuer  wÖlte  S        2ä  z8  ii'  gütlich  M 

1  ff.  Doypelkliigtti-  verechiedtner  Ordw  (Benediktiner,  Aagattintrchor- 
I,  Prätnonatrateiuer),  obwohl  vom  litmonigehtn  Jttcht  verboten  (e.  33  C. 
tu  q.  ä),  bettandta  aaeh  im  äpäteren  Mittelalter  vielfach,  to  in  SüddeuUeh- 
Mit  Zwitfaitent  Obermarchlal,  Weignenau,  Siickirijen,  Königsfflden,  Engel- 
St.  Johann  im  Thurtal.  .Sijlo  (i.  JihasB).  14  Vgl.  die  Aiim.  su  103,2. 


116  Leben  Seuses.    Kap.  XXXVII. 

Do  si  daz  dem  brüder  geseite,  do  begunde  er  ime  vil  üh 
fürten  die  fientlichen  samnung  der  bösen  geisten  und  gie,  als  er  du 
pflag  ze  tun  in  sinen  gedrangen,  bin  uf  uf  den  berg,  da  ein  capell 
stat^  d&  gewibet  ist  in  der  ere  der  heiligen  engel,  und  gie  nah  sioer 
gewonheit  betende  ze  nun  malen  umb  die  capell  in  der  ere  der  IX 
kören  der  himelschen  scharen,  und  bat  su  ernscblich,  daz  sü  sin 
gehilfen  werin  wider  alle  sin  fiende.  Do  mornent  frfi  ward,  do  ward 
er  gefuret  in  ainer  gaischlichen  gesiht  uf  ein  schön  veld.  Da  sah 
er  umb  sich  ein  vil  gross  schar  [50'']  der  engelschlichen  jungherren, 
die  im  woltan  helfen.  Die  trostan  in  und  sprachen  zö  im  also:  „got 
der  ist  mit  dir  und  wil  dich  niemer  gelassen  in  kainen  dinen  nuten; 
dar  umb  lass  nit  abe,  du  zuhest  dA  weltlichü  herzen  ze  götiicher 
minne!" 

Hier  ab  ward  er  gevestnet  und  varete  genot,  daz  er  wildes  und 
zames  got  widerbrechti.  Er  hat  einen  fraidigen  man  umbgangen 
mit  sinen  guten  worten,  der  waz  XVIII  jar  gewesen,  daz  er  nie  hate 
gebihtet.  Der  gewan  von  gote  gnad  zfi  im  und  bihtet  im  als  rüweklich, 
daz  sA  baide  wurden  weinende.  Der  starb  kurzlich  dur  na  und  nam 
ein  selig  ende.  Er  hate  einest  XII  gemeiner  sünderinn  bekert  von 
ire  sündigem  lebene.  Waz  er  eblich  von  dien  erlitt,  daz  ist  unsäg- 
lich.    Ir  bliben  aber  ze  jungst  nüwen  zwo  stet. 

Eis  waren  hin  und  her  in  dem  lande  neiswi  meng  person,  fröh- 
lich bildes,  baidü  weltlich  und  gaischlich,  du  waren  von  krankbeit 
ires  gemütes  berlich  vervallen  in  süntlich  gebresten.  Die  armen 
töhtran  baten  nieman,  dem  sü  vor  schäme  getörstin  verjeben 
ir  wetündes  herzleid,  denn  daz  sü  dik  von  angstlicher  not  in  die 
anvehtung  kamen,   daz  sü   sich  selber  woltan  han  ertödet.    Do  da 


1  ime  vil]  sieb  gar  P  3  uf  [uf J  SK  12  du  weltl.  fehlt  M  16  XXVI  -S^ 
19  gemeine  sünder  S  gemeiner  sünder  vil  P  20  Ire  sünd.  leb.]  iren  Sünden  S 
ebclklicb  (so  stet^)  M  21  aber  fehlt  M  22  f.  frolicbes  A^  25  die 
hetton  M  25  f.  si  getörstin  verjeben  ir  scbam  ires  wetfinden  benlaidz  M 
26  vor  M        27  woltin  K 

27  Selbstmord  hezw.  Anfechtung  zum  Selbstmord  ist  im  späteren  MüiA- 
alter  nicht  so  selitti,  wie  es  scheinen  möchte.  Die  EreählungslittrcUuTy  htscndut 
Caesarius  von  Heisterbach  (Dial.  mirac,  4,4()—46)  und  Thomas  von  Chan- 
ttmpre  bieten  manche  Beispiele,  Vgl.  auch  Vita  K.  39:  BOchlein  van  dif 
Gnaden  Überlast  6,12^  und  das  bei  Straucf^  Ad,  Langmann  117  f,^  Inkofet 
Der  Selbstmord  lb86,  344 ff,,  Schönbach,  Über  Hartmann  von  Aue  466  um 
Michael,  Gesch.  d.  deutschen  Volkes  II  (1899),  ^2  A,  1  eusammengteteüi 
Material. 


Leben  Seuses.    Kap.  XXXVIII.  117 

menscben  yernamen,  daz  der  selb  diener  ein   miltes  berz  beti  gen 

allen  lidenden  menseben,  do  erbaldetan  sü  sieb,  daz  su  zft  ime  kamen, 

ein  ieklieba  zu  der  zit,  so  es  ir  an  die  not  gie,  und  klagten  ime  ir 

angst  und  ir  not,  da  mit  sü  gevangen  waren.    So  er  sab  du  armen 

o  herzen  in  dem  jemerlicben  lidene,  so  ward  er  mit  in  weinende  und 

tröste  sü  gutlieb.    Er  balff  in  und  wägete  dik  sin  zitlicb  ere  vast 

nmb  daz,  daz  er  in  an  sei  und  eren  wider  gebulfi,  und  Hess  dar  uf 

Valien  mit  böser  zungen  rede,  was  gevallen  mobte. 

Unter  den  andren  kom  einü  zu  ime,  du  waz  von  bober  geburt, 

10  und  seit  im  in  der  bibte,  do  si  als  gross  rüwe  umb  ire  val  gewan, 

do  ersebein  ir  unser  frow  vor  und  spracb  zu  ir  also:  „gang  hin  zu 

niinem  kaplan,  der  sol  dir  wider  belfen."     Si  spracb:  „owe  frow, 

ich  erkenn  sin  nit."    Du  müter  der  erbermde  spracb:  „lüg  ber  under 

minen  mantel,   da  bau  icb  in  in  minem  scbirme,  und  gescbow  du 

l^vil  wol  sin  antlät,   daz  du  in  bekennest;  der  ist  ein  notbelfer  und 

ein  tröster  aller  lidender  menseben  und  [51']  der  sol  dicb  trösten." 

Si  kom  bin  zu  im  in  ein  fremdes  land  und  erkande  sin  antlüt,  als 

ä  es  vor  in  dem  geist  gesehen  bäte,  und  bat  in,  daz  er  si  begnadeti, 

^d  seit,  wie  es  gevarn  waz.    Und  er  empfie  si  milteklicb  und  half 

*  ir  wider  nah  allem  sinem  vermugen,  als  im  du  mfiter  der  erbermde 

hat  enboten. 


XXXVIU.  Kapitel, 
^on  einem  t11  jemerllchen  lidene,  daz  im  hier  inne  begegente. 

In  sölicber  wise  kom  er  mengem  lidendem  menschen  ze  bilfe. 
fi  Aber  daz  tugentlich  gut  werk  müste  er  vil  sur  erarnen  mit  marter- 
"chem  lidene,  daz  im  dar  uf  viel.  Und  du  selben  kunftigü  liden 
^gte  im  got  vorbin  in  einer  gesibt  also: 

Er  kom  einest  eins  abendes  an  ein  hcrberg,  und  do  es  ward  gen 
^ge,  do  ward  er  in  einer  gesiht  gefüret  an  ein  stat,  da  wolt  man 
'^ess  singen  und  er  solt  selber  mess  singen,  wan  daz  loss  waz  uf 
^  gevallen.  Die  senger  hüben  an  die  messe  von  den  martrern: 
Mnltae  tribulationes  justorum  etc.,  daz  da  sait  von  menig- 
^altigem  lidene  gotesfründen.  Daz  borte  er  ungern  und  beti  es  gern 
gewendet  und  spracb  also:  „wafen,  wes  tobent  ir  uns  mit  den  martrern? 


7  o.  an  eren  M  u.  an  ere  6'A^        25  tugentlich  nach  erarnen  P,  fthlt  K 
32  Anfang  des  Introüus  einer  Messe  von  mehreren  Märtyrern, 


118  Leben  Seuses.    Kap.  XXXVm. 

War  zä  singent  ir  hat  von  den  martrern,  und  es  hüt  enkaines  martrera« 
tag  ist,  den  wir  begangen?^     Su  sahen  in  an  und  zögtan  mit  dei^ 
vingem  nf  in  und  sprachen:  „got  der  vindet  sin  martrer  hut  an  disen^ 
tage,   als  er  sii  ie  vand.     Berait  dich  nüwan  dar  z&  nnd  sing  fi^ 
dich!"     Er  warf  die  bleter  dez   messbüches,   daz  vor  im  lag,  hw^ 
und  her,  und  heti  gern  von  den  bihtern  ald  icht  anders  gesnng^ 
denn  von  den   lidenden  martrern;   waz  er  warf  und  nmb  kerte,  c^ 
stund  es  alles  vol  von  den  martrern.    Do  er  sah,  daz  es  nit  and^j^ 
mohte  sin,  do  sang  er  mit  in  und  sin  gesang  sprach  gar  trurklieli; 
über  en  kleines  wili  hüb  er  aber  an  und  sprach:  „dis  ist  ein  selzeiri 
ding;  man  möhti  es  mer  singen:  Gaudeamus,  von  fröden,  als  von 
trurenden  dingen,  den  martrern."     Su  sprachen:   „guter  gesell,  da 
waist  noh  nit.    Es  gat  dis  gesang  von  martrern  vor  an  hin,  and 
dar  na  neiswen,  so  es  zit  wirt,   so  kunt  daz  frölich  gesang  hinna: 
Gaudeamus!*'  ^ 

Do  er  wider  zu  im  selben  kom,  do  erzitert  im  daz  herz  ab 
diser  gesiht  und  sprach:  „owe,  got,  müss  ich  aber  marter  liden?^ 
Do  er  uf  dem  weg  hier  ab  vil  trurklich  gebarete,  do  sprach  sin 
geselle:  „ach  vater,  waz  wirt  üch,  daz  ir  als  recht  trurlich  ge-  j 
barent?"  [51^]  Er  sprach:  „owe  lieber  geselle,  ich  müss  hie  mes»*! 
singen  von  den  martrern,  **  und  meinde,  got  der  heti  im  kund  getan, 
daz  er  marterlich  müste  liden.  Und  dez  verstund  der  geselle  nit 
Do  swiget  och  er  und  trukt  es  in  sich. 

Do  er  hin  kom  in  die  stat,  daz  waz  zu  der  zit  in  den  vinstren 
tagen  vor  den  winnahten,  do  ward  er  na  gewonheit  gesüchet  mit 
biterm  liden  als  swarlich,  daz  in  duchte,  na  menschlicher  wise  %^ 
redene,  daz  im  sin  herz  in  sinem  libe  sölti  brechen,  ob  es  keinem 
lidenden  menschen  ie  weri  geschehen ;  wan  du  liden  baten  in  do  ab 
swarlich  umbgeben,  daz  im  nit  anders  entwürte  denn  ein  unverzogen  ^ 
klegliches  entsezzen  alles  dez,  daz  sin  ufenthalt  waz  nah  nuzze  und 
tröste  ald  eren,  daz  den  menschen  in  der  zit  mag  trösten.  Dss 
biter  liden  waz  also  geschafen: 


1  Wtor  z&  —  mart.  fehlt  M  4  f iir  -4.  6  icht]  etwas  M  ihi  tt  P 
11.15  Gadeamiis  A  13  von  den  mart.  M  14  naiswe  K  18  hier  ab  ff^ 
AP  da  her  ab  M  19  wurt  P  22  mart.  liden  müsd  M  23  swaig  S^ 
24  vinstxen]  jüngsten  M  25  wihenähtcn  M  27  zerbrechen  M  28  gesch-l 
gebrochen  P  28  du  liden  du  baten  M  29  unverzegen  P  unversigeDS  M 
31  ald]  und  M 

11.15  Auf  an  f/  des  Introüus  der  Messe  im  Commune  Virginum  non  üffl«^ 
rum  (DominikanerriUis)  und  an  den  meisten  Marienfesten. 


I 


Lehen  Seuses.    Kitji.  SXXVllI.  Hg 


r        Unter  andren  menHi^faeii,  du  er  gern  tieti  z!i  got  gezogen,  kom 
ifl  im  ein  trugUcher  ahlistiger  menscli,  dii  trttg  ein  wiilfin  herz  under 
einem  gütigen  wandel   und  barg  daz  als  genote,   daz  es  der  brflder 
in  vil   Innger   zit  nie   koiid  gemerken.     Dil  ivaz  vor  in  gross  siinde 
ö  nnii  liister  mit  einem  man  vervallen  und  raerete  ir  miBSCtat  da  mite, 
dai  si  die  geburt  einem  andern  gab  denn  dem  rech tschuld igen,  der 
sich  selb  wol  unechnldig  seile  der  Bache.     Dis  tohter  Hess  er  ire 
nisaetat   uit   entgelten    und  horte  ir  bifate,    und  ward   im  dienstberr 
mit  notarftigen  erberen  diensten  me  denn  die  andern,  nah  gewonbeit 
lu  geischlicber  lüten  dez  landes,   die  termner  heissent.     Do  daz  lang 
zil  geweret,   do  ward   er   nnd    ander  warhaftigü  menschen  knntiich 
innan.  daz  ei  hainlich  sSlichü  bSgii  werk  treib,  als  ei  ocb  vor  hate 
getan.     Dar  zfi  sweig   ev   stille   nnd  wolle   si   uit   gern   melden;   er 
I  brach  eich  aber  von  ir  und  von  ir  dienste.    Do  si  des  innen  ward, 
Ido  entbot  si  ime,  er  s61ti  nit  also  thn,  und  hrecbi  er  Ir  ab  den  nuzz, 
■4eD  si  von  im  hate,  dez  müsti  er  engetten,  und  si  wölti  im  ein  kind 
L.daz  ei  bi  ainem  weltlichen  manne  hat  gewunnen;  dez  kindes 
LbH  er  siti.   und  w&lti   in   also   geschenden   mit   dem   kinde, 
r  sUenIhalb  ze  n'if  wurde. 

Er  erschrak  ab  diser  rede  nnd  gestftnd  stille  uf  im  selb  und 
[  mäfeet  inneklich  nnd  sprach  in  im  selben  also:  „äuget  und  not 
I  [ö'i']  hein  mich  allenthalb  umbgeben,  nnd  waiss  nit.  wa  ich  mich 
I  hin  8ol  keren;  wan  tfln  ich  daz,  so  we  mir,  tfin  ich  aiu  uit,  so  we 
I  mir  aber,  und  bin  also  mit  we  und  not  allenthalb  umbgeben,  daz 
licli  dar  inne  möhti  besinken."  Dez  wartet  er  mit  erschrokem  herzen, 
I  *«  got  dem  töiel  w61ti  über  iu  verbeugen.  Er  wart  ze  rate  mit 
Ifot  nnd  mit  im  selben,  daz  under  den  zwein  Jemerlichen  geteilten 
■  lo  weger   weri,   baidii   an    scle   und   an   lip,   der  vonker   von   dem 


6  <Iaz  ei]  unii  guli  M        9  notdärftigem  erberem  dienst,  Jlf 
11  wärhat'ten  M        13  getan]  geliriben  S        19  er] 
f       2B  mit  erechr.  herz,  fehlt  M        27  jemerl.  fehlt  S 

10  Jtdrr  Koncft  bei  den  Bettetordai  halti:  ein  genau  beilimmtfii  Gebiet 

■l'iriiini',  Jeiiltrh  lerminit',  in  dtm  er  alMn  das  Rtclit  b(^aas,  tu  predigen  und 

»amiaeln :  vgl.  die  Krklurang  des  Jah.  Met/er  in  «rintm  „Amter- 

*",  fVeib.  Diöt.Archiv  XIII  (]b80),  S07f.  und  Funtana,  Congtitutionex  ete. 

pM,  634  f.     Terminitier  tind  Aimottnsammler ,  nach  Ducange-yaore   VIII, 

^/.  abtr  auch  Xöncht^   ^qui  habendis  per  ngro»  euiqut  t 

I  datinantur."     Beides  u-ar  wähl  oft  rfrtinigl. 

IS  f.   Vgl.  Dan.  I3,2:i. 


120  Leben  Seuses.    Kap.  XXXVm. 

bösen  menschen^   wie  es  joch   umb   die   zitlichen   ere  iemer  gefüre- 
Und  daz  tet  er. 

Hier  umb  ward  si  so  grimme  über  in  mit  ir  freidigem  herzen^ 
daz  si  lüf  hin  und  her  zu   geischlichcn   und  weltlichen,   und  wolte 
von  ire  unmenschlichen  bosheit  sich  selb  lasterlich  geschenden,  dar 
umbe  daz  si  den  armen   man   möhti   in   erbeit  bringen,   und  seite 
menlich,  si  hete  ein  kind  gewunnen,  und  daz  were  dez  selben  bröder. 
Dar  ab  ward  vil  gross  unbilde  in  allen  den  menschen,  die  ire  werten 
gelopten,   und  ward   daz  unbild  so  vil   dest  grösser,   so  vil  sin  fur- 
nemü  heilikeit  verrer  waz  erschullen.     Daz  trang  im  dur  daz  inni- 1( 
gost  gemarg  sines  herzen  und  sele,  und  gie  sinkend  in  im  selb  mit 
jamer  und  not  umbgeben  und  hate  lange  tag  und  streng  nehte,  und 
sin  kurzes  rüwen  waz  mit  schreken  vermischet.   Er  sah  vil  kleglich 
uf  ze  gote  und  sprach  mit  inneklichen  süfzen  also:    ;,owe  got,  min 
jemerlichü  stunde  ist  komen!    Wie  sol  ald  wie  mag  ich  die  eilenden  15 
not  mins  herzen   iemer  erliden?     Owe  got,   wan  weri  ich  tod,  daz 
ich  den  jamer  weder  sehi  noh  horti!     Herr,  herr,   nu  han  ich  alle 
min  tag  dinen  wirdigen  namen  gecret  und  vil  wit  und  breit  mengem 
menschen  geliept  und  ze  erene  geben,  und  du  wilt  minen  nameu  in 
gross  unere  verwerfen  V   Daz  ist  min  grössü  klag !    Lüg,  der  wirdigc  2B| 
bredierorden  der  müss  nu  von  miner  person  also  geswechet  werden; 
daz  klag  ich  hüt  und  iemer  me!     Owe  der  not  mins  herzen!    EUo 
du  reinü  menschen,   du  mich  vor  baten   in  eren   als  einen  heiligen 
man,  da  von  mir  ein  guter  mät  uf  stönd,  we  mir,   du  sehent  mich 
nu  an  als  einen  bösen  trieger  der  weit,   dar  ab   min  herz  und  8elefl| 
durwundet  und  durschossen  wirt!" 

Do  der  arm   lidcr  in  der  klag  waz  neiswi  lange  und  im  üb 
und  leben  swein,  do  kom  ein  fröwlichü  person  zu  ime  und  sprach  also: 
„eya,   guter   hcrr,    wcs  [52'']   verderbcnt   ir   üch   so   gar   kleglich?  j 
Gehabent  üch  wol!     Ich  wil  raten  und  helfen,  wend  ir  mir  volgen,« 
daz  üch  nit  wirt  an  üwren  eren.    Dar  umb  sint  kechl**    Er  sah  uf 
und  sprach:  „owe,  wie  wilt  du  daz  zu  bringen?**    Si  sprach:  „da wil 
ich  daz  kindli  under  minen  mantel  heinlich  uemen  und  wil  es  nahtes  ; 
also  lebend  begraben  ald   im  ein   nadlen  in  sin  hirni  rihen,  dar  ab  : 


9  rto  vil  80  M  9  f.  fürnemü  lieil.]  fümemikeit  P  10  waz  verrer  }l 
10  i\  inrest^  inar<j:  S  12  und  mit  uot  M  13  mit  fehlt  M  14  iuneclichem  K 
jemerlicheii  S  15  [wie]  mag  3/  16  wan]  und  M  18  mengen  K  21  alw 
fehlt  M  23  [du]  reinü  Ä'  25  und  min  sei  M  2G  durschossen]  dorstochen  P 
28  frolichü  AM        29  üch  selb  M        34  hiriili  /'  hiru  M        rihten  M  stechend 


Leben  Seneeg.    Kap,  XXXVIII. 


121 


a&s»  stei'heD ;  und  80  daz  kind  her  undcr  kmiit,  so  gelit  du  b6s 
ellä  Bament,    und    hlibent   an    üwren    eren."     Er    sprach   mit 
!nder  stimme t    „owe,  du  bösü  morderiii,  dinea  mürdigeo  herzen! 
du   daz    uiischaldig   kindli  also  tÖden?     Waz   mag   es,   daz 
iiifller  ein   bös    wib   ist?     Will  du   es   also   lebend   begraben V 
Kein,  nein,  das  enwell  got  oit,  da/,  daz  mord  iemer  von  mir  bescheh. 
Uga,   daz    wirst,    daz    mir   dar   inne    mag    beschehen,    diu   ist   ein 
ibnng  miner  zitlicben  eren;  und  stündi  eins  ganzen  landes  weit- 
ere an  mir,   die  wil   ieb    hüt  alle  dem  werden   got   uf  geben, 
idaz   ich    da7.   unschnldig   bl&t   well    also    lassen    verderben".     Hi 
ich:    „nu  ist  es  doch  üwer  kind  nit,    waz  band  ir  denn  not  dur 
mit?"  und  zoh  ns  ein  scbarpfes  spizzig  inesser  und  sprach:   „land 
mich  es  ainend  ab  von  üwren  ogen  tragen,  so  riss  ich  im  die  keli^n 
A  ald   ich   stich   im  dis  messer  in  sin  herzli,   so  ist  es  schier  tod 
U'l  ir  koment  ze  rftwe."    Er  sprach:  „^wiei  "I"  unreine  böse  tüt'el! 
Sie  wes  es  welle  uf  ertrich,   so   ist  es   doch    nah    got  gebildet   und 
Dit  dem    kostberen  Cristus   unschuldigen    blAt  vil   sur  erarneC;    dar 
iiub  wil  ich  nit,    daz   sin  junges   blütli   also   vergossen   werd."     Si 
&nch   mit   ungedultigen   worten:    „wend    irs   nit   lassen    t&den,    so 
|d  es  doch    beinlicb  eins   morgens  frfi  in  die  kileben  tragen,    daz 
^eschccfa  als  andren  verworfnen  fundnen  kJnden;  ald  ir  miissent 
r  gross  kost  und  unlidkeit  dur  tuit  haben,  e  daz  daz  knebli  werd 
Igen".     Er   sprach:    „ich   getrüwen   dem    riehen   got   von   himel, 
I  tnieb  bis  her  alleinen  bat  beraten,  der  berat  mich  och  wol  selb 
Ibt."     Und   sprach  zb  ir:    „ga  bin  und   bring  mir  daz  kindli  vil 
ulich,  daz  ich  es  gesehe." 

Do  er  daz  kindli  uf  sin  scfaoss  gesaste  und  es  an  sab,  do 
bet  es  in  an,  Do  ersüfzet  aber  er  als  grundlosklich  und  sprach: 
ich  ein  mich  anlachendes  hübsches  kindli  t&denV  Zwar  nein 
I  Ich  wil  e  gern  liden  alles,  daz  [53']  dar  uf  mag  gevallen". 
flud  kerie  sich  zärtlich  zh  dem  kind  und  sprach  disü  wort:  „ov/e, 
in  eilendes  armes  kindli,  wie  bist  du  so  gar  ein  armes  weisli! 
^fan  din  eigne  ungetrüwe  vater  der  hat  din  verlögent,  diu  murdigü 
nAter  wolt  dich  hin  werfen  als  ein  ungenemes,  hingeworfens  händli. 
^D  bat  gotes  verhengde  dich  mir  geben,  daz  ich  sol  und  mfiss  din 
d  daz  wil  ich  gern  tun;    ich  wil  dicli  haben  von  gote 


A  b.  m.  ASPE        1  «-irrt]  bSste  .S        U  dis]  dz  M 
sse&tj    werdent  .S'       22  mit   im   S       32  du  vil  arm 
33  mördigü  fehlt  S        31  lifiaAii]  kindelin  S 


17  dem]  des  M 
fll,  k.  S        [ilu] 


122  Leben  Seuses.    Kap.  XXXVm. 

und  von  nieman  anders,  <and  wan  mir  der  lieb  ist,  so  mäst  ocb 
du  min  liebs  kindli  sin>.  Ach  herzenkind  mins!  Du  sizest  uf 
miner  trurigen  schösse  und  sihst  mich  gutlich  an,  und  kanst  docb 
nit  sprechen.  Ach,  so  sich  ich  dich  an  mit  verwundetem  herzen; 
mit  weinenden  ogen  und  mit  küssendem  munde  beguss  ich  din 
kintliches  antlüt  mit  dem  bache  miuer  heissen  trehen/  Do  dem 
hübschen  kneblin  des  weinenden  mannes  gross  trehen  über  %m 
5glü  als  vast  ab  runnen,  do  ward  es  och  herzklich  weinende  mit 
ime,  und  weineten  also  beidü  mit  einander.  Do  er  sah  daz  kindli 
also  weinen,  do  trukt  er  es  lieplich  an  sin  herz  und  sprach :  „swige, 
gelükd  mins!  Ach  herzenkind  mins,  sol  ich  dich  töden,  dar  umb 
daz  du  min  kind  nit  bist,  und  daz  ich  dich  sur  erarnen  möss?  Ach 
schönes,  liebes,  min  zartes  kind,  lüg,  ich  enmag  dir  reht  einkeifi 
leid  tfln,  denn  daz  du  must  min  und  gotes  kind  sin,  und  die  wil 
mich  got  beratet  eins  einigen  muntvols,  den  wil  ich  mit  dir  teilen 
dem  minneklichen  got  ze  lobe,  und  wil  alles  daz  gedulteklich  liden, 
daz  mir  iemer  dar  uf  mag  gevallen,  zartes  min  kind!*^ 

Do  dis  weinlich  zarten  sah  und  horte  daz  grimm  herz  dn 
wibes,  du  es  vor  wolt  han  ertödet,  do  ward  si  als  herzklich  bewegt 
ze  grosser  erbermde,  daz  si  erbrast  an  ein  weinen  und  an  ein 
hüwlen,  daz  er  si  mfiste  stillen,  wan  er  im  vorte,  daz  etwer  kemi 
und  daz  man  es  innen  wurdi.  Do  si  sich  wol  erweinete,  do  bot 
er  ir  wider  daz  kindli  und  gesegnet  es  und  sprach  also:  ,nQ 
gesogen  dich  der  minnekliche  got,  und  die  heiligen  engel  beschirmen 
dich  vor  allem  übel!"  und  hiess  es  mit  siner  kost  wol  versehen 
nn  siner  noturft. 

Dar  na  neiswen  do  gie  daz  bus  wip,  dez  kindes  mftter,  zty 
und  als  si  den  brftder  übel  hat  gemasget,  daz  tet  si  noh  /urde^ 
lieber,  wa  es  im  mohte  geschaden,  daz  er  hie  von  mengem  reinen 
tugenthaften  herzen  ward  ze  erbarmen  und  ir  [53^]  von  in  dik 
ward  gewünschet,  daz  si  der  gerehte  got  ab  der  erd  nemi.  Dax 
fügte  sich  ainest,  daz  siner  liplichen  frunden  eine  zu  im  kam  und 
sprach:  ryOvrej  herr,  dez  grossen  mordes,  daz  daz  bös  wip  hat  an 
üch    begangen!     Waiss   got,   ich  wil    üch   an   ir  bederptlich  rechen 

If.  und   wan    -   kindli   sin   M,  fehlt  ASPKA'afUS'^        13   kain  5J 
15  munt  vollen  M        18  wainklich  M        20  enbrast  M       21  hiiwlen]  htuien 
won  er  kam  in  vorbt  M        25  m.  sinen  kosten  P        versorgen  S        JJO  tngentl 
fehlt  6'        34  bcderklicli  SM 

24   V[/l.  I  Mos.  48,16, 


Leben  Seasea.    Ka|i.  XXXVIII. 


123 


•m  rcli  wil  mich  heinlich  uf  die  langen  bnigge  stellen,  du  über  daz 
■■  Wasser  get,  und  so  si  etwa  da  her  über  get,  so  wil  ich  die  gotes- 
V^  morderln  hin  ab  stogsen  und  wil  si  ertrenken,  daz  daz  gross  niord 
i  ire  gerochen  werde."  Er  sprach :  „nein»,  fründ  mine,  daz 
eunell  got  nit,  daz  kein  lebender  raetech  von  minen  wegen  ertSdet 
»erde.  Waiss  got,  der  ellü  verborgnü  ding  waiss,  daz  si  mir  mit 
dem  kinde  unreht  hat  getan;  so  bevil  ich  die  sache  in  sin  band, 
iii  er  si  sedier  töde  ald  leben  lasse  nah  sinem  willen,  und  sagen 
ia:  w5lti  ich  min  sei  an  ir  tode  übersehen,  so  wolti  ich  doch  alier 
reinen  frowen  namen  an  ir  eren,  und  w61ti  si  lassen  genesen."  Der 
man  sprach  vil  abelHch:  „mir  weri  ein  wip  ze  t6den  als  ein  man, 
äü  mich  also  w51t  beschalken."  Er  sprach:  „nein,  daz  weri  ein 
Mvemünftigü  geburschbeiC  und  ein  ühelstendu  freidikeit.  La  dnr 
loa  nnd  lass  rebt  her  wichen,  lass  alles  daz  liden  her  komen,  daz 
t  von  mir  wil  geliten  haben!" 

Do  daz  liden  vast  ward  wahsende,  do  überwand  in  eine&l  sin 

krankes  gemüte,  do  siner  not  als  vil  waz,  daz  er  gern  im  selb  in 

tinem  lidenne  etw&z  behulfenlieit  und  ergezznng  heti  gemachet.    Und 

^e  OS  und  suchte  trost,  snnderlich  von  zwein  tVünden,  die  sich,  die 

•  wil  er  dennoch  uf  dem  glükrad  sass,  gen  im  hateu  bewiset,  als  ob  sü 

getrüw   gesellen    und    fründ    werin;    und   da    wolt    er   sftcben    trost 

äaem  lidenden  herzen,     Aeli,   do  lieBS  in  got  innan  werden  an  in 

biiden.  daz  in  der  creatur  nut  gantzheit  ist!   Wan  er  ward  von  den 

|«!ben  und  von  ire  geselleschaft  berlicher  nnder  druket,  me  denn  er 

iTor  von  gemeinem  volg  ie  ward.    Der  ein  gesell  enpße  den  lideiiden 

I  briider  vil   bertktich,    und   kerte   sin    antlut  von    im   unwertlich  nnd 

I  geharte   mit   sinen   schnidenden   Worten   vil    schmählich;    und   under 

iMdren  verserenden  Worten,   die   er  gen   im  redde,    biess  er  in,   daz 


lin  über  ab  Jf         8  verborguft  /tAft  S        9  dir  imcA  ich   darcli/itr.  A 

P9  g^bTftrschajt  M         16  wU  von  mir  M        gel.  wU  h.  &'P         17  f.  im  selb  nach 

r        21  sin  getr.  fründ  und  ges.  M        23  |uüt]  ganzhait  mit  int  (!)  M 

Bndergpdmkt  M       26  vil  hert  M       28  versereten  SA'       redde]  det  S 

I  Wohl  die  Rheinbrück»  bii  Konstanz.  2  t.  gutesmürderin  =  tacri- 

tga,  irtgen  ihrts  au  emtr  gollgeineihten  Person  verübUn  Frenels.  20  glük- 

id,  dat  »ich  drehcHdc  Rad  des  Gläckn  (Lexer  I,  629),  ale  Bild  den  wtchtela- 

t  Sthicksalt.     Die   VorgttUung  sehon  bti  Origencs,  In  ps.  7(1,21   (Pilra,  An. 

t  111,  109)   und  Boethiiis,    Cona.  phil.  2,2.     Zar  LUtraiwr:    Wackerimget 

I   Z/da    VI,  134  ff..-    Vogt   in    Zschr.   drg   Vereing  f.    l'olkgkunde  III,  3iÖ  ff. 

^F,  Jüö  ff. ;    Wtinhold  tu  Sitzungsbtr.  der  Btrlincr  AJtadcmie  1902; 

Symbolik  des  Kircheiigebüudes  }9i>2,  2r--i  ff. 


1 24  Leben  Seuses.    Kap.  XXXVIII. 

-er  im  nit  me  heinlich  were,  wan  er  schamti  sich  siner  geselschaft. 
Ach,  daz  durtrang  alles  sin  herz,  und  [54']  sprach  yil  ellendklicb 
hin  zu  inie:  „owe,  lieber  geselle,  werist  du  von  ^otes  verhengde  in 
4ie  trüben  lachen  geworfen  als  ich,  werlich,  ich  weri  zu  dir  hin 
in  gesprungen  und  heti  dir  früntlich  her  us  gehulfen.  Owe  jamer, 
nu  ^nüget  dir  nit,  daz  ich  tief  in  der  lachen  vor  dir  lige,  du 
wellest  och  dur  zu  uf  mich  treten!  Daz  klag  ich  dem  eilenden 
herzen  Jesu  Cristi.^  Der  gesell  hiess  in  swigeu  und  sprach  zu  im 
vil  schmachlich:  „es  hat  hinnan  für  umb  uch  ein  ende;  man  8ol 
nüt  allein  üwer  bredien,  wan  sol  och  üwrü  bücher,  die  ir  gemachet  i 
heind,  verwerfen."  Er  entwürt  vil  gnedklich  und  sah  uf  ze  bimel 
und  sprach  also:  „ich  getruvv  dem  guten  got  von  himelricb,  daz 
minü  biicher  sülin  noh  werder  und  lieber  werden,  denn  sü  ie 
getaten,  so  es  nu  zit  wirt."  Sölichen  kleglichen  trost  enptie  er  von 
flinem  besten  gesellen.  1 

Im  waz  in  der  selben  stat  unz  an  die  selben  zit  sin  notorft 
vil  wol  zfi  gevallen  von  gutherzigen  menschen.  Und  do  er  also 
mit  disen  falschen  meren  zä  in  vertragen  ward,  weli  disen  mer- 
fiagern  wider  in  gelopten,  du  zugen  ir  hilf  und  fruntschaft  von  im, 
unz  daz  su  von  der  g5tlichen  warheit  vermant  wurden,  daz  sn  einen ' 
bekanten  widerker  zu  im  wider  namen. 

Eins  males  do  saste  er  sich  in  ein  stilles  rüwli  und  vergiengen 
im  neiswi  die  würkliche  sinne  und  duht  in,  wie  er  weri  in  ein 
vernünftigs  land  gefüret.  Da  sprach  neiswaz  in  dem  grund  siner 
sele  also:  „liör,  hör  ein  trostlich  wort,  daz  ich  dir  wil  lesen.**  Er 
bot  sich  dar  und  loset  genote.  Do  vie  es  an  und  las  du  wort  in 
latine,  und  ist  daz  capitel  ze  none  an  dem  heiligen  abent  ze  wio- 
nahten:  Non  vocaberis  ultra  derelicta  etc;  daz  sprichet  ze 
tütscli:  „du  ensolt  nu  fürbas  nüt  heissen  du  gelassen  von  gote,  und 
diu  ertrich  sol   nüt  heissen  daz   verwüstet  ertrich,    du  solt  heissen: 


1  sicli]  si  M  7  ich  fehlt  K  10  predie  M  13  sülin  fehlt  U 
15  sineii  Ka  gesellen  fthli  *V  18  disem  v.  mar  M  18  f.  mertageni  S 
voi-siigem  A^  20  grütlichen  M  24  dem]  den  K  26  daz]  was  K  27  aa 
dem  h.  wiuechtaboiit  S         28  vocabis   (!)   M        29  nit  nu  haisseo  fürbai  U 

16  UnUr  den  Freunden^  die  sich  bei  dieser  Gelegenheit  von  Seuse  <Ä" 
wandten,  befand  sich  allem  nach  auch  Heinrich  von  Nördlingen.  DentB^ 
schreibt  Ende  1.147  oder  Anfang  1348  von  lidsel  aus  an  Margareta  Ebneft 
^mein  hertz  haltet  nit  msr  zu  dem  Siisen^  als  es  etwan  tet;  bit  got  für  Mlf 
biid"  (ö'trauch,  Marg,  Ebner  LI,  t>6  f.  u,  Anm.  S.  3Ö8),  28 ff.  Is.  62,4. 


Leben  SeuaeB.     Kup.  XXXVTIl.  l2& 

B  will«  ist  in  ip,  und  din  ertrich  wird  gebnwen,  wan  der  himelecli 
'  hat  im  selb  eio  wolgevalleD  id  dir."  Do  es  disü  wort  08 
^Ks,  do  rie  es  du  selbeD  wort  wider  an  aber  und  aber  ze  lesene 
toi  ze  vier  malen.  Er  sprach  von  wunder:  „liebe,  waz  meinest 
du,  daz  du  mir  disü  wort  als  dike  vor  sprichst?"  Er  sprach;  „daz 
Kid  ich  dar  unibe,  daz  ich  dich  vestne  gote  ze  getrüwen,  der  siner 
fnind  ertrich,  daz  ist  [54']  iren  tßdemlichen  lip  och  versehen  wii 
SL  siner  noturft,  und  wa  es  in  einend  ab  gat,  da  wil  er  andrent 
ifi  füfren,  dez  sü  bediirfent;  also  wil  dir  got  och  väterlich  tftn." 
liaz  geüchah  alles  in  der  warbeit  als  kiintlich,  daz  meng  herz  von 
Hden  ward  lacbent  und  got  lobend,  dero  ogen  dnr  vor  waren  von 
niitliden  weinende  worden. 

Dem  lidenden  man  beschah  do,  als  so  ein  totes  geschunden 
lierli  von  den  wilden  tieren  zerzerret  ist  und  noh  etwaz  smakes  da 
i«  heliben,  als  denn  ze  jungst  die  hnngrigen  bremen  dar  uf  vallent 
mit  ir  geselleschaft  und  daz  genagen  bein  zemal  enpl^zent  und  daz 
ugesogen  mit  in  verfürent  in  den  Itift:  also  ward  er  jemerlich  zer- 
Iragen  in  verni  land  von  derley  gfltsch inenden  menschen;  und  sfi 
taten  daz  mit  schöner  rede  und  mit  bedahten  ktagworten  in  er- 
logting  früntscbaft,  da  kein  trüwe  waz.  Hier  inne  so  scboss  im 
stnen  ein  ungedank  in  sin  herz  also:  „ach  lieber  got,  der  von  Juden 
Ud  TOI)  Heiden  ald  offnen  sondern  allein  liddi,  dem  könd  man  etwi 
getflD;  at  schinent  disü  menschen  din  güiten  fründe,  di  mich  da  so 
"war  pingent,  und  dar  umbe  tftt  es  so  vil  deat  wirs."  So  er  aber 
ifi  ini  selber  kom  und  es  mit  rehter  bescheidenheit  an  sah,  so  gab 
er  in  enkein  schulde,  denn  daz  es  got  dur  sü  heti  gewürket,  und 
in  er  es  also  e&lti  erliden,  und  daz  got  dik  sin  frund  dnr  sin 
jMnd  liereitet  ih  dem  besten. 

B  Sunderlicli  einest  in  sines  gemütes  lidendem  gegenwurf  ward 
■o  in  im  gesprochen;  , gedenk,  daz  Cristns  nit  allaiu  wolle  sinen 
rfebea  junger  Jobannes  und  den  getrüwen  sant  Peter  in  siner  reinen 
E^lescbaft  han,  er  wolt  och  den  bösen  Judaz  hi  im  liden,  und 
m  begerest  ein  nahvolger  Cristi  sin,  und  wilt  ungern  dinen  Jndaz 
k?"      Dez    entwArt  geswinde    ein    inschiessender   gedank   also : 


1  ir]  ilir  S  6  gesprichest  31  6  der]  das:  er  MA'  7  doüichen  i* 
'ibbftlb  M  Sf.  nnderh&lb  z.  f,  in,  ilez  e.  b.  M  11  f.  dero  o^u  diu  imd 
\t  wntea  mit  lidca  dem  wajnent  worden  (?)  M  13  do  er  als  aiii  M  11  nr 
tM  t!i  3f        smakes]  markes  Jf         16  benagen  M        17  uBg.  blät  P        so 

19  f.  worum  und  erzaigun^'  .1/        30  in  im  fehlt  S  z&  im  M        das 

34  Dez]  das  K  duz  M 


126  Leben  Seuses.    Kap.  XXX\TII. 

^owe  herr,  heti  ein  li  den  der  gotesMnd  nüwan  einen  Jndas,  so  wen 
■es  lidig;  so  sint  ze  disen  ziten  alle  winkel  vol  Judaz,  und  wenn 
aine  ab  gat,  so  koment  vier  ald  fünf  her  für.*^  Diser  red  wart 
von  innen  geentwürt  also:  ^ einem  menschen^  dem  reht  ist,  dem  sol 
kein  Judaz  Judaz  sin  in  sinem  sinne,  er  sol  im  ein  gotes  mitwnrker 
«in,  dur  den  er  sol  us  gewörket  werden  uf  sin  bestes.  Do  Judai 
Gristus  mit  dem  kuss  verriet,  [55 ']  do  namde  in  Gristns  sinen  frund 
und  sprach:  „fründ  mine  etc." 

Do  sich  diser  armer  man  neiswi  lang  also  geleid  vil  eilend- 
klich,  do  hangete  er  dennoch  an  einem  vil  kleinen  tröstlin,  daz  allel 
sin   ufenthalt  waz,   und   daz   waz,   daz  du  trukendü  burdi  dennoht 
nit  für  die  rihter  und  prelaten  dez  ordens  waz  komen.     Dis  trösüi 
zukte  im  och  got  geswinde,  wan  du  obrest  meisterschaft  über  allen 
orden  und  du  meisterschaft  über  tütsches  land  kamen  mit  einander 
in  die  stat,   da  das  bos  wip  den  biderman  hate  an  gelogen.    Dol 
der  arme  man  anderswa  wonende  disü  mer  erhörte,  do  erstarb  im 
sin  herz  ingruntlich  und  gedahte:  „wie  die  meister  dem  b6sen  wibe 
wider  dir  gelosent,  so  bist  du  tod;    sü  legent  dich  in  ein  861ichea 
notstal  der  bfisse,   daz  dir  vil  weger  weri  ein  liplicher  tod."    Du 
pinlich  gedrang  weret  XII  tag  und  naht  an  einander,  daz  er  der  I 
marterlichen  bfiss  wartend  waz,  wenn  sü  dar  kemin. 

Eins  tages  von  menschlicher  krankheit  brach  er  us  mit  on- 
geberden  und  mit  unsitiger  gehabd  von  den  nöten,  in  den  er  was, 
und  in  der  kleglichen  gehabd  dez  inren  und  dez  ussern  menschea 
gie  er  einend  ab  von  den  lüten  an  ein  heimlich  stat,  da  io  niemal  i 
sehi  noch  horti,  und  underwilent  so  liess  er  die  grundlosen  erholtoi 
süfzen.  Nu  waren  ime  die  trehen  in  den  ogen,  denn  gussen  sü  ber 
US  über  sinü  wangen  abe.  Er  enkond  von  angstlicher  not  nf  im 
selb  niene  still  bliben :  nu  sass  er  geswinde  nider,  denn  so  woat  er 


2  vol]  von  K  won  M  6  mitwürken  ASP  12  ribter  waa  komea 
und  (die  S)  prelaten  SP  13  f.  allen  orden  und  du  rot  durchstr.^  aber  loiMbr- 
hergestellt:  meisterschaft  über  (var  tütsch.  1.)  am  Bande  nachgetragm  A 
16  biderben  man  SM  20  wol  zwelf  t.  M  23  unsiniger  ALSPA^  vm 
—  24  gehabd  fehlt  PK  26  so  fehlt  M  erholten  grundlosesten  S  28  Toa] 
yor  M        29  wischt  M 


8  Matth.  26,50.  13  f.   Der  Ordensgmeral  und  der  ProvinMial 

Deutschland  (Provinz  Teutonia).  16  In  Ulm,  wohin  er  um  1348  vereM 

wurde.  19  Über  die  Bestrafung  der  peccata  camiSy   die  beaander9  ttrm§ 

geahndet  tcurdeHj  vgl.  Konstitutionen  I,  18:  De  graviori  culpa  (ALKGM  I,  20B\ 
V,  647). 


1  Seiises.     Kap,  XXXVIII.  127 

iif  und  lüf  bin  and  her  in  der  katner  als  ein  menscb,  mit  dem 
äugst  und  not  ringet.  Denn  stiess  im  ein  gedank  her  dur  ein  herz, 
Diid  sprach  mit  zitrender,  einredender  stimme  also:  „owe  got,  waz 
ineinst  du  mit  mir?"  Under  daunen,  do  er  in  der  klegüchen  nn- 
pliehd  waz,  do  sprach  neiswas  von  got  in  inie  also:  „wa  ist  nu 
diu  Gelassenheit,  wa  ist  gUchstan  in  lieb  und  in  leide,  daz  du  dik 
hA  andren  luten  Irfilich  geliept,  wie  man  sich  gotc  lidklich  sül 
IsKeu  und  uf  niht  beliben?"  Dez  entwurt  er  vil  weinlich  hin 
ffider  also:  „fragest  du  mich,  wa  min  gelassenheit  sie,  eya,  so  sag 
(In  mir,  wa  ist  goles  grundlosü  erbarm herzikeit  über  sin  frände? 
Ich  gau  doch  bie  wartende,  und  bin  in  mir  selb  verdorben  als  ein 
fertrilter  man  libes  und  gutes  und  eren.  Ich  wände,  got  wer!  milt, 
ifh  wände,  er  weri  ein  gnediger,  tugenthafter  herr  allen  den,  die 
ȟb  getorstin  an  in  gelassen;  owe  mir,  [55'^]  got  ist  an  mir  erzaget! 
Owe,  du  milt  ader,  du  nie  erseig  an  erbermde,  dii  ist  an  mir  armen 
enigen !  Owe,  daz  milt  herz,  von  dez  miltekeit  ellü  dii  weit  sehriet, 
hat  mich  ellendklicb  gelassen  1  Er  bat  sinn  sobönü  ogen  und  sin 
juediges  antlüt  von  mir  gekeret.  Owe  du  gütliches  auttuC,  owe  du 
niltes  berz,  icb  heti  dir  es  nie  getriiwet,  daz  du  mich  so  gar  hetist 
Terworfenl  Owe  grundloses  abgründ,  kum  mir  ze  staten,  wan  ich 
liia  vorhin  verdorben!  Du  weist,  daz  alle  min  trost  und  ziiversiht 
aD  dir  allein  lit  und  an  nteman  andcrm  uf  ertrich.  Eya,  h6rent 
mich  hite  dur  gut.  ellü  lidenden  herzen!  Lögent,  es  endarf  nieman 
kein  anliild  nemen  ab  miner  ungebabd,  wan  alle  die  wile,  do  mir 
geUssenbeit  allein  in  dem  mund  waz  mit  rede  dur  von  ze  sprechen, 
do  waz  mir  süss  dur  von  ze  reden;  owe,  nu  hat  es  alles  min  herz 
danrnndet  und  daz  innigest  gemarg  aller  miner  adren  und  mins 
himis  dursofet,  daz  kein  gelid  an  minem  übe  niene  ist,  es  sie  dur- 
aartret  nnd  durwundet;  wie  kan  icb  denne  gelassen  sin?" 

Do  er  in  diser  ungebabt  wol  einen  halben  tag  waz  nnd  sin 
Ürai  verwüstet  hate,  do  gesass  er  also  stille  und  kerte  eich  von  im 
Klb  zft  gote  und  ergab  sich  in  sinen  willen  und  sprach:  „mag  es 
Oders  nit  sin:  fiat  voluntas  tua!"  Do  er  also  sass  in  einer 
igenheit    einer   sinnen,    do   duht   in   in   einer   gesiht,    daz   siner 

4  f.  nngeliabe  SM        5  im  /elUt  M        7  hast  frötich  a.  1.  ?,  M        11  seib 

11  f.  ein  verdorl>eii  man  der  verteilt  ist  5        13  tug^enthatter  gned. 

14  verzagt  MÄ'        17  f.  ogüii  von  mir  gekert  u.  r.  g.  a.  M        2i  un- 

27  iuroat  S        marg  SPE        33  und  do  M 


1 28  Leben  Seuses.    Kap.  XXXVin. 

heiligen  geischliehen  töbtran  einü  für  in  kemi  stan^  d6  im,  die  wi] 
si  dennoh  lepte,  dik  hat  geseit,   er  müsti  vil   liden,  aber  got  w5lti 
im  diir  von  helfen;   und  du  erschein  im  vor  und  tröste   in  gütlich. 
Daz  nam  er  von  ir  uf  vil  unwertlich   und  sprach  ir  an  ir  warheit 
Do   lachet  si    und  trat   hin  zu  und   bot   im  ir   heiligen   band  nnd  ( 
sprach  also:    ^nement  hin   min   kristanlichen  tr&we  an   gottes  stat, 
daz  üch  got  nit  wil  lassen,   er  wil  uch   helfen  dis  liden  *nnd  elM 
üwrü  liden  überwinden.**     Er  sprach:  „lüg,  tohter,  min  gedrang  ist 
als  gross,  daz  ich  dir  nit  me  mag  globen,  du  gebest  mir  denn  dez 
ein  gftt  Wortzeichen."     Si  sprach:    „do  wil  üch  got  in  allen  guten  !•; 
reinen  herzen   selb  entschuldgen ;   den  bösen  herzen  entwürtent  da 
ding  nah  ir  selbes  bosheit,  daz  einem  wisen  gotesfründ  nit  ze  ahten 
ist.     Und  bredierorden,  den  ir  klagent,  der  sol  got  und  allen  be- 
[56']scheiden  menschen  von  üwren  wegen  dest  gevelliger  sin.   Diser 
warheit  nement  ein  Wortzeichen   da  mite:  lügent^  got  der  wil  üeb  rt 
schier  rechen  und  wil  sin  zornlich  hand  über  daz  bös  herz  lasset 
gau;   daz  üch  also  hat  betrübet,  und  wil  ir  daz  leben  ab  precheo 
mit  dem  tode;  dar  zu  alle,  die  ir  sunderlich  in  der  sach  mit  b&se^ 
klaf  hein  gehulfen,  an  den  müss  es  och  also  bald  gerochen  werdec^? 
dez  sint  sicher!**    Der  brftder  ward  hier  ab  wol  getröstet  und  wart^* 
vast,  wie  got  die  sach  wölti  enden. 

Do  gar  kurzlich  dur  na  ward,  do  geschah  es  alles  in  der  wa' 
heit,  als  si  hate  geseit.     Wan   der  Unmensch,   der  in   also  hat  g< 
pinget,   der  starb,   und  starb  eins  unbekanten  todes;   du  endrü  i 
nei^wi  vil,    von  den   im  aller  wirst  waz  geschehen,   die  zukte  d 
tod  von  hinnen,  dero  enteil  unverstandenlich  stürben,  etlich  ane  bi  J^* 
und  ane  gotes  fronlicham  vergiengen.     Der  selben  menschen  eL«i^ 
waz  ein  prelat  gewesen  und  hat  im  vil  we  getan;  der  erschein  itü 
vor  in  einr  gesiht,  do  er  erstarb,   und  kunte  im,   daz   im   got  hi^^ 
umbe  heti  ab  gebrochen  sin  leben  und  sin  wirdekeit,  und  daz  c^  ^ 
etwi  lange  müsti  dur  von  in  der  büsse  darben  und  torren. 

Do  die  ungewönlichen  rächen  und  och  töde,  die  got  über  sin 
widersachen  als  geswind  sante,  do  die  sahen  ire  vil  menschen,  dien 


9  me  fMf  PM  dez  fehlt  SP  10  gut  fehlt  K  üch]  dich  5 
ich  A^  ich  iich  M  ^^ten  fehlt  S  13  der  fehlt  M  IB  nam  er  ain 
w.  M  24  und  starb  fehlt  P  27  f.  waz  ains  e.  p.  M  29  do  er  eistiA 
fehlt  M  31  in  der  wis  und  in  der  bus  [darben  und]  torren  M  82  gewon- 
lichen  A^        3B  ire]  wie  A' 

1;3  Vgl.  oben  l:>o,21. 


i 


Lebeu  Seiises.    Kup.  XXXVIII.  129 

dar  von  kund  waz  ami  ime  günstij^  waren,  die  loptno  f^ot  und 
tpraeben  also:  „werlich,  got  der  ist  mit  di&em  gbtea  manne,  und 
whfu  wo),  daz  man  im  uniecht  bat  getan,    und  sol  in  Aub  und  in 


31  bekanten   menscben  von   billich   gewegenr  nu  fürbaz  sin  an 
lieber   selilteit,    denn    ob  got  daz   liden    nit  heti    über  in  ver- 


2  nmnuej  menschen  M        2  f.  ti.  wir  sehen  .1/ 


130  Leben  Seuses.    Kap.  XXXIX. 

Hier  na  do  half  irae  der  inilt  got,  daz  sich  daz  ungehür  weter 
dez  lidens  gar  genedklich  nider  Hess  und  zergie,   nah   dem  als  in 
du  hailig  tohter  in  der  gesiht  wol  hate  getröstet.     Er  gedahte  dike: 
„ach  herr,  wie  ist  daz  wort  so  war^  daz  man  von  dir  seit:  dem  got 
wol,  dem  nieman  übel!"  5 

^  Och  sin  geselle,  der  im  in  der  sach  ungeselleklicb  hat  getan 
^nd  in  och  got  kürzlich  dur  na  hinnen  nam,  do  der  erstarb  und 
alles  mitel,  daz  in  der  blossen  götlichen  beschöwde  gesumet  bäte, 
do  daz  waz  ab  gevallen,  do  erschein  er  im  vor  in  liehtricher  gnl- 
dinr  wat,  und  umbfieng  den  diener  lieplich  und  trukte  sin  antlütio 
an  sin  wangen  gutlich  und  bat  [56^]  in,  daz  er  im  vergebi,  da  er 
sich  gen  im  übersehen  beti,  und  daz  ain  getrüwü  himelschü  frunt- 
Schaft  enzwischen  inen  zwain  eweklich  belibe.  Daz  nam  der  diener 
frölich  uf  und  umbfieng  in  och  früntlich;  und  also  verswand  er  vor 
im  und  für  in  die  götlichen  fröde.  ISj 

Dar  na  neiswen,  do  es  got  zit  duchte,  do  ward  der  lider  von 
got   ergezzet    alles  dez  lidens,    so   er   hate   gehabt,    mit    inrlichem 
herzenfrid  und  mit  stiller  rüwe  und  liehtrieben  gnaden.     Er  lopte    ; 
got  inneklich  umb  daz  minneklich  liden  und  sprach,  daz  er  nit  alle    . 
die  weit  dur  wider  heti  genomen,  er  heti  es  alles  erliten.     Got  gab  2|| 
im  wol  ze  erkennen,   daz  er  von  disem  niderschlag  sin  selbs  adel- 
licber  entsezzet  ward  und  in  got  übersezzet,   denn  von   allen  den 
mannigvaltigen  lideU;   du  er  von  jugent  uf  unz  an   daz  selb  zit  ie 
hate  gewunnen. 

XXXIX.  Kapitel.  « 

[57^]  Ton  inrem  lidenne. 

Under  dannen,  do  du  geischlich  tohter  daz  vorder  klegllcb 
liden  las  und  sich  von  erbermde  wol  erweinete,  do  bat  si  in,  daz 
er  ir  och  seiti,  wie  inrü  liden  geschafen  werin.     Er  sprach: 

1  Hier  ua  —  15  frode  fehlt j  dafür  folgender  Zusatz:  Och  der  prelat 
über  tusch  laut  entschiildget  in  und  sprach,  daz  er  und  der  meister  des  ordeni 
hetcn  da  strenklich  visitiert,  als  mau  sol,  und  fuuden  wider  in  niht,  denn  dai 
ain  bo3  wih,  der  nit  ze  flohen  waz,  hett  von  dem  biderben  man  bosschlich 
geredt,  und  daz  moht  noch  beschehen,  der  boaen  zungen  weit  gelosen  M  8  gotL 
fehlt  A'  14  fn'mtl.]  frolich  P  20  die]  dis  M  da  wider  M  21  schlag  M 
26   Überschrift  fehlt  K        inren  Ä        27  dis  M  kleglich  fehlt  SM 

24  In  AKUWB^a  an  Bild:   Seast   wird  von   den   hchtn   Geistern   und 
durch   Verleimdung  der  Menschen  (jepeiniyt  (Abb.  5  nach  K  El,  84^), 


Leben  Sensex.     Kap.  XXXIX. 


131 


Von  inren  liden  wil  ich  dir  zwai  ding  sagen.  Es  waz  in 
orden  ein  ffirnemer  man,  aber  den  hat  got  rerbenget  ein 
liden,  und  in  dem  lideoe  waz  dem  armen  brflder  sin  müt  und 
also  versunken,  daz  er  naht  und  tag;  gie  neinen  und  bäwlen 
\  sieh  Übel  gehaben.  Der  hröder  kam  zu  dem  diener  der  wis- 
k  mit  grossem  andabt  und  klagte  im  sin  not  und  begeret,  daz  er 
f  fiber  in  bete,  daz  im  gehulfeu  wurde.  Eins  morgens  frft,  do 
[diener  dar  über  bat  und  also  gesass  in  siner  capell,  do  waz  im 
in  einer  gesiht,  wie  der  selb  bös  geist  kemi  für  in  stan,  und 
;  Waz  in  einem  angenomen  bilde  geschafen  als  ein  ungestalter 
ib  mit  fürinen  ogen,  nnd  bäte  einen  heischen  erschrokenlicben 
Ek  und  hate  einen  bogen  in  der  band.  Der  diener  sprach  zfi 
ilgo:  „ich  beswer  dich  bi  dem  lebenden  got,  daz  du  mir  sagest, 
i  du  siest  ald  waz  dn  her  weUist."  Er  sprach  vil  tüfellicb:  „ich 
es,  Spiritus  blaspbemiae,  und  du  wirst  wol  innen,  waz  ich  wil.* 
Der  diener  kert  eich  umbe  zu  dez  kores  türe,  do  kom  der 
Rde  brüder  zfl  der  selben  türe  in  gende  und  wolt  in  den  kor  ze 
k  gan.  Do  zukte  der  bi!is  geist  sinen  bogen  her  für  nnd  schoss 
fürin  pfil  in  dez  brflder  herze,  daz  er  na  hiiider  sieh  waz  ge- 
bt, und  moht  nit  in  den  kor  komen.  Daz  mflte  den  diener 
•]  nnd  strafte  den  lüfel  hier  nmbe  herteklicb.  Dez  ward  der 
srtig  tüfel  zornig  nf  in,  und  zukte  den  bogen  in  mit  einem  füri- 
ipfil  als  ocb  vor,  und  wolt  im  es  och  in  sin  herz  hau  geschossen, 
k  kert  er  sich  geswinde  ze  unser  frowen  umb  hilf  und  sprach : 
Itcnm  prole  pia  benedicat  virgo  Maria,  und  der  tüfel 
l^tpr  sin  kraft  und  verswand  vor  ime.  Do  momend  ward,  do  seit 
jK  dem  lidenden  brflder,  er  trost  in  und  seit  im,  waz  da  wider 
und  nit  anders,  als  er  es  screib  an  siner  bredien  einer,  du 
lan  vabet:  Lectnlus  noster  floridus. 

Under  vil  andren  inren  lidenden  menschen  kom  eins  males 
iweltlicher  man  zfl  ime,    der  waz  von   einer  frömder  gegin,  und 

I  lür  öeh  M        it.  [gie]  weinet«  u.  hüwlet«  ....  gebflb  A'        hftwleu] 
S       15  pl&zlommea  (!)  M        20  mSgt  E        21  dar  nmb  M        22  bogen 
fl       24  geawiud  umb  M        28  einer  fehlt  M.        30  inren  fehlt  MA' 

10 1.  Eine  *eit  alter»  geläufige  VoiateÜHng,  Schon  dk  hl.  Perpetua  (Paitio 
kämpft  in  der  Vision  mit  einifm  „AegyjAiua,  foedu»  »pteit.'^  Vgl.  bei 
ann  ton  Auf  (MFr.  211  fi)  und  Waillier:  Itellemör;  Berlhold  von  Reg. 
38 ff.:  Mecklhüd  von  Magdeburg  93.  IG  Matlh.  13,31. 

BentdiktiOH    vor    der     3.    Lektion    der    1.    A'iidtn»    an    Marienfeaten 
)äUktMerbncier).  29  i'tsfe  Pirdigt  Seu»es. 


n 


132  Leben  Seuses.    Kap.  XL. 

der  seit  im  also:   „herr,  ich  han  daz  aller  gröst  liden  in   mir,  da^  . 
ie  kein  mensch  gewan,   und  mir  kan  nieman  gehelfen.     Ich  hate 
na  kurzlich  an  gote  verzwifelt  und  waz  als  verzagt,   daz  ich  miei 
selb  wolt  han  verderbet  von  übrigem  leide,   und  wolt  mir  selb  den 
tod  han  an  getan  an  Hb  und  an  sele.     So  ich  iez  in   der  not  bin  i 
und  in  ein  wutiges  wasser  wil  springen,  und  den  anlof  genam  nnd 
mich  selb  mfitwilklich  wolte  ertrenken,   do  hört  ich  ein  stimme  ob 
mir,  du  sprach  also:    „halt  uf,  halt  uf,  tft  dir  selb  nit  den  schant- 
lichen  tod  anl  Such  einen  bredier!"^   Und  namte  im  den  dienermit 
sinem  eigen  namen,  den  er  nieme  hat  gehöret  nemmen,  und  sprach:  10 
„von  dem  sol  dir  gehulfeu  werden,  daz  dir  reht  geschiht.**    Er  waz 
fro  und  Hess  sich  selb   ungetödet,   und  suchte  in  mit  nafragen,  als 
er  geheissen  waz.     Do  der  diener  sah,   daz  sich   der  mensch  als 
kleglich  geh  Ab,  do  kert  er  sich  zfi  dem  lider  gutHch  und  tröste  in; 
er  machete  im  sin   herz  als  Hht  und  lerte  in,   waz  im  ze  tun  waz.  Uk 
daz  er  mit  gotes  hilf  dur  na  in  sölich  anvehtung  nieme  kam. 

XL.  Kapitel. 

Welü  liden  sien  dem  menschen  aller  ntizzest  und  got  aller  ^ 

loblichest 

Du  heilig   tohter   fraget  und   sprach   also:    „ich  wüsti  gem^S^ 
welü  liden   under  allen  liden  dem   menschen  du  aller   nüzest  und 
gote  aller  loblichest  sien?'*     Er  entwürt  und   sprach  also:  du  Bolt   i 
wüssen,  daz  man  vindet  mengerley  liden,  du  den  menschen  bereitend  i 
und  im  guten  weg  gebent  zu  siner  selikeit,  der  in  reht  kan  tön. 

Got  verhenget  etwen  über  einen  menschen  swerü  liden  aneÄj 
alle  sin  schulde,  in  dem  lidene  got  den  menschen  eintweder  wil  | 
versuchen,  wie  vast  er  stände,  ald  waz  er  an  im  selber  habe,  [öS**]  '' 
als  man  vil  liset  in  der  alten  e.  ald  aber  daz  got  dar  inne  allein  I 
meinet  sin  götliches  lob  und  ere,  als  daz  ewangelium  seit  von  des  1 
bHndgebornen  menschen,  den  Cristus  unschuldig  seite  und  in  gesehendBl 
machte.  " 

Etlich  liden  ist  och  gar  wol  verschuldet,  als  dez  schachere 
liden,  der  mit  Cristo  gekriizget  ward  und  in  Cristus  selig  machete 
von  dem  getrüwen  ker,  den  er  zft  im  nam  in  sinem  Hdene. 

8  f.   schamlichen   P        16  nimmer  me  kam   M       21   ander  a.  1.  weit 
liden  S        du  fehlt  M        29  meinet]  nieme t  A 

20  Jo/i.  0,3.  32  ff.  Luk.  23,43. 


Leben  Sfuse».     Kap.  XL.  133 

Etlicb  liden  hat  nit  selialde  in  der  lidenden  eaeh,  du  ime 
tone  gegenwürtig  ist;  es  hat  abev  etwas  anders  gebresthaftiges  uf 
me,  dar  ainb  got  lideu  über  in  verhengct,  als  vil  dik  besebiht,  daz 
■ot  übrig  hofnrt  drnkt  und  den  menseben  zft  im  selben  wiset  mit 
ioem  aweren  undergang  silier  übertragenheit  in  einer  sftlicher  sacli, 
■r  er  vi]  liht  denn  zemal  gar  unBcbuldig  ist. 

i  Etlichü  liden  werdent  dem  menseben  ton  gote  in  der  trüwe 
leben,  daz  der  mensch  dur  von  werd  noh  grüsser  liden  übcrhalien, 
ilfi  den  meuBcheu  gegchibt,  den  got  hie  ir  fegfür  git  mit  siei'htagen 
Jd  mit  amifit  ald  (lez  glich,  daz  sü  des  nagenden  über  werden, 
ild  Job  daz  er  sü  lat  tüfellichü  menscben  üben,  daz  sü  an  dem  tode 
tez  anblikes  überbept  werden, 

Etliebü  menschen  du  lident  von  rehter  inbrünstiger  minne,  als 
lie  martrer.  die  mit  ire  manigvaltigen  sterbene  libes  oder  gewütes 
^etn  lieben  got  gern  zogtin  ire  minne. 

Wan  vindet  och  in  diser  weit  meng  üpig  und  trostloses  liden, 
ils  die  müssen  bau,  die  der  weit  nah  weltlichen  Sachen  gnüg  wen 
äin;  sü  müssen  die  helle  vil  sur  erarnen,  da  bi  ein  gotlidender 
mensch  im  selb  wol  möhti  behelfen  in  sinem  lidene. 

So  sint  etlichü  menschen,  du  got  inrlicb  dik  vermant,  daz  sü 
'lea  rehten  ker  zu  got  nemen,  wan  er  in  gern  heinlicb  were,  die 
•la  widerstrebend  mit  hinlessikeit.  Dfi  zübet  got  nuderwilent  mit 
lidenne:  wa  sü  sich  hin  kerent  und  gern  got  endrunnin,  so  ist  got 
'la  mit  zitlicbem  nngeluk  diser  weit  und  bebebt  aü  mit  dem  bare, 
•iaz  sü  im  nit  mugen  endninnen. 

Man  vindet  och  du  menschen,  du  nit  lidens  hein,  denn  so  vil, 
^  sü  in  selber  liden  machent  da  mite,  daz  sü  daz  gross  wegend, 
iüT  nit  ze  wegen  ist.  Als  einest:  do  gie  ein  wolgeladenr  mensch 
in  lidene  für  ein  hus,  da  hört  er,  daz  sich  ein  frow  gar  übel  gehflb. 
Er  gedahle:  , gange  bin  in  und  tröst  [Ö9']  den  menschen  in  sinem 
'Mene!"  Er  gie  bin  in  und  sprach:  „owe,  liebü  frowe,  waz  wirt 
•ich,  daz  ir  üeh  also  klagent?"  Si  sprach:  „da  ist  mir  ein  nadel 
Wfalleii,  ond  die  kan  ich  niene  tinden."     Er  kert  sich  nmb  und 


_  3  andere  fekü  ff  gebrieath.  A  9  ineneoli  noch  grözzur  1.  da  von 
ttri  öberh.  M  H  mainigvaltigen  Ä  16  m&u  SM  18  ainn  Ä  19  ge- 
tlfea  M  22  nnderstreliend  M  23  gern  [gut]  Ä  29  in]  mit  M  gar 
iä  M  30  den  meoscbeD]  si  S  ireiu  S  31  f.  wirt  üch]  gebriat  dir  P 
t  üch  JJ 

iftfA  Seufi:  aelh/il. 


134  Leben  Seuses.    Kap.  XL. 

gie  US  and  gedahte:  owe,  du  tobe  mensch,  hetist  du  miner  burdine 
eine  uf  dir,  du  weinetist  kein  nadlen!''  Also  machent  etlichü  zart 
menschen  in  selber  ein  liden  in  mengerley  Sachen,  daz  kei 
liden  ist. 

Aber  daz  edelst  und  daz  best  liden,  daz  ist  ein  cristfSnni 
liden,  ich  mein  daz  liden,  daz  der  himelsch  vater  sinem  einborne 
sun  und  noh  sinen  lieben  frunden  git.  Daz  ist  nit  also  ze  verstenc 
daz  kein  mensch  zemal  ane  alle  schuld  sie,  denn  allein  der  lie 
Cristus,  der  nie  sAnd  getet.  Mer  als  Cristus  sich  gednlteklich  erzog" 
und  sich  hielt  in  sinem  lidene  als  ein  senftes  lembli  ander  d< 
Wolfen,  also  git  er  etlichen  sinen  liepsten  frunden  och  underwilei 
gross  liden,  dar  umbe  daz  wir  unlidigii  menschen  bi  den  selige 
menschen  lernen  gedultig  sin  und  alle  zit  mit  einem  süssen  herzei 
übel  mit  gut  überwinden. 

Dis  alles  solt  du  an  sehen,  tohter  minä,  und  solt  nit  ungern 
liden,  wan  swannen  liden  her  kumt,  so  mag  es  dem  menschen  Dizz 
werden,  ob  er  es  reht  alles  sament  kan  von  got  uf  nemen  und  es 
wider  in  got  tragen  und  mit  im  überwinden. 

Du  tohter  sprach :  ^daz  edelst  liden,  von  dem  ir  hie  ze  jungst 
heind  geseit,  da  man  mit  Unschuld  lidet,  daz  hein  wenig  meDSchen. 
Ich  horti  gern,  wie  ein  verschulter  gebresthaftiger  mensch  sin  liden 
mit  got  mug  überwinden,  wan  die  hein  zwivalt  liden:  sü  hein  got 
erzürnet  und  werdent  von  ussnan  gepinget." 

Er  sprach:  daz  wil  ich  dir  sagen.  Ich  wüste  einen  menschen, 
der  hate  ein  gewonheit,  so  er  von  menschlicher  krankheit  hate  kaineo 
gebresten  geübt,  der  bfisswirdig  waz,  so  tet  er  als  ein  gutü  wösche- 
rin,  du  mit  irem  ingedrukten  und  geweichten  wat  hin  gat  zu  dem 
Intern  wasser,  und  es  da  alles  suber  und  rein  machet  mit  der  wisehi^ 
daz  vor  unrein  waz:  also  erwand  er  niemer,  e  daz  im  ward  def 
unschuldigen  nieder  trieffenden  bifites  Cristi,  daz  er  ze  hilfe  nndze 
trost  mit  unsäglicher  minne  dur  alle  sünder  vergoss,  daz  ime  geisclh 
lich  dez  selben  blütes  ward  ein  gnuhsamer  usfluss.  Und  in  dem 
hizzigen  [59"']  blute  so  wusch  er  sich  und  sine  masen  abe,  er  badei 
sich  in  dem  heilsamen  blutigen  bedlin,  als  so  man  ein  kindli  badel 
in  eim  warmen  wasserbad,   und  tet  daz  mit  herzklichem  andaht  ii 


3  in  selber  fehlt  M  mit  mengf.  s.  M  7  lieben]  gfiten  S  19  oi 
Bande  von  anderer  Hand :  nö  von  verschultem  liden  A  27  wat]  gewand  . 
28  wasser]  brunncn  M  gemachet  M  in  dem  weschen  S  31  dur  fehU  1 
32  influes  .S' 


Leheu  Seiise«.     KHp.  XLI.  135 

Einern  vfol  getriiwendem  kiistHnlichem  globen,  daz  es  im  alle  Bin 
läod  B61t  nnd  w&U  ab  wescbeD  und  in  rein  machen  von  allen 
tcfatiUlen  mit  sinei-  almugenden  liraft.  Und  alens,  wie  die  Sachen 
fielen,  siner  unscbnid  ald  einer  schuld,  so  endetan  st  alle  zit  glich 
t  dem  gftten  gole. 


XLI.    Kapitel, 

He  er  etlichä  Diinneiidd   herzen  von  zitlicher  minne  zfi  got- 
licher  niinne  zoch. 

In  den  ziten,    do  der  diener  mit  eniste  sich  dennoh  erbot,   du 
« mensuhen  von   zUlioher  minne   bin  z&  got   ziehenne,   do   markte  er, 
liaü  in  sumlicben  klöstern  etlichii  menschen  waren,  du  geiBchlicben 
Bthiii  trfigen  und  aber  weltlichii  herzen  dar  under  baten. 

ünder   dien  waz   einii,    du  hat  ir   herz   uf  zerganklicb   niinue 

'iiBt  gekeret,  <laz  da  heisset  spunzieren,   daz  da  ist  ein  gilt  geisub- 

iMicber  seltkeit.     Do  seit  er  ir:  wolti  si  ze  einem  rüwigem  gStlichem 

jlebeii  komen,   daz  si   deune  dur  von  liesei   und   die   ewigen  wisbeit 

Bn  des  iren  HebeB  gtat  ze  einem  liep  nemi.     Onz  waz  ir  swer  ze 

Bae,  wan  Bi  jung  und  frisch  waz  und   mit  derlay   geselscliaft  ver- 

I^Pnbert  waz.     Er  braht  si   neiswen  dar  zö,  daz  si  guten  willen 

"gewan  daz  ze  tüne,  und  do  ir  der  gut  wilie  von  den  iren  ward  ab 

Hs^irciehen,   do  sprach  er  zft  Ire:    „tohter,   Ja  dur  von!     Ich   engen 

f,  tost  du  es  nit  frölich,  du  wirst  es  unfr^lich  tiinde."    Do  si  sieb 

t  ffolt  an  sin  getriiwen  red  keren,   do  bat  er  got  ernschlieh  über 

daz  ei  got  dur  von   zngi,   es  weri  mit  liep  uld   mit   laid.     Eins 

ic  er  uf  die  canzell  under  sin  gcwonlicli  crucifixus  und  uam 

»mea    blossen   ruggen  ein    stark   ilisciplin,   daz  im   daz  bißt  dur 

1  trang,    und   bat   got   liber   ei,    daz  si   gezemet  wnrdi.      Und  daz 

Whah  aUo;  wan  do  si  wider  hein  kom,  do  wfibs  ir  geswinde  ein 

K^bafenr  bover  uf  dem  ruggen,  daz  si  hesslich  ward,  und  niflste 

von  not  lassen,  daz  si  dur  got  nit  woltc  lassen. 

Es  waz  in  dem  selben  unbeschiossen  kloster  ein  jangii,  süh&nä, 

Digebornü  tobter,  dö  mit  dez  selben  tüfels  nezze  menig  jar  ir  herz 

1  wolgetrüwen  dem  AS  wu!  getr,  [dera]  P  4  schulde  . . .  uuschulde  P 
in./ehh  M  9  mit  entsie  fthll  A^  11  semlicliru  .SP  14  sponsieren  A' 
rief«  M  gift]  gät  (II  K  15  götl,  rüw.  M  17  [des]  ir  1.  sL  M 
bekünbPrt  SP  20  ii'cn]  inren  K  26  f,  dur  na  trang)  ab  ran  P 
sn~  laisen/fWf  J'        32  nesze /J./f  .1/        iiniswie  nienie  jar  M 


136  Leben  Seuses.    Kap.  XLI. 

und  ir  zit  hate  üpcklich  verzeret  mit  allerley  gesinde^  nnd  du  wae 
80  vast  dar  iiine  erblendet,    daz   si   den    selben   diener  der  wishei** 
alle  zit  floh  als  ein  [60']  wildes  tier,   wan  si  vorte,   daz   er  ir  di«« 
wise,  die  si  fftrte,   ab  spreche.     Nu  bat  in  der  selben  tohter  lif^ 
lichü  swöster,   daz  er  sin   glükt  an  ir  versuchte,   ob  er  si  von  dei 
schedlichen  wise  zft  got  möliti  bringen.     Daz   duhte  in  ein  nnmag-- 
lichü  bete,  und  sprach,  in  dubti  müglicher,   daz  sich  der  himel  her 
ab  neigti,   denn  daz  si  dur  von  liessi,   der  tod  der  musti  ir  es  be- 
nemen.      Si  bat  vil  flehklich  und  sprach,    si  weri  in  dem   globen, 
weler  sach  er  an  got  ernschlich  kerne,   daz  im  daz  got  nit  verseid.  M 
Mit  sölicher  rede  überwand  si  in,  daz  er  es  gelopte  ze  tune. 

Und  wan   si  in  alle  zit  floh  und  nit  moht  zfi  ir  rede  komen, 
do  nam  er  war  eins  tages  umb  sant  Margareten  tag,  daz  si  mit  den 
andren  jungen  swöstern  waz  us  gegangen  uf  einen  aker  ire  werk 
liechen.     Er  schleich  hinna  und  umbgie  den  aker,  daz  er  mit  glimpf  U| 
zu  ir  kemi.     Do  si  war  nam,  daz  er  ir  begond  nahen,  do  karte  si 
ime  gar  schalklich  den  ruggen  mit  einem  zornlichem  fürinem  antlAt,   , 
und  rftfte  vil   ungestümklich   hin   über  gen   im   also:    „her  munch, 
waz  wend  ir  her  zfi  mir?     Gand  reht   üwer   Strasse  von  mir,  das 
rate  ich  ü !   Lfigent,  e  daz  ich  ü  wölti  bihten,  ich  wölte  mir  e  lassen  Ü 
daz  hopt  ab  schlahen;   e  daz  ich  ü  denne  wolte  volgen  und  DÜn 
spunzieren  ab  lan,  ich  w51ti  e,  daz  man  mich  also  lebende  begrabe. 
Dar  umbe   gand  reht  üwer  Strasse,   wan  ir  schaffent  nut  an  mir!' 
Du  gespil  du  bi  ir  aller  nehst  stfind,  du  stillet  si  und  strafte  si  und 
meinde,  er  heti  es  nüwan  dur  gftt  getan.     Si  für  mit  ir  hoptetob-^ 
lieh  und  sprach:  „lug,  ich  wil  in  nit  triegen,  ich  wil  im  mit  worten  j 
und  wisen  zögen,   waz   ich  in  miuem  herzen  hau."     Ab  diser  frti*  ; 
diger  rede  und  unsitiger  geberde  erschrak  der  diener,  daz  er  schäm-  Ü 
rot  ward,   und  gesweig  stille,   daz  er  nüt  sprechen  konde.     Dien  J 
andren  swöstran,  die  daz  geschrei  über  in  horten,  waz  es  leid,  nnd  ^ 
gaben   ir  ungelimpf.     Er  gie  geswinde   einent  ab   und   entweich  ir 
und  sah  uf  und  ward   inneklich  süfzende,   und  wolte  dur  von  haa 

13  war  fehlt  M       15  lüchen  K        glimpf]  oren  Ä"       17  gar  smähklich  < 
18  vil  zornlicli  und  uiiirest.  S        19  ir  [her]  PK        von  mir  fehlt  S        20f.  d.k-  ^ 
lassen   ab   s(.lil.   SK       27  und   wisen]   fünf  wi.s   (!)   M       28  uiisinniger  Tl^  ] 
31  einenthalben  [ab]  VA^ 

13  St.  Mnryaretentag  wurde  in  der  Diözese  Konstanz  am  15,  JhU  ^ 
feiert,  von  den  Doiiiinikanern  am  13,  oder  L^o.  Juli,  doch  fUgten  sich  die  OritM 
meist  dem  Diüzesany  ehr  auch;  vgl.  Grotefend,  Zeilrechnung  /,  IIb;  II,  5,  3$i 
Fiala  im  Anz.  f.  Schweiz.  Gesch.  /,  ö — tS. 


Leben  Seases.    Kap.  XLI.  137 

^an,  denne  daz  als  oeiswas  inrlicbs  tribens  von  got  da  beleih, 
üod  daz  nieinde:  wer  gen  gote  ald  gen   der  weit  üt  wil  schafen, 
der  endarf  nit  als  bald  ab  lassen.     Dis  geschah  na  dem  miten  tage. 
Dar  na  do  es  ward  abent,  na  dem  nahtmal,  do  die  swöstran 

5  gemainlich  in  den  hof  wurden  gende,  daz  sä  daz  nsgelochen  werk 
rifletin,  und  du  [60^]  selb  tohter  mit  in  gie,  und  s6  für  daz  gasthus 
inftsten  gan,  da  der  selb  diener  inne  waz,  do  bat  er  ire  gespilen 
eine,  daz  sie  die  tohter  mit  etlichen  listen  hin  in  zu  ime  brehti, 
und  si  denn  hin  wider  us  giengi.     Und  daz  geschah  mit  n5ten. 

V)  Do  si  hin  in  kam  und  under  dem  laden  bi  im  gesass,  do  büb 
er  an  mit  inneklichen  söfzen  sines  vollen  herzen  und  sprach:  „eya, 
8ch6nü,  zartü,  gotes  userweltü  jungfrow,  wie  lang  wend  ir  üweni 
schönen  minneklichen  lip  und  Awer  zartes  minnekliches  herz  dem 
leiden  täfel  lassen?  Ir  sind  doch  von  gote  so  gar  gnadenrich 
gestalt  in  allem  üwerm  gelesse,  daz  es  ein  übel  mere  ist,  daz  ein 
sftlicher  engelschlicher,  wolgestalter,  edelr  mensch  ieman  sol  ze  teil 
werden,  denn  dem  aller  heresten  ze  einem  liebe.  Wer  sol  den 
schönen  zarten  rosen  billicher  brechen,  denne  der,  des  er  da  ist? 
Keina,  tr&tü,  minnekliohü  jungfrow,  tünd  üwrA  klaren  falkenogen 
tf  und  gedenkend  an  daz  schön  liep,  daz  hie  an  vahet  und  iemer 
und  iemer  weret;  und  nement  och  her  für,  waz  kumbers  und  un- 
truwen  und  laides  und  lidens  an  lip,  an  gut,  an  sei,  an  eren  der- 
l^y  menschen  müssen  erliden,  es  sie  in  lieb  ald  laid,  die  des  pfle- 
gcnt,  denn  daz  sü  die  versüsstü  gift  also  verblendet,  daz  sü  dez 
Pässen  schaden  under  dannen  vergessent,  der  in  da  volget  in  zit 
DBd  in  ewikeit.  Eya  dar  umbe,  du  engelschliches  bilde,  du  minnek- 
liches edels  herz,  ker  umb  dinen  natürlichen  adel  uf  den  ewigen 
*<lcl,  und  lass  dur  von!  Ich  globen  dir  daz  bi  miner  ti-üwe,  daz 
^ch  got  ze  einem  lieb  wil  nemen  und  dir  ganze  trüwe  und  reht 
'i«bi  hie  und  dort  wil  iemer  leisten." 

Gut  waz  du  stunde!     Disü  fürinü  wort  schussen  ir  glich  dur 
*r  herze  und   erweichten  si  also  gar,   daz  si   geswind  irü  ogen    uf 


2  ütz  3f  3  bedarf  M  6  mit  ir  M  8  hin  in  fehlt  M  brehtint  SÄ^ 
1^  laidigen  K  16  engelscher  M  21  nement  —  für  fehlt  M  21  f.  iin- 
^we  A^a  unrüwen  AS  unrögen  F  24  vor  blendet  M  blendet  S  25  da 
^öh  K       27  f.  uf  —  adel  fehlt  K       31  furiiiü]  frume  i» 

6  Besonderes,  vom  eigentlichen  Kloster  (jetrennte,s  Gebäude  zur  Auf- 
*•***«  der   Gäste.  10    In   der   Fensternische  j    der   Schicklichheit    halber 


138  Leben  Seases.    Kap.  XLI. 

hAb,  und  Hess  einen  grundlosen  süfzen  und  sprach  ingmntlich  m 
verwegnen  getürstigen  worten  zfi  im  also:  „ach  herr  und  vate 
mine,  ich  ergib  mich  hüte  an  got  und  an  üch,  daz  ich  minem  vei 
lassen  üpigem  lebene  nu  an  diser  stunde  wil  ein  fries  urlob  gebec 
und  wil  na  üwerm  rate  und  hilfe  mich  dem  minneklichen  gote  Z( 
eigen  geben,  und  wil  ime  allein  unz  an  minen  tode  dienen.  **  Ei 
sprach:  „daz  ist  ein  frölichu  stunde;  gelopt  sie  der  milt  herr,  dei 
ellü  widerkerendü  menschen  wil  frSlich  enpfahen!** 

Under  dannen  do  sä  [61']  zwei  heimlich  mit  einander  also 
von  gote  reddan,  do  stflnden  ire  verlassen  gespilen  ussrend  an  der 
ture  und  verdross  sü  der  langen  rede,  wan  sü  vorten,  daz  si  m 
ire  üpigen  geselschaft  abdrünnig  wurde.  Die  ruften  ir,  daz  si  es 
ein  ende  macheti.  Si  stfind  ein  endrü  worden  uf  und  gie  mit  ime 
und  sprach  zu  in  also:  „min  gespilen,  got  der  gesegen  uch!  und 
heind  ein  fries  urlob  von  mir,  baide,  ir  und  alle  unser  gesellen,  mit 
dien  ich  leider  min  zit  han  üpeklich  vertriben,  wan  ich  wil  got  na 
allein  haben  und  daz  a.nder  alles  vam  lassen/ 

Die  tohter  vie  an,  alle  schedlich  geselschaft  ze  miden  und  sich 
abgescheidenlich  ze  halten;  und  wie  dik  es  dar  na  an  si  versüht 
ward,  ob  man  si  möhte  hin  wider  in  daz  alt  leben  bringen,  do  hall 
es  nit.  Si  hielt  sich  also,  daz  si  mit  lobrichen  eren  und  gotlicheo 
tugenden  vest  und  stete  an  got  unz  an  ir  tod  bleib. 

Der  diener  gie  dur  na  eins  males  us,  daz  er  sin  nüwen  tohtei 
in  gutem  lebene  gevestneti,  und  ob  si  in  keinem  liden  weri,  das  er 
si  gutlich  trosti,  und  tet  im  selb  vil  we  mit  gene  in  der  krankheit, 
in  der  er  do  waz.  So  er  dur  daz  tief  hör  also  trat  und  die  hohen 
berg  uf  klamm,  do  hüb  er  dik  sinü  ogen  uf  ze  gote  und  sprach: 
„erbarmherziger  got,  bis  ermant  diner  eilenden  füsstapfen,  die  do 
tet  dur  menschlich  hail,  und  behalt  mirminkind!^  Sin  geselle,  ao 
den  er  sich  ie  erleinde,  der  sprach  von  erbermde:  „es  zimt  wd 
gotes  guti,  daz  meng  sei  durch  üch  behalten  werde." 

Do  er  fürbaz  gie,  unz  daz  er  nüt  me  mohte  und  gar  erlegeo 
waz,  do  sprach  aber  der  geselle:  „eya,  vater,  got  der  s61ti  wol  an 
sehen  üwer  krankheit  und  solti  üch  senden  ein  rössli,  daz  ir  geritend, 
unz  ir  etwa  zft  den  lüteu  kemend.**   Er  sprach:  „nu  komen  sinbaid 


5   und  wil  —  6  geben   nach  dienen  *S'  5  f.  erzaigen  und  z.  e.  g.  1 

10  verlassen  fehlt  M        ussen  *S'  ussnen  K  13  niachetin  M        ein  e.  wordei 

anderweit  S        21  loblichen  S  lebrichen  P  29  mine  kinde  P         32  uiu 
und  .1/        33  [derj  jj^cselle  K 


Lebeu  Seuses.    Kap.  XLI.  13^ 

B  got,  80  getrnw  ich,  daz  mich  got  diner  tugent  lass  geniessen  und 
Witt  es  gescbeh."  AIbo  l&gete  der  diener  umb  sich,  do  sah  er  zd 
ier  rehten  band  ddrt  her  us  von  einem  walde  gan  ein  hübsches, 
ml  gezßmtes  und  gesatletes  rÖBsli  alleine.  Der  gesell  röfte  mit 
„eya,  lieber  vater,  Iftgent  wie  iich  got  nit  wil  lassen!"  Er 
neb:  „IQg,  sun,  nmb  nud  umb  ut'  disem  braiten  veld,  ob  ieman 
r  mit  gange,  de/,  es  sie."  Er  lügete  verr  und  nahe,  und  sab  nie- 
denn  daz  r6ssli  da  lier  zelten  und  sprach:  „vater,  werlich,  got 
der  bat  üch  daz  gesendet;  sizent  uf  und  [131']  ritend!"  Er  sprach: 
HjQg,  geselle,  ist,  daz  daz  rössü  still  stat,  so  es  zQ  uns  kunit.  so 
ptrüw  ich  got,  der  hab  ee  ze  iinser  notdurft  her  gefiiget,"  Daz 
Mi  kam  senfteklich  und  stand  stille  vor  in.  Er  sprach:  „wol  her 
ip  gotes  namenl"  und  der  geselle  half  im  uf  und  Hess  in  riten,  und 
|ieng  er  mit  ime  neiswi  verr,  unz  er  gerilwete.  Und  do  sü  kamen 
Unabe  zö  einem  dorfe,  do  sass  er  abe  und  leite  dem  rösslin  den  zom 

I  niiier  uf  und  hiese  es  sin  strass  gan,  dannan  es  komen  were;   war 

I  do  kemi  ald  wes  es  weri,  daz  kond  er  dur  na  nie  ervarn. 

Do  der  diener  kam  hin.  da  er  hin  wolte,  do  geschah  ein» 
Endes,  daz  er  also  gesass  bt  sinen  geischlichen  kinden  und  inen 
fete  zerganklich  liep  und  iu  liepte  daz  ewig  liep.  Do  sü  von  im 
fflgen,  do  waz  sin  herz  neiswi  erhizzet  von  siner  begirlichen  rede 
gdtlicher  minne,  wan  in  diihle,  daz  sin  liep,  daz  er  meinde  und 
ären  menschen  gab  ze  minnene,  als  reht  vil  besser  were  denn 
A  lieb  dieser  weit.  Und  do  im  in  der  betrahtunge  die  sinne  neiswi 
bnnken,  do  duht  in  in  einer  geslht,  er  wurdi  gefüret  uf  ein  Bcb&n, 
hen  beide,  und  gie  ein  stoltzer  himelscber  jungling  bi  ime  und 
Ite  in  an  siner  band.  Also  erhüb  der  selb  jungling  in  dez  bröder 
e  ein  lied,  und  daz  ersi-bal  als  frölich,  daz  es  im  alle  sin  sinne 
rflogte  von  Überkraft  des  süssen  gedönes;  und  dubte  in,  daz  sin 
h  als  reht  vol  wurdi  inbrünstiger  minne  und  jamers  na  gote,  daz 
I  herz  ward  varnd  und  wütende  in  dem  libe,  als  ob  es  von  übriger 
1  urbrcchen  wi'dte,  und  mäste  die  rehten  band  legen  uf  {laz  herz 
selber  ze  hilfe,  und  sinü  ogen  wurden  als  vol,  daz  die  trehen 
If  ab  runnen.  •  Do  daz  lied  us  kom,  do  ward  im  ein  bild  für 
mrfen,  in  dem  man  in  leren  wolte  daz  selb  lied,  daz  er  sin  nit 

1  Jugent  P        4  wol  gczeiutea  röüselin  mit  luncm  sat^l  duz  kam  alltün 
a  ISge  -''-V         IU  ans  zu  k.    M        11  gesendet  ü/        20  ir  zerg.  liq 

II  erhitat^et  SK        25  bcIiÖd  fehlt  K        26  liimelsclier  /elUl  P        ime]  in 
%  t.  !«■]  !"■  »'■  8-  ^'n  und  mSt  verflog  M  ^ 


1 


140  Leben  Seuses.    Kap.  XLI. 

vergessen  mohte.  Also  lügete  er  dar  und  sah  unser  frowen,  wie 
ir  kind,  die  ewigen  wisheit,  geneiget  bäte  an  ire  niftterliches  her 
Nu  stfind  der  anvang  dez  liedes  dem  kindlin  ob  sinem  hobte  ^ 
schriben  mit  schönen,  wolgeflorierten  büchstaben,  und  waz  du  scr 
als  togen,  daz  si  nit  menlich  gelesen  konde;  allein  du  mensche 
du  es  haten  erkrieget  mit  übiger  enpfintlichkeit,  du  lasen  es  w 
Und  waz  du  schrift  also:  HEBZENTBUT.  Die  sehrifl  las  d 
diener  behendeklich,  und  sah  denn  nf  und  blikte  in  denn  liepli 
an  und  waz  im  denn  neiswi  enpfintlich,  wie  daz  als  reht  war  wei 
[62']  daz  er  allein  weri  daz  zart  herzentrut,  in  dem  man  liep  a 
leid  heti,  und  trakte  in  denn  in  den  grund  sines  herzen,  und  h 
denn  uf  und  sang  mit  dem  jangling  daz  lied  us  und  ns.  Und 
der  inbrünstigen  herzklichen  minne  kam  er  wider  zu  im  selben  n 
vand  sin  rehten  band  ob  dem  herzen  ligende,  als  er  si  der  ud| 
«tümen  bewegung  ze  hilfe  uf  daz  herz  hat  geleit. 


[62'']  Eins  males  waz  er  verr  gegangen,  daz  er  vil  müd  ^\ 
worden,  und  do  er  kam  ze  abent  an  ein  frömd  stat  zu  einer  klose 
da  sü  woltan  herberg  nemen  die  naht,  und  waz  kein  win  da,  wed< 
in  dem  dorf  noh  in  der  klosen,  da  gie  ein  gütü  tohter  her  für  no 
Seite,  si  heti  ein  vil  kleines  fleschli  mit  wine,  wol  uf  ein  halb  mm 
und  sprach,  waz  aber  daz  hulfi  under  der  mengiV  Wan  ire  wäre 
wol  uf  XX  person  guter  kinden  mit  dien,  die  dar  waren  komei 
daz  sü  gotes  wort  usser  sinem  munde  begertan  ze  hörene.  Er  hies 
daz  fleschli  her  für  tragen  über  tisch,  und  sü  baten  in,  daz  er  eine 
götlichen  segen  dar  über  teti.  Und  er  tet  es  in  der  hohen  kraft  de 
minneklichen  namen  Jesus,  und  vie  es  an  und  trank,  wan  in  turst 
nah  dem  genne,  und  bot  von  im,  und  sü  trunken  ellü  sament.  Da 
fleschli  ward  nider  gesezzet  ofi*enbarlich,   da  sü  es  alle  sahen,  ao 

7  abwechselnd  rote  und  blaue  Buchstaben  AK,  am  Rande  M  8  liepl 
^tlich  P  13  herzkl.  fehlt  P  15  ze  hiltV  fehlt  M  16  ASPKßVt 
haben  hier  neue  Linie  und  grossen  Anfangsbuchstaben,  MA^  •keinen  Absati :  w 
aN  W  und  darnach  Denifle  haben  eigenes  KapiiA  mit  der  Überschrift :  wie  g" 
(las  leipLieh  tranck  seineu  freunden  meret  (N  etwas  abweicliend)  vü  fehlt  ^ 
19  gütige  S        21  waren  fehlt  M        23  begerton  nach  wort  M 

15  In  yiKRWJi^a  ein  Bild:  Maria  mit  dem  Jesuskind  erscheinen  dt 
Diener,  der  Jtsus  .Jhrj-entraut^  nennt  (Abb,  6  nach  R  Bl.  8M.  17  klc 

TTz  kleine  Beghinenniedcrhifoning.    Die  folgende  Erzählung  ist  ein  typisches  B 
spiel,  wie  Seusc  unter  den  Gottesfreundinnen  missionierte.  21  Vgl,  Joh,  6 


Kap.  XLl. 


I  wider  in  giegsen  wassere  oder  wines,  wan  kein  andre  win  da 

Sil  tranken  aber  and  aber  vast  ubs  dem  selben  fleschlin,  nnd 

I  als   begirig  von   im   ze   fa&ren  gotee  wort,   daz  dez  grttliclieD 

s  nieman  ahtete.    Ze  jungst  neiswen,  do  ^u  zQ  in  selber  kamen 


141 


golee  Termugendcn  kraft  in  der  merung  de?,  trankes  als  kuntücb 
^ben,  do  begonden  sü  got  loben  und  wolten  des  dieners  heilikeit 
igetat  geben.    Dax  weit  er  mit  iiihtü  gestaten  und  sprach:  ,,kinder, 

ist  nüt  min  getat,   got  der  bat  der  rcineii  geselschaft  ire  guten 

en  lassen  geniessen,  und  het  si  liplieh  und  geiseblich  getrenket." 

1  Tnder  aus  wiik-r  korrigiert  A  wnnder  [in]  gieN^cii  (!)  K        5  rermügetit. 

traft  5'        S  tiis  t.  gn.  M       9  geniesaen  Ä  ^enoazen  KM        lieiilich  M 


f 

I 


142  Lebeu  Seuses.    Kap.  XLII. 


XLII.  Kapitel. 

Ton  etlichen  lidenden  menschen,  dd  mit  sonderlicher  trüw 

dem  diener  zn  gehorten. 

Es  waren  in  einer  stat  zwo  fürnem  personen  an  heilikeit^  die 
im  heinlich  waren.  Diser  zweier  gotesMnden  geischlicher  zDgwaz 
gar  ungelich.  Du  ain  waz  fürneme  vor  dem  volge  und  waz  begäbet 
mit  götlicher  süssekeit,  du  ander  waz  nüt  fürneme  und  got  üpte  si 
•emzklieh  mit  lidene.  Do  die  baid  erstürben,  do  heti  der  diener  gern 
von  got  gewüsset,  wie.mis8[63']lich  ire  Ion  an  enr  weit  weri,  wan 
sü  hie  als  ungelich  wisen  f&rten.  Eins  morgens  frü  do  erschein  l 
ime  du  ein  vor,  du  da  als  fürneme  waz,  und  seit  ime,  daz  si  noh 
in  dem  fegfür  were ;  und  do  er  fragete,  wie  daz  möhti  sin,  do  meinde 
si,  daz  si  nit  ander  schulden  uf  ir  heti,  denn  daz  von  ire  fürneme- 
keit  etwaz  geischlicher  hofart  ir  in  viel,  dem  si  nit  gnü  geswinde  iu 
gie ;  es  solt  aber  schier  ir  liden  ein  end  haben.  Du  ander,  du  ein  li 
verdrukter,  lidender  mensch  was,  du  für  ane  mitel  ze  gote. 

Dez  dieners  liplichü  müter  waz  och  alle  ir  tage  ein  vil  groflsi 
liderin.    Und  daz  kom  von  der  widerwertigen  unglichheit,  so  si  und 
ire  huswirt  baten:  si  waz  vol  gotes  und  heti  gern  dar  nah  g&tlicb 
gelept,  do  waz  er  der  weit  vol  und  zoh  mit  strenger  hertikeit  di  I 
wider,  und  hier  uf  viel  liden. 

Si  hat  ein  gewonheit,   daz  si  alles  ir  liden  in  daz  biter  liden 
Cristi  warf  und  da  mit  ire  eigen  liden  überwand.    Si  verjah  im  vor ' 
ir  tode,   daz  si  inrent  XXX  jaren  ze  keiner  mess  nie  gestund,  i 
erweinti  sich  biterlich  von  herzklichem  mitlidene,  daz  si  mit  imseni 
herren  marter  hate  und  siner  getrüwen  müter,  und  seit  im  och,  dil  ' 
si  von  der  unmessigen  minne,  die  si  ze  got  hate,  ainest  minnesiedl 
ward  und  wol  XII  wuchen  ze  bet  lag  also  jamrig  und  serwende  ni 
gote,  daz  es  die  arzet  kuntlieh  innen  wurden  und  gut  bild  dar  ab 
uamen.  | 

3  gehorten  etc.  A'  10  wis  M  do  fehlt  M  13  schuld  PJÜ* 
17  Ez  waz  de8  dieners  1.  m.  och  M  orrosslfi  A  21  f.  vil  vil  liden.  Si  betten  U 
24  nie]  nie  M  25  bit.  von  herzen  mit  lident  M  27  ainest  fehlt  M  28  »er 
weinde  A^ 

16  ane  mitel  -  ohne  Hindeniie^  d.  h.  ohne  Feyfeuer.  24  ff.  K.  Sckmiä 

(Theoh  Sind,  u.  Kr  iL  1843,  83ti)  und  Böhnwjer  (DeuUche  Mystiker  18S5yi96) 
Jasaten  die  Stelle  so  auf   als   habe  sie   30  Jahre  lang   aus  I*\irc?U  vor  lÄrtH 
Gatten  keiner  Messe  angewohnt ! 


Lebcu  Seusex.    Ea]).  XLII.  143 

Si  gie  einest   ze  äugender  vaeten   in  dnz  miinster,  da  du  ab-  |  ^ 
wg  mit  geeebniten  bilden  uf  einen  alter  etat,  und  vor  den  bilden  \ 
tiitJerkom  Bi  neiswi  in  enpfintlicher  n'ise   der  gro^g  smerz,    den  du    ' 
zart  mAter  hate  under  dem  krüze.     Und  von  der  not  geschah  dieer 
Sollen  frowen  och  als  we  von  erbermde,  daz  ir  herz  neiswi  erkrachete 
CDfifiDilich  in  ir  Übe,  daz  »i  von  amaht  nider  seig  an  die  erde  und 
»rder  sah  nob  Rpraeb.  I  Do  man  ir  hein  gehalf,  du  lag  gi  siech  nnz 
a  den  stillen  fritag  ze  none,  do  starb  si,  under  dannen  do  man  den 
pEisiou  las. 

In  den  selben  ziten  waz  ir  sun,  der  diener,  ze  C6Lne  ze  sofaftle; 
1^1  ereehein  im  vor  in  einer  gesiht  und  sprach  mit  grossen  frfideii: 
'*,  kind  mins,  hab  got  liep  und  getrüw  im  wol,  er  lat  din  mit 
kainer  [63']  widerwertikeit.  Lilg,  ich  bin  von  diser  weit 
ihaiden  und  bin  uüt  teil,  ich  sol  eweklich  leben  vor  got/  Si 
le  in  mflterlich  an  sinen  mund  und  gesegnet  in  getriilich  und  ver- 
id  also.  Er  vie  an  ze  weinen  und  rftfte  ir  na:  n^vre,  getriiwü, 
igö  mftter  minü,  bis  mir  getrüw  gen  gote!"  Und  also  mit  wei- 
und  süfzende  kom  er  wider  zil  im  selben. 
In  sinen  jungen  tagen,  do  er  ze  schfll  fftr,  do  beriet  in  got 
it  eins  lieben  g6tlichen  gesellen.  Eins  males  in  einer  beinlichi, 
von  got  vil  baten  gekoset,  do  bat  in  der  geselle  durch  ge- 
ich  trnwe.  daz  er  im  zogti  und  in  licssi  gehen  den  niinnek- 
tichen  namen  Jesus  uf  einem  herzen  gezeichenten.  Daz  tet  er  iin- 
^m,  und  doch,  do  er  sinen  grossen  andabt  an  sah,  do  waz  er  im 
der  bet  gnftg,  und  zerliess  den  rok  ob  dem  herzen  und  lie8.s  in  daz 
herzcnkleinet  sehen  nah  aller  siner  begirde.  Dez  begnßgte  den  ge- 
<elleu  nit.  Du  er  es  wul  gesah  schinberlich  stau  nn  dem  libe  en- 
Hiiren  uf  sinem  herzen,  do  ffir  er  mit  slner  band  dar  und  mit  sinem 
tbtliit,  und  streich  es  dar  nn  und  leit  sinen  mund  dar  uf.  Er  ward 
herzklich  weinende  von  andabt,  daz  im  die  ab  walenden  trehen  über 
■Uz  hera  ab  runnen.  Und  der  diener  verbarg  den  namen  dur  na, 
lu  er  in  nie  keinen  menschen  wolt  me  lassen  sehen,  denn  eht  ein 


2  »ineiu  KM        8  neiswaa  SA^        6  vor  Jf        8  atiUen  fr.]  karfiitag  M 

tue  P        17  mit  fihlt  MÄ^        IB  nnd  also  aüfieul  M        zi  i.  a.  wider  M 

etton  vil  M        21  f.  gesellicb  M        2i  [au]  sach  K        27  an]   in   MA' 

I  woU  SKA^         gMeheii  AP         e!it]  Sth  P,  fehlt  MA'         :S2  f.  ein  uspin-. 

)  einigen  M 

Charfreitag ,   wo    dt' 
10.19   Vyl.  10ä,ai. 


144  Lehen  Seuses.    Kap.  XLin. 

einigen  userweiten  gotesfründ,  dem  es  von  got  erlobet  waz;  der  ge 
schowte  in  och  mit  glieher  andaht  als  och  dise. 

Do  die  zwen  lieben  gesellen  neiswi  meng  jar  bi  einander  mit 
götlicher  geselschaft  waren  gewesen  und  von  einander  solten  varn, 
do  gesegneten  su  einander  getrülich  und  macheten  ein  geding  en- 
zwüschen  in,  wedre  vor  sturbi,  daz  im  der  ander  geselklich  truwe 
na  dem  tode  leisti;  und  sölte  ime  ein  jar  alle  wuchen  zwo  messaB 
sprechen,  ein  an  dem  mändag  Requiem  und  ein  an  dem  fritag  von 
ünsers  herren  marter.  Dar  na  über  neiswi  meng  jar,  do  starb  dem 
diener  sin  gesell  vor  an,  und  er  hat  vergessen  umb  die  gelübde  der 
vor  genanten  messen,  und  gedaht  sin  aber  ane  daz  getrülich.  Do 
er  eins  morgens  also  sass  ingezogen  in  siner  kapell,  do  kam  der 
geselle  in  einr  gesiht  für  in  stan  und  sprach  vil  kleglich:  ^eja, 
geselle,  diner  grossen  untrüwe!  Wie  hast  du  min  vergessen!"  Er 
sprach:  „ich  gedenk  din  doch  alle  [64']  tag  in  minen  messen.^  Der 
gesell  sprach:  „es  ist  dar  an  nit  gnüg,  laist  mir  unser  gelübte  omb 
die  messan,  daz  mir  dez  unschuldigen  blütes  hin  ab  werde,  daz  mir 
daz  streng  für  lösche,  so  wird  ich  schier  gelidget  von  dem  fegfüir.* 
Und  daz  tet  er  do  mit  herzenklichen  trüwen  und  mit  grossem  laid 
siner  vergessunge,  und  im  ward  schier  gehulfen. 


XLIII.  Kapitel. 

Wie  im  Crlstns  vor  erschein  In  eins  Seraflns  bilde  und  in 

lerte  liden. 

Do  sich  der  diener  eins  males  hate  zft  got  gekeret  mit  grogsem 
ernste  und  in  bat,  daz  er  in  lerti  liden,  do  erschein  im  vor  in  einer 
geischlichen  gesihte  ein  glichnüs  des  gekrüzgeten  Cristus  in  eine« 
Serafins  bilde,  und  daz  selb  engelschlich  Serapfin  hate  VI  vetchen: 

2  frlicher]  bc^irlichcr  M  discr  K^[  4  Etlicher  S  6  f.  entw.  inj 
mit  enaiuler  S  7  ein  jar  fehlt  M  im  [ein]  jar  Ä^  16  alle  tag]  allwegp  t 
18  jürelediget  KM  24  zu  got  hate  SM  25  und  —  liden  feMt  M  26  cristi  K 
27  ff.  fettachen  S  vetticb  P  vetken  .V 

8  f.   Am  Montag  eine  Totenmesse  (Requiem),  am  Freitag  eine  Mitea  i^ 
passione.  27  ff".  Im  Leben  des  hl,  Franz  von  Assist  (Vision  auf  dem  Berff  '■. 

Alverniiij  14.  tSept.  1224,  vgl.  Lamprecht  von  Regenshurg,  St,  Frangieken  X«M  i 
i(L    Weinhold  lü8ü,  :i38l  ff.   40ö:J  ff.   nach  Thomas  von  Celano)  kommt  »Ä  '■ 
zum  erstenmal  die  Erscheinung  Christi  in   Gestalt   eines  gekreuzigten  Sert^ 
ror:   von  da  ah  wiederholt  sie  sich  öfters,  mit  und  ohne  Stigmatisation.    Vf/L 
auch  /.v.  6",;?  u.  Strauch,  Marg.  Ebner  40,3. 


Leben  Seusei.    Kup.  XLIII.  J45 

ruit  zwain  vetchea  bedacht  es  daz  hobt,  mit  zweiii  die  füsse,  und 
mit  zwetn  flog  es.  An  den  zwein  nidresten  vetchen  Btänd  geschribeii : 
(npfah  liden  willeklicb;  an  den  mitlesten  stfind  ntso:  trag  liden  ge- 
dalleklicb;  an  den  obresteu  stöud:  lern  liden  cristf&rmklich. 

Die  luinneklich  gesiht  seit  er  einem  heiligen  fn'inde,  der  ein 
f'i  heiliger  mensch  waz.  Do  sprach  si  bin  wider:  „wüssiut  für  war, 
4z  üch  aber  nüwu  liden  sint  berait  von  got,  daz  ir  crliden  niiissent." 
Er  fragte,  welerley  du  liden  werin.  Si  seile:  „ir  müsaent  nu  erhebt 
werden  ze  einem  preisten,  daz  die  üch  deet  baz  mugen  trefen,   die 

UiDiganst  gen  ücb  bein,   und  deat  tiefer  her  ab   schupfen.     Dar  umh 

«ment  ueh  uf  gedultekeit,  als  üch  in  dem  Seraptin  gezSget  ist." 

Er  ersäfzet   und   lüget   uf  ein   nüwes  künftiges  uugewiter.     Und  es 

fr^ieng  also  in  der  warbeit,  als  im  der  heilig  mensche  bäte  geseit. 

Es  fögte  sich  in  den  selben  ziten,  daz  tüni  jar  kamen  nnd  daz 

UraaD  sinem  konvent,   da  er  do  waz,    weder  brot   noh  win  gab,    und 

duz  der  konvent  waz  komen  in  gross  giilte.    Die  brüder  wurden  ze 

%te  gemeinlich,  daz  sü  in  der  grossen  türi  den  diener  namen  ze 

priol,  wie  leid  ald  widerwertig  es  im  waz,  wan  er  verattlnd  wol, 

.    liai  im  da  mit  nüwes  liden  bereit  waz, 

i)  Dez  ersten  tages  biess  er  lüten  ze  capitell  und  mante  eü,  daz 
^  »ant  Domioicus  an  r&ftin,  wan  der  heti  sinen  hrtidern  getopt, 
"enn  sü  in  an  rüftin  an  den  nfiten,  so  wdit  er  in  ze  belf  komen. 
Do  Sassen  zwen  brüder  bi  einander  in  dem  capltel,  nnd  runete  eine 
Um  andern   and  sprach  vil  spotlieh  zu  ime;   „IQga,  waz  torohten 


1  ddrt  K         1  f.   [und]  mit  M        3  dem  mitl.  ASKMaS'  4  dem 

l  *T.  *  crisrfonnlioh  M  6  gotteafrönde  Ka  7  iiier  fehlt  M  8  fragte] 
r  ijfith  M  12  kiinft  fthlt  M  18  ald  wie  wid.  SP  18  f.  wan  —  ber. 
I   nt  fthlt  ASP       ai  der]  «r  K        24  ime]  in  M 

Vol^    Herbst    1343    bis    Juni    13U    tear    in    Oberdeittschlund    eint 

ftut  TeHerung:  der  Bitehof  vatt  Konstam,  Nikolaus  van  Kmtingen,  speisle 

lf  Hinem  Schlote  £a»ttll  täglich  gegtn  300U  Armr.    Stiege:  Joh.   Viiod.  ed. 

t  17S,  ms,  310  f.;   Heinrieh  c.  Ditaaenhoven   hei  Bühmer,   Fönten  IV,  39, 

\i  Frttb.  Diös^Archiv   1874,  40;   IbOl,  149;    Strauch,   Ad.  Langinann    109. 

%  SD  cspitel  =   V'trmmmlung  der  Mönche  eines  Klosters  oder  Ort,  wo  diese 

f|fnd<t  (Kapitelisaal) :  vgl.  Dacange  s.  c.  21  f.    Vgl.  Laeordaire.  Leben 

Im.  Domiiiikus,  deaUch  '1671,  309  nach  ASS  Aug.  1,  516,  6*0  (rgl.  auch 

,t  0,  Seauvais,  Sprc.  hist.  XXX,  113).    Dieses  sog.  Prioiltgium  digiittatis, 

I  auch  bei  vielen  andern  Heiligen  vorkommt,  ist  in  stin  Officium  (nach 

biaerrüusj  übergegangen,  vgl.  Hesp.  ad  leci.  IX:    O  sptn  miram,  quam 

I  mortis  horae   (t  ßentibus,    tlum  posi  mortem   promisitli   te  profi 

/mtribiu  ttc. 

H.  Stillt,  DcniKOiB  SohTmoD.  10 


1 


<eben 

'atis,  I 

Do-  I 


146  Lehen  Seuses.    Kap.  XLIII. 

mannes  ist  dise  priol,  daz  er  uns  heisset,  daz  wir  mit  unser  not  ; 
got  konien!  Wenet  er,  daz  got  den  hirael  uf  tüg  und  uns  her  i 
trinken  und  essen  [64^]  sende?"  Der  ander  sprach  hin  wider:  „ 
ist  nit  allein  ein  tore,  wir  sien  toren  alle  sament^  daz  wir  in  ze  pri 
namen,  und  wir  vorhin  wol  wüstan,  daz  er  unkunnent  ist  uf  zi 
lichä  ding  und  nüwan  ufwert  ze  himel  gaflFet.**  Und  ward  man 
spötigu  urteil  über  in  geben.  Do  moment  ward,  do  hiess  er  ei 
mess  singen  von  sant  Dominicus^  daz  er  sü  berieti.  So  er  als 
in  dem  kor  stat  verdahte,  do  kom  der  portner  und  rAfte  im  hin  n 
z(ü  ainem  riehen  korherren,  der  sin  sunder  fränd  waz,  und  de 
sprach  also  zA  ime:  ^lieber  herr,  ir  sind  nit  kündig  uf  zitlichu  ding 
und  bin  hinaht  von  got  inrlich  ermant,  daz  ich  ü  helf  an  siner  stat 
und  bring  üch  hie  XX  pfund  Costenzer  zu  ainem  anvang^  und  ge 
trüwent  gote,  der  sol  üch  nit  lassen."  Er  waz  fro  und  nam  da; 
gelt  und  hiess  win  und  kom  kofen.  Und  got  half  in  und  san 
Dominions,  alle  die  wil  er  priol  waz,  daz  alle  rat  da  waz,  not 
vergalt  dur  zft,  daz  sü  nihtesnit  soltan  gelten. 

Der  selb  korherr,  von  dem  geseit  ist,  do  der  an  sinem  todbe 
gelag,  do  besaste  er  ein  vil  grosses  selgerete  hin  und  her,  da  er  gna« 
zA  hate.  Dar  na  sant  er  na  dem  diener,  der  do  priol  waz,  an* 
beval  dem  neiswi  vil  guldin,  daz  er  die  anderswa  under  arm  gote£ 
frund  teilti,  die  ir  kraft  mit  strenger  Übung  hetin  verzeret.  Da 
wolt  er  nit  gern  tAn,  wan  er  vorte  nahgend  liden,  als  och  geschal 
Ze  jungst  ward  er  überkomen,  daz  er  es  nam,  und  für  us  in  da 
land  und  teilte  daz  gelt,  als  er  im  gelopt  hate,  hin  und  her,  wa  e 
getrüwete,  daz  es  siner  sele  aller  nüzzest  weri;  und  tet  daz  m 
gAter  gezügnüst  und  mit  widerrechnung  sinen  obren.  Hier  uf  ru 
im  grosses  liden. 


6  wol  fehlt  M  8  Dominico  K  11  zu  im  also  M  13  pfund]  libn 
ASFA^  Cost.  phenniiig  M  16  prior  K  17  nihtesnit]  nit  me  S  nfttx  i 
gelten  solten  M  19  la^  SFA^  21  arm  fehlt  M  25  hate  gelopt  S  ha 
fehlt  M        27  siner  SMA^        hier  us  KA' 

13  Zu  Costenzer  trgänze:  phennic,  %cie  M  liest.  Ein  phuni  (librt 
=  :^0  Schilling  (solidi)  =  Ü40  Pfennige  (Silberdenare),  vgl  Ltxer  II,  238,  Üßt 
zur  weiter e7i  Onentierung  vgl.  Poinsignony  Kurze  Münegeschichte  von  Komtan 
1S70,  und  die  Notizen  über  Kurs  und  Kaufkraft  des  Geldes  zu  Konstanz  i 
14.  Jh.  in  Freib.  Ditk.Archiv  1902,  43.  19  selgerete  =  UtMwülige  Vt 

fitgung  zum  Heile  der  Seele  (remedium  aniinae),  besonders  Stiftung  von  Seile 
messen  und  Almosen  an  Arme,  die  dafür  beten  mussten,  dann  Testament  Ubi 
haupt  (Lexer  II,bi05f:  vgl.  Schönbach,  Über  Hartmann  von  Aue  44  f.). 


Leben  Beuaea.     Kap.  XLIII. 


147 


Der  heire  hat  einen  ungeraten  kepsun;  der  bat  verzeret,  daz 
mia  herr  hat  geben,  und  yod  einer  verrftchtkett  greif  er  du  diug 
idä  ime  echedlich  waren.  Der  beti  gern  daz  selb  gelt  gehabt, 
I  do  im  daz  nit  mohte  werden,   do  wtderseit  er  dem  diener  und 


i 


bot  im  mit  einem  geBwornen  eide,  wa  er  in  au  kern,  da  nMt  er 
t6den.  Dis  sorglich  yientschaft  koud  nieman  understau,  wie  dik 
versöcbt  ward,  er  wolt  in  näwan  tSden.  Der  armer  man  waz 
anbeten  und  in  n&ten  lang  zit,  und  getorgte  nit  wol  hin  noh  ber 


1  WM  Jf        3  gell]  g&t  M 


U 


148  Leben  Seiises.    Kap.  XLIII. 

wandlen  von  vorten  eins  ermunlcns  von  dem  verruchten  menscliei 
Er  hftb  siuü  ogen  dik  uf  ze  gote  und  sprach  mit  inrlichen  süfzei 
„ach  got,  waz  jemerlichen  todes  wilt  [65"^]  du  über  mich  verbengen 
Sin  not  waz  dar  umbe  dest  grösser,  wan  kurzlich  dur  vor  ward 
einer  andren  stat  ein  erbere  brfider  von  senilichen  Sachen  jemerlic 
ermordet.  Der  arme  brüder  hat  nieman,  der  im  des  lidens  v« 
w61ti  ald  get6rsti  sin,  von  dez  wilden  menschen  fraidekeit.  Do  koi 
er  sin  an  den  obresten  herren,  der  enband  in  von  im  und  brach  ij 
ab  sin  junges  starkes  leben,  und  starb. 

ZA  disem  liden  kam  och  do  ein  anders  biter  liden.  Es  wa: 
ein  ganzü  gemeinde,  dien  der  herr  groslich  hat  geben.  Dar  ar 
gnügt  sü  nit,  und  die  vielen  alle  ut  den  brüder  mit  grossem  Ungunst 
daz  er  in  daz  selb  gelt  och  nit  alles  liess  werden.  Und  ward  jemer- 
lieh  hier  umb  von  in  durehtet  und  ward  von  in  getragen  für  welt- 
lich und  geischlich,  und  kam  verr  in  daz  land  in  verkerlicher  wise 
siner  schulden,  und  müst  undergan  vor  den  lüten  in  den  Sachen,  Ib 
den  er  vor  gotes  ogen  unschuldig  waz.  Disü  lidendü  sach,  so  der 
ein  wil  geswiget  ward,  so  nam  man  si  aber  und  aber  her  für,  und 
triben  daz  menig  jar,  unz  daz  der  aim  man  dar  umb  wol  gesibet  ward. 

In  den  selben  ziten  erschein  ime  der  selb  tote  korherr  vor  in 
einer  gesiht  und  hate  ein  schön  gewand  an,  daz  waz  grün  und  waz 
umb  und  umb  vol  roter  rosen.  Und  seit  im,  daz  es  wol  umb  in 
stunde  an  enr  weit,  und  bat  den  diener,  daz  er  gedulteklich  liddi 
daz  gross  unrecht,  daz  man  in  zeh,  wan  got  wölti  in  dez  alles  wol 
ergezzen.  Er  fragte  den  herren,  waz  sinü  schönü  kleider  betntin. 
Er  sprach:  „die  roten  rosen  in  dem  grünen  velde,  daz  ist  üwer  ge- 
dultiges  liden,  mit  dem  hend  ir  mich  gekleidet,  und  got  wil  ücb  hiei 
umb  mit  im  selben  eweklich  kleiden." 


1   und    [von]  yorhten  J/         6  brüder]  man  S  11   der  herr]  er  J 

12  den  brüder]   in  M        13  nit  och  M        Ih  und   für  g.  SF        16  schuld  / 

18  und   a))er  fehlt  M        19  dar  umb  fehlt   M        24  ungereht  M       rihi  -^ 
zoch  P 

19  Zum  Ausdruck  vgl.  Luk,  22,31.  20  ff.   Vgl   dagu  Strauch^  Äl 

Langmann  6b,34ff,  und  B.  von  der  Gnaden  Überlast  ed.  Schröder  41,36 f» 

28  In  AKIiWB^a  ein  Bild:   Christus  erscheint  dem  Diener  in  SeraphimS 
gtetalt  (Abb.  7  nach  K  Bl  93^, 


Leben  Ppuaes,     Kap.  XLIV. 


XLIV.  Kapitel. 

66']  Vfte  vestklich  der  luuss  gtriteu,  dem  der  geischlich  pris 
sul  werdeu. 

An  der  DÜwi  siueB  anvanges  do  ct(\nd  der  diener  uf  dem  einne, 
er  von  herzeu  gerne  deu  ogen  des  miuneklicheu  gotes  heti  wol 
illen  mit  fürnemer  sunderlieit,  aber  ane  liden  und  ane  erbeit, 
füllte  sich,  daz  er  eins  males  üb  f&r  dur  hrediens  willen  in  daz 
Und  do  er  kom  in  ein  gemein  scbef  uf  dem  bodensew,  da 
pBoe  sasB  ander  den  andren  ein  weidenlieher  kncbt,  der  trfig  hof- 
lolichii  kleider  ane,  Zu  dem  machet  er  sich  und  fraget  in,  waz  mannee 
er  wen.  Er  sprach;  „ich  bin  ein  ayentürer  und  bring  die  herreu 
'if^men,  daz  sii  bovieren,  uud  da  stiebt  man  und  tuvniert  und  dienet 
tchinen  frowen;  und  wele  es  da  aller  best  tfit,  dem  git  man  die  ere 
Dnil  im  wirt  geloreL"  Er  spracb:  „waz  ist  der  loni"  Der  kneht 
■fisi-itei  „du  BchSnat  frowe,  dii  da  ist,  du  git  im  ein  guldin  vingerli 
>ii  sin  band."  Er  fraget  aber:  „sag  mir,  lieber,  waz  raöse  aine  tftn, 
(faz  im  dii  ere  werde  und  daz  vingerli  t"'  Er  sprach:  „wele  aller 
meist  streichen  und  gedranges  erlidet  und  dar  inne  nit  erzaget,  denn 
Ösj  er  kechlich  und  raanlich  gebaret,  der  vast  sizet  und  uf  sieb  tat 
BUahen,  dem  wirt  der  pris  geben."  Er  fraget  aber:  „acb,  sag  mir: 
IT  nu  an  dem  ersten  anriteune  kech  ist,  weri  daz  genflg?"  Er 
)ncb:  „nein,  er  mi^ss  den  tnrnei  üb  und  us  herten,  und  wurdi  er 
Beblagen,  daz  im  daz  für  zi^  den  ogen  us  wüste  und  im  daz  blüt 
B  nurnd  und  nasen  üb  brechi,  daz  mi^ss  er  alles  liden,  sol  er  daz 
Agewünnen."  Er  fraget  aber:  „eya,  lieber  geselle,  getar  er  iht 
ffineti  ald  trurklich  gebaren,  so  er  als  übel  wird  geschlagen?"    Er 


2  vestUch  M  8  üi  den  5Ä  9  waidellicher  PM  U'fig  fchll  M 
'iufb  »techent  imd  hovierent  uuil  tumierent  H  dienent  6'f  16  Hog 
^MU  S  lieber  ^aelle  A'  16  Btraich  o.  gi^dran^  M  21  anriton  itf 
l'araer  SK  tnrae  P  da«  tnruei  A'  23  «irete  d)  A  24  zfl  mimd  und  zu 
*  agva  und  zä  der  aasea  üb  drange  S        niid  ze  iiaHuti  M 

II  ftTentürer  :=  a^|'  Wai/niiae  austielimder  Bitter  iLexer  I,loö);  vgl. 
I«  Ä',5/.  Man  ist  hiir  an  die  Definition  van  „dreHtiure"  bei  Hwtmann 
t  A»t  (Itetia  637  ff.:  ävtntiwt,  was  itl  das  etc.)  rrinnert,  oder  an  Ulriehg 
I  lÄehituKtein  abtnteuerliche  Pahrt,  der  jtäem  Speerbrechee  iinea  goldwtn 
trtpraeh  (vgl,  den  geiatvnUen  Aufgatt  von  Schönbach  in:  Biogi-aphiache 
Watler.  hrtg.  von  Settdheim  II  [1806],  It  ff.).  Zur  Schildening  des  Turnierg 
lyl.  A.  Schultt,  Diu  hüf.  Ltb:m  II',  106  und  daa  Süd  ebd.  146. 


^ 


Leben  Seufies.     Kap,  XLIV, 


sprach:   ^iieiii,  und  daz  im  sin  herz  in  sinem  libe  vereunki,  a 
mengem  tflt,  er  getar  die  glich  nit  tfin,  als  ob  im  üt  sie;   er 


frölich  und  weidenlich  gebaren,  anders  er  wnrdi  ze  spote  imd  v( 
dnr  mit  die  ere  und  daz  vingerli."    Ab  dieer  rede  ward  ( 
2  der  glich  P  den  glich  M        \  die]  siu  M 


Leben  Seuses.     Kap.  XLIV.  151 

in  aicii  gelber  geschlagen  und  ward  beraklich  und  iDiieklieh  siifzende 
will  sprach:  „acb  wirdiger  herre,  mfissen  die  riter  diser  weit  solichü 
Üden  enpfahen  nmb  so  klaincii  lun.  ilcr  ;iii  im  seih  mit  ist,  ach  got, 


'S'ttAi.i^-SiJuHii 


*ic  iBt  denn  so  billicb,  daz  man  nmb  den  ewigen  piis  noh  vil  nie 
Sfbeten  erlide!  Owe,  zarter  herr,  wan  weri  ich  dez  wirdig,  da/,  icli 
flii) geischliche  riter  weri!  Eya,  sehonü,  minneklichii  ewigii  wislieit, 
^pro  gnadennchkeit  nit  glich  ist  in  allen  landen,  wan  mAhti  minor 

5  M-bait  K        7  f.  mohl  mir  ym  liiner  sei  aiii  v.  w.  i!j  M 


152  Leben  Seuses.    Kap.  XLIV. 

sele  von  dir  ein  vingerli  [66'']  werden,  ach  dar  umbe  w61ti  ich  lid( 
waz  du  iemer  wöltist!"  Und  ward  weinende  von  grossem  ernst,  d 
er  gewan. 

Do  er  kom  an  die  stat,  da  er  hin  wolte,  da  sant  got  nf 
gr5ss6  und  berlichü  liden  so  vil,  daz  der  arme  man  na  erzaget  w 
an  gote,  und  daz  meng  oge  nass  ward  von  erbermde  über  in.  1 
vergass  er  aller  verwegenlicher  riterschaft  und  gelübde,  die  er  hi 
in  sinem  fArsazz  gehabt  z&  got  umb  geischlich  riterschaft,  und  wa 
trurig  und  widermutig  gen  got,  wes  er  in  zigi  und  im  sölichü  iid 
zu  santi.  Do  mornent  der  tag  uf  gie,  do  kom  ein  stilli  in  sin  se 
und  in  einer  Vergangenheit  der  sinnen  do  sprach  neiswas  in  i 
also:  „wa  nu  f&rnemu  riterschaft,  waz  sol  ein  str6wine  riter  und  « 
tuchine  man?  Gross  Verwegenheit  han  in  liebe  und  denn  verzag 
in  leide,  da  mit  gewunnet  man  nit  daz  ewig  vingerli,  dez  du  { 
gerest.**  Er  entwürt  und  sprach:  ^owe,  herr,  die  turney,  da  mi 
dir  sich  inne  müss  liden,  die  sint  gar  ze  langwirig.^  Dez  ward  h 
hin  wider  geentwürt:  „do  ist  och  daz  lob  und  ere  und  vingerli  mioe 
riter,  die  von  mir  werdent  geeret,  stet  und  ewig.**  Do  ward  de 
diener  in  sich  selb  geschlagen  und  sprach  vil  demuteklich:  ,,herr 
ich  han  unreht,  erlob  mir  allein  ze  weinen  in  minem  lidene,  wai 
min  herz  ist  als  reht  vol."  Er  sprach:  „we  dir,  wilt  du  wainen  all 
ein  wipV  Du  geschendest  dich  selb  in  dem  himelschen  hove!  Wüscl 
dinü  ogen  und  gebar  frölich,  daz  es  weder  got  noch  mensch  inoai 
werde,  daz  du  von  lidens  wegen  habest  geweinet!"  Er  vie  an  « 
lachene  und  vielen  im  doch  dur  mite  die  trehen  über  die  waogcn 
abe,  und  entbiess  gote,  daz  er  nit  me  weinen  wölte,  umb  daz  dai 
im  daz  geischlich  vingerli  von  im  wurde. 


[67^]  Do  der  diener  eins  males  ze  Coln  brediete  mit  großW© 
ernste,  do  sass  ein  anvahender  mensch  an  der  bredie,  der  sich  nüwes 

4  Do  er  kom  fehlt  S  5  verzagen  M  7  f.  liet  gehept  M  9  wider- 
wertig  /S'  9  f.  im  zu  s.  s.  h  M  16  turny  K  dumier  P  der  toiner  S  der 
tumay  MÄ^  17  daz  vingerli  und  daz  lob  u.  ere  S  25  dur  mite  fehU  » 
26  er  entliiess  M  27  ward  von  im  M  28  X  und  Diepehbrock  Juiben  liiff 
ein  neues  Kap,  mit  der  Überschrift:  wie  sein  antlit  wart  gesehen  in  kloAöt 
der  dienor]  er  M        kol  P 

27  heew.  163,7   in  ÄKRWB^a   zwei  Bilder:   der  Diener  empfängt  toi 
Knycln  himmlische   Tröstung  und  wird  mit  Bitterinsignien  bekleidet  (Abb, 
nach  W  BL  yö^,  Abb,  y  nach  K  Bl,  95^), 


Leben  .Seiisfs.     Kiip.  XLV.  153 

tlgotbste  gekeret.  Do  Bin  der  lidender  mensch  mit  flisse  war 
sali  si  mit  den  inren  ügen,  daz  ain  anüiit  sieb  begond  ver- 
mdlen  in  ein  wiinneklich  klarheit,  und  ward  ze  drin  malen  glich 
liechlen  sunnen  nah  ire  h6fa6ten  widerglaste,  und  ward  im  dar 
sin  antliil  als  Inter,  daz  si  sich  selber  dar  inne  schowete.  Und 
diser  ^sibt  ward  si  in  ire  lidene  gar  wol  getröstet  und  ge- 
let  in  einem  heiligen  lehene. 


XI-V.  Kapitel. 

Ton  dem  uiiuneklichen  uamen  Jetnus. 

Der  diener  der  ewigen  wisheit  ft'ir  ainest  von  oberlande  ah  gen 
che  zö  unser  frowen.  [68']  Und  do  er  her  wider  kom,  do  erschein 
nnse  frow  vor  einer  vil  heiligen  person  und  sprach  zö  iralso:  „lüg, 
der  diener  miues  kindes  ist  liomen,  und  hat  siiieu  süssen  namen 
iems  vil  wit  and  brait  mit  begirde  umh  getragen,  als  in  och  hie 
Vor  sin  junger  umb  trügen  ;  und  als  die  heglrd  baten,  daz  si'i  den 
Hamen  allen  menseben  mit  dem  globen  ze  erkennen  gehin.  also  hat 
«r  ganzen  fliss,  daz  er  den  selben  namen  Jesas  iu  allen  kalten  herzen 
mit  nnwer  minne  wider  enzünde.  Dar  nmbe  so  sol  er  nah  sinem 
tode  ewigen  Ion  mit  in  enpfahen/'  Dar  ua  Iftgete  der  seil)  beiliger 
menscb  unser  frowen  an  und  sab,  daz  si  in  der  haut  hate  ein  scb&n 
kenea,  dö  bran  als  schone,  daz  si  dur  alle  die  weit  luhte,  und  an 
<ler  kerzen  waz  umb  und  umb  geschriben  der  name  JESUS.  Also 
sprach  unser  frowe  zfi  der  persone;  „lüge,  disü  brünnendi'i  kerz  he- 
tütet  den  namen  Jesus,  wan  er  warlich  erliihtet  ellü  herzen,  du  einen 
'»amen  andehtklieh  enpfabent  und  in  erent  und  in  begirlich  bi  in 
tWgent.  Und  min  kint  hat  sinen  diener  im  selb  dar  zfi  us  erwellet, 


1  mit.  fliBsc  fehlt  P  ö  ire]  inren  S  11  ncli  SKM  och  P  14  Jean» 
Mü  s       22  der  uamy  fehlt  A' 

1  ff.  Da»  Ltiichtfii  des  AntiitEea  und  Duyelisicktigwerden  dm  Leibes 
~  'int  AntiHpaliori  der  himmliaehen  Verklärung  —  kommt  in  der  myitiüchen 
'^<*iHmtitrralur  Mußg  vor,  vgl.  die  Belege  hei  Krebs  a.  a.  O.  7t  f.  und 
E  SehiUer,  Dan  mgsi.  Leben  i>i  T/its  1903,  49  ff.  11  Die  Wallfahrt  nach 

^'chtn  iachvart)  lU  den  dortigen  grossen  Heiligtümern  ixt  geil  dem  frühen 
Mindalter  »ehr  im  Schirtmg:  sie  wurde  im  14.  it.  15.  Jh.  auch  als  Sühnt  für 
tekirtre  Verbrechen  avf erlegt.  Vgl.  die  Belege  bei  Strauch,  Ad.  Langmann 
A.  IU  53,5ff.:  Marg.  Mner  A.  »«  XLJV.  41  ff. .  und  bes.  St.  Beiesel,  Die 
iadienfnh>t  IDfjS.  12  Ehbeth  Stagtl. 


154 


Ltlien  Senaes.    Kap.  XLV. 


daz  sin  name  dar  iu  begiiUeh  in  mengem  herzen  werd  eDzi'iDdet  d 
zft  ire  ewigen  selikeit  gefürdert." 

Do  disü  vor  genantü   heiligü  tohter  hat  gemerket  menigvitl 
klich,  daz  ire  geischlich  vater  so  grossen  andaht  und  guten  ^h\ 


hate  zfi  dem  rainDeklichen  namen  Jesus,  den  er  uf  einem  heu 
trflg,  do  genan  si  ein  snnder  minne  diir  zfl,  und  Id  eimm  gfi 
andabt  do  nate  b\  den  selben  namen  JestiB  mit  roter  eiden  nf  i 
kleines  tücbli  in  disev  gestalt:  IHS,  den  e\  ir  selben  wolle  belnt 

4  Bii  /Ml  M        u.  so  f^lea  e.  M        7  regt  SP        t. 
fehlt  il        iii  -  im  /Ml  P        IHS  fol  AK  iLs  um  Randt  M  | 


Leben  Seueea.    Kap.  XLVI.  15& 

hgen.  Und  machete  do  dez  selben  nümen  glicb  UDzallichen  vil 
CD  and  schöf,  daz  der  diener  die  namen  alle  uf  sin  herz  btos» 
and  sü  mit  einero  gotlic^beu  gegen  Einen  geiBclilicben  kinden 
und  her  sante.  Uod  ir  ward  kuod  getan  von  gotc:  wer  den 
Imen  also  bi  im  trüge  und  im  teglieh  ze  eren  ein  Pater  noster 
Sprech,  dem  w&lte  got  hie  gutlich  tun  und  w61ti  in  begnaden  aD 
sicer  jgngeteu  hinrart. 

Mit  sAlicben  strengen  Übungen  und  mit  gfitliehen  bilden  Jesu 
CnBli   nnd   siner   lieben    friinden    waz    der    anvang    diser   heiligen 
n  lohter  gebildet. 


XLVI.   Kapitel. 

[H']  Gftte  onderschald  enzwüschen  warer  und  falscher  ver- 

nitnftkait  in  etlichen  menschen. 

SicQt  aquila  provocans  ad  volandiim  pullos  suos  etc. 

Do  disä    beiligü  tohter  nah   der  göten   1er   ires  geiscblichen 

Hers  nf  ellü  atak  bildricher  heilikeit  wol   waz  nah   dem   nssern 

leiachen  geberret  als  ein  lindes  wehsli  bi  dem  füre,  daz  der  forme 

I  iti  insigela  enpl'enklich  ist  worden,  und  och  dur  daz  spiegelich  leben 

'^riiti,  der  der  sicherst  weg  ist,  waz  ordenlicb  lang  zit  gezogen,  do 

iß— 


6  ze  eren  fthlt  SA'  7  M  aetet  nach  binvart  kintn:  als  an  dem 

n  briefbtichin  (meh,  ilaz  hie  ze  hindroat  och  stet,  aigenlioh  ist  geBchriben 

Sttrengen  — mit  fthlt  MA'        13  [in]  etlicher  M        14  grosm  gtmalt*  Initial» 

-UX       17  menschen  fehlt  M        18  ingeaigeU  SP        enphhik  M        19  [waz} 

'"i'  L  I,  ist  gezogen  M 

10  In  AKSWB'b  ein  Bild:   äie  ewige  Wdahtit  halt  den  Binntr,  stine 

Si^tithc  Toekttr  and  andere   Verehrer  des  Namens  Jesu    unter  ihrem  Schalt- 
I  •'«nlil  ,Abb.  lü  nach  K  BI.  mn.   —  Hier  tndtt  der  ersähltmle  Teil  dtr  Vita 

^ft».    Die  folgenden  8  Kapitel  enthalten  theoritieche  Unttrweiaungen  über  die 
I  ^ktttn  h'ragen  der  Myetik    (die  aller  überBWCiikaten  materien,  Prolog  des 

£*mplarM5,J3f.).  14  V  Mos.  32,11.  17  Vgl.  Alberl.  M..  Dt  adhatr. 

ikee.ä:  Forma  attimae  Dcus  tst,  cui  debtt  imprimi,  sicut  cera  sigiüo  et  sig- 

Vtttm  gigno  aignatur.      Ähnlich   dera,   im  Prol.    summne   theologiat,    Opp.   ed. 

Sirgntt  XXXI,  2  und  David  von  Augsburg,  Dt  ej-ieriorie  ei  interioris  hominis 
wmposilione  III,  63  n.  8  (ed.  (Juaracchi  1899,  346).  IB  f.    Vgl.  das  Kap. : 

•Christus  unser   Vorbild"    bei   Deitijle,   iJus  geistliehe  Leben  '1880,  143  ff.  and 
Bita  Kap.  1. 


156  Lebeo  Seuses.    Kap.  XLVI. 

Fro  tohter,  es  wen  nn  wol  zit,  daz  da  fürbaz  in  ein 
giengist,  und  dich  usb  dem  neBt  bütlichs  trostes  eins  aiiralieDdi 
menscbeii  uf  erlupftist.    Tfi  als  ein  junger  zitiger  adler,  da  mite  di 
du  die  wolgewahaen  vetchen,   ich   meine  diner   sele  oliresten  krefte 
erswingest  in  die  li6hi  dez  schöwiichen  adels  eins  seligen  Tolkoma 
lebens.     Waist  du  nit,  daz  Gristas  spracb  zj\  sinen  jangeru,  die 
siner  biltlicber  gegen wurtikeit  ze  vast   kicptan:    „es  ist   iich  funiffl 
lieh,  daz  icli  von  üch  var,  sond  ir  dez  geistes  enpfenklich  werden"! 
Din  vordren  Übungen  sind  gewesen  ein  gütü  bereitunge,  fürbaz 
komen  dur  die  wüsti  eins  viblicben   unbekanten  lebens,    hin  in  i 
geheissen  land  eins  lutren   i-uwigen  herzen,  in  dem  hie  selikeit 
vahot  und  an  enr  weit  cweklicl]  blibet.     Und  daz  dir  der  höh  Te^ 
nönftiger  weg  dest  bekanter  sie,  so  wil  ich  dir  vor  lübten  mit  lieil 
lieble  eins  gilten  underschcides,    wenn    du  den    underschetd  wol  h 
grifi'Bt,  daz  dn  mit  nihtü  mäht  verierren,  wie  hob  du  iemer  mildf 
sinnen  fiügest.     Nu  merk  eben: 

Man  vindet  zwaierlay  wisen  under  gütacbinenden  nienscfaed 
etlichu  fürent  ein  vemfinftig  wise  und  etlichfi  ein  unvernünftig.  W 
ersten,  daz  sind  du  menschen,  du  ir  Vernunft  dar  na  rihteud,  <i 
alles  ir  verstau  und  ir  thu  und  ir  lau  wirt  us  gewürket  mit  relil 
bescheidenbeit  nah  meiuung  der  heiligen  crisfenhait,  nach  gotes  lol 
«nd  aller  andren  menschen  riiwigen  l'ridc,  mit  besorgungc  ire  ivorl 
und  wisen,  daz  menlicb  dar  inne  irhalb  unstSssig  belibet,  er  lu 
es  denn  von  sin  selbes  gebreslUchen  giunde ,  als  dik  beschihl 
S5lichen  behftten  wandel  und  selklicb  wisen  ze  fürene  bewiset  <H 
natnr  und  der  nam  [85']  der  vernünftekeit.  Und  dis  ist  ein  pot 
ffirmigü  Inblicbä  Vernunft,  wan  si  wideriübtet  in  ir  selb  mit  togft 
lieber  warheit,  als  der  himel  tflt  in  sinem  liebtrichen  gestirne.  Abs 
du  gfttscbinenden  menschen,  du  ein  nnvernünftig  wise  furenl,  ^ 
sind  du,  du  nf  ir  selbs  bilde  zilent  mit  einer  unerbrüchenr  nntnrt 
und  allein  mit  ir  Vernunft  na  echftwlicher  wise  dii  ding  scharpfli«^ 
an  sehent,  und  dur  von  übermüteklich  vor  unwüesenden  menscbfl! 
kunnen  reden  in  einr  verahtunge  alles  des,  daz  dar  nf  mAhti  ^ 
Valien   missrallendea    mit   rede   oder   mit   geteten.     Der   selben  *'(* 

7  [ze]  vast  M        8  ücli]  hionan  S  12  eiiwelt  A        lH  Yor  lOhLl 

inhten  M        17  wis  M        23  lieUlie  ASP  24  gehreBteiilir-h  M       36  «I 

lichj  solklifh  P  sSüclie  S         bewisent   Jlf  2!)  Tomiinftig  M         SO  «I 
fehU  M       34  f.  ffirnfliiftJgs  M 

7f.  Joh.  iii.T.      yfft.  data  die  Prtdiijt  Senats:  Itemni  idinqun  munrl 


Leben  Seuaea.     Kitp.  XL  VI. 


157 


iges  liebt  ist  us  brechende  und  nnt  in  brechende  als  daz  fnl  holtz, 

nahte«  scbtnet  etwaz,  und  tet  doch  niit.    Also  bewiset  sich 

menschen    iüies   lieht   und   ueser  wandcl  überal  dem  ungelich, 

es  glich  sölti  jehen. 
l  Disü  menscben  hruft  man  etwi  vil  an  ire  frien  lind  nnbesorgeten 
^chen,  die  bü  fürent;  und  dero  nemeu  wir  allein  einen  sprnchf 
Mem  man  die  andren  alle  mag  schezzen.  Es  ist  von  Ire  eim  ge- 
•chen  in  einem  gediht  also:  „dem  gerebten  ist  einkein  mitel  ze 
ttben."  Dise  Spruch  und  dero  glich  Bchinent  etwas  in  etlieheu 
Pgesehenden  menseben,  sü  sind  aber  den  wol  geseheuden  niit  ze 
fcne,  die  da  wol  verstand,  waz  sü  inue  tragent.  Und  daz  merkt 
p  eigenlicb  in  dem  vordren  Bpmcb,  der  da  seit,  daz  dem  gerebten 
In  mitel  sie  ze  mtden.  Waz  ist  uu  der  gereht,  ald  waz  ist  daz 
hl?  Der  gerebt,  nah  gemeiner  bethtug  der  rede,  daz  ist  ein  ge- 
ller mensch,  genomcn  nah  sincr  geschafenheit;  wan  gereht  bestat 
k  nf  im  selben,  es  mttss  naiswaz  understandes  haben,  und  daz  ist 
t'der  gerebt  mensch.  Waz  ist  denn  mitel?  Daz  ist  sünde,  daz 
I  menschen  schaidet  von  got.  Sei  nu  ein  gerehter  mensch  kein 
p,  daz  ist  kein  sünd  miden  noh  schuhen?  Daz  ist  luter  falsch 
I  wider  alle  vernunftlkeit.  Wol  ist  daz  war,  daz  der  gereht 
nch,  als  vil  er  und  ellü  ding  nah  ire  ewigen  ungewordenheit  in 
Biberweslichcn  gotes  vernuuftkeit  daz  selb  sind  in  keiner  förm- 
mr  anderbeit,  so  m^hti  man  im  etwi  getfln.  Aber  da  in  dem 
ptltigen  überweslichen  gründe  ist  der  gereht  mensch  mit  der  lip- 

mensch,  wan  es  ist  kein  liplichkelt  in  der  gothcit;  [85^]  da 
ecb  enkein  mitel.     Aber  ein   ieklicher   mensch   bevindet,   daz  er 

ald  der  mensch  ist  nesrent  dem  selben  gründe,    wan  er  ist  hie 
mlicb  und  dftrt  nit;    und  da  ist   er  iez    in   siuer  gebresthaftigen 


1  not]  mil  K        2  ist  frhll  M        9  aprücii   PJ/ 
^in  mitd  schlichen,  daz  i.  k.  s.  miden  [noh  si^liüheii] 


i  imdcrHcheilz  S 
24  über  Wesen- 


I 


8  ,.Dem  VoükammeHtn  schadtt   keine  Sünde  mehr,"    int   ein  Satg,  der 

In'  ctrschiedenen  panthtitthch-qmetUtiechen  Sekltn  dt»  Mülelalitrs,  he». 

Uli  hetttrüchen  Bei/harden  vnd  Brüdern  de»  freien   Get'eles  ßndet ;  vgl. 

I,  4H1  ff.  (Nr.  15,  31,  ä4  t*.  *.  wj     Wmtere  Belege  bei  Denifie,  Iter  Gottat- 

im  tiberiand,  SepMjdr.  aus  HisL-pal.  Bl.  76  (1875  I),  36J\ 

r.   Alle  Dinge  »ind  der  Idee  nach  in  Gott,  und  dort  nicht  toetintUck 

timmder   noch  vom   Wesen  Ootte»  unterschieden.     Weiteres   liber  die  scho- 

tehe Ideenithre  in  Kap.  3  de»  Bdw:  vgl  Denifle  328,  517 f.  27  Äuam- 

'Sotlesg runde ;  attsföbriieher  dariiber  in  Kap.  6  des  Bdw. 


158  Leben  Seoses.    Kap.  XLVn. 

^eschafenheit,  da  er  wol  bedarf  ellü  schedlichfr  mitel  ze  miden. 
Wölti  ich  DU  in  miner  vernünftekeit  ze  nihtü  werden  and  nmb  mich 
selb  in  diser  wise  niht  wüssen,  und  wölti  ane  allen  nnderscheid  min 
und  gotes  ellü  liplichü  werk  würken,  als  ob  es  daz  nngeschafen 
wesen  wurkti^  daz  weri  gebrest  ob  allen  gebresten.  i 

Und  alsus  mag  man  merken,  daz  sölich  sprüch  kein  reht  Ter- 
•nünftigkeit  inne  habent  in  der  warheit.  Hie  mite  meinet  man  oit 
^b  sprechen  vernünftig  lere  ald  vernünftig  wolbesorget  spräche  ald 
gdiht,  die  den  menschen  entgrobent  und  in  ze  vernünftiger  warheit 
ordenlich  wisent,  ob  sü  joch  uüt  menlich  verstat;  wan  daz  ist  kont- j 
lieh  war^  daz  grober  blintheit  und  unverwissner  vihlichkeit  enkan 
«ieman  gnü  eben  gereden. 

Du  tohter  sprach:    „gelopt  sie  got  dez  guten  underscheidefl! 
Ich  horti  gern  underscheid  zwischen  einer  rehten  vernnnft  und  eiser 
üoierenden  vernünftkeit,   und   enzwischen   falscher   und   warer  ge*! 
lassenheit^ 

Der  diener  sprach: 

XLVII.  Kapitel. 

Underscheid  enzwischen  ordenlicher  und  floierender 

yerndnftikeit. 

Na  den  ersten  striten,  die  da  geschehent  mit  dem  untertrok 
:fleisches  und  blütes,  so  kunt  der  mensch  zA  einem  tiefen  wage,  di^ 
menger  mensch  inne  versinket,  und  daz  ist  ein  floierendü  vemünflö* : 
keit.  Waz  ist  nu  daz  gesprochen?  Ich  heiss  daz  ein  floierend  veK 
Tiünftekeit,  so  dem  menschen  gerumet  wirt  von  süntlicher  grobhei^' 
und  gelSset  wird  von  haftenden  bilden  und  sich  frilich  uf  erswingfl^ 
über  zit  und  über  stat,  da  der  mensch  vor  entfriet  waz,  daz  er  sinett 
natürlichen  adels  nit  konde  gebruchen ;  so  sich  denne  daz  vemü 
oge  beginnet  uf  tön,  und  der  mensch  geliket  eins  andren  b 
lustes,  der  da  lit  an  bekennen  der  warheit,  an  bmchene  götli 
selikeit,  an  dem  inblik  in  daz  gegenwärtig  nn  der  ewikeit  und  deil 
glich,  und  du  geschafen  vernünftekeit  beginnet  die  [86']  ewigen  vm^ 
geworden   vernünftekeit   enteil    verstau    in    im  selben  und  in  alki^ 


3  wise]   weit  M        11  un^nssener  S        14  ich  —  underscheid  fMt 
15  florierenden  SKMA'^a       19  f.  ÜberschHft  fehlt  P       19.23  florierendü  KMJ^ 
24  Waz  ist  —  fl.  (florierende  KA^a)  vern.  fehlt  ASP       25  von  innan  ger.  Ww 
32  beginnet  —  33  vemunft.  fehlt  A^        38  enteil  fehlt  M 


Leben  Seusea,     Kap.  XI.VII.  159 

BO  bescbiht  dem  mensclien  neiswi  wundeilich,  so  er  sieb 
[ler  dez  ersten  ao  siht,  waz  er  vor  waz  und  waz  er  du  ist,  und 
»indet,  daz  er  vor  waz  als  ein  armer  gotloser  dürl'tig:,  der  zemnl 
Wind  waz  und  im  got  veri-  waz.  Aber  nu  so  dankt  in,  daz  er  vol 
^tes  sie  und  daz  mit  sie,  dnz  got  nit  sie,  mer  daz  got  und  ellii 
ding  ein  einig  ein  sien:  und  kripfet  die  saclien  ze  geswintlicb  in 
einer  nnzitigen  wise,  er  wirt  in  sinem  gemüte  floierende  als  ein  uf 
lesender  most.  der  noh  nit  zu  im  selben  ist  komen,  und  vallet  uf 
daz,  daz  er  denn  verstat,  ald  ime  ane  underscheid  fiir  geworfen  ist 
von  ieiuan,  der  daz  selb  ist,  dem  er  denne  allein  hat  ze  losene  und 
keinem  andern,  und  nil  denn  nah  sinen  wolgevallenden  sinnen  lassen 
gcnerden  ellü  ding,  und  enpfallent  im  du  ding,  es  sie  helle  ald 
himelricfa,  töfel  ald  engel,  in  ire  eigenr  natur  genomen,  <och  Criati 
gellten  menschheit  verahtend  si>,  wan  sü  nüwan  got  dar  inne  ge- 
kripfet  bein,  und  die  sacken  sind  iu  noh  nit  ze  gi'unde  worden  ze 
erkennen  nah  nuderscheide.  nah  ire  belipnuss  und  nah  ire  Vergangen- 
heit. Dien  menschen  besehiht  als  den  biulin,  die  daz  hong  machent: 
80  die  zitig  werdent  nnd  dez  ersten  us  stürment  usser  den  körben, 
so  fliegent  sü  in  verierter  wise  bin  und  her  und  enwissen  nit  war; 
etlichü  missHiegent  und  werdent  verlorn,  aber  etlichü  werdent  orden- 
lioh  wider  in  gesezzet.  Also  geschibt  disen  menschen:  wan  sü  mit 
nn^aster  Vernunft  got  schowent  al  in  al  nah  ire  unvolkomenr  Ver- 
nunft, so  wen  so  dis  und  daz  lassen  vallen,  sü  enwässen  wie.  Daz 
ist  wol  war.  es  mflss  alles  ab,  dem  relit  sol  geschehen;  sü  verstand 
aber  noh  nit,  wie  der  abval  sol  gestellet  sin,  und  wen  ungelimpflich 
die  nnd  daz  lassen  und  sich  nnd  ellü  ding  got  nemen,  und  wen  dar 
m  würken  ane  underscheid.     Und  dise  gebrest  knnt  eintweder  von 


S  Iwax  er!  mi  M  i  umi  —  waz  fthlt  SP  5  wer  -  6  sien  fehlt  M 
■ig]  ewiges  £  7  f.  of  ierender  M  8  koitien  ist  MA'  11  sinen]  siueui  A 
«I  denne  nUp  die  ding  P  13  och  —  14  verahtend  8i  M,  fehlt  ASPKÄ'tifS^  U 
Mwui]  011  S  15  noh  oit  in  ^  iu  öch  null  nit  P  17  bygliu  S  jmlin  K 
(«nd]  ä  enw.  M 

10  d&z  i^elb  d,  h.  sinnlich  and  aufgeblaten.  Sease  spielt  auf  das  „sich  «V'ieni 

Orunde   lainen"   an,   mit   es   bei   den  häretiachai  Gottesfreiindm   (t.  B.    bri 

Basel,  vgl.  Dettifie,  Der  Goittsfreiind  im  Oberland  35  ff.)  vorkam. 

Vntmteerfung  unter  die  Leitung  eines  andern  (auch  Laien)  findet  sieh  aber 

ler  Weist  auch  bei  kireklichen  Goltegfrtanden,  vgl.  Venifle  a.  a.  0.  51  ff. 

I3f.  Die  Meinung,  der  Gedankt  ön  das  Leiden  Christi  sei  ein  Hindernis 

pmur  Btschauung,   ist  ein  Irrtum  der  Begharden,  den  das  Kotizü  von 

(1311IW  verurteilte  (Eefelt,  KontiUeageseh.  VI',  544). 


J 


160  Leben  Seuses.    Kap.  XLVIII. 

ungelerter  einvaltekeit  ald  aber  von  unerstorbenr  ablistekeit.  B 
wenet  menger  mensch,  er  hab  es  alles  ergrifen,  so  er  im  selb  h; 
mag  US  gan  und  sich  mag  gelassen;  und  daz  ist  nit  also,  wan  e 
ist  erst  geschlichen  über  die  vorgraben  der  unersturmter  vesti,  binde; 
den  schirm,  hinder  den  sich  der  mensch  togenlich  birget  und  nol 
nit  kan  under  gan  nah  sines  geistenriches  wesens  ordenlichen  [86^^ 
entwordenheit  in  ein  war  armüt,  der  da  enpfellet  in  etlicher  wise 
aller  fr6mder  gegenwurf  und  du  ie  wesendu  einvaltigü  gotheit  ir 
selb  entwürt  mit  dez  menschen  unverwerten  müssikeit,  als  hie  na 
mit  gutem  underscheid  wirt  bewiset. 

Lag,  dis  ist  der  punct,  in  dem  etlichu  menschen  verborgenlich 
meng  jar  hangent,  daz  sii  weder  us  noh  in  kunnen  komen.  Aber  dir 
sol  von  mir  mit  underscheid  geweget  sin,  daz  du  nit  kanst  verierren. 


XLVIII.  Kapitel. 
Guter  underscheid  under  warer  und  falscher  gelassenheit 

Es  ist  ze  wussen,  daz  man  vindet  drierley  Vergangenheit.  Do 
ein  ist  ein  ganzii  Vergangenheit,  als  so  ein  ding  in  im  selb  vergat, 
daz  sin  nüt  me  ist,  als  der  schat  vergat  und  ze  nihtü  wirt  Und 
alsus  vergat  nit  dez  menschen  geist  in  siner  usvart,  den  geist  wir 
ein  vernünftig  sele  nemmen;  si  blibet  eweklich  von  irem  vernünf- 
tigen adel  ire  gotförmigen  kreften,  wan  got  ist  ein  überweslichü  Ver- 
nunft, na  dem  si  vernünfklich  gebildet  ist.  Und  dar  umbe  so  isteß 
unmuglich,  daz  si  also  ze  nihtü  werd,  als  der  t5demlich  lip  tut,  so 
er  ze  nihtü  wirt. 

Ein  endrü  Vergangenheit  heisset  ein  helbü  Vergangenheit,  du 
ir  eigen  stund  und  zit  wil  haben,  als  den  menschen  beschiht,  di 
in  die  blossen  gotheit  na  schowlicher  Avise  werdent  verzuket,  ab 
Paulus,  ald  joch  ane  daz,  so  ein  mensch  in  entbildeter  wise  dik 
entwürket  wirt  und  im  selb  vergat.  Dis  ist  aber  unbliplich.  H^ 
Paulus  her  wider  kam,  do  vand  er  sich  den  selben  Paulus,  einen 
menschen  als  ie  von  erst. 


1  uuerstorbem  K  6  gaistriches  M  ^eistlichens  P  8  fromdea  A 
9  antwiirten  M  nit  wurt  (!)  i'  15  under]  und  M  16  Du  —  17  vergang./eWt^ 
Dil  —  19  vergat  fehlt  A^  19  den]  dem  M  20  nennent  P  nemet  S  28  «li 
Jochime  (=  Johannes!)  S        ainbildeter  K        29  wirt]  wir  M        unbeliplich  * 

9  f.  iJie  Erklär uny  folgt  besonder.^  in  Kap,  52,  19  usvart  au$  d0 

Leibe,  d,h,  bdm  Tod,  28  //  Kor.  12,2  ff. 


Leben  Seuses.    Kap.  XLVm.  161 

So  heisset  eins  ein  entlenlu  Vergangenheit,  da  der  menscb  mit 
nem  ufgebene  eines  frien  willens  sieb  got  lasset  in  einem  ieklicben 
I,  da  er  sieh  vindet,  als  er  nmb  sich  selb  nut  wüsse  und  got  allein 
T  herr  sie.  Und  disu  Vergangenheit  mag  nit  wol  ganz  bliben,  die 
il  Hb  nnd  sei  bi  einander  sind;  wan  so  der  mensch  sich  selb  iez 
t  gelassen  und  wenet  sin  vergangen  in  gote  nah  des  sinsheit,  sich 
Iber  niemer  her  wider  ze  nemene,   geswind  in  einem  ogenblik  so 

er  und  sin  scbalk  ber  wider  komen  uf  sich  selben,  und  ist  der 
Ib,  der  er  och  vor  waz,  und  hat  sich  aber  und  aber  ze  lassen. 
^r  nn  uss  diser  kranken  gelassenheit  wölti  würken,  daz  wer!  luter 
kb.  Wol  ist  daz  war:  als  vil  sich  der  mensch  entfr6mdet  im 
Iben  und  wirt  ingenomen   in  die  Vergangenheit,   als  vil  bestat  er 

rehter  warheit. 

Furbaz  ist  ze  [87']  wissen,  daz  man  vindet  zweierley  gelassen- 
it:  einu  heisset  du  vorgendü  gelassenheit,  du  ander  heisset  du  ^ 
gend  gelassenheit.  Und  des  nim  war  in  einer  bischaft.  Ein  diep 
t  ein  heischen  in  ime  von  der  bosheit  siner  natur,  daz  er  stele. 
i  wider  sprichet  sin  beschaidenheit:  du  solt  es  nit  tun,  es  ist  ge- 
J8t.  Giengi  nu  der  diep  im  selber  us  und  liessi  sich  der  be- 
laidenbeity  daz  weri  du  vorgend  und  du  edelst  gelassenheit,  wan 
blibi  in  siner  unschulde.  Aber  so  er  sich  hier  inne  nit  wil  lassen 
i  wil  siner  bossheit  gnög  sin,  dar  na,  so  er  wirt  gevangen  und 
t,  daz  er  mfiss  erhangen  werden,  so  kunt  du  nagende  gelassen- 
t.  daz  er  sich  in  den  tod  gedulteklich  git,  wan  es  anders  nit 
g  sin.  Du  gelassenheit  ist  och  gut  und  machet  in  selig,  du  vorder 
z  aber  ungelich  edelr  und  besser. 

Hier  nmbe  ist  es  nit  ze  wagene  und  sich  in  die  gebresten  ze 
sene,  als  etlichü  torohtü  menschen  sprechent,  daz  man  dur  alle 
)re8ten  müss  waten,  der  zft  volkomenr  gelassenheit  wil  komen. 
z  ist  falsch,  wan  der  ist  ein  tore,  der  sich  mötwilleklich  in  ein 
»über  lachen  wirfet,  dar  umb  daz  er  dur  na  dest  schöner  werde. 
r  umb   so   hein  die  aller  frumsten   gotesfründ   daz   inne,  daz  sü 


1  entlechneti  K  2  f.  in  [eiiu-mj  ieglichoin  nu  A"  4  blibot  (!)  M 
ntfromendet  3/  17  blosheit  S  bolbeit  P  qv  fehlt  M  stelle  A  21  [or] 
i  M  bier  uinme  AK  darumb  a  25  f.  aber  du  vorder  w.  [aber]  SM 
m  Bande  Thomas  AA\  im  Kontext  K        31  lachen]  wa.^.ser  S 

4  fF.   V(/l.  Stuses  Predigt  Itenim  rdiiiquo.  28  1".    Vgl.  die  heyhardi- 

'i  Sätze  heiPregtr  I,  461  ff.  (Nr.  :J1,  öö,  öO,  lOU,  V^l)  und  Ihfek  a.  a.  O. 
0  Das  Zitat  aas  Thomas  nicht  nachiceii<bar, 
.  Sense,  Deatiche  Schriften.  11 


162  Leben  Seuses.    Kap.  XL\in. 

sich  gern   ze  grund  Hessin   und   in  der  vorgenden  gelassenheit  sfe/ 
belibiu  aue  alles  wider  nemen,  als  vil  es  menscblichu  krankheit  er- 
zögen mag;  und  so  daz  nit  geschiht,  daz  ist  ir  klag.    Wol  hein  sn 
eins  vor  andren  raenscben,   daz  sü   sieb  gericbtklicber  kunncn  von 
dem  mitel  entscblaben,  wan  in  der  selben  klag  entspringet  ein  nagendn 
gelassenheit,   du  den   menschen  geswind  wider  in  sezzet;  und  daz 
ist,  da  sich  der  mensch  noh  menschen  vindet  und  sich  also  got  ze 
lob  lidet.    Und  disü  nagendü  gelassenheit  wirt  och  etwen  nüzz  von 
ir  selbs  erkantheit;   und  hie  verswindet  du  klag  als  klag,  und  ge- 
birt  sich  ainvalteklicb  wider   in  daz  selb  und  wirt  daz  selb,  als  ie  ] 
von  erst. 

Weri  nu,  daz  kein  s&licher  unganzer  mensch  im  selb  och  hier 
inne  wölti  düplich  behelfen  und  sprechi  also:   „da  sich  der  mensch 
wider  nimet  nah  dem  züval   und   da  mit  etwas  gebresten  übet  nah 
dem   ussern,  waz  kan   im   daz   geschaden,   eht   du   wesentheit  dezl 
menschen  glich  stat  ane  alles  wider  nemen?*"  —  da  sprich  ich,  daz 
der  sich  selb  nit  verstat  und  nüt  waiss,  waz  er  [87^]  sait;  und  dez 
hein  alle  wolgelert  meister  ein  wüssen,   ob  eht  sü  kunnen  verstau, 
was   der  nam   züval   ist.     Wan   daz   heisset  zftval,   daz  der  under- 
standen  Wesenheit  zft  und  ab  vellet  ane  des  understandes  zerstimng,  9 
als  du  varw  tut  an  dem  brete.     Also  ist  es  nit  hie,   wan  lib  und 
sei,  daz  sü  von  ire  unwüssentheit  heissent  zftval,  sind  zwai  weslichü 
stuke,  du  dem  menschen  wesen   gebent  und  im  nüt  in   zftvallicher 
wise  bi  sint.   Dar  umbe  hat  ein  ieklicher  mensch,  wie  nah  er  iemer 
verstat  sich  selber  ze  lassen  und  wider  ze  nemen,  indem  er  tagend  Ä 
und  gebresten  mage  üben ;  wan  dez  geistes  vernihtkeit,  sin  vergaogen- 
heit  in  die  ainvaltigen  gotheit  und  aller  adel  und  volkomenheit  ist 
ze  nemene  nüt  na  Verwandlung  sin  selbes  geschafenheit  in  daz,  also 
daz  daz  selb,  daz  er  ist,  got  sie,  und  es  der  mensch  von  siner  grob- 
heit  nit  erkenne,  ald  daz  er  got  werde  und  in  sin  selbs  wesentheit  9 
ze  nihtü  werd,   mer   es  lit   an   der  entgangung  und  verahtunge  sin 


2  nerameu  M  5  entpsprin^et  Ä  entsprichet  A^  7  mensch  fehU  M 
9  als  klai,^  fehlt  P  15  ob  eht  M  17  sich  der  selb  PM  19  am  Randt 
Aristütiles  A4*,  im  Kontext  K  2'6  nüt  in  züv.]  mit  unzuv.  A^  25  wider 
zc  gebent  uement  (!)  M 

19  flf.  Aristotelea^  Lehre  über  dt-n  y^Zufall^  (accidens,  oujißgßr^xög,  y.HiM^ 
kommendes'*)  findet  sich  an  mihreren  Orten  in  seinen  Schriften:  vgl.  IndtiS 
Arist,  740  a  20ff.  Obige  Definition  gehört  eigentlich  Porphyrius  an  (DeniM 
237  A.  J).     Vgl.  Bdw  Kap.  4.  24  Zu  hat  ergänze  ctwaz. 


Leben  Senses.    Kap.  IL.  163 

selbs  na  angeblikter  wise.  Und  alsus  in  der  entnomenheit  verget 
»eh  der  geist  ordenlicb^  und  im  ist  erst  hie  reht  beschehen,  wan 
m  ist  got  ellü  ding  worden,  und  ellü  ding  sind  im  hie  neiswi  got 
Forden;  wan  im  entwürtend  ellu  ding  in  der  wise,  als  su  sind  in 
:ote,  und  blibet  doch  ein  ieklich  ding,  daz  es  ist  in  siner  natur- 
icher  wesentheit,  daz  ein  unverstandnü  blintheit  ald  ein  ungeüptA 
ernanftikeit  nah  disem  waren  underscheid  nit  kan  oder  nit  wil  in 
re  wüstes  gemerk  lassen  komen. 

Von  disem  gftten  anderscheide  mäht  du  nu  furbaz  merken  die 
aagenden  vernünftig  Sprüche  und  lere,  die  den  menschen  entwisent 
von  giner  grobheit  und  in  wisent  zu  siner  höbsten  selikeit. 


IL.  KapiteL 

Ein  Temdnftlges  Inleiten  dez  nssren  menschen  zu  siner 

Inrekeit. 

Hab  einen  ingetanen  wandel  und  bis  nüt  usbrüchig  weder  an 
Worten  noh  an  wandel. 

Tft  der  warheit  gnüg  ainvalteklich,  und  swas  dar  zft  vellet, 
*la  bis  dir  selben  inne  unbehulfen,  wan  swer  im  selb  ze  vil  behilfet, 
^Jem  wirt  von  der  warheit  nit  behulfen. 

So  du  bist  bi  den  menschen,  so  lass  vallen  ellü  ding,  du  du 
»ihst  oder  hörst,  und  halte  dich  allein  zu  dem,  daz  sich  dir  er- 
zöget hat. 

Flizz  dich,  daz  din  Vernunft  in  dinen  [69  ""J  werken  hab  dez 
ersten  iren  fürbruch,  wan  swa  der  sinnelich  fürschuz  ze  schnei  ist, 
^nan  kumet  alles  übel. 

Wan  sol  den  lust  nüt  nemen  nah  den  sinnen,  wan  sol  in  nemen 
nah  der  warheit. 

Got   wil  uns   nit  beroben  lustes,    er   wil   uns   nah   allichkeit 
lost  geben. 
'        In  dem  kreftigosten  underwurf  ist  du  höhst  erstanduug. 


10  den]  dem  A        13  f.   in   sin   inrekeit  31        16  f.  an  w.  noh  fehlt  K 
18  gehilfet  M        19  geholfen  M        20  dem  m.  M        24  sinnel.]   sumclich  A' 

1  flf.  „In  der  höchsten  Vereinigung  mit  Gott  geht  der  Blick  des  Geistes  ganz 
a«/  Gott  über.  Er  weiss,  weil  ohne  Reflexion  und  DiskurSj  von  sicJi  seihst 
'/etcissermassen  nichts,  nur  von  Gottr    Denifl^:  :^3S  A.  L 


164  Lebeu  Seuses.    Kap.  IL. 

Wer  dem  inuigosten  wil  sin,  der  mftss  sich  aller  meBigval%- 
keit  entschüten;  wan  möss  sich  sezzen  in  ein  verrfichea  uf  alle^ 
daz,  daz  daz  einig  nit  ist. 

Wa  du  natar  wurket  uss  des  sinsheit,   da  ist  erbet,  liden  uod 
bedekunge  der  Vernunft.  i 

Wenn  ich  mich  vinde   daz   ein,   daz  ich   sin  sol,   und  daz  al, 
daz  ich  sin  sol,  waz  ist  grösser  lustes? 

Ein  mensch  sol  in  siner  unbiltlichkeit  und  in  siner  unenthalt- 
lichkeit  stan,  dar  inne  lit  der  maist  lust. 

Waz    ist   eins    wolgelassen    menschen    übunge?     Daz   isteiuM 
entwerden. 

Swa  man  minnet  in  bild  ald  person,   da  minnet  züval  zäval; 
dem  ist  unreht.     Doch  so  liddi  ich  mich  dar  inne,   unz  es  abvieli. 
Es  ist  neiswas  von  innen  einvaltigs,  und  da  minnet  der  mensch  nut 
gegenwürtikeit  dez  bildes,   mer,   da  der  mensch  und  er  selbs  nndB 
ellu  ding  eins  sind,  und  daz  ist  got. 

Der  sich  selben  liessi   an   begirlichen  usbrüchen   der  sinneD, 
daz  weri  ein  undergang  sin  selbes;  sus  ist  es  ein  behelfen  der  sinnen. 

Hab  ein  inliden  in  liep  und  in  laid,  wan  ein  inlidender  mensch 
nimet  me  zu  in  einem  jare  denn  ein  usbrechender  in  drin.  ^ 

Wilt  du  allen  creaturen  nüzz  sin,  so  ker  dich  von  allen  creatnren. 

Ein  mensch  mag  die  Bachen  nit  begrifen :  sie  müssig,  so  be- 
griflfent  in  die  Sachen. 

Fliz  dich,  daz  kein  usbruch  beschehe,  der  dem  bilde  ungelicb  sie. 

Ein  mensch  sol  war   nemen   der  neigunge,    du  sich  ze  allen  i 
dingen  bietend  ist  in  behelfwise  wider  der  ainvaltigeu  warheit. 

Wilt  du  dich  nit  liden  in  einvaltekeit,   du  wirst  dich  lidende 
in  menigvaltekeit. 

Leb,  als  kein  creatur  me  uf  ertrich  sie  denn  du.    Sprich:  „J 


2  verrächten  M        12  in  minnet  bild  (!)  M        14  nüt]  mit  PA*       29  me) 
nie  K 

14  Ett  ist  hier  (vgl  16U,2S)  der  „Seelengrund^,  das  „lichte  If^ünklm  der 
Seelc^  (apex  meiUis,  abditum  meniis,  iniitnum  ei  sumwum  mentis^  sciniiÜa  animat) 
gemeint,  von  dem  hei  den  Mystikern  so  käufig  die  Rede  ist  (vgl.  Eckhart  ll^i 
33  jr.  und  Denifle  in  Hist.'pol.  Bl.  75,  765  und  Archiv  II,  575),  Beßeichnun^ 
die  auf  Pseadodionys  und  weiterhin  die  Neuplatoniker  zurückgehen.  Vgl,  aiK^ 
Grabmann,  Die  Lehre  des  h.  Thomas  von  der  scintilla  animae  in  ihrer  Bf 
deuiung  )ür  die  deutsche  Mystik  im  Predigerorden,  Jahrbuch  f,  Fhüos.  u,  spekd- 
Theol  liK,o,  413—27:  Preger  II,  212  J/  19  inliden  =  Gelassensem. 

20  Sprich  zu  der  Knalur. 


Leben  Seuses.    Kap.  IL.  1()5 

I  mir  bist,   also  mag  ich   dir  nit  sin".     Natur  miunet  natur  und 
'inet  sich  selben. 

Etlicher  menschen  natur  ist  ze  ungebrochen  und  der  usser 
!DSch  hie  ussnan  bliben. 

Ein  vermugen  sich  uf  ze  enthalten  git  einem  menschen  nie 
mngens,  denn  du  din»:  haben. 

Ein  Unordnung  bringet  die  andren. 

Lftg,  daz  d6  natur  sie  ungeladen  und  [69""]  der  usser  mensch 
förmig  mit  dem  inren. 

Xim  dez  inren  menschen  war,  dar  an  lit  usser  leben  und  inr  leben. 

Der  nehsten  gelassenheit  höret  zä,  daz  man  alle  zit  die  natur 
einem  zom  habe. 

Ein  mensch  sol  sich  alle  zit  gegenwurtklich  halten,  daz  sich  dii 
tur  nit  verlofe. 

Du  klagest,  daz  du  noh  siest  ze  wurklich  und  ungelassen  und 
lidig:  doch  nit  verzwifel:  ie  neher  ie  besser. 

Ein  Wurzel  aller  nntngent  und  ein  bedeken  aller  warheit  ist 
rganklichü  minne. 

Der  sinnen  undergang  ist  der  warheit  ufgang. 

Swenn  die  kreft  entwürket  werdent  und  du  dement  gelütert, 
s  kreft  stand  neiswi  als  in  irem  ewigen  sinne,  wan  sü  sich  dar 
it  irem  vermugen  gerichtet  hein.  Alle  kreft  hein  ein  sin  und  ein 
irk,  daz  ist:  der  ewigen  warheit  gnftg  ze  sine. 

Es  ist  nut  lustlich,  denn  daz  einförmig  ist  dem  innigosten 
unde  götlicher  nature. 

Wan  vindet  etlichü  menschen^  du  hein  ein  nahrftren  gehabt 
\i  dem  nit  gevolget;  ire  inrestes  und  ir  ussrestes  sind  verr  von 
nander,  und  hier  inne  gebristet  vil  menschen. 

Du  natur  stat  iez  in  richlicher  wise;  ie  me  usgegangen,  ie 
'irer,  und  ingegangen,  ie  neher. 

Swer  zu  siner  richheit  ist  Icomen,  der  würket  ellü  sinnelichü 
H  dest  baz. 


15  [daz]  du  siest  noch  M  17  würzelin  aller  tiitrcMit  (!)  3/  20  gelürt  A' 
l  sinnen  P  sin  «  sine  ÄKÄ^  sinde  S  21  f.  dar  [mit]  M  2:3  daz]  als  3/ 
'  der  e.  w.  M        24  lustlichs  M        daz  fehlt  K        20  iiaclinnTii  M 

0  Dan   Vermögeti  sich  über  den  Dingen  zu  halten  d.  h.  iihtr  ,sie  erhaben 
mn  (Denifle  241  A  6).  29   Wohl  =  die  Natur  int  j:tzt  (d.  h.  infolgt 

'Erbsünde)  ungeordnet  und  tippig-     Denifle  L^4:J  A.fi:  sie  unterliegt  nnserm 
llen,  so  dass  wir  über  sie  gebieten  können. 


166  Leben  Seuses.    Kap.  IL. 

Swer  die  natur,  die  wil  si  ist  in  luterkait,  inbegrifet  der  wa. 
heit;  so  wirt  si  gerihtet,  daz  si  dest  besser  usribtunge  git  in  nsse 
keit;  anders  verget  si  in  die  zit  und  enkan  keinem  ding  reht  a 
rihtung  geben. 

Luterkeit  und  verstentnus  und  tugent  machent  rieh  in  der  natu 
und  in  dero  underzukung  geschibt  etwen,  daz  du  menschen  entwerde 
vor  allen  creaturen,  und  da  es  wol  geratet^  werdent  neher  in  gewiss 

Waz  ist  daz,  daz  den  menseben  jaget  arg  wisen  zu  sftchei 
Daz  ist  gesücbd  einer  gnugde ;  die  vindet  man  allain  in  dem  lassen 
mit  in  den  argen  wisen. 

Dar  umb  etlicbü  menseben  als  dik  in  gebrestlicb  betrübt  vallei 
daz  kunt  da  von,  daz  sü  ir  selbs  in  nahlicher  wise  nit  alle  zit  w^ 
uement,  uf  ein  ieglicb  puntlin  sich  ze  hüten  vor  straflieben  dingei 

Siglos  werden  ist  gotes  fründen  ban  gewunnen. 

Blib  in  dir  selb ;  ursach  ander  dingen  zöget  sich  als  ein  notorft 
es  ist  aber  ein  bebelfen. 

Daz  ist  b5s,  vil  sacben  anvahen  und  kein  enden.  [70']  Mai 
sol  vast  haben,  unz  man  merk,  ob  got  oder  natur. 

Fliz  dich,  daz  du  natur  usser  irem  eigen  gründe  würke  ir  werk 
suuder  ursach. 

Ein  rebt  gelassenr  mensch  sol  sich  vier  ding  flizen :  I.  Er  sol 
sin  gar  sitig  au  dem  wandel,  daz  du  ding  sunder  in  uss  im  fliesseo. 
II.  Sitig  und  rftwig  in  den  sinnen,  nüt  bin  und  her  woldenieren  — 
wan  daz  ist  gar  inzügig  der  bilden  — ,  so  wurdi  den  inren  sinnen 
ein  müssiges  spacieren.  III.  Nüt  anbaftig  sin;  er  sol  war  nemen, 
daz  nüt  vermischetes  da  sie.  IV.  Nit  wortwege,  sunder  lieplicM 
zfi  dien  haben,  dur  die  in  got  wil  ab  würken. 

Hab  ein  vestes  bliben  in  dir  selb,  unz  daz  du  uss  dir  selb 
sunder  dich  selb  gewürket  werdest. 

Nim  war,  ob  göter  lüten  beinlichi  gange  uss  gunst  ald  ^ 
elnvaltekeit;  des  ersten  ist  ze  vil. 

Erbütt  dich  nieman  ze  vil :  da  aller  maist  erbietens  ist,  da  ist 

6  dero]  der  J/  7  da]  daz  M  8  wis  M  9  gesfich  M  Vi  ^1 
in  .1/  13  uf  eins  ieklichen  piinüiii  ASP  19  gründe]  gut  M  21  ff-  ^ 
erst,  (las  ander,  das  dritt,  das  vierd  K,  I II  fehlt  M  21  f.  er  sol  och  sin  [g^ 
s.  .V  23  wolderun  S  wol  demeren  P  woldeniieren  3/  26  venniscbi  ^ 
li('l»lichen  A'  licplich  M        32  erbütt  —  vil  fehlt  Ä"^ 

G  f.     (relasfienhcit   in  dir  inntren  Verlasutnhiit  und  Diint  bringt  u*^ 

irtiter  in  der    Voükommenlteit. 


Leben  Seiises.    Kap.  IL.  167 

etwen  aller  minst  gevelles;  dir  gezimt  ein  ingetane  demütige  wandel. 
Swenn  eins  wider  sin  wesen  tut,  daz  gezimt  ime  niemer  woL 

Selig  ist  der  mensch,   der  nut   vil  wisen   noch  Worten   füret; 
ie  me  wisen  und  werten,  ie  me  zftvellen. 
5        Hab  dich  inne  und  erzog  dich  dem  nut  glich,  anders  du  wirst 
lideDde. 

Etlichä  menschen  w&rkent  ns  enpfindene  in  wol  und  in  we; 
aber  wan  sol  sich  dar  inne  n&t  an  sehen. 

In  dem  undergang  werdent  eliü  ding  volbracht.  Do  Cristus 
rio gesprach:  In  manus  tuas,  zehand  dowazes:  Consummatum  est. 
[  6ot  und  der  tüfel  sind  in  dem  menschen;   der  sich  selb   wil 

r     füren  ald  sich  selb  wil  lassen,  der  vindet  den  underschaid. 

Swele  mensch  wAlti  alle  zit  rAwe  haben,  der  behübi  sich  selb 
dar  inne  als  wol  als  in  andren  dingen, 
fclß        Swem  inrkait  wirt  in   usserkait,   dem    wirt   inrkait  inrlicher, 
denn  dem  inrkait  wirt  in  inrkeit. 

Daz  ist  gAt,  daz  sich   der  mensch  in   kainer  sach   füre,   und 
dem  ist  reht,  dem  d&  ding  der  bilden  entwürtend  in  dem  obren. 
Es  ist  vil   me  vernünftiger  menschen  denne  einvaltiger.     Du 
ffthaissent  vernünftig,  da  du  vemunft  rengniert;  aber  der  ainvaltekeit 
voD  ire  müssigkait  enpfellet  menigvaltikait  der  dingen  nah  dez  sins- 
beit  genomen,   und  hat  denn  nüt  soliches  schowens;   wan  einvalte- 
keit  ist  neiswi  sin  wesen  worden,  und  er  ist  ein   gezöw  [70^]   und 
ein  kind. 
^ß         Swer  wil,   daz   im  ellü  ding  sien,   der  sol  im  selb   und  allen 
dingen  nichtesnit  werden. 

Eya,  wie  selig  der  mensch   ist,    der   stet   belibet   vor   manig- 
valtikait!     Waz  enpfindet  der  hainliches  inganges! 
Gütü  meinung  vermitelt  dik  wäre  einiinge. 
^^         Daz  oge  sol  nüt  usseliens  han,    es  hab  denn  ein  ustragen  der 
bilden. 


1  getan  M        5  ndt  fehlt  M        15  iiuiicli  .1/       20  trirminfti'x  .1/        2:3  er] 
«lü  A\  fthlt  P        gezüge  A^        20  maniin^^  P 

3  wise,   entsprechend  dem    Tanhrschen   iif;<az  =  sich   sdbst  vorgesetzte 

Handlungen  (Denifle  ^45  A.  4  und  Bvga   XX  VIII).  5  nüt  bei  den  Mij- 

j'fi&ent  häufig  =  Grund,   Wesen  Gottts.    Sense  handelt  darüber  im  Bdw  Kap.  I 

undfJ,  vgL  auch  Kap,  o'J  der  Vita.  10  Luh.  :j3JfJ:  Job.  W.SO,  18  In 

dem  oberen^  höheren  Teile  des  Menschen.  23  f.  FAn    Werkzeug  und  Kind 

Gottes;  vgl.  Echhatt  4o:i,  32;  o'Jß,  ;J  f. 


168  Leben  Seuses.    Kap.  IL. 

Der  teil,  der  von  Adam  ist,  den  sol  man  als  gern   liden,   als 
den,  mit  dem  wir  selig  sien. 

Ein  gelassener  mensch  bildet  enkein  ungeluk  in  sich. 

Daz  der  mensch  noh  klaget  und  leidig  ist,  daz  knnt  alles  von 
gebiesten;  wan  mfis  es  uss  triben. 

Alle,  die  unreht  friheit  fürent,  die  zilent  uf  ir  selbes  bilde. 

Einer  gerehten  unledikeit  ledig  wellen  stan  ist  du  ungewerlichost 
ledikeit,  die  man  mag  han. 

Ein  gelassener  mensch  mftss  entbildet  werden  von  der  creatur, 
gebildet  werden  mit  Cristo,  und  überbildet  in  der  gotheit.  i 

Swer  sich  selben  in  Cristo  nemend  ist,  der  lat  allen   dingen 
ir  Ordnung. 

Swenn  ein  mensch  ein  mensch  ist  worden  in  Cristo  und   ent- 
worden im  selber,  dem  ist  reht. 

So  sich  ein  mensch  mit  einem  inker  zfi  der  warheit  wil  fftgen,  IJ 
so  liihtet  im  in  du  entgangenheit  sin  selbs  und  merket,  daz  creatar 
noch  in  im  ist,  du  den  vonzug  enpfie.  Hier  inue  lidet  er  sich  selben 
und  merket,  daz  er  noh  mit  entwurkt  ist.  Sich  also  liden,  ist  iez 
ainvaltig  werden.  Du  entgangunge  gebirt  ein  müdi,  in  dem  vonker 
vellet  es  abe.  28 

Waz  ist  eins  reht  gelassen  menschen  gegenwnrf  in  allen  dingen  ? 
Daz  ist  ein  entsinken  im  selb,  und  mit  ime  entsinkend  im  ellü  ding. 

Waz  ist  daz  minst  mitel?  Daz  ist  ein  gedank.  Waz  izt  daz 
maist  mitel?  Daz  ist,  da  du  sele  in  ire  namhafti  ires  eigens 
willen  belibet.  Si 

Einem  gelassen  menschen  sol  enkain  stiindli  vergan  unangesehen. 

Ein  gelassener  mensch  sol  mit  alle  zit  Iftgent  sin,  wes  er  be- 
dürfe, er  sol  lügend  sin,  wes  er  enbern  muge. 

So  sich  ein  gelassenr  mensch  fügen  wil  zfi  der  warheit,  so 
sol  er  sich  flizzen,  daz  er  nem  einen  inbruch   der  sinnen,   wan  got  Ä 


3  bildet  fehlt  A^    enbildet  S        unj^elCik]    unglich   M        5  gebrestem 
7—8  fe/ill  M        8  man]  ein  mensch  A^        9  von  —  10  überb.  felüt  K        15  ffd 
der  w.  wil]  tTigett  J/         16  im  [in]  M        24  manhafti  3/ 

1  f.  Damit  ist  jeder  urif/esunde  Spin'tuah'sfnus  abgelehnt,  9  f.  Karti 

und  tnßende  Zusammenfassung  des  mystischen  Weges  (via  purgaUva^  iUumi' 
nativa,  unitica),  wie  er  seit  Pseudodiongs  gewöhnlich  gelehrt  wird  (vgl,  H.  Koch^ 
Pseudodiongsius  1900,  174  ff,),  15  flf.  Erklär utig  s,  Denifle  246  Ä.  i. 

30  ff.   Ucr  Abschnitt  kehrt  in   Kap.  7  des  Bdir  etwas  abgeändert  wieder. 
Vgl.  Joh.  4,i^4. 


Lebeu  Seuses.    Kap.  IL.  169 

ist  ein  geist.    IL   War   nemen,   ob   er   sich    iene    vermittelt   habe, 

III.  ob  er  sich  selben  iene  [71']  für  in  keinem  fürgrif  dez  sinsheit. 

IV.  Und  8ül  denn  in  dem  lieht  merken  die  gegenwürtikeit  dez 
allichen  götlichen  wesens  in  ime,  und  daz  er  dez  selben  allein  ist 
ein  gezöw. 

Als  vil  sich  der  mensch  keret  von  im  selb  und  von  allen 
geschafnen  dingen,  als  vil  wirt  er  geainiget  und  geseligot. 

Wilt  du  ein  gelassenr  mensch  sin,  so  fliz  dich,  wie  dir  got  ist 
mit  im  selb  ald  mit  sinen  creaturen  in  lieb  ald  in  laid,  daz  du  alle 
zit  standest  glich  in  einem  usgene  des  dinen. 

Hab  ein  beschliessen  der  sinnen  vor  allen  gegenwärtigen  forman. 
Bis  lidig  alles  dez,  daz  du  uslügendü  beschaidenhait  us  erwellet, 
daz  den  willen  beheftet  und  der  hügnust  woUust  in  trait. 

Blib  uf  niht,  daz  got  nüt  ist. 
)  Swenn  du  bist  da,  da  iemen  gebresten  übet  ald  unglichheit, 

80  gib  dez  dinen  nit  dur  zu  und  hab  och  nit  dur  zu. 

Der  bi  im  selben  alle  zit  wonet,  der  gewännet  gar  ein  riches 
Termügen. 

Eins  gelassen  menschen  ergezzung  in  der  natur  sol  sin  ein 
beschnitnü  noturft  in  unvermisten  werken,  du  in  tragen  einen  lidigen 
vonker. 

So  vil  der  mensch  minr  und  me  gelassen  ist,  so  vil  wirt  er 
minr  und  me  betrübet  von  den  hinziehenden  dingen.  Und  alsus 
geschah  einem  halbgelassen  menschen:  do  er  in  der  empfindung*  im 
selb  ze  nahe  lag,  do  ward  gesprochen  also:  ^du  soltist  min  als  flissig 
sin  und  din  selbs  als  unehtig,  wenne  du  waist,  daz  mir  wol  ist,  daz 
dich  enrüchti,  wie  es  dir  giengi". 

Ein  gelassenr  mensch,  so  sich  der  in  inburgheit  sezzet  mit 
iDgefürten  sinnen,  —  so  der  ie  minr  ufenthaltes  von  innan  vindet, 
^  im  ie  wirs  von  innen  geschibt,  und  ie  geswinder  stirbet  und  ie 
sclineljeklicher  hin  durch  kumet. 

Ein  wites  ussweifen  der  sinnen  entsezet  den  menschen  siner 
'Aiit.  Lüg,  daz  du  kain  ustragend  sach  siest  furende;  so  dieh 
^e  «ichen  suchen,  so  la  dich  nit  vinden.  Hab  einen  geswinden 
'uker  in  dich  selben. 

Natürliches  leben  bewiset  sich  in  bewe^lichkeit  und  in   sinne- 


1 — 3  das  ander,  dan  drit,  das  vienl  A'        2  kaincii  -1        4  all«'in  ft-lilt  M 
l     U  ist  uit  M        16  und  —  diu-   zö  fehlt   S        20  unv^Tmusclioten  -S"        lideii- 
</en  M        27  gang  SP        28  der  [in]  SP        30  f.  iiinl  in  .sinn,  fehlt  S 


170  Leben  Seuses.    Kap.  L. 

lichkeit;  der  sich  selb  da  lasset  und  entwirdet,  in  der   stillheit 
ginnet  übernatürliches  leben. 

Etlichu  menschen  hein  einen  ufgang  ane  hinderniss:  su  bi 
aber  uüt  ein  stetes  bliben. 

Sezze  dich  in  ein  bloss  gelassenheit,  wan  unmessigü  begerun 
so  der  ze  vil  ist,  hier  zft  möhti  ein  [71^]  verborgen  mitel  werde 

Ein  gelassenr  mensch  sölte  alle  siner  sei  krefte  also  gezemnie 
wenn  er  in  sich  sehe,  daz  sich  daz  al  da  erzogti. 

Ein  gelassenr  mensch  blibet  sin  selbs  müssig,  als  ob  er  un 
sich  selb  nüt  wüsse;  wan  in  dem,  daz  got  ist,  so  sind  in  im  el 
ding  erlich  berihtet. 

Hab  flizz  och  zu  dinem  ussren  menschen,  daz  der  geainig 
werd  mit  dem  inren  mit  underzogenheit  aller  vihlicher  gelüsten. 

Ein  gelassenr  widerker  ist  gote  dik  lieber  denn  ein  behangnn  sie 

Samen  din  sei  zesamen  von  den  ussren  sinnen,  da  sü  sich  in 
zerströwet  hein  uf  die  menigvaltekeit  der  ussren  dingen. 

Gang  wider  in,  ker  aber  und  och  wider  in  in  din  ainmftt,  ü 
gebruche  gotes. 

Hert  vast  und  la  dir  niemer  begnügen,  unz  daz  du  erkrieg« 
in  der  zit  daz  gegenwürtig  nu  der  ewikait,  als  verr  es  muglieh 
menschlicher  krankheit. 


L.  Kapitel. 

Ton  den  hohen  fragen,  die  du   wolgeüptü  tohter  fragte  ir 

geischlichen  vater. 

Nah  dem  vernünftigen  inlaitene  des  ussren  menschen  in  d 
inren  erhüben  sich  in  der  tohter  gcist  höh  sinne  und  mcinde,  ob 
noh  getorsti  fragen  von  den  selben  hohen  sinnen.     Er  sprach:  ^ 


3  etlichü  —  Sil  fehlt  Ä'        G  hier  ns  K        7  aUer  SM        8  [daz]  al 
11   erlich  fehlt  M  12   dincn   3/^1*  13   den   inren   M         17  armüt 

10  niemer  fehlt  M        benu^en  M        26  meinde]  luain  3f 

3  ntVan^,   nämlich   su  Gott :  vgl.  Schice^ter  Katrei  hei  Pfeiffer  4ß4, 

5  Auch  ithermästfigc  Begehrung  des  Guten  ifft  schädlich;  vgl,  a.  a,  0.464f 

1  f.    Schwester   Katrei  468. ^(i f.:   Ich  hete   aller  miner  sele  krefte  geäc» 

icennt  ich  in  mich  such,   so  sach   ich  got    in   mir  etc.  scheint  hier   Vorlagt 

nein.      Vgl.  übrigens   oben   Wö.2()Jf.  14    Eint  selbstgefällige   und  desha 

Gott  miss fällige  Stetigkeit  im  Guten,     Denijte  :^52:  behagliche. 


Leben  Seuses.    Kap.  L.  171 

wao  du  ordenlich  dar  du  rehten  mitel  bist  gezogen^  so  ist  na  wol 
erlobet  diner  geistenrichen  vernünftekeit,  von  hohen  dingen  ze  fragen. 
Frag,  waz  du  wellest.**  Du  tohter  sprach :  „sagent  mir,  waz  ist  got, 
ald  wa  ist  got,  ald  wie  ist  got?  Ich  mein,  wie  er  sie  einvaltig 
6  und  doch  drivaltig?** 

Er  sprach:  weiss  got,  daz  sind  höh  fragen.    Von  der  ersten 

I  frage,  waz  got  sie,  solt  du  wissen,  daz  alle  die  meister,  die  ie  wurden, 
können  daz  nit  us  gerihten,  wan  er  über  alle  sinne  und  Vernunft 
ist    Und  doch  so  gewinnet  ein  iiissiger  mensch  mit  emzigem  sfichene 

1*  10  etwaz  kundsami  von  got,  aber  gar  in  verrer  wise,  dar  an  dez  menschen 
obrestu  selikeit  lit.  Nah  diser  wise  süchtan  in  hie  vor  etlich  tugend- 
haft heidensche  meister,  und  sunderlich  der  vernunftig  Aristotiles. 
Der  grüblet  na  in  dem  lof  der  natur,  wer  der  weri,  der  da  ist  ein 
herr  der  natur.    Er  suchte   in  genote  [72']  und  vand.     Er  bewert 

|pl5  088  der  wolgeordneten  nature  lof,  daz  von  not  mfiss  sin  ein  einiger 
fürst  nnd  herr  aller  creaturen,  und  daz  heissen  wir  got. 

Von  disem  got  und  herren  haben  wir  wol  so  vil  kundsami,  daz 
er  ist  ein  substanzlich  wesen,  und  daz  er  ist  ewig,  ane  vor  und  ane' 
na,  einvaltig,  unwandelber,  ein  unliplicher,  weslicher  geist,  dez  wesen 

tt  m  leben  und  würken  ist,  dez  istigü  vernunftkeit  ellü  ding  erkennet 
in  im  selb  mit  im  selb,  dez  wesen  grundlose  lust  und  fr5d   in   im 

.     ^Iben  ist,  der  sin  selbs  und  aller  der,   die  daz  selb  in   schöwlicher 

i     wise  messen  son,   ein   übernatürlichü,   unsprechlichü,   wunnenberndü 

selikait  ist. 
*         Du   tohter  sah   uf  und   sprach:    „eya,   daz  ist  gut  ze  hören, 
wan  es  daz  herz  riiret,   den   geist  uf  lupfet,   sursura,   höh  über  sich 
^Ib.    Da  von,  lieber  vater,  sagent  me  dur  von!" 


2  gaistrichen  MA^  4  ald  wa  ist  got  fehlt  Ä^  ald  wie  ist  got  fehlt  S 
^  mensch  feM  M  14  vand  in  M  19  und  uiiwand.  M  20  illigü  (!)  A^ 
22  die  —  23  son  fehlt  S 

12  ff.    Die  Aristotelischen  Gottesheweise,  die  Thomas^  S,  c.  Geiit.  1,13  und 

•^'  Tk.  1  q,  2a,  3  weiter  ausführt,  finden  sich  Fhf/s.  VII  ;J41  b  Ü4jf. :    VIII  258b 

^Off.:  Metaph,  a  994  a  11:  ^  1040  b  17  ff. :  X  1072  a  19,  1073  a  14;  I.  <:.  1070  a  4 

^(t9  EomtiHsche  Wort  (IL  B  204) :  sT^  xo'lpavog  loxco,   auf  das  auch  Sense  an- 

^piflt.    Es  ist   hier  speziell  der   sogen.  physiko-Utenloijische   oder   teleolof/ische 

(fOtteshetceis  gemeint,  der  weiter  unten  dargestellt  tcird.     Vgl,  Schanz,  Apologie 

fit«  Christentums  I^  (1903),  470  ff. ;  Holfes,  Die  Gottesbeucisc  bei  Thomas  ron 

Aquin  und  Aristot,  1896.  18  ewii^-,    ane  vor   und    aue   na,    vgl.  Thomas, 

S.  TL  1  q.  3  ff.     Weitere  Erklärung  und  Bcltg^i  bei  TJenifle  204  A.  1  und  lUhv 

Kap.  5. 


172  Leben  Seuses.    Kap.  L. 

Er  sprach:  lug,  daz  götlich  weseu,  von  dem  geseit  ist,  dazi; 
^in  sölichü  vernünftigu  substancie,  die  daz  tödemlieh  oge  nit  geseh  ^ 
mag  iu  im  selb;  wan  sibt  in  aber  wol  in  siner  getat,  als  man  eine 
guten  meister  spurt  an  sineui  werke,  wan  als  Paulus  seit:  „cli< 
crcaturen  sind  als  ein  Spiegel,  in  dem  got  widerlühtet.'*  Und  dis 
bekennen  heisset  ein  speculieren. 

Nu  lass  uns  ein  wili  alhie  beliben,  und  lass  uns  speculieren 
den  hohen  wirdigen  meister  in  siner  getat!  Lüg  über  dich  und  umb 
dich  in  du  vier  ende  der  weit,  wie  wit,  wie  hob  der  schon  bimel 
ist  in  sinem  schnellen  lof,  und  wie  adelich  in  sin  meister  gezieret] 
hat  mit  den  siben  planeten,  der  ein  iek lieber,  ane  allein  der  mane, 
vil  grösser  ist,  denne  alles  ertrich  sie,  und  wie  er  gepriset  ist  mit 
der  unzallichen  mengi  dez  lichten  gestirnes.  Ach,  so  d&  schön  sunne 
ungew&lkt  heiterlich  uf  brichet  in  dem  sumerlichen  zit,  waz  si  denn 
eblich  frnht  und  gutes  dem  ertrich  git!  Wie  der  anger  schon  grünet,  i 
wie  lob  und  gras  uf  dringet,  die  schönen  blümen  lachent,  der  wald 
und  heid  und  owen  mit  der  nahtgal  und  der  kleinen  fögelin  süssein 
•gesang  widerhellent ,  ellü  tierlü,  du  von  dem  argen  winter  ver- 
schloffen waren,  sich  her  für  machent  und  sich  fröwent  und  sich 
zweient,  wie  in  der  menscheit  [72^]  jung  und  alt  werdent  von  wunne-  s 
bernder  fröd  frölich  gebarent!  Ach  zarter  got,  bist  du  in  diner 
creatur  als  minneklich,  owe,  wie  bist  du  denn  in  dir  selb  so  gar 
schön  und  minneklich! 

Lüg  furbas,   ich   bite   dich,   schow   du  vier  dement,  ertrich, 
Wasser,  luft  und  für,   und  alles   daz  wunder,   daz  dar  inne  ist  voo  i 
mengerlay  unglichen  menschen,  von  tieren,  von  vögeln   und  vischen 
und  mcrwunderu;   daz   dar  inne  ist,   daz  rufet  allesament:  lob  and 


4  an  sinen  werken  PÄ^  sant  Paulus  6'  6  haissent  wir  e.  sp.  U 
11  den]  dem  M  siben  fMt  ASPA'  17  liogelin  A  18  f.  verschlofen  AA' 
20  log  wie  ASP  21  gebarent  frolich  M  23  wunklich  M  27  daz  -  i«t 
fthll  P        27  f.  li)))  u.  ere  und  grundlos  wunderlich  ungeui.  (!)  3/ 

2    \'(fL  II  Mos.  33yW.  4  Rom.  1,J(>,  6   Vgl  Thomas,  S.  /*• 

;?yi?  (j,  Ibioa.  3  ad  2 :  speculaiin  diciUir  a  speculo  . . , .,  videre  autem  aliqui^ 
j/€r  sptcidum,  est  videre  causam  per  cffectttm^  in  quo  eius  similitudo  relucd^ 
linde  speculaiio  ad  meditat iontm  reduci  vidHur,  Bonaventura,  Itintr,  c.  3:  ^ 
spt'culatione  iJei  in  rtstigiis  ituis  in  hoc  setisibili  mundo.  tSeuse,  Hör.  6U 
omnis  creaiurae  dccor,  ifuid  aliud  est,  quam  qunddam  spe<:ulum^  in  quo  shvk»a 
opificis  relacet  maf/tsterium  '^  Tochter  tSi/on  ed.  Schade  35  ff. ,  ed.  Merzd^f 
(iJtr  Mönch  von  lleihbronn  1870),  1:^9,11  Jf\  11  Vgl.  Beriholds  van  RegeM- 

bürg  Predi(ji  (cd.  PJdJfer-ö'trohl  /,  48 Jf'.:  IL  :J33  ff.) :  Von  den  siben  Planeitn 
fSonnt'y  Mond,  Mars,  Merkur.  Jupititer,   Venus,  Snturn). 


Leben  Seuses.    Kap.  L.  173 

e  der  grundlosen  wunderlichen  ungeraessenheit,  du  in  dir  ist! 
?rr,  wer  enthaltet  dis  alles,  wer  spiset  es  alles?  Du  beratest  es 
es,  ein  iekliches   in  siner  wise,   gross  und  klain,   rieh  und  arm; 

got  tust  es,  du  got  werlich  got  bist! 

Nu  dar,  fro  tohter,  nu  hast  du  dinen  got  funden,  den  din  herz 
g  hat  gesüchet.  Nu  sich  ufwert  mit  spilnden  ogen,  mit  lechlichem 
:lQt,  mit  ufspringendem  herzen,  und  sich  in  ane  und  umbvah  in 
t  den  endlosen  armen  diner  sele  und  gemutes,  und  sag  im  dank 
1  lob,  dem  edeln  fürsten  aller  creaturen.  Sich,  von  diesem  specu- 
ren  dringet  bald  uf  in  einem  enpfenklichen  menschen  ein  herzk- 
les  jubilieren;  wan  jubilieren  ist  ein  fröde,  daz  du  zung  nit 
tagen  kan,  und  es  doch  herz  und  sei  krefteklich  durgüsset. 

Ach  Iftg,  ich  merk  iez  an  mir  selb,  es  sie  mir  lieb  ald  leid, 
:  mir  der  beschlossen  mund  miner  sele  gen  dir  ist  uf  gebrochen, 
1  müss  dir  aber  sagen  gote  ze  lob  neiswas  miner  verborgen  hein- 
)i,  daz  ich  nie  keinem  menschen  geseit.  Lüg,  ich  wüste  einen 
dier,  der  waz  an  sinem  anvang  wol  uf  zehen  jar,  daz  im  sölichu 
webendü  gnade  alle  tag  gemeinlich  zwirent  von  got  ward,  des 
rgens  und  des  abendes,  und  du  werte  wol  als  lang  als  zwo 
ilien.  Er  versank  die  wil  als  gar  in  gote  die  ewigen  wisheit, 
:  er  nut  konde  dur  von  gesprechen.  Uuderwilent  hat  er  ein  minnek- 
1  einreden  mit  gote,  denn  ein  jamriges  süfzen,  denn  ein  senliches 
inen,  etwen  ein  stilleswigendes  lachen.  Im  waz  dik,  als  ob  er 
dem  luft  swepti,  und  enzwischen  zit  und  ewikeit  in  dem  tiefen 
ge  gotes  grundlosen  wundern  swummi.     Von  dem  ward  sin  herz 

vol,  daz  er  underwilent  sin  band  uf  daz  wütend  herz  [73']  leite 
1  sprach:  „owe,  herz  mins,  wie  wil  es  dir  hüt  ergan!" 


6  lachidem  4^  liehtlichem  M         11  du  fehlt  K         20  in  die  ew.  w.  M 
fiüt  da  yon  kond  K 

11  Die  Definition  folgt  Thomas  von  Aquin^  In  ps.  32,3 :  vgl.  In  ps,  40 jl 
^>p.  Paris  16S9y  Will,  410,  519),  Weitere  Belege:  David  von  Augsburg, 
compOH,  111,67;  Eckhart  ed.  Pfeiffer  Ö53y23 :  Mönch  von  Heil.'ihronn  cd. 
ndorf  58;  Strauch,  Marg,  Ebner  XVII,  97  u.  A.  S.  ciciU :  Buch  von  d^m 
f  Mannen  hei  K,  Schmidt,  Nikolaus  von  Basel  18üü,  103:  Viten  von  Kirch- 
1  ed.  Roth  in  Alemannia  21,  105  (gnad  jubilus} .-  vgl.  auch  Denifle  2ö7  A,  2: 
bs,  Die  Mystik  in  Adelhausen  74  f.;  Michail,  Gtsch.  des  deutschen  Volkes 
.  14fJ.  17  Seuse  selbst.  20    Vlf/ilie  hiess   im   Bredigerorden  das 

kh  zu  betende  Totenofficiiim  (eine  Xocturn  n.  Lauiies).  Vgl.  itber  derartige 
^f  estimmun  gen  Strauch,  Ad.  Langmann  lol  ( A.  .7a  .Yt  ,S)  und  Marg.  Ebner 
f.  (A.  zu  127,11). 


174  Leben  Seuses.    Kap.  L. 

Eins  tages  waz  im,  wie  daz  veterlich  herz  in  geischlicher  wi? 
neiswi  unsäglich  ane  alles  mitel  an  sin  herz  zärtlich  geneiget  wen 
und  daz  sin  herz  eben  gen  dem  veterlichen  herzen  begirlich  ufgetaj 
were,   und  duht  in,   wie  daz  veterlich   herz,   die   ewigen  wisheif, 
minneklich  und  formlosklich  in  sin   herz   spreche.     Er  hüb  uf  mi 
sprach  frolich  in  dem  geischlichen  jubilieren:  ^nu  dar,  min  liephches 
liep,  so  enblöz  ich  min  herz,   und  in  der  einvaltigen  blossheit  aller 
geschafenheit  umbvah   ich    din   bildlosen   gotheit.     Owe,    du  über- 
trefendes  liep  alles  liebes!   Du  gröst  liebi  zitliches  liebes  mit  sinem 
liep  lit  dennoch  liebes  mit  liep  zerteilter  underscheideuheit;  owe  aber 
-du,  alles  liebes  grundlosu  vollheit,   du   zerflässest  in  liebes  beraen. 
du  zergässest  dich   in   der  sei  wesen,  du  bloss  al  in  al,  daz  liebes 
ein  einig  teil  nit  uss  blibet,  den  daz  es  lieplich  mit  lieb  vereinet  wirt." 

Du  tohter  sprach:  „ach  got,  waz  grosser  gnaden  ist  daz,  da 
der  mensch  also  in  jubilierender  wise  in  got  verzuket  wirt!  Ki 
wüsti  ich  gern,  ob  daz  selb  daz  nehst  sie  oder  nit?"*  Er  sprach: 
nein,  es  ist  allein  ein  reizlicher  vorlof,  ze  komen  in  ein  weslich  in- 
genomenheit.  Si  sprach:  „waz  heissent  ir  weslich  ald  nit  weslich ?'^ 
Er  entwürt  und  sprach:  ich  heiss  den  einen  weslichen  menschen, 
der  mit  guter  steter  ubung  die  tugent  erstriten  hat,  daz  sü  im  nah 
dem  höbsten  adel  lustlich  und  beliplich  sind  worden,  als  der  schin 
der  sunnen  in  ir  ist  beliplich.  So  heiss  ich  unweslich,  dem  dai 
lieht  der  tugent  in  entlenter,  unsteter,  unvolkomenr  wise  lühtet,  ab 
der  schin  in  dem  mane  tot.  Der  vorder  gnadenricher  lust  verlekert 
eins  unweslichen  menschen  geist,  daz  er  daz  alle  zit  gern  heti,  und 
als  im  der  gegenwurf  fr6d  birt,  also  birt  im  der  nnderzuk  unge- 
ordnet trurikeit,  und  wirt  unwillig  sich  andren  sachen  ze  geben,  ab 
ich  dich  bewisen  wil. 

Es  geschah  eins  males,  do  gie  der  diener  in  dem  capitelhnse, 
und  waz  sin  herz  vol  götlicher  jubilierender  fröden.    Also  kom  der- 
portner  und  hiess  in  gan  an  die  port  zu  ainer  frowen,  da  wolt  bihten. 
Er  brach  sich  ungern  von  dem  inrlichen  luste  und  enpfie  den  portal 


10  f.  du  aber  M  18  ald  nit  weslicli  feJilt  A^  23  entlenter  fehliS 
entlechnetcr  K  entlelientcr  M  voUkomer  M  26  also  gebirt  MA^  30  gotL 
fehlt  .y        frode  SA' 

5  IJ.  h.  ohne  Bilder  und  Formen  (Denifle  258  A.  2h  17  f.  Wa9  imtir 

ingenomenheit  zu  verstehen  int,  wird  gegen  Ende  des  folg,  Kap.  erklärt, 

19  flf.    Vgl,  die  Lehre  des  Thomas  von  Aquiny  der  auf  Aristoteles  fusst,  tibcf 
die  hahituelle  Tagend,  S,  Th.  1,2  q,  49;  q.  51  a,  2,  3. 


Leben  Seuses.    Kap.  L.  175 

lerteklich  und  sprach^  [73^]  daz  si  na  eim  andern  santi,  er  w61ti  ir 
iez  kain  bibt  hören.  Si  hat  ein  geladen  sündig  herz  und  sprach,  si 
Aeti  Sander  gnad  zi\  im,  daz  er  si  trosti,  und  wolti  kaim  andern 
Mhten.  Und  do  er  nit  wolt  komen,  do  vie  si  an  mit  einem  beträpten 
berzen  ze  weinen,  und  gic  ellendeklich  enweg  in  einen  winkel  sizzen 
und  erweinet  sich  da  vil  wol.  Under  dannen  do  zukt  im  got  ge- 
swinde  die  frölichen  gnade,  und  ward  im  sin  herz  als  hert  als  ein 
Üdiog.  Und  do  er  gern  heti  gewüsset,  waz  daz  meindi,  do  ward 
in  im  von  got  gesprochen  also:  „lag,  als  du  die  armen  frowen  mit 
Einern  geladen  herzen  hast  von  dir  getriben  ungetrostet,  also  hau  ich 
aiinen  götlichen  trost  von  dir  gezuket."  Er  ersüfzet  inneklich  und 
M^hlfig  an  sin  herz  und  lüf  bald  hin  an  die  port,  und  do  er  die 
frowen  nit  vand,  do  gehfib  er  sich  übel.  Der  portner  lüf  umb  und 
imb  suchende;  do  er  si  vand  d6rt  sizend  weinende  und  si  an  die 
[K)rt  wider  kam,  do  enpfie  er  si  gutlich  und  tröste  ir  rüwiges  herz 
Snedeklich,  und  gie  von  ir  wider  in  daz  capitel,  und  geswinde  in 
tmm  ogenblik  do  kam  der  milt  herr  her  wider  mit  sinem  gütlichen 
trost,  als  ie  von  erst. 

Du  tohter  sprach:  „der  mensch  mohti  liden  wol  erliden,  dem 
BrgebisSlich  jubilierende  fr6de."  Er  sprach:  „owe,  es  mftst  dar  na 
illes  mit  grossem  liden  wol  erarnet  werden."  Aber  ze  jungst  neiswen, 
lo  es  sich  alles  hat  erlüfen  und  es  got  zit  duhte,  do  kom  du  selb 
jubilierend  gnade  her  wider  und  ward  im  neiswi  in  beliplicher  wise, 
er  weri  da  heim  oder  füri  us,  bi  den  lüten  ald  ane  du  menschen, 
dik  in  dem  bad  ald  ob  tische  ward  im  du  selb  gnade;  aber  daz 
geschah  in  inbrüchiger  wise,  nüt  in  usbrüchiger  wise. 


8  daz]  es  M  11  süfzet  innerklicb  M  14  do  er  rI  vand]  und  vand 
*i  S  sitzent  dort  M  und  si  —  15  wider  kam]  do  nam  er  si  und  fürt  si 
^<ler  an  die  port  S  16  wider  in  in  FKa  capitelhus  S  20  müs  M 
^1  werden,  als  da  vor  gesait  ist  M  22  erloffen  SKA^  erlofleu  PM  26  in 
^rtch.  w.  M 

18  Zu  der  Erzäftlung  vgl.  Meister  EchhaH  553,38  ff. :  were  der  mensche 
^^  in  eime  ineucke  als  sanctus  Paulus  was  unde  weste  einen  siechen  menschen, 
<fer  eins  suppelins  von  ime  bedörfte,  ich  ahie  verre  hcgzer,  daz  du  liezest  von 
y^me  ton  dem  zuche  unde  diendest  dein  dürftigen  in  merre  minne  etc.  Vgl. 
'iuch  Thomas,  S.  Th,  2fi  q.  18'2a.  1  ad  3 :  Tauler  ( Basel  löi^l)  f.  9ö'',  1:28*'. 
20  er  =  Gott.  26  Ohne  dass  man  äusserlich  etwa^t  an  ihm  merkte. 


176  Leben  Seuses.    Kap.  LI. 


LI.  Kapitel. 

Ein  usrihtunge^  wa  got  ist  und  wie  got  ist. 

Du  gftt  tohter  sprach:  „herr,  ich  han  nu  wol  funden,  daz  got 
ist;  aber  wa  got  ist,  daz  wüsti  ich  gern."    Er  sprach:  daz  solt  hören. 

Die  maister  sprechent,  got  der  enhab  enkein  wa,  er  sie  al  in 
al.  Nu  tft  du  inren  oreu  uf  diner  sele  und  los  eben.  Die  selben 
maister  sprechent  och  in  der  kunst  Loyca,  wan  kom  etwen  in  ein 
kuntsami  eins  dinges  von  sines  namen  wegen.  Es  sprichet  ein  lerer, 
daz  der  nam  wesen  der  erst  nam  sie  gotes.  Zu  dem  [74']  wesen 
ker  dinu  ogen  in  siner  luter  einvaltekeit,  daz  du  lassest  vallen  disl 
und  daz  teilhaftig  wesen.  Nim  allein  wesen  an  im  selb,  daz  an- 
vermischet  sie  mit  nütwesen ;  wan  als  nütwesen  logent  alles  wesens, 
also  tfit  wesen  an  im  selb,  daz  lögent  alles  nütwesens.  Ein  ding; 
daz  noh  werden  sol  ald  gewesen  ist,  daz  ist  iez  nit  in  weslleber 
gegenwürtikeit.     Nu  kan   man  vermischet  wesen   oder  nutweseu  nitl 


3  M  hat  hier  auch  daz  nicht  wa  ('gegen  Denifle  261  A.  7)        4  soltdno' 
8oltu  PA^        6  orcii]   ogen  P        7  an   d.  k.   3/        8  am  Rande  Damasceow 
AMA^^  im  Text  KS        11  am  Bande  Anshelnius  in  pro8ologio(n)  AMA^^  im  Tai 
KS        11  f.  daz  vermüschet  sie  nüt  mit  weseu  P        12.13  löget  4S'       13  alle» 
mit  wesen  P 

5   Vgl.    Thomas  j   S,  Th.  1  q,  Sa,  2  ad  3:   Deus  iotus  est  in  omnibna  f^" 
singulis  eniihus  {vgl,  I Kor.  15,28),  6  Bonaventura,   Itinerariwn  maiff 

in  Deum  c.  1^15  (Ausgabe  in:  Tria  opuscula  S,  Bonav,,  td,  II  Quaracchi Ifä^ 
413):  aptri  igitur  oculos,  aures  spirituales  admove  etc.  Ein  Teil  dieses  K9f 
isty  mitunter  wörUichf  dem  Itinerarium  entnommen.  Belege  nach  zitierter  Auf' 
gäbe,  genauere  Nachweise  bei  Denifle  261  ff,  8  f.  Hin.  5,2  (p,  453):  Damat 

cenus  (De  fide  orthod.  I,  9)  igitur  sequefis  Moysen  (Exod,  3,14)  dicit,  quod^^ 
esV  est  primum  nomen  Dei,  Vgl,  dazu  Eckhart  108,28: 162,38:  262^9 ff,:  26^ 
und  im  Archiv  II,  543,3:  578,24:  ebd,  und  II,  436  ff,  Belegstellen  aus  ITiOtm 
Bonaventura  u,  s.  xc,  11  ff.  Der  Grundgedanke  der  folgenden  AurfOhrtiH 

findet  sich  bei  Ansclm,  Monolog,  c,  1  und  zuvor  schon  bei  Augustin^  Dt  triA 
VIII,  3  n.  4 :  der  Wortlaut  selbst  ist  aber  fast  ganz  Bonaventura^  Itin,  5M 
(p,  453  ff,)  entlehnt.  Doch  ist  im  Texte  der  A-Gruppe  der  Frage  nach  A» 
Krsterkannten,  das  M  der  ültertn  Franziskanerschule  (Bonaventura)  undSA' 
hart  folgend  mit  Gott  rericechselt,  ausgewichen.  Vieüticht  hat  Seuse  den  «f* 
spnuiglichen  Te.it  (M),  welcher  der  offiziell  im  Dominikanerorden  vorgesekrif' 
Innen  Doktrin  widersprach,  geändert,  als  er  einen  Teil  der  Vita  dem  Provintid 
liartholomaeus  rorhgte :  vgl.  auch  die  Einleitung  und  zur  Erklärung  Deniß^ 
2(13  A.  3,  ferner  ders,  in  Zfda  21,131  ff,  u.  Archiv  IL  620  f.,  536,  687,  605. 


Leben  Seuses.    Kap.  LI.  177 

^^1  bekenneo,  denn  mit  einem  gemerke  dez  allichen  wesens.  Es 
^^t  nüt  ein  zerteilteö  wesen  diser  ald  der  creatur,  wan  daz  geteilt 
^€8en  ist  alles  vermischet  mit  etwaz  anderheit  einer  müglichkeit  iht 
^e  enpfaben.     Dar  umb  so  müss  daz  namlos  g6tlich  wesen  in  sich 

^  ^elh  ein  allichs  wesen  sin,  daz  ellü  zerteiltu  wesen  ufenthaltend  ist 
Halt  siner  gegenwtrtikait.  Es  ist  ein  wunderlichü  blintheit  mensch- 
licher vernanft,  daz  si  nit  mag  briifen  daz,  ane  daz  si  niht  mag  er- 
kennen noh  sehen.  Ir  geschiht  als  dem  ogen:  so  dem  ernst  ist  ze 
lägen  die  menigvaltekeit  der  varwen,  so  nimt  es  nit  war  des  liehtes, 

10  dar  daz  es  daz  ander  alles  sament  siht,  oder  siht  es  daz  lieht,  so 
nimt  es  sin  doch  nit  war.  Also  ist  es  umb  daz  oge  ünsers  gemütes  : 
80  daz  ein  sehen  hat  nf  dis  und  daz  wesen,  so  verahtet  es  dez 
Wesens,  daz  da  Aber  al  luter  einvaltig  wesen  ist,  dur  des  kraft  es 
du  endrA  in  nimet,  dez  nimt  es  nit  war.   Hier  umbe  so  sprichet  ein 

Uwiser  meister,  daz  sich  daz  oge  unser  bekentnus  von  siner  krank- 
beit  halte  zä  dem  wesene,  daz  an  im  selber  aller  bekantlichest  ist, 
als  einer  fledermus  ogen  gen  dem  klaren  liebte  der  sunnen ;  wan  du 
zerteiltu  wesen  zerspreitend  und  blendend  daz  gemute,  daz  es  nut 
mag  sehen   die  g6tlichen  vinsterheit,   du  da  an  ir  selb  ist  du  aller 

^M\»tfi  klarheit. 

Nu  tft  dine  inren  ogen  uf  und  sih  an,  ob  du  raaht,  daz  wesen 
in  siner  einvaltigen  luterkeit  genomen,  so  sihst  du  geswinde,  daz  es 
von  nieman  ist  und  nit  hat  vor  noh  na,  und  daz  es  weder  innan 
Qob  von  ussnan  kein  verwandelkeit  hat,  denn  daz  es  einvaltig  wesen 
ist;  so  merkst  du,  daz  es  ist  daz  aller  würklichcst,  daz  aller  gegen- 
^rtigest,  daz  aller  volkomenst,  [74'']  in  dem  nit  gebrest  noh  ander- 
beit  ist,  denn  daz  es  ein  einiges  ein  ist  in  ainvaltiger  blossheit.  Und 
disA  warheit  ist  als  kuntlich  in  crlühten  vernönften,  daz  si  kein 
anders  mngen  gedenken,   wan   eins  bewiset  und  bringet  daz   ander 


lwo\  fehlt  M  gemerke]  bekeünen  3/  nach  wesens  Zusatz:  won  so 
^>»n  ain  ding  wil  verstan,  so  begegent  der  Vernunft  des  ersten  wesen,  und  daz 
JA  ain  aller  dingen  würkendes  wesen  J/,  feJiÜ  ASPKA^afUS^  2  zert.]  {ü:e- 
tifltes  M  wan]  wa  M  4  namlos  —  6  gegenw.]  wesen,  von  dem  gesait  ist, 
sin  dtz  gotlich  wesen  M  7  daz  si  nit  daz  prüft,  daz  si  vor  an  siht  und  an 
^  if  13  f.  nach  iBt  Zusatz  und  Änderung:  wie  es  im  doch  des  ersten  be- 
siegest und  durch  daz  es  du  ändrü  in  n,  M  17  liedramus  A  23  von  in- 
nan 3/        25  und  daz  aller  g.  M        27  einiges  [ein]  PA^        ist  [in]  ASK 

6  —  20  Jlf'ast  wörtlich  nach  Bonav.j  Hin.  5,4  (p.  456  f.)  12  f.  Hin, 

l  c:  ipsum  esse  extra   omne  genas   ....   non   advertit.  15  AristoteleSj 

Metaph.  a  993  b  9,  21  ff.  Das  Folgende  aus  Hin,  5,5,(J  (p.  457 f.). 

H.  Sentt}  Dtntaehe  Schriften.  12 


178  Leben  Seuscs.    Kap.  LI. 

für.  Dar  umbe,  daz  es  einvaltig  wesen  ist,  dar  umb  möss  es  v 
not  daz  erst  sin  und  von  nieman  sin  und  ewig  sin,  und  wan  es  d 
erst  ist  und  ewig  ist  und  einvaltig,  da  von  müss  es  daz  gegi 
würtigest  sin.  Es  stat  in  der  aller  höhsten  volkomenheit,  einvaltekc 
da  nüt  mag  zfi  noh  von  genomen  werden. 

Mäht  du  dis  verstau,  daz  ich  dir  geseit  hau  von  der  blosse 
gotheit,  so  wirst  du  etwi  vil  gewiset  in  daz  unbegrifenlich  liebt  de 
gotlieben  verborgnen  warheit.  Dis  einvaltig  luter  wesen  ist  du  ere 
obrest  sach  aller  sachlicher  wesen,  und  von  siner  bisinder  gegen 
würtikeit  so  umbscblüsset  es  alle  zitlicb  gewordenheit  als  ein  anvan^ 
und  ein  ende  aller  dingen.  Es  ist  allzemal  in  allen  dingen  und  k 
alzemal  uss  allen  dingen.  Dar  umb  sprichet  ein  meister:  got  istak 
ein  cirkellicber  ring,  des  ringes  mitle  punct  allenthalb  ist  und  sii 
umbswank  niene. 

Du  tohter  sprach:  „gelopt  sie  got!  Ich  bin  bewiset,  als  ven 
es  mir  denne  müglich  ist,  daz  got  ist  und  wa  got  ist.  Nu  wisti  icl 
gern,  wan  er  als  gar  ainvaltig  ist,  wie  er  da  mit  mug  drivaltig  wesen' 

Er  hüb  aber  an  und  sprach:  ein  ieklich  wesen,  so  es  i< 
ainvaltiger  ist  an  im. selb,  so  es  ie  menigvaltiger  ist  an  siner  kref 
tigen  vermügentheit;  daz  nit  hat,  daz  git  nit,  daz  vil  hat,  dai 
mag  vil  geben.  Nu  ist  da  vor  geseit  von  dem  infliessenden  nnc 
überfli  essen  den  gute,  daz  got  ist  in  im  selb,  dez  grundlosü  über 
natürlichü  gfitheit  zwinget  sich  selb,  daz  er  daz  nüt  allein  wi 
haben,  er  wil  es  och  frilich  in  sich  und  uss  sich  teilen.     Nu  müsi 


1  dar  umb]  da  von  M  2  and  ewig  sin  fehlt  PMA^  5  mkg  fehU^ 
9  bi  sin  der  K  besinder  31  bisunder  A^  10  als  ein  feiät  S  11  Es  — 1* 
dingen  fehlt  A^  16  mir  fehlt  M  17  gar  fehlt  M  18  am  Rande  In  libn 
sententiarum  AM,  im  Text  K  22  dez  —  23  selb  fehlt  F  23  zwyget  * 
24  in  sich  fehlt  M 

6  ff.  Vgl.  Itin.  5,0—8  (p.  459—61),  12  Alanus  ab  Inauiis  (Etgulae  t) 

den  auch  Bonaventura^  Itin,  5ß  (p,  461)  and  Thomas  v,  Aquin,  De  periU  4 
2  a,  3  ad  11  zitieren ;  vgl  Eckhart  96,30  und  Archiv  II,  571,  16  f.  Der  Gedank 
war  geläufig,  vgl,  das  mystische  Gedicht  hei  P reger  I,  290,  18  ff.  Itin,  5, 

(p.  460) :  quia  enim  simj)licissimum  in  essentia,  ideo  maximum  in  viriute,  q}^ 
virtuft,  quanio  plus  est  unita^  tanto  jtlus  est  infinita :  vgl,  dazu  Lib.  de  caitf** 
prop.  17 :  weitere  Behge  Denifle  267  A.  2  und  Archiv  II,  474  A.  1. 

21 — 24  Itin,  6,2  (p,  463):  summiim  igitur  bonum  summe  est  diffusicum  ^ 
(vgl,  Dionys.,  De  diu.  nom,  4,1  und  Opp.  S,  Bonav.  V,  60  n.  7),  Hieher,  nick 
nach  oben  ist  die  Zitierung  des  Petrus  Lombnrdus  (2  Sent,  dist.  1)  zu  buiiH^ 
zwingen  (Z.  23)  ist  hier  =  drängen,  wie  das  folge^ide:  frilich  —  teilen  J(i§ 
(Denifte  267  A,  4), 


Leben  Seuses.    Kap.  LI.  179 

^az  sin  von  not,   daz  daz  obrest  gftt  die   höhsten   und  die   nehsten 

^ntgiessnng  liab  sin  selbs,  und  daz  mag  nit  sin^  si  sie  denn  in  einr 

^egenwörtekeit  und  sie  inrlich,   substanzlich,   persönlich^   natürlich 

Qiid  in  unbezwungenlicher  wise  noturfklich,  und  sie  endlos  und  vol- 

B  komen.     Alle  ander  entgiessunge,   die  in  der  [75']  zit  ald  in  der 

creatur  sind,  du  kunt  von   dem  widerblik  der  ewigen  entgiessunge 

der  grundlosen  gotlichen  g&theit.     Und   sprechent  die  meister,   daz 

an  dem  usflnsse  der  creatur  uss  dem  ersten  Ursprung  sie  ein  cirkel- 

liches  widerbögen  des  endes  uf  den   begin;    wan  als  daz  usfliessen 

10  der  personen  usser  got  ist  ein  förmliches  bilde  des  Ursprunges  der 

creatur,   also  ist  es   och  ein  vorspil   des  widerfliessens   der  creatur 

in  got. 

Nu  merk  den  underscheid  der  entgiessunge  der  creatur  und 
gotes.  Wan  du  creatur  ein  zerteiltes  wesen  ist,  so  ist  och  ir  geben 
^  und  ir  entgiessen  teilhaftig  und  gemessen.  Der  menschliche  vater 
git  sinem  snne  in  der  geburt  ein  teil  des  wesens^  aber  nüt  zemale 
daz,  daz  er  ist^  wan  er  selb  ein  geteiltes  gut  ist.  Wan  nu  daz 
knntlich  ist,  daz  du  götlich  entgiessunge  so  vil  inniger  ist  und  edelr 
i^t  nah  der  wise  der  grössi  dez  gfltes,  daz  er  selb  ist,  und  er 
**  grundlosklich  übertrifet  alles  ander  gut,  so  mflss  von  not  sin,  daz 
oh  d6  entgiessung  sie  glich  dem  wesen,  und  daz  mag  nit  sin  ane 
entgiessung  sines  wesens  nach  persönlicher  eigenschaft. 

Kanst  du  nu  mit  einem  gelüterten  ogen  hin  in  büken  und 
scbowen  dez  obresten  gutes  lütersten  gütekait,  du  da  ist  an  irem 
^  ^mn  ein  gegenwürteklicher  würkender  anvang,  sich  selb  naturlich 
ttöd  willeklich  ze  minnen,  so  sihst  du  die  überswenken,  übernatür- 
lichen entgiessunge  dez  wortes  uss  dem  vater,  von  des  geberene 
Qnd  sprechen  ellü  ding  werdent  her  für  gesprochen  und  gegeben ; 
önd  gibst  och,  daz  in  dem  obresten  gut  und  in  der  höhsten  ent- 
*?og8enheit  von  not  entspringet  du  götlich  drivaltekeit :  vater,  sun, 
heiliger  geist.  Und  wan  du  höhst  entgossenheit  dringet  von  der 
obresten  weslichen  gfitheit,  so  mfiss  in   der  gerivierten   drivaltekait 


2  sin  selb  M        5  aller  K        20  ander  fehlt  S        21  f.   ane   ain  g-ies- 
«ing  (!)  ilf        22  persönlich  AÄ^        24  giathait  M        29  sihst  och]  sicherlich  K 
t32  obresten  fe?Ut  M       gotheit  P 

Iff.   Das  folgende  nach  Itin,  6,2  (p.463f.).  7  ff .   Vgl  Thomas,  In 

^ ^^,  d.  14  a.  2;  d.  32  q.  1 :  Eckhart  165,24  ff.  ( Deniße  26S  A.  4).  16  f.  Vgl, 

^Oäkw,  Dt  verit.  q,  4  a.  4.  18  ff,  Itin,  6,2  uk  463 /.).  23  ü,^ Itin,  6,2 

(]i.  4RÄ  f  \ 


180  Leben  Seiises.    Kap.  LI. 

sin  du  aller  obrest  und  nebst  mitwesentbeit,  du  böbste  glibbeituiit 
selbsbeit  des  wesens,   daz  die   personen   bein   in  inneblibender  ixs- 
gossenbeit   nab   ungeteilter   substaneie,   ungeteilter   almehtikeit  der 
drier  personen  in  der  gotbeit. 

Du  tobter  sprach:    „wafen,  icb  swimm  in  der  gotbeit  als   ein  t 
adler  in  dem  lüfte!" 

Er  sprach:  wie  der  götlicben  personen  drivaltekeit  [75^]  mug 
stan  in  eines  wesenes  einikait,  daz  kan  nieman  mit  Worten  für 
bringen.  Docb  als  vil  man  dur  von  mag  sprechen,  so  sprichet  saot 
Augustinus,  daz  der  vater  sie  ein  Ursprung  aller  der  gotbeit  des  ^* 
sunes  und  des  geistes,  baidü  persönlich  und  weslicb.  Dionysins 
seit;  daz  in  dem  vater  sie  ein  usfluss  oder  ein  runs  der  gotbeit,  und 
der  runs  entgüsset  sich  natürlich  in  dem  usgrfinendem  worte,  der 
ein  natürlicher  sun  ist.  Er  entg&sset  sieh  och  nah  minnericher 
miltekait  dez  willen,  daz  da  ist  der  heilig  geist. 

Dis  verborgen  sinne  entschlüsset  uns  und  bewiset  daz  klar 
liebt,  der  lieb  sant  Thomas,  der  lerer,  und  sprichet  also:  zu  der 
entgossenbeit  dez  wortes  uss  des  vaters  herzen  und  verounft  mftss 
daz  sin,  daz  got  mit  siner  liehtrichen  bekentnuss  uf  sich  selber  büke 
mit  einer  widerbögung  uf  sin  götlicb  wesen ;  wan  weri  an  der  ver-  r 
nunft  dez  vater  der  gegenwurf  nit  daz  gotlicb  wesen,  so  enmöhte 
daz  enphangen  wort  nit  got  sin,  snnder  es  weri  ein  creatnr.  Daz 
weri  falsch;  aber  in  diser  wise  ist  es  götlich  wesen  uss  wesen. 
Und  der  widerblick  dez  g6tlicben  wesens  in  der  Vernunft  des  vater 
mftss  geschehen  mit  einer  nabbildender  wise  einer  natärlichen  glich- 
heit,    anders   daz   wort  weri   nit  sun.      Hie  hat  man    einikeit  dez 

1  aller  nähst  M        10  Augustinus  auch  am  Band  A        LI  wesenüch  M  ^ 
Dionysius  auch  am  Rand  AA^        13  in  dem.  usgründ  bi.  dem  worte  A^       grftnen — 
dem  ASP         16  und  bewiset  fehlt  M         17  Thomas  auch  am  Rand  AMA^^ 
23  uss  wesen  fehlt  M 

7  flf .  Dtr  folg,  Passus  bei  6'tuse  ist  benutzt  in  dem  Lehr aystem  eines  wi- j 
bekannten  Mystikers,  bei  Greith  1L*2  f.  10  Aug,,  De  trinit,  IV,  20  n,  29     * 

totius  divinitatis,  vel  si  melius  dicitur  deitatisy  principium  pater  est.     Von  dei^r- 
Scholastikern  häufig  zitierte  Stelle^  vgl,  Archiv  II,  ^8  A,  3,  11  Dion,,  D^^ 

dir,  nom.  2,  oJ,  15  Die  Ausgabe  von  1512  f,  69^  und  Diep,  ^159  habet. '^ 

nach  willen  eine  längere  Interpolation,  17  Thomas,  S.  c,  Gent,  4,11  i$t  «c^ 

folgenden  frei  benützt.   Sense  spendet  dem  Dominikanertheologen  xax'  iSox^^v  auc.  ^*^ 
Ilorol  151  f.  grosse  Lobsprüche.  20  ff.  Vgl,  dazu  bei  Pfeiffer  II,  680,12, 

den  flicht  von  Eckhart  (vgl,  Archiv  II,  676)  stammenden  Traktat  (GIom) 
das   Evangelium   Johann is   (Te.ct Verbesserung   durch   Denifle  in   HisL^poL  B  '  ^ 
76,911).  23   Vgl.  die  Erklärung  bei  Denifle  272  A.  2. 


Leben  Seuses.    Kap.  LI.  181 

•Wesens  mit  anderheit  der  personen.      Und   ze  einem   guten   urkünd 

dez   selben    underscheides   do    sprach    der    hobgeflogen    adler   sant 

Job  ans:  „daz  wort  waz  in  dem  beginne  bi  gote.** 

Aber  von   entgossenheit  dez   geistes   ist  ze  wüssene,   daz  du 

>  substanci  der  götliehen  vemunft  ist  ein  bekentnust,   und  du  mflss 

ob  haben  neigang  nah  der  forme,  du  in  der  Vernunft  enpfangen  ist, 

nah  ir  ende.      Dis  neigung  daz  ist  wille,    dez  begerung  ist  lust 

^chen   nah   dem  besten.     Nu   merk  och,    daz  der   gegenwurf  dez 

geminten  ist  in  dem   minner   nut   na  der   glichnust  der   forme   der 

10  natur,  als  der  gegenwurf  der  vernünftikeit  in  dem  lieht  dez  bekent- 
nas.  Und  swenn  dis  wort  flüsset  uss  dem  usblik  dez  vater  nah  der 
fonne  der  natur  mit  personlichen  underscheid,  so  heisset  sin  ent- 
giessonge  von  dem  vater  ein  geburt;  wan  [76']  aber  disü  wise  ab 
dem  usrunse  des  willen  und  der  minne  nit  also  ist,  da  von  du  drit 

15  person,  du  nah  der  minne  fluss  entgossen  ist,  baidü  von  dem  vater 
und  och  von  dem  usgedrukten  bild  uss  sinem  innigosten  abgründe, 
dar  nmb  mag  es  weder  sun  heissen  noch  geborn.  Und  wan  du 
minne  vemunfteklich  oder  geischlich  ist  in  dem  willen  als  ein  nei- 
Siuige  oder  ein  minneband  inwendig  in  dem  minner  in  daz,  daz  er 

^'^  Dünnet,   dar  umbe  ist  zftgehörlich   der  driten  person  der  Ursprung, 

^^r  da  ist  nah  der  minnewise  dez  willen,  daz  er  geist  heisse.    Hie 

^irt  der  mensch  überbildet  von  dem  götlichen   liebte   in   der  hein- 

Kchkeit,  die  nieman  kan  gemerken,  denn  der  es  hat  enpfunden. 

Du  tohter  sprach:    „ach  herr,   wie  ist  dis  ein  so   uberswenkü 

^Mstanlichü  lere!  Aber  man  vindet  etlichü  vernünftigü  menschen, 
ÖÄ  sprechent  daz  alles  abe,  daz  hie  von  pot  geseit  ist,  und  meinent, 
^er  zfi  dem  nehsten  welle  komen,  dem  sie  got  ein  schedliches  mitel; 
^r  müss  entgötet  werden,  er  müsse  och  entgeistet  sin  und  alle  vision 
2e  ruggen  stossen,  und  sich  zfi  der  inlühtenden  warheit  allein  keren, 

^die  er  selb  selber  ist." 

Er  sprach:  disü  red  ist  falsch  na  gemeiner  hellung.  Dar  umb 
^tand  ir  lidig  und  hör,  waz  cristanlichü  warheit  hie  von  haltet, 
^ah  gemeiner  wise  ze  redene,  so  nimet  man  got  als   einen   herren 


2 f.  sant  Joh.  fehlt  M  4  daz]  do  K  5  gfutlichen  M  8  [der]  geg.  M 
^^  dei]  der  K  11  swenn  —  nah  der  fehlt  P  14  da  von  —  15  ist  fehlt  M 
1'  du]  disü  M  24  dis]  daz  M  25  krist.  fehlt  K  28  ez  mäs  e.  g.  M 
^  Dünnet  (!)  M 

3  Joh.  1,1.  4  fif.   Vgl  Thomas,  S.  c.  Gent.  4,19.  11  ff.   Vgl,  Eck- 

^^76^4  ff,  25  ff.  Lehre  der  Brüder  des  freien  Geistes.   Einer  ihrer  Sätze 

^^^'  hotno  non  est  honus,  nisi  dhnittai  deum  propter  deum,  vgl.  Preger  I,  463. 


1^2  Leben  Seuses.    Kap.  LI. 

aller  der  weit,   der  kein  bossheit  lat  hin  gau  nngebuzet,   noh  k^ij 
gut  werk  ungelonet.     Wer  nu  sünde  tut,   dem  igt  got  ein  vortliclier 
got,  als  der  gut  Jop  sprach:    „ich  han  got  alle  zit  gefürtet  als   da 
schiflüt  die  grossen  wellau."   Wer  och  uf  grossen  Ion  got  dienet,  der 
hat  einen  grossen  got,  der  im  gröslich  gelonen  mag.   Aber  ein  wol-  ; 
geüpter  bekanter  mensch,  der  sich  gebrestlicber  dingen,  du  got  hasset, 
hat  mit  menigvaltigem  sterbene  entschutet  und  got  von  inbrünstiger 
minne  alle  zit  dienet,   der  nimt  got  in  sinem  herzen  nit  got  in  deo 
vor   geseiten   wisen,    er   ist   im   wol   entgötet;    er   nimt  in   als  ein 
herzklich  minneklichs  lieb,  da  du  knehtlich  vorte  ab  gevallen  ist,  als  19 
Paulus  seit.    Also  blibet  dem  götlichen  menschen  got  werlich  got 
und  herr,  und  stat  sin  doch  lidig  in  diser  grober  nemunge,  wan  er 
hat  ein  nehers  begrifen. 

Wie  aber  der  mensch  [76^]  engeistet  sül  werden,  da  h6r  den 
underscheid.     So   ein   mensch  in  sinem   anevang  beginnet  merken?^ 
daz  er  ein  creatur  von  lib  und  sele  ist,  und  daz  der  Hb  tdderolicl^ 
ist  und  aber  du  sele  ein  ewiger  geist  ist,  so  git  si  dem  libe  od^ 
aller  siner  .vihlichkait  urlob,   und    haltet    sich    zft    dem   geist  un^ 
machet   den    lip  dem   geist  undertenig,    und  ist  alles    sin  würker^ 
inwendig    mit   betrahtung    gerihtet   gen   dem   überweslichen  geisU^ 
wie  er  den  vinde,  wie  er  den   begriffe  und  sinen   geist  mit  der^ 
geist    vereine.      Und    du    menschen    heissent    gcischlicbü,    heilig''* 
menschen.       Dem    nu    reht    hie    beschiht,    so    er    sich    hier   ini^ 
lange    zit   geübet,    und    im    der    überweslicher   geist    alle    zit  vo^ 
spilt,    und    im    doch    des    begrifes    vorget,    so   beginnet   der  cree^ 
türlich  geist  sin  selbes  unmngentheit  an  sehen  und  mit*  einer  en^ 
sunkenheit  sin  sclbheit  sich  der  ewigen  götlichen  kraft  ze  grvüm^ 
lassen,  und  sich  von  im  selb  zft  dem  keren  in  einer  verahtnnge  d^ 
sinsheit  in  des  obresten  wesens   ungemessenheit;   und  in   der  in 
nomenheit  kunt  der  geist  neiswi   in  sin   selbes   Vergessenheit  u 
verlornheit,  als  Paulus  sprach:  „ich  leb  nüt  me  ich,**  und  Crist 
sprach:  „selig  sint  die  armen  des  geistes.^     Alsus  blibet  der  gel 


1  ungeletzet  A       3  gfit  lident  J.  M       7  von]  mit  M      8  nimt]  minnet 
9  vorsaiten  M  vor  genanten  P        12  wan]  und  M       14  aber  fehlt  M        16  f.  5*^ 
nacli  er  M        20  üb  er  messlichen  K        25  begriffene  M        26  unmtiglicheit    ^ 

3  Job  31^3.  1 1  Rom.  8, 16.  29  f.  ingenomenheit  (vgl,  oben  161,12  i»*«^ 
174,17 f. )  =  Absorbiertwerdffu  in  Gott  in  der  höchsten  Beschauung  (DtnifUS^^ 
A.  3;  61:JA.  6).  31  Gal  2,20;   Matth.  5,3.  32—183,2  In  der  höeh^^ 

Vereinigung  mit  Gott  vergisst  der  Geist  sich  selbst  und  uird  seiner  ungewal^*^' 
Belege  aus  Eichard  von  St.  Viktor  bei  Lenifle  27 ti  A.  6;  vgl,  ebd.  266  A.  7. 


Leben  Seiises.    Kap.  LT.  183 

iiah  silier  wesentheit,  und  wirt  entgeistet  nah  besizlicher  eigenscbaft 
dez  sinsheit. 

Den   underscheid  enzwüschen  luter  warheit  und    zwifellichen 
visionefi  in  bekennender  materie  wil  ich  dir  och  sagen.    Ein  mitel- 
^  loses  scfaowen  der  blossen  gotheit,   daz  ist  rehtü   lutrü  warheit  ane 
allen  zwivel;  und  ein  ieklichü  vision,  so  si  ie  vernünftiger  und  bild- 
loser ist  und  der  selben  blosser  schowung  ie  glicher  ist,  so   si  ie 
edelr  ist.     Etlich  profeten  baten  bildrich  vision  als  Jeremias  und 
die  andren.     Sölich   bildrieh   vision  werdent  noh  dike  gotes   hein- 
10  liehen  fründen,  etwen  wachende,  etwen  schlafend,  in  stiller  rüw 
und  abgescheidenheit  der  ussren  sinnen.    Und  sprichet  ein  lerer,  daz 
engelschlichti  gegenwürtikeit  diker  erschinet  etlichen   menschen   in 
dem  schlaf,  me  denn  in  dem  wachen,  dar  umbe,  wan   der  mensch 
in  dem  schlaf  von  usser  menigvaltiger  würklichheit  mer  gestillet  ist 
15  denn  in  dem  wachen. 

Wenn  aber  ein  vision,  du  dem  menschen  wirt  [77']  in  dem 
schlaf,  wenn  du  mug  ald  sfil  heissen  ein  warsagendü  vision,  —  als 
in  der  alten  e  dem  künig  Pfarao  von  siben  vaissen  rindern  und 
von  siben  magren  tromete,    und  dez  glich  vil  von   tromen,   daz  du 

*  beilig  scrift  seit,  —  wie  man  hie  kunne  underschaid  der  warheit 
binden,  wan  die  tröme  gemeinlich  triegent  und  och  ane  allen  zwivel 
nnderwilent  war  sagent,  da  solt  du  wissen,  daz  sant  Augustinus 
der  Seite  daz  von  siner  heiligen  mfitcr,  daz  im  du  saiti,  daz  si  die 
gäbe  von    got  heti,   wenn   ir  üt  von  got  in   ganzen    schlaf  ald  in 

^kalben  schlaf  wnrd,  so  ward  ir  dur  mitte  der  underschaid  von  innen 
Reben,  daz  si  wol  erkande,  ob  es  allain  ain  gemaine  trom  waz,  der 
Düt  ze  ahten  waz,  ald  ob  es  waz  ein  biltlich  vision,  dar  an  sich 
2e  keren  waz.  Und  welem  menschen  got  die  selben  gäbe  git,  der 
kan  8ich  dest  bas  hier  inne  berihteu.     Es  kan  nienian  dem  andern 

*  '^ol  mit  Worten   geben,   denn  der  merkt  es,    der  es  enpfunden  bat. 


6  am  Bande  Thomas  in  summa  AA^  6  f.  u.  ie  hildl.  3/  7  f.  [ie]  cdelr 
^^-4*  8  profeten]  sprechent  P  18  pharao  KMA^  pharao  und  dez  wissagen 
^el  M  19  daz  fehlt  31  daz  daz  A^  22  Augustinus  auch  avi  Rande  A 
23  der  gelte  fthU  M        24  f.  ganzem  . . .  halbem  SM 

6  ff.  Thomas,  S.  Th,  2,2  q.  174  a.  2.3;  vfjl.  Eckhart  315,22  ß.  Über  die 
^^hitdmen  Arten  von  Visionen  handelt  nach  dem  Vorgang  von  Augustinus 
^^  Oentsi  ad  lit,  XII,  4  ff.)   auch  David  von  Augsburg,  J)e  compos.  III,  66. 

11  Thomas,  S.  Th.  2,2  q.  172  a.  1  ad  2  und  De  verit.  q.  12  a.  3  ad  2. 

12 D.h.  Engelserscheinung.  18  /  Mos.  41,1  ff.  22  Aug.,  Conf.  VI,  13. 


184  Leben  Seuses.    Kap.  LII. 


LH.  Kapitel. 

Von  dem  aller  h6hsten  überflug  eins  gelepten  yemünftigen 

gemütes. 

Du  wisü  tohter  sprach:  „ich  wüsti  nüt  als  gern  uss  der  schrift^ 
als  den  uberswenken  sin,  wa  nud  wie  eins  wolgeüpten  menschen 
hescheidenbeit  in  der  tiefsten  abgründkeit  uf  sin  h5hstes  zil  enden 
solte,  also  daz  geleptü  enpfindung  mit  der  scrift  meinange  ein 
geliches  ustragCD  gewunne."  Dez  nam  er  uss  der  scrift  ein  ver- 
nünftig entwärt,  und  du  hillet  nah  den  verborgnen  sinnen  in  diser- 
ley  wise  also:  K 

Ein  sölicher  edelr  raensch,  der  nimet  war  mit  einvaltiger 
müssekeit  dez  sinnerichen  wertes,  daz  der  ewig  sun  sprach  an  dem 
ewan^^elio:  „wa  ich  bin,  da  sol  och  min  diener  sin."  Wer  nu  daz 
wa,  daz  der  sun  nam  nah  der  menschheit  in  sterbender  wise  an 
sinem  cruze,  wer  daz  streng  wa  in  nahvolg  nüt  hat  geschühet,  daz  i 
ist  wol  müglich  nah  siner  gehaiss,  daz  der  daz  lustlich  wa  siner 
sünlichcn  blossen  gotheit  werde  in  vernünftiger  frodenbemder  wise 
niessende  in  zit  und  in  ewikait,  als  verr  es  denn  müglich  ist^  minr  ^ 
und  me. 

Eya,  wa  ist  nu  daz  wa  der  blossen  götlichen  sunheit?  DaiW; 
ist  in  dem  bildrichen  lieht  der  götlichen  ainikeit^  und  daz  ist  oa 
sinem  namlosen  namen  ein  nihtekeit,  nah  [T?""]  dem  inschlag  ein 
weslichü  stilheit,  nah  dem  inneblibendem  usschlag  ein  natnr  der 
driheit,  nah  eigenschaft  ein  lieht  sin  selbsheit,  nah  ungeschafenr 
Sachlichkeit  ein  aller  dingen  gebendü  istekeit.     Und  in  der  vinstreo  *] 


6  geübten  M  8  geliches]  gotliches  S  15  nachvolgunge  SFH 
22  nah  d.  i.  —  23  atüheit  fehlt  S  23  inneblib.  fehlt  M  uschlag  A  25  ge- 
bendü fehlt  S 

7  f.   So  dass  innere  Erfuhrung  und  Lehre  der  Theologen  übereinstu^*' 
l;^  Joh.  ]JL\?6,  20  ff.    Von  hier  an  bis  gegen  Ende  des  Kapitels  hat  Se^ 

Eckharts  Traktat  vom  Überschall  (Ffeiffer  I,  516  ff.)  und  Stücks  aus  dem  fälsch- 
lich 80  genannten  Liber  positionum  (Pfeiffer  /,  6'6'6 — 71)  starb  benütit,  Gen^ 
Nachxceitte  bei  Denifle  280^9:^.  21  f.  Nähere  Erklärung  im  1,  Kap,  des  B^' 

22  f.    Vgl.  Eckhart  889,3;  668,38.  6^0,24  ff.  24   Vgl.  Eekhart  669,18 f. 

25—186,2  Auf  der  höchsten  Stufe  der  Vereinigung  mit  Gott  (conUmpl^^ 
in  caligine;  vgl.  Bonav.,  Hin,  7  p.  470  ff.  und  Nota  p.  475:  unten  187,17:  dfOiB^ 
heit)  reflektiert  der  Geist  nicht  mehr  über  sich  und  über  sein  Denksn,  #W^ 
weiss  nichts  mehr  als  Gott  {Denifle  280  A.  7).  Vgl.  auch  oben  183^1  f.  undpfß 
Schluss  des  Kapitels. 


Leben  Sensen.     Kii|).  LH.  IS5 

wiselosekeit  verget  elli'i  menigvaltekeil,  und  der  geist  verldret  sin 
selbstieit:  er  vergat  oa  ein  selb»  wiirklichkcit.  Und  die  ist  dflz 
hnbfite  atil  und  daz  endlos  wa,  ig  dem  da  endet  aller  geisteu  geiste- 
keit,  iiier  inne  alle  Kit  sich  verlorn  bau  ist  evägü  selikeit. 

Und  daz  du  dis  dest  baz  merkest,  so  ist  ze  wüasene,  daz  in 
dem  bildriclien  lieht  der  gStlichen  eiuikeit  ist  ein  inswebendn  ent- 
«pninglichkeit  der  pergonlicbeu  entgosseubeit  usg  der  almugenden 
ewigen  gotheit;  wan  di'i  drilieit  der  personen  ist  in  der  einikeit  der 
Datnre,  und  d(i  einikeit  der  nature  in  der  dribeit  der  personen. 
Du  einikeit  liat  ir  würklicbkeit  au  der  dribeit  und  du  dribeit  bat 
e  mugentbeit  an  der  einikeit.  als  sant  Augustinus  spiicliet 
1  dem  buch  von  der  drivaltikeit.  Du  dribeit  der  personen  bat 
eschloBsen  die  einikeit  in  ir  als  iie  natürlich  wesen.  dar  umbe  ist 
in  ieklichii  periton  got,  und  na  einvaltekeit  der  natur  ist  es  gotheit. 
Ku  lühtet  dfi  einikeit  iu  der  dribeit  nah  undersehcidenlicher  wise, 
Im  dn  dribeit  nah  dem  inswebenden  widcrseblage  lühtet  in  der 
isikcit  eiovalteklicb,  als  si  es  in  ire  beschlossen  hat  einvalteklich. 
Der  vater  ist  ein  Ursprung  dez  suneg;  de?,  ist  der  sun  ein  uswal, 
ton  dem  vater  eweklich  geflossen  na  der  persone  und  inneblibende 
Mh  dem  weBene.  Der  vater  nnd  der  sun  entgiessent  iren  geist. 
I'qiI  du  einikeit.  du  dn  wesen  ist  des  ersten  Ursprunges,  du  ist  daz 
!lb  nesen  ire  aller  drier  personen.  Wie  aber  du  driheit  ein  sie, 
Xd  du  driheit  in  der  einikeit  der  natur  ein  sie.  und  doch  du  driheit 
"ser  einikeit  sie,  daz  mag  man  nit  gewörten  von  dez  tiefen  grundes 
iDvaltekeit. 

Aihie  her  in  dis  übervernünftig  wa  erswinget  sich  der  geist 
»iBtende,  und  etwen  von  endloser  höhi  so  wirt  er  fliegende,  denn 
on  |;ruDdlo8er  tiefi  so  wirt  er  swimniende  von  den  hoben  wundern 
^r  gotheit,  Und  dennob  so  blibet  der  geist  hie  in  geistcs  srt  in 
ler  gebrüchlichkeit  [78']  dero  glich  ewigen,  glich  gewaltigen,  inne- 
^ilibenden  und  doch  ussfliessenden  personen,  abgeseheiden  sinde  von 


31.  eftisthait  M  BS.  am  Rand^  Au^uatiiius  <le  trinitnte  AA',  nur 

Aoguiintts  K         11  vcnnugentheit  M         !5  einikeit]   ainyiiKkeit  M        iin- 
[  "Mdenlioher  P       23  und  —  ein  sie  f</iU  S       28  swinende  A'       30  ewigem  .W 

8ff.  Erklärung  bei  Ben^e Ml  A.  1;   vgl.  Eckhart  526,34ff.  517,34  f. 
I0~~I2  Sieher,  niehl  »choii  früher,  daa  Au,gu»tint*aeitat  (De  trin,  I  und  VIIl. 
\~^  Salt  letirtlic/i  aaeh  bri  Eekhart  öl7,36—S7  twirkeii   slatt  wirdekeit  tu 
■  !■«•'',■  i>gl  ebd.  368^9/.  IB— 17  Eckhart  617.33 f.  337,ög.  18  ff.  Eck' 

"Wr^rjf..-  Archiv  II,  467  ;  668,9  f.  ■.'2-25  Kckhart  669,37—39. 


186  Leben  Seuses.    Kap.  LH. 

allem  gewulk   und  gewerbe  der  nidren  dingen,   ansterende  du  göU 
lichu  wunder.   Wan  waz  mag  grössers  wanders  sin,  denn  da  blössu 
einikeit;  in  die  sich  der  personen  driheit  in  senket  nah  einvaltekei^ 
und  da  ellü  menigvaltekeit  wirt  entsezet  dez  sinsheit?    Und  daz  ist 
also  ze  verstene,   daz  dero  entgossnen  personen  usgeflossenheit  aUei 
zit  ist  sich  wider  in  bietende  in   des  selben  wesens  einikeit.    Und 
alle  creaturen  nah  ire  inneblibenden  usgeflossenheit  sind  eweklich  in 
dem  einen  nah  got  lebender,  got  wüssender,  got  wesender  istekeit, 
als  daz  evangelium  seit  In  principio:  daz  worden  ist,  daz  ist  in  ime 
eweklich  sin  daz  leben.  I 

Dis&  blossu  einikeit  ist  ein  vinster  stillheit  und  ein  mussigi 
müssekeit,  die  nieman  kan  verstau  wan  der,  in  den  da  l&htet  da 
einikeit  mit  ir  selbsheit.  Uss  der  stillen  müssikeit  lühtet  rehtu  fri- 
heit  ane  alle  bossheit,  wan  d&  gebirt  sich  in  entwordenr  widergeborn- 
heit;  da  lühtet  us  verborgnu  warheit  ane  alle  falschheit,  und  dil 
gebirt  sich  in  der  entekunge  der  bedahten  blossheit.  Wan  hie  idrt 
der  geist  entkleidet  von  dem  tinbern  liebte,  daz  im  na  menschlicher 
wise  gevolget  hate  nah  oflfenbarunge  dero  Sachen,  von  dem  wirt  er 
da  enplözet,  wan  er  vindet  sich  da  einen  andern  eigenlicher,  desB 
er  sich  vor  verstand  in  des  vordren  lichtes  wise,  als  Pdulus  sprach:! 
„ich  leb,  nit  me  ich^,  und  wirt  alsus  entkleidet  und  entwiset  in  der 
wiselosekeit  dez  götlichen  einvaltigen  wesens.  Daz  l&htet  sich  eilt 
ding  in  ainvaltiger  stillheit,  und  da  wirt  der  blibender  underscbeid 
der  personen  nah  sunderheit  genomen  verahtet  in  einvaltiger  wise- 
loser  wise.  Wan  als  du  scrift  seit:  du  person  des  vaters  allein  ge-: 
nomen  git  nit  selikeit,  noh  du  persone  des  sunes  allein,  noh  des 
heiligen  geistes  allein,  mer  die  drie  personen  inhangende  in  einikeit 


8  lobender  P         9  in  pr.   erat  verbum  etc.  K         10  sin  eweklich  M 
14  boBsheit]  blosheit  P        17  dimern  K  timem  M        26  f.  nah  d.  h.  g.  ÄSK 

9  Joh.  1,3  f, :  quod  factum  est,  in  ipso  vita  erat.  Die  meisten  Kirche»' 
Väter,  besonders  Augustinus  {De  Gen,  ad  lit.  V,  14:  Tract.  in  Joh,  1),  unddii 
Scholastiker  zogen  den  Schluss  von  Vers  3  (ö  Yiyovev)  zu  V,  4  herikher,  und 
sahen  darin  einen  Hauptheweis  für  ihre  Ideenlehre,  vgl.  s,  B.  Thomas,  S.  Tk 
1  ([,  18  a,  4 :  S,  c.  Gent.  4,13.  Ühtr  die  Geschichte  der  Exegese  düser  Stille: 
J.  Maldonat,  Comment.  in  Evang.  II  (Mainz  *  1663),  395  ff,  .•  SchoHM^  Km- 
mentar  snm  Kv.  des  hl.  Joh.  1865,  76.  BtUgc  aus  EckharU  kxteimsehe» 
Schriften  in  Archiv  II,  46 If  11  ff.  Eckhart  518, 13—16,  13  Vgl  Ai 
51944  f. :  e68,:>2f.  17  ff.  Eckhart  518,25  ff.  Das  natürliche  Liehi  der  >> 
nunft  ivird  von  dem  höheren  Lichte  der  Kontemplation  absorbiert  (Deniße2b4A.b)o 

19  Vgl.  Richard  von  St.  Viktor,  De  contempl.   V,  12  (8,  unten  18843). 

20  Gal.  2y><).  22  ff.  Eckhart  668,38 ff.  25  ff.   Vgl.  Eekhwi  215^ f- , 


LtbeQ  Seuaea.    Kap.  LU.  187. 

iei  weaens  ist  selikeit.  Und  dis  ist  wesen  der  personen  natürlich 
oDil  wesen  gebend  allen  creattiren  genedeklicli ;  Dtid  dis  hat  aller 
dingen  bild  in  inie  besclilossen  einvalteklich  und  weslich.  Wan  steh 
nu  dis  bildrich  lieht  [78']  haltet  weseti,  so  sind  du  ding  in  ime  na. 
\m  selbes  wesentheit,  and  nüt  na  inbildender  zävallikait;  und  wan 
es  sich  ellü  ding  labtet,  dar  umbe  haltet  es  liehtes  eigenschaft.  Und 
alsug  80  iuhtend  ellü  ding  in  dem  wesene  in  einer  inwesender  still- 
beit  nah  des  wesens  einvaltekeit. 

Daz  selb  vernünftig  wa,  da  von  geseit  ist,  da  ein  bewerter 
diener  sol  dem  ewigen  sune  mitwonend  sin,  mag  man  nemmen  die 
istigen  namlosen  nihtekeit:  nnd  da  kumt  der  geiet  uf  daz  niht  der 
einikeil.  Und  du  einikeit  heiBset  dar  unib  ein  niht,  wan  der  gei^t 
eokan  enkein  zitlicb  wise  finden,  waz  es  sie;  nier  der  geist  enpfindet 
wol.  daz  er  wirt  enthalten  von  einem  andern,  denn  daz  er  selber  ist. 
Dar  nnib  ist  daz,  daz  in  da  enthaltet,  eigenlicber  iht  denn  niht;  ea 
i*l  dem  geiste  wol  niht  an  der  wise,  waz  ea  sie. 

Swenn  nn  der  geist  in  diaer  verklerten  glanzenrii:hen  dünster- 
lieit  na  sin  selb»  uinvüssenthelt  eigenlichen  hio  wonhaft  wirt,  so 
veriürel  er  ellü  mitcl  und  alle  sin  eigenechaft,  als  sant  Bernhart 
«prichcl.  Und  daz  besehiht  minr  und  me  nah  dem,  als  der  geist  in 
dem  libe  ald  von  dem  übe  uss  im  selb  in  daz  vergangen  ist.  Und 
ili  verlornheit  ein  selbsheit  ist  von  der  götlichen  art,  du  im  neiewi 
dlA  ding  worden  ist,   als  du  scrift  seit.     In  diser  entsunkenheit  en 


1  persönlich  l!)  M  5  itm  Saude  Aug^iBtinus  super  geuesim  A  10  ne- 
nieii  SP  11  f.  [der]  einikeit  -W  12  und  —  niht  ftlät  M  dar  umb  —  U 
irtMK  K  13  kau  M  ziüioh  fehlt  M  19  und  —  20  epricliet  fehlt  A^ 
BtnurduB  auch  am  Rand  Ä        23  eo]  m  M 

1  Eckhart  669,3  ff.  1G~22.  Über  die  nchnlastüchc  Idemhhre  vgl.  JJttüfte 
Äö  J.  5.-  238  A.  5;  älTff.  und  im  Archiv  II,  460ff.  Das  Augiulinuatitat  (Vt 
OtH.  ad  tu.  II.  12;   r,  31)  gehSrt  mu  3 ff.  6f.   Eckhai-t  66!>,31f. 

Uff.  Vgl.  Eckkart  519,iy  ff.  (Z.  19  iec  gu  lestn  aiaU  iauU :  einikeit  =  (Joll. 
An-,  wfe  .ifltrt,  ntnnt  Seuee  GoU  ein  Nicht,  vffl.  oben  167,5 :  Dmifl«  345  A.  5.- 
^A.5;  öllff.  17  ff.  Im  folg.  ist  Bernhard,  De  dil,  Deo  10  n.  27  vnd  38 

'"Wl«;   /(  eniia   quodammodo  perdere,    lanquam   qui   non  ws,   et   i 
'niir«  teipeum  et  a  leipto  exinaniri,   tt  paene   annuliari,   caeleetia 

'ViOHt»,  non  hwnanae  affectinnig toUtm  divinum  t»t,  quod  gentUiir;  aie 

"fjia,  däficari  ett  ....  alioquin  quomodo  omnia  in  omnibus  erii  Den»  (I  Kor,. 
'*J6>,  fiin  homint  de  hamine  naicqiiam  nuptrerit?  Manebit  qitidem  sub/itantia, 
'*tf  IM  alia  forma,  alia  gloHa  aliaque  potentia  ete. .'  ogl.  Guigo,  Ep.  ad  fratre» 
*  «oirti  Dei  l.  II  c.  3,16  ( Opp.  S.  BeiHardi  td.  Mabilloa,  Venedig  1781,  III, 
^H)  «nrf  Eekhart  519,36  ff.  Zu  nnwfisseuthejt  fZ.  18)  vgl  oben  lS3,3i:  184,36 
"td  Denifie  366  A.  7. 


188  Leben  Seuses.    Kap.  LII. 

verget  der  freist,   und  doch   nit   genzlich,    er  gewinnet  wol   etlicb« 
eigenscbaft  der  gotfaeit,  mer  er  wirt  doch  natürlich  got  nit;  daz  ime 
geschiht,   daz  geschiht  von   gnaden,   wan  er  ist  ein  iht,   geschaffei? 
uss  niht,  daz  eweklich  belibet;   denne  so  vil  sie  geseit,   daz  in  der 
Vergangenheit  nah  ire  selbes  ingenomenheit  so  enget  ir  daz  zwivelidi  -• 
wunder  in   der  verlomheit,   da  si   entsezzet  wirt  des   irsheit  in  dei 
sinsheit  na  ir  eigen  unwüssentheit.    Wan  na  gemeiner  red  ze  sprechen, 
so  wirt  der  ^eist  mit  dez  götlichen  liehtrichen  wesens  kraft  gernket 
über  sine   naturlich  vermugentheit  in   diss  nihtes  blossheit,  wan  si 
ist  aller  wisen  bloss  von  creaturen,   mer  in  ir  selben  hat  si  ir  wisel 
eigenlich  na  ire  weslichkeit.     Disu  wiselos  wise  ist  wesen  der  l)e^ 
soneu;  die  habent  es  beschlossen  in  ainvaltiger  wise  na  rehter  dnr- 
[79']gruntlichkeit  als  ir  nature.     Dis  bekentn&s,  als  geseit  ist,  ent-  . 
sezet  den  geist;   und  daz  geschiht  in  dem  niht  der  einikeit  na  dei  . 
nihtes  ungrüntlicher  wüssentheit,  darbende  siner  eigenlichen  uemliclh  ■ 
keit;  wan  da  verlürt  er  sich  in  ein  sin  selbs  vermissen   und  in  dB 
aller  ding  vergessen.    Und  daz  geschah  im  do,  do  sich  der  geist  u 
im  selber  hat  gekeret  von  sin  selbs  und  aller  dingen  gewordenlicb- 
:keit  in  die  blossen  ungewordenheit  der  nihtekeit. 

In  disem  wilden  gebirge  des  überg6tlichen  wa  ist  ein  enpfiot-l 
lichü  vorspilendü  allen  reinen  geisten  abgrüntlichkeit,  und  da  kont 


5  nah  ire]  sin  M  zwivelich  fthli  31  6  da]  daz  M  [in]  de«  M 
7  am  Bande  Thomaz  AMA\  im  Text  K  9  nihtes  fehlt  K  11  weslicht] 
Wesenheit  S  wislichkeit  A^  11  f.  am  Rande  Paulus  A^  16  dnrchgrfimt- 
licher  M  darbender  K  17  beschiht  M  18  verkeret  M  19  gewordo- 
heit  0)  M 

6  f.  Seuse  unterschiebt  hier  den  BegHjff  Seele  (statt  Geist),  6 — 7  D.  A. 
^die  Seele  verliert  gleicJisam  das  Ihrige  und  geht  über  in  das  göttliche  S*«^ 
doch  ohne  Verlust  ihres  eigenen  Wesens^  (Denifle  288  A,  2) ;  vgl,  Bernhard^  1 1 
10  n.  27 :  15  n.  39.  7  ff.  Thomas,  S.  Th.  2,2  q,  176  a.  1,  Von  hier  bis  Z.  19 
ist  auch  Eckhart  519,31  —  620,4  benützt  (Z,  36  zu  lesen  wise,  statt  wite>. 

9  si  besieht  sich  auf  diss  nihtes  blossheit  (=  da>s  göttliche  Wesen),  nickt  ü/ 
Seele  oder  Geist  des  Mensclien  (so  Diep,  ^  166) :  bei  Eckhart  (Z,  34)  geht  i 
auf  einikeit.  13  ff.  Sinn:  in  der  Entrückung  vergisst  und  verfitissi  der  (Mt 

gleichsam  sich  selbst  (nenilichkeit  —  Begriffe  Wtsenheit),  da  er  das  unergrünMkt  ■ 
Wesen  Gottes  zu  erkennen  sucht,  mit  andern  Worten :  er  wird  ents^tMi,  entgtilt^ 
(vgl.  oben  162,32  ff.  und  188,6).  Bichard  von  St.  Viktor,  De  contempl.  r,li: 
cur  non  rede  dicatur  Spiritus  semetipsum  non  habere,  quando  inctpit  a  stmMift^ 
deßcere  et  a  suo  e^se  in  supermundanum  quemdam  et  vere  plus  quam  kumtt* 
num  statum  iransire  etc.  ?  20  Das  Gleichnis  vom  Gebirgs  nach  II  Jfot. 

19,3  bei  Dionysius,  Dt  myst.  theol  1,3.  20  f.  Eckhart  618,S4f. 


Lehen  Seiises.     Kap.  LH.  ISf)- 

.  »  iD  die  togenlicben  ungenantheit  und  in  daz  wild  enpfrömdekeit. 

'  lad  daz    ist   daz   grundlos   tiefen   abgründ   allen   creatnren   nnd   im 

seikr  grüntlidi;  daz  ist  och  verborgen  allem  dem,  daz  er  selber  nir 

isl,  denn   allein   dien,   den  er  sieb  wil  gemeinden.     Und  die  selben 

oiöeseü  in  gelaseeDlieli  säcben  und  in  etlicbcr  wise  mit  itii  selben 

bekennen,  als  du  eehrift  seit:   „wir  siilen  da  bekennen,  als  wir  er- 

kaiit  sien."    Dis  bekentntis  hat  der  geist  nit  von  ein  selbsheit,  waa 

dii  einikeit  zühet  in  in  der  dribcit  an  sieb,  daz  ist  au  sin  rehteii. 

libernatärUcbeR  wonenden  stat,  da  er  wonet  über  sich  selb  in  dem, 

^  in   da  gezogen  hat.     Da  stirbet  der  geiet  al  lebende  in  den. 

IDiIern   der  gotbeit.     Daz   sterben   dez   geistes  lit  dar   an,   daz  er 

lerscbeides  nit  war  nimt  in  siner  Vergangenheit  an  der  eigenlichen 

ichkeit,  mer  nah  dem   ussehlag  haltet  er  underscheid  nah  der 

Mien  driheit  und  lat  ein  ieklieb  ding  underscheidenlich  sin,  daz 

It,  als  der  diener  underscbeidenlich  bat  üb  geleit  an  dem  bücblin 

irarheit.    L'nd  merk  noh  ninen  puncten :  daz  in  der  vordren  ent- 

^nheit  schinet  uss  der  einikeit  ein  ainvaltiges  lieht,  und  dis  wise- 

I  lieht  wirt  geliibtet  von  den  drin  personen   in  die  luterkeit  des- 

Von  dem  inblike   entsinket   der  geist   im  selben   und  aller 

r  eelbsbeit,  er  entsinket  och  der  Wirklichkeit  siner  kret'ten  and< 

cntwörket  und  entgeistet.    Und  daz  lit  an  dem  inschlag,  da  er 

sin  selbsheit  in  daz  fromd  sinsheit  vergangen  und  verlorn  ist, 

itillbeit  der  verklerten  glanzenrichen  düneterbeit  in  der  blossen 


1  togenl.)  nigenlichen  i!)  3fÄ'  4,  gemenden  A  6  als  ^  bekenuen 
P  am  Bande  Paulus  AM.  im  Te.xl  SK  7  erkimtnUBt  M  13  er] 
V  SO  er  fthlt  M  aller  siner  h.  M  22  frouiJ  fthU  M  23  glanz- 
l  M       ncd  [in]  der  .W 

1  »i  =  di«  Sceli.  2—190,1    naeh  Eckhart  518,38  —  519,19   (öla,39- 

m  gnintiii.'h,  statt  angruntlidi  J.  6f.  J  Kor.  13,13.  10  Eekhart 

>  al  sterbende.    J^'g  ist  die  Redt   von  äf  gogen.  mom  mt/ttica. 

.  Veit  der  G*ist  in  der  höc/wten  Vereififfung  nicht  übtr  lieh  'wd  geilte 
t^eklim  (Daiiße  291  A.  1;  S9^A.3:  ö:isA.4.-  S44  A.  1).-  vgl  Bdw 
6.  Wtnn  er  dagtgtn  wieder  su  sich  selber  kommt  (=  Umschlag  Z.  13)  und 
Utrt,  «o  «pirrf  er  »eina-  eigenen  ExigteuB  bfinttgt  und  unltrschtidet  drei- 
HMD  wt  frofl.  19  ff.    IH*  Lehrer  der  Mystik   «agtn,   in   der   höchsten 

„„tmyiiatiim  sn  ein  Schliff,  ein  Schweigen,  ein«  Masse  der  Kräfit  (gomnvs, 
Wtv,  Kpnicrum  aniniiu},  vttil  dit  Seele  während  dieser  Ruhe  in  Gott  jeder 
TtUfieit  teie  entrOekt  und  allem  aussei-  Gott  wie  abgestorbtn  sei.  Dabei  sei 
|iv  Geist  und  Wille  in  hilchster  Weist  und  mit  grSsster  Leichtigkeit  tätig  in 
I  Eiitgehva  ai^f  den  Zug  der  Gnade  und  der  Hingabe  an  Gott.  Vgl.. 
'e291  A.S;  540  ff.    Bonav.,  Hin.  7,3.  6  (p.  473,  476). 


190  Lehen  Seuses.    Kap.  LIII. 

•eiuvaltigen   einikeit.      Und    in    disem    entwistem    wa    lit   du    [79*=" 
h5hstü  selikeit. 

Du  toliter  sprach:  ;,eya,  eya,  wunder!  Wie  sol  man  hier  i/y 
komen?"  Er  sprach:  dar  zfi  lan  ich  entwürten  den  liehten  Dio- 
nysius;  der  sprichet  also  zfi  sinem  junger:  begerest  du  in  die  ver- 
borgen togenheit  ze  komen,  so  trite  kechlich  ufwert,  und  la  vallen 
din  ussren  und  din  inren  sinne  und  daz  eigen  werk  diner  vemnoft, 
und  alles,  daz  gesihtig  ald  ungesihtig  ist,  und  alles,  daz  we^en  ond 
nüt  wesen  ist,  —  zu  der  einvaltigen  einikeit,  in  die  solt  du  dringes 
unwussende,  in  daz  swigen,  daz  do  ob  allem  wesen  ist  und  ob  aller  i 
roeister  kunst  ist,  mit  einem  blossen  abzuge  des  grundlosen,  einval- 
tigen, reinen  gemütes,  hin  in  den  überweslichen  widerglast  der  git- 
liehen  vinstri.  Hie  müss  alle  haft  entheftet  sin,  ellä  ding  gelasseo 
sin,  wan  in  der  überweslichen  drivaltekait  der  fibergegöteten  gotbei^ 
in  dem  togenlichen,  überunbekanten,  uberglestigen,  aller  höhsten  gibel  j 
da  hört  man  mit  stillsprechendem  swigene  wunder,  wunder;  mu 
enpfindet  da  nüwü  abgeschaidnu  unwandelberü  wunder  in  der  üb^ 
liehten  dunklen  vinsterheit,  daz  da  ein  fiberoffenbar  liehtriche  scliii 
ist,  in  dem  da  al  widerluhtet,  und  daz  die  ungesihtigen  vemnnft 
.fiberfället  mit  den  unbekanten,  ungesihtigen,   fiberglestigen  liechteB.1 


Lin.  Kapitel. 

Diss  bAches  meinunge  ein  beschliessen  mit  kurzen  einTaltigei , 

werten. 

Dfi  tohter  sprach :  „ach  herr,  ir  redent,  baidfi  uss  eigem  grund«. 
und  uss  der  heiligen  schrift,  als  gar  kuntlich  und  cristanlich  von  tej 
togenheit  der  blossen  gotheit,   von   des  geistes  usgeflossenheit  nsd 
vwideringeflossenheit;  mohtind  ir  mir  die  togen  sinne  nah  fiwer  ve^i 


4  f.  da  wil  ich  zu  antwürten  lassen  den  1.  D.  M  Dionysius  auch  M 
Rande  A  5  sinen  jungem  SPM  8  ald]  und  M  12  widerglast  —  14 
überw. /ß/*7^  A^        17  nüwü]  nuwent  S  nö  wie  P        18  vinstren  dunkelbüt  Jf 

4 — 20  Dionysius j  De  myst.  theol.  1,1  (vgl.  1,3),  ist  hier  von  Seuu  frd 
benutzt,  wohl  auch  Bonaventura,  Itin.  7,5.6  (p.  473 ff.),  der  ebenfaüs  Di^ 
nysius  zitiert.  10  unwussende,  vgl.  Bonav.,  Itin.  7,5  (p.  473) :  ad  hoc  (9A 

ad  transitum  et  exce^siim  menti«)  nihil  potest  natura,  modicum  patett  mäm 
Stria  etc. :  Brevil.  5,7 :  Spiritus  . . .  quadam  ignorantia  docta  supra  9e  iptßm 
rapitur  in  caliginem  et  excessum.  Belege  aus  Augustinus  und  Richard 
•St.  Viktor  bei  Denifle  2U2  A.  L\ 


Leben  Seuses.    Kap.  LIÜ.  191 

«tentoast  etwie  entwerfen  mit  bildgebender  glichnus,  daz  ich  es  dest 
baz  verstünde !  Und  wölti  och  gern,  daz  ir  mir  alle  die  hohen  sinne, 
die  da  vor  witsweiflich  geruret  sind,  daz  ir  die  mit  kurzer  bildlicher 
rede  zesamen  vassetind,  dar  umbe  daz  sn  minen  kranken  sinnen  dest 
*  beliplicher  wurdin." 

Er  sprach:  wie  kan   man  bildlos  gebilden  unde  wiselos  be- 
wiseo,  daz  fiber  alle  sinne  und  über  menschlich  vemunft  ist?    Wan 
waz  man  glichnust  dem  git,  so  ist  es  noh  tusentvalt  ungelicher,  denn 
es  glich  sie.     Aber  doch,  daz  man  bild  mit  bilden  us  tribe,  so  wil 
ich  dir  hie  biltlich  zögen  mit  glichnusgebender  rede,  als  verr  [80'] 
es  denn  müglich  ist^  von  den  selben  bildlosen  sinnen,  wie  es  in  der 
warheit  ze  nemen  ist,  und  lang  red  mit  kurzen  worten  beschliessen. 
Na  hör:   es  seit  ein  wiser  meister,   daz  got  nah   siner  gotheit 
genomen  sie  als  ein  yil  wite  ring,   des  mitle  punct  sie  allenthalb 
'nod  der  umbswank  niene.     Hie  sezz  in  diner  biltlichen  betrahtung: 
wer  mit  einem  sweren  stein  enmiten  in  ein  still  stendes  wasser  vast 
warfi,  da  wardi  ein  ring  in  dem  wasser,   und  der  ring  von  siner 
kraft  macheti  ain  andern,   und  der  aber  ein  andern,   und  na  ver- 
iftagentheit  dez  ersten  wurfes  werdent  och  die  kreiss  wit  und  breit; 
daz  vermügen  dez  wurfes  möhti  als  kreftig  sin,  daz  es  daz  wasser 
^les  übergiengi.     Hie  nim  biltlich  in   dem  ersten  ringe,   daz  ist  in 
der  vermägenden  kraft  götlicher  nature  in  dem  vater,   dd  grundlos 
ist,  —  di  birt  ir  gelich  einen  andern  ring  nah  der  person,  und  daz 
ist  der  sun,  und  die  zwo  die  driten,   daz  ist  ire  beider  geist,   glich 
^wig,  glich  almehtig.     Daz  bezeichnent  die  drie  kreiss:   vater,  sun, 
beiliger  geist.     In  disem  tiefen   abgrftnde  da  ist  du  götlich   nature 
in  dem  vater  sprechent  und  geberend  daz  wort  her  us  na  persön- 
lichkeit, inne  blibend  na  weslichkeit,  du  an  sich  nam  die  naturlichen 
ixienschheit. 

Wer  nu  daz  wil  bilden,  der  nem  eins  menschen  forme,  uss  dez 
berzen  innigosten  gründe  entspring  ein  glichü  gestalt,  also  daz  es 
die  zit  hab  ein  steren  wider  in.  Disü  geischlichü  überweslichu 
Bebort  ist  ein  volkomnu  sach  aller  dingen  und  geisten  her  für  ze 
bringen  in  ir  natürliches  wesen.    Der  obreste  überwesliche  geist  der 


1  bildberender  M  2  mir  —  3  ir  die  fehlt  F  8  bildlicher  SA^  5  be- 
ipeher  A  16  sweren  fehlt  M  22  iind  [du]  i^rundl.  M  31  entspringt  S 
iiehü]  gotlichft  A^ 

13  Alanus  ab  Insults j  vgl.  oben  17bA:2.  30  ff.   V(jl.   dazu   das  von 

ffise  entworfene  Büd  am  Ende  dkf^es  Kapitels.  32  ff.   Vgl,  oben  179.öß\ 


192  Leben  Seuses.    Kap.  Lin. 

hat  den  menschen  geedelt,  daz  er  im  von  siner  ewigen  gotheit  luhtei 
und  daz   ist  daz  bilde  gotes  in  dem  vernünftigen   gemute,   daz  ocl: 
ewig  ist.     Dar  umbe  usser  dem  grossen  ringe,   der  da  betütet  die 
ewigen  gotheit,  flässent  us  nah  biltlieher  glichnüst  kleinu  ringln,  da 
och  bezeichen  mugen  den  hohen  adel  ire  vern&nftikeit 

Nu  sind  etlichü  menschen,  du  nement  den  schedlichen  vonker 
von  disem  vernünftigen  adel,  sü  verkleibent  daz  lühtend  bilde  und 
kerent  sich  uf  liplich  lüste  diser  weit;  und  so  sü  wenent  die  frid 
besizzen,  so  kunt  der  grimme  tod  und  machet  sin  ein  ende.  Abo* 
ein  bekanter  mensch  von  dem  lichten  fünklin  der  sele  kert  sich  wider  1 
uf  in  daz,  [80""]  daz  ewig  ist,  usser  dem  es  geflossen  ist;  er  git 
allen  creaturen  ein  urlob  und  haltet  sich  allein  zfi  der  ewigen 
warheit. 

Nim  och  nu   eben   war,   wie  der  widerfluss  dez   geistes  nah 
biltlieher  wise  in  rehter  ordenhafti  geschafen  ist.     Daz   erst  bilde] 
ist  ein   lidiger  vonker  von  der  weit  lasten  und  von   süntlichen  ge 
bresten,  sich  vermugentlich  ze  keren  uf  ze  gote  mit  emzigem  gebete, 
mit  abgescheidenheit  und  mit  tugentlichen   bescheiden  Übungen,  of 
ein  undertenig  machen  den  lip  dem  geiste.      Daz  ander  bild  dal 
ist:   sich  willeklich  und  gedulteklich  dar  biten  ze  lidene  die  nnzil-|| 
liehen  mengi  aller  der  widerwertikeit,  so  im  von  got  ald  von  Creator 
mag  zu  gevallen.      Daz  drit  bilde  daz  ist,  daz  er  daz  liden  dei 
gekrüzgcten   Cristus    sol    in  sich    bilden   und   sin   süssen   lere  ond 
senften  wandel  und  luters  leben,   daz  er  uns  vor  trüg,  im  nah  xe 
volgen,   und  also  dur  in  fürbas  hin  in  tringen;   dar  na  mit  einem  I 
enpfallene  dez  ussern  gewerbes  sich  sezzen  in  ein  stillheit  sins  ge- 
mütes  mit  einer  kreftigen  gelassenheit,  als  ob  der  mensch  im  selber 
tod  sie,  sich  selb  niene  ze  füren  noh  ze  meinen,  denn  allein  Criatoi  ^ 
und  sins  himelschen  vaters  lob  und  ere  meinen,  gen  allen  menscheBy 
baidü  fi-ünden  und  vienden,  sich  demütklich  und  früntlich  halten.    \ 

Dar  na  kunt  ein  übiger  mensch  in  ein  entwürken  der  ussren 
sinnen,  die  vor  in  dem  usbrnch  gar  ze  würklich  waren,  und  der  geul 
kunt   in   ein   entsinken   siner   obresten    kreften   nah   ire   floierender 


6  schedL]  beschaidenlichen  (!)  M  19  dem  lip  M  19 f.  daz  ist]  ichlf 
20  dar  ze  bietent  M  21  ald  [von]  MA^  25  [hin  in]  zu  tringen  P  81  ein- 
würken  S       32  [in]  dem  M  33  flogierender  S  florierender  KMA^a 

5  Das  Gleichnis  von  den  Hingen^  die  der  Stein  im  Wasser  büdet^  atteh 
bei  Eckhart  lOöyli'tff,  An  Kmanationslchre  ist  dabei  nicht  zu  denken  (Demß§ 
295  A,  0),  32  ff.   Vgl.  oben  189,19  ff.  und  Detiifle  296  A.  3. 


Leben  Seuses.    Kap.  LIII.  193 

oatürlicbkeit;  in  ein  übernatürlich  enpfintlicbkeit.  Hie  dringet  der 
geist  fürbaz  in  mit  einer  verlornheit  anhaftender  creatnrliehkeit,  dur 
den  ring  in,  der  da  betütet  die  ewigen  gotheit,  und  kunt  da  in 
geistrich  yolkomenheit.  Du  obrest  richheit  dez  geistes  in  siner  eigen 
forme  lit  dar  an,  daz  er  snnder  gebrestlich  swarheit  sich  uf  swinget 
mit  g6tlicher  kraft  in  sin  liehtrichen  vernünftkeit,  da  er  enpfindet 
himelscbes  trostes  emzig  ingeflossenheit.  Er  kan  du  ding  togenlich 
an  sehen  und  vernünfteklich  us  rihten  nah  ire  guten  underscheide, 
und  stat  ordenlich  gefriet  dur  den  sun  in  [81']  dem  sun.  Er  stat 
aber  noh  als  in  dem  usschlag,  nah  der  dingen  in  ire  eigenr  natur 
wamemender  anschownnge.  Dis  mag  heissen  dez  geistes  übervart, 
wan  er  ist  hie  über  zit  nnd  über  stat,  und  ist  mit  minnericher 
fichowunge  in  got  vergangen. 

Der  nu  im  selber  hie  noh  fürbaz  kan  rumen,  und  dem  got 
groslich  mit  Sonderheit  wil  helfen  mit  einem  kreftigen  abzug,  als  er 
Panlus  tet  und  noh  müglich  ist  ze  beschehen,  als  sant  Bernhart 
spricht,  so  wirt  der  creatürlich  geist  von  dem  übervveslichem  geist 
begrifen  in  daz,  da  er  von  eigenr  kraft  nit  mohte  hin  komen.  Der 
insehlag  entschleht  im  bild  und  form  und  alle  menigvaltekeit,  und 
hmt  in  sin  selbs  und  aller  dingen  warnemenden  unwüssentheit,  und 
wirt  da  mit  den  drin  personen  wider  in  daz  abgründ  nah  insweben- 
der  einvaltekeit  in  geswungen,  da  er  gebruchet  siner  selikeit  nah  der 
Mhsten  warheit.  Hie  fürbaz  ist  enkein  ringen  noh  werben,  wan 
daz  begin  und  ende,  als  es  hie  na  mit  bilden  ist  entworfen,  sind 
eins  worden,  und  der  geist  in  entgeisteter  wise  ist  eins  mit  im 
worden.  Wie  aber  du  Vergangenheit,  da  si  in  diser  zit  einem 
menschen  wurdi,  wie  du  na  beliplicher  ald  unbeliplicher  wise  sie 
geschafen,  ald  wie  der  menscli  minr  und  me  in  der  zit  über  zit 
Wirt  in  begrifen  und  sin  selbs  entsezzet  und  in  daz  bildlos  ein  über- 
8ezet,  daz  stat  da  vor  mit  gutem  underscheid  geschriben. 

Fro  tohter,  nu  merk  eben,  daz  disü  ellü  cntworfnü  bild  und 
disü  usgeleiten  verbildetü  wort  sind  der  bildlosen  warheit  als  verr 


5  am  Bande  von  späterer  Hand  Nota  A  11  luiscliow.  —  18  schowunge 
Mit F  V2  mit]  mir  K  18  mochte  K  20  wiirntmeink'r  M  24  als  — 
entworfen  nach  26  worden  M        26  f.   einen  ni.  A        i31  disü  t^llu  feJtlt  M 

9  Joh.  S,S6.  11  librrvart  =  transiius   hei  Bouaveuhira    n'(jl,  oben 

^yOjlO  Anm,),  16  II  Kor.  lL\:i  Jlf. :  Berfuirdutiy  J)c  grad.  htim.  b. 

24  Am  ScfUusa  des  Kapitels.  80  In  Kap.  4ö  n,  ,>.?. 

H,  S  e  u  •  e,  Deaticho  Schriften.  13 


194  Leben  Seuses.    Kap.  LIII. 

and  als  ungeliebt   als  ein  swarzer  mor  der  schönen   sannen,   und 
knnt  daz  von  der  selben  warheit  formlosen,  anbekanten  einvaltekeit 
Du  tobter  sab   uf  andebteklicb   und  sprach:    „gelopt  sie  du 
ewig  warheit,  daz  ich  von  üweren  wisen  und   leblichen  worten  m 
schon  bewiset  bin   dez  ersten  beginnes  eins  anvahenden  meoscheDf  § 
und  der  ordenlicher  mitel  midens  und  lidens  und  ubens  eins  sft- 
nemenden   menschen,   und  mit   gfttem   underscheide  in  togenliehar 
wise  der  aller  nehsten  blossen  warheit.     Dar  umbe  sie  got  ewekM 
gelopt !  ** 


Do  disü  heiligü  tohter  von  irem  [Sl""]  geischlichen  vataril 
adellich  waz  gewiset  na  ganzzer  kristanlicher  warheit  mit  gfttM  J 
underscheid  uff  alle  weg,  die  da  endent  in  hoher  selikeit,  and  •  J 
daz  wol  hat  ergrifen,  als  man  es  denn  in  der  zit  mag  haben,  do 
schreib  er  ir  an  dem  jüngsten  brief  under  andren  dingen  also:  Bi 
dar,  tohter,  gib  der  creatur  urlob  und  la  diu  fragen  f&rbaz  m^  loi 
selb,  waz  got  in  dir  Sprech!  Du  macht  dich  wol  frftwen,  dai  dir 
worden  ist,  daz  mengem  menschen  vor  belibet,  wie  aar  es  dir  tat 
worden ;  daz  ist  nu  alles  da  hin  mit  der  zit.  Dir  ist  nn  fEirbai  irfk 
me  ze  tune,  denn  götlichen  frid  in  stiller  rftw  haben,  and  bSBA 
ze  beiten  der  stunde  diner  zitlichen  Vergangenheit  in  die  YoIkoMV-i 
ewigen  selikeit. 

Es  geschah  kürzlich  dur  na,  do  starb  da  heilig  tohter  all 
nam  ein  selig  ende,  als  och  alles  ir  leben  waz  selig  gewesen.  8 
erschein  irem  geischlichen  vater  na  ir  tode  vor  in  einer  abgeseheidatf 
gesiht,  und  luhte  in  schnewisser  wat  wol  gezieret  mit  Uehtriohitfl 
klarheit  vol  himelscher  fröden.  Si  trat  hin  zfl  ime  and  zogts  iti^ 
wie  adellich  si  in  die  blossen  gotheit  vergangen  were.  Das  ssk  flf 
und  bort  es  mit  last  und  mit  fr6den,  und  ward  sin  sele  ab  dlMf 
gesiht  vol  g6tliches  trostes.  Do  er  zfi  im  selber  kom,  do  sAfiMt  9 
inneklich  und  gedahte:  ;,ach  got,  wie  selig  der  mensch  ist,  der  lii||l 


4  warheit]  wyszhait  K  wort  (!;  P  lieplichen  S  7  menschen  fM  M 
14  also  uiidcr  a.  d.  M  20  f.  in  —  selik.  fehlt  A^  24  von  hier  an  sind  i» 
3/  etwa  6  Zeilen  grossenteils  verwischt  und  nur  schwer  Userlich  abgesdi. 
fehlt  M        28  ab]  von  M        29  ersüfzet  S 

24  f.  D.  h.  in  einer  mehr  intellektuellen,  als  körperlichen  oder  tmapifidrai 
Vision  (Denifle  501  A.  1):  vgl  oben  ISSpff, 


Zweites  Buch. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit 


[82""]  Hie  rahet  an  daz  ander  buchli. 

Es  stand  ein  bredier  ze  einer  zit  nah  einer  metti  vor  einem 
kruzifixus  und  klaget  got  inneklich,  daz  er  nit  konde  betrachten  nah 
siner  martter  und  nah  sinem  lidenne,  und  daz  ime  daz  als  bitter 
waz;  wan  dar  an  hatte*  er  bis  an  die  stunde  gar  grozen  gebrestffl 
gehabt.  Und  do  er  in  der  klage  stänt^  do  kamen  sine  inren  simie 
in  ein  ungewonlich  ufgezogenheit^  und  luhte  im  gar  geswinde  wA 
klarlich  in  also:  „du  solt  hundert  venjen  machen  und  iedie  reqe 
mit  einer  sunderlichen  betrahtnnge  mins  lidennes  und  die  betrahtonge 
mit  einer  begerunge,  und  ein  ieklichs  liden  sol  dir  geistlich  in  g^ 
druket  werden,  daz  selb  durch  mich  wider  ze  lidenne,  als  verre  es 
dir  muglich  ist."  Und  do  er  also  in  dem  Hecht  stund  und  sfi  zellen  J 
wolte,  do  vant  er  nit  me  denne  nünzig.  Do  begerte  er  ze  got  also:  " 
„minneklicher  herre,  du  hattest  gemeinet  von  hunderten,  und  ü  ; 
envinde  nit  me  denne  nünzig.**  Do  wart  er  gewiset  dennoch  rf^ 
zehen,  die  hate  er  vor  in  dem  capittel  genomen,  e  daz  er  nah  siner  3 
gewonheit  die  gelichnüs  sins   eilenden  usfürens  in  den  tot  hetti  be-  j 

A  =  Hs.  Berlin  4^  64(j:  E  =  Engelhtrg  141;  E^  =  Engelberg  15S; 
E  =  Freiburg  Unh\Bibl  474 :  F"^  und  F^  =  Freiburg  Erzbiach.  Archiv  («*«< 
Signatur);  H=  Heidelbei-g  Pal  gtrm.  446:  K=^  Einsiedeln  710;  W=  Wdff»' 
büttel  7.S.  5  Aug. :  Z  =  Zürich  Stadtbibl.  C  Vä :  a=  L  Druck  14S2.  j 

i 


1  Überschrifl  fehlt  EU^F'FUIZ        7  f.  und  klarl.  in  fehlt  F       9  inttl 
inre  F        18  vant  —  !:>  do  fehlt  H       15  vinde  E^        denne  fehlt  K       I7il  j 

dem  tod  F^  j 

2  ff.  Vgl.  Vita  Kap.  lo  und  IG:  Hör.  12.  7  ufi^ezogenlieit  =  Vet^ 
zückung  (quasi  in  vxtasi  positus ,  Hör.  l:J).  12  sü  =  die  lOU  Bdraehr 
tungen.             17  sins  r^   Christi. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Prolog.  197 

und  ander  daz  selb  kruzifixus  were  komen.  Und  do  vant 
die  hundert  betrahtunge  sinen  bittern  tod  von  dem  anvang 
daz  ende  gar  eigenlich  hatten  beschlossen.  Und  do  er  sich 
begonde  üben  nah  dem,  als  er  bewiset  waz,  do  wart  im  dft 
hertikeit  verkeret  in  ein  minneklich  süzikeit. 
u  begerte  er,  ob  vil  liht  ieman  me  in  dem  selben  gebresten 
Q  hertikeit  und  in  bitterkeit  der  betrahtunge  dez  minneklichen 
i,  in  dem  ellü  selikeit  lit,  daz  dem  och  gehulfen  wurdi,  und 
sich  hier  an  ftbti  und  nit  ab  liezi,  unz  daz  er  och  geheilti. 
ir  umb  so  screib  er  die  betrahtunge  an  und  tet  daz  ze  t&tsche, 

im  och  also  von  gotte  waren  worden. 

•ar  nah  gewan   er  mengen   Hechten  iufiuz  gotlicher  warheit, 

im  ein  ursach  waren,  und  stftnt  in  im  uf  ein  kosen  mit  der 

Wisheit;  und  daz  geschah   nit  mit  einem  liplichen  kosenne 

t  bildricher  entwürt,  es  geschah  allein  mit  betrahtunge  in  dem 

jr  heiligen  schrift,   der  entwürt  bi  nüti  getriegen  mag,  also 

3  entwvirt  genomen  sint  eintweder  von  der  Ewigen  Wisheit 

die  si  selber  sprach  an  dem  evangelio,   oder  aber  von  dien 

[83']  lerern;  und  begrifent  eintweder  du   selben  wort  oder 

ben  sin   oder  aber  sogtan  warheit,   du   nah   dem    sinne  der 

i  scrift  geriht  ist,  usser  der  round  du  Ewig  Wisheit  hat  geredet. 

>ie   gesihte,   die   hie  nach   Stent,    die   geschahen   och   nüt  in 

r  wise,  sü  sint  allein  ein  usgeleitü  bischaft. 

>ie  entwürt  von  unser  vrowen  klag  hat  er  genomen  von  dem 

ler  Worten  sant  Bernhardes. 

nd  die  lere  git  er  also  vür  in  vragwise,  dar  umb  daz  si  dest 
iher  sie,  nüt  daz  er  der  si,  den  es  an  gehöret,  oder  daz  er  es 
selber  hab  gesprochen.    Er  meint  dar  inne  ein  gemein  lere' 
da  beidü,  er  und  ellü  menschen,  mugen  an  vindcn,  ein  iek- 
laz,  daz  in  an  gehöret. 

daz  fehlt  F        sines  b.  todes  F        4  dar  an  fehlt  F        7  [in]  hitt. 

IC         9  daz  —  geheilti]   er  daz  och  der  bi  lerneti  F         10  so]   do  Fl^ 

;ot  also  J5*        13  dero]  daz  F       in  in  ^        15  bildlicher  FlI        allein 

fehlt  H  einem  vor   betr.   rot   durchstr,  A  16   betriegen  F^K 

n  E^Fa        oder  aber  —  20  sin  fehlt  K        20  nah]  usser  F       21  heiL 

ger.  hat  F        24  f.  von  den  sinnen  F^         26  als  E^        27  an  ge- 

28  meinde  E^        29  an  fehlt  E'        SO  [daz]  daz  E^        an  höret  E^ 

2  f.  Hör.  10:  visiones  in  sequeniihus  content ae  non  sunt  omnes  accipiendae 
m  Uteram,  licet  midtae  ad  literam  contif/erint,  sed  est  figurata  locutio, 
'gl  Kap.  17.  19.  20.  26  ff.    Vgl.  Hör.  10. 


198  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Prolog. 

Er  nimt  an  sieb,  als  ein  lerer  tun  sol,  aller  menscben  persoi 
nu  redet  er  in  eins  sündigen  menschen  person,  denne  in  eins  vo 
komen  menschen  person^  etwenne  in  der  minnenden  sele  bilde,  da 
nah  als  dn  materie  ist,  in  einer  gelichnüze  eins  dieners,  mit  dem  d 
Ewig  Wisheit  redet. 

Es  ist  nahe  alles  in  togenlicher  wise  us  geleit;  vil  stat  hie  ii 
lerewise,  daz  ein  vliziger  mensche  im  selben  us  kiesen  sol  ze  an 
debtigen  gebeten. 

Die  sinne,  die  hie  stant,  sint  einvaltig;  so  sint  dt  vvort  doI 
einveltiger,  wan  sü  gant  nzzer  einer  einvaltigen  sele  und  gehören 
zu  einvaltigen  menschen,  du  nob  babent  gebresten  ab  ze  legen. 


Es  geschah,  do  der  selb  brüder  die  drie  materien:  daz  lidei 
und  daz  nachvolgen  und  daz  ander  alles,  daz  da  stet,  bäte  an  ge 
vangen  ze  schribenne  und  komen  waz  bis  dar  von  der  rüwe:  nt 
wol  uf  sei  minu  etc.,  do  hatte  er  etwas  stozes  dar  inne.  Also  bak 
er  sich  ze  einem  mitten  tage  geneiget  uf  sinen  stftl,  und  in  einea 
liebten  schlafe  waz  im  vor  gar  bescbeidenlich,  wie  zwei  verschoW 
menschen  in  geischlichcm  schine  vor  im  sessin,  und  daz  er  sü  gai 
berteklicben  strafti;  daz  sü  als  müssig  sazen  und  sich  nit  übten.  De 
wart  im  ze  versten  geben,  er  sölte  inen  ein  nadlun  vedmen,  dd  im 
in  die  hant  wart  gegeben.  Nu  waz  der  vadem  drivaltig  und  zw« 
teil  waren  gar  klein,  aber  der  dritte  teil  waz  ein  wenig  grbux 
Und  do  er  du  drü  teil  zesamen  wolt  trejen,  do  wolt  es  ime  nll 
wol  ze  banden  gan.  So  sibet  er  nebent  ime  ze  der  rehten  hanc 
vor  [83^]  im  unsern  lieben  herren  stan,  als  er  ab  der  sul  wart  g^ 
nomen,  und  der  stünt  vor  im  als  reht  gütlich  und  als  vetterlich,  das 
er  gedaht,   ob  er  sin  vater  were.     Nu  nam  er  war,   daz  sin  zarttfl 

2  denne]  etwenne  E^  7  f.  andehti^em  gebet  J^'F^  9  hie  nach  F  wort 
sinne  F  12  f.  liden  [und]  E»  13  und  d.  nachv.  fehlt  AKa  23  woU  tti 
AKaZ  24  f.  stan  iiach  band  Z  25  wart]  was  FP^  26  reht  vor  vetteii  i 
und  —  vett.  fehlt  E^ 

14  f.  Kap,  5.  17  lieliter  schlaf  =  Viaion  (Hör,  13:  in  visione),  Vj 

dazu  das  Bild  am  SchlufiS  von  Kap.  13.  21  drivaltig,  Anspielung  auf  i 

drei  verschieden  grossen  Teile  des  Bdeiv.  24  ff.  Ahnlicht  Visionmij  dit  < 

bildlichen  Darstellungen  ihre  ünt^lage  haben,  finden  sich  namenUi^  in  i 
Dominikanerinnen viten  des  14.  Jh.  öfters:  Bttleye  bei  E.  Krebs,  Die  Afy«fA 
AdeViansen  i>lf.  25  sul  =  G eisseh äule. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Prolog.  1 99 

lip  gar  ein  natarlich  varw  hatte :  er  enwaz  nüt  reht  wiz,  er  waz 
weisseDYar,  daz  ist  wiz  und  rot  wol  vennigchet  ander  einander,  und 
daz  ist  dt  aller  naturlichest  varw.  Und  nam  war^  daz  alle  sin  lip 
recht  durchwunt  was,  und  die  wunden  waren  vrisch  und  blfttig,  und 

gedieh  waren  sinwel  und  etlich  eggeht,  etlicb  waren  gar  lang,  als 
in  die  geislen  gezerret  hatten.  Und  do  er  also  minneklich  vor  im 
8tünt  und  in  so  gutlich  an  sah,  do  hüb  der  brediger  sin  hende  uf 
und  streich  sA  an  sin  blutigen  wunden  hin  und  her,  aud  nam  denne 
du  drü  teil  des  vadems  und  träte  su  geswind  zesamen.     Und  do 

0  wart  im  gegeben  ein  vermugen  und  verstaut  es  also^  daz  er  es  s61ti 
Tolbringen  und  daz  got  mit  rSsvarwem  kleid,  daz  usser  sinen  wun- 
den wünklich  gewürkt  ist,  die  w61te  in  ewiger  Schönheit  kleiden, 
die  DU  ir  stunden  hie  mit  vertribin. 

Ein  ding  sol  man  wüssen :  als  unglich  ist,  der  ein  süzes  seiten- 

jßspil  selber  horti  suzklich  erklingen  gegen  dem,  daz  man  da  von  allein 
b6rt  sprechen,  als  ungelich  sint  du  wort,  du  in  der  lutren  guade 
werdent  enpfangen  und  usser  einem  lebenden  herzen  dur  einen  leben- 
den munt  US  fliezent  gegen  den  selben  werten,  so  sü  an  daz  tot 
bermit  koment,  und  sunderliche  in  tütscher  zungen ;  wan  so  erkaltent 

Ort  neiswe  und  verblichent  als  die  abgebrochnen  roseo,  wan  du  lust- 
lich wise,  du  ob  allen  dingen  menschlich  herz  rüret,  du  erlöschet 
denne,  und  in  der  türri  der  türren  herzeij  werdent  sü  denn  enphangen. 
&  enwart  nie  kein  selten  so  süze:  der  in  richtet  uf  ein  türres  schit, 
«  erstumbet.    Ein  minnerichen  zungen  ein  unminneriches  herze  en- 

ßkan  als  wenig   verstan,  als   ein   tütscher  einen   walhen.     Und  dar 

2  weissenwar  A  wis  varw  K  4  reht]  gar  2*'  6  zerzerret  E^  zerret  K 
780]  also  r  als  A^  8  denne]  do  AKa  10  er  [es]  jf*^^  11  mit  fehlt  AF 
12  wünklich]  minneclich  E'  15  süs  E  15.18  gen  E'EE'  15  all.  da 
Ton  FF^  20  verblaichent  E^  20  f.  am  Bande  Gregorius  in  prologo  HW 
Jeronimus  E^Z  S.Jö  E^  lusteklich  Z  24  am  Rande  Bemardus  super 
Cantica  E^F^HWZ        Ein  unminnriches  herze  kau  ein  minneriche  zungen  E^ 

2  wiz  und  rot  (Eoheh  5,10),   v(jl.    Tochter  Syon   ed.   Weinhold  1934 ff.; 

Bern,,  sermo  28  in  Cant.  n.  10;  Richard j  von  St,  Viktor  in  Cant,  c.  36.    Weitere 

Mge  bei  Weinhold  517  und  von  Strauch  in  Afda  VIII  (hs82),  6.  19  Es 

iit  auffallend,  wie  Seuse  von  der  deutschen  Sprache,  die  er  doch  ausgezeichnet 

handhabte,  so  gering  denkt.    Im  Horologium   ist  sein  Ai*fschwung  allerdings 

fWcÄ  höher,  24  f.  Bemardus,  strmo  79  in  Cant.  n.  1 :   omnino  non  potest 

capert  ignitum  eloqui'um  frigidum  pectus.   Quomodn  eniin  graece  hquentem  non 

inkttigitj  qui  graecum  non  novit,   nee  latine  loquentan,   qui  latinus  non  est,   et 

äa  de  eaeieris,  sie  litigua  amoris  ei,  qui  non  amat,   harbara  en't,  eritque  sicut 

aes  sanans  aui  cymhalum  tinniens. 


200  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  I. 

umbe  60  sol  ein  vliziger  mensch  den  usvergangen  rünsen  diser  suzeu 
ler  nah  ilen,  daz  er  si  lerne  au  sehen  nah  dem  ursprange^  do  su  io 
ir  leblichi,  in  ir  wünklicher  Schönheit  waren;  und  daz  waz  der  in- 
fluz  gegenwörtiger  gnade,  in  dem  si  tötü  herzen  möhtin  han  erkicket 
Und  swer  sü  also  [88 ']  an  blicket,  der  mag  eigenlich  kumme  iemer  l 
dis  überlesen,  sin  herz  ranze  inneklich  bewegt  werden,  eintweder  ze 
inbrünstiger  minne  oder  ze  nüwem  lichte  oder  jamer  nah  gotte  und 
missevallen  der  sünden,  oder  iemer  zfi  etlicher  geistlichen  begemngc, 
in  der  du  sele  denne  wurt  ernüwret  in  gnaden. 

Hie  hat  ein  ende  der  prologus,  daz  ist  du  vorrede  diss  bucblis.  t 


Erster  Teil. 

I.  Kapitel. 
Wie  etlichü  menscheii  von  got  unwissentlich  werdent  gezogfen. 

Haue  amavi  et  exquisivi  a  iuventute  mea,  et  quae- 
sivi  mihi  sponsam  assumere. 

Disü  w6rtlü  staut  geschriben  au  der  wisheit  buche,  und  «int 
gesprochen  von  der  8ch6nen  minnerichen  Ewigen  Wisheit  und  spre- 
chent  ze  tütsche  also:  „dis  han  ich  gerainnet  und  us  gesftchet  voi 
minen  jungen  tagen  und  han  mir  si  us  erkorn  ze  einer  gemahlen.* 

Es  hate  sich  ein  wilder  müt  in  sinem  ersten  usker  vergangen 
in  die  wege  der  ungelichheit.  Do  begegent  im  in  geistlicher  unsap' 
lieber  bildunge  du  Ewig  Wisheit  und  zoh  in  dur  süz  und  sur,  nni 
daz  si  in  brahte  uf  daz  reht  pfad  der  g6tlichen  warheit.  Und  i^ 
er  sich  reht  hinderdahte  uf  die  wunderlichen  züge,  do  sprach  er  w 

2  [an]  sehen  F^  doj   das  F^  3  in  ir]   mit  A  5  enmag  P^ 

7  und]  oder  zu  einem  E^         9  sünde  E^         9  denne  fehlt  F^  10  hie  - 

diss  (des  A)  büchlis  fehlt  F^FF'HZ  ein  ende  hat  die  vorrede  des  bnddiü 
Wa  13  unwiss.  von  got  F  16  an  der  —  17  gespr.  fehlt  F^  18  ib» 
ze  tusche  E'        [us]  gesüchet  E'        19  und  han  —  gem.  fehlt  F       21  uf  di» 

weg  E^        22  u.  durch  sur  F^ 

I 

14   Weish.  6,5.  21   ungelichheit  -   dissimüüudo,    vgl.  Vita  B6^ 

und  Bern.,  sermo  42  de  dir.  n.  3.    Sense  spricht  hier  von  sich  selbsi,  vgl  dk 
ersten  Kapitel  der   Vita,  namentlich  das  vierte  und  Hör,  16  ff. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  L  201 

gotte  also:  „minneklicher  zarter  herre,  min  gemüte  hat  von  roinen 
kintlichen  tagen  neiswaz  gesücliet  mit  einem  ilenden  turste,  herr, 
Qnd  waz  daz  si,  daz  enhab  ich  noh  nit  volkomenlich  begriffen. 
Herre,  ich  habe  im  menig  jar  hitzeklich  nah  gejaget,  und  enkonde 
mir  noh  nie  reht  werden,  wan  ich  enweiz  nit  reht,  waz  es  ist,  und 
ist  doch  neiswaz,  daz  min  herz  und  sele  nah  im  zühet,  und  ane  daz 
ich  niemer  in  reht  riliwe  kan  gesetzet  werden.  Herre,  ich  wolt  es 
in  den  ersten  tagen  miner  kintheit  s&chen,  als  ich  vor  mir  sah  tun 
io  dien  kreatnren,  und  so  ich  ieme  suchte,  so  ich  ie  minre  vand, 
und  80  ich  ie  naher  gieng,  so  ich  dem  selben  ieme  verret;  wan  von 
einem  ieklichen  inblikenden  bilde  hat  ich  ein  insprechen,  e  daz  ich 
8in  genzlich  versftchti,  oder  mich  mit  rflwe  dar  uf  ergebi,  also :  daz 
ist  nit  daz,  daz  du  da  sftchest.  Und  dis  vontriben  ist  mir  ie  und 
ie  in  allen  dingen  vor  gewesen.  Herre,  nu  wütet  min  herz  dar  nah, 
Wan  es  hetti  es  gerne,  und  hat  wol  dik  als  [88"]  einest  enphunden, 
«^az  es  nüt  ist,  herr,  aber  was  es  ist,  dez  ist  es  noh  unbewiset.  Owe, 
feminter  herr  von  himelrich,  was  ist  es,  ald  wie  ist  es  geschaffen, 
'az  so  recht  togenlich  in  mir  spilt? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Erkennest  du  es  nit?  Es 
tat  dich  doch  minneklich  unibevangen  und  hat  dir  den  weg  dik 
nderstanden,  unz  daz  es  dich  nu  im  selber  allein  hat  gewunen. 

Der  dienen  Herre,  ich  gesach  sin  nie  noch  gehört  sin  nie,  ich 
oweis,  waz  es  ist. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Daz  ist  nit  unbillich,  wan 
er  kreaturen  heimlichi  und  sin  vrömdi  schüfen  daz.  Aber  nu  tu  uf 
inü  inren  ougen  und  log,  wer  ich  si.  Ich  hin  es,  du  Ewig  Wis- 
icit,  du  dich  in  ewikeit  ir  selber  hat  uz  erwellet  mit  dem  umbvange 
ainer  ewigen  vürsichtikeit.  Ich  han  dir  den  weg  als  dik  under- 
tanden,  als  dik  du  werist  von  mir  gescheiden,  ob  ich  dich  hetti 
[clazen.     Du  funde   in   allen  dingen   iemer  etwaz  widerstenes;   und 


1  s.ho  fehlt  E'  3  hab  1?  [noh]  nit  F'  volleclich  h?  4  im  nu  E^ 
^]  DU  F  konde  E^  5  wais^  F^  7  öre;*.  kan  w.  E^  11  inblikeu  K 
^t  daz  ist]   ich  hin  E^  13  [dazj   daz  F         suchtest  K  15  es]  ich  E^ 

H  hab  E^  wol  nach  eiuest  E^  IG  was  es  aber  E^F^a  20  doch  dik  F 
?DOch]  und  Ka  noch  geh.  s.  nie  fehlt  AHZ  sin]  si  K  en  cc  ich]  und  Ä 
i  Entwürt  —  Wisheit]    die   ewig   wisheit   F^    tso  s-tvtsf)  25   creature  E^ 

dik  fehlt  F^        30  widerstants  K 

1  ff.    Im  folgenden  sind  die  Conft\sf(iones  dts  hJ,  Augustinus  htnüizt,  be^ 
der»  Xy  6'. 


202  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  I. 

daz  ist  daz  gewerest  zeichen  miner  uzerwelten,  daz  ich  sü  mir  selbe 
wil  haben. 

Der  diener:  Zartü  minneklichü  wisheit,  und  bist  du  daz,  daj 
ich  so  reht  lange  han  gesüchet?  Bist  du  daz,  nah  dem  min  mtt 
ie  und  ie  rang?  Owe,  got,  war  umbe  erz6igte8t  du  dich  mir  nit  do 
vil  lang?  Wie  hast  du  es  so  rehte  lange  gesparet!  Wie  han  ich  so 
mengen  mülichen  weg  gewatten! 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Hetti  ich  daz  do  getan, 
80  erkandist  du  nit  als  enphintlich  min  gflt,  als  du  es  sus  erkennest 

Der  diener:  Owe,  grundloses  göt,  wie  hastu  dich  nn  so 
süzeklich  in  mir  gegutet!  Do  ich  nit  waz,  do  gebe  du  mir  wesen; 
do  ich  mich  von  dir  hate  gescheiden,  do  enwoltest  du  nit  von  mir 
scheiden;  do  ich  dir  endrinnen  wolt,  do  hattest  du  mich  so  süzek* 
lieh  gevangen.  Eya,  Ewigü  Wisheit,  wan  möhti  sich  nu  min  hcn 
in  tusent  stuk  uf  brechen,  und  dich  mins  herzen  wunne  umbvahci 
und  mit  steter  minne  und  ganzem  lobe  alle  mine  tage  mit  dir  ye^ 
zerren,  daz  were  mins  herzen  girde!  Wan  gewerlich  der  mensch  iit 
selig,  den  du  also  minneklich  vürkumist,  daz  du  in  niene  reht  liit 
gerüwen,  unz  daz  er  sin  röwe  in  dir  alleine  suchet. 

Ach  uzerweltü,  minneklichü  wisheit,  [89']  sider  ich  nu  an  dir 
vunden  han,  den  min  sei  da  minnet,  so  versmahe  nit  din  anntt 
kreatur;  sich  an,  wie  gar  min  herz  erstumbet  ist  gegen  aller  diser 
weit  in  lieb  und  in  leide !  Herr,  sol  min  herz  iemer  ein  stumbe  geg« 
dir  sin?  Gib  urlob,  gib  urlob,  geminter  herre,  miner  eilenden  fld, 
ein  wort  ze  dir  ze  sprechenne,  wan  min  volles  herze  mag  es  nit  nwf 
alleine  getragen;  so  hat  es  in  diser  witen  weit  nieman,  gegen  de« 
es  sich  erküle  denne  gegen  dir,  zarter,  uzerwelter,  geminter  herra 
und  brüder!  Herre,  du  sihest  und  weist  allein  die  natur  eins  mioB* 
riehen  herzen  und  weist,  daz  nieman  mag  minnen,  daz  er  in  keincf 


1  ist]  ich  (!)  K  1  f.  sü  wil  alleine  mir  s.  h.  E'  4  reht  fehlt  P9 
7  gewandelt  F  8  am  Bande  Thomas  K^HZ  do]  vor  F^  11  gütet  * 
17  hegirde  FK  18  verkumest  Z  last  reht  E^  19  r&wen  F^  tlldü 
in  dir  F^FF^  21  din]  min  F  22  verstumbet  F^  23  iemer  und  iemcr  JP 
24  min  geminter  h.  E^  25  enniag  AK  28  und  brüder  fthU  F  29  eiutf| 
AFK 

6  f.  V(jl.  Weish.  5,7.  8  Stuse  hat  wohl  Thomas,  S,  Th.  3q.la.6hi 

nützt.  18  f.  Vgl  Augustinus,  Confess.  i,  1:  quia  ftcisti  nos  ad  te,  ttitifitk 

tum  est  cor  nostrum,  donec  requiescat  in  te.  27  f.  herre  und  brüder.     Cil 

die  Bezeichnimgerij  in  denen  das  Verxcandtschafts Verhältnis  zwischen  Gott  um 
der  begnadeten  Seele  zum  Ausdruck  kommt,  vgl.  die  Zusammenstellungen  I 
Weinhold j  Lamprecht  ron  Heg.  534 f.:  Strauch,  Marg.  Ebner  316 f. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  I.  203 

ise  enkan  bekennen.  Dar  umbe,  sider  leb  dich  nu  allein  8ol  minnen, 
gib  dich  mir  noh  furbaz  ze  erkennene^  daz  ich  dich  och  genzlich 
mionen  künne. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisbeit:  Den  höbsten  usfluz  aller 
sen  von  ir  ersten  Ursprünge  nimet  man  nach  naturlicher  ordenunge 
"cb  du  edelsten  wesen  in  du  nidersten ;  aber  den  widerfluz  zft  dem 
prange  nimt  man  durch  du  nidersten  in  du  höhsten.  Dar  umb, 
t  du  mich  schowen  in  miner  ungewordenen  gotheit,  so  solt  du 
)h  hie  lernen  erkennen  und  minnen  in  roiner  gelitnen  menscheit; 
D  daz  ist  der  schnellest  weg  ze  ewiger  selikeit. 

Der  diener:  Herre,  so  ermane  ich  dich  hüt  der  grundlosen 
me,  daz  du  dich  neigtest  von  dem  hohen  throne,  von  dem  kunk- 
len  st&le  des  vätterlichen  herzen  in  eilend  und  verschmeht  drü 
i  drizig  jar,  und  din  minne,  die  du  z&  mir  und  ze  allen  menschen 
ins&ij  aller  meist  erzöigtest  in  dem  aller  bittersten  lidenne  dins 
mmen  todes;  herre,  des  bis  eimant^  daz  du  dich  miner  sele  geist- 
1  erzögest  in  der  minneklichsten  gestalte  dar  zft  dich  da  unmezig 
one  ie  brahte. 

Entwurt  der  Ewigen  Wisheit:  So  ich  ie  versigner,  ie 
lieber  von  minnen  bin,  so  ich  einem  reht  geordneten  gemüte  ie 
ineklicher  bin.  Min  grundlosü  minne  erzöigt  sich  in  der  grozen 
terkeit  mins  lidennes  als  du  sunne  in  ir  glaste,  als  der  schone 
e  in  sinem  smacke,  und  als  daz  starke  vür  in  siner  inbrünstigen 
ze.  Dar  umbe  so  bore  mit  andahte,  wie  herzeklichen  durch  dich 
itten  ist. 


1  kan  E*F       erkennen  K        nu  fehlt  F        3  kiiiine  gem.  K^        4  am 
nde  Thomas  AE^F'H  alle  E  6  [widerlfluz  ?:'  13  und  in  v.  F 

erzoiget  F  17  aUer  minneklichsten  AKaKK^  du]  din  E^  18  be- 
Bhte  (!)  K        19  ich  [ie]  F^        ersigeuer  iV*        24  so  fehlt  F^ 

4  Vgl,  Thomas,  S,  Th.  1  q,  44:  ])e  procisaione  creaturaruvi  a  Deo.  Sense 
mt  hier  die  Schöpfung  (gegen  Den.  314  A.  ^),  vgl.  Hör.  Q5:  processus  ema- 
■ionis  Cftaiurarum  a  summo  verum  rertice  deo  sccuiulum  ordinem  naturae 
per  descensum  ex  perfectioribus  ad  inperfectiora;  ähnlich  Hör.  iiOö,  Zur 
klärung  Dtnifle  295  A,  1:  519  A,  1,  An  Fantheismus  ist  nie  bei  Kap.  ö3 
Vita  u.  Kap.  3  des  Bdw  nicht  zu  denken.  8  tt.  Ein  den   Vdtern  sehr 

iufiger  Gedanke  (vgl,  Rom.  8,1?),  die  via  rer/ia  (Hör.  25)  der  Mystik  hezeich- 
d:  vgl.  Äug,,  Tract,  13  in  Joann.  n.  4:  per  Christum  hominem  ad  Christum 
<m  (vgl,  Tract,  42  n,  S ;  sermo  141  n.  4,  2(J1  n.  7) :  Thomas,  Comp,  theol.  c.  2: 
isti  humanitas  via  est,  qua  ad  JJivinitatem  pervenitur  (vgh  id.  in  Joann. 
t;  Quodl,  6  a,  20).  Eine  Zusammenstellung  aus  deutschen  Mystikern  gibt 
iflt,  Das  geistliehe  Leben  '  ISSo,  309  ff. 


204  Büchlein  der  Ewigeu  Weisheit.    Kap.  IL 

II.  Kapitel. 
[89^]  Wie  es  vor  dem  krtizgenne  ergle. 

Nach  dem  jüngsten  nahtinal,  do  ich  mich  uf  deme  berge  ergab 
in  daz  liden  des  grimmen  todes,  do  ich  bevant,  daz  er  mir  gegen- 
würtig  was,  do  ward  ich  von  angsten  mines  zarten  herzen  und  ?on 
noten  alles  mins  libes  nature  hin  vliezende  von  dem  blutigen  sweis. 
Ich   wart  vientlich  gevangen,  strenklich  gebunden,  ellendklich  ver* 
füret;   ich  wart  der  naht  mit  streichen,   mit  verspoizenne,   mit  ver- 
bindenne  miner  ogen  lästerlich  gehandelt,   vrflje  vor  Cayphas  ver- 
sprochen  und  in  den  t5de  vür  schuldig  ergeben.  \  Unsäglich  herz-  u 
J      leid  sah  man  an  miner  reinen  mfiter  von  dem  ersten  anbüke,  in  dem 
si  mich  in  nöten  sah,   unz   daz  ich   an   daz  krüze   wart  erhangen.J 
Ich  wart  vür  Pylatus  schamlich  gestellet,  valseblich  gerüget,  totlicb  i 
verdamnet;  sü  stünden  gegen  mir  mit  griiwlichen  ogen  als  die  riseo 
gewegenlich,  und  ich  stund  vor  in  als  ein  lämbli  senftmütklich.  leb,  i 
du  Ewig  Wisheit,  ward  vor  Herodes  in  wissen  kleidem  torlich  ver- 
spottet,   min   schöne    lip  wart   so  gar   leitlich   von   dien   ungezogen 
geiselschlegen  zerfüret  und  zermüstet,  min  zartes  hobt  durgraben  und  ( 
daz  minneklich  antlüt  mit  Speichel  und  mit  blftte  vernmnen ;  und  wart 
also  verteilet  ellendklich  und  schamlich  mit  minem  krüz  us  gefaretll 
in  den  tod.     Sü  schrüwen  uf  mich  vil  grüwlich,  daz  es  in  den  luft 
uf  trang:  „nu  henka,  henk  den  bösen  wiht!"  . 

Der  diener:   Owe  herr,   der  auvang   ist  als  gar  bitter,  wie  i 

*  1  OTT!  t_*l_*  'll  A.*  1  «Mktff      i 

liden  dur  min  herze  und  dur  min  sele  gan! 

Aber  herre,  daz  ist  ein  groz  wunder  in  minem  herzen:  minDek- 
licher  herr,  ich  such  alles  diu  gotheit,  so  bütest  du  mir  din  men^cbeit; 
ich  sflch  din  süzigkeit,  so  hebest  du  vür  din  bitterkeit;  ich  woH 
alles  sugen,  so  lerest  du  mich  striten.  Ach  herr,  waz  meinest  du 
hie  mitte? 


sol  es  ein  ende  nemen?    Und  sehe  ich   ein  wildes  tier  also  vor  mir 
handien,  ich  möhte  es  kume  erliden ;  wie  sol  mir  denne  so  billich  di» 


] 


2  kriiz<rang  K        3  deme]  den  FF^        7  f.  gefuret  F^        8  Id  der  nahtf 
8  f.   im<l   mit  verb.   E^FF^  9   schonen   ogen  F   claren   durchstrichin  Ik* 

11  reinen]  lieben  FF^  12  unz]  bis  E^  15  geweg.]  gemeinlich  F  18  ux- 
müschet  F^  20  f.  us  in  den  tod  gef.  F  24  vor  mir  also  F^J^^  25  f.  dii 
liden  so  b.  E^        28  mir  als  d.  m.  F        29  du  mir  F 

18  durgraben  von  den  Doimm.  22  Bor.  :26:  tolU^  ioUe,  crucißge  ■wte- 

ficum !  29  f.  L,  c. :  petenti  mamillas  sngere  das  robusta  ceriamina  dec4rtaft» 


:r 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  II.  205 

Entw&rt  der  Ewigen  Wisheit:  Es  mag  »nieman  komen 
2e  göüicher  hocheit  noch  ze  ungewonlieher  süzikeit,  er  werde  denn 
yoT  gezogen  dur  daz  bilde  miner  menschlichen  bitterkeit.  So  man 
ane  daz  durcbgan  miner  menscheit  ie  höher  uf  klimmet,  so  man  ie 
6  tieffer  Teilet.  Min  menscheit  ist  der  weg,  den  man  gat^  min  liden 
ist  daz  tor,  durch  daz  man  gan  mftz,  der  zu  dem  wil  komen,  daz 
du  da  suchest.  Dar  umbe  tu  [90']  hin  dines  herzen  kleinheit  und 
tritte  zu  mir  in  den  ring  ritterlicher  vestekeit,  wan  dem  kneht  ge- 
zimt  nit  wol  Zartheit,  da  der  herre  stat  in  stritberlicber  künheit. 
Ich  wil  dir  minü  wafenkleit  an  legen,  w^an  alles  min  liden  müz  von 
dir  nah  dinem  vermugenne  werden  gelitten. 

Setze  dich  vorhin  uf  ein  Verwegenheit,  wan  din  herz  müz  dik 
sterben,   e  daz  du  din  natur  überwindest,   und  von   angsten  den 
blitigen  sweis  switzen  von  mengem   pinlichem  lidenne,   in  dem  ich 
&h  mir  wil  bereiten-,  wan  ich  wil  dinen  wurzgartten  mit  roter  blüst 
tungen.     Du    m&st    wider  alt   gewonheit   gevangen    und   gebunden 
Werden;   du  wirst  von  minen  widersachen   dik  heimlich   gevelschet 
ööd  offenlich  geschamget;  manig  valsche  urteil  der  lüten  wirt  über 
dich  g&nde.     Min  marter   solt  du   emzeklich   in   dinem  herzen   mit 
Biüterlicher  hcrzklicher  minne  tragen.     Du  gewinnest  mengen  argen 
rihter  dins  götliohen  lebens;  so  wirt  din  g6tlichü  wise  von  mensch- 
licher wise  dik  torlich  verspottet.     Din  ungeübter  lip  wirt  gegeiselt 
öiit  dem  herten  strengen   lebenne;    du  wirst  spotlich  gekrönet  mit 
einem  vertrukenne  dins  heiligen  lebens.    Dar  nach  wirst  du  mit  mir 
ö8  gefuret   den  eilenden  krüzgaiig,   so  du   dins  eigennen   wrllen  us 
gest,  und  dich  din  selbs  verzihcst  und  aller  kreatur  als  warlich  ledig 
stast  in  dien  dingen,  die  dich  dines  ewigen  heiles  mugen  ierren,  als 
ein  sterbender  mensch,   so  er  hin  zühet  und  mit  diser  weit  nit  me 
ze  schaffen  hat. 

Der  diene r:  Owe  herr,  daz  ist  mir  ein  müliches  spil!  Ellü 
min  natur  erkunt  sich  diser  wort,  herr,  wie  sol  ich  daz  iemer  alles 
erliden?  Zarter  herr,  ich  mftss  eins  sprechen:  enkondest  du  in  dincr 


1  enmag  E*F  4  [uf]  climmct  7''^  8  f.  ziramet  F'  IH  sterben  FF^ 
15  rotem  blät  F^  18  vasche  (!)  A  21  irutlicheii  F^  24  heil.]  i^^otlicheii  F 
26  dich  fehlt  E^  27  stat  F  in  d.  d.  —  krren  fehlt  FJ  v^\\<r(i\\]  eigenen  F 
30  diss  /♦'*         31  erküt  sich  von  diser  red  F        alles  fehlt  AF 

5  f.  Vgl.  Vita  Kap.  13  m/jß',).  10  Vfjl  Vtia  Ko},.  44,  15  rok- 

blüst  =:=  Leiden  (angustiae  et  trihulationesj  Hor.:JU),  10  /..  c:  inretenitas 

in  ie  consuetudines  vincendo  captivabens  tt  r/unsj  h'gaheris. 


206  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  IL 

ewigen  wisheit  kein  ander  wise  vinden,  mich  ze  behaltenne  und  dlz 
njinne  mir  ze  erzöigenne,  daz  du  dich  des  grozen  lidens   nnd  mich 
dez  bittem  mitlidennes  hettist  überhebt?  Wie  schinent  dinä  gerib^ 
80  reht  wunderlich! 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Dem  grundlosen  abgründ 
miner  t6gni,  in  der  ich  ellü  ding  us  riht  nah  miner  ewigen  vürsicb- 
tikeity  sol  nieman  nah  gan,  wan  sü  kan  nieman  begrifen.  Und  in 
der  so  waz  beid&,  dez  und  menges  anders  ein  vermugen,  daz  doch 
niemer  geschiht. 

Doch  so  wissest  daz,  daz  in  der  ordnunge  nu  du  [90^]  usgefloz-  ] 
nä  wesen  sind,  daz  enkein  behaglicher  wise  enmoht  werden.    Der 
herr  der  natur  nimet  nit  war,  waz  er  vermag  in  der  natur,  er  nimt 
war,  was  einer  ieklicher  kreatur  aller  gezemest  ist,  und  dar  nah  so 
würket  er. 

Wie  moht  nu  der  mensch  baz  erkennen  die  gfttlichen  yerboMl| 
genheit,  denn  in  der  angenomenen  menscheit? 

Der  von  ungeordneter  wollust  hate  vröd  verlorn,  wie  moht  der 
ordenlicher  ewiger  vröde  bewiset  werden? 

Wie  moht  der  ungeübt  weg  eins  herten  verschmehten  lebcni 
getribenr    werden,     denne    so    er    von    got    selb    selber    getribeill 
wurde  ? 

Legist  du  denne  in  dem  gerihte  des  todes:  der  den  totschUg 
vür  dich  enpbienge,  wie  konde  er  dir  mer  trüwen  und  liebi  erz6igcn, 
oder  dich  hin  wider  gereizen  sich  ze  minnenne? 

Swen  denn  min  grundlosu  minne,  min  unsaglichü  erbarmhen-  0 
keit,  min  klaru  gotheit,  min  aller  J&tzeligistü  menscheit,  brAderlicki 
trüwe,  gemahellichü  vrüntschaft  nit  beweget  ze  inneklicher  minnc 
was  solti  denn  daz  ersteinte  herz  erweichen? 


■{ 


1 

— ■  i 

3  bittern  fehlt  F         b  am  Rande  Thomas  E^         8  mengea  fekU  P 

10  als  nu  ÄKa  11  daz  fehU  ÜJ'F^  behagenlicher  JE*  moht  E'P 

12  am  Rande  Augustinus  E'Z         13  einer  fehlt  E^         ist]  si  E*         16  be 

kennen  F        20  getriben  werden  AKaFZ        23  dir  der  mer  E^        trüw  f^    ] 

24  hin  wider  fehlt  F       sich  fehlt  F  dich  F*        27  gemahelte  F^  i 

i 

3  Rom,  11,33,  6  ff.  Weitere  Ämfiihrumj  Hör,  SO,    Das  ThtmaiP^ 

bezieht  sich  wohl  auf  S,  Th.  3  q.  1  a.  2.  12  Das  Äugustinussitat  (De  TrM> 

XIII,  10  n.  1),  wohl  aus  Thomas  /.  c.  entnomtnen,  gehört  bu  Z,  15.  17  Fpl 

Hör.  31 :  qualiter  ordinatius  quam  per  temporalem  tnbulationem  amissa  (gaiM) 
recuperare  dihuerat  ?  19  L,  c. :  cum  via,  quae  ducit  ad  vf<am,  sü  arU  d 

semitae  angusiae  et  ante  incarnationem  fuerint  minus  iritae  etc. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  III.  207 

Vrag  aller  kreatnr  schön  ordnunge,  ob  ich  in  keiner  wünk- 
ier  wise  min  gerehtkeit  mAhti  behalten^  min  grundlosen  erbarm- 
rzkeit  erz&gen,  menschlich  natur  geedeln,  min  guti  entgiessen,  himel- 
h  und  ertrich  versunen,  denn  mit  minem  bittern  tode? 

Derdiener:  Herre,gewerlich,  ich  beginne  eigenlichen  merken, 
\  es  also  ist;  und  swen  nnverstandenheit  nut  hat  geblendet  und 
i  hier  uf  reht  hinderdenket,  der  müz  dir  des  jehen  und  die 
önen  mineklichen  wise  ob  aller  wise  rümen.  Aber  einem  tr&gen 
)  tat  daz  nachvolgen  we. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Erschrik  nät  ab  deme 
lYolgenne  mins  lidens;  wan  swem  got  als  inr  wirt,  daz  ime  daz 
in  licht  wirt;  der  hat  nüt  ze  klagenne. 

Mich  nnzet  nieman  me  nah  ungewonlicher  säzikeit,  denn  die, 
mit  mir  stant  in  der  hertsten  bitterkeit. 

E^  klaget  nieman  als  vil  bitterkeit  der  hülschen,  als  der,  dem 
kant  ist  du  iure  s&zikeit  dez  kernen. 

Es  ist  halb  erstritten,  swer  hat  einen  gftten  gehilfen. 

Der  diener:  Herr,  dinu  trostlichen  wort  hein  mich  als  ge- 
rz  gemaehet,  daz  mich  dunket,  ich  vermuge  in  dir  ellü  ding  tun 
d  liden.  Dar  umbe  beger  ich,  daz  du  mir  den  hord  dins  lidens 
Qzlich  uf  schliesses^,  und  mir  noch  me  da  von  sagest. 


III.  Kapitel. 

[91']  Wie  es  an  dem  kriiz  nmb  In  stund  nah  dem  ussren 

menschen. 

Entwärt  der  Ewigen  Wisheit:  Do  ich  an  dem  hohen 
ie  des  kruzes  vür  dich  und  ellü  menschen  von  grundloser  minne 
langen  ward,  do  wart  ellü  min  gestalt  vil  jemerlich  verkert.  Minü 
iren  ogen  erlaschen  und  wurden  verkeret;  minü  götlichen  oren 
irden  spottes  und  lasters  erfüllet,  min  edels  riechen  waz  verwan- 


1  creaturen  F         6  nüt]   nü  ^  7  bedenket  F^  8  ob  aller  wise 

H  F^        einen  K        18  [herr]  disü  F        19  eUii  d.  in  dir  Z        25  Entw. 
T\laheit  fehlt  AF^HK        27  f.  minü  kl.  o.  —  verkeret  fehlt  F' 

1  flF.  Die  Kongraentgründe  für  ClirisH  Menschwerdung  und  Leiden  (nullus 
hrior  et  eongruentior  modus,  Hör,  31)  gibt  Sense  ganz  im  Anschluss 
lie  Scholastik  (Thomas,  S.  Th.  3  q.  19  sqq.:  Comp,  theol  rerit.  IV,  6.  9.  19). 
9  Fhil  4,13. 


208  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.     Kap.  III. 

delt  mit  bösem  smak,  min  suzer  mund  mit  bitterm  tränke,  mi 
zartü  berürde  mit  herten  schlagen.  Do  gebrast  mir  alles  ertriche 
ze  einer  kleinen  rüwe,  wan  es  waz  min  götlichs  hobt  von  ser  nsd 
Ungemach  geneiget.  Min  gemeitü  kele  waz  vil  ungezogenlich  ge- 
streichet, min  reines  antlut  mit  speichel  gar  verunreint,  min  latrn 
varw  erbleichet.  Sich,  do  ertodet  min  schönü  gestalt  als  gar,  ab 
ob  ich  es  were  ein  ussezling,  und  ich  es  du  schön  wisheit  nie  were 
worden. 

Der  diener:  0  du  so  reht  lützeliger  Spiegel  aller  gnaden, 
in  dem  die  himelschen  geiste  ir  ogen  ermeient  und  erwitterent,  wan 
hetti  ich  din  gemintes  antlut  in  der  tötlichen  wise,  unz  daz  ich  es 
mit  mins  herzen  trehneu  wol  durchgusse,  unz  daz  ich  du  schineo 
ogen,  die  lichten  wangen,  den  zartten  mund  so  erbleichet  und  er- 
todet durschoweti,  daz  ich  min  herz  mit  inneklicher  klag  ob  im  wol 
erkfllti ! 

Ach  minneklicher  herr,  din  liden  gat  etlichen  lüten  als  nah  ze 
herzen,  die  kunnen  dich  als  inneklichen  klagen  und  mugen  dich  ab 
herzklichen  weinen;  ach  got,  wan  könd  und  möht  ich  nu  ellu  min- 
nenden  herzen  mit  klag  verwesen,  wan  möhte  ich  aller  ogen  lichte 
trehen  gereren  und  aller  zungen  kleglichu  wort  gesprechen,  so  w61t 
ich  dir  hüt  erzöigen,  wie  nahe  mir  din  eilendes  liden  lit! 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Es  erzöiget  nieman  bax, 
wie  nahe  im  min  liden  gat,  denn  der  es  treit  mit  mir  an  erzöigunge 
der  werke.  Mir  ist  lieber  ein  lediges  unbekumbert  herze  von  aller 
zerganklicher  minne  mit  stetem  vlize  ze  ervolgenne  daz  nehstenaki 
einem  uswürkenne  mins  vorgebildeten  lebens,  denne  ob  du  mich 
iemer  klagtist  und  als  mengen  treben  von  weinenne  miner  marter 
rcvtist,  als  meng  trophli  wassers  von  himel  ie  geregnet;  wan  dai 
nahvolgen  waz  ein  sach,  dar  [Ol""]  umb  ich  den  bittem  tod  leit, 
swie  mir  die  trehen  och  gar  minnklich  und  genem  sien.  .    ' 

Der  diener:  Owe,  zarter  herr,  sid  dir  denne  ein  lieplichcs 
nahvolgen   dius   senftmütigen  lebenncs   und  dins   minnericheu  liden« 

2  •rel)ra]it  F  3  [es]  min  g.  höbet  waz  E^J'  4  waz  fefdi  i''  7  [«) 
wori  ein  ussezzip^cr  mensche  /'  were  nach  ussezling  E^  ussezig  K  10  «^ 
witrent  E^HKZ  11  p^emintes]  gemeites  AK  minigkliches  «  14  to  ^^ 
weti  F  16  miiuieker  (!)  A  23  mit  mir  fehlt  E^  erzoiren  F^  30innec* 
lieh  [und]  F        31  zart<T  fehlt  F'        dir  fehlt  AK 

Gf.    V<jl.  Is.  53,4.  10  Hur.  o3:  iocttndi.'^smiit  obtntibus  suos  gandt^i 

oculos  defigere  felicitate  indefessa. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  IV.  209 

80  gar  minneklich  ist^  so  wil  ich  na  värbaz  minen  fliz  me  legen  nf 
ein  minnekliches  nahvolgen  denn  uf  ein  weinliches  klagen,  wie  ich 
ni  beidü  nah  dinen  worten  sül  haben.  Und  dar  umb  so  lere,  wie 
ieb  mich  dir  sul  geliehen  an  disem  lidenne. 

5  Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Brich  dinen  last  an  ver- 
lasener  gesiebt  and  üppiger  gehörde;  laze  dir  wol  schmaken  von 
minnen  and  lastig  sin,  daz  dir  vor  wider  waz,  leg  ab  dar  mich  Zart- 
heit dins  libes.  Da  solt  alle  din  rfiwe  in  mir  suchen,  liplich  an- 
gemach  minnen,  vrömdes  übel  willeklich  liden,  verschmeht  begeren, 
dinen  begirden  erbleichen  and  allen  dinen  gelüsten  ertoden.  Daz 
ist  der  anevang  in  der  schule  der  wisheit,  den  man  liset  an  dem 
ii%etanen  zertenneten  buch  mines  gekrüzgeten  libes.  Und  lüge,  so 
ein  mensch  getfit  alles  sin  vermagen,  ob  mir  dennoh  ieman  in  aller 
diser  weit  si,  als  ich  im  bin? 


IV.  Kapitel. 

Wie  reht  getrüwllch  sin  liden  waz. 

Der  diener:  Herre,  so  ich  vergisse  diner  wirdekeit,  diner 
gäbe,  des  natzes  and  aller  ding,  so  ruret  mich  dennoch  ein  ding  als 
teht  nahe,  daz  ist,  so  ich  recht  hinderdenk  nit  allein  die  wise  ansers 

^  keiles,  och  die  grandlosen  getrüwen  wise.  Herr,  es  git  menge  dem 
tadem,  daz  man  sin  liebi  and  sin  trüwe  baz  an  der  wise,  denn  an 
d^  gäbe  verstat:  ein  kleinü  gäbe  in  getrüwlicher  wise  tut  dik  baz, 
denne  ein  grözü  ane  die  wise.  Herr,  na  ist  nit  alleine  din  gäbe 
groz,  och   du  wise  danket  mich  als  reht  grandlos  getrüwlich.     Da 

^hsü  nit  allein  den  tot  vür  mich  gelitten,  da  hast  och  daz  aller 
Inaderste,  daz  aller  nehste,  daz  verborgnest  aller  minne  gesflchet,  in 
dem  man  liden  kiesen  kan  oder  mag.  Da  hast  reht  getan,  als  ob 
du  sprechist:    „lügent  ellü  herzen,  ob  ie  kein  herz  so  vol  minnen 


1  m.  flis  fürbas  i''       me  fehlt  F       2  minneriches  E^        3  lere  mich  F 

4  aD  di8.  1.  fehlt  F       5  d.  lust]  dinem  lip  ab  F        7  lustlich  E^        8  f.  1.  ung. 

ainnen  fehlt  AKaH       11  da  liset  AKaH       12  krützegoten  E^        13  in  — 

U  weit  fehlt  F^        14  diser]  der  E^        im  fehlt  K        16  getrüwe  E'     '    17  d. 

diener /eÄÄ  AF^      23  nit^tt  F       24  dunk.  mich]  ist  F       26  vür]  durch  F"^ 

och  daz  —  27  du  hast  fehlt  K         25  f.  daz  aller  h.  fehlt  FH         26  hund.] 

piniichost  E^        27  kiesen]  sftchen  F^        als  [ob]  F 

9  VTomdes  übel  =  mala  ülata  (Hör.  33).  11    Vgl.  l.  c.:  haec  sunt 

nquam  prima  principia. 

H.  Seuie,  Deatiche  Schriften.  14 


210  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  IV. 

wurde?  Sehent,  werin  ellü  minü  gelider  daz  edelste  gelid,  daz  s 
mir  ist,  daz  ist  daz  herz^  daz  wolt  ich  lazen  durwnnden  und  tot^ 
und  uf  zerren  und  in  kleinü  stuk  zermalen,  daz  nüt  in  mir  nob  ai 
mir  belibe  ungegeben,  daz  ir  [92']  min  minne  erkandent.**  Aei 
herr,  wie  waz  dir  ze  mute,  oder  wez  gedehte  du?  Du  werest  es 
doch  wol  noh  naher  zu  komen? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Do  begerte  nie  kein  io- 
turstiger  mund  so  bitzeklichen  eins  kalten  brunnen  noch  kein  ster- 
bender mensche  des  vrölichen  lebtagen,  als  ich  begertC;  daz  ich 
allen  sündem  gehulfe  und  mich  inen  geliebti.  E  hat  man  die  Ter- : 
farnen  tag  her  wider  braht,  e  hat  man  alle  ertorreten  biAmen  widff 
ergrunet  und  ellu  regentröphlü  wider  gesamnet,  e  man  min  minna 
ze  dir  und  ze  allen  menschen  mug  gezellen.  Und  dar  umb  so  bin  iek 
als  gar  ns  gegossen  von  minnezeichen,  daz  man  einer  nadlen  pAnffi 
nit  möhti  han  gesetzet  an  minem  durmarterten  Übe  ane  sin  8unde^) 
lieh  minnezeichen. 

Lüg,   min   rehtü  band   waz  dnmegelt,   min  linggu  band  dar ' 
schlagen,  min  rechter  arm  zerspannen  und  min  lingger  gar  ser  zer- 
tennet,   min  rechter  vüz   durgraben   und  min  lingger  grüwlich  diu^* 
howen.  Ich  hanget  in  ungewalte  und  in  grozer  müdi  miner  götlichen  i 
bein,     Ellü  min  zarten  glider  wurden  unbeweglich  gephrenget  an  da 
engen  notstal ;  min  hitziges  blüt  gewan  von  nöten  mengen  wildei  J 
uzbruch,  von  dem  min  sterbende  Hb  verrunnen  und  blfltig  waz,  dtf 
ein  jemerlich  angesibt  gab.     Sich   ein   kleglich   ding:  min  jange^ 
schone,  blüender  lip  der  begonde  valwen,   torren  und  darben.    DffI 
müde  zarte  rugge  bäte  an  dem   ruhen   kruz  ein  hertes  lenen.  dub 
swere  Hb  ein   nidirsigen ;   alle  min  lip  waz  durwunt  und  dorsere^  ' 
—  und  daz  alles  trüg  min  minnendez  herze  minneklich. 


1  werin]  vor  au  AKa  daz  ed.  glid  —  2  ist,  daz  fehlt  F^  2  und  /«W  , 
AFF^  5  [du]  Du  HK  es]  sin  1^  6  noh  fehlt  E^F  noch  wol  P 
7  f.  turstiger  F  8  kalten]  kulen  F'  9  daz]  wie  E^  10  mich]  ich  F  10  f.  Te^ 
varndcn  F^  11  h^t  fehlt  F  13  zelleu  K  14  ussgelesen  F^  usgeseBseni!)^ 
18  {rg,r  fehlt  F  ser  fehlt  AKE^  21  lider  E^  22  notstal  des  krüzes  AKt^S^ 
23  ufbruch  AKaFF^Z  25  tiirren  Z  26  ruhen /eA//  AK  28  alles  sament  f 
minnendez  fMt  F 

14  f.    Hör.  34:   (juod  non  itweniebatur  nee  sjyatium  unius  puncH  i«  «*• 
corjtore  cnicifixo.  quod  non  dolore  et  amore  singulari  rdiiceret,  20  f.  I».  f«* 

er  uro  admodiim  fesüa  et  viidenti  quadnin  eancellatione  constricta;  respiee  ddh 
cdia  corporis  mtinbra^  tarn  artae  inelusioni  mancipata. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  V.  211 

V.  Kapitel. 

Wie  du  sele  under  dem  krdz  kunt  ze  einem  herzklichen 
rdwenne  und  ze  einem  rollten  rergebenne. 

Der  diener:  Nu  wol  uf,  sei  niinü,  samen  dich  genzlich  von 
Her  nsserkeit  in  ein  stilles  swigen  rehter  inrkeit,  daz  du  mit  ganzer 
rafi  nf  brechest,  daz  du  dich  verloffest  und  verwildest  in  die  wilden 
isti  eins  grundlosen  herzleides^  uf  die  hohen  velsen  dez  hinder- 
ihten  eilendes,  und  schriest  mit  dinem  versenedem  herzen,  daz  es 
ber  berg  und  tal  hohe  dur  die  lüfte  in  den  himel  vur  alles  himel- 
ihes  her  nf  tringe,  und  sprich  in  diner  [92^]  kleglichen  stimme 
80:  „ach  ir  lebenden  stein,  ir  wilden  rein,  ir  liebten  5wen!  wer 
t  mir,  daz  daz  inbrünstig  vür  mins  vollen  herzen  und  daz  heisse 
asser  miner  kleglichen  trehen  üch  erweke,  daz  ir  mir  helfent  klagen 
LZ  grundlos  leid,  leid,  herzlcid,  daz  min  armes  herze  so  t5genlich 
eit!  Owe,  mich  hatte  der  himelsche  vater  über  alle  liplich  kreatur 
zieret  und  im  selber  ze  einer  zarten,  minneklichen  geniahel  us  er- 
riet; nu  bin  ich  im  endrunnen!  Owe,  ich  han  in  verlorn^  ich  han 
in  einges  uzerweltes  liep  verlorn!  Owe  und  owe,  und  mincm  ellen- 
n  herzen  iemer  we,  waz  han  ich  getan,  waz  han  ich  verlorn!  Ich 
in  mich  selber  und  alles  himelsches  her,  —  alles,  daz  wunne  und 
öd  moht  geben,  daz  ist  mir  endrunnen!  Ich  sitze  bloz,  wan  min 
tischen  minner,  mine  waren  trieger,  owe  mord,  hein  mich  valsch- 
ih  und  ellendklich  gelazen  und  ab  mir  gezerret  alles  daz  gOf,  da 
it  mich  min  einges  liep  hate  gekleidet.  (Jwe  ere,  owe  vrode,  owe 
le  trost,  wie  bin  ich  diu  so  gar  berobet!  Wan  ach  und  we  sol  min 
ost  iemer  sin.  War  sol  ich  mich  koren V  Mich  hat  doch  ellü  disü 
elt  gelazen,  wan  ich  min  einiges  liep  han  gelazen.  Owe  und  owe, 
u  ich  daz  ie  getet!  Wel  ein  jemerliehü  stunde  daz  waz!  I^fjgcnt 
d  mich  speten  zitlosen,  sehent  mich  an  einoii  Kclilffchdorn,  alle  roton 


4  d.  flieneT  fehlt  F^HK        \\\u\  .«amen  F       0  verk'^rt^f.st.  F        J5  kn»a- 
iren  AKF^        16  und  mich  hu  -i.  F        17  in  fehtt  K        MW  ich  lian  rn. 
JTlorn  fehlt  F        18  [und]  mineiii  F        UM.  Ich  han       h*-v  fehlt  //        -jo  iinü 
lea,  daz  AKa         21  gehen  moht  F        21  h»:in  mi'h     \*:\\   liiui   /' '        25  Min 
hU  AF       26  doch  fthU  K 

1    Kap,   5   auch    in    W.    Wn(:h*crnfifjel-    Jjt^iit/^rhtm    Leheharh  /*  fjhtijj 
^JF.,  ran  F.  Pfeiffer  nach  AFZ  h'arh':<tet.  2'»  Xarh  in-r  './'fange  v<rr- 

1?    Vgl.  Mar.  30 :  memetipsum  etenim  //uo^i  *-f  o////".    rttic^ifM  MffnitiH'  ollendi. 
21  L0.  c:  sedeo  nuda.  tidua  ft  de^olntn. 


212  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  V. 

rSsen,  wissen  lylien,  und  neraent  war,  wie  schier  verblichen,  erdorre^ 
und  erdarbet  ist  der  bläme,  den  disä  weit  brichet!  Wan  ich  sol  no 
iemer  me  also  lebend  sterben,  also  blüjend  torren,  also  junge  alteo 
und  also  gesunder  siechen. 

Owe,  zarter  herr,  es  ist  aber  alles  klein  ze  wegenne,  daz  ich 
lide,  gegen  dem  allein,  daz  ich  din  vätterliches  antlät  han  erzürnet, 
wan  daz  ist  mir  ein  helle  und  ein  liden  ob  allem  lidenne.  Owe, 
daz  du  mich  so  minneklich  hattest  värkomen,  so  zärtlich  mantest  ond 
so  lieplich  zuge,  owe,  und  daz  ich  des  alles  so  gar  vergass!  Owe 
sterben !  Owe,  menschliches  herze,  waz  macht  du  erliden !  Owe  hen  j 
mins,  wie  bist  du  so  st&blin,  daz  du  nit  alles  von  leide  zerspringest! 
Ich  hies  doch  hie  vor  sin  liebü  [93']  geraahel,  owe,  we  und  iemer 
we,  ich  bin  nüt  wirdig,  daz  ich  nu  heisse  sin  &rmä  wöscherin!  Idi 
engetar  doch  minu  ogen  vor  bittere  schäm  niemer  me  nf  erhaben. 
Min  mund  müz  doch  iemer  me  ein  stumbe  gegen  im  sin  in  lieb  nkl 
in  leide.  Owe,  wie  ist  mir  in  diser  witen  weit  so  enge!  Owe  gol^ 
wan  were  ich  in  einem  wilden  walde,  da  mich  nieman  sehi  noeh 
borti,  unz  daz  ich  mich  wol  erschrüwe  nah  alles  mins  herzen  begirde^ 
daz  joch  dem  armen  herzen  so  vil  dest  lichter  wurde,  wan  anden 
trostes  han  ich  nit.  Owe  s&nd,  war  z6  hastu  mich  bracht !  We,  we^ 
valschu  weit,  dem  der  dir  dienet!  Wie  hast  du  mir  gelonet,  daz  iflh 
mir  selben  und  aller  der  weit  ein  burdi  bin  und  iemer  mftz  sin! 
Owe,  gesah  got  die  riehen  künginnen,  die  riehen  seien,  die  mit 
vr6mdem  schaden  sint  witzig  worden,  die  in  ir  ersten  unschulde  vsi 
reinikeit  an  lib  und  an  mät  beliben  sint;  wie  sint  die  so  nnwtoeit 
selig!  Owe,  lutru  consciencie,  lediges,  vries  herz,  wie  ist  dir  so  «• 
kunt,  wie  es  umb  ein  sundig,  geladen,  swärmütig  herzstat!  Ovreick 
aimes  wip,  wie  waz  mir  so  wol  bi  minem  gemaheln,  und  loh  dal 
do  so  wenig  erkande!    Wer  git  mir  des  himels   breit  permit,  d«i 


1 


2  ist  fehlt  AKaFF^Z  3  sterben  lebent  K  6  aUein]  allem  P 

7  mir  fehlt  E'        8  verkomen  Z       13  doch  niU  F^Z       14  getar  E'F^       16  m] 
ze  JK^F"^        17  f.  horti  n.  sehi  FJF       18  unz]  bis  F'        nah  —  begirde/#iW«  ^ 
20  han]  enhab  AK       22  iemer  me  E^        23  riehen  s.]  reinen  s,  E^        24  witflf 
8.  worden  E^        unschulde]  Ursprung  F        '25  [an]  mui  AZ        unwissentlieii ^  < 
26  so  gar  E^        27  sündig  gel.  fehlt  F        29  do  fehlt  F 

9  ff.  Hör.  37:  o  moHis  infelicis  opiata  praeseniia,  ad  quid  retardoi?  Ctf 
me  non  tollis  ?  0  cordis  humani  foriitudo  praevalida,  quia  tanta  patimio  »^ 
deficio!  13  L.  c:  focaria^  lotricis  officio  deputanda.  22  Job  7J^ 

29  ff.   Hör,  39 :   quis  mihi  det  membranas  celi  habentes  latitudinemf  otf^ 
mentum  maris  excedetis  qaaniiiatem^  et  calamos  tot  quot  arbarum  folia  €t  JMV^ 


BüehleiD  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  V.  213 

mers  tieflS  ze  tinkten,  lob  und  gras  ze  vedren,  daz  ich  volschribe 
min  berzleid  und  daz  nnwiderbrinklich  ungemach,  daz  mir  daz  leit- 
lieh scheiden  von  minem  geminten  hat  getan!  We  mir,  daz  ich  ie 
reboren  ward!  Waz  ist  mir  nu  me  ze  tünne,  denne  daz  ich  mich 
dber  verwerfe  in  daz  abgründ  dez  leitlichen  verzwiflens?** 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  solt  nit  verzwiflen; 
eh  bin  doch  dnr  dich  und  alle  sünder  in  dis  weit  komen,  daz  ich 
Uefa  widerbringe  minem  himelscben  vater  in  als  grozer  gezierde, 
darfaeit  und  laterkeit,  als  du  si  ie  gewunne. 

Der  diener:  Owe,  waz  ist  daz,  daz  da  so  süzeklich  erklinget 
0  einer  erstorbnen,  ungenemen,  hingeworfnen  sele  ? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Erkennest  du  mich 
ut?  Wie  bist  du  so  nider  gesigen?  Oder  ist  dir  von  unmessigem 
berzleide  geswunden?  Min  zartes  kint,  ich  bin  es  doch,  du  zarte, 
U  erbarmherzig  Wisheit,  du  da  hat  daz  abgr&nde  der  grundlosen 
ffbarmherzkeit,  dt  da  allen  heiligen  nah  ir  abgründe  verborgen  ist, 
Ht  uf  geschlossen^  [93^]  dich  und  jfiix  ruwigen  herzen  miltklich  ze 
^hahenne.  Ich  bin  es,  du  süsse,  du  da  arm  und  eilend  wart,  daz 
eh  dich  zft  diner  wirdekeit  widerbrechti ;  ich  bin  es,  du  den  bittern 
od  hat  gelitten,  daz  ich  dich  wider  lebent  macheti.  Ich  stan  hie 
leich,  bifitvar  und  minneklich,  als  ich  stund  an  dem  hohen  galgen 
es  kruzes  enzwuschent  dem  strengen  gerichte  mins  vatters  und 
ir.  Ich  bin  es,  din  bräder,  lüg,  ich  bin  es,  din  gemahel!  Ich  han 
ig  gar  vergessen  alles,  daz  du  ie  wider  mich  getet,  als  ob  es  nie 
rere  geschehen,  ob  du  dich  allein  nu  genzklich  zi\  mir  kerest  und 
ich  nit  me  von  mir  scheidest.  Wesche  dich  in  minem  minnerichen, 
osevarwem  blftte,  richte  uf  din  hopte,  tti  uf  dinü  ogen,  und  ge- 
rinne einen  guten  mät!  Nim  hin  ze  einem  Urkunde  einer  gantzen 
•tne  min  gemahelvingerlin  an  din  band,  din  erstes  kleid,  scIiAhe 
in  din  fusse  und  den  minneklichen  namen,  daz  du  min  gemahel 
^eklich  heissest  und  siest. 


1  timkten  A  3f.  we  mir,  daz  ich  daz  ie  ^^etet,  we  mir,  daz  ich  ie  fi;. 
^'F  4  ward  geboren  E^  8  dich]  si  F  10  da  ß'hlt  FM'  so]  als  AKa 
15  [du]  erbarmh.  F  16  du]  daz  AKa  dsL  fehlt  E"^  18  8uze  wislieit,  du  [da]  E^ 
lökhb.  —  20  macheti /e^Zf  E^        25  beschehen  weri  E^        30  minnerichen  F 

^^fum  gmmina,  ut  perstringere  posnem  dolorem  .sitnulque  damnum  v-recuperabikf 
9^  incurri,  quia  düectum  meum  dereliqui!  Zu  diesen  und  ähnlichen  formel* 
Mtften  Wendungen  (vgl,  auch  Bdetc  Kap.  :24  Anfang  und  Hör,  76)  reiche  Belege 
Wä  Köhler,  Kleine  Schriften  III  (1900),  :^i)3—31ti  iS.  30()  Seuse);  Müllen- 
ef  und  Seherer,  Denkmäler  11^,  152  ff.  29  f.  Luk.  lö,22. 


214  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  V. 

Sihe,  ich  han  dich  als  reht  sur  erarnet ;  dar  umbe,  were  all< 
ertrich  ein  inbrünstiges  vur  und  legi  enmitten  dar  inne  ein  handFc 
werkeS;  daz  were  von  siner  naturlichen  art  nit  so  geswind  enpbeoi 
lieh  der  fürinen  flaromen,  als  daz  abgründ  miner  grundlosen  er- 
barmherzkeit  einem  widerkerenden  menschen. 

Der  diener:  Owe  vater  miner,  owe  brüder  miner,  owe  alle«, 
daz  min  herze  erfröwen  mag,  und  wilt  du  mich  ungeneroen  sei  noch 
begnaden?   Owe  waz  gnaden,  waz  grundloser  erbarmherzkeit!    Des 
valle  ich   vür  din  y&ze,   himelscher  vater,  und  sagen  dir  dank  von 
allem   gründe  mins  herzen  und  bitte  dich,  daz  du  an  sehest  diDea 
minneklichen  einbornen  sun,  den  du  von  minnen  in  den  bittern  t5d 
gebde,   und  miner  giozen  missetat  vergessest.     Gedenk,  himelscher 
vatter,    daz  du   hie  vor  Noe   gelübd   und   spreche:    ^ich   wil  minen 
bogen  zerspannen  in  die  lüfte,  den  wil  ich  an  sehen,  und  dersolai 
ein  sftnzeichen  enzwischen  mir  und  dem  ertriche."   Eya,  nu  sihe  iif 
an,  zarter  vater,  wie  zerspannen  und  zertennet  er  ist,  daz  man  aOcf 
sin  gebein  und  sin  rippe  m6hti  zellen!    Lüg,  wie  gerötet,  ergrauet 
und  ergilwet  in  du   minne  hat!    Nu  durschSwe,  himelscher  Tater, 
dins  [94']   zarten   einbornen  minneklichen   kindes  hende  und  ame 
und  fuze  so  jemerlich  zerdennet,   sihe  an  sinen  schönen  lip  so  ifri 
varw  und  durchmartret,  und  vergis  dines  zornes  gegen  mir!  Gedenk, 
war  umb  heissest   du  der  erbarmherziger  herre,    der  vatter  der  et' 
barmherzkeit,   denne  daz  du  vergebest?    Daz  ist  din  name.    Wen 
hast  du  din  aller  liepstes  liep  gegeben?  Den  sündern!  Herr,  eriit 
min,  herre,  er  ist  reht  unser!     Ich  nmbschlnz  mich  hüt  mit  sineil 
zertanen  blozen  armen,  mit  einem  inneklichen  umbvang  des  gnmdei 
mines  herzen  und  miner  sele,  und  enwil  von  im  weder  lebent  noek 
töte  niemer  me  werden  gescheiden.     Dar  umb  so  ere  in  hüt  an  mif 
und  laze  gnedklich  varn,  wa  ich  dich  ie  erzurnde;  wan  möglicher 
dühte  mich  den  tot  ze  lidenne,  denn  dich,   minen  getrüwen  bimet* 
sehen  vater  ieraer  me  swarlich  ze  erzürnenne.   Wan  alles  liden  nii^ 
vertruken,    noch    helle   noch   vegfür    klage    ich   nit  so  vil   und  tft^ 


3  enwere  E^  3  f.  nit  als  enpfenclich  so  geswinde  E^  6  einen  J 
8  owe  w.  gnaden  fehlt  AKH  9  ich  hüt  F  gnade  und  dank  E^  10  iUc0 
fthlt  F  14  f.  sin  nach  sönz.  AK  16  zarter]  müter  E^  19  hende  [und]  S 
20  f.  rosevarweclich  und  so  durchm.  F  22  erbarmh.]  mute  jB*  28  f.  ^ 
vatter  d.  erb.  fehU  F  erbarmh.]  erbermde  E^  32  helle  und  y.  E}  vai 
tÄt  —  216,1  we  fehlt  F^ 

9 

13  ff.  I  Mos.  9,13.  31  f.  Ergänze :  was  ich  als  Straf  $  vtrdimi  M« 


Bitehlein  der  Ewigen  Weisheit,    Kap.  V.  215 

inem  herzen  DÜt  so  we,  als  daz  ich  dicb,  minen  schepher,  ininen 
minen  got,  minen  loser,  ach,  und  alle  inine  vröde  und  herzen- 
IDDC,  ie  erzurude  und  dir  kein  unere  ie  g;etet.  Owe,  mfiht  ich 
ir  umbe  dur  alle  himel  herzleid  schrien,  daz  min  herz  iu  dem  libe 

hjsend  stuk  zerBprunye,  daz  teti  ich  genie.  Und  so  du  mir  min 
BBetat  ie  laterlicher  vergibest,  so  es  mir  ie  herzleider  ist,  daz  ich 
lern  grozen  gftte  als  undankber  bin  gesin. 

Und  du,  min  einiger  trost,  zavtü  uzerweltü  Ewigü  Wisheit, 
e  kao  ich   dir   iemer  voldanken  des  i'ibergüldens  alles  gutes,    daz 

mit  dinen  wunden,  mit  diuem  ser  versünet  hast  und  gebeilet  hast 
1  bruch,  den  alle  kreaturen  nit  mohten  widerbringen!  Und  dar 
;be,    min  eingü  vrfide,   so  wise  mich,    wie  ich  dinii  minnezeichen 

allen  minem  libe  getrage,  in  miner  gehfigde  ze  allen  ziten  habe, 
i  ellü  disü  weit  und  alles  himelsches  her  gebe,  daz  ich  dankber 

dem  grundlosen  gät,  daz  du  mir  armen  verlorneu  sele  hast  getan 
ein  ron  diner  grandiosen  unmezigen  guti. 

Entwiirt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  soll  dich  und  daz 
le  mir  vrilich  geben  und  niemer  wider  nemen;   alles,  daz  notdurft 

ist,  daz  sei  von  dir  unberürt  stan:  so  siut  diu  hemle  warlich  an 
I  kröz  genegelt;  in  gütii  werk  vrölich  treten  und  dar  inne  veste 
ibeu:  so  ist  diu  lingger  vflz  geheftet;  din  unstetes  gemüte  und 
.mneten  gedanke  in  mir  steten  und  veatnen:  [94']  so  ist  din 
rter  tAz  an  min  krüz  gestecket.  Din  geistlich  und  lipticb  krefte 
knät  in  lawkeit  lomeu,  sü  gon  nach  glichniis  miner  arme  in  minem 
Inste  sin  zertennet  nnd  zerspannen.  Din  kranke  Hb  sol  ze  lobe 
aeu  g6tlicben  bein  in  geistlicher  übunge  dik  ermüden  und  in  un- 
walt«  Btan,  sin  eigen  begirde  ze  erfüllenne.  Manig  nnbekantes  liden 
irenget  dich  zii  mir  an  mines  krilzes  engen  notstal,  von  dem  da 
tr«t  nach  mir  minneklich  und  bifltvar. 

Diner  natur  darben  sol  mich  machen  wider  blüjeud;  din  willek- 
fies  nngemacfa   sol    minem   müden   ruggen    betten ;    din    kreftiges 

2  erlöser  AKE'  3  dir  kein]  dekein  I'Z  heiu  AKP^  4  dem]  minem  £• 
ils  fihü  A  gewesen  E'  9  \ol  gettaDkeo  Z  10  vers&net  [hast]  £'£a 
(«oj  bewise  m.  l."'  13  an]  in  F  16  grundloaeu]  grosaeii  F'H,  fehlt  F 
'  Bigt  AK  26  minem  K  und  —  27  erföH.  fehlt  K  30  mich]  dich  F 
%  irilligcR  f 

9t.  Hot.  42:  li  poasem  nunc  omnes  eotlos  rtpltre  elatnoribitt  irremedia- 
tutete.  12  rgl.Gal.6,17.  18f.  Hor.l.c:  nott  tolum  a  luperfluit, 

I  itiam  Mterdum  a  licitit  abtiintat.  31  Hör.  43:  dtilce  reelinaloi 

fuieteendum  facta»  per  incommodomm   coluntariam  perpusionan. 


'A 


216  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  VI. 

widerstan  den  Bunden  sol  mir  daz  gemüte  lichteren ;  din  andebtiges 
herz  sol  alles  min  ser  senften,  und  din  ufflammendes  herze  roia 
minnendes  herz  enzünden. 

Der   diener:    Ewigü  Wisbeit,    nu  voilebringe   minen    götei] 
willen  nah  dinem  böhsten  lobe  und  nah  dime  aller  liepsten  willen, 
wan  gewerlich  din  jocb  ist  senfte  und  din  burdi  ist  liebte ;  daz  wAsses 
alle  die;   die   sin  baut  enphunden  und   mit  dem  sweren  laste  der 
Bänden  ie  wurden  äberladen. 


i 


VI.  Kapitel. 

Wie  betrogen  der  weit  minne  ist  und  wie  minnelcllch  aber  ii 

got  ist. 

i 

Minneklicbes  gut,  swie  klein  ich  einen  ker  ns  dir  tun,  so  be-  J 
schibt  mir  als  einem  rehlin,  daz  siner  müter  hat  vermisset,  und  dw  ] 
in  einem  starken  gejegde  ist  und  mit  flübtigen  wenken  sich  uf  en^ 
haltet,  unz  daz  es  hin  wider  an  sin  stat  endrinnet.   Herr,  ich  vlühe, 
ich  jage  ze  dir  mit  hitzigem  inbriinstigem   ernste,   als  der  birze  li 
dem  lebenden  brunnen.     Herr,  ein  einiges   stündli  ane  dich  ist  ein 
ganzes  jar;    ein  tag  dir  vrömd   gesin,   daz   sint  tusent  jar  einem 
minnenden  herzen.     Eya  dar  umbe,   du  seldenzwi,   du  meienris,  da 
roter  rosen  blüjendü  stude,   scblüs  uf  din  arme,  zertft  und  zerspreilÄ 
die  geblümten  este  diner  götlicben  und  menschlichen  nature!   Herr, 
din  antlüt  ist  so  vol  gnaden,  din  mund  so  vol  der  lebenden  worten,  ^ 
aller  din  wandel  ist   so   gar  ein   luter  Spiegel  aller  zuht  und  send- 
mütkeiti    0  du  lütseliger  anblik   aller   heiligen,   wie  reht  selig  der 
ist,  der  diner  süzen  gemahelschaft  wirdig  ist!  ^ 

Entvvürt  der  Ewigen  Wisheit:  Es  ist  vil  menschen  dar 
zu  gerüfet,  ir  ist  aber  wenig  uz  erwellet. 

Der  diener:  Zarter  herr,  weder  sint  sü  denne  von  dir  oder 
du  von  in  versprochen? 

[95']   Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:    Dez   hab  uf  dini* 
inren  o;^en,  und  nim  war  diser  gesiht. 

2  herze  sol  min  E^I'F^  B  enzündet  AK  4  nu  fehlt  K  6  hohste« 
—  dime  fehlt  AK  8  sünde  A»  10  aber  fehlt  F  12  Der  diener  f« 
(Z  von  späterer  Hand)  tun  von  dir  F  13  hat  fehlt  Z  20  stunde  Ö)  ^ 
21  blugenden  F       22  [der]  lebender  worten  F 

6  Matth,  11,30.  16  f.  Psalm  41,2.  19  seldenzwi,  wohl  An^piüw^ 

auf  den  Ölzweig  bei  der  Sintflut.  26  f.  Matth,  22,U, 


Büchlein  der  Ewigen  Wei8heit.    Kap.  VI.  217 

Der  diener  sah  nf  und  erschrak  und  sprach  gar  mit  einem 
inneklichen  süfzen:  „owe,  geminter  herr,  daz  ich  ie  gebom  ward! 
Weder  ist  mir  reht  oder  tromet  mir  ?  Ich  sah  dich  vor  in  so  rilicher 
Schönheit  und  in  so  liepliclier  Zartheit;  nu  sich  ich  nit  denne  einen 
armen  vertribnen  eilenden  bilgrin,  der  stat  dort  erbermklich  geneiget 
nf  einen  stab  vor  einer  alten  zergangnen  stat.  Die  graben  sint  ver- 
vallen  and  daz  gemüre  riset  gar  sere,  denne  daz  noch  hin  und  her 
die  hohen  spitze  dez  alten  gezimbers  höh  uf  gagent.  Und  in  der 
^t  ist  neiswas  grozer  mengi,  und  under  dien  ist  gar  vil,  die  schi- 
oent  als  wildä  tier  in  menschlichen  bilden.  Und  da  gat  der  eilend 
bilgri  umb  und  umbe  und  lAget,  ob  im  ieman  die  band  welle  bieten; 
>v?e,  so  sihe  ich,  daz  in  du  menigi  gar  unwertlich  vertribent  und 
^00  nnmftzy  die  sü  haut,  kumm  an  gescheut.  Aber  ir  etlichü  und 
loch  wenig  bietent  im  die  haut;  so  koment  du  andren  wilden  tier 
md  widerzuckent  daz.  Also  h6r  ich,  daz  der  eilend  bilgri  von  in- 
ITond  ellendklich  ersäfzet  und  sprichet:  ^o  himelrich  und  ertrich, 
and  üch  erbarmen,  daz  ich  dis  stat  so  sur  han  erarnet,  und  es  mir 
üe  als  reht  äbel  wirt  erbotten,  und  daz  die,  die  nie  kein  arbeit  dar 
unb  gewunnen,  so  lieplich  hie  werdent  enphangen!"  —  Herr,  dis 
»t  mir  vor  gesin.  Owe,  minneklicher  got,  waz  meinet  diz?  Weder 
ist  mir  reht  oder  unrecht?" 

Entwürt  der  Ewigen  wisheit:  Du  gesiht  ist  ein  gesiht 
der  Intren  warheit.  Hör  ein  kleglich  ding  und  laze  es  diu  miltes 
herz  erbarmen.  Sihe,  ich  bin  der  eilend  vertriben  bilgri,  den  du 
^he;  ich  waz  etwenne  in  der  stat  in  grozer  wirdikeit,  nu  bin  ich 
cnnkliche  verellendet  und  vertriben. 

Der  diener:  Owe,  geminter  herr,  wellü  ist  du  stat  oder  daz 
Volk  in  der  stat  ? 


1  uf  fehlt  E^FF"^  2  min  gem.  h.  K  5  armen  fehlt  E"^  7  die 
""^en  risent  AK  11  hende  E^F  12  in  du  menigi]  sü  in  F  vertribet 
^&^  15  widerzöhent  E^  17  so  reht  sur  AKa  18  tlaz  fehlt  FF^  en- 
^in  AKE^        23  hör]  herr  K        24  vertriben  fehlt  FF'       26  jemerlich  AKa 

1  ff.  Der  folgende  Passtis  ist  im  Hör,  Kap.  ö  (43  ff.,  vijl.  214)  bedeutend 
Eitert  unter  der  Überschrift:  Planctus  super  extincto  fervore  devotionis  in 
^^sis  personis  utriusque  sexus  moderni  temporis  etc.  Seuse  schildert  im  ein- 
^nen  den  Verfall  der  Klosterzucht  und  fügt  die  allegorische  Vision  vom  Streit 
^  Widders  gegen  die  Söhne  Gottes  (=■  Kampf  Ludwig  des  Baiern  gegen  die 
^urie  und  ihre  Anhänger)  an,  10   Hör.  44:   quaedam  animalia  veluti 

umstra  marina  in  effigie  humana,  20  vor  gesin,   nämlich  in  der  Vision, 


218  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  VI. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  zergangen  stat  daz  i 
ernsthaftes  geiBtlicbes  leben,  in  dem  man  mir  hie  vor  so  einberliche 
dienet,  und  da  man  inne  so  heiliklichen  und  sicherlichen  lebte;  da 
beginnet  nu  an  menger  stat  gar  ser  zergan.  Die  graben  beginnen 
vervallen  und  die  rauren  zerrisen,  daz  ist:  du  andehtig  [95^]  gehör 
sami,  du  willig  armüt  und  abgesebeidnü  luterkeit  in  heiliger  ein 
valtkeit  beginnet  vergan,  denn  so  vil  man  die  hohen  gezimber  etwac 
nswendiger  haltunge  nah  eime  sehine  noch  spürt.  Aber  daz  groi 
Volk,  du  wilden  tier  in  menschlichen  bilden,  daz  sint  welÜichA  herzen 
in  geistlichem  schine,  die  von  üppiger  unmftz  zergankliches  knmben 
mich  von  ir  herzen  vertribent.  Aber  daz  etlichü,  du  mir  ir  hende 
butten,  von  den  andern  underzucket  wurden,  daz  ist,  daz  etlicher 
menschen  gute  wille  und  anvang  von  der  andren  reten  und  bisenn 
bilde  wirt  verkeret.  Der  stab,  uf  dem  ich  geneiget  vor  in  stftnt, 
daz  ist  daz  krüz  mins  bittern  lidens,  mit  dem  ich  sü  ze  allen  ziten 
erman,  daz  sü  dar  an  gedenken  und  mit  ir  herzen  minne  allein  ze 
mir  keren.  Aber  daz  eilend  r&ffen,  daz  du  hortest,  daz  ist,  daz  min 
t6d  hie  an  vahet  ze  rüffenne,  und  iemer  me  schriet  über  die,  da 
weder  min  grundlosü  minne  noh  min  bitter  t5d  so  vil  vermugen  in 
ir  herzen  geschaffen,  ich  werde  von  in  Verstössen  und  vertriben. 

Der  diener:  Owe,  zarter  herr,  wie  schuldet  daz  durch  min 
herze  und  dur  min  sele,  daz  du  so  reht  minneklich  bist,  und  in 
roengem  herzen  mit  allem  dinem  erbietenne  so  reht  unehtig  bist! 
Ach,  zarter  herr,  wie  wilt  du  es  aber  dien  bieten,  die  dir  na  in 
diner  eilenden  forme,  in  der  du  von  der  mengi  verworfen  biet,  ir 
hende  mit  rehter  trüw  und  liebi  bietent? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Sweli  durch  mich  zer- 
ganklich  minne  lassent,  und  mich  mit  rehter  trüw  und  minne  alleio 
enphahent  und  dar  an  stet  belibent,  die  wil  ich  hie  mit  miner  git* 
liehen  minne  und  süzikeit  mehellen,  und  wil  in  an  ir  t5de  min  bend€ 
bieten,  und  wil  sü  in  den  tron  miner  ewigen  wirdekeit  vor  alleiD 
himelschen  her  erhöhen. 

2  emberlichen  A  4  gar  fehlt  F  5  ser  risen  E^  9  in  menicti 
lichem  bilde  FF^  12  widerzncket  Fa  13  red  F^  19  [min]  gmndl.  m.  ^ 
20  gesch.  —  von  in]  daz  sü  daz  ungewtüme  von  ir  herzen  AKa  (yon  ir  /fAtt  £ 
23  herzem  A        24  herr  zarter  AK       31  den]  dem  A 

2  Gemeint  ist  das  Klosterleben  (sanciae  religionis  filii  ae  profe§$wr€^ 
Hör,  45).  Vgl,  die  Schilderung  in  Mersmns  Büchlein  von  den  neun  Fd90 
ed,  K,  Schmidt  1659,  29  /.  10  in  geistlichem  schine  =  in  habitu  religio^ 

(Hör.  48). 


Btlchlein  der  Eivigen  Weialieit,     Kaj),  VI.  219 

Der  diener:  Herr,  nu  ist  ire  vil,  die  meioent,  sü  welIeD  dich 
ninDen  und  doch  von  zerganklicher  minne  nit  lazen.  Herr,  sii  wen 
dir  gar  lieb  sin,  und  wen  doch  zitlicher  liebt  nüt  deet  minre  han. 
EotwArt  der  Ewigen  Wisheit:  Daz  ist  als  unmuglich,  als 
iiea  himel  zesamen  trueken  und  in  ein  klein  nuzselialen  beschliezen. 
Sü  beECh&nent  sich  mit  schAnen  worteD,  sii  buwent  uf  den  wint  und 
liaibrent  öf  den  regenbogen.  Wie  soll  daz  [96']  ewig  bi  deme  zit- 
licben  beliben.  so  ein  zitlicheg  daz  ander  mit  mag  erliden?  Er  trüget 
acb  selber  berlicb,  der  den  künig  aller  küngc  wenet  setzen  in  ein 
Itemetnes  gastfaus  oder  stoseen  in  ein  gesundertes  kneehthns.  In 
lilozer  abgescheidenhi-tt  aller  kreatnre  miz  er  sieb  halten,  der  den 
werden  gast  rebt  n-il  enphahen. 

Der  diener:  Ach  süzü  wisheit.  wie  siut  sü  so  gar  verzöbert, 
%z  sü  dis  nit  an  sehentl 

Entwiirt  der  Ewigen  Wisheit:  Sü  stant  in  tieffer  blint- 
it,  sü  hant  menig  grozes  rechten  nach  vröden,  du  in  doch  weder 
lieb  noch  ze  ganzer  vrßd  niemer  werdent.  E  in  ein  liep  besehehe, 
begegent  in  zeben  leid,  and  so  sii  ir  begirde  ie  me  nach  gant, 
Bu  ie  ungenüklicher  werdent  verwiset.  Sih,  gotlosü  herzen  oiüzent 
:h  ze  allen  ziten  ein  in  vorhten  und  in  scbreken.  Daz  selb  kurz 
Tridli,  daz  inen  wirt,  daz  wirt  in  als  gar  snr,  wan  es  gat  in  zQ  mit 
arbeiten,  und  behabent  es  mit  grozen  angslen,  ach,  und  verlierent  es 
mit  grozer  bitterkeit,  Dii  weit  ist  vol  untrüwen,  valschheit  und  un- 
«tetikeit;  wan  des  nutzes  ein  ende  ist  oeh  der  vFunlscbaft  ein  ende. 
Und  daz  ich  dir  es  kürze:  weder  rebt  liep  noch  ganz  vrode  noch 
»teten  herzenvrid  gewan  nie  kein  herz  in  der  kreature. 

Der  diener:   Owe,   zarter  berre,   wel   ein    klegUch  ding  daz 

iö!   Owe,  80  menig  edlü  sele,  so  meng  minneudes  herz,  so  menig 

tch5n  wiinklich  nach  got  gebildetes  bilde,  die  in  diner  gemahelschaft 

*>klingin  und  keiserin  söltin  sin,  die  himelricbes  und  ei'trichs  gewaltig 

«Ähtin  sin,   daz  eich   die  so  torüeben  verweirent  und  vernidrent! 


2  herr  —  8  hau  fthlf  K  S  zitlicheit  A  16  wehten  £.''J-''  doch 
ttUt  F  22  behaltent  HZa  24  wan  so  F  wan  wa  F'  ist,  ist  Z  ist,  so 
(^f)  ist  FF^Ha  28  herz]  menache  F  in  den  creaturen  F  27  zarter 
/*(  AKZ        wel]  wie  /"'«        30  |die]  himelr.  i' 

7  zimbrenl  uf  d.  r.,  im  Sprichvort  oft  gebrauchtes  Bild,  t.  B.  Freidank 

^1 :  ojl  J.  p.  ZingerU,  Die  deittsclitn  Sprichwörttr  im  Mittelalter  18114,  119/, 

21—23    Vgl.  Sern.,  stTmo  43  dt  dir.  n.  3.  28  Eriamri  an  Walthtr  von 

^  Vogtlvreidi:  diu  verli  ig/  allenthalben  ungetitiden  vol  (ed.  Pfeiffer  '  1880,  306J. 

W«ir(,  zMht  lind  ire  ist  in  der  uierlle  löt  (a.  a.  0.  3(J3). 


ä 


220  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  VI. 

Wafen,  wafen,  zarter  got,  daz  sä  sich  selb  so  willeklich  Verlierern 
wau  nah  dinen  waren  Worten  weger  were  in  du  grimme  schidan^ 
der  sei  von  dem  übe,  denn  daz  du  dich,   daz  ewig  leben,   von  de 
sei  mftst  scheiden,  da  du  enkein  stat  vindest.    Owe,  ir  tumben  toren^ 
wie  wahset  üwer  groz  schade,   wie   meret  üwer  grözti  verlust,  wie 
lant  ir  daz  8cb6n,  daz  edel,  daz  wunneklich  zit  da  hin  gan,  daz  h 
kume  oder  niemer  mugent  widerbringen!   Und  wie  gebarent  ir  hier 
inne  so  vrölich,  als  üch  nüt  dar  umbe  si !   Owe,  miltü  wisheit,  wan 
wustin  sü  und  befunden  ir  selbs! 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Hör  wunder  und  jamer:l( 
dis  wAssent  sü,  daz  bevindent  sü  alle  stunde,  und  lant  doch  da  von 
nit.  Sü  wüssent  [96^]  es  und  wenn  es  doch  nit  wüssen.  Sfi  be- 
schönent  alles  den  unganzen  grund  mit  liehtem  schine,  der  doch 
der  blozen  warheit  ungelich  ist,  als  ir  vil  ze  jüngste  bevindent,  80  es 
ze  spate  wirt.  U 

Der  diener:  Ach  zartü  wisheit,  wie  sint  sü  so  unsinig,  oder 
waz  meinet  es? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Do  wen  sü  ungemach 
und  lidenne  von  mir  endninnen,  und  vallent  enmitten  dar  in;  und 
wan  sü  mich,  daz  ewig  gut,  und  min  süzes  joch  nit  wen  tragen,  soSI 
werdent  sü  von  der  verhengde  miner  strengen  gerehtikeit  mit  meDger 
sweren  burdi  überladen,  Sü  vürchtent  den  rifen  und  vallent  in 
den  sehne. 

Der  diener:  Eya,  zartü,  erbarmherzigü  Wisheit,  gedenk,  dtf 
nieman  ane  din  kraft  nüt  enmag.  Ich  ensihe  kein  ander  hilfe,* 
denne  daz  sü  ir  eilenden  ogen  uf  zu  dir  bieten  und  vür  din  gne- 
digen  vüsse  vallen  mit  bitterlichen  trechnen  ir  herzen,  daz  du  ri 
erlüchtest  und  enbindest  von  den  sweren  banden,  da  mit  sfi  ge- 
bunden sint. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Ich  bin  in  ze  allen  ritcn* 
bereit  ze  helfenne,  weren  echt  sü  mir  bereit;   ich  gan  inen  nüt  ab, 
sü  gant  mir  ab. 

Der  diener:  Herr,  es  tut  we,  liep  sich  von  liebe  ze  scheidenne. 


1  wafen  nur  einmal  E^  2  waren  fehlt  FF^  grimme  fehlt  F  3  lebea) 
gUt  AK  4  scheiden  müst  A»  7  enmügent  Z  9  sü  es  AKa  11  dal) 
dis  F  des  F^  stunde]  samd  K  17  waz  radiert  Z  21  strengen  fehlt  P 
22  am  Bande  Job  E^F^Z  24  eya  zartü]  zarter  herre  und  ewigü  F  26  de* 
kein  F^Z       33  scbeideuue]  brechenne  Z 

2  f.   Vgl.  Matth.  18,6,  22  Job  6,16. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  VI.  22 1 

EDtwürt  der  Ewigen  Wisbeit:   Daz  ist  war^  könde  und 
w6It  ich  nit  in  liebes  berzen  alles  liep  lieplicb  verwesen. 

Derdiener:  Owe  berr,  so  ist  m&licb  alt  gewonbeit ze lassenne. 
Entwürt  der  Ewigen  Wisbeit:    Es  wirt  aber  nocb  vil 
6aialicher,  die  k&nftigen  marter  ze  lideune. 

Der  diener:  Herre^  sü  sint  vil  liebt  als  geordnet  in  in  selber, 
^  es  inen  nnscbedlicb  ist. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisbeit:  leb  waz  der  bas  geord- 
oetest  and  docb  der  lieblosest.  Wie  mag  daz  geordnet  sin,  daz  von 
•  iber  natar  daz  berz  entribtet,  den  müt  verwirret,  daz  von  inrkeit 
xihet  and  berzenvrides  beruhet  ?  Es  brichet  du  tor  uf,  binder  dien 
gitlich  leben  verborgen  ist,  daz  sint  die  fünf  sinne.  Es  ber5bet 
bh^eit  and  bringet  baltbeit,  gnadlosi  und  gottes  vr6mdi;  des  inren 
menschen  lawkeit  and  des  assern  tragkeit. 

\  Der  diener:  Herr,  so  danket  nit,  daz  sü  so  vil  gebindert 
werden,  ob  eebt  daz,  daz  sü  da  minnent,  ist  in  einem  scbine  eins 
geisüieben  lebennes. 

Entwürt   der   Ewigen   Wisbeit:    Es   wirt   etwenne   ein 

loter  oge  als  sebiere  geblendet  von  wissem  melwe  als  von  bleicber 

besehen.     Sieb,    wart   [97']    ie   kein   bisiu    dekeines    menseben    so 

QQschedlicb   alse  daz   min  bi  minen  lieben  jangern?     Da  waz  nüt 

ttnnützer   wort ,   da   waz   nüt   verlazner   geberden ,    es   wart  da  nit 

lioh  in  dem  geiste  an  gevangen  und  in  tiefli  unendlicber  Worten 

oider  gelassen;    da   waz   nit   anders   denn   rebter    ernst  und  ganzü 

^warheit  ane  alle  valscbeit.     Und   docb   so   mäste   in   min   liplicbü 

S^nwürtikeit  enzogen  werden,   e  daz  sü   des  geistes   enpbenklicb 

^eren.     Waz  sol  da  menschlich  bisin  bindemüs  geben!     E  daz  sü 

^on  einem  in  gefüret  werden,  sü  werdent  von  tusenten  us  gefürt;   e 

^  einest  mit  lere  werden  gewiset,  sü  werdent  dike  mit  b6sem  bilde 

^erwiset.     Und  daz  icb  es  kürze:   als  der   kalt  rife  in  dem  meien 

^ie  wünklieben   blftst   terret   und  veröset,   also   terret   zerganklichü 

^inne  allen  götlicben   ernst    und   geistlich   zubt.     Und   zwiflest   du 

^h  üt  hier  inne,  so  log  umb  dich  in  die  blüjenden  schönen  win- 


12  verborgen]  besclozen  E^  14  usaern  menschen  F  15  f.  werden 
Wi.  L^  16  ist  nach  echt  daz  FF^  22  geberde  F^F  23  und  [in]  F 
^  tusenten]  vil  mengem  AKH       30  venvTset  Ä        33  schonen  blügenden  Äa 

26  f.  Vgl.  Joh,  16 j7,  Denifle  342  Ä,  2  belegt  den  Gedanken  aus  Augustiriy 
^egor^  Bernhard,  Hugo  von  St.  Viktor  und  Thomas:  auch  Seuses  Predigt 
^terum  rdinquo  ist  zu  vergleichen,  33  f.  wingarten  =  Klöster,   wie  nach- 

er  WTirzgarte.     Vgl,  zum  Folg.  Bern.,  sermo  63  in  Cant.  w.  6.  7. 


222  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  VI. 

garten,  die  bie  vor  so  wunklicb  in  ir  ersten  bläst  stünden,  >?ie  g^ 
die  verblieben  und  verrisen  sint,  daz  man  inbrünstiges  ernstes  am 
grozes  andaehtes  wenig  me  spürt.    Aber  daz  tut  den  unwiderbriafc 
lieben  scbaden,  daz  es  komen  ist  in  ein  gewonbeit  and  in  ein  geisr- 
lieb  erberkeit,  daz  da  so  verborgenlicb  verwüstet  alle  geistlicb  sei/- 
keit.     Es  ist  so  vil  sehedlicber,  so  vil  es  anscbedlieber  scbinet   Wie 
ist  so  menge  edle  wurzgarte,  der  schon  gezieret  waz  mit  wünklicheo 
gaben,  und  waz  ein  bimelscbes  paradis,  in  dem  got  lustlicb  waz  ze 
wonene,  der  nu  von  zerganklicber  liebi  ze  einem  unkrutgarten  wor- 
den ist!     Und  da  vor  die  roseu  und   die  lylien  wücbsen^  daz  statu 
nu  vol  dornen,  neslen  und  tistel,  und  da  bie  vor  die  beiligen  engd 
pblagen  ze  wonenne,   da  wülent  nu  du  swin.     We,  we,  we  an  der 
stunde,  so  man  ellü  unnütze  wort,  alles  verlorn  zit,  alles  versamet 
gut  sol  widerreebnen,   so  man  ellü  unnützü   wort,  gesprochnn,  g^ 
dabtü  oder  gescbribnü,  beimlicb  oder  offenlieb,  wirt  vor  gotte  ond  11 
aller  der  weite  offenbarlieb  lesende  und  ir  meinunge  ane  alles  bergen 
verstende !  i 

Der  diener:  Acb  berre,   disü  wort  sint  als  gar  scbarpb,  es 
müs  joeb  wol  ein  ersteintes  berze  sin^  daz  da  von  nit  bewegt  will 

Minneklicber   [97^]    berr,    nu    sint   etlicbü    berzen    als  zarter  Sl 
natur,  daz  sü  scbierer  von  minnen  denn  von  vorbten  gezogen  we^ 
dent;   und  wau  du,  der  herr  der  natur,   nit  bist  ein   zerstöret  der  H 
nature  —  du  bist  der  natur  ein  volbringer  — ,  da  von,  minneklicber 
berr,    so  geben   diser  trurigen   rede  ein   ende,   und  sag  mir,  wie 
du   siest   ein    niftter   der   scbönen   minne,    und    wie   süze   aber  diiiB 
minne  si. 


2  und  fehlt  K        3  tut]  bringet  AK        5  da  fehlt  K^F        6  f.  am  Radt 
Bernardus  Z       7  edle]  schone  F^        8  und  [waz]  Ä        14  so  —  woiifthU^ 
16  und  vor  F        19  joch  feMt  E^        versteinotes  /;*        21  f.  am  Bande  Aig«"    i 
Btinus  Z       v.  m.  gez.  werdent  denn  von  v.  Z       22  f.  zerst,  [der  natore]  F 

7  Dasselbe  Bild  vom  Wurzfjai'ten  bei  E.  Stagth   Viten  von  Tö§s  12,1^-     ] 
16  Beim  jüngsten  Gericht  (Hymnus  Dies  irae  von  Thomas  von  Celano  ft*- 
IQoü] :  Liber  scriptus  proferetui.,  in  quo  iotnm  continetur,  unde  mundus  w^^ 
ceturK  21  ff.   Wohl  nicht  Augustinus  ist  henütetj  sondern  Thomas,  S.  1^ 

1  q.  1  a,  8  ad  2 :  cum  graiia  non  tollat  naturam  sed  perficiat,  oportet  quod  irt* 
turalis  ratio  subserriat  fidei,  sicut  et  naturalis  inclinatio  roluntatis  obscquitif 
caritnti.  Lbrigens  lautet  ein  scholastisches  Axiom :  Dens  non  destruit  na/nroM) 
aed  perficit  eam.  25   Vgl.  ^'irach  ^^4,;?i. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  VII.  223 

VU.  Kapitel. 
Wie  minnekllche  got  ist. 

Der  dien  er:  Herre^  ich  hinderdenk  den  minnezug^  als  da 
riehest  von  dir  seihen  in  der  wisheit  bfich:  Transite  ad  me 
in  es  ete.^  koment  zu  mir  alle  die,  die  min  begerent^  von  minen 
l)nrten  werdent  ir  erfüllet.  Ich  bin  ein  müter  der  schönen  minne, 
D  geist  ist  suzer  denne  honig  und  min  erbe  über  honig  and  honig- 
Q.  Edle  win  and  süz  ged6ne  erfr6wt  daz  herze  and  ob  in  beiden 
*  wisheit  minne. 

Zarter  herr,  du  kanst  dich  selber  als  minneklich  und  als  zart- 
li  erbieten^  daz  ellü  herzen  din  möhti  gelasten  und  einen  seneden 
der  nah  diner  minne  haben.  Es  fliezent  du  minnewort  so  leblich 
ler  dinem  süzen  munde,  daz  sü  menig  herze  als  krefleklich  ver- 
nten  in  ir  bluj enden  tagen,  daz  in  inen  ellü  zerganklichü  minne 
izklich  erlasch.  Eya,  zarter  herr,  dar  nah  jamert  min  herze,  dar 
b  ellendet  minem  mute,  von  der  horti  ich  dich  gerne  sprechen, 
i  spriche,  min  einiger  uzerwelter  trost,  ein  einiges  wörtli  ze  miner 
e,  ze  diner  armen  dirnen,  wan  under  dinem  schatten  bin  ich 
sklich  entschlaffen  und  min  herze  daz  wachet. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Nu  h6r,  min  tohter,  und 
le,  neige  ze  mir  dinü  oren,  tft  einen  kreftigen  inker  und  vergisse 
Q  selbes  und  aller  dinge. 

Ich  bin  in  mir  selben  daz  unbegriffen  gut,  daz  ie  waz  und 
Daer  ist,  daz  nie  gesprochen  wart  und  niemer  gesprochen  wirt.  Ich 
ag  mich  wol  dem  herzen  inrlich  ze  enphinden  geben,  aber  enkein 
inge  mag  mich  eigenlich  gewörten  noh  gesprecbeu.  Und  doch, 
an  ich  mich,  daz  übernatürliches,  unwandelberes  gut,  einer  ieklichen 
reatnr  gib  nah  ir  mugentheit  in  der  wise,    als  si  min  enpheiiklich 


3  der  diener  fehlt  II  5  omnes,  qui  concupiscitis  me  E^F^  etc.  fehlt 
Z  [die]  die  E^F  7  und  m.  e.  —  honig  fehlt  F  8  erfrowent  E'F"^ 
t  lieblich  AFF^  13  süzen  fehlt  F  16  min  F^a  minen  F  26  den 
ßen  Ka  26  enmag  Z  gewürteu  Z  am  Bande  r)yonisius  E^Z  Jero- 
nus  l"*        27  übemat.  leben  F        28  nah  ir  wirdekeit  und  ir  muglicheit  F 

4  Sirach  24,26.  34;  40,20.  18  Hohel.  2,3:  6,2.  20  Ps.  44,11. 
l.  zum  Folgendeti  Kap.  4  der  Vita,  das  Seuse  auch  zum  Teil  in  die  erweiterte 
rgtellung  des  Mar.  c.  6  hereinzieht.            23  f.  Deiiifle  34ü  A.  3  denkt  hier  wohl 

Unrecht   an  den  irinitarischen  Prozess :  die  Erklär unq  gibt  vielmehr  der 
^nde  Satz.  27  ff.    Vgl.  Dioni/ti.,  De  tiom.  I)ei  I,  1:  De  coeL  hier.  II,  3. 


224  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  VII. 

ist,  so  bewinde  ich  der  BUDnen  glast  in  eiu  tfich  und  gibe  dir  geist- 
licheu  sin  in  liplicben  Worten  von  mir  und  miner  süzen  minne  also: 
ich  stelle  mich  [98']  zärtlich  vür  dines  herzen  5gen,  nu  zier  und 
kleide  mich  in  geistlichem  sinne  und  mache  mich  vinlich  uf  nah 
Wunsches  gewalt  und  gib  mir  alles  daz,  daz  zA  sunderlicher  roione  i 
und  liebi  uud  ze  ganzem  herzluste  din  herze  bewegen  kan:  sihe, 
daz  ist  alles  und  alles,  daz  du  und  ellü  menschen  köndin  erdeokcD 
von  gestalt,  von  gezierde,  von  gnaden,  in  mir  noh  wAnklicher,  denn 
es  ieman  gesprechen  muge.  Und  diserley  sint  du  wort,  in  dicD  ick 
mich  mag  ze  erkennen  geben.  H 

Nu  hör  me:  ich  bin  von  hoher  geburt,  von  edlem  geschlechte; 
ich  bin  daz  minneklich  wort  dez  veterlichen  herzen,  in  dem  nah 
dem  minnerichen  abgründe  miner  naturlichen  sünlichkeit  in  siner 
blozen  veterlicheit  hein  ein  wünklich  wolgevallen  sinü  minneklicheo 
ogen  in  der  suzen  u£9ammenden  minne  dez  heiligen  geistes.  lAM 
bin  der  wünne  thron,  ich  bin  der  seiden  krön,  min  ogen  sint  so 
klar,  min  mnnd  so  zart,  minü  wengel  so  liehtvar  und  so  rosenrit 
und  ellü  min  gestalt  so  schöne  und  so  wünklich  und  als  dnr  wol 
gestalt:  und  sölt  ein  mensch  unz  an  den  jüngsten  tag  in  eime 
glüjenden  oven  sin,  daz  im  nüwan  ein  anblik  würde,  derwereden-M 
noch  unverdienet.  Sich,  icli  bin  als  wünklich  gezieret  mit  liebter 
wat,  ich  bin  so  finlich  umbgeben  mit  geblümter  missevarw  der 
lebenden  blftraen,  von  röten  rösen,  wizen  lylien,  schönen  violn  und 
allerley  biAmen,  daz  aller  meien  schönü  bläst,  aller  lichten  owefl 
grunü  ris,  aller  schönen  beiden  zartü  blümlü  gegen  miner  gezierde  ■ 
sint  als  ein  ruhe  tistel.  Ich  spil  in  der  gotheit  der  vröden  spily 
daz  git  der  engel  schar  vröden  als  vil,  daz  inen  tasent  jar  eintali 
ein  kleines  stündli.  Alles  himelsches  her  von  nüwen  wundem  gebent 
mir  ogen  und  nement  min  war.  Irü  dgen  sint  in  minü  geblenkety 
ir  herz  gegen  mir  geneiget,  ir  sei  und  ir  müt  ane  underlaz  imniekil 


1  dir  der  s.  ^1.  K  7  erd.  kondin  AK  8  g^iade  E^  denn  —  9g««pr. 
fehlt  F  10  zerkenncu  mag  g.  i'*  12  wort]  gut  /'*  12  f.  nah  [dem]  ^ 
22  wat]  varw  F^  so]  als  AKaF^  25  schonen  fthlt  F  29  gclcnW 
AKa   geblendet  F 

12  if.  nie  nähere  Erklärung  gibt  Seme  Viia  Kap,  oL  19  ff.  Hör,  CO: 

pulchritudo  quippe  mea  tanta  est,  ut  8%  quis  magnis  cruciatibus  muUis  011«** 
se  e.ipontrei,  ut  cd  ad  ictum  oculi  me  in  decore  tanto  conspicire  po99ei^  a5^ 
omni  dubio  labor  pntemio  minus  adhuc  responderei.  26  UtHSckr^ihmg  (^ 

Hör,  61,  29  irü  ogen  sint  in  minü  geblenket  =  oeuloa  iugiier  in  me  d^uofH 

habenty  stant  suspensis  oultibus  (h  c). 


Büchlein  lier  Ewigen  Weisheit.    Kap.  VII.  225 

gebäget.  Wol  im,  der  daz  minnespil,  den  vrödentanz  in  bimelscher 
vrODae  fln  miner  siteii,  an  miner  Behauen  hant  in  vrölicher  sicher- 
lieit  iemer  eweklich  tretten  sol!  Ein  einges  wiVHi,  daz  da  so  leb- 
tiefa  ue  klinget  von  mineni  süzen  munde,  übertrifi'et  aller  engel  aang, 
aller  barphen  klang,  elM  süzeD  Beitenspil.  £ja,  IQg,  ich  bin  als 
tnit[98']licb  ze  minnenne.  ich  hin  als  lieplicb  ze  timbvahenoe  nnd 
so  zartlicb  der  reinen  niinnenden  sele  ze  küssenne,  daz  ellü  herzen 
nah  mir  s&ltin  brechen.  Ich  bin  kleinfftg  nnd  zAtetig  und  der  lutreu 
sei  ze  allen  zilen  (:egenwürtig.  Ich  wone  ir  togenticben  bi  ze  tische, 
ze  bete,  ze  wege,  ze  stege;  ich  ker  mich  hin,  ich  ker  mich  her. 
Tn  mir  ist  nüt,  dnz  mlBsevalle;  in  mir  ist  alles  daz.  daz  da  wol 
gefallet  nah  herzenwnnsch,  nah  sei  begirde.  Sich,  icb  bin  als  gar 
QU  luter  gät;  dem  dennoch  in  zit  min  ein  einges  trüpbli  wirt,  dem 
Wirt  elln  vröde  nnd  wollust  diaer  weit  ein  bitterkeit,  alles  göt  und 
ere  ein  hinwerf  nnd  ein  nnwert.  Su  werdent,  die  lieben,  von  miner 
anzen  minne  nmbgeben  nnd  verswemmet  in  daz  einig  ein  ane  ge- 
bildet minne  nnd  gesprochnü  wort,  und  werdent  gefriet  nnd  geflözet 
in  daz  gfit,  danuan  sü  geflossen  eint.  Min  minne  kann  och  anva- 
hendfi  herzen  entladen  von  dem  sweren  laste  der  sunden,  nnd  in 
icinvries  wolgemQtes  luter  herze  geben  und  ein  rein  nngestrafet 
consciencl  machen.     Sag  mir,  waz  ist  in  aller  diser  weit,  daz  die 


I  wan  wol  im  K        der  frödeo  tanz  E'        tiimelscblioher  Z       8  iemer 

fT"  3  f.  UepUch  FH  4  am  Band  Beraardng  in  Jnbilo   E^F'F^Z 

und  [ao]  K         9  ititen)   dingen  K         ir]  in  ff        9  f.  ze  bei  ze  tiach  F 

u  at.  ze  wege  E'         11  [dai]  daz  E'FH         da  fehil  F'Za  13  [ein] 

[El  Ä        16  verBweioet  [in]  F        19  Blinde  E^        in  fehlt  E'J"        20  rein 

1  TTÖdentanz,  vgl,  Strauch,  Marg.  Ebner  XLVIII,  40  und  Attm.  3.  383. 
8ff.  Vt/l.  Strophe  3  ait»  dem  ,.Mymnwi  rythväeus  de  Nomine  Jetu"  (*n(<r 
t.  S.  Bemardi,  cd.  Mabißon  Vcnetiie  nni  III,  797 f.):  nü  eanÜMV  auaviui, 
t  axiditur  iueunäiu»,  nil  cogitatur  duiciut,  quam  Jetut  Dei  fiUua,  und  Strophe 
:  Jaun  deeu»  angeUcum,  in  aure  dulce  canticum,  in  ore  mtl  mirißcum,  in 
•it  neetar  eoelicum.  Der  Hyamui  i»t,  wenn  nickt  vom  hl.  Bernhard  eelbet, 
iwh  in  nHntm  Geitte  und  in  »einer  Schule  gediclU*t:  vgl  TT,  Brtmme,  Der 
rm<M  J.  d.  m.  1899.  Aach  im  folgendvn  sind  Gedanken  aiis  dem  JtAilue 
Inrttl.  9  t.   Hm\  HU:   praetau  in  choro,  prauenn  in  Ihoro,   in  rnrnia, 

«a,  IM  clauttro,  in  foro.  Vgl.  dann  Vita  Kap.  fiw  (176,33  ff.j  and  Strophe  Ä 
iJutrHu»:  Jttum  qtMtram  in  leetulo,  clausa  cordts  cubiculo,  privatim  et  in 
ikeo,  quiteram  amor«  stdalo.  15  PhiL  3,8.  16f.  daz  einig:  6in  =s  &ott. 

tjp  hei  Strauch,  Mqrg.  Ebner,  Anm.  tu  69,  27.  Hör.  63 :  ipaos  luo  aeterno 
ulal  principio.  —  ane  gebildet  minne  :=  ohne  die  imaginea  et  »imilitudinti 
r.  Mi,  deren  nur  auf  Erden  tum   Vtretändnis  bedürfen. 


226  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  Vn. 

allein  verwegen  muge?  Ellü  disA  weit  m6ht]  ein  sogtan  herz  nfi 
widerwegen,  wan  der  menseb,  der  mir  allein  sin  herze  gibet,  der 
lebt  wänklich  und  stirbet  sicherlich^  und  hat  hie  himelrieb  und  dort 
eweklich. 

Nu  Iftg,  ich  han  dir  vil  werte  gegeben,  und  stan  von  dien 
allen  in  miner  minneklichen  Schönheit  als  unberuret,  als  daz  firroa- 
ment  von  dinem  minsten  vingerlin,  wan  es  5ge  nie  gesach  noch  ore 
nie  gehorte  und  in  kein  herze  nie  komen  mohte.  Doch  so  si  dir 
dis  entworfen  ze  einem  underscheide  miner  süzen  minne  und  der 
valschen  zerganklichen  minne.  1 

Der  diener:  Ach,  du  zarter  wünklicher  veltblüme,  du  ge- 
rointes  herztrut  in  dien  umbvangnen  armen  der  reinen  roinnenden 
sele,  wie  ist  daz  so  kuntlich  dem,  der  diu  ie  rehte  enphant,  nod 
wie  ist  es  so  selzen  ze  h6renne  dem  menschen,  dem  du  unkunt  bist, 
des  herz  und  miit  noch  liplich  ist!  Ach  herzkliches,  unbegriSen-i 
liebes  gftt,  dis  ist  ein  liebü  stunde,  dis  ist  ein  süzes  nu,  und  in  dem 
müz  ich  dir  uf  tftn  ein  verborgen  wunden,  die  min  [99']  herze  noh 
treit  von  diner  siizen  minne.  Herr,  gemeinsami  in  minne  ist  ab 
Wasser  in  füre:  minneklicher  herr,  du  weist,  daz  reht&  inbrünstigt 
minne  nit  enmag  kein  zweiheit  erliden.  Ach,  zarter  einger  heiri 
mins  herzen  und  miner  sele,  daf  umbe  so  begert  min  herz  als  innek- 
lichen,  daz  du  sunderlich  liebi  und  minne  zft  mir  hettist,  und  das 
dinu  götlicben  ogen  hettin  ein  sunderlicbes  lustlich  wolgevalleo  in 
mir.  Owe  herr,  du  hast  als  vil  minnender  herzen,  die  dich  herzek- 
liehen  rainnent  und  die  vil  mit  dir  kunnen,  owe,  zarter  truter  herr,  1 
wa  bin  ich  denn  dar  an? 

Entwürt    der   Ewigen    Wisheit:    Ich    bin    ein   solichff 
minner,  der  in  einikeit  nit  wirt  verklemmet  noch  in  der  mengi  ver- 


1  widerwegen  (aus  verwegen  kon\)  Z  enmohte  "FZ  7  dinem]  mine« 
AK  noch]  und  AKZ  14  den  menschen  den  F  17  wunder  F  18  M 
minne  AF^  24 f.  herzkl.  fehlt  F  27  am  Bande  Bemardus  super  Cantic» 
E^F'F'Z       28verkleinet  F^        noch  —  28  f.  ycrmenget  fehlt  F 

3  Hör.  6:2:  quodammodo  in  praesenti  gaudia  inchoat,  qu(U  per  aetei^ 
aaecida  durani.  7  f.  J  Kor,  2j9.  9  Hör.  l.  c. :  quasi  ex  abrupto  pr<M* 

potius  quam  dicta.  11  Hohel.  5,7.  20  Hör,  63:  amor  mtensus  $oci^ 

non  patiturj  non  sustinet  pluralitatem.  27  ff.  Bemardus,  sermo  69  in  CaiA 

n,  2:  pnmo  quidem^  quod  haheat  in  natura  smplicissima  spofisi  divinitas  quttd 
unum  res^yicere  multos  et  quasi  multos  unum.  Nee  ad  multitudinem  «mftat 
erit,  nee  ad  paticitatem  rarus  etc.     Vgl.  Hör.  05  (Verklemmet  =  minoratur). 


Büchlein  det  Ewigen  Weisheit.     Knp.  VII. 


227 


maget  Ich  bin  mit  dir  allein  ze  allen  ziten  als  gar  bekümberet 
ind  geflissen,  wie  ich  mich  dir  alleiu  geliebe  und  volbringe  allee, 
tu  zu  dir  gehöret,  als  ob  ich  aller  ander  dinge  ledig  stände. 

Der  diener:  Anima  mea  liijue facta  est,  ut  dilectns 
ocutufi  est.  Wafen,  wafen,  wa  bin  ich  hin  verfiiretV  Wie  bin 
ch  80  gar  verwiset,  wie  ist  min  sei  so  gar  zerfloBsen  von  des  ge- 
niaten  vrüntlichen  süzen  worteo!  Eva,  ker  dinü  liechtä  5gen  von 
oir.  wan  si  hein  mich  gar  verflöget.  Wa  ward  ie  herz  so  hert, 
ra  wart  ie  sei  so  kalt  und  so  lawe,  die  dinü  süzen  lebenden 
aiDnendü  wort  horti,  du  da  so  übermesseklich  fürin  sint,  es  müz 
Tweicben  nnd  erhitzen  in  diner  süssen  minneV  Owe,  wunder  und 
TQoder  ob  allem  wnnder,  der  dich  also  mit  dien  ögcii  eins  herzen 
ichüwet,  <Iaz  sin  herz  von  minnen  nit  alles  zerHüzet!  Owe,  wie 
«lig  der  minner  Ist,  der  din  gemahel  heisset  und  ist!  Waz  mag 
sr  eblich  süzes  trostes  nnd  verborgens  liebes  von  dir  enphahen!  Eya, 
iiizü,  zartü  jnngfrow  saut  Agnes,  der  Ewigen  Wisheit  minnerin, 
ifh  mobtest  du  dich  dins  lieben  gemabels  so  wol  gesten,  do  du 
ipreehe:  „sin  blftt  hat  minü  wcngel  rosvarwklicb  gezieret!"  Owe, 
Carter  herr,  wan  were  ich  wirdig,  daz  min  sele  hiessi  din  minnerin! 
äich,  were  denn  mugUch,  daz  ellü  wollust,  ellü  vröde  und  minne, 
iie  disü  weit  geleisten  rnag,  legi  an  einem  menschen,  den  wölt  ich 
niliche  dar  umb  uf  geben.  Ach,  [99']  gesach  in  got,  daz  er  ie 
gebom  wart  an  dis  weit,  der  din  minner  heisset  und  ist!  Hetti  doch 
ein  menscfai  tusent  übe.  die  s&lt  er  dar  umb  wagen,  daz  er  dich 
k&nde  erwerben.  0  ir  alle  gottesvründe,  alles  himelsches  her,  und 
iJu.  liebü  jnngfrow  sant  Agnes,  helfent  mir  in  bitten,  wan  ich  enwiste 
nie  reht,    waz  sin  minne  was!     Acb,   berze  mins,    leg  abe,   t(i  hine 


H  Rande  Ängustinua  E^fyZ        ze  a.  n 
f/Mt  F       G  war  AF       7  liechtü]  miltco  F       i 

10  mäste  AKaFF'         17  dich]   dick  K 
|fu  dise  w.  ie  geb.  w.  J?'        2ü  du]  dft  E'Z 


gar  fehlt  E'         ie  kein 
22  dar  uml)  frhll  AF 


0  tu  hone  0 


nipolen 


Iff.  Auffuttiitu«,  Cotif.  III,  11. 

■am,  lanquam  soluin  eure«,  it  nie  omnts,  lanquam  »ingulos. 
A  Boktt.  ä,e.  1  A.a.  0.  6,4.  10  ea  =  das  Hert  15  Turborgeo! 

=  quanta  dulredine  tibi  quidtm  sali  riota,  ab  oculis  a»lem  eiinctoritm 
(tun  ahneondita  prrfraelur  (Hör.  H7 ) !  IS  Mel  et  lac  ex  ort  »tu» 

pl,  et  KaBgvui  eiu»  omatit  getia»  meaa,  Antiphon  au«  der  Malulin  dt» 
*  tUr  hl.  Affiit«  (21.  Jan.)  nach  deta  Dominikaner-  nud  röntifchen  Sre- 
35  H<w.  /.  c:  adiuro  no«  omnig,  o  aettma«  »apientiat  ardenti»simi 
\,  Amtm  diriniffimae  apongat  ffh 


228  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  VII. 

alle  tragkeit  und  Ifige,  ob  da  vor  dinem  tSde  dar  zu  mugest  koroej 
daz  du  einer  s&zen  minne  enphindest!  Wie  hasta  so  traklich  an* 
so  lawklicb  da  her  gelebt! 

Owe,  zartu,  8ch6nä,  uzerweltü  Wisbeit,   wie  kanst  dn  so  reht 
wol  ein  minnekliebes  liep  sin  ob  allem  dem  liep  diser  weit!    Wie 
ist  din  minne  und  der  kreatur  so  ungelicb!     Wie  ist  es  ein  so  be- 
trogen ding,  alles,  daz  in  diser  weit  minneklich  schinet  und  etwas 
wenet  sin,   so  man  es  mit  heinlicbi  reht  beginnet  erkennen!    Herr, 
wa  ich  minü  ogen  ie  hin  gekerte,  da  vand  ich  iemer  ein  ,nisi'  und 
ein  ^enwere  daz';  wan  waz  da  ein  sch5n  bilde,  so  was  es  gnadlosj 
was  es  sch6n  und  minneklich,  so  gebrast  im  wise,  oder  hatte  es 
daz  och,  so  vand  ich  iemer  etwas,  eintweder  von  innen  oder  von 
nznen,   dem  der  ganze  ker  mins  herzen  widersprach.     In   heinlidu 
nnd  in  kuntscbaft  fand  ich,  daz  es  sin  selbs  ein  verdriessen  uf  in 
trfig.     Owe  aber  dn,  du  Schönheit  mit  grundloser  lätzelikeit,  giaiH 
mit  gestalt,  wort  mit  wise,  edli  mit  tugenden,  richtfim  mitgewalte, 
inwendigü  vriheit  und  uzwendigü  klarheit,  und  ein  ding,  daz  ich  io 
zit  nie  vand,  daz  ist:  ein  rehtes  widerlegen  nah  genügde  an  kunnenoe 
und  vermugenne  und  einem  begirlichen  wellenne  eins  reht  minnendoi 
herzen !   So  man  dich  ie  bas  erkennet,  so  man  dich  ie  lieber  gewinet;  9 
so  man  dir  ie  heinlicher  ist,  so  man   dich  ie  minneklicher  yindet 
Wafen,  wafen,   wie  bist  du  ein  so  grundloses,   ganzes,  luter  git! 
SchSwent  ellä  herzen,   wie  die  sint  betrogen,   die  ir  minne  an  it 
anders  legent!     Ach  ir  valschen  minner,   vliehent  verre  von  mir, 
genahent  mir  niemer  me,  wan  daz  einig  liep  han  ich  minem  herzen  S 
US  erkorn,  da  herze,  sele,  begirde  und  alle  mine  krefte  allein  gesattet 
werdent   von   inneklicher  liebi,   du   da   niemer   zergat.     Owe  herr, 
könd  ich  dich  uf  min  herz  gezeichen,  könde  ich  dich  in  daz  innigoste 
mins  herzen   und    miner    ^ele  mit  guldinen  bfichstaben  gesmelzen, 
daz  du  niemer  [100']  in  mir  vertilget  wurdist!     Owe  jamer  und* 
not,  daz  ich  min  herz  nut  ie  und  ie  da  mitte  bekumberte!    Wal 


2  siner]  diner  F  6  f.  [so]  betrogen  JF^  14  früntschaft  F  181  an  fc 
n.  vermug.  fehlt  F^  19  und  an  v.  K^  reht  miiin.]  begirlichen  F^  2S  giitf* 
fehlt  E^  25  in  minem  h.  ÄFF^  26  gesattet]  geaamnet  F^  28  geaechcni 
geziehen  F 

« 

9ft\  Hör.  68:  fateor  mt  ...  invenisse  hoc,  quod  in  proverbio  dieÜMr:  ^ 
caruere  nisiy  non  sunt  oculis  mihi  visiy  . . .  nam  si  aderat  pulchrütido  corpifriii 
(Uerat  formoaitas  mentis;  subiectum  delicatum  nonnunquam  morum  imeemft 
sitione  . , .  peccabat :  wise  =  Art  sich  zu  gehen ,  feine  Sitte  (Buht)  im  Gtge^ 
satg  zur  rusticitas  generis  (l.  cj.  16  wort  mit  wiae  =  Text  und 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  VIII.  229 

babe  ich  von  allen  minen  minnern,  denn  yerlorues  zit,  vervarnü  wort^ 
ek  1er  hand^   wenig  guter  werke   und  ein   geladen  gewissen!   mit 
gebresten?     Zarter  herr^  töde  mich  e  in  diner  minne,  wan  von 
dinen  minneklichen  Tuzen  enwil  ich  niemer  me  gesebeiden! 
5  Entwurt  der  Ewigen  Wisheit:  Ich  värkum  sü^  die  mich 

sAcbent  und  enphahe  sü  mit  lieplicher  yr5d,  die  miner  minne  be- 
gerent  AUeS;  daz  du  5cb  in  zit  enphinden  mäht  miner  süzen  minne^ 
daz  ist  als  ein  tröphlin  gegen  dem  mer  gegen  der  minne  der  ewikeit. 


Vm.  Kapitel. 

10  Ctn  narlchtnnge  drier  dinge,  du   einem  minner  aller  meist 
nohtia  an  got  widerstan.    Daz  ein  ist:  wie  er  so  zomlich 
mng  geschinen  nnd  doch  so  minnklich  sin. 

Der  diener:  Ach  zarter  herre,  nu  wandert  mich  drier  dinge 
als  inneklichen  vaste.    Daz  ein  ist:  daz  du  als  überminneklich  bist 
^  an  dir  selben,   nnd  du  doch   ein  als  gar  strenge  richter  bist  der 
nriteetat.    Herr,  wenn  ich  mich  hinderdenk  an  din  grimmen  gerehti- 
kdt,  so  schriet  min  herz  mit  senlicher  stimme:  we,  we  allen  dien, 
die  iemer  gesündent,  wan  wüstin  sü  die  strengen  rehtvertikeit,   die 
du  also  swjgende  wilt  ane  alle  widerred  haben  von  einer  ieklichen 
80  Bünde,  dennoch  von  dinen  aller  liebsten  vrunden,  sü  soltin  in  selber 
6  die  zene  und  daz  bar  us  zerren,   e  daz  su  dich  iemer   erzurndin. 
Owe,  din  zomliches  antlät  ist  so  gar  grimme,  din  unwertliches  von- 
1     keren  ist  so  unlidig,  we  mir,  und  dinü  vientlichen  wort  sint  so  gar 
1^    ftrin,  daz  sü  durchschnident  durch  herz  und  durch  sele.    Owe  herr, 
f*  beschirme  mich  vor  dinem  zornlichen  antlüt,   und  gespar  din  räche 
L   8^n  mir  nit  an  ene  weit.    Sich,  so  ich  allein  einen  arkwan  hab, 
4tt  da  von  minen  verschalten  gebresten  din   antlüt  habest  unwert- 
lich von  mir  gewendet,   herr,   daz  ist  mir  so  unlidig,   daz   mir  nüt 
in  diaer  witen  weit  so  reht  bitter  ist.    Owe,  herre  und  getrüwe  vater 
^^Jöine,  wie  sSlti  denn  min  herz  din  grüwliches  antlüt  iemer  erliden ! 
Aeh,  wenne  ich  reht  gedenk  au  din  entstaltes  zornliches  antlüte,  so 
^rt  min  sei  als  gar  ergremmet,  ellü  min  kraft  erzittret  als  gar,  daz 


6  m.  sfizen  minne  F^  11  an  ^ot  fehlt  A  au  ^.  mohtln  Ka  13  d. 
fiener  fMt  E^H  20  f.  [in  selber]  e  die  zene  u.  d.  har  in  lassen  uz  z.  F 
Ä  00  reht  nnl.  F^  we  mir  fehU  F^  24  und  [tUirch]  Fa  die  sele  AK 
oh  g,  mir  E^Z       27  f.  von  m.  unw.  Z 


230  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  IX. 

ich  im  enkein  gelich  kan  geben,  denn  als  so  der  bimel  beginn 
tanklen  und  swarzen  und  [100^]  daz  für  in  dien  wnlken  wütet,  ni 
ein  starke  tonre  den  wölken  zerret,  daz  daz  ertrich  erbidemet,  m 
denn  du  fürin  strale  schüsset  gegen  einem  menschen.  Herr,  niem; 
laze  sich  an  diu  swigen,  wan  gewerlich  din  stilles  swigen  geral 
ze  jüngste  ze  einem  grimmen  tonren.  Herr,  din  zomliches  antlu 
dins  yetteriichen  zornes  ist  dennoch  einem  menschen,  der  di< 
YÜrchtet  ze  erzürnenne  und  ze  verlierenne,  ein  helle  ob  aller  he 
—  ich  wil  geswigen  dez  grimmen  antlütes,  daz  die  b6sen  an  de; 
jüngsten  tag  mit  herzleide  müssen  sehen.  We,  we  nnd  iemer  iv 
dien,  die  des  grozen  jamers  beitent  sint! 

Herr,  dis  ist  in  miuem  herzen  ein  groz  wunder,  und  du  dod 
spri ehest,  daz  du  als  minneklich  siest? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Ich  bin  daz  unwanddber 
gut  und  stan  gelich  und  bin  gelich.  Aber  daz  ich  ungelich  schine^ 
daz  kumt  von  ungelicheit  dero,  die  mich  ungelich  mit  sünde  oihI 
ane  sünde  sehent.  Ich  bin  minneklich  an  miner  nature,  und  bii 
aber  doch  ein  vorhtliche  rihter  der  missetat.  Ich  wil  von  minen 
TTÜnden  kintlich  vorhte  und  lieplich  minne  haben,  daz  sü  die  vorbte 
ze  allen  ziten  uf  enthalt  vor  Sünden,  und  du  minne  mir  vereine  mit 
ganzen  trüwen. 


IX.  Kapitel. 

Daz  ander :  war  nmbe  er  sich  sinen  Trdnden  dik  nah  herdist^ 
enzühet,  und  wa  bi  man  sin  waren  gegen würtkeit  erkeni^ti 

Der  diener:  Herre,  es  ist  alles  nah  herzen  wünsch  denn  ditf- 
Gewerlichen,  herre,  so  ein  sei  recht  kreftlos  wirt  nah  dir  und  nach 
dem  süzen  miunekosen  diner  süzen  gegen würtikeit,  herr,  so  swig«^ 
du  und  sprichest  ein  einig  wort  nit,  daz  man  mug  gehören.  Ow^j 
min  herr,  sol  daz  nit  we  tun,   so  du,  zarter  herr,  bist  ^az  einil 


3  daz  daz  —  erbid.  fehlt  AK  7  din  vetterliche  zom  AZ  10  «eke^. 
jehen  F  iemer  me  E^  16  mit  sönden  FZa  17  und  bin  fehU  K  84  be- 
kennet F       25  d.  diener  fehlt  H 

19  ff.  Hör,  72:  ehetos  meos  in  hoc  mundo  timoretn  pariter  ei  afnomi  Äij^ 
habere  expedit,  ut  et  timor  semper  animam  solUcitana  a  naxüs  r§trakat  ex(ß 
aihus,  et  amor  laetificans  erigat  ad  supema,  28  L,  e, :  subtraetio  ükä 

contra  votum  diligentia.     Vgl,  zum  ganzen  iCapitel  David  wm  Augi^mrg^  D 
compos,  IIIj  69,  23  Hör,  73 :  nullum  omnino  dai  inteUigünle  n 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  IX.  231 

nterweltes  herzli«p,   und  du  dich  denne  als  yrömdeklich  gebarest 
nnd  als  stille  swigest? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:    Mich   rüfent  doch  alle 
kreataren^  daz  ich  es  si. 
5        Derdiener:   Owe,  herr,  es  ist  einer  verseneden  sei  hier  an 
oit  g:enüg. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:   So  ist  ein  ieklich  wort, 

daz  von  mir  gesprochen  wirt,  ein  minnebötlin  zu  ir  herzen,  und  ein 

ieklich  wort  der  heiligen  schrift,   daz  von  mir  geschriben  ist,  ein 

losozer  minnebriefy   als  ob   ich  in  ir  selber  hete  geschriben.     Sol  si 

dar  an  nit  genügen? 

Der  diener:  Owe,  zartes,  az[101 'Jerweltes  liep,  nu  weist  du 
doch  wol,  daz  einem  minnenden  herzen  ungenflg  ist  alles,  daz  sin 
ehiig  lieb,  sin  einig  trost  nit  selber  ist.     Herr,   du  bist  als  gar  ein 

KtrailiehSy  uzerweltes,  grundloses  liep,  sich,  und  daz  dich  mir  aller 
engel  znngen  sprechin,  so  tringet  und  ringet  du  grundelos  minne 
alles  nah  dem  einen,  den  si  da  begert.  Ein  minnendu  sele  neme 
dich  doch  vnr  daz  himelrich,  wan  du  bist  ir  himelrich.  Owe  herr, 
da  göltist,  getdrste  ich  es  sprechen,  dien  armen  minnenden  herzen 

H)  ein  klein  gelöbiger  sin,  du  da  nah  dir  darbeut  und  torrent,  d6  so 
mengen  inneklichen  grundlosen  süfzen  nach  dir,  ir  einigem  liebe, 
lazent,  du  so  ellendklich  nah  dir  uf  sebent  und  mit  herzklicher 
atimme  sprechent:  „revertere,  revertere!"  und  mit  in  selber  einredent 
nnd  sprechent:  „owe,  wenest  du,  ob  du  in  habest  erzürnet,  und  ob 

*  er  dich  welle  lazen  vam  ?  Wenest  du,  ob  er  iemer  me  dir  welle 
wider  geben  sin  minneklichen  gegenwurtikeit,  daz  du  in  mit  dien 
snoen  dins  herzen  minneklich  umbvahest  und  in  din  herz  truckest, 
dai  alles  din  leid  verswinde  ?** 

Herre,  dis  hörst  du  und  weist,  und  swigest? 


3  f.  am  Rande  Paulus  E^F^F'^Z       5  owe,  zarter  herr  AKa        18  wan 

**  himelr.  fehlt  F         19  gesprechen  FZ  20  tiirrent  aus  trurent  korr,  E^ 

21  grundlosen  fehlt  JP*         22  du  do  so  F  26  f.  ob  er  dir  iemer  me  wider 
»eüe  g.  E^        29  du  feMi  K 

3  Vgl,  Rom.  l^iO,  11^36,    Hör,  l,  c. :  magnitudo  et  puXchriiudo  cuiusltbet 
cnaturae  poierit  pro  me  reapondere,  9  f.  Z.  c. ;  quamlihet  paginam  (sacrae 

fcripiurae)  pro  liiera  amoroea  . . .  euscipiat.  Vgl.  Greg,  ilf.,  Reg.  F,  46  (Mon, 
Oerm,  Ep.  /,  34Ö) :  quid  est  autem  scripiura  sacra  nisi  quaedam  epistola  omni' 
dei  ad  ereaturam  euam?  15  daz  =  etiamai  (Hör.  74). 

28  Hohü,  6,12;   einredent  =  secum  confabtUantur  (Hör.  l  c). 


232  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  IX. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Ich   weiss  es  und  Bibe 
es  mit  begirlichem  herzlaste. 

Du  Wisheit  vraget:  Nn  entwärt  mir  och  einer  vrage,  sider 
du  als  togenlichen  fündlest :  waz  ist  daz,  daz  dem  h6hsten  geschaf- 
nen  geist  aller  best  smacket  under  allen  dingen?  I 

Der  diener:  öwe  herr,  daz  beger  ich  von  dir  ze  wissenDe, 
wan  dö  vrage  ist  mir  ze  hohe. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:   So  wil  aber  ich  dir  es 
sagen.     Dem  obresten  engel  smakt   not   baz,   denn   minem  willen 
gnüg  sin  in  allen   dingen;   und  wüsti  er,   daz  min  lob  gelege  anH 
neslan  uz  brechen  und  ander  unkrut,   daz  were  im  daz  begirlicbest 
ze  volbringenne. 

Der  diener:  Ach  herre,  wie  schiebest  du  mich  an  diser 
yrage !  Wan  du  meinest,  daz  ich  mich  halte  ledklich  und  gelazenlieb 
an  luste,  und  din  lob  allein  suche  in  hertikeit  als   in  der  suzikeitfl 

EntwArt  der  Ewigen  Wisheit:  Ein  gelazenheit  ob  aller 
gelazenbeit  ist  gelazen  sin  in  gelazenheit. 

Der  diener:  Owe  herr,  es  tut  aber  als  gar  we, 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Wa  wirt  du  tugent  b^ 
weret,  denn  in  der  widerwertikeit?  Aber  doch  so  [101^]  wussest,* 
daz  ich  dik  kum  und  beger  eines  inganges  in  min  hus^  so  es  mir 
verseit  wirt;  dik  wird  ich  enphangen  als  ein  bilgri,  und  wird  QQ- 
wirdeklich  gehalten  und  schiere  us  getriben.  Aber  ich  kum  zu  min^ 
geminten  selb  selber,  und  hab  ein  minnekliches  wonen  bi  ir;  aber 
daz  geschiht  als  togenlich,  daz  es  gar  verborgen  ist  allen  menscben^  fl 
denn  allein  dien,  die  als  gar  abgescheiden  sint  und  miner  weg  war 
nement,  die  ze  allen  ziten  uf  der  läge  stant,  daz  sü  miner  gnade 
gnüg  sien.  Wan  ich  bin  nah  miner  gotheit  ein  Inter  wesentlicber 
geist,  und  wirde  geistlichen  in  den  luteren  geisten  enphangeo. 

Der  diener:  Zarter  herr,  mich  dunket,  du  siest  gar  ein  tSgen-* 
lieber  minner;  dar  umb  beger  ich,  daz  du  mir  etlichü  zeichen  gebest 
diner  waren  gegenwürtikeit. 


5  smake  i'*        6  daz]  des  1'?  9  den  obersten  engelen  F       10  lege  £* 

13  diser]   diner  F         16  herzeleit  F  der  fehlt  E^F        21  daz  daz  FP 

22  und  w.  —  23  us  getr.  fehlt  K       25  daz  —  tog.  fehlt  F       29  in  d.  L  geisten 
fthlt  AK  in  dem  1.  geist  F 

16  f.  Dieser  Sprt^ch  wird  in  d$m  Traktat  von  den  drei  Fragen  fM  tef^ 
sprichet:  ein  gelassenheit  etc.,  bei  Denifle,  Tauler a  Bekehrung  1879,  140)  wU 
darnach  in  Rülman  Mersicins  Traktat  von  den  drei  Durchbrüchtm  (JuM^ 
Histoire  du  panthiisme  populaire  au  moyen-äge  1875,  217)  sUiert. 


Mehlrin  der  Ewigen  Weiaheit.    Knp.  IX.  233 

Entwnrt  der  Ewigen  Wisheit:  Min  waren  gegenwärtikeit 

[ennest  dn  in  keiner  wiae  als  wol  als  hier  inne :  gwenne  icb  mich 

Mfge  und  daz  mine  von  der  eele   gezühe,    m   wirst   du    erst   innan, 

wer  ich  bin  ald  du.     Ich  bin   daz   ewig   gttt,   aue   daz   gflt   oieman 

IDt  gätes  hat;  und  dar  umb,  so  ich  mich,  daz  ewig  gät,  als  gütlich 

\i  als  minneklich  entgusse,  so  gütet  sieb  nlles  daz,  da  icb  hine 

le,  da  bi  man  min  gegenwürtikeit  mag  erkennen,  als  die  sonuen 

rir  glaste,  die  mau  docb  an  ir  subetanci  nüt  sehen  mag.    Befunde 

niu  ie.   so  gang  in  dich    selber,   und  lerne  die  rösen   von  den 

len  scheiden  und  die  biAmen  von  dem  grase  us  lesen. 

Der  diener;  Herr,  gewerlieh,  icb  efich  und  vinde  in  mir  ein 
groz  unglieheit.  Swenne  ich  stan  in  gelassen Ijeit,  so  ist  min 
ll  als  ein  sieirhe  meni^ch,  dem  nüt  uol  smaket,  dem  ellii  ding  uq- 
ntig  sint;  der  lib  ist  trege,  der  müt  ist  swere,  inwendigü  hertikeit 
Dod  nswendigii  ti'urikeit.  Mich  vordrüzet  denne  alles,  daz  icb  sihe 
Dud  h6re  und  weis,  swie  gut  es  ist,  wan  mir  enpballet  alle  glimpf. 
Ich  bin  deune  geneiget  ze  gebresten,  krank  ze  widerstene  dien 
Tienden,  kalt  und  law  ze  allen  guten  dingen.  Swer  mich  au  kuniet, 
der  vindet  ein  Ödes  bus.  wan  der  wirt  ist  da  heime  nit,  der  da 
bn  rat  git  und  von  dem  daz  Ingesinde  alles  wolgemfit  ist. 

HeiT,  so  aber  der  liebte  morgeusteine  nf  bricbet  enmitten  in 
sele,  so  zergat  alles  leid,  es  verswindet  ellü  vinBtri  und  gat 
die  lieht  beitri,  herr,  so  lachet  min  berz,  so  [102']  hüget  sich 
gemäte,  so  vröwet  sieb  min  sele,  so  ist  mir  als  reht  bohzitklicb, 
alles,  daz  in  mir  und  an  mir  Ist,  verkert  sich  in  dJn  lob.  Swaz 
le  swercs,  mülicfaes  und  uiiranglichea  whz.  daz  wirt  alles  übte 
eüze:  vasten,  wachen,  betten,  liden,  miden  nud  ellü  strenkeit 
genzklich  vernibtet  in  der  gegenwürtikeit.  Icli  gewinne  denn 
»ig  groz  vermesHcnheit,  der  ich  doch  ab  gan  in  gelazenheit.  Du 
wirt  mit  klarheit  und  warheit  und  süzekeit  durcbgossen,    daz  si 

4  wer  iifh  [bin]  ald  dn  biat  E^Ff  fbist  raditrt  AV  7  min  wären 

Inw.  AKaF  ob  die  a.  —  8  sehen  mag  f»Mt  AK  9  gang-]  lang  K 
hm  fthU  AK  11  f.  [ein]  gar  AK  13  dem  nöi  w.  Kinaket  fehU  AK 
illes  des,  daz  AKaF^        16  wan  frhit  AK        26  wirt  dii'  FF^ 

it.  Domen  und  Grat  beileutea  den  menschlichen,  Bonen  und  Blumen  dm 
ihtti  Trott,  14  B-or.  TU:  cordis  durüia  ac  spirüua  trittüia  genUlvr. 

■ü  L.  c:  paterfamiliat  omaea  domaticos  btntdictiom  el  hHaritaU  rtplnu 
tu.  28  f.   ffor.  BO  daiUlicher:   in  ta  quoque  hora  gratiae  Bjiiiäuatie 

*mendart,  moru  corrigere  ae  multa  bona  factre  /iropono,  guae  gratxa 
»te,  ht»,  minimt  ad  efftclum  pei-dueo. 


^ 


234  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  IX. 

aller  arbeit  vergisset.  Daz  herz  kan  suzklich  betrahten^  du  zang 
höh  sprechen,  der  lip  cllA  ding  geriugklich  an  grifen^  and  8we 
n&wan  sftehet,  der  vindet  denne  hohen  rat  alles,  des  er  begeret 
Mir  ist  denne,  wie  ich  habe  Abergangen  stat  und  zit,  und  stände  ii 
dem  vorhove  ewiger  selikeit.  Ach  herr,  wer  git  mir,  daz  es  nüwai 
lang  werti!  Wan  geswind  in  eime  Sgenblike  wirt  es  verzucket,  onc 
bin  denn  bloz  und  gelazen,  etwenn  gnü  nah,  als  ob  ich  es  nie  hett 
gewunnen,  unz  daz  es  aber  nach  herzklichem  jamer  wider  kamt 
Ach  herr,  bist  du  daz,  oder  bin  ich  es,  oder  waz  ist  es? 

Entwurt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  bist  und  hast  voodii 
not  denn  gebresten;  ich  bin  es,  und  dis  ist  der  minne  spil. 

Der  diener:  Herr,  waz  ist  der  minne  spil? 

Entwurt  der  Ewigen  Wisheit:  Alle  die  wile  liep  bi 
liebe  ist,  so  enweis  liep  nit,  wie  liep  liep  ist;  swenn  aber  liep  yoi 
liep  gescheidet,  so  enphindet  erst  liep,  wie  lieb  lieb  waz. 

Der  diener:  Herr  dis  ist  ein  muliches  spil.  Ach  herr,  wir 
du  wandelberkeit  ut  ab  geleit  an  keinem  menschen  in  zit? 

Entw&rt  der  Ewigen  Wisheit:  An  vil  wenig  menscheii 
wan  dö  unwandelberkeit  gehört  zu  der  ewikeit. 

Der  diener:  Welü  sint  du  menschen? 

Entwurt  der  Ewigen  Wisheit:  DA  aller  lutersten  an 
der  ewikeit  du  aller  glichsten. 

Der  diener:  Herr,  welü  sint  du? 

Entwurt  der  Ewigen  Wisheit:  Daz  sint  du  menschet 
d&  alles  mittel  aller  genötest  hein  ab  geleit. 

Der  diener:  Zarter  herr,  lere  mich,  wie  ich  mich  nach  min€ 
nnyolkomenheit  hier  inne  säl  halten. 


2  beringklich  AK  3  des]  daz  iC  5  es]  ich  (!)  iC  11  dis]  du  i 
17  unwandelbarkeit  FF^  18  am  Rande  Bemardus  E^F^F^Z  26  nac] 
in  AK 

13  ff.  X.  c. :  hoc  enim  proprium  amoria  esse  solet,  ut,  quanius  sü,  praiseni 
amabili  lateat,  recedente  vero  magis  percipiaiur.  17  wandelberkeit  =  Weeki^ 
Mwischen  fühlbarer  Gnade  und  geistlicher  Trockenheit  (vicissiiudo  Visitation 
Hör.  l,  c, ;  ähnlich  auch  Bernardus,  sermo  32  in  Cant,  n.  2).  18  BemanM» 

De  dilig.  Deo  10  n.  27;  U  n.  39.  Vgl.  auch  Bdw  Kap.  4  gegen  Schluss.  Bor. 
l.  c:  paucissimi;  nimirum  tania  divinorum  in  homine  patiicipatto  staJnVte^ 
est  quasi  quaedam  inchoatio  aetemitatis.  21  Hör,  61 :  hi  s%uU,  qm  MMi 

purissimis  affectibus  ab  infimis  abstracti  et  longo  iam  usu  et  exereitio  dmforwä 
quodammodo  effecti  divinis  rebus  continue  uniuntur.  25  Z.  c. :  ^i  JN 

secessum  mentis  perfectissime  omne  medium  dividens  deum  et  annmam  tatß  ak 
critate  deposuerunt.  27  hier  inne  besieht  sich  auf  wandelberkeit  fiuile 


M  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kup.  IX.  235 

■  Entwürt  der  Ewigen  Wisheit;    Du  solt  in  dien  göten 

H  b^n  die  bösen   an   sehen,    und   in   dien   busen   der  giften   nit  ver- 
M  ge»Ben,  so  enkan  dir  weder  liberuiiitikeit  in  der  gegen wiii-tikeit,  noch 
r  ifrarmütikeit  in  gelazenheit  gescbadeii.    Entnabt  du  von  diner  klein- 
1  bell  dich  nob   nit  min  verzifaen  nah  luste,    bo   hab  [102']  docb  min 
GH  gedaltig  heiten  nnd  ein  minneklicbes  suchen. 

Der  diener:  Owe  herr,  langes  heilen  daz  tfit  wel 

Entwiirt  der  Ewigen  Wisheit:  Nu  müzz  er  wol  nnd  we 

Ingen,  swer  in  zit  kein  liep  wil  haben.     Es  genüget  tiit  dar  an, 

10  daz  man   ein   zit  des   tages   mir  git,    er   nifiz   ein   stetes   innebliben 

hun.  der  gotes  inrlich  bevinden  wil  und  sinn  heiniUchü  wort  gehören 

und  sin  tÖgen  sinne  gemerken  wil. 

Eyn,  wie  last  du  dinü  ögen  und  din  herze  so  unbednhteklich 
Bnibe  gan,  und  du  daz  wünkÜch,  daz  ewig  bilde,  hast  vor  dir 
'Kuände,  daz  mit  einem  ogenblike  niemer  ab  dir  gewenketi  Wie 
lazesl  du  dir  dinä  oren  endrinnen,  und  ich  zft  dir  so  manig  minnek- 
lich  Wort  spriehe!  Wie  vergissest  du  din  selbes  so  berlich,  und  du 
mit  dem  ewigen  gute  so  gegen wftrtikli eh  umbgeben  bist!  Waz 
flehet  dti  sei  in  keiner  nsserkeit,  dii  daz  bimejricli  so  tügenlich  in 
ire  treit  V 

Der  diener:  Herre,  waz  ist  daz  himelricb,  daz  in  der  seleist? 
Entwiirt  der  Ewigen  Wisheit:    Daz    ist   gerehtikeit  und 
Trid  nnd  vr6d  in  dem  heiligen  geiste. 

Der  diener:  Herre,  ich  erkenne  an  diser  red,  daz  du  mengen 
'erbwgnen  wandel  hast  in  der  sele,  der  ir  gar  verborgen  ist,  und 
du  du  die  sele  zühest  in  tögenheit  und  wisest  wol  müzklicb  in  die 
xinDe  nnd  bekantnüsse  diner  hohen  gotheit,  dii  da  vor  allein  be- 
kiSmbert  waz  mit  diner  suzen  menscheit. 


1  am  Rande  Salomon  E'F'HZ  7  herre  rot  diirchstr.  i'  8  am 

■"«wie  BemarduH  E^Z  9  benaget  mich  nit  !■'  16  bo  eniir.  Z  21  herre 
ftUlAR  [daz]  bimelr.  AK  22  am  Randt  Paulue  E'F'Z  24  rede  wol  £< 
H  Itgenlicheit  Z 

1—2  Siiach  11^.     Vgl.  David  von  Augsburg  l.  c.  (td.  QtMiaeehi  371). 
3f.  Bor,  I.e.:  Kc  U  quidei»  n«c  üi  praaentüi  grattat  ultra  modHtn  extoUa», 
"K  in  abufUia  ultra  quam  expedii  depnmai,  7    Vgl,  Sprkhte.  13,12. 

8   Vgl.  Btrnardv»,  ttrmu  61  in  Cant,  n.  1.  10  Hör.  69:  unam  hvntlam 

Umpi/ri».  13  f.  L.  e.:  cur  inquam  vagahunda  corde  et  oeulis  ti-emutit  ae 

m ßnta  urbi/i  terrae  rotalU  »lare  eoratn  lanla  spansa  pratsumü  etc.? 
19   Vgl.  Luk.  17,21.  22f.  Rom.  14,17- 


L 


236  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  X. 


X.  Kapitel. 

Daz  drite:  war  nmbe  es  got  slnen  yründen  als  reht  übel  in 

zit  gestattet. 

Der  diene r:  Herre,  so  ist  ein  ding  in  minem  herzen,  getörste 
ich  daz  z&  dir  gesprechen?  Ach,  suzer  herre,  wan  getörste  ichna 
mit  dinem  nrlob  mit  dir  disputieren  als  der  heilig  Jeremias!  Zarter 
herr,  nn  z'um  nit,  and  hör  es  gedultklicb!  Herr,  sü  sprechent  also: 
wie  inneklich  süze  din  minne  und  din  vräntsehaft  si,  so  last  da  si 
doch  dinen  vrunden  under  stunden  gar  sur  werden  mit  mengem 
bitterlichem  lidenne,  daz  du  inen  zfi  sendest  von  versmechte  tod  ü 
aller  der  weit  und  von  menger  widerwertikeit,  beidü  uzwendig  and 
inwendig.  So  ein  mensch  doch  erst  getrittet  in  din  vrüntscbaft,  80 
ist  der  erste  trit  dar  nah,  daz  er  sich  bereite  und  bewegenlich  setie 
uf  liden.  Herr,  dur  dinü  güti,  waz  mngen  sü  süzikeit  hier  inne 
ban,  ald  wie  macht  du  es  alles  erliden  an  [103']  dinen  yr&ndeD?! 
Oder  gerfichest  du  es  nit  ze  wissenne? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Als  mich  min  vater 
minnet,  also  minne  ich  mine  vrönde.  Ich  t&n  miuen  vründen  na^ 
als  ich  in  han  getan  von  angenge  der  weit  bis  an  disen  bätigen  tag. 

Der  diener:  Herr,  daz  ist,  daz  man  klagt,  und  dar  umb  so 
sprechent  s&,  daz  du  so  wenig  vründen  hast,  wan  du  inen  es  so 
gar  übel  in  diser  weit  gestattest.  Herr,  dar  umbe  ist  ir  och  vil,  9€ 
sü  dine  vrüntscbaft  erwerbent  und  sü  in  lidenne  beweret  son  werdeOt 
daz  sü  dir  abe  gant,  owe,  und  daz  ich  mit  herzklicbem  leid  uaä 
mit  bitterlichen  trehnen  mins  herzen  müs  sprechen,  daz  sü  denoc 
wider  hinder  sich  gant  uf  daz,  daz  sü  gelazen  durch  dich  hatten. 
Herr  mine,  waz  sprichest  du  hier  zu? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Disü  klage  ist  dero  men- 


4  d.  diener  fehlt  F'  6  nn  fehlt  AK  16  nit  fMi  F        17  am 

Sande  Ewangelium  F^Z        19  in  fehlt  AFa        disen]  den  JP        20  ist  och  ^ 
da  klagt  F^  21   es  in  Z  22  gest.  in  d.  w.  E^  23  son  bew.  w.  P 

28  am  Band  In  coUacionibus  patrum  E^F-Z        diso]  du  FF^ 

1  Kap.  10—12  auch  hei  Wackemagel  a.  a.  0.  1039—62.  Kap.  10  i^ 
im  Hör,  83  ff.  (c.  9)  in  erweiterter  und  gros/tartiger  Weise  durchgeführt* 

6  Jerm.  1.9,1  f.  7  sü  =  die  Menschen.  12  f.  SifXich  2,1  f. 

17  f.  Jöh.  15,9.  Ergänze  nach  dem  Hör.  87:  mein  (Christi)  Leben  war  voS 
Leiden,  der  Jünger  ist  aber  nicht  über  dem  Meister  (Joh.  15,18;  Luk.  6,40), 

28—237,2  Joh.  Cassianus,  Collat.  VI,  2  (Hör.  88). 


BüchieJD  iler  Enigeii  Weisheit.    Knp.  XI. 


237 


«eben,  da  krankes  globen  siot  nnd  kleiner  werke,  lawes  lebenes  nnd 
ODgeübtes  geistes.  Aber  du,  gemintü,  wol  uf  mit  dinem  mftte  nsser 
dem  horwe  und  der  tiefen  lacbun  liplicber  wollnat!  Eutechlüs  din 
inren  sinne,  tft  uf  dinü  geistlichen  ogen  nnd  Ifig,  nim  eben  war,  waz 
£  dn  bist,  wa  du  bist  und  war  du  borest;  sieb,  so  mäht  da  giifen, 
daz  ich  minen  vTiinden  daz  aller  minneklicbest  tön. 

Da  bist  nach  dinem  natürlichen  wesen  ein  spiegel  der  gotheit, 
da  bist  ein  bilde  der  drivaltkeit  und  bist  ein  esemplar  der  ewikeit. 
Und  als  ich  in  miner  ewigen  ungewordenheit  bin  daz  gAt,  daz  da 
toiet  endlos,  also  bist  du  nacb  diner  begirde  grundelos;  und  als  wenig 
ela  kleines  trüpbli  erscbüsset  in  der  hohen  tieh  des  meres,  als  wenig 
frschusse  an  der  erfnllnnge  diner  begirde  alles,  daz  d6  weit  ge- 
leislen  mag. 

So  bist  dn  in  dem  eilenden  jamertal,  in  dem  liep  mit  leide, 
luben  mit  weinenne,  vr6d  mit  trurkett  vermischet  ist,  in  dem  ganz 
vüe  nie  herz  gewan;  wan  es  trüget  und  lüget,  als  ich  dir  sagen 
wil,  es  gebeisset  vil  und  leistet  wenig,  es  ist  kurz,  unstet  und 
ttudelber;  hüt  liebes  vil,  morne  leides  ein  herze  rol,  sieb,  daz  ist 
dit  zites  spil. 

XI.  Kapitel. 
Ton  iemer  werendem  we  der  helle. 


£ya,   min   uzerweltü,    nu   lag    von    allem   gründe 
^  kleglichen  jamer.     Wa  sint  nu  alle  die,   die  sich  I 


2  mit  d.  mSt«  fehU  AK 
"•inu  Z,  bloss  ^uguBt.  F'F' 
'»Kleides  Tol  AK         21  we] 


IS   herzen 
her   mit 


6  w«  do  b.  fthtt  F        1  am  Bande  I  Äugu- 
8  bÜder  i-''        14  -im  Rande  UZ        18  ejii 


2  f.  Bor.  l.  c:  tu  avlem  tn  nostra  apirituati  philosophia  aiiter  inMiiiutu/i 

*^iiFgt.  ....  gurge  igüar  de  viaeosa  obseomtitate  teinpomlium  deleetaltonum ! 

7  f.   L.C.:   tu   namque  es   speculum  divinitatis,   to  quod  in  te  priacipaliiu 

IMw  m  etttris  crtaturis  dem  reluctat  .■  imago  trinitatis,   eo  quod  eiw  imago 

*  ft  r;gplendatl  (nämlieh  in  den  drei  obersten  Kräften  der  Se'le) :  exemplar 

'^tniiatit,  eo  quod  inviolabili  incoiruptione  gaudeas.      Vgl,  Aug.,   De  trm, 

■tt  J/.;  XI.  7  n.  12;  Bern.,  sei-mo  45  dt  div.  it.  6:  Thomas,  S.  Th.  1  q.  m  a.  6. 

16  ea  ^^  «NM  in  diesem  Jammertal  tat.  21  Attch  dieses  Kittel  i»l  im 

Sor.  i^Sff.  c.  il>  bedeutend  moeilert;  die  Bestrafung  der  tintilnen  Sünden  wird 

/am  in  dantesien  Farbin  ge»ekitden.     Vgl.  dasu  Mechlhild  von  Magdeburg, 

yUtssendtt Licht  der  Gottheit  ed.  Gail  Morel  1869,  83 ff.;  Hugo  von  Langenstrin, 

MarUna  ed.  Seiler  165$,  60,  43^73,  90  und  dessen  Quellen  :  Innoeent,  De  con- 

tfmptu  mundi  III,  4  und  Hugo  de  Argent.,  Comp,  theol.  verilatia  VIT,  32. 


238  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XL 

rftw  und  laste  nider  liezen  in  diz  zit,   mit   Zartheit  und  des  libes 
gemach?    Eya  jamer,   waz  hilfet  sü  [103^]  ellä   d6  yr6de  in  dem 
zite,  du  so  halde  mit  dem  kurzen  zit  ist  vervam,  als  ob  si  nie  were 
worden  ?    Wie  ist  daz  lieb  so  schiere  yür,  des  leid  iemer  und  iemer 
weren  mfls!   0  ir  tumben  toren!   Wa  uu,  daz  ir  so  vrölich  spracbeot: 
„wol  her,  ir  wolgemftten  kinder,  wir  sülen  trurkeit  urlob  geben  und 
sülen  hoher  vröden  phlegen!''     Waz  hilfet  nu  ellA  du  vröd,  die  ir 
ie  gewunnent?    Ir  mugent  wol  mit  jemerlicher  stimme  rufen:  ^^we, 
we  und  iemer  we,  daz  wir  an   dis  weit  ie  gebom  wurden!    Wie 
hat  uns  daz  kurz  zit  betrogen,  wie  hat  uns  der  tot  so  hinderschlicheD!  ] 
Owe,    ist  ieman  uf  ertrich   me,   der  noch  betrogen  werde,  als  wir 
armen  eilenden  betrogen  sien?    Oder  ist  ieman,  der  an  yr6mdein 
schaden  witze  welle  nemen  ?    Hetti  doch  ein  mensche  aller  meDScheo 
liden   tusent  jar,   daz  were  gegen  disem   als   ein   ogenblick.    Owe, 
wie  ist  der  so  selig,   der  nie  vröde  wider  got  gesuchte,   der  durch  1 
in  nie  gftten  tag  in  zit  gewan!     Wir  unsinnigen  wanden,   sä  wenn 
von  gote  gelazen  und  vergessen,  eya,   wie  hat  er  sä  nn  so  trutlich 
in  siner  ewikeit  umbvangen  und  in  so  grozen  eren  vor  allem  himel- 
schem  here !     Waz  konde  inen  geschaden  alles  daz  liden  und  ver 
smehte,   die  inen  zu  so  grozen  vr6den  geraten   ist?     Wie  ist  aber 8 
alles  unser  lieb  so  gar  verswunden!     Ach  jamer  und   not,  es  mfts 
doch  iemer  weren!    Owe,  iemer  und  iemer,  waz  bist  du?   Owe,  end 
an  alles  ende,   owe  sterben  ob   allem   sterbenne,   alle  stund  sterben 
und  doch  niemer  mugen  ersterl)en!     Owe,   vatter  und  mflter  und 
alles  lieb  mit  einander,   got  gnad   uch  iemer  und  iemer,  wan  wirfl 
gesehen  äch  ze  keinem  liebe  niemer  me,  wir  müzen  doch  iemer  mc 
von  uch  gescheiden  sin !  Owe  scheiden,  owe  iemer  werendes  scheiden, 
wie  tust  du  so   we!     Owe  hendschlagen,  owe  grisgramen,  süfaen 
und   weinen!     Owe  iemer  hüwlen   und  rufen,  und  niemer  erbirrf 
werden!     Unser  eilenden  ogen  mugen  doch   niemer  anders  gesehen • 
denn  not  und  ani;:st,   unser  oren  nicht  anders  hören  denne  ach  und 
we.     Owe,  ellu  herzen,   lant  uch  daz  kleglich  iemer  und  iemer  er- 
barmen,  laut  uch  daz  jemerlich   iemer   und   iemer  ze  herzen  gnn- 
Owe  und  owe,   ir  berg  und   tal,   wes  beitent  ir,   wes    haltent  ir  ^ 


5  0  ir]  die  A  13  witze]  wis  F  nemen  weUe  J^J^  26  iemer  [ntf] 
AKct  2U  u.  weinen  fehlt  F  30  eilenden  fehlt  A  32  f.  erb.  —  und  iemer 
fehlt  F' 

6  Vgl.  Weish.  ,?/>.  16  ff.  Weüh.  5,4  f  25  got  gnad  üch  =  wMi 
(JIot\9:j).            34  ff.   Vgl  Oseas  lOß :  Luk,  ^3,30. 


Blichlein  der  Ewigen  Weisheit.     Kap.  XI. 


239 


1  nf,  wes  vertragent  ir  uns?  War  umb  bestarzeut  ir  uns  nit 
Pdem  jemerlicheu  anblicke?  Owe,  liden  enr  weit  und  liden  diaer 
It  wie  bist  du  so  ungelich!  Owe  [104']  gegienwärtikeit,  wie 
ndest  du,  wie  trügeBt  du!  Daz  wir  die  in  unser  blüjeudeDJugent. 
unsren  schAneD  wünklicben  tagen  nit  vergaben,  die  wir  eo  üppek- 
len  verzarten,  owe.  die  niemer  noch  nieiner  her  wider  koment! 
b  und  owe,  wan  hcttin  wir  ein  einiges  stündli  aller  der  langen 
Tarnen  jaren,  daz  uns  iron  gottes  gerehtikeit  verzigen  ist,  und 
\/a  ane  alle  z&vereibt  verzigen  müz  einl    Kya,  leid  und  not  und 

f  iemer  und  iemer  in  disem  vergesenen  lande,  da  wir  von  allem 

,  ane  allen  trost  und   Zuversicht,    iemer   nie   müzen   geseheiden 
Owe,  wir  gei'tin  nit  anders,    wan  wcre  ein  mülistein  als  breit 

lOeE  ertrich  und  umb  sich  als  groz,  daz  er  den  bimel  allent- 
1  rörti.  und  kemi  ein  kleines  vögelli  ie  i'iber  hundei-t  tusent 
|,  nnd  bissi  ab  dem  stein  als  groz,  als  der  zehende  teil  ist  eins 
ftArnline,  und  aber  aber  hundert  tusent  jar  so  vil,  also  daz  es  in 
lent  stont  hundert  tusent  jaren  als  vil  ab  dem  stein  geklubeti,  als 
iz  ein  ganzes  hirskörnli  ist,  —  wir  armen  begevtin  nit  anders, 
t  dez  Steines  ein  ende  were,  daz  och   ünsrü  ewigü  marter 

fpde  hete,  —  und  daz  mag  nit  sin!" 

\h,  daz  ist  der  jamersang,  der  da  nach  volget  dien  vriiuden 

Der  diener:   Owe,   strenge  richter,    wie   ist  min  herz  so  in- 
dlch  erschroken!     Wie  siget  min   sele   so   kiaftlos   da   hin   von 
t  erbermde  über  die  armen  seien!     Wer  ist  doch   in  aller 
I  verrücbet,   der  dis  horti,    er  erzittreti  ab  diser  grimmen 


6  minneo Glichen  F       fünahen  £'        9  iemer  me  AKa        10  i.  u.  iemer 
11  ane]  von  F       11  f.  sin  gesch.  AK        12  mül«tein  E'F'H  mülin- 
13  ertrich  ist  AK       17  klubeti  K       18  gruz  fehlt  F       20  enmag  K ' 
OD  e.  F       26  diser]  der  E' 

10  Hör.  y4:   in  terra  kac  oblivioiiis.  12  ff.   Dasselbe  Gleichnis  von 

t  mit  der  Eiiileüung :  posila  per  impoasibUe,  quod  esgtt  etc.  im  Uor. 
I  begtgnel    «n»   xiieril   bei  Seusi,    dann   sehr   oft   vom    16.— 16.  Jh.    im 
märe/itH,  im  VolktUtil  und  in  der  Knasidichtung  (t.  S.  hti  B.  Ringicaldt 
«  Silttiuiil,   ging  in  die  religio»«  Erbauangaliteratur  itber,   ttnd  Mli 
\   im  katholiiChen    und  jirotutanfitchen  Kircheaiied:   vgl.   dit>  Belege 
,   Ein  Bild  der  Eirigkeil,   G<r„iania    VIII  (1863),   306—307,  tr- 
I  Kltint  Schriften  II  (ISOO),  37—47.     Bi^  Fatsung  de*  Hör.  findil 
f  Ludolf  von  Sachten  (t  1377  9),   Vita  Chritti  c.  HS  und  bei  Dionysiu» 
I  (\  1471),  Cordiale  de  quatitor  novi»»im\  Coln  1403  Bi.  60'. 


240  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XU. 

not!  Owe  und  owe^  min  einiges  liep,  laze  min  nit!  Owe,  min 
einiger  nzerwelter  trost^  scheide  dich  niht  also  von  mir !  Owe,  silte 
ich  also  iemer  und  iemer  von  dir,  minem  einigen  liebe,  gescbeiden 
sin  —  ich  wil  dez  andern  geswigen  —  owe,  jamer  und  not,  ieh 
wölte  doch  e  alle  tage  tusent  stnnt  gemartert  werden.  So  ich  doch  | 
nüwan  an  die  schidunge  gedenk,  so  möhte  mir  von  angsten  gebresten. 
£ya,  herr  mine,  zarter  vatter,  tft  mir  hie,  wie  du  wilt,  dez  habe  von 
mir  ein  vries  urlob,  allein  erlaze  mich  dez  jemerlichen  scheideDDes, 
wan  dez  möhti  ich  bi  nüti  erliden. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Erschrik  nit!    Es  belib^Jfl 
in  ewikeit  ungescheiden,  daz  in  zit  ist  vereinet. 

Der  diener:  Owe  herr,  wan  hortin  dis  ellü  du  menschen, 
du  ir  schönen  tag  noch  so  torlich  vertribent,  daz  st  gewitziget 
wurdin  nnd  ir  [104^J  leben  bessertin,    e  daz  in  och  also  beschehe! 


XII.  Kapitel.  18 

Ton  unmessiger  yröde  des  himelrichs* 

Du  Ewig  Wisheit:  Nu  hab  och  dinä  ogen  uf  undlflg,  wir 
du  hörest.  Du  hörest  in  daz  vaterlant  dez  himelschen  paradyses; 
du  bist  hie  ein  vrömder  gast,  ein  eilender  bilgri.  Und  dar  ombe, 
als  ein  bilgri  ilet  wider  hin  in  sin  heimüt,  da  sin  die  gemintentf 
lieben  vründe  wartent  und  mit  grozem  jamer  beitent,  also  sei  din 
ilen  sin  in  daz  vatterlant,  eya,  da  man  dich  so  gern  sehe,  die  so 
inneklichen  ser  nach  diner  vrölichen  gegenwärtikeit  belanget,  wie 
sA  dich  minneklicb  gegruzen,  zärtlich  enphahen  und  zu  ir  vrölichei 
geselleschaft  eweklich  vereinen.  Sihe,  und  wistist  du,  wie  su  naeh< 
dir  turstet,  wie  sü  begerent,  daz  du  fruniklichen  strittest  in  lideone, 


9  enmohti  FZ  12  [du]  menschen  F  17  am  Rande  Jeronimns  F^F*i 
du  ewig  w.]  der  diener  (!)  F,  fehlt  H  hebe  ÄKa  [och]  uf  d.  o.  2^  20  hin] 
hein  ÄKaF\  fehlt  F  22  hin  in  d.  v.  E^K  24  f.  zö  in  vr.  [g^.  ew.]  tö^ 
einen  AK        26  von  hier  an  Schluss  des  Buches  tritt  E  ein 

14  Der  2,  Druck  von  1512  hat  hier  (Bl  90^)  icie  auch  Diepenbro^ 
(*212)  einige  Zeilen   Zusatz,   der  aber  sicher   unecht  ist.  17  Nimmt  dk 

Aufforderung  in  Kap,  10  (237,4)  wieder  auf,  der  jetzt  die  Erklärung  fei^ 
Das  Zitat  bezieht  sich  auf  Hieron,,  ep.  98  (Migne,  Fatr.  Lat.  22,  792f.):ft^ 
netnus  supemae  laetitiae  festa  celebrare  et  jüngere  nos  angelorum  choriSj  «K 
coronae  et  praemia  et  certa  victoria  est  et  desiderata  triumphantibuM  petkßM 
proponitur  etc. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XII.  241 

DDrl  dich  ritterlich  haltest  io  aller  widerwertikeit,  die  sü  uberwundea 
hant,  and  nn  mit  g^ozcr  »üssikeit  überdenkent  die  strengen  jar,  die 
ai  hatten,  dir  were  alles  liden  deste  lidiger;  wan  so  du  ie  bitter- 
lirber  gelitten  hast,  ßo  du  ie  wirdeklicher  enphangen  wirst.  Eya, 
wie  tfil  d»  ere  denn  so  wol,  wie  darcli{<at  dif  vrßd  denne  benc  nnd 
mAt,  »10  dii  sei  von  mir  vor  minem  vatter  und  vor  allem  bimelscbeii 
bere  so  erlicb  gerümet,  gelobt  und  gepriset  wirt,  daz  ei  liie  in  dem 
Btrititcbem  zite  so  vil  erlitten,  so  vi!  gestritten  und  überwunden  hab, 
dai  mengem  so  vrömde  wirt,  der  ane  liden  ist  gesin!  Wie  wirt 
d6  kröne  so  wunklich  überacbinent,  du  hie  so  sur  erarnet  ist,  wie 
werdent  die  wunden  und  du  zeichen  so  inbrunstklieh  glenitende,  di 
hie  von  miner  minne  enphangen  sint!  Sich,  du  bist  da  in  dem 
«Uerlande  als  wol  gefrünt.  daz  der  vrömdest  der  unmezigen  zal 
mionet  dich  minneklicher  und  getrüwlicher.  denue  kein  vater  oder 

'  kein  müter  ir  einiges  berzklichs  kint  ie  gomint  in  diser  zit. 

Der  diener:  Owe  berre,  dnr  din  giiti,  wan  getörste  ich  dir 
na  gemöten,  daz  da  mir  noch  me  von  dem  vattertande  seitist,  daz 
Kicii  deet  me  dar  naeb  jamreti,  und  alles  liden  nu  dest  baz  erlitti! 
Eva,  min  berr,  wie  ist  es  da  in  dem  lande  geschafen,  oder  waz  Iflt 

'  tuan  da?     Oder  ist  ire  üt  vil,    oder  wtssen  eA  als  wol,    wie  es  liie 
Kmb  lins  stat,  als  diuü  wort  lücbtentV 

Entwurf  der  Ewigen  Wisbcit:  Nu  maohe  dich  nf  mit 
mir,  ich  wil  dich  [105']  da  hin  vuren  in  betrabtunge,  nnd  wil  dich 
einen  verren  anblik  lazen  tun  nach  einer  groben  glicfanässe. 

Sihe,  ob  dem  nfinden  himcl,  der  unzallichen  me  denn  hundert 
twent  stunt  witer  ist  denn  alles  ertrich,  da  ist  erst  ein  ander  himel 
ob,  der  da  heisset  coclnm  enpyreum,  der  fi'irin  himel,  also  geheissen 

i  wiTHl  enph.  /'.'■  5  daz  tierr  AKa  7  gorümet]  gegrüeet  /•'  uiiii 
!At  AI'Z  dem]  diecm  F  8  etatritten  !■'  hat  AKa  9  wie  —  10 
'  ttlt  £"  10  [üher]8chiiieiit  AKkK  12  dem]  dinem  E  13  gefrümt  AK 
V  n.  s.  £*  14  ie  dekein  K'  15  gcmiunetin  E^  18  deet]  noch  F 
^fibH  E'  20  ftt  da  vil  ä:  27  an  Uandc  Thomas  EE'HZ  der  [da]  F 
11  äor.  95:  goU  claHnn  ...  micabunt  i-ulnfra,  livorts  rt  »iigmala  pro 
t  meo  hie  reeepta.  25  Hör.  9G  nimmt  Seuse  nur  acht  Sphären  an, 

RtfefcArn  da»  coelam  «mpyreum  hommt.  Über  dicfe  mittelalterlichen  Theimen 
.  Wolf,  Handbuch  der  A-<tronomie,  ihrer  Genchiehte  und  Literatur  I 
'fJSSOK.täTff.;  Michael,  Gtxeh.  des  deutschen  Vnlkee  111(1903),  397 f.:  Phlla- 
klia,  Dantes  Göltl.  Komödie,  Exkurs  eu  Gesang  I  des  Paradiese»  (III,  12  ff.). 
Sir  Beschreibung  der  Freuden  de»  Himmel»  rgl.  Uugo  von  T.angenstein,  Mar- 
teil  245,61—207,78:    Comp.  Ihenl.  veril.  VII,  31.  27   Thomas.   In  2  Sent. 

'itt.  W  q.  3  a.  ;'  vnd  Bfter :  e.  die  Belege  bei  Dm.  37:!. 

O.  S*ft>*,  SHUoha  Babiftu.  16 


1 


242  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  Xu. 

nut  von  dem  füre,  allein  von  der  nnmessigeD  durglenzenden  klar- 
heit,  die  er  an  siner  nature  hat,  unbeweglich  und  untödemlich.  Und 
daz  ist  der  herlich  hof,  in  dem  daz  bimelsch  her  wonet,  in  dem 
mich  mit  einander  lobet  daz  mettigestirne  und  jubiliereut  ellü  gottee 
kint.  Da  stant  die  ewigen  stule  umbgeben  mit  unbegriffenlichem 
Hechte,  von  dien  die  bösen  geiste  wurden  Verstössen,  dar  die  Qier- 
welten  hörent.  Sihe,  du  wünklich  stat  glenzet  hin  von  durscblagem 
golde,  si  luhtet  hin  von  edlen  margariten^  durleit  mit  edlem  gesteine, 
diu^eret  als  ein  kristalle,  widerschinent  von  rSten  rosen^  wissen 
lylien  und  allerley  lebenden  blömen.  Nft  Iftg  selber  nf  die  sch^inefll 
himelschen  beide:  hey,  hie  ganzä  sumerwunne,  hie  des  liechten 
meien  owe,  hie  der  rehten  vröden  tal!  Hie  sihet  man  vrölicb  ogen- 
blicke  von  lieb  ze  liebe  gan-A  bie  harphen,  gigen.  hie  singen,  spriDgeo, 
tanzen,  reieu  und  ganzer  vrodB^emer  pblegen ;  hie  Wunsches  gewalt, 
hie  lieb  ane  leid  in  iemer  werender  Sicherheit.  Nu  Ifig  umb  diek  I 
die  unzallichen  mengi,  wie  sü  uz  dem  lebenden  usklingenden  bronoeii 
trinkent  nach  aller  ire  herzen  girde.  Lüge,  wie  sü  den  Intreu  klares 
Spiegel  der  blozen  gotheit  au  sterent,  in  dem  in  ellü  ding  kund  osd 
offenbar  sint. 


6  dien]  dem  F       1  am  Bande  Johannes  in  apocalypsi  EE^Z       9  w]de^ 
Bchinet  E}Fa  10  lehender  AKa  11  snmerweide  F         14  froiden  f 

17  trinket  E       hegirde  E^Fa        18  in  fehlt  F 

1  f.  Hör,  l.  c, :  uniforme,  immobile,  luminositatis  perfectae  et  capacito^ 
immensae ;  nntodemlich  =  incoiTuptibile,  4  Job  38,7,  6  Hör.  l  c:  * 

quibus  iüe  it^elix  numerus  spirituum  malignorum  corruena  electorum  numtn 
reparandus  erit.  Nach  scholastischer  Ansicht  können  durch  Ooties  Gnade  dif 
Menschen  den  Engeln  der  einzelnen  Chöre  in  der  Glorie  gletchkommen  u»i 
sollen  die  Zahl  der  gefallenen  Engel  ersetzen ;  vgl,  Thomas,  S.  Th.  1  q,61e,i 
ad  2;  q,  108  a.  6;  Comp,  theoL  verü.  II,  34.  7  flp.  Apok.  21,10  ff. 

11  ff.  Hör.  97:  hie  vemalis  amoenitas,  autumnalis  fecunditas,  Merenita»  ü9if^ 
valis,  iocunditas  nuptialis  (vgl.  Comp,  theol.  ver,  l.  c)  ;  hie  vaüis  gaudiosa,  ti^ 
amorosa.  Hie  caelestes  harmoniae  personant,  divinae  fig^Uae,  vocea  tukHotH 
decantant.  Hie  laetabunda  plaudunt  agmina  ae  laetis  se  miaceni  modulam^ 
choris,  hie  choreae  virginum  cursitanies  post  dominum,  hie  una  vox  laeiafitit^ 
et  unus  ardor  cordium.  14  Wunsches  gewalt  =  deleetabüinm  copia,  (Hfßßf 

bilium  affluentia  (Hör.  l.  c).  16  lebender  usklingender  brunne,  vgl.  Vili 

Kap.  31  (92,19).  Hör,  l.  c. ;  fontale  principium.  Die  Anschauung  i$t  Ar 
mittelalterlichen  Symbolik,  an  Ps.  41,2  anlehnend,  sehr  geläufig  (DwrwßdH^ 
Rationale  0ß2  n.  26).  Seuses  Schilderung  erinnert  an  das  MitUHbHi  du  Gefitf 
Altares  (Anbetung  des  Lammes)  von  den  Brüdern  van  Eyck.  18  Eeit.  L  t 

speculum  illud  divinissimum ,  in  quo  omnia  relucent.  Nach  der  Lehrt  dM 
Theologen  selten  die  Seligen  alles  in  Gott,  vgl.  Kirchenlex.  XI*,  93 :  I\  ST8J, 
Hör.  17b:  haec  (beaii)  in  deo  perfede  intuentur. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XII.  243 

Verstil  dich  noch  yürbaz  und  lüg,  wie  d&  suz  künigin  dez 
liiinelscben  landes,  die  du  so  herzkiich  minnest,  mit  wirdikeit  und 
Triden  obswebet  allem  faimelschem  her,  geneiget  von  Zartheit  uf  ir 
gemioten,  unoibgeben  mit  dien  bl(^men  der  rosen  und  dien  lylien  con- 
Falliam.  "  Lüg,  wie  ir  wänklichü  Schönheit  wnnne  und  vröd  und 
wander  git  allem  himelschem  her.  Eya,  tu  nu  ein  gesiht,  du  din 
hen  und  dinen  m&t  erh&get^  und  Iflg,  wie  du  müter  der  erbarm - 
herrikeit  du  ogen,  du  muten  erbarmherzigen  ogen  hat  so  milteklich 
gekeret  gegen  dir  und  gegen  allen  sündern^  und  wie  ge[105^]waltklich 
ä  schirmt  und  sünet  gegen  ir  geminten  kinde. 

Nu  kere  dich  mit  den  ogen  der  lutren  verstentnüsse  und  Ifig 
och;  wie  die  hohen  Seraphin  und  die  minnrichen  seien  des  selben 
kores  ein  inbrunstiges  ufflammen  hein  ane  uuderlaz  in  mich^  wie 
die  Hechten  Cherubin  und  ir  geselschaft  hein  einen  Hechten  influz 
and  usguz  mines  ewigen  und  unbegriifenlichen  lichtes,  wie  die  hohen 
thrfine  und  du  schar  hein  ein  süzes  rüwen  in  mir  und  ich  in  in. 
So  schowe  denne^  wie  du  drihcit  der  anderen  schar,  die  herscher, 
krefiger  und  gewaltscher  ordenlichen  volbringent  die  wünkHchen 
ewigen  ordnnnge  in  der  aUicheit  der  nature;  lüg  och,  wie  du  drit 
schar  der  engelschlichen  geisten  volbringent  min  hohen  botschaft  und 
min  gesatzd  in  dien  sunderlichen  teilen  der  weit.  Ach,  nu  lüg, 
wie  berzkHchen  wünklich  und  ungelich  du  gros  niengi  geordenot 
ist,  wel  ein  schöne  anblik  dis  ist! 

So  ker  daz  oge  hin  und  lug,  wie  min  nzerwelten  junger  und 
min  aller  liepsten  vründ  sitzent  in  so  grozer  rüw   und  ere  uf  dien 


2  f.  am  Bande  Bernardus  KK^Z  6  nu  tö  AF'a  nn  tu  nu  IJK  11  f.  am 
Rand^  Dyonisius  de  (in  K'F')  celesti  ierarchia  EK^F-Z  12  och  fehlt  F 
15  ewigen  [und]  AKKK^H  16  und  ich  in  in  fehlt  A'  ich  in  im  A  17  so 
«^owe  —  23  anhlik  dis  ist  fehlt  AK  drifaltikeit  FF'  18  ordenlicher  E'F 
20 f.  und  m.  gcsazd  fehlt  E        22  w unklichen  Ea 

2  flf.  Bernardus j  sermo  1  in  Assumpt.  B,  V.  Mariae  und  sermo  in  Nativ. 
*'9,  Ausserdem  ist  der  Vita  Kap.  36  (lll^tU)  zitierte  Aller hciligenhymnus 
hcnützt,  3  Hohd.  8jö,  4  Ehd,  :J,1  (Aniijfhon  heim  Magnifikat  in  der 

Oktav  von   Maria   Himmelfahrt   nach   dem    hominikanerhrevier).  8   V(jl. 

S'alre  Regina :  iUos  tuos  misericorden  ncaloi<  ad  nos  converf(\  9  f.  Hör,  l.  c: 

fuam  impcriose  et  potenter  omnihua  imperat^  iniseros  dtfcndit  d  rcoft  reconciliat, 
'<//.  Bernardus,  sermo  in  Nutiv.  B.  V.  Mariae  n.  7;  »cnno  ,?  in  festo  Pentcc.  n.  4, 

11  ff.  Dionysius,  De  coel.  hier.  c.  7' ff.  Vgl.  Bhilakthcs,  Dante,  Note  iL*  zu 
ixattg  äS  des  Paradieses  (III,  34^ ß.).  VI    Vfjl.  Anm.  zu  L>4^,6. 

17  ff.  Die  zweite  (Herrschaften,  G eindien,  Märlde)  hvztv.  drifte  ( Fit rsfent inner, 
rzengel,  Engel)  Hierarchie,  24  f.  Hör.  Uö:  apostoli  tt  amici  mci  praecipui. 


244  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  Xu. 

erwirdigeu  rihtstulen,  wie  die  martrcr  schinent  in  iren  rosen 
kleidern,  die  bihtere  lAhtent  in  grünender  Schönheit,  wie  die  z 
jungfröwen  glenzeut  in  engelscher  luterkeit,  wie  alles  himelsche 
hin  vlüsset  von  götlicher  suzikeit.  Eya,  wel  geselschaft,  wel  vr 
lant!  Gesach  in  got,  daz  er  ie  geborn  wart,  der  iemer  bie  wonei 
Sihe,  in  dis  vatterlant  vüre  ich  ze  hnse  min  lieben  gen 
under  minen  armen  von  dem  eilende  mit  der  hohen  ricbeit 
rilichen  morgengabe.  Ich  zier  si  inwendig  mit  der  schönen 
des  liecbtes  der  glorie,  daz  si  uf  erhebt  ob  alle  ir  natnrli 
mugentheit.  Si  wirt  uswendig  gekleidet  mit  dem  geklerten  Übe 
siben  stunt  liecbter  wirt  denn  der  sannen  schin,  schnei,  kleinfug 
unlidig.  Ich  setze  ir  nf  ein  wunklicbe  guldin  kröne,  und  dt 
ein  gnldin  krentzli. 

Der  diener:  Zarter  herre,  waz  ist  du  morgengabe,  und 
ist  da  kröne  und  daz  gemeite  krenzli? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  morgengabe  isl 
offenbares  scbowen  des,  daz  du  hie  allein  glSbest,  ein  gegenwüi 
begriffen  dez  du  hie  dingest,  und  ein  minneklicb  lustlicbes  ni 
des,  daz  du  hie  minnest.  So  ist  d6  scbön  kröne  wesentlicber 
aber  daz  gemeit  krenzli  ist  zävallender  Ion. 

Der  diener;  Herr,  waz  ist  dazV 


1  ewirdigen  E^  erwidigeu  A  wirdigen  ]f'  ewigen  F^  4  hin  Tlüssei 
wel  ein  ges.  AKaKH  ü  daz  E^FF^  7  von  dem  eilende  u.  m.  arnn 
9  ob]  über  AKaF^  10  so  wirt  si  F  gekleid]  gekleret  AK  12  g 
gemeite  F^  16  am  Rande  Thomas  EE^F^Z  18  des  das  K,  das  ro 
derer  Hand  Z        20  aber  —  Ion  fehlt  F 

1  f .  L,  c:  mariyres  rtUtlant  roseo  colortj  confeasores  radiant  ignei 
ffore^  virginesque  emicani  niveo  candore.  An  den  Festen  der  Bekennt 
brauchte  man  im  Mittelalter  in  manchen  Diözesen  grüne  Paramente. 
Kirchenlex.  /K",  1230,  9  liecht  der  glorie,  lumen  gloriae  (vgl,  Ps.  . 

=  übernatürlich  verliehene  Fähigkeit  zur  Anschauung  Gottes  (Kirchenle, 
bSlff.:  vgl.  JJenifle  Bvga  XXXIX,  20S).  11  Eigenschaften  des  verki 

Leibes  sind  nach  den  Theologen:   claritas,   agilitas,  subtilitas,   imjHUsibt 
vgl  Comp,  theol,  verit,  VII,  Q6:  Kirchenlex,  D,  1600  f,  12  Vgl,  II  Mos. 

16  flf.  Thomas,  In  4  Sent,  dist,  4U  q.  4  a,  5  (vgl  S,  Th.,  SuppL  q.  95)  h 
von  den  dotes  animae:  visio,  dilectio  (bei  Stuse  comprehensio),  fruitio,  \ 
den  tlieologischen  Tugenden  des  Erdenhbens  entsprechen.  Vgl,  auch  Comp, 
verit.  VII,  24  ff.  19  Hör,  l,  c;  per  eoronam  auream  praemium  in 

essentiale,  per  aureolam  vero  praemium  accipe  accidentaU:  vgl,  Thom> 
4  Sent,  dist,  49  q,  6  a,  1, 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  Xu.  245 

Entw&rt  der  Ewigen  Wisheit:  Züvalleuder  Ion  lit  an 
sooderlicher  yr6de,  die  du  sei  gewinnet  von  sunderlichen  nnd  erwir- 
Jigen  werken,  mit  dien  si  hie  gesiget  hat,  als  die  hoben  lerer,  die 
ttarken  martrer  nnd  die  reinen  jungfrowen;  aber  wesentlicher  Ion 
it  an  scbftwlicher  vereinunge  der  sele  mit  der  blosen  gotheit,  wan 
i  gerüwet  si  niemer,  [106']  e  si  gefüret  wirt  über  alle  ir  krefte  und 
Qogentheit,  und  gewiset  wirt  in  der  personen  natürlich  wesentheit 
nd  in  des  wesens  einvaltigen  blozheit.  Und  in  dem  gegenwnrfe 
indet  si  denne  genügde  nnd  ewig  selikeit;  und  ie  abgescheidner 
ediger  usgang,  ie  vrier  ufgang,  und  ie  vrier  ufgang,  ie  neher  ingang 
D  die  wilden  wüsti  und  in  daz  tief  abgründe  der  wiselosen  gotheit, 
D  die  sü  versenket,  verswemraet  und  vereinet  werdent,  daz  sü  nüt 
Inders  mngen  wellen,  denn  daz  got  wil,  und  daz  ist  daz  selb  wesen, 
laz  da  got  ist,  daz  ist,  daz  s&  selig  sint  von  gnaden,  als  er  selig 
Bt  von  natur. 

Eya,  nn  hab  uf  vrölich  diu  antlüt,  vergisse  ein  wile  alles  dines 
eides,  verkül  din  herz  in  diser  vinstren  stilleheit  mit  der  lieben 
^Ueschaft,  die  du  so  tögenlich  schowest,  und  lüg,  wie  rosenrot, 
m  durwünklieh  du  antlüt  schinent,  du  hie  so  dik  schamrot  durch 
Dich  wurden.  Hab  nf  ein  wolgemütes  herze  und  sprich  also:  „wa 
ua  du  bitterlieh  schäme,  die  üwer  reinen  herzen  so  gar  durchtrang? 
Wa  du  geneigten  höbt,  du  nider  geworfenen  5gen,  wa  du  vertruckten 


2  sanderl.  froden  £7*  2  f.  ewirdigeu  E^  3  hohen  1.  —  4  und  die 
Mt  AK  4  Ion  —  5  schowl.  fehlt  F  10  und  ie  v.  ufg.  fehlt  F  [und]  ie 
fifier  [ufgang]  E^  11  und  [in]  AKE  12  am  Rande  Bemardus  ad  fratres 
de  monte  (Dei  E)  EE^F'F^Z  13  wesen  —  14  daz  ist  fehlt  AK  16  din 
Wlich  antlüt  E^ 

Iff.  Hör.  l,  c.  wörtlich  nach  Thomas  l.  c:  accidentale  prai-mium  (Thomas: 
OMtola)  est  quoddam  gaudium  de  operihus  a  se  factis,  quae  hahent  rationein 
^iäoriae  exceHetitis,  Zur  Sache  vtjl.  Comp,  theoh  verit.  VII^  ^Of.;  Blume  der 
^^^ung  hei  Preger  11,430:  Kirchenlex.  I\  1696 jg^,  4  f.    Hör.  l,  c.  tcie 

^'h(ma8:  praemium  essentiale  consistit  in  perfecta  coninnctione  animae  cum 
^(Thom€u:  ad  Deum),  in  quantum  eo  perfecie  fruit ur  ut  viso  et  amato  per- 
/tett.  lOX.  c;  quanto  nunc  perfectius  temporalia  cuncia  reliquerity  tanto 

ttm'iM  ad  eantempkUionem  spiritualium  consurgit,  11   wilde  wusti  der 

gotheit,  vgl.  Strauch,  Marg.  Ebner  301,  A.  zu  76,18:  Denifle  im  Archiv  II,  4öö. 
12  ff.  Cruigo  Carthusiensis,  Episiola  ad  Fratres  de  Monte  Bei  II,  3  n.  16 
miir  opp,  S.  Bern.  ed.  Mabillon  II L  ^04,  Venetiis  1781) :  vgl.  Bemardus,  De 
W.  Deo  15  n.  39.  Die  Lehre  von  der  deificatio  ist  in  Kap.  5  des-  Bdw  aus- 
ührlieher  behandelt,  17  Hör.  9U:  in  hac  quietisnima  pausatione  iocundissi- 

ia$  M0ci€tat4s. 


246  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XIL 

herzleid,  die  iniieklichen  süfzen  und  die  bitterlichen  trehne?  Wadü 
bleichen  antlüt,  du  groz  armüt  und  gebresten,  wa  nu  d6  erbennklicb 
stimme:  „ach  herr,  owe  got,  wie  ist  mir  so  herzklich  we!"  Wa  alle,  die 
üch  versmaliten  und  vertrukten?  Wan  hört  nit  rae:  „wol  her  striten, 
vvol  her  kcmphen,  wol  her  vehten!"  nacht  und  tag,  als  der  an  die  I 
beiden  vihtet.  Wa  nu,  dnz  ir  inwendklich  ze  tusent  malen  spracbent 
in  gegen'würtikeit  der  gnade:  „bist  du  bereit  vesteklich  ze  steune 
in  gelasscnheit?"  Wan  hört  nüt  me  den  kleglichen  eilenden  ruf, 
den  ir  do  tatent:  „owe  herr,  wie  hast  du  mich  gelassen!**  Ich  hJre 
minneklich  erklingen  in  üweren  oren:  „koment  her  zfi  mir,  min  M 
geminten,  besitzent  daz  ewig  rieh,  daz  üch  bereit  ist  von  angenge 
der  weite."  Wa  alles  liden,  leid  und  ungemach,  daz  ir  uf  ertricb  ie 
gewunnent?  Owe  got,  wie  ist  daz  alles  als  ein  tr5m  sehnelleklich  da 
hin  vür  gevarn,  als  ir  nie  leid  gewunnint!  Wafen,  zarter  got.  wie 
sint  dinü  gericht  so  gar  verborgen  der  weit!  Eya,  ir  uzerwelten,  esll 
ist  nüt  me  in  die  winkel  sich  gan  verslieflFen  und  verbergen  vor  der 
andren  unsinigeu  toblieit.  Owe,  weren  doch  ellü  herzen  ein  hen, 
sü  könden  nit  überdenken  die  grozen  ere,  die  unmessigen  wirdikcit, 
[lOü^]  daz  lob,  die  gunlichi,  die  ir  iemer  und  iemer  haben  sont 
0  ir  himelfürsten,  ir  edlen  küng  und  keiser,  o  ir  ewige  gotteskindcr,  i 
wie  sint  üwer  antlütte  so  wünklich,  üwer  herzen  so  vrölicb,  wie 
hant  ir  einen  so  liohen  mftt,  wie  erklinget  üwer  stimme  so  vr6licb 
diz  gesang:  „eya,  eya,  dank  und  lob,  heil  und  selde,  gnad  nnd 
wünne  und  iemer  wercndü  cre  si  im  geseit  von  ewen  ze  ewen  von 
allem  gründe  unsers  herzen,  von  des  gnaden  wir  dis  alles  iemer Ä 
eweklich  besessen  haben!**  -  Sih,  hie  vatterlant,  hie  ganzes  rftwcB, 
hie  herzeklich  jubilieren,  hie  grundloses,  iemer  werendes  loben! 

Der  diener;  Owe  wunder  ob  allem  wunder!  Ach  grundlofti 
göt,  waz  bist  du?   Eya,  zarter,  uzerwelter,  minneklicher  herr,  wie  ist 
hie   so  gar   gut   ze   sinne!    Owe,   min   einiges  liep,   laze  ünsalbieJI 
beliben! 

Kntwürt   der  Ewigen   Wisheit:    Es  ist   nit   hie  bliben» 
noch ;   du  müst  noch  mengen  kiinen   strit   durbrechen.     Dise  anblik 


2  nu  fehlt  AKEF'        6  inwendig  E'        7  bereitet  AK        8  eil.  klegl.  i"* 
13  [als]  ein  Al^'        IG  gan  vera.  und  fehlt  AK         18  verdenken  A         23  di» 
gesang  fehlt  F        seldo  fddt  K        24  und  ze  ew.  AEF       29  minnekl.  fehlt  ¥ 
30  aUe  hie  Fa 

9  Matth.  27,46.  10  f.  Matih.  25,34.  14  f.  Rom.  11,33, 

23  ft'.  Apok,  7,12.  30  f.  Matth.  17,4. 


Bflchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  XII.  247 

ipt  dir  allein  gezöiget,  daz  du  dar  einen  geswinden  ker  kunnest  tun 
ip  allem  dinem  lidenne,  —  sih,  so  kanst  da  niemer  erzagen,  —  und 
^ergiggest  alles  dins  leides,  and  ze  einer  antwart  der  klage  der  un- 
^ratandnen  menschen,  die  da  sprechent,  daz  ich  es  übel  gestatte 
pinen  yründen.  Nu  lag,  wel  unglicheit  ist  zwüschent  miner  und 
|b  zites  vrfintscbaft,  und  wie  ungelich  wol  ich  es  minen  vründen 
[estatten  nach  der  warheit  ze  nemenne,  —  ich  wil  geswigen  dez 
pozen  kombers,  der  arbeiten  und  menges  sweren  lidens,  in  dem  sü 
iwimment  and  wehtent  nacht  und  tag,  denn  daz  sü  also  geblendet 
lint,  daz  sü  es  nit  verstaut.  Es  ist  doch  min  ewigü  ordenunge, 
)tt  ein  angeordnetes  gemnt  im  selber  ein  marter  und  ein  swerü 
l^fiz  ist  Min  vründe  hein  liplich  ungemach,  und  hein  aber  herben* 
iftwe;  aber  der  weit  vründe  sAchent  liplich  gemach,  und  gewinnet 
It^zen,  sele  und  mfttes  ungemach. 

Der  diener:  Herr,  sü  sint  unsinnig  und  t6big,  die  din  waren 
Tr&ntsehaft  und  der  valschen  weit  iemer  zesamen  zellent,  dar  umb, 
du  da  wenig  vründen  hast,  —  wan  daz  ist  ir  grozen  blintheit 
•ebalde,  —  und  die  von  keinem  liden  iemer  me  geklagent.  Owe, 
wie  ist  din  vetterlichü  rflte  so  minneklich !  Selig  ist  der,  vor  dem 
do  sie  nie  gespartesti  Herr,  ich  sich  nu  wol,  daz  liden  [107']  nit 
kont  von  hertikeit,  es  kunt  von  minneklicher  Zartheit  Nieman 
spreche  me,  daz  du  diner  vründen  habest  vergessen!  Du  hast  dero 
vergessen,  —  wan  du  hast  an  in  verzwiflet,  —  an  den  du  hie  liden 
sparest  Herr,  sü^on  billich  niemer  guten  tag,  niemer  liep  noch 
gemach  hie  gewinnen,  die  du  dort  beschirmen  wilt  vor  der  ewigen 
Dot,  and  dien  du  geben  wilt  die  iemer  werenden  vröde.  Owe  herr, 
gib  mir,  daz  dis  zwen  anblike  von  den  ogen  mins  herzen  niemer 
gttcbeiden,  daz  ich  din  vrüntschaft  niemer  verliere. 


2  verzagen  AKaK  4  f.  minen  fr.  ü.  gest  K-^  6  wel  ein  E^  6  es 
/eÄÄ  £»  9  wettent  F  vechtent  AKaF'  10  am  Band  Augustinus  EE^F'F^Z 
\l  f.  irt  nach  marter  HZ  12  böz]  burdi  F  ung.]  erbeit  E^F  14  sele] 
ler  P  16  gezellent  Z  18  kleinem  E  23  f.  wan  au  den  hast  du  ver- 
iwiTelt  nach  sparest  E^  25  wilt  besch.  E^  26  not]  marter  E^  du  dort  Z 
ie  fehU  ÄF       28  verl.  amen  F^ 

3 f.  Vgl.  oben  Kap,  10,  8  sü  =  die  Freunde  dieser  Zeit.  10 f.  Augu^ 
fi»U8y  Coftf,  /,  12:  iussisti  enim  et  sie  est,  nt  poena  sua  sihi  sit  omnis  inordi- 
atus  ammu8.  19  Vgl.  Sprichw.  3^12.  27  zwen  anblike,  der  HöUe 

nd  d$s  Himmels. 


248  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  Xm. 

XUI.  Kapitel. 
Ton  unmessiger  edli  zitliches  lidennes. 

Zarter  herre,  nn  sag  mir,  weles  liden  meinest  du,  daz  da  8C 
inneklich  nütze  und  gfit  ist?  Und  wie  beger  ich  so  berzklich^  dai 
du  mir  da  von  me  sagest,  ob  du  mir  es  zu  sendest,  daz  ich  « 
lieplicb  und  vrölich  als  von  diner  vetterlichen  band  enphabei 

Entwürt  der  Ewigen  Wisbeit:  Ich  mein  ein  ieklichee 
liden,  es  si  willeklich  angenomen  oder  unwilleklich  zfi  gevallen,  di 
echt  ein  mensche  usser  der  notdurft  ein  tugent  machet,  daz  er  m 
ane  minen  willen  nit  wölte  ledig  stan,  und  es  ordnet  in  min  ewiges  lob 
mit  einer  minneklicben  demütigen  gedultikeit;  und  so  es  ie  williger 
ist,  so  es  ie  edler  ist  und  mir  ie  genemcr  ist.  Sieb,  von  deriey 
liden  so  hör  me^  und  schrib  es  in  den  grünt  dins  herzen,  und  hab 
es  ze  einem  zeichen  vor  dien  geistlichen  ogen  diner  sele. 

Min  wonunge  ist  in  der  reinen  sele  als  in  eime  paradys  allei 
Wollust;  dar  umb  mag  ich  nit  liden,  daz  si  mit  liebi  oder  loste  oi 
kein  ding  valle.  Si  ist  von  natur  geneiget  uf  schedlicb  wollosl, 
dar  umb  verdüme  ich  ir  die  straze,  ich  bestecke  ir  alle  lackan 
mit  widerwertikeit,  es  si  ir  liep  oder  leid,  daz  si  mir  nit  endrünne; 
ich  bestrowe  ir  alle  wege  mit  lidenne,  daz  si  niene  den  vüz  ir  herz- 
lustes  kunne  gesetzen,  denn  in  der  hoheit  miner  götlichen  natar. 
Sihe,  weren  ellu  herzen  ein  herze,  su  enmöhten  nit  getragen  in  vi 
den  minsten  Ion,  den  ich  geben  wil  in  evvikeit  umb  daz  minste  lideo, 
daz  ein  mensche  von  minnen  dur  mich  lidet.  Daz  ist  min  ewign 
ordnunge  in  aller  der  nature,  der  ich  nit  ab  gan:  waz  edel  und  gW 
ist,  daz  müz  sur  erarnet  werden;  der  da  belibet,  der  belibe.  Vil 
ist  der  gerüften,  weni^  der  uzerwelten. 

Der  diener:  Herr,  es  mag  wol  sin,  daz  liden  ein  unmessig^ 
gfit  ist,  da  es  nit  ane  maze  ist,  und  da  es  nit  als  grüwlich  und  dk 

8  d.  diener  F'Ka  da  fehlt  E^F"^  4  ^fit  u.  n.  i?  6  frolich  o. 
1.  E'  7  am  Hände  Tliomas  in  Scripto  EE'FUIZ  10  led.  wolte  AK}T 
11  f.  williger  ist  so  es  ie  fehlt  AK  12  und)  so  es  AK  16  oder  mit  1"'* 
18  und  [ich]  best.  E^  20  f.  niene  nach  herzl.  AKaE^  21  dennefehU^ 
24  f.  am  liande  Jeronimns  in  epistolis  EE^F^E^HZ        29  da  (Mweitts)]  d«x£ 

7  Thomas,  In  4  Seni,  dist,  15  q,  ]  a,  4;  q.  2  ad  1,  18  f.  Vgl  V  AI« 

6,0  ff,  18   V(jl.  Oseas  L\6.  25  f.   Vtjl.  Hieronymua,   ep.  58  ad  Paulv 

(Migne,   Fatr.  Lat,  22^586):    nihil   sine   magno   lahore   vita   dedit   mortalüf^ 
(Horat.,  ;Sai,  /,  if,59).  26  f.  Matth.  20,16, 


r 


BHchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XIII. 


im^hört  ist,  Herr,  anerkennest  [107']  allein  ellö  verborgnü  ding 
und  hast  ellü  ding  in  zal  und  in  masse  geschaffen;  du  weist,  daz 
DUD  liden  aber  alle  masse  ist,  es  ist  über  alle  mine  kraft.  Herr, 
ist  ieman  in  aller  diser  weit,  der  pinlicbrü  liden  die  steti  hab  denn 

<  iti,  daz  ist  mir  uncnpbintlicli.  Wie  gul  ich  sü  erliden?  Herr,  gebiet 
du  mir  gemeinü  liden,  die  m&hti  ich  erliden;  ich  ensibe  nit,  wie 
ich  (lü  vromden  liden.  du  so  verborgenlicb  miu  sei  und  minen  mftt 
cugeiit,  du  du  allein  ze  gründe  erkennest,  iemer  muge  erliden. 

Eutwärt  der  Ewigen  Wisbeit:  leder  siech  wcnet,  daz 
im  aller  wirst  si,  und  ieder  dürftig,  daz  er  der  aller  crmst  si.  Hetti 
ich  dir  endrü  liden  gegeben,  es  were  daz  selb.  Gib  dich  vrilich  iu 
Einen  willen  in  allem  lideiine,  da«  ich  von  dir  wil,  ane  alle  us- 
genomenbeit  dez  oder  dez  lidennes.  Weist  du  nit,  dan  ieli  uuwan 
din  aller  bestes  wil  als  vrüiitlich  als  du  selb  selber?  So  bin  ich  du 
Ewig  Wiebeit  und  weis  bas,  waz  din  aller  bestes  ist;  so  macht  du 
dea  enphunden  han,  daz  minü  liden  vil  naher  sDchent  und  tiefer 
;:»it  und  balder  tribent  denne  ellü  augenomnü  liden,  der  iß  reht  tut. 
Weg  klagest  dn  denne?  Sprich  zö  mir  also;  „min  aller  getrüwster 
valier,  tö  mir  überal,  daz  du  will!" 

'  Derdiener:  Owe  herr,  es  ist  als  licht  ze  sprechenne,  aber 
ii  gegen würtikeit  ist  als  miiticb  ze  lidenue,  wan  es  tot  als  reht  we. 
Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Teti  liden  nit  we,  so 
bieese  es  nit  liden.  Es  ist  nüt  pinlicbers  denn  liden.  und  ist  nüt 
'rAlicIiers    denn   gelitten    ban.     Liden   ist   ein   kurzes   leid   und   ein 

'  ^igcg  liep.  Liden  ti^t  dem  liden  liden  ist,  dnz  dem  liden  nit  liden 
»in,  Hettist  du  als  vil  geistlicher  siizikeit  und  gOlHches  trostes  und 
NInat,  daz  du  ze  allen  ziten  bin  flussest  von  dein  biinelscben  töwe, 


4  in  a.  d.  weit.  felUt  AK  8  angont  1'  12  wil  huben  AKa  15  dir 
i'iialv  i.'  IG  eiiiiünd«ii  E  23  eniat  not  pinlicber  AKl?  und  |iBt] 
■WE       2Ö  liden  tSt  —  26  wirt  fehlt  J-'       26  du]  doch  J-J' 

2  Wtüh.  11,31.  7   Vgl.  Vita  K.  31  u.  33.  17  tribtut  zu  Golt :  an- 

«tManii  I.  =  stlbalgewähltt  Ltidtn.  18  f.    Vgl  Maltli.  U6,43.  21  Uor. 

'W;  (ribu^attnnitm  pmmetiiiuM  taefa  vulntru  sunt  valiJe  affiicliva. 

23 (.  Eckhart  493fi6f.  gant  wie  Seme,  tigl.  i43,:i6Jf.:  434,4t}  aber  sagt 
^ckhati:  alliu  ir  (der  Tilgend)  aelikeil  iX  liden  dur  got,  niht  geliten  hdn. 
Walfit  Äustprüehv  dtr  Mgtlilitr  äbtr  Wert  und  Jiedtaiuntj  des  Leidens  bei 
i)raiich,  Marg.  Ebnir287f.,  Dtnifie,  Das  geistl.  Leben  '1880,  Sötff. 

at.  Hur,  l.  f.:  brevem  habet  amaritadineta  et  longam  consolationem ;  fre- 
ftn*  Iribvlalio  coneueludine  landein  eiiwitur,  M  iam  quani  non  esse  iribiilalio 
tut  lepit  twe  rideatur. 


250  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  Xm. 

du  were  dir  nit  als  lonber  an  ir  selber;  wan  ich  betti  dir  von  der 
aller  sament  nit  so  vil  ze  dankenne,  si  macbti  mich  nit  dinen 
Schuldner  als  vil,  als  ein  minnriches  liden  oder  ein  gelazenheit  in 
hertikeity  in  der  du  mich  von  minnen  lidest.  Es  sint  e  zehnu  nmb 
geswenket  in  grozem  Inste  und  vrölicher  süzikeit,  e  eins  unib  swenke 
in  emzigem  lidenne  und  widerwertikeit.  Hettist  da  als  vil  kanst 
als  alle  sternseher,  köndet  da  als  wol  von  gotte  sprechen  als  aller 
menschen  engelslichen  zangen  und  hettist  aller  meister  [108'J 
känstigen  richheit,  daz  enkönd  dich  niht  als  vil  ze  einem  guten 
leben  gefürderen,  als  ob  du  dich  in  allem  dinem  lidenne  got  kanst 
geben  und  lazen ;  wan  daz  ist  gäten  und  bösen  gemein,  aber  dis 
ist  allein  miner  uzerwelten.  Swer  reht  könde  gewegen  zit  and 
ewikeit,  der  s61ti  lieber  wellen  hundert  jar  in  eime  värin  oven  ligen, 
denn  des  minsten  lones  umb  daz  minst  liden  wellen  enbem  in 
ewikeit;  wan  daz  hat  ein  ende,  diz  ist  ane  alles  ende. 

Der  dienen  Ach  suzer,  minneklicher  herre,  wel  ein  s&zes 
harphen  dis  ist  einem  lidenden  menschen!  Herr,  w&ltist  da  mir 
also  minneklich  psalterjen  in  minem  lidenne,  so  w61t  ich  gern  liden, 
so  were  mir  baz  mit  lidenne  denn  ane  liden. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Nu  höre  daz  suz  selten- 
spil  der  zertenneten  seiten  eines  gotlidenden  menschen,  wie  riliches 
dönet  und  wie  suzklich  es  erklinget 

Liden  ist  vor  der  weit  ein  Verworfenheit,  und  ist  aber  vor  mir 
ein  unmessigA  wirdekeit.  Liden  ist  mines  zornes  ein  erlöscherin 
und  miner  hulde  ein  erwerberin.  Liden  machet  mir  den  menseben 
minneklich,  wan  der  lidende  mensch  ist  mir  anlich.  Liden  ist  ein 
verborgen  gflt,    daz  nieman    vergelten   kan;    und  daz  ein  meDSch 


4  am  Bande  Bemardus  EE^F^F^HZ  5  uiubgeswenke  Ä  8  he- 
tistu  E^  9  künftigen  (!)  F  10  kanst  got  AKE  14  umb]  und  K 
wellen  radieft  Z  19  denn  a.  1.  fehlt  F  26  angelich  E  27  f.  am  Bade 
In  vitaa  patrum  EE^F^HZ 

4  Von  dem  got  liden  apiHcht  Eck  hart  öfters ,  so  4^14:  15^  ff,;  i^»^ 
Vgl,  Hör.  l.  c:  totum  te  deo  in  omni  tribulatione  committtre,  4  f.  Bf^ 

nardtis,  De  consid,  II,  12;  sermo  2  in  dorn.  Palm,  n.  2.  6  ff.  Hör»  Ic.:^ 

in  astroloyca  disciplina  floreres  et  omnium  liberalium  artium  secreta  p(^ 
irares,  si  admirahilis  in  omni  sapientia  appareres,  si  cunctos  rhdores  et  di^ 
ticos  fa<:undia  et  argutiis  praeires  etc.  18  psalterjen  (Hör.  130:  psaJkfV 

=  Psalmen  singen,  auf  dem  Psalterium  (psalierje,  psalteri,  eine  Art  Harfi^  äh*" 
lieh  dem  späteren  Hackbrett;  vgl.  Bild  12)  spielet^;  vgl.  Lexer  II,  304:  A,  Sck0i^^^ 
Höf.  Leben  I\  563;  H.  Paul,  Grundriss  der  germau.  Philol.  III\  572. 

26  Hör.  l,  c:  Christo  passo  assimilatur. 


]iMe 


L  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  xm. 


251 


Imwlert  jar  vor  mir  knüweti  nmbe  ein  vrüntlicheB  lideii,  es  were 
inverdienet.  Es  machet  uzzer  einem  irdenschen  mensohen  einen 
linielschen  mensciien.  Liden  bringet  der  weit  vrömdi  und  git  aber 
Hin  emzig  hetolichi.  Es  minret  vründe  und  mcret  gnade.  Er  mftz 
:tii7licb  verlSggent  und  gelazen  werden  von  aller  der  weit,  dez  ich 
iiich  vrüntlicb  underwinde.  Es  ist  der  siuherste  weg  und  ist  der 
ürzesf  und  der  nebste  weg.  Sieb,  siver  rebt  wüsti,  wie  nütz.liden 
![,  er  B&lti  CS  als  ein  werde  gäbe  von  gotte  enpbabcn.  Eva,  wie 
it  m  mcnig  menseli.  daz  ein  kint  waz  des  ewigen  todes  und  ent- 
clilureu  waz  den  tieüTen  schlaf,  daz  daz  lidcn  bat  erkicket  und  er- 
liindert  in  ein  göt  leben!  Wie  ist  so  meng  wildeB  tier  und  unge- 
etnles  vSgcIli,  daz  mit  emzigem  lidenne  iti  geschlossen  ist  als  in  ein 
eci,  der  im  stund  und  stat  liessi,  wie  es  einer  ewigen  sellkeit 
ndmnni!  Liden  behütet  vor  sweren  velleii,  es  machet  den  menschen 
ich  selber  erkennen,  in  im  selben  bestan,  sinem  nehsten  gl5ben. 
Men  behaltet  die  sei  in  dcmi'itikeit  und  leret  gedullikeit;  si  ist 
in  hüteriu  der  reinikeit,  si  bringet  die  kröne  ewiger  Bclikeit.  Es 
lag  knme  dekeiit  mensch  sin,  er  enphahe  etwaz  gätCB  vonlidenne, 
f  si  iu  gebresten  [lOS']  oder  in  eime  anvange  oder  zi^nemenne  oder 
I  votkomenheit,  wan  es  fiirbet  daz  isen,  cb  Iiitret  daz  gold,  es 
ieret  daz  edel  gesmide.  Liden  daz  leit  Bund  ab,  es  minret  daz 
fgfiir,  vertribet  bekorunge,  verswendet  gebresten.  ernüwret  den 
eist;  es  bringet  war  zftversibt,  rin  hiter  gewissen  und  steten  hohen 
ifll,  Wässist,  es  ist  ein  gesundos  trank  und  ein  heilsames  krut  ob 
ll^n  knitern  des  paradyses.  Es  kestget  den  lib,  der  doch  fulen 
^bü,   und  spieet   aber   die   edlen  sele,    dii   da   eweklicb    bliben   sol. 


3  bim.  [raenaclieu]  Ah         git  aber]   bringet  Z         4  vründe]   süude  If" 
\.\  BcUeroBt  J-'         lind  [ist]  /.'i-'i'''        7  nebate  [we{,'|  A        rebt  /Ml  AK 
»werem  willen  /;        dial  die  A        IS  in]  uiiil  AKK'I'        22  tmd  vertr. 
WZ 

2 ff.  Hör.  121:  hotniiicm  farnahm  facii  tpiriluattvi,  ...  niundi  huiua 
n  (Irüiulatio)  gtntrat  denertinnem,  scrf  diviiHim  parit  familiarilatem,  .... 
But  arla  via  gtd  «teura  et  compendiosa  duems  ad  vüaiu  (vgl.  Eckhart  492^3), 
rtl  IT.  Hör.  i.  c:  o  guot  auiU  tn  mundo  captivi,  qui  per  manum  alti»timi  t 
^uli'd  indomita  et  aviculae  incaoeaiae  tribulationHiu»  ti  prcineiitibus  i'itcllMt 
^nlur,  quibu*  »i  faeulta«  adeaset,  otio  resolati  a  »tatn  diffiigireni  proprtae 
'AUur.'  15   X.  c:   htmililer  in  seifiao  eonrnstere   ac  timer«,  ...  proximo 

nimlj  eondeacendere.  16  f.  si  betieht  sieh  auf  gedultikeit  2ü  f.  i 

ȟndige,  gold  ^  die  ati/angtndc  und  foriachreitcnde,  gegmide  ^  di*  wO- 
MS  8ttU.  22  vi'iKweodet  gebresten  =  extinguil  earnalitnleit  (Hör.  132). 


252  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  Xm. 

Sihe,  du  edel  sele  trujet  von  lidenne,  als  die  schönen  rösen  von  dem 
süzen  meient6we.    Liden  machet  einen  wisen  mflt  und  einen  ge&bten 
menschen.     Ein  mensch,  der  nit  gelitten  hat,  waz  weis  der?  Lideo 
ist  ein  minnerflt,   ein  vetterlicher  schlag  miner  nzerwelten.    Liden 
zähet  and  zwinget  den  menschen  zu  gote,   es  si  im  lieb  oder  leid.  5 
Der  sich  vrölich  in  lidenne  haltet^  dem  dienet  lieb  und  leid,  vrind 
and   viende.     Wie  dik  hast  du   dien  anzennenden  vienden  isninä 
gebiss  in  geschlagen  und  sä  nnmechtig  gemachet  mit  dinem  yrölicben 
lobe  und  senftmütigen  lidenne!  Ich  schüfe  e  liden  nzzer  nüti,  e  icb 
min  vr&nde  ane  liden  liezi;  wan  in  lidenne  werdent  alle  tngentlO 
beweret,  der  mensch  gezieret,  der  nehste  gebessert,  got  gelobt.  6e- 
dultikeit  in  lidenne  ist  ein  lebendes  opher,   es  ist  ein  suzzer  smak 
dez  edlen  baisamen  vor  minem  götlichen  antlät,  es  ist  ein  uf  triDgen- 
des  wunder  vor  allem  himelschen  here.    Es  enwart  nie  kein  so  groz 
kaphen  uf  einen   wol  turnierenden  ritter,    als  alles  bimelsches  her  IB 
kaphet  uf  einen  wol   lidenden   menschen.     Alle  heiligen   sint  eins 
lidenden  menschen   crcdencier,   wan  sä  hein  es  vor  wol   versuchet 
und  rufent  mit  gemeinem  munde,  daz  es  aller  gift  ane  ist  und  ein 
beilsames   trank  ist.     Gedultkeit  in  lidenne  ist  grözer  denn  toten 
machen  uf  stau  oder  andru  zeichen  tfin;  es  ist  der  enge  weg,  der  da  90 
rilich  tringet  hin  ze  der  himelporte.    Liden  machet  der  martrer  genoz, 
es  füret  hine  daz  lob,  es  füret  hin  den  sig  wider  alle  viende.  Lideo 
kleidet  die  sele  mit  röslim  kleide,  mit  purpurvar;  si  treit  der  riteo 
rosen  schapel,  dez  grünen  palmen  zepter,   si  ist  ein  us  glenzender 
rubin  in   eime  jungvröwlichen   värspan.     Si  singet  vor  in  ewikcit* 
mit  süsser  stimme^   mit  vriem   niflte  einen  näwen  reien,  den  aller 
engel  schar  nie  gesingen  konden,  wan  su  dez  lidennes  nie  befanden. 
Und  daz  icb  es  kürze :  die  lidenden  heissent  von  der  weit  die  armen, 
und  heissent  aber  von  mir  die  seligen,  wan  sü  sint  min  uzerwelten. 


1  trüget  FF^H  trfigeti  Z  2  sfizen]  lichten  E^F^  4  ein  minner. 
fehlt  AK  6  der  —  leid  fehlt  F  lidenne]  dem  A  12  ein  leb.  o.  es  ist 
feldt  A  16  f.  eins  wol  lid.  E^  19  am  Bande  Gregorius  in  dyalogo  E^I^F^Bl 
29  sint  von  mir  die  userw.  E^ 

1  trujen  (Lex,  11^  1537)  =  gedeüien  (Har.  l.  c;  saginatur),  8  8vmh 

34,9.  7  £f.  Vgl.  Vita  Kap,  29,  Hör,  l.  c, :  inimicis  frenum  sücntii  mpoMMiti 

14  L.  c. :  totam  coelestem  curiam  in  admirationem  suspendit»  19  Gttg^ 

Dial.  ly  3:  ego  enim  virfutem  paiitniiae  signis  et  miraculü/  maiorem  eredo, 

23  f.    Die  roten  Bösen  sind  Zeichen  des  Leidens,  d§r  PdhnmoHg  SymhcH  des 
Sieges  (Apok,  7,9), 


Büchlein  der  Bwigeu  Weiaheit.    Kap.  SIll. 


253 


[109']    Der  dieoer:    Eya,    wie  schinet   ao   wol,   daz   Aa  du 

Ewig  Wisheit  bist,  daz  du  so  innekltcheo  wol  die  warhclt  kanst  zc 

felde  bringen,  da/,  nieman  dar  an  kan  noh  mag  gezwiflenl    Es  ist 

wnnder,  daz  er  liden  mag  erlidcD,  dem  du  liden  also  kanst  ge- 

|t  lieben,     Herre,  du  hast  mit  dinen  süzen    worten  gemachet,  daz  mir 

nit  allein   alles   liden  iemer   deste  lidiger   und    deste  vr&licher  mAz 

i  Bin,  berre  mine  und  getrüwe  vatter,  icb  knuwen  hüt  vur  dich,  acb, 

I  iini]  loben  dich  inneklichen  umb  gegenwärtiges  liden    und  och  umb 

1  ii  ?crvamen  unmezigen  liden,  du  mich  do  so  groz  duhten,  wan  sü 

vientlicb  I übten. 

Du  Ewig  Wisbeit;  Wie  duuket  dieb  aber  nii? 

Der  diener:  Herr,  raicli  dunket  daz  eigenlich;  wenn  ich  dich, 

I  mioB  herzen  wunkliehen  Sgenweide,  mit  Iteplicben  ögen  an  sibe,  daz 

I  dii  starken  grozen  liden,  mit  dien  du  mich  als  vetterlieb  hast  geübet, 

■  Ton  dero  angesiht  an  mir  dennoch  din  frumen  vriinde  erschraken, 

I  iiT,  du  ellü  sien  gewesen  als  ein  Büzes  meicntowe. 


Do  der  selb  bredier  hate  an  gevangen  von  lidenne  ze  schri- 
(»eüne,  do  waz  im  vor  in  der  selben  wise,  als  och  vor  an  geschriben 
8tai,  wie  du  selben  zwei  menschen,  du  in  liden  und  in  betrübte 
*  Waren  gesin.  vor  im  ses^in,  und  begert  ir  einü,  daz  man  ir  psalter- 
jeti,  Daz  enphieng  er  nnwertlicb  und  meind,  es  were  ungeistlich. 
Do  wart  gesprochen,  daz  ir  begirliohes  psalterjen  nit  ungeistlicb 
^re.     Und  do  zehant  do  waz  ein  jnngüng  da,  der  bereite  uf  ein 


kAnst  d.  w.  Z       8  der  aa  nach 

12  d.  diener  /thlt  £>        dez  FHZ 
16  ge-K.  sien  £'        18  vor  [an]  £' 

ellifluo  guodam  eapore  ei  suavitsima 
'..  c:  quia  tx  hoglili  severitaU  prodire 


2  innekl.]  minneklicben  A,  fMt  J-? 
nwg  A'F'         6  und  d.  vröl.  fehlt  AKa 
'4  p'oasen  starken  E        15  dinj  die  E' 
18  und  [in)  £'/■' 

a  Hör.  133:   veritatem   agnitam   t 
fveiationi  ad  lucfn  produein.  9t. 

fniahantar. 

18  In  AKRWS'  (in  a  tum  Teil  Kchon  nach  Vita  Kap.  34)  ein  BOd: 
obia  der  Diener  vor  dem  gckrtittigten  Ckrittn»  und  dem  Jenuäkind  emschea 
Senenhechen,  unten  der  Diener  mit  dem  Fialtrriam  vor  dem  gegeistelltn  Heiland, 
richl*  die  tuet  leidende»  Menschen  (Abb.  12  nach  A  Bl.  IO!f). 

17  der  aelb  Iredier  =  Seine.  18  Im  Prolog  des  Bdew;  vgl.  auch  Hör. 

111  und  13. 


254  Büchlein  der  Ewigen  \Veisheit.    Kap.  XIV. 

psalteri,  and  do  er  si  gereiset,  do  spieo  er  die  zwen  fedem  über 
die  Seiten  in  krüzwis  und  gab  si  dem  brftder  in  die  band,  und  tfo 
hfib  er  an  zc  eprecbennc  von  lidt-nne: 


XIV.   Kapitel. 

|110^]  Von  unsaglleher  göti  der  betrahtHnge.  des  ^tlleha 
lidens. 

0er  dieuer:  Herrc,  gewerlicbe,  es  ist  ror  allen  herzen  nr- 
borgen  daz  grundelos  gut,  daz  man  in  dincm  liden  rindet,  der  dem 
zit  und  stat  git.  Wafen,  wie  ist  der  weg  dines  lidens  so  gar  eio 
geweres  pbad  dur  den  weg  der  warbeit  hin  af  den  faoligten  toldeft  I 
aller  volkonienheit !  Wol  dir,  edcls  lieht  ander  allem  himelschen  gt- 
Btirne,  Paale,  daz  du  als  hohe  werd  gezogen  und  als  tief  in  gefurdt. 
in  die  verborgnen  tSgni  der  blozen  gotheit,  da  da  hortest  die  tiefet 
wort,  die  nieman  gesprechen  mag,  und  dir  doch  daz  selb  mionel*  > 
lieb  liden  ob  im  allem  so  euzklich  ze  herzen  gieng,  daz  du  eprecfas;« 
„ich  enkan  nit  denn  Jesum  Cristnm  und  den  also  geknlzget^L^' 
Gesegnet  siest  du  $ch  under  allen  lerern,  süzer  heir  sant  ßer» 
hart,  des  sei  so  durHibtet  waz  mit  dez  ewigen  wortes  blozh^  ' 
und  daz  din  süzü  zUDge  so  süzklich  us  töwet  von  etuem  voUtfl' 
herzen  daz  Hdcn  sincr  mcnecheit,  do  diu  minnendü  sei  sprnch:  qd*!' 
geblümet  mirretihäscbelli  des  bittren  lidenues  mins  geuiinten  herra 
halt  ieb  minneklich  gevasset  entzwiischcnt  minii  brästlA  und  zarüich' 
geneiget  enmitten  in  min  herz.  leb  ensftchc  nit  als  di'i  gemidiil, 
wa  er  unib  den  mitten  tilg  rfiwe,  den  icii  enmitten  in  niinGm  bendl. 
umbevube.  Ich  cnfrage  nit,  wa  er  umb  den  mitten  tag  werde  fc^l 
spiset,  den  min  sei  so  miiinklich  an  dem  krüz  an  bliket.  Ens  M 
wol  höher,  aber  dis  ist  süzer  und  bereiter.    Usser  dem  minneklieluS. 


1  [ilio]  zwen  K        1  f.  fibcr  die  b.  /Ml  K        7  der  dieonr  dareha^. 
fthll  H         8  f.   dem  e  zit   A         !)  ein  m  [gM]  E'f         12  wcrd] 
16  am  Rande  Pniilufl  KK'F'F'HX         10  lUz  fe/ili  K'H         20  f.  a« 
Heriiiiraiis  «njitr  c;iiiti(rfi  AKF' l-'-ll/.         27  diMu]  disi'in  AKK 

IM.lf.  13  f.   II  Kor.  12,4.  16  /  Xur. -U 

■  tt  tu,  roekaü  figtUa,  suapüatf  »crntOHüi  duleittr 
ii  diriitiniima  maiflate  itluminala,  bealif»imr  Btrn- 
IUI  ti  in  ifiice  /mspenmiiii  tarn  duicilir  tapiebat  eU. 

4i;  Kl   Cant.  (1,1U)  n.  i  fi-ti  UiiOtzt. 


1  jisalteri,  rgl. 

oben 

17  fl-.    lim:   mt   « 

milit 

jieroriKilti  aUiue  verl-i 

fiiU' 

hartle,  ciii  verliiim  im 

ariKi 

'^Iff.   BenmrduH, 

cnno 

Büchlein  der  Ewiy;eii  Woishsit.     Kap.  XIV, 

Udenne  nim  ich  ein  völliges  erHetzen  mins  kleinen  verdienens.  Hier 

lit   min    vollkomnt'i   gerectitikeit;   liis    betruhten   beis   ich    ewig 


256  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  XIV. 

wertikeit;  es  enthaltet  mich  eutzwüschen  lieb  uud  leid  diser  wel 
in  rehter  glicheit,  und  behütet  mich  vor  allem  übel  in  ganzer  sicher 
heit  Ich  han  dar  us  under  stunden  enphangen  ein  trank  sioe: 
bitterkeit^  och  under  wilent  ist  mir  dar  us  worden  ein  trank  götlichei 
trostes  und  geistlicher  suzikeit.^ 

Ach  dar  umb,  süzer  herr  sant  Bernhart^  so  ist  billich,  daz 
din  zunge  hin  ilüsse  von  süzikeit^  wan  din  herz  mit  dem  süssen 
lidenne  so  gar  versusset  waz. 

Ewigü  Wisheit;  ich  merke  hier  inue:  swer  grosses  lones  mi 
ewiges  heiles  begert,  swer  hoher  kunst  und  tieffer  wisheit  begert, 
swer  glich  in  lieb  und  in  leid  welle  stan  und  ganz  Sicherheit  vor 
allem  übel  welle  han,  und  ein  trank  dines  bittren  lidennes  und  nn- 
gewonlicher  süzikeit  welle  enphafaen,  der  sol  dich,  den  gekrüzigeteo 
Jesum,  ze  allen  ziten  vor  den  ögen  sins  herzen  tragen. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  enweist  nit  [110'] 
recht;  waz  grozes  gutes  hier  inne  lit.  Sich,  erozigü  betrahtange 
mins  minneklicben  lidennes  machet  us  einem  einveltigen  meDscIien 
einen  hohen  künstrichen  meister. 

Es  ist  doch  ein  lebendes  buch,  da  man  ellü  ding  an  vindet; 
wie  ist  der  mensch  so  reht  selig,  der  es  ze  allen  ziten  vor  sinen 
ogen  hat  und  dar  an  studieret !  Waz  mag  der  wisheit  und  gnaden, 
trostes  und  süzikeit,  ein  ablegen  aller  gebresten  und  miner  emzigeo 
gegenwurtikeit  erwerben!  Und  hie  von  so  hör  eins: 

Es  geschah  vor  vil  jaren,  do  hat  ein  bredier  in  sinem  anrang 
ein  bitterliches  liden  von  ungeordneter  swermütikeit,  du  in  ze  etlichen 
ziten  also  überladen  hate,  daz  es  enkein  herze  m&ht  ergründen,  daz 
sin  nie  bcvant.  Und  do  er  ze  einer  zit  also  sas  in  der  zelle  nach 
dem  imbis,  da  hat  in  daz  liden  überwunden,  daz  er  enmoht  weder 
studieren  noch  betten  noch  nüt  gutes  getfin,  denne  daz  er  ako 
trurige  sas  in  der  zelle  und  sin  hende  in  die  schoz  leit,  als  ob  er  • 
der  zelle  wölte  got  ze  lobe  hüten,  wan  er  ze  allen  andren  geistliehfn 
dingen  unnütz  were ;  und  do  er  also  sas  trostlos,  do  waz  im,  als  zA 
im  dise  sin  vernünftiklich   gesprochen  würde:    „wes  sitzest  du  bieV 

11  f.  welle  vor  a.  ti.  7v*  16  acrossen  AE  götes]  lones  F*^  22emi* 
gen  A  23  und  —  eins  fehlt  AK  24  ein]  der  selb  F  27  f.  nach  i  i- 
—  30  in  d.  zellt'  ftJdt  A  31  wolte  liüteu  Za  hfit.  wolti  A*  andren  fehlt  ¥ 
32  als]  wie  AKa        33  diso  sin  fehlt  F 

19  Hör.  r^6:  vtlut  quidam  liber  vitae.  24  ein  bredier  =  Stuat  ((jfw- 

dam  dhcipulus  sapienliae,  Hör.  127),  25   Vgl.  Vita  Kap.  21.  33  H'>r. 

l.  c. :  facta  est  ad  tum  dtauptir  quasi  vox  inicüeciuali^  dicens  etc. 


Bttchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XIV.  257 

Staot  nf  und  vergang  dich  in  min  liden,  so  überwindest  du  din 
liden!"  Und  er  stünt  geswinde  uf,  wan  im  was,  wie  daz  reht  von 
bimel  were  erschollen,  und  nam  her  vtr  daz  liden,  und  in  dem  lidenne 
verlor  er  alles  sin  liden,  daz  er  es  in  sogtaner  wise  nieme  dar  nah 

5  enphant. 

Der  dienen  Owe,  min  suzü  Wisheit,  nu  erkennest  du  ellü 
herzen,  du  weist,  daz  mir  ob  allen  dingen  begirlich  were,  daz  mir 
din  pinliches  liden  vor  allen  menschen  ze  herzen  gienge,  und  daz 
es  asser  minen  5gen  einen  vliezenden  brunnen  der  bitterlichen  trehen 

.0  nacht  und  tag  hetti  gemachet.  Owe,  nu  hat  min  sei  ein  fierzeklicb 
klag,  daz  es  mir  nit  als  ingrüntlicb  ze  herzen  gat  ze  allen  ziten, 
noh  als  minneklich  dar  nah  enkan  betrahten,  als  du,  zarte,  nzer- 
weite,  wirdig  werest.  Dar  umbe  so  wise  mich,  wie  ich  mich 
halten  säle. 

5  Entwurt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  betrahtuug  nach  miner 
marter  sol  sin  nit  mit  einem  ilenden  ubervarne,  so  man  zit  und  stat 
mag  han,  mer  si  sol  sin  mit  herzklicher  minne  und  mit  einem  kleg- 
lichen  übergenne,  wan  anders  daz  herz  blibet  als  unberürt  mit  an- 
daht,  als  der  mund  mit  unzertribnem  süzholze.   3Iacht  du  min  liden 

0  nit  von  der  bitterlichen  not,  die  ich  leid,  mit  weinenden  ogen  über- 
trahten,  so  solt  du  es  aber  mit  lachendem  herzen  übergan  von  dem 
vr51ichen  gut,  daz  du  dar  innc  vindest.  Enmaht  du  aber  weder 
lachen  noch  weinen,  so  solt  du  es  mir  ze  lob  in  der  türri  dins 
herzen  Übergan;  und  hier  inne  solt  du  nit  minr  hnn  getan,  denn  ob 

5  da  von  trehen  und  süzikeit  da  bin  flussist,  wan  so  würkest  du  von 
binnen  der  tugende  ane  ansehen  din  selbs. 

Und  daz  es  dir  iemer  nie  deste  baz  ze  herzen  gange,  so  hör  me: 


1  stant  uf  und  fMt  F        2  uf  geswinde  AKa        ;3  lideu  uusers  lierren 
^        7  und  [du]  weist  AKaE  11  klagen  AE         zc  allen  z.  fehlt  AKE 

lo  nach  fthU  E^         25  und]  in  AKct         und  von  s.  E^F         25  f.  am  Bande 
Bemardus  EE'F'F^ 

3  daz  liden,  nämlich  Christi,  25  f.  Bernardua,  sermo  0  in  Quadrat/. 

"•  /■;  mullo  virilius  aguni,  si  virtutes  ipsas  non  pro  dehctatione,   sed  pro  rir- 

^^ttihuft  ipsis  et  pro  solo  beneplacito  dei  tota  intentione,  ctsi  non  tota  affectione 

^ct'iniar,  27  ff.  Hör.  127 f.  führt  Sense  genauer  aas,  dass  die  Betrachtung 

^ts  Leidens  Christi  besonders  nützlich  sti  ad  poenam  purgatorii  diminuendam, 

-{>  handelt  sich  in  dem  zunächst  Folgenden  nicht  um   Vergehung  der  Sünden- 

^c/iuldj  sondern  um  Abbüssung  der  zeitlichen  Sündenstr afen,  icelche  nach 

^ergebener  Schuld  auf  Erden  oder  im  Fegfeuer  zur  satisf actio  condigna  (Hör.) 

^bzubiUtsen  sind.    Weiter  unten  unterscheidet  Seuse  deutlich  zwischen  Schuld  und 

'traft  (bäze).     Ähnlich  icie  Sense  Nikolaus  von  Strassburg  ( Pf  ei  ff  er  L  282  f). 

j£,  SoQS««  Deotiche  Schrirten.  17 


258  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.     Kap.  XIV. 

Min  strengü  gerechtikeit  lat  kein   unrelit   in  aller  [111']  dei 
natur  so  klein  noch  so  grozes,  es  müze  gebusset  und  gebessert  wer- 
den.    Wie  s61t  nu  ein  grozer  sünder,  der  vil  lieht  me  denn  hunder 
totsünde   hat  getan,    und  umb  ieklich  totsünde  sölte  nach  der  scrif 
siben  jar  büzen,  oder  die  ungeleisten  büsse  in  dem   heissen  eitoTei 
dez  grimmen  vegfüres  müste  leisten,  eya,  wenn  s61te  du  eilend  se 
ir  büze  vol  uz  gelcisten,  w^enne  s61te  ir  langes  ach  und  we  ein  eudc 
nemen?  Wie  wurd  es  ir  so  gar  ze  lang!  Sih,  daz  hat  si  behendek- 
lich  gebusset  und  gebessert  mit  minem  unschuldigen  wirdigen  lideniie: 
si  mag  als  wol  in  den  edlen  schätz  mines  verdienten  lones  kunnen 
grifen  und   zu   ir  ziehen.     Und  sölte  si   tusent  jar  in   dem   vegtür 
brinnen,  si  hat  es  in  kurzer  zit  nah  schuld  und  böze  ab  geleit,  in 
si  ane  alles  vegfür  in  die  ewigen  vrode  vert. 

Der  diener:  Owe,  min  zartü  Ewigu  Wisheit,  daz  1er  mich 
dur  din  gütin;  wie  könde  ich  so  gern  einen  sogtanen  grif  tön!       ) 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Der  grif  beschiht  also: 
I.  daz  ein  mensche  mit  einem  rüwigen  herzen  als  dik  und  als  swar- 
lichen  wiget  die  grözi  und  die  mengi  siner  grozcn  missetat,  mit  dien 
er  so  berlicbe  erzürnet  hat  du  ogen  sins  himelschen  vatters;  IL  und 
dar  nach  mit  einem  vernihtenne  der  werke  siner  eigenen  bessemnge.  2 
wan  du  sint  gezellet  gegen  den  sünden  als  ein  tröphli  gegen  dem 
tiefifen  mer;  III.  imd  denn  mit  einem  hüglichen  wegenne  der  anmes- 
sigen  grozheit  miner  besserunge,  wan  daz  minste  truphli  mins  kost- 
bercn  blfites^  daz  da  unmesseklich  allenthalb  us  minem  minnericbeD 
Übe  vloz,  daz  vermöhte  vür  tusent  weit  sünde  besseren;  und  doch* 
so  zühet  ieder  mensch  der  besserunge  als  vil  zu  im,  als  vil  er  sich 
mir  mit  mitlidenne  gclichet.  IV.  Und  dar  nach,  daz  ein  mensche 
als  demütklichen  und  als  viehlichen  die  kleinheit  des  sinen  in  die 
grozheit  miner  besserunge  versenke  und  verhefte. 

1  iiDgereht  AKaEF^  4  solti  biizen  E^  6  miizi  K^  eya  raditrt^ 
10  wol  vor  kunnen  P?  14  am  Bande  Nota  Bernhardus  F^  17.19.22.27  fl« 
Hände  1 II  III IV  AEE^Z  18  i^riozcu  fthlt  E'  dien]  dem  E^F'H  21  den] 
disen  AKa  24  alleuth.  fehlt  AKE  25  hin  flos  EE^  26  am  Bandi 
Thomas  in  tercia  parte  EFM'^F^Z  der]  des  AF  28  demutkliche  A  »»<* 
a.  vlehl.  fehlt  F        29  grozi  iv» 

4  f.  Über  diäte  theologisch^  Meinung  vgl,  lliomas,  SuppL  q,  8  a.  7 :  Ik/ff^ 
c.  44  D.  L.;  c.  5  D.  LXXXII:  Raymundiis  de  Fennaf.^  Summa  (Paris  1722/ 
L,  III  tit.  H4  p,  436 f.  25  Hör,  liiO:  pro  redemptione  et  satisf actione  ioti^ 

mundi  suffecisset.     Zur  Sache  vgl.  Thomas,  In  3  Sent,  diät,  2()  a.  3  ad  4;  Ä  Tfc. 
3  q,  46  a,  ö  ad  3,  26  Thomas^  S.  Th,  3  q.  49  a.  3  ad  2,  im  Hör.  139  f,  /alt 

icörtlich  zitiert. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XV.  259 

Und  (laz  ich  dir  es  kurze,  so  wüssest,  daz  alle  meister  von 
»d  noch  von  maze  enköndin  gerechnen  daz  unmezig  gftt,  daz  ver- 
borgen ist  in  einziger  betrahtunge  mins  lidennes. 

Der   diener:    Eya,    zarter   herre,    dar  umb  lazze  alle   rede 
DDderwegeo,  —  ich  bin   gar   verfurct,   —  und  tu  mir  noch  me  uf 
verborgen  hordes  dins  minneklichen  lidennes. 


XV.  Kapitel. 

Ton  dem  minnekosen,  daz  du  sei  mit  got  hate  gehebt  nnder 
dem  krdze,  keret  si  sich  wider  zu  sinem  lidenne. 

Der  diener:  Du  hast  mir  geotTenbaret  die  unmessigen  not, 
die  diu  usser  meusch  hatte  an  dem  hohen  galgen  des  krüzes,  wie 
darmartert  er  waz  und  umbgeben  mit  dien  banden  des  jemerlichen 
todes.  Ach  herr,  wie  stünt  es  aber  [111^]  under  dem  krüze,  alder 
waz  ieman  da,  dem  din  klegliche  tod  ze  herzen  gienge,  oder  wie 
hielt  du  dich  in  der  not  zu  diner  trurigen  müter? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Da  höre  ein  kleglich 
ding  und  daz  lazze  dir  ze  herzen  gan. 

Do  ich,  alse  du  hast  gehöret,  in  aller  der  angst  und  tötlicher 
Qot  stfint  vor  in  uf  erhenket  jemerlich,  do  stünden  sü  gegen  mir  und 
ffiften  mich  an  mit  ire  stimmen  vil  spotlich;  sü  wegten  irü  höbter 
?egen  mir  gar  smachlich,  sü  vernihteten  mich  in  ir  herzen  genzklich, 
reht  als  ob  ich  ein  ungenemer  wurm  were.  Aber  ich  stund  hier 
inne  vestklich  und  bat  minen  lieben  vatter  über  sü  minneklich. 
Sich,  ich,  daz  unschuldig  lembli,  wart  zu  dien  schuldigen  gelichet, 
ich  wart  von  ir  einem  verspottet,  aber  von  dem  andren  an  gerüfet. 
Ich  eophieng  in  geswinde  und  vergab  im  alle  sin  missetat;  ich  tet 
im  uf  daz  himelsche  paradys. 

Ach  hör  ein  kleglichs  ding:  ich  lüget  unib  mich,  do  vant  ich 
'öich  ellendklich  von  allen  menschen  gelazen,  und  die  selben  vründe, 
^ie  mir  nach  hatten  gevolget,  die  stünden  verre  von  mir,  min  lieben 


6  hordes]  ordens  F^  9  keret  —  lid.  fehlt  F^  10  d.  diener  fehlt  H 
5  zö]  gen  E^F  16  am  Hände  rot  wie  es  under  dem  krüz  iiml)  in  stüiit  EE^F^, 
on  anderer  Hand  Z  22  ich  es  ein  AKE  26  und  [ich]  tet  E  30  gev. 
itton  E^ 

1  f.    AlU  Arühmetiker  und  Gtomeier.  5  vertTiret  =  weggeführt,  ah- 

scliweifi  (Hör,  130:  digressionem  fecimus).  19  ff.   Vgl  Matth.  27,39  ff, 

2b    Von  den  swei  Schachern;  vgl  Liik.  ^3,S9A:>.  30  Luk,  23,49. 


i 


260  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XV. 

junger  waren  von  mir  geflohen.  Ich  stund  also  nackent  und  all^ 
miner  kleider  berobet.  Ich  waz  do  worden  der  unmehtig  und  d^ 
giglos.  Su  handleten  mich  unerbermklich,  aber  ich  hielt  mich  ^/^ 
ein  swigendes  lembli  senftmütklich. 

Ich  waz  mit  herzeleide  und  mit  bitter  not  umbgeben,  wa  ich  i 
mich  hin  kerte.  l  Es  stünt  under  mir  du  trurig  müter,  und  leid  ir 
müterliches  herz  ze  gründe  alles,  daz  ich  an  dem  libe  leid,  jifio 
miltes  herz  wart  da  von  inneklich  bewegt,  wan  ich  allein  ir  grozes 
herzleid  ze  gründe  erkande,  ir  scneden  geberde  an  sah  und  irü 
kleglichü  wort  horte.  Ich  tröste  si  vil  gütliche  in  der  tötlichenlDj 
schidunge,  und  bevalh  si  minem  geminten  junger  in  müterlich  trawe 
und  bevalh  den  junger  ir  in  kintlich  trüwe. 

Der  diener:    Ach  min  milter  herr,   wer  mag  hie  enbem,  er 
müze  inneklichen  siifzen  oder  bitterlichen  weinen?  Eya,  min  scbonü 
Wisheit,  wie  mohten  su  gegen  dir  süzen  lemblin  so  gar  unmilt  sin,  llj 
die  wütigen  lowen,  die  mürdigen  wolfe,  daz  sü  dich  also  handleten?  . 
Ach,   wafen,   zarter  got,  wan  were  din  anner  diener  da  gesin,  daz 
ich  hetti   ellii   menschen   verwesen,   daz   ich  vür  minen   herren  dar 
were  gestanden,   ald  aber  mit  minem  eingen  liebe  in  den  bittern 
töd  were  gegangen,   oder,   wölten  sü  mich  nüt  [112']   mit  minem Ä 
lieb  lian  getötet,  daz  ich  den  herten  stein  dines  krüzes  heti  mit  dien 
armen  mins  herzen  in  jamer   und  klag  umbvangen,   do  er  von  mit- 
lidenne  zersprang,  daz  5ch  min  eilendes  herz  mit  im  nach  dem  ge- 
minten were  zersprungen ! 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Es  waz  min  ewiguord-*^ 
nunge,  daz  ich  ze  der  stunde  den  kclch  miner  bitteren  marter  allein 
litte  vür  ellü  menschen.  Aber  du  und  alle  die,  die  mir  nach  wellen 
gan,  die  verloigen  ir  selbes,  nemen  nu  ir  eigen  krüz  uf  und  gangen 
mir  nach !  Wan  daz  sterben  ist  mir  als  minneklich,  als  ob  sü  do 
mit  mir  in  den  bittern  tod  weren  gegangen.  *■ 

Der  diener:  Zarter  herr,  nu  lere  mich,   wie  ich  mit  dir  er- 


6  \i\\\  fehlt  I'?  imder]  wider  A'  11  gem.]  lieben  K^  17  ich  din  F 
icli  nachgetragen  KF^  18  het  furweseu  1?  22  u.  in  klag  AaE^F  26  bit- 
teren fMt  F        äO  do  tot  mit  m.  E^ 

3  f.  Jer,  lljl9.  6  Hör,  131:  atahat  iunc  iuxta  crucem  filü  pendentu 

matu'  maesiissima  etc.     Seuse  scheint  die  Scquens  Stabat  tnat€r  des  Jacopom 
da  Todi  f|  ISOfi)  gekannt  zu  haben.  11  f.  Joh.  19,26  f,  21  den  herten 

stein,  den  Feh,  in  den  das  Kreuz  eingerammt  war  (pedem  eruds^  Hör,  L  c). 
23 f.   Vgl  Matth.  27,öl.  27  f.  Matth,  16,24. 


kb 


Bliclüeiu  der  Eivif^eu  Weisheit.     Kap.  SV.  261 

rterben  sül,  und  weles  min  eigen  kriiz  bi,  wan  gewerlich,  min  herr, 
ensol  nit  me  mir  leben,  sider  du  mir  tot  bist. 
Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Swenne  du  dicli  rlizest 
aller  best  ze  tünne,  daz  du  dich  verstast,  und  du  denn  da  von 
dien  menschen  Bpotlichfi  wort  tiud  smahlich  geberde  enpfaabest, 
md  8LI  dich  als  ^ar  vernihtent  in  ir  herzen,  daz  sA  dich  da  vür 
lein,  daz  du  dich  weder  kunnest  noh  geturrist  gerechen,  und  du  nit 
illein  vestklich  und  unbeweglich  hier  inne  stest,  mer  daz  da  och 
teo  himelsehen  vatter  lieplich  i'iber  bu  bittest  und  Bii  minneklich 
fegen  im  enischuld igest;  sich,  als  dik  du  von  minnen  alsus  dir  selb 
irstirbest,  als  dike  ergmnet  uuderblüjet  sich  min  tod  an  dir.  Swenne 
Iq  dich  haltest  luterlich  nnd  unschnldklich,  und  dinii  gttten  werk 
ilan  vertrucket  werdent.  daz  man  dich  mit  wolgevallenne  dins  herzen 
lellet  zö  dien  schuldigen,  und  du  gegen  dien,  die  dich  pingent  oder 
iiner  söu  begerent,  als  behend  bist  von  gründe  ze  vergelienne  alles 
laz  ungemacb,  daa  dir  ie  von  in  beschah,  alt  ob  es  nie  were  be- 
ichehen,  nnd  inen  dar  zö  heliolfcn  und  diensthaft  bist  mit  worten 
und  werken  dur  die  glicheit  mins  vergebennea  mineu  kruzgern:  so 
(tael  du  warlich  bi  dincm  liebe  gekrüziget.  Swenne  du  dich  denne 
lUer  menschen  liebes,  nutzes  und  trostes  verzihest,  denn  so  vil  es 
lin  hkrii  notdurft  ist:  so  verwiset  din  lieblosi  alle,  die  mich  do  ze 
ier  gtnnde  Hessen,  Swenne  dn  aller  diner  vninde  als  ledig  stast 
Inr  mich,  als  ob  sü  dich  nit  an  h6ren,  in  allen  dingen,  da  ein  mittel 
Mag  gevallen;  so  han  ich  einen  lieben  junger  und  brflder  under 
lern  krüze  etende,  der  mir  min  liden  hilfet  tragen.  Dö  ledig  vriheit 
lins  herzen  kleidet  nnd  zieret  mine  blozheit.  Swenne  dn  denne  in 
Jler  widerwertikeit,  [112"]  du  dich  von  dem  necbsten  an  gat,  von 
minnen  durch  mich  sigloe  wirst,  und  da  aller  menschen  ungestümen 
Wrn,  nannan  er  wejet,  wie  geswinde  er  kumet,  du  habest  recht 
»der  Ulirecht,  als  senftniütklich  enphahest  als  ein  swigeutes  lembli, 
lipo  daz  du  mit  dinem  siizmütigem  herzen  nnd  mit  dinen  senf^ 
"lütigen  Worten  und  gütlichem  anlli'ite  der  andren  übli  überwindest: 


1 


4  dn  [vou]  E''F       8  beweglich  J-S        10  selb  dir  alma  Aa  dir  s.  a.  i:K 
i<  gegen  fehlt  K'        16  nie]  nit  E        20  f.  ial  nach  es  EK        21  ein  bärfi  u. 
J'finviaet  h''        29  weget  KfE        31  süzm.]  senftmötigen  A'' 

6f.  Hör.  132:  ut  hoc  nnn  vütuU  ixtlieniiae  atcribant  ...  sid  impotentiat 
a9ia€.  21  Bor.  133:  desfi-tinnem  mtatn,  qua  ab  oiniiibus  deriUclu» 

tr  hanc  rtcompensa»  voluntniiam  abfiractionem.  S&f-  /-■.  <:•:  'xapoliatio 

e  vohintatia  veBtimenta  gvnt  nudÜatU  meae. 


262  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  XVI. 

sich,  80  wirt  daz  war  bilde  mins  t5des  in  dir  us  gewArket.  Eya,  ds 
ich  di8  gelicheit  vinde,  waz  hab  ich  da  in  dem  lastes  und  woJ- 
gevallens  mir  selber  und  minem  himelschen  vatter! 

Trage  minen  bittem  t5d   in  dem   gründe   dins  herzen  und  in 
dinem   gebette  und  in  erzöigunge   der  werke:  so  volltürest  du  dai  6 
leid  und  die  trüwe  miner  reinen  mftter  und  mins  lieben  jungem. 

Der  diener:  Ach  minneklicher  herre,  min  sele  begert,  daz 
du  US  würkest  daz  bilde  dines  eilenden  todes  an  minem  libe  and 
an  miner  sele^  es  si  mir  liep  oder  leid,  nah  dinem  höhsten  lobe  nnd 
dinem  aller  liebsten  willen.  lij 

Ich  beger  och  sunderliche,  daz  du  noch  nie  ein  klein  rurest 
daz  groz  herzleid  der  trurigen  müter  und  mir  sagest,  wie  si  sieb 
ze  der  stunde  under  dem  krüze  hielte. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Des  vrage  si  selber. 


XVI.  Kapitel. 

Ton  dem  wlrdigen  lobe  der  reinen  kiinlgen  von  himelrich. 

Der  diener:  0  hohü  richeit  der  götlicheu  kunst  und  wißheit, 
wie  sint  dinü  gericht  so  unbegriffenlich  und  diu  wege  so  unerkant! 
Wie  hast  du  so  mengen  vromden  weg,  die  armen  seien  wider  2C 
bringenne !  Wes  gedecht  du,  oder  wie  was  dir  so  wol  ze  mftt  in 
diner  ewigen  unwandelberkeit,  do  du  so  adellichen  schufde  die  reinen, 
die  zarten,  die  wirdigen  kreatur  ob  allen  lutren  kreaturen!  Herre, 
du  mochtest  wol  sprechen:  „Ego  cogito  cogitaciones  paciB» 
ich  gedenk  die  gedenke  des  vrides."  Herr,  du  hast  uzzer  dein  a^ 
gründe  dincs  wesentlichen  gutes  dir  selber  in  ir  widerlühtet,  in  dem  dfl 
ellü  verflössnü  wesen  hast  wider  in  den  Ursprung  geleitet  Eya,  himel- 
scher  vatter,  wie  getörste  ein  sündiger  mensche  ze  dir  komen,  ^ 
were  denue,  daz  du  uns  hettist  gegeben  din  einiges  uzerweltes  kiot, 


1  sich  fehlt  AKE  eya  —  3  h.  vatter  fehlt  AE\  nachgetragen  E  d»; 
wa  E  2  in  dem  fehlt  E  8  in  mir  s.  und  in  m.  h.  v.  E  14  da«  -f'^ 
17  d.  diener  fehlt  H        19  ^Tomden  fehlt  F 

4  f.  L.  c;  //*  operatione  per  imitationtm  affectuosam,  14  Die  Mi^^ 

folgt  Kap.  17.    Im  Hör,  (134 — ISO)  ist  Kap,  lls  mit  Kap,  15  vereinigt, 

17  f  Röin.  Ily33,         22  Maria :  lutre  kreaturen  =  Engel.  23  Jerm.  29,11 

24 f.  Sinn:  durch  Christus^  dtr  von  Maria  geboren  wurde,  hat  d$r  Vater 
alles  H'itder  in  sich  zurückgefilhrt :  vgl.  Bonaventura,  Brevü,  JK,  :i  (ed*  Qwf 
racchi  IbüO,  17iO :  id.,  In  3  Sent.  dist.  1  a.  :,K  q.  3. 


Bttchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVI.  263 

die  Ev^igen  Wisheit,  ze  einem  leiter?  Eya,  Ewigü  Wisheit,  wie 
getörste  ein  armer  sandiger  mensche  iemer  die  baltheit  gewinnen^ 
daz  er  viir  sogtane  laterkeit  sine  unreinkeit  getörste  gezöigen,  es 
were  denn,  daz  er  die  mftter  aller  erbarmherzikeit  ze  einem  schirme 
Demi?  Ewigü  Wisheit,  bist  du  min  brüder,  so  bist  du  och  min  herre; 
bist  da  ein  warer  mensche,  owe,  so  bist  du  och  wäre  got  und  ein 
Til  strenge  rihter  der  missetat. 

Eya  dar  umbe,  so  unser  armen  seien  [113 ']  sint  in  dem  engen 
notstal  grundloses  berzleides  und  wir  enkunnen  noh  hin  noh  her 
komen,  so  blibet  uns  nit,  denn  daz  wir  unser  eilenden  ogen  uf 
bieten  ze  dir,  uzerweltü  künigin  von  himelrich!  Eya  dar  umbe,  du 
der  ewigen  sunnen  glastes  wid erglenzender  Spiegel,  du  der  verborgen 
hört  der  grundlosen  götlichen  erbarmherzkeit,  bis  hüt  gegrüzet  von 
mir  und  von  allen  sündigen  ruwigen  herzen!  Ach  ir  hohen  geiste, 
ir  reinen  seien,  trettent  hin  vür,  rüment  und  prisent,  lobent  und 
günlichent  daz  wuneklich  paradys  aller  wollust,  die  hohen  künegin, 
wan  dez  bin  ich  nit  wirdig,  si  gerftch  mir  es  denne  ze  erlobenne 
^on  ir  guti! 

0  du  gottes  uzerweltes  herztrut,  du  schöne  guldine  thron  der 
Ewigen  Wisheit,  erlobe  mir  armen  sünder  joch  von  minen  gebresten 
ein  klein  sich  mit  dir  ze  erkosenne!  Min  sele  vallet  vur  dich  mit 
Wagen  ogen,  mit  schamlichem  anthite  und  mit  nidergeworfnen  ögen. 
Ach,  ein  mftter  aller  gnaden,  mir  ist  aber  als  neiswie  als  weder 
min  sei  noch  kein  endrü  sundigü  sei  bedürfe  keines  urlobes  noch 
enkeins  mitlers  gegen  dir;  du  bist  doch  daz  mittellos  mittel  aller 
runder.  So  doch  ein  sele  ie  sundiger  ist,  so  si  ie  billicher  dunket, 
daz  81  einen  zftgang  zft  dir  habe ;  so  si  ie  missetctiger  ist,  so  si  ie 
billicher  hin  vür  dich  tringet.  Dar  umh,  sei  minii,  so  gang  vrilich 
hin  vür!  Vertribet  dich  din  grozü  missetat,  ach,  so  ladet  dich  du 
^uudelos  miltekeit. 

Eya  dar  umbe,  du  einiger  trost  aller  sündigen  herzen,  du  einigü 
vlabt  der  verschulten   menschen,   zt\  der   manig  nasses  öge,   manig 


1  leiter]  lerer  F^        2  die  b.  ieiu«^"  h?  4  erljermdc  AKaK        5  miii 

.  —  8  och  fehlt  F        19  thron]    krön   F'  23  gnade  K'FHu        24  keines 

M  E^        27  daz  si  baltliehe  /'.'        habe  zu  dir  h?       mein  tetiger  /*'       29  [Iiin] 
ir  A*        vertribe  /:»        32  zii  dir  FF' 

5  ff •    Vgl.  BeniarduSf  senno  in  Jjom.  infra  Oct.  A<!snmpi.  n.  I.Q:  sermo 
Nativ.  n.  7.     Zum  GedunhtnifaiKj   cks   (jauieu  Abschnittes    rr/I.    Wtcaudard, 
e  de  6'.  Bernard  II  ( Paris  lb9öj^  O.i  f. 


264  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVI. 

verwundet  eilendes  herze  uf  gebotten  wirt,  bis  ein  gnedigu  mitleriu 
und  sünerin   entzwüsehent  mir  und   der  Ewigen  Wisheit!    Gedenk, 
gedenk,  miltü   uzerweltü  künegin,   daz  du  alle  dine  wirdikeit   von 
Aus  sündigen   menschen   hast.     Waz  hat  dich   gemachet  ein  müter 
gottes,   einen  schrin,   in   dem   die  Ewig  Wisheit  süzeklich   gerfiwer 
hat?  Vrowe,  daz  hein   unser  armen  menschen  sünde.     Wie  wökest 
du  heissen  du  mi^^ter  der  gnaden  und  der  erbarmherzikeit,  denn  von 
unser  ärbeitselikeit,   die  diner  gnade   und  erbarmherzkeit  bedürfen? 
Unser  armftt  hat  dich  rieh  geniachet,  unser  gebresten  hein  dich  über 
alle  luter  kreatur  geedelt.  10 

Eya  dar  umbe,   ker  dinü  5gen   der  erbarmherzkeit,   du  din 
miltes  herz  nie  gekerte  von  keinem  sunder,   von  keinem  trostlosem 
menschen,   ze  mir  armen    menschen,    nim  mich  under  dinen  scbirm, 
wan  min  trost  und  Zuversicht  lit  an  dir.    Wie  ist  so  menig  sündigü 
sei,   so  si  gote   ein  urlob   hate  gegeben   und  allem  himelscheni  her,  ID 
[113^J   so  si  gottes   verlöigent   hate,    so  si  an  gote  verzwiflet  hate 
und   von   im  jemerlich   goscheiden   waz,    du   sich   an   dich   hankte, 
owe,  du  so  milteklich  von  dir  uf  enthalten  ist,  unz  daz  si  von  diner 
gnade   wider  ze  gnaden  kam !    Wer  ist   der  sunder,    der  ie  so  vil 
mordes   und  meines  begangen  hab,   so  er  an   dich  gedenke,  er  g^  ÄJ 
winne  einen   mftt?  Uzerwelter,  einger  trost  unser  armen  sünder,  du 
grundlos  güti  gottes  du  hat  dich  als  lustlich  gemachet  allen  sündern,    ; 
daz   uns   sin    von    diner   übervliezenden    güti   gelüsten   mfiz.     Sich, 
wenne  min  sele  sich  nach  dir  recht  hinderdenket,  so  hügt  mir  der    ; 
mftt,  so  dachte  mich  billich,  ob  es  muglich  were,  daz  min  herz  mit  S^ 
weinenden   ogen   zfi    dem    munde   us   von   vroden  Sprunge,  so  zer- 
vlüzet  diu  nam  in  niiner  sei  als  ein  bonigsein.    Du  heissest  dochdn 


ii  ^etan  nach  sfiiide  von  späterer  Hand  K  7  du]  ein  AKaK  pnä^^ 
K'F^H  U  unser  geb.  —  10  geedelt  feUU  F^  10  kreatnreu  AK  U  ^^ 
her  AKa  du  ogen  diner  erh.  K^  12 f.  von  k.  8.  nie  gekert  noch  von  k.  t. 
m.  />'  V6  ze]  gegen  E  ze  —  mensclien  fehlt  AKa  n.  mich  frowe  i^ 
14  und  min  z.  A*  17  im]  gottc  E^  was  gesch.  E^  du  —  hankte  ./«"W' 
AK  19  kom  ze  «x.  E'  22  [du]  hat  AKEFH  2b  ob  —  were  fehlt  AKK 
26  von  vroden  (t'rod  E)  ze  d.  m.  us  spr.  AKaE        27  in  minem  herzen  AKl 

1  f.  Bern,^  sermo  J2  de  advaitu  iJomini  n.  5:  per  te  accessum  ?MbeathUi 
ad  filium,  o  henedicta  inventrix  (/ratiatj  genetri.c  vitae,  mattr  siHtUia  ...  do«»«^ 
7wstraj  mediatrix  nosira,  advocata  nostra^  tuo  filio  u08  feconeilia  etc,  ^9^- 
oben  :J43Mf.  11  V(/L  das  Salve  regina  und  Tiern.^  sermo  4  in  Assumpt,  n.is 

14   l'gl.  Bern.,  sermo  in  Is-ativ.  n.  7 :  haec  (Maria)  peccatorum  scala,  haet 
mea  maxima  fiducia  esf^  hacc  tota  ratio  spei  ineac. 


[Siiclileiti  der  Eivi-ieii  Weislicit.    Kap.  XVI.  265 

mDter,  du  kÜDgiiiiie  der  erbarmlierKkeit;  eya,  zartü  rafiter,  eya, 
tniltü  kiinigin  der  grundloBen  erbaniihei-zkeit !  Owe,  wel  ein  name! 
Wie  ist  daz  wesen  en  grundlos,  dez  nani  so  gnadenrieh  istl  Erldaiig 
ir  kein  seitenspil  so  wol  in  einem  wilden  beizen,  als  der  reinen  nam 
tUiI  in  unseren  rüwigen  herzen?  Disem  hoben  namen  son  billicb  eUix 
bi'ibter  nigen  und  eWü  knie  sich  biegen.  Wie  dik  bast  dtt  die  vient- 
licheu  band  der  b6sen  geisten  von  uns  vlüchtig  geniachet!  Wie  dik 
Wt  du  des  strengen  richters  zornlichen  gerehtikeit  nnterstanden ! 
Wie  dik  hast  du  uns  gnad  und  trost  von  im  erworben!  Eya,  wir 
taroieii  sundigen  mensehen,  waz  wellen  wir  hier  zu  sprechen,  wie 
*iilen  wir  ir  dez  grozen  götes  iemcr  gcdauken?  So  si  alle  engelsch- 
lichen  znngeii,  alle  Inter  geiste  und  seien,  himelrich  und  ertrieh  nnd 
^ll(-s,  dar.  dar  inne  beschlossen  ist,  ir  wirdikeit,  ir  wnnne,  ir  gnade 
onil  ir  grundlosen  ere  nit  voUoIien  kan,  ach,  waz  siileu  wir  süudigen 
herzen  denue  iftnV  Tüjen  wir  unser  vermugen,  und  sagen  ir  gnade 
<>Dd  dank,  wan  ir  grozä  demiitikeit  siht  nit  an  die  kleini  der  gäbe, 
^i  siht  an  richheit  des  willen. 

Ach,  süzü  künigin.  wie  mag  sich  dtn  so  billieh  rrÖwlicher  nam 
festen!  Wa  nu:  verfluchet  si  Eva,  daz  si  der  vrucht  ie  enbeiz?  Oe- 
^e^et  si  Eva,  daz  si  uns  die  süzen  himelschen  vrtiht  ie  brable! 
Kieman  klage  me  daz  paradys,  —  wir  haben  ein  paradys  verlorn, 
Und  haben  zwei  paradys  gewunnen.  Oder  ist  sl  nit  ein  paradys, 
in  der  da  wftcbs  du  vruht  dez  lebenden  [IH""]  bömes,  in  der  ellü 
Wollust  und  vröde  mit  einander  beschlossen  wazV  Oder  ist  daz  och 
nit  ein  paradys  ob  allen  paradysen,  in  dem  die  töten  wiiUr  lebent 
werdcnt,  so  sü  siner  vruht  versftchent,  von  dez  bendeu  und  viizen 
Und  eilen  vlussen  die  lebenden  brunnen,  die  da  alles  ertrieh  be- 
giewent ,  unerseb&phter  erbarmherzikeit,  grundloser  wisheit,  ikber- 
vliesgender  siizikeit,  inbrünstiger  minne,  nnd  Her  brunne  des  ewigen 


1  /.  (eya)  niiltfl  £'  4  rein(e)  J'^'l^'a  8  des  zoriiliclien  richters  perelil, 
*KK  ISerAeAKK  1&  demät.]  gnü  ÄKaE  die  fthlf  AKE  19  lier 
*Wlil  -  20  UOB  fihll  K  20  Evai   Maria  von  gpätem-  Hand  F.  22  am 

^«dt  BernardtiB  AKK'fZ  23  da]  der  /■J'F'  2i  und  vrode  fehlt  AK 

^  iiu  E'  och  Mll  FF'        26  vrälite  E' 

I  In  dem  Gebet:  S^ve  Btffina,  maler  mvitricoriliae  etc.  2Ü  Hi^r  ial 

Mana  gemeint,  die  bei  den  Väteni  die  tvieitt  Eva  genamil  und  der  ersten  gegun- 
^  gtuteüt  wird:  rgt.  Seheebtn,  Vtigmatik  III  ( IbSS).  &9tl  ff.  22  Maria 

W  Chrigtue.  In  dam  Traclatut  ad  laudem  tflorinnae  rirginü  malna  (inter 
^p.  S.  Bernardi,  Migw  }'atr.  J.at.  Ibä,  1J44)  toird  Maria  pnradigiis  deh- 
tiaram  gmaiMt.  25  Baitht  lic/t  auf  Christa*.  27  Vgl  I  Mo».  2,lu  f. 


266  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVI. 

lebens?  Gewerlicb,  herr,  der  diser  vriiht  hat  versftchet,  der  dise 
brunnen  hat  getrunken,  der  weis,  daz  disü  zwei  paradis  übertreffen 
verre  daz  irdensch  paradys. 

Uzerweltü  küngin,  du  bist  och  der  gnaden  tor,  der  erbermdc 
porte,  du  nie  zft  geschlossen  wart.  Hiraeirich  und  ertriche  mag 
zergan,  e  daz  du  ieman,  der  es  mit  ernste  suchet,  lazest  ungehnifen 
von  dir  gan.  Sich,  dar  umb  bist  du  miner  sele  erster  ogenblik,  so 
ich  uf  stan,  du  bist  ir  jüngster  anblik,  so  ich  schlaffen  gan.  Daz 
din  rein  hende  entwärten  und  ansihtig  machen,  von  dez  botten 
wirdikeit,  daz  da  an  im  selber  klein  ist,  wie  mag  es  verworfen 
werden,  daz  du,  reinü,  entwürtest  dinem  lieben  kinde?  Dar  amb, 
zartü  uzerweltü,  nim  die  kleinheit  miner  werke  und  trag  sü  w, 
daz  sü  etwas  schinen  von  dinen  henden  vor  den  ogen  dez  ahneh- 
tigen  gottes.  Du  bist  doch  daz  rein  rotguldin  vaz,  durschmelzet 
mit  gnaden,  durleit  mit  edlen  smaragden  und  Saphiren  und  ailerlej 
tugeuden,  des  einiger  anblik  übertriffet  in  dien  ogen  des  himelschen 
künges  aller  luter  kreatur  anblik.  /Ach  uzerweltü,  minneklichü  gotes 
gemahl, [Vard  der  küng  Aswerus  gevaugen  in  sinero  herzen  von  der 
scböni  der  miuneklicheu  Hester,  vand  si  ein  wolge Valien  in  sinen 
ogen  ob  allen  frowen,  vand  si  gnade  vor  in  allen,  daz  er  tet,  wa« 
si  begerte:  owe,  du  roter  rosen  und  aller  lylieu  übergülden,  wie 
mag  denne  der  himelscli  künig  von  diner  lutren  reinikeit,  von  diner 
senftmütigen  demütikeit,  von  der  wolriechenden  apotek  aller  tagen- 
den  und  gnaden  so  wol  gevangen  werden!  Oder  wer  hat  den  wilden 
einhorn  gevangen  denne  du?  Waz  grundlosen  wolgevallennes  hat  in ^ 
sinen  ogen  vor  allen  menschen  din  minneklichü  zartü  Schönheit, 
ge<;en  der  ellü  Schönheit  erlöschet  als   ein  schinncndes  nachtwünnÜ 


4  (loch  AKccEF'  5  (un  liande  Bernardus  EK'F'Z  6  daz  ßU  'l 
7  miner  —  ug.]  min  erster  anhlik  AKE  8  ir]  min  AK  14  wai  ^ 
19  frowen  Hester  AKa  20  oh  a.  fr.  fehU  AKE  vor  i.  a,  fMt  F  21  d«r 
rot.  r.  AKa        24  gnade  E'a        26  din]  du  AF 

5  f.  Bernardus,  strmo  4  in  Asaumpt.  n.  8.  9  Zu  entwürten  en/än^' 
Gott.  19  ff.  Esther  'Jj9.  25  einhorn,  sagenhaftes  Tier  mit  spit:i9^* 
Hnrn,  dass  sich  nur  von  eintr  Jungfrau  fangen  lasse  (Lauchert,  Gesch.  »^ 
Pht/siologus  2:)  f.,  170,  21ci:  Konrad  von  Megenberg,  Buch  der  Natur  ed.  Fffiß^ 
Hilf.);  im  MittdaUer  wurde  das  Einhorn  sijmbolisch  auf  ChrisiM^  die  J^ 
frau  auf  Maria  gedeutet.  Vgl.  C,  Cohn,  Zur  liter.  Gesch.  des  E.  1895  f;  dr^*^ 
Die  Jagd  des  E.,  Stimmen  aus  Maria  Laach  43  (1892  IL),  66  ff.;  A.  Scht^ 
Die  Eegende  vom  Jjeben  der  Jungfrau  Maria  und  ihre  Darstellung  in  der  W»- 
Kunst  des  Mittelalttrs  1878j  ööf. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVI.  267 

gegen  der  glenzenden  sannen  glaste!  Waz  übervliezender  gnade 
hast  da  vor  im  vanden  dir  and  uns  andren  gnadlosen  menschen! 
Wie  sol  oder  mag  dir  denne  der  himelsch  känig  üt  versagen?  Du 
macht  wol  sprechen:  [114^]  „min  geminter  mir  und  ich  im";  ach, 
dn  gottes  and  got  din,  und  ir  zwei  ein  ewiges  grandloses  minne- 
fffi,  daz  enkeine  zweiheit  niemer  me  gescheiden  mag!  Gedenkent 
ond  vergessent  nit  unser  armen  därftigen^  die  so  jemerlich  noch 
wailent  in  dem  sorklichen  eilende! 

Eya  na,  ein  vrow  himelriches  und  ertriches,  nu  stand  af  und 
big  ein  mitlerin,  ein  gnade  erwerberin  gegen  dinem  zarten  kinde, 
gegen  der  Ewigen  Wisheit!  Ach,  Ewigü  Wisheit,  wie  wilt  du  mir 
Hü  Ätes  versagen?  Als  ich  dich  dem  ewigen  vatter  rar  bute,  also 
b4t  ich  die  reinen  zarten  uzerwelten  müter  vür  dinü  milten 
ogen;  eya,  miltü  schönä  Wisheit,  nu  sich  si  an,  nu  schowe  d& 
milten  ogen,  du  dich  so  gütlich  dik  hein  an  gesehen,  erkenne  du 
schönen  wengel,  du  si  so  dik  an  din  kintliches  antlät  so  lieplich 
hat  getrucket!  Ach,  Ifig  an  den  süzen  mund,  der  dich  dike  so  zärt- 
lich hat  durkässet,  sich  an  die  reinen  hende,  die  dir  so  dike  hein 
gedienet!  Ach,  du  miltü  miltekeit,  wie  macht  du  der  ütes  versagen, 
du  dich  so  minneklich  s6gte  und  an  ir  armen  trüg,  leit  und  hüb 
und  80  zärtlich  zoch? 

Herre,  ich  ermanen  dich  alles  des  liebes,  so  du  in  dinen  kint- 
lichen  tagen  ie  von  ir  gewunne,  do  du  si  uf  der  mflterlichen  schoz. 
80  inneklichen  zärtlich  mit  dinen  spilenden  öglin  an  lachetest,  mit 
dinen  kintlichen  armen  lieplich  umbschlusse  mit  grundloser  minne 
und  liebi,  die  du  ze  ir  hattest  ob  allen  kreaturen.  Gedenk  och  an 
daz  groz  herzeleid,  daz  ir  mfiterlich  herze  allein  mit  dir  trflg  ander 
dem  galgen  dines  eilenden  krüzes,  do  si  dich  in  sterbender  not  sah, 


3  (lenne  dir  A^  6  niemer  [me]  AKE  14  eya  —  IG  weiii^fel  fehlt  A 

^^^  —  15  ogen  fehlt  Fa  schonii  miltii  K^  15  dieli  ilik  so  tr-  E        16  si 

«o]  sich  A  si  fehlt  /;»  17  dike  fMt  K  23  vuu  ir  ie  E'F         25  liepl. 
Mt  F 

4  f.  Hohel.  J2j16:  du  gottes  und  got  din  etc.  erinnert  an  ähnliche  Wen- 
dungen der  weltlichen  MinnepoesiCj  v<jl.  die  Beleye  hei  Strauch,  Ad.  Langm. 
t03f,  12 f.  Hör.  142:  aicut  te  (Christum)  caelesti  patri  ac  genitori  tuo  ad- 

•ocatum  exhibeOj  sie  tibi  diltctam  matrem  ut  vieam  exhibeo  auxiliatricem. 

14  ff.  Man  fühlt  sich  hier  (vgl.  auch  Hör.  14Q)  an  die  aus  dem  Geiste  der 
(ystik  geborenen  Mariendarstellungen  der  alten  Kolner  Schule  (Madonna  mit 
\r  Wickenblüte)  und  des  Fra  Angelico  da  Fiesole  erinnert. 


268  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVII. 

und  ir  herze  und  ir  sele  mit  dir  in  jamer  und  not  dik  erstarb,  daz 
du  mir  gebest  von  ir  gnaden  alles  mittel  ab  ze  legenne,  din  gnade 
ze  erwerbenne,  und  die  niemer  ze  verlierenne. 


XVII.  Kapitel 
Ton  Ire  nnsagllcliem  herzleide.  l 

Wer  git  niinen  ogen  als  mengen  trehen  als  mengen  büclistaben, 
daz  ich  mit  liebten  trehnen  geschribe  die  eilenden  trehen  desgrund-  j 
losen  hcrzleides  miner  lieben  vrowen?   Reinü  vrow  und  edlü  küngin    \ 
himelriches  und  ertriches,  rure  min  ersteintes  herz  mit  einem  diner  j 
hitzigen  trehen,   die  du  vergusse  von  der  bitteren  not  dines  zarten  U 
kindes  under  dem   eilenden   krüze,   daz  es  erweiche  und  dich  ge- 
merken  kunne ;  wan  herzleit  ist  der  natur,   daz  es  nieman  rebt  er- 
kennet, denne  den  es  riiret.    Ach,  nu  rür  min  herze,  uzerweltü  vrow. 
mit   dinen   trurigen   worten,    und   sag    mir  mit  kurzen    sinnerichen 
Worten  allein  ze  [115']  einer  manunge,  wie  dir  ze  mftt  were  undll( 
wie  du  dich  gehübist  under  dem  kruze,   do  du  din  zartes  kint,  die ' 
schönen  Ewigen  Wisheit,  sehd  als  jemerlichen  ersterben. 

Entwurt:  Daz  solt  du  hören  mit  jamer  und  herzleide;  wan 
swie  ich  nu  alles  leides  vri  si,  do  ergie  es  doch  ze  der  zit  nit  also. 

E  daz  ich  under  daz  krüz  keme,  do  hat  ich  meuig  groz  undi 
unsäglich  herzleid  enphangen,  sunderlich  von  der  stat,  da  ich  den 
ersten  anblik  nam  des  schlahennes  und  stossens  und  übel  handlens 
mins  kindes,  da  von  ich  so  kraftlos  wart  und  also  kraftlosu  wart 
dem  lieben  sun  nach  gefüret  bis  under  daz  krüz.  Aber  dem  do 
nah  vragest,  wie  mir  do  ze  müt  were  und  wie  ich  mich  gehüblÄ 
daz  hör,  als  vil  es  muglich  ist  ze  wissenne;  wan  enkein  herz,  dai 
ie  geborn  wart,  möchte  es  genzlicb  ergründen. 

1  lind  in  n.  AKaE  3  die  fehlt  t?  6  der  diener  AKa  13  den] 
der  F  18  ontwürt  der  ewigen  wisheit  F  am  Bande  Ex  Bensu  veiboruffl 
Bernardi  KK'Z  19  nu  fehlt  F'  nit  ze  d.  z.  also  AKEF^         21  und 

simderl.  AKKH        23  m.  lieben  kindes  AKF        24  minem  1.  san  t?       27  cd- 
molite  Z 

18  Vgl,  Frolog  des  Bdeic  197,24  f,  Sense  bezieht  sich  auf  die  paeadoben- 
hardische  Schrift  Liber  de  2)assione  Chnsti,  de  doloribus  et  planctibu»  maifii 
eins  (inier  ojtp.  S.  Bernardi^  Miyne  Patr.  Lat,  182,  1133 ff.),  die  auch  in  Kap.  19 
und  20  benutzt  ist.  Manches  in  diesen  Abschnitten  erinnert  an  die  Marie»' 
hlay^n  des  Mittelalters ;  vgl,  A.  E.  Schönbach,  Über  die  Marienklagen  187i* 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVII.  269' 

Sich,  ellü  du  herzleid,  du  kein  herz  ie  gewan,  du  werin  als 
sin  tröpheli  gegen  dem  mere  gegen  dem  grundlosen  herzleide,  so- 
min  mfiterlich  herz  do  gewan.  Und  daz  verstand  da  bi:  so  daz 
Uep  ie  lieber  ist,  so  es  ie  minneklicher  und  ie  süzer  ist,  so  sin  ver- 
lost and  sin  tod  ie  unlidiger  ist.  Owe,  wa  wart  nu  uf  ertrich  ie 
zarters  geborn,  ie  minneklichers  gesehen,  denn  min  einiges  minnek- 
liebes  liep  waz,  an  dem  und  in  dem  ich  hate  genzklich  besessen 
alles,  daz  disü  weit  geleisten  mohte?  Ich  waz  mir  selber  vor  tot 
Qnd  lebt  in  ime,  und  do  mir  min  schönes  liep  ertödet  wart,  do  er- 
todet  ich  do  erst  genzklich.  Als  min  einges  liep  einiges  waz  und 
fiep  was  ob  allen/  liebe,  also  was  min  einig  leid  einig  und  leid  ob 
allem  dem  leide,  daz  ie  gesprochen  wart.  Sin  schönü  lutzeligü 
menscheit  was  mir  ein  lustliches  ansehen,  sin  wirdigu  gotheit  waz 
Qunen  ogen  ein  suzes  ansteren,  an  in  gedenken  waz  mins  herzen 
^6ide,  von  im  sprechen  was  min  kurzvvil,  sinü  süzü  wort  hören, 
i^as  miner  sei  seitenspil.  Er  was  miues  herzen  Spiegel,  miner  sele 
vtnne;  himelrich  und  ertrich  und  alles,  daz  dar  inne  waz,  hatte 
dk  an  siner  gegenwürtikeit.  Sich,  do  ich  daz  liep  alles  sament 
ah  also  vor  mir  uf  erhenket  stan  in  sterbender  not,  owe  des  an- 
lickes!  Owe,  wel  ein  5genblik  daz  was!  Wie  erstarb  in  mir  min 
erze,  wie  ertodet  min  müt!  Wie  wart  ich  so  kraftlos,  und  wie 
erswunden  mir  alle  min  sinne !  Ich  lügete  uf,  do  eumoht  ich  minem 
eben  kinde  nit  ze  staten  komen;  ich  läget  nider,  do  sach  ich  die 
üt  minen  ogen,  die  mir  min  kint  so  jemerliche  haudleten.  Wie 
Dg  mir  do  waz  uf  allem  dem  ertrich!  Ich  was  herzlos  worden, 
lin  stimme  was  mir  engangen,  [11 5"']  ich  hate  min  kraft  zemal 
erlern.  Und  doch,  do  ich  zii  mir  selber  kam,  do  hftb  ich  uf  mine 
eiser  stimme  und  sprach  zu  minem  kinde  gar  in  kleglicher  wise 
liserley  wort  under  andren:  „owe  min  kint,  owe  kint  mins,  owe 
oins  herzen  vrödenricher  Spiegel,  in  dem  ich  mich  dik  mit  vröden 
lan  ersehen,   wie   sihc  ich   dich   nu  so  jemerlich   vor  minen  ogen! 

2  mere   —   dem  ftidt  F  4  uud   [ie]  AKaE  5  wa  fehlt   AKK 

»zartes  At?K  7  jsrenzlicli  hat  h?F^  D  ilo  mir  do  KZ  13  mir  —  goth. 
"fufthU  AK  Instl.]  lütseli^^es  K^  10  stau  nach  not  AKccE  28  [nit]  ze 
deinen  staten  E^  do]  so  AKcc/J  24  mir  fehlt  E^  m.  liebes  kint  als 
em.  AKE  27  f.  uf  nach  stimme  AEF  28  <rar  fehlt  FF'  29  owe  m. 
int  fehlt  AK  0.  kint  mins  fehlt  E' 

21  f.  Hör,  144 f.:  virtus  omnis  cvanait,  ticnsus  a  mc  rectssit  ...  defeci 
^ae  dolore,  corrui  prae  maerore.  iJies  war  im  Mittelalter  n-eitverbreitete  An- 
cht  (Den.  416  A.  o). 


? 


270  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVU. 

Owe,  ein  hord  ob  alier  diser  weit,  min  müter,  min  vatter  und  alles, 
daz  min   herze  geleisten  mag,   ninie  mich    mit  dir!    Oder  wem  wilt 
du  din   eilenden  mftter  hinder  dir  lazen  V    Owe,  kint  mins,  wer  git 
mir,   daz   ich  vur  dich  sterbe,   das  ich   disen   bittren   töd  vir  dich 
lide?   Owe,  ellendü  not  einer  lieblosen   mftter,   wie  bin  ich  berobet  i 
aller  vröden,  liebes  und  trostes!   Owe,  begirlicher  t5d,  wes  vertreist 

du  mir?   Nim  hin,   nim  hin  zu  minem  kinde   die  armen  mfiter,  der 

'  I 

leben  bitterer  ist  denn  kein  sterben.    Ich  sihe  doch  starben  den,  den 
min  sei  da  minnet.     Owe,  kint  mins,  ach  min  liebes  kint!" 

Sich,  und  do  ich  mich  als  jemerlich  gehfib,  do  trost  mich  inin 
kint  gar  gütlich  und  sprach  under  andren  Worten:  menschlich  künne 
enmochti  anders  nit  erlöset  werden,  und  er  w61te  an  dem  dritten 
tage  erstan  und  mir  und  den  jungern  erschinen,  und  sprach:  „vrow, 
laze  din  weinen  sin,  nit  weine,  min  schönü  mftter!  Ich  enwil  dich 
niemer  eweklich  gelazen."  Und  do  mich  min  kint  als  gütlich  ge- 
troste und  mich  dem  junger  bevalh,  den  er  da  minnet  und  och 
vol  herzleides  da  stftnt,  —  du  wort  wurden  so  jemerlich  und  so 
besoftklich  in  min  herze  gestecket,  daz  sü  durchschniten  min  herz  und 
sei  als  ein  spitziges  swert,  —  do  gewunnen  och  du  herten  herzen 
gar  groz  erbermde  über  mich.  Ich  hüb  min  hende  und  arme  uf 
und  hetti  gerne  von  jamer  mins  herzen  min  lieb  umbevangen,  nnd 
daz  selb  enmoht  mir  nit  werden.  Und  von  rechtem  überwundem 
herzleide  do  seig  ich  nider  under  dem  krüze  neiswie  dik  und  ge- 
leit  die  spräche;  und  so  ich  wider  zft  mir  selber  kam  und  mir 
anders  nit  moht  werden,  so  kuste  ich  daz  blüt,  daz  von  sinen  wun- 
den da  nider  flos,  also  daz  min  erbleichtü  wangen  und  mund  gar 
blfttvar  wurden. 

Der  dien  er:  Owe,  grundlosü  miltekeit,  waz  grundloser  marter 
und  not  ist  disü  not!  Wa  sol  ich  mich  hin  keren,  oder  zft  wem  8ol 
ich  minü  ogen  bieten?  Sich  ich  die  schönen  Wisheit  an,  owe,  so 
sih  ich  not,  da  von  min  herze  besinken  sölti:  wan  rufet  doch  uf  in 
uzwendig,  tötlichü  angest  ringet  mit  im  inwendig,  [116']  alle  ßin 
adren   spanent,   alles  sin   blftt  zerrünnet.     Da  ist  ach   und  we  und 


1  m.  vater  m.  luöter  K^  3  o.  min  kint  i'*  6   frode   A'*       Ter- 

trerst  A  7  nim  hin  3  mal  AK  8  den  [den]  K^F  10  jcm.]  kleglich  T 
16  alsus  [^nitlich]  ¥  16  enplialh  K'FF^Ha  mich  enph.  d.  j.  £»  « 
[da]  K^  18  beslossen  und  bestecket  F  18  f.  und  min  s.  AKaEE^  20  und 
a.  uf  fehlt  AF       22  überwundnen  AK       29  zwem  E       32  totl.  —  inw.  fthli  I 

3   Vgl  II  Könige  1S,33. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVII.  271 

lebloses  sterben  ane  alles  genesen.  Kere  ich  denne  minü  ogen  zft 
ler  reinen  nifiter,  acb,  so  sihe  ich  daz  zart  herze  durwunt,  als  ob 
useDt  messer  dar  in  stecken,  so  sihe  ich  die  reinen  sele  durmar- 
teret. fDer  seneden  geberde  wart  nie  gelich  gesehen,  der  möter- 
lichen '  klage  wart  nie  gelich  gehöret.  Ir  kranker  lip  ist  da  nider 
von  leide  gesigen,  ir  schönes  antlüt  mit  dem  ertöten  blute  bestrichen. 
Orre,  hie  jamer  und  not  ob  aller  not!  Sines  herzen  marter  lit  an 
ier  trurigen  müter  leide,  der  trurigen  müter  marter  ist  an  des  lieben 
cindes  unschuldigen  tode,  der  ir  vil  pinlicher  ist  denne  ir  eigen 
od.  Er  sihet  si  an  und  tröstet  si  gutlich,  si  hütet  ir  hende  kleg- 
ich  uf  gegen  im,  und  wölt  gern  vür  in  sterben  jemerlich.  Ach, 
rerderm  ist  hie  wirs?  Wedrent  ist  du  grözer  not?  Si  ist  beident- 
alb  als  grundelos,  daz  ir  nieme  gelich  wart.  Ach  des  mfiterlichen 
erzen,  dez  zarten  vröwlichen  mjites !  Wie  mohte  dis  unmessig  liden 
in  mflterliches  herze  alles  ie  getragen?  Gesegnet  si  daz  zart  herz, 
egen  des  leide  alles,  daz  ie  gesprochen  und  geschriben  wart  von 
erzleid,  ist  als  ein  trom  gegen  der  warheit!  Gesegnet  sist  du,  uf- 
rechender  morgenrot,  ob  allen  kreaturen,  und  gesegnet  si  der  ge- 
turnte röselochter  anger  dines  schönen  antlütes,  daz  da  gezieret 
Jt  mit  dem  rubinroten  blute  der  Ewigen  Wisheit! 

Uwe,  du  lütseliges  antlüte  der  schönen  Wisheit,  wie  todest  du ! 
>we,  du  schöne  lib,  wie  hangest  du!  Owe  und  owe,  du  reines  blüt, 
rie  rinnest  du  her  abe  so  hitzig  uf  die  müter,  du  dich  gebar!  Owe, 
lle  roütren ,  laut  üch  daz  leid  geklcgt  sin !  Ellü  reinen  herzen,  laut 
tch  ze  herzen  gan  daz  rosvarwe  rein  blüt,  daz  die  reinen  müter 
Jso  begüzet!  Schowent,  ellü  herzen,  du  ie  herzleid  gewunnen,  und 
ftgent,  daz  disem  herzleid  nie  glich  wart!  Es  ist  nit  wunder,  daz 
insrü  herzen  hie  von  jamer  und  erbermde  zervliessent;  du  not 
vart  doch  als  groz,  daz  si  die  herten  steine  zerspielt,  daz  ertrich 
tbidmet,  du  sunne  erlasch,  daz  sü  ir  schöpher  mit  littin. 


4  enwart  AKEE^  5  n.  f^.  gesellen  nocli  irehort  K^  5  f.  von  leide 
a  nider  AK  6  etoteii  A  8  ist]  lit  AKE'F  10  f.  uf  gen  im  kl.  FJ 
1  gern  und  iemer  E^  14  gemntes  AK  wie  —  15  getragen  fehlt  AK 
5  alles  fMt  E  ie  fehlt  E'F  16  leide]    iierze  F         und]   ald  AKE 

'  alles  als  E^        28  zerflussent  E 

4.27   Vgl  Klagel  1,1:2. 


272  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVUI. 


XVIII.  Kapitel. 

Wie  es  ze  der  stand  nah  dem  inren  menschen  umb  in  stund. 

Der  diener:  Ewigä  Wisheit,  80  man  dinem  anmezigen 
lidenne  ieme  nah  gat,  8o  es  ie  grundloser  ist.  Diner  not  waz  als 
gar  vil  under  dem  krüze,  do  waz  ir  noch  me  an  dem  kruze  nacb 
dinen  ussren  kreften,  die  ze  [116^]  der  stunde  waren  in  dem  enphin- 
denne  dez  smerzen  dez  bitteren  todes.  Ach,  min  zarter  herre,  wie 
stftnt  es  aber  umb  den  inren  menschen,  umb  die  edlen  seie?  Waz  dÄ 
in  keinem  tröste  oder  süzikeit  ze  der  zit  als  ander  martrer,  daz  din 
grimmes  liden  joch  so  vil  dest  senfter  were  gesin,  oder  wenne  nam ; 
es  ein  ende? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Da  höre  ein  not  ob  aller 
not,  die  du  noch  gehöret  hast.  Swie  daz  min  sele  nach  ir  obresten 
kreften  do  were  in  einem  schowenne  und  niessenne  der  blozen  got« 
heit  als  adellich,  als  si  nu  ist,  sich,  do  waren  doch  die  niderenl 
krefte  des  inren  und  des  usscren  menschen  als  gar  in  selber  ge- 
lazen  uf  daz  jiingste  püntli  grundloser  bitterkeit  in  ganzem  frost- 
losem liden,  daz  der  marter  nie  gelich  wart.  Ach  höre:  und  doich 
genzklichen  als  gar  hilflos  und  gelazen  also  stftnt  mit  nider  trieffen- 
den  wunden,  mit  weinenden  ogen,  mit  zerspannen  armen  und  zer-  f 
zo^^nen  adren  aller  miner  gelider  in  sterbender  not,  do  hflb  ich  irf 
ein  jemcrlich  stimme  und  rufte  ellendklich  zft  minem  vater  und 
sprach:  „min  got,  min  got,  wie  hast  du  mich  gelazen!"  Und  doch 
so  waz  min  wille  mit  sincm  willen  in  ewiger  ordnunge  vereinet 
Sich,  und  do  min  blftt  und  ellü  min  kraft  so  gar  vergossen  nndl 
verrunnen  waz,  do  wart  mich  von  sterbender  not  bitterlich  tdrstende, 
—  aber  mich  turste  noch  wirs  nach  aller  menschen  heile.  Do  wart 
in   dem  grimmen    turste   gallo  imd   essich   minem   turstigen  munde 


3   der   d.  f.'hlt  HZ         13   swie   [daz]   AK        obren  AKE        16  fl« 
Bande  ("irey:onns  Xaziaiizeiius  (Xazareiius  [!]  KF-)  KE^F^Z       und  [des]  Ei' 

18  luai'trer  AH  28  essicli  u.  ^^  Z  galle  u.  e.  nach  munde  E^ 
• 
13  ff.  Hin-,  134:  anima  cerho  perfecte  fruthatur,  tt  tarnen  divtniia»  l^ 
misit  carni  agere  et  paii\  quae  propria  sibi  erant:  et  quia  vires  inferiorti 'fi^ 
ijjsis  relinquebantur,  pastathiles  valde  reddtbantur.  Dies  ist  die  Lthre  du  ^ 
Thomas,  S.  Th.  3  q,  46  a.  0  et  8  und  öfters;  vgl  Eckhart  293,18/.  Las  Zitate 
Zeih'  IfJ  bezieht  sich  wohl  nicht  auf  Gregor  von  Nazianz,  sondern  auf  die  ^i^ 
.sische  Stille  bei  Joh,  UamascenuSy  JÜe  fide  orthod,  III,  15.  23  Matth.27,^' 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVIII.  273 

gebotten.  Und  do  ich  also  menschlich  heil  hate  volbraht,  do  sprach 
ich:  „Consnmmatum  est!^  Ich  leiste  volkomen  gehorsam!  minem 
lütter  bis  in  den  t5d;  ich  bevalh  minen  geist  in  sine  hende  und 
sprach:  „In  manus  tuas"  etc.,  imd  do  schied  noiin  edlü  sei  von  minem 

6  g6tlichem  libe,  du  beidü  ungescheiden  von  der  gotheit  beliben.  Dar 
nah  wart  ein  scharphes  sper  dur  min  rehten  siten  gestochen:  do 
wiel  her  us  ein  runs  des  kostberen  blütes,  und  da  mit  ein  brunne 
dcz  lebenden  wassers. 

Sich,  min  kint,  mit  solicher  jemerlicher  not  han  ich  dich  und 

Odie  Qzerwelten  erarnet  und  mit  dem  lebenden  opher  mines  unschul- 
digen blütes  von  dem  ewigen  tode  erlöset. 

Der  diener:  Ach,  zarter,  minnekliclier  herre  und  brüder,  wie 
hast  du  mich  so  jemerlichen  sur  erarnet!  Wie  hast  du  mich  so 
minneklich   geminnet  und   so  vrüntlich   erlöset!     Owe,   min  schönü 

^Wigheit,  wie  sol  ich  dir  diner  [117']  minne  und  dines  grozen  lidens 
gedanken  ?  Sich,  herre,  hetti  ich  Sampsons  sterki  und  Absalons 
8ch6ni,  Salomons  wisheit  und  aller  kunge  richt&m  und  wirdikeit,  die 
w61te  ich  dir  ze  lobe  in  dinem  dienste  verzerren.  Herr,  nu  bin  ich 
Bit,  so  enmag  ich  mit,   so  enkan   ich  nit.     Owe  herr,   wie  sol  ich 

^  dir  gedanken  ? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Hettist  du  aller  engel 
xungen  und  aller  menschen  gütü  werk  und  aller  kreatur  vermugen, 
da  enmöhtist  mir  nit  des  minsten  lidennes  gedanken,  daz  ich  dur 
dich  von  minnen  ie  erleid. 

Der  diener:  Zarter  herr,  so  gib  und  1er  mich,  daz  ich  dir 
^on  dinen  gnaden  minneklich  werde,  sider  dinen  minnezeichen  nieraan 
kan  widerlegen. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  solt  min  trostloses  krüz 
rtr  dlnü  ogen  stellen,   und  solt   dir  min   bitteren   marter  ze  herzen 

'Iftzen  gan  und  alles  din  liden  dar  nach  bilden.  Swenne  ich  dich 
Jan  in  trostlosem  lidenne,   in   hertikeit   erdarben    und   ertorren   ane 


1  also  nach  heil  E^        3  beval  im  E^         14  min  fehlt  ]'?         16  iemer 
ged.  F       sich  —  20  gedanken  fehlt  K        sterki  [und]  E^  17  und  Sal.  w. 

M  /;»  19  kan  ...  mag  A'^  23  nit  ged.  E'  25  gib]  wise  F  gib  du  AK 
27  wid.  kan  JK» 

2Joh,  19^0:  vgl.  Fhil  2,8,  4  Luk.  23,40,  16  f.  Samsons  Stärke, 

^^ialons  Schönheit  und  Salomons  Weisheit  werden  oft  formelhaft^  namentlich 
*^  Beispiel  der  Eitelkeit  weltlicher  Dinge  verwendet :  cgi.  Tochter  Syon  ed. 
^*inhold  350ff,  und  Anm,  S.  öol. 

H.  Setii«,  DeoUche  Schriften.  18 


274  Bttclilein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XVIU. 

alle  8Üzikeit,   als  mich   min  bimelscher  vatter  lie,  so  solt  du  enke/o 
gesöch  vrömdes  trostes  haben.     Din  eilendes  raffen  sol  uf  sehen  zö 
dem  himelschen  vatter  mit  einem  verzihenne  din  selbs  in  luste  iiah 
sinem    vetterlichen    willen.     Sih,    so  denne    din  liden    uzwendig  ie 
bitterr  ist,  nnd  inwendig  ie  gelazener  bist,  so  du  mir  ie  glicher  und  ' 
dem  himelschen  vatter  ie  minneklicher  bist;  wan  hier  inne  werdent 
die  frümsten  uf  daz  aller  nechste  versuchet.    Swenne  5ch  din  begirde 
hat  ein   turstiges   heischen,   genügde  und   lust  in  üte  ze   sftchenne. 
daz  dir  gar  lustlich  were,  da  solt  du  dich  von  minnen  lazen,  so  wirt 
mit  mir  din  turstiger  munt  mit  bitterkeit  getrenket     Dich  sol  nach  10 
aller  menschen  heil  türsten;   du   solt  dinü  guten  werk   uf  ein  vol- 
komen  leben  rihten  und  bis  an  daz  ende  volbringen.    Du  solt  haben  ■ 
einen  undertenigen  willen  in  schneller  gehorsami  diner  meisterschaft,   ^ 
ein  ufergeben   sei  nah   aller  eigenschaft   in   des  himelschen  vattere  j 
hende,  und  einen  hinscheidenden  geist  von  zit  in  ewkeit  nach  einer  m 
nachbildunge   dins   jüngsten    hinzuges.     Sih,    so  ist   din   krüz  na^  * 
mincm  eilenden  kriiz  gebildet  und  wirt  in  ime  adellichen  volbraht  , 

Du  solt  dich  in  min  ufgeschlossen  situn  zA  dem  minnewnnten 
herzen  minneklich  verschliessen,  und  da  ein  wonen  und  beliben 
suchen,  [117'']  so  wil  ich  dich  mit  dem  lebenden  wasser  reinen 
und  mit  minem  rosvarwen  blftte  rosvarwklich  zieren,  ich  wil  mich 
zft  dir  verbinden  und  dich  mit  mir  eweklich  vereinen. 

Der  diener:  Herr,  es  wart  nie  enkein  adamas  so  kreftife 
daz  herte  isen  an  sich  ze  ziehenne,  als  din  vorgebildetes,  minnek- 
liches  liden  ellü  herzen  zu  ime  ze  vereinen.  Ach,  minneklicher 
herre,  nu  zühe  mich  dur  lieb  und  dur  leid  von  aller  diser  weit  ri 
dir  an  din  krüz,  volbringe  in  mir  dins  krüzes  nebsten  glicheit,  dai 
min  sele  dich  werde  niessendc  in  diner  aller  höchsten  klarheit. 


G  so  werdent  F  8  cischen  FF^  10  mit  bitt.  fehlt  F  11  f.  töI' 
keinen  Ä  17  und  in  im  wirt  es  K'  22  binden  E^  23  kein  F^Z  24[«e] 
zieh.  J?        27  aller  nehsten  AKaK 

6  f.  Hoi\  130:  per  quod  milites  probatissiini  in  ade  Christi  coMt*^ 
strictissime  e.caminanlur.  13  d.  meisterschaft  =  superionbus  tuis  (l  c.h 

15  L.  c:  sie  ie  libere  in  onwi  facto  (debes)  tertere  quasi  homOy  qui  in  f^ 
cinctu  mtf/raturns  cat  de  hoc  mundo. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XIX.  275 


XIX.  Kapitel. 
Ton  der  ablösnnge. 

Der  diener:  Ach,  reinü  mftter  und  zartü  vrowe,  wenn  nam 
dJD  groz  und  bitter  herzleid  ein  ende,  daz  du  an  dinem  geminten 
kinde  hattest? 

Entwürt:  Daz  höre  mit  einer  kleglichen  erbermde.  Do  min 
Eartes  kint  verläeheiden  waz  und  also  töte  vor  mir  hanget,  und  minem 
berzen  und  sinnen  so  gar  aller  kraft  gebrosten  waz,  do  ich  nit  an- 
ders mochte,  do  hate  ich  doch  menig  eilendes  ufsehen  nach  minem 
toten  kinde.  Und  do  sü  kamen  und  in  wolten  ab  lösen,  do  waz 
mir,  als  ich  von  dem  töde  wurde  erkicket.  Ach,  wie  müterlichen 
ich  do  sin  toten  arme  enphieng,  mit  welen  trüwen  ich  sü  an  min 
Ufttvarwen  wangen  trukte,  und  do  er  mir  her  abe  wart,  wie  grunt- 
üeplich  ich  in  mit  minen  armen  also  toten  umbvieng,  zA  minem 
ntterlichen  herzen  daz  einig  uzerweltes  zartes  liep  trukte,  und  sin 
Ufttig  vrischen  wunden,  sin  totes  antl6te  durkuste,  daz  doch,  als 
hh  alle  sin  lip,  gar  in  ein  wünklich  Schönheit  waz  verkeret,  daz 
Boköndin  ellä  herzen  nit  betrahten !  Ich  nam  min  zartes  kint  uf  min 
Jchoze  und  sah  in  an,  —  do  waz  er  tot ;  ich  lügt  in  aber  und  aber 
in,  do  enwas  da  weder  sin  noch  stimme.  Sich,  do  erstarb  min 
berze  aber  und  möchti  von  dien  totwunden,  so  es  enphieng,  in 
tasent  stuk  sin  zersprungen.  Do  lies  es  mengen  inneklichen  grund- 
lösen süfzen;  du  ogen  rerten  mengen  eilenden  bitterlichen  trehen, 
ich  gewan  ein  gar  trurklich  gestalt.  So  rainü  kleglichü  wort  zu 
dem  munde  kamen,  so  vmrden  sü  von  we  underzucket,  daz  sü  uu- 
6anz  bliben.  Ich  sprach:  „we,  we!  Wa  wart  ie  kein  mensch  uf 
^ch  so  übe!  gehandlet,  als  daz  unschuldig  gemint  kint?  Owe,  min 
kint,  min  trost  und  min  eingü  vröde,  wie  hast  du  mich  gelazen! 
^ie  bist  du   mir  so  gar  verkeret  in  bitterkeit!    Wa  nu  vröde,   die 


3  d.  diener  fehlt  F^RZ        4  groz  [und]  E^F       6  am  Itande  Ex  Berii- 
lurdo  EF^Z  ex  sensu  Bemhardi  F-  7  vor  mir  also  tote  E^  10  ab  1. 

Mten  AKE  13  war  FF^  14  und  zö  E^  15  zartes  jMt  AKaE 
6  totlich  AKE  17  och  fehlt  i'^  20  enwas  [da]  FF^  21  dien]  der  F 
2  zerspr.  sin  E^  gmndl.  fehlt  F  24  gar  ein  AKaE  25  würden  A 
)t  uf  erde  ie  k,  m.  E^  27  so]  als  E^  als  daz]  so  du  E^  28  miu 
[)st  feldt  F       wie  hast  —  29  bitt.  fehlt  K        29  die  vrode  AKa 

6  Vgl,  den  oben  bei  Kap,  17  zHioiai  Traktat.  20  Vgl.  IV  Kön,  4,31. 


276 


Btichleiu  der  Ewigeu  Weisheit.    Kap.  XIX. 


ich  hate  von  diner  geburt,  wa  der  lust,  den  ich  hate  von  diner 
minneklichen  kintheit?  Wa  du  ere  und  wirdikeit,  [118']  die  ich 
hatte  von  diner  gegenwürtikeit?  War  ist  alles  daz  komen,  daz  herz 
ie  gefröwen  mochte?  Owe,  angest  und  bitterkeit  und  herzleid!  Es 
ist  doch  nu  alles  verkeret  in  ein  so  grundlos  herzleid  und  in  einen 
tötlichen  smerzen !  Owe^  kint  mins,  owe  min  kint,  wie  bin  ich  nn 
so  lieblos!  Wie  ist  min  herz  so  gar  trostlos  worden!*^  —  Dyserley 
und  menig  kleglich  wort  sprach  ich  ob  minem  töten  kinde. 

Der  diener:  Ach,  reinü  und  schönü  müter,  erlöb  mir,  lazc 
mich  noch  einest  min  herz  mit  dinem  liebe  und  mit  minem  herren, 
mit  der  minneklichen  Wisheit  in  disem  anblike  sich  erkillen,  e  daz 
es  gange  an  ein  scheiden,  daz  er  uns  ze  grab  verzucket  werde. 

Reinü  mfiter,  wie  grundlos  din  herzleid  were  und  wie  reht 
inneklichen  es  ellü  herzen  bewegen  mnge,  so  dunket  mich  doch,  dai 
du  noch  neiswaz  lustes  fundest  in  den  minneklichen  umbevengen 
dines  toten  kindes.  Owe,  reinü  zartü  frSwe,  nu  beger  ich,  daz  dn 
mir  din  zartes  kint  in  der  tötlichen  angesiht  bietest  uf  die  schoze 
miner  sele,  daz  mir  nach  minem  vermugenne  geistlich  und  in  be- 
trahtunge  werde,  daz  dir  do  wart  liplich. 

Herre,  ich  kere  minü  ögen  zu  dir  in  der  spilendosten  rröde 
und  herzklichsten  minne,  so  kein  einiges  liep  ie  wart  von  sinem 
gemintcn  an  gesehen.  Herr,  min  herze  schlüsset  sich  uf  dich  ze 
enphahenne,  als  der  zarte  rose  gen  der  klaren  sunnen  glaste.  Herre, 
min  sei  du  zertfit  wite  gegen  dir  die  arme  ire  grundlosen  begirde, 
eya,  minneklicher  herr,  und  in  der  inbrünstigen  begirde  umbvabe 
ich  dich  hüte  mit  dank  und  lobe,  und  truk  dich  in  daz  innigoste 
mins  herzen  und  miner  sele  und  ermanen  dich  der  minneklichen 
stunde,  daz  du  die  niemer  lazest  an  mir  verlorn  werden,  und  beger^ 
daz  weder  leben  noch  tot,  noch  liep  noch  leid  dich  von  mir  niemer 
J  gescheide.  Herr,  minü  ögen  durschöwent  din  tötlichez  antlüt,  hub 
sei  durküsset  alle  dine  vrischen  blutigen  wunden,  alle  min  sion^ 
werdent  gespiset  von  dieser  süzen  vruht  under  disem  lebenden  boine 
des  krüzes.  Und  daz  ist  billich :  herr,  eins  tröstet  sich  sins  unscbnl- 
digen  lebens,   eins  grozer  übunge  und  strenges  lebens,  eins  dieea, 


1  wa  nu  d.  1.  E  5  so  fehlt  E  gnmdl.]  gro»  i''  [m]  einen  FT 
7  trostl.]  kraftlos  E  8  menig]  wenig  K  10  mich  durchstr,  JS  11  ^ 
durchstr.  E  15  noch  fehlt  AKaE'E^H  16  zartü  fehlt  E^  frowe]  müttf 
AKa  19  lipl.  ward  £*  22  schlisset  E  24  du  fehlt  EE^Ha  26  [fi*! 
dik  in  A        28  verl.  w.  an  mir  E^        29  der  tot  AK       ai  dürkAsiet  i 


Biiclilem  dur  Ewigen  Weiaheit.     Kap,  XX.  277 

daz  ander  des,  aber  alle  loiu  trost  und  zftvereicfat  lit  genzklich 
ftn  dinem  lideune,  an  diner  IteBsernnge  nnd  an  dinem  verdienten 
loue.  Und  dar  umb  so  sol  ich  es  ze  allen  [118*]  ziten  in  dem 
^nde  mins  herzen  bügeliehei]  tragen,  und  daz  selb  bild  au  worten 
und  werken  uswendig  naeb  allem  minem  veniiugen  erzigen. 

0  wunneklicher  glänz  des  ewigen  liecbtes,  wie  bist  du  nn 
dur  mich  so  gar  crlSschen'.  Erlösche  in  mir  die  brinnenden  be^rde 
»Her  Untugenden.  0  ein  iuter  klarer  Spiegel  der  gfitlicheu  majeetat, 
wie  bist  du  na  rerunreint!  Reine  die  grozen  uiasen  miner  nii^setat. 
U  ein  schönes  bilde  der  vätterlichen  giiti,  wie  bist  du  so  entsübert 
und  80  gar  entstellet!  Widerbring  das  entstell  verblichen  bilde  miner 
sele.  O  du  nuscbuldiges  lembli.  wie  bist  du  so  jemerlieb  gehandlet! 
Boz  und  besser  viir  min  schuldig  süntlicbes  leben.  0  du  kling  aller 
kün^e  und  ein  herre  aller  herren,  wie  sihet  dich  min  sei  so  jemer- 
lich  und  totlichen  hie  liegen!  Verlihe  mir,  als  dich  nn  min  sele  mit 
klage  nnd  jamer  umbvahet  in  diner  Verworfenheit,  daz  si  von  dir 
bbvangen  werde  mit  vröden  in  diner  ewigen  klarheit. 


XX.  Kajiitel. 

Ton  der  jemeriicheu  schidauge  tou  dem  grabe. 

Der  diener:  Nu,  zartü  vrowe,  nu  gib  dinem  leide  und  der 
ein  ende,  und  sag  mir,  wie  daz  scheiden  were  von  dinem 
inten. 
Entwürt:  Es  was  jamer  ze  h&renue  und  ze  sehen.  Ach,  es 
aber  alles  lidig,  die  wile  ich  min  kint  bi  mir  hate;  wan  dn  su 
totes  kint  von  minem  erstorbnen  herzen,  us  minen  nmbvangnen 
BD,  von  minem  getrukten  antliite  brachen  und  es  begrüben,  wie 
;lich  ich  mich  ze  der  stunde  gehitb,  daz  möcht  man  kum  glöben. 
:  do  es  gieng  an  ein  scheiden,  waz  man  do  janiers  und  not  an 
sah!  Wan  do  ed  mich  von  minem  begrabnen  liebe  schieden, 
scheiden  rang  mit  minem  herzen  als  der  bitter  tut,  Ich  tet 
er  tre  banden,  die  mich  dannan  vfirten,  die  eilenden  vftzstapfen, 
ich  waz  berobet  alles  tiostes;  min  herze  waz  iu  einem  seneden 


i  nnd  durchgti:  E'        ö  and  an  w.  AKa        7  «o  ifiir  d.  m.  f? 
Ide  E^FF'a        klarer  fehlt  AK        9  nu  fihlt  AP/"        lOf.  ao  eu 
AK       13  «hüdig  A        15  und  verl.  F       20  A.  dieuer  fehlt  HZ 
I  IL  »  Ii.  Z        28  ergie  f       30  lu.  minneadeii  benen  F 


278  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXT. 

jamer  hin  wider  zu  minem   liebe.     Min  zfiversiht  waz   ganz,  i 
leiste  ira  allein  ander  allen  menschen  ganz  trüw   and  recht  vriint* 
Schaft  unz  in  daz  grab. 

Der  diener:  Minneklichü  zartu  vrow,  dar  umbe  gruzent  dich    - 
ellä  herzen  and  lobent  alle  zangen,  wan  alles  daz  gät,  daz  uns  daz  t 
vetterlich  herze  wolte  geben,  daz  ist  dar  din  hende  geflossen.    Du  bist 
der  anvang  and  daz  mittel,  du  [119']  solt  och  daz  ende  sin.    Ach, 
zartü  reinü  mQter,  na  bis  hüt  der  eilenden  schidange  ermant,  gedenke 
an  daz  bitter  scheiden,  daz  da  von  dinem  zarten  kinde  tet,  and  hilf 
mir,  daz  ich  von  dir  noch  von  sinem  vrölichen  anblik  niemer  werde  M 
gescheiden.   Eya,  reinü  müter,  and  als  nu  min  sei  mit  erbermklichem 
mitlidenne  bi  dir  stat  and  dich   mit  inneklicher  begirde  enphahet, 
und  in  betrahtange  mit  herzklicher  girde,  mit  dank  und  lobe  vod    < 
dem  grabe  dar  daz  tor  ze  Jerusalem  hin  wider  in  daz  hos  yaret,   j 
also  beger  ich,   daz   min  sei   an  miner  jüngsten   hinvart  von  dir,  II 
reinä  zartü  müter  and  ein  ende  alles  mines  trostes,  wider  zA  ir  vatter- 
lande  werde  gefüret  ande  in  ewiger  selikeit  bestetet.     Amen. 


Daz  ander  teil. 

XXI.  Kapitel. 

Wie  man  sol  lernen  sterben,  und  wie  ein  nnbereiter  tot    i 

geschaffen  ist. 

Ewigü  Wisheit,  der  mir  alles  ertrich  ze  eigen  gebe,  daz  were . 
mir  nit  so  liep,  als  du  warheit   and  der  nutz,   den  ich  fanden  hab 


2  rehte  trüw  u.  ganze  fr.  E^  4  dar  u.  so  gniz.  1^'HZ  5  am  Ä*»^ 
Bernardus  EE'F^Z  6  geb.  wolte  E^  8  nu  fehlt  AK  10  antlüt  i^' 
13  begirde  FKZ        16  mines  fehlt  AF       22  der  diener  ÄKaF^ 

1  Die  Zuversicht  auf  Christus  und  sein  Wort,  vgl.  Bernardus,  «rüO  ** 
Nativ,  n,  14:  numquid  non  sperahat  coniinuo  reswTecturum  P   Et  fidenier, 

5  f.  Bernardus^  l.  c.  m.  7:  votis  omnibus  Mariam  hanc  veneremur,  quiasict^ 
üoluntas  tiuSf  qui  totum  nos  habere  coluit  per  Mariam.  13 f.  Vgl.  Vita  Kap-to 
geyen  Schluss,  20  IHeses  Kapitel  wurde,  am  Eingang  ettvas  gekOretj  «^ 

fach  separat  als  SterbebüdUein  verbreitet:  älteste  Di-uckausgaben :  Venedig  1^^ 
Augsburg  14.06,  1501,  Strassburg  löoS,  Köln  1509;  vgl.  F.Falk,  die  deuUckt» 
Sterbebüchlein  lö90,  30ff,   Text  auch  bei  M,  Huttier,  Ars  moriendi  1878,  46-^- 


Biichkii]  'icr  Ewigen  Weislieit.    Kap,  XXI, 


279 


dioer  siizen  lere.     Dar  unibe  beger  ich  von  allem   giiinde  mius 
wn.  daz  du,  Ewigii  Wisheit,  mich  noch  me  lerest. 

Herr,  waz  gehöret  einem  diencr  der  Ewigen  Wisheit  aller  eigei.- 
kest  zft,  der  dir  allein  begert  ze  BiDne;'  Herr,  ich  horti  gern  von 
'  vereinunge  der  blozen  vernunft  mit  der  heiligen  dnvaltikeit,  da 
in  dem  waren  widerglanzc  der  iügeburt  des  wortea  und  wider- 
burt  ir  selbe  geistes  ir  selber  wirt  benomen  und  von  allem  mittel 
Iflizet. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Der  ensol  not  vragen  nach 
b6bBteii  an  lere,  der  noch  stat  bi  dien  nidereten  an  lebenne.    Ich 
dich  leren,  daz  dir  nütze  ist. 
Der  diener:  Herr,  waz  wilt  du  mich  leren? 
Entwürt  der  Ewigen  Wisheit;  I.  kh  wil  dich  leren  sterben, 
and  wil  dich  leren  leben;  III.  ich  wil  dich  leren  mich  minneklich 
phaben.    IV.  und   wil   dich   leren   mich   inneklicben   loben.     Sich, 
geboret  dir  eigenlichen  zti, 

Der  diener:  Ewlgu  Wiebelt,  und  betti  ich  Wunsches  gewalt, 

euwiste  nit,  daz  ich  in  zit  icbt  anders  von  lere  wünschen  sulte, 

n  daz  ich  mir  und  allen  dingen  k6nde  sterben  und  dir  alleine 

n,  dich  von  allem  hei-zen  miniien  und  miuneklich  enphahen  tind 

irdeklich   loben.     Ach  got,  wie  ist  der  mensch  so  selig,  der  dis 

)1  kan  Dnd  alles  sin  leben  hie  mit  verzerti    Herre,  weder  meinest 

aller    ein    geistliches    sterben,    daz    mich    din    eilender    tut    so 

biDeklich  bat  bewiset,  oder  ein  lipliches  sterben? 

Entwärt  der  Ewigen  Wisheit:  Ich  [119*]  meine  bü 
it. 

Der  diener:  Herr,  was  bedarf  ich  lere  des  liplichen  lödes? 
leret  sich  selber  wol,  so  er  nu  kumt. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Swer  die  lere  unz  denne 
ret,  der  ist  denn  versnmet. 

Der  diener:  Owe,  herre,  nu  ist  mir  noch  etwas  bitter  von 
1  töde  ze  börenne, 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Sibe,  dannan  riecbent 
Mt  die   nnbereiten,    erBchrokenlichen  töde,    dero   die   stette    und 


1  so  beger  AEtt  8  enWÖBef  Z  ü  nol  KF'Z  -im  Uaniif  Criso- 
Df  AEE'HZ  10  den  ...  Jieu]  dem  ...  dem  FUa  11  nölier  AKaE 
dch  denne  I.  E'         13ff.   I— IV  rat  nni  Rarnir  AJiK'F'Z  18  von  lere 

lilLTB  i.''        23  liea  AKK        -U  hew.  hat  ^A'        34  [die]  sietle  K^ 


\ 


13  Ä.    Diei 


vti-d  in  d-H  f<il'jtnd(n  i 


'■  Aa/jitclii  behandelt. 


280  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXL 

klöster  vol  sint,  .Sich,  und  der  selbe  der  hate  dich  dike  verborgen- 
lich  gezomet,  und  wolte  dich  also  von  hinnan  han  verfüret,  als  er 
die  unzallichen  niengi  tat,  under  dien  ich  dir  iez  eins  z6igen  wil. 
Nu  tu  uf  dine  inreu  sinne  und  sihe  und  höre,  sih  die  geseh6pbde 
des  grimmen  todes  an  dime  nechsten,  nim  eben  war  der  kleglichen  ( 
stimme,  die  du  hörest. 

Der  diener  horte  in  siner  verstantnüs,  wie  dii  grimme  ge- 
schöphde  des  unbereiten  sterbenden  menschen  schrei,  und  du  sprach 
mit  gar  kleglichen  worten  also: 

Circumdederunt  me  gemitus   mortis.     Owe,   got  vodii 
himelriche,  daz  ich  in  dis  weite  ie  gebom  wart!   Nu  waz  der  an- 
vang  mins  lebens  mit  schrien  und  wcinenne,  nu  ist  min  usgang  mit 
bitterlichem   schrienue  und   weinenne.     Ach,   mich  hein   doch  nmb- 
geben  die  sufzen  des  tödes,  die  smerzen  der  helle  hein  mich  umb- 
geben.     Owe  tot,  owe  grimme  tot,  wie  bist  du  ein  so  leider  gast* 
minem  jungen  vrölichen  herzen!    Wie  hetti  ich  mich   din  noch  w 
wenig  versehen !  Nu  bist  du  hindnan  uf  mich  gevallen,  du  hast  mich 
erilet.     Owe,   du  fürest  mich   in  dinen  banden,   als  der  einen  ver- 
damneten   menschen  gebunden   füret  an  die  stat,  da  man  in  töten 
I  wil.     Nu  schlahe  ich  min  hende  ob  minem  hopt  zesamen,  ich  winde  S0J 
,'   sü   von  leide  in  einander,   wan   ich  endrunni  im  gerne.     Ich  lügen 
umb  mich  in  ellü  ende  diser  weite,  ob  mir  ieman  geraten  oder  ge-    i 
helfen  muge,   und  es  enmag  nit  sin.     Ich  hör  doch  den  töd  totlicb 
in  mir  sprechen  also:   „noch  vründ  noch  gut  noch  kunst  noch  witi 
hört  da  wider,- es  raüz  recht  sin."     Owe,  und  müz  es  sin?  Ach  got, S^ 
und  müz  ich  doch  von  hinnan?  Gates  iezent  an  ein  scheiden?  Daz 
ich  ie  geborn  wart!  Ach  töd,  owe  tot,  waz  wilt  du  an  mir  began? 
Der  diener  sprach:   Liebe,   wie   gehebst  du   dich   so  recht 
iibel?  Dis  ist  ein  gemein  geriht  des  riehen  und  des  armen,  des  jungen 
[120']  und  des  alten;    ir  ist  vil  me,    die  vor  ir  zite  denn  in  irrit* 


1  [der]  hate  E^F  3  iezent  EF  8  und  du  —  9  worten  fM  i' 
10  me  fehlt  E  11  in]  an  Z  12  und  mit  w.  AH  nu  ist  —  13  wein- 
fehlt  K  21  leide]  jamer  F^  22  diser]  der  E^  23  f.  in  mir  totlich  ^ 
26  dochl  du  E^        28  sprach  fthlt  AK        recht]  gar  JE;*        29  Daz  A 

1  der  selbe  =  der  l'od  (mors  quondam  tibi  quoque  frequetUius  ftti^*^ 
imjtosaerat,  Hör.  i.>6').  4  f.  Hör,  151 :  vide  ergo  uunc  simüiiudinem  hof^v^^ 

morientis.  10.131".  Fs.  17,5  f.  27  Hör.  1.  c:  o  mortis  immensa  cr«(WtW'» 

o  impietas  et  indignatio  miseranda!  29  ff.  Hör,  158:  persofiam  non  aecip^ 

nee  alicui  parcii,   ftcd  ö-e  ae(jnalHtr  omnibus  condividit,   ....   qninimmo  phrtt 
ante  perfeetam  completionein  annorum  suorum  de  media  suhlaii  sunt. 


BüdiU-i!i  d«  Ewigen  Wei-Iidt.     Ka|,.  SXI.  281 

Sd  «int.     Oder  wandest  du  allein  dem  toile  endriiinen?     Uaz  waz 

grozü  anverstandenheit! 

Entwiirt  des  unbereiten  sterbenden  menschen:  Owe 

wel  ein  bitters  trösten  dis  ist!    Ich  Itin  nit  unverstanden,  die  sint 

nrerstanden,  die  ime  ntt  gelebt  hant  und  nit  ab  dem  lüde  erschrekent. 

vSAsIntblint,  eü  eterbent  als  du  vihe,  sn  wüssen  nit,  waz  sü  vor  in 

heio.  Ich  klag  nit,  daz  ich  sterben  müs,  owe,  ich  klag,  daz  ich  nnbereit 

sterben  raöz.     Ich  stirbe  und  bin  unbereit  ze  eterbenne!  Ich  weinen 

Dil  allein  daz  ende  mines  lebene,  ich  schrie  und  weine  die  wünk- 

licben  tage,  die  so  gar  verlorn  sint  und  da  hine  sint  ane  allen  nutz. 

Ich  l>in   doch  als  ein  unzitigü,    verworfnu  gcbuit,   als  ein  abgerisnü 

bM  in  dem  meien.     Min  tage  eint  dach  balder  verloffen  denn  daz 

pliil  von   dem   bogen.     Min  ist   vergessen,   ob  ich   ie  wart,   als   des 

we^*es,  den  der  vogel  durch  die  lütte  machet,  der  sich  nach  im  wider 

ib  schlüsset  und  alton  menschen   unkund  ist.     Dar  umb  eint  minü  - 

»ort  vol  bilterkeit  und  min  rede  vol  sraerzen.     Owe,   wer  git  mir 

len    menschen,    daz    ich  si,    als   ich    hie   vor  waz,    daz   ich  daz 

Qklicb  zit  vor  mir  habe  und  wisse,  daz  ich  nu  weis!  Owe,  do  ich 

I  dem  zit  waz,  do  cnwag  ich  ein  nit  reht,  ich  lies  ee  öppeklich 

torlich  Türlofen;  nu  ist  es  mir  gezuket,  ich  enmag  sin  nit  her 

er  bringen,  ich  enmag  sin  nit  erlofen.    Es  enwaz  kein  stiindli  so 

[,  ich  sölt  es  kostberlicher  ban  gebebt  und  dankberlicher  denne 

armer  mensche,  der  im  ein  küngrich  ze  eigen  gebe.    Sich,  dar 

)  rerent   minu   ögen    die  lichten  trehen,    wan  sü  daz   nit  mugeu 

"iderbringen,     Owe,  got  von  himelrich,  daz  ich  so  mengen  tag  ban 

üppeklich  versessen,   und  mich  daz  nu  so   wenig  hitfet!  Owe,  war  I 

nmbe  lernet  ich  nüt  daz  zit  alles  sterben?  F.ya,  ir  btüjenden  losen,  ' 

•l'e  üwer  tage  noch  vor  ü  hant,  scheut  mich  an  and  ternent  witze, 

Went  üwer  jagent  ze  gote  und  vertdbent  das  zit  mit  im  allein, 

Hii  öeh  nit  also  geschehe.    Owe,  jiigent,  wie  han  ich  dich  verzeretl  . 

'lerr  von  himelrich,  laze  dir  es  ienier  geklegt  sin.    Ich  enwolt  nicman 

^^^Ku,   min  wilde   müt   enmohte   nieman  gelosen;    ach  got,  nu  bin 

^chia  die  vallun  gerallen  des  bittren  todes!  Daz  zit  igt  hin,  du  jugent 


5  nil  erschr.  i.''        >i  und  [et]  sterb.  ^"F'        7  ich  klag  —  owe  fJiU  /' 
t  EFF'         verflossen  ÄK         13  ie  gcborii  ward  F>  20  icli  —  21 

1  /tMt  y        21  was  AKh^        24  ao  rerent  F'Z        25  von  hiiu.  fthH 
Bf.  äjip.  han  F.'        28  6]  iu  AKaEFH 

M  SS  der  then  mufieni-rochoien  Wahrheil.  1*2  ft',   WMt.  n,lL'.  II. 

Bl  Joh  S3,X6,3. 


282  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXI. 

ist  vur;  mir  were  besser  gesin,  daz  mir  der  müter  Hb  ein  [120'' 
grab  were  worden,  denn  daz  ich  daz  schöne  zit  alles  so  nnendliei] 
han  vertriben. 

Der  diener:  Ker  dich  ze  gote,  hab  rüw  urab  din  sünde; 
ist  das  end  gät^  so  ist  es  alles  göt. 

Entwurt  des  unbereiten  sterbenden  menschen:  Owe, 
waz  rede  ist  dis?  Sol  ich  nu  rüwen,  sol  ich  mich  keren?  Sihest  da 
nit,  ich  bin  doch  als  ser  erschrocken,  miner  not  ist  doch  als  gar 
vir?  Mir  ist  beschehen  als  einem  ergremten  vögellin,  daz  ander  eins 
krimvogels  klawen  lit  und  von  sterbender  not  sinnelos  worden  ist. 
Ich  enkan  recht  nüt,  denn  daz  ich  gerne  endranne  und  doch  nit 
endrinnen  mag;  mich  truket  der  tot  und  daz  bitter  scheiden.  Owe, 
rüw  und  vrier  ker  des  wolmugenden  menschen,  wie  bist  da  ein  so 
sicher  ding!  Der  sich  din  sumet,  der  mag  gesumet  werden.  Owe, 
langes  ufschlahen  miner  besserunge^  wie  bist  du  mir  ze  lang  wor- 
den! Die  gftten  willen  ane  werk,  die  guten  geheisse  ane  leisten 
hein  mich  verderbet!  Ich  han  gote  getaget,  unz  daz  ich  in  die  naebt 
des  todes  bin  gevallen.  Owe,  almehtiger  got,  ist  daz  nit  ein  jamer 
ob  allem  jamer?  Sol  mir  daz  nit  we  tun,  daz  ich  alles  min  leben, 
minu  drizig  jar  also  han  verlorn?  Ich  enweis  doch  nit,  daz  ich  ie 
keinen  tag  verzarti  nach  gottes  willen  genzklich,  als  ich  von  billich 
solte,  ob  ich  gotte  ie  keinen  recht  genemen  dienst  getet.  Owe, 
daz  schnidet  mir  dur  min  herze;,  ach  got,  wie  wird  ich  so  unerlicb 
stende  vor  dir  und  vor  allem  himelschen  her! 

Nu  v.ir  ich  von  hinnan,  nu  vröwti  mich  me  an  diser  stunde 
ein  einig  Ave  Maria  mit  andacht  gesprochen,  owe,  denne  der  mir 
tusent  mark  goldes  in  min  hende  gebe.  Ach  got,  waz  han  icb 
eblich  vcrsumct,  wie  han  ich  mir  selber  so  übel  getan!  Daz  icb  dis 
nit  an  sach,  die  wile  ich  mocht!  Waz  ist  mir  der  standen  cn- 
gangen,   wie  liez  ich  mich  so  kleinü   ding  so  grozer  selikeit  irren! 


5  es  fehlt  AF        7  bekcren  i'»         8  ist  [doch]  AKaZ         10  grimmen 
Vogels  FF^         11  nüt  nie  AKa         13  frigü  bekerde  E^  17  die  hein  i^ 

gote  jMt  F  19  sol  ich  daz  nit  we^en,  sol  mir  daz  n.  w.  t.  -F  20  drii^fl 
(Korrektur)  im  Texij  am  Rande  driseg  E^         21  von  fehlt  AKaEH 

If.  Job  lOJSf,  7  llor,  ItiO:  dvheo  poenitere,  debeo  me  conurttrf- 

fJl".  L,  c:  qutmadmodum  perdh:.  cum  suh  unguihus  accipitris  mox  discerptna^ 

• 

comprimiiur,  prae  angiisiia  mortis  quodammodo  exanimis  redditur,  nie  ow^ 
scnsus  a  me  rece-^sü  eic,  16  ff.  Hör.  161:  propositum  honum  sine  itichoaii(f^i 

voluiitas  aiii'  operatione,  promissa  bona  sine  execntione  perdiderunt  me.  Ocro^ 
crasj  quam  lougam  restem  ftcisti^  et  in  baratrum  mortis  me  procrastmaiwo 
pirtraxisti! 


Bachidii  iler  Ewigen  Weiaheii,     Kap.  XSI,  28S 

Kir  were  nu  lieber,  es  brecht!  mir  me  ewiges  toiieH,  daz  ich  mines 
iiiBleB  in  einem  anblike  mins  vründes,  der  wider  gottes  wilieD  ge- 
wliali,  von  minnen  betti  enbnrD,  denn  ob  der  mcnscb  drissig  jnr  uf 
Nnen  knüwen  mir  an  got  Ion  vordereti.  Hörent,  hßrent,  ellü 
meuscben,  ein  kleglich  ding:  ich  gan  umb  und  umb,  wan  mir  zites 
jfebroeten  ist,  und  han  gebetlet  der  kleinen  almtisen  des  verdienten 
ioneg  gj)ter  liiten  vür  mich  ze  beseerunge,  und  mir  ist  vereeit,  waa 
liü  rurchteiit,  d&z  inen  oleis  in  dem  lampad  gebregte.  Ach,  got  von 
l^ielrich,  daz  laze  dich  erbarmen,  [121'']  daz  ich  so  grozen  Iod 
ii  richeit  mochti  hno  verdienet  in  so  mengem  tage  mit  minem 
fanden  übe,  do  ich  müzig  gieng,  nnd  mir  nu  daz  klein  almüsen, 
nriwan  ze  bessernnge  nüt  ze  lone,  ze  dank  were,  und  mir  sin 
sieman  git.  Ach,  daz  lazeut  i'ich  ze  herzen  gan,  jung  und  alt,  und 
Üe  wile  ir  mugent,  so  aamnent  in  dem  lieben  zite,  daz  ir  nit  wer- 
ieot  an  der  stunde  betlere  und  verschicket  als  ich. 

Der  diener:  Ach,  liebe  vrünt,  diu  not  gat  mir  an  min  herze. 
kh  heswer  dich  bi  dem  lebenden  gotte,  daz  du  mir  etwas  rate» 
gebest,  daz  ich  in  die  not  nit  kome. 

Entwiirt  des  unberciten  sterbenden  measeben: 
Der  beste  rat,  du  grÖst  wisheit  nnd  vüreihtikeit,  du  uf  ertrich  ist^ 
äaz  ist,  daz  du  dich  mit  gantzer  bichte  nnd  mit  nllen  dingen,  da 
ilu  haft  weist,  bereitest,  nnd  dich  dar  nach  haltest  ellü  zit,  als 
ob  du  dez  tages  oder  zft  dem  lengsten  der  wuchen  von  hinnan 
»ulest  scheiden.  Setze  in  din  herze  iezeiit,  als  din  sele  in  dem  veg- 
%  si  und  umb  ir  missetat  zehen  jar  da  siile  sin,  und  dir  allein 
dis  jar  verüben  si  ir  ze  helfen.  Sib  si  also  dik  an,  wie  ellendklich 
si  zu  dir  riiffe  und  spreche:  „owe,  min  aUer  liebste  vrünt,  büt  mir 
din  hand,  erbarm  dich  über  mich,  hilf  mir,  daz  ich  schier  usser 
■li^m  grimmen  rare  kome,  wan  ich  bin  als  eilend,  daz  mir  nieman 


3  f.  at  (an  E')  a.  kn.  mir  dr,  jar  EE'Il   uf  s.  ku.  hundert  j.  mir  AKa 
'Btiwtlen  AKa  7  besserenne  AKaEE^  8  oles  AEa    lones 

,*t«n[nillen  t'  in  deraiupel  A'       12  sin]  sii  AF  des  f?        Uf,  an  d.  st.  werd. 
li)  tu  A        28  soliier)  aitlier  /■'' 

9t.  Hör.  162:  peten»  deemogi/num  tUnlem  et  tenutin  mihi  ilari  de  abi 
■XKa  dMtiamm  aj/iriiiiaUitin   et  bonorum    operum   sitarum    in  »upplttionerrt 

«  et  in  etnendain  deltctoritm  ntcoitim.  S  MiUlh.  35,y. 

\  i2f.  l'tjl.  Luk.  16,31.  \1  Matth,  26,63.  21  f.  Hör.  I.e.:  ut  per  vt'-am 

IriUotUia   tt  piiram  ac  integrallm  coiifesaionem  te  rlüpmair  sana»  et  fortü 
f  ptr  »atißfactiiineui  cnHdignam,    cuncta  '/uoqut    mwia    ii   tiabile 
;e  mi}*dicräia  pruiciun  ele. 


:  I 

am  I 

•tu  1 


284  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXI. 

mit  truwen  hilfet  denne  du  allein.     Min  ist  vergessen  von  aller  de 
weit,  wan  ieder  mensche  schaffet  daz  sine." 

Der  dienen  Dis  were  ein  uzerweltü  lere,  der  es  an  dem 
herzen  hetti  in  einem  gegenwärtigen  enphindenue  als  du.  Wie 
durchschnidende  nu  dinu  wort  sint,  so  sitzent  sü  hie  and  acbtent 
ir  wenig ;  sü  hein  oren  und  gehörent  nit,  sü  hein  5gen  und  gesebent 
nit.     Es  wil  nieman  sterben,  e  im  du  sei  us  gat. 

Entwürt  des  unbereiten  sterbenden  menschen:  Dar 
umb,  so  sü  nn  och  gehangeut  an  dem  angel  des  bittem  t5des  nod 
rufent  von  we,  so  werdent  sü  nit  erhöret.  Sich,  als  miner  worten 
under  hundert  menschen,  du  geistlichen  schin  tragent,  —  ich  wil 
der  andren  geswigen,  —  nit  eins  achtet  ze  bekerde  und  ze  besser- 
unge  des  lebens,  also  ist  es  nu  dar  zu  komen,  daz  under  hunderten 
nüt  eins  ist,  es  valle  unbereit  in  den  strik  des  tödes,  als  ich.  Wol 
gescbihet  dien  nu,  die  nit  zemale  unbekantlich  und  unbescheiden- 
lich  sterbent.  Uppigu  ere,  des  libes  gemach,  zerganklichü  minne 
und  daz  gitig  suchen  ir  notdurft  blendet  die  mengi.  Wilt  aber  dn 
mit  der  kleinen  zal  dez  jemerlichen  unbereiten  todes  ledig  werden, 
so  volge  miner  [121^]  lere.  Sihe,  emziger  anblik  des  todes,  du 
getrüw  hilfe  diner  armen  sele,  du  da  zA  dir  als  ellendklich  rufet, 
bringet  dich  schier  dar  zA,  daz  du  nit  allein  ane  vorht  stast  mer 
daz  du  sin  och  beitest  mit  ganzer  begirde  dins  herzen.  Hinderdenk 
echt  du  mich  alle  tag  dik  zc  grund,  schribe  minü  wort  in  din  herze. 
Sihe  an  min  bittreu  not,  was  dir  geswind  künftig  ist;  lüg,  wel  ein 
nacht  disü  ist!  Gesah  in  got,  daz  er  ie  geboru  wart,  der  wol  bereit 
zti  diser  stund  kumt,  wan  der  vert  wol,  swie  bitter  joch  sin  tod  istt 
wan  die  lichten  engel  hütent  sin,  die  heiligen  beleitent  in,  der 
himelsche  hof  enphahet  in,  sin  jüngster  hinzAg  ist  ein  ingang  in 
daz  ewig  vatterland.  Owe,  got,  wa  sol  aber  min  sei  noch  hinacbt 
herbergen  in  dem  vrömdeni  unbekanten  land?  Wie  wirt  min  sei  so! 
gar  gelazen,  ach  got,  wie  wirt  si  so  gar  eilend  under  allen  eilenden 
seien!  Wer  ist  der,  der  ir  mit  ^ranzen  truwen  helfe? 

1  (leime]  wan  Z  6  Iiorent  1?  7  e  daz  ¥>  9  bittern  ftUi  i^* 
12  und  [zol  Z  14  als  ncli  ich  AKa  17  du  fMi  jE"'  23  echt  ftWX  /'^ 
24  minor  AKEVMl  27  lieht.]  heiliiren  AKa  29  got  fthlt  AKa  3ötUi- 
kuiidcn   J?         H2  [der]  der  AKaK^ 

4  Hoi\  Pi3:  per  t.rjien'eritiam.  6  V(/l  Fs.  113,ti,  6.  15f.  Hör-  ^^' 

(jui  noii  relut  pfcora   sine    omni   raiione   rnfniuninr.  17  L.  c:  soVic't'^^ 

jiimid  tjn(ifstn.'<  rei  fKiniiians, 


Bttchleiu  der  Ewigen  Weiahtit.     Kii]i.  XXI. 


2S5 


]i  Na  gib  ich  ein  ende  iniiier  jemerlicheii  klage.  Dt'i  stunde  ist 
teo,  owe,  un  aih  icb,  daz  es  andere  nit  mag  Bin.  Mir  beginnent 
Ibende  töden,  daz  antliit  bleichen,  dii  Ögen  vergan.  Aeh,  des 
ttmeii  todcB  stösBe  ringent  mit  dem  nrmen  herzen!  Ich  beginne 
läten  vil  tief  suchen,  daz  liecht  rliser  weit  beginnet  mir  ab  Valien, 

beginne  an  ene  weit  sehen.  Owe,  got,  wel  ein  anblik!  Es 
iMut  sich  du  grüwlichen  bilde   der  swarzen  inoren,   du  heischen  | 

kein  mich  nmbgeben;  aü  Ifigent  der  armen  sele,  ob  si  in  mng 
den.  Uwe,  rechte  ricbler,  des  strengen  gerihtee!  Wie  wigest  dn 
■Uer  tninsten  ding  so  groz,  dero  nientan  von  kleini  ahtet!  Mir 
get  der  kalt  tötsweis  von  angst  dur  den  lib.  Owe.  zomliche 
Ük  des  strengen  richters,  wie  reht  schariib  dim'i  gericht  sinl! 
,  Nd  ker  ich  mich  mit  dem  gemüte  an  cne  weit,  da  bin  ieh 
iHnde  verfiiret  wirde,  in  daz  vegfür;   und  da  sihe  icb  in  dem 

! Hände  angst  und  not.  Owe,  got,  ich  sihe  die  wilden  beissen 
len  hob  af  schlahen  inen  ob  döm  hSbte  nesamen ;  su  varent  in 
instren  6anime  uf  und  ab  als  die  gueiste  in  dem  vüre.  SU 
»t:  „we  und  ach.  und  groz  ist  unser  ungemach!"  Ellü  bei-zen  i 
btiu  die  mauigvaltkeit  und  die  bitterkeit  unser  not  nit  betrahten. 
höret  mengen  eilenden  ruf:  „helfa,  helfe!  Owe,  wa  ist  ellÄ  hilf 
vninden,  wa  ellü  gflt  geheiss  unser  vaiscben  vründen?  Wie 
li  ins  gelazen,  wie  haut  si  unser  so  gar  vergessen!  Owe,  er- 
8MDt  ücb,  erbannent  nch  über  uns,  joch  ir  unser  [122']  aller 
Ken  vründe!  Wie  haben  wir  ücb  gedienet,  waz  haben  wir  ge- 
bet, nnd  wie  ist  uns  geloneti  Ach,  wie  lant  ir  uns  nu  in  dem 
ikq  kalehoven  brinneu!  Owe,  daz  wir  dis  selber  nit  ab  uns 
BD,  and  wir  daz  mit  so  kleinen  dingen  hettin  getan!  Es  ist  doch 
;^8te  marter  bie  mere.  denn  keines  marterers  uf  ertrich  ie 
iL    Owe,  ein  stunde  in  dem  vegfüre  hundert  jar  lang!  Owe,  nu  ' 


S  ennug  AK  9  bleichen  . , .  töden  AKa  7  der]  die  AK  11  angsten 
f  20  helfa  h,  fehlt  F  22 f.  erb.  öch  nur  einmal  AS  26  dem]  disem 
Saj"  27  HO  fthh  AB  28  am  Rande  AugilSÜnna  EK'F^F'Z  29 1".  am 
)<ll  CriiostoratiB  EK^F^F-'Z 

SIT.   Hör.  165:  cn  maniu  incatidae  ineijiiunt  rigtgctrt,  faciti  pallrucare, 

Lvtumirari  et  oeuH  profundari  ae  traHgr^trti en  pulsus  iactpU  capri- 

laJt'M*  dtßcire  et  guati  ex  profimdo  ae  catUgtre.  7 f.  L.  c:  tn  eruenlae 

Ih   larvelet   daemonum  fades,    nigri   aethffopts   innunterabilta  circumdatU 
33  Job  13^1.  28  Aitg..  nirmo  lOi  (in  apptndJ  ».  6;  in  p».  HT  i 


«A  Thoma»,  In  i  Smt.  dUl.  :>! 


q.l, 


.  l.  q.  3.   Comp,  Ihenl.  vtHt.  VII,  3 


286  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXI. 

sieden  wir,  nu  braten  wir,  nu  rufen  wir  umb  hilf!  Aber  ob 
dingen  tfit  we,  daz  wir  des  vrölichen  anblikes  so  lange  müz( 
beren;  daz  sweinet  herz,  sin  und  rafit."     Und  also  verscheid 

Der  diener:  Ach,  Ewigü  Wisheit,  hast  du  mich  gel 
Owe,  got,  wie  ist  mir  der  t5t  so  gegen würtig  worden!  Ac 
minä,  bist  du  noch  in  dem  libe?  Herr  von  himelrich,  lebe 
noch?  Ach,  herre,  ich  loben  dich  und  geloben  dir  besserunge 
den  tot.  Wie  bin  ich  so  gar  erschrocken !  Ich  enwiste  doch  ni( 
mir  der  tot  als  nach  waz.  Gewerlich,  herre,  dise  anblik  s( 
iemer  gut  sin ;  herr,  ich  wil  alle  tag  gan  uf  die  läge  des  todcf 
wil  mich  umb  sehen,  daz  er  mich  nit  hinderschliche.  Ich  wil  '. 
sterben,  ich  wil  mich  an  ene  weit  richten.  Herr,  ich  sihe,  ( 
hie  nit  belibens  ist.  Herr,  gewerlich,  ich  sol  min  niwe  und  bi 
bis  an  den  tot  sparen.  Wafen,  ich  bin  doch  erschroken  von 
anblike,  daz  mich  wundert,  daz  min  sele  bi  dem  libe  ist!  Ti 
it[  hin  von  mir  wol  ligen,  lang  schlafen,  wol  essen  und  tri 
zerganklich  ere,  Zartheit  und  wollust!  Mir  tftt  hie  ein  klein 
als  we,  owe,  wie  sölti  ich  denne  daz  unmezig  liden  iemer  erl 
We  mir,  got,  were  ich  also  tot,  stürbe  ich  ietzent,  wie  sölt  e 
ergan!  Wie  han  ich  noch  so  vil  uf  mir!  Herre,  ich  wil  hüt 
dürftigen  setzen  min  eilenden  sele,  und  sider  alle  vrunde  laze 
sol  ich  ire  vrüntlich  tfin. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Sih,  dis  solt  du  ems 
an  sehen,  die  wile  du  noch  in  diner  jugent  bist,  die  wile  do 
gesunt  und  stark  bist,  und  die  wile  du  es  wol  gebesseren  n 
Aber  so  du  in  der  warheit  an  die  stunde  kumst,  und  du  es^  n 
besseren  macht,  so  solt  du  nät  uf  ertrich  an  sehen,  denne  min 
und  min  grundlosen  erbarmherzikeit,  daz  diu  Zuversicht  gantz  b 


3  und  sin  ÄKaFF^  8  nie]  nit  E  9  als  nach]  so  gegen wi; 
13  f.  nit  sparen  E^  21  si  nach  sider  nachf/ef ragen  E  24  f.  noch  £ 
d.  wile  du  fehlt  AKa 

1  Ein  ChrysostomusBitat  zu  :}85y2i)  f.  Jässt  steh  nicht  auffinden:  H 
in  Act,  redt't  nur  im  aUgemeinen  vom  Eegfeucr.  1  f.  Hör,  166:  super 

cetera  iormentcrum  genera  laedil  uimium  illius  divinae  faciei  felicissitnae  ah 
12  f.  Hebr,  13yU,  20  ff .    Vgl,  oben  Qd3,i>0ff,    Hör,  167:  dileciam  a\ 

meam  non  sie  ptrire  permittam,  sed  ei  in  transiiorio  et  brevissimo  hoc  it 
ptr  tolerantiam  lahorum  et  exercitium  rirtutnm  providebo,  27  f.  Ho\ 

te  miscrivordiae  dei  solinfi  commiiias  tt  passionem  meam  inter  tt  ti  iu< 
meam  inicrpouas,  nc  iimtitiam  meam  ultni  quam  necesse  est  pertimescens  e 
a  spe  tua. 


Bttchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXI.  287 

Der  diener:  Owe,  herre,  ich  valle  dir  ze  vftz  mit  bitter- 
lichen trehnen  und  bitte  dich,  daz  da  mich  hie  buzest,  swie  du 
wilt,  spar  mir  es  allein  lüt  dort  hin.  [122^]  Owe,  herr,  des  vegfures, 
der  grundlosen  marter!  Wie  was  ich  so  unsinnig  daher,  daz  ich  daz 
80  gar  ring  wag,  und  wie  viirchte  ich  es  nu  so  übel! 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Gehab  dich  wol!  disü 
Forht  ist  ein  anvang  aller  wisheit  und  ein  weg  ze  aller  selikeit. 
Oder  hast  du  vergessen,  wie  ellü  du  schrift  rüflfet,  was  grozer  wis- 
heit lig  an  vorhte  und  emziger  betrahtunge  des  tödes?  Du  solt  got 
iemer  loben,  wan  ander  tusent  menschen  ist  es  einem  nit  ze  erkennen 
geben  als  dir.  Hör  jamer:  su  horent  dur  von  reden,  sü  wüssen  es 
vorhin  und  laut  hine  gan,  su  lazent  vur  gan,  su  achtent  sin  nit, 
owe,  unz  daz  sü  da  von  verschlunden  werdent;  und  denne  rüffent 
8Ü,  denne  hüwleut  und  weinent  sä,  —  so  ist  es  ze  spate.  Tu  du 
ogen  uf,  zelle  an  dien  vingern,  lüg,  waz  ir  eblich  bi  dinen  ziten  bi 
dir  tot  sint.  Hab  ein  kosen  in  dinem  herzen  mit  in,  setze  dinen 
alten  menschen,  als  er  tod  sie,  z&  in,  vrage  sü  mit  einander,  lag, 
mit  welen  gruntliehen  süfzen  und  bitterlichen  trehen  sü  sprechent : 
,ach,  gesah  in  got,  daz  er  ie  geborn  wart,  der  dem  süzen  rate 
▼olget  und  an  vrömdem  schaden  gewitzget  wirt!**  Setze  dich  recht 
uf  ein  hinevart,  wan  gewerlich,  du  sitzest  als  ein  v6gelli  uf  dem 
zwie,  und  als  ein  mensch,  der  an  deme  porte  des  wassers  stat  und 
lüget  des  geswinden  ab  vliezenden  schifes,  da  er  in  sitze  und  hin 
▼are  in  daz  vromde  land,  do  er  niemcr  me  her  wider  kumet.  Da 
von  80  rihte  reht  alles  din  leben  dar  nah,  wenne  er  kome,  daz  du 
bereit  siest  und  vrolich  von  hinnan  varest. 


6  [nu]  80  gar  F  6  am  Hundt  David  EE^F^Z  7  zc  aller  wish.  AKa 
9  üt  E'Z  10  nit  eioeiu  AKa  11  gegeben  FZ  12  vor  in  AEE^F^Z 
U  htiwelent  sü  u.  w.  [aü]  FF^  17  zu  in  fehlt  F  19  dem]  disera  FF^ 
21  reht  als  e.  v.  FF"^        22  [und]  als  A        23  hinnen  AK 

7  Suach  1,16.  8  ?:hd.  7,40.  20 f.  llor.  109:  diapone  domui 
^"fl«  (h.  38,1),  praepara  te  ad  riain  universac  caimis.  ad  horam  mortis. 


288  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.     Kap.  XXIT. 

XXII.  Kapitel. 
Wie  man  inrlich  leben  soL 

Der  diener:  Herre,  der  übunge  ist  vil,  der  leben  ist  niengez, 
eins  sust,  daz  ander  so;  der  wise  ist  vil  und  mengerley.  Herr,  dn 
Schrift  ist  grundlos,  der  lere  ist  ane  alle  zal.  Ewigü  Wisheit,  lere 
mich  mit  kurzen  woiiien  usser  dem  abgi'ünde  dero  aller  sament  war 
uf  ich  mich  aller  meist  halten  säle  in  dem  wege  eins  waren  lebens. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  wärest,  du  nützest, 
du  behendest  1er,  du  dir  in  aller  der  schrift  mag  werden,  in  der  du 
mit  kurzen  Worten  aller  warheit  überswenklich  bewiset  wirst  nach 
der  h&hsten  volkomenheit  eines  luteren  lebens,  ist  disü  lere :  I.  halte 
dich  abgescheidenlich  von  allen  menschen ;  U.  halte  dich  Interlich  voo 
allen  ingezognen  bilden;  III.  vrie  dich  von  allem  dem,  daz  z&- 
val,  anhaft  und  kumber  mag  bringen;  IV.  und  rieht  din  gemüteze 
allen  ziten  [123']   uf  in  ein  togenliches  g6tliches  schowen,  in  dem 


3  d.  diener  fehlt  F^HZ  5  lerer  A  8  am  Rande  In  collacionibus 
patnim  de  fiue  monachi  Moyaes  (mon.  abbas  M.  AZ)  AEE^F-Z  9  und  dö 
beh.  AKa  11  if.  I— IV  rot  am  Rande  AJ^JE^F^HZ  12  von  (ztceit&<i]  vor 
AKaEFF'Z        13  von]  vor  KaEF^HZ        15  [in]  ein  AF 

2  Hör.  109    Überschrift:  Formula  compendiosa  vitae  spiriiualis. 

3  ff.  Hör.  169  f, :  niundus  diversiiate  doctrinaruin  repletus  est.  Mille  sunt  tnodi 
rirendi,  alias  qaidem  sie,  alias  vero  sie.  Tot  sunt  Codices  de  vfitiis  et  virtMuf 
matjiütralittr  tractanteSj  tot  sunt  quaterni  (\, Kolleghefte^)  quaestiones  subtüi^ 
mas  et  propositiones  diversas  pertractantes,  ut  pnus  vita  hrevis  deficiaij  g»«* 
omnia  siudere,  sed  necdum  perlegere  contingat.  Quis  dinumerare  possei  omnia 
rationalia,  natnralia  (Philosophie  und  Naturxcisseiischaften)^  historialiaj  moralia 
ac  divina  (I'heologie)j  omnia  scnpta,  cuncta  commenta  nova  et  vetera,  «/«nfnto- 
tionts,  compilationeSj  singulosque  iractatus  ac  summas,  quibus  universa  suptr* 
ficies  terrae  tanquam  fluvio  inundante  irrigata  est?     Vgl.  auch  Hör.  Wf. 

8  ff.  Die  1.  Collation  Joh.  Cassians  ist  im  ganzen  Kapitel  benutzt,  buonöff* 
c.  4,  r,  tiy  12,  13:  vgl.  Albertus  M.,  De  adhaer.  Deo  c.  Ö.  Seuse  scheint  ^rigt^ 
die  Stelle  288,11^289,6  direkt  aus  Eckhart  492,34—493,1  herubergenommen  :•» 
haben.  Die  ausführlichere  Fassung  des  Hör.  (p.  170  ff.)  ist  zum  Teil  in  ^ 
Octo  puncUi  perfectionis  assequendae  übergegangen,  welche  unter  den  unechte^ 
Werken  des  hl.  Bernhard  (Opp.  ed.  Mabillon  III,  716 f.)  stehen. 

12 — 15  Hör.  170  f.:  tordis  ostia  aformis  sensibilium  et  imaginationtbas Utrttr 
noriim,  quantum  possibilc  est,  habeas  diligenter  serata,  , . .  affectum  tuum  cü» 
omni  diligentia  absolvas  ab  his  omnilms,  quae  libertcUem  ipsius  impedire  poMt*^ 
et  ah  omni  re  possibilitaiem  habente  alligandi  et  tenendi  ipsum  affedum  ad  «*- 
hacrendumj  ....  animum  tuum  iugiter  sursum  in  coniemplatione  divinorum  ei^ 
vatum  habeas,  ut  ditnnis  rebus  ac  deo  mens  semper  inhaereai. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXII.  289 

<lu  mich  ze  allen  ziten  vor  dinen  ogen  tragest  mit  einem  steten 
gegenwarf,  ab  dem  din  oge  reht  niemer  gewenke.  Und  swaz  ander 
übunge  ist,  es  si  arraöt,  vasten,  wachen  und  alle  ander  kestigunge, 
die  richte  zft  diseni  als  uf  ir  ende,  und  hab  ir  als  vil,  als  vil  sü 
dich  hier  zft  gefürderen  mugen.  Sich,  so  gewinnest  du  daz  hohste 
ende  der  volkomenheit,  daz  under  tusent  menschen  nftt  eins  begrifet, 
wan  811  mit  ir  ende  allein  uf  andere  übunge  bestant  und  dar  umbe 
du  langen  jar  irre  gant. 

Der  dienen  Herre,  wer  mag  in  dem  unverwenkten  anbüke 
lins  gütlichen  gegenwurfes  ze  allen  ziten  bestau  ? 

Entwärt  der  Ewigen  Wisheit:  Nieman,  der  hüt  lebt  in 
üt.  Es  ist  dir  allein  geseit  dar  umb,  daz  du  wissest,  wa  du  solt 
ienden  und  war  nach  du  solt  stellen  und  war  du  din  herz  und  müt 
«)lt  tennen.  Und  wenn  dir  der  anblik  wirt  underzogen,  so  sei  dir 
«n,  wie  dir  din  ewigü  selikeit  si  benomen,  und  solt  geswinde  wider- 
ieren  in  daz  selb,  daz  es  dir  wider  werde,  und  solt  din  selbs  acht 
laben ;  wan  swenne  es  dir  engat,  so  ist  dir  als  einem  schifman,  dem 
n  starkem  gewille  du  rüder  sint  engangen  und  nit  weis,  wa  er  hin 
»1.  Enkanst  du  aber  noch  nit  blibens  hier  innc  haben,  so  sol  dich 
lü  mengi  dero  inkeren  und  emzigu  vluht  in  daz  selb  bringen  zc 
?tetikeit,  als  verre  es  muglich  ist. 

H6r,  hör,  min  kint,  die  getrüwen  lere  dins  getruwen  vatters, 
lim  ir  eben  war,  schlfts  si  in  den  grund  dines  herzen!  Gedenk,  wer 
ier  ist,  der  dich  dis  leret,  und  wie  gar  er  daz  von  gründe  meinet. 
^Vellest  du  iemer  tftrr  werden,  so  nim  sü  vür  dinü  ogen;  swa  du 
«tzest,  stest  oder  gest,   so  si  dir,   als   ob  ich   dich   gegenwürtklich 


2  niemer  mer  E^  8  daz  lang  jar  E  11  lebte  E^  13  leiiden  — 
1q  solt  fehlt  F  17  so  ist  dir  fehlt  AF  18  nit  euweiz  Z  20  fruht  F 
iOf.  ze  stet.  br.  i*  21  als  —  ist  fehlt  AKa  verre]  vil  E^  22  kint 
öins  AKa        24  ist]  si  FF"^ 

3 ff.  L,  c:  puriias  cordis  inttr  omnia  txercitia  spiritualia  ...  tanquam 
fttfledaw  finalis  intcntio  sibi  vindicat  principatum :  ....  corporis  castUjatio, 
•**»iufw  vel  vigüiae  et  similia  virtutis  eaercitia  quasi  secundaria  et  inferiora 
^icanda  sunt  et  tantum  expedientia,  quantum  ad  cordis  proficiunt  puritatem, 
^^kge  aus  Thomas  u.  a,  hei  Denifle  447  A.  1 ;  ders.,  Luther  und  Luthertum 
'*  (1904),  365  ff,  9—10  Coli  I  c.  lä.  11  ff.  L.  c.  c.  13.  20  f.  Hör. 

*2:  quod  frequentia  actus  similem  sibi  habiium  generare  consuent,  ein  schola- 
'itrJker  Grundsat ß.  22  Sprichw.  1,8.  25  türr  =  <mr,  trefflich,  ausge- 

iehnet  (Denifle:  vollkommener J,  oder  =  dürre,  trocken,  lau?    Letztere  Bedeu^ 
ng  ist  wahrscheinlicher. 

H.  8  e  a  •  e ,  Deatiohe  Schriften.  19 


290  Büchleiu  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIII. 

mane  und  spreche:  „min  kint,  halte  dich  inrlich,  luterlich,  ledklich 
und  ufgezogenlich!^  Sich,  so  wirst  du  schier  innan  miner  worteo. 
dir  wirt  och  daz  gfit  bekant,  daz  dir  noch  vil  verborgen  ist. 

Der  dien  er:   Ach,  Evvigü  Wisheit,   gelobt  sist  du  ewekliclil 
Herrc  mine  und  min  getrüwste  vrünt,  wölte  ich  es  ane  daz  nüt  tön,  i 
so  zwingest  du  mich  mit  dinen  süzen  Worten   und  mit  diner  zarten 
minneklichen   lere   dar  zu.     Herr,  ich  sol   und  wil  allen  minen  vliz 
dar  au  legen. 


XXIII.  Kapitel. 
Wie  man  got  mlnnekllch  enphahen  sol.  lO 

Ewigü  Wisheit,  kondi  min  sei  nu  komen  über  den  heinlichen 
schrin  diner  gotlichen  togni,  so  w61te  ich  noch  me  von  niinnen 
vragen,  und  ist  min  vrage  also:  herr,  du  hast  daz  abgründ  diner 
grundlosen  minne  als  gar  us  ge[123'']gossen  in  dinem  minneklichen 
lidenne,  daz  mich  wunder  nimet,  ob  du  üt  me  minuezcichen  geleislen  15 
mugist. 

Entvvürt  der  Ewigen  Wisheit:  Ja,  als  daz  gestirae  au 
dem  himel  unzallich  ist,  also  sint  du  minnezeichen  miner  grundlosen 
minne  ungezellet. 

Der  diener:  Ach,  süzü  minne  minü,  ach  zarter  minneklicher 80 
uzerwelter  herr,  Iftg,  wie  min  sele  nah  diner  minne  kalet!  Keredin 
minnekliches  antlüte   gegen   mir  verworfnen   kreatur,   lüg,  wie  eilu    J 
ding  in  mir  verswindent  und  vergant  unz  an  den  einigen  hört  diner 
inbrünstigen  minne,  und  sag  mir  etwas  me  von  dem  edlen  verbarg-    j 
nen   horde.     Herr,   du   weist,  daz   der  minne  reht  ist,  daz  si  von* 
irem  geminten   nihtes  begnüget;  so  si  ieme  hat,  so  si  ieme  begert, 
swie  unwirdig  si  sich  dar  inne  bekennet,  wan  daz  würket  du  über- 
kraft  der  minne.     Owe,  schonü  Wisheit,  nu  sag  mir,  weles  ist  dtf 
gröste  und   daz  lieplichest  minnezeichen,   so  du  ie  in   diner  ange* 


1  inrlich  fehU  F        5  getrüwer  E^FF^        vrünt]  vatter  F       11  d« 
diener  F^F^,  nachgetragen  E  14  gnmdl.]  gotlichen  AKa  in]  mit  ^ 

13  unzallichen  AK       27  erkennet  E'        29  ie  fehlt  AKE 

1 

1  f.    Vgl.  Hör.  173  die  Lehre  des  AUvaters  Arsennu  (Vita  104,4 f. I' 
fuge  et  tace  et  quiesce.  2  f.  Hör.  l.  c. :  in  qua  (doctrina)  si  diligenter  ttudäerii    i 

et  fideliter  effeciui  mancipare  curaveris,   beatus  eria  et  ^[»od€U)imodo  aetifwoß 
felicitatem  in  hoc  fragili  corpore  inchoahis.  j 


Biichleia  der  Eu-iiren  WcishHt,    Kai>.  XXHI.  291 

nomnen  meiiscbeit  erzfii^est  ane  das  gnuiiilog  mionezeichen  dioB 
iiitlren  todeeV 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Nu  entwürtmir  einer  vrage: 
wu  ist  daz,  daz  under  allen  minncklichen  dingen  einem  minnenden 
S  bcrzen  rnti  einem  ^eminten  alter  minneklicfaeet  ist? 

Entwürt  des  dieners:  Herre,  nach  mineni  verstenne  so  ist 
nnt  tninnekl ichers  einem  minnenden  herzen  denne  sin  geminter  selb 
«clbcr  und  sin  niinneklichü  gegenwörtkeit. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Daz.  ist  also.  Sich,  nnd 
Wiit  QDib,  daz  minen  geminten  uiit  ab  gienge,  daz  ze  refater  minne 
bArel,  du  zwang  mich  min  grundlosü  minne  dar  z(i,  do  ich  von 
HiMr  weit  scheiden  wolle  mit  dem  bitteren  töde  ze  minem  vatler, 
—  wan  ich  rorhin  wiste  den  jamer,  den  meng  miunendes  herze 
i*iirile  nach  mir  habent,  ^  daz  ich  micli  do  selb  selber  und  min 
miniieklicbe  gegenwurtikeit  ob  dem  tische  des  jüngsten  nahtmale 
minen  lieben  jungern  gap,  und  noch  alle  tage  minen  nzerwelten  gibe. 

Der  diener:  Owe,  miniieklicher  herre,  und  bist  du  aber  selb 
selber  eigenlichen  da? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Dp  hast  mich  in  dem 
Mcramente  vor  dir  and  bi  dir  als  gewerlich  nnd  eigenücb  got  und 
ansehen,  nah  sei  and  Übe.  mit  vleische  und  blfile,  als  gewerlich 
■nich  min  reinii  mAIer  trdg  an  ir  arme,  und  als  warlich  ich  bin  in 
dem  himel  in  miner  volkoraenen  klarheü. 

Der  diener:  Ach,  zarter  berr,  nu  ist  ein  ding  in  minem 
•«ReD,  get&rst  ich  daz  mit  urlob  zfi  dir  gesprecbenV  Herr,  es  kant 
■lit  vnn  unglöben:  ich  globe,  waz  dn  wilt,  daz  du  daz  vermacht 
Aber,  zarter  [124']  herre  mine,  mich  wundert,  ob  ich  es  getar 
"pfechen,  wie  der  scb6ne  wünneklich  glorifizierte  lip  mins  minuek- 
liehen  herren  in  aller  sincr  grizi  und  ganzbeit  sich  mug  verbergen 
"l"  tügcnlicb  nnder  der  kleinen  forme  des  brötlins,  das  diner  masee 
"0  angemessen  ist.  Zarter  herre,  nu  zürne  sin  nit'.  Wan  du  min 
■lUrweltä  minoeklichä  Wieheit  bist,  so  wAlt  ich  gerne  von  dinea 
piiden  etwaz  da  von  ns  dinem  süzen  munde  hören. 


13  wan  —  14  habent  fehlt  AKa  14  habent  wurde  E'  do  mich  .AF 
IB  inh  Ol.  II.  E        22  als  warl.  ida  AKEF       29  f.  &]e  t«g.  mus:  v.  EB 

S7  ff.  Hfir.lT7:  valät  mirabüt  vidtlur,  »i  fa»  e»l  dicere,  qualiter  corput 
iimmi  mei  formosum  eui»  «uU  debiti*  dimengionibu»  tt  omnimoda  ptr/eclione 
UnltHui  }iQ»itit  suh  formis  mimtti»  fpeeierum  gaerametilalium  tibi  improporfio- 

»aliler  itieommensuraianitii.     Dit  Erklärung  ist  Hör.  1711  angedrutit. 


1 


292  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIII. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Wie  min  schöne  lip  und 
sele  nach  ganzer  warheit  sie  in  dem  sacramente,  daz  enkan  kein 
zunge  gesprechen,  wan  es  enmag  kein  sin  begrifen,  es  ist  ein  werk 
miner  almechtikeit.  Dar  umb  so  solt  du  es  einvalteklich  globen 
und  solt  im  nit  vil  nach  gan.  Und  doch  so  müz  ich  dir  ein  klein 
hie  von  sagen;  ich  wii  dir  dis  wunder  mit  einem  andern  wunder 
uz  stozen.  Sag  mir:  wie  mag  daz  sin  in  der  natur,  daz  ein  grozes 
hus  sich  erbildet  in  einem  kleinen  Spiegel  und  in  iedem  stuke,  ob 
er  geteilt  wirt?  Oder  wie  mag  daz  sin,  daz  sich  der  groz  himei  als 
kleinfügklich  truket  in  daz  klein  5ge,  und  doch  an  der  grozi  ein- 1 
ander  unglich  sint? 

Der  dienen  Herr,  gewerlich,  des  enkan  ich  nit  vinden;  es 
ist  ein  wunderlichs  ding,  wan  das  oge  ist  als  ein  püntli  gegen  den 
himel. 

Entwurt  der  Ewigen  Wisheit:  Sih,  swie  nu  wederl 
dis  noch  einkcin  ander  ding  in  der  natur  dem  glich  si,  doch,  und 
mag  daz  du  natur  getun,  war  umbe  enm6cht  ich  denne,  der  herre 
der  nature,  nit  noh  vil  merü  ding  übernatürlich  getün  ?  Nu  sag  mir 
me:  ist  das  nit  ein  als  groz  wunder,  himelrich  und  ertlich  und  alle 
kreatur  uzzer  nute  schephen,  alse  daz  brot  in  mich  nngesihteklieh  i 
verwandten  ? 

Der  diener:  Herr  es  ist  din  halb  als  muglich  nah  minem 
verstene  üt  in  üt  wandlen,  als  üt  usser  nute  schephen. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Und  wundert  dich  denne 
daz    und  dis  nüt?    So  sag  mir:    du  globest,    daz   ich    vünf  tosentS 
menschen   usser  fünf  broten  spiste;   wa  waz  du  verborgen  materie, 
du  minen  worten  do  dienet? 

Der  diener:  Herr,  ich  enweis. 


3  mag  AKa  4  so  fehlt  U'  8  und]  ald  AKa  12  d.  diener  - 
21  verwandlen  fthlt  F  gew.  herre  E^  15  weder  fehlt  E^  16  kein  i^* 
19  als  fehlt  EE^HZ  wunder]  ding  AKaF  20  ungea.  in  m.  AK<t^ 
25  sag  mir  me  AKa 

4  f.  Hör.  177:  cavendum  (tibi  est)  a  praesumptuosa  perscrtUalione. 

15  ff.  L.  c, :  et  licet  in  hoc  exemplo  simplici  maior  ait  dissimüUudo  }««• 
similtiudOf  sicut  et  quaelihet  res  naturalis  maiorem  importat  in  proposito  diti^ 
tntlitudinem  quam  similitudintm^  nihilominus  tarnen  etc,  19flf.  i.e.;  p^ 

tarn  impossibilis  videtur  kaec  transmutatio  ?  Et  sive  maior  ait  actus  iat$  trvM' 
suhstantiationis  ( Wesensvertoandlung)  creatione,  aive  minor  sive  aequaUSy  »^ 
inconsonum  tarnen  rationi  est  credere,  quod  hie,  qui  mundum  ex  mhilo  ff^ 
ducere  jßotuity  virtutem  suam  nequaquam  ad  hunc  solum  actum  liwntmvent* 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Ka]),  XXIU. 


293 


D&  Wisbeit:  Aid  glübest  du.  da?,  du  ein  sei  habest? 

Der  diener.-  Herr,  daz  glob  ich  nit,  wan  ich  weis  es,  waii 

}  enlebte  ich  nit, 

ICntwiirt  der  Ewigen  WiBheit:  Nu  enm&cht  du  doch  die 
pmit  keinen  liplichen  ogen  gesehen:  glöbest  dn  denn,  ob  kein 
ei.  denn  du  man  mag  gesehen  und  geboren? 

Der  diener:  Herre.  ich  weis,  daz  dero  wesen  vil  rae  ist,  da 
esihtig  eint  von  allen  liplichen  ögen,  denn  düi  man  mag  gesehen. 

Du  Wisheit:  Nu  Ißg,  so  ist  manige  menRcb  als  grober  sinne, 
i[124']  er  dennoch  kume  glöhen  wil,  daz  üt  gi,  denne  daz  er 
IgiDcn  sinnen  begrltTen  miig,  dar  über  die  gelerten  ein  wissen  hein. 
I  daz  nit  also  ist.  Ze  glicher  wise  ist  es  hte  nach  menschlichem 
penne  gegen  dem  gütlichen  wüssenne.  Hette  ich  dich  nii  gefraget 
b:  wie  sint  geschaffen  die  ingange  des  abgrundes,  oder  wie  sint 
Bellet  du  Wasser  ob  dien  himelnV  du  sprechest  vil  licht  also:  „es 
imir  ze  tief,  ich  engan  im  nüt  nach  und  ich  enkam  in  daz  ab- 
finde nie  noh  uf  den  himel  nie."  Nu  han  ich  dich  gevraget  irden- 
lier  dinge,  du  dn  sihest  und  hörest,  und  liegriffest  ir  nit;  wie 
Uteat  du  denne  begrifen  daz,  daz  alles  ertrich  und  himel  und 
I  sinne  übertriffet?  Oder  wie  wtlt  du  dem  nach  gefragen?  Sibe, 
Bui  wundren  und  schüzzig  gedenke  koment  allein  von  grobheit 
i  Sinnen/die  g^tlichö  und  übematürlichü  ding  nement  nacb  glich - 
pe  irdenscher  und  natürlicher  dinfre.  und  also  eniet  es  nit.  Gehere 
|Tröw  ein  kint  in  einem  turne,  und  so  es  dar  inne  erzögen  wurde 
1  im  du  mfiter  Seite  von  der  sunnen  und  von  den  Sternen,  es 
t  daz  kint  groz  wunder  und  dächte  es  nnbillich  und  ungidblicb, 
k  doch  der  luütor  gar  kund  ist. 

Der  diener:   Herre,   gewerlich,    ich    enkan   reht   nüt  nie  ge- 


2  wan  das  weis  ich  h''        3  lebü  E'        5  keinem  1.  öge  FJi        8  gus. 
10  wil  globeu  AKaE'        11  mit  —  ni&g]  mag  gegehen  nnd  gehoreu 
dar  übet  dai  ft''        hein  e.  w,  Z        15  dem  biiuel  K'        18  kom  F'Z 
nmdniug  AKa        inschäzzige  !•'       23  ht  J''Z        'H  wirrde  A 

8  Jfath  IhomütUekrr  Lrhre  (D§  verit.  q.  14  a.  9)  Adfiii  dertclht  Vtrttand 
le  Sack*  aktutll  nicht  augiäch   glauben  uiid  ifisten.  G  f.    Hör.  178: 

tnÜa  iHBitibilia.  10  f.  L.  c:  expsritatta  docet,  qvod  mutti  iliiltrati 

mpMiibili  habtut  ea,  de  guilut»  peritt  /labmt  dtvtoniiratinHim  certwi' 
wktU  paUl  jn-atciput  in  geometria  et  aslrologia.  17  ff.  I  jil.  Joh.  3,12. 

Hör.  173:  (nlw  dubilalionea  et  c-nctpliotie»  ci-roneat.  23  ff.  Hör.  ISO: 

U    de    hoc   hahifs   de  piiero   in   careere  iialo  a  diu 


294  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXm. 

sprechen,  wan  du  hast  mir  minen  globen  erlühtet,  daz  ich  einkei 
wunder  an  minem  herzen  niemer  me  darf  gewinnen.  Oder  wie  w 
ich  den  höhsten  nach  gegan,  so  ich  du  nidersten  nit  begrifen  kan 
Du  bist  dö  warheit,  die  nüt  geliegen  mag;  du  bist  du  obrestewic 
heit;  dö  ellü  ding  kan ;  du  bist  der  almehtig,  der  ellü  ding  vermag 
Eya,  minneklicher  schöner  herre,  nu  han  ich  dicke  von  heraei 
begert,  daz  ich  dich  mit  dem  gerechten  Symeon  in  dem  tempe 
möhte  lian  enphangen  liplich  an  min  arme,  owe,  minneklicher  herr 
und  dich  mit  minen  armen  in  min  sei  und  in  min  herze  m6hte  hai 
getrucket,  daz  mir  der  geistlich  kuss  diner  waren  gegen wArtikd 
weri  worden  als  warlich  als  ime.  Herre,  nu  sihe  ich,  daz  ich  diel 
als  warlich  enphahc  alse  er,  und  so  vil  adellicher,  als  vil  din  zartei 
lib  nu  glorifizieret  und  unlidig  ist,  der  do  lidig  waz.  Ach  minnek 
lieber  herr,  dar  umb,  hetti  min  herze  aller  herzen  minne,  min  ge 
wisseni  aller  engel  klarheit  und  min  sei  aller  seien  Schönheit,  dai 
ich  es  von  dinen  gnaden  wirdig  were,  herr,  so  w61t  ich  dich  hii 
alse  minneklich  enphahen  und  in  den  grund  mines  herzen  und  miDCi 
sei  versenken,  [125']  daz  mich  von  dir  weder  leben  noch  tod  niema 
geschiedi.  Ach,  süzer  minneklicher  herre,  und  hettist  du,  min  nsr 
erweites  lieb,  mir  nüwan  dinen  hotten  gesendet,  ich  enwüsti  in  aller 
diser  weite  nit,  wie  ich  im  es  gnfi  wol  sölti  han  erbotten ;  wie  sol 
ich  mich  denne  gebaren  gegen  dem,  mit  deme  selben,  den  min  sele 
da  minnet?  Du  bist  doch  daz  einig  ein,  in  dem  beschlossen  ist  alles, 
daz  min  herze  in  zit  und  in  ewikeit  begeren  mag.  Oder  ist  noch 
üt,  daz  min  sele  mit  dir,  daz  du  nut  bist,  beger?  —  ich  wil  gc- 
swigeu  des,  daz  wider  dich  und  ane  dich,  wan  daz  were  mir  ein 
Unlust.  Du  bist  doch  dien  ogen  der  aller  schönste,  dem  munde  de^ 
aller  süzeste,  der  bcrürde  der  aller  zartest,  dem  herzen  der  -A^ 
minneklichest.  Herr,  ich  ensihe  noch  enhöre  noch  enphindet  min 
sele  nit  in  allem  dem,  daz  ist,  si  vinde  ein  iekliches  tusent  stnnt 
minneklicher  in  dir,  minem  uzerwelten.  Ach,  minneklicher  herr,  wie 
sol  ich  mich  gegen  dir  halten  von  wunder  und  von  vröden?  Di^ 
gegen würtikeit  erzündet  mich,  aber  din  grozheit  erschreket  Diich; 
min  bescheidenhcit  wil  ir  herren  ercn,  aber  min  herze  wil  sin  ei 


1  kein  K'F'  2  me  fehlt  i'*  3  gan  ÄKaE'F^  11  als  warl.  »• 
w.  AKa  16  hat  fMt  AK  18  der  tod  AK  19  gescheide  J?F  24ttDd| 
ald  K'  26  ane  dich  ist  AKaE'  28  begirde  >'*  31  in  dir  —  minntlil 
fthlt  F 

1  1".  L.  c:  admiraiioiu's  no.cias  iimidasque  cogitationes  toUis, 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIII.  295 

liep  minneD  und  minneklich  umbvahen.  Du  bist  min  lierre  und 
min  got,  80  bist  min  briider,  und  ob  ich  es  getar  gesprechen,  min 
geminter  gemahel.  Owe,  waz  liebes,  waz  wunne  und  waz  vröden, 
waz  wirdikeit  han  ich  an  dir  einem ! 

5  Ach,  süzer  herre,  mich  duchte  daher:  und  were  mir  allein  du 
gnade  widervarn,  daz  ich  usser  mins  geminten  offen  wunden  von 
sinem  herzen  ein  einig  blütes  tröphli  sölte  han  enphangen  in  minen 
mnnd,  wie  ich  Wunsches  gewalt  heti  gehebt.  Ach,  herzkliches,  un- 
begriffenliches  wunder,  nu  han  ich  nit  allein  von  sinem  herzen,  noch 

10  von  henden  und  vüzen  und  allen  sinen  zarten  wunden  enphaugen, 
ich  han  nit  allein  eins  oder  zwei  tröphlü,  ich  han  5ch  alles  sin 
rogvarw  hitzige  blftt  dur  mincn  mund  zt  minem  herzen  und  sele 
enphangen.  Ist  daz  nit  ein  groz  ding?  Sol  ich  daz  nit  wegen,  daz 
allen  hohen  engelen   tür  ist?    Ist   daz   nit   ein   minneklichs   ding? 

16  Herre,  ich  wölje,  daz  ellü  minü  gelider  und  alles,  dnz  ich  bin  und 
kan,  verkeret  wurde  in  ein  gruudelos  niinne  nmbe  dis  minnekliche 
miunezeichen.  Herr,  waz  ist  noch  in  aller  diser  weite,  daz  min 
kerze  erfrowen  oder  begeren  muge,  so  du  dich  mir  als  minneklich 
K  niezeune   und  ze  minnenne  gist?    Es  heisset  wol  ein  sacrament 

)  der  minne.  Wa  wart  ie  minneklichcrs  gehöret  oder  gesehen,  denue 
die  niinne  selb  selber  in  gnaden  werden?  Herr,  ich  ensihe  dekeinen 
onderscheit,  denne  [125'']  daz  dich  herr  Synieon  gesihteklich  en- 
phieog  und  ich  ungesihteklich.  Aber  als  wenig  nu  min  lipliches 
oge  din  waren  menscheit  da  mag  gesehen,  als  weni;;  mocht  sin  lip- 

'  liches  oge  do  din  gotheit  gesehen  denn  in  dem  globen,  als  och  ich 
DU.    Herre,   waz  lit  mir  kraft  an  diser  liplichen  gesiht?    Dem  des 

geistes  ogen  sint  uf  getan,  der  hat  nit  vil  sehennes  uf  liplieh  gesiht, 
wan  du  ogen  des  geistes  gesehent  eigenlicher  und  warlicher.    Herr, 


2  got  so  1).  m.  ft/ilt  AK         4.9  ha])e  AKcc         7  minem  Aa  9 f.  von 

^neii  wunden,  von  hondcn  und  tiizcn  und  von  sinem  zarten  herzen  A*  19  gi- 

^^Aa          21  keinen  FJ^^Z          23 f.   nu  nadt  oge  AK          20  lipl.  fehlt  F 
^  im  Hundt  Bemardus  AEKF^Z 

13  ff.    Hör.  Iblf.:    twune   ist  ad   est   majcimum   et  piaecipaum  donum  et 

^^ünig  laudihus  eJCtoUendumy  ad  quod  luque  angdica  natura  awivat  aspirare'^ 

y^U€  ideo  utinam  omiies  artus  mei  et  tota  virtut^  meu  et  omnia   inttriora  mea 

*"  laudem  iaam  re.solvcrentur,  ut  amori  tuo  pro  jio.ssc  vito  responderc  j)(f<tsein  f 

19 f.  Hör.  182:  hent  Uaque  appellatur  ttdcramentum  hoc  sacramentum  amoriü. 

26  L.c\:  sed  quid  mihi  de  visu  cnrporeo,  cuHf  beuti  dicantur  oculi,  qui  non 

^'dent  gecundum  carnem    (Jnh.  ^0,-J!n   etc.  28    1'^/.   Jhrn.,   sermn    -j-j   in 


296  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXTTT. 

echt  ich  weis  in  dem  globen,  als  verre  man  es  wissen  mag,  da: 
ich  dich  da  han,  waz  wil  ich  denn  me?  —  so  han  ich  alles,  d«! 
min  herz  begert.  Herr,  mir  ist  tusent  stnnt  nAzzer,  daz  ich  diel 
nit  gesehen  mag;  wie  möhte  ich  daz  iemer  an  minem  herzen  vindeo 
daz  ich  dich  also  gesichtkliche  nasse?  Aber  alsns  so  blibet  daz, 
daz  da  minneklich  ist,  und  vellet  ab,  daz  da  unmenschlieh  ist.  Herr, 
so  ich  hinderdenk,  wie  grandlos  wol,  wie  minneklich,  wie  ordeolicb 
du  ellü  ding  hast  geordenet,  so  rufet  min  herz  mit  luter  stimme: 
0  höhu  richheit  des  abgründes  der  götlichen  wisheit,  waz  bist  do 
in  dir  selber^  so  du  als  recht  vil  bist  in  dinen  schönen  usvlAzzen! 

Nu,  minneklicher  herre,  nu  sihe  an  die  begirde  mins  herEei! 
Herre,  es  enwart  nie  kein  kAnig  noch  keiser  so  wirdeklichen  en- 
phangen,  nie  kein  lieber  vrömder  gast  so  minneklich  umbvangen,  nie 
kein  gemahel  so  schone  noch  so  zärtlich  ze  hose  geffiret  noch  so 
erlich  gehalten,  als  min  sei  begert,  dich,  minen  aller  werdesten  keim 
mines  herzen  aller  süssesten  gast,  miner  sele  aller  minneklicfaestoB 
gemahel  hüte  enphahen  und  in  füren  in  daz  inwendigest  and  daz 
beste,  daz  min  herz  und  min  sei  geleisten  mag,  und  dir  es  bieten 
flis  wirdeklich,  als  es  dir  ie  von  keiner  kreature  erbotten  wart.  Herr, 
dar  umb  so  ler  mich,  wie  ich  mich  gegen  dir  halten  süle,  wie  ich 
dich  gnft  schone  und  minuekliche  enphahen  süL 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Du  solt  mich  enphahen 
wirdeklich  und  solt  mich  niessen  demütklich  und  solt  mich  behalten 
ernstlich,  in  gemahellicher  minne  umbschliezen,  in  götlicher  wirde- 
kcit  vor  5gen  haben ;  geistlicher  hunger  und  gegenwärtiger  andacM  i 
«ol  dicli  zu  mir  triben  me  denne  gewonheit.  Du  sele,  dfi  min  in 
der  heinlichen  klusc  eins  abgescheidenen  lebens  inrlich  enpbinden 
und  süzklich  niessen  wil,  du  müz  vorhin  von  Untugenden  sin  g^ 
lürbet,  mit  tugenden  gezieret,  mit  lidikeit  umbhenket,  mit  roten  riscn 
inbrünstiger  minne  bestecket,  mit  schönen  vioin  demütiger  verworfen- ^ 


1   mag  wissen  AKa  3   gert  Z  4   vinden]   han   AK  gehaben« 

5  misse  (!)  A  6  [daz]  da  m.  A"*  und  —  unm.  ist  fehlt  AK  7  grundlose 
lieh  JJ'  9  am  Rande  Paulus  A  11  d.  inneklichen  beg.  AK  12  (bcn«) 
es  AK  13  fromdor  lieber  /;»  17  f.  in  daz  best  u.  in  d.  inw.  K  19^«" 
ie  k.  K^F^  20  so  fehlt  J^?  29  sin  gez.  K  30  sin  best.  E  b«^' 
stocket  F^HZ 

4  f.  Hör.  183:  quis  eniin  tantae  possei  esse  ferocäatiSj  ut  ipsum  praesv»^^ 
sab  forma  carnis  et  sanguinis  masticare?  9  Rom.  11,33,  9 f.  Hor.l^" 

qualis  ts  in  ijisa  esstntia,  qui  talis  es  ac  iantns  in  rerum  crtatarum  tffi^t^ 
fafii  n'riuosa! 


Büchleiu  Aer  Ewigeu  Weiabett.    Kap.  XXIIl.  297 

keit  Dod  wieeeit  lylies  rehter  reinikeit  bezetet.  Si  sol  mir  betteu 
Srit  herzenyride,  wan  in  dem  vride  ißt  min  [ISJ6']  etat;  si  eol  mich 
iL  ir  arme  umb^chlicssen  mit  usgeficIilosRenheit  aller  vrömder  minae, 
iQ  ich  Hchübe  si  und  flüb  si,  ab  der  wilde  vo^el  tfit  die  kevi. 
sol  mir  singen  des  gesangee  von  Syon,  daz  iBt  ein  inbrimatiges 
BioDeti  mit  einem  grundlosen  lobenne;  denne  wil  icb  ei  umbvaben, 
si  8oI  sich  uf  min  berze  neigen.  Werde  ir  da  ein  stillcB  rfiwen, 
blozes  pch(^wen,  ein  ungewonlichs  niessen,  ein  vorsmak  ewiger 
lizikeit  and  ein  enplnnden  ewiger  selikeil,  daz  bab  ir,  behabe  eB 
selben,  waii  der  vr&mde  enpbindet  ein  nüt;  sprecb  also  mit  einem 
pandJosen  süfzen :  „gewerlicb,  du  tiist  der  verborgen  got,  du  bist 
iii  beinlicb  gÖt,  daz  nieman  kan  wissen,  der  sin  nit  hat  enphunden." 
Uer  diener:  Owe  miuer  grozen  blintheit,  in  der  ich  bis  her 
Irin  geetandeu !  Ich  brach  die  rnteu  rosen  und  smakt  iv  nüt;  icb  gie 
oder  den  schönen  biAmen  und  sah  ir  nüt:  ich  waz  als  ein  tiirres 
»i  in  des  suzcn  meien  töwe.  Owe,  mich  enkan  nienier  me  ver- 
tnen,  daz  du  mir  so  manigeu  tag  so  nahe  bist  gewesen,  und  loh 
ir  80  verre  bin  geein.  Owe,  du  süzer  gast  der  reinen  sele,  wie  han 
!h  Hir  es  bis  her  gebotten,  wie  ban  ich  dir  es  so  dike  missebotten! 
He  unbegirlich  ich  ab  der  süzen  engelspise  geharrt!  Ich  hntc  den 
delen  baisam  in  dem  munde  und  enpbant  sin  nit.  Ach,  du  vr6den- 
^chii  ögenweide  aller  engel,  ich  gefrowte  mich  din  doch  nie  recht! 
Ond  B6lt  mir  ein  üplicher  yrünt  des  morgens  sin  komen,  ich  het 
Diich  alle  die  nacht  dar  uf  gefräwet.  Ich  bereite  mich  doch  nie 
•gegen  dir  werden  gaste,  den  himelrich  und  ertrich  eret,  als  ich  bil- 
liche  solle.  Ach,  wie  kerte  icb  mich  so  geswinde  von  dir,  wie  ver- 
treib ich  dich  so  balde  us  dlmc  eigen!  Owe,  minneklicher  got,  und 
bist  du  selber  hie  als  gegcnwürteklich,  ond  ist  der  enge!  schar  hie, 
■nd  ich  dar  zfi  als  hinlir^he  han  getan!  Herr,  ich  wil  din  geswigen, 
'(ewerlich,  hcrr,  ich  enweis  kein  stat  über  vil  milen,  da  ich  vür  war 
bette  gewiseet  der  heiligen  engein  gegenwnrtikeit,  der  hohen  geistcn, 

1  reht.  rein,  fehlt  F  »in  bez.  AKEE'^  listen  AKE'  4  wan  da 
'Wi  0,  seh.  ich  /-■'  9  daa  behabe  ir  ÄKaE'  11  griindl.]  hersklichen  AKa 
'2  bfvundMi  E  enpli.  hat  E'  17  j^ew.  bial  K'  LH  hau  [ich]  Z  25  f.  liUl.] 
»riihie/;'  28  selb  selber  AKaE  30  enkeiii  AK  da]  daz  AE^  31  go- 
»Wu  A 

■i  Fl.  75,2.  5  Vgl_  Pt.  130,3.  7  ff.  Hit.  i«fi.-  «t  eoncetga  Juei-it 

*'^iper  intffabilis   patuatto,   raptica  qiiaedain  coiitemplatio  et  inutrilata  fruilio 

PiM  JuntMi'  rf  vtri  pratseniü  buni gratia«  r^frrat  bonorum  omnmm  lar- 

W^  nee  «  imrbis  v^umial,  sed  /tra-ttun  teeretum  tmeal  e(t. 


J 


298  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIU. 

die  dich  schowent  ze  allen  ziten,  ich  were  mit  willen  dar  ;:egangei 
und  möcht  ich  su  joch  nit  han  gesehen,  so  bette  sich  doch  mi 
herze  in  minem  libe  ab  inen  gefröwet.  Owe,  süzer  berre,  und  da 
du  selber,  aller  engel  herre.  gegen würtklicbe  hie  werd,  und  bi  di 
vil  der  engel  schar,  daz  ich  der  stat  nit  me  war  nam,  daz  mfiz  mi 
ieroer  leid  sin!  Ich  sölte  doch  der  stat  han  genigen,  da  ich  diel 
also  hetti  gewist,  und  möht  mir  anders  nit  sin  worden. 

[126'']  Owe  got,  wie  bin  ich  dik  an  der  stat,  da  du  vor  mi 
und  bi  mir  werd  in  dem  sacramente,  so  recht  unbesintklich  und  un^ 
andechtklich  gestanden!  Der  lip  stünt  da,  aber  daz  herze  waz  andere 
wa.  Wie  han  ich  dik  so  manigen  ker  da  hin  vür  dich,  werden  herren 
getan  so  gar  unbedachtklich,  daz  dir  min  herz  nit  einen  herzklichei 
grüz  bot  mit  einem  andechtigen  nigenne!  Herr,  zai-ter  herre  mine 
minü  ogen  söltin  dich  han  an  gesehen  mit  spilender  vröde,  min  her 
s61te  dich  han  gemeinet  mit  gantzer  girde,  min  mund  solte  dich  hai 
gelobt  mit  inbrönstigem  herzklichem  jubilierenne ,  alle  min  kreft 
söltin  sin  zervlozzen  in  dinem  vrölichen  dienste!  Waz  tet  din  knech 
David,  der  vor  der  arke,  da  allein  lipliches  himelbrot  und  liplichi 
ding  inne  warent,  so  vrölich  mit  allen  sinen  kreften  sprang!  Herre 
nu  stan  ich  hie  vor  dir  und  vor  dien  heiligen  engein,  und  valle  dii 
ze  vftze  mit  inneklicheu  trehen  mins  herze.  Gedenk,  gedenk,  zartei 
herre,  daz  du  hie  vor  mir  bist,  min  fleisch  und  min  brüder,  nnd 
laze  varn,  vergib  mir  hüt  alle  die  unere,  die  ich  dir  ie  erbot  viac 
daz  ist  mir  leit  und  müs  mir  iemer  leid  sin,  wan  daz  Hecht  dei 
wisheit  beginnet  mir  erst  lüchten;  und  du  stat,  da  du  bist,  nit  allein 
nach  der  gotlieit,  och  nach  diner  schonen  minneklichen  meuscheit, 
sol  ienier  me  von  mir  vürbaz  geeret  werden. 

Ach,  minnekliches  gut,  wirdiger  herre  und  süzer  gast,  min  sele 
vragti  gar  gerne  einer  vrage:    zarter  herre,   sag   mir,    waz  bringej^t 

1  ze  a.  z.  dich  seh.  1^?        3  suzer  fekU  K'        4  were  AKaE^       5  schare 
AK       nit]  nie  AF       \)  were  Aa       12  ich  dir  [min  herz]  F       13  inine  fehlt  t' 
14  spilendeu  froden  E^         20  vor  allen  dinen  engein  AKa  21  vnzeu  i«^- 

iiinekl.]  bitterliclien  AKa  23  hüt  fehlt  AKaE  27  vürb.  v.  m.  AKaE^ 
21)  ein  vr.  AaK'F' 

6  f.  Hör.  li^'t  :  nam  ubi  dominum  mcuin  praescntem  scirij  hamilitcr  incHniif^ 
(lehui,   cum  aliud  sig^ium  rerereniiae  nihi  exhibfre  non  potui,  11  f.  L.  <:•' 

n  (juniiens  locum  htiiu:,  in  quo  sub  sacraiur.nto  hospes  dulcissimus  pratf*^ 
faisti^    tief/litfenUr   ri  festinauter  praelerii !  14  ff.    Hör,  18S:  ideo  i^^^ 

])raescntiac  dtf/uit  cor  adfjandvre,  animus  fipplaudere,  oculi  laetanitr  arridc^- 
oi!  iuhilarc,  lahin  fe  hcnedicvre  et  (/lorißcare,  et  singula  quaeque  meinbra  et  (tri'** 
tili  ostendtre  siyna  (imoris.  17  if.  //  Kon.  0,14. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXm.  29Ö 

dn  diner   geininten   mit  diner  waren   gegen würtikeit   in  dem  sacra- 
mente,  so  si  dich  roinneklich  und  begirlich  enphahet? 

Entwurt  der  Ewigen  Wisheit:  Ist  dis  einem  minner  ein 
zimliehü  vrage?  Waz  han  ich  bezzers  denn  mich  selben?  Der  sin 
sliep  selb  selber  hat,  wem  hat  der  nach  ze  vragenne?  Der  sich 
selben  git,  waz  hat  der  verseit?  Ich  gib  mich  dir  and  nime  dich 
dir  und  vereine  dich  mit  mir ;  du  verlürest  dich  und  wirst  verwandelt 
in  mich.  Waz  bringet  da  sunne  in  ir  aller  schönsten  glenzendem 
widerglaste  dem  ungewülkten  lüfte?  Waz  bringet  der  ufbrechende 
[  loliechter  morgensterne  der  vinstren  nacht?  Oder  waz  bringet  du 
8ch6n  snmerwunne  wünklicher  gezierde  nach  dem  kalten  winterlichen 
tnirigen  zite? 

Der  diener:  Owe,  herr,  du  bringent  rilich  gaben. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:   Sü  dunkent   dich  rilich, 

ttwan  86   dir  gesibtklich   sint.     Sih,   da   minste   gnade,   du  von   mir 

vliezent  ist  in  dem  sacrament,  ist  in  ewikeit  widerglenzender  denne 

kein  der  liplichen  [127 ']  sunnenglaste.    Si  ist  lühtender  denne  kein 

Morgenstern,   si  ist   in  ewiger  Schönheit   dich  wünklicher  zierende, 

denne  kein   sumerlichü  gezierde   daz  ertrich    ie  gezierde.     Oder  ist 

-^min  liechtü  gotbeit  nit  glenzender  denn   kein  sunne,  min  edlü  sele 

lichtender   denn  kein  sterne,    min  klerter  lip  wünklicher  denn  kein 

sumerwunne,  du  du  warlich  hüt  hast  enphangen? 

Der  diener:  Owe,  herr,  war  umb  sint  sü  denne  nit  enphint- 
licher?  Herr,  ich  gan  dicke  zu  in  sogtaner  hertikeit,  daz  mir  als 
-Ä  tfire  ist  alles  lieht,  gnade  und  süssekeit  nach  minem  verstenue  als 
einem  menschen,  der  blint  geborn  ist  und  daz  Hecht  nie  gesach.  Herr, 
getörste  ich  es  sprechen,  so  gonde  ich  diner  waren  gegenwürtkeit 
wol.  daz  du  din  selbs  mer  Urkunde  hettist  gegeben. 

Entwürt   der  Ewigen  Wisheit:    So  der  Urkunde  ie  minr 


6  am  Bande  Augustinus  KE^F^Z  6  f.  und  iiiiiie  d.  d.  fehlt  F  7  mit 
f^H  K  8  am  Rande  Nota  Bernhardus  F^  aller  gleiizendein  scbonsten  (!)  h? 
^^^  morgen r ot  ^Ä"  13  bringet  AE^  gäbe  7v*  15  gesibtig  E^  21  klerter] 
«arter  F         25  1.  und  gu.   [und  siiss.]   AKa  2()  der]    daz  AKa         27  ge- 

''Prechen  E^FF"^        29  am  Rande  J'aulus  EF'Z 

6  ff .  Aug.,  Conf.  VIl^  10:  nee  tu  me  in  te  mufahittj  sicuf  vihum  airnis 
'**0(j.  Htd  tu  mutaheris  in  nit'.  15  Hör.  1S9:  minima  gratia  gratam  favieius 

^^iiiy machende j  im  Unterschied  ron  dtr  aktuellen  Gnade).  27 f.  Hör.  IUI: 

^^nne  melius   esset,   ut   evident ioribuft    indiciis   et    manifestiorihus   e.vptrimentis 
^em  taniorum  itistaurasses  mgstcriorum  (^  29  f.  L.  c.:  an  ignoras,  quin  per 

^em  amhulamus  et  non  per  speciem  (II.  Kor,  ö,7 )  i^ 


300  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIII. 

ist,   so  der  globe   ie  lutere  ist   und  din  Ion  ie  mer  ist.     Eis  würkef 
der  herre    der  natur    so  tSgenliche   in   mengem  schönen  bome  ein 
wnnklicbs  zünemen,   daz    doch    kein    oge   noch    kein    sin  die  wile 
enphinden  mag,  e  daz  es  vollbracht  ist.     Ich  bin   da  nit  ein  uslib- 
tendes  liecht,   ich  bin  nät  ein  uzwürkendes  gftt,  ich  bin  ein  inwär-  f 
kendes  gftt,  und  daz  ist  so  vil  edeler,  so  vil  es  geistlicher  ist. 

Der  dien  er:   Owe,  got,  wie  ist  so  wenig  menschen,  die  daz 
wegen  von  gründe,  daz  si  da  enphahent !  Sa  gant  zu  als  die  andern 
gemeinlich  in  einer  schiebten  unbedahten  wise,  und  dar  umb,  als  si 
lere  dar  gant,  also  gant  sü  gnadlos  dannen ;  sü  zertribent  der  spise  10. 
nit,   daz  sü  wegen,  waz  sü  da  enphahent. 

Du  Ewig  Wisheit:  Ich  bin  dien  wolbereiten  daz  lebende 
brot,  dien  kleinbereiten  daz  trucken  brot,  aber  dien  unbereiten  ein 
zitlicher  schlag,  ein  t6tlicher  val  und  ein  ewiger  vlüch. 

Der  diener:   Owe  herre,    wie  ist  dis  ein  so  erschrokenlick Ift 
HÜng!   Ach,  zarter  herre,  weli  heissest  du  die  wolbereiten  oder  die 
unbereiten? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Die  wolbereiten  sind  die 
geluterten,  die  kleinbereiten  die  vermittelten,  aber  die  unbereiten  die    _ 
sündigen,  die  mit  willen  oder  mit  werken  in  tötsünden  stant.  ^j 

Der  diener:  Owe,  zarter  herr,   ob  denn  ze  der  stunde  dem   \ 
menschen  sine  sünde  von  herzen  leit  sint   und  sin  vermugen  dar 
inne  tut,  daz  er  ir  nach  der  kristenheit  reht  ledig  werde? 

Entwürt  der  Ewigen   Wisheit:   So  ist  der  mensch  ieze    I 
nit  me  in  sünden.  *| 


1  din  glühe  AKa  1  f.  am  Rande  Nota  Bernhardus  F^  4  da  /«ÄÄ 
E'F  5  f.  ich  h.  e.  inw.  gut  fehlt  F  9  unbed.  fehlt  AH  11  da  f^ 
E'FF'Z  14  und  e.  t.  val  AEF  15  dis]  daz  AKa  16  ach  fehlt  AK* 
21  dem]  den  AKE        22  i.  dar  zö  AKa 

4  flf .  Hör.  192:  jßraestfitia  divina  ibidem  existens  lux  est,  nan  quÜ^ 
talift,  quae  ah  oculo  corporeo  videri  possii  vel  quae  se  ad  exteriora  diffu^dü^ 
sed  quae  a  solo  inteUectu  divino  vel  .^altern  ab  ipso  beatificato  videri  possü,  ••• 
nam  et  substantiae  spiriluales,  quanto  fuerint  nobilioreSy  tanto  simpliciorts. 

10  f.    L.  c. :   hi  sunt  sicut  animalia  non  i-uminantia,  18  ff.  Hör,  193' 

omnino  indispositi  ....  bene  dispositi,  sicut  psrfectij  ....  quidam  medio  «^ 
se  habentj  sicut  indevoti.  21  ff.  /..  c:  si  liomo  ....  in  procinctu  aeetdi^ 

de  [teccatis  conteritur  et  facti  secundum  statuta  ecclesiae  hoc  quod  potest,  **•• 
quid  audchit  de  tua  gratia  homo  hie  peccatoi'  accedere?  Sapientia:  ti^ 
conteritur  et  consilio  spiritualium  utitur  viedicorum  (d,  Ä.  trenn  er  bemU  «*• 
heiditd),  iam  proprie  loquendo  peccator  non  est. 


Büchlein  der  E^^igen  Weisheit.    Kap.  XXIII.  301 

Der  diener:  Herr,  nach  minem  danke,  es  ist  der  grösten 
Dgen  eins,  so  alles  zit  geleisten  mag.  Herr,  wer  lebt  in  zit,  der 
ih  gnft  wirdeklich  zfi  dir  bereiten  muge? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Der  [127^]  mensch  wart 
e  geborn,  und  hette  ein  mensch  aller  engel  naturliche  luterkeit, 
ler  balligen  reinikeit  und  aller  menschen  gütu  werk,  er  were  min 
nnoch  unwirdig. 

Der  diener:  Owe,  minneklicher  herre,  mit  welem  zitter  s&len 
HD  wir  unvervanklichü  gnadlosü  menschen  zu  dir  gan? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Swenne  der  mensch  ge- 
t  sin  vermugen,  so  wirt  nit  me  von  im  gevordert,  wan  got  vol- 
iDget  daz  unvolbrachte.  Ein  siech  sol  alle  blugkeit  hin  werfen 
d  gel  dem  arzade  nahen,  des  bisin  sin  genesen  ist. 

Der  diener:  Minneklicher  herr,  weder  ist  aber  besser  dik 
er  gelten  dich  in  dem  wirdigen  sacrament  en[)hahen  ? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Swelen  menschen  gnad 
d  andacht  enphintlich  da  von  wahset,  dien  ist  du  emzikeit  nütze. 

Der  diener:  Herr,  da  denn  ein  mensch  nach  sinem  versten 
ch  stat  oder  dike  in  grözer  hertikeit  ist? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Der  mensch  sol  sich  von 
r  hertikeit,  so  echt  er  daz  sin  getüt,  nit  merklich  enziehen,  wan 
z  heil  der  sele,  du  von  gottes  geleze  in  hertikeit  stat,  wirt  dik 
ein  in  dem  lieht  des  lutren  globen  als  adellich  volbracht,  als  in 
)zer  aüzikeit.    Ich  bin  ein  gut,  daz  gebrucbet  wahset  und  gesparet 


8  auif  cit  nachträglich  cittren  korr,  E  11  mu^en  AK  15  dich  nach 
T.  £1  16  am  Bande  Aug^ustinus  KE^F^Z  16 f.  swelem  ...  dem  FF^ 
volbr.  als  ad.  E^ 

1  es  bezieht  sich  nach  dem  Hör.  auf  das  Sakrament  überhaupt  j  nicht 
^  dit  Vorbereitung  dazu,  4  f.  Hör.  L  c. :  inter  natos  mulierum  nnn  sur- 

^ij  qui  ex  sola  virtute  et  iustitia  operum  s-uorum  tanquam  ex  condigno  se 
ficienter  praeparare  possit.  16  f.  Hör,  195:  super  hac  re  communem  ac 

<itn  egregii  doctoris  Augustini  (ep.  54  n.  :J.  4)  accipe  sententiam,  qui  utrum- 
■  pro  loco  et  tempore  dicit  esse  commendahile^  ut  et  pro  reverentia  interdum 
'tineatur  et  ex  devotione  nihilomrnus  acadatur.  Quibus  vtro  ex  frequenti 
tS8u  reverentia  sacramenti  parittr  et  devotio  accrescit,  his  fregueniatio  ipsius 
U  erii.  Seuse  hat  übrigens  auch  Thomas^  In  4  Scnt.  dist.  12  q.  3  a,  1 :  q,  2 
^gt.    Vgl,  Dtnifle  466  A.  4.  23  Hör,  196:  cum  solo  fidei  subsidio  anima 

'täur  nee  aliqua  dulcedine  spirituali  fulcitur.  24  t'.   Opusc,  58  (inter  opp, 

rhomae)  c.  14:  corpus  Christi  dum  manducaiur  augmentatur. 


302  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIII. 

swinet.  Es  ist  besser  von  miunen  zu  gan,  denne  von  vorchten  von 
stan ;  es  ist  besser  alle  wuclien  einest  zfl  gan  mit  einem  tiefen  gründe 
rehter  demütkeit,  denne  einest  in  dem  jare  mit  einem  überbebenne 
in  sin  selbes  billicbeit. 

Der  dien  er:  Hcrre,  ze  weler  zit  bescbibt  der  influs  der  gnaden 
Ton  dem  saeramentV 

Entwürt  der  Ewigen  Wisbeit:  In  dem  nu  des  gegen- 
würtklicbeo  niezens. 

Der  diene r:  Zarter  berr,  ob  ein  menscb  nu  in  grundlosem 
jamer  naeb  diner  liplicben  gegenwürtikeit  des  sacramentes  stat,  und 
er  din  enbern  mfiz? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisbeit:  Meniger  mensch  wirt 
min  nücbterlingcn  vol,  und  maniger  gewinnet  min  ob  dem  tische 
mangel;  die  küwent  micb  allein  liplicb,  aber  dise  niezent  mich 
geistlicb.  1 

Der  diener:  Zarter  berr,  bat  aber  der  mensebe  üt  vürbaz, 
der  dicb  liplich  und  geistlicb  enpliabet,  denn  der  dich  allein  geist- 
licb nüsset? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisbeit:  Weder  bat  der  mensch 
me,  der  mich  und  min  gnade  hat,   oder  der  min  gnade  allein  hat?  8 

Der  diener:  Herr,  wie  lange  blibest  du  in  liplicber  gegen- 
würtikeit bi  dem  menschen,  so  er  dich  enphabet? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisbeit:  Alle  die  wile  daz  bilde 
und  glicbnüsse  des  sacramentes  belibet. 


1  am  Bande  In  collacionibus  patrum  abbas  Cheremon  EE^Z  5  gnade 
E^F^  7  am  Rande  Thomas  EE^F^Z  7  f.  gegenwurtigen  Z  10  liep- 
liehen  F        14  [mich]  allein  E"^        23  am  Rande  Thomas  EE'F^Z 

1—4  Coli,  23  c.  21  (abbas  Theonas,  nicht  Chaeremon),  Hör,  l  c:  mtli»' 
est  singulis  hebdomadis  vel  eiiam  diebus  accedere.  Vgl.  auch  David  von  Av9^ 
bürg,  De  comp.  111,  70.  7  f.  Thomas,  S.  Th,  3  q.  80  a.  8  ad  6:  in  ipsa  sump- 

tione  huius  sacramenti  ....  ptrcipitur  sacramenti  effectus,  12  ff.  Se^ 

redet  von  der  geistlichen  Kommunion  (Thomas,  *S\  Th.  3  q.  80  a,  1—3).  Zur  Er- 
klärung Dtnifle  468 f.  Anm.  19  f.  Hör.  197:  revera  ampliorem  maierüt^ 
devoti(}nis  et  gratiae  habet  qui  lUrumque  suscipit,  quam  qui  aüerum  tantui^ 
quia  simul  habet  donaniem  cum  dono,  causam  cum  effectu.  23  f.  Thof^ 
S.  Th.  3  q.  76  a.  6  ad  3:  corpus  Christi  remanet  in  hoc  sacramento  ....  q^t^^ 
que  species  sacrameniales  manent. 


Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIII.  303 

DIs  solt  du  sprechen,  so  du  zu  gast. 

[128']  Eya,  du  lebendü  vruht,  du  suzü  gimme,  du  wuuneklicher 
radisöphel  dez  geblümten  vetterlichen  herzen,  du  süzer  truhel  von 
per  in  den   wingarten  Engaddi,   wer  git  mir,   daz  ich  dich  hütte 

wirdeklich  enphahe,  daz  dich  gelüste  zä  mir  ze  komen,   bi  mir 

blibenne  und  von  mir  niemer  ze  scheidenne?  Eya,  grundloses 
t,  daz  da  himelrich  und  ertlich  erfüllet,  neige  dich  hüt  gnedek- 
li  zfi  mir  und  versmahe  nit  din  armen  kreature!  Herr,  bin  ich 
I  nit  wirdig,  so  bin  ich  din  aber  notdürftig.    Ach,  zarter  herr,  bist 

nit  der,  der  himelrich  und  ertrich  mit  eime  einigen  worte  ge- 
lepbet  hat?  Herr,  mit  einem  einigen  worte  macht  du  min  siechen 
e  gesunt  machen.  Owe,  zarter  herr,  tu  mir  nach  diner  gnade, 
ih  diner  grundlosen  erbermde,    und  nit  nach  minem  verdienenne. 

bist  doch  daz  unschuldig  osterlembli,  daz  hüt  vür  aller  menschen 
ide  wirt  geophert.  Ach,  siizes  wolgesmackes  himelbrot,  daz  da 
30  s&zen  smak  in  im  hat  nach  iedez  herzen  begirde,  mache  hüt 
tig  in  dir  den  türren  munt  miner  sele;  spise  und  trenke,  sterke 
1  ziere  und  vereine  dich  minneklich  mit  mir!  Ach,  Ewigü  Wis- 
t,  nu  kum  hüte  als  krefteklich  in  min  sele,  daz  du  alle  mine 
nde  vertribest,  alle  mine  gebresten  versmelzest  und  alle  mine  sünde 
gebest.  Erlühte  min  verstentnüsse  mit  dem  Hechte  dins  waren 
oben,  enbrenne  minen  willen  mit  diner  süzen  minne,  erklere  min 
Luisse  mit  diner  vrölichen  gegenwürtikeit,  und  gib  allen  minen 
'ften  tugent  und  volkomenheit.  Bewar  mich  an  minem  tSde,  daz 
i  dich  oflfenbarlich  werd  niessende  in  ewiger  selikeit.     Amen. 


1  8olt  d.  spr.]  sprich  F       4  dem  w.  AF  10  f.  geschaffen  F     15  geoph. 

t  K'        da  fthlt  A^        16  in  im  selbe  E"^  17  dir]  mir  AF       23  gehüg- 
J8e  E^F       24  mich  gnedecliche  F 

3  f.  Hohel  1,13,            11  f.  Matth,  8,8,  15  f.  Weüh.  16,20. 


304  Bttchleiu  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIV. 

XXIV.  Kapitel. 
Wie  man  got  grundlosklich  alle  stunde  loben  sol. 

Lauda  aniraa  mea  (lominum^  laudabo  dominum  in 
vita  mea.  Owe,  got,  wer  git  minem  v^ollen  herzen,  daz  es  sin 
begirde  erfülle  vor  minem  tode  in  dinem  lobe?  Wer  git  mir,  daz 
ich  in  niinen  tagen  gelobe  wirdeklich  den  geminten  hcrren,  den  min 
sei  da  minnet?  Ach,  zarter  herr,  wan  giengi  als  manig  schönes  ge 
done  von  minem  herzen,  als  raenig  vrömder  süzer  8eitens|»il  ie 
wart  und  als  menig  lob  und  graz  ist,  und  du  ellü  nf  gerichl  wereu 
hine  vür  dich  in  den  himclsehen  hof,  daz  von  minem  herzen  ut  i 
trunge  ein  so  wunneklichs  ungehörtes  lob,  daz  es  den  ogen  diiies 
herzen  gevellig  were  und  allem  himelschen  here  vrödebere!  Minnek- 
lieber  herre,  bin  ich  dins  lobes  nit  [128'']  wirdig,  so  begert  doch 
min  sele,  daz  der  himel  dich  lobe,  so  er  in  siner  aller  wunnekliehsten 
Schönheit  mit  der  sunnen  glaste  und  mit  der  liecbten  Sternen  unzal- 1 
liehen  mengi  in  siner  hohen  klarheit  widerlühtet,  und  die  schonen 
beiden,  so  sü  in  sumcrlichcr  wunne,  in  manigvaltiger  geblümter  ge- 
zierde,  nach  ire  naturlichen  adel  in  lustlicher  Schönheit  widergicn- 
zent,  ach,  und  alle  die  süzen  gedenke  und  inbrünstige  begirde,  die 
kein  rein  minnendes  herze  ie  nach  dir  gewan,  so  es  in  heiterlieher  i 
summerwunue  dins  inlülitenden  geistes  umbgeben  waz. 

Herr,  so  ich  allein  an  diu  hohes  lop  gedenke,  so  m6cliti  min 
herz  in  minem  lip  zerfliezen,  mir  vergent  die  gedenke,  mir  gebristet 
Worte  und  ellü  wise  engat  mir.  Es  lühtet  neiswas  in  dem  herzen, 
daz  nieman  geworten  kau,  so  ich  dich,  daz  wiselose  gut,  lobenwil;2 
wan  gan  ich  in  die  aller  schönsten  kreature,  in  die  höhsten  geiste, 
in  du  lutersten  wesen,  daz  übergast  du  alles  ansaglich,  gan  ich 
denne  in  daz  tief  abgründe  dines  eigen  gutes,  herre,  da  verswindet 
alles  lop  von  kleinheit.   Herre,  so  ich  hü))8chü  lebendü  bilde,  lutzelig 

2  stunden  K^  (>  wird,  gelobe  K^  10  von]  U8  7*'  14  dich  der 
h.  J'J'  aller  fehlt  F  18  f.  widerglenzet  E^  21  wunne  E^  25  didi 
fehlt  HZ 

3  Ps,  145,1.  24t  fi.  Hör.  199:  nam  quoddam  ineffabUe  desideri^% 
quod  omnem  naturae  supergreditur  facultatetn,  te  sumtnum  bonum  laudandi  t* 
me  invent'Oy  quod  tarnen  informe  relinqui  sua  ex  inpossibilitaU  deploro,  ^^ 
si  te  inielligKniiis  seu  inteUectuaUbus  creaturis  comparare  voluero^  in  infinOft* 
te  super gredi  cunctas  creaturas  certistfime  inrenio.  29  Har.  200:  puickf^ 
apecies  et  ad  vidcndum  delectabiles  habüesque  ad  amandutn. 


Ilthlein  der  Ewigen  Weisheit.     Kflp.  XXJV. 


305 


eatiiren  an  blike,  so  sprechent  bü  z&  miuem  herzen;  „eya,  Iftg,  wie 
■Itt  lätzelig  der  ist,  von  dem  wir  gcÜossen  ain,  von  dem  ellü 
äonbeit  kumen  iBt!"  Ich  durcbgan  himel  und  ertrich,  die  weite 
id  äaz  abgründ,  wald  und  beiden,  berg  und  tal:  du  scbrient  ellü 
Beut  in  miuii  oren  ein  rilieh  gedßne  dins  grundlosen  lobeB.  80 
.  denne  eihe,  wie  g:rund]oee  Bchone  und  ordenlicb  du  ellü  ding 
Inest,  beidii  übel  und  gftt,  so  wird  ich  wortlos.  Herre,  sweune 
aber  gedenke,  daz  du  daz  lobücb  gät,  der  bist,  den  min  sele 
I  DBS  erwellet,  und  den  min  sei  ir  selber  allein  hat  us  erkorn  ze 
em  einigen  geniinten  liebe,  owe,  herr,  st»  mächte  min  beize  von 
e  in  im  selben  zerspringen. 

Eya,  zarter  berr,  nu  sihe  an  die  inneklichen  begirde  mins 
zeu  nnd  miner  sele  und  1er  mich  dich  loben,  lere  micfa,  wie  ich 
i  wirdeklieh  gelobe,  e  daz  ich  von  fainnan  scheide,  wan  dar  nach 
rtet  min  sei  in  niinem  libe. 

Entwürt   der  Ewigen  Wisheit:    Loptist  du  mich  gerne? 

Der  diener:  Owe,  herre,  wes  reizest  du  mich?  Du  erkennest 
ib  elln  herzen,  du  weist,  daz  min  herze  in  minem  übe  »ich  möi;bt 
wandelen  von  rechter  hegjrde,  die  ich  dar  nah  han  gehebt  von 
len  kindlichen  tagen. 

Entwürt  der  Ew  igen  Wisbeit:  Den  verebten  gezimt  mich 
litbenne. 

Der  diener:  Owe,  herre,  eilö  min  gerehtkeit  [129']  lit  an 
er  grandiosen  erbarmherzikeit.  Minneklicher  herre,  nu  lobent  dich 
h  die  frösehen  in  den  graben,  und  raugent  sii  nit  singen,  so 
ment  sfi  aber.  Owe,  zarter  herre,  ich  weis  und  erkenne  wol,  wer 
bin.  herr,  ich  erkenne  woi,  daz  ich  billicher  nmb  mine  sünde 
i  vieben  denne  dich  loben;  aber  doch,  dn  grundloses  gflt,  ver- 
ihe  nit  von  mir  ungcnemen  wurme  min  girde  diues  Inbes.  Herr, 
dich  nn  Seraphin  und  Cberubin  und  du  groz  zai  der  hohen  geisten 

I  lobent  nach  ire  aller  gr&sten  vermugenne,  waz  mugen  sü  denne 

1  kreatur  Jil"  4  beide  AKaE^l"  12  miniieklichen  Fa  IS  wie) 
EFB  17  owej  ach  £F  18  f,  Terw.  niöbte  E'  21  am  Sande  David 
^BZ      26  dem  AFF'a      26  geiizent  F  gew&lzond  F'  roMeot  H      21  f.  solü 

■  £•  LiU.  BÖlti  AK        30  uiigel  and  gtisten  F        31  loh.  sUe  Z       idlem  f* 

21  pH.  32,1.    Hör.  201  fägt  Sii-aeh  16,9  hmiu.  23  f.  Vgl.  Aug.,  Conf. 

■  13:  In  px.  139  n.  18,  144  n.  11.  24 ff.    Hör.  l.  c:  nonne  tt  verm4»  «t 
1«  imfaundac  tx  palrtdine  gtnvratat  ciaxitnnlts  tn  paludibv  tt  tuum  crta- 

II  landar«  eupiuKt  prout  sciuiU  et  po»iuitt¥ 

L  B«ai*,  QaniMbt  Sduiricn.  20 


306  Büchleiu  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIV. 

vürbaz  getfin  gegen  der  loblosen  ungemessen  wirdekeit,  denn  di 
aller  minste  kreatur?  Herre,  da  stest  aller  kreatnr  nnnotdürftig,  abei 
din  grandiosen  güti  küset  man  so  vil  mer,  so  vil  da  dich  unver 
dienter  gist. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Swer  mich  wenet  nad 
wirdikeit  volloben,  der  tfit,  als  der  dem  winde  nach  jagt  and  dei: 
schatten  ergriffen  wil;  and  doch  so  ist  dir  and  allen  kreataren  er- 
15bet,  mich  ze  lobenne  nach  allem  vermagenne.  Wan  es  enwart  nie 
kein  kreatar  so  klein  noch  so  groz,  noch  so  gftt  noch  so  bös^  uocb 
enwirt  niemer,  eintweder  si  lobe  mich,  oder  si  erzöiget  mich  loblich; 
und  so  si  mir  ieme  vereinet  ist,  so  ich  ir  ie  loblicher  bin^  und  so 
din  lob  ie  glicher  ist  dem  lobe  der  ewigen  glorie,  so  es  mir  ie  lob- 
licher ist.  Und  daz  lob  ist  so  vil  glicher,  so  vil  es  me  von  allen 
kreataren  nach  inbildunge  geledget  ist  und  mit  mir  in  rehtem  an- 
dacht  vereinet  ist.  Es  dönet  baz  in  minen  oren  ein  inrlichs 
betrahten,  denn  ein  lob  allein  von  Worten,  und  ein  herzklichs  sufzen 
erklinget  baz,  denn  ein  hohes  rufen.  Ein  demiitigü  Verworfenheit 
sin  selbs  in  rehter  versmechte  ander  got  und  ellä  menschen  in  eime 
uüt  wellen  sin  d6net  vor  mir  ob  all^n  schönen  klenken.  Ich  er- 
schein vor  minem  vatter  uf  ertrich  nie  so  löblich,  als  do  ich  stünt 
an  dem  krüze  aller  totlicheste.  Etlich  lüte  lobent  mich  allein  mit 
schönen  Worten,  aber  ir  herz  ist  verre  von  mir;  und  dez  lobes  achte 
ich  wenig.  So  lobent  mich  etlich  wol,  so  es  in  nach  wünsch  gat, 
aber  wenne  es  inen  übel  beginnet  gan,  so  verget  daz  lob ;  und  daz 
lob  ist  mir  ungenem.  Aber  daz  ist  ein  werdes  lob  vor  minen  git- 
liehen  ogen,  daz  du  mich  mit  herzen,  mit  werten  und  mit  werken 
als  inneklichen  lobest  in  leide  als  in  liebe,  in  aller  widerwertikeit. 
als  so  es  dir  aller  best  get,  wan  denne  meinest  du  mich  nnd 
nit  dich. 


1  gegen  fehlt  Aü  2  herre  —  kreat.  fehlt  F  3  f.  unverdienet  iT 
6  loben  KFF'  7  wil  ergr.  E^  8  a.  ir  verm.  AKa  9  enkein  AK,  ßU 
EF  80  groz  noch  so  klein  E}  11  ieme  mir  E^  und  so  ich  ir  AKFF^ 
14  gelidgost  Z'.'  Ib  am  Jtande  ^otsL  BcmhaxHus  F^  innekliches  Jt'*  20  nie) 
mit  E  21  f.  am  Hände  Ysaias  EE'F'Z  aUein  fehlt  AKa  23  am  Mandt 
Gregoriua  EE'F^Z       24  beg.  übel  i'^        25  daz]  dis  AKH 

2  L.  c:  bonorum  vicorum  noti  indiges  (r^t.  1Ö,J2).  3  f.  L.  c:  quaat» 
magis  ....  graiiam  gratis  eo;  sola  liberalitate  largiHs,  14  nach  inbildung* 
geledget  =  je  vergeistigter  und  reiner  von  Sinnlichkeit  es  ist,  21 1  Is,  2iÜ^>* 

23  ff.  Greg.  M.,  Moral,  F,  71. 


Bflchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIV. 


307 


Der  dienen  Herr,  ich  begeren  nit  lideue  von  dir,  ich  enwtl 
i  eokeiD  [129']  nreach  disen  dingen  ^eben;  aber  ich  laze  tuicli 
»!ber  on  ze  gründe  nach  begirde  mins  herzen  dinem  ewigen  lobe, 
da  ich  mich  selber  von  mir  selber  nie  reht  konde  gelazcn.  Herr, 
rerhnngtist  du  über  mich.  da/,  ich  der  verBmehteßt  mensch  wurde, 
Ata  dis  ertricb  geleisten  mag,  herr,  daz  walte  ich  vou  minnen  dir 
K  lobe  liden.  Herr,  ich  ergibe  mich  htit  an  din  guade,  und  daz 
man  mich  des  grösten  mordes  zige,  daz  ie  kein  mensch  getet,  swer 
mich  an  sehe,  daz  der  min  antlüt  versp&zeti:  herr,  daz  w&lt  ich  dir 
le  lobe  gern  liden,  echt  ich  vor  dinen  ögen  unsehaldig  stünde.  Were 
ich  aber  schuldig,  ro  w51t  ich  es  aber  liden  diner  wirdigen  gerehti- 
lieit  ze  lobe,  der  ere  mir  tusent  etunt  lieber  ist  denne  min  eigen  ere, 
Dud  ff&lte  ze  einer  ieklichen  versmechte  dir  ein  sunderliches  lob 
geben,  und  w&lt  mit  dem  Schacher  an  dem  kruze  sprechen:  „herr, 
id  lide  es  billich,  aber  waz  hattest  du  getanV  Herre,  gedenk  an 
mich  in  dinem  riebe!"  Und  wöltist  du  mich  ietzent  von  hinuan  nemen, 
Und  es  din  lob  were,  ich  enwolte  nit  hinder  mich  sehen  umb 
dekeinen  ufscblag;  aber  ich  begcrti  des:  und  BÖlt  ich  als  alt  sin 
witrilen  als  Matusalam,  daz  ein  ieklich  jar  der  langen  zit  und  ein 
ieklich  wuche  der  jaren,  ein  iekliche  tag  dero  wuchen,  ein  ieklieh 
ständli  der  tagen  und  ein  ieklicher  ogetiblik  der  stündlin  dich  von 
mir  lobtin  in  als  wünnekliebem  lobe,  als  dich  ie  kein  heilig  gelobte 
in  dem  waren  widerglanze  der  heiligen,  als  unzallich,  alse  daz  ge- 
Bäppe  ist  in  der  Runnen  schio,  uud  min  gflten  begirde  volbreehtin, 
^  ob  ich  es  selber  alles  in  zit  hetti  volbraht. 
H  Herr,  des  halb  nini  mich  zu  dir  über  kurz  ald  über  lang,  wan 
mt\*i  mins  herzen  girde.  Herr,  ich  sprich  noch  me:  und  daz  ich 
ment  von  hinnan  söltc  scheiden,  und  din  lop  were,  daz  ich  vänfzig 
jir  iu  dem  vegfür  sölte  brinnen,  herr,  ich  neige  mich  iezent  dinem 
Ifibe  under  dine  vüze  und  enphahe  es  willeklieh  dir  ze  einem  ewigen 
lobe,  Gesegnet  si  daz  vegfür,  in  dem  din  lob  an  mir  volbraht 
*irt!  Herr,  du  und  nit  ich,  du  bist  daz  selb  selber,  daz  ich  da  mein, 


akeiai'T"       4  von]  vor  .4 Xa       8  zihe  i,'       9  verapöizet  K       9 f.  gern 

1.  AKa  dir.  g.  xe  1.  EFF'H        15  [es]  liiUich,  waz  du  wilt  F        16  iez  F 

17  wolti  EF      IS  begeren  F'       19  f.  jar  —  a.  e.  ieklich  fehlt  AK 

.  Uk und  e.  i.  sttadli  AKaF       24  ist  fehlt  h>       girde  AK 

it  nllea  AKE'H       38  f.  in  dem  r.  8.  l.r.  fünfzcK  j.  E'        30  dir  fehlt  AF 


I  holocauxtum  voliin 
Vgl.   Ps.  109,3. 


308  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  XXIV. 

daz  ich  da  rainne,  daz  ich  da  sflche,  and  nit  ich.     Herr,  da  weis 
ellü  ding  und  erkennest  ell6  herzen,  du  weist,  daz  mir  yesteklich  Z4 
sinne  ist:  und  wnsti  ich  dennoch,  daz  ich  in  deme  gründe  der  hell< 
iemer  s&lte  sin,  swie  we  minem  eilenden  herzen   teti  da  berSbaogi 
[130']  diner  wunneklichen  besch6wde,  so  enwölte  ich  dir  dar  umbe 
nit  ab  brechen.     Und  möcht  ich  aller  menschen  verlomü  zit  her 
wider  bringen,  ir  missetat  gebesseren  und  alle  die  unere,  du  dir  ie 
widervfir,  volleklich  mit  lob  und  ere  ersetzen,  daz  wölte  ich  willek- 
liche  t&n ;  und  were  es  dennoch  muglich,  so  müsti  von  dem  nidersten 
gründe  der  helle  ein  schönes  lob  uf  brechen  von  mir,  daz  dnrcb-i 
trunge  helle,  ertrich,  luft  und  alle  himel,  unz  es  keme  vär  din  güt- 
liches antlüt.     Aber,   wan   daz  unmuglich  were,  sich,  so  w61t  ich 
dich   hie  deste   me   loben,    daz  ich    mich   din    doch    hie   dest  me 
genieti. 

Herr,  t&  mir,  diner  armen  kreaturen,  daz  din  lob  ist;  wini 
gange,  wie  es  welle,  din  lob  wil  ich  sprechen,  die  wile  ein  etenlin 
in  minem  munde  ist.  Und  so  ich  die  spräche  gelege^  so  beger  ich, 
daz  ein  ufbieten  mines  vingers  si  ein  besteten  und  ein  beschliesseo 
alles  des  lobes,  daz  ich  dir  ie  gesprach;  und  dennoh,  wenne  nuD 
lip  verpulvert  wirt,  so  begere  ich,  daz  von  einem  ieklichen  pülverlin  fl 
ein  grundloses  lob  uf  tringe  dur  den  herten  stein,  dar  alle  bim^l 
hin  vür  din  götliches  antläte  untz  an  den  jüngsten  tag,  daz  sieb  lib 
und  sele  wider  gesamnet  in  dinero  lobe. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  In  diser  begirde  bisstetc 
unz  in  den  tod,  daz  ist  mir  ein  liepliches  lop.  91 

Der  dienen  Ach,  minneklicher  herr,  sider  du  nu  gerftclwt 
von  mir  armen  sündigen  menschen  lobes,  so  beger  ich,  daz  du  micb 
bewisest  diser  dingen :  herr,  ist  daz  uzzer  lob,  daz  man  mit  worteD 
und  gesange  tut,  icht  vürderlich? 


2  daz  mir  daz  E^F^  2  f.  ze  sinnen  AKZ  4  eil.]  minnenden  ^ 
berobunge  A  5  dir  fehlt  AF  11  himle  AK  12  wan  aber  E^  18  derte 
—  hie  fehlt  F  loben]  leben  A  doch  din  E^F"^  14  genieteti  ii*i^ 
20  einem  fehlt  E^Z       26  f.  gerächest  nach  lobes  E^ 

3  ff.  Hör.  203:  si^  quod  absU,  voluntaiis  iuae  beneplacitum  $t  laudüprüi- 
conium  in  hoc  contiisieret,  quod  anima  a  corpore  exuta  aut  ignem  purgatof^ 
aut  certe  inferni  supplicium  in  poenam  suorum  criminum  recipere  debeni,  «*W 
de  laude  domini  mei  veÜem  diminuere.  9  X.  c:  supposüo  per  impott^ 
quod  in  infernOj  uhi  tuae  laudis  nulla  est  confessio,  anima  mea  . . .  esttt  ^ 
Sita  etc,  11  L.  c. ;  cum  tnrtus  loquendi  mortis  hora  defecerit,  19i^^' 
guando  corpus  meum  fuen't  in  puiveres  minutissimos  redactum  et  lapidi  d«Mt^ 


Büchlein  der  Ewigen  WeiaLeit.     Kap.  XXIV.  309 

Entw&rt    der    Ewigen    Wisheit:   Es  iat  wol  viirderlicli, 

snnderlich,  als  vil  es  den  inren  menachen  gereizen  mag,  der  vil 

I  da  von  gereizet  wii-t,  und  sunderlicfa  an  anvabenden  menRchen, 

•   Der  diener:  Zarter  hene,  so  han  ich  och  alles  ein  belachen 

pir,  Bider  man  gern  in  Kit  an  valiet,  daz  man  in  ewikeit  ttiben 

d&z  ich  eiti  emziges  loben  in  mir  gewunne,  und  daz  daz  niemer 

ala  ein  ögenblik  underzogen  wurde.     Herre,   ich  haa  dik  ge- 

shen  von  des  selben  begirdc:   „owe,  himel,  wes  ilest  du?    Wie 

du  80  baide!  Ich  be^er;  stand  in  disem  päntün  stille,  udz  daz 

linen  einigen  iizerwelten  zarten  herren  durlobe  nach  mins  herzen 

Herr,  so  ich   etwenne  ein  kleines  wili  bin  gesin,  daz  ich 

■az  in    gegenwürtifrem    inker  dines  lobes,    und  so  ich  zfl  mir 

kam,  Ko  sprach   ich:    „owe,  herr,  es  eint   fusent  jar,  daz  ich 

nen   geminten    nie   gedachte!"     Eya   nu,   minneklicher   herre, 

ir  mich,  als  vil  es  ranglieh   ist,  die  wile  der  lip  nob  [130'']   bi 

i!  ist,  daz  ich  ein  stetes  ungenenktes  lob  gewunne. 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Swer  mich  in  allen  dingen 

und  sich  vor  sünden  hütet  und  sich  tugenden  äizet,  der  lobet 

ze  allen  ziten,     Aber  doch,   «an   du  dem  höhsten  lob  nach 

so  hör  noch  naher.     Dit  sele  gelichet  sich  ainer  liebten  flnni- 

80  du  enkeinen  anhang  hat,   so  wirt  si  gar  lihte  von  ir 

lieben  beweglicbeit   in  die  h6hl  gegen   dem  hiniele   hob  uf  ge- 

[;   swenn  si  aber  iit  geladen  ist,  so  siget   si  nidcr,      Ze  glicher 

«n  gelftterter  raöt  von  gebresilicher  awarbeit  wirt  als  von  sinem 

ichem  adel  von  lichter  bilfe  geistlicher  betrachtuuge  in  himel- 

ding  uf  erhebt;    und  dar  umb.  swenne  daz  bescbihet,   daz  ein 

aller  liplicber  begirde  wirt  geledget  und  in  stilleheit  wirt 

t,  daz  ellil  sin  meinnuge  dem  unwandelberen  gilte  ungescheiden- 

ce  allen  ziten  an  klebt,  —  der  volbringet  min  lob  ze  allen  ziten. 

in  der  Interkeit,  als  vil  man  es  gewürten  mag,  so  wirt  mensch- 


et geru  /Ml  F  8  Wie]  wes  ÄK  11  wili]  stiindeli  F  16  [m] 
um  Runde  In  collBtiouibus  pfttnim  EE^F'Z  noch  fehlt  £* 
mwedem  Ä  23  f.  uf  gefloget  E'  23  ist]  wirt  AEE'K  29  der 
-  aiO,3  wttrket  f«}iU  F 

ll  ff.  Vgl.  Thomas,  S.  Th.  3^  q.  &5  a,  13.  Bf.  Hör.  SiH:  o  prim  mnbiUi 

PMlomnMiu,  quid  /«slinaaf    Cur  tarn  vttoi-iltr  ptrlraniiialf    Quam  ob  r im 

fptra»9    Ohtccro  te,  hoe  (fuod  tet  iwipotsibile  fac  pogsibile  tt  sla  paaliniier! 

t  agel  20—28   Coli.  IX,  4,  mich  bd  Kckharl  ä6V,9  ff.  fiffriüi«, 

:  Coli.  IX,  IL 


310  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIV. 

icher  8in  als  gar  versöffet  und  von  irdenscheit  ze  einer  geistlichei 
und  engelschlicfaen  glieheit  verbildet;  waz  der  mensch  von  u8seE 
in  enphahet,  waz  er  tut,  waz  er  wirket,  er  esse,  er  trinke,  ei 
schlaffe,   er  wache,   daz  ist  nit  anders  denne  daz  aller  luterste  lop. 

Der  diener:  Ach,  zarter  herre  miner,  wel  ein  reht  süsflülere 
dis  ist!  Minneklichü  Wisheit,  so  wnrde  ich  als  reht  gern  noch  vier 
dinge  von  dir  bewiset.  Daz  ein  ist:  herr,  wa  vinde  ich  die  meisten 
Ursache  dich  ze  lobenne? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit;  In  dem  ersten  Ursprünge 
alles  gutes,  und  dar  nach  in  den  usfliezenden  r&nsen. 

Der  diener:  Herre,  der  Ursprung  ist  mir  ze  hohe  und  it 
unbekant;  da  sülnt  dich  loben  die  hohen  zederb5me  uf  dem  lyban 
der  bimelschen  geisten  und  engelschlichen  gemuten.  Und  doch  so 
wil  ich  als  ein  ruhe  tistel  5ch  hin  vür  tringen  mit  lobe,  dar  nmbe, 
daz  sü  von  einem  anschowenne  miner  begirde  volendens  unmngent- 
heit  werden  ermant  ire  hohen  wirdekeit,  daz  si  in  ire  lutere  klar- 
heit  geraisset  werden,  dich  inneklich  ze  lobenne,  also  daz  der  goch 
der  nachtgal  ursach  gebe  eins  wunklichen  gesanges.  Aber  der  uswal 
diner  güti  ist  mir  ze  frumen  ze  lobenne.  Herr,  so  ich  mich  recht 
hinderdenke,  wer  ich  waz,  wa  vor  und  wie  dicke  du  [131']  mich 
behütet  hast,  us  welen  vreisinen,  von  welen  banden,  von  welen^triken 
du  mich  geledget  hast,  ach,  ewiges  gut,  daz  min  herze  alles  sament 
nit  zerfiüzet  in  dime  lobe!  Herr,  wie  lange  hast  du  mir  gebeitet, 
wie  vrüntlich  hast  du  mich  enphangen,  wie  süzklich  hast  da  mich 
dik  verborgenlicb  vürkomen,  inrlich  ermant!  Swie  undankber  ich 
hier  inne  ie  wart,  do  lieze  du  doch  nie  abe,  unz  daz  du  mich  z^ 
dir  hast  gezogen.     Sol  ich  dich  hier  umb  nit  loben?  Ja  gewerlich. 


2  waz]  wan  AE^  3  in  fehU  E^  6  dis]  daz  AK  7  ein]  errt  F 
10  flieasenden  EFH  11  herre  fMt  AKa  13  geisten  fehU  E  U  her 
vur  AF  15  des  vollendens  FF^  ervollens  Z  21  ns]  von  FF^  Tffisea 
AKa  striten  A  22  f.  nit  a.  sament  E^  23  zeflüsset  A  26  lieze  idi 
doch  AF       nie]  nit  EF 

9  f.  U(»\  205:  in  contetnplatione  iUius  siimmae  ac  divinissimae  et  fufff' 
excdlentissimae  maiestatis^  in  qua  sicut  in  suo  fontali  principio  omnia  6om 
simplicissime  ac  uniformiter  ab  aeterno  continentur ;  deinde  in  rivulis  bonoruM 
pariicularium  ab  illo  summo  bono  proflueivtium^  quae  diversimode  a  creaiuri 
participantur  aecundum  phis  et  minus,  prout  ea  causa  causarum  dignatur  si* 
(julis  communicare.     Vgl.  Thomas^  S.  c,  Gent.  2^2,  12  Hör,  Lc:  hoc  ctdr 

Libanij  videUcet  fortioribus  relinquo. 


BücUeiu  der  Ewifc'BD  Weisheit.    Knp.  XXIV.  311 

herre!  Min  zarter  herre,  ich  beger,  ilaz  hier  iimhe  ein  riliches  lol» 
rar  dinen  5geu  uf  trioge  Dach  dem  grozeii  vr&denrielien  lobe,  als 
die  engel  hatten  in  dem  ersten  anbilk,  (lo  sii  gchoweten  ii-  beatati- 
deoheit  pnd  der  andern  Verworfenheit,  und  in  der  vrüde,  so  die 
eilenden  seien  hein,  so  sü  koment  von  dem  kercher  dez  grimmen 
(Utes  hin  Wir  dich  und  din  vrölichs  mtnuekiicbes  antlüte  dez  ersten 
m  blicUent,  und  in  dem  grundlosem  lobe,  daz  in  dien  himelschen 
gaseen  uf  brichet  nach  der  jüngsten  urteil,  so  die  nzerwelten  vnn 
dien  bi'iBen  in  iemer  wemder  sieberbeit  gescheiden  werdeut. 

Herr,   eins,   daz  ieb   och  beger   ze  wissenne   von    dinem   lobe, 
dai  ist,  wie  alles  min  uatürlichs  gQt  in  din  ewiges  lob  von  mir  ge- 
werde. 

Entwürtder  Ewigen  Wisheit:  Wan  nieman  in  zit  dekeinen 
tigenüchen  underscheit  nach  kuntlichem  wissenne  under  natur  mid 
gnad  haben  mag,  dar  umbe,  es  si  von  natnre,  es  si  von  gnaden,  so 
lit  lülzeliges,  üt  vrölichea  oder  hügliehea  in  dinem  möte  oder  übe 
nfstet,  so  hab  einen  gesiviuden  ker  mit  einem  uftragcnne  in  got, 
daz.  es  in  minera  lobe  verzerret  werde,  wan  ich  ein  herr  der  nuture 
und  der  ^nade  bin;  nnd  alsus  so  wirt  dir  ietzeot  natnr  Übernatur. 
Der  dienen  Herre,  wie  gezübe  ich  denne  öch  der  bßeen 
Wien  inbildunge  in  din  ewiges  lob? 

twürt  der  Ewigen  Wisheit:   Da  sprich   in   des   bösen 

fiites  iügeleze  also:   „berre,  als  dicke  diser  b6ser  geist  oder  kein 

idre  Eogetan  pngeneme  gedenke  in  mich  sendent  wider  minen  willen, 

ilike  si  dir  mit  verdachtem  willen  daz  aller  gchfinste  lop  an  siuer 

Li  nie]  ila  EI-'  6  vegfüres  Ah'a  7  hiinelecliea  graudl.  I.  AKa  dteu] 
AF  16  oder  [6tj  vröl.  AKaE  Üinein]  dum  AKa  oder  an  dinem 
£•       l^tofdiUAEF       20  gesien  .IKii.'ff       a4  anderen  i,"      sendet  ^i-'a 

1  ff.  Hör.  21/6:  opin  et  desidero,  at  laU's  lamque  iocunda  laudatio  «tl  tibi 

rW  mt,  quaiin  fmt  bwtorum   »pirüuum  laMs  lunc,   cwa  in  pritno  aspectu  tuae 

iictnitinmae  mattalatis  gamlehanl  st  acternaliter  in  tua  laude  confinnatog,  malia 

ffro  II  u  eine  fine  detruan».  2.4.7  Sinn:  ähnlich  dem  Lobe  and  dtr  Fi-eude. 

11  f.  i,.  <■,:  qualiter  affeclinata  inlerdum  in  mt  exurgmtcs,  dt  qiiibus  dubito 

nalin'alt$  gint  an  gratititnt,  in  laudcm  tuani  pontim  eonvtrlere. 

f.    Zicixchm  Afftkttn  dtr  Natur  und  der  Gnade.  16  ff.    Hör.  S07 : 

g?it*  ei  irrii/uas  affectiwt»  »lalim  al  nenstrin  debt»  dei-ota  qiiadam  ex- 

t  mrsum  ad  rerum   omniai»   auctorem   trigere   ad   modiim   acctptabiii» 

>',  ....  ft  sie  gratiae  talts,   qua*   ul   nie   sunt   naluraie»  nee  mtritoriae, 

luo  quodammodo   possunt  fieri  supernaturaUf,  iit  at  meritoriat.      Zi* 

f.  vgl.  oben  2^'3,ä0  f.  20  f.  /-  t.,-  imminsime«  maliguae,  blaaphemae 

ttionta  {ingelöte). 


312  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    Kap.  XXIV. 

stat  von  mir  uf  gesendet  in  iemer  wernder  ewikeit,  in  dem  die 
der  selb  bös  geist  in  iemer  werender  ewikeit  heitti  gelobet,  ob  e 
bestanden  were,  daz  ich  siner  vertribenbeit  ein  värweser  si  in  dinen 
lobe ;  und  als  dik  er  daz  ungeschaffen  b&s  gerune  in  sendet,  als  dili 
si  dir  daz  gut  uf  gesendet. '^ 

Der  diener:  Herr,  ich  sitae  nn,  daz  dien  guten  ellü  ding 
koment  ze  gute,  so  inen  daz  aller  böste  dez  bösen  geistes  also  u 
gfit  mag  gekeret  [131^]  werden. 

Nu  sag  mir  noch  eins:  ach,  minneklicher  herre,  wie  gekere 
ich  denne  alles  daz  in  din  lop,  daz  ich  gesih  oder  gehöre? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Als  dik  du  kein  groz  zal 
sihest,  als  dik  du  kein  nsgenomen  schöni  oder  mengi  an  blickest, 
als  dik  sprich  von  gründe  dins  herzen:  „berr,  als  dicke  und  als 
schone  müzen  dich  hütte  die  tnsent  stnnt  tusent  engelschlicher  geisten 
die  dir  dienent,  minneklich  an  miner  stat  gr&zen^  und  die  zehen 
tusent  stunt  hundert  tusent  der  geiste,  die  vor  dir  stand»  dich  bit 
v6r  mich  loben  und  alle  heilig  begirde  aller  heiligen  vür  mich 
begeren,  und  aller  kreaturen  wünklichü  Schönheit  vür  mich  eren.* 

Der  diener:  Wafen,  minneklicher  got,  wie  hast  du  mineo 
mfit  ergrünet  und  ergrüzet  mit  dinem  lobe! 

Herre,  aber  dis  zitlichs  lob  hat  min  herze  ermant,  es  hatmio 
scle  versenet,  eya,  nach  dem  ewigen  iemer  werenden  lobe!  Owe, 
min  uzerweltü  Wisheit,  wenn  sol  der  liecbte  tag  uf  gan,  wenne  sol 
du  vrölich  stunde  komen  eins  volkomen  bereiten  hinscheidennes  von 
disem  eilende  hin  zu  minem  geminten,  owe,  daz  ich  dich  lieplich 
schowe  und  lobe?  Herr,  gewerlich,  mir  beginnet  als  ser  eilenden, 
mich  beginnet  als  inneklichen  belangen  nach  mins  einigen  herzen 
wünne.  Owe,  wenne  sol  ich  iemer  da  hin  komen?  Wie  lenget  es 
sich,  wie  spetet  es  sich,  daz  ich  mins  herzen  ögenweide  von  antlot 
ze  antlüt  an  sehe,  und  mich  din  nach  alles  mins  herzen  lust  genietel 
Ach  eilend,  wie  bist  du  so  eilend  einem  menschen,  der  sich  in  der 
warheit  haltet  eilende!  Herr,  Ifig,  es  ist  Ifitzel  ieman  uf  ertriebe,  er 
habe  etwen,  den  er  süchCj  er  habe  etwas  niderlazes,  da  sin  vüz  ein 


3  si  e.  vürw.  EF  7  f.  mag  ze  g.  gek.  w.  E^  gek,  mag  w.  AK  14  der 
engelschlichen  ^.  Z  16  der  fehlt  K^  21  aber  herre  E^  26  gew.  herre  f^ 
27  f.  raina  herzen  einigen  w.  E^        herzen]  herren  F       33  söchet  F 

3  bestanden,   nämlich  bei  der  Prüfung,  4   Hör.  l,  c:  nefanda  ^' 

siirria  immissa.  6  Rom.  8,28,  Uff.  Vgl,  Dan.  7 ,10,  24 f.  Vgl.Bö»- 

7,24::  Phil  l,Ü3  (Hör,  208).  28  f.    Vgl,  Ps,  119,0. 


Bächlein  der  Ewigen  Weisheit.    Kap.  XXIV.  313 

will  gerfiwe;  owe,  min  einiges  ein,  daz  min  sei  da  sAehet  und  be- 
geret,  so  weist  da,  daz  ich  der  ein  bin,  der  dir  allein  gelazzen  ist. 
Herr,  swaz  ich  sihe  und  höre,  da  ich  dich  nit  vinde,  daz  ist  mir  ein 
nirter,  aller  menschen  bisin,  denne  dor  dich,  ist  mir  ein  bitterkeit. 
Herre,  waz  sol  mich  ermüten,  oder  waz  sei  mich  uf  enthalten? 

Entwürt  der  Ewigen  Wisheit:  Da  solt  du  dich  dik  ergan 
in  disen  schönen  wänneklichen  böngarten  mins  geblümten  lobes.  Es 
ist  in  zit  nit  eigenlichers  vorspilcs  himelscher  wonunge,  denne  die 
got  in  wolgemüter  vröde  lobent;  es  enist  nut,  daz  einem  menschen 
also  erluphe  sinen  mfit  und  erlichtere  sin  liden,  daz  die  bösen  geiste 
Tertribe,  daz  swarmutkeit  verswende,  als  vrölich  lop.  Got  der  ist 
inen  [132^]  nahe  bi,  die  engel  sint  in  heinlich,  sä  sint  in  selber 
n&tze;  es  gebessert  den  nehsten  und  erfröwet  die  seien,  alles 
himelsches  her  wirt  von  dem  wolgemftten  lobe  geeret. 

Der  diener:  Minneklicher  herr,  min  zartü  Ewigü  Wisheit, 
ich  beger,  swenne  minü  ogen  dez  morgens  erst  uf  gant,  daz  och 
min  herz  uf  gange,  und  von  ime  uf  breche  ein  ufflammendü  vürinü 
minnevackel  dins  lobes  mit  der  lieplichesten  minne  des  minnendcsten 
herzen,  daz  in  zit  ist,  nach  der  hitzigosten  minne  des  höhsten  geistes 
von  Seraphin  in  ewikeit,  und  der  grundlosen  minne,  als  du,  himel- 
scher vatter,  din  gemintes  kint  minnest  in  der  usblikenden  minii(3 
fiwer  beider  geistes,  und  daz  lob  als  suzklich  erklinge  in  dinem 
vatterlichen  herzen,  als  in  zit  in  siner  achte  kein  süz  gedöne  aller 
minneklichen  seiteuspil  in  keinem  vrien  gemüt  ie  gedonde,  und  in 
der  minnevackel  uf  tringe  ein  als  suzer  smak  des  lobes,  als  es 
nsgenomenlich  von  allen  edlen  krutern  und  würzen  und  allen  apo- 
tekan  aller  lugenden  in  ir  hohsten  luterkeit  zesamen  pülverlich 
ger6chet  weri,  und  sin  anblik  als  schone  in  gnaden  geblümet  si,  daz 
Die  kein  meie  in  siner  wünneklichen  blöst  so  schon  geblümet  wart, 


3  dich]  din  EF  4  daz  ist  KFH  8  am  Rande  In  collationibus  pa- 
trom  EE^F*HZ  9  ist  FF^Z  10  lihtre  K^  am  Rande  abba«  arithoiiiuH 
^E^F-HZ  21  nsciingenden  F  27  zesumne  A  28  i^erochet  E  \v»rin 
^EE^  FF^Z 

8ff.  CoU.  A',  6.  lOf.  Vgl  Vita  h.  Anionii  c.  S  u.  U  (Mignt,  Patr.  Lnt. 

*Sj3:^i.  20  ff.  Hör.  209:  ad  exemplar  niliilominv^  illius  MUperfuh/ftantinliM  ft 

^MptrtsstfUialis  ac  ineffabilis  caritntix,  vi  fjwi  tu.  o  jtoUr  codeKtiM.  ferKf.ntiftniuu- 
iiligif  tuum  unigenitum  in  Spiritu  fnw:to.  2511.   L.f-.:  odorif'tra  fumi  vir- 

ida  tarn  graciota,   ac  si  esset   composita   *  r   omnihu^  nromatihus   myrrliac  et 
\uris  et  nnittrsi  jmlreris  pigmentnrii. 


314  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.    IIL  Teü. 

daz  68  dinen  götlichen  5gen  nnd  allem  himelschen  here  werde  ei 
lustliches  ansehen;  und  beger,  daz  da  minnevackel  ze  allen  zite 
inbrünstklich  uf  schlahe  in  allem  minem  gebette,  nz  dem  mand( 
in  dem  gesange,  an  gedenken^  worten  und  werken,  daz  si  alle  min 
viende  verjage,  alle  mine  gebresten  verswende,  gnade  erbitte  uq 
ein  heiliges  ende  erwerbe,  daz  ein  ende  dises  zitlichen  lobes  si  ei 
anvang  des  iemer  werenden  ewigen  lobes.    Amen. 


Daz  dritte  teil 

hat  die  hundert  betrachtunge  und  begernnge  mit  kurzen  worteo^ 
als  man  sü  alle  tag  mit  andacht  sprechen  sol. 

Swer  begert,  kurzlich,  eigenlich  und  begirlich  kunnen  be- 
trachten nah  dem  minneklichen  lideune  unsers  herren  Jesu  Cristi, 
an  dem  alles  unser  heil  lit,  und  sinem  manigvaltigen  lidenne  begert 
dankber  sin,  der  sol  dis  hundert  betrahtunge,  die  hie  nach  usgenomen- 
lich  stant,  sunder  nach  den  sinnen,  die  in  den  kurzen  worten  sint 
begriffen,  usnan  lernen  und  andechtklich  mit  hundert  venjen,  oder 
wie  es  im  aller  best  vflget,  alle  tag  übergan,  und  ze  ieder  venjeein 
Pater  noster  sprechen,  [132  ^J  oder  ein  Salve  regina  oder  aber  ein 
Ave  Maria,  da  es  unser  vrowen  an  gehört.  Wan  also  wurden  sü 
einem  bredier  von  gotte  ze  einer  zit,  do  er  noch  metti  vor  einem 
kruzifixus  stiünt  und  gotte  inneklichen  klagte,  daz  er  nit  konde  be- 
trachten nach  siner  marter  und  daz  si  im  so  bitter  ze  betracbtenne 
waz;  wan  dar  an  hatte  er  och  bis  an  die  stunde  grozen  gebresten 
gehebt,  und  der  wart  do  abe  geleit.  Die  begerunge  leite  er  von  im 
selben  dar  nach  hin  zu  in  der  kürzi,  dar  umbe  daz  ieder  menscb 
im  selber  ursach  vinde  ze  begerenne,  als  er  denne  gemöt  ist 


1  f.   ans.  werde  E^  0  f.  ein  anv.   si  A*  9  hat]   sint  JC^   daz  hal 

AKaZ         die]   hie   Z         und  heg,  fehlt  F'  10  sol]   mag  JP*         11  eig. 

kurzlich  K^        15  f.  begr.  sint  K^        16  and.  sprechen  F        17  vüget]  kuinel  i* 
ze  feldt  AK        19  an  höret  t?        22  f.  waz  ze  betracht.  E^ 

19   Wenn  sich  diu  Betracht utigspunkte  auf  Maria  beziehm, 
20  ff.   VgL  Prolog  des  Bdeic,    Die  meisten  der  hundert  Betrachtungen  xiiu 
schon  im   trsien  Teile  des  Büchleins   rorgc kommen.    In   das  Horologium  «i* 
sie  der  Kurze  halber  (vgl,  ebd.  12)  nicht  aufgenommen. 


Die  hundert  Bei  räch  tuDgen. 


315- 


1.  Eya,  Ewigii  Wisheit,  min  herffl  eimanet  rlieh,  als  du 
nah  dem  jiingsteo  nacfatmale  uf  denic  berge  voii  aiigsten  dines  zarten 
heraen  wurd  hinvliezende  von  dem  blutigen  aweize, 

II.  Und  als  du  wurde  vientlich  gevangeii,  strenklicb  gebun- 
fiden  and  ellendklich  verfüret; 

ni.  Herre,  als  du  wurde  in  der  naclit  mit  herten  streichen, 
mit  verHp6izenne  und  verbiudenne  diner  scheuen  5gen  lasterlich  ge- 
handelt, 

IV.  Früje    vor  Caypbas    versprochen    und    in    den  t5d    vür 
Wschnldig  ergeben, 

V.  Von  diner  sarten  mftter  mit  grundlosem  herzleide  an  ge- 
seiien. 

VI.  Du  wurd  vor  I'ylato  schamlich  gestellet,  valschlicb  ge- 
riget, tÖtlich  verdiimpnet, 

Vli.  Du,  Ewigü  Wisheit,  wurd  vor  Herodes  in  wissen  kleidcru' 
lui'iich  verspottet, 

VIII.  Üin  schöner  Up  wart  so  gar  leitlich  von  dien  ungezognen 
geiselsch legen  zerfüret  iiud  zerniüstet, 

!X.  Din  zartes  höpt  mit  spitzigen  dornen  dnrstochen,  da  voH' 
^din  minneklichs  antliite  mit  biftt  waz  verrannen, 

X.  Du  wurd  also  verteilet  ellendklich  und  schamlich  mit 
ditiem  kru^e  us  in  den  tot  gefüret. 

Ach,  min  einigü  zfiversiht,  dez  siest  du  ermanet,  daz  da  mir 
>litlerlich  ze  hilf  körnest  in  allen  minen  n6ten.  Enbinde  mich  vou' 
*i  Diiaen  süntlichen  sweren  banden,  behüt  mich  vor  heinlichen  sünden 
und  offenbarem  laster.  Beschirme  micli  vor  dez  viendes  valBchen> 
reten  und  vor  ursach  aller  sünden;  gib  mir  diiis  lidcns  und  diner 
zarten  möter  leides  ein  herzklichs  enphinden.  Herr,  ribte  ab  mir 
'n  rainer  jüngsten  hinvart  erbarm herzklich,  lere  mich  weltlich  ere 
^'ersmaben  und  dir  dienen  wislich.  Alle  mine  gebresten  werden  in 
Jinen  wunden  verheilet,  min  bescheidenheit  in  dem  sere  dins  höptea 
''IT  aller  anvechtunge  gesterket  und  [133']  gezieret,  und  alles  din 
'iden  nach  mineni  vermugenne  von  mir  ervolget. 


1  ff.  DU  Zahlen  von  l 
Konttxl  Fa,  fehlen  F^F\ 
riehiig.        1  ilicb  hftte  E* 
16  Uü  EH       20  aUea  wu  . 


wülieit  ond  kÖt.  F       27  aüuiie  K'F' 
fecht.   »päUr  weiAe.tingtfügt  A 


er  an  hü  Schluea  rot  am  Rande  AKEE'HZ,  im 

n  A   ißt  die    VeHtilung  der  Zißerii   nicht   immtr 

2  zarten  fehlt  E'         6  inrent  der  n.  wurde  i"' 

32  uagefSeret  in  d.  t,  E'         33  min  ewigü 


30  wiBlich  dit^Q 


316  Büchlein  der  Evrigen  Weisheit,    m.  Teil. 

I.  Minneklicher  herre,   als  an  dem  hoben  aste  des  krazes 
dinü  klaren  ogen  erlaschen  und  wurden  verkeret, 

IL  Dinü  götlichü  oren   wurden  spottes  und  lasters  erfüllet^ 
HI.  Din  edels  riechen  verwandelt  mit  bösem  smake, 
IV.  Din  suzer  munt  mit  bitterem  trank,  6 

V.  Din  zartü  berürde  mit  herten  schlegen: 
Also  beger  ich,  daz  du  hüt  minA  5gen  behütest  vor  verlazner 
gesiht,  minü  oren  vor  üppiger  gehörde.   Herr,  benim  mir  smakbafti 
liplicher  dingen,   mache  mir  unlustig  ellü  zitlichü  ding  und  benime 
mir  Zartheit  mins  eigen  libes.  10 

I.  Zarter  berr,  als  din  götliches   höbet  waz  von  sere  and 
•Ungemach  geneiget, 

II.  Din  gemeitü  kele  vil  ungezogenliche  gestreichet, 

III.  Din  reines  antlüte  mit  Speichel  und  blflt  gar  verrnnDeiif 

IV.  Diu  lutrü  varwe  erbleichet,  18 
V.  Ellü  din  schönü  gestalt  ertodet: 

Also  gib  mir,  min  herr,  liplich  ungemach  minnen  und  alle 
min  räw  in  dir  suchen,  vrömdes  übel  willeklich  liden,  versmecht 
begeren,  minen  begirden  erbleichen  und  allen  minen  glüsten  er- 
töden. 

I.  Minneklicher  herre,  als  din  rechtü  band  ward  durnegelt, 
II.  Din  lingü  band  durschlagen, 

III.  Din  rechter  arm  zerspannen 

IV.  Und  din  lingger  ser  zerdennet 
V.  Din  rehter  vüz  durgraben 

VI.  Und  din  linger  grülich  durchhowen; 
VII.  Du  hangetest  in  ungewalt 
VIII.  Und  in  grozer  müdi  diner  götlichen  bein, 
IX.  Ellü   dinü  zarten   lider  wurden  unbeweglich   gephrenget 
an  den  engen  notstal  dez  krüzes, 

X.  Din  lip   waz  von  dem  hitzigem   blute  an  menger  stat 
berunnen : 

Ach,  minneklicher  herre,  also  beger  ich,  daz  ich  in  lieb  und  in 
leide  unbeweglich  zfi  dir  werde  genegelt,  alles  min  vermugen  libes 


1  aste]  jral<^eii  F       4  waz  rerw.  F        11  f.  waz  geneiget  £*         14  be- 
mnneu   E'  29  gelider  AKaFF^  31  dem  feMt  EF  32  vemmnen 

AKaKF  34  iimbewefirlich  A 


Die  hundert  Betrachtungen.  317 

und  sele  an  din  kr&z  zerspennet,  min  vemunfi  and  min  begirde  zfi 
dir  geheftet.  Gib  mir  unmugentheit  liplich  vr6de  ze  volbringenne^ 
Bnellbeit  din  lob  und  ere  ze  sfichenne.  Ich  beger,  daz  kein  gelid 
sie  an  minem  libe,  es  habe  dines  todes  ein  sanderliches  tragen  und 
\  dines  lidens  gelicheit  ein  minneklichs  erzöigen. 

I.  Zarter  herre^  din  blujender  lip  hatte  an  dem  kräze  ein. 
darben  and  ein  dorren, 

II.  Din  raude  zarte  ragge  an  dem  rahen   kräze  ein  hertes 
leneD, 
^  III.  Din  swere  lip  ein  nidersigen, 

IV.  Alle  din  lip  waz  durwunt  and  durseret, 
V.  Herr,  und  daz  alles  trftg  din  herz  minneklich. 
Herre,   din  darben  si  mir  ein  ewiges  widergrunen,   din  hertes 
lenen  ein  geistliches  r&wen,  din  nidersigen  ein  kreftiges  nfenthalten ; 
^68  din  ser  müsse  daz  mine  senften  and  din   minneriches  herze 
daz  mine  inbrAnstklich  enzünden. 

[ISS""]    L  Minneklicher  herre,   in   der  t&tlichen   not  wart  din. 
gespottet  mit  spehen  werten, 

IL  Mit  spotlicher  geberde, 

III.  Und  wurde  gar  vernichtet  in  ire  herzen; 

IV.  Du  stünde  hier  inne  vestekliche, 

V.  Und  bete  dinen  lieben  vatter  über  sü  minneklich; 
VI.  Du  anschuldiges  lembli  wurd  zft  den  verschulten  gelichet, 
VII.  Von  deme  linggen  verdümet, 
VIII.  Von  dem  rechten  an  gerüflFet; 
IX.  Du  vergebe  ime  alle  sine  sünde, 
X.  Und  tete  im  uf  daz  himelsche  paradys. 
Nu  lere,  geminter  herr,  dinen  diener  ellü  spechü  wort,  spotlich 
?eberde  and  alles  vernichten   vesteklich   dar   dich   liden,   und   alle 
^iue  widersachen  minneklich  gegen  dir  entschuldigen.     Ach,  grund- 
osü  miltekeit,   ich  bäte  hüte   dinen   unschuldigen   tot  vür  du  ogen 
lez   himelschen  vatters  vür  min   verschultes  leben.     Herr,    ich  rufe 
ft  dir  mit  dem  Schacher:    „gedenke,   gedenk  min   in  dinem  rieh!" 
erdume  mich  nit  umb  mine  missetat,  vergibe  mir  alle  mine  sünde, 
[  mir  nf  din  himelsches  paradys. 


2  [ze]  volb.  £'         3  sneUekeit  ÄKal?         lid  K'         4  an  m.  1.  sie  A. 
iürren  Z       23  schuldigen  AKF'a        31  liüte  fthlt  /•;»        36  din]  daz  !>' 


:318  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    m.  TeiL 

I.  Zarter  herr,  an  der  stände  wurde  du  durch   mich  vo 
allen  menschen  gelassen, 

II.  Dine  vründe  hatten  sich  diu  verzigen, 

III.  Du  stund  nackent  und  aller  ere  und  kleider  ber6bet, 

IV.  Din  kraft  erschein  do  sigelos; 

V.  Sü  handleten  dich   unerbermklich,   und  du  litte  es  alles 
•stille  und  senftm&tklich. 

VI.  Ach,  dins  milten  herzen,  do  du  diner  zarten  mftter  herz- 
.leid  allein  ze  grnnd  erkandest, 

VII.  Ire  seneden  geberde  an  sehde, 
VIII.  Und  irü  kleglichü  wort  hortest, 
IX.  Und  in  der  tötlichen  schidunge  si  beveld  dinem  junger 
in  müterlich  trüwe, 

X.  Und  den  junger  ir  in  kintlich  trüwe! 
Eya,  zartes  exemplar  aller  tugenden,  benim  mir  aller  menscbeo 
schedJich  minne,  aller  vründe  ungeordnet  trüwe.  Enblös  mich  von 
aller  unlidekeit,  gip  mir  vestikeit  gegen  allen  bösen  geisten  and 
senftmütkeit  gegen  allen  ungestümen  menschen.  Milter  herre,  gip 
mir  dinen  bittem  tot  in  den  grünt  mines  herzen,  in  min  gebet  und 
in  erzöigunge  der  werke.  Owe,  zarter  minneklicher  herre,  ich  be- 
vilhe  mich  hütte  in  die  stete  trüwe  und  hüte  diner  zarten  reinen 
müter  und  dines  lieben  geminten  junger, 
Salve  regina  oder  Ave  Maria. 

I.  Eya,    reinü   zartü  müter,    ich   ermanen   dich   hütte  de2 
grundlosen   herzleides,   daz  du   enphienge  in  dem  ersten  anblik,  de 
du  din  liebes  kint  also  sehde  uf  erhenkt  in  sterbender  not  stan. 
II.  Du  enmochtest  im  do  nit  ze  hilf  komen, 

III.  Du  hattest  dines  kindes  ertötere  ein  pinlichs  ansehen, 

IV.  Du  klagtest  in  vil  jemerlich, 

V.  Und  er  tröste  dich  gar  [134']  gütlich. 
VI.  Sinü  gutlichü  wort  durwunten  din  herz, 
VII.  Din  kleglichü  geberde  erweichte  du  herten  herzen, 
VIII.  Diu  müterlichen  hende  und  arme  hatten  ein  eilendes  ui 
bieten, 

IX.  Aber  din  kranke  lip  ein  kraftloses  nidersigen, 


4  kleider  u.  ere  J^?  12  bevelh  aKF  d.  geminten  jnnger  F  15  a 
ter  Aa  17  imledikeit  Aa  20  [in]  ir  erz.  Z  26  Uebes  fehU  A  28  < 
todeii  J'J  ersterben  «        31  durwüt^n  F 


Die  hundert  Betrachtungen.  319 

X.  Din   zarter  mnnt  sines  abgerannen   bifites   ein  minnek- 
liches  küssen. 

Eja  na,  ein  mftter  aller  gnaden,  behüte  mich  müterlich  in 
allem  minem  lebenne,  bewar  mich  gnedklich  an  minem  tode.  Owe, 
zarti  7röW;  sihe,  daz  ist  du  stände,  umb  die  ich  beger  alle  niine 
tage  din  diener  ze  sine,  daz  ist  dfi  grülich  stunde,  ab  der  herze 
und  sei  erschriket;  denn  so  ist  us  bitten  und  rufen,  denne  so  en- 
nreis  .ich,  zfi  weme  ich  arme  mensch  keren  sol.  Eja  dar  umb, 
In  grandioses  abgrunde  der  götlichen  erbarmherzikeit,  so  valle  ich 
lir  hotte  ze  vftze  mit  inneklicben  süfzen  mines  herzen,  daz  ich 
denne  wirdig  werde  diner  vrölichen  gegenwürtikeit.  Wie  mag  der 
«rerzagen,  oder  waz  mag  dem  geschaden,  den  du,  reinü  mfiter,  wilt 
behüten  ? 

Ach,  einige  trost,  beschirme  mich  denne  vor  der  bSsen  geisten 
jemerlichem  anblicke,  bis  mir  beholfen  und  behüt  mich  vor  den 
rientlichen  henden.  Min  eilendes  sfifzen  werde  von  dir  getröstet, 
min  t6tlichu  kraftlos!  von  dien  ögen  diner  erbermde  gutlich  an  ge- 
sehen, dine  muten  hende  werden  mir  denne  gebotten,  mine  ellend& 
wie  von  dir  enphangen  und  mit  dinem  rosvarwen  antlüt  vür  den 
hohen  richter  gefüret  und  in  ewiger  selikeit  bestetet. 

I.  0  du  gemintes  wolgevallen  dez  himelschen  vatters,  wie 
du  an  der  stunde  an  dem  krüze  zft  allen  dem  ussereu  smerzen  dez 
bitteren  todes  och  von  innen  genzklichen  wurde  von  aller  süzikeit 
ond  tröste  gelazen! 

II.  Du  hattest  ze  dinem  vatter  ein  eilendes  rüffeu, 

III.  Dines  willen  mit  dem  sinen  ein  ganzes  vereinen; 

IV.  Herr,  dich  turste  von  rechter  türri  liplich, 
V.  Dich  turste  von  grozer  minne  geistlich, 

VI.   Du  wurde  bitterliche  getrenket, 

VII.  Und  do  es  alles  volbracht  waz,  do  Sprech  du:  Consum- 
natum  est! 

VIII.  Du  werd  dinem  geminten  vatter  gehorsam  unz  in  den  tot, 

XI.  Du  bevelhde  dineu  geist  in  sine  vetterlichen  hende, 

X.  Und  do  verschied  din  edlü  sele  von  dinem  götlichen  Übe. 


7  f.  weis  Z       10  inneklicheiu  KFcc       14  einige]  ewige  AKaKF^       denne 
hlt  F        22  den  uss.  sm.  AF       32  werc  A 

21    Vgl.  Matih.  17,5. 


320  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit    HI.  Teil. 

Ach,  minneklicher  herr,  in  der  miDne  beger  ich,  daz  da  mir 
in  allem  lidenne  milteklieh  bi  sist^  daz  du  dinü  vetterlichu  oren  ze 
minem  rufenne  ze  allen  ziten  uf  scbliezest^  und  mir  mit  dir  eineo 
vereinten  willen  in  allen  dingen  gebest.  Herr,  erlösche  in  mir  allen 
turst  liplicher  dinge,  mache  mich  durstig  nah  [134^]  geisÜicbeQ 
dingen.  Zarter  herr,  din  bitters  trank  müsse  alle  mine  widerwerti- 
keit  in  süzikeit  verkeren.  Gip  mir,  daz  ich  in  rechten  sinnen  und 
guten  werken  stet  bis  an  den  töd  belibe  und  usser  diner  gehorsam! 
niemer  getrette. 

Kwigu  Wisheit,  min  geist  si  hüt  in  dine  hende  ergeben,  daz  l( 
er  an  sinem  jüngsten  hinscheidenne  von  dir  vrölich  werd  enphangeo. 

Herr,  gip  mir  ein  leben,  daz  dir  gevelJig  si,  einen  tod,  der 
wol  bereit  si,  ein  ende,  daz  von  dir  gesichert  si.  Herr,  din  bittere 
t5d  ersch&zze  minü  kieinu  werk,  daz  an  der  stunde  schuld  und  büze 
genzklich  ab  geleit  si.  H 

I.  Ach  herr,  gedenke,  wie  daz  scharphe  sper  durch  din  git- 
lieben  siten  wart  gestochen, 

IL  Wie  daz  rosvarw  kostber  blüt  dar  us  trang, 

III.  Wie  daz  lebende  wusser  dar  us  ran, 

IV.  Owe,  herr,  und  wie  sure  du  mich  hast  erarnet, 
V.  Und  wie  vrilich  du  mich  hast  erlöset! 

Minneklicher  heiTC,   din  tieflFü  wunde  behüte   mich   vor  allen 
minen   vienden,   din   lebendes   wasser  reine  mich   von   allen  minen 
Sünden,  dins  rösvarwes  blfit  ziere  mich  mit  allen  gnaden  und  tagen- 
den. Zarter  herre,  din  sures  erarnen  binde  dich  zft  mir,  din  vrilichea  M 
erlosen  verein  mich  eweklich  mit  dir. 

I.  Ach,  uzerwclter  trost  aller  sünder,  süzü  küngin,  bis  hüt 
ermant,  do  du  under  dem  krüz  stund  und  din  kint  waz  verscheiden 
und  also  tote  vor  dir  hanget:  wie  hattest  du  do  so  menig  eilendes 
ufsehen,  31 

II.  Wie  müterlichen  sin  arme  von  dir  wurden  enphangen, 
III.  Mit  welen  trüwen  an  din  blfitvarwes  antlüt  getmcket, 


7  daz  ich  fehU  AZ        10  gegeben  AFF^        13  bereitet  A         20  hen 
fthli  F       und  fehlt  Z        erarnet  hast  Aa        26  dich  ew.  m.  mir  £* 

1  In  der  von  Christus  in  seinem  Leiden  erzeigten  Minne*  14  Vgl 

Kap.  14  gegen  Schluss  (2ö7j27  ff.). 


Die  hundert  Bi'trachtu!i(,'eii.  321 

vrischen   wunden,  ain  tätlich  anlliite  vod  dir  dur- 

V.  Wie  in^nig  totwunden  din  herze  do  enphieng, 
VI.  Wie  menitjen  inncklieheii  gnindlnseii  siifzen  dn  lieze, 
VII.  Wie  mengen  bitterlichen  eilenden  Irchen  du  rertestl 
VIII.   Dinä  eilenden  wort  waren  do  so  gar  klaglich, 
I\.  Diu  lulKeligü  gestalt  so  gar  tnirkltch, 
X.  Aber   din  ellendeB  herz  wnz   von    allen    menschen  un- 
Irostiich. 
p        Eya,  reini'i  vrow,   dez  sient  du  hat  ermant,  daz  du  Biet  alles 
miiies  lehemiea  ein  stetü  liüteriii  und  ein  getrüwii  wiserin.    Ker  dinü 
ögea,  du  muten  5gen  ze  allen  ziten  gegen  mir  erbermklich,  cnphahe 
mich  in   allem    göchene   möterlich,    behüte   mich    vor   allen    minen 
rienden  nnder  dinen  zarten  armen  getrüwlich.     Diu  trntliehs  küssen 
ßnner  wunden   si  mir   gegen   im  ein   liepUches   süneu,    din   tätlichen 
■VDnden  erwerben  mir  ein  hcrzkücbes  rutveii,  din  inneklicben  Biifzen 
bringen   mir  ein  Htetes  begeren,    und  iliu  bitterlichen  Ireheu  umssen 
min  [135']   hartes    herz   erweichen.      Dinü  kleglicliü   wort  sien   mir 
ftller   üppiger   rede   ein   ablegen,   din   trurklichü   geberde   aller   ver- 
'  Wener  geberde   ein    hinwerfen,   din  troBtloses   heize   aller   zergank- 
liclicr  minne  ein  vefsmahen! 

kl.  0  wunneklicher  glänz  dez  ewigen  Hechtes,  wie  bist  du 
in  disem  anblicke,  als  dich  min  scle  selber  under  dem  krüze  uf 
^er  schösse  diner  Irurigen  möter  also  töten  mit  klage  und  d&uke 
Ombvahet,  so  gar  erlöschen!  ErlSsch  in  mir  diebrinnenden  begirde 
sHer  untngende'. 

11.  0  ein  luter  klarer  Spiegel  der  gütlichen  majestat,  wie 
tij8lu  von  minnen  dur  mich  vernnreinet!  Reine  die  grozen  masen 
Urtner  missetat! 

III.  0  ein  schÄncs  lichtes  bilde  der  vätterlichen  güti,  wie  bist 
In  80  eutsübert!  Widerbringe  daz  cntstelt  bilde  miner  sele! 


I  Ton  dir  fihll  i-'  G  do/ehlt  AaFH  10  hllt  frhlt  AKaK  11  wspriu  A 
I  öt^n  da  fthtt  J*'*"'  euiilialie  -  13  mät.  fehlt  F  17  und  fehlt  F.^  und 
18  erw.  fehlt  FH       20  tinmu^cndeti  A       28  gruzeii  fthlt  E'       29  so]  nu  Z 

22  ff.  Die  fünf  fnlgmden  Betrachtuitgen  und  Begehfungt»  »tanim  mit 
inger  Ahireithu»!/  »cIi-ih  h»  SMwk  vnn  Kap.  19.  V'ffl.  auch  <Un  Prolog 
96. i&  ff-  '■ 


322  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit,    m.  Teil 

lY.  0  da  nnBchnIdiges  lembli,  wie  bist  du  so  jemerlich  ge 
handelt!     Busse  and  besser  nir  min  schaldig  suntliches  leben! 

V.  0  du  künig  aller  künige  und  ein  herre  aller  herren,  vei 
lihe  mir,  als  dich  nn  min  sele  mit  klage  und  jamer  umbvahet  i 
diner  Verworfenheit,  daz  si  von  dir  umbvangen  werde  mit  vr6de 
in  diner  ewigen  klarheit! 

I.  Minneklichü  reinü  müter,  biz  hüte  ermant  der  kleglicbe: 
gehab,  die  du  hattest,  do  sü  din  t5tes  kint  von  dinem  herzen  bracbeo 
II.  Des  jemerlichen  dannan  seheidens, 

III.  Der  eilenden  vüzstaphen, 

IV.  Des  jamrigen  herzen,  so  du  bin  wider  hattest, 

V.  Und  der  getrüwen  stetikeit,  die  du  ime  allein  in  allei 
sinen  n6ten  unz  in  daz  grab  leistest, 

Und  erwirbe  mir  von  dinem  zarten  kinde,  daz  ich  in  dinen 
leide  und  in  sinem  lidenne  alles  min  leid  und  liden  überwiDde 
daz  ich  mich  zu  ime  in  sin  grab  vor  allem  zitlichem  kumbe 
verschliesse,  daz  mir  ellü  disü  weit  bringe  ein  eilenden,  daz  ic 
nach  ime  allein  trage  ein  grundloses  jameren,  und  daz  ich  in  sisei 
lobe  und  in  dime  dienst  hab  unz  in  daz  grab  ein  stetes  blibei 
Amen. 


Do  dis  alles  bereit  Waz  und  an  papyr  geschriben  waz,  c 
stftnt  im  dennoch  usse  ein  wenig  ze  macbenne  an  einem  ende,  di 
unser  lieben  vrowen  zu  geborte;  und  hatte  dem  selben  ein  spacia 
gelazen,  unz  es  im  5ch  von  gotte  wurde,  wan  er  waz  do  neisv 
mengen  manode  gestanden  in  undcrgezogenheit,  daz  es  ime  nit  kon« 
werden.  Also  kam  er  sin  an  unser  vrowen,  daz  si  es  volbrechl 
Und  do  wart  [ISö""]  an  sant  Dominions  abent  ze  nacht,  do  m 
hatte  von  im  metti  gesungen,  do  waz  ime  vor  in  dem  schlafe,  v 
er  in  einer  kamer  were;   und  do  er  also  saz,  do  kam  ein  sch£ 


12  allein  im  F        13  sinen  fehlt  K'        18  allein  fehlt  Z         21  Do 
324,2  fehlt  Jt'^         22  ein  wen.  usse  AaE         26  uuderzogenh.  Z        25  f.  vi\ 

konde  E^ 

11  hin  wider  =  zu  deinem  toten  Kinde  surück,  22  Bezieht  sich  n 

auf  Kap,  16.  25  undcrgezogenheit  =  geistige  Trockenheit^  Enisiehung 

fühlbaren    Gnade.  27  In  der  Nacht  vom  4, — 5.  August  (Jb^est  des  kl.  . 

minikuSf  ffHiier  am  o.,  jetzt  am  4,  August), 


Niidiwort.  83ä 

jungling  in  gande  mit  einer  wünklichen  barphen,  nnd  mit  itne  vier> 

ander  janglinge    mit    gchalmicD.     Also  sas  der  jimgling  mit    der 

harpben  zfl  dem  brüder  und  begonde  sin  barphen  reisen  und  schone 

Df  klenken.     üaz  waz  dem  brftder  gar  luetlicb  ■m   bärenne,    und 

6 sprach   zü    im:   „owe,    wan    kemist   du  an   die  stat,    da  ich   wonen, 

daz  da  mir  etwcnne  also  hohen  niüt  mahtiBt!"  Do  vraget  der  jong- 

ling  den  br&dcr,  ob  er   noch  neiswaz  übange  beti,  die  er  neiswe 

lange   hatte   gehabt.     Do   sprach    er:    „jat"      Do   entwürte   er   und 

sprach:    „daz  ist  ein  bertes  spil,"    Also  kerte   sich  der  jungling  zfi 

Iv  dnii  vieren  mit  den  achalmien  und  epmch  zü  in,  daz  si  uf  bliesen. 

Do  antwürte  ir  eine  und  meinde,  es  were  gnftg  an  zwcio.    Dar  an 

ennolte  dise  nit   gn%  bnn   und  sprach,   sä  s&ltin  alle  satnent  uf 

dönen,  und  wiset  in  iif  neiswaz  tones,  den  der  selb  wol  verstönt; 

wan  der  bröder  kond  sin  nit  verstau.     Und  daz  geschah  also.     In 

15  den  dingen  geswinde  do  ensab  noch  enhorte  er  kein  seitenspil,  denne 

daz  er  sab,  daz  die  junglinge  under  banden  hatten   gar  ane  alle 

niagse  ein  lützeliges   bilde   ünserre  lieben  yrowen,  uud  daz  waz  ge- 

H'urket  an  etn   t&ch,   und   waz   des   bildes   mantel   gar   in   rot   und 

purjmrvar  mit  heidenschem  aelzemme  werke,  daz  einen  wünneklichen 

l  ®  aiiblik  gap,  und  daz  velt  daz  waz  wiss  als  ein  sehne.    Also  waz  der 

^     lirftder   in    einem    grozen    wunder    und    hatte   lust    an    der   gesibt, 

und  nam  war,   daz  sü  es  wollen  volbringen;    und  vollewurkten  des 

ersten  daz  velt.     Do  sprachen  sü:    „lüg,  wie  es  wachset!"    Und  do 

sah  er   es   us  würken,   und  do   nam   ir  einer   die   nadlun    mit   dem 

*  Taden  und  machet  vornan  uf  den  mantel  enzweres  über  gar  klftg 

fitricke,    und   die   ständen    als   recht   finticb   nnd   zierten   die   lieben 

vrÖwen  als  wöunekHch,     Und  in  dem  giengen  im  dft  ögen   uf  und 

*    do  verstünt  er  daz,  daz  er  nach  enkeinen  zwivel  dar  an  wolte  haben, 

fime  were  gegeben,  daz  er  daz  velt,  daz  lere  spacium  und  daz  geist- 
lich bilde  volbrecbte,  daz  im  solange  vor  beschlossen  waz;  wan  er 
waz  dez  gewennct,  daz  im  daz  vorder  gnfi  nach  alles  sament  wart 
1  «chonen  wünkl.  h.  Z  12  wi.It  Z  diae]  ct  F  16  alle  /eAK  V 
17  lieben /«Aft  AaE  waz  dftK  A'  20  der]  ein  Z  22  f.  von  ersteu  E^Z 
'S>  vi>r  all  V.^Z  den]  dein  Z         27  do  gieugeii  Aa         29  der  lere  sp.  £* 

81   naE  nach  gew.  Aa 

7  übunge  vioM  —  Katteiunff.     Denifit   fnOl  A.  3)   denkt  an  da»  Iten 
Spatium.  19  hcidensch  -  morgentändiach,  garagei»ach.         91  f.  Vyl  Uor-  13: 

nptandum,   quod   oi-iginale   hitiua   operü   (=  Bdrwl    eertis   tfmpoHlnis   et   noH- 
Itiri   in   prargenti'a    mni/nae   graliae    onseripliim   fiat.      Nnn   entm   pratdictiu 


^ 


324  Büchlein  der  Ewigeu  Weisheit.    Kegister. 

in  etlicher  glicheit  [136']  der  selben  wise.    Und  do  zehant  mornent 
wart  es  voilebracht  uf  sin  ende. 


Dis  buchlin,  daz  da  heisset  der  Ewigen  Wisheit 
buchli,  dez  sin  i^t,  die  götlichen  rainnC;  du  in  disern  jüngsten  zite 
beginnet  in  mengem  herzen  erlöschen,  in  etlichen  wider  enzündeu;  6 
und  dez  materie  ist  von  dem  anvange  bis  an  daz  ende  unsere  herren 
Jesu  Cristi  minneriches  liden,  und  wie  ein  frumcr  mensche  daz  selb 
bild  nach.sinem  vermu^^enne  mäz  ervolgen,  und  von  dem  wirdigin 
lobe  und  unsäglichem  leide  der  reinen  küngin  von  bimelriche.  L'nd 
hier  inne  sint  vermischet  in  togenlichcr  wise  zehen  materiell,  die  M 
usgenomenlieh  edele  und  nütze  sint: 

I.  Wie  etlichu  menschen  von  gotte  unwissentlich  werdent 
gezogen. 

U.  Von   einem  herzklichen  rüwenne   und  einem  muten  ver- 
gebenne.  1* 

III.  Wie    minneklich    got    ist,    und   wie   betrogen    der  weit 
minne  ist. 

Ein  usrichtunge  drier  dinge,  du  einem  minner  aller  meist 
m&chtin  an  gotc  widerstan: 

3  da  fthlt  Z  B  herzen]  menscheu  ¥  etlichem  Hl  6  und  ist  des 
materig  ¥  10  hie  inne  Z  11  nach  sint:  als  ob  geschriben  stat  K  (nicht A, 
wie  Denifle  503  A.  1  angibt!),  das  folgende  fehlt  in  K  12 ff.  die  Ziffern  ll 
rot  am  Rande  AKZ,  fehlen  E^FF^H  iinwiss.  v.  got  F^IIZ  19  an  ?ot 
moht.  E^Z 

discipulus  ....  videbatur  ibidem  habere  modum  agentxs  vel  dictaniis  (==  Uhit^i 
schriftlich  abfassen) ,  sed  modum  quemdam  divina  paiientis,  Nam  ...'  P^ 
revelationes  spirituales  habuit  et  quando  scribere  debuil  et  pene  singulas  mo* 
terias,  quas  scripsit.  4  f.  L.  c,  9:  heu  modernis  temporibus  mundo  iamswf^' 

cente  hie  amor  divinus  in  inuUorum  cordibus  tantum  refriguit  (vgl,  Matth,  2^W^ 
ut  pene  sit  extinctus  ....  Divina  sapientia  ...  in  praesenti  opere  intendii  pii*' 
cipaliter  non  quidem  informare  nescientes  . . .  sed  reaccendere  extinctoSf  fri^diß 
inflammare,  movere  iepidos  etc.    Die  Ausdrücke  finden  sich  fast  wörtlich  t«  ^ 
2)ominiku)<legende  (LecU  IV  der  Matutin)  des  Dominikanerbreviers.     Die  Kla^ 
über  die   Verderbtheit   der  Zeit  und  Betonung   der  Nähe  des   Mattendes  kffhri 
bei  Seuse  öfters  wieder  (Hör.  ö(),  105, 108,  104,  :i24;  Brief  Gustaie  im  Gr  Brßi 
Vgl.  auch  Gertrud,  Legatus  divinae  pietatis  IV,  4  (ed,  PF.  Solesmetis.  1, 3W: 
ut  (nämlich  durch  die  Offenbarung  dci'  Liebe  Jesu)  recaUscai  tarn  senescen»  tt 
amore  dei  iorpescens  mundus. 


Nachwort  der  separaten  Büchlein  der  Ewigen  Weisheit.  325 

IV.  Daz   eine  ist:  wie  er  so   zornlich   muge  geschinen  und 
doch  60  minneklich  sin; 

V.  Daz  ander:  war  umbe  er  sich  sinen  minnern  dicke  nach 
herzlaste  enzühet,  und  wa  bi  man  sin  waren  gegen würtikeit  erkennet; 
VI.  Daz  dritte:  war  umbe  es  got  sinen  vründun  als  reht  übel 
in  zit  gestattet.     Und  dis  hat  beschlossen  in  ime: 
VII.  Von  iemer  werendem  we  der  helle; 
VIII.  Von  unmessiger  vrSde  des  himelriches; 
IX.  Von  unmeziger  edeli  zitliches  lidennes; 
X.  Von  unsäglicher  güti  der  betrachtunge  des  gßtlichen  lidens. 
Das  ander  teil  dis  büchclins: 
I.  Wie  man  sol  lernen  sterben. 
II.  Wie  man  inrlich  leben  sol. 

III.  Wie  man  got  minneklich  enphahen  sol. 

IV.  Wie  man  got  grundlosklich  alle  stund  loben  sol. 

Daz   dritte   teil  hat   die   hundert  betrachtunge   mit   kurzen 
Worten,  als  man  sü  alle  tage  mit  andacht  sprechen  sol. 


Swer  dis  buchli,  daz  mit  fliss  geschriben  und  geriht  ist,  well 
ab  schriben.  der  sol  es  alles  samcnt  cigcnlich  an  Worten  und  sinnen 
8chriben,  als  es  hie  stat,  und  niit  dar  zu  noh  dur  von  legen  noh 
äü  wort  verwandien,  und  sol  es  denne  einest  oder  zwirunt  hier  ab 
ilarnehtklich  rihten,  und  sol  nut  sunders  dar  us  schriben,  denne  die 
bnndcrt  bctrahtung  ze  hindrost;  die  schrib  dar  us,  ob  er  well.  Wer 
iiw  üt  anders  tut,  der  sol  vurchten  gottes  räch,  wan  er  beröbet  got 
des  wirdigeu  lobes  und  dt  menschen  der  bessrung  und  den,  der 
sich  dar  zä  gearbeit  hat,  siner  arbeit.  Und  dar  umb,  wer  es  hier 
ttmb  nit  well  lassen,  das  müss  gerochen  werden  von  der  EWIGEN 
«VLSHEIT. 


4  bekennet  E^F  10  Von  —  lid.  fehlt  F  unsiigl.]  unmeziger  AE 
U  dis  buch,  fehlt  AaE  dez  b.  F^HZ  15  stunden  A  16  betr.  und  bege- 
liDge  Ea  16  f.  mit  k.  w.  fehlt  F  23  ob  er  well]  oder  F  24  im  fehlt  F 
^f.  nit  h.  umb  F        27  müst  fälschlich  bd  Deniflc  üOi  A.  L 

18  ff.  Das  hier  nach  E  gegebene  Xachwortj  dessen  V^orscJtrift^n  von  den 
ihreibem  aber  keineswegs  immer  befolgt  wurden  (in  dar  dieser  Hs,  Nr.  115 
\  ö'/**  polemisiert  ein  solcher  dagegen!),  findet  tiich  nur  in  den  separaten 
tchlein  der  etrigen  Weisheit;  es  fehlt  daher  in  AKcc^  doch  euch  in  E^  u.  F^, 
rL  (Uizu  noch  IVackernagel-Maiiinj  Gesch.  der  dtsch,  Lit,  1'  (lti79)^  430, 


Drittes  Buch. 


Büchlein  der  Wahrheit 


Hie  vaht  an  daz  drit  buch: 
Yon  inrelicher  gelazenheite  und  you  gutem  underscheide,  der 

ze  habenne  ist  in  vernunftikeite. 

Ecce  enim  veritatem  dilexisti,  incerta  et  occalta 
sapientiae  tuae  manifestasti  michi.  ( 

Es  waz  ein  mensche  in  Cristo^  der  hatte  sich  in  sinen  jungen 
tagen  geubet  nach  dem  ussern  menschen  uf  ellü  du  stüke,  da  sieb 
anvahendü  menschen  pflegent  ze  übenne,  und  beleip  aber  der  inr 
mensch  ungeübt  in  sin  selbs  [ISe^"]  nehsten  gelazenheit  und  befand 
wol,  daz  im  neiswaz  gebrast,  er  enwiste  aber  nit  waz.  Und  do  er  dai  H 
langü  zit  und  vil  jaren  getreib,  do  wart  im  eins  males  ein  inker, 
in  deme  er  wart  getriben  zä  im  selben,  und  ward  in  im  gesprochen 
also :  du  solt  wissen,  daz  inrlichü  gelazenheit  bringet  den  menscben 
zA  der  nehsten  warheit. 

Nu  waz  im   dis  edel  wort  dennoch  wild  und  unbekant,  ondlf^ 
hatte  doch  vil  minne  dar  zA,   und  wart  uf  daz  selbe  und  des  gliek 
gar  vestiklich  getriben,   ob   er  vor  sime  tode  iemer  dar  zu  möchte 
komen,  daz  er  daz  selb  bloz  erkandi  und  ze  gründe  crvolgti.   Al^ 
kam  er  dar  zä,   daz  er  wart  gewarnet  und  wart  ime  für  geworfen, 


Handschriften:  A  K N S S^  W f,  vgl  oben  8.  3;  B  =  BcrUn4'19U 
0=  Colmar  206:  a  —  1.  Druck  (1482), 

1  f.  Hie  vohet  au  das  dürte  böch  des  dicners  der  ewigen  wiszheit,  daz  ö 
gemäht  het,  und  seit  von  innerlicher  gelosseuheit  .  .  J?,  Überschrift  fM  Jf 
drit  buch]  ander  buchelin  (Bdew  fehlt!)  S  2  iuneclicher  K  7  da]  die  S 
9  nehstes  C        16  wart]  war  *S'        17  mohte  dar  zu  S 

4  f.  P8.  50ß.  —  Im  ersten  Druck  und  bei  Diepenbroch  ist  der  Prolog  fälsch' 
lieh  als  J.  Kap.  gesählt,  13  Vgl,  die  Frage  Stuses  an  Eckhart  Vita  23,4  f. 


Büchlein  der  Wahrheit    Prolog.  327 

daz  in  dem  schine  des  selbeD  bildes  verborgen  legi  valscher  gmnt 
Qngeordenter  friheit  nnd  bedecket  legi  groze  schade  der  heiligen 
kmtenheit.  Und  hier  abe  erschrak  er  und  gewan  etlich  zit  einen 
widerstoz  des  inren  rüfes  in  im  selben. 

Und  eins  males  do  wart  im  ein  kreftiger  inschlag  in  sich  selb 
und  Iahte  im  in  von  gfitlicher  warheit,  daz  er  hier  abe  kein  gedrang 
861te  nemen;  wan  daz  ist  ie  gesin  und  mfiz  iemer  wesen,  daz  sich 
daz  b6se  birget  hinder  daz  gute,  and  daz  man  dar  nmb  daz  gute 
nit  sei  verwerfen  von  des  bösen  wegen.  Und  meinde,  daz  in  der 
alten  e,  do  got  durch  Moysen  sinü  waren  zeichen  tet,  do  würfen  die 
zobrer  irü  falschen  dar  under;  und  do  Gristus  der  wäre  Messias  kam, 
do  kament  etlich  andere  und  erz6gten  sich  valschliche,  daz  sü  dcv 
selb  werin.  Und  also  ist  es  äberal  in  allen  dingen^  und  dar  uinbe 
i8t  daz  gute  nit  mit  dem  b6sen  ze  verwerfenne,  mer  mit  g&tem 
nnderscheide  ze  ns  kiesenne,  sam  der  götlich  mund  tfit.  Und  also 
meinde  es,  daz  gütü  vernünftigü  bilde  nut  werin  ze  verwerfenne,  du 
ir  klaren  vem&nftikeit  underwiirfliche  haltent  nach  meinunge  der 
heiligen  kristenheit,  noch  vernunftig  sinne,  die  gftt  warheit  inne 
tragent  eins  dumechtigen  lebennes,  werin  nit  ze  schühenne;  wan  sü 
entgrobent  den  menschen  und  zögent  im  sinen  adel  und  des  göt- 
Hehen  wesennes  ubertreifenlicheit  und  aller  andere  dingen  nihtikeit, 
daz  den  menschen  von  billich  ob  allen  dingen  reizet  zu  rehter  ge- 
lassenheit.  Und  also  kam  er  wider  uf  daz  vorder  getrifte,  da  er  zfi 
vermant  waz,  einer  warer  gelassenheit. 

Nu  begerte  er  von  der  ewigen  warheit,  daz  sü  im  guten 
nnderscheid  gebi,  als  verre  es  muglich  were,  enzwüsehent  dien  men- 
schen, die  da  zilent  uf  [137']  ordenlicher  einvaltikeit,  und  etlichen, 
die  da  zilent,  als  man  seit,  uf  ungeordenter  friheit,  und  in  dar  inne 
hewisti,  weles  weri  ein  rechtü  gelazenheit,  mit  der  er  kemi,  da  er 
hin  silte.     Also  wart  im  in  liehtricher  wise  geantwürt,  daz  dis  alles 


1  valscher  —  2  legi  fehlt  KN  5  do  fehlt  B  6  keinen  B  8  ver- 
"irget  under  d.  g.  B  11  ir  valscheit  B  13  weri  K  14  den  b.  K 
15  sam]  also  B  16  du]  durch  C  17  haltet  S  18  suue  (!)  Ä  21  we- 
"«nnes]  adels  B  übertriflicheit  6'  übertriffetilicheit  AB  22  dem  m.   B 

^  ut"i  US  6'       28  im  J?        29  keimi  A 

1  f.  Es  ist  hier  die  quietistische  Gelassenheit  der  Begharden  und  Brüder  des 
^^am  Geistes  gemeifU  (ihre  Sätze  bei  Freger  /,  468^  besonders  Nr,  78, 111,  l:il), 
9.16  Subjekt:  Das  Einsprechen  der  göttlichen  Wahrheit.  10 f.  II  Mos, 

)3f.  11  ff.   Vgl,  Matth,  24,5,  11,  15  Jerem.  16,19. 


328  Büchlein  der  Wahrheit    Kap.  I. 

söltc  geschehen  nach  der  wise  einer  usgeleiten  bischaft,  als  ob  der 
junger  fragti  und  du  warheit  antwürti.  Und  wart  des  ersten  ge- 
wiset  zu  dem  kernen  der  heiligen  schrift,  us  der  dix  ewig  warbdt 
redet,  daz  er  da  sächti  und  liügti,.  waz  die  aller  geiertesten  und  ge- 
leptesten,  dien  got  sine  verborgenen  wisheit  hat  uf  getan,  als  da?or  fi 
stat  in  latine,  dur  von  liettin  gesprochen,  ald  waz  du  heilig  kristen- 
heit  dur  von  hielti,  daz  er  uf  sicherre  warheit  blibi.  Und  hier  ns 
luhte  im  in  also: 

I.   Kapitel. 

Wie  ein  gelazener  mensche  beginnet  und  endet  in  einikeite.  lO 

Allen  den  menschen,  die  wider  in  gefuret  son  werden,  den  ist 
fürderlich  ze  wissenne  ir  und  aller  dingen  erstes  begin,  wan  in  deme 
selben  ist  och  ir  jüngstes  lenden.  Und  hier  nmbe  sol  man  wissen, 
daz  alle  die,  die  von  warheit  ie  gesprachen,  die  koment  des  Aber 
ein,  daz  neiswaz  ist,  daz  liberal  daz  erste  ist  und  daz  einveltigest  ift 
und  vor  dem  nut  enist.  Nu  hat  dis  grundelos  wesen  Dionysins 
in  siner  blozheit  an  gesehen  und  sprichet  daz  und  och  ander  lerer, 
daz  daz  einveltig,  von  dem  geseit  ist,  mit  allen  namen  blibet  alze- 
male  ungenemmet;  wan  als  da  stat  an  der  kunst  Loyca,  der  name 
s61ti  US  sprechen  die  nature  und  redelicheit  des  genemten  dinges.  Nu^, 
ist  daz  kuntlich,  daz  des  vor  genanten  einveltigen  wesennes  natur 
endelos  und  ungcmesseu  ist  und  unbegriflFen  aller  kreatärlicher  ver- 
nünftikeit.  Dar  iimb  so  ist  kund  allen  wolgelerten  pfafTen,  daz  daz 
wiselos  wesen  5ch  namelos  ist.    Und  dar  umb  sprichet  Di onysins 


3  geschrift  B        4  f.  gelobten  C  gelobtesten  S        6  hetti  C  bettin 

—  7  dur  von  fehlt  K         7  er]   68-6'         11  die  fehlt  C         in   sond  gef.  K 

werdent  B        12  f.  den  selben  S       18  hier  inne  4^       14  ie  fehü  K  Ä)  ge- 
nanten B  genemmen  C       23  ist  es  C  ist  das  KN 

6  f.  Im   Vorspruch  des  Prologs.  16  f.   De  div.  nom,  /,  4 — 6:  VllfS^ 

17  Justin^  ÄpoL  II  c.  6'.-  Gregw  von  Naz,,  Or,  theoh  2:  Joh,  Damast^ 
Defide  orthod,  /,  4;  August,  In  Joann.  ir.  13  n.  5;  Thomas,  S,  Th.  1  q,  13(i*i' 
Kchhart  112,31  ff.  Weitire  Belege  bei  K  Krebs,  Meister  Dittrich  (Theodmcftt 
Teutonicus  de  Vriberg),  sein  Leben,  seine  Werke,  seine  Wissenschaft  (=sB<t" 
träge  zur  Geschichte  der  Philosophie  des  Mittelalters,  hrsg,  von  Bäumker  wi 
Hertling  V,  ö/e)   19()6,  65,  i>lii*f.  19   Vgl   Vita  176,7.     Thomas,  S.  TA.  1 

q.  13  a.  4  (nach  Aristoteles,  Metaph.  8  lü24  b  4):  ratio,  quam  signifieai  ffoweii, 
est  conceptio  intdlectus  de  re  significata  per  nomen:  vgl.  auch  ib.  a.tfad3. 
24  f.  De  div*  nom,  I,  1,  6;  De  myst,  Theol.  F. 


Büchlein  -Ut  Wahrheil.    Ka|i.  II.  329 

,n  dem  bftche  ron  den  g&tlichen  Damen,  daz  g:ot  si  uitwesen  oder 
ein  niht,  and  daz  ist  ze  verstenne  nach  alieni  deme  wesenne  und 
\hte,    daz    wir    ime    nmgen    nach    kieaturlicher    wise    zft    gelegen; 

vran  wsz  man  ime  des  in  s&lichcr  wise  zfi  leit,  duz  ist  alles  in 
I  etlicher  wise  falsch,   und   ire  lüggenungc   ist  war.     Lind  iis   dem  so 

m&hte  man  ime  Bpreehen    ein  ewiges  niht;   aber  doch,   so  man  von 

eime  dinge   reden  so),    wie  übertrelfeulirb    ald   übermerklich    es   ist, 

io  mbz  man  im  etwaz  namen  echepfen. 

Diser  stiller  einveltikeit  wesen  ist  ir  lehen  und  ir  [137']  leben 
listir   wesen.     Es  ist   ein   lehendn,    wesendü,    istigü   Ternäoflikeit, 

daz  sich    selber   veretat.   und  ist   und  lebt  selber   in   im  selber    und 

ist  daz  selb. 

\n  enkan  ich  es  nit  me  fiirbaz  her  us  bringen,    und  dis  heis 

ich  die  ewigen  ungeschaffen  warheit,  wan  ellfi  ding  da  siut  als  in 
Mr  ativii  und  in  ir  ersti  und  in  ire  ewigen  beginnt'.    Und  hie  beginnet 

und  endet  ein  gelazener   mensche  in  ordenlicher  ingenomenheit,  als 

hie  nach  wirt  bewiaet. 


II.    Kapitel. 

^  Ob  in  der  liühHtoii  eiiiikeit  kein  niiderlieit  inuge  hestmi. 

Der  junger  fragte  und  sprach  also: 

Mich  nimt  wunder,  sid  daz  also  isl,  da/  dis  eine  so  gar  ein* 
Hg  ist,  wannen  denne  komc  dil  manigvaltikeit,  die  man  ime  ztl 
Eine  kleidet  in  mit  wi»heit  und  spricfaet  im  du  wisheit,  eine 
|t  g&ti,  eine  mit  gerebtikeit  und  des  glich ;  so  eagent  die  pfatien 
Idem  glöben  von  der  gütlichen  drivaltikeit.  War  nmbe  tat  mau 
■Bit  bclihen  in  einer  einraltikeit,   die  es  selber  ist?  Mich  dunket 


I  dem  K.  n.  SN  6  von 
~~  iu]  selber  /elill  S  16  nflwi  [iindj  J 
"»  gtr  Ä        22  iiiiinigr*-4itkeit  A        i 


:  C        10  in'Btetigii  (!)  C        11  und 
ewigen)  cigueia  C       21  eine  fchll  S 
liuu  mit  ger.  —  glich  fehll  S 


it.  Dionygiuf,  De  eotl.  Hier,  II,  3.  6  Zu  niht  ejjl.  Vita  lii7,ö :  104,33; 

'W.IS.-  Dmifie  öll  A.  3  u.  ders.  im  Archiv  II,  iö3.  10—12  Die  Stelle 

^  «*  Ecihari  ]8tf.39  f. ,-  istigü  vernfinftikait  =  »ubiiftiertude  yerHünfliiitil 
'^.  il2l:  istikeit  =  Setn  (etsel,  oittr  =  Exinlen^  (ixi»teatiit),  von  Gott  oittr 
^  Srtaliir  autgesagt.  Seide  Ausdrückt,  die  bei  Eckkart  häufig  «ind,  ffä)t 
iucf  I.  14ßu  unriclilig  mit  easentialig,  tstmlia  wieder.  weBOD  kium  »ownhl 
4u  Stin  al*  die  Wtfetiheit  irssenUa)  beieichntn.  Vgl,  Ztaiific  iui  Archi«  II, 
tau  A.  4,  442.  14  f.  AOt  Dinge  haben  ihre  Ideen  in  Gott,  vgl.  Knp.  3  dm  Sdw. 


330  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  U. 

alles,   daz  dis  einig  ein  ze  vil  Werkes  habe  und  ze  vil  anderheite; 
ald  wie  mag  es  als  gar  ein  blozes  ein  sin,  da  so  vil  menigheit  i8tV 

Du  warb  ei  t  antwürt  und  sprach:  Disü  menigheit  eil  ü  ist  mit 
dem  gründe  und  in  dem  bödme  ein  einveltigü  einikeit. 

Der  junger  sprach:  Waz  heissest  du  den  grund  und  den  nr-  6 
Sprung,  ald  nit  den  grünt? 

Entwürt  der  warheit:  Ich  hcisse  den  grund  den  usqoal 
und  den  Ursprung,  us  dem  die  usflösse  entspringent. 

Der  junger:  Herr,  waz  ist  dazV 

Du  warheit:   Daz  ist  du  natur  und  daz  wesen  der  gotheit;lö 
und   in  disem  grundelosen  abgründe  siget  du  driheit   der  personen 
in  Ire  einikeit,  und  ellii  mengi  wirt  da  ir  selbs  entsetzet  in  etlicher 
wise.     Da  ist  och  nach  diser  wise  ze  nemenne  nüt  fromdes  werkes, 
denne  ein  stillü  inswebende  dünsterheit. 

Der  junger  sprach:  Ey,  lieber  herrc,  sag  mir,  waz  ist  denne  15 
daz,   daz   den   ersten   usblik  git   disem  selben   ze  werke,  und  aller 
meist  zä  sinem  eigenen  werke,  daz  da  ist  geberen? 

Du  warheit  sprach:  Daz  tftt  sin  vermugendü  kraft. 

Der  junger:  Herre,  waz  ist  daz? 

Du  warheit:    Daz  ist   götlich   natur  in  dem  vatier;  und  da 30 
in   dem  selben   ogeblicke   ist  es  swanger   berhaftikeit   und  werkes, 
wan  alda  hat  sich  in  der  nemunge  ünserrc  Vernunft  gotheit  ze  gotte 
geswungen. 

Der  junger:  Lieber  herre,  ist  dis  nit  eins? 

Du  warheit  sprach:  Ja,  gotheit  und  got  [138']  ist  eins,  und* 
doch  so  würket  noch  gebirt  gotheit  nit,  aber  got  gebirt  und  würket. 
Und  daz  kumt   allein  von  der  anderheit,   du  da  ist  in  der  bezeich- 
nunge  nach  nemlicheit  der  Vernunft.     Aber  es  ist  eins  in  dem  gründe; 

3  disü]  du  C  7  am  limide  In  libro  seiiteutianim  AK  8  ufflüi«se  A' 
11  singet  S  12  erlicher  C  V6  nemmennc  ABCK  15  eya  C  16  disenC 
17  sinen  ei^.  werken  C        ge  herben  (!)  C  geben  K        19  ist  [daz]  K 

3  f.  V(jl,  Kckhart  181,3.13  (gründe  hodem,  rivcr  und  quelle  der  gothei^y* 
114,33 f.:  fi3'^,'J5f,  7  Vgl  Fetr.  Lomh.,  1  Sent  dist.  5.  10  E€khart668^' 
daz  bildcriche  lieht  gütlicher  einekeit  daz  ist  einveltig  und  ist  doch  toesen  «*• 
nätüre,  16  ff.   Vgl.  Eckhart  lSl,10^rJ:  got  wirket y  diu  gotheit  wirket  wWi 

si  enhät  niht  ze  wirkenne^   in  ir  ist  kein  werc :  si  geluogete  üf  nie  kein  Wft- 
20ff.   Vgl.    Vita  185,5 ff,:  Eckhart  672,6 ff.:  386,^ff.;  160,15.     Thomas,]» 
1  Svnt.  dist.  5  </.  1  a.  1:  pat^ir  generat  virtute  essaitiae  vel  naiurae.  25 ff.  y^ 

die  eben  zitierten  Stellen  bei  Eckhart  und  Thomas,  S,  Th,  1  q,  39  a.  5.     TT«*«* 
Belege  bei  Denifle  515  A,  3. 


Bächlein  der  Wahrheit    Kap.  m.  331 

ffai)  in  der  g6tlichen  nature  ist  nit  anders  denne  wesen  nnd  die 
ffidertragenden  eigenschefte,  und  die  legent  äberal  nihtesnit  ztt  dem 
nesenne ,  sü  sint  es  alzemale ,  wie  bii  nnderscheit  haben  gegen 
dem  sü  sint,  daz  ist  gegen  ir  gegenwurfe.  Wan  g6tlichä  nature 
nach  dem  Beiben  gründe  ze  nemenne  ist  nihteznit  einveltiger  an  ir 
selb,  denne  der  vatter  in  der  selben  nature  genomen,  ald  kein  ftodrü 
persone.  Du  bist  allein  in  der  inbildunge  betrogen,  du  daz  an  büket 
nach  der  wise,  als  es  in  der  kreature  iet  in  getragen.  Es  ist  an 
im  Belber  einig  und  btoz. 

Der  junger  sprach:  Ich  merk  wol,  daz  ich  bin  konien  nf 
die  gnmtrüri  der  nehsten  einveltikeit,  für  die  nieman  inbaz  mag 
komtneD,  der  warheit  wil  füren, 

Im.  Kapitel. 
Wie  sich  d«r  mensche  und  all«  krcaturen  ewkiich  haben 
gehalten,  und  von  Irem  gewordenlieheri  nsbruche. 
Der  junger:  Ewigi'i  warheit,  wie  heiii  sielt  aber  die  kreaturen 
iltch  in  gntte  gehalten  V 
I     Entwürt:  Sü  sint  da  gesin  als  in  Irem  ewigen  exemptar. 
Der  junger:  Waz  ist  daz  exemplar? 
'         Du  warheit:   Es  ist  sin  ewiges   wegen  in  der  nemunge,   als 
f*  sieb   in  gemeinsam  kl  icher   wise   der  kieature   git   ze   ervolgennc. 
Und  merke,  daz  alle  kreaturen  ewkiich  in  gotte  sint  got  und  hein  da 
ciikeiuen  gruntlichen  nnderscheit  gehebt,  denn  als  gesprochen  ist. 

2  [nud]   die  leg.  A  3  kU  ze  [oialel  C         14  sich  der]   sicher  (!)  C 

'4t  [haben]  geh.  uud  haben  nud  tou  S  16  von  irem]  nf  iren  C  16  d. 
Jnn^f  fffjt  OjV        20  meiuunge  S        23  ist  fthü  C 

1  ff.  In  Galt  sind  nur  da»  Wcum  und  die  Wtchgelbegieliungen  ( Bela- 
*>«Uit),  und  ditte  aind  mü  dem  Wtsen  eins:  vgl.  Thomai,  S.  Th.  1  q.  29  a,  4; 
J'SSo.  3:  Denffte  im  Archiv  II,  438.  15  ushmch  ist  Übtrselsang  von  pro- 

«MIO  (fif  Bdfic  S03,4  nsfluK,  16  ff.  Zu  da-  hit-r  vorgeUgUn  scholaslischen 

^itnUhrt  offL  Vita  157^>;  187,1:  Eckhart  l'81,äO ff. :  334.31  ff.;  378^/.; 
^,30 ff.:  503,23;  Blumt  der  Hchaunng  bti  Preger  II,  429 f.  Kiklürung  mit 
'HUtren  Stiegen  bti  Denifte  617  A.3u.3;  fH8  A.  1;  ders.  in  HUt.-poL  Bl. 
fi,314ff  und  im  Arehie  II,  463 ff.;  530 ff.;  Krebs,  Meister  Dietrich  66,316: 
TAomos.  S.  Th.  1  q.  4J  a.  3  schreibt  in  Übereinstimmung  mit  Seugt:  licet  ffiirmae 
■ttmplaritl  maltipUcentar  sec.  rtspeclHm  ad  ans.  tarnen  nun  «tnt  realiter  aliud 
dirina  tfsenliii,  prnut  eins  simililudn  a  divirsis  parlicipari  pnleet  diver^imode. 
ie  igitur  ipst  iJeus  ett  primum  txemplar  omnium.     Vgl.  auch  l.  c.  q.  15. 


332  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  III. 

Sü  sint  daz  selb  leben,  wesen  und  vermügen,  als  verre  sü  in  gotte 
sint,  und  sint  daz  selb  ein  und  nit  miimre.  Aber  nach  dem  ns- 
schlage^  da  su  ir  eigen  wesen  nement,  da  hat  ein  ieklichs  sin  sander 
wesen  usgescheidenlich  mit  siner  eigenen  forme,  du  im  natürlich 
wesen  gibt;  wan  forme  gibt  wesen,  gesündert  und  gescheiden,  beidi 
von  dem  götlichen  wesenne  und  von  allen  andren,  als  du  naturlich 
forme  dez  Steines  git  im,  daz  er  sin  eigen  wesen  hat.  Und  daz  ist 
nit  gottes  wesen,  wan  der  stein  ist  nit  got,  noch  got  ist  nit  der 
stein,  wie  er  und  alle  kreaturen  von  im  sint,  daz  sü  sint.  Und  iu 
disem  usfluzse  da  haut  alle  kreaturen  iren  got  gewunnen,  wan  l 
da  kreature  sich  kreature  vindet,  da  ist  si  vergichtig  irs  schephers 
[138  ^  und  ir  gottes. 

Der  junger:  Lieber  herre,  weder  ist  daz  wesen  der  kreatore 
cdeler  nach  dem  und  es  in  gotte  ist,  ald  nach  dem,  als  es  in  im 
selben  ist?  H 

Du  warb  ei t:  Daz  wesen  der  kreature  in  gotte  ist  nit  krea- 
ture, aber  die  kreaturlicheit  einer  ieklicher  kreature  ist  ir  edeler 
und  gebruchlicher,  denne  daz  wesen,  daz  si  in  gotte  hat.  Wan 
waz  hat  der  stein  dest  me  oder  der  mensche  oder  kein  kreatore  in 
ire  kreaturlichem  wesenne,  daz  sü  ewklich  in  gotte  got  sint  ge-* 
wesen?  Got  hat  du  ding  wol  und  recht  geordent,  wan  ein  ieklichs 
ding  hat  ein  widerka|)hen  zfl  sinie  ersten  Ursprünge  in  nnder- 
würHicher  wise. 

Der  junger:  Ach  herre,  wannen  knmet  denn  sünde,  ald  box- 
heit,  ald  helle,  ald  vegfür,  ald  tüfel  und  des  glich?  * 

Entwürt:  Da  du  vernünftig  kreature  s61te  ein  entsinkendes 
widerinjehen  hau  in  daz  ein,  und  si  da  blibet  uz  gekeret  mit  un- 
rehter  angesehner  eigenschaft  uf  des  sinsheit,  dannen  kumet  tüvel 
und  ellü  bozheit. 


7  gestoines  B        im]   in  .V         9  von  fehlt  C         11  verichtijr  AS  ver- 
jchen  B  13   creatiiron    BN  lt>  kreatnren   BC         22  widerkaffen  -B^ 

24  f.  ald]  oder  (dreimal)  B        26  ald  helle  fehlt  B        26  da  fehlt  S       28  tf- 
«besehender  H 

5  Navh  arifitoteliac'h-scholastischer  Lehre  ist  die  Form  das  bestiwfnf*^^ 
Prinzip  der  Materie^  durch  das  sie  erst  aktuelles  Sein  gewinnt  (Arisiot,i  Jtf** 
taph.  1017  h  M;  10T2  a  14;  Thomas,  8.  Th.  1  7.  42  a,  1  ad  1  u,  ö.K  Vgl  He& 
ling,  Materie  und  Form  lti7L  11    Vgl,  Eekhari  2S4,12;   IbiJyö  f,    /M  <tt 

Kreatur  in  (Jott  (iott  selbst  ist,  so  bekennt  sie  ihren  ö'chöpfer  und  GcU  erst  •»• 
folge  ihres  Ausflusses,  d,  h.  icenn  sie  ein  wirkliches  Geschöpf  wird,  16 ff.  Ffl 

dagegen  Eckhart  ö3o,8:  alle  creaiüre  sind  edeler  ingote^  denne  sit  an  in  selben  sM 


Büchleiu  der  Wahrheit.    Kap.  IV.  333 


IV.  Kapitel. 

Von  dem  waren  iiikere,  den  ein  golazsener  mensche  durch  den 

einbornen  nun  nemen  sol. 

Der  junger:  Von  der  kreaturen  gewordenlichem  usbruche 
habe  ich  die  warheit  wol  verstanden.  Ich  horti  nu  gerne  von  dem 
darchbroche,  wie  der  mensch  durch  Cristum  sol  wider  in  komen 
nnd  sin  selikeit  erlangen. 

Du  warheit:  Es  ist  ze  wissenne^  daz  CristuS;  gottes  suu, 
etwas  gemein  hatte  mit  allen  menschen^  und  hatte  etwas  sunders 
?or  andren  menschen.  Daz,  daz  im  gemein  ist  mit  allen  menschen^ 
daz  ist  menschlichü  natare,  daz  er  och  ein  wäre  mensch  waz.  Er  uam 
an  sich  menschlich  nature  und  nit  persone;  und  daz  ist  in  der  wise 
E6  nemenne,  daz  Cristus  menschlich  natur  an  sich  nam  in  einer 
mteillichi  der  materien,  daz  der  lerer  Damascenus  heisset  in 
ithomO;  und  also  der  angenomennen  gemeinen  menschlichen  nature 
intwürte  daz  rein  blfitli  in  der  gesegneten  Marien  lib,  da  er  liplich 
^eziw  von  uam. 

Und  dar  umbe  so  hat  menschlichä  nature  an  ir  selben  ge- 
Qomen  kein  solich  recht,  —  wan  si  Cristus  hatte  an  genomen  und 
nit  persone,  —  daz  ieder  mensche  dar  umbe  sül  und  mug  in  der 
^Iben  wise  got  und  mensch  sin.  Er  ist  der  allein,  dem  du  uner- 
vilgklici)  wirdikeit  zu  gehört^  daz  er  die  nature  an  sich  nam  in 
der  luterkeit,  daz  im  mit  hat  gevolget  weder  von  der  erbsunde, 
noch  von  keiner  [139']  anderre  sünde;  und  dar  umb  waz  er  der 
alleine,  der  daz  verschulte  menschlich  künne  erlösen  mohte. 

Daz  ander:  aller  anderre  menschen  verdientü  werk,  die  su 
*ftnt  in  rehter  gelazsenheit  ir   selbes,    die   ordenent    eigenlich   den 


3  eingebornen  BCN  4  usbruche  fehlt  C  7  sin]  in  K  sol  er- 
'*Dgen  C  10  [daz]  daz  K  13  nam  fcMt  B  14  Damascenus  auch  am 
^nde  A         15  achonio  (!)  C         17  gczügnüsse  ('         18.2(>.334,14  am  Rande 

Ulm  A 

14  Joh,  Damascenus,  De  fide  orthodoxa  II L  IL  —  in  einer  unt.  der 
•itoterien  =  eine  individuelle  menschliche  Natur  (Den.  5:21  A,  :J),  15  f.  y'gl. 

ThomaSy  S.  2'h.  3  q,  31  a.  5  und  Eckharts  Kommentar  zu  Ekklesiastikus  (Archiv 
%Ö63,3()):  Christus  secundum  homintm  ex  purissimis  virginis  sanguinibus  est 
wwuUujfj  ut  ait  Damascenus  (De  fide  oi-th,  III,  :J).  17  gezow  =  oryanum, 

\ttrum0nlum,  fnV  die  Theologen  die  menschlicht*  Natur  in  Christus  nennen 
^.  ThamaSj  S.  e.  Gent.  4,41). 


334  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  IV. 

menschen  zu  der  selikeit,  du  da  ein  Ion  ist  der  tagende.  Und  iü 
selikeit  lit  an  der  voller  götlicher  gebruchunge,  da  alles  mittel  and 
anderheit  ist  ab  geleit.  Aber  du  einunge  der  infleischunge  Cristi, 
Sit  daz  si  ist  in  einem  persönlichen  wesenne,  so  überget  si  und  ist 
höher,  denne  du  einunge  des  gemütes  der  seligen  zfl  gotte.  Wao 
von  dem  ersten  beginne,  do  er  enphangen  wart  der  mensch,  do 
waz  er  werliche  gottes  sun,  also  daz  er  enkein  ander  selbstandoDge 
hatte,  denne  gottes  sun.  Aber  ellü  andru  menschen  d&  haut  ir  na- 
turlich uuderstandunge  in  irem  natürlichen  wesenne,  und  wie  genz- 
klich  s&  in  selber  iemer  entgant  ald  wie  luterlich  sü  sich  iemer 
gelazsent  in  der  warheit,  so  geschihet  daz  nit,  daz  sü  in  der  git- 
lichen  persone  uuderstandunge  iemer  übersetzet  werden  und  die  iren 
verlieren. 

Daz  dritte:  dirre  mensch  Cristus  hatte  daz  och  für  ellü 
menschen,  daz  er  ist  ein  höbt  der  kristenheit,  nach  glicher  wise  ze 
redenne  dez  menschen  höbtes  gegen  sinem  libe,  als  da  stat  ge- 
schriben,  daz  alle  die,  die  er  hat  fürsehen,  die  hat  er  vor  bereit, 
daz  sü  würdin  mitförmig  mit  dem  bilde  des  sunes  gottes,  daz  er 
der  erstgeborn  si  under  vil  andren.  Und  dar  umb,  wer  einen  rehten 
wideringang  welle  haben  und  sun  werden  in  Cristo,  der  kere  wcli 
mit  rehter  gelazscnheit  ze  im  von  im  selb,  so  kumet  er,  dar  er  8ol. 

Der  junger:  Herre,  waz  ist  rehtü  gelazscnheit? 

Du   warheit:   Nim   war   mit    merklichem    underscheit  diser 
zweier  Worten,   du  da  sprechent:  sich  lazsen.     Und  kanst  da  di 
zwei  wort  eben  wegen  und  ze  gründe  prüfen  uf  ir  jüngstes  ort  undl 
mit  rehtem    underscheide   an   sehen,    so   macht   du  snelleklich  der 
warheit  bewiset  werden. 

Nu  nim  des  ersten  her  für  daz  erste  wort,  daz  da  heißset: 
sich  ald  mich,  und  lüg,  waz  daz  si.  Und  da  ist  ze  wissenoe, 
daz  ein  ieklicher  mensch  hat  fünfley  sich.  Daz  eine  sich  ist  üb' 
gemein  mit  dem  steine,  und  daz  ist  wesen;  ein  anders  mit  dem 
krute,  und  daz  ist  wahsen ;  daz  dritte  mit  den  tieren,  und  daz  M 
enphinden;   daz    vierde    mit  allen    menschen,    daz  ist,    daz  er  ^ 


1  tagen  B  2  lit  fehlt  S  5  einiguiig  B  IB  mensch  A  18  nit* 
formig  (!)  C  mit  formit  K  23  mercklicher  K  28  nu]  so  2r  30  fftnf  ^ 
eine]  erste  B        30  f.  das  ist  im  g.  C       32  ist  mit  d.  t.  IT        83  ist  mit  a.  m.1 

3  iDfleischunge  =  incarnatio;  vgl,  Thomas,  Ä  Th,  3  q,  2  a,  9.  7.9  fldV 
standiinge,  understandunge  =  auhsisUniia,  PersönlichkeiL  14  f.   Vgl,  EpkH 

1,22  f.  16flf.  Bim,  8,29;  vgl.  Thomas,  8,  Th.  3  q.  8  a.  1. 


feüchlein  der  Wahrheit.    Kap.  IV,  335 

gemeine  menschlich  nature  an  im  hat,  in  dem  du  andern  ellü  eins 
fliiit;  das  fünfte,  daz  im  eigenlich  zu  gehört,  daz  ist  sin  [139^]  per- 
sinlicher  mensch,  beidü  nach  deme  adel  und  och  nach  dem  züval. 

Waz  ist  nu  daz,  daz  den  menschen  irret  nnd  in  selikeit  be- 
ör5bet?  Daz  ist  allein  daz  jüngste  sich,  da  der  mensch  den  usker 
nimet  von  gotte  nf  sich  selb,  da  er  wider  in  solte  keren,  nnd  im 
selb  nach  dem  züval  ein  eigen  sich  stiftet,  daz  ist,  daz  er  von 
blintheit  im  selber  eigent,  daz  gottes  ist,  und  zilet  da  und  verflüsset 
mit  der  zit  in  gebresten. 

rV)         Der  aber  dis  sich  ordenlich  w51ti  lazen,  der  s61ti  drie  inblike 

ttn:  den  ersten  also,   daz  er  mit  eime  entsinkenden  inblike  kerti 

auf  die  nihtekeit  sins  eigenen  siches,  schowende,  daz  daz  sich  nnd 

nnd  aller  dingen  sich  ein  niht  ist,   us  gelazsen  und  ns  geschlozsen 

^    Ton  dem  ichte,  daz  du  einig  würkende  kraft  ist.     Der  ander  in- 

N^blik  ist,   daz  da  nit  übersehen   werde,   daz  in   dem  selben  nehsten 

gelezse  iedoch  sin  selbs  sich  alwegent  blibet  nf  siner  eigen  gez6w- 

Hoher  istikeit  nach   dem  usschlage,   und  da  nüt  ze  male  vemihtet 

Wirt.    Der  dritte  inblik  geschiht  mit  einem  entwerdenne  und  friem 

L    nfgebenne  sin  selbs  in  allem  dem,   da  er  sich  ie  geffirte  in  eigener 

n^tngesehner  kreatürlichkeit,    in   unlediger    manigvaltikeit  wider   die 

g5tlichen  warheit,  in  liebe  ald   in  leide,   in  tünne  oder  in  lazenne, 

also  daz  er  mit  richem  vermügenne  sich  wiseloseklich  vergange,  und 

im  selb  unwidernemklich   entwerde   und  mit  Cristo  in  einikeit  eins 

L    werde,   daz  er  us  disem  nach  einem  injehenne  allü  zit  würke,  ellü 

piding  enphahe,  und  in  diser  einvaltikeit  ellü  ding  an  sehe.     Und  dis 

gelassen  sich  wirt  ein  kristförmig  ich,  von  dem  du  schrift  seit  von 

Paulo,  der  da  sprichet:  ^ich  leb,  nit  me  ich,  Cristus  lebt  in  mir.** 

Und  daz  heiss  ich  ein  wolgewegen  sich. 


8  och  fehlt  B  12  sich  es  scliowendes  K  14  einig]  eine  C  17  iti- 
keit  C  nüt]  mit  S  18  einem  fehlt  C  26  f.  von  sante  P.  BN  28  heiss 
^]B 

3  i>.  Ä.  sowohl  dem  Geiste  (adel),  als  dem  Leihe  ( züval,  accidens;  ähnlich 

i^ekhart  158^12  f)  nach;  vgl.  dagegen   Vita  10:J,Wff.  13  Die  geschaffenen 

iHnge  im    Vergleich  mit  Gott  als  Nicht  zu   bezeichnen  ist  den  Mystikern  ge- 

Öit^;  vgl,  August.,  Soliloq.  I,  1,3:  iJeus  . . .  extra  quem  nihil;  Inps.  134  n.  4; 

Omf.  VII,  11;  Bernardus,  De  consid.  V,6;   Thimias,  De  ven't.  q.  8  a.  7  ad  2; 

Ä  Th.  2,2  q.5a.l  ad  2;  Eckhart  136,23  ff. ;  222,35  f.    Weitere  Belege  im  Archiv 

il,  515  /.  14  icht  =  das  göttliche  Wef^en.         22  wiseloseklich  =  ohne  auf 

tÜes  oder  jenes  zu  achten  ("wise  =  die  Art,  sich  zu  gehen).  27  Gal.  2,20. 


33G  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  IV. 

Nu  nemen  wir  daz  ander  wort  her  für,  daz  er  spricht:  lazsen. 
Daz  meinde  er  ufgeben  oder  verahten,  nut  also,  daz  man  es  müg 
gelazsen,  daz  es  zenial  ze  nibti  werde,  denn  allein  in  der  verahtODge, 
und  denn  ist  im  gar  rebt. 

Der  junger:  Gelobet  si  du  warheit!  Lieber  herr,  sag  mir, 
blibet  eime  seligen  gelazenen  menschen  ätzet? 

Du  warheit:  Es  geschihet  ane  zwifel,  wenne  der  gftt  und 
und  getrüw  kneht  wirt  in  gefuret  in  die  fröde  sins  herren,  so  ^irt 
er  trunken  von  dem  unmessigen  Überflusse  des  gAtlichen  hnses;  wan 
ime  [140']  geschiliet  in  unsprecbelicher  wise  als  einem  trunken 
menschen,  der  sin  selb  vergisset,  daz  er  sin  selbes  nit  ist,  daz  er 
im  selb  zemal  eutworden  ist  und  sich  zemal  in  got  vergangen  bat 
und  ein  geist  mit  im  worden  ist  in  aller  wise,  als  ein  kleines  wassere 
tröphlin  in  vil  wines  gegozsen.  Wan  als  daz  im  selber  entwirdet, 
80  es  den  smak  und  die  varwe  an  sich  und  in  sich  zühet,  also  ge- 
schiht  dien,  die  in  voller  besitzungc  sint  der  selikeit,  daz  dien  in 
unsprecbelicher  wise  ellA  menschlichu  begirde  entwichet,  und  io 
selber  entsinkent  und  ze  male  in  dem  götlichen  willen  versinkenL 
Anders  möhti  du  schrift  nut  war  sin,  da  da  sprichet,  daz  got  sol 
werden  ellu  ding  in  allen  dingen,  wcre  daz  des  menschen  in  deoi 
menschen  üt  blibi,  daz  nit  zemal  uz  im  gegozsen  wurdi.  Da  blibet 
wol  sin  wcscn,  aber  in  einer  anderü  forme,  in  einer  andern  glorie 
und  in  eime  andern  vermugenne.  Und  daz  kumet  alles  von  ir  sclbs 
grundlosen  gelazsenheit. 

Und  sprichet  dcnnc  uf  den  vordem  sin  also:  ob  aber  kein 8 
mensche  in  disem  lebenne  als  gelazsen  si,  daz  er  daz  volkomenlidi 


2  inaint  K         7  am  Bande  Bernardus  ÄS^  im  Text  K  9  den  nun« 

überflüzen  C       10  unussprechenlicher  B        12  zemal  fehlt  8       14  wan]  und  (^ 

17  urisprcchenlicher  B         17  f.  im  selber  K         18  entsinket  C  22  [ändert] 
forme  C        23  eime]  einer  S 

1  er  bezieht  sich  wohl  auf  ChHftius  (vgl.  Matth,  16,24:  8%  quis  tuU  ]^ 
me  venire^  abneget  semetipsum  etcJ,  7  BeniarduSj  De  dilig,  Deo  c.  10  u.  1^ 

(vgl  EpittU  11  fi.  8)  ist  von  hier  bis  337,0  teilweise  wörtlich  henütsi:  tigl  1'«^ 
Ib7yl7  ff»  Dass  Bernhard  (und  Sense)  das  Kingehen  der  Seele  in  Gott  ni(^ 
in  jtantheistischim  Sinne  fasst,  sondetfi  scharf  ihre  Selbständigkeit  tcahrt,  ^di^ 
J,  Bies,  Das  geistliche  Leben  in  seinen  Entiricklungsstufen  nach  der  Lehre  dw 
hl  Bernard  1906,  306  f   gut  gegen  Hai-nack  fiavh,  7  f.   Matth.  2ö,33. 

9  Vgl  Ps.  3^t,i).  13  I  Kor,  6,17:  qui  adhaeret  domina,  unus  spiritMS  rt*. 

19  f.  Ebd.  Iö,ü8.  25.337,4  Nämlich  dtr  Jd.  BemJiard,   />«  dil  Deo  15 

n,  39  und  Ep,  11  n,  S, 


Biichldii  der  VValirli.:it,    Kap.  r\'.  337 

begriffen  habe,  ilaz  er  des  siueheit  iiieinei'  ane  gesefae  in  lieb  noeli 
in  leide,  dünn  <laz  er  »Izemal  sich  eelb  dtir  got  minne  und  meine 
awh  der  aller  volkoninesten  begriffcnbeit,  des  kan  ich  mich  — 
fprichet  er  —  nit  veretan,  ob  es  ist.  Die  gangen  her  für,  diu  im 
igelflit  hein,  wau  nach  niinem  versteune  ze  sprechenne,  so  dunket 
es  mich  nüt  ujuglich, 

Usaer  diser  rede  aller  niacbt  du  merken  ein  antwiirt  diner  frage, 
vtti  ein  rehtü  gclazsenhclt  eins  goliefaen  edelen  meuschen  in  der 
lit  da  ist  nach  gebildet  und  gestcllet  nach  der  gelazsenheit  der 
wligen,  von  den  du  sehrift  seit,  minr  und  me  nach  dem,  als  deoue 
du  menschen  minr  und  me  geeiniget  ald  ein»  sint  worden.  Und 
merk  snnderlicb,  daz  er  »prichct,  daz  sA  6a.  entsetzet  werdent  dez 
iresbeit  und  übersetzet  in  ein  ander  forme  nnd  in  ein  ander  gun- 
lichi  und  in  einen  andern  gewalt,  Waz  ist  nu  du  ander  frörade 
forme,  denn  du  göllich  nnture  und  daz  gÖtliche  wesen,  in  daz  sü, 
and  daz  sü  in  sich  verfl5zent,  daz  selbe  ze  sinne  V  Was  ist  denne  ein 
ander  glorie,  denn  verkleret  und  vergiinlichet  werden  in  dem  isHgcn 
bellte,  daz  nit  zfiganges  hat?  Waz  ist  denne  ein  anders  vermügeii, 
denn  daz  von  der  selbsheit  [140'']  und  der  selben  einikeit  dera 
iTienschen  wirt  gegeben  ein  gotlichö  kralt  und  gotliches  veniiügen 
in  löime  nnd  in  lazsennne  alles,  daz  ir  selikeit  z(\  gebäret?  Und 
^  wirt  der  menseh  entmenschet,  als  geseit  ist. 
^  Der  junger;  Herre,  ist  dis  inugUob  ia  der  zit;* 
V  Du  warheit;  Du  selikeit,  von  der  gesprochen  ist,  mag  er- 
•^et  werden  in  zweierley  wiae.  Ein  wise  int  nach  dem  aller  vol- 
komnesten  ^rade,  du  über  alle  müglicbeit  ist,  und  daz  mag  nitgesin 
in  diser  zit;  wan  zii  des  menschen  natnre  höret  der  lip,  des  aianig- 
*altig  gedrang  widersprichet  disem.  Aber  die  selikeit  ze  nemene 
Dach  teilbafter  gemeinsamkeit,  also  ist  es  muglieh,  und  dunket  doch 
Bieiigen   menschen   unmnglich.     Und  daz  ist  nit  unbilUcii.    wan  hie 

■      1  niemer]  in  ainer  K        5  versta 
WhiftMt  B       13  in  mit  ein  a.  f.  8 
"'dneiu  a,  g.  5        16  aiiidc  S         17 
'Ürre  S       26  liberal  müglicb  ABKS 

12  Beinardm  I.  c.  17 f.  /  Tim.  6,16.  251'.    Vgl.  Tboma»,  S.  Th. 

Uq.  184  lt.  2.  28ff.   Vgl.  Bdav  234,Uff.  und  Btr:.ardm,  De  dil.  Den  10 

\.S7:  htatum  dixirim  et  nanelum,   cui  lalt  aliquid  iit  hac  morlali  vita  raro 
titrdum  aut  rel  semcl,   tl  hoc  ipmm  mpHm  aut  umua  vix  miitntHti  »imtio 
tjierirt  donatum  est;   flrmo  S6  in   Cnnt.  n.  13:    lUke  commeiviam,  brttt  tiio- 
tnlum  tl  cxperimtntiim  ranini.     Zur  Erklärung  Rite  a.  a.  (I.  ä9b,lf'. 
B.  Scuaa.  Dealicba  Ssljrtfiaii.  22 


de  -S'        10  niicli  —  11 

me  /Ml  Blf 

13f.  [ein]  an.tcr  g.  B 

geliclie  (!)  S 

li^eu  C         21  zu  llöret 

V        23  der] 

29  teiUiaftiger  S 

338  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  V. 

her  enmag  kein  sin  noch  Vernunft  gelangen.  Wol  sprichet  ein  schrift. 
daz  man  vindet  einer  hande  menschen,  usgesundertü  und  geleptü 
menschen,  daz  die  sijen  so  gar  ^relütertes  und  gotförraiges  gemütes. 
daz  die  fügenden  in  in  standen  nach  gütlicher  glicheit ;  wan  sü  sint 
entbildet  und  überbildet  in  des  ersten  exemplars  einikeit,  und  koment 
neiswi  in  ein  volles  vergessen  zerganklichs  und  zitliches  lebenDCS, 
und  sint  verwandelt  in  götliches  bilde  und  sint  eins  mit  im.  Aber 
es  stet  dur  bi,  daz  dis  zu  gehöret  allein  dien,  die  dise  selikeit  in 
ir  h6hsten  hein  besessen,  ald  aber  etlichen  menschen,  Mrenigen  und 
den  aller  frärasten.  die  noch  mit  dem  Übe  in  dem  zite  gand.         I 


V.  Kapitel. 

Ton  den  hohen  und  ntitzen  fragen^   die  ime  dti  warheit  lies 
werden  von  der  gliehntisse  eins  gelassen  menschen. 

Dar  nah  kam  der  junger  in  eine  begirde,  ob  in  keinen  landeo 
ein   sölich   edeler  gelazner  mensch  weri,   der  dur  Cristum  warlichU 
wer  in  genomen,  daz  im  der  von  gotte  bekant  wurde  und  zft  siner 
heimlicher  rede  keme.    Und  do  er  in  disem  ernste  waz,  do  wart  er 
sinkende  in  sich  selb  und  in  der  Vergangenheit  siner  sinnen  dachte 
in,   er   wurde   gefüret   in   ein   vernünftiges   land.     Und   da  sah  er 
entzwüschent  himel   und  erde  sweben  ein  glichnüst,   als  ob  es  eins^ 
menschen   glichnüs  were,   bi  einem   krüze  in  gutlicher  gestalt,  nnd 
daz  zweierley  menschen  giengen  dar  umbe  und  kamen   nit  hin  zö- 
und  die   einerley   sahen  die  glichniis  an  nüwan  von  innan  und  not 
von   ussen,    die  andern   von   ussen   und  nit  von   innen,   und  waren 
beide   gekeret  mit  schlage   und  hertikeit  gegen  der  glichnüs.    Ako^ 
duchte   [141']  in,  daz  sich  die  glichnüs  her  abe  liezsi  als  ein  wes- 
licher  mensch,  und  sas  zft  ime  und  meinde,  daz  er  fragti,  waz  erze 
fragenne  hetti.  dez  wurdi  im  geantwurtet. 

1  am  Band:   Thomas  in  summa  .4  j^cschrift  A'         2  hiinde  fthlt  ^ 

div  so  g-ar  usges.  C  2  f.  treli'btu  [menschoiij  .S'  4  tutend  in  in  standet  5 
{)  ir]  in»m  UN  drin  S  10  mit]  nit  »S  in  den  ziteu  C  23  die  sahen  ^ 
20  f.  wesoloser  >S 

1    T/ioiridSj  S\  T/i.  l^ti  fj.  Gl  a.  5,  wo  er  von  den  virtutes  tarn  asutquenti^ 
diriitnm    similHudinem   handelt.  5     Vij}.     Viia   108,9  f.    und    Krebs,  3f. 

J)ietricli   1:J!:.  :jjr''.  241.    Heide   sl rauhten    sich   gq/en    die    richtige  A*}' 

fassan<i    und   Xachahinnng    dett    Vorhildes   ilJevifli-s  Krkhirung  53i)  A,  2  »roW 
unrichii(i). 


Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  V;  339 

Er  hftb  uf  und  sprach  mit  inrlichen  süfzen  sins  herzen:  ,,Achy 
igü  warheit,  waz  ist  dis,  ald  waz  betütet  disü  wunderlichü  gesieht?" 
M)  wart  im  geantwüitet  und  sprach  daz  wort  in  im  also: 

Disä  glichnäst,  die  dn  hast  gesehen,  betütet  den  einbornen  sun 
tes  nah  der  wise,  als  er  menschlich  nature  hat  an  sich  genomen. 
d  daz  du  nüwan  ein  bild  sehe  und  daz  selb  doch  unzallich  manig- 
tig  waz,  daz  betütet  ellü  du  menschen,  du  sinü  gelider  sint,  die 
I  süne  oder  sun  worden  sint  dur  in  und  in  ime,  als  du  zale  vil 
lieber  gelider  an  eime  übe.  Aber  daz  daz  hopt  übei*treffelich 
ein^  daz  meinde,  daz  er  der  erste  und  eingeborne  sun  ist  nach 
'  übertreflFenden  annemunge  in  die  selbsheit  der  gütlichen  persone, 
i  aber  die  andern  in  die  innemunge  überförmiger  einikeit  des 
ben  bildes.  Daz  krüze  betütet,  daz  ein  warer  gelazsener  mensche 
ih  dem  ussern  und  inren  menschen  alle  zit  sol  stan  in  sin  selbs 
rgebenlichi  in  alles  daz,  daz  got  wil  von  im  gelitten  han,  wannen 
i  kumt,  (laz  er  geneiget  si  in  sterbender  wise  daz  ze  enphahenne 
n  himelschen  vatter  ze  lobe.  Und  solichü  menschen  stant  adel- 
a  von  innen  und  gewerlich  von  ussen.  Daz  du  gestalt  als  güt- 
b  waz  bi  dem  krüze,  daz  bezeichent:  wie  vil  sü  lidennes  hant, 
j  hein  sü  ein  verachten  von  ir  selbs  gelazsenheit.  Wa  sich  daz 
pt  hin  kerte,  da  kerte  sich  och  der  lip  hin:  daz  betütet  die  ein- 
itikeit  der  getrüwen  nachvolge  sines  reinen  spiegellichen  lebennes 
d  guter  lere,  zu  der  sü  sich  vermügentlich  kerent  und  sich  dem 
cb  haltent. 

Die  einerley  menschen,  du  in  von  innen  an  sahen  und  nüt 
n  ussen,  bezeichnent  du  menschen,  die  Cristi  leben  an  schont  nü- 
m  in  der  Vernunft  nach  schowlicher  wise  und  nüt  in  abwürkender 
se,  da  sü  ir  eigen  nature  söltin  durbrechen  in  nachvolgklicher 
UDge  des  selben  bildes.  Sü  zühent  es  alles  nah  diser  angesiht 
der  nature  wollust  und  lediger  friheit  in  selb  ze  hilfe,  und  dunkt 

I  irirlichem  (,'N  2  jreschilit  C  4  t'ing-ebonien  HCN  10  meiude] 
in  B  11  anveimnij:e  (!)  S  einuiiiic  Xwa  personen  HC  12  inven- 
?e(!)  *S'  13  j^rewarer  -S'  15  ergebcnliclii  K  21  hin  daz  —  22  iiachv. 
ilt  K  22  nachvoljürunge  CS'  23  den  S  28  da]  die  C  uachvollik- 
ler  C       30  lebiger  .S' 

II  Vgl.  bei  Thomas,  S\  Th.  3  7.  4  a.  :2 :  7.  ;?6'  a.  4  die  Lehre  ron  der  as- 
nplio  hnmanae  nafurae  in  divitiatn  persmiam.  12  Die  Menschen  knnnen 
•   Vereinigung  mit  O'ott  niclit  aufnenoinmcn,    sondern    )iKr   eingenommen   icir- 

Vgl.  II  Kor.  3Jti:  Xos-  rern  ...  in  eanidm  imifffinem  ininsformamur 
?rformitf). 


340  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  V. 

sü  menglich   grob    und  unverstanden,    du   inen  des   selben   nit  ge 
hellent. 

Etliebfi  sahen  es  5ch  an  allein  nach  der  ussern  wise  und  nil 
nach  dem  inren,  und  du  schein  berte  und  strenge ;  und  us  dem  übenl 
sü  sich  strengklicb  und  lebent  behütklich  und  [141^]  tragent  den 
lüten  vor  einen  erberen  heiligen  wandel,  und  übersehent  aber  Crirtum 
von  innen.  Wan  sin  leben  waz  senfte  und  milte,  aber  disü  mensrhen 
hant  vil  slahennes  und  urteilent  ander  lüte,  und  dunket  sü  alles  da2 
unreht,  daz  ir  wise  nit  füret.  Disü  menschen  haltent  sich  unglicti 
dem,  den  sü  doch  meinent,  und  daz  merket  man  da  bi:  der  sü 
suchet,  sü  stant  nüt  in  eime  lazsenne  ir  selbz  noch  entsinkenne  ii 
nature  und  nach  verlust  der  dingen,  du  da  schirment  den  willen, 
als  gern  und  ungern  und  des  glich.  Und  hie  mit  wirt  der  wille 
behalten  und  beschirmet,  daz  der  mensch  nit  kumet  ze  gotlichen 
lügenden,  als  gehorsami,  lidberi,  unbehabenlichi  und  dero  glich; 
wan  sogtan  lügende  tragent  den  menschen  in  daz  bilde  Cristi. 

Der  junger  vieng  an  ze  fragenne  noch  me  und  sprach  al«): 
Sag  mir,  in  weler  benenten  wise  kumet  ein  mensch  zft  siner  selikeit? 

Entwürt:  Man  mag  es  nennnen  ein  geberlich  wis,  als  da  stet 
geschriben  an  sant  Job  ans  ewangelio,  daz  er  hat  gegeben  macht 
und  mügen,  gottes  sün  werden  allen  den,  die  von  nihti  anders  denne 
von  gotte  geborn  sint.  Und  daz  geschihet  in  glicher  wise,  als  man 
geberunge  nach  einer  intragender  gemeiner  wise  nemmet.  Waz  dd 
daz  ander  in  solicher  wiae  gebirt,  daz  bildet  es  nach  im  und  in  sich 
und  git  ime  glichheit  sins  wesens  und  würkunge.  Und  dar  umbe, 
in  einem  ;i:elazsenen  menschen,  da  got  allein  vatter  ist,  in  dem  sich 
nüt  zitliches  gebirt  nach  cigenschaft,  dem  werdent  sinü  ©«ren  nf 
getan,  daz  er  sich  da  verstat,  und  nimet  da  sin  selig  wesen  und 
leben  und  ist  eins  mit  im,  wan  ellü  dinge  sint  hie  eins  in  eime. 

Der  junger  sprach:   Ich   sich    doch,   daz   berg  und  tal  i^' 
und  wasser  und  luft  und  manigerley  kreature;   waz  seist  du  denne, 
daz  nüvvan  eins  si? 


4  den  iiiiiern  -V  scheinen  X  herti  und  strengi  S  5  behüt«»' 
klich  B  10  daz  fehlt  C  13  und  als  u.  S  15  gehorsam  Alia  18  be- 
nanteu  Ii  19  nemeii  ABCKS*S^cc,  der  Kontext  verlangt  nemmen  (vgl  2»^ 

US  u,  OS)        21  mugende  B        22  glicher]  gotlicher  S        30  ist  fehU  B 

20  Joh.  ]jJ:2  f.  27  eigeuschaft  =  unordentliche  Anhänglichkeü  «• 

sich  selbst   oder  an  irdische  Dinye   (Selbstt'gkeit),  das  Gegenteil  der  Gelost^ 
htü;  vgl.  Krebs,  M.  Dietrich  147,  '^22*, 


Büchlein  der  Wahrheit.     Kap.  V.  341 

Daz  luter  wort  entwürt  und  sprach  also:  Ich  sagen  dir  noch 
le:  es  si  denn,  daz  der  mensch  zwei  contraria,  daz  ist  zwei  wider- 
^ertigü  ding  verstände  in  eime  mit  einander,  —  fürwar  ane  allen 
ffifel,  80  ist  nüt  gut  lihte  mit  ime  ze  redenne  von  sulichen  dingen; 
an  80  er  dis  verstat,  so  ist  er  aller  erst  getretten  dez  halb  uf  den 
eg  des  lebennes,  daz  ich  mein. 

Ein  frage:  Weles  sint  du  contraria? 

Entwürt:    Ein  ewiges   niht   und   [142']  sin   zitlichü  gewor- 

mheit 

Ein  widerwerfunge:  Zwei  contraria  in  eime  sinde  nach 
Jer  wise  widerwerfent  alle  küuste. 

Entwürt:  Ich  und  du  bekomen  einander  nit  uf  einem  rise 
d  uf  einem  platze;  du  gast  einen  weg  und  ich  ein  andern.  Dine 
ageu  gand  us  menschlichen  sinnen,  und  ich  antwürt  us  den  sinnen, 
ie  da  sint  über  aller  menschen  gemerke.  Du  möst  sinuelos  werden, 
ilt  du  hin  zu  komeo,  wan  mit  unbekennen  wirt  du  warheit  bekant. 


Es  geschah  in  den  selben  ziten  ein  vil  grozü  endrunge  in  ime. 
ir  kam  underwilent  dar  zu,  daz  er  etwie  dike  zehen  wochen,  ald 
»inre  ald  me,  so  kreftekliche  entwürket  wart,  daz  im  mit  offenen 
iunen,  in  der  lüten  biwonuuge  und  ane  die  lüte,  sin  sinne  also 
ntgiengen  nach  eigener  würklicher  wise,  daz  im  überal  in  allen 
ingen  nüwan  eins  antwurte  und  ellü  ding  in  eime  ane  alle  nianig- 
altigkeit  disses  und  jenes. 

Daz  wort  hüb  an  und  sprach  in  im:  Wie  do,  wie  ist  es  nu 
evam,  hab  ich  reht  geseit? 

Er  sprach:  Ja,  daz  ich  vor  nit  mobt  glöben,  daz  ist  mir  nu 
'Orden  ein  wissen ;  aber  mich  wundert,  war  umb  es  vergange. 


3  verstanden  AB  5  altererHt  A^S  abrr  erst  C  13  ein  pl.  AK  ein] 
en  SN        18  ettwen  K        2,3  jenes]  enses  x        24  wie  do  fJdt  K 

8  Seine,  d.  h.  dts  Mcnscfun  zeitliche  Geirordinlieit  und  das  eirit/e  Nicht 
=  Gott)  sind  für  den,  der  auf  den  Wey  des  J.tb.nn  cur  wi/siiachin  Wr- 
^ifjung)  gelangt  ist,  eigentlich  keine  Gcf/ensäfze  mehr,  die  KnatPrlichkeit  fällt 
trissennassen  ab  und  Gott  alltin  bleibt.  Kähere  Erklär untj  und  Belege  lui 
miße  634  A.  4,      Vgl.  auch  Krebs  a.  a.  0.  VIS.  16  August.,  De  ord.  11,  l(i 

44:  JJeus  scitur  melius  nesciendo.    Vgl.  Vita  Iö7yl7  :  VjO.lO  und  unten  34(),bff. 
17  ff.   Vgl.  Vita  175,2:)  ff.  22  eins  =  Gott. 


342  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  V. 

Daz  wort  sprach:  Da  ist  es  vil  liht  noch  nit  gesuuken  nf 
sinen  weslichen  grünt. 

Der  junger  vieng  aber  an  und  fraget  also:  Wa  lendet  eins 
4i:elazsenen  menschen  verstandenheit? 

Entwürt:  Der  mensch  mag  in  zit  dar  zfi  komen^  daz  ersieh  5 
verstat  eins  in  dem,  daz  da  niht  ist  aller  der  dingen,  die  man  be 
sinnen  alder  gewörten  mag;  und  daz  niht  nemmet  man  nach  ver- 
hengter  wise  got,  und  ist  an  im  selber  ein  aller  weslichostes  iht. 
Und  hie  erkennet  sich  der  mensch  eins  mit  disem  nihte,  und  dis 
niht  erkennet  sich  selb  ane  werk  der  erkantnisse.  Aber  es  ist  hie  10 
verborgen  neiswaz  noch  inbaz. 

Ein  frage:  Seit  du  schrift  üt  von  dem,  daz  du  hast  genemmet 
niht,  nit  von  sime  nütsinde,  mer  von  siner  übertreffender  unbe- 
griffenheit? 

Entwürt:   Dionysius  schribet  von   eime,   daz  ist  namelos, IS 
und   daz  mag  sin   daz   niht,   daz  ich  meine;  wan   der  im  sprichet 
gotheit  oder  wesen,   oder  waz  namen   man  im  git,   die  sint  im  nit 
eigen  nach  dem^  als  die  namen  sich  bildent  in  der  kreature. 

Ein  frage:  Waz  ist  aber  daz  verborgen  inbaz  dis  vorgenan- 
ten  nihtes,  daz  da  in  siner  betütung  nach  diner  meinunge  alle  g6-  #| 
worden  ihtikeite  us  schliezende  [142"^]  ist?     Es  ist  doch  lutrü  eio- 
valtikeit;   wie  mag  daz  aller  einvaltigest  haben  inbas  ald  asbasV 

Entwürt:  Alle  die  wile,  so  der  mensche  verstat  ein  einunge 
oder  solich  ding,  daz  man  mit  rede  kan  bewisen^  so  hat  der  mensch 
noch  inbaz  ze  gänne;   daz  niht  mag  inbaz  in  sich  selber  nite,  m^i'' 
nach   dem,   so  wir  verstau  mugen,   daz  ist,   so  wir  ane  alle  ßrm- 
lichü  lieht  und  bilde,   die  sin  mugent,   werden  verstände,   daz  doch 


5  der  mag  A  6  in  dem]  sinden  C  9  disem]  dem  K  18  f.  unbe' 
griflicheit  B  19  dis]  des  AKS^a  22  haben  fehlt  C  24  ding  fthU  C 
reden  B        25  inbaz  mag  S 

10  ane  werk  d.  erkantn.  =  in  aiium  blossen  Schauen.  16  Ik  dit' 

nom,  /,  4— 6\-  VII,  3:  vgl  oben  328,16  ff.  und  Kap.  6.  26  ff.   Alk  m^^ 

sehen  Erkenntnishilder  sind  imagines  speculatoriae  et  umbraiibilss  (Bernardttii 
stnno  41  n.  11),  welche  Gott  nicht  zeigen,  wie  er  ist,  und  was  der  Mensch  ^ 
von  redet,  ist  dem  GeschaiUen  niemals  adäquat  (Bern.,  De  grad.  humil.  8  n,  22: 
ibi  ridei  invisibilia,  audit  ineffubilia,  quaenon  licet  homini  loqui;  vgl.sermotö 
in  Cant.  n.  14).   Die  höcliste  Stufe  der  Ekstase  aber  ist  das  Schauen  der  Wes€h 
heit  (rottes   ohne   .JUldtr  und  Formen'*   d.  h.    ohne   Phantasiebilder  und  oA«- 
geschaffene  specit:^  intelliyibilis.    Vgl.  Brief  X  {Estote  perfecti)  im  KlBfb  nwJ 
Krebs  a.  a.  O.  lii:^  f. ;  Thomas,  S.  Th.  ;,^^^  q.  174  a.  ^  sq. 


Büchlein  der  Wnhilitit.     Kap.  V. 


343 


jftciD  rerstentnisBe  mit  formen  imd  bilden  mag  erlangen.  Und  hie 
kan  man  nit  gereden,  wan  ich  ahten,  daz  sie  geredet  von  eiine 
dtt,7.  man  mit  der  rede  kan  bewisen;  waz  mau  nu  hie  von 
80  wirt  docii  daz  nibt  nihtesnit  beivieet,  waz  es  ist,  daz  uocli 
vil  lerer  und  büeber  werin.  Aber  daz  diz  nibt  sie  selb  du  ver- 
Mt  oder  wesen  oder  niecsen,  daz  ist  och  wo)  war  nach  <!em,  als 
ID  ans  dar  us  reden  mag;  es  ist  aber  nach  warheit  dez  selben 
Iferre  und  verrer,  denn  der  einer  fiuen  berlen  spreehi  ein  hakbank. 
I  Ein  frage:  Waz  ist  daz  gesprochen:  so  daz  geberlicb  niht, 
B  man  got  nemmet,  in  sieb  selber  kumet,  so  weis  der  mensche 
i  nad  des  keinen  underscheid? 

Entwürt:  Denne  ist  dis  niht  nüt  in  im  selber  unser  halii,  die 
He  es  solich  ding  in  uns  ist  würkende;  wenne  es  aber  in  sieb 
per  kumet  unser  halb,  so  wissen  wir  und  ocli  es  unser  halb  vun 
Itn  dingen  nüt. 

I  Ein  frag:   Des  bewise  mich  baz! 

'     Entwürt:  Verstast  du  nit,   daz  der  kreftiger  ent  worden  liehe 
wblag   in  daz  uiht   entschleht   In   dem   gründe   allen   underseheid, 

II  nach  wesunge,  mer  nach  nemunge  unser  halb,  als  geseit  ist? 

i|  Ein  frage:  Mich  rüret  noch  ein  wort,  daz  da  vor  get^prochen 
fe  daz  der  menseb  dar  zft  muge  konien  in  zit,  daz  er  sieh  ver- 
pde  eins  in  dem,  daz  io  ist  gewesen.  Wie  mag  daz  sinV 
I  Entwürt;  Es  spricliet  i;in  meister,  daz  ewikeit  ist  einleben, 
■  aber  /it  ist  und  alles  zit  in  sich  bescblüzset,  ane  vor  tind  ane 
(A,    Und  wer  in  Genomen  wirt  in  daz  ewig  nibt,   der  besitzet  nl 


2  geredent  B  3  mi  /Ml  C  6  oder  niessen  fehlt  K  7  man  feliU 
iS         B  eine  f.  berlin  B  huchbiuik  oder  eia  »täl  N  U  klaioeu  K 

'.Vierhalp  B        14  och  [eaj  C       15  disem  K       IG  di»  bewiseut  S       17  ein- 

dulicb  B        19  nät]  mit  S        21  mn^e  diir  tÄ  C        S3  am  Rande  Bueciue  A, 

Tut  S        24  zit  [ist]  K.S        25  nach  fehlt  C 

■  12ff.  Zur  Eiklärung  vgl.  Vita  Anm.  s«  1S9,1S  ff.  und  Dtitifle  öSü  A.  4. 
S  inschlog  ^  lagen omenheit;  ni  in  dem  gründe  ri-gänie:  Gölten. 
tS.  Botthiua,  Dt  consol.  philo».  V,6  («d.  Päpir  139,7J:  aettrnilan  mt 
fänabäia  vitae  tota  simitl  et  ptrfectu  possessio.  VgL  Vita  171,18  und  den 
«  Kommvitai-  be-i  Deniße  3ö*  A.  1 :  540  A.  1  und  im  Archiv  II,  4öü.  — 
Wim  hüehtten  Grade  dir  Beschavung  ftrantfurmatio  mgatiea,  vgl.  ohtn 
\  Vita  IO,23)  kein«  Reflexion  ataltfndtt,  »n  tftiss  die  6'tek  nicht,  ob 
Mmmcnjirin''  kan  odtr  lang  dauert,  sie  üt  äbrr  Zeit  nnd  Raum. 
4 IBO,  ä7 — 3Sf:  dai-  umht  dtr  »teatehe,  der  ikbtr  tit  erhaben  ist  in  etnkeit, 
tritt  nnt  goti,  riat  gat  vor  tüstnl  tmiia  näth  täntnt  jArrn  gtworM  hat. 


344  Büchlein  der  Wahrheit    Kap.  V. 

in  al  und  hat  da  nit  vor  noch  nach.  Ja,  der  mensch,  der  hüt  wiirdi 
in  genomen,  der  weri  nit  kürzer  da  gesin  nach  ewikeit  ze  sprechenne, 
denn  der  vor  tusent  jaren  in  wart  genomen. 

Jlin   wider  sprechenne:    Dis    innemennes    ist    der   nieusch 
allein  wartende  nach  sime  tode,  als  du  schrift  seit.  5 

Entwiirt:    Daz  ist  war  nach  einer  wirigen  und  volko-[14.V] 
mener  besitzunge,  aber  nüt  nach  einem  vorversüchennc,  minr  mid  nie. 

Ein  frage:    Wie   ist   es   aber   umb  daz  mitwürken  dos  inen- 
sehen  mit  gotte? 

Entwürt:  Daz  da  von  gesprochen  ist,  daz  ist  nit  ze  verstenne tf 
nach  Ijlozser  hellunge,  als  du  wort  hellcnt  nach  gemeiner  rede,  es 
ist  ze  nemenne  nach  der  ent^^angunge,  da  der  mensch  im  selber  not 
ist  blil)en  und  sich  in  daz  eine  bat  vergangen  und  eins  ist  worden; 
und  da  würket  der  mensch  nüt  als  mensch.  Und  us  disem  f:rande 
ist  ze  verstenne.  wie  dirre  mensch  in  ime  hat  alle  kreaturen  in  eini-  U 
keite  und  alle  wolluste,  ja  dennoch,  die  man  hat  in  liplichen  werken, 
ane  liplichü  und  geistlichü  werk,  wan  er  ist  es  selber  in  der  vor 
gesprochenner  einikeit. 

Und  merk  hie  einen  underscheit.    Die  alten  naturlichen  meister 
giengen  dien  natürlichen  dingen  nach  allein  in  der  wise,  als  sü  sintJO 
in  ir  natürlichen  Sachen,   und  also   sprachen   sü   och    dur  von,  und 
also   smakten   sü    inen   und   nit   anders.      Ouch   die   götlich   kristan 
meister  und  gemeinliche  die  lerer   und  heilig  lüte   nement  du  ding:, 
alse  sü  von   gotte   sint   us  geflozsen   und   den   menschen   nach  siine 
natürlichen  tode  wider  in  brin^^ent  mit  deme,   daz   sü  hie  in  sinem* 
willen  lebent.     Aber   disü    ingenomnü   menschen   nement  von  über 
swenker  inneblibender  einikeite  sich  und  ellü  ding  als  ie  und  ewklich. 

Ein  frage:  Ist  kein  anderheit  da? 

Entwürt:  Ja,  der  elit  es  relit  hat,  der  weis  daz  und  erkennet 


8  dem  [der]  C  7  veröricheuiie  S  10  da  vor  4^  12  uüt]  nu  C 

13  vordt'ii  A       20  alleiu]  allem  .S"        25  dorne  fehlt  6'       26  f.  überswenkiger  i^«** 
28  da  f'JiU  B         2S)  es  eht  CN 

Di  ff.  Die  Mihstil'a-  snr/eu,  die  Sttle  irerde  in  der  Beschauung  ^yoti- 
förmig-,  j^rcn/oUvt^  (dtificatiis) ,  v</L  Auf/u«l.,  de  irin.  XlVy  16  n,  24,26:  i^^* 
itardua,  De  dil.  De  11  n.  :2t>  (sie  afßci  deificari  est);  ThomaSy  In  3  Sent.  dl>^3* 
q.la.l:  Kvkhart  156,b:  :>4o,l4:  r,Sl,20f.:  013,VJ.38  u,  ö.;  vgl.  Vita  i'i:^- 
Ausführlir/ifr  iihvr  diese  Lehre  hei  Dcnijle  541  A,  1;  649  A,  'J ;  den.  lit^ 
XXXVI ß.:  XIV f.:  über  ihre  (rrundlaf/ai  hei  IHonysius  rgh  U,  K*t^ 
Pseudodioni/sius  lt)0  f,  190  ff.  19  naturl.  meister,  vgl.  349,13. 


Bttchlein  der  Wahrheit.    Kap.  V.  345 

sich  kreature,  nit  gebrestlich,    mer  voreintlich ;   und  do  er  iiüt  waz, 
do  waz  er  daz  selbe  un vereinet. 

Ein  frage;  Waz  ist  daz  gesprochen:  do  er  nüt  waz,  do  waz 
er  daz  selb? 
6        Entwürt:   Es  ist,   daz  sant  Johans  spriebet  an  sime  ewan- 
gelio:  „daz  geworden  oder  geschaffen  ist,  daz  waz  in  im  daz  leben." 

Ein  frage:  Wie  mag  nu  dis  bestan  in  der  warheit,  wan  es 
hillet,  als  ob  du  sele  zwei  iht  si,  geschaffen  und  ungeschaflFen?  Wie 
mag  daz  sin,  wie  mag  der  mensch  kreature  sin   und  nüt  kreature  V 

Entwürt:  Der  mensch  mag  nüt  kreature  und  got  sin  nach 
inser  rede,  mer  got  ist  drivalt  und  eins;  also  mag  der  mensch  in 
etlicher  wise,  so  er  sich  in  got  vergat,  eins  sin  in  dem  verlierenne 
und  nach  usserlicber  [MS""]  wise  scho wende  niessende  sin,  und  des 
glich.  Und  des  gib  ich  ein  glichnüst.  Daz  oge  verlüret  sich  in 
ßinem  gegenwürtigen  sebenne,  wan  es  wirt  eins  an  dem  werke  der 
gesibte  mit  sinem  gegenwurle,  und  blibet  doch  ietweders,  daz  es  ist. 

Ein  frage:  Wer  ie  die  schrift  bekande,  der  weis,  daz  du  sele 
in  dem  nihte  eintweder  mfiz  überförmet  werden  ald  aber  ze  nihte 
Werden  nach  dem  wesenne;  und  daz  ist  hie  nüt  also. 

Entwürt:  Du  sele  blibet  iemer  kreature,  aber  in  dem  nihte, 
^0  si  da  ist  verlorn,  wie  si  denne  kreature  si  oder  daz  niht  si,  oder 
ob  si  kreatur  si  oder  nit,  des  wirt  (hi  nütznüt  gedalit,  oder  ob  si 
sie  vereinet  oder  niL  Aber  da  man  noch  Vernunft  hat,  da  nimet 
nian  es  wol,  und  dis  blibet  dem  menschen  mit  einander. 

Ein  frage:  Hat  dirre  mensch  noch  daz  beste? 

Entwürt:  Ja,  nach  der  wise,  daz  im  daz,  daz  er  hat,  nüt 
wirt  benomen,  und  ein  anders,  ein  bessers,  gegeben.  Er  wirt  daz 
^db  me  und  luterlicher  verstende,  und  blibet  im  daz.    Aber  er  kam 


9  und  nüt  k.  sin  S  10  kreatur  Hin  imd  ^njt  [sin]  Ji  15  wan]  und  -S 
16  ietweder  B  17  ie  fehlt  C  der  i:»'schrift  K  bekenn  er  C  21  f.  oder 
^^  -  gedaht  fehlt  C        23  vereint  sie  S        25  besten  K 

1  Vor  seiner  Erschaffung  icar  er  ah  Idee  in  Gott  GoU  selbst  und  des- 
^^ib  uncereint.  bf,  Joh,  l,3f.     Vgl  Vita  lb6,9.  11  ft".    Die  Steh-  icird 

f-xn  etlicher  Weise"^  (dieselbe  Limitier luuj  heye'jnet  nftvrs  auch  hei  Tauler ^  v(jl. 
*^tnißi.  Bvga  XXXVII f.)j  d.h.  von  Gnaden^  nicht  von  Nattir,  eins  mit  Gott, 
*it  verliert  ihr  Wesen  flicht  und  i,st  mit  ihren  eigenen  Kniften  tätig  ( rgl.  ohen 
<^6,21f.  wul  Vita  188,1  ff.;  18U,19  ff.).  Das  Gl.'ichnis  vom  Äugt  ist  nach  Ar i- 
fioteles,  iJe  anima  '^2,425  h2(J:  vgl,  43t  a  1:  431  l>:J2:  ähnlivh  auch  Bcrnur- 
ius,  srmo  31  in  Cant.  n.  2.3  und  Kckharl  WSA  ff.  22    Vgl.   ViUi  180,11  ff. 

nd  Denifle  544  A.  1. 


34t)  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  V. 

noch  iiüt  dar  mit  disem  allem,  da  von  gesprochen  ist,  nach  dem  as- 
schlüge.  Sol  er  d«r  komen,  so  mftz  er  sin  in  dem  gründe,  der  ver- 
borgen lit  in  dem  vor  genemten  nihte.  Da  weis  man  nüt  von  nute, 
da  ist  nit,  da  ist  och  kein  da;  waz  man  da  von  redet,  so  verbunet 
man  es.  Nochdenn  so  ist  dirre  mensche  sin  nüt,  in  dem  im  blibet  I 
dis  alles  nach  dem,  als  vor  geredet  ist. 

Ein  frage:  Des  bewise  mich  bas! 

Entwürt:  Die  lerer  sprechent,  daz  der  sele  selikeit  lit  ze 
vorderlichest  dar  an:  so  si  schowet  got  bloz,  so  nimet  si  alles  ir 
wesen  und  leben  und  scbepfet  alles,  daz  si  ist,  als  verre  si  selig  ist,  l 
von  dem  gründe  dis  nihtes,  und  weis,  nach  disem  anblike  ze 
sprechenne,  von  wissenne  nüt,  noch  von  minne,  noch  von  nute  alze- 
male.  Si  gestillet  ganz  und  alleine  in  dem  nihte  und  weis  nit  denne 
wesen,  daz  got  oder  daz  nit  ist.  So  si  aber  weis  und  bekennet,  daz 
si  daz  niht  weis,  schowet  und  bekennet,  daz  ist  ein  usscblag  und  i 
ein  widerschiag  us  disem  ersten  uf  sich  nach  naturlicher  ordenunge. 
Und  wan  disü  innemunge  us  der  selben  adren  getrnngen  ist,  hier 
umb  so  macht  du  verstau,  wie  es  sich  gruntlich  haltende  ist. 

Ein  frage:  Ich  verstünde  es  gerne  noch  baz  us  der  warheit 
der  Schrift.  i 

Entwürt:  Es  sprechent  die  lerer:  swenne  man  bekennet  die 


1  allem]  allein  C  2  da  sin  i^  5  mensche  fehlt  S  6  geret  B 
8  sele  fehlt  C  9  schowent  C  nimet]  minnet  B  10  u.  leben  felM  C 
12  minnen  C        15  f.  und  [ein]  B        21  Augustinus  vor  swenne  K 

1  f.  usschlag  (vgl.  Vita  189,13)  ^  exitus  bei  Thomas  (De  verit,  q.SaJ 
ad  :2),  d,  i.  das  Wiederzusichkommen  des  Geistes,  auf  das  der  widerschlag  (Z,  16^ 
=  reditus,  die  Beflexion  folgt.  Den  Vorgang  schildert  anschaulich  der  hl  Bim- 
hard,  sertno  41  in  Cant.  n.  3;  De  dil,  Deo  10  n.  27.  5  Der  Mensch  ist  sti«^ 

selbst  ungewaltig  (vgl.  die  zu  Vita  188,13  ff.  zitierte  Stelle  aus  Eichard  tm 
St.   Viktor).  8  ff.   Es  ist  hier  die  Bede  von  der  höchsten  Kontsrnplationt- 

stufe  (unio  seu  mors  mystica,  matrimonium  spirüuaU);  vgl.  darüber  die  it«»- 
zu  Vita  189,19  ff.  und  besonders  Denifle  545  Ä.  5;  546  Ä.  2;  dsrs.,  Bcga  XlVI- 
Albertus  M.,  De  adhaer.  Deo  6  (ed.  Sailer  241):  et  sie  transformatur  }«<>' 
dammodo  ifi  Deum,  quod  nee  cogitare  nee  intelligere  nee  amare  nee  tnemorar* 
potest,  nisi  Deum  pariter  et  de  Deo.  Eckhart  491,7  f.:  so  diu  abegescheidenhfii 
kumet  uf  daz  hoehste,  so  icirt  si  von  erkennen  kennelos  und  von  minne  minnt' 
lös  finde  von  liehte  x:inster :  505,5:  si  (diu  sele)  sol  so  gar  ze  nihte  werdend^ 
ir  seihen,  daz  da  niht  eublibe  dan  got;  ähnlich  auch  500,8;  508,1;  509,Uf-' 
519,25  ff.  13  f.    Vgl.  Bernardus,  sevmo  23  in  Cant.  n.  16:  hie  vere  quiescit^fi 

iranquillus  D:us  iranquillat  omnia.  21  ff.  Augustinus,  De  Gen.  ad  lit.  IV. '2^ 

n.  J9ff.:   njl.  Comp,  thcol.  verit.    VII,  :J(j    und  Eckhart  263,22 ff.;  die  Lehn 
Dietrichs  con   FrAbtry  bei  Krebs  a.  a.  ().  i/ö"^.  * 


Biiclilpin  der  Wabrlii?it.    Kup,  V,  347 

kreatare  [144']  in  sich  selber,  daz  heisset  und  ist  ein  abentbe- 
bentnisse,  wan  so  siht  man  die  kreature  in  bilden  etlicher  nnder- 
Mheide;  sn  man  aber  bekennet  die  kreature  in  gotte,  daz  heisaet 
und  ist   ein   mörgenbekentniase,   und   so  schSwet   man  die  kreatare 

1  *ne  allerley  underscbeit,  .iller  bilden  eutbildet  und  entfliehet  aller 
gliclieit  in  dem  einen,  d&x  got  selber  in  aicb  selber  ist. 

Ein  frage:  Mag  sich  der  mensch  dta  nibt  verstan  in  digem 
zite? 

Enlwnrt:  Nach  geistes  wise  verstan  ich  nit,  daz  es  mug  sin; 

Nber  nach  der  vereinter  wise  so  verstat  er  sich  vereinet  in  dem,  da 
sich  die  niht  nüsset  und  geberlich  ist.  Dis  ist  wol,  so  der  lip  uf  der 
fiic  ist  nach  gemeiner  rede,  aber  der  mensch  ist  über  zit. 

Ein  frage:  Weder  geschiht  du  vereinunge  der  sele  mit  dem 
«csen  der  sele  ald  mit  ir  krefteu? 

i  Entwürt:  Daz  wesen  der  sele  wirt  vereinet  mit  wesenne  des 
DJhtes,  und  die  krefte  der  sele  mit  werken  des  nibtes,  die  werk  daz 
nibt  hat  in  im  selben. 

Ein  frage:  Ob  öch  dem  menschen  sin  gebresten  enpfaalleu, 
sld  oll  er  keinen  gebresten  mfige  dar  naeb   erz&gen,   so  er  siL-h  er- 

>  kennet  nochdenne  kreature,  nit  in  gebrestlicber  wise,  mer  in  ver- 
einter wise? 

Entwürt:  Als  verre  der  mensch  im  selber  blibet,  als  verre 
mag  er  gebresten  üben,  als  sant  Johannes  sprichet:  „nenien  vrir 
lins  des  an,  da/,  wir  mit  sunde  haben,  so  triegen  wir  uns  selb  und 

'  i*t  kein  warheit  in  uns."  Aber  als  verre  der  mensch  im  selb  nüt 
Wibet,  als  verre  wdrket  er  nit  gebresten,  als  och  sant  Johans 
sprichet  an   siner   epistele^   daz  der  mensch,    der  us  got  geborn  ist, 

2  bilder  S  6  ist  fehlt  B  7  aiht  fthlt  B  9  ich]  'ÜA  S  du  daz  £ 
« «firt  ver.  —  16  sele/eA«  C  16  uiid  —  nihtes  fehlt  S  17  niht]  nihtes  ABS 
IB  erzägen  A  erzägen  BC       34  betriegen  C       25  nüt]  mit  C       26  nit]  mit  C 

lü  nach  der  vereinter  wise  ^  in  der  Vereinigung  mit  Gotl.  hie  Myttiktr 
'"itH  tongt  von   „ilb*rformter"    Wtiet    (tranaformatio  tnystiea),  15  ff.    Vgl. 

£'kharl  536^4  ff.:  diu  ätlichen  dine  (das  ist  ir  geacbaffenheit  an  den  krefUn) 
^  Mibatt  üf  den  Personen,  and  daz  bloze  wenen  icirt  enpfangen  von  der 
Wäffli  einikfä  gotes  dne  widei-ßieeeti.  Über  die  Lehrt  vom  Wesen  der  i'eeU 
•*r  Sttltugruad  (rgl.  Vita  164,14)  Deniße  in  Biat.-pol.  hl.  76,  T85  und  Krebs 
•i- 0.0.  136 ff.,  70'ff.,3iy,23^.  2a  I  J,ih.  Iß.  2&fS.  Joh.  3,9.  ~ 

^  mU  Üolt  tertinigte  Seele,  Uhren  die  Mystiker,  teirkc  non  humana  simpli- 
ö>tr,  ätd  qaodam  modo  dieina  (Thomas.  In  3  Sent.  ditl.  34  g.  1  a.  II,  und  für 
dl»  Augenblick  der  Vereiniginiff  »ei  ihr  die  Sünde  unm/lglich.  Weiteres  bei 
l)mifte!.4t>A.7;  S49A.S;  dirs.  in  Zfda  34,  i03  und  Bvga  XL  Fi/. 


348  Büchlein  der  Wahrheit.     Kap.  V. 

entut  iiit  sünde,  noch  übet  uit  gebresten,  wan  der  götlich  same  blibet 
in  ime.  Und  dar  umb  dem  menschen,  dem  hie  reht  beschult,  der 
wiirket  niemer  werk  me  denne  ein  werk;  wan  es  ist  ein  geburt  und 
ein  grünt,  ja  nach  vereinunge. 

Ein  wider  werfen:  Wie  mag  daz  bestan,  daz  der  nieuscb 
nlt  mc  wiirke  denn  ein  werk?   Nu  hatte  doch  Cristus  zwivalt  werk. 

Entwurt:  Ich  achte,  daz  der  mensch  nit  me  würke  denn  ein 
werk,  der  nit  sehens  hat  zft  keinem  werke,  nnwan  als  du  ewige 
geburt  es  wurket.  Gebere  got  sinen  sun  nit  ane  underlaz,  Cristas 
hctte  naturlich  werk  nie  gewürket.  Da  von  ahte  ich  es  nit  wan  ein 
werk,  man  welle  es  denne  nemen  nach  menschlicher  verstcntnüst. 

Ein  w  i  d  e  r  w  e  r  f e  n :  Nu  sprechent  doch  die  heidenscben 
meister,  daz  enkein  ding  [144'']  entsetzet  wirt  siner  eigener  wir- 
kunge. 

Entwurt:  Der  mensch  wirt  nit  entsetzet  siner  eigenen  wür- 
kunge,  uier  si  blibet  da  unangesehen  nach  der  wise. 

Ein  frage:  Ob  du  kreatürlichü  werk,  die  dem  nieiisehen 
bliheiit  ze  würkennc,  weder  er  du  si  würkennde  ald  wer? 

Entwurt:  Sol  der  mensch  komen  zu  dem  vordem,  so  mözer 
tot  sin  der  widergeburt,  die  in  im  ist,  und  du  selb  widergeburt  vm 
erstanden  sin.  Als  wie,  daz  merke.  Alles,  daz  in  uns  kumet,  wan- 
nan  daz  ist,  wirt  es  nüt  in  uns  anderwerb  geborn,  so  ist  es  uns  niil 
nütze.  Du  widergeburt  ist  so  frouide  und  hat  so  wenig  me  ze  tüne 
mit  dem  übe  nah  ir  urstendi,  daz  du  nature  wurket  in  dem  men- 
schen als  in  eime  vernünftigen  tiere  solichü  werk,  du  zft  dez  men- 
schen lebenne  hörent,  und  hat  der  mensch  neiswie  nüt  me  ze  tnune, 
ja  in  würkender  wise,  als  er  hatte  vor  siner  urstendi;  mer  in  br 
sitzcn'ler  wise  so  wurket  es  disü  werk.    Und  dez  nim  ein  glichnisse 

10  lietto]  hat  A'  11  mcnschl.]  natürlicher  C  15  f.  Entw.  —  wörk. 
fMt  CK  18  si  ze  wiirkende  C  22  anderwert  *S'  25  ch'z]  dem  ^V  26;.^ 
horent  1t        28  es]  er  X 

12  f.    An.stoli'Ii'ft,  JJe  voclo  ß  ;?.S6"  a  cS,  rgl.  Thomas,  S.  Th.  1  q.  lO't «/.  .*>• 
15  f.    I)ie   Wirl'samkcU  der  iS.'denkräflr  i\st  in   der  höchsten  KontempM"^ 
hicht  <(ufgeh<tlnn,    es  nuti-rhleibt   nur   die  Rvßexion   darüber.     VtjL  JJeniHe  ''^' 
A.  :J  und  Krt'hs  a.  (i.  0.  17.!HS'''  mit  Bdeyv.n  aua  Thomas  u.  a.  19  tf.  i^f*" 

fohlende  Abschnitt  bittet  dem  Vcrstündni't  (jrottse  ^»'chwicrigkeit.  Nach  Dti\'ß* 
(i'n'fl  A.  (ji  untcrachi^id.t  Scuaa  eine  rein  natürliche  Witdcrgthurt,  die  der  Mt:nfch 
mit  dt  in  T'ure  (jontin  hat,  und  eine  f/nifftUchey  über  natürliche^  die  in  dernüch-^f* 
Antwn't  erklärt  wird.    Vgl.  auch  Fregcr  II,  23(ij  396  f.  26  vem.  tier  =  fl^»* 

m(d  ratiunale.  27  t'.  in  h(.»sitz.  wise  =  habitnalitcr.  28  68  =  daz  v.  tier 


Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  V.  349 

I  dem  gebranten  wine:  der  hat  nit  minre  materilicheit,  ein  kref- 
;er  and  stiller  uswürken,  denne  der  win,  der  in  siner  ersten  ge- 
rte  ist  bliben. 

Ein  frage:  Gib  einen  underscbeit  zwüschent  der  ewigen  go- 
rt und  der  widergeburt,  die  in  dem  menschen  ist! 

Entwurt:  Die  ewigen  gehurt  heiss  ich  die  einigen  kraft,  in 
r  ellü  ding  und  aller  dingen  Sachen  hein,  daz  su  sint  und  daz  sii 
ihen  sint.  Aber  die  widergeburt,  du  deme  menschen  allein  zft  ge- 
ret,  heis  ich  ein  vviderlenken  eins  ieklichen  dinges,  daz  gevellet, 
ier  in  den  Ursprung,  ze  nemenne  nach  dez  Ursprunges  wise,  ane 
es  eigen  anesehen. 

Ein  wider  wer  fem  Waz  würkent  denne  die  weslichen,  natür- 
lien  Sachen,  von  dien  die  natürlichen  meister  schribent? 

Entwurt:  Sü  würkent  natürlich  alles,  daz  du  ewig  gehurt  in 
n  menschen  würket  in  irem  geberenne,  aber  in  dem  gründe  ist 
von  nüt  ze  sagenne. 

Ein  frage:  So  du  sele  in  der  innemunge  vergat  nach  bekent- 
?se  und  aller  ir  kreatiirlichen  gebruchunge,  waz  ist  daz,  daz  denne 
■  US  lüget  nach  usrichtunge  der  usseren  sachen? 

Entwurt:  Alle  die  krefte  der  sele  sint  ze  krank,  daz  sü  mu- 
komen  in  diz  niht  nsich  solicher  wise,  als  da  vor  geseit  ist;  aber 
jhdenne,  so  man  in  disem  nihte  sich  also  verlorn  hat,  so  würkent 
krefte  daz,  daz  ir  Ursprung  ist. 

Ein  frage:  [145^j  Wie  ist  daz  verlieren  gestalt,  in  dem  sich 
•  mensche  in  gotte  verlüretV 

Entwurt:  Hast  du  mich  eben  gemerket,  so  ist  es  dir  vor  gar 
enlich  gezoget,  wan  wenne  der  mensch  im  selben  also  wirt  ent- 
men,  daz  er  weder  von  sich  noch  umb  nüt  niht  waiz  und  ze  male 
Jtillet  in  dem  gründe  des  ewigen  nihtes,  so  ist  er  wol  verlorn  im 
her. 

Ein  frage:  Ob  der  wille  zergange  in  dem  nihte? 

Entwurt:  Ja,  nach  sinem  wellende,  wan  wie  fri  der  wille 
.  80  ist  er  alrerst  fri  worden,  wan  er  bedarf  nit  me  wellen. 


8  f.   zu  gehorent  AJW         17  düj    disu  C         23  ir  fehlt  S        2G  mich] 
S       27  erzeiget  Ji        32  welhnidel  avüIjmi  C        33  ^verd^n  C 

13  die  nattirl.  meister  =  die  Philosophen,  hesondrrs  Aristoitles.  im  Unter- 
ed  von  den  Mustern  der  „r/ött/ichtn  Kuvst^,  den  Theologen:  rr/l.  Dtnijlc 
a  203.  15  Zu  in  dem  gründe  n-gänzt:  des  Xichtes. 


350  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  Y. 

Ein  wider  werfen:   Wie  mag  dem   menschen  sin  wiile  zer- 
gan?  Cristo  beleip  sin  wille  nach  wellender  wise. 

Entwürt:  Dem  menschen  vergat  sin  wille  nach  dem  wellende. 
daz  er  wil  usser  eigenschaft  würken,  nu  dis,  nu  daz;  und  hie  hat 
er*nit  werk  soliches  wellendes  in  gebrestlichcr  wise,  als  da  vor  i?t  6 
geseit,  mer  sin  wille  ist  fri  worden,  also  daz  er  nit  me  denne  ein 
werk  würket,  daz  er  selber  ist  nach  vereinter  wise,  und  ane  zit 
würket.  Mer,  der  es  uimet  nach  unser  rede,  so  wil  er  nihteznit 
Übels  würken  und  wil  ellü  guten  ding;  aber  eigenlich  so  ist  alles 
sin  leben  und  wellen  und  würken  ein  stillü  unberürtü  friheit,  die  10 
sicher  ane  allen  zwifel  sin  enthalt  ist;  und  denne  ist  er  sich  haltende 
in  geberlicher  wise. 

Ein  wider  werfen:    Der  usbruch  dez  willen   ist  nüt  in  ge- 
berlieher  wise. 

Entwürt:  Dirre  wille  ist  vereint  mit  götlichem  willen  und  i?t H 
nüt  wellende,  denne  daz  er  selber  ist,  als  vil  daz  wellen  in  gotte 
ist.  Und  daz  vor  gesprochen  ist,  daz  ist  nit  ze  verstenne  nach  einer 
insetzunge  sin  selbs  in  got,  als  es  gemeinlich  hillet,  es  ist  ze  ne- 
menne  nach  entsetzunge  sin  selbs,  wan  der  mensch  wirt  so  ;rar  ver- 
einet, daz  got  sin  grünt  ist.  * 

Ein   frage:    Ob   dem   menschen   blibe   sin   persönlich  ander- 
scheiden wesen  in  dem  gründe  dez  nihtes? 

Entwürt:  Dis  ist  alles  sament  ze  verstenne  allein  nach  de? 
menschen  nemunge,  in  der  nach  dem  inswebenden  inblike  in  ent- 
wordenlicher  wise  diz  und  daz  unangesehen  ist,  nü|  in  der  wesunge.il 
in  der  ein  ieklichs  blihet,  daz  es  ist,  als  sant  Augustinus  sprichet: 
la  Valien  dis  und  daz  gut  in  verahtunge,  so  blibet  lüter  gftti  in  ach 
swebende  in  sincr  blozscn  witi,  und  daz  ist  got. 

Ein  frage:  Der  mensch,  der  sich  verstat  daz  niht,  von  dem  J 
gesprochen  ist.  in  gebruchlicher  wise,   blibet  diz  dem  menschen  al-* 

wegent  V 


5  brestonlichor  ('  7  ane]  alle  V/.V  in  «  11  sicher]  sich  n  12  ber- 
lieher C  ^»-ebcnlichor  *S'  i:'>f.  berlieher  ("  16  als  v.  als  daz  H  17  sprocheni^' 
'IS  in  ^LTOt  —  19  selbs  fMl  K  25  wesenuffe  i!)  K  20  Aujrustinus  auch  a» 
Tiaudc  A        27  luter  ;;Ut  7/        29  verstat ]  iier  (!)  A' 

51.    Vf/l.  ohi-n  :i47,:^^ß\  11  f.    Kr  virkt  <hmn  die  Werke  GolU^i:  rf 

oben  :J47,:J(jff.  2()  JJc  Irin.  VIII,  3  n.  4, 


Bttchlein  der  Wahrheit.    Kap.  V.     •  351 

Entwürt:  Nein  es  in  gebruchlicher  wise,  mer  es  blibet  in 
einer  [145^]  behaltlicher,  unverlorner  wise. 

Ein  frage:  Oder  irret  daz  usser  daz  inre  fit? 

Entwürt:  Weren  wir  usser  zite  nach  dem  libe,  so  were  es 
ninre  bindrunge  verre  nach  etlicher  wise  an  hunger,  erbeite  und 
och  anders ;  aber  die  usser  geistliche  schSwunge  irret  nüt  daz-  inre, 
da  si  in  friheite  ist.  Onch  geschihet  es  underwilent,  so  die  natnre 
ie  näher  getrungen  wirt,  so  du  götliche  warheit  ie  richlicher  stat. 

Ein  frage:  Wannen  kumet  swarmiitikeit? 

Entwürt:  So  s&Iich  ding  nit  kumet  wan  von  natürlichen 
Sachen,  und  der  mensch  inwendig  fri  ist,  so  enahte  sin  nüt,  es  zer- 
gat  mit  dem  libe.  Were  aber  daz  inre  da  mit  vermischet  von  gründe, 
(lern  were  nit  rehte. 

Ein  widerwerfunge:  Du  schrift  der  alten  e  und  der  nüwen 
US  dem  ewangelio  lühtet,  wie  man  in  zit  dar  zu  nüt  mug  komen, 
daz  geseit  ist. 

Entwürt:  Diz  ist  war  nach  besitzunge  dez  selben  und  voller 
bekennnnge;  wan  daz  er  hie  versflehet,  daz  ist  alles  dort  volkomen- 
licher,  wie  es  daz  selb  ist,  und  für  verstände  mag  es  sin  uf  erden. 

Ein  frage:  Ein  mensch,  der  sin  ewiges  niht  beginnet  vcr- 
stan,  nüt  von  übertreflFender  kraft,  mer  allein  von  hören  sagenne, 
alder  ane  daz  von  ingetragnen  bilden,  waz  ist  dem  ze  tünne? 

Entwürt:  Der  mensche,  der  noch  nit  so  vil  verstat,  daz  er 
weis  übernatürlich,  waz  daz  vor  gesprochen  niht  ist,  da  ellü  ding 
^erdent  inne  vernihtet  nah  ir  selbs  eigenschaft,  der  laze  ellü  ding 
sin,  als  sü  sint,  ^az  im  für  kumet,  und  halte  sich  an  die  gemeinen 
lere  der   heiligen   kristenheit,    als    man    sihet  vil   gftter   einvaltiger 


5  erbeiton  C  6  irrut  A  7  da]  das  r  19  c^]  er  ACS  für  ver- 
standen B  förverstend  iS\fa  erde  AK  20 f.  W\x.  verstau]  verstat  />  22  [al] 
♦i^r  [ane  dazj  C        24  wisz  K        26  im]  iu  K        '21  iz riter  fehlt  K 

1  Die  Wirkunfjm  der  mi/stischen  Verein if/i<n(/  .find  der  -SVe/f,  wenn  sie  Irtu 

^My,  unverlierbar  (hahiinaliter)  eif/tn,  aber  nivJit  in  gcnitssendtr  Wt-isv  (actuu' 

^''/:r>.-  rf/f.  JJenijfe  5Ö1  A.  1  und  Kits  n,  a.  0.  Hon  A.  4.  1)    \',il.   Vita  6:JJ  f, 

19  für  verstände  =  üotr    Vers f and nis,    <tdcr    —  anstatt   des    Wrsti'indniases. 

^^fiiffe  (nac/t  B):  rorhfr  verstanden.  21  von  übeitrrt!'.  knift  =  infoftfc  der 

götiUchen  Kraft.  23  tl".    7>/i'  Mustil-er    l>eiamn,   dass    dir    (inadi,    der   !»/• 

fc/tauung   nicht   durch    dfjoie  Ihntüliang,    snndmt    nur  durch   dt  schenk  (iottts 

trreichhar  Jfci:  nicht  a/le  sind  dazu  hvntf<.n.      Val.  Jkrnardus.  sernto  (S?  de  dir. 

t.H:  aermo  H  in  Circumcis.  n.  V.j :    Ttnders  Lehr    h  i  Dniijl:,    lirf/a   XW'If. 

26  f.    Vf/l  Eckhart  496, 'JU  f. 


352  BUchleiu  der  Wahrheit.    Kap.  VI. 

menschen,  die  in  loblicher  heilikeit  lendent,  dien  doch  hier  zu  ii 
ist  geriiflfet.  Aber  ie  näher,  ie  besser.  Ist  im  aber  worden  i 
sicher  punct,  da  halt  er  sich  an,  und  ist  uf  dem  rehten  wege;  w; 
der  punct  haltet  sich  mit  der  heiligen  schrift.  Anders  dunket  mi 
sorgklich  ze  tünne,  wan  der  sich  hier  inne  versummet,  der  verg 
sich  eintwcder  in  unledikeit,  ald  geratet  aber  dik  in  ungeorde 
friheit. 


VI.   Kapitel. 

Uff  weleii  piincten  dien  menschen  gebristet,  die  valsehe 

friheit  fiirent. 

An  einem  lichten  sunnentage  do  sazz  er  eins  males  in  gezogt 
und  vcrdaht,  und  in  der  stilli  sins  gemütes  begegnet  ime  ein  ve 
nünftiges  bilde,  daz  waz  subtil  an  sinen  worten  und  waz  aber  ni 
geubet  an  sinen  werken,  und  waz  usbrüchig  in  flogierender  richhei 
Er  hftb  an  und  sprach  zu  im  also:  „wannen  bist  du?"  Es  spracl 
j,ich  kam  nie  dannen."  Er  sprach:  „sag  mir,  waz  bist  du?"  l 
sprach:  „ich  bin  niht."  [146']  Er  sprach:  „w^az  wilt  du?"  i 
antwürte  und  sprach:  „ich  wil  nüt."  Er  sprach  aber:  „dis  ist  ei 
wunder;  sag  mir,  wie  heizsest  du?"  Es  sprach:  „ich  heisse  da 
naniolos  wilde." 

Der  junger  sprach:  Du  mäht  wol  heissen  daz  wilde,  wa 
dinü  wort  und  antwürte  sint  gar  wilde.  Nu  sag  mir  eins,  des  id 
dich  frage:  wa  lendct  diu  bescheidenheit? 

Es  sprach:  In  lediger  friheit. 

Der  junger  sprach:  Sag  mir,  w^az  heissest  du  ein  lefc 
friheit? 

Es  sprach:  Da  der  mensch  nach  allem  sinem  mütwillen  leW 
sunder  anderheit,  ane  allen  anblik  in  vor  und  in  nach. 


2  im]   in  -V         3  halt]   hab  (7         [und]    do  ist  er  C         9  MI  rot  nat^ 

ffiront  J.V       12  in  [der]  stiller  (.'  14  HoriertMle  C       15.16  Es]  er  C      ISant- 

wnrtet  //        22  gar  Mit  ABS  des]   daz  JJ        23  fragen  wil  .5^       2ol>«' 
Junircr  --  2G  friheit  fehlt  KN 

9  f.    V'gl.    Jirga   itj  ff. :    Unierscheit    undvr  gfAlicher  friheit   und  u^ 
onluitcr  friheit.  27  f.  Gemeint  ist  die  liiert inxstische  Lthre  der  Brüdtr  i 

frrien  Geistes.  —  Minder  anderheit  =  ohne  zwischen  Gott  und  der  yVtU  ein 
Unterschied  zu  machen. 


Büchlein  der  AVahrbeit.    Kap.  VI.  353 

Der  junger  sprach:  Du  bist  nüt  uf  dem  rehten  wege  der 
warheit,  wan  sölichä  friheit  verwiset  den  menschen  von  aller  seli- 
keite  und  entfriet  in  siner  waren  friheit;  wan  9wem  underscheides 
gebristet,  dem  gebristet  ordenunge,  und  waz  ane  reht  ordenunge  ist, 
daz  ist  böse  und  gebreste,  als  Cristus  sprach :  „der  süude  tftt,  der 
ist  ein  kneht  der  sönde".  Aber  wer  mit  einer  luteren  gewissem 
nnd  behfitem  lebenne  in  get  in  Cristum  mit  rehter  gelazsenheit  sins 
Jelbg,  der  kumet  zft  der  rehten  friheit,  als  er  selbe  sprach:  „löset 
Dch  der  sun,  so  werdent  ir  warlichen  fri." 

Daz  wilde  sprach:  Waz  heissest  du  ordenhaft  ald  nüt  ordenhaft? 

Der  junger  sprach:  Ich  heis  daz  ordenhaft,  wenn  alles  daz, 
laz  der  sache  zögehörlich  ist  von  innen  ald  von  ussen  nüt  under- 
»vegen  blibet  unangesehen  in  dem  uswürkenne;  so  heis  ich  daz  un- 
)rdenhaft,  weles  under  disen  vor  genanten  underwegen  blibet 

Daz  wilde  sprach:  Ein  ledigü  friheit  sol  dem  allem  sament 
indergan  und  es  alles  verahten. 

Der  junger  sprach:  Du  verrftchtekeit  were  wider  aller  war- 
leit  und  ist  der  falschen  ledigen  friheite  gelich,  wan  si  ist  wider 
iie  ordenunge,  die  daz  ewig  niht  in  siner  berhaftkeit  hat  gegeben 
dien  dingen. 

Daz  wild  sprach:  Der  mensche,  der  in  sime  ewigen  nihte  ze 
rihte  ist  worden,  der  weis  von  underscheide  nüt. 

Der  junger:  Daz  ewiir  niht,  daz  hie  und  in  allen  gerehten 
^emünften  ist  gemeinet,  daz  es  niht  si  nüt  von  sime  nütsinde,  mer 
'On  siner  übertreffender  ihtekeit,  daz  niht  ist  in  im  selber  aller 
ninste  underscheides  habende,  und  von  im,  als  es  berhaft  ist,  kumet 
'Her  ordenlicher  underscheit  aller  dingen.  Der  mensch  wirt  niemer 
'o  gar  vernihtet  in  disem  nihte,  sinen  sinnen  blibe  dennoch  under- 
'Cheit  ir  eigennes  Ursprunges  und  der  Vernunft  dez  selben  ir  eigen 
"esen,  wie  daz  alles  in  sinem  [Hö""]  ersten  gründe  unangesehen 
)libet. 

Daz  wild:  Ob  man  es  denne  ze  male  nimet  nicrgen  denne 
ödem  selben  und  us  dem  selben  gründe? 

Der  junger:  Der  nemi  es  nit  rehte,  wan  es  enist  nit  allein 
^  dem  gründe,   es  ist  och   in  im  selbe  ein  kreatürlichs  iht  hie  usse 


3  entfiert  B  8  sprach  selber  C  10.11  ordenschafft  B'  ald  nüt  ord. 
^^i  IC  13  f.  unordenscbafft  B  22  wisz  K  23  gerehten  fMt  *V  24  mit- 
'^e  S       32  Dienen  K        35  usse  fehlt  S 

Öf.  Joh,  6j34.        8  f.  floh.  6,56'.        35  hie  usse  =  ausser  dem  Goitesgrunde. 

'  *eui«,  Dsutiohe  Schriften.  ^ 


354  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  VI. 

und  blibet,  daz  es  ist,  und  nach  dem  so  mftz  man  es  och  neme 
Were,  daz  ime  engienge  sin  underscheid  nach  der  wesunge  als  nat 
der  nemunge,  so  möht  es  bestan;  und  des  euist  nit,  als  da  vor  ^e 
seit  ist.     Hie  von  sol  man  alweg  haben  gftten  underscheit. 

Daz  wilde  sprach:  Ich  han  vernomen,  daz  ein  hoher  meister 
si  gewesen,  und  daz  der  ab  sprechi  allen  underscheit. 

Der  junger  sprach:  Daz  du  meinest,  daz  er  allen  underscheit 
ab  sprechi,  —  nimst  du  daz  in  der  gotheit,  daz  möht  man  m- 
stan,  daz  er  meindi  der  personen  eins  ieklichen  in  dem  graode, 
da  sü  inne  sint  nnunderscheiden,  aber  nüt  gegen  dem  sü  sieb  wider-  ] 
heblich  haltent;  und  da  ist  ze  halteune  sicherlich  persönlich  uoder- 
scheidenheit, 

Nimest  du  es  och  von  eins  vergangnen  menschen  entworden* 
heit,  da  von  ist  genüg  da  vor  geseit,  wie  es  ist  ze  verstenne  nach 
der  nemunge,  nit  nach  der  wesunge.  Und  merke  hie,  daz  es  ein  ] 
anders  ist  underschidunge  und  undcrschcidenheit,  als  kuntlich  iß^ 
daz  lib  und  sei  hant  nit  underschidunge,  wan  eins  ist  in  dem  an- 
dern, und  kein  lid  mag  leben,  daz  usgescbidet  ist.  Aber  uoder- 
scbeiden  ist  du  sele  von  dem  libe,  wan  dö  sele  ist  nit  der  lib,  noch 
der  lib  du  sele.  Also  verstau  ich,  daz  iri  der  warheit  nüt  ist,  dtfj 
underschidunge  müge  han  von  deme  einveltigen  wesenne,  wan  es 
allen  wesenne  wesen  git,  aber  nach  underscheidenheit,  also  daz  daz 
götlich  wesen  nit  ist  des  Steines  wesen,  noch  des  Steines  wesen  daz 
götlich  wesen,    noch  kein  kreature  der   andern.     Und  also  meinent 


1  och  fddt  S  3  desj  daz  B  6  [ab]  sprechi  C  9  eiiis]  ainer  A' 
ieiior  N  10  underscheiden  CK  du  sich  K  13  och]  joch  A'  15  ö^' 
mim»r]  nioinung  S  16.17.21  underscheidunge  SN  17  underscheidunge  ^ 
18  glide  B  usgescheideii  BN  22  uuderacheidunge  B  23  f.  [daz]  güt- 
liches wesen  B 

2  f.  V(jl.  oben  :J50,:J3  ff.  5  Meister  Evkhart;  vgl.  unt<T  seinen  wf 
urteilten  Sätzen  {Archiv  II,  63S  f.,  683)  Nr.  23  und  24  (von  Gott),  10  und  1^ 
(vom  „cerf/otteten'-^  Menschen).  9  Ergänze  nach  meindi:  unterscheit 
eins  ieklichen  =  des  Vaters,  Sohnes  und  hl.  Geistes,  „Jede  Person  ifi  ''*' 
mit  dem  Wtscn,  und  betrachtet  man  nur  das  Wesen  als  solclies,  so  sieht  ^'^ 
keinen  Unterschied  in  Gott:  dieser  tritt  aber  alsbald  zu  Tage,  sobald  man  dit 
einzelnen  Fersonai  betrachtet,  die  sich  durch  ihre  Relationen  von  einandff 
unterscheiden-  iJJeniflc  560  A.3):  vgl.  oben  330,25 ff,  16  underschidoD^ 
=  Trennung  f separatio),  underscheidenheit  =  Verschiedenheit  (distinctioK 

20  tl'.   Sense   erklärt   tiiir   die  Lehre   von   der  Immanenz  und  Transcendf^ 
Gottes  ganz  korrekt :  die  Scholastiker  ziehen  gewöhnlich  das  Verhältnis  f^  -^ 
and  Suele  zur  \':rdeu:lichung  bti.    Vgl,  Denifle561  A,  1  u,  2  und  Archiv  H"^-' 


Büchlein  der  Wahrheit    Kap.  VI.  355 

die  lerer,  daz  disu  nnderflcheideDheit  eigenlich  ze  sprechenne  nit  si 
in  gotte,  mer  si  ist  von  gotte.  Und  sprichet  über  der  wisheit  bftch : 
aig  n&t  innigers  ist  denn  got,  also  ist  nüt  underscheideners.  Und 
dar  nmbe  so  ist  du  beilange  valscb  und  disü  nieinunge  gereht. 

5  Daz  wilde  sprach:  Der  selb  meister  hat  vil  schone  geseit  von 
eime  kristmessigen  menschen. 

Der  junger  sprach:  Der  meister  sprichet  an  einer  etat  also: 
Cristos  ist  der  eingebome  sun  und  wir  nit,  er  ist  der  natürlich  sun, 
wan  sin  gebart   zilet  in  der  natur,   aber  wir  sien   nit  der  naturlich 

)8nn,  und  unser  geberunge  [147']  heisset  ein  widergebuit,  wan  si 
zilet  in  einförmikeit  siner  nature;  er  ist  ein  bilde  des  vatters,  wir 
8ien  gebildet  nach  dem  bilde  der  heiligen  drivaltikeit.  Und  sprichet, 
daz  ime  hier  inne  nieman  kan  gelich  gemessen. 

Daz  wilde  sprach:  Ich  han  vernomen,  er  sprechi,  ein  sölicher 

5  mensche  wurke  alles,  daz  Gristus  wurkte. 

Der  junger  entwürt:  Der  selbe  meister  sprichet  an  einer 
«tat  also:  der  gerehte  der  wurket  alles,  daz  du  gerehtikeit  würket; 
und  daz  ist  war,  sprichet  er,  da  der  gereht  eingeborn  ist  von  der 
gerehtikeit,  als  geschriben  stat:  „daz  von  fleische  geborn  ist,  daz  ist 

»fleisch,  und  daz  geborn  ist  von  geiste,  daz  ist  geist."  Und  daz  ist 
allein  war,  sprichet  er,  in  Cristo,  und  an  keinem  andern  menschen, 
wan  er  hat  nit  wesen  denne   daz  wesen   des  vatters,   noch   geberer 

1  disse  underscheit  Ji       si]  ist  B       2  und  er  spr.  K       4  8o  ist  hie  B 

nemunge  C  niemuge  S       7  einer  andren  st,  li       8  einborne  S  9.12  sint  // 

15  daz  daz  K        wurkte]  würcket  fi        17  [der]  wurkot  BCSa  19  von  dem 
i  B       22  wan]  war  4^        hat  fehlt  JJ        denne  allein  B 

2 f.  Eckfiart  in  dem  von  Denifle  wicd'fr  auf ge/un denen  Kommentar  zum 
^^er  Sapientiae:  Deus  est  indistinctissimas  ab  omni  et  quolibet  creato  .... 
Omni;  quod  indistinctione  distinguitur,  quanio  est  indistinctius,  tanto 
^jstinctius^  distinguitur  enim  ipsa  indistinctione  (Archiv  11,  498).  JHe 
^hrsHsung  von  „indistinctius"  mit  inniger»  gibt  aber  nicht  den  vollen  Begriff 
*^  Sinne  Eckharts  wieder.  Vgl.  auch  Eckhart  lfiH,3ff.:  ez  meinet  ouch,  dag 
9^t  ungescheiden  ist  von  allen  dingen,  wan  er  ist  in  inniger  dan  si  in  S'^lber 
*»«^  6  20.  Satz  Eckharts:  quod  bonus  homo  est  unigenitus  filius  iJei:  rgL 

Satz  12  u.  21  (Archiv  II,  638)  und  die  Ausführungen  Eckharts  in  seinem  Korn- 
^Hntar  zu  EccUsiasticus  (a.  a.  0.  572  ff.,  vgl.  o(j8,  ti()9  f.)  und  in  Predigt  LIX 
bei  Pfafftr.  14  f.    Vgl.  den  13.  Satz  Eckharts.  16  If.   Sense  lässt  Eck- 

harts Satz  nur  von  Christus  im  vollen  Sinne  gelten,  Eckhnrt  selbst  aber  bezieht 
ihn  in  Konstquenz  seitier  Lehre  von  der  Gottesgtburt  auf  jeden  Gerecht'fUj  rgl. 
Äusserungen  wie:  jusius  per  essentiam,  inquantum  huiusmodi,   amat  solam  iu- 
stiiiam;  iustus  ut  sie  i)er  essentiam  habet  in  sie  agert   (Archiv  11,  6f)8 :  vgl.  die 
oben  silierten  Belege),  19  f.  Joh.  3.6. 


356  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  VI. 

denne  den  himelschen  vatter;  und  dar  umb  wnrkte  er  alles,  daz  der 
vatter  wurket.  Aber  in  allen  andern  menseben,  spriehet  er,  so  velet 
dis,  daz  wir  minr  und  me  mit  im  wurken  nach  dem,  als  wir  mior 
und  me  von  im  sien  geborn.  Und  disü  rede  bewiset  dich  eigen- 
lieben  der  warbeit.  * 

Daz  wilde  sprach:   Sin  rede  lühtet,  daz  alles,   daz  Cristo  si 
gegeben,  daz  si  och  mir  gegeben. 

Der  junger:  Daz  al,  daz  Cristo  ist  gegeben,  daz  ist  vol- 
komnü  besitzunge  der  weslichen  selikeit,  als  er  sprach:  ,.oiiinia 
dedit  mihi  pater,  der  vatter  hat  mir  al  gegeben";  und  daz  selhl<> 
al  hat-  er  uns  allen  gegeben,  aber  in  unglicher  wise.  Und  er  spriehet 
an  vil  stetten,  daz  er  daz  al  hat  mit  der  infleischunge,  und  wir  mit 
der  gotförmigen  vereinunge;  und  dar  umbe  hat  er  daz  so  vil  adel- 
licher, so  vil  er  sin  adellicher  enphenklich  waz. 

Daz  wilde  zoh  aber  für  und  meinde,  daz  er  ab  sprechi  allein 
glicheit  und  vereinunge,  und  daz  er  uns  sazti  bloz  und  entglicbet  in 
die  blozsen  einikeit. 

Der  junger  antwürt  und  sprach:  Dir  gebristet  ane  zwivel, 
daz  dir  nit  lühtet  der  underscheit,  von  dem  da  vor  geseit  ist,  wie 
ein  mensche  ein  solle  werden  in  Cristo  und  doch  gesundert  bliben,  ^ 
und  wa  er  vereinet  ist  und  sich  unvereinet  eins  nemende  ist  Wes- 
lieh  lieht  hat  dir  noch  nit  gelühtet,  wan  weslich  lieht  lidet  orde 
nunge  und  underscheit,  entwiset  von  usbrüchiger  manigvaltikeit.  Din 
scharphes  gemerke  richset  mit  günlichi  dez  lichtes  der  natura  in  be- 
hender vernünftikeit,  daz  da  vil  glich  lühtet  dem  liebte  der  gStlicben  * 
warbeit. 


1  wurktc]  würcket  B  wurcke  C  3  mit  im  —  4  me  fehU  C  4  und 
me  fehlt  S  diser  6'  7  geben  B  8  al  fehlt  S  9  wesentlichen  B 
13  geformigen  C  14  adellichcr  nach  waz  C  enpfenlichen  B  20  «l^r 
mensche  S       eins  XS\f'       24  richsenet  B        25  von  dem  liebte  Ä" 

6  f.    T/yZ.   den   11,  Satz  Eckhnrts:   quicquid  Dens  Pater  dedit  Filio  f»^ 
unigenito  in  humana  natura j  hoc  totum  dedit  mihi:  hie  nihil  excipio,  nee  tinio- 
nem,  nee  sanctitatem^  sed  totum  dedit  mihi  sicut  sibi :  dhnlich  Pfeiffer  öS.pS' 
9  f.   Joh.  13,H   (vgl  Matth.  11, 'J7;  28,18),  11   er  spr.  =  Eckhart.  4- 

Pfeiffer  lurAO:  :>31,37 ;  671,30  ff.  12  er  =  Christus,  15  f.  Eckkäf^ 

spreche  nicht  von    Vereinigung,   sondern  von  absoluter  Einheit  und  hebe  j#<^f" 
Unterschied  auf ;   vgl.   seinen  10   u.  13.  Säte.  26  Zu   der  vorangehendi* 

indirekten  Verteidigung  Echharts  den  Begharden  gegenüber  vgl.  noch  Denifl^ 
564  A.  4 :  dens.  in  Hist.'pol.  Bl.  75,  903  f, ;  Archiv  II,  513,  Seuse  nimmt  keimn 
der  inkriminierten  Sätze  selbst  in  Schutz,  deutet  sie  auch  nicht  orthodox  {*<» 
K,  Schmidt  in  Theol,  Stud,  u.  Krit,  1843,  883),   er  Idsst  sie  vielmehr  auf  sich 


Büdilein  der  Wahrheit.    Kap,  VII,  357 

Daz  wilde  gesweig  und  hat  in  mit  ergebenlicher  iiiiderteiii- 
teit.  daz  er  fiürbaz  rftrti  den  nützen  underscheit. 

Er  entwürte  und  sprach  also:  Der  meiste  gebreste,  der  dich 

und  dine  glichen  entsetzet,  der  lit  dar  an,  daz  üeh  gebristet  [147'] 

*  gutes  nnderscheides  vernünftiger  warheit.     Und   dar  umhe,   wer  ain 

[BetsteB  welle  ervolgen  und  nüt  in  dise  gebresten  vallen,  der  sol  diser 

ItS^cnlich  lere  flizsig  wesen,  so  kiimet  er  ungehindert  kö  eime  seligen 

Dfaenne. 


VII.  Kaj)itel. 

Wie  atloilieheii  sich  haltet  ein  reht  gelazseuei-  mensch  iu 
allen  dingen. 

Dar  nah  do  kerte   sich  der  junger  aber  mit  ernste  zö   der 

^twigen  warheit  and  begerte  öch  etwas  nnderseheides  nah  einem 

geiuerke  des  ueseren  bildes  eins  menschen,  der  sich  waiüch  gelassen 

'Shetti.  und  fragte  also:  Ewigü  warheit,  wie  haltet  sich  ein  solicher 

mensche  in  dien  gegenwiirfen  eins  iekiichen  rlinges? 

»Entwurt:  Er  entsinket  im  selben  und  mit  im  ellti  ding. 
Ein  frage:  Wie  haltet  er  sich  zu  dem  zite"? 
Entwürt;  Er  stat  in  einem  gegenwürtigen  nn  arie  behangnen 
**  Türwiz,  und  nimt  sin  nehstes  in  dem  minsten  als  in  dem  meisten. 

Ein  frage:  Paulns  sprichet,  daz  dem  gerehten  enkein  gesetzde 
I  Begehen  ist. 


7  tögenlicher  BCS  1 1  V  i-oi  nach  dingen  :S'  12  do  fthlt  K  13  wie- 
it  1!  15  wiehelt  S  17  atn  Rande  Iq  collaciuiiibu«  palnun  (fratmm  C)  AC, 
Text  K        21  gesetz  S        '22  ist]  ayge  BX 

hriiAm  und  entiaickeU  teil»  »eint  dgene  Ltlire  darüber,  teil»  »teilt  tr  ihnen 
tMtre  riehiigt  AttneiiHlehe  d'»  Meinter»  gegenüber.  Au/  diear  Art  weist  er  die 
Prüfung  de»  „  Wilden"  auf  Ecklinrt  als  unberechtigt  »uräck,  wobei  natüiiich 
^'  Frage  offen  bleibt,  ob  nicht  dtteett  faUi-he»  Grui'dprinsip  da»  tese  itrum 
^f^ffmd  in  »einer  Koneeguem  die  Aitf/aetung  der  Häretiker  mn  »dbgt  nalte~ 
V*-  Eeliheui  wurde  sum  Verhängnis,  u-a»  er  im  Prolog  swm  Opus  Tri- 
tftiliim  (Archiv  II,  53ä)  schreibt:  nonnulla  in  sequentibMS  prf'pngitianihv», 
InmfJontfrtM  et  eepotitionibu»  primo  aapectu  monttruata,  dubia  aat  falsa 
mnt,   seeiig   autem,   si   snllerlei'  et   atudioeitt»  pcrtractentar.     Vgl.   aieh 

ms  vDrsicMigt  Beurteilung  »einer  Lehre  t»  Vita  97,10  ff.  17  CoUat.  X,  7. 

19  f.  behangner  färaaz  =  »elbttiüehtiger  Vorsatz.  Ähnlich  ist  aueh  wiae 
braucht  (Vita  167,SI.  20  Er  iirnfitisrl  heim  Krhahennlen  sowohl  als  beim 

ttirähnlichtltn.  21   /  Tim.  1,9, 


858  Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  VE. 

Entwürt:  Ein  gerehter  mensch  haltet  sich  nach  siner  ge- 
wordenheit  underwürflicher  denne  andru  menschen,  wan  er  verstat 
in  dem  gründe  von  innen,  waz  von  ussen  eime  ieklichen  gezem  ist, 
und  nimet  ellü  ding  also ;  aber  daz  er  nit  bandes  enhat,  daz  ist  da 
von,  wan  er  daz  selb  wurket  usser  gelazsenbeit,  daz  dö  gemeinde  5 
würket  usser  bezwungenheit. 

Ein  frage:  Der  in  diser  inniger  gelazenheit  übersetzet  ist. 
ist  der  nit  entlediget  von  usseren  Übungen? 

Entwürt:  Wan  sihet  wenig  menschen  mit  unverzerten  kreften 
dar  zft  komen,  da  von  du  seist,  wan  daz  abwürken  ersuchet  ir  inni- 10 
gostes  gemarg,  dien  es  wirt  in  der  warheit.  Und  dar  umbe,  wenne 
sü  denne  erkennent,  waz  ze  tünne  und  ze  lazsenne  ist,  so  blibent 
sü  uf  gemeinen  Übungen,  minr  und  me  nach  ire  vermngentheit  alder 
nach  auderre  gelegenheit. 

Ein  frage:   Wannen  kumet  etlicher  gfitschinender  menschen  16 
groz  gedrange  und  übrigü  engi,  du  sü  hein  an  der  gewizseni,  und 
aber  etlicher  anderre  menschen  ungeordentü  witi? 

Entwürt:  Sü  zilent  noch  beidü  uf  ir  selbs  bilde,  aber  misse- 
liehe,  die  ersten  geistliche,  die  andern  lipb'ch. 

Ein   frage:   Gat  ein   solicher  mensch   alle  zit  müssig,  alder 20 
waz  ist  sin  tun? 

Entwürt:  Eines  wolgelazsenen  menschen  tun  ist  sin  lazsen, 
und  sin  werk  ist  sin  müssig  bliben,  wan  sines  tunnes  hübet  er 
rüwig  und  sins  werkes  blibet  er  müzsige. 

Ein  frage:  Wie  haltet  er  sich  gegen  sinem  nehsten?  * 

Entwürt:  Er  hat  gemeinsami  der  lüten  ane  inbildunge  und 
minlichi  ane  beheftunge  und  mitlidunge  ane  sorge  in  rehter  friheit 

Ein  frage:  Ist  ein  solicher  mensche  [148']  üt  schuldigte 
bihtenne? 

Entwürt:   Du   bihte,   du   da  geschihet   von  minnen,  du  i^^ 
edeler,  denne  du  von  schulden  gat. 

4  het  i^  5  gemein  B  6  gezwunjjenheit  B  zwungenheit  S  10  f.  i"' 
rostes  marg  S  12  erkennet  C  13  vermogelicheit  B  17  anderre  fihU  C 
23  blibet  [er]  C        20  f.  und  an  mini.  .V  und  ein  mini.  C        31  du  da  v.  seh.  5 

15  ff.  /S^use  redet  vom  skrupulösen  und  laxen  Gewissen;  vgl.  oben  351,10 f- 
22  ff.  Uic  Frucht  der  Vereinigung  mit  Gott  ist  die  vollkommene  Freiheit  da 
Geistes   in  der  äusseren  Tätigkeit  icie  in  der  Zurückgeeogenheil,  26  ää^ 

inbildunge  =  ohne  dass  das  Bild  eines  Menschen  in  ihm  besonders  haften  ft?eiW. 
30  f.    Weil  ohne  schwere  ^"Schuld  ist  er  an  sielt  nicht  verpfliclUet  zu  beichhn, 
tut  ts  aber  dtnn(>ch,  um  sich  von  leichten  Fehlern  zu  reinigen. 


Büchlein  der  Wahrheit.    Kap.  VII.  35ü 

Ein  frage:  Wie  ist  eins  solichen  menschen  betten  gestalt,  ald 
it  er  och  ze  bettenne? 

Entwürt:  Sin  gebet  ist  fruhtber,  wan  er  nimet  einen  inbruch 
r  sinnen,  wan  got  ist  ein  geist  und  nimet  war,  ob  er  sich  iergent 
nnittelt  habe,  ald  ob  er  sich  iergent  füre  in  keinem  fürgriffe  des 
isheit.  Und  da  wirt  ein  lieht  erzöget  in  der  obresten  kraft  mit 
lem  erz6genne,  daz  got  ist  daz  wesen  und  leben  und  daz  wirken 
im  und  er  dez  selben  alleine  ist  ein  gezöwe. 

Ein  frage:  Wie  ist  gestalt  eins  solichen  edelen  menschen 
en  und  trinken  und  schlaffen? 

Ent wärt:  Nach  usserkeite  und  nach  sinnelicheit  isset  der  usser 
Dsche,  aber  nach  einem  injehenne  isset  er  nit,  anders  gebruchti 
der  spise  und  rftwe  in  vichlicheite.  Und  also  ist  es  och  in  andren 
hen,  die  zft  dem  menschen  h&rent. 

Ein  frage:  Wie  ist  geschaffen  sin  ussere  wandel? 

Entwürt:  Er  hat  nüt  vil  wisen  noch  Worten,  und  du  sint 
lieht  und  einveltig;  und  hat  einen  sittigen  waudel,  daz  du  ding 
ider  in  durch  in  flizsent,  und  ist  i*uwig  in  den  sinnen. 

Ein  frage:  Sint  sü  ellü  also? 

Entwürt:  Minr  und  me  nach  unglicheit  dez  zftvalles;  aber 
•  weslich  punct  blibet  gelich. 

Ein  frage:  Ist  ein  sölicher  mensche  komen  ze  einem  gantzen 
ssenne  der  warheite,  ald  blibet  im  noch  dünken  und  wenen? 

Entwürt:  Da  der  mensch  im  selber  blibet,  da  blibet  im  och 
2  dünken  und  wenen ;  aber  da  er  ime  selber  entgangen  ist  in  daz, 
E  da  ist,  da  ist  ein  wizsen  aller  warheit,  wan  es  ist  es  selb,  und 
stat  sin  unangenomen. 

Und  hie  mitte  si  dir  genüg  geseit;  wan  kumet  dar  nüt  mit 
genne,  mer  mit  rehter  gelazsenheit  kumet  man  zft  diser  verborgnen 
irheit.     Amen. 


4.5  iergent]  ienan  KS        7  er<j^etzeime  B       8  gezoge  li       18  ist  fehlt  S 
nnd  [da]  blibet  C       30  Amen  fchH  JiS 

1  ff .    Vgl.    Vita  95,9  ß.  3 — 8    mit  geringer   A/'tceichung  schon    Vita 

^y^)— 169,6;   vgl   auch   Eckhart  30,30  f.  4    Joh.  4,24.  5    Oh    ihn 

'  tigene  Ich  hei  seinen  Handlungen  noch  leite.  12  nach  einem  injehenne 

indem  der  innere  Mensch  immer  auf  Gott  zurüclschant.  16 1!'.  Ähnlich 

m  Vita  167,3;    166,22.  21    Vgl.   Bvga  160,ö  Jf.  26   daz  da  ist 

Gott.  26 f.  Gott  ist  die  Wahrheit  sdhst,  und  der  Mensch  nimmt  in  der 

einigung  mit  ihm  sich  seiher  nicht  an.   da  er  sich   entgangen  (gelassen)  ist. 


Viertes  Buch. 


Briefbüchlein. 


Hie  yahet  an  daz  yierd  buchli« 

Disu  Icr  ist  us  gelesen  urs  den  gemeinen  brieven, 
die  der  diener  der  ewigen  wishcit  siner  geischlicheo 
tohter  und  andern  sinen  geischlichen  kinden  santte. 

Wan   eines  geischlichen   menschen   sin   nit  mag  ze  9 
allen  ziten  in  abgescheidenr  blosheit  spanen  und  och 
schedlich  kiirzwil  verr  sol  fliehen,   hier  nmbe   ze  einer 
underlibi  dines  gemutes  so  macht  du  diz  brief  lesen. 


I.  Brief. 

Ton  eins  anvaheiideii  measelien  ledigen  vonker  von  der  weit  il 

zu  got. 

[148^]   Rengnum   muudi  et  omnem   ornatum   saeculi 
contempsi  propter  amorem  domini  mei  Jesu  Cristi. 


Handschriften:  A  C  K  N  P  S  ü  Wf  (vgl  oben  S.  3  md  326'- 
m  =  C(/7n  67.9;  a  =  1.  Druck  (146:J), 

1-11  fehlt  P  drit   S  2—4  fehlt  m  4  andern  fehlt  ACS 

geischl.]  geischeu  A        8  underlibung  ST  widerlibi  C        so  so  (!)  A       10  1^ 
digen  fehlt  ACSU 

3  f.  s.  gfcischl.  tohter  =  der  Ehheth  Stapel y  an  welche  der  3,  und  8.  Britf 
adressieti  ist.  Vrjl.  auch  den  Prolog  des  J^xemplars  (4,16 ß,)  und  die  £1"" 
leituuf/.  12  f.   Worte  aus  der  liencdiciio  et  consecratio  virginum  (feierlickt 

Einsegnung  dtr  gottgeweihten  Jungfrauen)  nach  dem  Pontificale  Eomanum  (ti 
typ.  Ratisbonae  I  [IbiSS]^  147  ff,).  Der  Brief  ist  an  eine  Nonne,  welche  tk» 
die   Welt  verlassen  hat.  gerichtet. 


Biiefliiichlein.    I.  Brirf. 

Dieen  frfilicbeo  reieo  nnd  jnngfnWlichen  uszog  einer  userwflten 
']te6  gemabel,  do  ich  den  ob  dir  borte  singen,  do  ^edabto  iub 
o:  der  mag  wol  frSIich  liep  lassen,  der  im  aelher  ein  liebers  hat 
ibgangen!  Und  daz  ist  dir  hüte  gewerlich  besehehcn.  Dar  nnibe 
t  du  diaer  falschen  weit  ein  fries  iirlob  geben. 

Lögent,  alle  minner,  an  der  weit  spiU  leb  hatte  einen  Bobaten 
fbvangen.  ich  hate  einen  trom  gemehelt,  ich  hate  den  wan  be- 
s»en!  Eya,  wa  nu  des  wanes  bilde,  des  troraes  gelübdeV  Hetti 
b  ilicb  nn,  l'ro  weit,  tuaent  jar  besessen,  wa  weri  es  nn?  Als  ein 
;:enblik  bald  dsi  hin!  Diner  natur  eigen  ist  ein  hinscheiden.  Ich 
ande  dich  haben  umbvangen,  —  ach,  wie  bist  du  mir  verswnnden! 
er  dich  nit  vorhin  lat,  den  last  aber  du.  Owe,  da  mordcrin!  Dar 
nbe  adi,  ade,  got  geiiade  dir  hüt  und  ieme  nie!  Trüg,  die  dich 
[erkennen,  du  trügst  mich  niemer  me.      Rengnum  mundi  etc. 

Kind  mins  in  dem  almehtigen  gotte,  gedenk,  daz  du  alle  diu 
mde  und  ere  und  gftt  mit  besintem  möt  hast  uf  geben,  nnd  bis 
«  an  disem  willen!  Tft  nit  also  etlich  toroht  megde,  die  sich 
ichend  den  wilden  ingeschloseen  tieren;  so  man  den  du  tor  be- 
hlussot,  80  gugent  sü  dur  die  zun  us.  Die  da  sind  halb  usse,  halb 
ne,  we  mir,  waz  verlierent  die  grosser  erbeit  mit  kleinen  dingenl 
Dte  dienen  ist  in  ein  kercher,  geischlichü  Kubt  ein  notslal ;  dar 
n))e,  daz  in  der  epfel  nit  mag  werden,  so  ginend  sü  na  dem  smake. 
Ir  du  rosinü  schapel  legend  sü  uf  floriertü  tficher,  und  für  roten 
barlat  prisent  sü  sich  in  einen  wissen  sak.  nnd  für  die  elichen 
^m&helscbaft  bekümbrent  sü  sich  mit  zitverlierender,  herzberoben- 
-r  and  alles  geischlichen  lebens  iteretArerin:  üpiger  fründschaft. 
i  Tersendent  sich  mit  wünschen  und  einredent  mit  dem  irem  bild 
)  ein  turstiger  mensch,  dem  von  kaltem  wasser  tromet.  Und  so 
l  es  hin  nnd  her  gekerent,    so  verswindet   es   and  vindent   ein   ler 


B  wa  nu]  wann  KU  wan  SS  9  waj  wie  F  wa»  mN 
13  aide  aide  SU  14  Begnum  (!)  A  SO  uiir|  in  U  21  g5^ 
23  roten  fehtl  S        28  und  {§0)  C        29  vindet  P 

I  Tiergärten  mit  ovtländiirchfH  Tieren  :u  halUn  tear  im   Mitttialier 
abtrti  mancher  J-'ürsien  und  Klöster,  vgl.  Mie/iael,  Gtuch.  d.  dUth.  Volktg 
%  418  f. ;  SchSnbacli,  Harimann  e.  A.  338  /.  24  Winsen  sak  =  das  weiitt 

'itJuklcid  der  Iiominihancrinntn.     iJor.  105  f.  tadelt  Sautii  «rharf  die  Modt- 
'h  »einer  Zeil,  die  aueh  in  geiatlicke  Kreiat  »indmng  ipanmu  prrtioaixBii, 
fot  per  scapulas  dtsceHdeale»,  pUca«  ctntupHeatae.  ehyrothecae,  calci' 
t  rottrafi  et  quasi  ad  »altaiidum  apti,   tanicat  dittnlutai 
9  atrictae,  lalrula»  eburneae  dependentet,  tonat  «ericea«  fulgentet). 


je,  caleii  stricti  | 

manieae  sci»»af        ^^^H 


362  Briefbüchlein.    I.  Brief. 

hand,  ein  trurig  berz  und  ein  gnadlos  sele.     Inen  gesehiht  als  dem 
altvater,  dem  der  tüfel  uf  die  maten  sass,   die   er  für  einen  langen 
mantel  bäte  an  geleit,    und   zu   inie   in  spotes  wise  spraeb:   ^armer 
man,  möhtist  me,   du  tetist  ocb  me!"     Daz   ist  ein   armes   ellen(l(jif 
leben  und  ein  vorhof  der  belle:  die  weit  nit  mugen  ban  und  got(|l»  i 
ane   sin,    weltliches   und   götlicbes   trostes   berobet   sin,    bedenthaJb 
[149']  verlorn  ban.     Wie  werdent  die  so  lästerlich  und  so  kleglici 
stende  an  dem  jüngsten  tage  vor  fründen  und  fienden!     Aber  gotte 
flizzeklicb  dienen   ist  ein   sieber  fries  leben  bie  und  dort,   wan  sü 
gant  bie  mit  dem  libe  uf  ertricb,  und  ist  aber  ir  wonunge  steteklicb  ü 
in  dem   bimelricb.     Es  ist  werlich   ein   süzzes  joch   und  ein  lihtu 
burdi.    Mussent  sü  underwilent  liden  ban,  daz  ist  nit  ze  abten:  wer 
ist  in  der  zit  ane  liden?     Nieman,   nocb   bürg  nocb   stette  mugen 
lidenne  endrünnen,  nocb  rot  mentel  ald  vech  gewand  mugen  lidens 
dar  umbe  ab  komen,   wan   es   scbinet  dik   uswendig   ganz,   daz  in-  if 
wendig  vast  verseret  ist.     Dar  umbe  lidet   ein   menscb  och  dur  ein 
fries  götlicbes  wartspil;  daz  ist  nit  ze  ahtenne.    Daz  erbrechen  daz 
tut  des  ersten  we,  als  billich  ist;  dar  na  kumet  ze  jungst,  daz  man 
US  lust  würket,  und  so  vellet  ens  abe. 

Eya,  gedenk  an  die  alten  tage,  nim  her  für  du  langen  jaroodiO 
lüg,  wie  recht  lang  du  gescblaffen  hast!   Oder  ist  es  nüt  alles  sainent 
als  ein  trom  gewesen,    da  mit  dir  do  na  dinem  dunk  so  wol  wazV    , 
Stand  uf,  es  beginnet  ziten,  der  herr,  den  du  so  dik  hast  vertriben, 
der  wil  nüt  ab  lan.   Es  ist  nüt  gut,  der  sinem  fründ  ze  lang  verseit 
Scblüss  uf  din  herze,  lass  in  den  geminten,  ergezz  dich  dez  langen  Ift 
zites,  daz  du  versumet  hast!    Der  sinem  liep  spat  uf  tut,  der  bedarf 
wol  eins  geswinden  ilens.     Es  ist  nit  umb  dich   als   umb  vil  ander 
menschen,   du  lawe  sint  und  weder  got  nob  die  weit  minnend,  p'^t 
der  wil  din  minnericbes   berz   haben  in   allen  zügen  geischlicb,  als    J 
es  vor  waz  weltlich.    Und  dar  umbe,  leg  allen  dinen  flizz  und  wizze,  91 
die  du  do  verkertest  uf  daz  zitlich,  —  daz  solt  du  nu  keren  uf  daz, 
daz  da  ist  wirig  und  ewig. 

1  und  [t^in]  K  2  matzen  PXS  4  mohtest  du  inc  Sü  5  die]  AtrK 
dis  P  9  sicher  ein  C  11  Es  —  12  mÜ8s.  fehlt  C  14  lidenne]  lidcB 
CyPS  liden  CK  16  vast]  gar  S  17  f.  [daa]  tot  A'  19  icns  f'S 
20  noma  S       25  scbluss  A       26  uf  8tat  S       27  wol  fehlt  1>       80  waz  yoxACS 

1  ff.  hivsdbe  Erzählung  auch  Hör.  106  (Schluss  ebd.:  o  moiuiche,  si  )^^ 
jwsftes,  uiique  d  plus  faceres).  10  f.  Vf/L  Fhil.  3,^0.  11  f.  Matih.  11^ 

17  wartspil  =  Kampfgpielj    Turnier;    ryl,  I  Kor.  4,9   und  Bdao  251>,14U: 
daz  {erstes)  =^  wtts  ei'  leidet,  2:^    Vgl.  Ja.  5^,7;  Rom.  13,11, 


m  einem  «lemütlgeu  luidergaug  eiuN  g6tliclien  meitM'lieu. 

abitabit  lupus  cum  agno. 

Do  der  Herr  der  nature  her  ab  kam  nnd  menseb  ward,   do 

er  würkcD  nöwn  wunder,  und  maeliete  daz  wilde  zam,  daz 
inme  spaftmütig,  als  der  wisgag  Isaias  voHud  eeite. 

Min  kint,  ich  laz  einest  ein  wort  in  der  sclirift,  daz  beginne 
ieb  nn  erst  verstan,  daz  ist:  liebi  gelichet  nnglichü  ding.  Dar  umlie 
malet  man  fro  Venus  blind  und  ogenloa,  wan  si  in  liebes  Ofjen  ver- 
löret ir  eigen  rehtes  kiesen.  Und  als  daz  war  ist  na  zititeber  minue, 
TÜ  me  ist  e«  üch  nab  geischlicher  minue,  daz  es  mengeni  hoben 
wirdigen  inensehen  alle  sin  herbeit  bat  ab  geleit.  Etlich,  die  Itoh 
forsten  ze  Rome  waren,  die  gaben  es  nf  und  wurden  armer  lüten 
Wiener,  dar  umbe  daz  sä  sieh  dem  g6llicbeu  [149']  lieb,  dem  kleinen 
lindlin  gelicbetin.  Dar  umbe,  kiud  mins,  gib  nf  den  verborgen 
tbermfit  diner  Hplicben  edU  und  talsehen  trost  diner  fründen,  du 
anx  her  betrogenlich  waz  in  dir  mit  einem  geiecfalichen  schine  be- 
trocben,  und  neig  dich  büle  zti  dem  kindlin  in  sin  kripe,  in  sin  ver- 
Korfenbeit,  daz  es  dich  erhebe  in  sin  ewigen  wirdekeit.  Der  kark- 
lich  seget,  der  schnidet  och  ermlich,  aber  der  rilich  seiet,  der  eamnet 
och  rilich.  Tft  es  recht  ze  l'rumen,  und  neig  dich  under  die  füsse 
, aller  menschen,  als  ob  du  ire  lustüeh  siest.  Daz  ffistiich  zürnet  mit 
wie  man  im  tflt,  wan  es  ein  föstttcb  ist. 

Ein    warhafter   undergang   dez   meuBchcn    ist    ein    würz   aller 

3  lii'.  tat.  V'ii-sjirüche  fthlin  von  hier  an  suia  P  öf.  des  grimmen  C 
jbd)  bild  S  10  &ls]  aJleB  KU  11  men^em  Sm  14  dai  u.  —  15  gelicb. 
i  KG  19  ewig.]  eigen  C  Paulus  vor  Der  C  20  seiet]  segel  CS 
oder]  wider  C        24  wurtzel  Pm 

3,6  In.  11,6.  8  Älinlk-h  auch    Vila  y2,7.     Vgl.  die  ."^tating:  amidtia 

l  fiat  facti.  12  f.   Seuft  dtnht   wohl  an  die  im  MUUiallfr 

\iebte  AUhcias-  und  EtulachiuiiUgan'ie  (cgi.  Hör.  IIb'  und  m  Altxiue  auch 
1  von  Friialar  rd.  Pfeifer  IGOff.:  Schiirtbratid  td.  Strauch  li)03,39.). 
IBliplichen  edli.    In  den  aUinunnutcheii  Homini/ianerinnmklSutrrii  tcaren  »ehr 
l  Nonnen   ron   adeligef   Abstammung.  19  f.  II  Kor.  äfi.     Vgl.  Tauler 

:.  Schmidt,  J.  Tatdtr  1841,66):  «ler  sperlichen  teiet,  der  mäs  h-engliditn 
n,-  eUso  du  üamisatst,  also  min»et  man  dir  auch  wider  in.    Ähnlich  auch 
%  ed.  Weiuhold  iSbOff.:  Freidank  3,6.  22f.  Zu  fSstdch  vp'. 

f'ita  Kap.  30  (58,6  ff.l,  dm  Schliut  de»  folgenden  Bi-ieft»  und  Abb.  5. 


4 


364  Briefbüchlein.     II.  Brief. 

tagenden  und  selikeit;  hier  us  drinp:et  denne  ein  senftmütigü  still- 
heit  in  »in  selbes  reliten  Gelassenheit  gen  dem  minsten  als  gen  dem 
meisten.  Dis  tut  we:  wol  kunnen  reden  und  doch  swigen,  bos  un- 
red  enpfahen  und  sich  nit  rechen,  ein  wolkünnender,  wirdiger  mensch 
einem  unehtigen,  gebresthaftigen  menschen  geswigen.  Daz  ist  nah 
dem  edeln  Cristus  gebildet  werden.  Waz  mag  dem  menschen  nmzer 
und  got  loblicher  werden?  Hier  zä  ist  nüzz  swigen  und  den  mont 
nit  uf  tun  ze  redenne,  da  si  denn  bi  rehtü  senftmütikeit,  ordenlichü 
bescheidenheit,  also  daz  da  nüt  werd  geredet,  denn  ein  beru  notorft, 
du  entweder  got  loblich  sie,  ald  aber  dez  nehsteu  nuzz  da  sie. 

Lüg,  daz  ich  enkeiner  grossen  strankheit  dir  zft  miiten:  du 
solt  essen  und  trinken  und  schlaffen  din  noturft,  und  hab  mit  urlob, 
daz  du  bedarft  ze  diner  krankheit. 

Wellest  du  selig  werden,  so  solt  du  dich  an  den  vor  gespro- 
chenen dingen  ftben,  und  erzag  nit,  ob  es  nit  bald  beschiht.  \T\t 
were  daz  muglich,  daz  alles  daz  gerunbel,  daz  sich  zwenzeg  jar  an 
ein  stat  semnot,  daz  sich  daz  als  bald  lass  us  stossen?  Eswirtvon 
tag  ze  tag  us  gende,  so  es  siht,  daz  es  sin  stat  nit  vindet.  Heilig 
betrahtunge,  andebtig  gebet  und  geischlichd  unmüss,  daz  wirt  hel- 
fende. Hast  du  nit  vil  süzzekeit,  daz  solt  du  dich  nit  lassen  l)^ 
sweren,  du  solt  dich  sin  unwirdig  dünken;  Hg  vor  sinen  miiten 
füzzen,  unz  er  dich  begnade,  und  lass  got  würkeu,  wie  er  welle. 
Es  mflss  noch  menig  wandelber  weter  über  dich  gau,  e  daz  di 
himelsch  heitri  in  dir  bestetet  werde.  Gieng  es  dir  hie  vor  glich 
eben  wol?  Nein  es,  es  waz  liep  und  leid,  leid  und  liep,  dar  na  ab 
es  gab  der  Glükd  rad.  Daz  selb  nim  och  gen  dem  werden  gote. 
dem  du  billich  warten  solt,  des  minneklich  zürnen  besser  ist,  denn 
falsches  liepkosen;  übersieh  gen  ime,  [150']  zwar,  er  hat  gen  dir 
och  übersehen !  Hab  reht  ein  ganz  getrüwen  zu  gotte,  wan  er  iat 
din  nit.    l^^g,  er  ist  als  reht  tugenthaft,  daz  er  es  an  sinera  miiten 


2  in  —  gelass.  fehlt  KU        4  volkomender   CNSin         9  als  [daz]  S 
15  wie]   wan  S         16  jnrerümel  FSU  17  samlet  KSU         22  begnadet  S 

25  leid  u.  liep  fehlt  KU        26  daz  glükrad  KPSm        29  zö]  in  S 

2  f.   Sowohl  dem  Niedngsien   als  dem  Höchstsiehenden  gegenüber,     V^ 
Or  Bfh  IV.  12  f.    Vgl  Meg.  S.  Augustini  (HoUtenius-Brockie.  Codejc  Bf 

gularum  I  [J7:'tif],  340):  carnem  restram  domate  jejuniis  et  ahstitientia  escat  ^ 
potuf(y  quanfum  raletudo  pcrmittü,  26  Glükd  iat  hier  personifiziert  =  Glück* 

göttin  (fro  Seide,  Gr  Bfb  X) :  vgl.   Vita  1:23,00. 


Biieliiiiclileiii.     11.  Brief.  36ö 

herzen  iiihl  m6hti  vinden,  daz  er  den  menschen  mobti  lan,  der  sich 
genzklich  an  in  mag  gelassen. 

Es  waz  ein  mensch,  der  waz  gelassen  von  allem  dem,  daz  im 
Heb  ald  trost   moht  geben   nach  zitlicher  wise.     Eins  males  do  hat 

I  er  einen  frölichen  gegenwurf,  do  gedabt  er  also:  „Jich,  herz  mina, 
»es  fröwst  du  dich  so  reht  inneklichV"  Do  entwürt  im  sin  inrkeit 
sud  sprach  also:  „in  aller  diser  weit  ist  niht,  des  ich  mich  fr6we, 
weder  gfttes  noch  eren  noch  friindeu  noch  keins  lustes  diser  weit, 
Amn  duz  ist  min  fr6de,  daz  got  als  reht  gflt  ist  und  daz  daz  min- 

t  ueklli^h  gftt  min  fründ  ist,  des  leb  ein  gftt  Zuversicht  ban." 

Min  kind.  wie  daz  si,  daz  luzzel  ieman  ist,  er  kom  etwen  in 
Uwekeit  einest  fürbaz  denn  andrest,  doch  so  mfiss  ich  dir  eins  sagen: 
der  berg  ist  hohe  uud  der  weg  schlipfrig,  es  enmag  niit  einem  just 
oit  ergäbet  werden,  es  heisset  aber  und  aber,  uuz  es  ervohten  wirt. 

1  E»  ist  ein  weiche  riter,  der  von  Überkraft  dez  heres  einest  hinder 
sich  gewichet,  der  dar  umbe  aber  nit  kechlicb  bin  wider  tringet. 
Dis  .«triten  ist  guter  menschen  eigen  in  disem  zite. 

Ich  weiss  einen  hredier,  so  der  von  menger  starken  wellen  waz 
Mndfr  sich  getriben,  ond  nach  sinem  danke  genzlicb  entsezet  waz  dez 

t  nhtea  ernstes  und  faerzkliehes  andahtes,  so  gieng  er  in  sich  selb 
ODÜ  sprach:  n^'^i  S^^i  ^^'^  '^^  <^''  ™'^  ergangen,  wie  bin  ich  so 
reht  nnwüssende  her  ab  geschlichen  I  Wol  reht  her  frilich,  und 
werben  umb  ein  anders  gftt,  daz  alt  ist  gar  da  hin!"  Und  vie 
denn  wider  an,   im  selber  ah  ze  brechene,  den  lip  ze  kestlgenne, 

•  den  lüten  ze  fremden,  ernschlich  ze  gebarene,  »ich  selber  ze 
biiten.  ni'iwes  gebet  ze  erdenkene,  nüw  Übung  an  sich  ze  nemene, 
Uod  nllc  die  weg,  da  er  vor  geschlipfet  waz,  ze  versezene;  und 
treib  daz  tag  und  nacht,  iinz  er  in  einem  götlichen  ernst  und  herzkli- 
chem  aiidaht  wider  erhizzete,  und  daz  nagende  dik  vil  besser  wart, 

>  denn  daz  vorgende  ie  wurdi.  Und  mit  betrahtunge  sines  herzen 
M  begrub  er  den  alten  menschen,  als  ob  er  nie  wurdi,  nnd  vand 
denn  mengen  weg.  sich  ze  hüten,  daz  er  vor  nie  gedahte,  und  ward 
»Iso  ie  wiser  ond  ie  wiser.    Und  so  er  aber  her  ab  kam,  so  vie  er 

1            4  ald]   und  C         8  ere  KU         11  ibI]   aie  P  17  in  disen  zil«n  S 

» ffl  w.  her  retht  K  27  da]  die  S  28  nauht  ii.  tftjr  Ä'Än.  einen  CS 
S9  erhizze  ASU 

3  ff.    Die  folgende  Erziibiung    rii'e  die  weiter   arUen    von   einem  fredigtr 

iuit/it   rieh    aohl   auf  Sause   sdlisl.  13   Vgl.   Tochtfr  Syon   ed.   Wtinhöld 

a3i€:   ätr  wec  int  hoch  und  enge  gm:  '  31    Vgl.  Kphts.  i,2:iff.;  Kol.  3,9  f. 
33  her  ab  kam  :=  lauer  Kurde. 


1 


366  Briefbüchlein.    IL  Brief. 

an,  als  ie  von  erst.  Also  mag  im  unzallicli  dik  geschehen  sin.  Sich, 
daz  lert  du  ewig  wisheit  dur  sant  Bernhards  mund,  der  sprichet: 
daz  ist  daz  einig  puntli^  daz  da  scheidet  die  userweiten  von  den  du 
userweiten,  [löO^J  daz  die  abgezelten  blibend  ligende,  da  die  ns- 
erwelten  iemer  me  dar  wider  uf  kerent,  wan  ein  alw^ent  stilles  tan  [ 
mag  nieman  in  der  zit  han. 

Ein  anvahender  mensch,  e  daz  der  in  got  beliplieh  gevestnet 
werde,  der  ma^  als  reht  lihte  veriert  werden.  Ich  kan  hier  zu  nit 
besserz  vinden,  denn  daz  sich  ein  mensch,  als  verr  er  mag,  orden- 
lieh  allen  ustragenden  Sachen  entsage  und  in  sich  selber  einen  weg  i 
mache  und  in  im  selber  belibe;  wan  er  treit  herzenfrid  veile,  der 
sich  vil  ane  groz  noturft  usserkeit  git.  Man  seit  von  dem  grossen 
meister  AI  brecht,  daz  der  sprechi:  ich  gan  niemer  an  die  port, 
ich  gange  minre  her  wider  in. 

Ein  mensch   sol  sich  herzklich   mit  got  alle  zit  vereinen^  ond  1 
dar  zu  höret  stille  swigen   und   höh    betrahten,   wenig  wort  und  vil 
strenger  werk.    Swaz  got  einem  menschen  git  ze  lidene,  daz  sol  er 
frölich   enpfahen,   aller   menschen  gebresten  gednlteklich   übersehen, 
sicli   von   den   anzügigen   dingen   keren,   nieman    vil   gelosen,  rincf 
sinnen  hüten,  lüzel  zites  ald  Worten  ieman  geben,  sin  selbes  flissek- 1 
lieh  war  nemen,  sich  under  got  und  under  ellü  menschen  verdruken,  , 
von  allen  menschen  vvol  sprechen  und  sich  selb  vernuten,  gote  fri- 
lieh  dienen   und   den  menschen  gut   bild  vor  tragen,   sich  vor  dem 
minsten  als  vor  dem  meisten  hüten,  got  in  allen  dingen  meinen,  und 
also  mit  got  ze  allen  ziten  umb  gan ;  wan  hie  mit  so  mag  ein  raensck  i 
in  got  gevestnot  wTTden  und  daz  verlorn  zit  widerbringen  und  DÜwea  ^ 
hord  von  got  erwerben.     Amen. 


2  Beruardus  auch  am  Rande  A         12  vil  fehlt  P  15  alle  zit  [mhl  , 

got  C       17  got  git  C       21  und  [under]  C       23  f.  den  minsten  .46'      24  da 
meisten  A'        27  Amen  fehlt  PS 

2    Vgl.  Bet-nardus,  De  gratia  et  libtro  arhitno  c.  ,9;  8<frmo  1  in  SepUtag* 
n.  J.  IH  m.  Albrecht  =  Älhtrtus  Magnus^  von  dem  viele,  wold  nur  auf  d^ 

Lateinüchen  übersetzten  Sprüche  bei  den  deutschen  Mystikern  zitiert  vtrd^  ; 
(vgl,  Preger  II,  3i)f.:  Wackernagel,  Deutsche  Lit.-Gescli.  ^1879,  4'^3f.;  J.BaAi 
M.  Kckhart  1S64,  47  A.  lU,  49  A.  24).  Der  Ausspruch  findet  sich  ilhnlieh  «idk 
in  der  Imitatio  Chn'sii  I,  2o  (quoties  inter  homines  fui,  minor  hämo  rediik^ 
ist  jenem  Senehis  in  Epif<t.7  (ararior  redeo,  ambitiomor  ...  inhumanior,  {«•• 
inter  Jiomines  fui)   nachgebildet.  23  f.    Vor   dem   kleinsten   tcie   vor  «J* 

grösuten  Fehler.      Vgl.  dagegen  364,2  f. 


Briefbüchlein.    III.  Brief.  367 


Hl.   Brief. 


Wie  sich  ein  luensch  sol  geben  willeklich  in  liden  nach  dem 

bilde  Cristi. 
Eisbeten  der  Stagliii  ze  Tozz. 

»  Nigra  sum  sed  formosa. 

Also  gtat  geschriben  an  der  minue  buch  von  der  minnenden 
sele.  Die  töbtran  von  Jerusalem  baten  ein  wundren  von  Herr  Salo- 
mons  des  küniges  aller  liepsten  frowen;  du  waz  ein  mörin,  und  dar 
ab  namen  sä  wunder,  daz  su  so  swarz  was,  und  im  doeb  under  der 

)  grossen  zal  aller  siner  frowen  du  liepst  waz. 

Waz  meinet  nu  der  beilig  geist  bier  inne?  Du  swerzü  lut- 
seligü  mörin,  die  got  vor  andren  wol  gevellet,  ist  ein  gotlidender 
menscb,  den  got  mit  emzigem  lidene  übet  und  in  mit  gedultiger  ge- 
lazsenbeit  begäbet.     Lüg,  tobter,  es  ist  libt  von  lidene  ze  sprecbene 

%  und  ze  börene,  es  tut  aber  vil  we  ein  gegenwürtiges  enpfinden.  Ein 
lidender  menscb  kumt  underwilent  von  gedrang  dar  zii,  daz  er  m6bti 
wenen,  daz  sin  got  beti  vergessen,  und  spricbet  in  sinem  sinne:  „aeb 
got,  hast  du  unser  vergessen,  weist  du  uns  nit  lebende?  Wes  hast 
du  gedabt  über  uns?     Wie  mag  din  band  so  [151']  swer  sin,   und 

>  din  herz  doch  so  recht  milt  ist?'*  Disom  lieplichen  zurnene  entwürt 
er  and  spricbet:  „lüg  an  die  grossen  zal  der  heiligen,  sih  an  daz 
schon  lebend  gemüre  der  himelscben  Jerusalem,  wie  du  durlübten 
steine  der  stat  vorbin  beschniten  und  gewürket  sint  mit  lidene,  die 
nu  80  schon  ^lenzend  mit  klarem  liebte !     Wie  geschah  der  lieben 

i  sant  Eisbeten?  Paulus  waz  diser  weit  ein  hinwerf;  Job, 
Tobias  giengen  daz  selb  pfad.  Der  heilig  Athanasius  leid,  als 
ob  ellü  disü  weit   sinen   tod   beti   gesworn.     Lfig,  wie  alle  heiligen 


4  Elsb.  —  Tozz  /e/ift  XFm       Elizabeth  [der]  .V  staigliii  U       tüzz  C 

7  wunder  C        9  f.   [der  gr.  zal]   allen  sinen  fr.  S        11  gest  (!j  A        12  frow 

die  morin   S         13   emszigen   liden   K         14  von]  us  C         24  und   mit  *S 
26  Eüsabethen  PS        26  pfad  fehlt  S 

4   Über  die  Adressatin  dieses  und  des  S.  Jiriefes  vyL  Vita  Kap.  ^iS  und 

eben  360,3.  6  Hohel  14.  14  f.   Vgl  Bdew  :,'49,:J0  f.  22  f.    Vgl. 

Apok.  21,10  ff,  (schon  Bdeic  242 J  fi.  zitiert)   und  den  alten  Kirchiceihliymnus: 

Urhs  Jerusalem   beata,   dicta  pacis    risio,    quae   construitur   in   coelis   viris  ex 

lapidfbus  . . .  Tunsionibus,  pressuris  eupoliti  lapides  suis  coaptaniur  locis  etc. 

25  ff.    Hör,  115  f.    zählt   Seuse   die.selben    und    noch    weitere    Vorbilder    des 

geduldigen    Leidens    auf.      Elisabeth    von    Thüringen    irar    bei    den    deutschen 

Mystikern    hoch    verehrt,    vgl,    Mechlhild    von    Magd.    löO;    Lamprecht    von 


i 


368  Brief  büchlein.    III.  Brief. 

cintvveder  herzenblüt,  ald  aber  libes  und  herzen  blüt  hein  vergossen  I^ 
Diz  solt  ein  lidender  mensch  an  sehen  und  sich  frowen,  daz  got  in 
mit  lidene  sinen  aller  liepsten  fründen  wil  gelich  machen.  Dar  nmbe, 
so  lass  tSden  und  martren,  darben  und  torren,  sid  uns  liden  zu  als 
grossem  gut  mag  bringen. 

Ob  aber  ein  mensch  zo  allen  ziten  nit  glich  ergebenliche  hier 
inne  stat,   dar  umbe   hat   er  got  doch   nit  verlorn,  —  morgen  und 
abund  ist  ein  ganzer  tag,   —   cht  ein  mensch  widerspenklich  wider 
got  nit  wil.     So  einem  lidenden   menschen   sin   antlüt   bleichet,  sin 
iiiund   torret  und   sin    natärlichu   lütselikeit  darbet,   so   seh   of  und] 
Sprech:  Sicut  pellis  Salomonis,   daz  ist  der  usser  mensch  des 
kunges,  der  da  an  dem  krüz  erdarbete,  daz  er  einem  menschen  ud- 
glich  waz.    Der  tret  her  für,  der  sich  ime  an  jemerlicher  Verworfen- 
heit mug  geliehen!    Er  sprichet:   Ego   sum  vermis,   ich   hin  ein 
wurm.    Owe,  du  lühtender  wurm  ob  der  sunnen  glänz,  der  dich  an  i 
sihet,   der  sol  nit  klagen,   er  sol  sich  under  ein   ieklichs  liden,  dax 
im  zu  vellet,  mit  frölichem  mute  neigen!  ; 

Min   kind,   du   gedenkst  vil   liht,    wan  dich   got  als  vast  an 
griffen  hat,   daz  dinü  liden  du  aller  grösten   sien.     Daz  solt  dn  nit 
gedenken.     leder  mensch   lit  im   selber  aller  nehst;   und  hier  inuc  ^ 
vind  ich  mich  selb  och,  daz  underwilent  in  mir  gedenk  uf  stünden, 
die  min  liden  gar  grosklichen  wngen.    Aber  daz  sol  man  got  bevehu 

Hie  von  solt   ich   dir  nit   han  geschriben,   denn  daz  mich  dft 
gotlich  minne  dar  zft  zwinget,  daz  ich  min  ahsel  hüte  under  din  bnrdi, 
daz  si  dir  dest  lichter  werde.    So  arm  dürftigen  zesamen  koment  so 
ma dient   sü  etwen   in  selber  ein  kürzwil,   daz  si  ires  hungers  ver- 
gessen.   Ich  wolte  dir  han  gesendet  daz  fösstüch,  daz  ich  dem  hund- 
nam  und  mir  es  ze  einem  bilder  han  behalten,  so  ist  es  mir  als  lieb,  i 
daz  ich  es  nit  von  mir  mag  gelan.    Nu  haben  guten  müt  und  liden  j 
gedulteklich,  wan  dar  nach  volget  fr6d  in  dem  schönen  himelrich!  | 



8  abeiit  KSU       10  f.  sih  ...  sprich  P       11  daz]  der  AKSU       Uf.  ca^ 
wurm  und  nit  ain  mensch    L         21  in  mir  fthlt  S        28  hilde  CSU       29  bb« 
. . .  lide  CXm   haljcnt  . . .  lident  KS        30  ewigü  frod  CNm 

Bet/aifibftrg,  Franziskus  loöd  ff,:  Büchltin  von  der  Gnaden  Überlast  1,15 f.: 
Viten  von  Töss  112,^5  f.;  Hermann  von  Fritdar  242 ff,;  Schürebrand  oP,i3; 
Mk'.  r.  Ihisd  106 f.,  löh) ;  Fclhart  in  Zfda  XV,  400,74 ff.  —  Zu  Paulus  tfL 
/  Kor.  4,13.  Bei  Äthanasiu.s  ist  an  seine  fünfmalige  Verbannung  und  wied^ 
holte  Toflisgrfahr  zu  denken.  11  Hohel  1,4.  H  Fs.  21,7.  19 ff.  V^ 

Bdew  2Vj,Uff.  und  Hör.  IIb.  27  ff.   Vgl.  vorigen  Brief  363^2.     Die  WcrÜ 

sind  eigentlich  nur  im  Gr  Bfh  (XII)  verständlich. 


i 


Briefbüchlein.    IV.  Brief.  369 


IV.   Brief. 

[151^]  Wie  ein  nngelebter  mensch  sich  zu  Im  selber  allein  sol 
keren  und  endrd  menschen  nnberichtet  sol  lassen. 

Quomodo  potest  caecus  caecum  ducere? 

5  Under  vil  andren  geisehlichen  kinden,  du  der  diener  zu  got 
hat  gezogen,  waz  ein  tohter,  du  waz  eins  weichen,  unsteten  gemiites. 
Si  wolte  und  wolte  doch  nit,  si  wolte  gar  selig  sin  und  da  mit  ir 
selben  na  lust  und  gemach  des  libes  och  gar  gnüg  sin,  und  wolt 
daz  mit  schönen  glosan  zft  bringen.     Der  screib  er  also : 

10  Liebü,  wie  last  du  dich  an?  Wie  wirfest  du  die  getrüwen 
lere  dines  geisehlichen  vatters  so  ze  ruggen,  daz  du  dich  hin  wider 
den  dingen  beginnest  geben,  von  den  ich  dich  so  reht  kumme  han 
gebrochen,  die  dir  sele,  lip  und  ere  haind  geswechet?  Dunkt  dich 
iezent,  daz  du  sülist  gan  tun,  waz  dir  in  dinen  sin  kurot?  Bist  du 

*  iez  bestetet,  daz  du  dir  selb  ellü  ding  erlobest?  Owe,  war  umb  ge- 
denkst du  nit  hinder  dich,  waz  dir  got  übersehen  hat,  und  wie  reht 
kome  du  hier  zu  bist  komen  und  wie  gar  du  noch  nüt  bist,  und 
aemist  din  selbes  war  und  liessest  ellü  endrü  menschen  underwegen? 
Sihst  du  nit  den  tüfel,  der  dir  einen  sidin  vaden  umb  die  kelen  bat 

^  gebunden  und  dich  gern  na  im  fürti  ?  Du  enkondest  doch  dich  selber 

nie  geleren,   du  bist  doch  krenker  denn  Eva   in  dem  paradise,  und 

wilt  ander  lüt  zu   got  ziehen?    Du  wilt  stro   zu  dem   fürin  brand 

legen,  der  nüwan  enklein  bedeket  ist  und  noch  nie  reht  erlasch? 

Du  sprichst,   du  wellest  es  nn   in  ein  geischlich  wise  ziehen, 

^^  weiss  gott!  es  mag  wol  in  dem  geist  an  vahen,  es  wirt  aber 
schier  in  dem  fleisch  endende.  Bist  du  nit  gnüg  gewizget?  Dunket 
dich  nit,  daz  dir  got  gnüg  hab  vertragen?  Gewerlich,  du  wilt  nit 
erwinden,  e  daz  du  an  dez  tüvels  sail    wirst  gebunden.     Ich  han 

dir  es  dik  geseit:  ir  wenent  als  got  und  die  lüt  höflich  triegen,  und 

80  man   es  denne   umb  keret,   so  sind  ir  selbe  betrogen.     Du  miist 

vast   st  an    und  müst  allen   anhang  lan,    anders  du  macht  niemer 

best  an.     Lass  dich   wol  begnügen,   ob   du   selb   dem   tüfel  mäht 

enpfliehen ! 


2—3  fehlt  Nm  ungeliebter  (!)  K  ungeübter  U  allein  fehlt  Sü  8  na] 
ji  S  10  lieber  K  lieb  dochter  U  11  hin  fehlt  C  13  und  lip  KSU 
4  dinen]  den  4S'  16  dich]  eich  KSU  22  lürbrand  S  23  nüt  r.  erloschen  P 
8  e  daz  daz  [du]  P        32  benugen  KSU       33  entfliegen  (!)  .S' 

2  ungelebt  =  unerfahren  im  geistlichen  Lehen.  4  Luk.  6^39, 

H.  S«u8e,  Deutsche  Sebriften.  ^4 


370  Briefbtichlcin.    IV.  Brief. 

Ich  inüss  dir  eins  sagen:   l&g,   der  diener  waz   eins  tages  vs 
gegangen  und  hate  hinderstanden  einen  geischlichen  rob,  den  er  dem 
tüfel  wolte   nemen   und  in  got  wider  geben;   und   der  rob  waz  eio 
mensch  in  geischlichem   schine,   als   du   bist.     Der  mensch  hat  m 
herz  mit  upiger  minne  verstriket  und  kond  da  von  nit  komen^  wan  i 
er  wolt  gefüg  suchen,  da  kein  gelinpf  noch  füg  zu  horte.     Und  do 
der  mensch  von  des  dieners  guter  ler  wegen  ein  triben  gewan,  sich 
von  den  Sachen  ze  keren  und  sich  ze  got  halten,  da  begonden  sich 
die  bösen   geiste  leichen  urab   ire  verlust  und  ir  den  vonker  swer 
[152']   machen,   daz  sü  duchte,   es  weri   ein  swere  berg  uf  ir  heraM 
gestossen.     Des  selben  nahtes  na  der  meti  waz  im  vor  in  einer  ge- 
siht,  wie  ein  grössü  schar  michels  gefugeis  kemi  für  sin  celle  stür- 
mend, und  die  waren  gar  ungestalt  und  waz  eine  nit  als  der  ander. 
Also  bot  er  sich   zu  dem  venster  us  von  wunder  und  fraget  einen 
jungling,   der   stund  bi  ime,   waz  frömdes  gesindes  daz  were.    Doli 
sprach  er:    „lüg,  daz  wandelber  gesinde  daz  ist  ein  tüfellichü  sam- 
nung,   und   sint  zornig  und  wütig  umb   den  menschen,   daz  er  sich 
von  in  wolte  scheiden,  und  swenkent  dar  umb  hie,  wie  sü  in  ierren 
in   dem  guten   fürsazz   und  in   wider  verwisen  in   daz  alt  leben.* 
Mornendes  frü,   do   es  tag  ward,   do  screib   er  ir  einen  brief  und  81 
enbot  ir  also: 

Viriliter  agite  etc.  So  ein  ersamer  ritter  einen  knapen  dei 
ersten  in  den  ring  füret,  so  spricht  er  wakerlich  zu  ime:  „eia, 
werder  held,  tu  hüt  als  ein  frumer  man  und  gebar  kechlich  und 
wer  dich  frischlich!  Lass  dir  din  herz  nit  enpfallen  als  ein  zage;* 
es  ist  besser  erlich  sterben,  denn  unerlich  leben.  So  der  erste  jnst 
übertruket  wirt,  so  wirt  es  lihter."  Also  tut  geischlich  ze  nemene 
der  heilig  David  gen  aime  frumcn  gotes  riter,  so  er  sich  an  sinem 
anvang  sol  und  mAss  von  zitlichen  dingen  scheiden;  so  spricht  er 
also:  Viriliter  etc.,  daz  sprichet:  gebarend  künlich  und  manüchS 
ir  alle,  die  got  getrüwent! 

Des  bedarfst  du  wol,   tohter  minü,   daz  du  vast  standest  und 
den  bösen  reten  dez  tiefeis  nit  volgest.   Du  bist  iezo  in  dem  bitersten, 


1  log  fehlt  K  13  eins  P  14  zö]  vou  U  18  sweben  Nüm  19  y«- 
wisteu  P  22  knabeu  SU  26  unerlich]  innerlich  (!)  P  dO  etc.  fehlt  ÄC 
33  dem  b.  rote  P 

3  f.  ein  mensch  i.  g.  seh.  =  eine  Klosterfrau,  16  wandelber.    Nach 

dem  Gr  Bfb  verwandelim  sich  die   Vögel  forttvährend,  22  Ps,  So^ö,    VgL 

auch   Vita  Kap.  44, 


Brief büclileiii.    IV.  Brief.  371 

0  du  luncht  komen;  kumest  du  über  disen  schmalen  Bteg,  so  kamst 
du  Bchier  l'ürbaz  uf  die  witeo  schönen  beide  eins  rüwigen  geisch- 
Vichen  lehcns.  Wolti  gof,  das»  ich  in  den  füsBtapfeQ  dines  kanpfes 
fiir  dich  sölti  stau  nnd  die  herteti  schleg  für  dich  enpfahen,  die  din 
angevoliten  herz  iez  enpfahet!  üaz  weri  dir  schad,  wan  wa  weri 
deiine  der  grün  balme,  den  du  als  och  ander  sunder  gotes  riter  in 
ewiger  wirdekeit  solt  tragen,  ob  du  geeigest?  Als  manig  pfil  dir 
win  geschossen,  als  mengen  rubin  wirst  dn  in  der  kröne  tragende. 

Ach  dar  umbe,  kind  mins,  bis  veste,  stand  vast,  gebar  kftn- 
iicbl  Es  ist  kurz,  daz  du  lideet,  uud  ist  ewig,  des  du  dar  nmbe 
^kartest.  Tu,  als  du  weder  sehest  noch  höret,  unz  du  disen  ersten 
JDEt  dines  gätlichen  auvanges  überwindest.  Nach  den  grossen  weteni 
komeot  gern  die  liebten  tage.  Gedenk,  daz  menger  schöner,  junger, 
edeier  und  zprter  mensch,  denn  du  bist,  dinen  [1Ö2']  strit  hcind 
riterlich  überwanden,  und  die  in  dem  gevehte,  in  dem  du  iez  stast. 
menig  zit  stünden  und  och  vil  bitterlicher  wurden  an  gevohten.  und 
dai  jüt  nu  ire  herzen  fröde. 

Eya,  kind  mins,  dar  umbe  so  bot  mir  din  band  nnd  hab  dich 
vaste,  nät  an  mich,  sunder  an  den  starken  herren,  dem  du  nu  ze 
^dieoEt  in  disen  strit  bist  komen.  Wüssist,  er  lat  diu  nit,  ist  daz  du 
diüh  genzlich  an  in  lassest.  Zwei  ding  sint,  du  dir  ellü  ding  helfent 
äberwinden:  eins  ist,  daz  du  niemau  gestandest,  noch  gesizest,  noch 
geloaest,  es  si  friend  oder  vient,  der  dich  keinen  abweg  wil  wisen; 
daz  ander,  daz  du  nit  höflich   klubest,   noch  mit  linsen  zügen  den 

1  tilgenden  natren  dines  herzen  na  gangest.  Folg  mir:  wilt  du  nit 
mom  wider  in  keren,  so  zerr  im  daz  hopt  ns!  Tö  es  geswinde  und 
hederbklieh,  wan  wilt  du  su  allein  an  dem  sweil'  raren,  so  kleibent 
BÜ  sich  dest  vester  und  bissent  dest  wirs.  Enbüt  in:  fndus,  fridus! 
die  din  herz  so  berlieh  mit  falscbheit  eutfridet  band.  Flüh  ze 
gole,  lasB  die  tumbeu  ton-en  nf  dich  rufen,  swie  vil  sü  wen,  Iftg  bi 
niitü  hinder  dich,  —  sich,  so  hast  du  alle  diu  vient  schier  über- 
wunden nnd  bist  von  dinen  sweren  banden  behendeklich  entbanden. 

Nu  wil  aber  ich  zö  dir  noch  eins  sprechen,  und  hab  es  nit  für 
obel.  Ich  ban  gemerket  an  dir,  daz  du  noch  unganzlicb  in  got  mit 
hnen  sinnen  stast,   daz  du  dich   noh   nit  verwegenlicb  aller  dingen 


)  wa  fthll  C       9  Tut]  uf  S       11  als  ob  P       13  komeent  Ä       Itf  bit- 

nu]  in  KL'      22  noch  gesiz.  fehtt  C       24  kaplest  U       lisen  CS 

n]  kere  F        28  sich  fehlt  C       fridua  nwi-  tinmal  P        32  Nm  haben 

I  späUren  Zvatitt  von  3  Zeilen  {Pregtr,  Britfe64)       8&  dinem  BÜme  Ä.C 


372  Briefbüchlein.    IV.  Brief. 

• 

hast  ab  getan.  Gewerlich,  da  müst  eintweder  haben  oder  la 
anders  dir  geschiht  niemer  kein  selde.  Mag  ieman  zwein  h 
dienen?  Nein  es,  werlich!  Tu  einen  frien  sprang,  so  macht  d 
Üben.  Lass  von  grande  den  menschen,  —  da  merkst  mich  wc 
und  la  alles  daz  gewerbe,  daz  in  sölicher  zerganklicber  minne 
sin  an  gegenwürtikeit  und  an  botschaffc,  und  lass  dich  dar  a 
wisen,  weder  mit  tröwene  noch  mit  liebkosene.  Gib  ein  kuni 
urlob  aller  der  gespilschaft,  da  dir  dis  arbeit  waz  ratende 
helfende,  oder  die  noch  die  wise  fürent,  die  da  wilt  and  mftsi 
wan  ane  alle  glose  sind  su  dir  ein  gift,  und  daz  weist  du  vil 
Du  solt  dich  aller  usverten  geloben  und  aller  nebelmentelin,  w 
nrsach  vindest,  von  noturft  wegen  ein  usvertli  ze  erwerben ;  got 
du  lät  wissen  wol,  daz  hie  von  nit  vil  gutes  ist  komen.  Di 
frü  und  spate  bekünbert  sin,  wie  du  din  süntliches  leben  gebes 
wie  du  diner  [153']  manigvaltigen  gebresten  lidig  werdest  un< 
du  dich  mit  dem  grimmen  richter  versunest.  Gewerlich,  du 
dar  an  nit  genüg,  daz  du  an  den  kle  wol  hoflich  bissest,  da 
dinen  tapfern  lip  an  griffen,  dinen  geschlifuen  zungen  binden,  < 
ungesamneten  mfit  wider  samnen,  daz  din  herz  nit  sie  als  eii 
mein  gasthus,  als  ein  offen  winhus,  ein  tabern,  da  ieder  man 
niderlass  vindet  und  da  ieder  man  bestanden  ist,  wes  er  erde 
kan.  Eia,  trib  us,  trib  us  daz  uiivolg,  oder  sicherlich,  da  enn 
den  zarten  herren  niemer  enpfahen!  Gedenk,  daz  er  dich  in 
gevordret  ze  einer  gemahel,  und  dar  umbe  so  hüt,  daz  du  üt  we 
ein  havendirnne! 


7  kimtl.J  kintliches  P  frigcs  U  10  vil  fehlt  C  11  userte 
iiebentmentelin  S  12  ufvertli  A  16  hast]  ßfewinnest  C  19  uzsamnc 
24  einem  PSm        nüt  P 

2  f.   V(jh  Lah,  16,13.  6    VgL  Hör,  38 :  dulcv^  liier at  crebraqui 

nuscula  (ähnlich  Regula  S.  August,  c.  9).  11  usTerten  =  Ausgänge  i 

Stadt;  vgl.  Vita  70,21  ff.    —    nebelmenteliu  =  Bemäntelungen,  gleichbedc 
mit  glose.  17  Ks  taugt  nichts,  das  geistliche  Lehen  mit  weichlicher  ii 

Schonung  zu  beginnen. 


BriefbUchleih.    V.  Brief. 


V.  Brief. 


Ton  jubüiereuder  Tröde,  die  die  eugel  und  engclschllcliti 
mensclien  enpfalieut,  so  .sicli  eiu  siinder  bekeret, 
Esultet  iam  angelica  turba  coelorum. 
Es  sprichet  unser  herr  an  dem  ewangelio,  daz  sich  engelsch- 
Ebä  natur  früwet,  so  sich  ein  sünder  bekeret,  und  der  enge!  frSde 
i^t  ein  bimelscbes  jnbilieren. 

Es  kam  einest  zu  de?  dienere  kundsami  ein  meosoh,  dur  den 
Inhl«  du  weit  nah  grosser  gevelükeit,  daz  von  dem  reidicben  bilde 
menig  herz  eotrihtet  ward.  Daz  beti  der  diener  gern  understanden 
imd  es  zii  dem  minneklichen  got  gezogen,  daz  got  weri  dar  von 
gelopi  und  des  selben  menschen  engel  und  alle  engel  mit  im  ge- 
fröwet  und  dii  menschen  gebesret.  Diser  bete  über  den  menschen 
kam  er  ernschlich  an  got  und  sunderlich  an  unser  t'röwen.  da  da 
ut  ein  liehter  morgensterne,  und  bat  si  flehklieh,  daz  si  dez  mcn- 
«hen  weltliehen  mÖt  und  ir  vinster  herz  erluhti  und  si  von  8ehed- 
liehen  dingen  hin  zu  got  zugl.  Des  ward  er  von  ir  gewert,  daü 
dem  weltlichen  herzen  du  gnad  von  got  ward,  in  der  si  sieb  ge- 
«vrinde  von  der  weit  zft  got  getrülichen  kerte.  Dar  ab  entsprang 
)  grossii  himelschii  fr6de  in  sinem  herzen,  daz  er  neiswi  in 
belscher,  jubilierender  wise  ir  disen  brief  santte. 

Dar  na  lange,  do  er  uss  allen  sinen  brieffen  diz  klein  ding 
jnen  laacbote  und  daz  ander  alles  dur  kärzrung  iinderwegen 
,  und  do  er  disen  brief  och  her  für  nam,  do  gedaht  er  also: 
r  brief  ist  nüt  denn  ein  jubilierendü  rede,  und  so  die  tiirren 
1  und  hertü  herzen  daz  werdent  lesende,  so  wirt  es  in  ungesmak; 
Und  also  verwarf  er  den  selben  brief  och,  Do  mornent  ward,  — 
''az  waz  in  der  heiligen  engel  octave,  —  do  kom  in  einer  geisch- 
liden  gesiht  für  in  weiswi  menger  jungling  der  engelschlicben  ge- 
Wlgehaft  und  straften  in,  daz  [l■^3'■]  er  den  selben  brief  hate  ver- 
•ülget,  und  meinden,  er  müsti  in  wider  scriben.  Und  daz  tet  er, 
1  vie  an  und  screib  also: 


1 


m.  C      23  küzruDg  A      26  nltt  aiiders  dei 


fehlt  !• 


4  Anfang  des  dem  hl.  Augustinus  lugeschrithcnen  Ui/mnun, 

■   Wtihe  dtr  Ostrrkertt  gesungen  wird.  5f.  I.ak.   15,10. 

_         ciiBch  «i>  ößfT«  =  veiblicht  Person.  15  inorgensterne ,  egl. 

"^^i  Mt'lici'tm  Hymnus.  22  diz  klein  ding  =^  ebtn  distes  d«m  K.rttnpk 

''nvtrkibte  kleine  Briefbildikin.  28  6,  Okt.  (vjl.  Vita  30J!5. 


374  BriefbUchlein.    V.  Brief. 

Exultet  iam  angelica  tui'ba  coelorum.  Do  der  lie 
morgenstern  Maria  heiterlich  durprach  die  leiden  vinstri  dines  ti 
kein  herzen,  do  ward  er  fiölich  gegrüzet.  Ich  hfib  nf  an  der  liefe 
stunde  mit  schalle  ein  frodenrich  stimme^  daz  es  in  der  höhi  ei 
klang:  „ach,  got  gruze  dich,  praeclara  maris  Stella,  got  gru2 
dich,  ufgender,  wönneklicher,  zarter  morgensterne,  von  dem  grnnd 
losen  gründe  aller  minnenden  herzen!"  Ich  reizte  die  gesellen,  da 
sü  schallich  den  glenzenden  morgensternen  grüztin,  owe,  ich  mei 
die  süzzen  küngin  von  himelrich,  du  mit  ir  usbrehenden  liehtriche 
glenzen  din  tinber  herz  hat  erlübtet,  nach  dem  als  ich  es  an  \ 
togenlich  komen  waz.  Min  hoher  möt  enbot  ein  fries  loben  in  da 
himelsch  land,  nnd  bat  die  hohen  galander  und  die  süzzen  lercha 
der  himelschen  beide,  daz  sü  mir  hülfin  rumen,  loben  und  prise 
den  herren.  Ich  hftb  uf  minü  ogen  mit  einem  vollen  herzen  ud 
sprach  also: 

„Exultet  iam  angelica  turba  coelorum!"  Wafen,  goi 
gewan  ich  ie  leid,  daz  verstand  do;  die  guldin  tag  baten  mic 
umbgeben,  ich  wände,  daz  ich  swebti  in  dem  meiental  der  hime 
sehen  fröden.  Ich  sprach:  „fr6went  üch,  ir  werden  engelschar  d( 
himelschen  owen,  jubilierent,  springent  und  singent  umb  die  liebe 
botschaft!  Lftgent  alle  mit  wunder:  der  junger  sun  ist  wider  komei 
daz  verlorn  t5d  kind  ist  funden,  ach,  daz  töd  lieb  ist  wider  leben 
worden!  Der  naturlich  geblümter  anger,  da  daz  vih  uf  geschlage 
waz  und  verwüstet  waz,  beginnet  in  übernatürlicher  sch6ni  wide 
schinen,  daz  vih  ist  us  getriben,  die  sch&nen  blümen  beginnent  scho 
uf  tringen,  daz  tor  ist  beschlossen,  daz  eigen  ist  wider  worden.  Da 
umbe,  ir  himelschen  seitenspil,  leichent  üch,  machent  uf  einen  nüwe 
reien,  daz  man  es  innen  werde  in  dem  himelschen  hofe,  daz  da  eo 
kein  gasse  sie,  sie  werd  sin  vol !  Fr6went  üch  so  vil  dest  me,  wan  de 
minnegütin  fro  Venus  ist  ir  herze  berobet,  ir  fümemes  sumerliebe 
krenzli  ist  ir  ab  gesprochen,  ein  fr6denbernde8  spil  ist  ir  erstnmbei 


1.  16  Ex.  —  coel.  fehlt  2>  2  Maria  fehlt  S  8  glenz.  fehlt  P  10  tinbeJ 
inner  C  tunbes  P  13  beiden  P  20  owe  NPm  22  kind  --  lieb  fehlt  l 
.SO  minnegottin  CNPSm       31  ein]  din  P        frodenbares  S 

5  Ave,  praeclara  maris  Stella,  in  lucem  getUium,  Maria,  divimius  cii^ 

erste  Strophe  eines  Hermannus  Contractus  zugeschriebenen  Marienhymnus  (^* 

valier,   liepert.  hymnol,  Nr,  2046  J,  1^;  Mone,  LaU  Hymnen  II,  355 fj»  ^ 

wird  auch  in  den  Offenbarungen  der  Christina  Ebner  zitiert  (Afda  /X,  i^' 

21  f.   Vgl  Luk.  10,24. 


Briefbüchlein.    V.  Brief.  375 

„£ia,  falschu  weit,  eia^  triegendü,  zergaDgklicbü  minne,  tu  din 
hopt  under!  Wer  wil  dich  nu  prisen?  Mit  wem  wilt  du  es  nu  mit 
80  hoflicher  lütselikeit  vorgan  ?  Din  geraeiter  leitstab  ist  under  ge- 
tan, er  ist  worden  ein  ansihtiger,   gütlicher  leitstab.     Des  fröwen 

{F  5 Sich  die   bimel   alle,    und  ellu  g6tlichu  minneudu  herzen  sprechen: 

^  Gloria  tibi.  Domine,  umb  die  [154']  grossen  wunder,  die  du, 
herr,  allein  würkest  in  so  mengem  sündigen,  helflosen,  verzwifletem 

[     herzen. 

„Ach,  schöner,  gewaltiger  herr,  wie  reht  schön  und  minneklich 

UO  do  siest  in  allen  dinen  geteten,  so  bist  du  aber  neiswi  noch  tusent* 
n\i  minneklicher  und  loblicher  uns  armen  sündigen  menschen,  du 
du  als  gar  unverdienet  gerächest  ze  begnadene  und  zu  dir  ze  ziehene. 
Herr,  es  gezimt  dir  ob  allen  dinen  werken  als  reht  wol,  es  stat 
dber  güti  als  reht  zimlich.     Owe,  du  minnekliches,  grundloses  gut, 

flB  da  in  dem  werke  zerspaltet  der  stehlin  berg  diner  strengen  gerehtikeit. 

„Nu  tretend  hüt  zfi  mir,  ellü  menschen,  du  got  also  minneklich 

begnadet  hat,   und   land   uns  schowen,   minnen   und  loben  daz  gut, 

owe,  daz  grundlos  gut  unsers  herren   und  muten  vatters!    Eya,  ge- 

minter  got,  Iflg  ein  wunder:  du  herzen,  du  vor  umbfiengen  den  mist, 

«80  herr,  die  minnent  und  umbvahent  dich  hüt  mit  grundloser  girde;  die 
gester  waren  verkererin,  die  sint  hüte  diner  süzzen  minne  bredierin. 
Herr,  es  ist  ein  wunder  und  ein  lustlich  ding  ze  höreue:  die  vor 
von-zartheit  sich  selber  kumme  getrügen,  die  brechent  in  selber  abe 
nnd  vindent  nüw  fünde  grosser   strenkheit   und  minneklicher  Übung 

^  in  dinem  lobe,  daz  sü  sich  luterlich  mit  dir  gesünen.  Den  ir  eigen 
lip  ze  liep  waz^  den  ist  er  worden  ein  frömder  gast;  die  sich  vor 
finlich  uf  machetan,  wie  sü  der  minne  gelagetin,  die  bergent  sich 
DU,  daz  sü  got  wol  gevallen ;  die  vor  in  zorn  waren  als  die  grimmen 
wolve,   die  sind  nu  an  übersehene   als  die   swigendü  lemblü ;   owe, 

*  ^  die  da  vor  swarlich  gelestet  und  gebunden  waren  mit  stehlinen  reifen 
in  trurkeit  und  swermütekeit  der  strafenden  gewüssne,  owe,  milter 
Wr,  sich,  die  swingent  nu  frilich  uf  über  alles,  daz  ertrich  geleisten 


2  QsfeMt  U  Sünder  —  4  leitet.]  dir  gezuket  C  5  minn.  fehlt  KU 
lo  da]  das  P  16  also  miun.  fehlt  C  17  f.  daz  gut  owe  fehlt  C  23  kunme  A 
25  dinem]  dem  S       27   begerent  (!)  KC       sich  fehlt  KU       32  swigent  (!)  CS 

3  leitstab  =  leitender  Stab,  Anführer  (Lexer  /,  1874).  Jene  bekehrte 
^^8(m  war  vorher  gleichsam  Vorkämpferin  der  weltlichen  Minne,  6  Ab' 
y^zung  der  Doxologie:  Gloria  Patri  et  Filio  etc,  jetzt  noch  vor  dem  Evangelium 
*"  cicr  Messe  gebraucht. 


376  Briefbüchlein.    V.  Brief. 

mag,  in  wolgemüter  eutladenr  friheit,  bü  floierent  gefriet  in  d^ 
himelsch  Vaterland,  sü  wundret,  daz  8Ü  ie  so  blind  nnd  so  sinneU 
gen  der  vinstren  naht  der  valschen  minne  niohtan  werden.  Her 
daz  ich  hie  vor  laz,  daz  han  ich  na  enpfunden:  so  daz  liplich  z 
dem  geischlichen  und  daz  wolgenat&rt^zü  dem  ewigen  geratet,  du 
denne  ein  grosse  funk  diner  gnadenrichen  minne  dar  us'wirt.  Eya. 
ewigü  wisheit,  daz  ist  du  wandlang  diner  rehten  hand,  zartu  frowe 
von  himelrich,  daz  sind  du  werk  diner  grandlosen  miltekeit.'^ 

Nu  hör  och,  min  kind,  waz  ich  und  du  und  önser  glichen  gen 
dem  geminten  got  tun  son.  Wir  sülen  nu  fürbaz  also  leben,  daz 
uns  nieman  got  [154'']  mag  uf  gehaben,  wir  sülen  tun,  ab  ob  ein 
edle  küüg  sin  kuchidirnen  sasti  über  sin  frowen.  Owe,  wie  dank- 
berlich  du  dirne  den  herren  umbfiengi,  wie  trutlich  si  in  minneti, 
wie  herzklich  si  in  lobti,  und  so  si  ie  unwirdiger  weri,  so  er  ie 
minneklicher  von  ir  geminnet  wurdi !  Wir  sülen  reht  den  lutren  un- 
schuldigen menschen  für  gebieten,  daz  wir  sü  überschallen.  Tfint 
sü  ime  eins,  so  sülen  wir  im  zwei  tun ;  minnent  sü  in  einvalteklieb. 
ach,  so  sülen  wir  in  tusentvalt  minnen.  Lfigent  rcht:  alle  die  wisf, 
als  wir  hie  vor  in  unsren  tunbcn  tagen  uns  flissen,  daz  wir  sunder- 
bar  stundin  in  aller  klükheit,  daz  wir  ellü  herzen  in  wolgevallender 
wise  zu  uns  zügiu,  —  also  sülin  wir  nu  naht  und  tag  dar  nach 
studieren,  wie  wir  ellü  herzen  gebesren  und  gote  usgenomenlich  wol 
gevallen. 

Ach,  kind  mins,  gedenk,  in  den  toben  tagen  wie  tet  uns  so 
reht  wol,  so  man  uns  sanderlichen  rftmde,  meiade  und  rainnete,  daz: 
wir  wanden!  Owe,  wie  recht  wol  uns  wirt,  so  uns  nu  daz  gemint 
lieb  wirt  sunderlichen  minnende  und  meinende!  Ach,  kind  mins,  ge- 
denk, wie  recht  sur  daz  zitlich  liep  erarnet  wirt,  daz  wir  do  etwen 
von  vort  wegen  lüzel  kein  kurzwil  da  von  mohtan  gehaben,  —  ach, 
dar  umbe  ist  billich,   ob   uns   dis  och   etwen   sur  wirt.     Lflg,  kindJ 


1  florierent  CNUm  2  und  [so]   AKNnm         7  gerehten  C       ^^^ 

fehlt  KU  9  du]  die  K  [und]  unser  C  11  uf  geben  C  12  versasti  C 
17  im  z.  t.  —  18  s.  wir  fehlt  C  20  blügheit  C  21  nu  —  22  wie  wir 
fehlt  ASFKUfa  (HonioioteUuton !)  28  daz  z.  liep  so  reht  sur  S  zitl.  /iW<  ^ 
29  kurwil  A  ktirtzel  C        80  och  dis  P 

7   Vgl.  Ps,  76,11.  15 f.  Sinn  wohl:  wir  sollen  die  ganze  LauUriti^ 

und  Unschuld  unserer  Natur  zeigen,  dass  wir  die  andern  Minner  Gottejt  übertrtf^' 
Vgl  auch  Gr  Bfb  XIV,  27  ff.   Vgl.  Bdttv  219,20  ff.  30  dia  =  *• 

(Gewinnung  des  eicigen  Liebes. 


BriefbücUein.    V.  Brief. 

ins,  eine  des  beger  ich:  daz  du  menschen,  du  ein  nit  enpfuiideii 
ein,  daz  du  weoeiit,  daz  es  vil  me  kurzwil  bringe,  denne  es  tat; 
M  wenent,  daz  uieinan  wot  sie,  denne  dem  mit  dem  roten  asse  sn 
ileni  krumben  angel  geliidert  ist.  Ach,  ewisü  wieheit,  miunekliches 
lieb,  wan  sehin  dich  ellu  s&lichü  herzen,  als  dich  min  herze  !<itit,  sn 
«rstube  in  in  ellu  zerganklichü  liebi!  Herr,  mich  kan  niemer  ver- 
wnndren,  ewie  frömd  es  mir  och  hie  vor  waz,  daz  kein  grundlos 
rainnendes  herz  in  Ute  denn  in  dir,  tiefer  wag,  grnndloees  mer,  tiefes 
abgründ  aller  minneklicher  dingen  gelendcn  mag.  Herr  mine,  min 
Kh&nes  liep.  war  uinbe  zfigeet  du  dich  inen  nitV  Lfig,  emgä  wis- 
lieit,  wie  die  falschen  minncr  tAnd:  waz  unlütseliges,  ungeRtnltes 
nnd  gebreslhaftiges  an  in  ist.  daz  bergent  bü  genote,  herr,  hein  sü 
abtp  üt  düpiicher  gestifter  schöni  oder  iütselikeir,  daz  bietent  sil  ber 
für  und  weri  in  leid,  daz  üt  in  lieh  were,  daz  liebes  ogen  vergiengi ; 
und  so  sü  es  hin  und  her  getribent,  owe,  so  sind  hü  nit  andere,  denn 
ein  sak  vol  mistes.  So  gedenk  ich:  owe,  der  dir  nüwan  die  obren 
hat  ab  zugi,  wie  sieb  denn  die  warheit  in  di^  erzogti,  wel  ein  Un- 
tier uisn  an  dir  sehi!  Owe  aber  du,  gemiiites  Hob,  ewigi'i  [155'] 
»igbeit,  du  verbirgest  diu  minnekUches  und  zAgeet  din  leides,  du 
rögst  daz  8ur  und  behaltest  daz  süz.  Owe,  gemintes  zartes  lieb,  war 
nmh  tust  du  dazV 

Ach,  gemintcr  herr,  erlÖb  mir,  lasa  mich  sündigen  menschen 
ein  einig  w&rtli  zu  dir  sprechen,  gewerlieh,  heiT,  ich  enmag  sin  nit 
enbem.  Owe,  gemintes  lieb,  wan  hetist  du  mich  lieh!  Ach  herr, 
berr,  Last  du  mich  liep?  Wafeu,  wan  weri  ich  din  liep!  Owe, 
wenet  ieman  uf  ertrich,  ob  mich  der  i^emint  herr  lieb  habV  Min 
*ele  einredet  dur  nah,  owe,  min  herz  ruret  sich  in  minem  übe,  bo 
ich  geding  hau,  daz  du  mich  lieb  habest.  So  es  mir  in  minen  mfit 
kaut,  ach,  so  wird  ich  als  rebt  frulich  gestalt,  daz  man  es  an  mir 
briilcn  mähte,  der  es  nemi  war;  alles,  daz  in  mir  ist,  daz  zei'flusset 
Von  rehten  fn'iden.  hflg.  herr,  hetti  ich  wnnsches  gewalt,  so  weri 
<ht  aller  hfihste  und  begirlichost  und  lustlichest.  so  min  herz  und 


3  aase]  also  C  sU  S  6  aSl.]  frSlichen  P  Ijerze]  ael  S  7  Joch  iS 
J^  beeeienl  KU  13  däpl.)  liübschen  P  24  f.  herr  eiumal  P  26  mich 
""  aTainrotift»      dir  noch  J      30  war  nerae  PU      32f.  und  seIe/«AH  C 

2  es  bttltht  »ich  vxihl  auf  da»  eitrig*  Litb   (gegen  Denifit  699  A.  IK 
KIS.  Vgl.  Hör.  2öf.,  H7 f..  Stf.  16  dir  ==  rfoii  falacittn,  wülUehen 

36  ff.   Hat  J'olginde   berührt   »ich   nu-hrfac/,    mit   Kap,  7  des  Bäeu- 
\nammltUh  237,4  ff.,  226,20 ff.,  324,17  ff. >. 


378  Brief büchlein.    VI.  Brief. 

sele  erdenken  könde,  daz  du  micli  sunderlich  lieb  hetist,  ach,  owe, 
und  daz  du^  truter  herr,   ein  sunderlicbes  minnekliches  liebsehen  af 
mich  hetist.    Lögent,  ellü  herzen,  weri  daz  uit  ein  himelricb?  Herr* 
dinu  ogen  sind  ob  der  liebten  8unnen  glänz,  owe,  din  süzer  gütlicher 
mnnd,  dem  der  kunt  wirt,  dinü  liebtberndü  wengel  gotlicher  und  i 
menschlicher  nature,  din  sch6nü  gestalt  ob  alles  zitliehes  Wunsches 
gewaltl    So  man  dich  ie  blösklicher  von  aller  materi  entwiset,  so 
man  dich  ie  minneklicher  in  luter  frodenbemder  wunne  schowet;  so 
man  aller  lütselikeit,   gczierde,  Schönheit   ie  grundlosklicher  na  ge- 
denken kan,  so  man  es  ie  überswenklicher  in  dir,  zartes  lieb,  TindeL  1 
Lüg,   ist  ut  minnericheS;   wolgevallendes   an   keinem   minneklichea 
menschen,   daz  nit  in   luter  wise   tusent  stund  minneklicher  in  dir, 
gemintes  lieb,   sie?    Nu  schowent,   ellü   herzen,  sehent  in  eben  an, 
lügent:   Talis  est  dilectus  mens,   aisus  minneklich  gestellet  ist    I 
min  süsses  lieb,   und   er  ist  mins  HEilZEN  TßüT !     Daz  sie  üch  U 
kunt  getan,  ir  töhtran  von  Jerusalem!    Wafen,  zarter  got,  wie  seiig 
der  ist,  des  lieb  du  bist  und  dar  inne  eweklich  bestetet  ist! 


VI.  Brief. 

Wie  sich  ein  mensch  sol  halten  nnerschrokenlich^  so  es  git 

an  ein  sterben. 

Absalon,  fili  mi,  quis  mihi  det,  ut  ego  moriar  proteif 

Dem  diener  lag  siner  liepsten  geischlichen  kinden  eins  au  dem 

tode,  und  do  er  horte,   daz  es  sterben   müste  und   es  sich  ab  dem 

tod  als  übel  gehüb,   do  trost  er  es   und  screib  im  disen  brief  also: 

Kind  mins,  wer  git  einem  getrüwen  vatter,  daz  ich  für  min  Ä 
liebes  wolgeraten  kind  sterbe  ?  Stirb  ich  nit  liplich,  so  stirb  ich  aber 
berzeklich  mit  dem  geminten  kinde  mins  herzen.  Ich  bin  liplich 
verr  von  dir,  aber  min  herz  stat  vor  dinem  todbete  mit  bitren  treben 
und  getrüwer  klage.  Büt  mir  din  siechen  band,  und  sie,  daz  got 
[löö^j  über  dich  gebiete,   so   bis  vest  an  kristan  globen   und  stirb 


5  Wirt  kuut  S  wengcliii  CS  9  schon,  fehlt  S  10  übersw.]  miß* 
nenklichcr  S  11  minnerichers  CS  12  luter]  purer  C  minneklicher  AW< 
ASPKUa  na  in  dir  C         13  eben]   aUe  S  14  Talis  —  mens  fM  F 

15  minH]  min  P      19  e.  ieklich  mensch  S      es]  er  S      23  er]  es  ÜT      und  e* 
—  24  geh.  fehlt  C        als  reht  ü.  P        26  L'ebes]  selbs  S       30  gebötet  P 

14f.    Hohel  5,16.     Vgl   Vita  140,7.  21  //  Kön.  18,33. 


Briefbüchlein.    VI.  Brief.  379 

frölich.  Fr6we  dich,  daz  din  schönü  sele,  du  da  ist  ein  luter,  ver- 
ninftiger^  gotf5rmiger  geist,  daz  du  uss  dem  eugen  jemerlichen 
kercher  sol  erlöset  werden,  und  daz  sü  nu  furbaz  ane  alle  hinder- 
nast  frölich  mag  gebruchen  ir  selikeit,  wan  got  spricht  selber:  kein 
5  mensch  mag  mich  sehen  und  leben. 

Ein  ding  ist,  daz  mengem  unbekanten  menschen  an  dem  tode 
erzöget  und  im  einen  strengen  tod  machet,  daz  ist:  so  er  sinü  ver- 
gangnü  jar  und  sin  üpeklich  verzeret  leben  her  für  nimt,  daz  er 
sich  denn  einen  grossen  Schuldner  gotes  vindet  und  daz  er  an  siner 

10  jüngsten  stunde  nit  waiss,  waz  im  dar  zä  ze  tüne  ist.  Da  wil  ich 
dir  einen  sicheren  weg  geben  uss  der  heiligen  scrift  und  uss  der 
warheit,  wie  du  dem  macht  us  gan  in  ganzer  Sicherheit. 

Hast  du  bi  dinen  tagen  ie  gebrestklich  gelebt,  als  wenig  men- 
schen dar  ane  ist,   dar  ab   solt  du   nit  ze  vast  erschreken   an   der 

16  Stande  dines  todes.  So  du  dinu  kristanlichü  reht  hast,  ob  du  macht, 
ordenlich  enpfangen,  so  tu  eins  und  nim  daz  crnziiixus  für  dinä 
ogen  und  sich  ez  an  und  truk  es  an  din  herz,  und  neig  dich  in  die 
blütgiessenden  wunden  siner  grundlosen  erbarmherzekeit  und  bit  in, 
daz  er  mit  den  blütnassen  wunden  ab  wesch  in  siner  götlichen  kraft 

20  alle  din  missetat  nach  sinem  lobe  und  diner  noturft,  und  bis  denn 
sicher  uf  mich :  nach  kristanlichem  globen,  der  mit  nütü  triegen  kan, 
malit  du  daz  vesteklich  in  dir  han,  daz  du  denn  von  allem  mitel 
genzlich  wirst  gelütert  und  frölich  mäht  sterben. 

Es  ist  noh  eins,  daz  du  an  der  stunde  solt  her  für  nemen,  daz 

86  du  den  tod  dest  hast  mugist  verahten.  Lüg,  es  ist  ein  land,  da  ist 
ein  gewonheit,  wenn  ein  mensch  wirt  geborn,  so  koment  alle  sin 
frint  zesamen  und  scrient  und  weinent  und  gehabent  sich  übel,  so 
er  aber  stirbet,  so  lachent  sü  und  habent  alle  fröde;  und  meinent 
da  mite,   daz  nieman  weiss   die  grossen   erbetselikeit,   du   mengem 

ÖO  menschen  erahtet  ist,  und  dar  umbe  weinent  sü  in  der  geburt,  und 
wan  du  ein  ende  nimet  von  dem  tode,  des  fröwent  sü  sich.  Der  es 
reht  hinderdenket,   so  mag  des  menschen  geburt  in  dis  eilend  weit 


1  luter  fehlt  S  2  du]  du  P  4  f.  der  mensch  mag  mich  nit  s.  u.  1.  C 
^  mengen  CNma  7  erzeget  AN  erzaget  a  20  notuft  A  24  her  f.  solt 
n-  C       29  wiss  K        32  reh  A 

7  erzogen  mit  Dat.  der  Feraan  =  sich  ertceisen,  erzeigen;  vgl, 
^icerl,  704;  DWB  III,  1018  ff.  Denifle  602:  verzagt  macht.  16  kristanl. 

'«ht=  Sterbsakramente  (Schmeller  11^,  27),    Vgl,  zum  folgenden  Bdtw  258,16 ff., 


380  Briefbüchlein.    VI.  Brief. 

wol  heissen  ein  tod  von  der  not  und  erbeit,  du  im  bereit  ist,  so  mag 
aber  der  liplich  tod  wol  heissen  ein  nüwü  gebürt  von  dez  sweren 
libes  abval,  von  dem  frien  ingang  in  die  ewigen  selikeit 

Swem  nn  sinu  ogen  sint  uf  getan,  dis  warbeit  kantlich  ze  be- 
kennen, dem  wirt  sin  tod  dest  lihter;  der  aber  diz  nit  kan  [156']  5 
an  gesehen,  des  klag  wirt  gross  und  sin  unbekanter  tod  dest  strenger. 
Lüg,  waz  jamers  in  diser  weit  ist,  was  lidens  eblich  und  angst  und 
not  hie  ist  allenthalb,  wa  man  sich  hin  keret!  Und  wen  nit  anders 
me  denn  vorht  libes  und  sele  und  du  wandelberä  unstetekeit  diser 
weit,  uns  sölti  hinnan  belaiigen.  E  daz  dem  menschen  ein  liep  be- 1(3 
scheh,  so  begegend  im  zehen  leid.  Es  ist  menger  mensch,  der  in 
des  frageti,  er  sprechi:  „ich  gewan  nie  noch  nie  guten  tag  uf  ertrich." 
Du  weit  ist  vol  striken,  falschheit  und  untrüwen,  nieman  mag  sieb 
an  den  andern  gelan,  wan  ieder  mensch  suchet  sinen  geniess.  Der 
denn  dar  umb  begeret  lang  ze  lebene  durch  merung  sines  lones,  daz  1* 
ist  gar  zwifelich,  ob  sin  Ion  ald  sin  grossen  schulden  me  werden 
zu  legende.  Er  hat  lones  übrig,  der  daz  minneklich  zart  antlut  d^ 
schönen  herren  iemer  me  schowen  sol,  ach,  und  bi  der  lieben  himel- 
schen  geselschaft  wonen  sol.  Tut  du  stund  des  todes  we  und  ist 
si  biter,  so  müss  es  doch  neiswen  sin;  des  todes  stunde  ward  nie  SO 
kein  mensch  überhabt.  Der  denn  hüt  unbereit  ist,  der  mag  mom 
noh  vil  unbereiter  sin:  ie  elter,  ie  böser.  Man  vindet  vil  me,  die 
sich  bösrent,  denn  die  sich  besrent.  Ist  des  todes  gegen würtikeit 
biter,  so  machet  er  doch  aller  biterkeit  ein  ende. 

Dar  umbe,  min  kind,  so  riht  din  herze  und  hend  und  ogenuf^ 
in  daz  himelsch  Vaterland,  und  grüz  es  mit  begirde  dins  herzen  und 
gib  dineu  willen  in  gotes  willen.  Stande  der  sache  lidig;  waz  er 
mit  dir  tüge,  es  sie  sterben  ald  leben,  daz  nim  uf  von  gote  für  dai 
beste,  wan  es  ist  och  daz  beste,  ob  du  es  joh  nit  uf  dem  puncten 
erkennest.  Fürt  dir  nit,  die  heiligen  engel  sint  bi  dir  und  umb  dich,  ^ 
der  milte  erbarmherzige  got  der  wil  dir  vaterlich  helfen  uss  aDen 
dinen  nöten,  ob  du  allein  siner  gütikeit  macht  getrüwen.  — 

Do  dise  trostliche  brief  der  sterbenden  tohter  wart  geantwnrt 
do  ward  si  fro  und  hiess  ir  in  zwirent  vor  lesen-,   und  do  si  horte 


6  f.  nun  nit  k.  gesellen  S  8  wa]  war  KU  9  unstet.]  wnstekeit  C 
13  uutr.J  untuffcnt  S  18  schow.  sol  fehlt  S  25  [und]  ogen  C  29f.  «* 
wol  erk.  S 

7  ff.  V(jl  Bdew  'J  19,15  ff.  18  Vgl,  Bdew  219,23  f.  14  »'jl. 
Phil  !>,21. 


Briefbüchlein.    Vn.  Brief.  381 

i^  gnedigen  rede,  do  ward  ir  ir  herz  neiswi  reht  erkicket  dar  abe 
Qod  yergieogen  ir  die  vordren  todschrekeii;  und  gab  sich  do  frilicb 
in  gotes  willen  und  nam  gar  ein  heilig  ende. 


VII.  Brief. 
^       Wie  sich  ein  menscli  in  ustragenden  emptern  Stil  lialten. 

Cristas  factus  est  pro  nobis  obediens  nsque  ad 
*xi.ortem. 

Swer  da  widerstrebet,  daz  er  von  gehorsami  müss  tun,  der 
Tiacbet  im   selb   ein  *  sweres  leben,   wan   enklein   ding  unwilleklieh 

9 

0  gretan  tut  wirs  denn  vil  getan  [156^]  mit  willen.  Dar  nmbe,  sider 
dis  ampt  von  gotes  ordnnnge,  von  dem  alle  gewalt  kunt,  als  sant 
Paulas  sprichet,  üch  zft  gevallen  ist  ane  üwern  willen,  so  ordnent 
^8  och  also,  daz  got  da  von  nit  werd  enteret  und  ir  berlich  entrihtet. 
Eis  tut  öch  enteil  not,  daz  ir  ungern  an  dem  ampt  sind;  wan 
U  da  ir  hilf  und  rat  söltind  ban,  da  heind  ir  betrübde  und  unrat,  da 
ir  denn  söltind  han  undertenikeit,  da  heind  ir  frevel  widerspenikeit. 
Dar  umbe  ze  diser  zit  meisterschaft  und  pflegamt  haben  und  dem 
rehte  tun,  daz  ist  nit  gemaches  pflegen,  es  ist  ein  marterliches  leben. 
Dar  umbe  so  nemend  dis  krüz  uf  üwern  ruggen  dur  den,  der  daz 
^  eilend  krüz  dur  üch  uf  sich  nam,  und  land  üwern  müt  nider,  die 
wil  man  es  von  üch  well  haben,  und  klagent  nit  üwer  unvermügent- 
hait  und  üwer  unkünentheit;  wenn  ir  getünd  daz  beste,  daz  ir  üch 
verstand,  so  sind  ir  ledig,  ob  es  joh  nit  daz  beste  ist. 

Ir  send  in  allen  dingen  got  me  an  sehen  denn  liplichen  nuzz, 
*  Und  sond  nit  gestaten,  da  ir  es  niugend  wenden,  daz  kein  üwer 
schefli  gekrenket  werde  an  siner  sele.  Sind  gemein  in  den  haltungen, 
daz  fründ  und  fient  glich  daz  joch  tragen,  daz  gebirt  fride.  Die 
jungen  sond  ir  in  meisterschaft  haben,  wan  übel  gezognü  Jugend  ist 
ein  zerstörunge  geischliches  lebens.   Einen  süssen  ernst  sond  ir  haben. 


1  ir  [ir]  GNÜm  reht  fehlt  C  2  schrekeii  S  12  das  (ich  C  15  da 
*»•  --  16  han  fem  C  16  frevel  und  wid.  FNÜm  18  materieliches  (!)  C  23  joh] 
^och  S       26  da]  das  CN 

6  Der  Brief  ist  an  eine  Klostervorsteherin  gerichtet^  wohl  als  Antwort 
^ftine  vorhergehende  Anfrage,  6  Phil.  2ß.  12  Rom.  13,1. 

29  f.  Vgh  Heg.  S.  Augustini  c,  :J1:  ipsa  (praeposita)  non  se  existimet  po- 
^^*^e  dominante,  sed  charitaie  servientc  felicem;  c.  i*:J:  quamvis  utrumque  sit 
'^^^sarium,  tarnen  plus  a  vobis  arnavi  appetat  quam  iimeru 


382  ßriefbüchlein.    VII.  Brief. 

und  me  von  minnen  denn  von  vorten  gebieten.  Daz  üch  ze  über- 
kreftig  sie,  daz  sond  ir  üweren  obren  für  legen,  und  da  ir  nit  ma- 
gind  bissen,  da  beilent  aber.  Mugint  ir  geischlich  zubt  nit  genzlich 
fiir  bringen,  so  ahtend  doch,  daz  nit  ablasses  noh  sweres  iubmches 
under  üch  geschehe.  Der  ein  zerbrochens  altes  kleid  nit  wider  ( 
büzzen  wil,  so  ist  es  schier  alles  zerschlichen.  So  daz  geischlich 
zergat,  so  ist  man  schier  us  an  liplichen  dingen.  Der  des  roiosteo 
nit  ahten  wil,  der  valiet  in  du  meisten. 

Ir  sond  üwern  undertanen  gut  bild  vortragen,  und  mit  werken 
me  denn  mit  worten  leren.  Verwegent  üch  eins,  wan  daz  mftg8  sin:  II 
80  ir  üch  flissent,  daz  aller  beste  ze  tüne  in  den  dingen,  daz  man 
daz  für  daz  b6st  von  üch  wirt  uf  nemende ;  und  gen  dien,  da  ir 
lieh  aller  meist  tagenden  flizzent,  da  wirt  üch  mit  Untugenden  ge- 
lonet.  £s  mag  nieman  glich  menlich  wol  gevallen ;  wend  ir  aber 
menlich  willen,  so  heind  ir  got  und  der  warheit  ungewillet.  Bftscrtf 
lüten  schelten  ist  guter  lüten  lob. 

Nement  war,  daz  ir  inwendig  frevel  geselschaft  und  uswendig 
schedlich  früntschaft  zerdrennent  mit  kraft.    Tünt  daz  üwer,  so  sind    i 
ir  ledig.    We  dem  kloster,  da  disü  zwei  in  gebrechent!  Wan  [157']    i 
daz  wirt  fridlos  und  ze  jungst  erelos.     Ir  sprechent:   grif  ich  daiSI| 
an,  so  gewin  ich  unfrid.    Ich  sprich:   selig  ist  der  unfrid,  wander 
unfrid  gebirt  den  ewigen  frid.     We  dien,  die  da  land  hin  gan  und    . 
ires  herzen  frid  hier  inne  süchent!    Von  den  sprichet  Isaias:  pax, 
pax,    et  non   est  pax;    daz   ist  als  vil  gesprochen:    sü   sagent 
frid,  frid,   und  ist  doch  nit  frid.     Die   söchent  ir  gemach,  so  heio* 
gern  zerganklich  ere,  und  kofent  die  mit  einem  zergene  aller  geisch- 
liehen  eren.     Und  we  den!    wan   sü   hie  iren  Ion  hein  enpfangen. 
Aber  ir,  min  kind,  ir  sond  nit  also  tun.   Sftchent  gotes  lob  und  ere, 
als  der  lieb  Cristus  suchte   sines  ewigen  vaters  ere,   und  dar  umbe 
Hess  er  sich  henken.     Ir  klagent  üch   ze  vaste,  —  nu   rünnet  ich* 
daz  blüt  noch   nit  uss   den  enpfangnen  wunden  daz  antlüt  abe, 


If.  überkrepüg  AC  2  und  fehlt  C  6  zerslissen  CNSma  9in.(iö» 
werken  KU  12  l)OHt]  best  K  da  fehlt  Pü  13  untug.]  untruwen  P 
18  zerdenuent  S       2H  dar  inne  C       25  hettint  K       26  einem  fehlt  S 

lt.  übcrkreftig  =  rw  schwierig  oder  die  Befugnisse  überschreitend* 
7  f.   Vgl.  Sirach  19,1  und  oben  360,34,  9  Vgl  lieg,  S,  Aug.  c,  Ä?;  cir(* 

omnes  seipsam   bonorum    operum   praebeat   exemplum.  23  Nicht  Jw»«'» 

sondern  Jeremias  6,14:  S,tl.  27  Matth.  6,2.  29   Vgl.  JoK  8,49 f» 

30  f.    Vgl,  Hebr.  1:>,L 


Brifll'ijiichlein.    Vn.  BrM. 


m  martrerD  tet.     Wan   naiii  hie  vor  die   aller  verwegenstim  zft 

len  etnptern,  und  nit  die  daz  ire  BÖchten. 
A  Ir  hetiüd  jjerD  röwe  ze  belrahten  und  eclioweue,  —  saot  Gre- 
pins  spriehet,  daz  volkoninä  meisterscliaft  ietwedenn  Hol  Bin  ge- 
K  nach  ordnnnge  der  Rachen.  Aber  leider,  wan  ir  dar  zft  noh  nit 
B  komen,  so  nement  her  für  üwer  kleinheit  nnd  bittend  üeh  vor 
prt!  Gedenkent,  wer  ir  siiint,  und  wie  schier  ir  verswunden  sind, 
|r  umbe,  wenn  ir  ieman  wend  strafen,  so  strafent  6ch  selber  vor. 

I  Ir  send   iich    flissen,   daz   ir   übel   mit  gftt  überwindent.     Ein 

II  tribet  den  andern  nit  üb.  Ir  sond  nss  einem  senften  herzen 
n  and  eenftii  wort  lassen  belltn,  als  es  denn  gc^chafen  ist. 

f    Gotee  dienst  fiirdren  sol  lich  ob  allen  dingen  bevoln  sin. 

Ir  sond  oeh  üwer  selbes  nit  vergessen,  dik  an  dem  tage  in 
:  selber  keren,  und  snnderüch  zwirend,  daz  ist  spat  nnd  frö,  üch 
ler  sftL'hen  nnd  ein  wile  der  ding  vergessen,  und  üeh  nf  zft  got 
len  und  alles  iiwer  leid  nnd  liden  in  im  enpfaben.  ditrch  in  liden, 
^ünc  überwinden  in  ergezzlicher  wise.  Ir  mugent  in  eim  stündlin 
I  ganzen  tages  ergezzet  weiden. 

■  Volkonien  leben  lit  nit  an  trost  habene,  es  lit  an  einem  uf- 
Boe  eines  willen  in  gntes  willen,  da^  sie  siir  oder  süss,  in  under- 
Ikeit  einem  menschen  an  gotes  stat  in  demütiger  gehorsam!.  In 
I  sinne  weri  mir  lieber  ein  trueheDbeit,  denne  ane  daz  ein  bin- 
bendü  sÜBsekeit,  Und  daz  bewerte  du  edel  gehorsami  dez  evrigen 
tei  du  in  trnchenr  bilerkeit  ward  volbrabt. 

.  Dis  sprich  ich  nit  dar  umbe,  daz  ir  tcb  dar  zA,  als  ire  vil 
%  erbietent,  mer  daz  ir  diz  Joch  gcdnlteklich  lident  und  daz  best 
int,  daz  ir  vennugent.  Weri  es  daz  nit,  üch  weri  vil  licht  ein 
?']  anders,  ein  bösera  ze  banden  gangen.  Der  berr,  den  ii"  da 
taent.  der  üch  daz  hat  zA  geworfen  ane  üwer  zfttftn.  der  mag  üch 
dar  inne  nah  üwerm  besten  versehen,  nah  sinem  lobe  und  üwer 
gen  sclikeit. 

S  noch  dar  zfi  SU       8  selber  ftlUt  S       9  üljerw.]  vuriiit^nent  S       17  luit 
■.  C  18   ganzen  fehlt  C         22  Irucheiikeit  A  26  dost  e  dar  zfl  * 

der  [lieh]  C 

Bf.    Grtgorius  M.,  Hug.  Paul.  II,  ii:   ut   rtclor  sit  tiiigulü  eompasnione 
HU,  pfot  cunelia  contmiplatione  »uspengug;  vr/l.  Moral.  VI,  öl  und  AuQurt., 
I.  Dti  19,19.  —  ietwedenn  =;  »owohl  der  äusseren  Tätigktü  aU  dtm  be- 
Gebete. 13  ff,  Ähnlich  bei  MechthUd  von  Magdeburg  174  f. 
Jfitxl.  wiee  icird  erM  ditrch  da»  &r  S/b  recht  veralOndlich. 
►ff.  Vgl.  Bdev!  301,:iOff.  25  dar  zä  =  zum  Amte  der  Vorsteherin. 


384  Briefbüchlein.    Vni.  Brief. 


VIII.  Brief. 

Wie  sich  ein  gotlicher  mensch  in  götlicher  stizzekeit  so!  haiMnu 

Elsbeth  Staglin. 

Annunciate  dilecto,  qnia  amore  langneo. 

Sessi  ein  mensch  vor  einem  kelr  und  weri  nach  sines  henen  ( 
girde  wol  getrenket,  und  ein  andre  weri  nf  der  t&rj'en  heide  bi  einen 
ruhen  rekolter  und  lesi  also  turstige  du  her  her  abe,  daz  er  tempfigi 
menschen  gesunt  macbeti,  —  frageti  der  wol  getrenket  den  mit  d» 
turren  munde,  wie  er  sich  gen  dem  süzen  seitenspil  leichen  851ti, 
daz  bi  dem  win  ist,  er  gebi  im  ze  antwürt  und  sprecht  miwertlieh: 
„dise  mag  wol  trunken  sin ;  er  wenet,  daz  allermenlich  ze  müt  äe. 
als  ime;  mir  ist  iht  anders  ze  mute,  wir  sien  ungelich  gef&ret  Ef 
dem  vollen  lip  stet  daz  frölich  hopt." 

Min  kind,  daz  mag  ich  eigenlicb  zu  dir  sprechen  von  der  bot* 
Schaft,  die  du  mir  hast  getan,  und  du  waz,  daz  ein  inbrünstigi  1 
vakel  enbrunnen  sie  in  dinem  herzen  von  rehter  begirlicher  inhizzigtf 
minne  zu  der  minneklichen  ewigen  wisheit,  und  von  dem  nüweD 
liebte  und  unbekanten  wundern,  du  si  in  dir  würket,  und  wie  din 
herz  hat  dar  inne  enpfunden  ein  süsses  we  und  ein  lieplicbes  xer- 
fliessen  und  ein  überswenkes  enpfinden,  da  von  du  nit  kanst  gesagei;  i| 
und  begcrest  wisunge,  wie  du  dicb  ime  aller  minneklichest  hier  inie 
sulist  erzögen  und  dich  gen  den  wundern  halten. 

Tohter,  es  stat  ein  unmessigü  frod  uf  minem  herzen,  daz  ridi 
der  niinneklich  got  so  minneklich  erzöget  und  daz  er  git  ze  enpfindefl 
dir  und  etlichen  me,  daz  ich  mit  den  werten  vil  und  dik  sagen,  i^i^ 
er  als  rebt  minneklich  ist;  und  daz  daz  ellu  herzen  als  wol  betin 
enpfunden,  dar  umb  wölt  ich  gern  turstig  beliben.  Es  ist  ein  grotf 
wunder  in  mir,  daz  du  in  so  kurzen  jaren  hier  zt  bist  komen;  nd 


3  Elisabeth  stä^lin  S  Elsb.  staiglin  U,  fehlt  NFS'mfa  4  dilecto  meo  C 
5  kelr]  kali  C  6  weri]  verri  C  16  inhizz.  fehlt  C  17  f.  den  n.  lieht«n^ 
18  würkent  iS       25  etlichem  K       26  daz  [dazj  ACPS       28  f.  [undj  dai  CS» 

2  VgL  David  v.  Augshurg,  De  compos.  III,  66:  Quomodo  in  sengib^*' 
(hdcedinis  exptrientiift  se  homo  habei-e  deheaU  4  HoheL  6,8.  17  I^^ 

ganze:  und  die  Botschaft  war  auch  u,8.tc.  19  ff.   VgL  Bdw  336,7  f'   ^ 

ist  die  Rede  von  der  geisilicheti  Trunkenheit  der  begnadeten  Seele,  Dwoid  «• 
Augeburg  liandelt  L  c,  III,  04  von  der  ebrietas  Spiritus,  iucunditae  epiriiueMe^ 
liqu^actio  animae.  Vgl.  auch  Strauch,  Ad.  Langmann  114  f.;  M.  Ebner  385f'f 
Tochter  Syon  ed.   Weinhold  4:^60  ff.  und  Anm.  S.  543  f. 


. 


laz  bat  aber  gemachet  der  ganze  ker  ze  gote  uml  volkomne  vonker 
roD  allen  dingeu  und  der  gtuntlloae  ernst  und  liplicher  pin,  mit  den 
In  din  altee  leben  gedilget  hast  und  ellü  ding  so  gar  under  die 
Tüsse  getrnket  bast. 

Ein  meDBoh,  der  des  ersten  win  trinket,  dem  wirt  er  vil  en- 
pÜDllich:  also  versieh  Ich  mich,  daz  dir  gescfacben  sie  von  der  klaren 
sttizen  minne  der  ewigen  wisbeit,  da  dich  also  krefteklich  hat  uber- 
WBDden.  Oder  ea  meinet  aber  daz,  da/,  dich  got  reizen  wil  nnd  dich 
scliier  binaan  wil  nemen  zft  dem  grundlosen  bruunen,  U88  dem  du 
DU  ein  [158'J  tröpflin  hast  versbchet;  oder  es  meinet  aber,  daz  er 
siDii  wunder  hie  an  dir  wil  zögen  nah  dem  überfluss  siner  gäti, 
Hier  inne  halte  dich  also,  daz  du  ßincs  willen  lögest  atie  lust  Bächen 
(ÜDB  setbsheit.  Du  endarft  dar  inne  nit  vort  haben:  es  ist  alles 
Bament  von  gote  und  ist  ein  minnelüder  gotes  in  der  sele,  es  gat 
eben,  im  sol  also  sin.  Doch  solt  du  diner  liplichen  kraft  war  nemen. 
du  da  nit  ze  vil  dar  inne  verzt:ret  werdest.  Es  mng  sich  fugen. 
Bo  der  lof  fiir  kunt,  daz  es  dir  ze  guter  mass  benomen  wirt  und  du/. 
du  of  ein  noh  nehers  gesezzet  wirst. 

Dil  aohfinü  gesiht,  dd  dir  an  dem  heiligen  tag  ze  winnaht 
Ward,  in  der  du  sehd,  wie  klarlieh  und  minneklich  du  ewige  wieheit 
In  frödenricher  wise  mit  des  dieners  sele  vereinet  were,  und  enbat 
'Oie,  er  m&hti  wol  sin  ein  frÄHcher  diener  der  ewigen  wisheit,  — 
die  hat  gemachet,  daz  ich  herzklich  hau  gesüfzet,  wan  ich  bin  nit 
»in  miuner.  Mich  dunkel,  ich  sie  sin  karrer  und  var  ufgeschürzet 
durch  die  lachen,  wie  ich  du  menschen  uss  der  tiefen  lachen  ire 
sfintlichen  lebens  an  die  schÖni  bringe;  dar  umbe  sol  mir  genügen, 
Bo  er  mir  einen  ruggin  leib  an  min  band  git.  Und  doch  so  mfüss 
■eil  dir  eins  von  dem  geminten  sagen,  daz  er  ueiswi  dik  in  mir  bat 
Ktpflegen : 

Des   liebten   morgens,    do   man    daz   fr^dich   gesang   von   dem 

t 

■      Iff.  Vgl,  Vüamßff.,100,6ff.,l<fr,tff.  9  bninnen,  cjf/.  fl(fe«r2«,7f;. 

^  16f.  Vgl.  David  v.A.  I.e.  III,6ü:  coneüium  datur  his,  qui  ex  dteotümin  veht- 
*^tiUia  debiUtati  gunt.  17  f.  Sinn:    es  werdett   dir  eielliicht  jene  Btgünsii- 

Pvigai,  welche  At^fängtm  tm  myatischtn  Leben  gegeben  werden,  enttogen,  damit 
*i  darauf  veriichtend  noch  höher  »teigest.  Vgl.  Vi<a  166,6  f.  u.  Bdew  3Ul,3ä^. 
tS7  nigKiu  leib  =;  Boggenlaib.  Seuee  meint,  er  verdiaic  vim  Gott  nicht  Jei"- 
'amtlichen  Gnaden,  wie  die  Sliiylin, 


3  [ao]  gar  C       8  (iJaz]  daz  CNm        13  ilar  inue  tiaeh  habeo  S 
16  daz]  dar  C         17  es]  er  ACPäU        24  karcher  I-  cli.rer 


386  Briefbüdüem.    YIIL  Brief! 

yeterlichen  glänz  der  ewigen  wisbeit  solt  singen  ze  messe:  Lux 
fnlgebit,  do  waz  der  diener  des  morgens  in  siner  kapell  in  eio 
stilles  r&wli  siner  ussren  sinnen  komen.  Do  waz  im  vor  in  einer 
gesicht,  wie  er  wurdi  gefüret  in  einen  kor,  da  man  mess  sang,  in 
dem  kor  waz  ein  grössu  schar  dez  himelscben  Ingesindes,  von  gote 
dar  gescbiket,  daz  sü  snngin  ein  süss  nielodie  dez  himelscben  g^ 
dönes.  Daz  taten  sü  und  snngen  ein  nuws  frölicb  gedöne,  daz  er 
nieme  hat  gehöret,  nnd  daz  waz  als  süzz,  daz  in  dncbte,  daz  m 
sei  zerflussi  von  rebten  fröden.  Aber  snnderlicb  do  wart  daz  Sanctns 
so  gar  herlich  gesangen,  nnd  er  hüb  ocb  an  und  sang  mit  in.  Do] 
man  kam  an  daz  wort:  Benedictns  qui  venit,  do  erbAben  sl 
ire  stimmen  gar  hohe,  und  do  hüb  ocb  der  priester  unsem  berren  oL 
Den  sah  der  diener  an  mit  einem  demutigen  erbietene  siner  waren 
liplicben  gegenwürtikeit,  und  ducht  in,  daz  neiswaz  minneklidienTer- 
nünftigen  glastes  von  im  trungi  gen  siner  sele,  daz  anspreehlieb  vt 
allen  zungen.  Und  in  dem  so  ward  sin  herz  und  sele  als  vol  niwer 
inhizziger  begirde  und  inres  lichtes,  daz  es  im  zenial  alle  sin  kraft 
benam ;  es  waz  neiswi,  als  so  sich  herz  mit  herzen  in  blosser  Te^ 
nünftklicher  wise  vereinet.  Und  kam  also  in  ein  zerflossenbeit  doer 
sele,  daz  er  ime  kein  [löS""]  liplicb  glicbnuss  kond  geben.  Do  er 
also  kraftlos  ward  und  swachlich  gebarete,  do  lachete  der  bimebek 
jnngling,  der  bi  im  stund,  des  er  nit  erkande.  Do  sprach  der  diener 
zA  ime:  ^owe,  wes  lachest  du?  Sibst  du  nit,  daz  mir  iez  von  rehier 
amaht  und  inbrünstiger  minne  wil  gebresten?"  Und  in  den  Worten 
seig  er  also  da  nider  an  die  erde  als  ein  mensch,  dem  von  unkraft  1 
gebrosten  ist.  Und  in  dem  nidersigene  kam  er  wider  zfl  im  sdbeo 
und  tot  du  usren  ogen  uf;  du  waren  vol  trehen,  und  sin  sei  wazrol 
lichter  gnaden.  Und  gieng  hin  für  den  alter,  da  unsers  berren  fron- 
lichnam  waz,  und  tonde  verborgenlich  daz  ged6ne:  Benedictos 
qui  venit,  als  die  geischlichen  klenke  dennoh  in  siner  selwareni 


2  des  moTg.  fehlt  S  12  ir  stimme  K  16  und  sin  sele  [als  vol]  S 
21  ewarlich  C  22  des]  das  ANUm  enkante  ANPm  24  und  rehttf 
inbr.  m.  6'        25  sanck  K        26  nidersinken  KU 


1  f.   Anfang  des  IntroiUus  der  2.  Weihnachtsmesse  ^   die  „in  aurcra^  ^ 
sangen  wird,  9  ff.  Sanctus,  Teil  der  Messe  (Trisagion)  nach  Beenüg^ 

der  Präfation  vor  Beginn  des  Kanon ;   den  Abschluss  des  Sanctus  bildet  äM 
Bonedictiis  (vgK  Matth.  21.9).  16  ff.   Vgl   Vita  Kap.  2. 


rBriefWkhlein.     IX.  Brief. 
IX.  Brief. 
Vle  elD  mensch  ze  rüwe  Niiies  herzen  in  got  sdl  komen. 

In  oronibuB  requiem  qiiaesivi. 

Aleo  sprichet  die  ewige  wisbeit:  ich  hab  mir  räw  geeQchet  in 
pi  dingen,  und  leret  reriertü  menschen,  wie  sü  in  dem  mielichen 
^  ire  lebens  ze  frid  sulen  kamen,  als  rerr  es  denn  roäglich  ist. 
i|  Wie  daz  sie,  daz  du  warbeit  an  ir  selben  Idoss  und  ledig  sie, 
j^  von  unser  natürlichen  eigenschaft  so  ist  uns  angel>orn,  daz  wir 
in  biltlicber  glichnüss  müssen  nemen,  unz  daz  der  nidersenkend 
iwirt  ab  geleit  und  daz  gielütert  oge  der  aele  vernünftikeit  in  der 
figen  Bnnnen  rad  bloeklich  wirt  gCRteket;  wan  unz  dar  so  gangen 
ir  als  die  blinden  Bchlicfaeu,  und  greifen  umb  ans  nnd  wisBen  nit 
1  ald  wie.  So  wir  Joch  etwen  haben  die  warheit,  so  enwiseen  wir 
t,  oh  wir  die  warheit  haben,  und  tügen  als  der  ein  ding  söht,  daz 
.in  der  band  hat.  Der  mensch  lept  in  zit  nit,  der  disB  genzlich 
Ig  Stande,  wan  es  ist  ein  nabklank  der  erbsünde. 
[  Naeh  mincm  vereteue  su  wer!  gar  begirlich  ze  wiseene  einer 
Mchender  sele,  daz  si  m&bli  wessen,  waz  gotes  aller  liepeter  wille 
■  ir  were,  nf  daz  daz  si  im  minneklicfa  und  gesellig  macbeti,  daz 
nander  liebi  und  minne  und  heinlichi  zfi  ir  gewunne;  wan  ein  reht 
pneklicbes  gemüt  kunt  dik  dar  zu,  daz  es  dar  umbe  einen  tod 
Hti  liden,  daz  er  des  einen  lichten  underscheid  in  einer  ieklichen 
(rillenden  sache  möbti  gewinnen.  Disä  begirde  machete  den  ge- 
iwen  Abraham  us  gendc  von  sinem  lande  und  von  sinen  lieben 
lüden;  er  enwist  war  und  söchte  got  verre,  daz  er  in  nahe  fündi. 
z  hat  gejagt  und  getrihen  ellü  nserweitu  raenschen  von  angeng 
r  weit  unz  an  disen  hfttigen  tag  und  tfit  fiir  sich  iemer  me,  wan 
z  lieb  wartspil  zühet  me  an  sich  denn  kein  adamaz  daz  isen,  und 
bdet  me  denn  tusent  seil.  Wol  ime,  daz  er  ie  geborn  [159']  wart, 
r  es  rindet  nnd  sich  niemer  dur  von  keret! 


6  f. 


den 


i  KS 


löiffcn  FNm 
23  f.  träwen   CNm 


7  hlofl 
•24  Ti 


ffliU  P         9  oiderainkend  Ca 
i  ltr«lts>]  uz  S 


8  Sir.  34,11.  Öher  deiieilben  Text  mehrere  Predigte»  ron  ICckhai-t, 
'  149  ff.,  152 ff,  3S4  ff.,  und  eine  von  Taulei;  Leipeit/  1498  fol.  223"  ff. 
M.  Vgl.  WtMh.  9,15.  22  er.  Seuse  subsiitaierl  dm  Begriff  Mensch.  — 
■  von  Gottes  liebstem  Wülett.  S4  /  Mos.  12,1.  4.  25  Htbr.  11,8. 

t  adamaz,  Edelstein,  Diamant,  hier  =  Magnet  (Lexer  I.  ai>) :  vgl.  Megen- 
I  Bueh  der  Natur  4H3f. 


388  Briefbüehlein.    EL  Brief. 

Ach  hier  nmbe  so  vellet  mir  iez  ein  sprach  in,  den  las  ich 
der  schale  der  naturlichen  kunst;  ich  las  in  und  verstund  sin  ab 
do  nit.  Der  höh  meister  der  sprichet  also:  der  alliche  fürst,  ei 
valtig  wesende,  der  bewegt  ellÄ  ding  und  ist  er  unbeweglich.  ] 
bewegt  als  ein  begirliches  nünnekliches  lieb  sei  tfin:  er  git  d( 
herzen  ilen  und  begirden  lofen,  und  ist  er  stille  als  ein  unbeweglic 
zil,  dez  ellu  wesen  varent  und  begerent.  Aber  der  lof  und  zag  ii 
ungelich:  er  machet  mit  des  himels  lof  die  anbeiss  kriechen,  de 
geswinden  hirz  lofen,  und  den  wilden  falken  fliegen.  Ire  wise  is 
ungelich  und  hein  doch  ein  ende,  daz  ist  ein  ufenthalten  ire  wesen« 
daz  von  dem  minnezil  des  ersten  wesens  us  fl&sset. 

Disses  gelich  vinden  wir  in  der  grossen  ungelichheit,  die  mai 
under  gotesfrüuden  brüfet,  die  da  dez  selben  gfttes  enpfeuklich  sint 
wan  eins  lofet  mit  grosser  strenkheit,  eins  ilet  mit  luter  abgescheiden 
heit,  eins  flüget  mit  hoher  schöwlichkeit,  ieder  mensch,  als  er  denm 
gezogen  ist.  Waz  under  den  allen  daz  nehst  sie,  daz  ist  unverborgei 
in  der  scrift;  aber  waz  einem  ieklichen  menschen  sunderlich  iui( 
usgescheidenlich  daz  nahest  sie  nah  siner  zügehörlichkeit,  daz  kai 
mau  nüt  wol  gesagen.  Allerley  versuchen,  als  Paulus  spricht,  anc 
eigens  befinden,  als  sant  Gregorius  sprichet,  und  gAtlichu  erlAb 
tunge,  als  Dionysius  seit,  helfent  dem  menschen  ze  rflwe.  Lip 
lichü  übunge  hilfet  etwaz,  da  ir  nit  ze  vil  ist;  aber  rehtü  gelassen* 
heit  uf  allen  puncten,  in  allen  wüssenden  und  unwüssenden  sacben 
in  dez  obresten  aller  dingen  wüssenden  willen,  daz  hilfet  dem  men- 
schen usser  allen  den  wellan  und  sezzet  in  ze  fride  in  allen  dingen, 
der  8Ü  ordenlich  kan  nemen. 


3  ph  XU  Metaphysice  am  Bande  A,   im  Text  KNUm  [der]  sprich. 

CNm  8   den   a,  C  die  einmeisseii   P  16  eins  11.   —   schow.  /MÄ  ^ 

17    und   fdat  SU  19  und  —  20  sprichet  fehlt  F  21   sant  Dion  i* 

22   am    Hände    ncriiardus  AC  28  und  unw.  fehU  S  24   wussenden  i 

25  wallen  P 

2  nattirliche  kunst  =  Philosophie.     Vgl  Bdw  349,13.  3  ArisioiM 

Metaph,  XII  c.  7  X  107:>a25ff.h3Jf\  hat  die  Stelle  dem  Sinne  nach. 

12  f.  Vgl,  Vita  107,21  ff.,  U2,4ff.  u.  Tauler,  Frankfurter  Ausgäbe  II  (IBSlß) 
323  ff.,  430.  16  f.  Vgl  Luc.  10,42 :  Maria  optimam  parlem  degit,  und  dam 

anknüpfend  Greg.  M,,  Moral  VI, 18;  Bern.,  sermo  3  in  Asaumpt.  ÄJIf.  V.n.3 
Tliomas,  S.  Th.  2,  2  q.  182  a.  1 :  Eckhart  328  ff.  19  /  Tfkess.  5,21. 

20    Vgl  Greg.  M.,  Moral   VI,ö7.  21    Dion.,   Myst.  Theol.  1. 

22  Siehe  die  schon  zu   Vitn  108,11  ff.  zitierte  Steile  des  HL  Bernhard. 


Briefböchlein.    X.  Brief.  389 

Es  waz  ein  meDSch,  der  hat  etwas  an  gevungen,  daz  er  got  ze 

lob  woite  volbi'ingeii.     Der  wnrd  gefraget,  ob  er  wösti,  da/,  es  gotes 

Wille  weri.     Er  sprach:   „nein,  ich  enwftlti   sin  nit  wässen,  mir  ist 

die  lieber;  wan  heti  ich  sin  ein  wüssen,  dar  abe  nemi  min  selbsheit 

«ze  vil  geischliches  gebruebens,  aber  alsiis  ist  es  mir  ein  undergang." 

Ein  wiaer  mensch  Hol  sin  inrkeit  in  der  usserkeit  nit  hin  werfen, 

imh  der  usserkeit  von  der   inrlieit   nit  verlognen,   er  sol  sich  selber 

iit  den  ussren  welken   mit  heiligen  begirden   unmAsgen,    daz  er  ge- 

»winde  wider  in  sie  kome,  nnd  sol  in  der  inrkeit  also  gelassen  sin, 

POiliiz  er  der  us^scrkeit  mug  gnftg  [löO*]  wesen,  so  es  zit  und  redlich 

itl.  Und  also  g»t  er  utt  und  in  und  findet  sin  rtiwe  in  allen  dingen 

nscb   der  wisheit   lere,    da    von   sin   sele   gespiset   wirt.   als   Cristua 

sprach. 

.  Dis  Bcrib    ich  ö  dar  umhe,   sid   ir  got  verr   in   daz  eilend  ge- 

tevnlget  heind,   da/,  ir  in  nahe  und  verr  kunnint  vinden,   wan  er  in 

allen  dingen  hat  wonen.     Ich  weiss  einen  menschen,  der  kam  sinee 

eilenden  lidens   eins  males   under   einem  kracifixng  an  den  eilenden 

CrJEtna:  do  antwurt  er  ime  her  ah  inrlieh  und  sprach  also;  „da  solt 

dar  Dmb  lieblos  sin,  daz  du  mir  ze  einem  liep  werdest,  und  dar  umb 

«'«m-hmeht  sin,  daz  du   mir  ze  einem  lob  werdest,  so  solt  du  dar 

anibe  unwert  ein,  daz  du  mir  ze  eren  werdest." 


X.  Brief. 
Von  etlichen  (Stäken,  dii  ze  vulkoiuenheit  hörent. 

Estote  perfecti: 
'  Also  sprichst  du  ewig  wisheit  zA  sinen  userwelton  jungem,  die 

i>*h  hohem  leben«  stalten:  _ir  sond  volkomen  weseu!" 


^  a   eiiw.   —  4  wau  fehU   S  8    uniioasnen   A  9   komen  ASPK 

^At.  Duchik;e folget  P         15  kuiiiut  A  vindi^D  frhll  U         18  iuneklichen  S 

ti  f.  Ähnlich  in  deit  Spriivheii  l'i'la  168/.  und  SJb  3äH,3ff.  Vgl.  Denifie, 
'j(w  tittat.  Leben  100 f.:  Greg.  JH.,  M",:  XXXI,  13:  Üle  ipraedicalor)  ad 
t*frftHi'mU  ndmcn  rrigilvr,  qui  non  actii'a  »olumrnodo,  »ed  etiam  contemplotiva 
"ila  toUdatur.  9   giK  =  dit  Inntrkrit  lOr  Bßi:   in  die  beiraeliohe), 

U    Sir.  H.H.  lü    J"h.   1U,!i.  14    elleiHi   «•«*<(  vohl  auf  Nonne» 

httt,  iPtUh:  tfefftn  Benbaifhtttng  dt»  InUrdikt':«  n»»  ihrem  Klnettr  vtrtrMtn 
imr<ün.  XKf.    Vgl  Pi.  13b,7ff.  18  ff.    Vgl.  den  SprMih  dtr  Amta  von 

Xtinijni"!  in  TffM:  le  »iecher  du  hül,  rr  lieber  du  mir  hin.  I<  teraehmifhttr  du 
hüt ,  ic  neehtr  du  mir  bist.  le  ermer  du  bint,  ii^  iiilicher  du  mir  bitt  (FÜm 
von  Tö9»  37^6ff.).  83  BlaOk.  5,48. 


L. 


390  Briefbttchlein.    X.  Brief. 

Der  lieht  Dionysius  an  dem  buche  von  den  engelschlichen 
Jerarchien  sprichet  also,  daz  die  nidren  engel  von  den  obren  werdeot 
gelüterty  erlühtet  and  volbraht;  und  daz  beschiht  alles  mit  dem  os- 
brehendem  glänze  der  Aberweslichen  sannen,  mit  einer  gemeinsami 
dez  hohen  usflusses  in  nüwer  inlahtender  warheit.  ( 

Dis  bildes  gelichnuss  vinden  wir  in  der  zit  in  yil  menschen. 
Daz  färben  lit  an  usgetribenheit  alle»  des,  daz  creatar  ald  creatir- 
lieh  ist  nach  ierreklichem  hafte  and  begirde  und  kumbre,  daz  den 
menschen  in  keiner  wise  vermitlen  mag,  und  weri  daz  der  hiliBt 
geist  von  Seraphin  oder  der  heilig  sant  Johans  oder  waz  daz  H 10 
daz  creatur  ist:  dem  sol  er  us  gan.  Und  es  möhtin  gut6  menscbeo 
hier  inne  von  den  Sachen  wol  verwirret  werden,  ob  sü  es  in  guter 
meinung  tetin;  aber  g&tü  meinung  gnuget  nit  in  allen  dingen.  Es 
gebot  unser  herr  hie  vor  dur  den  milten  Moyses  und  sprach:  „daz 
gereht  und  gut  ist,  daz  solt  du  reht  und  ordenlich  tün^;  anders  daz  15 
reht  wirt  ungereht. 

Nah  der  färbung  gat  denn  lieht  und  warheit,  wan  warheit  ist 
lieht,  daz  die  tinbern  vinstri  der  unwüssentheit  vertribet.  Und  daz 
lieht  wirt  etwene  mit  mitel,  etwen  sunder  mitel  enpfangen,  daz  die 
sele  in  fr6d  ernüwert  und  si  mit  götlichen  forman  erfüllet.  So  dez» 
dem  menschen  in  zit  ieme  werden  mag,  so  im  ellü  irdeschheit  ieme 
enpfellet,  und  daz  untödemklich  kleit  dez  künftigen  iemer  werenden 
lichtes  ieme  wirt  geeigent  in  einer  Verdrossenheit  aller  zitlichkeit 

Und  in  dem  entspringet  warü  volkomenheit,  dti  da  lit  an  der 
vereinunge  der  h6hsten  kreften  der  sele  in  den  Ursprung  der  weflent-  * 
heit  in  hohem  sehowene,  in  inbrunstigem  minnene  und  süzzen  niessene 
dez  höhsten  gfttes,  als  vil  si  vor  krankheit  dez  [160']  sweren  li 


1  am  Bande  Dyonisius  de  celesti  Jerarchiu  A  7  fürboren  (!)  C  9  üi 
keinen  wisen  C  11.  IB  gutii  A  12  verworret  S  verirret  PU  16  unger! 
unreht  NPSm        18  tunben  P        19  daz]  die  ÄCPS       23  geeiniget  ^ 

1  ff.  De  coel  Hierar chia  8,1,  7,^,3.  4,3  und  darnach  Thomas,  Ä  Tkl 
<j,  106  sq.  Die  „Läuterting*^  bezeichnet  die  Befreiung  van  den  Mängeln  der  «»• 
vollkommenen  Erketmtnis,  und  ist  insofern  identisch  mit  der  „ErleiuMunf' 
überwesliche   sunne  =  Gott.  7  ff.   Im  folgenden  ist  der  Stuftngang  d» 

mystischen  Lehens:  via  purgativa  (daz  furben),  via  illuminativa  (lieht  TfflA 
warheit  Z,  17),  via  unitiva  (vereinunge  Z.  ^6)  kurz  beschrieben.  Vgl  JECrcbi, 
Dietrich  von  Freiherg  126,93*.  8  Das  Haften  an  den  Kreaturen  mä  Ver- 

langen oder  Trauer  ist  ein  irrendes  und  irreführendes  und  muss  daher  wf* 
gegeben  werden.  13  Vgl.  Vita  167,:J9.  14  ff.   V  Mos.  16^. 


BriefbUohlem.    XL  Brief. 


391 


\Bg.  Wan  aber  dii  sele  von  dez  sweren  libes  krankbeit  dem  Intern 
ftt  in  eotbiltlicber  wiae  nit  mag  blosseklich  alle  zit  an  gehaften.  ro 
lasse  Bi  etwas  biltlichs  haben,  daz  si  wider  in  leite.  Und  daz  beste 
ar  zfl,  daz  ich  verstan,  daz  ist  daz  minneklich  bilde  Jesu  Gristi; 
(An  da  hat  man  got  und  menschen,  da  hat  man  den,  der  alle  hei- 
igen hat  ^ebeiliget,  da  vindet  man  leben,  daz  ist  der  hAhst  Ion 
ind  obrester  nazz.  Und  ao  er  in  daz  selb  bilde  wirt  gebildet,  so 
wirt  er  denne  alu  von  gotes  geist  in  die  gfitlichen  günlichi  dez  bimel- 
schen  herren  überbildet  von  klarheit  ze  kiarheit,  von  klarheit  einer 
iarten  menschbeit  zu  der  klarheit  sioer  gotheit.  Wan  so  wir  in  ie 
diker  mit  begirlichen  ogen  minneklich  an  büken  nnd  alles  imser 
leben  nah  im  bilden,  ao  wir  in  ewikeit  ain  weslich  selikeit  ie  adel- 
tieber  werden  niesaend. 


pte  Nicli  ein   mensch  zu  dem  gütlichen  iiamen  Jesus  sol  an- 
dehtklich  halte». 

Pone  me  nt  signacnlnm  super  cor  tuuni! 
Es  begert  der  ewig  got  von  der  reinen   sele  einer  bet  nnd 
wichet  also:  „leg  mich  als  ein  minnezeichen  uf  din  herze!" 
I  Ein    bewei'ter    gotesfnind   boI    alle   zit   etwas   gnter   bilde   ald 

Spruch  bähen  in  der  sele  mund  ze  küwene,  da  von  sin  herz  enzöndet 
*Erde  zfl  gote:  wan  dar  an  lit  daz  hohste,  daz  wir  in  zit  miigen 
ban,  daz  wir  dik  an  daz  g&tlich  liep  gedenken,  daz  herz  dik  nah 
■IS  versenden,  dik  von  im  reden,  sinü  minneklicbü  wort  in  nemen, 
*]<ir  in  ellü  ding  lassen  und  tügen,  nieman  denn  in  allein  meinen. 
iiix  oge  Boi  in  minneklich  an  bliken,  daz  ore  sich  zb  siner  meinung 


6  gut  - 


II  mügen  F        3  min  Pv        biltlicheit  C 
rerbildet  C        10  in  /ehtl  CU        19   |werden|  oiessen  CNm 
F  die   Übtrxehrift ,   der  Brief  gelbgl  fehlt         16    Zunate 
tdira  sol  man  lassen  am  ingonden  näwen  ,jor  C        2S 
Ü 


nun  fthll  S 

16  f.   m  !• 

lerer  Hand: 


yfft.  Wtish.  9,lö  und  Bernardu»,  sti-mo  3  in  Ärceni.    Dom.  n.  1  «gq., 
'iltutelbs  Zitat.  2  in  ontbilClicher  wise  =  ohne  Phanta»iebiid*r,  in  rtin 

itiitigem  Srtiautn,  weicht»  da»  hSeliKt«  ist  i Thoma»,  S.  Th.  :i,  Sq.  174  a.  31. 
Vgl.  röa  J74,ö(forinloaklicbi;  W3,W  <i.  Bdm  342,:.'6  ff.  4ff.  Vgl. Bdtw 303ßff. 
md  Bim  a.  a.  0.  SüOf.  7  er  =  der  Mensch.  9   Vgl.  II  Kor.  3,1S 

.  Site  336,7 ff.  17  Hohel.  8,6.  18  b«t,  prägnant  =  Erfütlung  einer 

tute. 


392  Briefbttchlein.    XL  Brief. 

af  bieten,  herze  und  sinne  und  mät  in  minneklieh  umbvaben.  So 
wir  in  erzäroen,  so  süüd  wir  in  flehen ;  so  er  uns  übet^  so  stUea  wir 
in  liden ;  so  er  sieh  birget,  so  sülen  wir  daz  gemint  lieb  sftchen  und 
niemer  erwinden,  e  wir  in  aber  und  aber  wider  vinden ;  so  wir  in 
vinden,  so  sulen  wir  in  zarüich  und  wirdeklich  bebalten.  Wir  6 
standen  ald  wir  gangen,  wir  essen  ald  trinken,  so  sol  alwent  daz  gnl- 
din  f&rspan  IHS  uf  unser  herz  gezeichent  sin.  So  wir  nit  anders 
m&gen,  so  s&len  wir  in  dur  ünsru  ogen  in  die  sele  trnken;  wir 
s&len  siuen  zarten  namen  lassen  in  dem  mund  umbgan,  uns  sol 
wachende  als  ernst  sin ,  daz  uns  nahtes  dur  von  trome.  Sprechen  lo 
mit  dem  wissagen  also:  „owe,  du  gerainter  got,  du  ewigö  wisbeit, 
wie  bist  du  so  gut  der  sele,  du  dich  sftchet,  du  din  allein  begert!' 

Sehent,  dis  ist  da  best  ubunge,  dii  ir  haben  mngent;  wan  ein 
kröne  aller  abung  [160^]  ist  emziges  gebet,  und  daz  ander  alles  ist 
uf  daz  als  uf  sin  ende  ze  richtene.  Waz  tünd  sii  in  dem  himelseheD  ^ 
land  anders,  denn  daz  gemint  lieb  schowen  und  minneu)  minneQ 
und  loben?  Dar  nmb,  so  wir  daz  götlich  liep  ie  li^plicher  in  onsrft 
herzen  truken,  und  so  wir  es  ie  diker  an  bliken  und  es  trutlich  mit 
den  armen  unsers  herzen  umbschliessen,  so  wir  ie  minneklicher  hie 
und  in  ewiger  selikeit  von  im  werden  umbvangen.  ^ 

Sehen  an  zu  einem  bilder  den  gotesminner  Paulus,  wie  der 
den  minneklichen  gotes  namen  Jesus  in  den  tiefen  grund  sines  herzen 
hat  gevasset.  Do  man  im  daz  hobt  von  sinem  heiligen  libe  hat  ab 
geschlagen,  do  sprach  dennoch  daz  hobt  ze  drin  malen:  „Jesus,  Jesus, 
Jesus!"  Und  der  hailig  Ignatius,  do  der  in  sinem  grosen  iideneX 
als  Jesus  emzklich  nannde  und  er  gefraget  ward ,  war  umb  er  daz 
tete,  do  entwürt  er  und  sprach,  daz  Jesus  in  sinem  herzen  gescribeo 


1  in  fehlt  C  4  wider  fehlt  Cü  7  uf  uiisern  herzen  «y  9  und 
sol  uns  ('  10  sprechent  KNUm  13  dis]  daz  KU  14  am  Randih 
collacionibus  patnim  A         16  «chouen  A         17  und  dar  umb  CNm        JÖ  g** 

vaseetj  gesetzet  Sm 

2  f.  übet  mit  Leiden  :  in  liden  =  unn  gegen    Gott  nicht  auflehnen. 

11  f.    Vgl.  Jeiemias,   Klagd.  3^25.  14  f.    Die  ganze  erste  CoUaiio  (bu- 

c.  ö,  7y  8)  führt  auti^  das  alle  äusseren  Übungen  auf  das  Ziel,  die  puritas  cordit 
und  contemplaiio  divina  hin  zu  richten  seien.  Vgl,  Bdew  Kap,  2H  u.  die  B'dtft 
hd  Denifle,   Brga  XL  VII.  21  ff.   Vgl,  das  Heiligenleben  Hermanns  u« 

Fritzlar  149;  Legenda  aurea  (ed.  G messt)  383.  26  ff.  Legenda  aurea  157: 

Vincenz  von  Beauvais,  S'pec.  hist.  X,57 ;  Hennann  von  Fritslar  78 f.  Die  Sagt 
ist  erst  im  Mittelalter  aus  dem  Beinamen  .Mottesträger^  entstanden :  vgl,  Th*  Zahn^ 
Ignatius  von  Äntiochien  1873y  72, 


Zusätze  zum  Briefbüchlein.  393 

were.  Do  man  in  ertote  und  sü  im  von  wunder  sin  herz  af  schniten, 
do  fanden  8Ü  mit  gnldinen  büchstaben  allentbalb  dar  inne  gescbriben : 
Jesus,  Jesus,  Jesus.  Der  sie  och  von  uns  allen  iemer  eweklich  gelopt, 
ood  dez  wünschen  mit  mir  ellä  gotminnendü  menschen  von  grund- 
(losem  herzen  und  sprechen  frölich:   Amen,  Amen. 


[Zusätze  zum  Briefbflchleiii :  Erzählung  yon  der  Yerehrung  des 
Nftmens  Jesu,  Morgengruss  und  Sprfiche.] 

Disen  jüngsten  brief  sant  der  diener  och  siner  geistlichen  tohter. 
Und  do  die  selb  gottesminnerin  het  gemerket  manigvalticlich ,   daz 

10  ir  geistlicher  vatter  so  grosse  andaht  und  guten  globen  bet  zu  dem 
nunoiclichen  namen  Jesus,  und  er  ir  in  götlicher  heimlichi  het 
verjehen,  wie  er  den  selben  namen  uf  sin  bloss  herze  het  ergraben, 
do  gewan  si  snnder  minne  dar  zA,  und  zA  einer  reizung  irs  herzen 
do  D&t  si  den  namen  mit  roter  sidin  uf  ein  kleines  wisses  t&chlin 

U in diser  gestalt  also :  IHS,  den  si  ir  selber  wolt  tragen;  und  machet 


5  sprechent  KU  sprechent  mit  frode  ihs  ihs  sun  Davids  erbarme  dich  uns 
^en  U  einmal  Amen  C,  dreimal  S  Zusatz  am  Schluss:  wer  sich  durch 
(}0t  lidendes  frowet  der  wirt  durch  got  liebes  erl'filiet  in  zit  und  in  ewikeit  C 


6ff.  Uan dschrifttn:  N  R  S^  Wf  (vgl oben  S.  3):h  =  Heidelberg  3M,3ii: 

*»=  Cgm  819;  «*  ==  Stuttgart   Theol  et  phil.  8^  19:   a  =  1.  Druck  (1482), 

-ff  enthäH  nur  die  Ereählung  und  das  Gebetj  s  ^  nur  die  Sprüche.  —  Die  folgenden 

^Stücke  gehören  eigentlich  nicht  zum  Exemplar  und  sind  auch  in  keiner  alten  Hs, 

^nthalien.    Nach  Vita  18,11 — 13  schrieb  Seuse  das  Morgengehet  Anima  mea  an 

^iehe  ^neue^  d,  h,  gekürzte  Briefbüchlein  (als  Anhang  zum  letzten  Brief),  und 

^ugUieh  wohl  auch  die  dazu  gehörige,  schon  in  Kap.  45  der  Vita  kurz  gegebene 

-^Zählung  und  die  Sprüche;  vgl,  Denifle,  Zfda  21,126 ff.  und  die  Einleitung. 

Später  icurden  diese  Stücke  auch  in  die  Hss,  des  Exemplars  aufgenommen  ujid  als 

Briefe  behandelt;  in  S^Wfa  stehen  die  Sprüche  mit  ihrer  Einleitung  zicischen  dem 

JO.  und  11,  Brief,  die  Erzählung  und  das  Gebet  folgen  am  Schluss.     Ob  die  Über- 

Schriften  der  einzelnen  Abschnitte  alle  von  Sevse  seihst  stammen,  ist  zweifelhaft. 

9  selb  fehlt  RS^Wfa        12  namen  Jesus  Xm        14  kl.  seidins  w.  t.  Wh 
13   Vgl,  Vita  Kap.  4. 


394  Zusätze  zum  Briefbüchlein. 

do  des  selben  namen  glich  unzallich  vil  namen  och  also  in  der  aelbea 
wise.     Und  do  der  diener  der  wisheit  dar  kam,  do  bat  si  in  mit 
grosser  andaht,  daz  er  die  namen  alle  uf  sin  herz  mit  g6tlicher  be- 
girde  striche  nnd  si  ir  denn  wider  gebe.     Und  daz  tet  er.     Und  si 
nam  den  iren  namen  nnd  haft  den  an  iren  anderrock,  da  in  nieman  5 
sach,  und  tet  daz  in  der  begirde,  daz  irs  herzen  andaht  z&  got  dest 
me  wüchse  und  daz  ir  gelAck  und  seid  da  von  dest  me  volgete;  ond 
sant  die  andern  namen,  die  si  och  also  bereit  het  bi  im,  allen  sinen 
geistlichen  kinden,  die  er  do  het,   daz  si  es  bi  in  trugen  oeb  in 
diser  selben  meinnng.     Und  daz  teten  si.     Und  si  trftg  iren  namen  10 
also  heimlich  an  ir,  bis  daz  er  ir  in  daz  grab  volgete. 

E  daz  die  zit  kom,  daz  got  irem  heiligen  leben  ein  selig  end 
wolt  geben,  do  fuget  sich ,  daz  der  diener  zft  dem  jüngsten  mal  zft 
ir  kom.    Und  si  hftb  an  und  sprach  also:    ^ach,  lieber  herr,  ieh 
han  vil  gfites  von  got  durch  üch  enpfangen,   dar  nmb  got  ewidiebUj 
gelobet  si.   Nn  han  ich  noch  ein  bet  zA  Awrem  tugenthaften  henen,    i 
des  gewerent  mich,  lieber  min  herre  und   min  geistlicher  vatter!    j 
Und  s&Uent  wissen,  daz  ich  der  bet  an  üch  von  dem  minniclieben 
got  in  miner  h6hsten   andaht  neiswi  dick  bin  ermant,   der  es  von 
üch  wil  han."     Er  sprach:    „liebe  tohter,   was  du  in  got  wilt,  dai* 
sol  geschehen.**    Si  sprach:  „ach  herre,  wer  üwer  minnicliches  hcn 
erkennet  als  wol  als  got  und  ich ,   und  wer  üwrü  hitzigü  wort  h6rt 
und  üwer  begirliche  geschrift  liset,  der  merket,  daz  der  gätlich  nam 
Jesus,  von  des  lobricher  wirdekeit  ellü  du  geschrift  seit,  daz  der 
gelückhaftig  nam   so  tief  in    üwer    herz    ist   gesenket,    daz  allen 25 
menschen  neiswi  reht  ein  nüwü  kraft  dannen  enpfintlich  mAht  dringeo. 
Dar  umb   ich   armer  lidender  mensch  bitt  üch  an  gottes  stat  durch 
des  selben  edlen  namen  wirdiges  lobes  willen,  e  daz  ir  vergangent 
und  es  selb  nit  me  mügent  getün,   daz  ir  an  diser  stunde  legeot 
üwer  gesegnet  band  bloss  uf  den  heilsamen  namen ,  der  nf  üwrem  80 
herzen  von  inbrünstiger  götlicher  minne  ist  ergraben,   und  maehent 
mit  der  selben  band  ein  crüz  über  uns  ellü,  die  von  üwer  begirde 
wegen  in  ir  meinung  daz  nement,  daz  si  den  selben  glückhaftigen 


4  ir  si  NEm  [und]  daz  RS'  Wfa  5  haft]  n&t  BS'^Wfa  da]  daz  Um 
6  f.  (lest  me  zä  got  S'f  7  dest  nie  da  von  S'f  da  von  [dest]  me  Nhm  9  bi  in 
S '  Wh  10  diser]  der  .9*  Wfa  12  mit  irem  S ^  18  und  sülL  fMt  h  19  £.  will 
Yonmoh  RS' Wfa  21  mynnreichs  JN^m  24  löblichen  Äa  ^fk  fekU  NS^fkm 
25  ist  nach  tief  BS' Wfa  26  entpfintlicher  S^f  33  gltckhafägün  /eW 
BS' Wfa 


Zaf'Aize,  Kum  Briefhnclitciii.  395 

tiamen  Jesus  och  wellent  tiglich  einest  ereit  mit  dem  lobrichen 
niorgen^räz,  der  ucb  voq  got  in  lucht,  in  lieplicb  da  mit  ze  grusseii 
und  alle  creatur  in  sin  wirdiges  lob  ze  reizen,  als  man  hie  nach 
vindet  geschriben,  oder  aber  mit  einem  Pater  noster  und  Ave  Maria 
5  mit  einer  venje  dem  herren  ze  lob.  dem  cUü  knie  von  billich  biegen 
sfillent  in  himelrich  und  in  ertrich,  daz  si  der  müt  got  beacbirtn 
vor  aller  scbedlicher  widerwertikeit,  und  in  helf  ir  liden  überwinden 
nach  sinem  lob  und  irem  ewigen  nutz." 

Do  der  diener  sacfa   des  heiligen  menschen  ernst  und  andaht 

10  und  er   verstftnd   gottes   willen   dar   inne,    do   tet  er  es  mit  grosser 

andaht,   und   leit   sin    band  bloss  uf  sin  herz  ut'  den  namen  JesUH 

eio  wili  und  bot  si  da  uf,  und  in  der  allmehtigen  kraft  des  selben 

nnmen  machet  er  das  heilig  criiz  und  tet  einen  begirlichen  sagen 

I      über  alle  die,  die  mit  begirde  wellent  den  vor  geoanten  morgeDgrflz 

I  U  dem   nameu   goltes  ze   eren   sprechen,    und    bat  got,   daz  er  in  ein 

I      heilj<;es   eud  verlihe  nnd  in  ewige  selikeit  gebe.     Und  des  helf  uns 

I       Pt  allen  durch  sines  heiligen  namen  willen! 


Dis  ist  der  vor  genant  lobrich  gröz  und  gewer 
Diorgensegen,   den   ein    mensch  got  ze  lob  fiir  nogeläck 

**  Bot  sprechen,  der  her  nach  in  latin  ist  geschriben. 

0  du  aller  schoui^tä  liehtrichü  ewigü  Wisheit,  min  sei  hat 
biuaht  nach  dir  belanget,  und  nu  an  disem  morgen  fru  in  der  herz- 
licbeit  mines  geistes  bin  ich  7,fl  dir,  min  lieb,  erwachet  und  bit 
dich,  genediger  min  herre,  daz  din  begirlichü  gegenwertikeit  von 
mir  alles  übel  an  lib  und  au  sei  vertribe,  und  die  gnadlosen  winket 
mines  herzen  mit  sinen  sundern  gnaden  rilich  durchgiesse,  und  min 
kaltes  herz  in  dem  fär  sioer  gütlichen  mJnne  inbrünsticlieh  enzünde. 
Eya,  aller  süssester  Jesu  Criste,  nu  ker  din  liepliehs  antlüt  frünt- 
licb  her  gen  mir,  wan  an  disem  morgen  so  keret  sich  min  sei  mit 

■^  allen  iren  kreften  hin  zu  dir,  und  grosse  dich  hüt  begirlich  von  dem 
innergosten  gründe  mines  herzen  nnd  beger  och,  daz  die  tusent  stund 
tDseot  engel,    die   dir   dienent,  dich  hüt  von  mir  gnissent,   nnd  die 


1 


fe 


17   durch  siuen  h.  u.  |willen]  S'/  Amen  Rm  18  Dm  ES'Wfa 

ISbticb  Ha  morg^ngHlBS  hm  19f.  für  uogelAck  got  xe  lob  (und  er  h)  «prediim 
«oU  (der  —  Keuche]  hm  27  dem  för  fehU  liS^  Wja  28  f.  frlilltL  /«Ätt  An 
:J1   gmuile/eA«  hm        3S  uud  [die]  liS^Wfha 

Iff.    Vgl.    Viia  18,11  ff.  fi  f.   hhil  2,10.  21  f.  Ja.  36,9:  fff.  6^,1. 

l'ffl.   zum  ganten   Gebil   Bikte  ■JIJ,l.>ff.  und  Hör.  :jüii.  31  ff.   Dan.  7,10. 


J 


396  ZuB&tze  zum  Brief  büchlein. 

zehen  tusent  stnnd  hundert  tusent  himelschen  geiste,  die  bi  dir 
wonent,  dich  wirdeclich  von  mir  prieen,  und  dar  zfi  ellü  die  wunnec- 
lich  Bchön  gezierd  aller  creatur  dich  hüt  von  mir  loben,  eya,  und 
dinen  wirdigen  naraen,  unsern  trostlichen  schirm ,  dankberlieh  bnt 
geseguen,  nu  und  in  iemer  werender  ewikeit.     Amen.  5 

Hie  stat  der  loUrich  grüz  und  segen  in  latin. 

Anima  mea  desideravit  te  in  nocte,  sed  et  spiritu  meo  in  prae- 
eordiis  meis  de  mane  evigilavi  ad  te,  o  praeclarissima  Sapientia, 
petens,  ut  desiderata  praesentia  tua  cnncta  nobis  adversantia  rerooveat, 
penetralia  cordis  nostri  sua  raultiformi  gratia  perfundat  et  in  amorelO 
tuo  vehementer  accendat.  Et  nunc,  dulcissime  Jesu  Christa,  ad 
te  diluculo  consurgo,  teque  ex  intimo  cordis  affectu  saluto.  Millia 
quoque  millium  coelestium  agminum  tibi  ministrantinm  te  ex  me 
salutenf,  ac  decies  millies  centena  millia  tibi  assistentinm  te  ex  me 
gloriticent.  Universalis  etiam  harmonia  omnium  creaturarum  te  ex  I6 
me  collandent,  ac  nomen  tnum  gloriosum,  protectionis  nostrae  clypenm. 
benedicant  in  saecula.     Amen. 


Von  helligeu  bildeu  uud  guten  Sprüchen,  die  einen  memsehen 

reizent  und  wisent  zu  got.' 

Vocatum  est  nomen  eins  Jesus.  ^ 

Den  minniclichen  namen  Jesus  schuf  der  diener  der  ewigen 
wisheit  entwerfen  in  §in  capeli  wol  geflorieret  und  mit  gftten  sprucben 
gezieret,  ze  einer  getrüwen  reizung  aller  herzen  zfl  dem  minniclichen 
got.     Und  daz  dem  lideuden  menschen  liden  dest  lidiger  werde,  do 


1    dir»  him.  «oisto  RS'Wfa         2    vou  mir  fehlt  R.S'Wj'a         2  t  Bchiiu 
wunn.  hm        (>  Uie  —  17  Amen  feßilt  Wim        14  ex  nie  fehU  a        24  den  lid. 

18  Die  folgenden  ^Sjiriicht  ^  weiche  sich  z.  T,  mit  den  den  Bildern  de* 
Kj-cmplurs  beigeg  ebenen  (s.  Kinleiiung)  nahe  he  rühren,  sind  von  Seuse  ursjtribtg' 
/u:h  lateinisch  abgefasst  und  von  Elsbcth  Stagel  in  deutsche  Reime  nbertragin 
worden.  Schönbach,  Über  die  Marienklagen  JS74,  51  hielt  sie  nach  dem  Abdruck 
von  Mone  im  Änseirßer  für  Kunde  der  deutschen  Vorzeit  1838, 183  fäUchlich 
für  eine  Parodie  der  Marienklagen,  20  Luk,  2,21.  21  iF.  VgL  Fttü 

Kap.  20  {60,12 ff,)  u,  35  (103,14 ff.). 


I  Zusätze  zQm  BriefbücbleiD. 

I  er  den  tröstlichen  roebom  zitliches  lidens  in  die  capcll  och 
terfen  und  noch  einen  audeiu  bom  des  undprscheides  zitlicbßr 
'ig6tlicher  minne.  Und  wie  gich  die  zweierley  minne  uss  der 
ftrift  widerwertlicb  bewisent,  daz  stat  da  in  latin  einvalteelicb 
jhriben;  aber  sin  geistiicbü  tobter  brabt  es  ze  tütech  und  tet  daz 
ferimter  wise,  dar  umb  daz  eiu  uüfririger  mcnscb,  der  nit  alle 
mag  in  glicbem  ernst  stan,  daz  der  mengerley  vinde,  daz  in  zA 
icben  lügenden  gereizen  niüg. 

^ie  clagsprüch  dez  lidenden  menschen  ander  dem 
rosbom  vabent  an  also: 
Herzenfröd  han  ich  verlorn, 
ze  grossem  leid  bin  ich  geborn. 
Min  grossii  clag  die  lit  dar  an, 
daz  ich  möi^s  sin  ein  armer  man. 
Eigenwillen  mfisB  icb  lan, 
ieh  mÖ88  durch  got  gezomet  gan. 
Er  hat  mir  min  er  da  hin, 
menglicbs  ffiBBtiich  mQss  icb  sin. 
Die  üblen  hnnd  haut  mich  zerkretzet, 
böse  znngen  bant  mich  geletzet. 
Ach,  waz  ich  erlitten  1 
daz  nieman   wol  gessgen  kan! 
Got  zuhet  mich  mit  dem  bar, 
daz  nira  icb  von  im  ut'  gar  swav. 
Eya,  wie  ist  min  vergessen! 
min  not  ist  gross  nnd  ungemesseii. 
Wenig  fründe  solt  got  ban, 
wan  er  ist  in  mit  liden  gran. 


II.]  haltent  •¥'  W/a        4  t.  geschr.  einv.  in  Ist.  ä>  Wja       6  ger&mter 

irS'/     7  rindet  Nhm     9f.  linder  d.  rosb.  fthlt  S'  W/a      10  nach 

irifl:  die  klagsprich  einea  leidenden  menacheu  XU  (=eap.)  S'Wfa 

]  erkoro  S'Wfa         13  am  Rand*  Job  JV7.         die  fthlt  a'a         16  ge- 

^]  gen  mettiu  Ä'  Wfa        18  »engl.  —  19  mich  fehlt  S'        mfiaa]  sol  Nhm 

■  Randt  paal  N         gekretsiet  S'Wfu         22  du  ichit  «■  24  von  im 

ff'/        Mt  fthlt  hs'         27  got  aol  S'Wfa 

k  Iff.    Übtr  den  Roaei^aum  vgl.   Vila  Kap.  SO  (5Sßff.)  u.  34  (103,li 
roten  Ragtn  bedeiitiH  Läden  f  Vita  V4,X  ff.).  IS  f.    Vgl.  Job  Kap.  3  ff. 

\  Vgl  VitaKap.30(58ßff.i.  19  Vgl.  Pg.31,16.  33  Vgl.  Vita  I33,S4. 

ft.    Vgl.  Bdff  ?3S,20£. 


398  Zusätze  zum  Briefbüohlein. 

Antwurt  der  ewigen  wisheit: 

Man  sol  hat  amb  hat  geben, 

daz  wil  ich  uf  min  trüwe  nemen. 

Wer  sunder  lieb  von  got  wil  han, 

der  sol  in  leid  von  billich  stan. 

Lidens  sol  er  tragen  vil, 

der  gottes  frdntschaft  haben  wil. 

Rosen  wil  ich  brechen, 

und  wil  lidens  uf  si  trechen. 

Schow  die  martrer  unverdrossen, 

die  ir  blüt  durch  got  haut  vergossen! 

Ir  frumen  ritter,  gehabent  üch  wol, 

kein  liden  äch  erschrecken  sol! 

Alles  liden  wenden  tftt, 

wer  ewikeit  treit  in  sinem  müt. 

Eya,  bis  frisch  und  unverzagt, 

nie  weicher  mfit  kein  er  bejagt! 

Der  underscheid  zitlicher  und  götlicher  minne. 

Der  lip  spricht: 

Man  seit  uns  als  von  minne  vil, 
minen  lip  ich  selber  minnen  wil; 
was  mag  dem  bessers  gesin, 
denn  gfttü  mursel  und  starker  win? 


1  Die  Überschriften  fehlen  von  hier  an  stets  .v*  antwurt  die  ewige 
weishait  (so  stets!)  Nhm          5   von]  och  S^Wfa          6  tragen]  amen  S^Wfa 
8  in  brechen  S^Wfa        9  wil]  vü  S^Wfa        si]  üi   Wfa        12  gehalten  Nhm 
17  wan  nie  Nm          19  desz  leibes  rede  Nhm          20  am  Bande  Epicoros  Nh 
alB  fehlt  Nhms'         22  dem]  den  sinnen  6'^  TF^Ta         Bin  S^Wfha         23  mutt- 
schellen  «* 

2  Job  2,4.  4  —  9  Dieselben  Sprüche  beim  12.  BOd.  10  f.  Btm 
Umbau  des  KonsianMer  Dominikanerklosters  (1874)  fand  man  an  der  W<md 
des  nördlichen  Seitenschiffes  der  Kirche  zahlreiche  Fresken  in  Form  tw 
Medaillons,  welche  Märtyrerszenen  darstellen  und  wohl  dem  14.  Jh.  angehört* 
(vgl.  Kraus  y  Kunstdenkmäler  des  GrossherM.  Baden  I  [1887],  246/.).  Eb.ffo» 
Zeppelin  in  Schriften  des  Vereins  für  Oesch.  des  Bodensees  VI  (1876),  20  f^ 
Pelteer,  Deutsche  Mystik  und  deutsche  Kunst  1899, 100  f.  möe?Uen  sie  a^  äfft 
Einfluss  Seuses  zurückführen.  12  f.  Vgl.  Vita  91,34 f.  14  L  Dersdht 
Spruch  auch  beim  12.  Bild  (aber  Jesus  statt  ewikeit).  16  f.  Vgl.  Brief  i 
(370,22  ff.).           22  f.  Vgl.  Vita  13,11. 


ZitaStze  luni  Briefbnchlein. 

Antwtirt  der  ewigeo  wiaheit: 
0  du  b6ser  lastereack, 
diu  Ion  ist  bfis  und  ungeBmack. 
Eid  tumbes  herz  hie  fttden  g&cht, 
der  wiae  der  hat  dar  an  verröeht. 
nne  des  gutes  und  der  eren  sprich 
Frönd  und  eren  und  gfites  vil, 
ist  der  weit  seitenspil; 
wer  daz  hat,  der  ist  vil  wenl, 
dar  umb  es  och  min  sei  begert 
Antwurt  der  ewigen  wisheit: 
0  witz  und  gtU  und  weltlich  er, 
wie  triegent  ir  so  grimme  ser! 
Dia  zergenklich  böses  gftt, 
bat  verderbet  mengen  müt. 
Dar  nmb  so  wil  ich  fliehen  dich, 
zft  got  HO  wil  ich  keren  mich. 
Die  weltlich  minne  spricht: 
Ob  allen  fr&deu  machet  wild, 
reiner  frowen  zartes  bild; 
daz  mideo  ist  herzennot, 
und  ist  als  streng  alsaui  der  tod. 
Antwurt  der  ewigen  wiebeit: 
Ach  wiplicbes  bildes  inval, 
du  verderbest  vil  und  ane  zal; 
noch  witz  noch  kraft  mag  da  gesigeii, 
da  h&rt  nit  zO,  denn  verre  fliehen. 
Der  sich  kert  au  din  liebliches  erbieten, 
ach  got,  wes  müss  sich  der  genieten! 
Also  zergat  der  minne  pris, 
des  hutent  iich  und  werdent  wis! 
Ach,  kurzes  lieb  und  langes  leid, 
ist  ir  beider  minner  kleid. 


2  am  Sande  Salomon  AT  lasterschalk  5'/  4  hie  fr.]  die  (reMe  S'fa 
raficht  Nhna'  7  ere  Anw'  10  ae!]  herz  S'  W  12  0  wite  —  23  wiih. 
(  A  o  Witt]  unweiBse  5'  Wfa.  20  reiner]  achSne  «'  22  d.  bitter  tod  S'/ 
B  und  fthlt  S^f  96  «igen  As'  2«  was  NWIma  leides  (ren.  S'Wfa 
0  lergat  S'Wfha         8a  minueklaid  S'Wfha 


400  Zus&tse  zum  Briefbttchlein. 

Von  der  götlichen  minne: 

Ein  ussflaz  der  wisbeit, 

ist  daz  ewig  wort  in  der  gotheit; 

in  unbekanter  wiselosekeit, 

stat  ir  natärlicbü  blossheit. 

EUü  herzen  hant  zft  ir  ein  jagen, 

und  kan  doch  nieman  nit  dar  uss  gesagen. 

Der  sunnen  bild  ist  nit  so  fin, 

si  übertriflfet  der  steme  schin. 

Si  rüwet  in  der  sele  grund, 

si  wirt  nmbvangen  tusent  stund. 

Daz  herze  wil  si  nieman  lan^ 

si  wil  es  ir  selber  han. 

Nach  ir  so  sol  man  stellen, 

und  si  zu  einem  lieb  erwellen. 

In  allen  landen  ist  ir  nit  glich, 

si  haben  ist  daz  himelrich. 

Ach,  wie  selig  ist  der  und  frödenvol, 

der  bi  ir  steteclich  wonen  sol! 

Von  dem  namen  Jesus:  ^ 

Jesus  in  der  sele  grnnd, 

ist  allez  zartes  ein  nberbund; 

Jesus,  din  nam  ein  starker  turn, 

den  nit  zerstöret  enkeincr  stum. 

Kein  schönä  fürspang  so  wol  gezieren  kan,  ^ 

sam  tftt,  Jesus,  din  finer  nam. 

Ein  SÜ8S&  harpf  uf  tringet, 

so  Jesus  nam  erklinget. 

1  Von  —  20  Jesus  fehlt  8^  7  dar  uss]  da  yon  4^*  Wfa  8  nit  fehU  B» 
13  es  wül  si  selb  im  (in  SV)  selber  han  S^Wfa  14  ir  fehlt  Nm  16  auw- 
erwellen  Nm  17  daz  ist  Nm  18  Ach  —  19  sol  fehlt  S^Wfa  20  dem  mm- 
liehen  n.  J.  S^Wfa  21  der]  unser  S^Wfa  22  überkunt  SV  28  din] 
ain  Wa  24  eiHtöret  Wa  keiner  S^Wfa  25  kein]  ein  S^Wfa  M 
wol  zieren  S^Wfa  26  din  f.  nam]  den  seinen  nam  (man  Wa)  8^  Wfa  27  uf 
fehU  8^  Wfa 

6   Vgl  Bdew  Kap,  1.  8  f.   Der  gleiche  Spruch  atAch  beim  U  Büd- 

11  Vgl  Vita  14y33ff,,  16,7  ff.         21  ff.  Vgl  den  Hymnus  Jesus  dulcis  mmario 
(Bdew  225,3 ff.).  25    fürspang,   vgl  11.  Brief  392,7  u.  Hör.  126  {mowk 

pretiosum  in  pectore  portatumj. 


Zusätze  zum  Brief büchlein.  401 

Ach  Jesus,  durch  den  namcn  diu. 
vergiss  der  grossen  Sünden  mini 
Jesus  min  herz  verwundet  hat, 
gezeichent  da  min  Jesus  stat. 
Jesus,  vi!  lieber  herre  min, 
ain  schirm  mfiss  mir  din  name  sin. 
Gesegon  mich  der  Jesus  zart, 
nu  und  an  der  jüngsten  hinvart! 

e  TfV        4  bezaichmjt  «*a        da  min]  dar  in  S^Wfa        6  schirm] 
ich  beim  12.  Bild,  (5   Vgl  die  Spruche  heim  10.  Bild. 


v 


Doatiche  Scliriften.  26 


Zweite  Abteilung. 

Lcht  in  das  Exemplar 
lommenen  deutschen 
Ichrifteh  Seuses. 


L 


Das  grosse  Briefbuch< 


Wan  eines  geistlichen  menseben  sin  nüt  mag  zfl 
in  ziten  in  abgeseheidener  blossbeit  spanen  and  5ch 
edliche  kurtzwil  verre  sol  fliehen,  hier  umb  zu 
er  underlibi  dines  gemütes  so  mäht  du  dis  g6tlich 
ef  lesen.  Die  sante  ein  diener  der  ewigen  wiszheit 
und  her  sinen  götlichen  fründen  und  meinet,  dazer 
minnebotte  gottes  si  ze  dir  and  ze  einem  ieklichen 


Handschriften  des  grossen  Briefbuchs  imaUgetneinen:  b^=  Berlin 
:  C  =  Colmar  266;  c  =  Cues  115;  d  =  Darmstadt  1847;  g  =  St.  Gatten 
</»  =^  Göttingen  Theol  292;  Ä  =  Heidelberg  358,38;  m  =  Cgm  819:  2V^=: 
nherg  VII,90;  n  =  Nürnberg  VI,55;  R  =  Breslau  Domkap,  Bibl,;  s  = 
tgart  Theol.  et  phil.  4^67;  s^  =  StuUgart  Theol.  et  phil  8^19;  ü'=  Über- 
m  22;  z  =  Zürich  Stadtbibl  C  96. 

Prolog.    Hss,:    b  c  g  h  R  s  z. 

Rote  Überschrift:    Das  sint  göti   gaistlich  minnbrieflfe  g   Prologus  libri 
iolarum  s  (auch   der  folg.  Prolog   rot)  1    geistl.]  iegelichen  hs  in 

1  c  2  gespanneil  hsc  och]  all  ^r  3  von  billich  ver  g  sol  verre  z 
^thlt  bg  har  umb  s  hie  von  g  hier  u.  —  4  gem.  fehlt  z  4  uuder- 
ige  bgR  ufinthalt  c  gotl.]  geistliche  R  4  f.  diseu  geistlichen  brief  h 
1  brie£f  gi5tlich  s  dis  gotlich  minnen  brieflf  ze  ainer  vertribung  vnredlicher 
'Hing  leszen  g  5  ewigen]  gotlichn  g  6  har  s  gotl.]  guten  gs  geist- 
in R  geistl.  guten  h  fründ.]  kinden  h  daz  er  dar  inn  g  6f.  si  nach 
CS  7  minneb.]  minne  b  minnebrief  s  ze  dir  und  fehlt  g  iekl.  —  406,4 
en  fehlt  s  (wegen  Defekt  des  Blattes)  7  fF.  iekl.  andähtigeu  und  begingen 
en  [mit  namen]   dz  ietz  ist . .  .  ist  g 

1  ff.   Vgl,  hier  u.  künftig  die  entsprechenden  Abschnitte  des  Kl  Bfb  und 
iort  gegebenen  Erläuterungen.  7  minnebotte  gottes,  vgl,  Bdetc  231,6. 


40G  Grosses  Brief  buch.    Proloe:  und  I.  Brief. 

hertzen  mit  namen,  die  ietze  sint  oder  noch  künftig 
siut,  die  der  valschen  minne  wen  urlob  geben  und  die 
ewigen  wiszheit  wellen  ze  einem  einigen  gemintenlieb 
nemen. 


I.  Brief.  l 

Bex  David  senuerat. 

Do  der  künig  David  sine  jugent  in  gottes  dienste  hatte  ver- 
tribcn,  do  er  begunde  alten ,  do  hegunde  er  kalten.  Und  daz 
sahent  sine  getruwen  diener,  und  die  ffirent  durch  alles  lant  and 
sfthtent  ime  eine  geraeite  jungfrSwe;  und  funden  ein  usgenonienlO 
schön  mef;etin,  hies  Abisag,  und  die  fügeten  sü  ime  zö,  daz  sü  in 
wermete  und  im  dienete. 

Wer  nu  wunder  welle  schowen,  der  sehe  nit  an  daz,  daz 
beschach  in  den  alten  tagen;  er  sol  sehen  daz  klegliche  ding,  daz 
niiwes  beschehen  ist,  daz  der  volle  manc  gebrochen  ist,  daz  die  15 
spilnde  sunne  erloschen  ist,  der  liebe  ostertag  zft  dem  stillen  fritage 
worden  ist,  ach,  und  die  heisse  summerwunne  zft  dem  kalten  riffeu 
geraten  ist.     Dez  sint  trurige,  ir  wolsingenden  kleinen  v6gelin,  die 


1    yetzund  hRc  sint  feMt  c  oder  die  noch   bc  2  valsch  i 

minne]  liebe   hB  wen]   wellen  nach  geben  g  3  wellen  nach  lieb  k'J 

3  f.  ze  e.Yfrener  lieb  nemen  und  behalten  h  ze  ainem  besunder  und  ainigen  früD'l 
und  lieb  weimd  nemen  g      gem.]  geliebten  7^,  fehlt  h  c        4  nement  h 

I.  Brief.    Hss.:    h  c  h  m  N  R  8  U. 

llote  Überschrift:  bredige  b  Hie  geit  au  der  prologus  ader  profatio  dat 
is  eyne  viirrede  deses  buchelgyns  c  gar  aiu  höpschen  brieff  wie  der  dieuer  sine 
gaistlicheu  kind  lert  wie  sy  den  hymelschen  gespontzen  Jesum  ob  allen  andren 
lieben  soUent  in  vsser  kyesen  vud  erwellen  won  kain  sollichs  lieb  in  hyi') 
noch  vff  erd  mag  erfunden  werden  als  diaser  gespoutz  ist  U  6  Bex  P.  —  8 
kalten,  12  im  dienete  —  16  stillen,  407,2  sannen  -—  407,6  unwand.  fehlt  s  v^' 
ohvn  4(J5,7)  7  syne  jonge  dage  c  8  zu  alten  h  beg.  er  und  hüb  anzuk-Ä 
9  sah.]  sagen  c  alle  mNUc  10  ime  fehlt  mX         gemeite]  geminte  T 

schöne  Bc         11  mait  hR         die  hies  hmXc         und  [die]  6  12  und  im 

dienete  fehlt  U  16  wer  —  schowen]  ist  nun  iemand  der  w.  ietz  wöl  schawen  w*V 
will   hc  ensech  inNc  dat  einmal  c  14  geschah  niNB   geschiet  is  c 

ansien  c  15  newlich  geschehen  ist  mN  daz  —  gebr.  ist  fehlt  ü  [daz] 
<1()  der  V.  m.  bhs  [daz]  die  hR  16  verleschen  c  und  der  1.  o.  c  lieblich  V 
stilltMi  fehlt  c        13  dez]  herum  c        ir]  die  H 

6  ff.  //.  Kiin.  1,1  J)\ 


Grosses  Brief  buch.    I.  Brief.  407 

in  summer  in  lachender  frötle  enpfiengeut  und  üch  gegen  der 
h6nen  sannen  glast  erswungent! 

Ach,  nu  merkent,  ir  werden  kint,  wen  ich  meine:  min  herze 
einet  den  usglentzenden  widerglast  des  summerlichen  liehtes  der 
aren  v&tterlichen  gotheit,  den  vollen  mane  siner  lütseligen  menscheit, 
e  summerliche  gestalt  siner  unwandelberen  ewigen  wiszheit,  wie 
ir  daz  alles  so  veraltet  und  verkaltet  ist  in  den  ogen  und  hertzen 
^r  geistlichen  menschen,  die  bis  her  sin  ingesinde  hiessen  und  sin 
^mahelvingerlin  trügen. 

Eya  nu  dar,  ir  reinen  megde,  ir  schönen  rosen !  Wele  wil  die 
^höne  jungfrowe  sin,  wele  wil  die  künigliche  ere  besitzen  und  ein 
'ormerin,  ein  pflegerin  des  geminneten  ewigen  küniges  wesen? 
>ie  trette  her  für  und  lasse  sich  schowen!  Sehe  nüt  an,  waz  sü 
Jt  oder  waz  sü  ist  gewesen,  löge  allein,  war  zu  er  sü  von  sime 
:ewalte  wil  machen. 

Ach,  zarten  kint,  nu  kerent  uwer  antlit  her  zu  und  losent,  waz 
eh  meine!  Min  herre,  der  mich  zft  uwerm  hertzen  hat  gesendet, 
laz  ich  sine  botschaft  tüge,  der  ist  ein  als  minneklicher  herre;  so 
vissent  ir  wol,  daz  ein  glich  minnet  sin  glich,  und  dar  umb  neme 
eh  ein  minncndes  hertze  für  tusent  ander.  Es  sint  ietze  vil  menschen, 
lietra^ent  geistlichen  schin  und  haut  got  nie  berlich  erzürnet,  und 


1   enpfieudend  mN  enpfachent   U  ücli]  auch  /tR  gejj:en]  in  niN 

schonen  fehlt  c         glast]   glancz  j/iN         erswini^ent  U         3  kiniler  hmNR 

den  —  liehtes]  das  vssglentzend  lieht  (7      widerjj^lancz  mXc       souuerichen  c 

Volkomen  ü  mane]   namm  (!)  (.'  7    alles  so]  alles  also  M  all  et   [so]  c 

'^rjaltet  mN       veraidet  is  und  verk.  [ist]  c       und  verk.  fehlt  ü       erkaltet  b 

[der]  geistlicher  m.  c  [sin]  in^es.  h  hiess.]  sint  «jceheyssen  *•    waren  c 

^  darumb  mN         wele  —  11  sin  fehlt  s  wele]  wie  h  11  schonest  U 

ad  welche   c  die  krön   der  künierlichen  er  U  die  küniclicheu   eren  m 

If.  ein  fehlt  gweimal  c        12  wermerin  sein  R        und  ein  pfleg.  hmR       ge- 

inn.]  lieben  h  geliebten  R  [owisfen]  küniges  [wesen]   U         weszt'ns  (!)  R 

I  tretend  mN      har  für  lis       laszend  mN      sehe]  scheut  hsU  vnd  insiehe  c 

1  fthlt  b         13  waz  —  14  oder  fehlt  h         14  waz]  wa  mN        gewt^sen  ist  h 

^e]  seh  B        seiner  mN        15  wöll  mN        16  zarten  kinder  rein  h        uwere 

tütte  h  her  zu  fehlt   hmNRs    her   [zu]    c    zä    mir   U  his^nt]   haben 

!it  K  hörend  mN        16  f.  was  ich  üch  sag  und  was  ich  meine   U       17  ewren 

VR       18  ein  als]  als  ein  hU  als  einer  mN  ein  so  c       minnekl.)  lieplicher  R 

glich  lieb  hat  sein  glich  lieb  h      minnet]  liebt  H       10 f.  so  nement  [ich]   U 

ich]  he  c  minnendes]  liebhabendes  h  21  die  fehlt  c  und  —  erz. 

It   U        nie]  me  8  nit  hR         berlich]  schwerliciie  hmX  groszlich  R 

4  ff .  Im  folgenden  ist  Chi-isius  (=  diK  cwiye   Wcishfit)  (jemtint. 

8  geistliche  menschen  =  KlosiLtfrautn.         19    \'(jl.  die  Anm,  zu  .76'^,^. 


408  Grosses  Brief  buch.    I.  Brief. 

des  gestent  sü  sich  und  lebent  also  an  hin  lewekliche,  minnelos  uud 
gnadelos.     So   sint  ander  menschen,   die   in   grossen   gebresten  sint 
gevallen  und  ir  natürlichen  adel  uf  die  creature  hant  gekeret,  wan 
SU   vil   lihte   des   geminneten   gutes   nie   befunden.     Owe,  wenne  sü 
sich  aber  umb  kerent,   so   tünt  sü  als  die  wilden  edeln  valkeu  uud  § 
tönt  einen  frigen  swank.    Und  wenne  die  naturlichen  edeln  hertzen 
denue    inne    werdent    siner    göttelichen    heimlichi   und    siner  togen 
minne,   so   werdent  sü   reht  wütende   in   siner  minne  und  ruwet  so 
denne  und  sprechent:   ^ach,   grundeloses  gut,   las  dir  geklaget  sio, 
daz   ich   dis  nüt   nu   lange   ane   vieng,    daz    ich    dis  nüt  von  erste  il|j 
wüste;  ich   han   doch   nüt   in   keiner  minne   funden   denne  we  und 
unstetikeit  und  valscheit,  aber  nu  han  ich  funden  den,  des  min  sele    ; 
begert."     Und  geschiht  dicke,    so  sü   ie   vergangner  warent  in  ge- 
bresten,   daz   sü    in    dem    minneklichen   umbvange   ie   herzeklieher 
umbvangen  werdent.  HJ 

Gewerlich,   gewerlich,   es   ist  ein   friges  leben,   gotte  minnek-    \ 
liehen  dienen  in  der  wise,  als  ich  es  meine,  daz  ist,  daz  ein  mensche 
nüt  gange  slewenzen;   er  sol  sich  alles  liebes  und  leides  mit  siner 


1  gestellt]  frewend  mNR  roement  c  an  hin  lew.  feMt  h  an 
für  sich  mN  vort  an  c  lewekl.]  sleiflFerlichen  c  minnelos]  on  liebe  h  ^^ 
iosz  li  und  trechelicli  c  2  grosz  mN  geprecheu  U  2  f.  gev.  sint  hB. 
3  creatnren  hcmX  4  des  gem.  gutes]  der  liebhabenden  gotheit  und  obersten 
gutes  h  gutes]  gottes  6wA'  nie]  in  in  ü  bef.  haben  h  enpfandend  n^ 
owe]  und  h  4  f.  sii  sich]  solliche  h  sich  die  c  5  aber]  schon  Ä,  fM  Ä 

umb  k.]  bekerent  hli  edeln   wilden  li    edeln  fMt  h  und  —  6  swank 

fehlt  U  und  tünt  fehlt  c  6  und  also  w.  mN  [und]  so  w.  U  und  wanne  dan  f 
7  denne  fehlt  c  heimeljkeit  mNR  und  fehlt  U  togen]  verborgener  w^ 
heymelicher  c  tauglichen  H  gnad  reichen  h  8  minne]  lieb  hH  9  denne 
fehlt  h  dan  ir  gebrecheu  c  grundlose  gute  mNc  sin  gekl.  h  10  dal 
—  ane  vieng  fehlt   mN         dis]  dich  hH   das  s    dit  leuen  c  nüt  [nu]  1.  ^ 

nun  nit  vil  lange  U  nu  [nit]  vil  1.  h  [nu]  vil  1.  nit  li  dis]  dich  H  dazW 
dit  guet  c  von  erste]  ee  c  11  enwest  mN  doch]  dich  s  nüt]  nvec, 
fehlt  hmN  anders  dan  c  we  we  mN  12  und  valsch.  fehlt  ü  [ic^l 
funden  [den]  b  den  fonden  c  des]  den  Ji  sele]  hertz  U  13  geschieht 
es  mN  vergangen  weren  hs  13  f.  gebrecheu  NU  14  umbvange]  uml>- 
vaniren  s  umbvaher  mN  14  f.  ie  herz.  umhy.  fehlt  8  herzekl.]  minniclicher  mh 
15  wurdent  h  16  gewerlich  nur  einmal  bs  werlich  werlich  hRc  16f.  got 
liebhaben,   got  myun.  dienen  M  minneklichen]    yunenclichen  c  freilich  «^ 

17  [in]  der  weise  auch  wie  ich  es  m.  h  ein]  das  h  18  schlewenzende  *» 

slentzen  ^v  schlewen  (I  slewszen  h  slcwssen  oder  schlaff ent  B  [gange]  lasz  werd 
mN  [gange]  in  sal  sloifforlich  vnd  trege  syn  c 

3   Vol.   Vita  137,:^Tf,  12 f.  Hohel  3,4. 


\ 


Gri 


*  üriefhiicli.    I.  Brief. 


409 


minue    und    liehe    inachent    al 


Kgen  minue  ersetzen , 
-  übte. 
Ach,  min  lieben  kint,  nu  hati  ich  üch  in  mime  lierczen  ^e- 
I  zfi  den  lutseligen  minneklichen  roHen.  Und  wie  däz  sich  der 
«  dem  hinieltowe  lanfje  tiabe  vor  beschlossen  und  sieb  gegen  der 
vinstern  naht,  gegen  dem  kalten  ritten,  hab  ul'  getan  in  siner  natfti- 
lieh™  liitselikeit,  doch  so  begert  der  überminnekliche  veltblönit-, 
der  lnteeHg:e  herre  aller  herren,  daz  ir  wolstenden  roseo  werdeut, 
dl  mite  sin  götlich  höbet  finlich  gezieret  werde.  Und  erechreckent 
hüt!  Wanne  ho  ir  ie  berlieher  entferwet  und  entstellet  sint  in 
üppigem  lebenne,  so  mnn  sine  ewige  wiszheit  und  eine  grossen 
erbnrmhertzikeit  an  den  wunderüehen  zu^en  ie  bae  erkennet  und 
Wr  allem  engelischen  her  wirt  gelobet, 

t  Zarten  kint,  wer  wil  das  trurig  ertricb,   den  blossen  walt,  die 
e  beide  noch  hüie  so  li'itselklich  ergrünen  und  so  minneklich 
m.  die  ime  ietze  in  dem  winterlichen  zit  so  imglich  eint?    Wer 
Oag  daz    erzögen,    denne    der    minnektiche    herre,    der   ietzeut   vor 
üwerin  hertzen   stat   und   gemahelschaft  begert?     Eya.  tiint  uf,  tönt 
i  dem  zarten  herren  uwer  hertzen,  bietent  ime  die  hant  und  lögent, 
l  ir   lieh    nf  ertricb    ie   so  hoch  fjefründeten?     Man  liset,  do  der 
At,  der  Isaae  umb  ein  frowe  warp.   do   der   zfl  ir  kam,  daz  die 


i 


1  einnger  bh»    stetigen  inN         miaue,  das   ist  luit  got  A  iniune 

Mi]  die  gnade  h  [mioue  und]  lieb  macliel  /(  3  C.  geücliet  fe/ilt  h 

9  fehlt  e  lütB.  und  kS  <ten  mino.  roHt'o  b  uod  fchU  ca  wie  doch  das 
wie  öas  sj  das  sitli  U  der]  die  behmNRn  5  d.  himelisclieii 
r  besloasen  hebe  »  h.  [vor]  verÄchloüsen  U  eich  fihlt  tiiN  gegen] 
r  b  noch   mN  6   gcgeu]   und  nach  mN   und  geiii  r         Kiner]  irer  iüc 

8f.  nstlirtichcu]   lewtaeiigen  11        7    die    überm.  veltUlSmt;  R»         Uberwuuie- 
licFi  w.V  B    werdent]  verd.yuen   /i  St   das    damit   /i  götlich  fehlt   e 

Bnlieh]  zirlich  h  10  utit  feltlt  ü  ir]  er  s  berl.]  grüszlieber  U  blnisac- 
Ikkr  c  sint]  ain  b  werdent  !J  12  tarrahertzikeit  liR  den]  dem  mN 
äiwn  »  13  gelobet]  gelost  mN  14  wer]  wie  mN  bloaien]  broaBendcn  L' 
l6  Rgrüiiet  b  16  iine]  uit  se  in  ni  ietze  fihlt  bcmX  in  den  vr.  zitim  b 
^n  viNU  iierre/ehlt  Mit  18  uweiu  6c  gemot.]  fretinWchaft  mN 
1  begert  e  tSut  nf   naf   einmal   bhUs  19  herreu  fflill  hcmN 

T       und  biedet  c        heudt  R        '20  ob  er  euch  ere,  der  so  hoch  ge- 
t  ist  mN         ir]  er  mNV         gefründete  kHU         do)  so  h  doch  dat  c 
I  der  kneht /«Alf  U     21  AeTfchUmN      der  dem  I.  hR      ia  {str»üe«i\  er  li 

1  f.  Vgl.  Augustinus,  De  bona  viä.  c.  31 :  nuUo  modo  sunt  oneroti  tüburt^ 
ata  in  to  qitod  amatur,  auf  »on  laboralw^  aul  el  labor  amatui: 
407,10.  13  Subjekt  zu  gelobet:  »eint  Weinkn'l  u.   Barmheitig- 

<  ime  btsiuht  aich  an/heii'U  (Z.  8).  30  ff.  1  Mo«.  :i4. 


410  Grosses  Brief  buch.    II.  Brief. 

fiowe  iren  willen  gar  geswinde  da  zft  gab.  do  sü  horte,  daz  es 
gottes  getat  was;  sü  sprach  balde:  ja.  Es  was  ein  wunder.  Sü 
lies  balde  vatter  und  müter  und  alle  ir  frünt  und  für  in  ein  froni- 
des  unbekantes  laut,  sü  fürsorgete  nüt  alle  wege,  sü  bevalch  sich 
gotte  und  wägete  es;  und  von  der  kommen  och  die  heiigen  gesiebte.  ( 
Nu  sint  ir  ettelich  ietze  also  fürwitzig,  daz  sü  vörhtent,  do  kein 
vorhte  ist.  Der  der  ewigen  wiszheit  wil  pflegen,  der  mfis  es  wagen, 
und  nifis  menschlicher  witze  ein  fries  urlop  geben. 


II.  Brief. 

Regimni  mnndi  et  omnem  ornatnni  saecnli  coutempsi  propterii^ 

amoreni  domiiii  mei  Jesu  Christi. 

Disen    frolicheu    reigeu    und  jungfrowelichen    uszog   der  uj^-  J 
erweiten  gottes  gemaheln   von  der  valschen  weit  in  ein  himelsches 
leben,   do  ich   den   ob   mir  horte  singen,   do  gedahte  ich  also:  der 
mag   wol  liep   frolich   lassen,   der  ime  selber  ein  liebers  hat  uiiib-  If 
gangen.    Und  daz  ist  mir  gewerlieh  hüte  beschehen.    Dar  umbe  so 
sie  dir,  valsche  weit,   ein  friges  urlop   von  mir  gegeben!    Lügent,   j 
alle  minner,   der   weite  spil!     Ich   hatt  einen   schatten  umbvangen. 
ich  hatt  einen  tröm  gemehelt,  ich  hatt  den  won  besessen.    Eya,  wa 
nu  des  wones  bilde,  des  trömes  gelübede?    Hette  ich  dich  nutusentäO 

1  dar  zu  /'//uV  1  f.  das  es  were  der  wiUe  gottes  /*  2  getat]  onie- 
iiiing  mX  3  lies  [balde]  h  4  ffirsorg.]  versorgete  lis  sorget  mX  für  one 
sorge  li  nüt  fJilt  h  5   kam  auch  daz  heilig  gesl.  mX  6  ir]  e«T  /•'? 

fehlt  dl         ietze  fehlt  c         sü  fehlt  X  7  vorlite)   fürchten  viX        V^A 

Wer  cmX  ewigen   fehlt   in  X  8   witze]   wysen  c   weiz  vi  X  Weisheit  h 

IL  Brief  {=  Kl  Bfh  1),  Hss.:  h  c  d  g  h  n  R  s  s'  U  z.  In  bU  fi^*^ 
der  ernte  'Teil  bis  413,17  und  der  Schlnss  von  416,3  an,  in  g  der  stceiie  Td 
(413,1^—416,20),  in  n  der  Schluas  von  415^22  Daz  ander  an. 

10  propter  —  11  Christi  fehlt  yhli  14  hört  ob  mir  g  15  [liepj 

frolich   sin  und  lassen  z         16  werlicheu  nc         geschehen  ync  so  fehlt  d 

17  [dir]  der  valschen  hU.s'^  dirre  valschen  a        lögent]  sehent  und  bekennenti; 

18  spil  und  ir  l»etnignüst!  von  ir  so  mag  ich  wol  sprechen:  ich  hat  .  .  '9 
schatten]  Schemen  d  19  einen  trüwen  gemachel  s^  gemeh.]  gen  ime  ge- 
liebt ^  den]  ciinen  s  eya]  ach  g  owe  n  19  f.  wa  ist  nun  komen  des  v. 
b.  und  des  tr.  g.  ij        20  gelubte  und  dez  schatten  vmfange  n 

14  ff.    Sense   sjiricht  im   ersten  Abschnitt  des  Briefes  in  der  Person  drr 
Adres/intin,  welche  eben  die  feierliche  Frofes-f  abgelegt  hat. 


Grosses  Brief  buch.    IL  Brief.  411 

jar  besessen,  waz  wer  es  nuV  Als  ein  ogenblik  balde  da  hin! 
Diner  natur  eigen  ist  ein  hinscheiden.  Ich  wonde  dich  han  umb- 
rangen:  wie  bist  du  mir  verswunden!  Der  dich  nüt  lat,  den  last 
iber  du;  der  dir  nüt  git  ein  willekliches  scheiden,  dem  lonest  aber 
lu  mit  eime  leitlichen  scheiden.  Owe,  du  ni6rderin !  Dar  urab  adi, 
tde,  got  ^nade  dir  hüt  und  iemer  me!  Trüge,  die  dich  nüt  er- 
nennen, du  trügest  mich  niemer  me.     Regnum  mundi  etc. 

Owe,  kint  mins  in  dem  almehtigen  gotte,  nu  höre  och,  waz 
cb  zu  dir  spriche!  Gedenke,  gedenke,  daz  du  alle  dine  fründe 
md  ere  und  gftt  mit  besinnetem  mute  hast  uf  gegeben,  und  bis 
'este  in  disem  willen!  Tu  nüt  als  etteliclie  torahten  megde,  die 
ich  glichent  den  ingeschlossenen  wilden  tieren  in  dem  tiergarten: 
0  man  den  die  tor  beslüsset,  so  guggent  sü  durch  die  züne  us. 
)ie  do  sint  halb  usse,  halb  inne,  we,  we,  waz  verlierent  die  grosser 
irbeit  mit  kleinen  Sachen!  Got  dienen  ist  in  ein  kerker,  geistlich 
:uht  ein  enge  notstal,  und  dar  umb,  do  in  der  6pfel  nüt  mag  werden, 
lo  ginont  sü  gegen  dem  smacke.  Für  die  rosinun  schappel  legent 
u  uf  gefloriertü  tücher,  und  won  sü  den  roten  scharlat  nüt  mügen 
wn,  so  prisent  sü  sich  in  einen  wissen  sack,  owe,  und  für  die 
iplichen  gemahelschaft  so  nement  sü  die  zit  verlierenden,  die  hertze 
»erobenden,  die  alles  geistlichen  lebens  zerstorerin:  zergengliche 
rüntschaft.  Daz  in  mit  werken  verseit  ist,  daz  niessent  sü  mit 
horten,  und  daz  unmuglich  ist  ze  gescbenne,  daz  habent  sü  mit  ge- 
lenken.  Sü  versendent  sich  mit  wünscheue  und  einredeut  mit  den 
Qreu  bilden  reht  als  ein  türstigcr  mensche,  dem  von  kalten  wasser 


1  waz  —  2  hinscheiden]  daz  war  alsbald  da  hin  als  oin  oircnblik  won 
iner  natur  aigen  ist  vnd  zu  ^ehorlich  dz  hinscheiden  //  nn  nicht  anders  denn 
Ji  og.  [balde  da  hin]  n  2  ich  w.  —  ;i  verswunden]  ich  gedacht  ich  het  dich 
^griffen  80  bist  du  mir  unter  den  hendeii  vers^chwunden  n        wone  s  wolt  hJ\ 

dir  fehlt  az  5    morderin  owe  du  felscherin  n  5  f.   ade  ade  dlia  aide 

de  gh         6  f.   trüge  —  erkenn,  fehlt  ch  trüfre  —  niemer  me  fehlt  d  )»e- 

nnent  e         7  niemer]  nit  gn         10  [und]  ere  chUtf^        uf]  und  (.'•  .v         und 

11  willen  fehlt  n  12  glichncnd  s  dem]  den  cv*  lli  tor]  tür  tt^n 

die  do  sint]   und  sint  also  gn  halbes  .  .  halljes  *•  und  halb  i.  chnlif*^ 

)]  solch  person  n  15  nu  merk:  got  d.  //  in  f<./ilt  dh  16  do)  so  g  wa  n 
5Z  Rd  werden  mag  gn  17   gegen)   nach   Jls^  rosen    cdhnliss^ 

won]  wenne  hnRsa^  scharlnch  nli  mohtent  z  20  liepliehen  dghUs:: 
fehlt  cn  verliszen  iiJi  20  f.  verliirinen  .  .  .  berobiriu»*n //  21  f.  zerst.  sind 
1  zergenglicher  fr.  z  22  l>az  —  2:i  f .  gi'(leiik«Mi  jehU  cdhllss^  23  f.  mit 
lenke  r  mit  den  gedenken  gn  24  vrrs»ntMi  ///«'  versehen  ch  versenkent  r 

i^LDnent  **        enredent  *  redend  n   akoisent  c 


412  Grosses  Brief  buch.    n.  Brief. 

tromet ;  und  so  sii  es  hin  und  her  an  gelegent,  so  verswindet  es  und 
vindet  nüt  me,  denne  ein  lere  hant  und  ein  truriges  hertze.  Sü  ttint 
als  der  altvatter,  den  da  glustet  eines  langen  mantels ;  und  do  er 
ime  nüt  moht  werden,  do  leite  er  da  für  au  eine  lange  matten,  die 
ime  uf  der  erde  nach  gie,  und  lügete  ie  hinder  sich,  wie  wol  sü  im  6 
stünde.  Also  sas  ime  der  tüfel  hinden  uf  die  matten  und  spottet 
sin  und  sprach:  ^arm  man,  möhtest  du  me,  du  tetest  och  me!" 

We,  got  von  himelrich,  ist  daz  nüt  ein  armes  leben,  ist  daz 
nüt  ein  vorhof  der  helle,  die  weit  nüt  mugen  han  und  gottes  äne 
sin,  aller  diser  weite  tot  sin  und  doch  geistliches  trostes  berobet  sin.  lO 
beidenthalb,  gegen  gotte  und  gegen  der  weite,  verlorn  han?  Wie 
werdent  die  so  reht  lasterliche  stende  an  enr  weit  vor  iren  fründen 
und  vor  aller  der  weite !  Wie  werdent  sü  sich  selber  vor  leide 
gnngend,  daz  sü  sich  mit  so  kleinen  dingen  so  grosses  unmessiges 
gftles  heind  berobet! 

Owe,  kint  mins,  aber  gotte  frilich  und  fr61ich  mit  einem  lutern 
hertzen  dienen,  eya,  wie  ein  wunnekliches  leben  daz  ist!  Ach,  dai 
wunnekliche,  minnekliche  gut  umbvahen  mit  eime  vollen  hertzen. 
wie  ein  lustlich  ding  daz  ist!  Du  solt  wissen,  und  enweri  keiuloD 
nach  diser  weite,  es  lonote  ime  selber.  Sich,  sü  gant  uf  ertrichundÄ 
wonent  in  dem  himelrich.  Eya  reinekeit,  wie  schön  du  bist!  Nieman  ^ 
dienen,  nieman  denne  gotte  leben,  wie  fri  du  bist !  Ach.  zai*ter  herre. 
minnekliche  wiszheit,   dich  meheln,   minne  durch  minne  lassen,  vie 


1  [und]  so  z  versw.  es  und  fehlt  <j  3  altv.  von  dem  man  list  dai 
in  glu8t  g  4.  6  matzen  hns  natte  d  5  der]  die  duz  6  hindenan  ^ 
utH'  den  nacken  (!)  y*  7  sprach  do  ss^  [du]  so  tetest  ha^  och  fMi  dhnÜi 
8  owe  cdlts^       daz  (zweites)]  dis  (/z      9  vorloft'  g      10  aller  d.  w.  —  doch  fehlt  AÄ« 

—  l)er.  sin  fehlt  s^  weltliches  und  Rötliches  trostes  hli  (vgl  Kl  Bfb  362jS} 
sin  c^weiies)]  sint  nc         12  lasterl.]  schamlich  g        enr]  gyner  ä  vor  i.  fr- 

-  -  13  weite  fehlt  g  14  nagen  s  fressen  ii  verzeren  und  zernagen  g  17  wie] 
wel  z  wie  gar  n  wunnekl.)  mynueklich  nlis  18  wunn.  und  minuekl  dh 
mit  —  hertzen]  mit  den  armen  des  hertzens  und  der  andacht  n  volkomen  h.  9 
11)  wie]  wer  s  wol  z  wcilcli  d  wie  gar  gn  Du  s.  wissen  fehlt  .v  \md.fehii  dhR 
were  gnJts  einkein  j  20  es  belonte  sich  uff  dem  ertrich  [selber]  g  ^ 
dem  ertrich  ghuR  21  wonent  doch  gn  21  f.  n.  dienen  denne  got  tjtt^ 
22  n.  leben  denn  got  allein  f/c   n.  denn  got  allein  1.  n 


2  vindet  --  vindent  (Kl  Bfb  361,:iOK  20 f.  Vgl,  Phil  5,50.  23  Tl'd^ 

liehe  Minne  um  der  eicigen  frillcn  lassen.     Vgl.  Mtchthild  r.  Magdeb.  46fi. 


Grosses  Briefbuch.    II.  Brief.  413 

teUe  minneklich   daz   ist!     Dir  willeklich   dienen,   wie   ein   süsses 
joch,  wie  ein  lihtA  burdi  daz  ist! 

Herre,  sü  sprechent,  du  gebest  liden.  Eya  liden,  eya  froliches 
liden,  daz  mich  dir  mag  gelieben,  daz  dich  mir  mag  vereinen!  Herre, 
5  min  zarter  gemabel,  der  reinen  sele  ein  einiger  geistlicher  umbvang, 
in  dem  du  in  eime  ogenblicke  tusent  stunt  von  der  minnenden  seien 
wirst  umbvangen,  verwiget  alles  liden.  Herre,  wer  ist  in  zit  äne 
liden?  Gewerlich,  nieman  uf  ertrich!  Wie  hoch  die  bürge  sint, 
wie  wit  die  stette  sint,   noch   rot  nientel  noch  vehe  kappun  mugen 

20  des  vor  gesin.  Lüge^  du  sihst  es  nut  reht  an:  daz  glentzent  ist  in 
ngwert  geslagen,  aber  daz  smertzent  ist  in  inwert  geslagen.  Eya 
dar  nmb,  du  zarter  herre,  sol  ein  mensche  nüt  ein  klein  liden,  daz 
er  dich  mug  erwerben,  daz  er  in  daz  sch6ne  wunnekliche  leben 
muge  komen?     Und  hette   sich   eime  ein  vinger  erhaben,  er  müsti 

|ß  liden,  untz  er  im  wurdi  us  gelassen.  Herre,  von  den  dingen  sieb 
des  ersten  brechen,  daz  tut  we;  dar  nach  wirt  es  lidig,  ach  got, 
aber  hin  nach  wirt  es  Instlich  ob  allen  zitlichen  dingen. 


Min  kint,   du   solt  dich  flissen  gemeiner  haltung  dines  ordens, 

und  vor  allen   dingen   solt  du   dich   flissen,   daz  du  zitlich  zu  kor 

^  sangest  und  zühteklich   da   standest  mit  ernst  und  mit  andaht,  und 


1  Dir  —  2  daz  ist  nach  8  bürge  sint  (!)  z  willekl.]  gewilleklychen  sd 
JQinnenklich  s^E  lieblich  h  frölieben  n  wie]  wel  z  1  f.  ein  süsses  ding, 
Joch  wel  ein  1.  b.  z  2   und  wie  e.  1.  b.  [daz  ist]   hlis^  lihtft]   siiss  gd 

4  gelieben  —  mag  fehlt  «*  5  min  einiger  zarter  gem.  z         einiger  fehlt  z 

7  überwiget   ghBs^c  Herre    —   8   liden   fehlt  hlisa^  8   wärlich  gnc 

^  noch  rot  m.  —  10  gesin]  wie  rot  die  mentel  sint  wie  vebe  die  k Ursen  sint, 
noch  mügent  sie  nicht  vor  sein  dem  leiden  n  noh  ist  liden  da,  es  mugent  weder 
M  mentel  noch  goldin   da  vor  gesin  g  vehe]  bunt«  cd  rot  s^  10   in 

Jthit  hR  11  uswert]  us  gn  aber  —  geslagen  fehlt  ds  schmertzen  z. 

in  fehU  ghUs^  12  du]  min  z  lieiTc]  Jesus  g         13  wunnekl.]  mynnek- 

liche  nüsc  land  und  leben  z  14   einem   ettwas   we   in  einem  vinger  R 

erhaben]  gesworen  d  erh.  und  weit  schweren  g  erb.  daz  er  swer  n  15  es 
leiden  JK  sich  liden  d  liden  haben  g  den]   disen  nc  16   daz  fehlt   nc 

•ber  dar  nach  gn  17    hin  nach]   ze  dem  losten  so  g  dingen  pis  an  daz 

ende,  dammb  Kegnum  mundi  et  ommem  oruatum  etc.  n  18  rote  Überschrift: 
^e  er  sy  lert  zu  yeder  zitt  wie  sy  sich  halten  soltend  ü  dicli  zu  dem  ersten 
nwle  11.  h  gemeinü  z  19  solt  —  flissen  fehlt  c  20  zuhtekl]  zitlich  hs 
öerUchen  c  getzogenlichen  /*        da]  zu  kor  /*  7/- 

6  f.    Vgl,   Vita  lÖJ  fi,  14  f.  Sause  illustriert  an  einem    Vorgang  des 

^Uchefi  Lebens  die  Notwendigkeit  des  Leidens:  selbst  eine  »Schwellang  am 
^'^gtr  mu88  ertragen  werden,  6ty  der  Kiter  durch  operativen  Eingriff  entfernt  irird, 
-^»t  ähnliches  Beispiel  gehraucht  Eckhart  300,12  ff. 


414  Grosses  Brief bucb.    II.  Brief. 

nüt  dicke  us  lotfest;  du  solt  dich  selben  negeln  in  den  stül,  voll  us 
ze  stenne,  und  sunderlich  die  messe  in  der  minne,  als  Cristus  voll 
US  stftnt  an  dem  krütze.  Du  solt  under  dannen  nit  anders  tun,  i^o 
du  nit  siech  bist,  denne  daz  och  der  covente  tut  an  singen  und  au 
lesen^  daz  du  dinü  zit  denne  mit  spreebist,  daz  du  dar  nach  deste  0 
lediger  siest,  noch  kein  ander  langes  gebet  tun,  daz  dich  des  singens 
möhte  ierren. 

Das  ander,  kint  mins:  du  solt  dich  hüten  vor  gehem  zorn,  daz 
du  nüt  entwegen  werdest  mit  zornlicher  geberde  gen  dien  swestera: 
wan  als  dicke  du  dinen  willen  brichest  an  zorn,  als  dicke  wil  dirii 
got  ein  sunderlich  kröne  geben.  Und  ein  nüt  rechen,  da  du  dich  wol 
raöhtist  rechen,  daz  ist  reht,  als  ob  du  im  hundert  march  opfretist; 
verhab  dinen  munt  und  lass  es  in  dir  ersterben,  so  wirt  es  dir  liht. 

Das  dritte,  daz  du  dich  stillekliche  haltest;  daz  zieret  einen 
geistlichen  menschen  als  ein  liehter  karfunkel  daz  guldin  gesmide. 
Etlichü  menschen  sint  als  unrüwig,  daz  sü  nieua  gerasten  mag«), 
und  durloflfent  daz  closter  mit  unrftw  und  gebrehte,  daz  mau  sn 
dicke  e  höret,  e  man  sü  sehe.  Senftmütig  geberde  und  stille  rede 
gezimt  gar  wol  eimc  seligen  menschen. 

Daz  vier  de,  daz  du  dinem  ofiFenen  munt  ein  sloss  an  slahest, 
daz  du  gewonest,  daz  du  die  porte  niemer  uf  getügest,  du  habest 
denne  notdurftigü  oder  nütze  sach,  und  mit  urlop  etliches  guten 
menschen,   den   du   in   dime   hertzen   ze  hüter  solt  setzen;  und  not 


1    dicke  iifit  if^h         B  Du  —  tön  fehlt  hs  5  diner  zit  bhu  dyue  sr 

zyde  cd  mit]  nit  clhnRs^Uc,  fehlt  bs  9  entw.]  erwegt  lis^  hev^e^  nU 

intfrcdit  d  dien]  dinen  dhTe  disen  8  11  nüt]  mit  *•  12  ist  im  hBf^ 

im]  nu  hs         13   munt]  mut  U  numut  s         in  fehlt  z  14   dritte]  ander  l 

15  ^eistl.]   guten  t  j  goldgesm.  hliss^U  16   uiena]    niergend  hcd  nie* 

man  sU  nvmer  hlts^  gerasten]  jrt'basten  .::    gebesten  U  gestan  h  geriiwei 

hBss^         niny:en]   künnen  dsc  kan  U  knnnen  noch  mugeu  e         17  dur  lofi'et  -' 
18  dicke  fehlt  dz  [e]  lioret  hs  siht  Bns^  19  selig.]  gaistlichen  U 

20  dirte  b  21  wonest  das         niemant  hBs^         22  denne  fefdt  ds       uot- 

dürft  lis^  r        oder]  und   i'e  aller  .v        23  zu  eime  hüter  ss^n        setzen  solt  r 

3  f.    r<7/.  liegula  S.  August,  c.4:    in  oratorio  nemo  agat,   iiisi  ad  qa(^ 
est  factum,  unde  d  nomen  accepit.  4 f.  ßüigen  =  die  kanonischen  llortK 

das  Offizium  (=  zit,  vgl.  416^1)  singen;  lesen  =  rezitieren.  Vgl.  Greith  iO')?-'^ 
Viien  tum   Tö^m  41. IS;  Öl,!.').  44.  G  lediger.    In  den  Constit uiionts  Sonrrtm 

ord.  Vraid.  c.  11  (Hohtenius-Brockie,  Codex  Regularum  IV  [t759]y  iSi^ 
wird  als  levit<  culf^a  aufgeführt :  si  quae  designatum  sibi  legendi  vei  canUuiii 
officium  non  atteute  compleverit.  22  ff.    Vgl.   Vita  38,6 ff. 


Grosses  Brief  buch.    II.  Brief.  415 

reden,  dich  duhti  denn,  und  weri  er  gegenwürtig,  er  gebe  dir  urlop, 
und  solt  denne  reden,  als  obe  er  gegenwürtig  were. 

Daz  fünfte  ist  daz  du  nüt  zu  ieder  swester  loflfest  und  kurtz- 
wile  und  i^under  geBellschaft  an  8Ü  sücliest  Du  solt  dien  holt  und 
heimlich  sin,  die  dich  gebessron  mugent  und  die  selben  gotlicheu 
wise  och  begerent  zft  füren. 

Zwei  zit  des  tages  sont  dir  sunderlich  kostper  sin:  nach  metti 
ein  gut  willi  mit  gotte  vertribeu  in  sunderlichem  gebet  mit  einem 
ordnen  und  fürsaz,  wie  du  den  tag  wellist  vertriben  nach  gottes 
willen  und  dinem  geistlichen  nutz,  und  nach  complet,  wie  du  dich 
!e8  tages  in  allen  dingen  habest  gehalten;  und  umb  daz  gut  lobe 
:ot,  umb  daz  sumig  und  gebresthaft  habe  ein  missevallen  mit  eime 
füten  willen  zu  bessran.  Und  gang  dir  dis  alles  nüt  zu  allen  ziten 
wol  zA  banden,  dar  umb  soltu  nüt  verzwiflen,  lass  allein  nüt  abl 
Kunstu  nüt  ze  aller  höhst  uf  den  berg,  so  wirstu  doch  uf  dem  we^' 
diner  ewigen  sei  de  funden. 

Zwei  ding  soltu  och  han,  die  dir  gar  nütz  sint,  daz  ist,  daz 
da  emsklich  mit  ünsers  herren  marter  umb  gangist;  und  so  du  un- 
bedahteklich  umb  den  krützgang  gest  oder  ob  dime  werk  sitzest, 
ach  80  sprich:  „min  geminnter  herre,  waz  tftstu  ietzo,  wo  bistu  ietzV 
Zarter  min  herre,  kume  zft  mir,  sitz  bi  mir,  ^^ang  mit  mir  und 
Bescheide  dich  niemer  von  mir!"  Daz  ander:  du  solt  sunderlichen 
unser  lieben  frowen  und  unser  zarten  miiter,  die  himelschen  künigin, 


1  daiicke  hltsH^Ud  und  fahlt  cdn         ze  gegenwürtig  z         er  gebe 

^  2  were  J'thlt  h  2  obe]  als  ?>,  fehlt  :  B  diiz  vierde  daz  ist  h  3  f.  und 
kurtzw. /eÄft  Uz  4  sunderlich  hss^Ucd  gespilschaft  ,s^U  an  sü  such. 
^^hit  hü  dien]  disen  s  dem  s^  in  allen  h  6  fiiren]  süchent  Uz  suchen 
Jder  ze  füren  n         7  sint  hBs^  dir]  ir  hss^U        »in  fehlt  hRs^         8  ein 

^t  göte  w.  ffft^  einem  fehlt  cU  9   türbasd)^^  nach]  in  hc   mit  7/ 

1  ui  allen  dinen  dingen  hs  gehebt  z  13  s;anix]  ^at  hchn  nit  alles  nUd 
ö  allen  z.  Tiach  14  banden  z  10  diner]  der  ds^  selikeit  nJii^  17  die 
-  sint  fehlt  U  och    gar   hcdsU  daz   ist  fehlt   ch  18    eintzliche  s 

larter]    leiden  hn  19    tisch  oder  werk  hJin^  20  herre  zirc.hmd  hhRsU 

0  b.  ietz  fehlt  z   ietz  fehlt  cs^  21    min  fehlt  hJis^  sitz]  sicst  s         bi] 

\  e        gang  m.  mir  fehlt  s^z        22  besuudrr  -        2;J  liel)en  feldt  bcss^U 

7  ff.    Vgl  Kl  Bfb  383,13  ff.  19  werk  =  dir  gnnan.mme  Handarbeit 

\r  Nonnen^  das  Spinnen  im  ,werkhus^:  vrjl.  Viten  von  Toss  :J0.o:^:  34,16;  61,:J5: 
mn  man  ze  werk  lut,  u.  ebd.  L^U/Jf.:  ö9.38ff..  2ras  con  Mczzi  »^'idwibriii  und 
yphia  von  Klingnau  erzählt  tvird. 


416 


Grosses  Bricfbiich.     II.  Brief. 


licp  han  und  ir  metti  und  ellü  ir  zit  ordenlich  sprechen.  Gewerlich,  nim 
si  zft  einer  sunder  müter  in  allen  dingen,  so  kan  dir  niemer  misse- 
lingen.  Du  solt  XV  Salve  Regina  sprechen  in  diser  begirde:  die  ersten 
fünfe  in  der  minne  ir  V  sinnen,  mit  dien  sü  flisseklich  und  wirdeklich 
und  rainneklich  ir  kint  gedienet  mit  ir  zarten  ogen,  mit  ir  reinen 
munde,  denn  im  ie  kein  luter  creatur  gediente;  und  bitt  sü,  daz  sü 
dir  ab  leg,  vva  du  in  mit  dinen  V  sinnen  ie  erzurndest.  Die 
andern  V  allein  dem  leide  und  sunderlich  dem  aller  bitterlichsten 
liden,  so  sü  hat  mit  ir  kind:  daz  erste  der  ersten  stunt,  in  der  sü 
innan  wart  ir  hertzeleides,  daz  ander  dem  sehen  sines  eilenden 
nssfürens,  daz  dritt  dem  anblik  sines  abziehens  under  dem  krützcj 
und  des  annegelns,  daz  vierde,  do  si  in  also  toten  von  dem  krüt 
enpfie,  daz  fünfte  dem  eilenden  weg,  den  sü  tet  wider  hein  von.r 
toten  begrabnen  kinde.  Die  dritte  V  den  V  usgenomen  frödo; 
die  ein,  als  ir  die  hohen  mar  wurden  gekündet,  daz  ander,  ab«i 
den  himelschen  keiser  gebar,  daz  dritte,  als  er  ir  frölich  erschein, 
do  er  von  dem  tode  erstftnt,  daz  vierde,  als  sü  in  frölich  sach  ri 
himel  varn,  daz  fünfte,  als  sü  mit  lip  und  mit  sele  in  die  himel- 
schen fröde  enpfangen  wart. 


1  ellü  fehlt  b        2  nim  si]  das  sü  myn  sye  (!)  s  mynne  si  d       3  f.  enti 
fünfi  z  4  iren   hRszd  dien]    disen  hs  5   dienet  zR   ged.  hat  *'f 

6  denn  —  ged.  fehlt  8^  luter  fehlt  dhRs         8   allein]   cdH         sunderiich 

fünf  dhR6'  dem]   den  cdE    disem  .v  9  sü  es  hat  s^R  mit]  an  *'Ä 

das   erste  —  14  kinde  fehlt  s^  12   daz  vierde   —   13   enpfie  ftJdi  cdkB$ 

16  dem]    den  ds  14   den  fehlt  s         V  (zweites)  fehlt   dhRs^         15  mtf] 

bofeücliaft  s^cd        verkündet  hRss^  15.16.17.18  daz  ander... daz  dritte..- 

daz    vierde  .  .  .  daz    fünfte   fehlt  ^     dafür    viermal  und   hRss^  16  keiser] 

kunig  hRs^  17   von   d.   tode  fehlt   chRss^  sach  frolich   z  171  W 

himel   sach   hR        19  fi'oiden  sh 


1  JJie  iJominikanemonnen  haben  täglich  ausser  dem  gewöhnliehen  Ckn^ 

gebet  das  Officium  de  Beaia  Virgine  zu  verrichten  (Constit.  c.  1).  9  ff.  ^ 

ViUi  35,31  ff,;  30,16  f  :21f  15   die   hohen   mSj  von  der  Methschverdunf 

Christi,  IG    Über  die  Bezeichnung  von  Gott  und  Christus  als  keiser  odf 

küuec  vgl.   W.  Grimm,  Goldene  Schmiede  1640,  XXVI,  XL VII. 


s  BrifflmcU.    lU.  Brief, 


'  Sorrexl,  nt  uperireni  dilecto  nieo. 

Also  stüt  geschriben  an  der  minne  liüch:  ich  stönt  uf.  daz  ich 
lem  geminneten  uf  tet. 

Eines  reliten  luinuers  art  ist,  daz  er  niemer  ab  lat,  wie  dick 
1  ime  verseit,  untz  daz  er  sin  gemintes  liep  nach  wunBcbc  er- 
;ben  bat,  Ach,  ewige  wisheit,  wie  hista  ein  so  hober  meister, 
ispilest  da  so  togenlicb  der  minne  spil,  wie  kanstn  so  wol  tagen! 

frlich,  alle  die  minner,  die  ie  wurdeot  nf  ertlich,  die  sint  gegen 
le  ein  niht.  Wer  wolte  so  lange  nach  gan  als  du'?  Weler 
fttg  gedulteklich  beiten  als  du?  Weler  wolt  vergftt  haben,  daz 
B  in  als  dik  vertrihi,  als  da,  zarter,  trater,  geminter  herre  und 
aahel  aller  minnenden  seien?  Und  dar  nmb  so  neiget  sich  dir 
1  sele,  wau  du  biet  daz  gftt,  daz  mit  einer  güti  alle  verreheit  ze 


I   ///.  Brit/.    Hss.:    b  c  4  'j  fi  t 


t  R  g  U  a 


i  2  Rote  Ubertehrift :    wie  man  dich  hoU  schicken  th  der  liebi  f^itteB  U 
Canticorum  ^  eaii  V  «  8  an  der  minneuden  gel  hoch  gmS    an 

k  der  lieb  hÜ   iu  deio  h.  der  mytine  n        5  f.  wie  dick  man  im  versaget, 
I  ni>ch  njinmer  ablat  n  abe  g^lat  g»         6  uiitz]  bia  hmNcd         das 

nacli  w.  fihU  d  nach  wäuscliea  mN  uacb  aUeu  nunsche  n       7  wie 
jr  fthlt  i,  dafür  nach  8  Bpil :    du  hoher  raeister  s  [wie)  bistu  gU 

90j  so  ein  mNn  alszo  ein  h  so  gar  ein  g  doch  so  ain  U  8  du  [bo]  mN 
;i>r  tog.  g  togenl.]  lugentlicli  h  heimlich  mN  verpargenliubeu  n  wie 
r.  tagen]   wie  kont  it  gesageu  d  au  gar  wol  g  tagen]  taugen  hm 

i  taTguolich  ümb  geu  R  9  werlicb  n  wLrich  (!)  g  alle  [die]  n  min- 
Bister  hcdhmXRs  hie  uff  disem  e.  «  9  f.  gegen  dir  ze  schätzen  reht 
n  10  als  fehU  g  eiu  fehlt  hU  tt'olte  einem  h  also  1,  b  als 
10.il  weler]  wellicher  A»  wer  m.V  11  iiU]  so  h  gedult.j  ge- 
B  t  als  du  frklt  bmXnliaÜ  für  gfil  hcgmXn  12  als  dich  du  n 
I  getruwer  h,  fehlt  bdgs  lü  minn.]  gemyuneten  bdghg  liebhabenden  B 
'  14  sele  ffhlt  d  neiget]  nahet  mX  ze  dir  ^  U  sele]  hertze  n 
verreh.]  verrütait  g  worheit  aU  freibeit  hÜ  alle  weit  mX  de 


I  Huhfl.  6,5.  8  der  minne  spil,  dte  ireltUcheit  Liebfjgrik  rnlUhnter 

,  rgl.  Stmuih,  Ad.  Laru/mann  93,21  ti.  Anm.  S.  104:  Bdrw  234,11  ff, 

1  Kohl  otogen,  laugen,  tugtn,  angtmessm,  passend  sein  (Ltx,  11,1569: 

',  Alem.  Grammatik  .C?  33  ii.  388),  sehiCfrlich  ^  {•lugai,  lougomi,  hti'm- 

a.  II,14BU). 


418  Grosses  Brief  buch.    m.  Brief. 

Min  zartes  kint,  mich  wil  niemer  gewundern.  daz  sant  Gregorius 
Bprichety  daz  die  heiigen  in  dem  himelrich  sunderlich  fr6de  dar  ab 
gewinnent,  so  ir  snnderlich  lieben  fründ  von  disem  eilende  zu  gotte 
koment,  won  mine  sei  hat  der  fröde  ietzo  einen  anfang  an  uch  von 
der  sunderlichen   necherunge,   in   der  ich  got  zfi  ime  hat  gezogen.  5 

Eya,  min  kint,  gedenkent  an  die  alten  tag,  nement  her  für  die 
alten  jar  und  lügent,  wie  rehte  lange  ir  geschlaffen  hant!  Oder  ist 
es  nüt  alles  sament  als  ein  tr5m  gewesen,  da  mit  uch  do  nach 
üwerra  dunk  so  wol  was?  Owe,  valscher  trom,  wa  nö  din  gut  ge- 
heisse?  Stant  uf,  kint  mins,  stant  uf,  es  beginnet  ziten!  Din  ge-lö 
mahel,  den  du  so  dicke  von  dem  betrogenen  lust  der  träme  vertribe, 
der  wil  nüt  ab  lan.  Gedenk,  ob  ie  kein  frowe  so  lang  verseite, 
frag  din  minnendes  hertze,  waz  der  minne  reht  si.  Gedenk,  waz 
da  von  kumt ,  der  sinen  guten  fründ  zu  lange  reisset.  Tfl  nf  die 
tür,   schlüss   uf  din   hertze,   läss  in  den  geminten,   ergetz  dich  m\\^ 


1   zartes  fehlt  n  wil  mich  z  vem'undern  gmNn  U         daz]  als  w 

daz  da  ^  2  in  dem]  im  U  sunderl.  fthU  d  dar  an  g  da  von  n  her  abe  h 
3  snnderl.]  besundem  h  lieben  fehlt  g  8  f.  zu  got  und  zu  in  k.  n  4  min] 
sin  U  4  f.  hat  ytzunt  der  selben  fröude  ein  wenig  enpfunden  an  dir  von  der 
snnd.  neherung,   in  der  dich  got  nu  hat  zu  im  gezogen  n  frouden  hc^S 

ietz  gmM  ietzent  hs       6  nahunge(n)  hhs  nehimg  H  neigiing  miW  heymlicheit  <i 
6  eya]  ach  g      mine  h      gedenk  mNn      6  f.  nym  . .  .  lug ...  du  u.  s,  w.  Singuhr 
fast  durchiceg  bis  zum  Schluss  n      7  alten]  aller  (!)  s      rehte]  gar  mN     lange 
fehlt  U        oder]  ob  inN,  fehlt  n         7  f.  [ist]  .  .  .  gewesen  sey  mX        8  all« 
[sament]  gmNn        recht  als  n        da  mit]  dasz  /*        do]  doh  g^  fehlt  bchm^nli 
8 f.  nach  üw.  d.  fehlt  n      9  dünken  hcmNUÜ  bedunken  h      hie  vor  so  w.  wS 
so]  also  n  gar  g      wol  fehlt  h       was]  gewesen  ist  mX       Owe  —  geh.  fM  fc 
Owe]  0  z  owe  nun   U        wa  nu  wa  nu  dmX  wa  ist  nu  gnB         9  f.  gebeiszen 
mX  verheiszen  n       10  ste  auf  k.  m.  ste  auf  Bn       uf  (zweites)  fehlt  z      10 f. 
wan  dein  gem.  n        11   bis  her  also  dick  n        von  dez  lustes  wegen  dises  be- 
trogen traumes  n  v.  den  betr.  lüsten  U  vertribcst  R   vertriben  hast 
ghmXncd         12   ie]  nyc  h         ic  k.  frowe]  eynich  mynner  d         verseit  hRid 
vcrsaity  U  verseitt  hab  g  hane   versaget  als  du   n  13  frage  nun  selber  n 
din  —  si]   dyue   minne   off  sy  recht  si  d          minne]  minner  g  14  da  von 
Schadens  k.  der  do  n          guten]  gemynden  d         reisset]  verzichett  U        die] 
din  gR      14  f.  das  tor  h      15  schluss  —  hertze  fehlt  h       nnd  lasz  in  h     den 
gem.  deiner  sele  n      15  f.  erg.  dich  mit  im  in  ewiclicher  hertzl.  m.  mX 

1  J}ial.  IV,  33  (Migne  77, 373 f):    hont    bonos  et  mali  malos  agnoscunt: 
. . .  in  (/na  ridelicet  cognitione  utriusque  partis   cumulus  retributionis   ejccrefcit^ 
ut  et  boni  amplius  gaudeant,  qui  secum  eos  lattari  conspiciunt,  quos  amaveruntetc 
6  ff.    Das  folgende  bis  Schluss  auszüglich  in  Brief  I  (Regnum  mundi)  d(s 
KlBfb  362,20—3-2,  9  f.  Vgl  oben  410,19  und  Bruder  Wemhers  Lied  hti 

V.  d.  Hagen,  Minnesinger  11,233.  10  Vgl.  Is,  52,1:  Rom.  13,11. 


i  Bricfbiich.     III.  Brief. 


Kklicher  hertzklieher  minne  des  langen  zites,  daz  du  versumet  hast! 
p  einem  geminten  epat  uf  tfit  und  bertzkliclier  minne  pflegen  wil. 
r  bedarf  wol  eins  geswinden  ilens. 

^  Min  kint,  es  ist  nüt  umh  iicli  als  umb  vil  andru  hertzlose 
bBcheii.  die  weder  got  noch  die  weit  minnent;  der  ewige  minner 
[öwer  liertze  haben  in  allen  dien  zügen  geistlich,  ala  ee  muglich 
je    nach    siner    naturlieben   art  sich   keiner   creatur   zft   gehenne. 

Et  nüt  wennen,  daz  ir  niinne  ein  nrlop  ßüllent  geben;  sehend, 
sprächent,  daz  sü  üch  liep  hettint,  gewerlieh,  aü  künden  nüt 
n.  Owe,  ir  sint  erst  nmbgehen  mit  dem  geminten  liebe!  Und 
tüwer  hertze  von  minnen  als  daz  grundlos  mer,  daz  würde  alles 
i  des  schonen  minneri^  minne  uss  gesogen;  und  daz  ir  minen 
Ken  untz  her  iiit  woltent  geloben,  des  werdent  ir  nu  selber 
pfinden.  Und  dar  umb,  alle  die  wise,  die  ir  Tor  kertent  nf  daz, 
T.  do  zitlicb  was,  die  verkerent  nu  gentzlicb  in  nuwer  wise  in  daz 
ige  geminnete  götl 


1  iiinekl.]  ionerUcticr  U  dae]  lies  liinXed  die  c  du  im  pis  her  vcr- 
t  iiaat  '1  2  xe  spitt  n  und  doch  n  3  tarff  mN  gesw.]  bellenden  •/ 
A  üch]  mit  vns  «  vil  fthlt  dijm  auder  i-ii  hRU  liertzl.]  gotlose  d 
l&t  miaaeot  n  6  fiwer  h.]  frej  bertzeu  riaV  die  bertzen  n  dien]  dieon  s, 
n  geistlicben  zUgen  n  als  es  —  7  gebenne]  er  wil  al»  vil  sie  ver- 
Int  D&cli  irer  nat.  art  daz  nie  sich  keiner  er.  ^bent  »  alfio  vil  [ea]  bmN 
ber]  einer  I(  8  du  solt  nie  w.  <liu(  du  mannen  BuUest  ein  u.  g.  n  nät] 
1.(1)  t  ein  fehlt  g  sällent  uin  ii.  g.  e  geben  aiillent  UR  gebent 
9  die  die  yn  da]  etnenn  mli  sprechen  B  wSrlicb  g  eu- 
Im  dhnc  enkönnent  6  kunnent  g  ewcb  nit  hH  nflt]  nie  y  10  minnen) 
bkben  tnN  owe]  wenne  h  ir  Hint]  du  pist  n  erBlj  aller  erst  mJV" 
dte  eirst^n   d         10  fF.  mit  dem  rechten  gem.  I.  vmbgehen 


I  ab  du  grundlose  mer,  ea   wurd  t 
.feaogea  n  11    hertxe]  niinn  g 

I  Ach  all  g         allea]  also  b         13  voi 
!]  lieb  viN  gegosae 

NtiVil»      und  fehlt  n     umh  daz  daz  g 

_  pia  gn        nit]  nie  z        geloben  fehU 
ppflndent  e        [und]  dtir  umh 


honen  mjnne  ilisea  mynnere 
von  minnen  fihlt  gnU  [daz]  so 
dea  acbönen  und  lustlichen  minnera 
(!)  mNd  nnd  —  14  enpf.  fehU 

12  f.  du  . . .  wolteat . ,  .  wirst  da  n 
dea]  duz  nU 

p-ice]  lieb  g  [die]  du  vor- 
kert.]  vor  keret  11  verkertent.  :  dar  Tor  kert«nt  U  batteud 
k  ff  daz  fehU  hR  15  do]  so  f,  fthlt  U  15 1.  daz  aolt  du  nu  ganU 
iia  diaea  ewig  gemannt  gut  Amen  n  verker.]  kerend  U  legend  g  in  n. 
)fMt  nU       nnwer]  ewer  h       in]  vff  gU      16  ewige  fehlt  U      gnte  mN 


12  f.   Vgl.  Kl  BP-  384,33 ff. 


420  Grosses  Briefbuch.    IV.  Brief. 

IV.  Brief. 
Habitabit  Inpus  cum  agno. 

Die  wil  die  natur  in  irein  nat&rliehem  15ffe  was,  do  hat  ein 
iegliches  tier  daz  sin  werk;  do  aber  der  herre  der  nature  her  ab 
kam,  do  wolt  er  würken  nüwe  wunder,  der  wunderlich  got,  und  5 
machet  daz  wilde  zam  und  daz  grimme  seuftmutig,  als  der  lieb 
Isaias  hat  geseit.  Der  seit,  daz  ein  wolf  solte  wonen  bi  eime 
sch&fflin  und  ein  hkre  geweidet  werden  bi  den  kelblin,  und  ein  lowe 
solti  als  ein  rint  fäter  essen,  und  ein  yil  kleines  kindelin  s61ti  ir 
hüter  sin.  10 

Hörent  nüwe  wunder,  die  hüte  und  alle  tage  geschehent  in  der 
sele,  da  daz  liebe  kindeli  in  kunt:  da  wirt  der  wAliin  mensch  rer- 
keret  in  senftmütikeit  und  der  zornig  in  stillheit  und  der  grimme 
in  ein  süsse  niiltekeit;  daz  da  hochfertig  was,  daz  wirt  demütig, 
und  daz  da  unlidig  was,  daz  wirt  gefeilig,  wan  do  sich  die  hohe  15 
gotheit  als  gar  hat  genidert  zu  eime  kindlin,  wer  wil  sich  do  uf 
biegen  V 

Ach,  zartes  min  kint,  ich  las  einest  ein  wort  in  der  geschrift, 
daz  beginne  ich  erst  verstau,  daz  ist:  liebi  glichet  unglichü  ding. 
Wan  liebi  bringet  sin  selbes  Vergessenheit,  und  benimet,  als  viles20 
mag,  alle  zweiheit  und  schliisset  in  einvaltig  einberkeit.  Dar  umb 
malet  man  fro  Venus  ogenlos ,  wan  sü  in  liebes  ogen  machet  ein 
gebürin  zft  einer  keiserin  und  ein  keiserin  machet  zft  einer  gebnrin. 
Eya,  nu  schowent  alle,  ob  daz  wunder  sie!  Mag  daz  die  arm  Venns 
geleisten,  owe,   vvaz  sol   denn  die   zart   minneklich  minne  derge-^ 


IV.  Brief  i=  Kl  Bfb  II).     Hss.:    b  c  d  g  h  n  li  s  z. 

3  in]  an  6/<.v       4  daz  fehlt  cdfjhMs       seine  hR  sin  aigen  w.  gc      7  ge- 
sprochen gc         eime]  dem  g  den  z        8  und  —  kelb.  fehlt  hU  9  also  ein 
rint  8olti  sd           vil  fehlt  hU           11  ntiwe]  nü  wie  (!)  8           12  liebe  fthli  f 
13  in  ein  stille  8          14  ein  s.  milt]  senftmütikeit  hhRs          daz  da  hoch!  — 
demütig  nach  15  daz  da  iiiilid.  —  jrefellig  hlts      daz  [da]  hochf,  d/iÄ     16  und 
fehlt  hnlis          da  fehlt  ghlis          do]  das  z           16  do]  dar  z  denn  gc  mer  h, 
fehlt  hü        18  in  fehlt  z        sclirift  h        19  ungelichen  dingen  h        21  Mssel 
in  zn      einvaltikeit  einbarkeit  h       22  ogenl.]  blind  g      nach  ougenlos:  die  ist 
der  minnen  jrottin  b         22  f.  ein  geb.  machet  zc  machet  fehlt  b          23  machet 
fehlt  hR        24  dis  die  z-        25  f.  f^eminten  fehlt  bcdhiis 

2  l8.  11,6.  5    Vgl.  Ps.  67,30,  6  f.  I8.  11,6  ff. 


OroBsea  Briefbuch.    IV.  Brief. 


421 


liutcn  ewigen  wissbeit  schaffen!  Diser  minne  trnRckenheit  hat  an 
llen  userweiten  menscben  alle  herbeit,  edelkeit,  zartbeit,  frAnd  nnd 
■fit  yerkeret  in  ein  verworfenbeit.  Die  bocb  forsten  von  Rom  waren, 
ie  wurden  arm  diener  gottesfründen ,  dar  umb  daz  bü  aicb  dem 
»rten  liebe,  dem  kleinen  kindliu  gelicbetiu.  Hat  aber  du  minne 
^man  me  geblendet  denn  in  selber?  Hat  ie  kein  liep  durcb  lieb 
le  gelassen  denn  erV  Nein  es,  gewerlicb!  Dar  umb,  kint  mins, 
o  stant  büte  uf,  und  gib  uf  din  herheit  und  den  verborgnen  über- 
nflt  diner  lipitchen  edli  und  herheit  diner  frönden.  die  bie  her  in 
lir  nuwen  mit  einem  geistliehen  scbin  bedrochen  was,  nnd  neig  dich 
;ft  dinem  lieb  in  die  kripfen!  Lftge,  wie  still  dfi  ewige  wiseheit 
'wiget!  Sil  enkan  mit  reden.  Der  in  dem  himel  was,  der  lit  in 
[lern  stalle,  der  bi  den  engein  was,  der  lit  under  dem  vibe!  Sprich 
also:  „owe.  du  berzentrnt,  du  lieber  Jesus,  ich  neig  mich  hat  ze  dir 
in  dine  Verworfenheit,  daz  du  mich  erbebest  in  din  ewigen  wirdekcit." 
Minü  kint,  volgent  öwerm  getrüwen  vatter,  und  macbent  usser  einer 
nDtdnrfl  eine  tugent  und  gent  uf  von  grund  öwers  herzeu  üwer  zit- 
liehen  wirdekeit  umb  die  ewigen  iemer  werenden  wirdekeit! 

Qui  parce  seminat,  paree  et  metet,  der  karklich  seiet, 
<Jer  suidet  5ch  ennkiieb,  aber  der  riüeh  seiet,  der  samnet  öcb  rilich. 
^.va,  dar  umb  tflnt  es  rebt  ze  frumen  nnd  neigent  licb  under  die 
"sse  aller  swestran,  daz  ir  nnt  allein  inen  begerent  glich  stan,  ir 
*nt  öcb  hinnan  für  ir  fiiastfich  sin;  daz  enzürnt  nit,  swie  man  im 
"t,    wan  es  ist  ein  fftsstftcb.    Sebent,  dis  ist  ein  wurtzel,  dis  ist  der 

t:*""""  ""■•'"•■"•"■""■•■■"'" 

1  gescliaffea  «  dUi^  g»d  diser  miniierin  kleiubeit  r  die  kleinheit 

^Wf  gem;uteii  n  an]  j»  ed,  fehlt  zn  2  allen  —  422,5  bi  nflti  fthlt  lerfftn 
AKsfrtH  tineg  Blattts  n  iierscbaft  gn  iierllcheit  hcd  3  von  Rom  fehU  g 

■Iren  fthtt  hd         4  uud  gottealriiud  An  der  friiud  gottes  ge  dai'  umb 

-  6  iplber  fehlt  U  5  lielie  geüchetiii  und  dem  kl.  fc.  ^1,  .'  7  w&rlicli  gitR 
8  hüte  fthlt  XU         9  edelkeit  b  lüiies  I.  adel  ItRc         10  dir]  dirre  6  nflt 

betrogen  eR   verdickt  g   bedecket  ri  11  luge]  ajh  nü  sich  an  g 

«  ftMt  g  12  kau  dgImR  14  ze  dir  fehlt  b  15  diner  i  din]  die  bn 
I  h  der  3  18  umli  —  wird,  fthlt  üz  19  der]  wer  hned  21  tfiut  — 
rail  ffbU  g  odi  reht  ;  'i'2  ftUeii!  iiiPii]  in  allen  b  23  hinuaii  hin  fftr  j 
nit)  oienier  h  tiymant  Rd  u)^nanT3  h  iui]  nü  *  24  n'au  —  fflsst.  fthlt  h* 
dtr\  ein  s 


4 


14   l'gl.    rila  14o,l. 


19  i/  A'-ir 


422  Großses  Briefbuch.    IV.  Brief. 

nüt  allein  gen  den  prelaten,  5cb  gegen  den  minnesten  kuchischwestran; 
wan  es  ist  billich,  daz  man  ein  füsstAch  nnder  die  fusse  trette^  der 
minste  als  der  meiste. 

Dis  tflt  we^  so  es  gegenwärtig  ist:  swigen  und  unred  enpfahen 
und  sich  bi  nüti,    weder  an   worten   noch   an   werken,   rechen;  dis  5 
wunden  gant  tiefer  denne  swertslege  an  der  ersti,  e  daz  man  es  ge- 
wonet.     Es  ist  ob  allen  bärinen  hemden,  es  trnket  ob  allen  isniuen 
kettinnen:   ein   würdiger  mentsche  eime  unwürdigen  mentschen  {:e- 
swigen  und  zA  eime  stummen  werden  und  sich  nüt  rechen.    Eva, 
gesach  in  aber  got,  daz  er  ie  geborn  wart!   Wan  er  truket  sich  iniö 
die  tiefen  götlichen  wunden,    er  vereinet  sich   mit   dem   gotlichen 
hertzen,    er  glichet  sich   dem   obresten,   er  liebet  sich  got  und  der 
weit;  er  erlöschet  allen  sinen  gebresten.     Und  als  er  sinen  willen  in 
zorne   und   in  räche   brichet,   also  machet  er,   daz  im  got  in  allen 
dingen  willet  und  sin  räch  gen   dem   menschen  gentzlich  varn  lat,  ]i 
ob  er  joch  hundert  tusent  totsünden  bette  getan. 

Sihstu  nu,  min  kint,  waz  dir  hie  liebes  und  lones  wahset? 
Dar  umb  so  setze  dich  gewegenlich  alle  zit  dar  uf  und  verbisse; 
tüg  es  dir  we,  daz  lid,  es  wirt  schier  weger.  Ob  allen  dingen  h5rt 
hie  zfl,  daz  ein  mensche  swige  und  den  munt  besliesse  und  bi  iA6^ 
den  munt  uf  tüg,  es  si  denne,  daz  er  drie  des  rites  bi  im  hab  der 
götlichen  stat,  daz  ist:  rehtü  senftmütikeit,  ordenliche  bescheidenbeit 


1     suudcr  och  b       kuchiechw.]  vndertan  g       2  wan  —  3  meiste  fehlt  g 

5  bi]  mit  gc         weder  fehlt  hch         an  w^orten]  verantwürten  s        noch]  und  h 

6  gat  lisd  an  dem  ersten  Rs  [e]  daz  j?  7  iserin  he  8  ketten  h 
8  f.  [mentschen]  gesw.  ghli  swigen  z  11  tiefen  \17mden  gottes  (der  got- 
halt  g  Christi  n)  hgn  mit  fehlt  8  12  glichet  [sich]  hhBs  liebet  [sich] 
dhlis  13  verlöschet  shcd  erlost  g  16  het  er  joh  .  .  .  getan  gn  hat  2 
17  [nu  min]  liebes  kint  b  18  verwegenlich  gc  gewonlich  zdn  20  hie]  dar 
ghli  dir  n  den]  sinen  snc  besl.  —  21  m^int  fthlt  U  21  den  munt  fehU  dh 
rates]  tages  (!)  s  21  f.  von  der  g.  stat  gn  22  senftmutig  hsd  in  orden- 
licher besch.  s 

1  Mit  prelaten  sind  icohl  die  Priori n  und  Sabpriorin  des  Klosters  ;}(• 
meint.  —  kuchischwestran  =  Laienschtvestenij  welche  die  Küche  besorgen  »i«i 
am  Chorgtbet  nicht  teilnehmen.  7  f.   Vgl  Vita  107,6  f.     Der  Brif^f  ist  altif 

wohl  an  Elshtth  Stagel  gerichtet.  11  Ergänze:  Christi.  20 ff.  1^^- 

oben  414,20  ff.  —  drie  des  rätes.  Uiejmigen  Nonnen,  welche  die  ?iöherefi  Ämttr 
in  den  Dominikanerin nenklöstern  bekleiden,  bilden  zusammen  den  „JUat'  :*»»• 
Unterstiitzinig  der  Friorin  bei  wichtigen  Fragen.  Vgl.  das  Ämterbuch  des  M- 
Meyer  im  Freiburger  Diözesanarchiv  XIII  (1880),  201. 


Grosses  ßriefbucL.    V,  Brief. 


423 


einer  baren  notdurft,   eintweder  got  ztt  lob  oder  dem  mentsclicii  zö 
beBsernnge, 

Ach,  min  kint,  nu  Ifrge,  daz  ich  dich  7:arllich  neig  uf  daz  hertz 
dines  gemiDten  und  daz  ich  keiner  etrangheit  von  dir  beger;  is  nnd 
trinke  und  slaÖ'  din  nofdarft  und  hab  mit  urlop,  daz  du  bedarft  zu 
diner  kraukheit.  Und  ivellestu  ein  nsserwelter  mensche  werden,  so 
übe  dich  an  disen  dingen,  so  mahtu  schier  ein  usaerwelte  mentRche 
Awerden.     Amen. 


JSonet  vox  tua  in  uuribus  raets,  v»>x  eiiioi  tna  dukis  et  fades 
tua  decora. 
Also  sprichet  die   minueude  sele  von  irem  gerainneten:    lasse 
din   stiniine  erhellen  in  minen  oren,    wan  din  stimme  ist  Busse  und 
din  antlit  lötselig. 

S  Min  kint,  ich  bitte  die  ewige  wiszheit,  daz  sü  in  dinie  hertzea 

KÜ  bnse  vach  and  alles  daz  kreftklich  dar  ns  stosse,  daz  ic  dar  inne 
gCKtuIet.  Minü  kint,  ir  enbietent  mir,  ir  habent  noch  vil  iertflmes 
von  nianigvaltikeit.  ist  daz  ein  wundert  Wie  were  daz  miiylich, 
daz  alles  dar.  genimbel,  daz  sich  /.»einzig  .jar  an  ein  stat  samnet, 
daz  sich  daz  als  bald  genlzlich  lasse  ns  stossenV  Es  wirt  von  lag 
ze  tag  uss  gende,  so  es  siht,  daz  es  sin  stat  nüt  ine  vindet.  Au- 
debtig  gebet,  heilig  betrahtnuge,  dicke  nach  gotle  gedenken,  geist- 
liche unmftsBe,  von  gotte  dicke  sprechen  nnd  daz  edel  verlorn  zit 
dicke  mit  bittrem  hertzeii  wegen,  sond  uwer  gehillen  sin. 


1  baren]   waren   hnH         zä   eiae 
■ttcben]  nehsten  g/inBe  3  Ach  - 

les  i        6  Und  —  8  werden  fdiU  c 


[  lobe  i         oder]  noch  »  oder  aber  g 
6  krankh.  fthll  g  4   deiner  hsd 

8  Amen  /Ml  cdghll 


V.  2 


\ef.     Has.:  b  c  d  g  li  mXn  Ha 


w  eniiü  —   11   decora  fehU  kR  14  lüU.]  luetUcli  mN  zirlkii  hR 

16   alles   [daa]  h:         17  geetület]    gesasz    mNd         irrung   timNnR         18   were 
[daz]  nun         19  gerämel  bgn         20  als  ,le!tli  dh         bald  /s/t«  a        '21  n.  me 
vindei  *  23  und  fthll  :■  24  soiid  —  »in  fthtt  gmN 


3  f.   VgLHohil. 


10  f.  Uohtl  l;i4. 


MÄbaehnat  in  Britf  HabitabU   rfw  Kl  Bfb  (oben  3Gi,l6—2'J). 


18-424,22  cnispnelu 


424  Grosses  Briefbuch.    V.  Brief. 

Ach,  liebes  min  klnt,   gedenke,  wie  reht  betrogen  diser  wd^e 
minne  ist  und  wie  rebt  selig  der  ist,   der  sich  da  von  brichet  nnc/ 
gotte  dienet.     Sprechent  ir  denne:    „owe,  daz  ist  war,  der  es  enzif 
tut,"   —   da  sond  ir  wissen,   wie  dem  nüt  gelich  ist,   doch  so  B\ht 
got  nit  an  einen  guten   anvang,   er  siht  ein  gut  ende   an.     Sant  5 
Bern  hart  sprichet,   daz  gotte  nieman  ze  jung  noch  ze  alt  ist,  er 
git  und  tut,  waz  er  wil  und  swie  er  wil. 

Haut  ir  nut  vil  sussikeit,  des  sont  ir  nut  ahten,  ir  sont  uch 
sin  unwirdig  dunkcn.  Ligent  got  vor  sinen  f&ssen,  untze  daz  sine 
gute  überwunden  werde,  und  laut  nüt  abe !  Ich  globe  daz  eigenlich,  10 
daz  er  üch  nüt  vigentlich  vertribet.  Lant  üch  nüt  wundern,  ob  es 
üch  alles  sament  nüt  eines  tages  nach  wünsche  zfi  banden  gat. 
Nach  der  vinstri  gat  die  heitri,  und  aber  nach  dem  tage  kumet  die 
naht.  Es  mftss  noch  menig  wandelber  wettcr  in  üch  uf  stau,  e  daz 
die  blibent  heitri  in  üch  bestetet  werde.  Gieng  es  üch  hie  vor  - 15 
ir  nierckent  mich  wol  —  glich  eben  wol?  Nein  es,  gewerlicb!  Es 
was  liep  und  leit,  leit  und  liep,  dar  nach  als  es  gap  fro  Venus 
glückrat. 

Daz  selbe,  min  kint,  nement  och  gegen  dem  schönen,  zarten, 
minneklichen  minner,  dem  ir  billich  wartent,  des  minneklich  zürnen  20 
besser  ist  den  aller  minner  liepkosen;  übersehent  gegen  im,  zwar, 
er  hat  och  gegen  üch  übersehen.  Nement  war  siner  minnewencke,  | 
siner  togen  minne.  Sehent,  er  ist  als  reht  gut;  ein  vil  klein  ist 
von  ime  besser  denn  von  andern  tusentvalt.  Lant  unverstandnü 
hertzen  slewezen  und  swingent  ir  üch  in  ein  minnen.     Die  minnende  85 

2  und]   nu  h,  fehlt  mN         8  enzit]    in   zit  hd  bei   zit   hUc  yetzent  t 
4  da]  daz   hcdhJRs  da  —  wissen  fehlt  g  wie  daz  dem  hg         9  sin] 

im  z  des  dmN        11  er  üch]  üch  got  gm         vertribe  dhmNnRs         nüt  alle* 
sam.  bdhn  mit  fehlt  gmN  13  wan   nach  gX  14  uf  st.]  bestan : 

[e]  daz  «        16  ir  —  wol  fehlt  dmN         19  gegen  den  hs         20  mynniklichen 
zürnen  s  21  übers.  —  22  übers,  fehlt  d  zwar]  wanne  b  22  minnen 

wercke    hm   umbveno-    hU  23   siner  t.  minne  fehlt  gnz  kleines  \m^ 

24  tusentvaltig />  tusontstunt^        25  slewezen]  slentzen  8  slewtzen  n  schlawzen^ 
schlissen  mX  tregc  syn  c  varen  und   sagen  h  gen  B 

4  dem  =  der  frühzeitigen  Bebehrung.  6  f.   Vgl.  Bet-nardus,  £|>wt. 

185  n.  :^;i  13    Vgl  Tob.  3,33  und   die  bekannte   SenUmc:    Post   mbila 

Photbus  (ftchon  im  Doctrinale  des  Alanus  ab  Insults,  vgl.  Büchmann,  Geflfigilti 
Worte   -HUOO,456).  23  f.    Vgl  Ps.  83,11.  25   slewezen  (wie  oben  4ü(>,lS 

slewenzen),  in  den  Wörterbüchern  fehlende  Erweiterung  von  sletcen  =  trägt, 
matt  sein,  hezic.  werden  {Lexer  11,972;  Schmeller  II -,  539 ;  Wackemagei,  Alt- 
deutsche Predigten  1876,508), 


Grosses  Briefbuch.    VI.  Briff. 


425 


ifc\e     gelorst  einest  nät  gemüten,  daz  er  eich  ir  erzSigte  oder  daz  er 
TÄ  ir  kerne,   si  batt  in  allpine,   daz  er  mit  einem  don  siner  worten 

ffl  \r  hertz  erklankti.  und  do  sprach  si:    Honet  vos  tim  in  aiiribiis 

meis  etc. 


VI.  Krief, 
^heie  florentes  odorem  dodermit,  et  tox  tnrturJR  anditH  est 
in  terra  nostrn. 
Also  stet  geschriben  in  dur  miiiiie  buch. 

Wer   ein   fritbtlosen    winterhalden    säbi   hin    glentzen   von    ge- 

jnter  gezierde  in  sumeilicbrr  Schönheit,  und  einen  swartzen  rappen, 

^fiilem  äese  entogen,  horti  in  des  lieben  turteMbüs  art  verwandlet 

,  der  Diöhte  wol  dem  schönen  herren  zarten,  der  so  grossii  wnnder 

ftin    mag   erzÜKen.     Mit  welen    fröden  wenncnt   ir,    daz   sich   der 

«rre  in  dem  schönen  wingarten  ergienge,  der  sich  bo  relit  wol  ge- 

*  ilellet  hetti,  und  wie  wo]  öcb  sinen  geiniwen  knehten  ze  miite  weri, 

c<  der   süsse   smack   als   rebte  wol    trahti,   daz   er   nmb   sieb   allen 

uienRchen  Inst  brehti  und  die  leiden  stangen  von  siner  kraft  vertribiV 

Ach,  ir  jungen,  schölten,  zarten  wingarten  des  himelschen  vatters, 

ir  schonen  lütseligen  turtellübli  des  göttelichen  gemahels,  gedenkend, 

'  «rie  lange  ir  wüste  sint  gelegen,  wie  nianigen  schönen  tag  ir  müssig 

sint  gewesen,  —  und  w51te  got,  daz  ir  niiissig  wfirint  gesin  und  niit 

mit  dornen  und  mit  bramen  wärint  erfället,  die  ir  nu  so  arbeitsetikiich 

11*  rütent!    Owe.  ir  kalten  winde  üppiger  worten,  ir  starckeii  riffen 

WTganklicher  niiane,  ir  tiefen  sne  böser  unreiner  geselleschaft,  waz 

'  hanl  ir   ebenlicb   versumet   und   mordes   begangen   an    so   manigem 

meiiRchen!     Wie  reht  selig  der   ist,  der  vnn  üch  gelidiget  ist  und 

I  mit  der  liebten  sumerzit  eins  tngeuthaften  lebens  durlühtet  istl 


1  [.Arst  g  sifh  [ir]  dUs 

U  liipi  »i]  aho  gn  4  el 


8  erkl.j   erkante  b  Qud  fehlt  »  du 

;.  ftldl  hdyh 

VI.    Brief.     Hgs.:    b  c  d  g  h  m  N  n  t!  s   U  :.     la  g  slehl  nur  der 
j  «•  4S5.16,  das  übrige  fehlt. 
_  -  bßch  fehlt   nU  in]  «n  M-  9  wer]   schwel  njeiitach  j 

l^tf.  gelilüoiLen  gczierden  li      11  ahs^e  »      12  herreu]  herUcn  b      13  erzögeii  gU 
eaägen  mX  IG  amack]  raucL  mXd  17  laidigen  nSl'         18  zarten 

iicboneu  Uc  schönen  fehlt  dh  zarteu  fehlt  ss  20  geleg.  —  21  sint  fehlt  a 

'  |;tmd  [mit]  bmXs         brcmen  climXIt  2B  ebenlich]  ewiglicl  hEc 

6  f.  Hohe).  S.VJf.  U  iviiiirsiteu,  vgl.  liiiete  221.33 f. 


426  Grosses  Briefbucli.    VI.  Brief. 

Minü  zarten  kint,  waz  sol  ich  üch  me  schriben,  denn  daz  roinü 
ogen  hein  manigen   frölichen  ogenblik   getan,   so  ich  gie  über  die 
schönen  beide  florieren  al  durch  die  bMmen  hin>  und  ich  horte  die 
himelschen  harpfen  der  lieben   vögellin   iren  zarten,   schönen,   min- 
nenklichen   Schöpfer  loben,   daz  es  dnrch  den  luft  af  trang?    Aber  5 
gevverlich,  ob  in  beiden  so  fröwet  sich  min  hertze,  so  üwer  anevangCDS 
heilig  leben  in   so  maniger  geblümter  gezierde  also   süsseklicb  in 
gutem  lümdeu  smacket,  da  von  die  ewig  wissheit  wirt  gelobet  ond 
die  menschen  gebessret.     Wan  ir  aber  noch  nüt  erstarcket  sint,  so 
sont  ir  üwer  selbes  dester  bas   war  nemen,   und  sont  uch  selber  M 
umbzünen   als   ein  junges  zwi  vor  dem  vih  aller  menschen  geselle- 
sehaft,  die  dis  sinnes  nüt  sint. 

Eines  dinges  sont  ir  vorhin  gewarnet  sin:  so  die  schönen  win- 
garten  beginnent  blugen,  daz  6ch  denne  die  bremen  und  die  leiden 
käfer  beginnent  stürmen;  und  da  der  böse  geist  mit  ime  selber d 
nüt  kann  zu  komen  gegen  eime  gesitten  menschen,  da  reisset  er 
aber  sin  gesinde  zu  mit  bittern  schalkhaften  worten  oder  mit  bösen 
r&ten,  mit  valschem  wissagen  in  liep  oder  in  leit.  Und  daz  ist  nit 
unbillich,  wanne  wissent  für  war,  daz  üch  in  keinem  abbrechende 
uwers  eigen  willen  niemer  so  we  geschiht,  im  beschehe  nochvill 
wirs,  so  er  von  siner  eigen  stat  scheiden  mfts,  die  er  so  lange,  so 
gerüweklich  hat  besessen. 

Und  dar  umb,  mine  jungen  kint,  mine  zarten  userweiten  kint, 
stant  vast  in  gotte  und  heint  reht  ein  gantzes  getruwen  in  got,  wan 
er  lat  üwer  nüt!  Ach,  Iftgent,  er  ist  als  reht  tugenthaft,  er  ist  alsl 
reht  hertzklich  gütig,  daz  er  es  an  sime  milten  hertzen  nüt  m6hte 
vinden,  daz  er  den  menschen  möhte  lau,  der  sich  gentzlich  an  in 
mag  gelan. 

Eya,  minneklicher  ewiger  vatter,  ich  bevilhe  dir  dine  kint  in 

3  florieren  und  ns  al]  als  hEU,  feldt  mXn  4  bimel  harpfeu  hR: 
der]  die  hU  9  noch  fehlt  b  11  zwi]  swiu  b  13  minü  zarten  kinder,  eines  d..- 
gewarnet]    gemant   z  14  f.   beginnent  fehlt    hB  blugen]    bläounen  - 

und  —  15  käfer  fehlt  U  und  oueh  die  I.  Ems  leidigen  mNE  15  beg.) 
werden  hE  da]  daz  zd  16  gesitt.]  sittigeii  mXs,  fehlt  dn  17  ingesinde  hmiS 
18  valscheu  mnEUzc  leid  .  .  .  liebe  b  oder]  und  nU         20  beschiht  & 

21  eigen  stat]  eigenscliaft  z  22  ruweklieb   Uz  rastlichen  mS  23  miaf 

zarten  us.  k.  fehlt  dmXz  24  truwen  z  zu  got  Esc  25  üwer]  üch  htnXnRd 
tuirenth.  —  26  relit  fMt  ns  25  f.  och  als  reht  h.  g.  z  26  mohte  —  27  an 
in  fJdt  mX         28  lan  bmXsU  29  myu  kinder  cd 

23  —  28  etivas   ijekilrzt  in  Brief  Ilabitabit  des  Kl  Bfb   (364^29— 3fiöJ^ 


Grosses  Briefbuch.    Vn.  Brief.  427 

dine  g6tteliche  wissheit,  daz  du  86  zähest  nach  dime  aller  liebsten 
willen.    Amen. 


VII.  Brief. 

Trahe  me^  post  te  curremus  In  odore  ungnentomm  tuornml 

Der  einen  minnelosen  meutschen  welle  machen  minnend,  der 
sol  im  sinen  geminten  z6gen,  wau  daz  geminte  dem  hertzen  zuhet 
es  zu  im  als  der  agestein  daz  isen.  Nu  sint  etlichü  menschen  als 
blinty  wan  sü  daz  ewig  lieht  an  im  selber  nut  mögen  gesehen,  so 
vallent  sü  mit  ir  minne  uf  das  gesihtlich,  als  der  sich  von  der 
8QDDen  glantz  keret  zu  dem  kessibodem,  als  die  fledermus,  du  den 
tag  flühet  und  die  vinstren  naht  miunet.  Und  die  menschen  müs 
got  zu  im  ziehen  mit  grossem  liden  oder  des  glich,  als  der  einen 
b&ren  von  dem  hong  sieht.  Aber  die  gottes  userweiten  die  nement 
68,  als  sA  son,  und  mugent  su  der  sunnen  glast  nüt  gesehen,  sa 
kapfent  s&  an  der  sunnen  widerglantz  uf  den  hohen  bergen;  und 
heint  sü  noch  nüt  der  süssen  apotek  des  inren  götlichen  hertzluste» 
CDpfunden,  so  15ffent  sü  doch  nach  dem  süssen  smack,  der  da  u& 
rücbet  von  sime  heiulichen  ingesinde,  als  die  tier  dem  süssen 
trabt,  der  da  us  trehet  von  dem  pantier.  Und  in  dem  smacke 
werdent  sü  dicke  hertzeklich  ernüwret  und  gewinnent  ein  jagende» 
Uen  hin   zu   dem   iemer  werenden   gute,   und  stiint  in  dem  vorhof. 


2  Amen  fehlt  bcdmyiiü 

VII.  Brief,    Hss.:  h  c  d  h  m  X  n  R  8  U  z, 

4  odorem  h  6  [dem]  hertze  binXn  des  hertzen  hc  7  ime  zu  hR 

8  lieht]  liep  hhmNRs  U       im]  in  j        10  kesseis  bodem  sRcd  kessel  boden  mNn 
ketsel  boden  h  fledramus  z        du  fehlt  8  du  da  j  12  gliches  cdh8 

13  nement]  meinend  mN  minnend  Ud         14  so  fchü  z         15  guffend  hctnXU 
Ifigent  z  16  inren  fehlt  dh  gotl.]  süssen    Ud  hertzl.]  hertzen  dmX 

18  himelischen  nd        19  traht]  rauch  cdhmNnR        us  trabet  bs  us  rücbet  Ucd 
aosz  reuchet  mNR         20  dicke  fehlt  z         ja^.]  in   ^endes  z  21  und  -- 

?orhof  fehlt  bcdhmXRU  Stent  wartend  in  d.  v.  n 

4    Hohel.   1,3.  6  f.    Vyh  TauUr,   Basel   lö^lf,  43^:    wan    ah   der 

jggtein  nach  jm  zeucht  das  eysen,   also  zeucht  nach  jm  Jesus  alle  hertzen,   die 
ia  von  jm  berärt  werden,  13    Vgl.  Megenbvrg,   Buch   der  Xatur  163,8  ff. 

19  pantier,  vgl.  Vita  12,6  und  Hugo  von  Langeastein,  Martina  96, 111  —  103,49, 

20  f.  jagendes  ilen,  vgl.  Bdeic  201, Uff.  und  216,16, 


428  Grosses  Briefbuch.    VIL  Brief. 

untz  sü  och  werdent  in  gelassen.  Aristotiles  sprichet,  daz  ein 
klein  des  unbekanten  lustlicher  ist,  denn  vil  Sicherheit  des  bekanteB. 
Sant  Thomas  spricht,  daz  ein  vil  klein  des  enpfundnen  götes  in 
schowlicher  togni  ist  besser  denne  vil  anders. 

Min  kint,  ich  müss  dir  sagen  ein  gewonheit,  die  ich  hett  an  (i 
miner  ersti.  So  ich  mich  selben  als  gnadenarm  vant  und  ich  von 
mime  grossen  gebresten  nüt  getorste  hin  far  komen  zft  dem  tisch, 
da  liep  von  liebe  sunder  mittel  gespiset  wirt,  als  die  zarte  jungfrow 
sant  Angnes  sprach:  mel  et  lac  ex  ore  eins  suscepi,  so  stalt 
ich  mich  in  eines  dürftigen  bilde  hin  zu  dem  tor  und  wartet,  wennri 
•die  himelschen  gcmassen  her  us  giengin,  daz  ich  sü  bespreche  daz 
mir  joch  ein  süsse  traht  würdi  von  ir  völli.  Und  vergich  dir  eins 
gewerlich:  es  beschach  mir  etwenn,  daz  mir  von  ir  volheit  ein  un- 
geweschnü  Schüssel  wart  dar  geworfiFen,  daz  ich  also  gespiset  wart 
und  von  dem  süssen  wintraht  also  getrenket  wart,  daz  ich  etwenn  18 
miner  armfit  vergass  und  wond,  ich  wer  ein  richer  herre.  Ich  sprach: 
„owe,  richer  herre,  so  du  mich  also  trunken  hast  gemachet  nnwen 
von  winsmack  us  dinen  fründen,  waz  bist  du  denn  in  inen?"  Sich, 
also  suchte  ich  daz  klein  golt  in  dem  sande.  Ich  grAp  nach:  ich 
saste  einen  priester,  einen  brediger  zu  den  füssen  eines  sines  fründes«^ 
und  lüget  im  in  den  munt,  ob  kein  himelscher  rose  da  her  us  fieli,  daz 
ich  den  gezuckti.  Und  daz  machet  mich  denn  fr61ich  loffent  den 
andern  nacli. 


1  och  fehlt  hRs      3  eupf.]  unbekanten  dmN      5  min  kint  fMt  h     hat 
ich  hcmX  6  selben  fehlt  dmXn  an  gnaden  also  arm  6  imd  [ich]  i 

7  mime]  meinen  viXR  nüt  hin  f.  komen  mäht  z  8  da]  das  sü  mittel 
fehlt  hU  9  ex  eins  ore  hUz  11  genossen  mRlJ  gespreche  6  an 

spreche  dmN  12  joch]  och  hRU  doch  cdmX  noch  h  traht]   rauch  ned 

trank  mX  eins  fehlt  dh  13  i^^eschach  hmN  14  dar  wart  g.  hhR^l^ 

15  wintrank  mXRsU  winroch  c  win  dh  16  wone  s  Ich  —  17  herre /<?/<&  CT 
17  nuwen]  nu  z  allein  n  nit  mer  dan  dhmX  18  winrauch  mXd  winsmaltze  6 
in  fMt  s  1 9  «ander  w A'         grabete  h  grebte  z         20  sasz  mXnc  sach  T 

21  [her]  us  dmX  22  den]  die  cdhnRs  zuckte  hnR   suchte  mN  ge- 

suchte d 

Iff.  AvistotekSy  JKth.  Xic.  X,  4  {1174h  19 sqq,;);  De part,  anim.  1,5  fßUh 
24. sqq.  :*1  sqq.).  —  Thomas,  S.  Th.  2.2  q.  18()  a.  7:  contemplatio  divinftrumy  qua* 
?i<ihtfui'  in  via,  etsi  sit  imperfecta,  tarnen  est  delectahilior  omni  dlia  contemphtiftM- 
propter  excdlentiam  rei  contemplatac.  7  f.  Vgl.  Tochter  Sion  2424 f. :  ich  me» 
die  (jeistliche.li  weidt,  da  diu  seh  trirf  gespiset,  9  Angnes,  vgl,  Bdeyc  227,lf^ 
20  Mit  priester,  bredijrer  meint  Sense  sich  selbst,  sines  =  Gottes,  22  f.  V^ 
den    Vorspruch. 


i 


Grosses  Brief  buch.    Vm.  Brief.  409 

Owe,  got,  waz  so]  ein  menscbe  löffeu,  der  weder  got  nach 
sinen  faeimlichen  fründen  nie  beimlich  wart,  der  nuwen  mit  usseikeit 
iit  Binb  gegangen?  Gat  er  joch,  der  gang  mag  wo]  treg  und 
liinkent  sin;  aber  die  lieimlicbi  machet  löfTent  nacb  dem  geminten. 
Sich,  wenne  mir  ein  gottesfrünt  üt  seit,  eya,  so  wart  ich  ao  wol 
Bemftt,  so  was  mir  reht,  icli  hetti  einen  hört  funden.  Und  wiBsiat, 
ich  gebielt   daz  so  trntlich  und  sprach:    „cya,   gcminter  hcrre,    wie 

last  mich  dinl    Sei  ich  iemer  dar  zft  komen,  daz  ich  Sprech:  „du 

lin  und  ich  din?"     Und  disA  begirde  bo]  noch  in  mir  und  in  dir 

en  von  unser  unvoikomenbeit. 

Min   kint,   dis   ban   ich    dinem   versinten   mCtt  vor  gesprochen, 

11  du  rosen  us  den  blümen  lesest  und  dich  selb  zu  dime  ewigen 

eil  mit  semiicben  dingen  reissest. 


VIII.  Üripf. 
Onstate  et  videte,  qaoniam  suarls  est  dominus. 

Es  sprichet  der  wissag  »n  dem  salter:  versfichent  und  Iftgeiit, 
fie  süsse  der  herre  ist, 

Lieben  minü  kint,  es  sprichet  sant  Gregorius,  daz  got  dienen 
i  ein  friges  leben.  Und  gewerlicb,  daz  müssent  ellii  hertzen  von 
;antzer  wärbeit  jehen,  Swer  uf  den  tolden  eines  versmahens  aller 
itlieher  dinge  ist  geflogen,  in  die  hobelt  des  unwandelberen  götes 
«  gesessen,  mit  den  armen  des  geminten  ewigen  liebes  ist  umb- 
'angen,  ach.  lieben  kint,  wes  gebristet  dem  uf  ertrichv  Waz  wil 
IT  Die?     Wie   mag   der   so   wol   manigen   frfilichen   tag   uf    ertricfa 

2  himelischen  mNd  nuwen]  nun  e  nit  denn  dmX  allein  n  mit] 

VidmNBtU  S  er]  der  e  3  f.  und  hlukent /e/itt  s  i  heimlikeit 

tXnBe        b  sich  fehlt  b        fit  htiimlichi  n  icht  tieimlicliea  n        7  hifltmKlCg 
l^nch  dh»         10  Tollkomenheit  hmXlUI' 

VIII.  Brief.  a»M.:  b  c  d  g  I,  m  N  n  R  s  »'  U  g.  In  <j  rUIh  -.«r 
Iv  StUiist  wm  431,ie  an. 

15  quoniam]  quam  m^Vn  16  an]  iu  bcd/iuRe»'  20  den]  dem  Ass* 

ddeo]  Kwyg  »'d  22  und  mit  dmX  liebes  [ist]  hUs  23  wee] 

u  bdhmR»  24  wol  fehll  hn  nf  ertr.  ftlUi  z 

6  f.   V</i.  Hohtl.  3,16  und  die  Belege  bei  Strauch,  Ad.  Langmann  103  f. 

Bohr,  Zfda  34  (1830),  161  ff.  IB  Fg.  33,S.  18  Gregofiut,  Hom.  3 

Stech,  n- 11  (Migne,  Patr.  Lat.  76,810) :  iüe  Deo  »ervire  aiqietil,  qui  üb  hoe 

Ueulo  inmte  traMirt  dirliceril.    Vgl.  F.xiin».  in  I  Big.  V,  3  n.  13  (Migne  7!f,333). 


430  Grosses  Briefbuch.    VIET.  Brief. 

haben!  Gesach  in  got,  daz  er  ie  geborn  wart!  Wie  mag  er  got 
«0  wol  loben,  so  er  under  sieb  siht  und  in  dem  starcken  gewille  des 
tiefen  meres  eins  ung6tlichen  lebens  so  manig  freisinen  bertzen,  libes 
und  sele  ane  sibt! 

Es  was  ein  mensebe  einest  in  einem  so  fr6Iicbem  gegenworf  5 
der  süssen  götlicben  gegenwürtikeit,  und  was  doch  so  gelassen  Ton 
aller  creatarlicbeit,  daz  er  gedabte:  „acb,  bertze  mins^  wes  fröwest 
du  dicb  so  rebt  inneklicb?"  Do  antwurt  ime  sin  besebeidenheit 
und  spracb:  „in  allen  disem  ertrieb  ist  nät,  des  icb  micb  fr6we, 
weder  an  gut  nocb  an  fründen  noeb  keinem  Inst  diser  weite,  denne  10 
daz  ist  min  fröde,  daz  got  als  rebte  gut  ist  und  daz  minneklieh 
gftt  min  frünt  ist,  des  icb  gantz  zftversibt  ban.** 

Lieben  minü  kint,  daz  scbribe  icb  ucb  dar  nmb,  daz  ir  einen 
«eneden  jamer  bier  nacb  gewinnent  und  einen  bertzlicben  last  dar 
nacb  babent.  Trettent  frilicb  in  die  baut  der  ewigen  wiszbeit,  A  tt, 
werdent  ücb  geswinde  verkert  in  guldin  krönen  ewiger  s&likeit  Lant 
äcb  nit  binderen,  daz  der  zal  ietze  so  wenig  ist,  die  daz  rebte 
pfat  des  engen  weges  wellen  gan,  die  ir  eigen  gemach,  als  vil  si 
mugent,  sücbent,  daz  6wer  ernst  da  von  n6t  geminret  werde.  Nement 
für  üwer  5gen  die  fromen  Vorbilder  eins  beiligen  lebens,  die  da  war-  Ä 
lieh  battent  versmabet  alles  daz,  daz  ertrieb  geleisten  mag,  und  mit 
faertzen  und  sinnen  ze  allen  ziten  in  dem  bimelscben  yatterlande 
wontent,  die  in  sunderlicbem  andabt  als  der  morgensterne  lacbten. 
—  den  volgent  nacb,  den  tretent  nacb! 

Lieben  kint,   die  weit   beginnent  alten,   die   minne  beginnet ft 
kalten,  die  schönen  rosen  beiliges  andabtes  beginnent  sere  risen; 
man  vindet  nu  vil  me  scharpfer  slebdome  denne  wisser  lylien.   Eya, 
ir  zarten  rosen  des  geblümeten  geistlichen  lebens,   stant  vast,  ver- 
dürnent  ücb   mit  usgeslossenbeit  aller  creaturen,  scblüssent  ücb  zft 


2  gewilde  bcdmNRss^U         3  f.  und  libes  [und  sele]  hRss^U        4  [ane] 
siht   8  8    mynncklich   bcHss^  9  des]   das   mKz  10  weder  fehlt  f 

11  rehte  fehlt  bs^  13  scbribe]  sprich  b  14  glust  zn  17  Terdriesscn 

hiDdereu  z  ITf.den  rehten  pf.  bcdfis  18  engen]  trostlichen  ß  19  söchint  s 
ntit]  iht  bcdnsU  20  [die]  frome  z  die  fronen  b  21  haben  versm.  chmNnB 
[daz]  daz  cdsUz  mit]  in  hRss^ü  22  und  in  sinnen  hRss^  und  mit  s.  e» 
23  lücbtent  bdmNnRss^U  27  wisser]  schöner  z  28  [stant]  und  vaste  »U 
29  ufigelossenheit  hs^  creatur  nRs^ 

5  —  12  ist   in   Brief  Habitabit  des  Kl  Bfb   aufgenommen   (oben  3653 
bis  305,10),  18  Die   Konstruktion    ist  sehr  hart;   man  tcärde  erirafitf«: 

so  vil  aber,  die  u,  s.  w.  25  f.    V"gl.  Bdtw  324,4 f,  u.  Gr  Bfb  406,8, 


Grjasua  Bi-iefbiich.     VUI.  Brief.  431 

gepen  aller  diser  weite,  ach,  und  tftnt  üwer  hertzen  und  üwer  girde 
af  gegen  dem  süssen  meientowe  der  hinielsclien  sunnen,  daz  ir  war 
Dement,  waz  er  von  üch  wil,  wenne  er  einen  ingang  haben  wil, 
daz  er  kein  vertrihen  von  üch  newinne.  Gebent  inie  stund  und 
filat,  daz  er  sin  werk  in  üch  gewfirken  nnage,  daz  iiwer  hertzc  werde 
ein  appotecke  der  gotheit,  üwer  munt  ein  fasz  der  reinekeit  und 
aller  üwer  wände!  ein  bilde  himelseher  heilikeit,  daz  got  an  üch 
gelobet  werde,  üwer  lieben  engel  gofröwet  und  ellü  menschen  ge- 
bessrot.     Heilig  betrahtunge  8ont  üwer  knmber  sin,  mit  gotte  oder 

I  TOD  gotte  reden  sol  zfi  allen  zilen  nwer  ampt  sin,  swaz  ir  sehcnt 
oder  h5rent,  daz  sol  üch  ein  uftragen  ze  gotte  sin. 

Einen  swigenden  munt  tragen  machet  üwer  hertze  fridsam  und 
den  lüten  minnesam.  Tönt  üch  ahe  menschlicher  heimliche,  so 
werdent  ir  gewerlich  innen  gottelicher  heimliche.     Einen  abgezaiten 

■  menschen  von  diser  wplte  hftret  nüt  zfi.  kurtzwil  und  trost  hie 
stehen.  In  aller  gehorgami,  die  uf  usserheit  zühet,  heint  ein  inne- 
bliben  oder  aber  ein  emziges  inkeren  wider  in  üch  selben,  daz  ir 
üch  selber  nüt  verlierent,  Swaz  üch  nit  bevolhen  si,  da  mit  »int 
unbekürabert. 

►  Vor   allen    dingen   so  setzent   üch  gewegenlich  als  alle  sunder 

gottesfrnnd  uf  zitliches  liden.  wan  gewerlich,  daz  wissent  für  war: 
söl  üch  üt  sunders  von  gotte  werden,  daz  mfis  och  erarnet  werden. 
.\ber  eins  ist  war:  git  er  leit,  er  git  och  liep;  kan  er  hei-zleit  geben, 
ach,  so  kan  erSchhertzliep  in  hertzeliebes  hertzen  machen.  Gangent  her 

fc  für.  ellü  hertzen.  und  sagent,  wa  sie  liep  ane  leit  ie  funden  ?  fJeminter 
herre,  du  bist  allein  daz  gut,  in  dem  man  stete  fröde,  gantzen  fride, 
und  liep  ane  leit  findet,  als  verre  man  es  in  zit  haben  mag.  Es 
tat  nüt  wirs,  denn  sich  selber  überwinden,  es  tut  aber  nüt  bas, 
denne  sieb  selber  überwunden  han.     Und  dar  umb  so  gant  hüte  dis 

1  hertze  bilhmNEai'  U  bcgiriie  mXnRt'c  3  wenue  —  wil  felUt  h 
7  rin)  eiine  s  bildcr  bhRsU  bildiiev  s'  bildimge  c  9  itontj  aol  chnR»»' 

IS  iiwer|    das    hM'x'U  13   die   lüt   »^R  13.  14  heimlikeit  mNnü»' 

U  gew.  iiinan]  gevar  dmN  götteL}  goltes  nx  16  zS  si'ichen  gkmnU 

17  eiiiEi^e«  i  18  bevolheu]  heliolffen  *«•  19  bekümbert  m  20  bc- 

vegeolicb  6  verwegenlich  cRU         sunder  fdilt  hM»i^üz        22  daz  —  wurden 

fMt  fü  23  er  gil  z  leit]  liden  hn  euch  hertzleit  h»  24  acb 

/MtR»'     in  liebes  hertzen  bcmX     27f.  e«  t&t  minr  wirs  j      28  tSt)  trrgtesi] 

M  hmJV       2S  Qoeb  hüte  nRs'        itiej  des  hnH 

7  f.   Vgl  Matlh.5,Itl.  10  f.  Vgl.  Bdew  313,10 ff.  16  Vgl.  Brief  IX 

d*t  Kl  Bfb  {3S9,eff.).  27  liep  ane  leit.  vgl.  l'ila  140,W.  28 1  Gant 

tiknUcb  BdfW  249,33  f. 


432  Grosses  Briefbuch.    IX.  Brief. 

tages  manigü  menschen  guggen  über  den  dornigen  hag,  und  mab- 
gant  den  graben  ir  lange  tage  und  getirrent  sieh  nät  wagen  darcl 
die  dorne  einer  frier  Verwegenheit,  daz  sü  kemin  hin  nf  die  schöneo, 
witen,  geblümeten  beide  geistlicher  Schönheit.  S6  lobent  die  fraht 
und  hettint  s6  gerne,  aber  s6  verdnisset  der  arbeit;  und  die  arbeiL  5 
die  SU  da  flnbent,  die  Yolget  in  anderswa.  Gesach  in  got,  der  sin 
arbeit  hie  wol  an  leit,  wan  nach  diser  kurzen  zit  volget  im  ewigu 
selikeit!     Amen. 


IX.  Brief. 
Quam  dllecta  tabernacula  tna,  domlne  Tirtutam!  lO 

Also  sprichet  der  himelsche  harpfer  David  von   dem  frölicheo 
himelschen  lande. 

Owe,  minü  lieben  kint,  wie  mugent  wir  uns  selber  so  wol 
erbarmen,  daz  wir  eilenden  kempfen  nüt  anders  begerent  denne  der 
kleinen  tröpflin,  die  da  valient  von  der  himelschen  Jerusalem,  da  i^ 
die  reinen  megde  von  Syon  niessen  daz  ewige  gut  an  alles  mittel 
nach  alles  ir  hertzen  begird,  mit  fröden,  mit  rüwe  und  mit  Sicher- 
heit! Owe,  wie  mugen  sü  uns  so  kleine  geloben!  Wie  mag  daz 
schön  rosenzwi  des  himelschen  paradises,  daz  zu  allen  ziten  eint- 
weder  hat  ein  süsses  meigentow  oder  aber  der  liebten  sunnen  glantz.  ^ 
geloben  eime  armen  türren  tistel,   der   uf  der  herten  beide  wahset! 

Ach,  niinü  lieben  kint,  nu  trustent  uns  mit  der  armüt,  die  wir 
haben,    bis  daz   der  lichte   morgensterne  werde  uf  gende,  und  ge- 
denkent   an   die  schönen  roten  rosen,   die   nu  versenket  sint  in  daz 
wiselose   wesen    des    gottelichen   abgründes,    da    die    minneklicben  ^ 
tohtern   von  Syon   frilichen   trettent  den   frölichen  reien   in  schalle 


1  mauigüj  yil  Ä/^Ä*  2  mit  sich  £^  gewajüfeu  ^n  3  kument  6  komcnÄ** 
5  erdii'isset  h  und  die  arbeit  fehlt  inKs  6  anderswa  nach  mXU  7  imi 
ain   Ud        wissheit  und  selikeit  s        8  Amen  fehlt  cdgmNU 

IX.  Brief.     Hss.:  b  c  d  g  h  m  S  n  B  s  s^   U  z, 

10  tua  fehlt  s  12  lande  fehlt  a  14  kempflfer  nJis^  ü  begerten  cdhEd'^ 
IH  niesjsen]  «rebrnchen  cdniN  17  aller  bmN  froide  sdg  und  mit  r.  ^ 
18  kloine]  liitzel  z  wenig-  nU  19  f.  einUw  fehlt  mNU  21  armen  /*^/' • 
tVirrr'Ti  fthlt  Ich  tystelin  hss^  der]  dtis  hs  22  tr.  wir  uns  mS^^ 

23  werde  uf  ^.J  wider  uff  gange  s  26  frilich.]  froliche  h  Uy  fehlt  mN 

lU  I'a.  63/J  23    r^/.  IIFet.  1,19.  24  Zu  roeen  vgl  oben  409^' 

25  ft.    \'f/L  ßdetr  ;J4L\10ß\ 


Grosses  Briefbueh.    iX.  Biief.  433 

I  in  fröden,  der  da  faeisBet  ewikeit,  und  die  vor  kurtzen  ziteu 
I  tistelB  natur  hatten,  do  bü  in  disem  jamertal  bi  nns  waren.  Des 
and  wir  uns  trÖBten,  wenne  wir  sint  von  sinen  gnatleu  des  selben 
lle  tage  wartent.  Und  denne  in  dem  selben  ei'sten  aneblik,  ach, 
£s  Bussen  niinneklichen  antliteB,  eo  ist  vergangen  alle  die  hertekeit 

rdaz  liden,  daz  wir  nu  also  swarlich  wägen. 
Owe,  minü  lieben  kint,  wenne  sol  der  fröliche  tag  komen, 
ha  uns  da/.  Itepliche  ewige  göt  gekündet  werde,  an  dem  tage  unser 
Ilenden  seien  nmbvangen  werden,  daz  sü  werden  gefüret  in  dii> 
inikett,  der  bü  hie  als  innekliche  begerent,  ane  die  sü  alles,  da/ 
iBÜ  weit  hat,  nüt  hertzklicfa  gefrSwen  noch  getrosten  mag?  Acli. 
liiiü  lieben  kiut,  scndent  unser  eilenden  hertzen  in  den  minneklichen 
imbvang,  bis  daz  die  sele  hin  nach  kome!  Lögent,  wie  gar  ver- 
windet ellü  unser  hertikeit  und  unser  leit,  so  wir  uns  verellendeii 
D  daz  abgründe  der  g&ttelichen  klarheit!  Ach,  da  süllent  wir  dicke 
mit  hertzklieher  begirde  wonen  und  mit  menigem  ogenblick  dar 
keren,  so  gewinnen  wir  ein  frölich  eilend  und  ein  eilende  fröde,  so 
mag  öeh  der  herte  tistel  mit  so  manigem  Bussen  meientowe  be- 
gossen werden,  daz  er  vergisset,  obe  er  ein  tistel  oder  ein  rose  ist. 
L  Nn,  ir  geminneten  kint,  laut  üch  fiwers  üdens,  üwer  arbeit 
pb  verdriesBen!  Habent  uf,  habent  uf  üwer  hertze  in  den  Bch6nen, 
^■Untnerlicben,  iemer  werenden  mcien,  der  üch  bereit  ist  in  dem  ab- 
grtnde  der  götlichen  klarheitl  Lögent  an  die  schönen  roten  rosen 
ind  au  die  wissen  lylien,  die  disen  langen  trurigen  winter  also  ge- 
initklich  geleitet  heint,  bis  daz  sü  daz  aummerlicbe  zit  bringe  uf  ir 
Hfinen  natürlichen  blügende  art,  und  merkent,  daz  diacn  nrdrutz 
R  Tertriben  mit  besser  ist.  denne  stellen  nach  dem  süssen  meigen- 
™we  der  götlichcn  gnaden  in  emziger  gegenwürtikeit ;  wan  awaz 
fc  sunne  verselwet,  daz  bringet  daz  tow  kreftkücb  wider.  Doch 
■Dugent  ir  zQ  allen   ziten   nüt  hier  inue  stan,   dar  umbe  sont  ir  nüt 

■     4  aelbea  fihü  ghUtsHI  5  anbiicke«  nU  die  f«M(  hcdmN^nV 

Rüben  fMl  dg  10  mjoneklieh  cAintia^  daz   daz  s  11  gefr.  mag 

Vch  getr.  [mag]  s  12  kiat,  ach  mitmic1i(!hen  kmd  dmN  aendent  nreimal  bi 
13  gar]  war  tili  13  f.  verBwindeot  :  14  ellü  fehlt  hRas'  ü  19  ein  ÜBtel  si 
oder  ein  r.  [ist]  »du  21  Habent  —  23  klarheit  fetdl  g  habent  uf  ein- 

\  hnRt'Oc        dem    6»'  24  nnd  —  lylieu  fehll  g  25  ir)  ilio   iiiJV'*' 

irl.  fehlt   dmN      27  ist  not  besser  bhmNUst^lT      26  gnad  gU       in 
[.  fthlt  pmN         eintziger  hs:         29  der  tow  bcdmifn»»'  ü        30  nit 
iDne  gn  dar  innett  nit  i£s' 


434  Grosses  ßriefbuch.    X.  Brief. 

verzwifeln,  wann  also  sprichet  ein  meister  von  minnen  Ovidius: 
nee  violae  semper,  nee  Ulla  Candida  florent,  daz  sprichet, 
daz  die  viol  noch  die  schönen  lylien  nüt  zu  allen  ziten  blugent,  —  eht 
dis  geistlich  blügen  dicke  in  üch  beschiht,  bis  daz  ir  noch  uaher 
QS  gedringent  us  uwerme  natürlichem  vvesen.  Und  waz  üch  na  5 
jerlich  ist,  als  sant  Bernhart  sprichet,  daz  wirt  üch  denne  tegelich 
und  stündlich. 


X.  Brief. 

Revertere,  revertere  Snnamitis,  revertere,  revertere,  ut 

intueamnr  tel  10 

üise   minnekliche   wort  stant  geschriben   an  der  minne  buch. 

Der  durch  die  öden  wüste  und  durch  den  wilden  walt  eines 
anegevangen  gütlichen  lebens  begcrt  uf  die  schonen  beide  eines  ge- 
blümeten  volkomen  lebens  zft  komene,  dem  begegent  manigü  wildü 
Strasse  in  der  vinstri  des  waldes  und  raanig  enger  unbekanter  weg,  I5 
da  er  dur  bramen  und  dorne  sich  streiflFen  mfis;  da  istetwie  maniger 
tiefer  grabe  und  kleine  stige,  da  er  mit  zittrendem  hertzen  über  mos. 


1  vou  dem  j^otlicheu  minnen  [Ovidius]  y  2  fiola  dmN  3  schoneD 
fehlt  (/hRs^  eht   hin   Schluits  fehlt  g  5    üwerme  fehlt  e  6  jerlich] 

erlich  (!)  .s*    selczen  mX  7  Amen   na^  Zusatz  {rot):  hilflf  reine  maiia - 

X,  Jiriif  7/ .s.v.:  b  c  d  y  h  m  X  n  li  s  U  z.  In  d  steht  nur  ein  klHntr 
2  eil  den  Anfanyes  und  Schlus^aeSj  in  g  fehlt  der  Schltufs:  in  n  treicht  der  W 
6-tar/^  ah  und  int  teilweise  umycstdlt, 

9  ut  fehlt  ds  12  öden]  toten  dmX  wiisten  yhRszc  13  gütlichen  9 
heg-.  —  14  lebens  fehlt  hü  beiden  bghBsU  15  enger  fehlt  hmXRU  16  dar 
die  bramen  z  und  durch  dorne  gU  s.  durchstreifFen  bdhnRs  nachvA^ 
Zusatz:  untz  er  ze  wege  kunt  zg  bis  er  wider  kumpt  an  den  rechten  pftt « 
17  Stege  gnz  steg  cmX  überstig  b  bricklin  /*         überstigen  mus  b 

1   OridiuSj  Ars  amatnria  II,  116  f.    (Ovidii  carmina  ed,  Biese  I  fiS^lJ, 
16:j):  ntc  violae  snnperve  hya<iinthina  lilia  florent^  et  riget  amissa  spina  rdi^ 
rosa,    über  die  Kenntnis  Ovids im  Mittelalter  rgl,  K,  BaHschy  Albrecht  v<m  HaXMr- 
Stadt   lti6L    KinUitung   I—CXXVII:   über   die   ars  amaU  ebd.  XXXVII  f 
6    V^gl.  sermo  2  in  Purif  w.  3.  9  f.    Hohel  6,12,    Vgl.  Bdew  2Slfi^ 

17  stige  =  sticj  stig,  Vusssteigj  oder  wahrscheinlicher  (vgl,  die  Varianten!) 
=  stigel,  Vorrichtung  zum  übersteigen  eines  Zaunes  oder  einer  Hecke,  wie  nod 
Jetzt  in  der  6'chweiz  und  im  Allgäu  iddich  (vgl.  Schmeller  IP,743 ;  Martin  u.Lien- 
hartf  Eis  ff  SS.  Wörterbuch  11^579  f). 


Grosse«  BriefbiicL.    X.  Brief. 


435 


BZ  ist  der  weg  mauigv^altigen  unbekanten  lidens,  in  dem  er 
rten  mÜ8  versuchet  werden.  Mao  h6ret  etwa  daz  süsse  ge- 
ler totbringenden  wilden  Sirenen,  vor  dem  man  die  oren 
in  mos.  So  man  hin  in  has  kunt,  so  hegegent  fro  Venus 
losen  blicken,  mit  den  fürinen  eh'alen;  sft  hat  houi^  in  dem 
nnd  git't  in  dem  hertzen.  Und  dis  hat  manigen  zieren  helt 
gemaebet.  Da  sitzet  fro  Seide  mit  iiem  glüktrnd  und  zöfiet 
}1  geziert  Oberteil  des  rades,  aber  den  nrnhawaock  hat  sü 
irborgen. 

lines  tiefen  wages  han  ich  da  war  genomen,  da  manig  etoltze 
nach  hitzigem  emste  eich  hat  nider  gelan  und  da  erweichet 
mehtig  worden  ist,  und  daz  ist  läwes  leben  nach  eime  hitzigen 
;.  Und  usser  dem  selben  vonker  wider  in  einen  kreftigen 
raffet  der  gemabcl  einer  sele  neiswie  dick  nnd  spricbet: 
irtere,  revertere,  ker  wider,  ker  wider,  Sunamitis  —  daz 
ein  verschenit  bertz,  —  ker  wider,  daz  wir  dich  an  gesehen : 
tter  mit  sime  gewatte,  der  dir  alle  dine  unmugentbeit  beueme, 


das]  da  t  des  Bimigv.  gmiS' 

mXn        3  wilden  /Ml  hnKli 
Igen  b        4  man  denn  h.  in  ffhU 
Dsen  (  ploHzeu  A  schSnea  miV 

7  iiem  /Mt  ss      6  hut  [eü|  s 
—  12  hitzigen  ßUlt  U  12  [ui 


unbek.  feftil  hU  2  eluan  UU 

lerenen  «        dem]  der  >•  den  i/mXU 
begeg,  iine  6       5  inue  1.  blicke  6 
und  mit  ys  färinen]   unreinen  b 

e  fehlt  hU       10  wege»  ÄmA'B 
ind]  unmehtig  »c  unnieht«klich  ah 

13  wider  fdai  bchmNlUÜ  U  neisn-ie]  ich  enweis  wie  6 

!e  «  etwe  hmNR  16  veramehet  bemNU  vereelient  h»  versennet  R 

n  gmURU      n  benymt  » 

)  Sirenen  (Sor.  38:  syrtnae),  mj/lhischt  Ztcitttrgttchöpf»  itcischeit  Mensch 
llc  tait  «inem  Küieluchtrans.  Vgl.  Lauchei-t,  PkyHologiu  18,  143,  314; 
)trg.  Buch  der  Natur  SJOfi'ff.  (nirenr  =  tnenra'pl;  Sauer,  Aymbolill  dt» 
ifftMudet  1902,  31if.  4f.  Venas  ist  eine  der  meHiffen  im  deutaeh*» 

Üer  eingebürgerten  mythotogischen  l-'ignfen,  bei  dm  Minnenangem  ^  wo« 
Kttehe  tnit  Bogen  und  Pfeilen  (stralen)  aitxgriitattet  irgchHiil  und  von  der 
^ttTf  io  dargtutfül  wurde:  rgl.  Bartsch  a.  a.  0.  LI  ff.  u.  LXIIJf..- 
Hd,  Lamprvüht  von  Rtgentbanj  533.  Kl  Bfb  374,30/.  i«l  Vtnug  dagegen 
wpieifrin  beim  gommerlichtn  Tarne  gedacht.  Zu  loaen  blicke  vgl.  ITMand, 
'tder  11,707:  iek  ee  rt  an  jewen  ogtii  irnl,  gi  (Frau  Venae)  «int  «im 
me.  6  derer  helt,  Mußg  gebrauchte  Formel  bei  Dichtern  des  13.  Jahr- 

U,  egl.  dit  Belege  bH  Lexer  III,  1106.  7  fro  Seide,  Pfraonißkalion 

tektt,  betv.  de»  Schiekeah  (=  Fortuna,  vgl.  oben  364,36  Qltki),  mü  dem 
Ufonctm  Rad  ah  Attribut  (da»  aber  434,17  tro  Venu»  huigelegt  tnrd.'), 
m  tm  13.  Jahrhundert  vorkommmd:  vgl.  J.  Grimm,  Deutgehe  Mythologie 
i64),82aff.;    Germania   VIII.414ff.;  Semt,    Vita  133^). 


436  QroBses  Brief  buch.    X.  Brief. 

der  8fin  mit  siner  wiszheit,  der  dich  bewise  sinen  aller  liebsten 
willen^  der  heilige  geist,  daz  er  dich  inbrünstlich  wider  enz6nde  als 
ie  von  erst.** 

Min  kint,  wie  daz  si^  daz  lützel  ieman  ist,   er  kam  etwenn  in 
läwekeit  einest  färbas  denne  andrest,  doch  so  mäs  sich  ein  mensch  i 
reht  da  zä  flissen,  so  er  da  zft  komet,  daz  er  eine  frige  ernüwerunge 
imc  selber  an  gewinne,  als  der  fenix  in  dem  fdre,   also  der  hirtz 
und  der  wis   slang,   dero   einem  die  hom,   dem  andern   die  hut  zä 
dick  wirt,  und  sich  denn  mit  gezwnngenheit  emüwrent.     Der  berg 
ist  hoch   und   der  weg  schlipfrig,   es  enmag  mit  eiuem  just  nüt  er-  lo 
gäbet  werden,  es  heisset  aber  und  aber,  untz  daz  es  ervohten  wirt. 
Es  ist  ein   weiche  ritter,  der  von  kraft  des  heres  einest  binder  sieb 
gewichet,  der  dar  umbe  aber  nüt  kecklich  hin  wider  tringet.    Uüd 
erscbricke  hier  abe   nüt,   wan   dis  streiten   ist  guter  lüten  eigen  in 
disem  eilende.     Begerstu  aber  zfi  wissende,  wie  der  emüwerung  j?oI  15 
sin,  daz  wil  ich  dir  sagen. 

Ich  weis  einen  brediger,  so  der  von  maniger  starken  welleD 
was  hinder  sich  getriben  und  nach  sime  duncke  gentzlich  entsetzet 
was  an  rehtem  ernst  und  an  hertzklichem  andaht,  so  gieng  er  io 
sich  selber  und  sprach:  „eya  got,  wie  ist  es  mir  ergangen,  wie  bin 20 
ich  so  rehte  unwissenklich  her  «be  geslichen!  Wol  reht  her  friiichen. 
und  werben  umb  ein  nüwes  gflt,  daz  alte  ist  gar  da  hin!"  Und 
vieng  denne  wider  an,  ime  selber  abe  zft  brechenne,  den  lip  zö 
kestigenne,  den  lüten  zu  frömdenne,  ernestlich  zu  gebarenne,  sieb 
selber  zö  hutenne,  nüwes  gebet  zu  erdenkenne,  nüwe  Übung  i^'^ 
vindenne  und  alle  wege,  da  er  vor  slichen  was,  zfi  versetzenne,  und 


1  aller  fehlt  hcghJRa  ü  2  daz  er]  der  b  inbrönsteklich  bg  vider 
fehlt  Uz  4  si]  ist  gn  U  5  denne  daz  ander  nRs  6  so  —  komet  ftUi  9 
8  deroj  so  der  s  so  dorn  c  do  [der]  6  9  [denn]  nüt  s  emüwert  hchmlst^ 

10  schlipfrit  *•         just]  wünsch  hü  11    aber  und  aber  und  aber  hgmny'sÜ 

daz  fehlt  hhnlisU  12  von  der  kraft  bchmXBsU  13  nüt  aber  gz  U^^' 
schricket  ghmXnlxsU  dar  ab  ghmNB,  bloss  abe  sU  das  str.  hm  15  di^ 
em.  cmNsU  19  hertzklicher  mNns  21  [her  abe]  ersuchen  b  26  ^^f 
yerslichen  bchRU        versetz.]  versüssende  b  verzünen  U 

4  bis  Schluss  ausziUjlich  in  Brief  Habitabit  des  KlBfb  (365,U-3e6fii' 
7  J)er  Phönix  war  im  Mittelalter  beliebtes  ^'iniibild  der  Auferstehung  ^ 
der  Unsterblichkeit  der  Seele^  vgl.  Laucher t,  Physiologus  10  ff.  u.  ö,;  Ko*rd 
von  Megenberg  ISÖf,:  Hugo  von  Langenstein,  Martina  87^36 — 88,67  C«.  dai* 
Germania  VIII,  26  ff.) ;  F,  Scholl,  Vom  Vogel  Fh.  1890.  8  f.  Über  di e  We«- 
heiten  der  Schlange  vgl.  Physiologus  15 f. y  174:  Mariina  löß4 — 47^. 


öTosses  Briefbnch.    XL  Brief.  437 

treip  daz  naht  ond  tag.  nntze  er  in  dem  götlicfaeD  enist  und  hertzk- 
licben  andaht  wider  erhitzet,  uod  daz  nachgendc  dicke  vil  besser 
wart,  denne  daz  vorgende  ie  wurde,  üiid  begiöp  denue  den  alten 
mengchen  in  sime  bertzen,  rebt  als  ob  er  nie  wurdi,  und  vant  denne 

5  manigen  weg  sieb  zft  hiatent,  da?,  er  vor  nie  gedahte,  and  wart 
also  ie  wiser  nnd  ie  wiser.  Und  m  er  aber  her  abe  kam,  so  vieng 
er  aber  an  als  ie  von  erst.  Also  naag  ime  nnzallicli  dicke  be- 
sehefaen  sin. 

Sieb,  kint  mins,  daz  leret  in  die  ewigen   wissbeit  durch  saut 

luBernhardes  muut,  der  spricbet,  daz  dis  ist  daz  eiuige  pünctü, 
daz  da  scheidet  die  nserwelten  von  dien  not  neserwelten,  daz  die 
abegezelteu  blibent  ligeude,  do  die  usserwelten  iemer  me  dar  wider 
uf  kerent,  wan  ein  alweut  stillestan  mag  nieoian  in  zit  han. 


XI.  Brief. 
Andl,  Ali  ml,  discipliaani  patris  tnil 

Also  spriehet  die  ewige  wiszheit:  h&rent,  mine  lieben  kint, 
mit  kurtzen  woi-ten  die  getrüwen  maunng  üwers  vattera,  und  schribent 
*6  in  den  gmnt  üwers  hertzen! 

Begerent  ir  luterkeit,  gottes  beimelichi  und  warer  volkomen- 
1  80  heit,  so  Bont  ir  wenig  ussera  gewerbea  mit  keinem  kumber  haben. 
Eine  sele,   e  sü  in  got  gefestnet  werde,   mag   als  reht  liht  verierret 

1  tag  n.  naht  hn  den  bcs  3  Und  bis  Sehitun  fehll  g  4  ob 

\  fdHt  bmlfnU  6  und  ie  wiaer  fthll  öiiuV  Vai  —  7  erat  fehlt  /iHsU 

[  9  lefte  li        10  ein  einiges  p.  hHU        11  gesoheidet  lud        daz  —  12  usserw, 
I   Mit  bhR        la  enmag  e        habeu  s 

XI.   Brief.     H»h.:     h  e  d  g  h  m  X  »  IC  s  x^  U  t.     In    gn:  fthlt   die 
I   «riw  HSlfU  ivon  43b.l9  an). 

16  lieben  ftldt  bdg         17  mainung  a'  U        19  und  fehAi  bg        20  iMBtra] 
'S  6        kleinem  6        21  gef-  wirt  mNRd        reht  fehll : 

3  f.   Vgl.  Kph.  4,32 ff.:  Kot.  3,9.    Kl  Bfb  (365,30 f.)  dfulUcher:  mit  be- 
I  tnlitunge  nines  herzen  so  begrub  er  ite.  9f.  De  gratia  rt  libtro  arbÜHo  c.8; 

I  tmo  1  in  Sept.  rt.  1.  15  Spriehw.  1,8.  16  —  436,9  überBehen   hat 

~t.  Mtrsirin  leicht  überarbfilet  in  xeintn  Traktat  oon  den  drti  Burehbrüchett 
Bf/imdt,  JUxtaire  du  panthiHmne  pnptüairt  1875,  239,4—3*)  aufgenommen;  rgl. 
ijÜMif/*»  in  Zfda  31,ll8f..-  Siraueh  in  Zfdph  S4fi3ö.  21   bis  Schlaf»  enl- 

W  tprieht   einem  Teil   rftw  Briefes  Hahitabit   im  Kl  Bfb  (36ß,7  bis  ScfUms.    Inls 
WfitkAret,  teil»  vermehrt). 


438  Grosses  Brief  buch.    XI.  Brief. 

werden.  Ich  han  nach  miner  wise  vil  gestudieret  und  vinde  nüt 
nehers,  denne  daz  sich  ein  mensche  wislich  und  ordenlich  allcD 
dingen,  als  verre  er  mag,  entsage,  und  in  sich  selber  einen  weg 
mache  und  in  ime  selber  blibe,  —  wan  er  treit  hertzenvride  feile, 
der  sich  vil  ane  grosse  notdurft  usserkeit  git,  —  und  daz  sich  ein  5 
mensch  hertzklich  mit  got  zu  allen  ziten  vereine.  Und  dar  zu  höret 
stille  swigen  und  hoch  betrahten,  wenig  wort  und  vil  strenger  werk, 
swaz  got  einem  menschen  zu  liden  git  frölich  enpfahen  und  aller 
menschen  gebresten  gedultklich  übersehen,  sich  von  allen  dingen 
ziehen,  nieman  yil  gelosen,  siner  sinne  hüten,  16tzel  zites  und  werte  10 
ieman  geben,  niemans  uf  ertrich  denne  sin  selbes  war  nemen,  sich 
selber  nnder  got  und  under  alle  menschen  verdrucken,  von  allen 
menschen  wol  sprechen  und  sich  selber  vernihten,  gotte  frolich 
dienen  und  allen  menschen  ein  gut  bilde  vortragen,  sinen  orden 
strenklich  halten,  sich  vor  dem  minsten  als  vor  dem  meisten  hüten,  15 
guten  luten  heimlich  sin,  heilig  gebet,  andehtig  betrahtung,  himei* 
scher  wort  voll  sin,  zu  allen  ziten  rehten  ernst  haben,  zu  allen  standen 
nuwes  lichtes  oder  trostes  warten. 

Ach,  min  lieben  kint,  und  als  ich  üch  5ch  nu  bat  und  lerte,  do 
ich  bi  üch  was,  daz  sont  ir  tun,  und  sont  uwer  hertz  von  allen  zer-  ^ 
genglichen  dingen  brechen  und  sont  es  uf  zu  gotte  rihten.   Lftgent,  wie 
gar  alles  daz  ein  nüt  ist,  daz  in  zit  ist !     Lfigent,  wie  es  trüget  und 
lüget  und  lat,  so  man  es  wenet  haben!     Und  dar  umb,  so  sendent 
uwer  hertzc  uf  zu  dem  iemer  werenden  ewigen  gut,  daz  da  niemer    1 
zergat,  so  gewinnent  ir  hie  ein  rüwiges  hertz   und   d6rt   den  iemer  25  j 
werenden  Ion. 

Legent  uwers  hertzen  minne  an  in  alleine,  der  do  alleine  daz 
gemint  hertzentrut  ist,  des  minne  do  alleine  die  sele  edelt,  wann  alk 
ander   minner  sint  ir  edele  berSber.     Ach,  gedenkent,  wie  die  ge- 


1  han  —  uüd  fehlt  g         2  f.  in  allen  d.  &  C/"         3  als  er  verrest 
[in]  sich  s.  cd      4  [in]  ime  «»*       5  zu  usserk.  mNU      6  vereine  zfi  a.£.^^'* 
7  betrahtung  cdJunNnlis^      8  und  —  9  übers,  fehlt  h      10  losen  hss^      12  [under) 
got  dh      und  [under]  hdhmNltss^U       14 f.  sinen  —  halten /eÄ/*  bcdhmNBs^^ 
16  den  .  .  .  den  dh^  19  Ach  —  20  tun  fehlt  *»  och  fehlt  dB        21  e«l 

üch  b      Läff.  —  22  zit  ist  fehlt  Rs"^      22  f.  und  lüg.  u.  lat  fMt  ch      24  hertzen 
dhHss^  ewigen  fehlt  hEss^         25  geruwiges  ss^hBc         28  do  fehlt  ctn^^ 

29  berobet  btuN 

12  sich  under  got  und  under  alle  menschen  Terdrucken,   vgl,  Marg,  Eh^ 
20,10  M.  die  ^'teilen  atis  Taulvr  bei  Denijie,  Bvga  XXXIII, 


GroaaeH  BriefbuoL.    Xn.  Brief. 


439 


I  minnerin,  die  liebe  saut  Angnese  in  so  zartlicli  tninnet  uad 

I  speheD  valscheo   minner  vernihtet!     LÖgent,   hettent  ir  nu  daz 

II  alle  uwer  tage  getan,  wie  i'ro  ir  nu  werent!  Waz  nu  geschehen 
I  daz  igt  do  hin.  Flissent  üch  nu,  daz  ir  üch  von  allen  menschen 
ieident,  seleklicben  haltent  und  mit  gotte  in  tiwerm  hertzen  zu 
DD  ziten  nml)  gangent,  wanne  hie  mit  so  mögent  ir  daz  verlorne 
Verbringen  und  nuwen  hört  von  gotte  erwerben. 

[ 

f  xn.  Brief. 

^a  snm,  sed  formosa,  flliae  Jerusalem,  ^Icnt  tabernacula 
Cedar,  stcut  pellis  Haloniouls. 

Also  etat  geeebriben  an  der  minne  bfich  von  der  minuenden  stle. 

Die  töbtren  von  Jerusalem  batent  ein  angaffen  mit  einem  wnnder 
r  Salomonis  usgerwelten  frowen,  daz  sü  so  swartz  was  und  ime 
äi  wol  nnder  vierzig  und  hundert  frowen  die  liebste  was. 
t  antwürt  sü  in  togenlich  und  sprichet  also :  „Nigra  sum 
■„  ich  bin  swartz  und  bin  aber  doch  lütselig  und  minneklich", 
K  als  ob  sü  spreche:  „mir  ist  lieber  ein  gnadrich  lütseligü  swertzi, 
li)  ein  schin  einer  gnadlosen  wis^i." 

Ach,  nu  hörent,  ir  schönen  tShtreu,  vvaz  meinet  der  heilige  gciat 
I  inne?  Wer  ist  disü  swartzü  liitseligü  mörin,  die  dem  hiraelscben 
bmoD  so  reht  minneklich  istV  Sefacnt,  daz  ist  ein  gotÜdeuder 
Bche,    den   die  ewige   sunue  mit  grossem  bitterlichem  liden  enl- 

i  und  mit  eime  lebenden  sterbenne  diser  weite  entstellet,   und 


lAngoeaelKatherinaf'      Söch/etiltbdhlls'L'     4  ir  [üch]  0      TÄineaf 

X21.  Brief.  (=  A'J  B/b  III).  Hss..-  b  e  d  ■/  'j'  h  n  U  s  i  h. 
ün  granser  Teil  da  Bnefta  '(44IJ.2— 441,17  «  UI,Jä  bu  Sehhmi),  it 
inceimal  (Bl.  68''  u.  16G')  ahgtsehnthen :  die  innanttn  der  su^ttn,  i 
Mndrpen  Abachnft  (hia  443ß  reichend)  irfrdm  toit  b*  beteichnit 


_  filiae  —  10  Salom.  fthll  gn 
ig  U.  b.  frowen)  sibenzig  küngiiien  g 
fMt  An  IG  aher  ft/dt  cij'hRss 

)ti  tehöner  achiu  in  einer  gn.  w.  s 

lebte  myitneklich  grevellet  und  i«l 


all  kapheu  t,  [an]  kapfen  e»  14 
15  gar  tngenl    xU  sprach  bdhn 

docbj  ila  bl  z  17  oh  feliH  dnnz 

20  dar  inne  lilCs  diai'ij  du  bh 

22  f.  entv.  bat  ijn 


1  f.  Vgl.  Lectio  IV  der  Matutin  vom  31.  Januar  n 
■:  Ltgenda  aurea  ed.  Grä»sr  tl3f.;  Hennann  von 
l  Hohcl  1,4.  14  f.  Hohil.  6,7  f. 


ch  dem  Dominikaner- 


440  Grosse«  Brief  buch.    Xu.  Brief. 

aber  den  inneren  menschen  mit  gnadricher  miuneklicher  lätselikeit 
kleidet.  Wer  uflF  der  hi  meischen  heide  sich  enneijet  hat,  der  ahtet 
n6t  vil  uff  des  zitlichen  meien  wat;  oder  waz  sol  ime  rosenrot, 
vyol,  lylien  und  allerley  varwe  der  blümen,  so  sin  hertz  da  von 
in  keiner  wise  kan  gerüwen?  , 

Min  kint,  min  kint,  war  zu  gibe  ich  dir  schöne  wort,  so  min  ogCD 
Wassers  und  min  hertze  yol  f6res  ist?  Und  daz  machet  daz  lieplieb 
toten,  in  dem  6ns  got  in  diser  weite  vor  vil  andern  menschen  tötet 
Ach,  minneklicher  got,  es  ist  lihte  zu  sprechenne  und  lihte  zu  hören, 
es  tut  aber  als  gar  we  ein  gegenwürtiges  enpfinden.  Kint  mins,  i( 
hat  unser  got  vergessen,  weis  er  uns  nüt  lebent?  Owe,  schöner^ 
zarter,  truter  herre  von  himelrich,  wes  hastu  gedaht  über  uns  ?  Wie 
mag  dine  haut  so  swer  sin,  und  din  hertze  doch  so  rehte  milte  ist! 

Ach,   zarter  herre,   so   daz   manigvaltig  sterben  mins  hertzen 
und  libes  mit  mir  ringet,  so  zämde  ich  gerne  mit  dir;  owe,  so  wider- 15 
stossest  du  es  mit  einem  versüsten  gedanke,  reht  als  ob  du  sprechest: 
y,ich   tun   dir  nüt  zu   zürnen,  ich   tun  dir  zu  minnen.     Lüg  in  die 
schönen  allicheit   der  weite,   lüg  an   daz   schöne  lebent  gemüre  der 
bimelschen  Jerusalem,   wie  die  lühtenden  klugen  stein  der  stat  vor 
geverwet  sint  mit  liden,  die  nu  so  glentzent  sint!    Gedenke  och  ao2l) 
vil  diner  sunder  fründen,  an  den  ich  liden  sparte,  war  zu  die  worden 
sint.     Wie  geschach  aber  der  lieben  sant  Elisabethen?   Paulas 
was  diser  weit  ein  hinwerf,   Job,   Tobias,   David  giengen  daz 
selb  pfat.     Der  heiige  Athanasins    leit,    als  ob   alle  disü  weit 
sinen  tot  gesworen  hetti.     Lüg,  wie  alle  heiigen  eintweder  hertzen Ä 
bli'it,  oder  aber  libes  und  hertzen  heint  gerert!" 

Herre,  dis  stosset  mich  reht  in  mich  selber,  und  so  ich  gerne 
etwenne   einen   ungedultigen    gedank   hetti,   so  erschamen  ich  mich 
berlich  und  gedenke:  „owe,  wer  bin  ich,  daz  du,  geminter  almehtiger 
herre,   mich   gerüchest  dinen  lieben  fründen,   dinen   zarten  heilgen^O 
glichen  ?   Ich  bin  doch  nüt  wirdig,  daz  du  an  mich  armen  verschnlten 

2  sich  nach  Wer  bh*n  3  vil  fehlt  dnz  5  getruwcn  (!)  8        g«r- 

kau  hR  6  dir]  üch  z  dirre  schone  w.  ^  7  so  vol  f.  hh*d  9  und 
[lilite]  hh*hn  10  als  fehlt  8  11  uns]  unser  hh*dhli^  16  versussesten  ^* 
17  Lüg-  —  18  weite  fehlt  8  18  lebent  fehlt  bb*  19  vor  fehlt  bdhEit  T0^ 
h'm  n  21  [an]  den  bcdhBs  22  aber/eÄ/t  lis  23  hinwerflfen  c/ä  hinwerffer  ^ 
hinvart  und  liinwerf  z  David  felüt  b  daz]  den  bn  24  Anastasias  (!)  ^ 
leit  es  als  ob  z  26  aber  fehlt  bb*n^  und  hertzenblüt  bb*c  31  nüt  glich 
noch  wirdi^i:  ^ 

18  ff.  y^fjl.  Apok,  21,10  jf.  22  f.  Zu  Paulus  vgl,  I  Kor.  4,13. 


GroHBe»  Briefbuch.    XU.  Brief.  44] 

meDBcben  gedenkest.  Owe,  Hchöner  berre,  mSbt  ich  aber  din  miiiDe 
nnrl  dine  liebe,  din  zarten  süssen  heimelicbe  erwerben!  Eya,  herre, 
80  tÖde,  80  martcr,  so  vertrag  mir  nut  uff  ertrich!  Sieb,  berre,  wer 
ich  deime  der  zaiiest,  minneklicbest  mensche,  der  uff  allem  ertrich 
fi  k-bet  nach  aller  wirdekeit,  daz  müsse  an  mir  erdorren,  und  flo  daz 
erdonnti,  so  w61ti  ich,  daz  dennoht  tuaent  aiidrü  menaehen  natür 
lichü  Wägende  scbom  ir  jungen  natur  in  minem  bertzen  und  libe 
erdorren  solti." 

Herre,  dis  spriche  ich,  so  ich  bi  mir  selber  bin,  owe,  mer,  bo 

^0  du.    geminter   schöner   herre,   bi   mir  bist.     Herre,   ob   ich   aber  zfl 

uUen   ziten   hier   inne   niht   stan  nach  dem  gegenwärtigen  anblicke. 

ilar  umb  han  ich  dich  doch  nut  verlorn,  —  morgent  und  abent   ist 

*in  gantzer  las.     Herre,    min   verscbultes   leben   oder   aber   din  ge- 

mintes  asserwelen  hat  mich  vor   der  weite   entstellet.     Daz  si,     Sol 

16  ich  daz  klagen?     Kein  ich,   gewerlich!     Herre,   din  kneht  Paulus 

L       sprichet:  „geviele  ich  noch  dien  menschen  wol,  so  wer  ich  nüt  Cristi 

I      knebl."    Herre,  so  ich  sihe  min  antlit  bleichen,  minen  munt  dorren 

L     und   alle   min    natürlichen    lütselikeit   darben,    so   sihe   ich   uß'  und 

spriche  also:   „Sicut  peius  Salomonis,  daz  ist  der  usser  metisch 

dee  gemiuten  zartf^n  Salomonis,  der  da  an  dem  kn'itze  erdarbet  und 

erdorret,   daz   er   einem  menschen   nnglich    wart.     Der  tret  her  für. 

der  sich  im  an  jemerlicher  verworffenheit  muge  geliehen!     Herre, 

icb  tmcke  min  antlit  an  daz  dine,  so  ist  es  als  gar  ungelich;  alles 

niin  liden,  versmeht,  entstellung,  ersterben,  verworffenheit  verswindet 

*ls  ein  trSpfli  in  dem  nier.    Du  sprichest  doch:  Ego  sum  vermis 

6t  Bon  homo.     Owe,  du  schöner  wurm,  versmehet  von  aller  diser 

'reite,   der   da  nn  iühtet   ob   der  sannen  glantz,  der  dich  dicke  vor 

liö  liat,  wie  mag  der  iht  klagen? 

, Herre,  ich  weis,  du  minnest  din  glich,  daz  ist  dir  natfirlich. 
"crre,  nu  enweis  ich,   waz  himelrieh  ist  denne  dine  minne.     Dar 


3  töde]  liin  s        6  f ,  uutfirl.l  marterlicliö  <        7  in  ir  j.  a.  lU        8  solti 
"•ch  nuDem  eignen  enpSndüu  s  9  mer]  mit  hh'h  10  achonet  fehle  £ 

*1  dar  inue  hl!  12  raorfrens  und  abens  »  17  anllit]  nwze  g  19  iiss- 
»►iHÜte  «  -21)  starten  fe/tll  dy  21  Dor  —  2B  mer  fehlt  ff  23  ab]  nlleB  i 
'W  als  6  21  Teralelliinge  hlt  25   doth]  ouch  »y,  fthll  dn  30   [en] 

*tä»  dknn 

4ff.    Vgl  BdtiP  S73,16ß.  II   Kl  Bfl,  36b,li  dtallicher:  nit  iflich  er- 

Ueolicfae;  vgl.  Gr  Bfb  433.30.  15  f.   Gat.  1,10.  l!l  Höhet.  1.4. 

26  f.  Pt.  31,7.  29    Vgl.  Kl  llfh  363,S. 


442  Grosses  Briefbuch.    XII.  Brief. 

umbe  so  mache  mich  dir  glich,  es  si  sur  oder  süss,  es  sie  mir  li^f 
oder  leit.  Herre,  min  zarter  truter  herre;  bin  ich  von  der  weite  bin 
geworffen,  so  bin  ich  aber  von  dir  enpfangen,  wie  we  mir  denne 
geschiht ;  bin  ich  der  weite  versmehet,  so  bin  ich  aber  dir  minnek- 
lich.  Wel  ein  wehsei  joch  daz  ist!  Gistu  mir  liden,  so  gistu  mir  ^ 
aber  dar  umbe  dine  minne.  Owe,  miunekliches  liden,  daz  mir  die 
zarte  minne  mins  geminneten  herren  mag  bringen!  Under  daz  80 
wil  ich  mich  iemer  mit  frölichem  mute  neigen." 

Min  kint,  du  gedenkest  vil  lihte,  wanne  dich  got  als  vast  hat 
an  gegriflfen,  war  umb  ich  mich  dir  gliche?  Des  soltu  nut  ge- li 
denken.  Liden  sint  der  nature:  so  sü  ie  verborgener  sint,  so  süie 
schnidender  sint;  ieder  mensche  ist  ime  selber  der  nehste.  Dis 
spriche  ich  dar  umb  nüt,  daz  ich  ie  ut  gotte  genemes  liden  habe  ge- 
habet, wan  sol  mir  üt  gutes  von  gotte  widervarn,  daz  mfts  von  der 
grossen  erbermde  sines  lidens  geschehen.  Doch  die  selben  liden  sint  Ji 
mir  dicke  so  nahe  gedrungen,  so  ich  sach  veltsiechA  menschen  oder 
meniger  leyge  in  grosser  versmehte  und  krankheit,  daz  ich  gedahte: 
„owe,  herre,  wie  ist  dem  menschen  so  wol  wider  mir!** 

Dich  duncket,  dast  din  liden  grosz  si.   Ich  spriche:  gewerlicb, 
imd  wer  es  gottes  wille  und  solt  ich  vor  mir  han,  daz  ich  faan  er-  91 
litten,  oder  din  liden:    lüge,  wie  einer  nalden  spitz  si   gegen  einer 
stnnge,   also  lihte    wer  mir  daz  din   für  disü.     Und  wie  sü  mich 
grosz   duhten,   so  hab   ich    es  doch  da  für,  daz  ein  einiger  ta«:,  in 
dem   du  es  willeklich   und  frölich  lidest,   got  lobelicher  si  und  ge- 
nemer,  denne  waz  ich  gelitten  han.     Doch  solt  ich  dir  hie  vou  nüt 
han  geschriben,  wan  daz  mich  die  götliche  minne  dar  zu  zwinget, 
daz  ich  min  ahsel  büte  under  dine  bürde,  daz  sü  dir  dester  lidiger 
werde. 

Kint  mins,  gehaben  uns  wol!  Wir  sint  nüt  allein  die  ver- 
smehten,  der  mer  teil  des  himelschen  hoves  sint  da  unser  gesellen 
Sint  wir  den  lüten  unnütz:  daz  widin  holtz  ist  unfruhtber,  man 
machet  aber  gar  schöne  lütseligü  bilde  dar  us,  dien  me  eren  vrirt 
erbotten,  denne  den  hohen  zederbomen.     Nemen   unser  glichen  ber 

4  versmelit«  nz  5  welj  wol  hb*  7  zarte  fMi  z  herren]  hertzen  W 
9  du  fehlt  z  hat  also  vaste  hs  10  nüt]  mir  6,  fthlt  hÜ  11  iemer  verb.  5 
13  gotte  fehU  dJisz  lidens  z  16  vil  sieche  menschen  (!)  b  18  so  rehw 
wol  bd  21  uolen  s  si]  ist  ?*,  fehlt  s  22  daz  fehlt  s         23  duhte  i 

24  ^ewüleklich  hds  24  f.  genemer]  gemeiner  z  26  twang  b  27  lihter 
shn  It  29  wir  uns  b  sint]  sten  hl{  31  vndin]  vnld  g^hB  32erc  Aw 
33  glich  nüs 


Grosses  Briefbach.    Xu.  Brief.  44S 

^^  und  erkosen  uns,  lassen  uns  reht  wol  sin!     So  arme  dürftigen^ 
die  in  hungersnot  sint,  zfi  samen  koment,    so   gewinnent  sü  etwenn 

;      ein  kortzewile;  daz  sü  ires  hungers  vergessent. 

Ach,  kint  mins,  ich  mfis  dir  eins  sagen,  daz  du  enklein  dester 
(^  bas  dines  lidens  vergessest,  und  solt  du  es  heimlich  han.  Lüge^ 
es  geschach  eins  moles,  do  was  ich  in  grossem  versmehtem  liden, 
nüt  von  miner  persone^  es  was  von  ander  menschen  person.  Do 
sasz  ich  in  der  zelle  und  sach  einen  hunt,  der  lieff  enmitten  in  dem 
krätzgang  und  tans  da  ein  föstüch   umbe,   und  warf  es  denne  uf 

10  und  warf  es  denne  nider.  Also  ersüfzet  ich  gar  inneklich  und  s|)rach : 
„gewerlich,  herre  von  himelrich,  reht  also  bin  ich  in  der  bröder  munde 
als  daz  fftsstftch.^  Also  gedaht  ich:  „nu  nim  eben  war:  daz  ffis- 
t&ch  lat  sich  handeln  den  hunt,  wie  er  wil,  er  werffe  es  hoch  oder 
aider  oder  er  trette  dar  uff,"  —  gedaht  ich:   „also  soltu  5ch   tun; 

Uman  böte  dich  hoch  oder  nider  oder  man  verspözze  dich,  so  solt 
da  es  in  einer  billichi  uff  nemen  als  daz  tüch,  ob  es  könde  sprechen/' 
Und  nam  daz  fftstfich  und  leite  es  in  min  keppelin  nebent  minen 
8ttd,  da  ich  es  dick  mit  ussern  und  mit  Innern  ögen  an  siehe,  wie 
min  faovertig  hertze  doch  nie  dar  umb  teti,  als  es  billich  s61ti.    Ich 

■0  wolti  dir  es  han  gesendet,  daz  dir  din  liden  dest  lidiger  wer  gesin^ 
80  ist  es  mir  als  rehte  liep,  daz  ich  es  nüt  von  mir  mag  gelan. 

Nu,  min  kint,  hab  dinen  müt,  hend  und  ögen  uff,  und  lobe  den 
£:eminten  vatter  getrülich  und  enpfach  sin  süssen  vetterlichen  schüssel 


2  die  fehlt  hE  4  ein  kleines  bs  ein  wenig  Ec  4  f.  dester  bas  fehlt  8 
^h  (zweites)]  Tnderi^«  durch  c  Otantzetr  tauszeti?  zauset  .9*  denste  n  drfig  h 
^  fehlt  cdh  denne  —  10  es  fehlt  h  11  rvht  fMt  hcdn  bröder]  men- 
^hen  g^hRs  12  nu  fehlt  bdhnR  13  oder]  er  werf  es  b  14  da  ged.  ich  dli 
^It  och  z  solt  ouch  du  6  15  yerspütze  b  verspot  hli  spot  dn  17  kaplin  z 
eapelie  cdg^hR  zelle  n  17  f.  nebent  m.  at^l  fehlt  nz  18  ich  fehlt  b  es  fehlt  s 
19  gedete  s  21  gelan  mag  z  22  hant  dhJifi  23  herren  und  vatter  nz 
^en  vetterL  süssen  slüssel  (!)  s 

6 ff.    Vgl,   Vita  68,6 ff.  dieselbe   Krzfthluny   etwas  gekürzt:   Anspielungen 

^rauf  KlBfb  363y2:i  u.  368,27 ff.:  Gr  Bfh  421,23 f.    Die  Adressatin  des  Briefes 

^igra  sum  ist   allem   nach  Klsbeth  Siagel,   trclche   die  Geschichte   in   die   Vita 

^Hfnahm,  9  tans  von  dinsen,  denstn,  tensen,  gewaltsam  zielten,  schleppen 

(l^exer  /,  438 f).  17  keppelin  ist  hier  Dtmin,  von  kappd  =  kleine  Kapelle, 

^^ht  van   kappe  (Mantel  mit  Kapuze),    vgl.  Schweiztrischts  Idiotikon  III,  382 

(Ohäpptli)  u.  SchmeUer  r,1269.    Über  Seusts  Kapelle  s.  Vita  17,15;  60,1:  103,14. 

19  f.   Über  die  Sitte  der  Gottesfreunde  und -Freundinnen,  einander  Geschenke 

^WMchen,  vgl.  Strauch,  Marg.  Ebner  L XIII f.  23  schüssel.    Das  Leiden 

^f^d  mit  einem  Gerichte  der  himmlischen  Tafel  verglichen. 


444  Grosses  Briefbuch.    XTTT.  Brief. 

fr61ich,  wan  dar  nach  gat  nüt  anders,  denne  sin  minne  und  sin 
heimelichi  in  zit  und  iemer  werende  fr6de  in  iemer  werender  selikeit 
Amen. 

Xm.  Brief. 

Absalon,  All  mi,  Ali  mi  Absalon,  quis  mihi  det,  ut  ego  morUr  5 

pro  te? 

Owe,  kint  mins,  min  bertzliebes  kint,  wer  git  mir,  daz  ich 
für  dich  sterbe?  Wer  git  einem  getrüwen  vatter,  daz  ich  für  min 
liebes  wolgeratens  kint  sterbe?  Stirbe  ich  nit  liplich,  so  stirbe  ich 
aber  geistlich  mit  dem  geminten  kinde  mins  hertzen.  Ach,  min  kint,  10 
ich  bin  liplich  verre  von  dir,  aber  min  hertz  daz  stat  vor  dinem 
bettlin,  da  du  list  in  grosser  krankheit,  und  mit  vollen  ogen  and 
bitteren  trehen  klaget  dich  min  sele,  wan  ellü  minü  inrekeit  ist  be- 
weget in  bitterkeit  von  dime  liden. 

Min  kint,  min  liebes  kint,  büt  mir  din  haut,  und  sie,  dazgotlS 
über  dich  gebiete,  so  bis  veste  an  dem  tode  und  bis  stete  nach  dem 
tode,  wan  wissist  für  war,  daz  ich  dir  nu  erst  rehte  trüwe  wil  er- 
zögen. Die  kint  diser  weite  die  hein  liep,  nutz  es  dar  an  get,  and 
denn  laut  sü.  Also  get  es  uns  nüt:  ich  enpfach  dich  erst  zft  eime 
kinde  und  trag  dich  für  minen  lieben  herren  und  sprich  also:  „ach,  W 
hcrre,  erbarm  dich  über  min  kint,  tö  im  gutlich!  Herre,  gewerlich,  es 
mag  anders  nit  gesin:  herre,  eintweder  verwirflf  mich  mit  miDero 
kinde,  oder  enpfach  aber  min  kint  mit  mir,  und  tu  im  vetterlich 
an  diser  stund,  wan  ich  neig  sü  in  die  tiefen  wunden  diner  grand- 
iosen erbarmhertzikeit,  in  der  sü  von  allem  mittel  gentzlich  gelfilertÄj 
werde." 

1  frolich  feliU  z  3  Amen  fthli  chz         späterer  Zusatz ;    quod  nobis 

concedat  ille  qui  passus  est  pro  nobis  (vgl,  Zftla  21,111)  mN 

XIII.  Brief  (=  Kl  Bfh    VI).    Uss.i    c  d  h  n  R  s  s. 

5  fili  mi  nur  einmal  cz  7  mio  (mins  c)  hertzen  kint  c?tE  [min]  hertsett* 
kint  ils  daz]  da  j?  8  git  mir  dz  einen  sz  9  liebes  und  w.  e  10  ibfl 
doch  z  12  list]  bist  cdJtRs  13  so  klaget  z  sele]  hertz  hR  InnickeitÄÄ 
13  f.  bewegen  z  15  sie]  ist  H  ist  h  ist  es  dn  16  f.  daz  es  got  geb.  übei 
dich  z  16  und  —  17  tode  fehlt  cns  stete]  veste  z  22  sin  ir  duvcr 
wirft*  dhRs  23  ald  du  enpf.  dz  oder  aber  du  e.  hR  aber  —  mir]  mich  iw^ 
minera  kind  nhR        vetterlich]  gütlich  hR        25  der]  dem  * 

5  //  A7;//.  18y33.  7  ft\    Vgl  die  Einleitung  im  Kl  Bfh  (378,221 

IS  dar  an  =  an  das  Sterben, 


Groaaes  Briefbnch.    XIU,  Brief.  445 

Owe,  zartes  min  kitit,  wan  wer  die  etnnd  kotneD,  daz  ich  mit 

dir  8olte  varn!   Owe,  langes  beiten,  wie  tüstii  so  we:    Owe,  ellenrles 

jamertal,  wie  lang  sol  ich  bi  dir  sin!     Eya.  himclsches  lant,    wenn 

wilt  dn  mir  gnade  tünV   Geeacb  licb  got,  die  ietze  da  sint  oder  die 

fi  ietze  ufT  eime  uafaen   wartspil  sint!     Die  Bol  nieman  weinen,  sü  boI 

niemuD  klagen,  wan  klage  denn  yon  jamer,  öeb  bald  dar  ze  komen, 

Owe,  Iflg,  waz  jamers  in  diser  weit  ist,  waz  lidens  und  angst   hie 

ist!     Und  wer  nüt  me  ilenne  ein  emzige  vorhte,  in  der  ein  meuscli 

möss  stan.    und    die  jemerlich    wandelberkeit,   uns   s&lti  da  hin  be- 

10  langen.     Die  weit  igt  also  vol  striken  worden,   daz   er   es   wol  mils 

können,  der  dien  mag  endrinnen.   Nieman  sag  mir  von  lone:  e  daz 

man  ietze  einen  Ion  verdiene,  wan  ist  e  in  zehen  schulden  gevallen. 

Er  bat  lones  Abrig,  owe,  der  daz  minneklicb  zarte  antlit  des  sch&nen 

herren    iemer   schSwen    eol   und   in   der   lieben   gesellschaft  sin  sol. 

laTftt  die  stunde  des  todes  we  und  ist  bitter,   so  mfisz  es  doch  neis- 

wenn    sin.     Oder   wart   ie   kein    mensche   so  zart  oder  so  Lere,  daz 

der  stunde  über  wurdi?    Der  denn  hi'it  unbereit  ist,  der  mag  morne 

vil  unbereiter  sin:  ie  elter,  ie  zeher.     Man  vindet  vil  me,    die   sich 

dar  nach  böaront,  denn  die  sich   bessront.     Ist  sine  gegen  würtikeit 

pC  bitter,  so  macht  er  och  aller  bitterkeit  ein  ende. 

Dar  umb,  zartes  min  kint,   so  riht  din  hertze  und  bend  und 

*      Öfeo  uff  hin  in  daz  lieb  vatterlant  nnd  griisse  es  mit  begirde  dines 

liertzen,  und  welle  es  got,  so  welle  öch  du.    Sich,  er  ist  ein  als  relit 

gfiter  berre:  die  minste  wunde,  die  er  ie  erleit,  versoffti   in  ir  tieffi 

IM*^  und  verawaint  tusent  totsüode  als  eine,  der  es  an  riiwiger  girde  an 

in  kan   gesfichen.     Furcht   dir   nüt,    bis   vest   an  dime   gel6ben,   so 

r       kau  dir  nüt  gescbaden.     Got  der  wil  und  mfis  für  dich  stan  und 

*lk  dine  wanden  enpfahen. 

Min  kint,  nnd  so  dn  für  den  geminten  got  erst  kumest,  so  bit 


1  f.  aÖlt  mit  dir  s  3  lebfn  ut)d  laut  e  4  oder  —  6  sint  ffhll  bH 

*t.  nder  die  joch  ietze  s  6  wao  weine  und  klage  t  7  waz  lid.  —  8  ist  frhU  d 
^  emzige]  eiotzige  x  nngi'  du  9  f.  gekugeu  «  10  also  fthti  i  tl  dieo] 
^tODe  ks  i&  d  12  eines  Ion  ietze  dhHx  ist  [e]  d/iBn  schult  dhSs 

13  tiwe  fehlt  hM  U  der]  dea  *  15C.  etwen  Aiift  lö  here]  edel  hli 

*7  überig  AR  unbereit]  bereit  n  18  je  elter  je  kelter,  je  leiclier  je  karger  n 
>ut  raan  V.  e  iO  öch  wol  i  ein  fehlt  lif  22  girde  d.i  23  uls  ein  s 
^  piil  liertze  a  TerkSfl«  s  besenfit  c  (ibersoffti  t  25  Terswant  n  ver- 

•teendüt  edhli  girde]  liegerden  edn   genad  hH  genadeu  g  26  im  edRa 

»tcheii  dhRs        dir)  dich  cdRs        reht  nAt  s        27  fär  fcUt  s 


1 


I. 


8  Kl  Bfb  3bO,9:  Torht  Ubea  uud  «ele.         19  eine  =  dfo  Tode».         23  e 

CJ-rÜ'us. 


446  Grosses  Briefbuch.    XIV.  Brief. 

für  dineu  getruwen  lieblosen  geistlicben  vatter  und  über  dinü  geist- 
lichü  geswistergit.  Ich  bitt  alles  himelsch  her  und  die  lieben  engel. 
daz  sü  diu  wiser  und  leiter  sien,  und  ob  ich  dem  geminneten  gotte 
ie  keinen  dienst  geteto^  daz  es  dir  ze  statten  kome.     Amen. 


XIV.    Brief.  5 

Exultet  iani  angellca  tnrba  celornm! 

Do  der  liebte  morgensterne  heiterlich  durchbrach  die  leiden 
vinstri  dins  dunckeln  hertzen,  do  wart  er  frölich  gegrüsset.  Ich  hüb 
uf  an  der  lieben  stunde  mit  schalle  eine  frödenriche  stimme,  daz  es 
in  der  hohi  erklang:  „ach,  got  grosse  dich,  praeclara  marisio 
Stella,  got  grusse  dich,  ufgender,  lüchtender,  wunnenklicher,  zarter 
morgensterne,  von  dem  grundelosen  gründe  aller  minnender  hertzen!* 
Ich  reissete  die  gesellen,  daz  sü  schallichen  den  glentzenden  morgen- 
Sternen  grüztin,  owe,  ich  meine  die  süsse  küugin  von  himelrich,  die 
mit  iren  usbrechenden  fürin  blicken  diu  timber  hertze  hat  erlübtet,  i& 
nach  dem  als  ich  an  sü  togenlich  komcn  was.  Min  hoher  mti 
enbot  ein  fries  loben  in  daz  himelsche  laut,  und  bat  die  hellen  Öd- 
länder, die  süssen  lerchen  der  himelschen  beide,  daz  sü  mir  hnlfio 
rümen,  loben  und  prisen  den  herren.  Ich  hüp  uff  min  ogen  mit  eime 
vollen  hertzen  und  sprach  also:  fO 

„Exultet  iam  angelica  turba  celorum!"  Waffen,  got! 
gewan  ich  ie  leit,  daz  verswant  do;  die  guldin  tage  hattent  mich 
unibgeben,  ich  wonde,  ich  swebti  in  dem  meiental  der  himelschen 
fröden!  Ich  sprach:  „fröwent  üch,  ir  werden  engelschar  der 
himelschen  owe,  jubilierent,  springent  und  singent  umb  die  fröliehen 
mcre,  umb  die  lieben  botschaft!  Lögent  alle  mit  wunder:  der  junger 
sfin  ist  wider  komen,  daz  verlorn  tote  kint  ist  funden,  ach,  daz  tote 


1  liebl.  fehlt  s       über]  für  tdhn       2  geswister  dhs       8  und  din  L  f^i* 
4  es]  er  z        Amen  felilt  cz 

XIV.  Brief  (=  Kl  Bfh   V).     Hss.:    c  d  h  n  s  s. 

9  frodenr.]  froliche  h  11  [lucht.]  mynnenklicher  s  zarter /eWf^' 
13  reyszc  zh  15  irem  iiz  blikkende  zd  timber]  tombes  dhs  17  f.  di« 
h.  call.  feJdt  hs  18  süsse  leriche  h^  hulfFe  hs  19  und  loben  s  prisea] 
•eren  z  mit]  iu  s  20  also  fehlt  cdz  22  ie  fehlt  ds  23  ich  w.  —  24  frodea 
fthlt  d      24  eiigelscharen  z       25  umb  —  26  mere  fehlt  cdhs        27  ach  und  i 

6  Anfang  des  bei  der  Weihe  der  Ostericerze  gesungetien  Hymnus, 
7  ff.    Vgl  die  Einleitung  im  Kl  Bfh  (373,8  ff,).  26  f.    Vgl  Luh  UJH-   \ 


Grosses  Briefbuch.    XTV.  Brief.  447 

ep  ist  wider  lebent  worden !  Der  aller  natürlichest  geblümt  anger, 
a  daz  vich  uff  geslagen  was  und  verwüstet  was,  beginnet  in  über- 
aturlicher  Schönheit  wider  schinen,  daz  vich  ist  us  getriben,  die 
chonen  blftmen  beginnent  schon  uff  tringen,  daz  tor  ist  beslossen, 
laz  eigen  ist  üch  wider  worden.  Dar  umb,  ir  himelschü  seitenspil, 
eichent  üch,  macheut  uff  einen  nuwen  reyen,  daz  man  es  innan 
»verde  in  dem  himelscben  hofe,  daz  da  kein  gasse  si,  si  werde  sin 
s'ol!  Fröwent  üch  so  vil  dest  me,  wan  der  minnegötin  fro  Venus 
ist  ir  hertze  ber5bet,  ir  fürnemes  sumerliches  krentzli  ist  ir  ab  ge- 
sprochen, ein  frödeberendes  spil  ist  ir  erstumbet. 

„Eya,  valsche  weit,  eya,  triegendü  zergengiichü  minne,  gang  in 
truren,  tu  diu  h5pt  under!  Wer  wil  dich  nu  prisen?  Mit  wem 
wiliu  es  nu  in  so  hofenlicher  lütselikeit  vorgan?  Diu  gemeiter 
leitetap  ist  dir  under  getan,  er  ist  worden  ein  ansihtiger  götlicher 
leitstap.  Des  fröwen  sich  die  himel  alle  und  alle  götlichü  minnendü 
liertzen  sprechen:  Gloria  tibi,  Domine,  umb  du  grossen  wunder, 
die  du,  harre,  allein  würkest  in  so  manigen  sündigen,  helff losen, 
Terzwifleten  herzen. 

„Ach,  schöner,  gewaltiger  herre,  wie  rehte  schon  und  minneclich 
da  siest  in  allen  dinen  geteten,  so  bistu  doch  aber  neiswie  tusentvalt 
mioDcklicher  and  lobelicher  in  uns  armen  sündigen  menschen,  die 
du  also  gar  un verdienet  gerftchest  zu  begnaden  und  zu  dir  zu 
ziehende.  Herre,  es  gezimt  dir  ob  allen  dinen  werken  als  reht  wol, 
esstat  diner  grossen  güti  also  reht  zimlich.  Owe,  du  minnekliches 
grurideloses  gftt,  da  in  dem  werk  spaltet  der  stählin  berg  diner 
strengen  gerehtikeit,  da  zertüt  sich  uff  wite  din  grundelosü  ver- 
borgnu  erbarmhertzikeit. 

„Tretent  hüt  zft  mir,  ellü  menschen,  die  got  also  minneclich 
begnadet  hat,  und  laut  uns  minnen,  sehowen  und  loben  daz  gut, 
owe,  daz  grundelose  gut  unsers  herren  und  railten  vatters!  Eya, 
geminter  got,  lüge  ein  wunder:  die  hertzen,  die  vor  umbviengen  den 
mist,  herre,  die  minnent  und  umbvahent  dich  hüte  mit  grunde- 
ir  begirde;  die  gester  waren  verkererin,  die  sint  hüte  diner  süssen 


2  der  beginnet  hn  8  froweiit  —  10  erstumbet  fehlt  d  9  hertze] 

hört  8  10  frodebrinnendes  s  11  Eya  v.  weit  fehlt  dlis  11  f.  gang  in 
tmren  fehlt  cdha  14. 15  Hechts tal  «  17  s<im\\gen  fehlt  nsi  20  siest]  sitzest  2 
Deiswie  fehlt  dhn  26  da]  das  s  26  f.  verborgnü]  gottliche  cdhs  29  daz 
?Öt  fehlt  z 

8  f.   Vgl.  oben  435,4, 


448  Grosses  Briefbuch.    XIV.  Brief. 

minne  wise  bredierin.  Herre,  es  ist  ein  wunder  und  ein  Instlich 
ding  zft  hören:  die  vor  von  Zartheit  sieh  selber  kum  getrügen,  die 
brechent  nu  in  selber  ab  und  vindent  nuwe  fünde  grosser  stren^heit 
und  minneklicher  übnnge  in  dime  lobe^  daz  sü  sich  laterlich  mit 
dir  gesünen.  Den  ir  eigen  lip  ze  liep  was,  den  ist  er  worden  ein  i 
frömder  gast;  die  sich  vor  vinlich  uff  mahtent,  wie  sü  der  rainoe 
gelagetin,  die  bergent  sich  nu,  daz  sü  gotte  wol  gevallen;  die  vor 
in  zome  warent  als  die  grimmen  wolfe,  die  sint  nu  an  übersehen 
als  die  swigenden  lembeli.  Owe,  die  da  vor  bwarlich  gelestet  ond 
gebunden  waren  mit  stehelinen  reiffen  in  trurekeit  und  in  swer-  ic 
mütikeit,  owe,  milter  herre,  sich,  die  swingent  sich  nu  frilich  und 
frölich  ob  alles,  daz  ertrich  geleisten  mag,  in  wolgemfiter  friheit,  sü 
iloierent  frilich  gefriet  in  daz  himelsche  vatterland;  sü  wundret,  daz 
sü  ie  so  blint,  so  sinnelos  gegen  der  vinstern  naht  der  valschen 
minne  mohtend  werden.  U 

„Herre,  daz  ich  hie  vor  läss,  daz  han  ich  nu  enpfunden:  so  daz 
liplich  zft  dem  ^geistlichen,  daz  natürlich  ze  dem  ewigen  geratet 
daz  ein  grosser  funk  diner  gnadrichen  minne  dar  us  wirt.  Eya 
ewigü  wissheit,  dis  ist  die  Wandlung  diner  rehten  haut,  zarcü  frow 
von  himelrich,  daz  sint  die  werk  diner  grundlosen  miltekeit!''  M 

Nu  höre  och,  min  kint,  waz  ich  und  du  und  unser  glichen 
gegen  dem  geminten  gotte  tun  sond.  Wir  söllin  hinnan  für  also 
leben,  daz  uns  uieman  got  mage  uff  gehaben;  wir  söllin  tön,  als 
ob  ein  edel  künig  sine  küchidirnen  satte  über  sin  efrowen:  owe, 
wie  dankberlich  die  dirne  den  herren  umbvienge ,  wie  trutlich  sü  tt 
in  minnete,  wie  hertzklich  sü  in  lobete,  und  so  sü  sin  ie  un- 
wirdiger  were,  so  er  ie  wirdeclicher  von  ir  geminnet  wurde!  Wir  ] 
söUint  reht  den  Intern  unschuldigen  gottes  gemahlen  für  bieten. 
Tünt  sü  ime  eins,  so  süln  wir  ime  zwey  tun,  minnent  sü  in  ein- 
valtklicb,  ach,  so  süln  wir  in  tusentvaltklich  minnen.  Lügent,  rebt 
alle  die  wise,  als  wir  hie  vor  in  unsern  tumben  tagen  uns  flissen, 
daz  wir   sunderbar   stünden   in  aller  klükheit,   daz  wir  ellü  hertzeo 


1  lustig  hz  5  versüneii  sc  6  uff  fehlt  s  7  geklageten  *  8  al» 
—  10  stehel.  fehlt  d  grimmen]  üblen  z  8  f.  an  übers,  nach  lembeli  z  9  [di] 
vor  hns  11  swigent  [sich  nu]  z  11  f.  uud  frolich  fehlt  cds  12  aUem  * 
allein  t!  13  florierent  chz  lant  dh  22  gotte  fehlt  z  Wir  —  23  ge- 
haben fehlt  hs  23  och  tun  z  24  sine]  ein  m  satte  —  25  herren  ffhH  - 
25  trureklich  (!)  s  27  von  ir  fvhlt  a  dur  minnet  z  28  vor  bieten  « 
32  sunderberlich  s 

17  f.  Vgl  Denifle,  Bas  geistl.  Leben  468.  19  Vgl,  Ps.  76,11  u.  Bemardia, 

Epist.  109  n.  1. 


i  BrielbuLli.    XIV.  Uihf. 


449 


DD&  zugin,  also  sAllint  wir  nu  naht  und  tag  dar  nach  studieren, 
fwie  wir  ellfi  hertzen  gebeseem  und  got  iisgenomeulich  vor  andern 
Bensoben  wül  gevallent. 

Ach,  killt  mine,  gedenke,  in  dien  toben  tagen  wie  tet  uns  so 
reht  wol,  so  man  uns  sunderlicli  minnete  und  meinde,  des  wir  wanden, 
owe  wie  rebte  wol   uns  wirt,  so  uns   nu  daz  gemint  liep  wirt 
landerlich  minnende  und  meinende! 

Ach,  kint  mins.  gedenke,  wie  rehte  sur  es  erarnet  wirt,  daz 
■  etwenn  von  reliter  vorhte  li'itzcl  kein  kurtzwil  da  von  niohtin  ge- 
laben!  Acb,  dar  nmb  ist  billicfa,  ob  uns  dis  och  etwenne  vil  sur  wirt. 
lüge,  kint  mins,  eines  dings  de?:  beger  ich:  da/,  du  litte,  die  sin 
iftt  enpfunden  hant,  dnz  die  wennent,  daz  es  vil  me  kurtzwile  bringe. 
lenne  es  tilt.  Owe,  kurtzeg  liep  und  langes  leit!  Owe,  got,  wan 
Mttin  BÜ  din  miwen  ein  vil  klein  enpfunden,  wan  bettln  sü  nuwen 
in  vil  klein  an  gebissen!  Gedeucke,  min  kint,  wie  reht  tiSbe  sü 
8Ü  wennent,  daz  nieman  wol  sü,  denne  der  mit  dem  roten 
we  an  dem  kruniben  augel  gelindert  ist.  Ach,  ewigü  wi&zheit, 
ninneklicbes  liep  ob  allem  liebe,  wan  sehin  dich  ellü  solicbü 
hertzen,  als  dich  min  hcrtz  sibt,  su  zerstubi  in  in  ellü  zcrgeng- 
Rcbü  liebi!  Henc,  mich  kim  uiemer  verwuudren,  swie  fröinde  es 
Blir  5eh  hie  vor  was,  daz  kein  grundelos  minnendes  heitze  in  icbt 
denne  in  dir,  tiefte  wäg,  grundeloses  mer,  tieffes  abgründe  aller 
iDioDeklicben  din^e  gelenden  mag,  Herre  min ,  min  schönes  liep, 
War  nmb  z6gestu  dich  inen  nüt?  I-.üge,  ewige  wiszheit,  wie  die 
Falschen  minnerin  tflnd:  swaz  unlütseliges,  ungestaltes  und  gebrest- 
baftcs  an  in  ist,  daz  bergent  sü  genote,  herre,  heint  sü  aber  icht 
Üüplicher  geatifter  ach5ne  oder  lütselikeit ,  daz  bütent  su  her  für. 
Itenn  Mnt  sü  löse  ögenblicke,  denn   rfitent  sü  den  bleichen  munt, 


1  ach  oJho  hg  dar  utt'  s  2  giibesaregint  e  und  —  3  ^vall.  fflilt  il 
Kuens      Gl.  aunderlich  wiit  ^      9  kma  fMi  hns      10  oueh  dis«      etwie  t 

dn  dioK  cdha        19  gi>t  frhU  cilhs        14  Duwenj  uQtwaii  (ziPtimat)  s      ein 

ein  klein  e  ctipf.  —  15  klein  fehll  n  15  vil  ein  klein  z  16  f.  der 
U8  #  IT  den  kr.  a.  chs  18  ob  a.  liebe  frhll  cdhs  19  zeratnbi]  ver- 
lg  tlh         in  in  fehll  s         20  enkau  cds         erwundern  s         21  öch  frhlt  i 

TAlHche  Dl.  tSt  ih      25  f.  and  un^'bresthafleB  *      26  an  [in)  i      begerent  a(i 

I  gen,  t      28  Denn  —  450,.B  vergiengi  fe/ilt  hu       denn  rot.  —  munt  fehtl  cd 

26  Kl  Bfb  (377, n>  schreibt  Stune:  minner,  und  ll>»si  das  Brtail  fZ.äSff.) 

f.  28  f.  .Schon  Berthold  von  Jlcgenshurg  (1,  414,  SuG)  ladrll   die  Sittr 

Sehminktna,  Tioeh  mehr  gpSlere  Prediger^  vgl.  L.  Kotrlmann  .  GetitndUeitt' 
^t  im  MilUlalter,    i-ultiinjcsih.  Studien   muh  Prtdigit»   des  IJ.—15.  Jahrb. 


450  Grosses  Briefbuch.    XIV.  Brief. 

denn  färwent  gü  die  ungestalten  wengel,  denne  süssrent  sä  die 
krumben  wort,  den  bietent  sü  her  für  die  gezwagnen  hende,  und 
were  in  leit,  daz  lebt  an  lieb  were,  daz  liebes  ogen  vergiengi;  und 
so  sü  es  hin  und  her  getribent,  owe,  so  sint  sü  nut  anders  denne 
ein  sak  vol  mistes.  So  gedenk  ich:  owe^  der  dir  nuwan  die  obem  i 
hut  ab  zugi,  wie  sich  denne  die  warheit  in  dir  erzogti,  wd  ein 
nntier  man  an  dir  sehi !  Owe,  aber  du,  gemintes  liep,  ewigü  wisz- 
heit;  du  yerbirgest  din  gemintes  und  zögest  din  leides,  da  z6ge8t 
daz  sure  und  behaltest  daz  süsse.  Owe,  gemintes  zartes  liep,  war 
umbe  tüstu  daz?  K 

Ach,  geniinter  herre,  erlobe  mir,  lasse  mich  sündigen  menschen 
ein  einig  wSrteli  zft  dir  sprechen,  gewerlich,  herre,  ich  enmag  sin 
nüt  cnbern.  Owe,  gemintes  liep,  wanne  hettist  du  mich  liep!  Ach 
herre^  hastu  mich  liep?  WaflFen,  wan  were  ich  din  liep!  Owe, 
wennet  ieman  uff  allem  ertrich,  ob  mich  der  geminte  herre  liep  habe?  il 
Min  sele  einredet  dar  nach,  owe,  min  hertze  rüret  sich  in  mime 
Übe,  so  ich  gedinge  habe,  daz  du  mich  liep  habest.  So  es  mir 
in  minen  müt  kunt,  ach,  so  wirde  ich  so  rehte  frÖlich  gestalt,  alles 
daz  in  mir  ist,  zerflüsset  von  rehten  froden.  Lfige^  herre,  hetti  ich 
Wunsches  gewalt,  so  were  daz  aller  h6hste  und  begirlichest  oodfli 
lüstlicbest,  so  min  hertze  und  sele  erdenken  köndi,  daz  du  mich 
sunderlich  liep  hettist,  ach,  owe,  und  daz  du,  tniter  herre,  ein  sander- 
lich minnekliches  liebsehen  uff  mich  hettist.  Ach,  wie  wol  mir  denn 
were!  Lügent,  ellü  hertzen,  were  daz  nüt  ein  himelrich?  Herre, 
diuü  ogen  sint  lühtender  denne  der  liebten  sunnen  glantz ,  owe,  diu 
süsser  reiner  munt,  dem  der  liepliche  wirt  kunt,  dinü  lieht- 
berenden  wengel,  dinü  schöne  g  est  alt  ob  alles  zitliches  wünscbes 
gewalt!  So  man  dich  ie  bloszlicher  von  aller  materi  enblAsset, 
so  man  dich  ie  minneclicher  in  lutrer  frödenbemder  wnnne  schowet; 
so  man  alle  lütselikeit,  gezierde,  hofelich  gestalt  ie  Interlicher  von 
iedem  menschen  us  gesamnet,  so  man  es  ie  eigenlicher  in  dir,  zarte« 


2  getwagen  n  geweschen  c  3  icht  —  were]  iet  liefliches  an  in  were  c 
ir  lieb  die  wil  icht  bi  in  were  g  5  die]  din  ce  6  in]  an  cd  eo^  ' 
wel]  wie  hs         wel  —  7  sehi  fehlt  d         7  owe  fehlt  hn  9  zartes  gem.  i 

13  owe  —  liep  fehlt  d  14  wan  fehlt  ce  wanne  ha  17  es]  er  nz  18  mime*' 
munt  h  19  rehter  froiden  scdh  21  künden  s  22  ach  and  owe  [und]  ^ 
23  Ach  —  24  were  (erstes)  fehlt  cdhs        26  reiner  fehlt  cdhs 

2  gezwagnen,  Partie.  PraeU  von  twahen^  zwahtn  =  waachtn. 


Üroases  Bricfimuh.     XV.   Hiii;f.  451 

liep,  vindet.  Ltige,  ist  üt  miDnecliclics,  wolgevallendes  an  keinem 
minneklicfaen  menschen,  daz  ni'tt  in  purer  wise  tusent  stnnt  miniiek- 
licber  in  dir,  geiuinteB  liep,  si? 

Nu  echowent,  eilu  hertzen,  sehent  in  an,  acli  genl  in  ögen 
6  miaem  gerainten,  Ifigent:  Talis  eet  dilectuB  meus,  et  ipee 
est  amicus  meua,  filiae  Jerugaleoi,  alsug  minneklich  ge- 
stellet  ist  min  süsses  liep,  und  er  ist  mines  liertzen  trat;  daz  si 
äcb  kant,  ir  tohtien  von  Jerusalem!  Waffen,  zarter  got,  wie  selig 
der  iet,  des  liep  du  bist,  und  dar  an  eweklicli  bestetet  ist! 


W  XV.  Brief. 

Sorge   aquilo  et  veni  anster,  perfla  faortam  meam,   et  flnant 
aroniata  flllasi 

Also   stet   gescliriben  an  der  ininne  bi\ch.     Die  heilig  cristen- 

heit   singet   von   einer   siinderin.    mer  von   einer   g&tlichen   minnerin 

1&  aleo :    Flavit  auster  et  fugavit  aijuilnnein,   qnando  lavit 

cor   Mariae   poenitentis   iraber   gpiritus   sancti   etc. 

m  Nach    dem    als   uns   die   meister   von   natur   schribent,   so   sint 


I  myaneclichere  ksn  wnlgevHllenders  e  3 1.  utianeklicherH  -  4  f.  [neb 
—  hgea]  minen  edhi  B  et  fehlt  dh«  6  f.  gestellet  fehU  h»  7  und  [er] 
iit  och  e  8  iat  der  si  int  fcweite»)  fehlt  m  »ach  iet  Zafägung  (rol) :  luiu 
Ueher  herr  b'^gnäde  z 

X  V.  Brief     Hss.:    b  C  c  d  h  m   N  »  R  a   I'  g. 

II  flaent  bCUr  13  -  16  fd.ll  n  ^(iachriben  fehll  hlUÜ  14  mer 
denue  voll  bC        16  tirabra  hC 

Ö  f.  UoKd.  5,lti.  llf.  Hokel.  4,16.  IM.  Flaoil  awUr  ....  itabtr  tancH 
Spiritu»;  liquefeeil  tt  refecil  solutain  iii  lameniis,  Verbitm  miafuincotiittts  =  6.  Bt- 
gponnoritim  der  MatiUiit  von  Maria  Magdalena  (22,  Juli)  nach  dem  Dominikaner- 
brtcier.  17fF.  Vgl.Konrad  DonMegev,berg,BuchdcrNaiHr79,26ff.:  drrwind 

fimt  vier,  die  ftirateH  sint  aüer  aaderr  wind.  Der  erst  haitt  der  tudenmiat  odtr  der 
tudeJier,  dar  umb,  dar  er  von  nudem  fleugt,  dag  iat  von  millem  tag  her  gegen 
norden  ....  Der  ivint  haiit  ge  Inlein  aiteter  und  ist  fäuht  «ttd  warm,  dar  umb 
ist  rr  fruhtpaer  und  den  frühten  niite.  Der  ander  kaitrt  der  nordenwint . . . 
der  wint  ist  kalt  und  fäuht  . .  .  Der  wint  haisl  ge  lalein  aqwlo . . .  Der  wUU  itgldchtr 
käl  zu^engentUen . . .  AUohab  vir  über  alvierslunt  drei  wind,  ilasainfgwtlif.  —  Inder 
mitUialterliehtnSi/mbdlik  (vgl.  Sauer  a.a.  O.SSJf.l  gilt  der  Norden  (üsÄitsgang  alles 
t/MJteil»,SitM  de»  Bösen,  dir  Süden  miteeinerLichtfüUe  aU  Sinnbild  Gottes,  btsondirs 
tU' hl.  Geistes  und  seiner  Gnade.  Vgl.  Gregor  M.,hom,  Sin  Eereh.n. 9  (Mii/neT'/.TSiSI: 


452  (Grosses  Brief  buch.    XV.  Brief. 

vier  widerwertig  winde  an   dem   liplichen   himel,   und  iekliche  hat 
zTven  gesellen,   daz  ir  also  zwelif  werdent,  mit  den  der  herre  der 
natur  sin   ertrich  ernüwret.     Under  dien  ist  einer,   heisset  aquilo 
und   ist   grimmer   denne   die   andern;   der  ist  kalt  und  truehen  and 
bringet  sne  und  beslässet  daz  ertrich.     Wider  den  ist  ein  ander,  der 
heisset  auster,  der  ist  warm  und  nasz  und  bringet  den  schönen  oweo 
süssen  regen ;  er  machet  die  wissen  blüjent,  die  grünen  sät  walisent, 
daz  ertrich   berhaft,   er   priset  schone  die  beiden  mit  blämen,  den 
walt  mit  lobe,   den  anger  mit  süssem  smack,  und  allem  ertrich  git 
er  last  und  fröde.  io 

Eya,  kint  mins,  nu  verstaut  balde,  wa  min  hertze  hin  wil, 
wan  ich  mein  den  süssen  himelschen  wint  der  gnade  des  heiligen 
geistes,  der  da  kunt  von  der  hohen  mittli  des  himels  und  ein 
kalt,  sündiges,  rüwiges  hertze  durweget.  Ach,  ellü  minnendü  rüwigen 
hertzen,  enpfundent  ir  des  himelschen  windes  ie,  so  magent  im 
mich  wol  gemerken!  Er  brichet  isinü  hertzen,  er  zerflösset  gefromö 
is  süntlicher  gebresten,  er  ernüwert  die  sele,  er  machet  alle  die  krefte 
der  sele  schon  widerglenzent  in  ir  zarten  lütselikeit,  und  der  vor 
als  ein  fules  äss  von  dem  kalten  wind  smakte,  der  wirt  als  ein 
pantier  sinen  süssen  smak  wite  zerspreiten. 

Also  geschach  och  der  minneklichen  rüwcrin,  der  gäntlicb 
leben  ir  den  eigen  namcn  hat  verlorn,  do  sü  zu  den  roilten,  zarten, 
usserwelten  füssen  der  geminten  wiszheit  knüwet  und  mit  disem 
süssen   wind   was  durchweget,   ach,   und  ime  sin  götliehü  fösse  mit 


3  der  heisset  chmN  5  wider  —  6  heisset /eW^  C  >iider]  ander  b  den] 
dem  dz  denne  hUs  ander  wind  [der]  z  6  owen  fehlt  bC  7  blnj.]  blumel « 
8  heide  Ccnll  9  gesmack  bCdhRs  10  froiden  sdmN  11  mine  b  m 
fehlt  z  wa  hin  z  13  [der]  hohem  b  14  rüwiges  fehlt  s  16  des]  dis  bentU 
16  merken  Cchs         iserinne  bCc  19  ass]  waz  s         20  süssen  fehU  CdBt 

22  zarten  fehlt  bs 

non  incongrue  Aquilonis  nomine  torpor  maligni  Spiritus  designatur ;  hom.6  fL2i 
(Migne  76,1011):  per  Aquilonem  rede  peccatores  accipimus:  super  Cant.  c.  4  n.2l 
(Migne79j516):  per  Austrum  vero,  calidum  seih  venium,  Spiritus  sanctus  fguratwr. 
Hugo  von  St.  Viktor j  De  btstiis  1,12:  Auster  Spiritus  sancti  graiiam  designet, 
flatus  Austri  benignitatem  Spiritus  sancti,  calor  amorem,  Austtr  igitur  ven^i 
quoties  gratia  Spiritus  sancti  mentem  cuiuslibet  accendit.  In  der  deutst^ 
asketischen  Literatur  tritt  an  Stelle  des  Auster^  toohl  wegen  des  Gleiehlda»§h 
öfters  der  Ostwind  ( oster  wint),  vgl.  Wäckernagd,  Altdeutsche  Predigtei^  ^ 
Gebete  1S70\  LXVIII,24öff.  u.  534,111  ff.;  Strauch,  M.  Ebner  XXXIV.Sbf- 
21  ff.  Vgl.  LnJi.  1,37  j.:    Kt  tcce  mulier,  quae  erat  in  civitaU  peccatrii  ftc* 


aroBBes  Brirtbuch.    XV.  Brief.  453 

ii-  bertzklichen  trchen  durcbgosz.     Die  gosz  ubs  ein  edel  salbe,  daz 
alles  bns  erfiilte  mit  eiine  gntcn  emake. 

Owe,  rüwe,   wel  ein  edel  ding  du   bist!     Wie  selig  der  ist, 

dem  der  wäre  grünt  einer  rehten  rtwe  wirt!     Waii  dem  werdent 

5  sine  sünde  luterlich  vergeben,   und  were  ir  als  vil,  als  grienes  in 

dem  mer  ist,  und  m  einer  usgenoraeo  sünderin  wirt  ein  usgenomnu 

minnerin. 

Wiltu  aber  ein  rehtt'i  rüwerin  scbowen,  die  sol  haben  dia:  so 
Bol  hertzleit  ob  allem  hertzleid  tragen,  owe,  daz  su  daz  milte  hertze 

ao  ie  erzurnete.  Und  daz  erzSgent  die  grossen  abvallenden  bitzigen 
treben,  die  inbrünstigen  hitzigen  sufzen,  daz  eilend  ufseben,  die 
farin  stralen  bitterlicher  schäm,  die  bleich  varw,  die  gcswullnen 
ögeo.  die  verflehte  iisser  gezierde  und  daz  klegelich  einreden  mit 
dem  geminteiij  daz  hentslahen,  daz  hertzklopfen  und  sin  selbes  von 

S6  bitterm  hertzleid  vergessen,  Sil  sol  öch  ein  gtttes  getrüwen  zu  gotte 
haben,  daz  er  der  miltc  herre  ist,  der  mag  und  wil  ir  alle  ir  si'inde 
vergeben.  Daz  er  es  miige,  daz  ist  kunt;  aber  daz  er  es  welle, 
daz  hat  der  gesprochen,  der  nüt  liegen  mag:  Nolo  mortem  pecea- 
'oris.    Sil  eol  och  haben  eines,   daz  sii  einen  gantzeu  vesten  willen 

iinnnd  mfit  habe,  nüt  allein  die  sünde,  öch  ursach  der  sünde  ienier 
me  fliehen,  Sü  sol  nüt  zwifelhaft  sin  als  Eva,  die  do  sprach:  „vil 
übt  ist  es",  sü  sol  nüt  sin  weich  und  unstet,  als  die  da  veste  eint, 
iintz  man  in  nrsach  gibet. 

Owe.  got,  vil  ist  der  sunder,   aber  wenig  rehter  rüwer!    Sieb, 

•B  Were  in  reht:  e  sü  widerkertin  mit  der  minsten  sünde,  —  und 
l&ge  ir  eigen  vatter  und  mfiter  da  und  nlle  ir  fründe  an  der  stat 
des  todes,  und  hctte  ninn  ietze  blossü  ewert  ob  ir  kelen  erlogen 
Und  m6hten  sü  die  fründ  mit  eime  einigen  widerker  von  dem  tode 
eriiseD,  den  s&Itin  sü  nüt  tun,  daz  sü  got  erzumdin.    Sant  Thomas 

O  «prichet:  und  möbte  ein  mensche  alle  seien  von  dem  fegt'ür  erlfiften 

2  gesmacke  CdhSg  3  wel]  wol  bC  wie  cdhmNR  4  Wan  üue  bcdmNn 
B  wilt  aber  du  bedhg  af,  sü  aol  haben  h.  hlts  9  ob|  vur  t  hertze]  gtt  D 
13  einrede  b  14  den  g  16  vergessen  fehlt  b  161  haben  zu  g.  b  IT  dnz 
ntritlfs}]  ob  ;  18  hat  er  ^respr.  hmNHt  der  fthtt  hCc  20  nre.  der  eflnde 
QBd  alle  <'allet  IT)  sAnde  aUs  21  zS  fliehen  CdmNn  24  wenig]  weint  s 
4pr  rehler  r.  dmN  rivse  s  26  reht]  reliter  bse  26  da  fehU  bCda 

97  gezogen  Ccm^  2B  abker  dn  ker  bCmNüsU         29  den]  des  nd         et- 

«nrneii  dkm        30  erlosen  fdtU  »V 

16 1.  EMtch.  33,1J.  21f.  Vijl.  I  Mo».  3,3.  W  S.  S.  Tli.  SJ!  q.  1 10  a.  3 
dff  -i  M  obiger  Gtdanke  im  alli/eviiiinrn  im»grsprochfn. 


454  Grosses  Brief  buch.    XVI.  Brief. 

und  alle   sünder  bekeren  zfi  eime  g(iten  leben,  dar  umbe  s&lte  er 
n6t  ein  einig  sünde  tun. 

Wa  von  wenestu,  daz  es  ietzo  kome,  daz  so  vil  an  vahcDt 
und  so  wenig  blibent?  Owe,  da  ist  der  angel  mit  vast  in  geslagen, 
er  ist  in  nüt  vernietet.  Sü  beint  ein  zipfel  rüwe,  daz  ist:  8&  wen  i 
gfit  sin,  untz  daz  es  in  we  tut.  Also  sprichet  es  n6t,  es  sprichet 
also:  Neque  mors  neque  vita  neque  creatnra  alia  etc. 
Herre,  mich  rüwet  hüte  min  sünde  und  ist  mir  als  leit,  daz  ich 
einen  so  getanen  mflt  gentzlicb  habe  in  mime  hertzen,  daz  micb 
weder  liep  noch  leit,  noch  leben  noch  tot  niemer  von  dir  gescheidet;  10 
des  habe  ich  gantzen  willen  und  vesten  müt. 

WaflFen,  got,  waz  würket  ebenlich  so  getan  inbrünstiger  ernst! 
Ime  werdent  ellü  ding  muglich  und  ist  ime  nüt  mulich  noch  an- 
muglich.  Ein  ubergülden  dis  alles  ist,  daz  es  nüt  kome  von  ge- 
zwungenheit, es  sol  komen  von  einer  kintlichen  hertzeklichen  minoe^lli 
als  eime  tugenthaften  kinde  ist  leit,  daz  es  sinen  getrüwen  vatter 
ie  erzurnde. 

XVI.   Brief. 

In  exitn  Israhel  de  Egypto  etc. 
Wir  lesen,  do  unser  herre  daz  volk  von  Israhel  füren  wolt  von  ^ 
Egypto  in  daz  geheissen  lant,  do  fürt  er  sü  umb  wol  XL  jar,  e  daz 
sü  da  hin   kemin.     Und  daz  tet  er  dar  umb,  daz  er  sü  vereftchti 


1   uud  fehlt  hCdhlisU  4  ist  in  der  chmNnliü  der]  ein  h 

nagel  hCcdhmNBsü  6  ist  [in]  hCcdhmNJRsU  daz  ist  die  rtiwe  zcdkV 
wenet  hsd  6  sin  g^üt  s  6  f.  es  spr.  also  fehlt  z  8  rüwent  scdhmK*^ 
Sünden  cd  10   [noch]   leben  hB  n.  der  tot  bU         11   vesten]  gfiten -^ 

13  In  z  [ime]   nichtes  z  mul.  noch  fehlt  dhinNB  mMch]  mü^ 

lieh  hCs  14  kerne  s  14  f.  Ungezwungenheit  ß  16  hertzekl. /<ÄÄ  ^ 

16  als  ein  tugenthaft  kind  dem  ist  leit  s        es  fehlt  dU 

XVI.  Brief     Hss.:    hcdhmNnBs  Uz, 

21  geheissen]  gelopt  cmNn        22  koment  bn 

7  Jiöm.  8,38 f.  16  f.  Sense  folgt  kür  der  Lehre  Atiguatins  und  iff 

Scholastikj  ironach  die  Beue^  welche  ex  timore  simplicittr  set-vilij  d,  h.  aus  i^ 
Furcht  vor  der  götilichen  Strafe  hervorgeht  und  die  Abwendung  von  derSini* 
in  sich  schliessi .  zwar  loberiswert  und  nützlich  ist  (vgl,  Sirach  J,16),  aber  «• 
Wert  von  der  Beue  e.r  mera  caritate  weit  übertroffen  wird.  Vgl,  Thmtti 
/S'.  Th.  ^,2q.  19(1.  2 sqq.:  Schanz,  Sahramentenlehre  1893,  661  f.  u.  die  treftmk» 
Bemerkungen  1)  in  iß  es  in  Zfda  21,99  f  gegen  Pregcr,  ebd,  :£0,382f. 
19  Fs.  113,1. 


r.ronaes  Brirfbiich.     XVI.  Biiof.  455 

und  da»  inen  kunt  wurdi,  vraz  sü  in  ir  hertzen  trügen,  und  sunder- 
lieh  dar  unib,  daz  sü  von  tag  ze  tag  ein  vergessen  hettin  des  alten 
Inudes  and  daz  nüwc  in  der  begirde.  Und  wie  er  daz  alles  wol 
in  eimc  ögenblick  hetti  gewürkct,  doch  euwolt  er  des  iiüt  tftn,  wan 
5  tier  bcrre  der  nutur  git  sieb  einem  ieglichen  dinge  dar  nacli,  als  es 
sin  enpfengklicti  ist,  als  sant  Dionysios  sprichet.  Daz  sehen  wir 
leiblich  an  manigem  meDschen,  den  got  hat  na  gefüret,  daz  er  sü 
dick  tat  worgen,  e  daz  er  sü  volbringe  nach  dem  hfihsten. 

Eines  suitu  wissen  für  war:    got  ist  nül  ein  giher,  weder  an 

10  natürlichen  noch  an  ühernatdrlichen  werken,     Üia  schrib  ich  dir  dar 

umbe.    daz    du   dich    in    keinen   dinen   werken    vergäbest,      .Sanctug 

Gregorius  sprichet,  daz  got  dicke  sine  gäbe  uff  zühet,    daz  eins 

menschen   begirde  dest  ine  gereisset  werde;   aber  lat  er  von  dem 

nffiug  abc.  do  was  es   kein  rehte  begirde.     So  der  grant  ie  Inter 

4(wirt,  so  es  ie  luterlicher  wirt  enpfangen,  daz  dar  in  gegossen  wirt. 

Min  kint,  ich  ban  dich  daz  dicke  gehetssen  und  dunket  mich 

der  besten    eins,   so  ich  weiss,    daz  du  dich  selber  in  allen  dingen 

feiesest,  got  ze  minueune.     Sihatu  es   reht  an,    so  ist  kein  erealurli 

so  kleines,   es  ei  dir  ein  stapf,  got  zft  neben.     Nu  lüge,   min  kint, 

*■)  wie  hertzeklich  göt  got  ist,   und  ellü  trüwe  an  in  allein  ze  legen; 

w»n  andrü  minne  vahet  an  mit  liebe  und  nimt  ein  ende  mit  leide, 

>ber  du   süsse   minne  vahet  an  underwilen  mit  leide  und   «virt  aber 


1  iren  rd  3  ailefl  fehlt  htl«  4  cineH  ö^enblickcE  t  .1  f.  es  ein] 
h  7  manif^u  cdhc  eimii  «  8  dick  lang  w.  lut  h»  daz  fr/Ut  dhnUaV 
I  Wutnrl.  nochan/eAHfc  Da»  dh  dii  fekh  z  11  vergahou  wlt  6crfAmiV'Ä*t/ 
|lS6«igeB  i\cV.c  fthU  b-änliVi  li  ei ftlOt  b  eakein  bAni.V,)!'  Ititcr 
l~15  iefehU  z  liotrer  mMlU  IbMfthll  hvlU  lÜitz/Ml  dhmNnll, 
\  16  Maflel  bhRg  slab  mN  neben]  uiinaende  A  20  allein  fehlt  bdmNnü 

P*l  mit  leide  ein  ende  h  22  aber  —leide  fehlt  n  irnderw.  an  hmNnItV 

Bf,   Df  nom.  JM I.L'.  i'fft.  Bdeie2ue,l3f.;aä3^t/.u.Tiiama;a.Th  J,Sq.tJ3 

1'R.J,-  Deus  moitt  amnia  «ecurtd'im  tttodttm  Mniuacuiiufu«,  nicut  in  naturalibiu 

IWnmtfi,  quod  alUtr  morentar  ah  ipmn  gravia  tl  alUtr  leri'a,   propter  divtrtam 

aturam   unitfcttiu»!/!!».     Und(  tt  hotuinem   ad  iutUUaiit  movel  «teundum  eun- 

iblionim  n alurat  humanae.  12  Moral.   XXl'I,ia  iMii/n«  T6,36haqJ:  aaept 

t   duidtria,  ifuia  celeriUr  non  fiitnt,   tjamdintttar ,  it  quid  impUri  eonettt 

lu,  et  ipaa  mtltua  tarditalt  prorptratur, . . .  »avpe  ouj^  nontra  10  psrficitur, 

t  diffftur  .  .  .  Sinn    rrg"   Itominus  cum  vdneütr  non  exaudil .    quo  repdlere 

»r,  trahit.  19  Vi/L  Bdeir  Kap.  24;  BonavtrUura,  Mnerariui 

e.3  iDe  npeeulalione  Üti  in  cettifflir  /•iii'  in  hoc  tennilnli  mitnd' 

•  fffittl.  Liben  417  ff. 


456  GroBses  Briefbuch.    XVI.  Brief. 

lieb   und   liebet  sich  zA  allen  ziten,  bis  daz  lieb  mit  liebe  in  lieb- 
licher art  in  ewikeit  vereinet  wirt. 

Owe,  lieben  min  kint,  wie  sint  die  lüte,  die  tumben  toren,  so 
billich  ze  klagen,  den  da  trSmet,  sü  essen  und  trincken,  und  so  m 
iru  ogen  uff  tünt,  so  vindent  sü  läre  haut  und  ein  hungerig  ruwig  5 
sele!  Wie  werin  sü  so  billich  ze  weinen,  den  die  gewonheit  ze 
einer  billichi  und  die  billichi  zu  einer  erberkeit  worden  ist!  Owe. 
zit  verlieren,  üppeklich  reden,  got  vertriben,  wie  bist  du  ein  so  ver- 
borgner schaden  mengen  menschen! 

Min  kint,  ich  rede  zwüschen  mir  und  dir  alleine:  lass  ella  i( 
valschen  mentellü  !  Ist  es  nüt  also?  Es  ist  gewerlich  also,  daz  der 
sele  swarlich  m&hte  tromen,  die  ein  so  klein  stündeli  in  keinem  kumber 
vertribet,  da  got  nit  inne  ist.  Dar  umb  so  bis  mir  nüt  dest  minr 
in  gotte!  Lieber  weri  mir,  daz  ich  dich  sehe  gebäret  uff  ligen, 
deune  keinen  abwank  in  so  getaner  wise  von  gotte  nemen.  Min  15 
kint,  es  weri  gut  zu  verklagen,  so  ist  es  also :  natürlich  neiguog  und 
alte  gewonheit  ist  mülich  zu  lassen,  wan  leider  gemeinlich  so  lat 
sü,  e  daz  sü  gelassen  werde.  Dis  schribe  ich  dir  dar  umbe,  daz 
du  mit  frömdem  schaden  gewitzigot  werdest. 

Nu  lassen  wir  daz  dien ,  die  in  den  striken  sint,  und  kereo  90 
wir  unser  ögen  wider  in  daz  minnekliche  liep,  und  büken  daz  dicke 
an  mit  minnendem  hertzen!  Und  lüge,  wie  zart,  wie  minneklich, 
wie  süsse  und  wie  grundloselich  gut  es  ist  zu  minnende!  Ach,  ello 
hertzen,  war  umb  minnen  wir  nüt  daz  minneklich  liep,  daz  da  not 
anders  kan  wan  leit  verswenden,  herzen  frien,  fröde  bringen?  WerSS 
den  kalten  riffen  hat  erkant  und  diner  süssen  minne  ie  bevant, 
0  aller  süssestes  meientow,  der  weis,  wie  wirdeclich  er  dich  haben 
sol.     Selig,  selig  ist  die  sele,  die  du,  zarter  herre ,  hast  uss  erweit, 


1  mit  liebe  fehlt  s  3  min  lieben  k.  sz  mein  liebs  k.  niN  5  rüwigl 
trawrig  mA'd  8  so  ein  hmNnR  9  mangem  mNR  10  dir  und  mir  hdhnf 
12  ein]  kein  hR^U  kumber  —  13  nit  fehlt  s  13  Und  dar  u.  hcdmN  dir 
umb]  da  von  b(dh7nXRsU  so  fehlt  ds  14  in  gotte  —  mir  fehlt  s  g«* 
beret  bhs  15  in  sollicher  w.  hc  18  dir  fehlt  nR  19  witzig  bdhm^tJJ 
20  in  disem  stricke  r  21  wir  fehlt  cdU  wider  fehlt  z  23  und  wie 

süsse  8Ü  gruntlich  nz  es]  er  bcdhmNRsU  24t  wir  [nüt]  6  ^AfiMthH 
25  daz  leit  b  26  bekant  cdmNs  dimi  süsse  m.  z  nie  hhRs  berint : 
27  0]  owe  bcmN 

6  f.    Vgl.  Bdetr  2!}2,r,f 


Grosses  Brief  buch.    XVI I.  Brief.  457 

bi  ir  und  in  ir  ze  rfiwen!  Waz  vindet  die  in  zit  Lcrtzeufrides,  zu  hofe 
eren  in  der  himelschen  pfallentz,  ewiges  lobes^  als  sanctus  Paalns 
sprichet:  Gloria  et  bonor,  pax  omni  opcranti  bonum!    Amen. 


XVII.  Brief. 
Qnomodo  potest  cecns  cecom  ducere? 

Owe,  min  liebü  N.,  wie  lastu  dich  an?  Wie  wirflfestu  die  ge- 
trawe  lere  dines  vatters  so  zfi  rücken,  daz  du  dich  wider  den  dingen 
beginnest  geben,  von  den  ich  dich  so  rehte  kume  han  gebrochen, 
die  dir  sele,  lip  und  ere  hant  geswecbet?  Duncket  dich  ietzent, 
daz  du  süllest  gan  tfin,  wie  dir  in  dinen  sin  kumraet?  Bistn  ietze 
bestetet,  daz  du  dir  selber  alle  ding  erlobest?  Owe,  war  umb  ge- 
denckest  du  nüt  hinder  dich,  waz  dir  got  übersehen  hat,  und  wie 
rehte  kume  du  her  zu  bist  kommen  und  wie  gar  du  noch  nüt  bist, 
and  nimest  din  selbes  war  und  last  alle  ander  menschen  underwegen? 
Sihstu  nüt  den  tüfel,  der  dir  einen  sidin  vaden  umb  die  kelen  hat 
gebunden  und  dich  gerne  nach  ime  fürte?  Du  enkundest  doch  dich 
selber  nie  geleren,  waz  wiltu  denne  ander  lüte  leren?  Du  bist  doch 
krenker  denne  Eva  in  dem  paradise,  und  wilt  ander  lüte  zu-  gotte 
ziehen?  Du  wilt  stro  zu  dem  brande  legen,  der  nuwen  ein  kleines 
mit  der  wissen  eschen  ist  betrochen  und  noch  niergent  erloschen  ist? 

Du  sprichest,  du  wellest  in  ein  geistliche  wise  ziehen,  daz  vor 
liplich  was,  —  weis  got!  es  mag  wol  in  dem  geiste  ane  vahen,  es 


1  bi  dir  und  in  dir  h  und  fehlt  z  in]  mit  dmN  vindent  hmNJisU 
If.  zu  hoffiren  Rc  ze  hoch  eren  U  [zö]  hofnen  und  eren  mX  2  palast  mNn 
palais  cd         3  [et]  honor  et  pax  wAR         pax  fehlt  ds         Amen  fehlt  hcdhmNRs 

XVII.  Brief  (=  Kl  Bfh  IV),  Hss.:  C  c  d  n  s  b.  Nur  in  s  voll- 
ständig  überlieferty  in  Ccd  steht  allein  der  erste  Teil  (bis  45i^,8),  in  ne  der  zweite, 

6   min  1.  N.]   myn  lieff  c   min  lieben  menschen  a   kint  min  d  9  und 

fehU  8  und  ere  fehlt  C  10  din  sinne  G  13  hie  zu  0         noch  fehlt  ds 

16  die  kelen]  dync  kele  d  dich  ,v        17  nie]  ncit  d        lute  —  18  ander  fehlt  s 
20  berochen  cd     nierg.]  neit  d  noit  ^^ar  c      21  zu  ziehen  .v      22  geiste  fehlt  C 

2  pfaUentz  =  Pfalz,  König.slmrg ;  ihjI.  Wachernag d  a.  n.  0.  111,113 ff.: 
die  lihdllinzey  da  niemir  nivwil  vnschonis  in  chcmit ;  Vllyo2:  in  die  schonin 
phalnze  de^  eicigin  riches  so  bewart  ivch;  Strauch,  Marg,  Ebner  XXVylS  utui 
Anm.  S.  347.  3  Rom.  2,10.  5  Luk.  (i,3^K  Vgl.  die  historische  Ein- 
leitung Kl  Bfb  369,5 ff.         22  f.  Vgl.  dal.  3,:i. 


458  Grosses  Brief  buch.     XVII.  Brief. 

wurt  »ber  schier  in  dem  fleische  lendende.  Bistu  uüt  genüg  gewitziget? 
Duncket  dich  nit,  daz  dir  got  gnflg  habe  vertragen?  Gewerlich, 
du  wilt  nüt  erwinden,  e  daz  du  in  des  tufels  Sprung  warst  gegeben. 
Ich  han  dir  es  dicke  geseit:  ir  wenent  alles  got  und  die  16te  h6felicb 
triegeu;  und  so  ir  es  denne  umb  kerent,  so  sint  ir  selbes  betrogen. 
Du  müst  vaste  st  an  und  must  allen  anhang  lan,  anders  du  mäht 
niemer  b  es  tan.  Lassedich  wol  benagen,  obe  du  selber  dem  tufel 
mäht  enpfliehen! 

Er  was  eines  tages  us  gegangen  und  hat  einen  r5b,   den  er  k 
dem  tiefel  wolte  nemen,  binderstanden,  und  der  rop  was  also.    Es 
was  ein   mensch  in  geistlichem  schine  an  einer  stat ,   der  hat  sin 
hertze  so  gar  mit  zergenglicher  minne  verstricket,  daz  er  roanigeo 
trehen  rerte,  und  kond  doch  da  von  nüt  komen,  wan  er  wolt  gefftge 
suchen^  da  keine  zu  horte.    Und  do  er  zu  ime  kam,  do  gewan  der  i& 
mensche  ein  triben,  daz  er  daz  valsch  liep  wolt  lan  und  die  zarten 
ewigen  wiszheit  an  siner  stat  wolte  han.     Do  er  us  kam ,  do  b^ 
gunden  sich  die  tiefel  leichen  und  sü  ane  vehten  und  alles  daz  gegeo 
ir  uff  leineU;  daz  sü  dnhte,  daz  ie  geflog,  und  was  ir,  als  ein  swere 
berg  uff  ir  lege  alle  die  naht,  daz  sü  nie  entslieff.  ^ 

Des  selben  nahtes,  do  er  sich  nach  metti  nach  sime  gebet 
hat  nider  gesetzet,  do  was  im  vor  in  dem  slaffe,  wie  vor  siner 
Celle  eine  grossü  mengi  gefügeis  kemi.  Also  nam  er  war,  daz  eine 
nüt  als  der  ander  was :  etlich  waren  als  die  withopfen,  etlicb  als 
die  spehten,   etlich   als  die  hoch  reyger  und  manigerleye,   und  ver-  * 


1  schier]  sicher  d  geiing  fehlt  C  B  enwilt  Cc  in]  mit  s  4  alles] 
alse  C,  fehlt  d  got  und  fehlt  C  6  Du  —  und  fehlt  d  6  f.  enmaht  niem. 
gestan  C  8  entpfl.  Amen  Cd  10  Vberschnft:  Viriliter  agite  et  confortetor 
cor  vestrum  ttc,  n  und  den  er  z  12  schine]  schome  s  13  so  gtf] 

ze  vil  w,  fehlt  z  mit  so  zerg.  m.  .v  daz  [er]  s  18  alles  [daz]  z  19  irf 
lenen  *  22  in  fehlt  s  22  f.  wie  er  vor  . .  .  über  ein  grossü  m,  s  25  hoch 
reyger]  hochren  .v  heher  n        [und]  gar  manig.  s        25  f.  verwandlet  z 

3  des   tufels   spruug  =  Fahrt  in  die  Hölle?    Vgl  Kl  Bfb  369y2fi:  an 
dez  tüvels  sail  wirst  gebunden.  10  Er  =  der  diener  (Kl  Bfb  370,1).  V^- 

zum  folgenden  die  Erzählungen  in  Kap,  41  der  Vita.  17  er  =  der  Mtnsfh 

(die  Nonn^):  us  kam  =  sich  von  der  weltlichen  Minne  freimachte.  18  «U« 

daz  beziefU  sich  auf  daz  ie  geflog.  22  slaf  ist  von  dem  visionären  Sehauen 

gemeint;  vgl  Kl  Bfb  370,11  (in  einer  gesiht).  23flf.    Vgl.    Vita  llö.Hf. 

Das  klassische  Vorbild  derartiger  Dämonenerscheinungen  ist  Vita  AntonH  e.  t*. 
Ähnliches  auch  bei  Cäsorius  von  lleistcrbach ,  vgl.  lioskoff,  Geschichie  dt^ 
Teufels  I  (1609),  '^77 f. 


GrosBfS  Brieflpiuh.    XVH.  Briel.  459 

wandelten  sich   dicke   ?or  im.     Einer  under  deu  andern,  der  was 

grüne,  der  nam  einen  swaiik,  als  ob  er  gegen  der  celle  wÄlti;  aber 

ir   keine    kam   dar.     Also   tet   er   sich    zä    der   celle  us  mit  wunder 

und    sprach:    „ach,    waB'en!    waz   gegindeg   ist   disV"     Üo   wart   ge- 

5  »prochen    diser  sin:    „hie  ist  ein   tiefelttcbü  saninung.   und  ist  in 

zorn   nnd  sint  mügig  umb  den  menschen,   der  sich   von  in  wolle 

scheiden,   und  swenkent  dar  umb  hie,    wie  sü  in  ienen  und  wider- 

wisint,"    Also  do  es  tag  ward,  de  schreib  er  ir  ein  tavel  nnd  enhot 

ir  also: 

10  Viriliter  agite,  et  eonfortetnr  cor  veatrum,   omoea, 

1)01   speratis  in  domino!     äo  ein  frumer  ntter  ein  lereknappen 

bi  der  hant  also  geweftenlen  in  den  ring  stritberlicher  Übung  des 

ersten   in    fnret,    so    weget  er  sin  höbt  und  sprichet  zu  im:    „neina, 

mr  hell,   nu    ti^   hüte  als  ein  frumer  man  und  gebar  kechlich  und 

IS  strit  frilich !    Las  dir  din  hertze  mit  enpfallen :  es  ist  besser  erlieh 

sterben,  denn  nneriieh  leben.     So  der  erete  just  übertruket  wirt,    so 

Wirtes  lihter."    Alsus  geistlich  ermütet  der  kune  ritter  David  einen 

ieglichen  erst  anevahenden  menschen,   und  füret  in  in  den  ring  des 

geistlichen   strites,   der  da  lit  an  einem  frien  urlob  geben  zergank- 

aolicLer  minne  und   zitlicher  dinge,    und  sprichet  also:    „Viriliter 

agite"  etc.,  daz  sprichet:  künlich  und  manlich  werbent,  und  heinl 

ein  beches  hertze  ir  alle,  die  gotte  getruwent! 

Owe,  kint  mius,  daz  selbe  spriche  ich  hüte  zfi  dir  in  dime 
suvaag,  daz  du  vast  standest  und  den  b&sen  raten  der  tiefel  nüt 
86  Völgest.  Du  bist  ietüc  in  dem  bittresten  liden,  so  dn  iemer  mäht 
Itoiiien.  Komesl  du  über  disen  engen  eteg,  so  kuinestu  uff  die  scb&nen 
«eide  eins  göflicben  tugenthaften  lebens,  da  du  hertzenröwe  wirst 
babent.  Zartes  min  kint,  wolte  got,  daz  ich  in  dien  füszstapfen 
ding  kampfes  für  dich  sölti  stan,  und  für  dich  sölte  die  herten  siege 


1  vor  inie  dicke  "  Einer  fehlt  s  [der]  was  (  2  ob  fehU  i  3  ir 
fthU  s  4  do  wart  do  ;  5  ist  hie  «  6  tuQygi  *  gemilet  n  7  flwenk,] 
schwebent  n:  8  An  es]  da»  vs  «  fiii  tavel]  einen  liricIT  s  10  converifitut  « 
11  lereknabeii  e  12  stritbcrlkben  s  14  zierder  hevlt  i  16  lebeu]  sterben» 
17  ennüvft.  *  ermnoet  «  küiie]  Jtiinig  «*  18  erat  J'e/itt  «  21  künlich] 
_     kdBiglicii  »        25  iemer  Je/ill  «        28  weiine  wolle  gol  .-        in  fehlt  i, 

B  3  Kl  hfh  ifT0,14  deuliichtr:    ?&   dem   veQsl«r  us.  ii.  Nach  ätm 

Kif/  Bfh  ffoh  ihm  ein  Engel  Antvnrt.  10  f.  P».  ao,-J5.  13  DGino,  hier 

^KKM/mMntrmrfn-  Zvrvf  •ihne  negative  Beiltutunr/  (Lt^.  II.6I1.  17  ermotan 

^L    gemahnt»,   .lufmunttm:    vgl.    Schiceii.  Idiotikon   I\',6&ti;    IlWB  Ill.aitt. 
^b>a»   Wart  fehlt  l.ti  Lej-ir.  26  f.  Vgl  Brief  X  Baeltre  i34,lSff. 


460  Grosses  Briefbuch.    XVII.  Brief. 

enpfahen,  die  din  hertz  und  raüt  ietz  enpfahet!  Wa  were  denoe 
din  kröne,  wa  were  denne  din  grünes  zepter,  daz  du  in  ewiger 
wirdekeit  dar  umb  tragen  solt,  ob  du  gesigest?  Als  manig  pfil  dir 
geschossen   wirt,   als   manigen  rabin  wirsta  in  diner  kröne  tragent. 

Ach,  neina,  kint  mins  und  ein  gemahel  des  bimelschcn  künges, 
bis  vest,  stant  vast,  gebar  rehte  künlich !    Es  ist  knrz,  daz  da  lidest 
und   ist  ewig,    des  du   dar  umb  wartest.     Tft  nu  rehte,  als  ob  da 
weder  gesehest  noch  gehortest,    untz  du  disen  ersten  just  dines  gö^ 
liehen    anvanges    überwindest.     Nach   den    grossen  wettern    koment 
gerne  die  liebten  tage.     Gedenk,   daz  maniger  junger,  schöner,  lut- 10 
seliger,   edler  und    zarter   mensche   dincn   strit   hat   ritterlich   über- 
wunden,  und  in  dem   gevehte,   in   dem  du   ietze  stast,   manig  zit 
stünden   und  noch   vil   bitterlicher  wurdent  allenthalp  an  gevohten, 
und  daz  ist  nu  ire  hertzenfrSde. 

Eya,  eya,  kint  mins,  dar  umb  so  büt  mir  din  hant  und  bap  15 
dich  vast,  nüt  an  mich,  sunder  an  den  starcken  geminten  herren, 
dem  du  nu  zu  dienst  in  disen  strit  bist  komen.  Gewerlich,  er 
enlat  dich  nüt,  lastu  dich  ehte  gentzlich  an  in.  Zwey  ding  helfent 
dir  ellü  ding  überwinden.  Eins  ist,  daz  du  nieman  gestandest  noch 
gesitzest  noch  gelosest,  es  si  frönt  oder  vient,  der  dich  keinen  abweg  20 
wil  wisen;  daz  ander,  daz  du  mit  hofelich  klubest,  noch  mit  Hosen 
zügen  dien  sugenden  natren  dines  hertzen  nach  gangest.  Volge  mir; 
wiltu  nüt  morn  wider  in  kereu,  so  zerre  in  daz  höbet  us!  Tu  es 
geswinde  und  bederbekiich,  wan  wiltu  sü  allein  an  dem  sweiff 
rüren,  so  kleibent  sü  sich  deste  v«aster  und  bissent  dest  wirs.  Enbut  25 
in:  fridus,  fridus!  die  din  hertze  und  sele  so  berlich  mit  valscher 
minne  entfrident  heint.  Fluch  zu  der  ewigen  wiszheit,  las  die  tomben 
toren  ufF  dich  rüffen,  swie  vil  sü  wend,  lüge  bi  nüti  hinder  dich? 
sich,  so  hastu  alle  dine  viende  schiere  überwunden,  und  bist  von 
dinen  swären  banden  behendeklich  entbunden!  3ö, 


2  (He  kröne  .v      3  an  gesigest  z      5  ein  fehlt  h      7  ob  fMi  s      8  nuU 

daz  z         11  ritt,  hat  z          12  du  fehlt  a  13  bitterl.]  berlicher  r         14  ire] 

mins  z      16  suuder  fehlt  z       17  disem  z  18  lass  echt  du  dich  z       19  pe- 

stast  z         21  wil]  muge  z         lisen  ;w  23  [in]  kercn  z        24  bcderplich  * 

nüt  allein  s       dem]  den  z       25  wiracr  .v  26  frides  einmal  s*     29  hist  du  -* 
30  sw&ren  fehlt  s        Amen  n 

1  Kl  Bfh  Til,5  deutlicher:  daz  weri  dir  schad,  wan  wa  wen  etc. 
0    Vgl  oben  424,13. 


r.roÄBPS  ürieflmeL.     XV[Ii.  Rrief.  461 

XVIII.    Brief. 

Nemo  potest  doobus  dominis  servire. 

Min  liebe  N.,  ich  Ijad  eins  gemeiket  an  dir.  dnz  du  noch  un- 

genlzltcb  gegen  got  ia  dime  sinne  stest,   und  daz  du  dich  noch  ndt 

6  bewegenlteh  aller  dingen  Imst  verwegen.     Gewerlich,  Ho  mflst  eint- 

weder   haben   oder   lassea,   anders   dir   gesehibt   niemer   kein   gelde. 

Mag   ienian   zwein  herren   dienen?     Nein  es,   gewerlich!     Tfl  einen 

fricn   Sprung,   so   mahtu   bliben.     Lasse   von   gründe   den    menseben 

nnd  alles  daz   gewerb.  daz  in  sÖlicher  zergenglicher  minne  mag  ein 

JO  an  gegen würtikeit  und  un  botEcbaft,  und  las  dich  dar  ab  nüt  wisen 

weder  mit  tr&wen  noch  mit  liebkosen.     Gip  ein  kuntlicbes  nrlop 

aller   der   gespilschaft,   die   dir   dis   arbeit   was   ratent  oder  helfent, 

oder  die  noch  die  trise  fürent,  die  dn  wilt  nnd  mfist  lan,  wan  au  alle 

glose   so   eint  sä  dir  ein  gift,   und  in/.  Meisln  vil  wol.     Daz  dritte: 

IS  daz   du    dich   aller   usverten   gelobest,    und    alle   urgach   und    nebel- 

tnentelli  hin  werO'est.     Daz  vierde:  daz  du  fru  und  spate  bekümbert 

siest,   wie  du  din  sündiges  leben  gebesserst,  wie  du  diner  mauig- 

valtigen   gebresten   lidig  werdist,  ach,  und  wie  du  dich  mit  dem 

grimmen  rihter  versünest.     Gewerlich,  du  hast  dar  au  mit  genöj, 

lO  daz  du  an  den  kle  wol  horelicb  bissest,  du  niilst  dineu  tapfern  lip  an 

[_    griffen,  din  gesliffnen  zungen  binden,  dinen  nngesamneten  mfit  wider 

nen,   daz   din  nifit  nüt  gl  also  ein  gemeines  wiiilius,    tabern,   do 

sieb    ieder   man    nider   lat  nnd  da  ieder  man  bpstanden  ist,    wes  er 

.erdenken  kan.     Eya,  trib  us,  trib  us  daz  unvolk!    Oder  sicherlich, 

'dn  mäht  den  zarten  henen  niemer  enpfahcn.     Gedenke,  daz  er  dich 

Jm  hat  gevordret  zö  einer  gemahlen,  und  dar  umb  so  hüte,  daz  du 

aüt  werdest  ein  hafendirne! 

XFIII.Brie/f  =  K:}iJbI\',-ben371,33—37S^).   Hsh.:  b  C  c  d  n  3  b. 

3  iniufi  liebö  kLit  ed  mein  kint  )i  min  lieben  menschen  s         (cemi>rkel 

b        5  beweg.]  verwegenlich  tYn  g^iis ulilichen  d         allen  s         (gewerlich 

»enachc  «  7  gpedifneu  hcdn  U  kintlicheB  »  kunüchen  n  12  was] 

ru  e,  felUt  «       14  eö  fthlt  z       eine  gift  b  eine  Tergift  C        15  dich  /«/i«  s 

erten]  nsaerkeit  s         15  f.  nebe  atmen  tci  in  b  neuenmeutcl  c  dnstcnii  enteile  d 

Jl  din]  vyu  ed        gebessregiHt  i        und  wie  de         dincs  ss         19  dar  [an|  z 

34  erdenken]  erdrucken  b         Ijib  us  tiitmal  m#         vulk  Cd»         26  im]  n8  sc 

Uu  dieh  bcdn        27  duppeudirne  d        roter  ZusaU:  hilff  maria  .: 

2.7  Vgl.  ttti.  16,13.        8  luenöcben  =  melllichen  Litb/mber.      15  ureach 
=  Viranlassurti)  lu  Ämgüngeii.  15  f.  nebelmentelli  teU  Kl  BJb  372,11  = 

tetehSuigangen,  Vonrände  irgl,  Schireü.  Idiol.  IV, 342,  l>31f.,   llWB  yll,476). 


J 


462  Grosses  Bricfbucb.    XIX.  Brief. 

XIX.  Brief. 
Christas  factns  est  pro  nobis  obediens  usqae  ad  mortem. 

Zartü  min  meisterin  suppriorin! 

Swer  da  widerstrebet,   daz   er  von  gehorsami   mfls   tön,  der 
machet  ime  selben  ein  sweres  leben,  wan  ein  klein  ding  mit  wider- 
spenigem  willen  getan  tut  wirs,  denn  ein  vil  grosses  mit  geneigtem 
willen.     Und  dar  urab,  sider  nu  dis  von  gottes  ordennng,  von  dem 
ellü  meisterscbaft  geteilet  wirt,   als  sant  Paulus  spriebet,   ueh  zfl 
gevallen  ist  an  üwerm  willen,   so  ordnent  es  och  also,   daz  got  da 
von  nit  werde  enteret,  und  ir  als  berlich  me  entrilitet  werdent,  sk  1(1 
ir  da  her  dicke  sint,   daz  üch  da  von  n&t  schulde  wahse,  da  von 
grosser  Ion  sol  wahsen,  ob  ir  im  reht  tftnt. 

Liebü  min  meisterin  und  min  liebes  kint,  es  beginnet  übel 
stan  in  geistlichem  leben :  und  dar  umb  so  tftt  es  üch  not,  daz  ir 
ungern  an  dem  ampt  sint.  Wan  da  ir  helff  und  rat  soltent  han,  da  IS 
hant  ir  betrübete  und  unrat,  getörste  ich  es  aber  sprechen,  so  Sprech 
ich:  berliches  durehten  und  heimliches  verraten  und  offenbaren 
widersatz.  Da  ir  den  söltin  han  undertenikeit,  da  hant  ir  fr&vel 
widerspenikeit.  Und  dar  umb  so  sprich  ich  werlich,  daz  ietie 
meisterschaftampt  haben  und  dem  reht  tfin  daz  ist  uut  gemaches  90 
pflegen,  es  ist  marterleben.  Und  dar  umb  vor  allen  dingen  so 
nement  dis  krutz  willeclich  uff  üweren  ruggen  durch  den,  der  daz 
jemerlich  krutz  durch  uch  trüg,  und  laut  äwern  sin  und  mut  nider, 
die  wile  es  got  und  üwer  obren  von  üch  wellen  han.  Ir  haDt  mir 
mit  bitteru  trehen  geklegt,  ir  enhabent  weder  kännen  noch  vermögen* 

XIX.  Brief  (=  Kl  Bfb   VIIK     Hss.:    c  h  n  H  8  s^  c, 

2  pro  nobis  fehlt  chBz  3  zartü  —  suppr.  fehlt  hUss^  suppriorin 

fehlt  cn         6  wirt  getan  tot  w.  r  7  sider]  sit  ir  s  syd  s  so  n       dis  nö« 

nu  das  fis^  8  sit  i'ich  ss^hJi  10  me  fehlt  cn  entriht.  me  r  11  sint 

worden  cR  11  f.  da  gr.  Ion  sol  von  w.  s  12  solt  lis^  15  amb*ht  f 

zu  solt  han  z  16  betrlibtnisz  nU  gesprechen  s  19  so  fthlt  ä/?**  20  dai] 
dis  z  21  martrer  leben  Jia^  22  dis]  das  Ä.v*  25  bitterlichem  r  clagt  B^ 
habent  hnl{8.s^        miigen  g 

2  FhilSß.  3   i':bej'  das  Ami   der  Suppriorin   {Gehilfin   und  SttU' 

Vertreterin  der  Priorin )  vgl,  die  Constitutiones  Sororum  Ord.  Praed.  c.  26  (H«^* 
Htenitis-Brockie  IV,  137),  und  das  Ämterbuch  de8  Joh,  Meyer  in  JF^rtib,  IHöt.- 
Archiv  XIII,  198.  7  f.  Böm,  11,1.  13  f.   Vgl.  Seuses  Klagen  übtr  d(n 

Verfall  der  Kloster  sucht  in  Bdetr  Kap.  6  (217,1  ff.)  und  besonders  Hor.43ß. 

Weitere  Belege  bei  Denifie,  Das  geistl.  Leben  50  ff. 


Grosses  Briefbuch.    XIX.  Brief.  463 

dar  zu:  swenne  ir  getünt  daz  best^  daz  ir  ücb  verstaut,  so  sint  ir 
lidig,  ob  es  joch  nüt  daz  beste  ist. 

Ir  sond  in  alleu  dingen  got  vor  ogen  ban,  nie  denne  keinen 
lipliehen  nutz.  E  ir  wöltin  gestatten,  daz  uwer  scheffelin  eins  ge- 
krenket  wnrdi  an  siner  sele,  da  ir  es  möhtint  verkomen,  ir  süllent 
e  hundert  marck  verlust  Awers  klosters  verklagen.  Ir  sönd  gemein 
sin  in  den  haltungen,  daz  frünt  und  vient  glich  daz  joch  tragent, 
daz  gebirt  fride.  Ir  sönd  die  jugent  in  meisterschnft  haben,  won 
Abel  gezoguA  jugent  ist  aller  meist  ein  Zerstörung  geistliches  lebens. 
Ir  sond  einen  süssen  ernst  haben,  und  me  von  minnen  den  von  vorhten 
gebieten.  Daz  tich  zu  kreftig  si,  daz  legent  üwern  obren  fbr,  und 
iedoch,  da  ir  nät  mügent  bissen,  da  bellent  aber!  Mügent  ir  nut 
geistlich  zuht  gentzlich  widerbringen,  so  ahtent  iemer,  daz  nüt  ab- 
lasses  noch  sw&res  inbruches  under  äch  geschehe.  Der  ein  zer- 
brochens  altes  kleit  nüt  wider  büssen  wil,  so  ist  es  schier  alles 
zerschlichen.  Swenn  ir  zergant  an  geistlichen  dingen,  so  sint  ir 
och  US  an  lipliehen  dingen.  Der  der  minsten  niht  ahtet,  der  vellet 
in  die  meisten. 

Ir  sond  den  frowen  g&t  bilde  vor  tragen  und  mit  werken  me 
denn  mit  worten  leren.  Verwegent  üch,  so  ir  üch  flissent,  daz  aller 
best  zu  tunde  in  allen  dingen,  daz  daz  dicke  für  daz  böste  wirt 
enpfangen;  er  müs  es  wol  kunnen,  der  allen  menschen  wil  wol  ge- 
Valien.  Went  ir  aber  menlich  willen,  so  hant  ir  gotte  und  der  war- 
heit  ungewillet.     Der  bösen  schelten  ist  der  guten  loben. 

Innewendig  frevel  gespilschaft,  ussewendig  schedlich  frunt- 
schaft  sond  ir  zertrennen  mit  kraft.  Tftnt  daz  üwer,  so  sint  ir 
lidig.  We,  we  dem  kloster,  da  dise  zwei  in  gebrechentl  Wan  daz 
wirt  fridelos  und  ze  jungst  erlös.  Es  were  üch  besser  alle  tage  ein 
wunden    enpfachen,    denne    dis    under    üch    lassen    wahsen.      Nu 


1  tÄQt  sns^  5  da]  daz  zc  fürkomen  s^chnH  ir  süll.  —  6  verki. 
fthU  z  6  marcken  s  7  dem  haltunge  hs  der  haltunge  nR  11  Daz  — 
si  fehlt  h  zu]  so  hs         üwerme  s  12  bissen]  wiszen  ?is^  bellent] 

wellent  hs^         12  f.  not  gentzlich  g.  zubt  z         14  noch  fehlt  hlts^  under 

üch  fehlt  hRs^z  15  aller  z  16  zerslissen  tfcn  zerrissen  hRa^  so  sint  — 
17  dingen  fehlt  s  17  och  fehlt  ch  vervallet  hHs  19  frowen]  brüdem  s^ 
andern  c  20  furkcren  und  leren  s  lernen  hR  24  lob  nR  25  schend- 
lich  r  26  sint]  stant  z  27  in]  inne  s  daz]  dis  s  ch  n  28  alle  tage 
fehlt  z        29  enpfangen  schnR 

17  f.    Vgl,  Sir,  19,1,  22  fiP.    Vgl,  die  sprichwörtlichen  Redensarten  hei 

I,  V.  Zingerle  a.  a,  0,  11  f. 


464  Grosses  Briefbuch.    XIX.  Brief. 

sprechentir:  „owe,  herre,  griff  ich  daz  an,  so  gewinn  ich  unfride.'^ 
Ichspriche:  selig  si  der  unfride,  wan  der  unfrid  gebirt  den  ewigen 
frid.  We,  wo  den,  die  da  lant  hin  gan  und  ires  hertzen  fride  hier 
inne  sftchent!  Von  den  spricbet  Isnias:  pax,  pax,  et  non  est 
paXy  dazsprichet:  sü  sprechent:  frid,  frid^  und  ist  doch  nüt  fride. 
Die  suchent  ir  eigen  gemach  ^  sü  hant  gern  zergenglich  ere,  und 
k5ffent  die  mit  einie  zergenne  aller  geistlicher  ere.  Und  we  dien! 
wan  sü  hant  hie  iren  Ion  enpfangen. 

Aber,  kint  minS;  ir  süchent  gottes  ere,  als  der  liebe  Cristos 
suchet  sines  ewigen  vattei*s  ere,  und  dar  umb  Hess  er  sich  hencken  lo 
an  den  galgen  des  krützes.  Kint  mins,  du  oLigest  dich  gar  vaste. 
waz  du  lidest;  dir  rinnet  noch  nüt  daz  blüt  daz  autlit  abe!  Mao 
nam  hie  vor  zu  solichen  empteru  nüt  die,  die  gern  ere  hattest, 
wan  nam  die,  die  von  minnen  die  verwegensten  in  den  tot  warent. 

Nu  sprechent  ir:  „owe,  herre,  hier  inne  vihtet  min  hertze,  11 
owe,  wa  aber  andehtiges  gebet,  wa  hertzenrfiwe,  wa  luters  schoweo?' 
Los,  kint  mins,  waz  sant  Gregorius  sprichet:  ein  meisterschafi 
solt  als  volkomen  sin  in  einer  geistliehen  wise,  daz  sü  von  aller 
usser  unmüssikcit  nüt  wurdi  gezogen  von  clarer  schowlicher  volle- 
komenheit,  daz  sü  allen  iren  undertanen  eigenlich  gnfig  si,  und  irtf 
selben  in  keinen  weg  nüt  dest  minre  sie.  Aber  leider  da  zA  siot 
ir  noch  nüt  komcn.  So  sond  ir  nach  üwer  cleinheit  also  tfin: 
hütent  üch  vor  hochfart,  gedenkent,  wer  ir  sient,  und  wie  schiere 
ir  verswunden  sint.  Und  dar  umbe,  wenn  ir  ieman  went  straffen^ 
so  straffent  üch  selber  vor.  Und  daz  ir  mit  gut  übel  überwiDdent: 
ein  tüfel  tribet  den  andern  nüt  us.  Ir  sond  us  eime  senften  hertzen 
hertc  und  senfte  wort  lassen  hellen,  als  es  denn  geschaffen  ist. 


2  wan  —  3  frid  fehlt  huBss^  den  ewigen  fehlt  z  3  aber  we  we  hnh 
da  fehlt  s  4  den]  dison  s  5  sü  sprechent  fthlt  ns  8  bie  fehlt  r  da 
Ion  hie  z  0  minü  z  ir  fthlt  cs^z  10  ewigen]  lieben  h^s^  11  an  - 
krfizes  fehlt  z  [^ar]  vaste  und  gar  vaete  h  12  abe  über  din  a.  z  13  nam 
fehlt  sz  Soutanen  z  nüt  —  14  nam  fehlt  hR^s^  14  nam  fehlt  i  voa 
minnen  fehlt  chBss^  die  verwej^en  vest  hh's^  varen  /w'  16  [wa]  aber  i 
lüterst  s  18  soi  rhl^ss^  18  f.  aller  ir  nsser  ns  20  daz  —  21  siefehUh 
eigenlich /e/i/^  (tiHtts^  si]  sien  z  und  —  21  fiie  fehlt  i?.v*  21  selbes* 
23  und  —  24  Bint  fehlt  hs^z  24  geswunden  s  25  vor  selber  hs^  8.  vor  an : 
27  senfte  und  herto  chnlin^        denn  fehlt  s 

4   Jeremias  6,14,   nicht  Isaias.  8   Matth.  6,2.  9  sfichent  \A 

Im,)erath\  vcjl.  Kl  Bfh  382,i>8.  9  f.   Vgl.Joh,S,49f  12   Vgl  Hebr.  12,1 

17  Vgl.  die  zu  Kl  Bfh  383,3  u,  389 fi  zitierten  Stellen,  2G  Vgl.  Liik,  IhV. 


Grosses  Brief  buch.    XIX.  Brief.  465 

Gottes  dienst  sol  üch  ob  allen  dingen  bevolben  sin. 

Ir  sond  uwer  selbs  nüt  vergessen ;  ir  sond  dicke  an  dem  tage 
in  uch  selber  keren  und  ie  zwo  gut  stunden  ücb  selber  nemen  bi 
tage  and  naht,  in  den  ir  üch  für  üch  selber  stellent  und  ab  üch 
5  selben  rihtent  und  ein  wil  der  ding  vergessent,  daz  ir  üwer  geniüte 
frilich  äff  habent,  daz  ir  einen  jamer  nach  dem  geminten  habent, 
daz  ir  eins  mit  im  werdent,  daz  ir  ime  alles  üwer  leit  und  liden 
klagent  und  daz  in  ime  enpfahent,  durch  in  lident,  mit  ime  über- 
windent.  Sprechent  also:  „ach,  herre  min,  ergetze  mich  in  dir  alles 
10  leides!*'  Ir  mugent  inrent  einer  guten  stunde  eines  gantzen  tages 
ergetzet  werden. 

Ein  usgenomen  volkomen  leben  lit  nüt  an  trost  alle  stunde 
haben,  es  lit  an  eime  uffgeben  willen  in  gottes  willen,  daz  si  sur 
oder  süsse,  in  einer  undertenikeit  einem  menschen  an  gottes  stat  in 
15  diemütiger  gehorsam!.  In  dem  sinne  wer  mir  lieber  ein  truchenheit, 
denne  ane  daz  ein  hinfliessende  süssekeit;  und  daz  beweret  die 
edel  gehorsami  des  ewigen  sunes,  die  in  trukner  bitterkeit  volbraht  wart. 

Dis  sprich  ich  nüt  dar  umb,  daz  ir  üch  dar  zfi,  als  ir  ril 
tbnt,  erbietent,  me  daz  ir  dis  joch  gedulteklich  lident  und  daz  best, 

ao  daz  ir  mugent,  tugent.  Wer  es  daz  nüt,  üch  weri  vil  liht  ein  an- 
dere, ein  bösers  zu  gevallen.  Der  herre,  den  ir  da  meinent,  der 
üch  daz  liht  hat  zu  geworffen  an  üwer  zütftn,  der  mag  üch  wol 
dar  inne  nach  üwerme  besten  versehen.  Und  des  bit  ich  in  von 
hertzen,   daz  ir  im   sin  lop   also  dar  inne  volbringent,   daz  ir  und 

te  üwer  undertanen  niemer  von  im  gescheident.     Amen. 


1  ob]  vor  chsz  3  ie]  iemer  ch^z  gut  zwo  .v  4  ab]  über  ns^ 

6  frolich  hs^  ein  bejaniern  s  8   [in]  ime  hU  enpfaheii .  .  .  liden  .  .  . 

überwinden  s  und  durch  hlis^  9  ach  fehlt  z  ergetzen  s  10  leiden»  uR 
12  stunden  s         13  in  g.  willen  feliU  sz  daz]  es  Its^         15  lieber  fehlt  a 

17  m]  mit  s  18  dis]  das  hRs^  dar  nmb  fehlt  s  daz  —  19  me  fehlt  z 
19  embietent  s  dis]  daz  hRs^z  20  vil  liht]  billich  e  21  denn  der  h.  z 
22  daz]  es  z  liht]  lieht  *  villicht  s^n  üwer]  uch  *  23  dar  inne]  da  mit  hRs^ 
^  im]  nun  hnRs^        also  volbr.  //7/.v^        '25  Ameu  fehlt  c 

3  ff.    Vgl.  GrBfh  415,1  ff,  7  f.    \gl.  Bdeir  25(1,24  ff 


H,  SoQse,  Deutsche  Schritten.  "^ 


466  Grosses  Brief  buch.    XX.  Brief. 

XX.   Brief. 
Annunciate  dilecto,  quia  amore  langaeo. 

Es  schinet  wol,  daz  die  minne  truucken  machet,  daz  ein  mensche 
nüt  weis,   waz  er  schaffet.     Sesse   ein   mensche   vor  eime   kelre  in 
eime  sumerlichen  tage,   schone   bedecket  mit  des  gelobeten   waldes  i 
schöne  wat,   bezettet  mit  der  blümen  manigvaltiger  Schönheit,   uud 
man  im  do  her  us  eines  kiperwines  in  den   durchlühtenden   gleseni 
i'ur  trüge  und  in   nach   sines   hertzen  girde  trenckete,  —  und  ein 
ander  mensche  uff  der  dürren  beide  under  einem  ruhen  rekolter  sesse 
und   die    ber   abe   lese,   daz  er   tempfige   menschen   gesunt   inahte:  lö 
enbutte  ieinen  disem,  wie  er  sich  gegen  dem  süssen  seitenspile  halten 
und  leichen  und  gebaren  solte,   er  spreche:    „er  mag  wol  truncken 
sin,  er  wenet,   daz  allermenglich  si   also  ime,   mir  ist  üt  anders  zu 
mute,  wir  sint  unglich  gefüret." 

Min  kint,  daz  mag  ich  eigenlich  zu  dir  sprechen  von  der  bot- 1:1 
Schaft,  die  du  mir  hast  getan :  wie  ein  inbrünstige  vackel  enbrennet 
si  in  dime  hertzen   von  rehter,  begirlicher,  inhitziger  minne  zö  der 
minneklichen  ewigen  wiszheit,  und  von  dem  nuwen  liebte  und  un- 
bekanten   wundern,    die  sü  in  dir  wurcket,   und  wie  din   hertze  hat 
dar  inne  enpfunden  ein  süsses  we  und  ein  liepliches  zerfliessen  und  30 
ein    überswenkes    enpfindcn,    do    von    du    nüt  gesagen   kanst;  und    , 
begerest,   wie  du  dich  ime  aller   minneklichest  hier  inne  süllest  er- 
zeigen und  dich  gegen  den  wundern  halten. 

Min  kint,   es  stat  ein  unmessige  fröide  uff  in  minem  hertzen, 
daz  sich  der  minnekliche   got  so   minnekliche  erzöiget  und  daz  er  ^ 
git  zfi  cnpfindende,  daz  ich  mit  den  Worten  sage,  daz  er  bewert,  daz 

XX.  Brief  i-^  Kl  Bfb  VIIlK   Hss.:   h  c  d  s.     In  bcd  fehU  derTeü 
von  467,27  an,  auch  s  int  gegen  Schluss  unvollständig, 

2  (lilccto  meo  d  4  kele  s  6  sunderlichen  s  schone]  sehen  i?^ 
7  erlulitenden  s  dnrchlühtcten  b  «jfleseliii  b  8  uud  iu  —  12  solte /^Ä^^'' 
9  Wacholder  c  10  [die]  her  h  gelese  b  11  enbiete  s  iemen]  einer  f' 
11  f.  i^oiren  dez  s.  soitenspiles  leichen  solte  gfebaren  ?>  dem  s.  seitenspil«'^  *^ 

13  üt]  nüt  s  vil  c,  fehlt  d     '    15  sprechen  zu  dir  s       19  wirckent  9      20  ud^ 
[ein]  1.  ds        erfliessen  .y         21  überswenckigcs  b        22  ime  fthlt  ds 

2  Hohel.  5,cS.     Vgl  Tauhr,  Frankf.  Ausg,  1,160  ff,  7  JQer  ,Cypenc»*' 

trird  oft  hildlirh  bei  iSchüderung  der  mgsiischen  Trunkenheit  genannt,  tgl'  d** 
Belege  bei  Strauch,  Ad.  Langmann  114  u,  Marg,  Ebner  385, 


Grosses  Briefbuch.    XX.  Brief.  467 

ich  Büt  ein  lieger  bin,  wanne  ich  als  reht  vil  von  siner  minneklichen 
minne  minnenden  hertzen  naht  und  tag  sagen.  Und  dar  nmb,  daz 
alle  min  kint,  die  zergengliche  minne  hant  gelassen  und  aber  noch 
mit  iren  wunden  umb  gant,  wie  sü  die  geheilent,  daz  die  ouch 
5  hettent  getruncken,  dar  umb  wolte  ich  gerne  turstig  bliben. 

Min  kint,  es  ist  ein  gross  wunder,  daz  du  in  so  kurtzen  jaren 
bie  zu  bist  komen.  Und  daz  hat  aber  gemachet  der  gantze  ker  zu 
gotte  und  volkomener  vonker  von  allen  dingen  und  der  grundelose 
ernst  und  liplicher  pin,  mit  dem  du  din  altes  leben  gedilget  hast 
10  und  die  valsche  minne  so  gar  under  die  füsse  getrucket  hast.  Min 
kint,  ein  mensche,  der  nie  zii  dem  wine  kam,  so  der  des  ersten 
beginnet  trincken,  so  wurt  ime  der  win  enpfintlicher  denne  dem,  der 
es  dicke  hat  getan ;  und  gedencke,  daz  dir  also  geschehen  sie  von 
der  claren  süssen  minne  der  ewigen  wiszheit,  die  dich  als  über- 
15  krefteklich  hat  überwunden.  Oder  es  meinet  aber,  daz  dich  got 
reissen  wil  und  dich  schiere  hinnan  wil  nemen  zu  dem  grundlosen 
burnen,  us  dem  du  nü  ein  tropfelin  hast  versuchet;  oder  es  meinet 
aber,  daz  er  sine  wunder  hie  an  dir  wil  erzoigen  und  den  übei*flusz 
siner  gute.  Und  solt  dich  also  halten:  du  solt  dich  ime  zö  male 
20  neigen  under  sine  füsse  mit  din  selbes  verworfifenheit  in  einem  lügen 
sines  willen  an  lustsüchen  din  selbes.  Du  endarft  dar  zu  nit  vorhte 
ban:  es  ist  alles  sament  ein  minnenlüder  ^ottes  in  der  sele,  es  gat 
eben,  ime  sol  also  sin.  Doch  soltu  diner  liplichen  kraft  war  nemen, 
daz  du  nüt  zu  vil  dar  inne  verzert  werdest.  Es  mag  sich  fügen, 
^  So  d^r  loff  für  kumet,  daz  es  dir  zu  guter  raasse  benomen  wurt  und 
daz  du  ufF  ein  noch  nehers  gesetzet  wurst. 

Ach,  min  kint,  die  schöne  gesiht,  die  dir  an  dem  heiligen  tag 
zt  winaht  wart,  in  der  du  sehe,  wie  clarlich  die  minnecliche  ewige 
wiszheit  in  fröidenricber  wise  mit  miner  sele  vereinet  wer,  und  en- 
^  hütest  mir,  ich  müge  ein  fr5idenrich  diener  sin  der  ewigen  wiszheit, 
dis  hat  gemachet,  daz  ich  han  hertzklich  gesiiftzet,  wanne  ich  bin 
nüt  sin  minner.  Mich  dunket,  ich  si  sin  karrer  und  watte  mit  den 
grossen  schuhen  uffgeschürtzet  durch  daz  ror,  wie  ich  die  menschen 


1  YÜ  fehlt  8  2  minnende  s  3  [und]  aber  und  noch  i?  7  Und  —  8  dingen 
J^ehU  d  8  vonker]  ker  b  affkere  c  10  hast  fehlt  hs  12  enpfintlicher  sd 
dem  fMt  hcd  21  f.  han  vorhte  s  2;^  doch  so  soltu  sd  24  dar  inne  zu 
vil  8        gefogen  h        25  ea]  er  ds        32  karter  (!)  s 

4   wunden  bezieht  sich  auf  die  verMirten  Neigungen  ^  die  nach  der  Be- 
Gehrung  noch  in  der  Seele  sind.  28  f.    Vgl.  Vita  20,13  ff,  u,  Abhildain^  2. 


468  Grosses  Brief  buch.    XXI.  Brief. 

US  der  tieffen  lachen  ires  süntlichcn  lebens  bringe;  und  dar  umb  soi 
mich  genügen,  so  er  mir  einen  rucken  leip  an  mine  haut  git.  Und 
doch  so  mos  ich  dir  eines  von  mime  geminten  sagen,  des  er  kürtz- 
lich  neiswie  dicke  hat  in  mir  gepflegen  [hier  bricht  auch  s  ah;  (ht 
Schluss  siehe  Kl  Bfb  385,30-386,30]. 


XXI.  Brief. 
In  Omnibus  reqniem  qnesiyi. 

Also  sprichet  die  ewige  wiszheit :  ich  habe  mir  in  allen  dingen 
rüwe  gesftchet,  und  Icret  verirte  menschen,  wie  sü  in  dem  lofife  ires 
lebens  zu  fride  süUent  komen.  ic 

Wie  daz  si,  daz  die  warheit  an  ir  selbes  blos  und  lidig  si, 
doch  von  unser  naturlichen  eigenschaft  so  ist  uns  anegeborn,  daz 
wir  sü  in  bildlicher  glicheit  nemen,  untz  daz  der  swere  nidertragende 
lip  wurt  abe  geleit  und  daz  gelüterte  5ge  in  der  ewigen  sunnen  rad 
frilich  wurt  gestecket;  wan  untz  dar  so  gangen  wir  also  die  blinden  15 
suchen  und  griffen  umb  uns  und  enwissent  nüt  wo  oder  wie.  Und 
so  wir  joch  ettewenne  haben  die  warheit,  so  enwissent  wir  nüt,  obe 
wir  die  warheit  haben,  und  tügent  als  der  ein  ding  suchet,  daz  er 
in  der  haut  hat.  Und  der  mensche  lebet  in  zit  nüt,  der  dises  gentz- 
lich  lidig  Stande,  wanne  es  ist  ein  nachklang  der  erbesünde.  30 

Aber  under  allen  dingen  nach  mime  verstene  so  wer  nüt  also 
rehte  begirlich  zft  wissende  einer  gotsftchenden  sele,  als  daz  sii 
möhte  wissen,  waz  gottes  liebester  wille  in  ir  wer,  daz  sü  inie 
minneclicb  und  gevellig  mähte,  daz  er  sunder  liep  und  minne  und 
heimeliche  zu  ir  gewinne;  wanne  ein  reht  geordenter  mftt  kont  dicke  ^ 
dar  zu,  des  mich  duncket,  daz  er  dar  umb  einen  tot  wolte  Hden, 
daz  er  des  einen  liebten  underscheit  gewinne  in  allen  dingen.  Dise 
begirde  mähte  den  getruwen  Abraham   us  gende  von  sinie  lande 


XXL  Brief  (=  Kl  Bfh  IX).    Hss.:   c  d  h  R  8.   In  d  fehlt  der  Sehl^^^ 

von  J/'Vaö'  wor  mi. 

8  Also  —  wiszli.  fehlt  h  mir  fehlt  d  12  [unser]  naturlicher  /•' 

13  lälderycher  s  15  [die]  blindslichen  /*  [die]  plintloszen  JB  17  so  enw. " 
18  haben  fMt  h  19  discs]  des  hlt  23  wer  in  u  R  24  sunderlich  c^*^' 
und  minne  fehlt  hH        26  des]  als  c        27  in  allen  d.  gewynne  8 

7  Sir.  24,11.  24  er  =■-  dtr  Mensch.  27  des  =  van  G&Uet  W««- 

28  ff.  1  Mos.  12,1.4. 


|d  lüten  und  f: 


Grosses  Briefbucli.     XXI.  Brief, 


469 


frÜDdeü;  er  enwUBte  war  and  sächete  got  verre,  daz 
in  nach  vinde.  Dis  hat  gejaget  und  getriben  alle  usserwelte 
Lenschen  von  anegenge  der  wehe  untze  an  disen  hiitigen  tag  und 
kt  ienier  me,  waone  daz  liej)  wartspil  züliet  ine  dennc  der  adamast 
ad  bindet  lue  denne  tusent  Beil.  Wol  inie,  daz  er  ie  gehorn  wart, 
hpr  ea  vindet  und  ergriffet  und  sich  meiner  do  von  gekeret! 
'  Ach,  har  umh  vellet  mir  ein  sprueh  in,  den  las  ich  in  der 
ihtile  der  nature;  ich  las  in  nnd  verstfint  sin  aber  do  nüt,  Er 
pricbet  also:  er  beweget  unheweg:enlich  also  ein  geniintes  Uep,  er 
it  bertzen  ilen  nnd  begirden  16ffen  und  stet  er  also  ein  unbewegen- 
ehes  zil,  des  alle  wesen  varent  und  begerent.  Aber  der  15ff  und 
ng  ist  unglich:  der  Hellte  himel  machet  die  anbeis  kriechen  und 
en  geswinden  birtz  löffen  und  den  wilden  valkcn  fliegen.  Ir  wise 
S  UDgelich  und  haut  doch  ein  ende,  daz  ist  ein  ufenthalten  ires 
ins,  daz  von  dem  minnezil  ns  flässet. 
Die  glichen  vindent  wir  in  der  grossen  nnglicbeit,  die  man 
ider  gottesfninden  vindet,  die  do  des  gfites  enpfeuglich  sint;  wanne  . 
tiB  löfl'et  mit  grosser  strengheit,  eins  ilet  mit  Inter  abgescheidenbeit, 
uns  flöget  mit  schowelicher  bocbeit,  ieder  mensche,  also  ime  gezem 
8t,  Waz  do  an  ime  selber  daz  nehste  sie,  daz  wene  ich.  daz  daz 
Iteinem  besiuten  menschen  verborgen  si,  aber  waz  einem  ieklichen 
Dienechen  sunderlich  daz  aller  nutzest  si,  daz  wen  ich,  daz  daz  nie- 
man  dem  andern  künne  gesagen;  eigenes  befinden  und  g&tteliche 
erliihtunge  müs  des  einen  menschen  bewisen.  Denne  eines  spriehe 
ich  wol:   liplich   strenkeit  git  zfl  den  dingen  vil   gevellikeit,    dei'  es 


L 

■  4  adamaB  ch  5  daz  er]  der  *  6  begiySet  cd  ierct  H  7  laa 
Jueh  8  Mhflie  >  9  aller  lio  /rhli  <■  10  er  atet  AR  er  /«Alf  *  11  warent  a 
*WH*n  R  wardit  d  wartende  B.ynt  c  12  gar  nngL  ed  die  —  und  fehlt  h 
»oiinsien  Red  14  ufenthaltens  »  15  daz  —  flügset /eW(  h  uf  flüssetd)  »c 
■"  Den  e  17  ferueden  cd  16  sUrgheil  s  kranckheit  c  mit  (tweilei)]  in  hH 
*  itt  daz  —  22  wen  ich  fehlt  $  21  besinten]  besonnenen  c  verstcndigon  d 

r  [du]  aller  n.  dR       23  eig.  —  24  bewisen  fehlt  h      25  gevellecliube  #     es]  a;  c 

Vgl.  Hebr.  11,8.  7  f.  in  der  nchäle  dor  nature  =:  im  lAilotophüic/iin 

W.  8  ff.  ArUtoleli»,  Mtlaph.  XIle.T  iJ072a  Säff.bSff.)  ist  frei 

20  ff.  Dan  beschauliche  Ltben  int  an  u.  für  sich  das  häehtte,  aber 

I  tind  dasu  berufen.-  vgl.  die  Änm.  tu  Kl  Bfi  .3M(,Iß  und  Dtniflr,  Dom 

',  Lebtn  3ti3ff.  Zitat»  ou»  Gregor  (eigenes  befinden i  u.  Diontjsiwi  (göttel. 
jUlmige)  Mieht  Kl  Bfb  3S8,3f)f. 


4 

4 
n 


470  Grosses  Briefbuch.    XXn.  Brief. 

tut  mit  beschcidenheit.     Es  ist  kuntlich,  daz  nieman  z&  allen  zitten 
in  sime  loff  uff  eiroe  päntelin   mag  bestan;   dar  umb  sol  man  den 
dingen    gar    sitlich    nach   gan.     Uff  den    sinn    sprichet   der  wise 
Salomon:  alle  ding  babent  ir  zit.    Wanne  also  der  luter  inker  au 
eime  frummen  menschen  sin  zit  wil  haben,  also  wil  och  der  örden- 
lich  usker  nach  gottes  lop  sines  zittes  nüt  verhalten  werden.    Wer 
sich  alleine  setzet  uff  inrekeit,   der  wurt  entrihtet,   so  in  got  zühei 
zft  usserkeit;   wer  sich  och   nuwen   behencket  in   usserkeit,  der  ist 
ungebögig  zft  innerkeit.    Ein  wiser  mensche  sol  sin  innerkeit  in  dei 
usserkeit  nüt  verwerffen,    noch  der  usserkeit  von  der  innerkeit  nii 
verlöickeuen,  sunder  da  es  ane  triffet  die  werk  der  gehorsame.    Ei 
sol  sich   selber  in  den   wercken  mit  heiligen   begirden  unmüssi^'en, 
daz  er  geswinde  wider  in  die  heimeliche  müge  komen,  and  sol  sicli 
selber  in  der  innerkeit  also  in  gottes  haut  geben,  daz  er  der  gehor- 
same  siner  obern   müge  gnüg  wesen.     Und  also  get  er  us  und  in 
und  vindet,   do  von  er  gespiset  wurt,   wanne  er  vindet  rüwe  nach 
der  wiszheit  lere  in  allen  dingen. 

Dis  schribe  ich  üch  dar  umb,  sit  ir  got  verre  in  daz  eilende 
gevolget  hant,  daz  ir  in  nahe  und  verrc  kunnent  vinden,  den,  der 
do  in  allen  dingen  hat  sin  wonen.  Ich  weis  einen  menschen,  derä( 
kam  sines  lidenden  eilendes  eins  males  under  einem  crucifix  an  den 
eilenden  Cristum;  do  antwui-tet  er  ime  her  abe  innerlich  also:  r,i^ 
solt  dar  umb  lieblos  sin,  daz  du  mir  zft  eime  liep  werdest,  und  solt 
dar  umb  versmehet  sin,  daz  du  mir  zu  eime  lobe  werdest,  so  solt 
du  dar  umb  unwert  sin,  daz  du  mir  zu  eren  werdest.**  ^ 


2  gestan  hH  4    inker]   kerin  (!)  a*  6   verschalten  s   verschiffit  c 

7  eutriht.J  intfredet  c  8  wer  —  9  iimerkeit  fehlt  h  10  noch  — 11  p^"^^^^- 
fehlt  h  noch  die  usserk.  s  15  sine*  chs  gnug  müge  w.  s  19  ^'^^^ 
^^evolg,  hR        21  males  fehlt  s        ein  cruc.  chs         23  und  —  werdest  jW^  ^ 

1  besch(;idcuhcit  =  Diskretion,  Ähnliclie  Äusspriiche  Vita  108,llf' 
KlBfh  3f)4,lljf\  .76«^5.  Weitere  Belege  bei  Dmiße,  Luther  uml  Lathttiti» 
I-,o(jyff.  2  f.    Vgl.  Vita  166,21  f  4  Fred,  3,1.  4  ff .  inker  =  /' ' 

sdiauuiKj ;  usker  =  Beschäftigung  mit  äusseren  Dingen,  6  ff.  Ähnlich  0^ 
danken  in  den  Sprüchen  Vita  165ßf,  167,15  f.,  168,7/.  u.  Kl  Bfh  3So,Sf' 
Tnuhrs  Lvhre  bei  Deniße,  Brga  XXXI f.  8  behencket  mit  der  AnlrMü- 

lirhktit  an  die     sinnlichen  Dinge.  16  f.  Joh.10^9;  Sir.  24,11. 

20   Vgl  Ps.  ViS,7ff. 


Grosses  Bripfbiidi.     XXII    Briff. 


Estote  perfectl! 
Also   sprichct   die   ewige   wiazheit  Jesus  CriBtiiH   zft  ainen  iies- 
irelten  jüngeru,   die  nach  hohem  lebeu  stalteu :  „ir  sent  volkomen 


'  Oex  lieht  Dionysius  an  dem  bfiche  von  deu  eugelsliclien 
Inrchien  sprichet  alao,  daz  die  uideru  vod  den  ibern  werdent  ge- 
Aet,  erlühtet  und  volbraht;  nad  dae  geechiht  alles  mit  dem  iis- 
%chendeD  glantz  der  überwesentlichen  snnnen,  mit  einer  gemein- 
de dez  hohen  neflusees,  mit  nnwer  inluhtender  warheit. 

Diis  bilde»  glichnisse  viiident  wir  ettewie  vil  in  zit  in  manigcr 
fi  wise  in  vil  menseheo.  Doch  also  mich  diincitet,  daz  es  dir  -/.ti 
ftftre:  daz  Torben  lit  an  usgetribenheit  alles  des.  daz  creature  oder 
eatnrlich  ist  nach  hafte  und  hegirde  und  kuraber,  daz  dich  in 
iner  wise  vermitlen  mag,  und  wer  daz  der  hÖheste  geist  von 
'raphin  oder  der  heilig  sant  Johannes  oder  waz  daz  ist,  daz  ge- 
haffen  ist,  —  dem  aoltu  us  gan.  Du  weist  vil  wol,  wie  rebte 
mdig  der  satan  ist  nnd  nie  gr&szlieb  maniger  beilger  mensche  hie 
fffirret  ist.  Lfige,  kint  miös,  ich  gibe  dir  den,  der  alle  heiigen 
keilget  hat,  die  ewigen  wiszheit;  und  den  ungeordenten  kumber, 
R  du  vor  an  sin  getat  leitest,  den  leg  nü  an  deu  gemiuten  zarten 
Iren.  Ich  weis  wol,  daz  du  es  in  gi'iter  meinunge  tele;  aber  die 
le  meinunge  ist  in  allen  dingen  nüt  geuüg.  Es  gebot  unser  berre 
i  vor  durch  Moyses  nnd  epracli:  „dnz  reht  und  g&t  ist,  daz  soltn 
b  und  6rdenlich  tön"* ;  anders  daz  reht  wurt  unreht. 

Aber  nach  den  elaren  inflüssen  der  g6ttelichen  warheit  do  soltti 
pt  nnd  tag  nach  kalen  nach  nuwem  lieht,  nach  nuwer  warheit, 
URie  die  warheit  ist  ein   lieht,  daz  die  timbern  vinster  der  tin- 

XXII.  Brief  f=  Kl  lifb  Xi.  Ilg«.:  e  d  h  H  n. 
l  8  Bprach  Ü  4  die  ~  stalten  fekll  hJli  8  lieht]  Icue  d  7  ueilcr- 
I. .  oversten  cd  7  f.  gefurbct]  gcrejoiget  c,  /«/ill  dh  8  als  cdR  dem] 
m  idh  10  mit  n.  inl.  ivarfa.  fehlt  d  11  Dee  cd  13  ufffirben  «  reinigen  e 
W  [de>  du]  creature  s  des  fehlt  dhR  U  haste  dhs  18  «atan]  viant  d 
Mtiiret  n  myii  kiat  ed         21  getet  a  22  die]  dein  hll         iA  and 

M  fthU  hU  25  unreht]  viircht  g  2t!  dem  d.  inflneae  cd  27  quelen  chH 
Mr  liebten  (!)  »        28  timbern]  tutnben  »  dode  d,  fehlt  ch        viostcmusse  dh 

I      S  Matth.  Ö,Jö'.  öff.  De  coei.  HitraicMa  H,l.-  7^.3.-  i,3.    Zu  iiideru 

Utren  trgäntt  ,rit  Kl  Bfh  390,:!  eiigel.  24  f.    V  Mo».  IG^O. 


472  Grosses  ßriefbuch.    XXIII.  Brief. 

wissenheit  vertribet;  und  daz  lieht  wurt  ettewenne  in  mittel;  etwenne 
snnder  mittel  enpfangen,  daz  die  sele  in  fröide  ernawert  und  si  mit 
göttelichen  formen  erfüllet.  So  dir  des  in  zit  ieme  werden  mag,  so 
dir  alle  irdenscheit  ieme  enpfellet^  und  daz  untodemlich  kleit  des 
künftigen  iemer  werenden  liehtes  ieme  wurt  geeigent  in  einer  Ver- 
drossenheit aller  zitlicheit. 

Und  in  dem  enspringet  denne  daz  dirte,  daz  ist  wäre  vol- 
komenheit^  die  do  lit  an  der  waren  vereinunge  der  hohen  kreften 
der  sele  mit  dem  Ursprünge  in  hohem  schowene,  in  inbrünstigem 
minnene  und  in  süssem  niessenne  des  hohen  gutes,  also  vil  sü  vor  ] 
krangheit  des  sweren  libes  vermag,  untze  sü  5ch  abe  geleit  des  libes 
swerheit  und  frilich  nach  ilet  irem  geminten  in  vollekomener  selikeit. 

Sich,  min  kint,  disem  pfat  gang  nach  und  kumme  dar  ab  out, 
so  wurstu   voUekomenliche  bewiset  der  höhsten   warheit  und  vahest 
hie  in  zit  an  einen  yorsmak  ewiger  selikeit.    Und  so  du  den  vinger  i 
göttelicher  lere  ie  girlicher  sagest,  so  du  ie  lüterlicher  warst  gewiset 
und  ie  hertzeklicher  mit  dem  trancke  der  ewigen  wiszheit  getrencket. 


XXIII.  Brief. 

Exivi  a  patre  et  veni  in  mnndum;  iterum  relinquo  mondnm 

et  Tado  ad  patrem.  ^ 

Also  sprach  der  ewige  sun  an  dem  jüngsten  nahtmale,  do  er 
von  sinen  jungern  hin  zu  sinem  vatter  scheiden  weite:  „icb  bin 
komen  von  mineni  vatter  in  die  weit;  nu  wil  ich  die  weit  la8.*en 
und  varen  wider  zu  minem  vatter." 

Der  wise  man  sprichet:  „drü  ding  sint  mir  unmugelich  zft  er-^ 
kennende :  daz  erste  ist  des  adelers  flug  in  dem  luft,  daz  ander  ist 


1  vcrtr.  der  unw.  liH  in]  ein  hs  etw.  —  2  mittel /eAtt  h  2  vreudenf' 
3  So  —  4  eiii)fellet  fehlt  h  6  geneyget  cd  9  seien  *  16  begirlicher  ^ 
17  Amen  hR 

\}iIII.    Brief.     Hs8.:    h  c  d  h  m  X  U, 

10  patre  ineo  dmX  21  f.  nabtmal,  das  er  zö  lezst  mitt  sinen  jungern  ass 
und  er  von  s.  j.  17  24  var  bU  25  drii]  die  U  unmügel.]  mulich  T 
26  iiren  InnX        den  lüften  hcU 

8  f.    Vyl.  Bdw  347,13  ff.  19  f.  Joh.  16,28.  26  ff.  Sprichv,  30,1b f- 


Grosse»  Briefliiicli.     SXIII.  Brief.  473 

"leg  gcliiffee  we^  uf  dem  mer.   daz  dirte  ist  des  slangen  sliclien  uf 
iem  herten  stein." 

Diser  adelar  ist  da^  wort  in  der  gotheit.     Wie  daz  us  äiessende 

ist  und  wider  in  fliesseode  ist,   daz  ist  allen  geisten  verborgen,  als 

fies  ime  ist  in  ime  selber  offenbar;  aber  daz  ander  als  sin  geburt  ist 

ein  Sache  aller   creaturen   gebereng.     Daz  lau  ich  nu  zQ  mole  ligen 

and    nim   daz   dirte   stucke,   daz  ist  ein  ende  sines   herkomeng,   daz 

siut  alle  die  guten  gemüte,  die  in  gotte  eweclich  gestanden  sint,  daz 

er  die  lere,  wie  sii  wider  z&  ime  klimmen  süllent.     ßxivi  a  patre. 

K  Es  wart  gefraget,  ob  der  mensche  dar  zu  m&htc  klimmen,  daz 

er  lidig  wurde  stonde  aller  neser  Übungen,  und  ob   usser  übunge 

begger   were   oder   lidig   ston  von   innan   und  von   ussenan  in  einem 

schowende,     Do  wart  geantwurtet  also:  anevoheuden  menschen,  die 

noch  mit  den  snecken  in  dem  horwe  irs  eigenen  gebresten  krieclient, 

U  den   gehört   nit  zfi,    daz  gi'i  sieb   dem    adeler  in  sime  dug   glichent, 

mer  sü  süllent  flis  lian,  daz  si  gangent  in  sich  selber  und  lögent, 

wa  sü  haftent,  daz  sü  sich  da  entlidigent.    Wer  mit  aweren  bürden 

wil  fliegen,   daz  gat  ime  übel  zft   banden.     Da  von  so  sol  sich  der 

mensche  scheiden  von  allen  creaturen  in  dem  anevange.   obe  er  zft 

■9C  vollekomenlieit  wil  komen.    Daz  ander  stücke  ist,  sinen  lip  an  grifleii 

mit  kestigunge  in  einem  abbrechende  an  slaflTende,    an  essende  und 

an  trinckende   nnd   alles,    daz  ime   lustiich   &i;    wan   sin  lip  ist  der 

weitste  vigent,  den  er  gehaben  mag.  wan  er  mns  in  alle  zit  bi  ime 

tragen  nnd  ein  doch  lidig  stan. 

1  des  Bchiffea  weg']  ilaz  adiiS  bdhmNÜ  uf]  in  ch  schlingen  hmN 
^  Heia  h.  steinen  6  3  ar  dhmN  d,  ewij^e  wort  c  4  und  wider  iu  L 
J'Ml  td  4  f.  als  ime  selber  offenbar  ist  mN  u\s  nn  offenbar  ist  h  5  gelben  h 
aWt  fehll  dhniX  ala]  i^t  hmN  b  f.  die  ein  sach  ist  hmN  G  gebereu  {.' 
"a)  ,vete  r  7  das  ist  Aaz  bU  9  die]  ai  h(/  U  aller  —  12  slon  fehlt  h 
uW(>«d]  Übung  Uc  12  und  v.  ussenan /rAK  bü  12  f.  in  rin.  gcbow.]  uad 
"h  ir  sin  recht  gedenckent  ü  14  ir  mN  IB  noch  nit  V  aren  dAm.V 
IH  mer]  aber  b  in  gangont  in  a.  b,  hmN  17  wa]  wie  U  Aa.]  da  van  <! 
<lw  mN  wan  wer  hmN  swerer  ch  18  fliegen  wil  hmN  21  kestigen 
''iid  im  nlibreuben  hmN  2t  f.  [nnd  iin  trinck.]  und  an  anderu  dingen  und  an 
(^■m  dem  dai  ime  InsUich  ist  hntN 

3  ff.  Vgl.  Vita  178^1  f..  179,S3ff.und  dir  dort  gegebmm  Erläuterungen, 
ftritrr  Eckliart  165,34 ff.  7  ein  ende  aines  berknmena  =  das  Zitl  dt« 

Kommen»  auf  die  Erde,   der    Measchterrdung.  8    Vgl.  Sdwr  331,16  ff., 

334Mjf..-  Füaä3,4.  10 f,   i'gl.  Sdw  358,7 ff.  WS.  Vgl.  Kl  B/h  373,18 ff. 

Zh  trgänjen  ist  hier  die  Mahnung  eur  Diskretion  in  dir  Axkent,  rgl.  n&c»  470,1. 
22  f.    Vgl  Vita  106,1  f.  -t.  EvkhaH  39,13  ff. 


474  Grosses  Briefbuch.    XXIH.  Brief. 

Ich  frage  drier  fragen.  Eine  ist:  weles  daz  hoheste  si  an  be- 
kontnissc,  die  ander:  weles  daz  beste  si  an  lebende,  daz  dritte  ist: 
weles  daz  nehste  si  nach  inren  Übungen.  Disen  fragen  si  kurtzlicb 
geantwurtet  also.  Daz  erst:  got  sander  mittel  schowen;  daz  ander: 
einen  vereineten  willen  in  liebe  und  in  leide  mit  ime  haben;  daz  5 
dirte:  in  einem  ieglichen  nu  ein  widerinfliessen  haben. 

Aber  zfi  der  frag,  obe  der  mensche  dar  zfi  müge  komen,  daz. 
ii?ie  alle  iibunge  werdent  enpfallende,   süllent  ir  wissen,  daz  es  ge- 
schiht  under  stunden,   daz  ein   mensche  in   schowelicher  als  in  ge- 
bnichlicher  wise  einer  lidiger  friheit  in  ime  enpfindet,  die  in  nf  inre  10 
lidikeit  und  uf  usser  friheit  zähet  und  ein  vereint  einunge  mit  der 
höhsten  warheit  erzöuget,  daz  er  der  solle  genüg  sin  und  enkeiner 
wise  me  sülle  ahten.     Und  wan  die   menschen   noch  nit  zfi  gründe 
durch  sich  selber  sint  erstorben,  noch  die  wise  nit  wesenliche  in  in 
ist  gestillet,  denne  alleine  nach  einer  eilenden  unzitlicheit  zu  gevallen,  ^ 
so  gesehiht  dicke,   daz  si  do  von  werdent  gehündert  und  nit  klein- 
liche gesumet,  wan  es  noch  nüt  sinen  vollekomenen  dnrchbrueh  hat 
genomen.     Dar  umb   duncket   mich   fürderlich,   wie  hoch  sü  itnier 
koment,   daz  sü  docli  dise  vier  Übungen   habent  und  in  die  nieiner 
lassent  abe  gesprecben,  wanne  sü  sint  nach  minem  verstende  zu  der* 
hühtsten  vollekonienheit  die  aller  nehsten. 

Die  erste  ist,  daz  sich  der  mensche  alle  zit  samene  von  aller 
nianigvaltikeit  in  ein  einvaltig  stilheit;  daz  ander  ist,  in  ime  selber 
ein  enizig  unverwenckete  wonunge  haben;  daz  dritteist,  dez  usseru 


1  Die  eyiie  cd  daz]  die  h  an]  in  cU  2  daz  ander  mXcd  »Ü« 
drit  ü  ist  fehlt  cd  3  inren]  ingender  hmN  4  sunder]  on  ftmN  6  eiiirm 
fMt  hmX  7  tragen  hc  8  do  sönd  ir  w.  hmN  ir  fehlt  b  9  als  io] 
oder  bc  9  f.  gebnichl.]  niosseclicher  b  niesslicher  U  10  in  ime  fehlt  dhmy 
die  —  11  lidik.  fehlt  dhmX  11  und  [uf]  unszer  frili.  hmX  ein]  im  tMw*V 
13  wan  fehlt  dhmX  14  wise]  wite  bU  16  gestület  6-.V  gestuelet  c  denne 
—  govallen  fehlt  m  nach  —  unzitl.]  den  menschen  h  nach]  in  cdN  elleuden] 
entlohten  U  entlendon  X  »utzychicheit  d  16  f.  nit  kleinl.  fehlt  h  17  ver- 
suniet  dhmX  19   diser  bhU        in  fehlt  mX  in  dit  fehlt  dli  niemer  in 

einer  stillen  (!)  b      21  voUek.  komeji  die  aller  meist  ist  b      24  emzig]  stete  dfony 

2.5  Vfjl  Vita  L'3.Wf.  5  f.  V(jl  oben  470,12 ff,  9  f.  in  gt^bruch- 

licher  wise  =  actualitn\  vt/f.  Kl  Bfb  SöOyiOff.  und  die  Anm,  ehd.         13  f.  wise, 
cyl.  Vita  107,3.  14  f.  iSinn  wohl:   noch  das  Streben,  ihrem  eigenen  Sinnt 

(statt  fiott)  zu  folgen,  roli^tändiy  in  ihnen  zur  Buhe  gekommen  ist,  nur  allein 
eintr  elenden   i'nyehi'trigiciit  zu  Gefallen  u.  s.  w,  22  fif.    Vgl,  Vita  IßiJff 

nojr>ji\ 


tirüBaes  Briefbiich.     XXIV.  Brief. 


475 


Heben  stetecliuhe  war  netneii  in  einer  wüiklicheD  nacliYolgitnge 
I  hohen  bildes  unsere  heiTen  Jesu  Cristi  nach  der  li&liesten  voUe- 
benbeit,  als  es  ime  denne  mügelich  ist  zu  tfiude  in  demiitikeit, 
srilliger  gehorsame,  in  senl'tmütiger  armät;  nnd  iils  der  himelscbe 
ter  sieb  selber  minnet  durch  sich  selber,  alBo  sol  der  menBche 
h  selber  nnd  alte  creatnreu  alleine  durch  in  minneu.  Die  vierde 
mge  ist :  wa  er  siüb  selber  iemer  vindet,  daz  er  sieb  selber  da 
^ande  lasse  nach  zit  und  ewikeit,  daz  ist  an  ansehen  keines 
lies.  Üis  bewert  sich  ein  teil  do  mit,  obe  der  böste  mensche  den 
1er  edelsten  handelte,  so  er  iemer  wurst  möhte,  da/,  er  sich  da 
ider  den  menschen  neigete,  als  ob  er  dot  were;  und  zä  glicher 
ba;  da  gat  eine  bin  und  vindet  einen  guldin  pfennig  oder  nit,  — 
pseltzen  daz  ist,  dan  man  einen  gnldin  vindet,  als  seltzen  solte 
ä  ain,  daz  der  mensche  sich  selber  iemer  me  fünde.  Gesebibt 
ler,  daz  er  sich  selben  vindet,  so  sol  er  sich  selber  da  lassen  und 
!h  mit  dem  sune  wider  in  daz  velterliche  hertze  neigen.  Daz  wir 
18  hie  also  vinden,  daz  wir  uns  eweklicben  niemer  verlierent,  dess 
If  uns  gott  der  vatter,  gott  der  sun  nnd  gott  der  heilig  geist. 


XXIV.   Brief. 

aatein  revelata  facie  gloriam  domini  simculantes  iu  eandeiii 
;lnem   traiisforniaitinr  a  claritate  in  cbirltatem,  tamqnRtu 
a  doniiiii  spiritii. 

Min  liebu  kint,  ich  han  uch  dicke  geleret  luterlich  leben,   nu 


I  wörkL]  V 
Oek.  fehlt  d  3  [cb]  in  daii  c  (e 

tj  gewilliger  h  ril  Am,V      ö  sIho  - 
l^t/vAH  U         obe]  daz  bdmN 
B  d,  fehlt  hmS      VI  da  —  hin)  alaz 
Ipfennig  Am.V         gder  n\t  f<Ht 


gnldetD  limN        giildin  pfenning  hc 
■  he         selber  fehlt  d         me  fehlt  dhmS 
19  Amen  feItU  bedhmX 


X        2  nus.  herreu  J'thlt  AniA'        uiicL 

esj  ilenne  iu  dh  in  demfit.  fehlt  h 

—  «  minoen  fefiU  dhmN       8  kleines  6 

10  edelBlen]  besten  menechen   kmX 

n  meiuch  der  do  gett  hmS      vindet 

selten  (tu-timal)  hmX 


14  siel)  selber  (tarch  Btcb 
15  vindet  —  lassen  fehlt  h 


XXIV.  Brief.    W*«..-    b  c  ä  h  m  N  H  f   C  i. 
82  in — 23  npiritii/eA/(  hH     22  f.  [tanquam  |  a  deo  syiri  tu  «     24  luterlich/t/iff  B» 

7  f.   Vgl'  Seiises  Predigt  Zterum  relini/uo  u.  Denißn,  Ua»  geixllieht  Leben 

12.ia  guldin  ipfennig)  ^  Goldmimte,  Gulden.  IHfL  JXeeer  nur 

ÜfUtferU  Schliue  »eigt,  daas  der  Brief  eigentlich  eint  Predigt  ist,  tait 

hervorge/U.   Vgl.  Zfda  l9,3Si*:  3(J,364.         21  IT.  l£Kor.3.1&. 


476  Grosses  Brief  buch.    XXIV.  Brief. 

wil  ich  üch  och  leren  andehteklich  betten,  swie  ich  leider  eutwederra 
nie  genfig   were  roit  dem  minsten  püntelin.     Daz   hohste   ende  ao- 
d§.htiges  gcbettes  daz  ist  ein  mittelosfi  vereinunge  der  sele,  so  si  mit 
allen  iren  kreften  gesamnet  in  daz  bloss  abgründ  des  ewigen  gutes 
mit  lutrem  schowen,  inbrunstigen  minnen  und  süssen  niessen  versöffet  i 
wirt,  daz  sfi  ir  selbes  und  aller  ding  untz  an  daz  luter  gftt  ein  ver- 
gessen  gewint.     Wan  aber  die  sele  von  des  armen   libes  swarheit 
emzklich  wirt  nider  gezogen,  daz  sä  dem  göt  nfit  luterlich  mag  an 
haften,  so  müss  su  etwaz  behelfens  ir  selber  hau,  daz  s&  dike  wider 
in  leite.     Nu  vindet  man  manigerley  gebet    und   misslich  andaht,  10 
dar  nach  als  denn  ein  mensch  gemüt  ist  oder  als  denn  sin  loff  ist. 
Aber  mich   dnnkt,   daz  daz  ein  übergülden   alles  andahtes  und  ein 
lieht  alles  gebettes  sie,    daz  da  gät  ufif  daz   minneklich   bilde  Je«n 
Gristi  und  uff  sin  minnekliches  liden;  wan  da  hat  man  got,  da  bat 
man  menschen,  da  hat  man  den,  der  alle  heiligen  heiligot,  da  vindet  ISi 
man  Icben^  da  ist  der  höchst  Ion  und  der  obrest  nutz.    Und  da  sol    { 
ein  mensch   mit  entbl&stem   gemfite  von  allen   creatürlichen  dingen 
die   götlichen   gänlichi   des   himelschen   herren,   die   ewige  wiszbeiL 
schowen,   und   sol   sich   in  daz  selb   bild   verbilden   von  klarbeit  ze 
klärheit,   von   klärheit  siner  zarten   menscheit  ze  der  klärheit  sioertf 
ewigen  gotheit;   wan   so  wir  in  nu   ie   dicker  mit  spilenden  ogen 
minneklichen   an  blikeu   und  alles  unser  leben   nach  im  bilden,  so 
wir  eweklich  ie  ueher  und  ie  höher  in  den  himelschen  Ion  werdent  \ 
geset/et.     Aber  wan  der  geminete  herre,   ein  exemplar   unser  geist-    ^ 
liehen  ogen,  got  und  mcDSch  ist,  so  höret  etwaz  die  gotheit  an,  etwaz  Öj 


1  üch  fehlt  b  och  fehlt  dli  2  nie]  ie  z  mit  —  pünt.  fehlt  z  hoch  ht 
3  vereiiiia:ung  hmXsU  4  daz  fehlt  b  5  mit  einem  lut.  seh.  r  versöffet] 
versenkt  hl<  7  aber]  als  z  swachheit  z  8  eintzklich  sz  8f.  luterlich 
nüt  mag  haben  und  an  haften  z  10  man  fehlt  b  gebett<?  ze  misslicheii  ü: 
11  oder  —  iat  fehlt  sU  12  daz  [daz]  zcdmX  14  hat]  vindet  ( zweimal i : 
16  daz  ist  d.  h.  Ion  h  aller  höchst  e  17  mit  einem  entbl.  g.  zc  191'.  ton 
klSrh.  ze  klarh.  fehlt  bhl<8  21  nu  m  hRs  nu  fehlt  z  23  hoher]  neher  h 
den]  dem  EU        Ion]  tron  mN        26  ist  fehlt  z 

2  ft".  Sruse  beschreibt  hier  treffend  das  Ziel  der  Kontemplation,  Zar  Er- 
kl'irung  vgl.  Thomas ,  S.  Th.  2,3 q.  179 sq.:  Denifle ,  Das  geistL  Leben  523 f.; 
Eies  a.  a,  0.  ^8()ff.  5  Dieselben  Ausdrücke  in  Brief  Estote  472j9f. 

6  f.    Vgl  Bdiv  346,8  Anm.  7  —  24   ist   in  Brief  X  Kstote  perfe^ii  d«f 

KlBfb  391,1     IS  aus  züglich  wiedergegeben.  15  der  alle  heiligen  heilis^^t 

ehtnso  schon  47 1,19  f.  19  Vgl.  Vita  168^9  f.  24  ff.  Vgl  Bdw  Kap.  5  «.*>. 

H'o  Scuse  die  falsche,  einseitig  innerliche  bezw,  äusserliche  Auffassung  des  Vor- 
bildes Christi  ausführlich  zurückn-eist. 


j 


Grosses  Brief  buch.    XXV.  Brief.  477 

e  menschheit,  etwaz  su  beide ;  an  etlichen  einen  werken  ist  er  uns 
I  volgen,  an  etlichen  ist  er  allein  zu  schowen  und  zu  wundren  mit 
ner  diemütiger  undergeworffeuheit  ane  alles  vrävels  nachgreben 
ner  überswenken  Verborgenheit.  Und  also  wirt  ein  mensch  von  - 
er  gotheit  gespiset  und  von  der  menscheit  gewiset  und  von  in 
eiden  emzklich  ze  andaht  gereisset. 


XXV.  Brief. 
Mihi  autem  adhaerere  deo  bonum  est. 

Das  edel  seitenspil  des  heiigen  geistes,  der  wissage  David,  der 
was  eins  males  besoffet  in  der  stille  des  götlichen  schowens  und 
sprach  daz  edel  wörteli:  Mihi  autem  etc.,  daz  sprichet:  mir  ist 
gut;  daz  ich  got  an  hafte. 

Owe,  min  zarten  kinder,  daz  min  munt  üch  dicke  hat  girlich 
geseit,  do  ich  bi  üch  was,  daz  riiffet  nu  min  hertze  mit  luter  stimme: 
daz  ist  gftt  und  ist  besser  und  ist  daz  aller  best,  dem  gut  allein 
leben,  im  wesen  und  mit  minneclicher  begirde  zu  allen  ziten  alleine 
^  haften  und  alles  anders  kumbers  und  unrüwe  vergessen;  wanne 
in  dem  anhafte  da  wirt  die  sele  verswemmet  in  daz  einig  ein  und 
^irt  widergeflösset  in  daz  gut,  dannan  sü  geflossen  ist,  und  als 
sant  Paulus  sprichet:  „der  anhaft  machet  die  sele  einen  geist 
mit  got." 

Ach,  und  daz  begert  der  clare  widerglast  des  ewigen  lichtes, 
der  luter  Spiegel  der  göttelichen  majestat,  eya,  und  daz  8ch6ne  bilde 


1  f.  ist  er  und  ist  uns  zu  volgen  (!)  hs  ist  er  —  2  etlichen  fehlt  dmN 
3  ane  —  4  verborg,  fehlt  *  nachj^cben  (!)  hR  4  überswenkenden  bcU  über- 
swenkigen  zJt        5  in]  den  h        6  Amen  r 

XXV.  Brief  Hss.:  b  c  d  <j  h  m  X  n  R  s  U  z.  In  mN  fehlt  der 
^'chlugs  von  478,19  Seli^  ah,  wofür  ein  Teil  der  Predigt  Lectulus  angefügt  ist. 

9  f.  [der]  was  s  10  besloffet  s  11  daz  —  sprich,  fehlt  dH  daz 
sprich,  fehlt  b  12  an  hafte  bin  z  13  zarten  —  14  stimme  fehlt  g  zir- 
H  8  13  f.  geseit  girlicli  b  15  irüt  (z\veitesi)\  got  z  guten  mN  16  leben] 
?eben  b  im]  in  hR  myn  j?  17  und  alles  —  18  anhaftf?  fehlt  hz  anders 
'^t  bs  18  anhaften  b  da  fehlt  bcg  19  als  fehlt  bv,  22  und  fehlt  z 
W]  wäre  b        23  majestat]  her  kraft  g 

4 f.  Vgl.  Joh.lO,y.        8  Ps.  1:>,:^S.         18  Vgl.  Bdtic  :J35,J(;  u.  Bdw  336,7 ff, 
20  f.  I  Kor,  0,17.     Zur  ErkUlrang  vgl.  Rüs  a.  a.  O.  ^^^.s,  305  Jf. 


478  Grosses  Brief  bach.     XXV.  Brief. 

der  gotlichen   gute  an  dem  jüngsten   nahtmal,   daz  er  hat  mit  sinen 
Heben  j augern  und  sprach:  „heiliger  vatter,  ich  beger,  daz  sü  eins 
mit  uns  sin,  als  ich  und  du  eines  sinf     Und  welle   alsas  ein  mit 
ein  in  einikeit  worden  sint,  der  hertze  und  geist  wirt  ernuwert  mit 
dem  infliessen  sins  selbes  geistes  mit  nuwer  warheit,  mit  verborgem 
liebte,  mit  ungewonlicher  süssikeit,  mit  eime  ablegen  aller  unglicheit. 
mit  eime  waren  inblick  der  gottelichen  clarheit.    Alle  ir  sinne  koment 
in    sogtan   ingezogenheit    und   ir   verstantnisse   in  ein    schowen  der 
blossen  warheit,   daz  kein  schöner  blüm  in  disem  wunneklichen  zit 
sich  nie  so  schone  naturlich  gefarwet  noch  geziert,  als  ir  hertze  und  10 
mfit  in  dem  hohen  Ursprünge  alles  gfttes  übernatürlich  wirt  mit  gnaden 
und  mit  tugenden  geziert. 

Ach,  habent  uflF  üwerü  ögen,  lügent,  wes  fr6wet  sich  ietze  berg 
und  tal,  lob  und  gras,  wes  lachent  ietze  die  schönen  beiden?  Xilit 
anders  denne  von  der  claren  sunnen  nacheit.  0  ininü  lieben  kint.  l* 
dem  nü  die  gewere  sunne  inluhtende  ist,  dem  sü  inwonende  ist,  von 
dem  alles  gewülken  und  timber  nebelheit  vertriben  ist  und  mit  dem 
gotlichen  glaste  durchglestet  ist,  wie  mag  der  so  rehte  wol  ein  som- 
merliche wunne  haben!  Selig  ist  der,  der  es  hat!  Ist  es  nut  ri 
allen  zitten,  daz  er  sin  doch  underwilent  ein  bevinden  hat. 

Ach,  und  dar  umb,  minü  zarten  kint,  so  erswingent  ücb  in 
die  stillen,  wilden,  wüsten  gotheit  und  verheftent  üch  dar  inne,  daz 
üch  in  zit  nieman  begriffen  kunne,  daz  ir  sprechent  mit  sant  Paolos: 
^ich  leben,  nüt  nie  ich".  Hier  uff  hat  üch  got  dicke  dur  raine  wort 
gezogen;  ich  beger  och,  daz  er  üch  nu  sin  volkomenlich  durch  mini^ 
werk  bewise.  Minü  usserwelten  kint,  lident,  lidcnt,  und  wissent,  dsz 
ein  kraucker  lip  und  ein  vestes  gem&te  mügent  ellü  ding  in  got  über- 
winden.    Nement  war:    wer  der  schonen  rosen  ogen weide  togenlick 


3  als  da  ich  z  eines  und  eines  sint  hlisz  eines  und  einig  s.  E  f>  ^^^ 
intiüssen  h  dem  iiifluss  g  7  sinne  —  8  ir  fehlt  d  9  diser  schmX  wudd^ 
zit  hs  10  sich  fehlt  h  noch]  und  hHs  11  mfit]  miint  b  hohen /f^^^* 
usspiiinge  hs  natürlich  z  13  frowent  hgmNEÜ  14  lachet  hdhne  st'WDf 
beide  sdhn  15  Min  fehlt  z  nacheit]  nehung  hU^  fehlt  hc  lieben /«A^-' 
16  nu  fehlt  sU  gewere]  war  dghnli  17  gewülke  sdghU  tumber  o»^ 
nebel :;  18  rehte /e/tft  s  so  wol  ein  rehte  sum.  w.  sn  21  Ach  —  26  kint/iÄÄ| 
22  wilden  stillen  h  24-  me  fehlt  a  me  [ich]  dRU  hie  her  uf  h  ^^ 
fehlt  z  25  r)ch  fehlt  h  volkonienheit  lisUz  26  lident  einmal  dU  ^'und 
[ein]  z        müu:  z        28  toj^enlich  fehlt  hlis 

2  f.  Joh,  17,11.  :>1.  4  f.   Vgl.  oben  471,26  ff.  23  f.  Gal  2^30. 


GrosHCs  Briefbuch.    XXVI.  Brief.  479 

haben  wil  und  der  wunneclichen  fruht  des  baisamen  niessen  wil,  der 
IHÜ6S  ir  natürlichen  art  volwarten  in  gemach  und  in  ungemach,  bis 
daz  der  frölich  tag  kunt,  daz  er  sü  in  spilender  wunne  frölich  nies- 
send wirt  nach  alles  sines  hertzen  last. 

Ach,  ir  rainnenden  hertzen,  nfi  hörent,  wie  min  hertze  die  rede 
beslüsset!  Ir  sond  also  werden,  daz  ir  mugent  sprechen  mit  sant 
Paulus:  „hinnan  für  so  lasse  mich  ieder  man  schaflFen  daz  min,  wann 
ich  trage  die  fünflF  zeichen  Jesu  Cristi  an  minem  Übe.'' 


XXVI.  Brief. 
Pone  me  nt  slguacnlum  super  cor  tuuni! 

Es  begert  der  ewige  got  von  siner  gemahlen  einer  bette  und 
sprichet  also:  „lege  mich  als  ein  minnezeichen  uff  din  hertze!" 

Minü  lieben  kint,  ich  sende  üch  hie  die  briefe,  daz  ir  alle  zit 
ehvaz  habent  in  den  munt  der  sele  ze  legen,  da  von  üwer  hertz  und 
niöt  emüwret  und  enzAndet  werdent  in  der  süssen  minne  der  zarten, 
niinneclichen  ewigen  wiszheit;  wau  dar  an  lit  daz  höhste,  daz  wir 
in  zit  mügent  han,  die  wile  uns  der  blosse  anblick,  der  mittel- 
lose umbvang,  ach,  und  der  iemer  werend  ingang  verseit  ist,  daz 
wir  dicke  an  daz  liep,  ja  gewerlich  an  daz  einige  usserwelte  liep 
dike  gedenken,  daz  hertze  nach  ime  verseneden,  dicke  von  ime  reden, 
sinn  minneklichü  wort  lesen,  durch  in  ellü  unserü  werk  tügen,  niemau 
off  ertrich  denne  in  allein  meinen.  Daz  oge  sol  in  minnecliche  ane 
büken,  daz  ore  zu  sinen  worten  sich  uff  bieten,  hertze,  sin  und  mftt 
in  umbvahen.  So  wir  in  erzürnen,  so  söllin  wir  in  flehen ;  so  er 
nns  übet,  so  söllin  wir  in  liden ;  so  er  sich  birget,  so  süln  wir  daz 
gemintc  liep  suchen  und  nieraer  erwiuden,   e  wir  in  aber  und  aber 

1  fruht  —  2  naturl.  fehlt  h  2  müsse  [ir]  s  wol  wart«Mi  gz  und 
in  unsremach  fehlt  s  bis  fehlt  b  5  Ach  —  6  beslüsset  fehlt  y  die] 

<ii8ze  hdn        7  so  fehlt  z        8  Amen  hnli 

XXVL  Brief  (=  Kl  Bfh  XI),     IIss.:    c  d  n  H  .v  z. 

13  disen  prieffe  n  [die]  brvefe  8  14  hab.  etwaz  scli  den]  dem  dnRz 
20  versenen  cR  21  werk]  wort  cdUs  din»;  a  tfi<^en]  sprechen  d  trafen  R 
23  sich  fehlt  dz  24  im  flehen  cds  25  durch  in  liden  z  26  uch  niemer  s 
6  daz  « 

7  f.  Gal  6,17.  10  Hohd.  b,6\  1:5   die  briefe  vcifit  wohl  darauf 

^i«,   dass  Seuse  den  Brief  Pone  mc  zu  gleich   mit  einem  oder  mehreren  andern 
^n  dieselbe  Adresse  (Kloster  Töss^)  gesandt  hat.     Vgl,  JJeniße  in  Zfda  '^1,93. 


480  Grosses  Briefbuch.    XXVII.  Brief. 

wider  vinden ;  so  wir  in  vindeo,  so  söllin  wir  in  zärtlich  und  wirdek- 
lieh  behalten.  Wir  standen  oder  gangen,  wir  essen  oder  trincken, 
so  sol  alweg  daz  giildin  furspan  Jesus  uff  unser  hertze  gezeichent 
sin.  So  wir  nüt  anders  raügen,  so  süllin  wir  sin  bilde  durch  unser 
ogen  in  unser  sele  trucken;  wir  s611in  sinen  zarten  namen  lassen  in  i 
dem  munde  umb  gan,  uns  sol  tages  als  ernst  sin,  daz  uns  nahtes  da 
von  getr6me.  Sprechent  mit  dem  wissagen  mit  eime  hertzklichen 
süftzen:  „owe,  geminter  got,  owe,  du  schönü,  zartü,  usserweltA  wi8z- 
heit,  wie  bistu  so  gut  der  sele,  die  dich  suchet,  die  din  allein  begert!'^ 

Sehent,   dis  ist  die  beste  übunge,   die  ir  haben   mugent,  wan  ii 
ein  kröne  aller  übunge  ist  emtziges  gebet,   und  daz  ist  uff  dis  als 
uff  sin  ende  gerihtet.    Waz  t&nt  sü  in  dem  himelschen  lande  anders, 
denne  daz  liep,  daz  geminte  liep  schowen  und  minnen,  minnen  und 
loben?     Und  dar  umb,   so  wir  daz  g&tlich   liep  ie  lieplicher  bie  in 
unser  hertze  trucken,  so  wir  es  ie  dicker  an  blicken  und  es  truüich  15 
mit  den  armen  unser  sele  zu  uns  slicssent,   so  wir  ie  minneclicher 
in  ewiger  selikeit  von  im  werden  umbvangen.     Amen. 


XXVn.  Brief. 

Cum  essem  parvulos^  loqnebar  ut  paimlus. 

Disze  wort  spricht  sant  Paulus,   und  sprechent  ze  tütsch  also:^ 
da  ich   ein   kint  was,   da  pflag  ich   kintlicher  sitten  und   kintlicher 
red ;  aber  da  ich  gewfichsz,  da  liesz  ich  vallen  und  gab  urlöb  kint- 
licher wis. 

Min  kint,   wellest  du  gottes  und  min  früntschaft  behalten,  ^ 


1  wider  fehlt  dz        1  f.  wlrdeklicher  s         2  wir  gangen  sdnli        [wir] 

essen  sduH        3  allzeit  nd        Jesus  fehlt  cnz        4  durch]  f ür  z       5  in  unser] 

und  cdlis        7  triium  Red        8  du]  die  s       9  allein  din  z        10  beste  f(hU  f 

11  ointziges  sz         18  minnen  und  minnen  s         14  bertzklich  loben  z      17AmeD 

fehlt  fdz 

9 

XXV'II.  Brief.     Hss.:  h  11  «^     Der  Brief  ist  erstmals   von  Deniß' 
in  Z/da  :*l;13üff.  nach  B  veröffentlicht, 

20  und  —  also  fehlt  «*  21  da  —  was  fehlt  h         24  wollet  /<* 

8  f.    Vgl.  Je  rem..   Klaget.  ä,!25,  11    daz  =  die   äusseren  Übungen 

Kt/sfriungen.    Kl  Bj'b  ^02^14  deutlicher:  daz  ander  alles.  19  IKar.JSM- 


GrosseB  Britfbuth.    XXVII,  Britl*.  4al 

I  gaiitzen  fiisz  zu  diezeti  dingen:  [L]  du  sült  dine  igan  behüten, 
I  sie  sieb  nit  wildicklicben  hiu  und  her  werffen,  ond  aller  meiBt, 
o  ein  man  f;egenwürtig  ist  oder  mit  dir  redt  oder  du  mit  im  oder 
!r  din  war  nimt,  das  du  mit  fröwlicber  blukeit  diue  Ögen  nider 
ver£Fest.  Man  merkt  kuntlicb  an  den  ogen,  wie  ein  hertz  gesitt  ist. 
iCwei  jungrr&wliche  ogen  Biillen  sich  nit  vil  umb  Ifigen,  und  keinen 
nan  mit  voller  gesiht  uienier  an  sehen.  [IL]  Din  antlätz  sei  nit 
Als  der  gatlelstirn  unscbemlicb  bocbtragent  Bio  und  das  b£bt  hin  und 
ber  werffen  von  tober  laszbeit;  es  sol  mit  fröwlicber  zucht  etwas 
blng  sin,  das  man  dar  ab  gebeszert  wer*l,  wer  es  siht.  [III.]  Du 
solt  din  red  also  müssen,  das  du  wenig  redest  mid  nit  /.fi  lut  breclitest 
nad  nit  zfi  verlaszner  bisprechen  pflegest.  Gedenck,  das  du  ein 
geistlich  mensch  beist,  und  scbem  dich,  das  man  dich  zell  zu  einem 

rffip  an  wortten  oder  an  gebärden.  Ich  h&rt  nn  uszer  dinem  mand 
1  ff.  Hü  -/..itd-m  I— SVn  Hlehen  i-t  i'  am  Ilaitäe,  fehlen  in  liR  2  wildl- 
Ifehen  B  werffen]  wegen  h  3  kein  man  /(  red  s'  4  frowl.  fdiU  «' 
blukeit]  Bchnm  R  plediukeit  h  h  ein  froliuli  herU  «'  6  ämbsehen  R  und] 
•ol  si«  R  7  man  oder  (rowen.  *'  angeaicht  /i  an  geseheu  »'  9  vun 
t^b.  Iwzlicit  A/(fl  B  10  blng]  Rchemig  li  es]  das  «'  seh  H  11  brücbtist  «' 
1'''  pdsprUcheD  pflegt  R  13  zeit  hR  14  gpilmon  (!)  n'  wortten  oder  an 
*ercten  oder  an  geb.  »*      Ich —  483,3  knmen/MI/»'       14.482,3  auszB 

L  Iff.  Vi/l.  Reg.S,Augi*eU  c.7:  oeuli  vestri  tt»i  iacmntur  in  atiqufm,ßg<intur 
B  «minem.  Xeque  enim,  qaando  proeedilis,  viros  n'deit  prohibemini ,  »td 
B^tie,  aat  ab  ipsig  apptti  veih  . .  .  Nee  dicatis  co«  habtre  animon  pudkoi, 
**  Imiratit  oeutot  impadico»,  quia  impudicug  ocvlu«  impudici  eardis  ett  nuniiug. 
8  gaffelstim  =  frech  hrramgaß'endts  Weib,  vgl.  Schwds.  Idiotikon  11,131: 
">'•£,  3'-'ffel  =  Einfallapinstl;  EUü»g.  Wthch.  1,198:  gafftt  =  albernes  Weibsbild. 
'  «rlUr  I'^7i  fühlt  aus  Cnd.  Monac.  August.  79f.  50  (ooh  Berthold  v.  Regem- 
fftj  im:  ubi  modo  sunt  ,vitter  gaffeUtirnen',  tibi  modo  curretUts  per  vicos 
AaMofl,  ut  eanim  ptdchritudo  a  suis  amatoribtt«  videatur . . .  ubi  modo  «unl 
Stiee»  diaboli?  Weitat  Beltgt  aus  Ingold  und  Geiler  bei  Ch.  Schmidt, 
.  Wtbch.  der  elsllss.  Mundart  1901, 116 f,  Sri  Lextr  1,1043  unrichtig  in 
t  dime  oufgHösl.  ^-  Zw  hochtragend  vgl.  Cansiii.  Sor.  Ord.  Praed.  c.  15: 
m  «aMim»  (noi)iliae)  nun  habeanl.  Nach  und  irgSnee:  dn  sott  uit. 
1  brechtest,  "gl.  oben  414,14  ff.  12  bispreche  nda-  bisprech  =  üble  Nach- 

,  Verleumdung  (Lex.  1,386),  hier  wohl  äberhaiipt  =  leichtfertiges  Gei-ede. 
Pl4  gpilwip  =  Musikantin,  Gauklerin  (Hör.  91:  aaltatrix),  ifitrg  auch  ^ 
Vgl.  Lex.  JI,109ö;  K.  Weinhold,  I>ie  deulscktn  Frauen  im  MUleiaÜer 
'^*(ieS7.t,130ff.;  Ä.  Schnitt,  Das  hSf.  Leben  D,673:  Sehönhaeh,  Ztuffttüat 
^holäa  iH/n  Regensburg  »ur  Volkskunde  1900,66  ff.,  86.  Reg.  ä'.  Äug.  c.  19: 
*•«  faeiunt  pudoria  immemori'S  etiam  femtnis  feminae  iocanda  ütrpitrr  et  lu- 
.  .  ab  intaetit  ancilli^  Christi  in  sancio  proposito  constitutis  .  .  .  \ 

31 


482  Grosses  Briefbuch.     XXVII.  Brief. 

ein  vvort  gen,  das  mir  miszviel;  du  sprecht  also:  „waffen,  durch  der 
marter  willen!"     Vor  dem   wortt  und   semlichen   der  geliehen  hiit 
dicb^  das  du  uszer  dinem  geistlichen  mund  iemer  mer  laszt  kumen. 
[iV.]  Din   lachen   solt  du  ordnen,    wann  es  ist  zfi  Intbpecht  und  zu 
torlich  und  stet  unfröwlich.     [V.]  Din  gän  und  stan  und  sitzen  nnd  5 
aller  din  wandel  sol  also  züchtig  sin,   das  das  lob  diner  zuht  verr 
und  nach  mug   komen.     [VI.]  Flisz  dich,   das  dine   tücher   nnd  din 
gewant   nach   gemeiner  wis  siecht  und   einfeltig  si,   das  niemant  da 
von  hab  zft   reden.     Es  ist  ein   grosse   schant  in  der   warheit  einer 
gaistlichen  f r6wen,  das  man  von  ir  möcht  sprechen :  sie  ist  ein  kluge  li 
nun.     Da  vor  beschirm  dich  got! 

[VII.]    Du  beginst  nu  wachsen,   du  bist  nit  mer  ein   kint,  du 
bist  zitig  zft  der  lieb  gottes.    Erwel  dir  selber  ein  lieb,  den  mioDee- 
lichen  zarten  got  von  himelrich,  an  dem  vindest  du  allein  rehte  ruw 
und  warheit  und  lieb  ane  leid  und  nerges  me.    [VIIL]  Spann  <in>  i* 
f6r  dine   ogen  zu  einem   Spiegel   und  bisz  danckber  bisz  an  dineo 
tod  des  minniclichen  liebes  und  gfltes,   das  er  dir   gemeinsamt  bat, 
und  lasz  dich  genügen.    [IX.]  Hinderdenck  dich  zu  grund,  wie  gar 
zertiich  er   dich   sunder  fürkomen   hat  nnd  gezogen  bat,   und  geste 
dich  desz  und  verschmeh  all  ander  liebhaber.    Zartes  min  kint,  das* 


1  sprachst  R  2  seml.  der  gl.]  sölichen  li  4  masseu  und  ordneu  f^ 
5  unfrowl.]  uuijelich  s^  ^l\\\  [uud]  stan  [und]  ä*  6  allen  deinen  w.  /?  alle 
ding  deines  wandel  h  7  nach]  weit  nahcnt  R  dine  tucher  und  ffhlt  -*' 
8  sy  nach  schlecht  *•*  8  f.  hab  da  von  .v*  9  grosse  fehlt  h  9  f.  [eiDcr] 
gaistl.  schwestren  .v*  10  sie]  daz  .v^  14  got  und  sin  raine  möter  Mariaffi 
von  himelrich,  an  den  s^  allein  fehlt  s^  15  nyndert  me  R  nyer  me  sunst  ** 
in]  sy  ^S  fehlt  hJ{,  wird  aber  vom  Zusammenhang  verlangt  17  liebes]  Ivdes  ** 
18  genüugen  7i*  19  gezogen  [hat]  ä*  uud  —  20  desz]  nym  diszen  au  A 
geste]  frew  R        20  ander  fehlt  s^ 

2  marter  =  Leiden  Christi,  (ds  Schicurformel  gehraucht.  4  Als  M^ 
cnlpa^  wird  bezeichnet :  si  (/uae  verbia  otiosis  vacaverit,  vel  diifsolute  riserü.  ^ 
alias  <ul  ridendum  concitaverit  (Constit.  c,  17).  5  f.  Vgl.  Beg.S.Aug.c.^'- 
in  incessuy  in  statu,  in  habitu,  in  omnibus  motibus  vesfris  nihil  fiat,  quodiUieioi 
aliruias  libidinun,  sed  quod  vestram  decet  sanctitatem,  7  f.  L.  c.  c.  6:  «<"• 
Sit  notabilis  habitus  vesttr,  nee  affecteris  veMibus  placere.  sed  mon'buSj  n<f  fl"^ 
vohis  tarn  ten/^ra  capitum  tegmina,  7ie  retiola  subter  appareant.  Cotistii.  c,  lO' 
Testes  laneas  honest as  ei  non  aotabiliter  prattiosas  dtferani  sorores,  et  in  im»' 
tellis  vilitas  potius  observetur.  11  nun  =  nunne,  Nonne.  12  f.  ^9^- 
Hur.  ItJ:  o  quam  beaius  esses,  si  hanc  (Sapientiam  aeternatn)  in  sponsamhah^' 
posses'i'  Jurenis  quipjte  es  et  amori  aptus,  et  nequaquam  cor  tarn  viridu»  p^  ; 
terit  esst'  s*ditarium  et  amore  privatum.  15  lieb  ane  leid,  vgl,  Vita  140flOf' 
ff.  (ir  Bih  4oL^;. 


^  Bricfbuth.     XXVIL  Brief.  4^3 

inniclich  lieb  gemahcl  ich  dir  liiit  und  gib  Ach  zivei  zA  sameii, 
nd  büt  sin  hant  in  diu  baDt  und  din  hant  in  Bio  faant,  und  vcilräw 
;h  zu  sameu  in  gantzer,  steter  gemefaellicber  trüw.  Und  das  d« 
ber  die  truw  antz  uff  den  tod  haltest,  8o  bit  ich  got,  das  ei*  zä  allen 
iten  bi  dir  si  und  dir  alles  gelück  und  heil  volg.  Wollest  du  aber 
lk-8  des  gftts  vergessen  ron  gut  und  nienier  getnlwcn,  er  enbieten 
nd  lidens,  so  solt  du  furchten  gottee  räch  und  nngelück  au  sei  und 
n  lib  und  an  eren. 

[X.]  Magst  du  nit  grosser  andabt  gepflegen  und  zft  hoher  vol- 
.umenbeit  kumen,  so  tfi  doch  das  dinem  ewigen  lieb  zu  eren  und 
Q  lob,  das  du  weder  in  schimpf  noch  in  ernst  kein  zu  lieb  nemest 
md  dich  vor  sänden  hütest.  [XL]  Well  kein  töber  liebhaber  in  einer 
ippikeit  sinen  zek  und  schimpf  an  dich  werffen,  dem  soll  du  nit  ge- 
oaen,  weder  im  noch  'siner  botscbaft.  Es  vacht  vil  klein  an  und 
nirt  dick  ein  unmessige  b6rdi  dar  usz,  die  man  vil  kum  ab  leit,  so 
man  dar  hinder  kamt.  Von  einem  ganaisten  brint  ein  hus.  Dar  umb 
hitt  dich  und  äüb!  Da  gehört  nit  andei's  zb  denn  flfihen  und  nie- 
maiits  nfitzit  gelosen.  Will  du  aber  lichtiglichen  dar  zft  gebaren,  als 
etUcb  törin  tun,  die  da  mit  reitzlichen  wincken  vergifften,  so  bist  du 
tod;  da  sult  dich  sin  entslahen  mit  einem  unwertlichen  fnlichen 
vonker,  so  lassen  sie  dich  das  din  schaffen.  Du  bist  ansihtiger  denn 
ein  ander  mensch,  dar  umb  bedarft  du  vil  götea  flisz  zft  dir  selber; 
der  sin  selber  nit  wil  hüten,  der  ist  versumet. 

[XII.]  Hut  dich  vor  den,  die  da  hcissen  glüt  gespilen,  die  da 
Sicher  ding  pfiegen,  wann  die  weren  frS,  das  sie  dich  io  ir  wie 


4 


1  enpftlch  und  gib  »'  2  uod  bbt  ~-  in  din  bäot  fehlt  «'  vertrAw]  ver- 
»ewt  ß  gemi-hel  e'  3  UdJ  —  4  trViw  fehlt  HR  4  uff|  in  Ä  behaltest  *' 
*f.  jii  aller  zeit  hR  B  des  ftJill  g'  vun  —  7  lideoB]  das  du  vun  got  hast 
'"pfan^n  «'  eiihieten]  pieten  R  7  und  uugel. /bä/(  k'  9  grosse  Äs' 
P9*eeii  »'  10  ewifiren]  eigen  R  11  ze  lob  und  eren  s'  12  weit  «'  kein 
">\  liebh.]  aber  yement  s'  13  aineu  zekj  seine  lieb  h  sinen  [zek  und]  l«rocht«n 
«bimpf  s'  14  weder  —  butsch.  fehlt  h  15  abgeleit  hR  16  dar]  da  UH 
8*iilBit  hR  verbrint  dich  ain  h.  s'  17  und  it.  —  18  gelesen  fthlt  h  17f,  nie- 
Sient  »'  18  nichtz  R  19  tJren  s'  vergifft«]i]  veratinckent  «'  verieigeud  A 
20  nnwercklichen  frewlichen  AB  '21  seliaffen]  achickeu  hR  Du — 22  menneh 
fMt  f'  24  gesellen  s'  26  söL]  semlicher  /i  25  f.  wan  ir  niner  wfkr  frä 
iIm  er  dich  in  sin  wysz  züg  »' 

7 1.   Vgl.  (llmHche  Äa»driickt  in  Vita  I37,:i2.  18  lek  («io)  =  seh«rt- 

lafltr  Stoa»  oda-  Schlag,  namentlieh  im  Kindergpiel,  dann  ^  Litbe»nreirrti 
Binneac,  v.  d.  Hagen,  Minneniugtr  II,SS9a);  vgl.  Lfx.  1.1037.  1100;  SehmtUrr 
l',10SOf.  14  botaehaft,  vgl.  Kl  Bfb  372,6. 


484  Grosses  Briefbuch.    XX VII.  Brief. 

zügen,  die  dir  vergünnen  dines  heiles  durch  ires  eigen  gelimpfe 
willen.  Dar  umb  solt  du  weder  bi  in  sten  noch  sitzen,  und  sie 
schlichen  als  dinen  ewigen  tod.  [XIIL]  Du  magst  von  diner  jugeiit 
wegen  noch  nit  an  trost  sin;  dar  umb  so  erwel  dir  selber  etlich  erber 
und  götlich  frowen,  die  din  gehilfen  sient,  beide  nach  eren  und  nach  5 
sei;  und  die  din  Zuflucht  und  ufenthalt  sien,  ob  ieman  weltliches  liebs 
oder  sins  kom,  der  der  gegenwürtikeit  diner  jugent  nit  fügt;  wanu 
da  mit  behütest  du  dich  vor  schulden  und  gest  och  usz  allem  dem, 
das  man  dir  von  arg>von  möht  zu  legen. 

[XIV.]  Güte  gebet,   gfit  sprüch  und  gute   tütsche   büchlin  sint  iii 
diues  gütlichen  liebes  liebbrieif ;  da  mit  lasz  dir  wol  sin  und  hab  da 
mit  kurtzwil.    [XV.]  Bis  nit  als  ein  seiloser,  hinlesziger  mensch,  dem 
weder  disz  noch  das  zu  hertzen  get  und  nit  verstet  gftt  noch  übel. 
[XVL]  Bis  bereit  und  merck  vil  eben,  was  dir  gut  und  schad  mu;: 
sin.    Lü<r,  werst  du  in  der  weit,  es  gieng  dir  nit  nach  wünsch,  din  1& 
blünde  jugent  müst  dick  gedruckt  werden  mit  willenbrechen,  das  es 
dir  in  der  sei  we  tat,  und  must  dick  ein  gruntlos  trurigs  hertz  bergen 
mit  frölichen  Worten  durch  eren  willen,  und  ein  durchlidendes  leben 
mit  der  weit  truglichem  schin,  als  der  einem,  der  in  dem  stock  ge- 
vangen    lit,    mit   schönen    kleidern    die    gefangen    bain    bedecket,  ä) 
[XVII.]  Dar  umb  so  tu  es  och  nu  in  dinem  geistlichen  leben  durch 
dines  ewigen  heiles  willen,  und  ti'uck  din  wilde  jugent  und  hab  sie 
in  hüt  und  in  meisterschaft.    Eya,  wie  wirt  dir  das  hin  nach  so  lieb 
und  so  nütz  an  sei  und  an  eren! 

Belib  in  dinem   kloster  und  var  nit  vil  usz,    wann  da  von  ist  35 
menger  grosser  schad  komen;   so  es  aber  nit  anders  mag  gesiD,  so 


1  ver^aiiincn]  nüt  gpünden  s^  2  bi  in  weder  sten  s^  4  erberj  «iwejrÄi? 
5  ^n)tl.  frowen]  ^"itlich  gespilen  «*  sient]  sein  JiR  beide  fehlt  a*  6  nfl 
enthaltung  s^  sein  hli  ob  —  7  fugt  fthlt  s^         libs  h         8  allen  hB 

9  erg:eni  won  .v^  10  sin  6*  11  dines  goll.  lebens  lieb  brieflf  **  deinem  s^'^ 
gesponsz  lieb  [brieffj  h  12  geselloszer  I{  hinlesz.]  sinloszer  /*  13  ubelrf* 
14  Bis  —  eben]  och  solt  du  vil  eben  mcrcken  tt^  bereit]  parmherezig  E  ^^1 
gar  li  mag  x*  16  log]  syh  E  16  möst  /*  18  frol.  Worten]  frölikeit  i»' 
diirchleidens  hJ{  leben]  willen  h  19  trügl.  schin]  trtigenlichen  stan  *' 

19  f.   ainen  [der]  in  den  stock  gef.  leit  und  mit  seh.  kl.  «*  20  die  pein  ^^ 

gevanjjen  sindt  bed.  hli  21  nu  fehlt  s^  23  dir  das]  es  dir  ä*  her  nach  >^ 
25  Belib  -  -  da  von  fehlt  h        26  dick  menger  6*        anders  nit  »^ 

1  ff.  Vf/I.  Kl  Bfb  371,2i\f\ :  37 2 J ff,  1 1  Vgl,  Bdew  231,9 f  ;  Gr  Bfh  40oJ' 

13  Bin  bereit.    Jlier  ist  der  Text  vielleicht  verdorben  (vgl,  die  Varianttn^» 
15  f.    Vgl  Kl  Bfb  364,J4ff.  25  ff.    Vgl,  KlBfh  372,11  ff. 


\ 


Grüsses  Bricfliucli.     XXVH.  Britf.  485 

Vbüt  dich  (lest   basz   alle  zit  und   an  allen   steten  uit  allein  vor  dem 

H  bösfu,  nch  vor  allem  dem,  das  einem  erberen,  züchtigen  gaistlicheii 

^^mensohen  unzimlich  wer.    So  du  zft  gilten  lüten  koniBt,  so  heiaz  dir 

^■ein  göts  wort  von  got  sagen,  da  von  du  dich  gebessern  mugest;  so 

^  dn  zö  diiien  weltlichen  friinden  kumst,   so  bis  behüt  din  selbs,   das 

du  nit  gedenckest  also:  „es  schadet  nit,  was  ich  hie  tön."    So  dich 

din  fründ  ie  lieber  haben,   so  sie  ie  me  frSd  dar  ab  nemen,  das  sie 

W)  ein  znchtigen  tohter  haben,  des  sie  sieh  gegen  got  und  gegen  der 

weit  gefrSwen  mugen;  und  die  dir  dlnes  unzüchtigen  schimples  tindev 

JO  dine  ögen  gelimpfen,  die  geben  dir  dar  nach  in  irer  bescheidenbeit 

nngelimpf  und  getrnwen  dir  dest  minder.    Es  spricbet  ein  wiser  man, 

das  ein  unwiser  mensch  sich  da  mit  lidet,  da  mit  er  sich  meint. 

Lieben  kint  luins,  laez  dinen  jungen  mflt  und  frSlichen  sin 
iiider  und  ergib  dich  von  innen,  als  du  von  uszen  ergeben  bist.  Lft.ir. 
l&wie  lützel  es  den  zfi  lieb  wirt,  die  in  gaistlichem  schin  weltliche 
fröd  sflehent,  wie  mengen  echreeken  sie  müssen  nemen,  und  wie  gar 
ie  das  kurtz  lieb  müssen  erarnen  an  hertzen  und  sei  und  eren, 
und  werden!  verhertt,  das  sie  weder  gen  got  noch  gen  der  weit  nütz 
»int,  und  habent  ein  arbeitselig.  swermütig,  verirrtes  leben! 

Ich  bit  got,  das  er  din  jung  hertz  ut'  tu,  das  zd  mercken  und 
■rvolgen  nach  dinem  nutz  und  sinem  liebsten  willen.     Amen. 


l  afi  allen  Eitcn  «'        1  f.  [dem]  bösen  j-'        2  uUen  hU       crwt-r^fii  liH 
L  eöclitigcn  K  3  uiigezem  /.  7   da  vun  »'  8   [so]  aintn  /iioUl. 

f  nwntechen  »'      des]  im  ItR      gegen  fehit  twcimal  A      9  frewen  üf  gedreateii  h 
'0  iliiie]  deiner  H  deniie  dar  nach  n'  12  er  venaeiiit  aich  zö  lieben  h 

lä  dinen  fr.  n.  »'       14  [von]  innen  s'      14  f,  aih  wie  wenig  H       15  geist- 
lichen hH  17  aar]  schwär  n'  emeren  h  18  werd.  verherti]  wül  den 
I  "«liertteu  h  wöll  denn  verheilen  li        20  L  und  sifi  erv.  fthlt  «• 

3  f.    Vgl.   Gr  Bfb  iSb.Wß.  13  (.    Vgl.  Gr  Bf  b  402,23.  14  von 

U  =r  durch  die  blögtrrliche  ZneM. 


^ 


486  Grosses  Brief  buch.    XXVIII.  Brief.    Testament  der  Minne. 


XXVIII.  Brief. 

Testament  der  Minne  oder  Minneregel. 

[248 'J  Geheiliget  werde  der  niimme  gottes  in  üeh,  uf  daz  ir 
schoppfen  mügent  wasser  in  fröuden  usser  den  wunden  Cristi!  Got- 
liche  minne,  gewaren  friden  und  tieflfe  demütikeit  us  dem  getruwen  • 
herzen  Jhesu,  und  alle  dnrehtunge  lidenden  leides,  ein  fröudenricbes 
vergessen  mit  dem  vil  wirdigen  sune  gottes  und  der  junckfrowen. 
Dis  und  min  Pater  noster  zu  grussende  uch  in  Cristo  Jhesn. 

Mine  herzelieben  kinder  alle  gemeine,  von  innan  und  von  ussan 
eine  minem  herzen,  und  eine  stimme  glüstliche  zfi  hörende!  Mir  ist,  lo 
als  ich  verneme  von  üeh  eine  gemeine  minne  und  ein  demütigeu 
undergang,  fridesamen  wandel  und  eine  veste  haltunge  all^r  der 
dinge,  die  üeh  von  mir  armen  sünder  gegeben  [248'']  und  gelassen 
sint,  beide  an  der  minnen,  ein  iegliches  an  dem  sinen.  Des  bitten 
und  gebieten  ich  üeh,  und  ich  getruwe  und  gelobe  üeh  allen  mitiö 
enander,  das  ir  dis  rehte  gerne  tfint.  Ich  habe  üeh  reht  in  minem 
hertzen,  sit  üeh  got  mir  bevolhen  und  gegeben  hat.  Dez  sprich  ich 
zu  mime  zarten  geminneten  herren  Jhesu  Cristo  : 

^Ach,  getruwer  vatter,  und  du,  götlicher  minnendiep. 
tft  uf,  herre,  der  minnen  schrin,  ^ 

Jhesus  liep,  das  hertze  din, 
und  behüte  sü  vor  aller  valschen  minnen  schin, 
und  trencke  sü  mit  süssikeit  dez  willen, 
und  nim  in  alles,  daz  sü  habent  wider  dich!** 
Und  her  umbe,  mine  lieben  kinder,   verdörnent  üeh  mit  uzge-  3 
slossenheit  aller  creaturen,  besliessent  üeh  zft  gegen  aller  der  [2491 
weit,   und  heben t  uf  hertze,   möt  und  alle  sinne   gegen  dem  süssen 
meigendowe  der  himelschen  sunnen,  daz  ir  war  nement,  wenne  ödJ 
wie  er  sinen  ingang  haben  wil.    In  süssen  gaben  v6rhtent  üeh,  habent 


XX  VII I.  Brief.     Hier  zum  erstenmal  publisitrt.     Einzige  Hv.:  h- 

3  f.    Vf/L  Matth.  6,9:  Is.  12,3.  14  Text  korrumpiert?  19  minnen- 

«liep,  der  weltlichen  Liehespoeaie  entlehnter  Ausdruck  =  Liebe^dieb,  rerstohy^ 
Liebhaber  (Lex.  1,2148).  Vgl.  togen  minne  {Gr  Bfb  408,7 f.).  25  verdornent 
—  29  haben  wil  fast  wörtlich  ebenso  in  Brief  Gustate  (Gr  Bfb  430,28— 43^^- 
29  voriiteiit  üeh  =  habet  Misstrauen  gegen  euch  selbst;  vgl.  Fredigt  hJ^^ 
und  JJavid  von  Augsburg,  De  compos.  111,2  n.  0;  Denifle,  Das  geistl.  X^^^ 
444ff. 


(iTOaseg  Briefbuth.     SXVIU.  Brief.    TesUnieiit  Jet  Minne.  487 

kintliche  frSnde  und  enisthaltige  dangberkeit.  und  macbeut  uwer 
hertze  ein  appotecke  der  gotheit.  Des  sol  heiige  betrahtUDge  awer 
hekentnisse  sin;  alle  uwer  werg  in  gotte  wircken,  daz  sol  zö  alle» 
ziteti  uwer  ambaht  Bin,  Uwer  raunt  ai  ein  vas  der  reinikeit,  mit 
5  gotle  und  von  gotte  reden ,  und  alle  uwer  wandelange  ein  bilde 
himelscher  heilikeit. 

Ich  gebAte  äch  in  dem  bände  der  minnen  nnd  bi  dem  bände 

der  g6tlicben  truwen,  das  uwer  [249']   eine  der  andern  mit  willen 

drVigliche   wort  nnd  spötliche   geberde   mit  nüle   bewise,   sHüder  ein 

lO  iegliches  neme  dez  andern  friden  war,  als  ea  beste  kan,  mit  minnen 

in  alle  wiBe  und  uf  allen  stetteu.    Ir  aüllent  manigveltig  ein  in  den 

werken  nach  notdurft  der  gemeinde,   ir  snllent  aber  einfaltig  bliben 

von  innan  in  der  meinuuge.    Ir  süllent  arbeiten  lumpen  und  läppen 

in  gotminnender  meinsamkeit,  als  ir  Cristo  Jhesu  sine  zarten  wunden 

isliündent  und  kündent;  und  wissent,  mine  lieben,  rehte  also  die 

■     meinnnge   ist  in   guten   dingen,   also  ist  da/,    werg   vor   gotte.     Dar 

nmbe  habent  anderheit  der  werke  und  einikcit  der  meinnnge.     Und 

alsus  wolle  ich  mit  göter  concienzien  einem  [2.^0 ']  daz  heilge  saera- 

Imente  geben  nach  allen  notdurftigen  minnewercken,  also  noch  vasten. 
So  venjen  und  betten,  ja  ob  die  wercke  usser  gelassenbeit  getan  werdeut. 
Gnade  in  zit  und  ere  in  ewikeit  atitwnrtet  me  der  meinnnge  in  ge- 
l»s»nheit,  wanne  dem  gewiircketen  wercke  von  ussan^  ja  wie  gros 
und  wie  beilig  daz  si  schinent, 

Alle  lügende,  die  ir  vermi'igent,  suUent  ir  wirken,  aber  ir  en- 
^len[  dar  in  nit  getruwen,  sunder  in  Crieto  alleine.  Ir  sültent  uwer 
tertze  zu  ime  keren  in  daz  himelsche  vatterlant,  und  in  diaerae  leben 
•Hadient  üch  ein  süsses  eilende,  nit  nach  grossem  lievinden,  suuder 
'n  inniger  begirde,  beitende  dez  willen  gottes,  kummende  nach  sinre 
^Co.    Liep,  leit,  [250']  we,  wol,  ere,  (VÖude,  schände,  laster  nement 


1  und  maclient   —  6  heilikeit  gant  ähnlich  in  Gr  Sj'b  4ill,.'i — 7.  b  Hei 

**^n  irgäme  ih.  lü  gemeioAe  =  Kloattrgeaieinde,  Koiirrnl.  121,   l'her 

^i' tinflflUge ,  d.  h.  nur  auf  GoU  gerichtete  MHnung  cgi.  Iltniße,  Das  ij^isü. 
■^hm  äöof.  14  meiDsamkeit  -  gemeinsiunkeit  oäfr  von  meiuen  -  WoM- 

"ttBm,  Liebet  18ff.  iS'e«»«  irill  nagen,  dass  bfrafa-  und  pfliehtmUasuje  Liebrs- 
'^rit.  die  (IM*  Gelansenlifit  d.  h.  in  gotttrgtbtner  Oeaiunung  geachtktn,  eben»« 
**>«  Empfange  der  Kotnmanion  befähigen ,  wie  ffeiioilligc  Kasteiungcn.  Vgl. 
^IMfer»  Lehre  bei  Dentfie,  Sega   XXXI  y ff.  u.  liaa  geintl.  Lehrn  396  ff. 

Zlf.  Vgl.  Dciiiße,  Jlas  geisll.  LebciHiöl>—r.   Bvga  13l,3ßff.  26ff.    Vgl 

Cf^^fc  433,15  ff.  29  kuiumeD,  kfimeii  =  Ir-imni,  .<-MIagtn,  k. 

*»  rtictu  bftnü/im,  vgl.  Lrx.  1,1769. 


488  Grosses  Briefbuch.    XXVIU.  Brief.    Testament  der  Minne. 

alles  von  sinre  hant;  ir  BuUent  üch  ime  neigen  zft  male  under  sine 
füsse  mit  uvver  selbes  verworflFenheit  zfi  gründe  gantz  und  gar,  daz 
äch  nieraan  me   verwerfen  enkan.     Der  eren   unsers  herren   sülieuf 
ir  üch  frowen,   in  meinende,  minnende  ane  lustsüchen  uwer  selbes; 
in  in   süllent  wol   getruwen,   iedoch   nit   lassen,   daz   ir   bekenoeDf  5 
ime  liep. 

Aeb,  mine  lieben,  nement  dis  zu  üch  von  gotte  und  von  mir 
armen  sünder,  uwerm  gantzen  fründe.  Wellent  ir  uwer  sünden  b^ 
kennen?  Ir  sprechent:  Jo,  gerne,  min  lieber  brftder."  Mine  liehen 
swestern,  so  bekennent  ander  löte  sünde  nit,  und  weme  ir  nit  en- 10 
wellent  nach  volgen,  den  [251 ']  sullent  ir  nit  urteilen,  sunder  alre 
menschen  urteil  vindeut  nach  vernünftiger  demütekeit  in  üch  selbes. 
Wellent  ir  gotz  bevinden,  so  lerent  üch  selber  heimlich  sin.  Wellent 
ir  niiwes  lieht  und  nuwe  gnade  von  gotte  haben,  so  lerent  sin  gaben 
bekennen  und  ime  dangneme  zu  sinde  für  alles  daz  gfit,  daz  ir  von  15 
ime  hant  enpfangen.  Wellent  ir  in  gotte  leben  und  got  in  üch  in 
zit  und  in  ewikeit,  so  lerent  uvver  selbes  sterben,  wan  daz  höhste 
leben  der  seien  lit  verborgen  in  dem  sterbende  tode  dez  natürlichen 
willen.  Diser  dot  stet  in  liebe  und  in  leide  und  in  aller  ufgesatter 
wiscn,  da  wir  inne  ein  usserkiesen  haben  m5htent  liebes  [251  "^J  und  ä^ 
leides,  sunder  nacket  und  blos  volgent  wir  dem  nackenden  blassen 
Cristo. 

DIh  verstont  nach  eigenschaft  des  willen  und  nit  nach  züwurfle 
der  gnadenrichen  gaben  gottes,  sunder  als  Cristus  in  dem  vatter  l)e- 
st&nt  nach  willen  und  nach  werken,  also  och  unser  wille  und  unser :^ 
weri::  nach  Cristo  in  dem  vatter  bestan  süllent.  Wir  habent  den  m 
von  dem  vatter,  zft  eren  ime,  zu  tröste  uns,  und  uns  unbekant  ein 
wesenlich  bestan  des  vatter  in  dem  sune;  aber  wir  hant  durch  den 
sun  einen  weg  zu  dem  vatter,  und  in  ime,  dem  ewigen  sune,  ein 
bekennen  des  vatters,  also  er  selber  sprach  Philippo:  „globest  da  >' 
nit,  daz  ich  in  dem  vatter  bin  und  der  vatter  [252']  in  mir  ist?" 
und  an  einre  andern  stat:  „der  vatter  in  mir  blibende  tut  die  werg." 
und  wir  blibent  in  Cristus,  in  sinem  finen  bilde,   des  ewigen  snne?. 

1  f.  Ebenso  Gr  Bjb  467,19 f.;  rfjL  Kl  Bfh  363,21  f,:  366,21,  4  ane 

lustsüchen,  Gr  Bfh  467,:n,  5  f.  Sinn:  jedoch  nicfU  ablassen,  ihm  Liebet« 

hezeiyyn,  1 1  f.  Sinn :  haltet  eicch  für  den  geringsten  aller  Menschen, 

13 ff.  lerent  =  lernent  (t^gL  Lex.  1,1686),        14  nuwes  lieht,  vgl.  GrBfh  470- 

19  f.    ufgfosatte   wise  =  selbstgeirdhlte    Weise  zu   handdn:  vgl.   Vita  W^^- 

Gr  Bfh  414,13 f.  it.  die  Anm.  dazu.        23  eigrenschaft,  vgl»  Anm,  zu  Bdtt  340^'*- 

28  f.    \'gi.  Joh.  UM.  30  f.  Joh,  14,10,  82  Joh.  a.  a.  0, 


Briefbiich.    XXVIII.  Brief.    Testament  der  Minne.  489 

<dent  wir  von  clarheit  in  clarheit  geforoiet  in  daz  selbe  bilde. 
Bd  her  umb,  wer  nuch  valsclicr  eigensdiaft  keiner  gefiillicber  dinge 
ristiim  Jhesani,  den  wirdigeii  suii  <gotle8>  uud  rler  Junckfröwen. 
erkieinet  und  in  valschem  liebte  verlüret,  der  enkummi't  zfl  dem 
ätter  nit.  Dig  priifent  eben  alle  geniigede,  alle  bevindiinge,  alle 
erstentnigge  and  alles  lieht  und  aller  underscheit.  Der  uns  Crtstum 
erkleinet,  daz  ist  alles  valseb,  wie  gros  und  wie  vernfinftig  daz  ist, 
ran  durch  hohe,  verborgene,  snbtile,  behende  sinne  so  ist  zttkünf- 
?i)2']lig  der  unbekante,  vigentliche.  vergiftige  dot  cristenlicher  orde- 
nnge  und  gewares  lebens.  E.s  ist  ;iber  ein  eigenschaft  gütliches 
ehtes  und  ein  erzeugen  waver  gnaden,  das  es  den  wirdigen  snu 
nlte?  und  sine  ordenunge  erhebet  und  grösaet  in  unserme  gemiite. 
)az  kummet  her  von:  wan  durch  in  so  werdent  fruhtber  gemäht 
r  wercke,  und  mit  ime  und  in  ime  so  bestet  unsere  ewige  selikeit. 
Und  her  uinb,  mine  herzelieben  kinder,   die  ich  mir  vor  allen 

idern  m.  erkorn  habe  und  in  den  dienst  mins  armötes  dem  milten 
letrnwen  beizen  Jhesu  vertniwet  habe,  ob  ir  wellent  volgen,  ach, 
mine  vil  lieben,  so  [253']  gebent  urlop,  eya,  gebent  orlop  der  ander- 
lieil  von  innan  und  von  UHsau.  und  bfiugent  uwer  schultern  under 
die  bürde  Jhesu  in  liebe  und  in  leide!  Kau  die  getruvve  haut  trug, 
leit  und  liden  verhengen,  ach,  so  kan  och  daz  milte  hertze  süssen 
troat  und  wunnencliche  minne  jreben.  Ge8egent  si  trug  in  liden  und 
versmehcnisse ,  und  daz  nna  daz  geminnete  üep  Jhesum  Cristuni, 
fflltee  nnd  der  jiinckfröwen  sun,  bekant  und  eigen  machen  kan! 
Habent  wir  uns  die  ait  genonien  mit  Petro,  nnd  werdent  wir  von 
^er  weit  hin  geworffen  mit  Lasaro,  und  <wereiit  wir>  dem  töfel  eine 
borg  worden,    die   er  stürmen   wil   also  Job,    und  werent  wir  gftte 


3  goUea  ftMt  h        -2^  nennt  wir  fetill  h 

i    Vgl.  OrBfh  476,19 f.:  11  Kor,  ii,lb.  •!  gefiilUcliö  (=   gevUellJclieJ 

I  =  «»ii/<cA«  IHng(.  4 ff.    Vgl.  IJoh.  S,SSf.:  4,3.  Bf.  Sinn:  die» 

•  aU*  ErscMnungfi  und  ErkennlnUse  der  rehirn  Mt/ittil: 
iL  SitMe  meint  hier  die  gefithrlichtn  Lehren  (sinne  =  AuiinprUcht)    der 
in,   die   er  auch  an  anderen  Orten  bekämpft:  vgl.  Vita  Kap.  47:  Bdvr 
f.5  u.  6;  Gr  B/b  477,3/.  18  f.    ttnderhelt   ist  pltichbtiltutend  mit   uü- 

thheit  (Bdete  ä(X>,SII  =  alltf,  ime  Gotlnicht  isl  und  was  vim  ihm  wegjührt. 
»f.   Vgl.  Or  Brfb  431,ä3/.;  44f>,iaf.  23  nnd  ist  wM  pleonaetUeh. 

\  lit  fltM  Sändigm  und  dann  aar  Btkrhrun/f  (Mark,  14,66 ff,>, 
\  Lui-lGäOf.  27  J.,h  l,tt.  ?,ö. 


490  Grosse»  Brief  buch.    XXVin.  Brief.    Testament  der  Minne. 

ineiischeu,  ein  iisgekert  geinüUe  worden,  [253'']  ob  es  got  verhengete, 
als  er  det  Paulo,  do  in  die  apostelu  fluhent,  do  su  in  <nit>  ver- 
stundent,  —  woltent  wir  uns  betrüben  des?  Nein,  mine  lieben,  nein! 
Nein  wir,  werlich!  Job,  Tbobias  und  David  gingent  alle  disen  pfat; 
der  heiige  Athanasius  leit,  als  alle  die  weit  sinen  dot  bette  geswom.  9 

Dis  schribe  icb  uch  dar  umbe  nit,  daz  ich  in  gotte  genemes 
lideudes  habe  gehaben,  denne  daz  mich  die  g5tliche  minne  getwongen 
und  gewiset  hat,  daz  ich  mine  ahsel  bieten  sol  under  uwer  bürde, 
die  ir  habent  oder  üch  noch  werden  möhtent,  uf  daz  su  üch  deste 
lihter  werdent,  kundent  wir  ez  wol  getragen.  60t  gebe  uns  niemer  10 
guten  da^  oder  stunde,  den  [254']  sinen,  die  er  glichförmelich  haben 
wil  dem  bilde  sines  sunes.  Kinder  gottes  und  mine  lieben,  gehabeot 
wir  uns  zt  mole  von  herzen  wol!  Als  es  kummet,  so  ensint  wir 
es  nit  allcine,  das  meiste  teil  dez  himelschen  hofes  die  sint  do  unser 
mittegesellen.  Hebent  uf,  hebent  uf  uwer  gemüte  in  die  schone  wunnec- 16 
liehe  stat,  die  himelsche  Jherusalem,  ach,  wie  sü  mit  herzeliebe  so 
gar  rehte  fr51ich  umbvangen  sint,  die  hie  in  lidende  warent!  Sint 
wir  von  der  weite  hin  geworflFen,  so  sint  wir  aber  von  gotte  frunt- 
lieh  enpfangen;  sint  wir  der  lüte  spot,  so  sint  wir  aber  der  engel 
fröude;  habent  wir  von  minnen  zfi  eren  und  zfi  lobe  [254'']  Cristo  in  20 
diser  zit  niht  eigentfim,  so  ist  aber  der  himel  unser  eigen  gar;  kau 
uns  der  tüfel  bekorcn  und  betrüben,  so  kau  uns  daz  götliche  ewi^'f 
liep  Jhesus  Cristus  heimliche  bi  ston.  Wissent,  lieben,  ie  betrübter 
hie  nnib  got,  ie  frölicher  dort  mit  gotte;  ie  verrer  hie  in  lideu  von 
tröste,  ie  naher  dort  in  ewiger  fröuden  von  allem  leide.  ^ 

Es  waz  ein  mensch  einest  in  einem  also  frölichen  gegenwurffe 
der  minneclicher,  ewiger  götlicher  gegenwertikeit,  und  waz  doch  ge- 
lassen von  aller  creatürlicheit,  also  in  duhte;  des  ^edohte  er,  sani 
er  spreche:  „eya,  hertze  min,  so  wes  fröwest  du  dich?"  Do  antwurie 
ime  sin  heschei[255*^]dcnheit:  uf  allem  disem  ertriche  so  enistuiht,  ^ 
dez  ich  mich  frowen,  denne  daz  ist  min  fröude,  daz  got  also  rehte 
^(\t  ist  und  lidenden  menschen  also  nahe  bi  ist  und  also  in  wunder- 


2  uit  fehlt  b        5  Athanasius]  anastasius  (!)  h 

1    i'f/l.  I  Kor.  4,13.  2  t.   Besieht  fiich  wohl  auf  Apf/.  9,20. 

4  f.   Ehmso  (ir  Bfh  iW,:*3—'^5,  G         10    T/y/.  Gr  Bfb  44JJ3J\.  :.^'>/- 

Isi  iit  Z.  (J  nicht  ie  statt  in  eu  lesen,  wie  in  ehr  Vorlage?  11  f.  Rt'ui.b:^' 

12  -  -  10  \'pl  Gr  Bfb  443,2.9 f.:  440,19;  442,2 f.  —  es  in  Z.  13  --  "'^' 
L.idvu.  IT)    von   —  fvrn,  getrennt   von:   oder  ist  vri    bezxc.  verrc  :« '" 

ganzen':'  2«   —  491,2    V^gl.  Gr  Bfb  430,5—12. 


Grosses  Brief  buch.    XXVIU.  Brief.    Testament  der  Minne.  4\)l 

liehen  dingen  verborgen  ist,  und  daz  das  minnecliche  ewig  gfit  min 

frünt   ist,   des  ich  eine  ganze  züversiht  habe.     Des  viel  ime  dis  in 

sinen   müt.     Und   ir,   niine  lieben,   süllent  öch  also  gedeneken  und 

sprechen:    „owe,    zartes   min   liep,   ewige   schöne  wisheit,   wie   vol 

5  gantzer  fröuden  ist  min  senendes  hertze,  so  ich  gedeneken  dich  minen 

frünt,  und  mich  gerüchest,  dinen  uzerwelten  f runden  zu  ze  ahtende 

und   den   weg   diner  lieben   mich   zfi   furende!     Ich  enbin  doch  nit 

[255^]   wirdig,  daz   du  an  mich  armen  gedenckest.     0  grundeloses 

ewiges  gfit,   barmherziger  got  und  getruwer  vatter,   hau  ich  gnade 

10  funden   an  dir,   und  mag  ich  nu  din  minne,  dine  liebe,  din  truwe, 

dine   zarte  süsse  heimlicheit  erwerben?      Eya,   herre,    so  töte,   so 

martele,  ....  alle  versmehenisse  und  verworflFenheit  mines  herzen, 

einiges,  uzerweltes  trut,  so  vertrag  mir  niht  uf  ertriche,  so  gip  und 

verhenge  alles,  das  du  wilt,  und  tö,  waz  du  wilt !     Sich,  herre,  were 

15  ieh  nn  der  zarteste,  minneclicheste  mensch,  der  uf  allem  disem  ertriche 

lebet  nach  aller  zitlicher  wirdekeit,   daz  müste  an  mir  erdorren  zA 

liebe  dir;  also  dis  erdorrete,  so  wolte  ich,  das  [256']  dannoch  tusent 

andere  menschen  natürliche  blugende  Schönheit  in  mime  herzen  und 

I       übe  erdorren  solte,  zfl  eren  dime  zarten  erdorre ten  libe,  der  an  dem 

f  SO  crütze  dorrete  alsam  eine  griebe." 

j  Ach,  geminter  got  und  schöner  herre,   dis  sprechent  wir,   alse 

wir  bi  dir  und  bi  uns  selber  sint.  Drettent  hüte  zu  mir,  alle  men- 
schen, die  got  also  minneclich  begnadet  hat,  und  lossent  uns  minnen, 
schowen  und  loben  daz  ewige  gut,  daz  mit  so  süsseme  tone  und  mit 
SB  hoher  fröuden  alles  leit  vertriben  kan.  Dez  frowent  sich  die  himele 
alle,  und  alle  götliche  menschen  sprechent:  Gloria  tibi,  Dom  ine! 
i  Ach,  aber  alse  du,  gemintes  liep,  dich  uns  verbirgest,  un«l  so  der 
fta  unsers  [256'']  eilenden  herzen  keine  rastende  stat  vinden  enkan, 
80  wart  uns  die  wite  weit  zii  enge ;  so  du  den  gumen  unsere  seien 
I  ^  Jereisset  hast  mit  den  bröckelin  dines  küniglichen  tisches,  daz  nürae 
zu  habende  machet  den  kurtzen  tag  eins  jors  lang.  Owe,  so  wurt 
min  fröliche  geberde  so  gar  verdrossen,  aller  lüte  gelos  der  trenget 
inich,  herte  wort  und   unminnesame   geberde   spüret  man  danne  an 


Jifi 


19  soltent  b        der]  dar  f» 

5  —  19  findet  ,sich  wenig  verändert  in  (ir  Bj  h  44f),'^U — 441ß, 
6  Ergänze  nach  und:  daz  du.  12  liier  .scheint  i'(n'a,s  ausgefallen  zu  sein. 

22  —  26  Vgl.  Gr  Bfb  U7,:>^s-:}0,  löf.        29  Vgl.  Bdew  :il2,16.        31  ff.  Vgl 


«><•      i't  •>  O     •«  .'\    Jf 


492  Grosses  Brief  buch.    XXVIII.  Brief.    Testament  der  Miime. 

mir;   mine  werg   dünckent   mich   daune  vegefür,   und  der  fioliche 
Zugang  wurt  ztt  male  verdornet  mir. 

Mine  lieben  alle,  danne  setzent  wir  uns  mit  dem  turteltubeliu 
uf  den  uns  verborgenen  dürren  esten  in  gnoden  von  gnaden  «:node- 
los,  m  minnen  [257']  von  minnen  minnelos;  nach  unserm  schetzende  ; 
so  werdent  wir  in  gotte  gottes  von  gotte  quit,  und  durch  ungelobeii 
müssent  wir  cristen  werden.  Ach,  denne  us  der  tieflfen  grundeloses 
eilendes  mffent  wir  mit  verborgener  stimmen: 

^Eya,  weis  ieman,  wo  Jhesus  si, 

dem  min  hertze  wonet  bi?  u 

In  minnen  hat  er  mich  gerürt, 

und  daz  heitze  mit  ime  gefürt.** 
Wolfen,  got  von  himelrich !  so  wurt  dicke  smertze  zft  geworffen 
unserm  smertzen  und  wart  alsus  geantwurtet  uns: 

^Du  solt  von  minnen  in  minnen  beiten,  ^^ 

Jhesus  wil  dich  bas  bereiten, 

daz  er  dich  lustlich  miige  kleiden, 

und  dich  fr51ich  mit  ime  leiten, 

und  dich  in  [257'']  sinre  gotheit  weiden, 

in  reiner  ewiger  selikeit."  al 

Denne  so  gedenkent  wir:  „owe,  hau  ich  verlorn  gefülen  und 
smackenV  Owe  und  o  ach,  wer  git  dem  trostelosen  herzen  min. 
daz  ich  doch  niöhte  wissen,  ob  mich  daz  geminte  liep  minue  und 
liep  habe?  Owe,  habe  ich  es  nu  verlorn?  Min  liep,  wollest  do 
doch  an  mich  gedenken,  daz  duhte  mich  nu  ein  paradis.  Owe,  daz:S 
minnenlftder  ist  hinweg!" 

Kinder,   hie  müssent  ir  in  globen  und  in  hoflenunge  beiteu. 
und  üch  mit  Jhesum  umb kleiden,  und  dicke  wol  uf  dörrer  beiden 
weiden,    und  üch  von  allem  tröste  scheiden,   in  minneu  uud  in 
gelassenheit.     Werdent   ir  gelassen  nach  [258']  bevintlichem,  trost-* 
liehen,  underseheidenlichem  understande,  so  süllent  ir  aber  nüt  lassen 


2  ziVaiiJ?  ^^  (iott.  3   Über  die  Tiwtcliauhe  in  der  TiersymhoUk  r7^- 

l.auchcrt,  Phyaiolofjus  ^6jy4:  Konrad  von  Megenherg  225,20  ff ,  Kach  d(r  S'Vi* 
setzt  sie  sichj  wenn  sie  ihren  Gatten  verloren ^  auf  einen  dürren  Ast  und  ^•fl■«'*^ 
um  ihn.  4  flf .  Ahnliche  scheinbar  paradox*-  Ausdrücke  findefi  sich  hei  m"* 

Mystikern  j  vgl,  Bdw  346^8 ff.  und  die  Anm.  ebd.  —  von  minuende  miiuMJl*« 
wohl   in   anderem  Sinti    auch  bei  Eckhart   504,36 f.:  491,8.  6  uiig«!^''^ 

bezeichnet   hier  wohl  die  geistliche  Dürre  und  Trostlosigkeit ,  von  der  —  nkh' 
ron  dem  Zustand  der  Beschauung  —  auch  im  vorJwgehenden  die  Red*  ift- 
23  f.    Vgl.  Gr  Bfb  4-^0,13 f.:  Bdeic  231,12 ff.  234,10 ff. 


r 


GruBse«  ßriefliudi.    XXVIII.  Briri'.    TMlamcut  der  Miniif.  493 

|ie  übun^n,  Wftu  Diht  alleiue  die  biügcndeD  rogen  von  goüc  f\nt 
ier  Öeh  die  rnben  tistelD. 

i  (.oites  kinder  und  iDine  vil  liehen!  Zß  allen  ziten,  als  ir 
ent  und  künuent,  so  gäUent  ir  da/,  güldin  füi'epang;  Cristum 
Bm,  gottes  und  der  junckfröwen  sun,  für  uwer  hertze  setzen,  daz 
)h  keine  kreatare  fresteleu  und  genemen  mü^e;  und  haltent  in 
Üe  ögen  uwer  Vernunft  als  einen  Intern  claren  spiegel,  do  ir 
tone  heschöwen  sällent,  wie  glich  oder  wie  unglich  ir  sint  einem 
K  Sin  liden  ist  die  Hcliatzkammer  sinre  armen.  0,  wie  [258'] 
.  manigein  hie  so  richer  schätz  ge^^ebenl  Kumment,  ir  lieben, 
ber.  die  do  gegtecket  und  gevangen  sint  timb  alte  schulde  der 
i  Bünden,  wenne  in  zit  wol  zö  bezalende  so  ist  diser  schätz 

offen!    Hie  zu  sol  sin  unser  wettelof,  wer  dis  zil  begrilfet,  wol 
Wan  es  ist  der  Ion,  wan  dar  an  lit  daz  höhste,  daz  sicherste 

daz  nutzeste,  daz  wir  in  zit  haben  mügent,  die  wile  uns  der 
te  aneblig  und  der  mittelose  umbvang,  aeh,  und  der  iemer 
nde  ingang  versaget  ist:  daz  wir  dicke  an  daz  liep,  jo  j-ewer- 
in  daz  einige  uzcrwelte  liep  Jhesum  dicke  gcdencken,  daz  lierze 

ime  verlangen,  dicke  von  ime  reden,  [259']  sine  minnenclieben 

liÖren  und  lesen,  durch  in  alle  unser  wort  sprechen,  nienianne 
(trieb  danne  in,  oder  durch  in  oder  in  ime  niinnen  und  meinen. 
fige  sol  in  minneclichen  an  blicken,  daz  ore  zfi  sinen  wnrten 
tof  bieten,  hertze,  sinne  und  tnftt  sol  in  umbvohen;  und  also 
fane  uns  erzftugent,  so  süllent  wir  ime  flehen,  und  also  er  uns 
,  80  süllent  wir  in  früntlich  liden,  also  er  sich  verbirget,  so 
jU  wir  in,  daz  geniiute  liep,  lieplicli  sftchen  in  gelassenre  ge- 
nbeit  und  niemer  nf  gehören,  bitz  wir  uns  aber  and  aber  in 
■indent,  und  also  wir  in  vindent.  so  süllent  wir  alles  unsers 
f  vergessen  [259']  mit  ime.  Wir  stont  oder  wir  gont,  essent 
tlrinckeut,  so  sol  alles  der  süsse  wintrAbel  Jhesus  des  blügenden 
B  Engadi,  dez  vetterlichen  herzen,  in  dem  gftmen  unser  Si<len 
pegirlich  stat  haben;  und  also  wir  nit  anders  mügent.  so  süllent 
bilde  durch  unser  herze  drucken.     Wir  süllent  sinen  süssen 

3  richeu  b 

I   Vgl.GrBfb43ä,Vjff.  4  f.   VijlGrBfh-ttiU^.  9  ff.   Vgl.  Bdev- 

«f.  ^6ö,lff.  3d8,WK         13  i'gl  1  Kor.  !l,34.         H  —  494,11  Gtostm- 

tlieh  nach  Brirf  l'unr  mr  im   Gr  Bfh  47U,16~iSO.U :  4W,li- 

r  Bfb  479^  Tcrseneden  «toK  verlangen.  2i  f.  Vitilticht  iit 

erxöageut  riiV  Ltsarl   dru  GrBjb  479,i'4:   [aijso  wir  in  erxAnien 
m  f.  Hiw  M  vohl  BdtK  3i)ä,3/.  icgl.  Hohtl.  1,13)  beniOtt. 


H  atntt  ^^1 

rxAnien        ^^^| 


494  Grosses  Briefbuch.    XXVIII.  Brief.    Testament  der  MiDne. 

zarten  namen  lassen  in  dem  munde  umb  gan,  uns  sol  dez  tages  aUo 
rehte  ernst  sin,  daz  uns  nahtes  dar  von  troume.    Sprechent  mit  dem 
wissagen  mit  eime  innigen  ernste,   mit  herzeclichem   süfzen:    ^ovve, 
geminter  got,   du  zarte,  uzerwelte,   schone  ewige   wisheit,    wie  bistii 
so  rehte  gftt  der  seien,  die  dich  suchet,  diu  [260']  alleine  heuert .'-  5 
und  anderswa:  „ich  slaflFe,  aber  min  hertze  wachet. '^ 

Und  hie  mitte,  so  wir  ieme  und  ieme  daz  gotliche  liehe  liep 
Jhesum,  daz  minnenfingerlin  der  reinen  herzen,  ie  lieplicher  in  unser 
herzen  truckent,  und  so  wir  es  ie  dicker  an  blickent  und  es  ie  trüt- 
licher  mit  den  armen  unsere  seien  zertlichen  zfi  uns  sliessent,  so  wiriJ 
ie  minneclicher  in  ewiger  sclikeit  von  ime  werdent  umbvangen.  Üis 
geschehe  uns  allen  sament  in  gottes  namen!     Amen. 

Disen  brief  han  ich  armer  sünder  üch  geschriben  zn  eime 
testamente  der  minnen,  und  su  sül  5ch  heissen  der  roinneo 
regel,  wanne  sü  uz  minnen  ist  kummen  her.  Daz  erbeteil  JhesalS 
Cristi  daz  erbe  ich  üch:  [260 "'J  mine  lieben  kinder,  habent  minne, 
eins  zfi  dem  andern,  und  künnent  ir  nit  bas  getfin,  so  tünt,  daz  icb 
hie  begert  habe !  Eine  kurtze  regel :  wirckent  öch  abe  von  zitlichen 
dingen  noch  sorgveltikeit,  lüterent  üch  von  creatürlichen  bilden  mit 
wisheit,  hebent  üch  zfi  himel  wert  mit  Cristo  sunder  valscheit, jäö 
druckent  uwer  nature  drüglich  in  redelicheit,  sint  senftmutig  in 
demütikeit,  und  üch  sol  werden  alre  warheit  underscbeit.  Nu  nit 
rae  zfi  diser  zit!     Varent  wol! 

14  HiiUent  h 

3  ft'.    V'gl  Klaget.  Jeremiä  3,L'5.  6  Hohel  5,2.  8  minneiitingeriiB. 

vgl    Vita    162,27;    Gr  Bj'h  4o7,9,  15  ff.    Erinnet-t   an  das   Veittiächtßii 

der  Liebe,   daa  der'  Apostel  Johannes  nacfi   der  Erzählung  des  Hifrotmia 
fComment.  in  ep.ad  GaLOjlO)  den  Seinen  hinlerliess:  ßlioli,   diUgite  aUrruirn»! 
Vgl.  auch  das  „Seelgeräthe"^  des  hl,  Dominikus  nach  einer  deutschen  Legende  (itf 
U.Jh.imFreib.JHöz-Archiv   VIIL:i47f.  18  ff.    \\ol  Bdeic  2bö,bn. 

21  drüglich  ist  wohl  SuhsUantiv  =  trügliche,  trügclichheit. 


IL 


Predigten. 


I.  Predigt. 
Lectnlus  noster  floridns. 

üise  wörtelin  stant  geschriben  an  der  ininnen  buch  und  siut 
gesprochen  zfi  eime  lobe  einre  Intern  gewissen  und  sprecbent  zfi 
tische  also:  unser  bettelin  daz  ist  geblümet. 

Als  ungelich  ist  ein  wunnencliehes  bette,  daz  schone  mit  rosen 
und  mit  lylien  und  roaniger  leige  blämen  geblümet  ist,  do  man  ane 
sissecliche  rfiwct  und  slaffet,  einem  ungeruteten  acker,  der  vol  stocke 
und  nukmres  stat,  alse  ungelich  ist  es  umbe  eins  seligen  menschen 
sele  und  eins  ungeordenten  menschen  gewissen,  wan  es  ist  gottes 
hertzenlust,  in  der  geblümeten  stat  zu  rü wende.    Und  dez  gaste  sich 


I.  Predigt.  Uas.:  h  C  c  g  rtiN  s  (vgl.obmS,405):  h^  =  B  8elBXl,23: 
fi'=z Nürnberg  VI,43'.  T  =  Druck  in  Taulers  Predigten,  Cöln  1543 f.  17^—20»^. 
■^»  mN  ist  nur  der  Schluss  (von  606,16  au)  überliefert.  —  Die  Predigt  ist 
*^h  b'  bei  W.  Wackemagel  -  Riegei' j  Altdeutsche  Predigten  und  Gebete  1676, 
^^k—61  gedruckt, 

1  Rote  ll)€r8chrifi :  dis  ist  ein  ^^ar  gute  bredige  det  der  Suse  ein  brediger 
'On  einre  bände  lüten  liden  b  dise  bredie  tet  er  durch  einer  haude  liden  durch 
les  menachen  willen  6*  dise  predie  tet  der  Sewse  prediger  ordens  der  daz  puch 
'er  ewigen  weiszheit  gemacht  hat  durch  eynerley  leidender  menschen  willen  w> 
'oribus  (!)  s  2  dise  mynnencliche  w.  c  wort  n^  an]  in  c  der  minneuden 
^le  buch  b^  3  einer  rainen  lutteni  gn^  gewiss.]  conciencien  (so  stets!)  c 
ind  --  4  also  fehlt  g  sprichet  n*  4  also  —  gebl.  fehlt  C  daz  fehlt  b-Cc 
*  schone  bs  6  und  [mit]  b''-Cgn^  und  mit  manig.  cg  geblüm.]  geziert  g 
^  ist]  stat  g  stet  n^s  9  gewissen]  wissen  s  ungewissen  IrC  10  und  in  der  s 
»tat]  wissen  s  gewissny  g  gewiszen  n^        gesteto  h  frowete  b-  roerade  c 

1  Hohel  1,15. 


49(5  I-  Predigt. 

(He  minnende  sele  zu  einer  zit,  do  sü  belangete  nach  dem  minueiicli- 
chen  umbevange  irs  gemahels,  und  sprach  also  zfl  ireni  geminneten: 
„Lectulus  noster  floridus,  unser  bettelin  daz  ist  geblüinet,- 
rehte  alz  obe  sü  spreche:  „daz  gedemelin  unserre  heimliche  daz  ist 
beslossen,  daz  bettelin  unserre  minne  daz  ist  geblümet,  kuni,  raJD-  5 
nenkliches  liep !  Do  hört  nüt  me  zfi,  denne  daz  du  mich  under  den 
armen  diner  grundelosen  minne  sussecliche  entslaflfen  lassest/ 

Nu  sint  etteliche  menschen,  der  gewissene  ist  nüt  mit  blönien 
bestecket,  mer  ir  herze  ist  mit  miste  bezettet.  Wan  es  sint  etteliche 
menschen,  der  gebresten  sint  uswert  geslagen ;  so  sint  etteliche  men-  n 
sehen,  aller  der  gebreste  ist  hin  inwert  geraten,  und  den  ist  gar  ane 
alle  masse  midichc  zu  helffende,  zfi  glicher  vvise  also  den  lüten, 
der  liplich  wunden  inwert  geratent.  Der  selben  inrcn  gebresten  ist 
gar  vil;  aber  sünderlich  sint  ir  drie,  die  also  gar  swer  sint,  daz 
man  in  knme  dekeinen  andern  gebresten  geliehen  mag,  wan  sü  also  n 
rehte  vaste  engent.  Der  eine  ist  unbescheidene  trurekeit,  der  ander 
ungeordente  swermütikeit,  der  dritte  ungestüme  zwifelheit. 

Von  dem  ersten  sollent  ir  wissen,  daz  do  heisset  unbescheiden 
trurikeit,  daz  ein  mensche  also  rehte  trurig  ist,  daz  er  nüt  gutes  mag 
getün  und   doch  nut  weis,   waz  ime  gebristet;   und   fragete  er  äAn^ 
selber  dar  umbe,  er  enwuste  bi  nute,  waz  ime  were.    Diser  trurekeit 
enpfant  der  minnencliche  David,   do  er  sprach:    „Quare  tristis 
es,  anima  mea,   sele  mine,  war  umbe  bistu  so  rehte  trurig,  nnd 
waz  betrübestn  michV^  —  reht  als  obe  er  spreche:  „dir  ist  neiswaz, 
du  cnweist  aber  nüt  waz.    Hab  ein  getruwen  in  got,  es  wirt  we^er:25 
du  wurst  noch  dicke  in  sime  lobe  erfrowet."    Dise  trurekeit  ist  der 
nature,    daz  sü   tusent  menschen   von   irem   gftten   anevange  wider 

2  vmbviingcn  tj  also  fehlt  h's  3  [daz]  ist  frCn^  4  getleml 

kenieri^yn  c  heiraelicheit  h^cn^  5  daz  bett.  —  geblüin.  fe?dt  n'  5  f.  minn- 
liq)|  min  jL^eminnter  gemaliel  //      7  lassest /VÄ/f  b-       10  gebrechen  (So  stfUlx 

11  iiWor  fehlt  Ißh-ffs        \\m  fehlt  cfj        11  f.  ane  a.  masse]  al  zii  mole  b,  fdlt  p 

12  iniil.]  miHslicb  (/  13  hin  inwert  b^C  inoe  wendig  geroten  sint  h  lö 
eine]  tTst  g  d.  ander  is  c  ist  n^  17  zwifolkeit  b^  verzwifelheit  C  18  <!<>) 
daz  (fH^s  heisset]  ist  h  19  daz  (erMtem]  da  (7  so  c  20  gebrist  gs  bret  ^'' 
frebricht  c  21  bi  nute  fehlt  Ircn^  dise  Ccs  22  minnencl.]  säli?^ 
23  nica  «»tc.  hs  so  rehte  fehlt  h-  und  —  24  reht  fehlt  jt  24  dir]  dis  ^ 
25  du  -  vraz  fehlt  s  nüt  fehlt  hCc  in]  an  CgsT  27  tusent]  som&nigt^ 
27  f.  hat  Hdch  menschen  gn^s 

10  f.    Vgl  (jf  Bfh  4 13,10  f.  16  f.  SeusG  spricht  hier  au^f  eigener  Er- 

fahnaig,  rgl,  Vita  Kaj».  :JJ.  19  daz  (trslesj  =  da,  22  f.  Pa,  42,5- 

"26   Vgl,  ebd. :  sp.:ra  in  Iho. 


J.  Prp^iiyt.  497 

linder  Bich  hat  getriben;  wanue  under  allen  menschen,  die  in  zit 
int,  bedarf  nieman  also  wol  gutes  gemfites,  also  der  meneche,  der 
itterliche  durchbrechen  fiol  die  herten  strite  sinre  eigenen  gebresten, 
Saz  mag  einem  menseben  uf  ertriche  swer  sin  liplicher  Btrangheit, 
ier  innewendig  einen  hohen  mftt  hat?  Oder  waz  mag  dem  usse- 
¥eudig  läBtIiebe  sin,  der  zti  allen  ziten  mit  bösen  inOtß  überladen 
pty  Dar  nmbe  so  sol  sich  ein  mensche  dia  gebresten  waren,  als 
fil  er  mag.  Aber  wie  man  dis  gebresten  lidig  werde,  daz  merkent 
imier  andern  Sachen  do  bi,  wie  zö  einem  male  dem  bredier  geschacb, 
ier  disen  gebresten  so  gar  lange  unlidelicbe  hette  nnd  got  so  dicke 
lar  über  hette  gebetten,  wie  z(i  ime  in  der  überwundenheit,  do  er 
a  der  zelle  also  sas,  gesprochen  wart:  „wea  sitzeBtu  hie"?  Stant 
if  und  vergang  dich  in  min  liden,  so  verlürestu  alles  din  liden!" 
Und  daz  geschacb  also,  und  enging  ime  do. 

Der  ander  inre  gebreste  daz  ist  nngcordente  swermütikeit, 
und  ist  underscheiden  von  dem  ersten;  wanne  der  disen  gebresten 
bat,  der  hat  wol  so  vil  bescheidenheit,  dax  er  weis,  waz  ime  ist, 
aber  er  het  es  uüt  reht  nach  gottes  willen  geordeut,  nnd  dar  nmbe 
beisset  es  ungeordente  ewermiitikeit.  Und  kummet  die  do  von,  daz 
uitweder  ein  mensche  ime  selben  git  zu  lidende  dar  an,  daz  er 
*iget,  daz  nüt  zö  wegende  ist,  oder  aber  von  deme  lidende,  daz 
t  ünem    menschen  git,    and  sanderliche,   die  uf  innerkeit   troffent. 

1  hinder /»/li»  ''-«'      2  wol  —  also  ffhil  g       wol/eWt«       götes /eA((  '. 
4  Bwerer  hC       liplich  Ce       5  der]  den  der  t'  ao  er  g       iöJe- 
hoheii]  Bweren  C  gfltcn  6        6  sin]  wesen  Cgt        7  ist  fthlt  Cs 
It  ff»  eiiij  der  gn'  diser  git'c  &Ib]  ao  ö'Cn'»  8  diser  gc 

eime  Irg  dem  N  c        10  [ao]  gar  b''        II  har  Aber  f  dar  iimb  Cg  do 
13  ergang:  be      eo  —  liden  fehlt  ii'      din  fehlt  gs      14  aleo  frhll  Cs 
*o  ilins  ain  liden  ftfi'  16  inre  fehit  *  16  und  —  19  Bwennät,  fMi  g 

1'  Weis  —  18  er  fehlt  s         19  ea  geh  h'g         die]  daz  bb',  f€hlt  gn         20  ein] 
i'CcT        du-  umbe  b  da.  mit  jy        21  aiier  fehlt  bC      den  liden  cg      dax] 
i]  dem  b-'        die]  dos  C,  fthlt  b-        irrekeit  6=        triffet  6'C 


8  Vgl  Vita  Kap.  44  u.  Kl  Bfb  370,S3ff.  9  ff.  Der  Predig«- f=  ]}«■ 

er)  i»l  Seuat  aelbtt.    Diesdbe  Ereählung  auch  Bdew  2öb;Hff.  u.  Hör.  IST. 
IQ  flf.  Im  folgtndat   rtdtt  SeuKf   leiederholt   von  Zueiäitden  det  nkrupiUiisen 
^eaiiinui.    VgK  A.  Koch,  l.thrhueh  der  Moralthaologif,  lyo&ßäf.:  Dcnifla,  Dan 
f*^l.  Lebm  äüCff.  SI  f.   Vgl,  di«  lattiuUche   ÜbtrseUnng  von  Suirim  fll. 

^'umis  Optra  latine  trannlafa,  Coloniar  1555,  Jffi):  apedatim  affiictionem,  quam 
0»o  permütmte  quis  miHs  patUur.  E»  ist  hier  wohl  die  litdt  von  der  tog. 
.  Beinigung  der  Stele  (vgl.  Kirth'tütx.  VIII', 3091:  Searamrlti,  Ait- 
H  der  mggl.  Theologie,  ditttaeh  II  ( 1HS6),  240  ff. :  D.  Schräm.  Iiislilulioneti 
iogiae  myittcae,  nrma  ed.  I  {lWSj,ä9aff.J. 

i  Schrlftn.  32 


4Ü8  I.  Predigt. 

Nu    vindet   man    usgescheidenliche    vier   liden,    die   die  aller 
sweresten  liden  sint,  die  menschlich   hertze  uf  erden  getragen  mag, 
so  vil  daz  den  eilenden  hertzen   nienian  wol  geloben   m^hte,  denne 
der  ir  selber  het  empfanden,  oder  dem  es  von  gotte  gegeben  were; 
wanne  ir  liden  entwichet  in  niemer,  und  dar  inne  ir  liden  gelihtert  : 
solte  werden,   daz  ist,   so  su  sich  zfi  gotte   kerent,   do  haut  su  daz 
aller   pinlichste  liden.     Und  die  sweri  diser  liden  sol  man   verstan 
nütwan  an  dem  emzigen  we,  daz  sü  bringent,  und  nüt  von  keinem 
schaden,   den  sä  der   sele   bringent.     Und   die  liden   daz  sint  «Ilse 
viere:   zwifel  an  dem  glSben,   zwifel  an  gottes  erbarmherzikeit,  in-io 
schiessende  gedenke  wider  got  und  sine  heiligen^  und  anevehtung^e 
ime  selben  daz  leben  zfi  nemende. 

Nu  nimme  ich  daz  ander  liden  des  ersten  sünderliche  her  für, 
und  danne  sü  alle  gemeinliche.  Und  von  dem  lidende,  daz  ist,  daz 
ein  mensche  beginnet  zwifeln  an  gottes  erbermede  und  obe  sin  iemer  13 
rat  werde,  daz  kummet  sünderliche  von  drien  Sachen  under  anderD, 
und  die  sint,  daz  sü  nüt  künnent  wegen,  waz  got  ist,  waz  sünde  ist 
und  waz  ruwe  ist. 

Sehent,  got  ist  ein  also  unerschöpfeter  brunne  grundeloser 
erbarmherzikeit  und  natürlicher  gute,  daz  nie  kein  getruwe  mäterü 
irme  einigen  kinde,  daz  sü  bi  irme  herzen  trüg,  so  gerne  die  bant 
gebot,  obe  sü  es  sehe  in  eime  starken  füre,  also  got  tftt  einem 
ruwigen  menschen,  und  were  joch  mügelich,  da^  er  aller  menschen 
Sünde  alleine  uf  ime  bette  und  er  die  alle  tage  tusent  stoot 
tete.  Ach,  minnenclicher  herre,  war  umbe  bistu  manigem  herzen  ft, 
also  rehte  minnenclich,  war  umbe  hüget  manige  sele  abe  dir,  war 
umbe  gestet  sich  diu  maniger  mftt?  Ist  daz  alleine  von  irem  un- 
schuldigem lebende?  Nein  es,  gewerlich!  Es  ist  dar  umbe,  so  sn 
gedenkent,  wer  sü  sint,  wie  rehte  sündig,  wie  gebresthaft,  wie  rehte 


.•3  wol  fehlt  Cg  4  der  ir]  daz  er  h  das  ir  C  der  it  c  der  [ir]  h-  5  f.  solK 
jurelilit.  /**.v  6  kert<?n  hcgn^s  7  bM^y  fehlt  hh-Cc  dis  lideus  hCW  also 
verstan  />*  8  nütwan  feJUt  ftg  einzigen  b-s  und  fehlt  h'C  9  bringet  g^^ 
die]  diso  s       10  zwifel  —  j^loben  fehlt  c       10  f.  infliessent  a        13  des«  enten 

—  14  l 'nd  fihlt  c  14  daz  ist  fehlt  h  17  die]  daz  hh-  19  also  ein  h§ 
burne  hCcs  20  so  iretruwe  hg  21  eygen  s  bi]  an  h-T  22  stArkeD) 
grohjsen  //-      23  joch]  ja  c  ez  w*  es  joch  gs      24  alleine  nacA  hette  b*     25  Ach 

—  499,1(5  miniiencl.  fehlt  g      war  u.  —  26  minn.  fehlt  h      26  hüget]  hungert  f 

11  f.    Vgl.  Vita  110,27  u.  Tauler  (Frankfurt  1826)  111,26.  16  f.  Ga^ 

ähnlich  Vita  02,7. 


I.  Predigt  499 

I    nnwirdig  eu  din  sint,  ucb,  nnd  du,  miltes  berze,  du,  frier  herre,  dich 

r    ineu  so  frilicbe  erbütest     Herre,  daz  machet  dicb  in  den  herzen  so 

rehte  gros,   daz  du  menschlichee  götes  alles   nnnotdnrftig  bist.     Dir 

aint  doch  titsent  marg  als  ein   pfeniiiiig  zu  lassende  und  tnseut  tot- 

5  Sünden  als  eine  zö  vergebende.  Herre,  daz  ist  ein  wirdlkeit  obe 
aller  wirdikeit,  berre,  solicbe  menBeben  bünnent  dir  niemer  volle 
gedanken,  ir  herze  Hüsset  hin  von  dime  lobe,  Wanne  nach  der  ge- 
scbrift  80  ist  es  dir  vil  lobelicher,  denne  obe  so  in  nie  keine  sünde 
werent  gevalien  und  in  lewekeit  lebetent  und  5ch  mit  so  vi!  minne 

10  zA  dir  hettent,  wan  nacb  sante  Bernbartz  lere  so  sihestu  nät  an, 
waz  ein  mensche  ist  gewesen,  du  sibst  an,  wer  er  sin  wil  nach  be- 
girde  sins  herzen.  Und  dar  umbe,  wer  dir  abe  sprechen  wil  sünde 
vergeben  joeb  also  dicke  nianigen  Ögenblik,  der  wil  dich  grosser 
eren  beroben.    Die  sünde  het  dich  doch  von  himel  nf  ertrich  braht. 

J6  Selig  si  die  sünde,  also  santus  Gregorins  sprichet,  die  uns  einen 
so  gcminneten  zarten  erlöser  bvaht>>,  der  uns  so  minnencliche  alle 
Stande  wil  enpfahen!  Und  also  wer  gewegen  kan,  waz  got  ist, 
also  David  sprichet,  der  enniag  bi  nute  gotte  missetruwen. 

Daz  ander  ist,   daz  sü  nüt  künnent  wegen,   waz  sünde  ist. 

%  Rehte  sünde  lit  alleine  dar  an,  daz  ein  mensche  mit  eime  verdabten 
bescheiden  willen  wissentliche  und  gerne  ane  widersprechen  der  be- 
scbeidenbeit  sich  von  gotte  uf  daz  gebresthafte  ding  kert.  Wanne 
were,  daz  ein  mensche  also  manigcn  infal  bette  also  manigen  5gen- 
blig,  und  die  also  reht  ungescbaffen  und  also  bfise  werent,  also  es 
96  mügelicb  ist  keinem  bertzen  zu  gedenkende  oder  keinre  zungen  zu 

1  und  ffhlt  CV        2  den]  dem  h'cn's        so]  alao  bn'        3  rebl«  fehlt  h' 

dies]  also  bCa'        5  ein]  din  «'i'       6  f.  oUe  A.  vdii.  fehlt  n'      6  sotretane  bCc 

7  danken  en's        7  f.  Bcbryft  «c        8  dennc]  wanne  be        totsünde  «        9  so] 

roinne/fA/(  bb'-Cen's  liebd  T         10  enaihatu  Cc         11  ab  welle  b' 

II  t  begiriien  Cc        12  abe  wü  apr.  b'  wil  abe  spr,  hC       14  von 

I  hinel  nach  braht  6',  fehlt  C      16  zarte» /eW(  tW«      19  gewegen  fcV      20  lit  — 

ua)  ist  0      21  male  und  willeii  b-      23  were]  wie  ö'      also  —  bette  fthlt  a 

3   ygl.  Pj,  15,L'.  7  S.   Vgl.  iuA.  15,7  und  Gr  Bfb  Mft^ff. 

10  Vgl.  Bermo  134  dt  div.  n.  1:  atrma  S3  in  Cant.  n.  4.     Gans  ähnlicher  Oc- 
'  OrSfb  407,13 f.;  iSifif.  15  f.  O  fdix  culpa,  qaar  tairm  ae  tanivm 

Ittt  habere  rrdemploi-eta.'   Zitat  nus  dem  Prateoniam  pasehalc  (vgl.  Kl  Bfb 
i73,4>,  dns  »'imt  dem  hL  Augustinus  nigtschHehtn  wird.  18  P».  9,11. 

20ff.  Vgl.beiThtmag,S.Th.  1,3  q.  SS  u.  Ä.  Koch  a.a.O.  ISÖß.  die  Kriterien 
•  Tod-  beetö.  lätalich*»  Sünde  gang   übereinatifitmend  mit  Sfute  angegtli«». 
;.  169:  H  guis  deliberata  ac  terla  volantale  »eiena  atque  voletis  absqae 
Nation**  rtluetatione  a  D<o  se  avertat  tt  ad  iniquilalem  transferat. 


500  I.  Predigt. 

sprechende,   und   von   wem   sü  joch   werent,   es  were  joeh  got  oder 
die  ereature,  und  daz  dennoch   der  mensche  in  deme   stünde  ein 
gantz  jar  oder  zwey  oder  wie  lange  es  were  nach  dem  zit,  —  ehte 
die  bescheidenheit  alleine   ein  ringen   da  wider  hat  und  ein  misse- 
fallen,  also  von  naturen  in  solichen  Sachen  ist,  also  daz  su  nüt  gentz- 
lich  mit  fürdahtem   mfite  und  mit  gantzem   willen  dar  uf  vellet,   so 
enist  keine  totsünde  do  geschehen.     Und  dis  ist  also  gewerlich  wor 
nach  der  heiligen  geschrift  und  nach  der  heiligen  lere,   us  den  der 
heilige  geist  redet,  also  daz  got  in  dem  himel  ist. 

Nu  ist  ein  verborgens  dringen  hie  beslossen,  und  daz  ist  daz  lo 
aller  kleinfügest  und  scharpfeste  baut,  daz  in  diser  materie  ist,  und 
daz   ist  also.     So   der   ungeschaffen   b5se   inval   geschiht,   und  ein 
mensche  geswinde  mit  ettewaz  lustes  vil  lihte  dar  uf  gevellet  nnd 
sin  selbes  vermisset,   daz  er  not  hat  geswinde   do  von  gekeret  so 
weuent  sü  denne,   sü  sint  mit  willen  und  bescheidenheit  dar  uf  ge- 15 
Valien  und  haben t  also  ir  selbes  vermisset  und  totsünde  getan.    Und 
daz  ist  nüt  also.     Wanne  nach  der  heiligen  lere   so  wurt  die  be- 
scheidenheit dicke  fürkummen,  beide  mit  sogetanen  invellen  und  mit 
lüsten  eine  gute  wile  und  ein  langes  zit/  e  daz  die  bescheidenheit 
ir  selbes  rehte  innen  werde;   und  so  sü  denne  ir  selbes  reht  iDnanSO 
wurt  mit  guter  bedehtikeit,  so  mag  sü  denne  enpfahen   und  lassen 
und  Sünden  und  nüt  sünden.    Und  dar  umb  so  sollent  die  menschen 
keinen  schrecken  haben  in  den  Sachen  von  keinre  totsünde,  ob  sn 


2  die  fehlt  h-g  creaturen  hc  deme]  der  C  den  s  3  oder  zwer 
fehlt  6-  werde  cn^  der  zit  Cc  den  ziten  s  ehte]  und  g  weile  «^  ockert 
dat  c  5  nature  n^s  in  fehlt  b-  sogetanen  n^s  6  yerdohtem  bgs  und 
[mit]  b-gn^8  7  keine  —  ist  fehlt  s  8  lerer  b^cn^  den]  dem  b  11  [und] 
scharpf.  bc  13  vil  lihte  vor  geswinde  b,  var  lustes  sn^  14  vergisset  <; 

15  denne  fefilt  b-  und  mit  b.  Cc  18  solichen  gs  19  luste  b  lange  b-W 
daz  fehlt  b-g  20  rehte  fehlt  b-  innen]  gewar  bb-  innan]  gewar  b  21  «leun? 
fehlt  n^s        23  enkeinen  bC        keinen  totsönden  b^c 

1  von  wem  =  über  wett.  liitger  bei  Wacktrnagel  a.  a.  0.  556  iriü  tüfel 
siat  got  lesen;  mit  Unrecht^  denn  es  sind  blaspheniisclie  Gedanken  gemeint. 

8  Surius  L  c;  sacris  litetis  et  ecclesiae  catholicae  senientiis,  8  f.  U8  den- 
redet,  vgl,  Bdw  328^3,  17  ff.  Surius  l,  c:  est  namque  muUorum  sandorm 

Patrum  Concors  senteniia ,  raiionem  saepenumero  imporiunis  cogitaiionibui  '« 
animum  irruentibus  atque  etiam  delectatione  quadam  praeveniri,  £s  ist  die  E(di 
von  den  der  klaren  Erkenntnis  vorausgehenden^  nicht  frei  gewollten  Affekten  (motut 
primo  primi),  vgl.  Thomas,  S.  Th,  l,3q,22sqq,;  A,  Koch  a.  o.  0.  40  f 

21    Vgl.  Jak.  1,15. 


1.  Predigt.  501 

cristenre  lere  welleot  gl5ben.  Eb  spricht  Ranetns  Augustinus,  daz 
die  sände  mäe  also  rehte  willeclich  geschehen,  wanne  gescbiht  sä 
not  rehte  willeclich,  so  ist  sü  keine  BCinde.  Es  wellent  die  lerer: 
nnd  hette  Eva  aileiiie  die  fraUt  in  dem  paiadise  gessen  und  Adam 
Di'it.  es  hette  nfit  geschadet.  Zft  gelicher  wise,  war,  insprechendes 
die  sinnelicbeit  hat  one  gantzen  inst  der  bescheidenheit,  die  entritfet 
ntit  iif  keine  totsünde. 

Daz  dritte,  daz  den  schaden  tflt,  daz  ist,  daz  sü  nüt  küiinent 
wegen,  waz  rnwe  ist.  Ruwe  ist  eine  tugent,  die  einem  menschen 
sine  slinde  abe  nymet,  so  sü  mit  bescheiden heit  ist.  Sant  Bern- 
hart  sprichet,  daz  unbescheiden  ruwe  gotte  missevellet.  Der  bfise 
Kayn  der  ruwete  öch,  aber  aoe  wise,  wanne  er  sprach:  „mine  bos- 
heit  ist  merre,  denne  gottes  erbarm  herzikeit."  Judaz  der  ruwete 
ücb,  aber  dez  leit  was  zfl  un&rdenlich.  Also  kumment  sogetane 
nienscheu  ettewenne  in  ungeordentes  leit,  dax  sCi  in  in  selber  spre- 
chent:  „es  ist  ein  übel  mere,  daz  ich  lebe,  lierre,  war  zft  wart  ich 
ie  geborn?  Ach  herre,  wanne  stürbe  ich!"  und  des  gelich  manigerley, 
und  erzuruent  got  dicke  me  bar  an  denne  an  der  snnde.  obe  joch 
keine  Bünde  an  den  vor  genanten  Sachen  were.  Aber  nach  der 
heiligen  gescbrift  so  ist  do  keine  sünde.  Und  dar  uinbe,  der  rebte 
ruweu  wil,  der  sol  haben  deniiitikeit  in  ime  selben  und  ein  misse- 
jVallea  der  Sauden  nnd  ein  gantzes  getrüwen  gegen  gotte.    Es  sprichet 

^  1  cmt«ii  "'*  daz  ffhll  gn'»         3  iiöt  (relite]  gc         rehte  will.]  mit 

gnutzem  willeu  b  sli]  es  //»,  felili  h  keine]  kleiue  h  nit  gn  totsfinde  b'-cu' 
wpileat]  maincnt  g  4  [und]  bette  gn'a  in  d.  parad.  die  fmht  gn'a  4f.  und 
uit  Adam  bc  6  lust]  gunst  tt^sT  gniist  g  eatrisset  j>'  triffet  lig  8  dritt«] 
Mder  hh-C         9  einem]  dem  ifii'  10  b6]  er  6c  xait  fehlt  i'  12  kajm 

bh'C  [der)  ruw.  rga  miore  C  miner  gn'  13  denne]  wanue  66'  der 
Jthlt  h^C"'»  14  dez]  da»  Ces  z'i]  gai' g  gm  ze  n's  solliche  bK  16  in 
(in]  b'«  zfl  in  frn'      17  ie  fthlt  bCg      Ach  —  ich  ftidt  g      muniger  hande  6'n' 

erzamel  es        hie  mitte  bn'        mit  der  s.  hn'        obe  —  ao  sftnde  fehlt  g» 

tretrüwea]  rawen  6'P        gegen]  zfl  bgn'T 

1  he  rem  rtlig.  li  n.  37 :  unifat  adeo  peccalum  roluittarium  itt  malum, 
l  nullo  modo  tit  ptccalum,  si  non  nit  ooltttitarium.  Vgl.  auch  In  ep.  ad  Hom. 
^0)1.13—18;    De  actis   cum   Ftliti!   Manich.  11,3.  4.  8  ff.    Vgl.  Thoma«, 

i  Th.  lfiq.81  a.li:  ptceatum  originale  noH  contrahilur  a  matre,  scd  n  patrr, 
t  te€nnäHm  hoc,  si  Adam  nun  piccante  Eva  peccasget,  ßlii  originale  peeeatum 
H  eonlrahtrent.  4ff.  und  Adam  nüt,  vgl.  Suriu»  I.  c.  170:  uec  hoe  in  scdei'i 

t  lEvai)  praebuisset  Adam.     Dif  Sinnlichkfit  im  folgenden  bedeutet 
,  die  Vernunft  (lieschei  den  heit)  Adam.  lOf  Vgl.  arrmo  38  in  Cani.u.  1. 

11  nnbeBcheideu  r.  =■  indiscrtia  cnntritio  (Surius  t.  e.l.  12  f.  /  Mo».  4.1S- 

19  f.  Matth.27,3ff. 


502  I.  Predigt 

die  ewige  und  die  minDencliche  wisheit:  „kint  mines,  in  dime  liden 
80  solta   dich  selber  nüt  versmahen!     Kum  sin  an  got,   der  hilffet 
dir  es  überwinden!^     Er  ist  ein  rebter  tor,   der  an  eime   ogen  nut 
gesiht  and  ime  selber  dar  nmbe  daz  ander  oge  och  wil  us  brechen. 
Von  disen  gebresten  allen  sol  man  wissen  dise  sehs  ding: 
Eins  ist,   daz  sogetane  menschen  gar  unusrihtig  sint,  daz  8a 
wenig  ieman  her  inne  gl5ben  wellent,  den  sü  doch  gloaben  söllent, 
und  sünderliche^  der  in  üt  tröstliches  seit,  vil  minre,  den  der  in  un- 
tröstliche  ding  Seite.     Und  daz  kämmet  von  dem   emzigen  herzec- 
lichem  we^  in  dem  sä  gemeinliche  one  allen  nnderlas  stant     Und  ic 
hant  daZy   daz  sü  Iren  gebresten  gerne  vil  lüten  klagent,   dar  nmbe 
ob  in  ieman  künde  zu  helffe  kummen;  und  daz  söUent  sü  nüt  also 
witbreht  tun,  wanne  ir  ist  wenig;   die  hie  zu  geraten  künnent,  und 
so  sü  ie  me  do  von  geredent,  so  ir  gebreste  ie  mer  wart.    Sü  söUent 
US  kiesen  einen  lerer,   der  es  wol  habe  von  der  heiligen  geschrifi,  15 
nnd  dem  söllent  sü  gloaben  ane  allen  zwifel,   wanne  got  wil  es  an 
dem  jangesten  tage  an  in  vordem  nnd  nüt  an  sü,  wenne  sü  daz  ire 
getünt. 

Daz  ander  ist,  daz  sü  hant  vil  anrehter  vorhte.  Su  dancket 
nüt,  daz  sü  iemer  reht  gebihtent,  wie  flissig  und  wie  wol  gelert  der  ^ 
bihter  ist,  oder  wie  gentzlich  sü  ir  vermügen  hant  getan,  und  ge- 
winnent  do  von  niemer  geruwig  hertze.  Und  daz  kämmet  do  von: 
sü  cnwissent  nüt,  waz  sü  schuldig  sint  usgescheidenliche  zu  bihtende 
nnd  waz  nüt.  Nach  der  geschrift  so  ist  ein  mensche  alleine  schuldig 
die  totsünden  usgescheidenliche  zu  bihtende,  ob  er  es  kan  getün,  und  95 


1  und  die  minn.  fehlt  gs  liden]  leben  hC  2  so  feMt  6*n*  4  dir 
nmbe  fehlt  hn^  oge  fehlt  gn^s  us  wil  brechen  bh-  5  von]  und  Cc  allen 
samen  gs  6  solliche  h  7  nieman  h-C  gfloben  —  doch  fMt  s  den  - 
soll,  fehlt  c  solten  b  8-  minre  —  in  feMt  s  8  f.  untröstliches  [ding]  O*«' 
9  einzigen  bbls  11  ir  b-g  lütes  b'^n"^  12  künne  bC  soltent  C  13  wit- 
breht] witbreit  hCs  wyt  mere  c,  fehlt  g  16  soll,  sü]  hant  sü  zu  *n'  19  [dai] 
sü  gn^  vorhten  bc  20  gebiht.]  getfint  b-  und  [wie]  Cs  23  dazsü^C 
want  si  c        nit  enwissent  bc        nüt  fehlt  C        24  und  —  26  biht  fehlt  C 

1  f.  iSir,  3tiy9,  13  witbreht  von  brehten  =  rufen,  lärmen^  trie  lutbrehl 

(Gr  Bf  b4S2,4)  gebildet,   Bas    Wort  fehlt  in  deii  Warterbüchern,  Ih  StiriM 

h  c,  171:  vir  um  in  divinis  literis  eruditum  ac  expertum,  24  ff.  Surius  l.  r.  J7lf-' 
sola  peccata  vwrtifera,  quantum  fieri  potest,  distincte  ei  expresse  confiteri  o61i- 
^^amur,  leviores  rero  et  quotidianas  culpas  generali  quadetn  enarratione  exposuisse 
satis  ist.  Vgl,  dazu  Thomas,  S.  Th.  3  q.  84  a,  2  ad  3;  In  4  Sent.  d,  16  q.  2a,  2: 
A,  Koch  a.  a,  (),  197  f, :  F.  A,  Kirsch,  Zur  Geschichte  der  katholischen  Beichte 
Wo:i,  186  ff. 


1.  Predigt.  503 

die  tegeliche  sünde  alleiue  nach  einre  gemeinen  iialegunge.  Und 
wanne  uu  die  menschen  in  den  rordern  Sachen  keinre  toteünden 
schuldig  eint,  m  endiirffent  si'i  noch  ensöllent  nüt  die  invelle  ako 
nfgescheidenlicbe  alle  sagen,  denne  nach  einer  gemeinen  uslegunge 
fi  nach  eins  g&ttelichen  bescheiden  bihters  rate.  Der  tüfel  verwirret 
aileire  hie  mitte  herzenrfiwe,  und  dar  umbe  so  sol  man  ime  hie 
widerstan ;  wanne  so  man  ime  ie  me  henget,  eo  die  gewissene  ie  me 
verwirret  wurt. 

Daz  dritte  ist:  su  süchent  ein  wissen  in  den  Sachen,  do  man 

XO  mit  Wissens  mag   haben,   sä  gant  deme   nach,   daz  sä  wissent,   daz 

»ä  ane  totsönde  Btandent.     Es  enist  kein   mensche  tif  ertriche  noch 

so  göt,  noch  so  selig,  noch  so  wol  gelert  nach  der  heiligen  lere,  der 

*in   wissen   möge   haben,   obe  er  in  der  gnaden  si  oder  nnt,   denne 

von  gottes   Bunderlicher   offenbarongc.     Ea  ist  hier   inne   genftg,   so 

[  <i&  sidi  ein  mensche  wol  ersuchet,  daz  er  denne  ein  nütwissen  dar  umbe 

I       habe.     Und  alsus  so  knmmet  daz  wellen   wissen  von  unbekantheit, 

I       tiüii  ob  ein  kint  mutete  zft  wissende,  waz  ein  keiser  in  sime  liertzen 

bat  verborgen.     Und    dar  umbe,   also  der   lipliche    sieche   hat  sime 

arzatte  zfl  glöbende,  der  die  natare  dez  siechtagen  has  erkennet 

denne  er  selber,  also  hat  ein  mensche  einem  bescheiden  geistlichen 

anale  zft  g'oabende. 

Daz  vierde  ist:  sü  sint  zfi  ungestüme  gegen  gotte.  Und  daz 
kunimet  ouch  von  dem  emzigen  bitterlichen  lidende,  in  dem  sü  z& 
.»lleu  ziten  stant.  Sü  ensint  mit  vil  geübet  in  anderem  lidende  ge- 
iieiiiUch;  inen  geechiht  also  der  einen  jungen  volen  in  einen  karren 


1  tt^elichcn  sliudea  f.'i:  2  CataiiiKle  xit'  '.i  sü  nach  ensölteut  gn'g 

^t.  tiso  usgeech.  fehlt  ys  6  alleiu  sicli  li  »iob  alieine  c  [sii]  sol  gn'g  hie 
'«W  hC  7  verhenget  hCg  ie  [me]  n'w  8  verirret  b'nT  10  Wissens] 
kiMCn  nV  hahen  mag  b'j  11  noch  fehlt  bb'iT  13  ein  /«Ä^/  6's 

'f  iiuiderUcbeD  otTenbaruiigen  bb-e  15  dar  an  b  dar  inne  b^  16  so  fehlt  hi/n^ 
ionet  ans  bC  daz  si  nellen  w.  </e  anbedehtikeit  bC  17  möt  bette  bC 
8  verb.  bett*  cg  lipl.  sieche  fehlt  C  lipl.  —  sime  fthlt  s  18  f.  s.  arzatte 
at  hb^C  20  üinen  Cc  22  ungesWndig  bh'Cffs  23  einzigeu  bb'  24  sint  bg 
hdern  liden  cn        25  erst,  in  eiu.  k.  yg        karrich  b'a's 

Uff.    Vgl.  Pred.  9,i  :  1  Kor.  4.3  f.;  Thoma»,  S.  Th.  i^q.ll^  a.6:  Pohh, 
■ehrfluch   der  Dogmatik  11  flixm,^}ff.  14  f.    Surias  l.  C.  173  gibt  dm 

hn  treffend  icirder:  fufßcit  in  Ihk  pttrU,  si  d'ligtnltr  cc/i/om/a  congnentia 
tÜMiH  eeftum  inortiferun  ffeeatum  in  ea  compirinlnr,  20  f.    1'^/.  Hortil,  193: 

UritHuli»  mtdicug  (Suiiug  l c:  confeggariag). 


1 


504  I.  Predigt. 

spannet:  so  sich  der  vermüget  und  vervihtet,  daz  er  mager  wurt,  so 
er  siht  zfi  jungest,  daz  es  anders  nüt  mag  sin^  so  lat  er  sinen  möt 
nider  und  beginnet   zemmeliche  gebaren.     Also  geschiht  disen  men- 
schen :  alle  die  wile  sä  noch  ein  vebten  do  wider  hant  und  sich  nüt 
gentzlichen   hant  geböuget  under  gottes  willen,   daz  su  es  welleot  i 
durch  in  liden,  so  geschiht  inen  gar  we,  und  müssent  es  doch  lideo. 
untze  daz  der  erbarmherzige  got  wnrt  ane  sehende  ir  arbeit  und  ire 
getultikeit;   und  er  weis,   wenne  es  in  nütze  ist,   daz  er  sü  do  von 
entbinde.     Und  dar  umbe  so  hört  nüt  dar  zu,  danne  sich  demütek- 
liehe  in  daz  liden  ergeben,   wie  lang  es  got  wil,   und   getultekliche  lo 
helffe  von  ime  vordem  und  gebet  von  gfiten  luten. 

Daz  fünfte  ist:  dieselben  menschen  irret  nüt  uf  ertriche  also 
vaste.  also  daz  sü  deme  ungeschaffen  gerüne  went  gelosen  und  ime 
went  antwnrten  und  mit  der  bescheiden heit  ime  wellent  widerstan 
und  da  wider  disputieren.     Und  do  vor  süUent  sü  sich  hüten  also  15 
vor  dem  tode,  wanne  von  dem  widerstonde  so  sinkent  sü  dar  in  ooe 
alle  helffe.    Und  dar  umbe,  also  balde  es  den  geistlichen  oren  wart 
in  gerunet,  so  süllent  sü  rehte  geswinde  ane  alles  widerkriegen  sich 
do  von  nebent  sich  keren  uf  daz  neheste,  daz  sü  sehent,  hörent  oder 
wissent,   rehte  alz  obe  sü  zu  ime  sprechent:    ^hab   din  gerüne  dirao 
selben,  es  engat  mich  nüt  an,  du  bist  joch  zfi  böse  dar  zfi,  daz  ich 
dir  hie  zu  welle  antwurten/    Sehent,  und  daz  geschiht  eigentliche: 
so  sü  sin  ie  minre  ahtent,  so  sü  ie  schierer  do  von  kumment.    Und 
daz  tügent  aber  und  aber,   untze  daz  sü  einen  gewönlicben   abeker 
gewiiinent.    Und  dise  rede  kan  nieman  wol  verstau  denne  die  selben»; 
menschen. 

Daz  s  e  h  s  t  e  ist :  so  die  zit  ie  heiliger  ist  und  sich  der  mensche 
ie  gerner  zfi  gotte   kerte,   so  daz  selbe  liden   ie  mer  ist  und  so  so 

1  vermndet  hh-ti^  1  f.  und  so  er  siht  gn^  2  er  denne  siht  bg  nil 
anders  Cn^  sin  enmag  sc  3  gezemmeclichen  C  gezemlich  n*  gezamlich  ^9 
disem  //-  B  f.  menschen  allen  b-  4  ein  widervehten  hant  do  wider  6' 
7  und  [ire]  es  8  und]  wen  </  wenne  n*  9  danne  daz  sä  sich  6*  10  und 
get.  —  11  ii'iten  fehlt  h  12  ist  fehlt  cn^s  12  f.  nüt  also  vaate  uf  e.  b*  also 
lehtc  vast  cv/n'.v  13  t.  ime  v,'ent  fehlt  s  16  dispitieren  6V  sich  —  16  rf 
frhlt  s  18  Widerreden  ,v  19  der  von  6'n*  nehent  sich  fehlt  hb^  horcnt 
sehent  //'  20  ime]  eime  bh-  21  gat  gs  22  her  zö  n^c  24  bis  cp 
25  enkan  Cc        26  die]  daz  b'gn'        28  rihtetent  und  kerteu  (!)  b- 

2  f.  lat  8.  müt  nider,  vgl.  KlBfb  361,20;  GrBfb  462,43;  466,13. 
13  nngcschaffen  geriine,  vgl.  Bdew  312,4,     Zu  Z,  20  ff.  sind  die  Vitae  patntm 

ed.  Uosweyde  {s.  oben  104  Anm.)  III, 57:   VII,  1,6  (vgl  auch  Palm,  VäUrbuck 
l,'>Off.)  benutzt.  27  zit  =  Festzeit. 


I.  Predigt  505 

I  einig  Pater  noster  noch  Ave  Mana  mit  mugent  lidekliche  ge- 
precben  one  daz  veige  geräne.  80  kumroeDt  so  ettewenne  in  einen 
■aiimrit  und  werffeut  daz  gebet  hin  und  sprechent  zft  in  selber;  ,waz 
fctireiiestu,  da/,  dich  daz  gebet  heltl'e,  d»z  so  vemnreinet  wurt?"  und 
( tfliit  hier  inne  gar  unreht;  wanne  wenne  sü  da»  tönt,  so  willent  bii 
denie  tufel  gentzliche,  wanne  der  BÖcliet  nüt  anders,  dennc  daz  er 
Hitn  tnenschen  erwere  geistliche  ühuuge.  Si'i  enwissent  iiut,  daz  ii' 
gebi'I  mit  allen  den  invellen,  die  in  leit  sint,  ao  rehte  wol  smekent 
and  eo  vehte  geneme  ist  vor  gottes   ögen,    wan  es   eprieliet   sanctus 

10  Gre;;orius,  daz  menschlich  gemüte  dicke  klimmet  in  Golliche  timbcr- 
lieit.  daz  es  ime  selber  mit  gehelflen  kan,  danne  daz  es  ist  in  gegen- 
wertikeit  leides  und  lidena.  Und  die  selbe  widerwertikeit  raffet  vor 
gotte  inneoelicbe  für  sü,  nud  die  bitterkeit  irs  lidens  wart  vor  sinen 
Ögen  verkeret   in  ein  lüstliohes   gebet  und  tringet   ueher   denne  aiie 

IB  die  wise,  und  neiget  iu  geswinder.  Und  dar  umbe  so  sol  enkein 
mensche  enkein  gut  werk,  noch  kein  gebet,  noch  kilchgang,  der  dem 
gellien  bösen  geiste  sanderliche  wider  ist,  niemer  gelossen;  wan  waz 
dem  menschen  an  lütri  des  gebettes  abe  gat,  daz  gat  ime  uf  an 
widerwertikeit   des  lidendee,    von  der  wegen  es  gar   geneme  ist  vor 

^gottes  ögen,  als  einen  siecheu,  der  kume  redet,  den  höret  man  dick  e 
denne  einen  gesunden  starken  menschen.  Und  so  man  ie  me  von 
gebette  Hesse,  so  man  dem  selben  bösen  geist  ie  me  weget. 

Sider  nu  also  bewert  ist  von  der  heiligen  gescbrift,  daz  an  disen 
Sachen  nät  sünde  lit,  so  ist  ein  frage,  war  umbe  der  erbarmeherzige  got 

'A  also  rehte  swer  liden  verheoge  über  sogetane  menschen,  wanne  ge- 

I  noch]  Diter  »'«  noch  e 

lidelkli  «  ledlieh  n      S  ifit  ,tr« 

wniinc  —  6  fetiitzl.  /«htt  y       mfttwillent  g 

T  eim]  dem  g  einen  et        ^lathclier  b' 

vnr  —  »auctus  fMi  fc'»       10  kume  !•''« 

tämehelt  C  hlfnt.lieic  c  aw  ermUtiitkeit  n 

b  eenedigkeit.  n'»  en^ol  l>r 

bet  f'Jtli  c  kilcheo  gaii  t>-it'.v 

wall]  null  hb-e        18  luterkeit  licrt'        iu  g»        19  widern.]  wirdikeic  ('      von 

—  geneme  frhlt  g       des  wegen  h        19  f.  vor  g.  ögen  f'hlt  b       fiO  einem  Cg 

aierbenl  uieDsohen  bb^e  reden  (gereden  n')  mitg:  ga'»  erhöret  b'n's  21  denne 
fihii  b<  Und  —  24  frage  fthli  g  sich  jome  n'v  22  den  hh'  ie  me 
fthil  !>•-  23  Bclirift  '<'e  daz  fehlt  Cca  25  rehle  ftidt  hg  verheugeC  bCcT 
,     Mlliche  br        meunclien]  Iflt*  bn'        wsnno  —  506,4  leii.  fehlt  g 

»9ff.   VghMorat.  \1U^3  ii.3h:  XX\I,U  ii.sä:  XX.yil.li  n.  3ti.       J 
aif.    Vgl  Gi-hfb  443,9.0:  M 


1 


uiit  fMi  bCc 

lidekl.  mugcnl  6' 

hie  mit  n'  hsr  mit 

hier  an  C  daran  g 

t  g      6  lierl  er  rg 

demie]  wanne  i.'C 

en        ösmatketje 

9  ist]  sint  b'Cn'^ 

sogeUne  /.Ti.'s 

10  f.  lumpheil  bg 

14  ein  frhtl  6'n 

*         15  geawinder 

lü  enkein)  ein  n'# 

le  noch  k.  gt- 

17  lioaeu  IMI  i'j> 

uiemer  fehlt  b't 

506  I.  Predigt 

meinliche  zfi  nemende  man  enmöbte  in  kein   lipliches  liden  genom- 
men, 8U  nement  es  zfi  lidende  für  die  liden.     Die  selben  menschen 
und  ettelicbe   einvaltige  menschen,   die  es  nfit   babent   an   kunsten 
noch  an  lebende,  die  sint  in  dem  wane,  daz  es  alleine  knmme  von 
schulden.     Und   daz   enist  nfit  war,   wanne  manig  heilig   mensche  i 
der  wurt  berlicbe  dar  inne  versflchet,   daz  wir  alle  tage  sebent  und 
in  der  heiligen  geschrift  vindent,  und  dicke  böse,  unlutre  menschen 
stant  ir  lidig;  ouch   ettelichen  begegent  es  in  irre   kintheit,   so  sie 
dennoch  ane  gi'osse  schulde  stant.    Do  aber  dis  liden  und  disü  strenge 
bflsse  einem   menschen   were   kummen   nach  sinera  wane  oder  nach  lo 
der  warheit  von  schulden,   der  mensche  solte  got   innencliche  dar 
umbe  loben,    wanne  under  allen  andern  dingen  nach  der  schrift  ist 
daz  ein  also  gar  gros  minnezeichen  von  gotte,   so  er  geswinde  die 
sünde  hie  mit  zfigesanten  liden  busset.    Aber  war  umbe  sü  got  furbas 
mit  dem  liden  zwinge  denne  mit  andern,  daz  ist  verborgen  in  gottes  15 
tögene;   wanne  daz  sollent  sfi  von  gotte  also  uf  nemen,   wanne  got 
aller  menschen  herze  und  möt  und  wise  intian  und  usnan  aller  basi 
erkennet,   daz  er  och  alz   ein   wiser  arzat  und   also  ein  getrawer 
vatter  einem   iegelichen  zfi  fuget,   daz   er  alleine  erkennet,  daz  ir 
aller  bestes  ist.  90 

Nu  möhte  ein  mensche  vil  Übte  fragen,  waz  gfites  hier  inne 
einem  menschen  möhte  geligen.  Dez  antwurte  ich  nach  der  schrift 
und  spriche,  daz  grosses  unsageliches  gut  einem  menschen  hier  an 
mag  geligen.  Daz  eine  ist:  es  sint  ettelicbe  menschen  von  n;itare 
eins  hochmütigen  sinnes,  und  die  möhtent  niemer  bas  noch  ver-95 
börgenlicher  geböuget  werden  in  demutikeit,  die  do  ist  aller  tögeude 
ein   rehtcr  anevang.     Wanne  su  wenent,  daz  nach  ungeschaffenheit 


1  dekein  b-s  3  kunst  s  5  wanne  fehlt  b-s  wanne  —  7  dicke  fthlt  g 
7  schrift  b-c  vindet  6'  8  die  stont  gn^  irre]  einer  sn^  sie]  er  hW^f 
9  ane  alle  grosse  b^n^  stÄnt]  stet  b^s  ist  n^  sint  g  Do  —  14  busset  fehlt  g 
disü  fehlt  Cg  11  der  m.  der  solte  b-  12  so  ist  bc  18  gar  f$fUt  gn^  g»r 
reht  b-8  14  Aber  bis  Schluss  stark  gekürzt  g  15  zwinget  bCc  anderme 
bCn^  17  aller  —  müt]  alle  ir  stege  und  weg  &*  hertzen  CmNs  inne- 
wendig  u.  ussewendig  bmN  ussen  Cs  18  bekennet  bmX  alz  —  und 
fehlt  b-s  21  hier  inne  nach  menschen  bmN  22  geschrift  tnNs  23  hier 
an]   hier  inne  Cc,  fehlt  gs  hier  —  24  gelig.]   der  enmag  (mag  s)  liden  h'x 

24  von  naturen  Cc        27  rehter  fehlt  b 

3  f.  Vgl,  Sarius  L  c.  175:  nonnuüi  simplices,  qui  neque  scicntia  mqtit 
experientia  isia  noverunf,  6ff.  Z,  B.  Job;  vgl,  Gregorius  M.,  Moral.  XV^ 

n.  67.  12  f.    Vgl,  Sir.  2,6  u.  Bdew  260^^3  ff. 


I.  Predigt.  507 

der  iDvelle  si  och  iiDgeschaSeuheit  der  sände,  und  dee  enist  nüt; 
eia  mensche  in  eime  einigen  wolgerallen  ein  selbes  infibte  Bäntliche 
ongescbaffener  werden  vor  gotle,  danne  obe  der  aller  bÖsteu  invelle 
tnsent  werent  gesin.  Und  daz  ist  kuut  an  dem  böbegten  engel,  der 
do  viel  und  doch  nüt  Bollicbcr  incelle  bette.  Und  also  gCBchiht  hie, 
daz  der  mensche,  der  sieh  selben  nüt  wolte  erkennen  in  eime  hoch- 
Tertigen  gedanke,  der  wnrt  sich  selber  denne  erkennende  In  deme 
lidende;  und  der  vor  ander  lüte  versraahete,  den  duhte  denne  billich, 
daz  in  allermengelich  versinabete.  Waz  mag  nn  einem  menschen 
nutzer  gesin  oder  me  weges  machen  zQ  gotte  denne  dis?  Es  ist 
doch  unmügelich,  daz  kein  demütiger  mensche  verlorn  werde. 

Und  dar  nmbe  gewerlicbe  nach  der  schrift  und  nach  der  war- 
heit,  so  soltent  sogtane  menschen  ut'  ire  knii  valteu,  und  soltent  tVie. 
DogeBchaß'enen  Hden  übergalden  do  mitte,  daz  sü  gotte  innenkliche 
'danbetent  der  Hden,  die  sü  zu  einre  sogtanen  tugent  mägent  bringen. 
L'nd  daz  selbe  liden  nimet  sli  von  der  bellen  und  setzet  sü  in  daz 
bimelrieh;  so  siut  sü  dar  zä  gut,  daz  sü  die  menschen  behütent 
Tor  beliehen  vellen  und  vor  vil  sünden,  wanne  sü  gewinnent  also 
Til  do  mitte  zö  schaffende,  daz  eft  aller  üppikeit  nach  vergessent, 
ud  daz  i^t  ein  edel  DUtz.  80  sint  sü  och  fürderlich  zu  allen  tügenden. 
"Wanne  den  menschen  ist  also  rehle  we  do  mitte,  daz  sü  alle  wege 
icbent  und  in  alle  ding  mügelich  sint  zu  tände,  nütwan  daz  en  dis 
alleine  ahe  kumraent.  Und  wie  ernest  in  ist,  so  lat  sü  doch  got 
liebe  also  stan,  nntze  daz  nach  vil  guter  werke  samenunge  der 
neasche  ein  volles  ras  wurt  aller  tügende  und  gnaden. 

Ku  merkent,  lieben  kint,  wie  rehte  minnenklich  die  ewige  wis- 


I  riknden  fi'c        2  einigen /</<//  Iih-Cu        siiutlicher  gti'scT       3  und  iin- 
dr.  gn'T  i  gewesen  li-e  engel  luoifer  g  5  sogetaner  h'Ccn' 

erBmah.  fehlt  mN       9  alte  meuschen  h'g  alle  die  lüte  C       10  denn 
»j  Buch  g    denne  diae  ursnch  der  demutikeit  b  12  nach  ~  und  fthU  C 

bs  i:i  sollent  li'Ccn'  «oUiche  hex  16  daiikent  b'C  der] 
die]  90  b-'s  süllicbeu  bs  lö  Und]  wnn  r/n 's  J"  nimel]  bringet  b' 
37  lue]  den  bcn'  18f.  da  mit  also  vil  gn^  19  daz]  dar  h'  nach]  gnath  niA', 
20  fürderl.]  sunderlii'h  n'»  22  sint  mügel,  w'c  iiilweno  n'  nuwent  » 
Baügeu  ftbe  kummeu  6-  24  ditke /e/il(  ih'ii'»  nach  sani.  vil  g.  werke  6- 
nieosche  »'«        gnade  cn' 

17  f.    Vgl.  BdeiP  351,14,  J.'l.  21  ff.    Vgl.  Üvrius  I.  i:  177:  tarn  mhrre 

,   itt  r^rtuiM  int  rtmedii  loeo  stetetUur,  nw  quiequam  eis  impogsibilr 

f  quo  suam  poisint  cmetm  etaderc  rl  oblieisci.  26f.  Vgl.  Weiah.  8,1. 


508  I.  Predigt 

heit  alle  ding  kan  ordenen,  daz  die  menschen  wenent,  daz  su  also 
grossen  verlast  dar  an  habent,  und  es  got  inen  zft  also  grossem  nutze 
verkeret.  Es  minret  och  ir  vegefür  und  bringet  in  grossen  Ion;  sü 
wenent,  su  sient  böse,  und  sint  gflt;  sä  wenent,  sä  sint  dar  unibe 
grosse  sunder  y  so  sint  sä  vor  gottes  5gen  hohe  marteler,  wanne  es  i 
tfit  tusent  stunt  wirs,  alle  stunde  also  gemartelt  werden ,  danne  mit 
einem  slage  daz  höbet  verlieren.  Und  daz  ich  es  kürze ,  nach  der 
heiligen  schrift  und  nach  der  warheit  so  ist  es  ein  gewer  minne- 
zeichen unmessiger  gnaden  und  grosser  heimeliche,  die  in  der  nach 
künftig  ist.  Und  dar  umbe  so  söllent  sä  es  fr61ich  und  willeclich  IC 
liden,  wanne  in  get  sicherliche  nach  der  bitterkeit  die  ewige  selikeit. 
Also  geschach  einest.  Es  was  ein  frowe  in  eime  kloster^  die  bat 
ouch  diser  liden  eins.  Do  da  erstarp,  do  kam  sä  her  wider  und 
Seite,  daz  es  ir  vegefür  hie  was,  und  daz  su  on  alles  mittel  tod 
gotte  in  ewikeit  enpfangen  wart.  Des  helffe  uns  ouch  unser  U 
minnenclicher  herre  Jhesus  ("ristus.     Amen. 


1  geordeiieu  b-c  ordiniren  C  3  keret  h-  in  och  ir  v.  mNc  3  sü 
—  4  gut  fehlt  n^  4t  [und]  so  sind  si  gut  gs  dar  umbe  fehlt  Cg  5  hohe] 
grosse  h-g  marterer  8  6  warst  hh^  gemart<?rt  InnNs  7  es  fhh  frC 
8  f.  bloss  zeichen  gn^tt  9  gnade  gs  heimelichelt  b-cmN  in]  ime  bh^C 
10  ist]  wart  b-  Und  fehlt  bC  so  fehlt  cmN  gewiDecliche  bCc  11  in] 
es  mXs  12  geschach  es  b-  es  gesch.  m  .die]  und  Ccs  und  die  b^  13  staq) 
bCgmX         14  daz  —  w&q  fehH  n^  hie  fthlt  brnNs  was]  were  r  were 

gewesen  b-T  15  wart]  were  b-C  des  —  16  Amen  fehlt  inN  des]  da*  f^f 
16  J.  Christus  und  Maria  sein  werde  muter  .\meii  n^  nach  Amen:  Expliril 
liber  Deo  griacias  Amen  .v 

)\  minret  —  vegefür,  tbvuso  Bdeir  2öl,:il,         9-11  Vyl.  (ir  Bfh  444.1/ 
12  tt'.    \'ffL  Vita  14:JJ,15f. 


n.   Fredigt. 

■iseriint  Jadaei  ab  Jerosolyniis  sacerdotes  et  leritas  ad 
Johaniiem,  ut  interrogarent  eani :  Tu  qais  esl 
Die  Juddeu    und   die   pliariaeyen    die   santen   zu  Johannee  und 
leten  yne,   wer  er  were,   abe  er  were  Helyas?    Er  bekaate  und 
[nete  nit  und  sprach:  Non  sum.    „Uistu  dann  Cristus?"    Non  sum. 
ler  eyn  prophete?"   Nou  sum. 

Kynder,  dieser  phariaeyon  fint  man  noch  viel,  die  ockern  geen 

üppigen   fragen    umb.     Die    eynen    fragent    nach    werntlichen 

pen,   wa8  die  und  die  tbun.  was  meren  yn  den  steden  und  yn 

landen  nnd  under  den  herren  sy,   was  under  den  luden,    geist- 

Sn  und  werntlichen,  geschee,  von  diesen  und  von  dem,    und  yn 

tn>l  mit   nuwen  meren.     Phy  der  groszen  schänden  under  geist- 

ißa  luden!    Des  solde  sich  ein  geistlich  mensch  ummer  geschemen 

Bgeu  und  zu  wissen  eynige  nuwe  mere.     Was  geet  eynen  geist- 

pa   menschen   an   alles,   das   diese   wernt   geleysteu   mag?     Die 

irn  fragen  von  vorwitzikeyt,  das  sie  gern  viel  wissten  und  von 

dingen  verstünden  und  konden  aageu;  do  enwirt  auch  nit  me 

Die  dritte  fragen  uff  eyn  verBuehen,  das  sie  wiBsen,  was  yn 

iluden  sy,  und  koment  nnd  smeyuhent.  als  die  Judden  sprachen: 


//.  Predigt.     Eng.:   h'  =  Berlin  a"32y :  g'^Giaisen  böU:  r=^  Itostnck 

Msialb&iiiothek.     T  =  Taulerdruek  1543/.  äsra  _  s3".     Zur  Grmullag* 

genommtn,  —  Bit  Eehlheit  dieser  und  der  folgendm  Predigt  steht  nicht 

jlgl.  Kinhitung.     Erstere  ist  nach  r  von  E.  E.  H.  Kraute  im  Jahrbuch  des 

pü  für  niederdeutsche  Sprachforschung  11(1876),  11  — IS  puUisiert. 


2  —  3  fehlt  b^g\  dafür  Überschrift: 
iden  und  Aie  phariBefen  2U  Johanne  santen  g'      C  yne  fehü  rT      Er  — 
\fMl  g'      bekanle]  go  r  geyde  fc'       6  nod  er  Bprach  g'       Non  smo  itrstet)] 
■bjn  gyn  nit  g',  fehlt  !•'  6f.  Non  suin  (cu-eiies  a.  dritte»)]  neyn  y' 

Bder  fthU  T  fiot  man]  sint  b'T  noch]  noch  g',  fehlt  r  ockern] 
6'  BchlechtH  T,  fehlt  r  10  dingen]  aachen  b'  11  gy  —  luden  fehlt  j' 
den]  und  T  12  und  wat  geachey  van  r  dusem  r  13  Phy] 

poch  g''  Mlinnde  r2'  ander]  von  g'  14  Boldeu  sie  sich  [eio  geiatl, 
b]  g'  15  wissen  und  zu  fragen  j;-  16  diese]  die  g'  geleysteu  mag] 
Ir      19  do  —  19  U8Z  fehlt  r      nit  me]  nnmme  b'-T      19  wollent  wissen  p' 

«f.  Joh.  1,19.  8  ockeni,  oekert,  Adv,  =  nur,  bloss  (Lex.  U,im,- 

i  hd.  =  eht,  bette,  nütenn.         17  f.   Vgl.  Vita  98,2  ff.  18  f.  Vgl.  Surias 

79t  nee  ii  unquam  ad  aliiora  proßciunt  nee  profectus  illoriim  spes  ulla 
tef,  gumtdiu  tatet  permanent. 


« 


510  n.  Prediget. 

^meyster,  wir  wissen,  das  du  warhaflftig  bist.**  Also  thun  diese. 
Fyndcnt  sie  dann  ir  wyse  yn  den  luden,  so  ist  isz  alles  gut,  und 
fyndent  sie  der  nit,  so  endaug  alle  ir  thun  nit.  So  geent  sie  aber 
ander  fragen,  nnd  geent  also  ummer  fragen,  das  sie  ir  verkerte  wyse 
beschirmen,  und  enwoUent  sich  ye  dar  ane  nit  laszen,  waz  man  vn  l 
auch  gesinge  oder  gesage.  Die  vi  erden  das  sint  gude  frager.  der 
hertze  nnd  selc  qwelet  nach  dem  aller  liebesten  willen  gottes ;  essent 
sie,  slaflFent  sie,  werkent  sie,  gent  sie,  Stent  sie,  so  ist  yn  in:  ,ach, 
wie  gerachen  wir  den  aller  liebsten  willen  des  gemyntten  gottes?** 
Die  f äfften  die  enfragent  nit,  das  synt  volkomen  lüde,  die  syntu 
über  fragen  komen.  Aber  wa  fynt  man  sy?  In  diesen  luden  yoist 
keyn  wonder,  wanne  Augustinus  und  Aristotiles  sprechent, 
das  fragen  kome  von  wonder.  In  diesen  enist  keyn  wonder,  wanne 
die  warheit  hat  sie  durchgangen. 

Diese  boden  frageten  Johannem,  wer  er  were.  Was  antworte  1| 
der  himelfurste,  der  morgensterne ,  der  erdesche  engel  Johannes? 
Er  sprach:  Non  sura.  Er  bekante  und  leugnet  nit:  Non  sum,  sb 
alle  menschen  wolden  des  namen  verleugnen  und  geet  aller  menschen 
thun  dar  uff,  wie  sie  ockert  den  namen  verleugnen  und  verbergen: 
Non  sum ;  sie  wollent  alle  etwas  syn  ader  schynen,  isz  sy  in  gejste  ^ 
ader  in  nature. 

Vil  lieben  kynder,  der  diesen  grünt  allein  gerachen  künde,  der 
hette  gerachet  den  aller  nehisten,  kurtzesten,  siechsten,  sichersten  weg 
zu  der  höchsten  nehisten  warheit,  die  man  yn  der  zyt  ervolgen  mag. 
Zu  diesem  enist  nyemant  zu  alt  nach  zu  kranck,  nach  zu  dompfll 
nach  zu  jung,  nach  zu  arme  nach  zu  riebe,  das  were:  Non  sum,  ich 
inbyn  nicht.  Ach,  was  lyt  unsprechelich  wesen  an  diesem  Non  sum! 

1  Also  —  diese  fehlt  g-  4  und  —  fragen  fehlt  h^  bekerte(!)/ 

6  auch  fehlt  h^g-      synget  oif  seget  rT      das  vierdep-      7  lieb,  ind  güitsteo  i>^ 
1.  und  göten  T       8  werkent  sie]  schryben  sie,  lesen  sie,  spjnen  sie  J,  fil^  f 
so  —  in  fehlt  hh'        9  aller  fehlt  g-        10  die  volnkommende  1.  p*       die  sra^ 
—  11  sy]  ach  da  die  sint  g-         11  diesen  luden  fehlt  g-         12  wanne  ,/>A/<  ^* 
13  körnet  rT      In  diesen  lieben  menschen  g-      16  der  ertzengel  g-T     17  Xod 
sum]  ich  bin  syn  nit  //-        [Er  —  18  verl.  und]  ach  nu  geent  alle  m.  dar  uff/ 
18. 10  verleugnen]  verlonen  h^r      19  ockert  fMt  g-T      den  namen]  das  wort/^ 
20  alles  r/^        22  Vil  fehlt  rT       gerachen]  trefifen  T       23  gerachet]  fandeD/ 
24  die]  den  g-r        26  nach  zu  jung  fehlt  g-T        27  so  unsprech.  6V      wcsfl»] 
Seligkeit  g- 

1  Matth.  :j:JJ(;.         .-3  ir  he-ieht  sich  auf  lüde.         51  Surius  Ic:  H* 
quid  cum  Ulis  agas,  7    Vgl  Kl  Bfb  3bi7,l7ff.  10  f.    Vgl.  VUa  lUM 

12  Aristofehs,  Metaph,  1,2  (982  b  12);  August,,  De  ord.  1,3  n,8. 


II.  IVedigt,  511 

Ach,  diesen  weg  enwil  nyemant  wanderen,  man  kere  war  man  ummer 
kere!  Got  segen  mich,  entruwea.  wir  eyn  und  wollen  und  wolden 
ye  syn.  ye  einer  über  den  andern.  Hie  myt  eynt  alle  menschen 
also  gefangen  und  gebunden,  das  i-ich  nyemant  lassen  enwil;  ime 
6  wcre  lichter  zehen  wercbe  dann  eyn  gruntlich  lassen.  Her  umb  ist 
alle  Btryt,  alle  arbeyt:  die  werntlichen  woilent  her  nmb  gut  und 
friinde  und  mage  ban  und  wagent  eele  und  lyp,  ockert  das  Ry  etwas 
syn.  das  sie  grosz,  rieh,  hohe  und  geweidig  syn,  Wie  vil  die  geyst- 
licben  dar  umb  duot  und  laaiceut,   leydent  und  wirckent,  da  pruffe 

>JÜ  eyD  ieglicher  sich  selber  au.  Des  sint  closter  und  cluaen  volle,  das 
eyn  ieglich  wil  ye  etivas  syn  und  schynen. 

Lucil'er  yn  dem  hyemel  der  hup  sicli  uff  und  wolde  syn.  Das 
zocli  yne  her  nyeder  in  das  aller  dieffeste,  in  den  grünt  des  uichtes, 
arger  dann  alle  nicht.     Disz  zoch  nnszern  vatter  und   unszer  mutter 

^  und  treib  sie  usz  dem  wouneclichen  paradise,  und  hat  uns  alle  yn 
not  und  yn  arbeyt  bracht.  Hie  von  komet  alle  jamer  und  alle 
clage.  das  man  fyndet,  das  wir  syn  gotloisz  und  gnadeuloisz  und 
mynneioisz  und  aller  tagende  nackct  und  hloisz,  her  umb  fynden  wir 
uit  freude  von  yniien  noch  von   usaen,  her  umb  ist  allein  alles,  das 

■D  nns  gebrichet  an  gode  und  an  den  luden.  Das  dut  alleyn,  das  wir 
wollen  etwas  syn.  Ach,  dis  nichtsyn,  das  hette  yn  allen  wysen,  in 
allen  steden .  mit  allen  luden  gantzeu .  waren,  weseiicbeu,  ewigen 
frieden,  und  were  das  seligiste,  das  sicherste  und  das  edelste,  das 
diesse   werut   hat,    und    nyemant  wil  dar  an,  riebe  nach  arm,  jung 

pB  nach  alt ! 

Wir  lesen  yn  Sant  Ijucas  ewangeüo,  das  eyn  riehe  man,  eyn 
pbarisens,  der  hatte  geladen  unsern  hern  Jesum  Gristum  in  syn  busze. 
Das  was  eyn  harte  grosze   gut   wercke,   Gristum   spysen   mit   allen 

i       «ynen  jangern.     Und  do  was  vil  volckes.      Dieaz  meynte  er   gar 


1  WBudereu  fehlt  hY   wan.l.  —  2  kere  fehlt  g'  2  Oot  aegen  mich] 

gntaan  h'  gotsene  r,  fehlt  i/'T  entniweu  fehlt  g'T  3  je  einer  —  andem 
/(«(  r  8  da»  sie  —  S  ivirek.  fMt  r  12  der/e/<Ü  g'T  irhoif  b'  erhuO  T 
1-1  und  treib  sie  fehlt  n'         16  und  [alle]  if^T  17  utuI  [da«)  mftn  fynd.  hie 

»it  \a  nnB  g'  21  etwae  fehlt  g''T  das  selige  nichtsyn  g'         22  wesel. 

**igeii  fehlt  g'  24  h&t  uiid  lieraaob  ewigliche  freude  und  weseliche  freude  j' 
UMd]  leyder  g'  uLer  T.  fthlt  b'  27  der  frhli  ij'T  huaze  mit  allen  synen 

JMgeni  g*        29  Und  —  volekes /rWJ  i-        er]  id  6'  es  T 

12  ff.  /*  U.12X}'.  U  Adam  urvi  Eva.  17  t.   Vgl  Gr  Bfb  4S3,if.' 

^odelüs  .  .  .  minneloi* ;  ebil.  4fiH,3l :  naeket  und  blos.  26  ff.  Luk.  7,36  ff. 


512  n.  Predigrt. 

wol,  sunder  yme  gebrach  des  edelen  Non  sam.  Dar  qwam  eyn 
sunderynne,  die  fiele  dar  nyder  und  sprach  in  ynne  gründe:  Non 
suin.  Des  ist  sie  erhaben  über  alle  hymmel,  über  manichen  köre 
der  engele.  Diese  fiele  yn  das  aller  nyderste  vor  Oristas  fusze,  und 
usz  gantzem  ynnecklichem  hertzen  sprach  sie:  Non  sum.  Usz  dem  .' 
gründe  so  wuchs  eyn  ewig,  ummer  wernde  Ego  sum;  Cristus  det 
ir  alles,  das  sie  wolde.  Alda  sas  der  wirthe,  der  yn  dieser  groszeo 
Übungen  was  und  yn  allen  zu  essen  und  zu  tryncken  gap,  dem  ver- 
smehete  disz  und  meynte,  das  sich  Cristus  zu  ir  kerte^  sie  were  eyn 
sunderynne.  Ach ,  isz  was  in  yme  das  leidige  Ego  sum  und  nit  i( 
Non  sum ;  yn  duchte ,  er  were  der  jener ,  zu  dem  man  sich  keren 
solde  und  hören  und  mit  yme  reden  solde,  und  das  wyp  nit 

Ach,  lieben  kynder,  was  fyndet  man  dieser  phariseyen  alle 
under  geistlichen  und  werntlichen  luden!  Die  wemt  ist  ir  rol, 
vol,  vol :  swartz  und  rot,  gra  und  bla,  die  umb  ir  gut  und  umb  ir  ll 
mage  ader  umb  ir  wyszheit  ader  ir  kunst  ader  umb  ir  vemu£ftikeit 
ader  umb  almusen  ader  umb  yren  schyne,  das  sie  sich  heiliger 
dunckent  und  dieser  glich,  meinen,  das  man  sich  mit  achtunge  za 
yn  solle  keren,  man  solle  mit  yne  sprechen,  man  solle  ir  werte 
hören,  man  solle  durch  yren  willen  etwas  thun,  und  denckent  zuhant.-'iC 
^insolde  man  mir  disz  nit  thun?  Ich  hau  yn  disz  und  das  gethan, 
ich   byn  der  und  der,"   und   were  yn  harte  unwert,  man  inhielde 


1  edelen  fehlt  g-       2  suuderse  {so  stets!)  hh-T      dar  nyder]  vor  die  fiisze 
Cristi  g-         4  vor  —  und]  mit  rechter  demudigkeyt  und  ^*         6  so  fehlt  g-T 
ewig  feJilt  g'         8  ubungen]  werschap  r         und  zu  tryncken  fMt  g^        demj 
de  h^  dey  r      10  leid.]  heiige  (!)  g-      und  —  11  sum  fehlt  b^       11  yn]  eme  b'r 
jener  fehlt  VT      sich  billich  k.  g-      12  und  hören  —  solde  fehlt  g-      14  luden 
fehlt  rT        14  f.  volle  einmal  g-        15  swartz  —  bla]  in  allem  State  g-       rot] 
wyt  r       und  [urab]  h^r       16  mage]  macht  T       ader  {erstes}]  und  h^g*      ver- 
nufft  (j-  vorwitzicbeyt  6'      17  almusen  die  sie  gebent  g^      das  —  18  dunckeni] 
die   werntlichen    umb    yren    riehen   schyne,   die  geistlichen  umb  yren  heiligen 
schvne  g'       18  meinen  fehlt  h^g'^       20  thun  und  lassen  g-       21  yn  fehU  bY 

1  ff.    Vgl.  Gr  Bfb  X  V  Surge  aquilo,  9  das  =  waz  oder  war  nml'. 

14  f.  Es  sind  hier  unter  den  ^^geistlichen  Leuten^  wohl  besonders  die  Beghinch 
gemeint^  welche  ^An  den  verschiedenen  Konventen  und  zu  verschiedenen  ZeittK 
bald  groue,  bald  braune ,  schn-arse  oder  blaue  Kleider  trugen''  (U,  Haupi  i^ 
Kmlenzghiopndie  für  protest.  Theol,  II%619),  16  vemufftikeit  bedeutet  H!ohl 

das  Streiten  nach  mystischer  Erkenntnis;  vgl,  Vita  Kap,  46  m.  47,  bes.  156^26 f. 

18  Ohne  meinen,  das  allerdings  nur  in  T  steht,  wöre  die  Konstruktion  dtf 
Satzes  unefirdglich  hart. 


II   rrfdigl..  513 

rechte  rne  ron  yne  dann  von  andere,  an  den  sie  diese  ding  nit 
inkenneu.  Got  segeii  micli ,  wer  sint  sie,  wann  kotnment  sie,  wie 
torrent  sie  disz  gedenckcn,  das  wir  massen  thun,  und  veremchen 
ander  ludcV  Alsus  det  der  phariseus,  der  aiuh  erhup  über  den 
6  pubiicanuB,  und  er  bleip  ungerecht,  wann  yne  ducbte,  er  were  etwas, 
and  der  arme  publicanus,  der  Non  sum  sprach,  der  sich  nit  enduchte 
und  syn  äugen  nyeder  slug  und  spracb:  „berre,  erbarme  dich  myner, 
wann  ich  bin  nit,  ich  bin  eyn  eunder,  mynner  dann  uil,"  —  dieser 
gieng  gerecht  in  syn  huaz.    Disz  sprach  der  edele  munt  gottes  selber: 

ao  „mculicb  sehe  vor  sich  und  erhebe  sich  über  nyemant,  er  sy,  wer 
er  sy." 

Diese  selig  sunderynne,  die  in  des  mannes  husz  ging,  sie  det 
dru  ding  wirklich  in  der  ubung:  sie  wiederkerte  zu,  als  sie  abe 
gekert  was;  also  aU  sie  ir  äugen  zu  der  werude  gekeret  hatte,  also 

36  her  wieder  utnb  begosz  sie  die  fueze  Cristi  mit  heyszen  trehen ,  und 
myt  yrme  hare  truckcte  sie  yme  syne  fuszc  in  besserunge,  das  sie 
der  wernde  da  mit  gebruchet  hatte,  yren  lycham  mit  der  venigen, 
ir  gut  mit  der  salben.  Das  ander,  das  sie  det:  sie  Hesz  eich  an 
Cristum  zuhant  alzuinale;  das  dritte:  ir  hertze  was  vol  leydes. 
90  Kynder,  uff  alle  die  gclaszenheit,  die  nit  usz  geubet  enist,  engebe 
ich  nit  eyn  boue,  sie  werde  erfulget  mit  den  wercken  und  in  der 
warheit  usser  der  schal ck ha fftigen  nature,  die  me  dann  dusent  lystc 
and   winckel  hat,  da  sie  sich  ynne  entheldet.     Es  enwerde  usz  ge- 


1  All  <leu  —  3  iakeai\eii  ft/Ui  g'  2  inkenten  b'r  Qot  s.  miclij  gotzstuie  b' 
fotoeui!  r  sie  meyiiteo  got  ayii  (I)  </'  3  thun  —  4  ]ui]e|  itjn  wir  lange  liie 
gewest  Ach  v/aua  nie  recht  wol  gcwest,  sie  (-nwereii  nit  uleu»  herlich  und  aic 
tHTcmraeiietco  nyeraiint  ilaiiiie  sich  iielber  in  der  wuheit  mit  hcrteeu  und  mit 
UiuQ<le  g"  i  Alsus  det]   iiua  tbuu  sie  iils  g'  6  piihlic]  offen  suuder  g- 

n>ej  eme  h'r  6  public]  Hiiuder  ^'  9  gerecbtTerdi^et  /■  Der  ed.  iniitit 
du  warlieit  Crielus  sprach  sdber  g^  13  wirkl.  —  uhuBg  fthll  g'  15  unib 
/rhu  g''T  die  f.  Tristi]  »v  ö'  die  T  16  in  bewer.  fehlt  g'  19  ziiliont 
*i  ftMi  g'T  20  ZynA^r  feMt  g-  alle  [die]  r^'  21  erfuUet  y'  21f.  Iiiiidi, 
"1.  wurh.  oiser]  wann  die  schalkafftige  nature  bat  me  g-  23  entheldet  und  ver- 
birgst J7'      23f.  Hie  enw.  yn  v»?.  g,  von  duftendeu  p-      utgevoret  r  uSBgewortzelt  T 

iS.  Luk.  lS,10ff.         flf.  VglLuk.  1S,14:  l  Kor.  10,13.  HR.  Luk.7,lSfi. 

17  f.  Ein  parg'ndt»  Vtrbum,  etnia  ,A««eu'  (bäitett),  ist  aus  dtm  vorhtrgthtndcit 
*ii  (rgä$uen.  Vgl.  dit  Paraphra't  dfa  Sitriws  {I.e.  W3h  cnrpuJi  tiium  pftuf 
^•t^ui  additlum  cribrü-  otetdU  . . ,  aliiaiiuc  af/fietionibiin  altrivit ,  Jacullaietque 
•tttu  ungutnii  infuiiiont  "hltilü.  venige  betithl  sieh  auf  dan  Nieder/aUm 
iatSfli:  vgl.  Vita  tS,U.  WS.   Vgl.  Jtenifle,  Dm  gtiitl.  Ltbtn  486.8.  <""' 

Hif  4.  Predigt.  22  schalcklinflft.  uatnre,  vgl.  Vita  t6],ti  (»in  scholk). 


514  II-  Predigt, 

wircket,  so  were  mir  recht  dar  umb,  als  das  mir  ey»  dufel  erschiene 
in  engelischer  waet.  Uff  der  lüde  wort  ist  recht  zu  buwen,  als  ab« 
eyii  halme  eyn  briicke  were  uher  den  groszen  Ryne  ond  eyner  dir 
über  wentc  gan,  —  also  sicher  ist  mau  diessee  Wesens  tind  dieMf 
gelaszenbeit.     Disz  synt  geatiffte  gelaszeDheit. 

80  komment  sie  dann  aod  sprecbeitt:  „eya,  herre,  aage  du 
von  der  nehiBten  warheyt!"  Waffen,  dem  worte  byn  ich  so  rechte 
unholt!  Pylatus  fragete  unszem  hern  Jesnm  Crietum,  wellich  die 
warbeyt  were,  und  Cristus  sweyg.  Als  wenig  mag  man  geHagen, 
was  die  warheyt  sy,  als  was  got  sy.  Got  ist  die  warheit  mi 
luterkeyt  und  eynfeldigkeit,  das  ist  eyn  und  eyn  wesen.  Diese  Inde, 
wann  man  sie  an  kommet  mit  worten  ader  mit  wercken,  allzalisnt 
so  wischent  sie  her  vor  vii  balde  mit  widerbissen  nnd  iet  yn  so  un- 
wert, das  man  disz  gethan  bait,  und  clagent.  Und  dann  wirt  man 
wol  geware,  wo  die  gelaszenbeit  was  an  worten  und  an  fferckeo;i 
ir  grünt  der  luget  da  her  usz. 

Kynder,  enbetrieget  iich  selber  nit!  Isz  enschadet  mir  ni^ 
betriegent  ir  mich,  enlruwen,  ir  syt  die,  die  betrogen  blyben:  der 
schade  blybet  uch,  und  myr  nit.  Ich  zwyfel  nit  dar  an  eyn  bare, 
isz  eRsy  manig  dnsent  menscbe,  die  sich  vil  heilig  und  vil  sunderlick: 

2   waetj   formen  &'   VFyse  '■  8  gruszen  fehlt  p'  4  rechte  alao  f 

6  Dia/  —  gtlfiBz,  f (MI  p-  6  Audb  fehlt  b'r  nnd  aprech.  fehli  b^T  8  gna» 
uud  miliolt  !/'  wellicb]  was  jj'         10  als  —  bv  ffhlt  T         13  sn  ftMl  y'T 

wiszeut  j'  vil  —   widerbisaen]    mit    also    vil    boaen   Worten    und    zonenl, 

wjszeC  dBH  gut  und  böse,  das  riebe  das  armut  doe  gliich  die  erc  die  e^-hude  die 
trunde  die  mage  und  nrtejleut  recht  den  menschen  in  dem  gründe  der  heU«B  }' 
14  daa  —  bait]  haint  sie  mir  i&e  gethan  b'r  olagent  und  aa^nt  und  liegen!  f' 
16  und  fehlt  h'g'  16  luchtet  b'g"         nach  her  ube  Zusatt:  si>  sprccheo  sie, 

liesze  man  eie  in  frieden  und  holte  Hie  nit  alnue  boHKlich  über,  su  enwerm  ii( 
nit  yn  alxue  gemerckiich  eulgangen.  Ach,  disz  iet  alles  eyn  falsche  Ixwc  be- 
innntelD,  der  gruat  die  worl.  die  wercke  das  leben  itit  falsche  j;'  18  betrietW 
—  blyben]  ir  nenet  mich  und  die  liide  hetriegen,  ach,  ir  betriebt  uch  «dbff 
und  ir  hlvbel  betrogen  ummer  me  g' 

1  f.   Vgl.  II  Kor.  I],H.  3  den  Krowen  Bjne  (vi/l.  unten  älTjii  ««' 

wohl  auf  Köln  aU  Ort  ihr  Predigt  hin.  6  geatiffte  gelo^Eenheit,  vgl-  ^ 

BJb  449,27:  gestiftfl  schöne.     Siirius  i.  c.  184:  resignafio  ficta  ae  fueaUt. 
6  ff,    Vgl.  Vita  97,30  ff.  8  f.  Joh.  1H,3S.  9 1.   Vgl.  Kl  B/b  mß!- 

lOf.  In  Gott  faUtn  Wrsen  unti  Eigetuchoflen  guMmnien:  vgl.  Thimat,S.T^ 
1  q.  13.-  Bdie  3Bl,lff.  12  Sinn:  venn  man  etvas,  da»  t'Ane»   unangfili'' 

ist,  sagt  iidtT  Cut.  13  her  vor  wischen  =  i'OJcA  auffahrm.     Svriwt  L  e.  IW: 

reptHte  prosiliunt,  trumpunt  et  vrhn  cane.'i  ohlatranl  ac  tttnordtiit. 
17   Vgl.  Kl  Bfh  S69,mf. 


11.  Predigt.  5t5 

»wyeeii  und  .yu  geistlichem  leben  sind  gewest  alle  ir  tage  nnd  ir 
benbt  vil  sere  nyedei*  geBlahen,  und  sollen  also  sterben,  das  yn  wäre 
gelassenheyt  nie  in  geblickde  eynen  augeabliek.  Eynen  verstendigen 
mensclien  mag  isz  jainern  nnd  mag  isz  auch  von  wonder  laclien 
Bnd  spotten,  das  die  lüde  also  gar  sich  selber  betriegent.  AVieze  in 
der  warheit,  also  lange  du  naeh  eynen  troppen  bludes  nnverzeret 
hast  in  dyme  fleyBcbe  und  eynen  tiahen  marckes  in  dynen  beynen, 
dn  enbabest  isz  verzeret  umb  rechte  gelaszenheit,  so  eunym  dich 
nuiomer  mer  an,  das  du  syest  eyn  gelaszen  mengche^  und  wysze: 
alle  die  wyle.  das  dir  das  aller  leste  punt  rechter  gelaseenheit  ge- 
briohet  an  eyme  waren  erfulgen,  die  wyle  musz  dir  got  ewiglichen 
entblieben.  die  nehiste  und  die  hoeste  selikeit  zu  befynden  in  zyt 
und  in  ewigkeyt. 

Kinder,  das  weyssenkorn  mui^z  von  noit  sterben,  sal  iez  frucht 
krengen,  sunder  stirbct  isz,  so  brenget  isz  vil  und  grosze  fruchte. 
Kinder,  isz  musz  eyn  sterben  nnd  eyu  verwerden  und  eyn  vernichlen 
lie  gescheen,  isz  musz  syn  Non  sum.  Werlicb  by  gode,  der  die 
irarheit  ist,  Ibz  engeet  nit  mit  wünschen  noch  mit  begerden  noch 
uit  bidden  zu,  myn  kynd,  isz  musz  erfulget  werden,  isz  musz  en- 
uwen  kosten;  das  nit  enkostet,  das  engildct  aneh  nit.  Mochte  man 
m  mit  hegerungen  und  mit  beden  und  myt  wunscheu  erkriegen 
ntoder  kost  und  sunder  arbeyt,  das  isz  nit  we  endede  noch  nit 
mwer  enworde,  so  were  isz  eyn  harte  cleyne  ding;  entruwen,  kynt, 
des  enioag  nit  syn.  Sant  Augustinus  sprichet:  got  bat  dich  ge- 
macht suuder  dich ,  er  machet  dich  nummer  gerecht  sunder  dich. 
Da  entdarffs  dee  nit  wenen  nach  gedencken,  das  dich  got  von  zeichene 

2  »Iahen  g^T  nach  [ge]alalieii  Zusatt:  wes  ale  alle  enbereo  durch  got 
Qnd  verx'iegen  haben  und  ivul  besitzen  mögen ,  do  sagent  xie  grosee  uiere  voo, 
ond  was  sie  nu  lyden  muaseii  und  wie  gelassen  sie  eynt  g'  and]  ach  sie  g' 

3  nie  in  gebl.]  ntimmer  enblihet  g'  10  lest«]  beste  b'g'  inianeste  r  14  bloM 
kom  -j^  15  igz  lersits)]  das  holfertige  böse  gemute  in  nck  g'  IT  Werlicb 
-  18  ist]  vorwar  T  18  noch  mit  beg.  —  19  zu  feMt  g*  19  mjDJ  nein  b'T 
25  mer  er  g*  euer  er  b'  gerecht]  Hclich  b'  wiedder  g'r  »ach  dich  Zusalt: 
iai  omb  pniffe  dicbjr'      26  von  zeichene]  van  zeigeno  b'  van  tekenen  >-  zehenen  g^ 

U  f.  Joh.  13,34/.  20  hanttlbe  Sprichuort  bei  Taultr,  vgl.  K.  Schmidt, 

Taultr  JSil,  86  (Frankj:  Äutg.  111,131).     Vgl.  auch  Gr  Bfb  431,32. 

241.  Sermo  169  e.  11  n.  13:    esse  poU»t  juslitia  liei  sin*  volanlate   tun,   »eil 
**t  le  a*e  non  potent  pratirr  volunlatem  tuam  .  , .  ^«i*  ergo  /teil  U  eine  U,  non 
_•«  Jutttjieat  «n«  «.     Vgl.  Jieniße,  Luther  /',  510,  6VJ.  26  von  zeichene  = 

■AircA  Wurtdfrlun.   Svriu»  l.  c.  !6Ö:  Diutii  non  miraculii  quodam  ad  «u&ft'mjonhj 


516  n.  Predigt 

machen  wolle,  als  ob  uns  got  nu  liesz  eyne  schone  rose  uff  geen. 
Das  vermochte  er  gar  wol,  mer  er  endut  isz  nit,  mer  er  wil,  das 
isz  mit  ordenange  geschee  zu  may  durch  ryffe,  durch  taw  and  durch 
maniche   wyse  und  wedder,   das  dartzu  geordent  und  gefuget  ist. 

Ach,  kynder,  das  ist  werlich  eyn  bermeclich  und  ein  clegelich  s 
ding  yn  der  warheit,  das  eyn  geistlich  mensche  lebet  drissig  ader 
viert;ßig  jare  und  get  alsus  vriesen  und  clagen,  und  bat  eyn  zumal 
ydel  leben  und  enweysz  nach  hude  disz  tages  nit,  wie  er  dran  sy. 
Er  mochte  sich  gerne  eynes  jares  getrosten  und  sterben  und  ver- 
werden  und  snyden  das  garn  entzwey ,  ach  und  ach,  als  der  dot  u 
kommet,  und  er  syne  langen  jare  versumet  und  verlorn  und  ver- 
qwetzet  hat:  wellich  eyn  we,  wellich  eyn  unwiedderbrengelicher 
schaden  dar  geschiht,  das  ewige  hinderbliben  und  ewig  enberen! 
Ach,   das  ist  merer  ja  mer,  dann  man  in  der  zyt  gesprechen  mag! 

Eyn  geistlich  und  eyn  geordent  mensche  das  solde  also  leben  u 
yn  flysz  und  in  stedem  ernst,  fürt  zu  gan  und  me  gudes  zu  erkriegen, 
das  nummer  dag  enwere,  er  enfunde  sich  also  ferre  fürte  gegangen, 
das  er  kume  wieder  in  das  aide  gesehen  konde.  Das  ist  jamer, 
(las  wcrutliche  lüde  flyssiger  synt  umb  also  snode  doitlicbe  dinge, 
dann  die  gottes  uszerwelten  umb  das  luter  gut,   das  got   heyszetsfl 


1  uns  fehlt  T         uuder  uns  uflF  g.  g^        2  gar]  harte  b^g^        3  zu  maj 
fehlt  g^^        durch  taw]  und  snee  durch  hagel  durch  regen  g^         4  und  gefuget 
fehlt  g-        6  leuflFet  6'^*        7  vriesen]  muimurerende  r        vriesen  und  fehlt  g* 
lind  hat  —  8  leben]   und  mochte  zu  male  wol  eyn  edel  leben  haben,  wolde  er 
selber  g-         10  garn]  alles  g-         entzwey  und  abe,  das  yn  doch  syner  ewigen 
eren  hyndert  und  beraubet  g^      und  ach]  lieben  kynder  g-      11  er]  der  (eyn  r) 
mensche  g-r        11  f.  verq wetzet]  vcrquist  h^  verquetert  r  verzert  T        12  wcJL 
eyn   we  fehlt  g^T         well,   eyn  unwiedd.  —  13  enberen]  und  siehct  den  an- 
wiedderbrenglichen  schaden  und  das  ewiglich  unwiedder  brenge  und  siehet  neb 
ewiger  eren  und  ewiger  freude  enberen  g^      16  kynder  eyn  geistl.  g-      mensck« 
in  closter  in  clusen  g-       16  ernst  und  also  fürt  und  forte  gau  und  me  und  me 
j^udcs  erkr.  g-         17  enfündc  sich]  solde  syn  ^^       18  aide  leben  g-       Das  ist 
jamor]   und  auch  gedencken  und  Schemen  sich  g^        19  f.  dinge  und  bckommert 
yn  stediger  sorgen,  ja  vil  me  dann  g-      20  gottes  uszerw.]  geistlichen  schynentf 
luter]  ewige  g-  höchste  T 

7  vriesen  =  vreschen  (hd.  vreischen),  ausforschen,  nachfragen  (vgl  di» 
Anfang  (hr  Predigt),  9   sich  getrosten  mit  Genei,  =  seine  Hoffnung  ovf 

etwas  setzm.  10   Vgl  Fs,  123,7.  11  f.  verqwetzen  {vgl.  die  Variaiäen!) 

=  vi^g^'uden.  IG  fürt  zu  gan  =  sich  selbst  cu  lassen. 


Dd(I  ist.     Kyn   ^cordent  geietlich  meneche  soldc  also  wyllciilos  eya, 
das  man  nunimer  an  yriie  gewar  enworde  dan  Non  sum. 

So  kominent  vil  lüde  und  denckent  iitf  maniobe  wyee :  so 
rollent  sy  eyn  jave  waeser  und  brot  eszcn,  ader  eynen  weg  lauffen, 
>  ist  isz  diez  ader  das.  Ich  sagen  dir  den  siechtesten  kudzten 
'eg:  gang  in  dynea  grünt  und  prüfe,  was  das  sy,  das  dit;!]  aller 
leiBle  hyndert,  das  dich  enthelt,  dem  läge  und  den  steyn  wirft'  in 
IcR  Kynes  grünt;  anders  lauff  die  wernt  usz  und  tliu  alle  ding, 
iz  inhilfTet  dir  nit.  Das  ucharniesser  das  snydet  das  fleysch  von 
lea  beyuen,  das  ist  sterben  syns  eygcn  willen  und  begcrden.  Viel 
ide  dodeut  die  natare  und  laszent  die  gebreche  leben;  da  enwirt 
iDtniner  nicht  usz. 

Ach,  kynder,  keret  uch  yn  uch  selber  und  sehet,  wie  ferre 
ad  wie  anglich  das  ir  syt  dem  mynnecüchen  liylde  unscrs  herren 
fesD  Cristi,  des  laszen  mer  und  gruutlicber  was  dan  alles  das  laszeii 
samen  were,  das  alle  menschen  in  der  zyt  sieh  ye  gelieszen  ader 
immer  mer  sollen.  Nu  diese  frauwe  liesz  sieh  Oisto  alleyne,  das 
tl  man  also  versLen:  wann  man  sieh  durch  got  Icszet,  das  ist  alles 
at  getan.  Vil  lüde  laszen  sich  got  wol  und  enwoUent  sieh  nit  den 
iden  laszen,  das  sie  got  trucke  und  nit  die  lüde.  Neyn,  man  sol 
rieh  laszen,  wie   isz  got  wil  gelassen  han;  und  wer  dich  yn  dyn 


wyHzeluHC  g-       2  an  yiue  —   N.  siiiu|  ey^etis  wilbuN  Doch  gut  duiickcii- 

jymc  andern  geware  worde,  das  allew  usz  hoffcrtigkert  komi-t,  und  disy. 

Iffde  wippelu  clageii  sagen  liegen  txiegen  krie^'eu,  Aue  lunn  des  uummer  gewure 

wurde.  Ach  lejder,  nn  sint  der  dje  ^eiBÜiohen  Bchynpnt  also  vil,  das  sie  gotU'B 

Uli  ewiger  eren  veigeazvn  g'         ü  vil  lüde]  sie  y'        4  ader  —  laoffen]  oder 

in  ander  fitat  silecben  T  »o  ke.vti  fleysch   esxeu   ader  kejrneu  wyn  trincken  g- 

an  ist  isz]  iider  g'         dir]  uch  g^T         6  und  fthlt  VT        7  das  dich  eiithell] 

)cr  krodet  in  dirre  zft,   das  dich  alsus  jemerlich  beraubet  rynA  sunde fliehen 

tD  leben«  iu  dirre  zyt  und  hernach  de«  ewigen  lebena  g'         7  f,  dem  lagi: 

HfBze  und  wirff  den  «teyn  ferre  von  dir  in  des  meres  gmut  g'     9  »cbarrjs  h' 

schnrraes  r        10  das  iat  —  begerden]  dem  alirp  h'g\       12  nicht) 

e6'etwaRg6tB  T     17 gelaszen  sollen y'     16f.  lalleslgotalleinj'     19  licszen  t'^r' 

I  da«  ^  lüde]  und  lydent  wol,  daa  sie  got  (nicke,  und  enwellent  nil:,  das  sie 

B  lüde  tmcken  g'      tnickde  h'T      Xeyu  fMt  j'       21  f.  sich  yn  sjn  nicht  g- 

1  wyUeiiloe,  vgl.  Eckhart  691, H:  in  disem  iinergitinlliehtn  Uehte  dn  ge- 
tbm  tnaehtt  utit  drr  geloube  eoti  tn7  tritirn  wUweHliis  linde  von  vil  tn'WMi  tm'Ur- 
I  andt  von  p'I  bilden  bildelög.  4  eynen  weg  lanffon  wohl  ^  Hnt  Wnll- 

M  MfflfAen  ivgl,  Z.8i.  7  lagen  nii'(  Hat.  ^  nachsttlltti,  »ein  Aiigtnmrrk 

(  ttwa*  richten  (Lex.  1,1814:  Schilkr-Lübben,  Mnd.  Wtbck.  llfiiL'K 
17  Maria  Magdalena  (vgl.  513,tff.j. 


518  III.  Predigt. 

nicht  wil  wygeO;  den  entphang  mit  groszer  danckbarkeit  and  mit 
mynnen,  das  da  in  der  warheyt  werdest  gemant,  das  du  bist: 
Non  sum. 

Das  wir  nu  alle  in  diese  vernichtikeit  komen,  das  wir  yn  das 
gotliche  icht  da  mit  versincken,  des  helffe  uns  got  allen.    Amen.      1 


m.  Predigt. 
Exi?l  a  patre  et  yeni  in  miiiiduiii,  Iternm  relinquo  miindnm. 

Unser  lieblichster  herr  Jesus  Christus  sprach:  „ich  byn 
ausz  gangen  von  dem  vatter  und  kommen  in  die  weit,  wider  nrob 
verlasz  ich  die  weit  und  gee  zu  dem  vatter.^  Und  S.  Panlnsic 
spricht:  „Christus  ist  uff  erstanden  Yon  den  todten  durch  die  glory 
des  yatters,  uff  das  wyr  wanderen  sollen  in  der  neuwigkeit  des 
lebens.  Dan  ist  es  sach,  das  wyr  Christo  in  seynem  todt  geleich 
werden  y    so   sollen   wyr   auch   seyner   ufferstentnisz   gleich   seyn.'' 

Kinder,  disz  ist  die  lauterste,  wareste  und  bloszte  leer,  dieU 
man  haben  mag,  es  ist  der  rechste,  der  kiirtzte,  sicherste  nod 
schlechste  weg,  man  keer  es,  wie  man  wöll.  All  glosen  ab!  Disen 
weg  müsz  man  geen,  den  der  lieber  herr  selb  gangen  bat,  willen 
wyr  kommen,  dar  er  ist,  willen  wyr  im  yolkomlich  vereinigt  werden. 
Er  kam  ausz  dem  vätterlichen  hertzen,  usz  des  vatters  schois,  and  4 


2  das  —  gemant]   und  lobe  got  darumb  sunderlich,  das  dich  jemant  in 
dyn  nicht  wil  wysen  und  dich  ermanet  g-  gemant]  genant  h^T  4  vcr- 

nichtigunge  komen  also  gewerliche  g-  das  —  6  yersincken  fehlt  r  5  helfe] 
gunne  r  got]  der  yatter  under  sone  und  der  heiige  geiste  g-  allen]  alsamen  h\ 
fehU  g'T 

in.  Predigt  Jiach  T  =  Taaler  1643 f.85^  —  87^.  Sie  berührt  iifh 
inhaltlich  mit  der  Predigt  Ego  vox  clamantis  von  Tauler  f,23^  —  2^  (Frani^- 
Ausg.  Iß4ff.). 

6  Überschrift  (vom  Herausgeber):  Vflf  das  hochzeit  Ostern  die  erste  predig: 
^-ie  wyr  mit  Christo  sollen  sterben  und  in  uns  todten  alle  sinligkeit,  bcgerligkA 
natürliche  kreiftenn  nnd  bildnngen,  und  in  Christo  vfferstehen  und  fiberbOtet 
werden.    Euangelium:   Jesus  ist  vfTerstandcn  vom  todt.  Marci  XVI  T 

B  icht  =  Wesen,  vgl.  Vita  187,16f.  7  Joh.  16,28.  8  lieblichi» 

=  minneklichster.  10  ff.  Iiöm.6,4f.  16  f.   Vgl  IL  Predigt  510 jÜi 

611,1  f.:  Ö17y6.  20   Vgl.  GrBfb473,3f. 


in.  Predigt  519 

kam  iu  die  weit  und  leyt  über  alle  niasz  in  der  weit  alle  seyne 
tag,  und  gewann  iiye  gemach  noch  lust  und  wart  verderbt,  getodt 
uud  begraben.  Dar  nach  erstundt  er  in  gantzer,  warer  unleydligkeK, 
in  klarheit  und  iintodligkeit,  und  voer  wider  in  das  vütterlich  bertz 
6  in  gantzer,  warer,  gleicher  seligkeil. 

So  welcher  mensch  disen  weg  noch  geen  w51te  und  erstorben 
Dnd  verdorben  were  an  im  selber  in  Cfaristo,  der  nilicht  nnd  müst 
on  allen  zweivel  auch  mit  im  uff  ersteen.  Werdeetu  mit  im  begraben, 
80  steestu  sicherlich  mit  im  off,  wie  S.  Paulus  spricht:  „ir  seyt 
JO  todt  und  enwer  leben  ist  verborgen  mit  Cbrieto  in  gor."  In  der 
warbeit,  dieser  mensch  wiirt  etlicher  massen  unleidlich,  untodücb, 
und  fyrt  mit  im  zu  byniel,  in  gantzer.  warer  vereynung  mit  dem 
snn,  in  den  vatter,  in  das  vätterlich  hertz.  in  gantzer,  warer,  gleicher, 
eynbarlicher  Seligkeit,  in  gantzer  besitznngen.  Was  got  hat  von 
isnatureu.  das  bastu  von  gnaden.  Disz  mnsz  aber  erfolgt  werden. 
Diser  mensch ,  der  disen  weg  geet ,  ist  über  ander  gemeyn  leiU 
erhaben,  wie  ein  edel  mensch  über  eyn  beest.  Der  nun  mit  Christo 
nit  will  verwerden,  wie  sol  er  mit  im  gewerden?  Der  nit  wil  sterben, 
wie  sol  der  off  erstehen?    Sant  Paulus  spricht:  „syt  ir  mit  Christo 

sn  uff  erstanden,  so  t^meckt  die  dyngen,  die  hier  oben  seind,  nit  die  utT 
der  erden  seind."  Men  fynd  lent,  als  sie  von  grossen  dyngen  hören 
sagen,  so  weren  sie  es  gern,  und  heben  sehün  an  und  wollen  dem 
geist  nnd  got  leben,  und  als  es  in  zubants  nit  woU  zu  banden  geet. 
go   lassen    sie   sich    bald    nider   in   die   natur.     Die  seind    recht  als 

^K  die  schöler:  sie  weren  alle  gern  grosse  pfaffen,  und  etzliche  leeren 
kaum  kranck  latein  und  bSs  grammalicam.  Die  andere  volherden 
und  werden  grosse  meistcr.  Also  seind  etzliche  Hebe  menschen, 
den  geet  es  also  wol  zu  banden  und  seind  gar  steet  und  äeisig, 
aber  usz  den  änderet)  will  nit  werden. 

■O  Wer    nun    will    zu   hoher   volkommeoheit   kommen,    der   mäez 


9f.  Kot.ä.S.  II    f'gl.  Vita  ]6^,3ff.  14t.  Ebetmo  Bdew  2i5,Uf.: 

rgl.  Mir  344,13 ff.  Anm.  Der  Aitadivek  üt  iArigtns  dm  Mystikrm  gtl/lujui, 
^gt.  g  H,  dm  Traktat  von  dir  ..wirkenden  Vernunft'^,  hrgg.  von  Prtgm-  i»  dm 
Süaungul'erichtfH  der  Münchener  AkiidemU  1671,  IM  nnd  dU  Stiegt  aas  Taater 
6«'  Denißt.  Bvga'xXXVIIf.;  ilerc,  Ha»  gehll.  Leben  533ff.  15  Pisz  — 

*rfoJgt  werden,  egl.   IL  Predigt  513,21:  615,19.  16  f.    Vgl.  Bdw  359.9  ff. 

17  bcMt  =  vihe.  18  verwerden,  Vfil  IL  Predigt  615.16;  älti,9f. 

19  ff.  Sol.  3,1  f.  21  ff.    Vgl.   Vita  9S.3ff.  "nd  Kaii.  47.     Zu   geist  fgl. 

'^Ua  83,Uff.  28  Vgl.  Gr  B/b  415,13/.  25  leeren  =  lernen. 

29   Vgl  IL  Predigt  509.18/..-  517,}!. 


520  ni.  Pretlifert 

auch  über  grosse  dynge  kommen.  Er  mfisz  über  IX  dyng  koniincii, 
der  wir  nur  IV  die  ininderste  and  niderste  hie  ansz  lagen.  Er 
miisz  zum  ersten  kommen  Über  die  sinn  und  sinligkeit  und  alle 
sienlich  dyng  übertreden;  das  ander:  du  mAsz  kommen  über  deyn 
leibliche  und  natürliche  krefften;  zum  dritten:  über  alle  begemn^;  j 
zum  vierten:  über  alle  bilt  und  bildunge. 

Zum  ersten  sagen  wyr  über  alle  sinn.  Hier  mciifeu  wyr  nit 
die  leut,  die  nach  sinlicher  genüecht  leben  willig  iu  todtsundcD. 
sonder  die  mit  Christo  willen  uflF  ersteen  und  zu  hymel  varen.  Man 
fyndet  leut,  die  von  grossen  dyngen  künden  sagen,  und  wissen  doch  lo 
nit,  dan  von  hören  sagen  oder  von  lesen,  das  alles  mit  den  sinueo 
in  gedragen  ist.  Man  fyndt  ridder  von  dreüwen  und  leüt  von  worteu. 
Des  sinnlichen  flonrens  und  auszbrechens  müstu  sterben  und  über- 
geen,  solt  du  volkomen  werden. 

Eyn  mensch  begerte  seer  von  got  zu  wissen,  was  gots  liebste  if 
will  were.  Do  erscheyn  im  unser  herr  und  sprach:  „du  solt  deyn 
sinn  twyngen  und  deyn  zung  bynden  und  dein  hertz  überwinden 
und  alle  widerwertigkeit  fr&lich  durch  mich  leiden,  das  ist  meyn 
liebster  will.^  Keer  dich  von  sinnlichen  bilden  in  deyn  inwendig 
bilde,  dar  ist:  Signatum  est  super  nos  lumen  vultns  toi.t 
domine,  her,  du  hast  das  liecht  deynes  antlitz  über  uns  gezeicbnet. 

Etlich  menschen  haben  gar  vil  sinlichs  gewerbs  in  gftter 
nieinung  und  gewinnen  kaum  ymmer  rast.  Was  sollen  sie  thunV 
Als  sie  doch  eyn  stund  müssig  werden,  so  sollen  sie  sich  so  tieff 
in  got  sencken  und  also  vill,  das  sy  in  eyner  stund  XL  jar  zjixi 
durch  die  sinn  verloren  geweldich  her  wider  rucken,  und  thün  dan 
dester  mee  zu  fromen.  Nit  als  etliche,  die  nit  enkönneu  mit  gott 
dan  in  sinnlichen  bilden  oder  mit  gelerten  oder  gelesen  oder  gedichten 
Worten,  sonder  sie  sollen  usz  dem  grund,  usz  dem  innersten,  usz 
dem  geist  gots  geist  süechen,  geist  mit  geist,  hertz  zft  hertz,  akder» 
lieber  herr  sprach:  „got  ist  eyn  geist,  und  die  waren  anbetter  an- 
betten  in  in  dem  geist  und  in  der  warheit."  Got  versteet  hertzen 
sprach  und  seelen  meinung,   eyn  gruntlich,  innerlich  und  wesenlicb 


19  liester  T        21  antlatz  T 


11  losen.     Ein  Beispiel  ist  Ehbcih  Stagd,  vgl  Vita  97,10 ff,:  1*9,10 f 
la  rioriren,  vgl,  Vita  Kap.  47.         16  f.  gots  liebste  will,  rgL  Kl  Bfb  3b7M; 
IL  Fredigt  510,7,  16  ff.    Vgl.  Kl  Bfb  372,18 ff,  20  f.  P«,  1,7. 

•23   Vgl.  (ir  Bfb  414,16,        26  verloren  ist  VaHic.  Praei,         31  f.  Joh.iM- 
32  f.    Vgl.  Denifle,  Das  geistl  Leben  469  ff. 


111.  Prciliirf..  5i;i 

itiispreclR'ii.  Miiricii  sinn  iintl  irc  tegpnwdrtigkiiit  bettet  lieiligoi'  und 
lieffer  in  den  oren  Cliristi,  Han  alles,  daa  Mai'tha  gesageii  oder  ge- 
klagcR  iiiocht. 

Zum    a  n  d  e  10  D    ni;il    soll    ninii    iilierkomtneii    alle    Datiirlidie 

B  kreft.  inwendig  und  uszwcndig.  So  wt-lcli  mensch  hie  mit  ordentlich 
künde  gewircken,  das  er  disz  hegrifl'e  und  doch  bei  seinen  kreÖ'ten 
und  natürlicher  etärukbeit  blih,  das  wer  eyn  wunder,  der  engesneli 
ich  nye  keinen;  der  dtm  ist,  der  ticdt  her  für  und  lasz  sich  ?ehen! 
SanctiiB  Bernardus  enhat  des  nit,  wan  er  beklagte,  das  er  seynen 

loleicham  —  den  knecht  gottea  —  verderbt  bat;  smeh  S.  drego  rius, 
der  eyn  Hecht  was  der  christeiüieit.  Dar  umb,  niemant  bctriege 
sich  selber  und  lasz  sieh  dnnekcn,  das  er  das  sey  oder  hab,  das 
im  ferr  und  frembdt  i)<t,  want  es  mü&z  kosten!  Das  nit  enkost, 
das   engilt  auch    nit;   der   lieb    will    haben,   der   müsz   liebe  lassen. 

U  Eyn  junger  fracht  seynen  meister:  „liebe  meister,  wir  essen  und 
drincken,  und  es  enscheynt  uns  nit. '^  Da  sprach  der  meister:  „liebe 
sun,  das  ist  kein  wunder,  wir  vertKerent  alles  mit  inwendigen  ülimigen 
es  geet  alles  eynen  anderen  weg."  Alle  uszwendige  kralTt  igt  her 
zü  zt  kleine,  disz  zu  gewinnen,  dan  got  mach  wol  eyn  ncuwe  kraft 
30  geben.  Als  das  weyesenkorn  stirbt,  so  bringet  es  ncuwe  körn  und 
vil  frucht,  entrauwen,  stirbt  es  nit,  so  Idibt  es  allein,  es  mttez  erst 
sterben  des  seynen. 

Eyn  ander   kraft  mflsz  man  auch  übcrgan,  und  heist  der  ge- 
mein sinne.     Das  lint  eyu  mensch,  wan  er  noch  ensehet  noch   cn- 
■i^  b&rt   nsKwemlicb,   so   Hnt   er  aller  leye  biltc  in  im,   so  ist  des  vill, 
das  in  im  ist,  und  keert  das  eyn  ber,  das  ander  dar,   nü  susz,  nn 


Iff.   li/LLuk.  10^:1, ■  Kl  nfb  3f'fi,ltl/.         iS.  Vgl.  hiht  SUpff. : 347.tt>ff. 

IJf.    Vfß.  Ildw36H,Vff,;  Klhfbä6ä,i:-,f.  8   Vgl.  Kt  Bf t,  368,13 f. 

9    Vita  1  S.  Bernariti  iiucfirc  GuiUltna  l.Ic.8  (Migne  im>,:i51):  nmi  cen- 

ftmdUur   (Brrnardux)    imque   hodie   «e  exca&are,   quod  Ktroilio  Da  H  fratratn 

nbtlulrnt  corpus  situtn,  dwn  indücreto  fertore  imbtciüe  illuii  riddidtrit  ac  ptnr 

ntulilt.    Vgl.  Vncandard,  Vi«  de  S.Hrmard  l  ilsa6i,45»».u.Seu»«a  Vita  U)8,17f. 

JO    Vgl.  <ireg.  M.,  Urgislr,  Ep.  X,36:  Moral.  XXX,J8  n.  63:  Joh.  JHai'mtu; 

Viia  Oitg.  1.7.  13  f.  Itasatlhe  Sfn-ithtcori  IL  Prtdigt  f.11.^.  U  iler 

iMb  will  haben  ttc.,  vgl.  Gr  hfb  412,33:  minne  durcli  minne  laBsen,  und  ImHatto 

Clurüti  11,7  n.  l:  npoitel  dilectum  jirn  dilcrtn  relinqurrr.        17f.  Vgl.  oben  5l!>,llif. 

I         aOf.  JnA.  I3,34f.    Vgl.  II.  Predigt  616,14/.  23  f.  dw  genicin  sinno 

■  iMMiM  eoMMunfa,  »Mvft  xal  IBia  alsdi^oif  bti  Ariitlolelts,  der  Sinn  der  t^'tngntiOH, 

K  K]^,  Thonuu,  3.  t  (irnt.  JI,7I:   setinux  cnmMuni«  apprehendit  »engala 

^MtHMtuu  projirinrum :  S.  Tli.  I  tj.  ;Su.  4.   I'r  iiiit.  an.  4:  L.  Sfhilli,  Th'ititaslt: 

FtöSa,  741. 


522  ni.  PrediKl. 

gl),  und  ist  dn  vil  gerumpels  in.  Disz  boI  man  altzätnal  kcren  in 
eyn  einfeldicbeyl,  in  das  lauter  (tat,  das  got  ist,  Eyn  meister  sainti 
eyn  grob  block  leygen  und  sprach:  ^ach,  wie  ist  da  so  scbones 
wunniglicb  bilt,  inweren  die  spene  alleyn  ab  gebanwen  und  ge- 
achelt!"  Unser  here  sprach:  „sclieidestu  das  gute  von  dem  hbees, 
so  werdestu  recht  als  meyu  mant."  Acb,  der  alles  ab  scheide  iiud 
schelte  und  sunderte,  der  fundc  got  bloisz  lauterlicta  in  sich  \ 

Die  dritte  kraft  ist  vernnuftige  kraft.  Über  die  kraft  mila 
der  mensch  konien.  Man  fint  tcute,  die  haben  vil  vernnnftichB  nst 
wirckens  und  floreren  mit  ire  vemunfl,  recht  als  ob  sie  die  hymel 
wolten  durchfaren,  niid  eteent  alles  uff  ire  blosse  natnr  als  A  ristoteles 
und  Plato,  die  wunder  verstonden  und  auch  gar  lugeiitlich  leblfo, 
unil  was  doch  natnre.  Dysse  lente  mßssen  mit  grossem  fleysz  ire 
natur  echweerlich  underducken  und  sich  fleyssich  für  sich  sellier 
hüten.  Man  tint  auch  ander  lentc,  die  seyn  g&T  eynfeldich  nnd 
lassen  sich  eyufeltlich,  und  entfangen  auch  also  alle  dinck  und  geet 
in  inniglich  woll  /.ii  banden  als  eyn  wek  was,  da  eyn  bilt  des  sefels 
lichtlich  in  gedruckt  wurt,  und  wurt  auch  halte  zft  saiuen  gedruckt 
und  vergeet  wider.  Aber  in  eynen  steyn  kömpt  das  bildt  mit  groee« 
arbeit  und  blybt  oiich  hart  und  vast  dar  inn  und  vergeet  nit  h*lt.' 
Also  ist  ouch  mit  disen  vernunftigen  leuten. 

Zum  dritten  mal  mtlsz  man  kommen  überall  begernng  und 
über  die  begerliche  kratl:.  Hie  in  meinen  wir  nit  die  leüt,  die  ver- 
gengliche  dyng  begeren  —  den  ist  disz  hundert  tauseot  raeylen  ferr 
und  frembt,  wann  sie  begeren  gut,  eer  und  ander  zeitlich  dyng  — ! 
wir  meynen  etzliche  göte  lent.  die  vil  begernngcn  haben  mit  eyeen- 


4  beut  T        5  ilvm]  den  T        12  lebten]  lielienn   7'        17  wck]  «<¥  T 

1  gerumpel,  vi/i.  Kl  U/h  Sbt.lti:  gerAnbel.  2  das  lanier  gfit,  du  fot 

ist  ^  //.  Predigt  616^f.  ä  f.  Jti-«m.  16,19.  8  vemnaftige  knft  = 

virtus  rationatig,  die  dem  vtmBnfligen  Sedtnteih  angehürigt  KraJ't  {vgl.  Themal, 
S.  Th.  lif.62a.8ada;  SchÖU  a.  a.  U.  8Ö6),  od*r  =  viria«  inUlltctiva  (tnlcSK- 
luiüis,  ititellfgibilh) ,  die  äbtrsinnlich  erietinende  Kraft  (vgl.  Thomai,  S.  Th. 
iq.iaa.  3c:  Schms  a.  a.  l}.86&).  12f.  Vgl.  dULehrrden  Thoma»  eonJj«". 
S.  2%  2^  q.  10  a  4.  17  wek  was  =  «-«<;/««  ITocA*;  »6^61  =  Sitgü.    Wfp' 

591;  *(■«  «>w  Hopf,  ittoriH  ein  Bild  dts  Schiffet  leicht  ringtdrückt  wird.  (Mp 
Lesart  i»l  durch  dtn  Zusammenhing  gefordert  und  iitgt  auch  der  CbtrHUnf 
bei  Surius  (l.  c.  1941  zu  Grande.  23   befreiliche  kraft  =  eoneupisdUÜi 

isc.  iiis  oder  poteniia),  do»  VtrmiigeH  des  atniilichrn  BfgthrrtiH  oder  Slrdi***! 
Kfichei  mit  der  rin  irancibilis  tasammeii  den  appelitus  settsitivue  aiumaekl. 
Vgl.  Thonuu,  S.  Th.  tq.bla.2e.-  Schule  a.  a.  ().  ISO. 


m.  Predigt.  523 

Bchaft   und  leben  wuoscheng  von  ileu  morgen  2U  der  nacht:    „acb, 

wölte  myr  got  dis  und  das  tfafln,  nnd  gebe  inyr  dise  gnad  und  die 

offenharnng, "  oder;  „were  myr  als  dem,  wer  ich  siie,  wer  ich  so!" 

Neyn,    nit  also!     Man   soi    Bieb   got   alzuraal   lassen   und   treiiwelich 

S  in  alleyn  begeren  und  im  alle  dyngen  gentzlieh   nnd  treüwlich  be- 

feiben   und   sprechen    mit   Christo:    „vatter,  nit   r\»  ich  will,  souder 

wie  du  wilt,  fiat  voluntas  tua,"  nit  mit  dem  m  und,  sonder  ausz 

des  bertKen  grnnd,  usz  bertzlicher  andacbt  und  innerlicher  meynung. 

Acb,   das  were  eyn    wiinnigklich    dyng,    in   allem   leyden,   in   aller 

10  gelasseubeit,  in  aller  weisen  sich  zu  gründe  kunnen  Inssen,  wie  der 

1     lieber  berr  sieb  so  grtindlöszlich   liesz!     Er  was    allzunial   gelassen, 

I    mee  dau  sich  eynicbe  creatur  ye  geliesz.     Er  rief:  „meyn  got,  mcyn 

r    got,   war  umb  bastii  mich  gelassen?"     Er  lies  sich,  bisz  es  alles 

volhracht  was,   und  sprach:    „Gonsnmmatum  est."     Recht  also 

15  sol  sich  der  menscb  gut  zumal  lassen  in   allem  leyden,  in  allem 

untroBt. 

Nit  meine,  das  dir  lyden  nit  wee  solle  thfin.  Thet  es  nit  wee, 
wa  mit  Terdiente  man  dan?  Hette  unser  berr  Jesus  Christus  aeyneu 
fynger  in  eyn  feiiwr  gesteeben,  das  hette  im  wee  gethan.  Also  in 
SO  all  deynem  leyden  und  begerungen  lasz  dich  got!  Der  yet  begert, 
das  aussen  im  ist,  oder  den  yet  verdreust,  das  in  im  ist,  der  ist 
nocb  in  disem  nit,  der  bat  sich  nit  gelassen. 

Eynem  menschen  wart  eyns  offenbart,  wie  er  sieh  lassen  solt. 
Er  solt  recht  thün,  als  ob  er  seesse  in  dem  tieffen  meer  uff  seinem 
3fö  mantel ,  und  eyner  meylen  nmb  solt  kein  laut  seyn  bey  noch  na. 
Was  wolt  er  thün?  Er  mficht  nocb  rotten  noch  swimmen  noch  waden, 
dann  er  mtist  sieb  got  lassen.  Also  solt  sich  der  mensch  allzeit 
gott  lassen,  ob  er  in  der  warbeyt  eyn  gelassen  mensch  wil  sein. 
NÖn  sagen  ich,  man  sol  nit  begeren.  Nit  anders  solt  du  begeren, 
^  dann   das   der   liebe   gott   dir  alle  mittel  ab  neme,  und  dich  sonder 


( 


21  den]  der  T 

et.M(jUh.3H,ä9.4S.       llf.  Vgl.II.Fitdigtöl7,15ff.       HB.  Mattk.27,4S: 

Joh.  10,30.     Vfil   yHfi  IGTJU-  Sdew  273^.  ITf.    Vgl  Bdow  Stö^f. 

ao  yet  =  üt  2a  tyn  =  einest,  24  ff.  Für  dit  Wahl  ditte»  Bei- 

tU  war  wohl  von  Einflim»  dit  Lcgtndc  der  Lomittikantrktiligtn  Hf/aemth 

■  PoUn  (t  12S7)  und  Ka-muml  tcui  PmHafortt  (f  12761,  teonach  dit^t  auj' 

nt  MätiUl»  übtr  Mtere  und  Flütse  gefahren  viärtn  lAeta  Saniiiirum  16.  Aug. 

121,316;  7.  Jan.  l,4ilf.).     Wetttrt  Brltge  für  ditsen  LtgendtiiL-ui}   6*i  Günter. 

tigtndtnatnditn  1906, 169 f.  m  t.   Vgl.  i'üa  Kap.  öS. 


524  iil-  Predigt. 

mittel   allzftmal   mit   im   vcreynigc.     In   dem  fallen  alle  snnden  ab 
und  kumpt  alle  gftt  und  alle  8eligkeyt  in. 

Zftm  vierten  mal  mftst  du  kommen  über  alle  bildung.  Nun 
mcynen  wir  nit  die  leute,  die  mit  mfttwillen  eyniger  sterblicher 
creatur  bildt  in  sieb  nemen  oder  dragen;  sie  seyn  wie  sie  scyn,  5 
oder  sie  heissen  wie  man  will,  die  geent  misten  mit  dem  vehe,  gie 
seyn  disen  zfimal  ferr  und  frembt.  Man  fint  auch  lent,  die  disz 
nit  betten  und  g&t  leute  seyn^  doch  baben  sie  vil  infel  und  inbildnng. 
Derer  mAsz  der  mensch  entfallen  mit  dem,  das  er  alle  die  bildung 
trage  eynfeldig  in  gott  und  im  seyn  gcbreeh  erkenne  und  klage;  lo 
und  wilt  es  im  dan  nit  vergehen,  so  leyde  er  sich  gott  hie  in  und 
lasse  sieb. 

Auch  fint  man  l^ute,  die  haben  vil  fantasien  und  drome:  8ie 
sehen  so  schonen  dingk  und  zukünftige  dinge  in  dem  slaff,  so 
sehen  sie  die  heyligen  oder  die  seelen.  Disz  Sprech  ich  nit  ab,  15 
wann  der  engel  erschien  Joseph  in  dem  slaff,  und  ich  Sprechens  auch 
nit  zfi,  wann  solche  dingen  seyn  auch  von  naturen,  als  Boetias 
spricht:  der  mit  reynen  dingen  urab  gehet,  der  drommet  von  reynen 
dingen  ausz  der  natur,  der  mit  affenheyt  umb  gehet,  der  dromet 
von  dorheyt.  20 

So  fint  man  auch  solche  leute,  die  haben  vill  vision  und  Offen- 
barungen. Ob  es  zehen  jar  gut  were,  so  mach  sich  der  eugel  desz 
falschen  Hechts  eyns  dar  under  mengen  und  dar  mit  driegen  und 
verleiden.    In  dissen  Offenbarungen  soll  all  deyn  th&n  dar  auf  gehen, 


8  nit]  nod^  T 

3  hMwnv;  =  Bilder,  Zur  Erklärung  vgl,  Bdw  342^ ff.;  Kl  Bfb  39l;i. 
Tfiealogia  deutseh  (ed.  Pfeiffer  löÖIjld):  iran  aol  die  selc  dahin  (zur  Gottschauung) 
komeHj  80  mtis  si  ganz  hUer,  ledig  und  bloss  sin  von  äll^n  bilden.  4  f.  Gt- 

meint  ist  unerlaubte  weltliche  Liebe,  die  Seuse  auch  andertoärts  (Kl  Bfb  372^4 f.: 
38'J,17ff.)  scharf  tadelt,  7  f.  Diep.  *593  folgt  der  Le^tart  von  T:  die  davon 

Not  haben.    V^gl.  dagegen  nchtig  iSurius  l.  c.  196:  qui  his  non  cot^enttunt. 

11    Vgl,  Vita  168,1  off,  16  die  seelen  im  Fegfeuer.  letMaitkUO: 

2,13. 19.  17  If.  Bei  Boethius  nicM  nachzuweisen,  dem  Sinne  nach  bei  Thomas^ 

6\  Th.  2,2  q,  95  a,  6;  q.  154  a,  5.  21  flf.   Vgl.  Vita  163,3  ff,  Seuses  nüchternes 

Urteil  über  die  Visionen  und  Offenbarungen  deckt  sich  mit  dem  bei  David  von 
Augsburg,  De  compos.  111,2  n.6;  111,66 — 67  (vgl.  dazu  Michael  a,  a.  0, 111,141/.' 
149 f):  Lamprecht  von  Begensburg ,  Tochter  Syon  2827 ff.:  Eckhart  240^1  f: 
Bvga  19,39 ff.:  165,25 ff.:  185,5,5 ff.  u.  ö.  Dies  ist  auch  die  Ansicht  der  Kireht, 
vgl,  Benedictus  XIV,  De  scrvorum  Bei  beatificatione  et  beaiorum  canonis^ 
Venedig  1764  h  LH  c.  ÖOsqtj.:  Schanz  im  Kirchenlex.  XII  \  1016:  2>.  Schräm 
l.  c.  11,185  sqq.        22  f.  Vgl.  II  Kor,  1 1,14.        24  verleiden  =  verleiten,  irreführt' 


m,  IT.'cliKt..  525 

Ahb  du  der  beyliger  eclidft  gezeiignUsz  in  allen  ilingen  findest.  Laufl 
äQ  das  heilige  eiiangeliam  und  an  die  lerer  der  heiiger  kircben; 
findeslu,  das  es  da  mit  vertracht,  so  laaz  es  gfit  sein,  tb&t  es  des  nit, 
so  tred  es  dar  nedei',  also  lieb  dir  got  und  deine  ewige  selyeheyt 
nigt.     Volge  noch  adit  es  nit,  schlach  es  von  dir! 

Disen  weg  solta  alsus  in  dir  überkommen,  das  du  deyn  gemüt 
nit  »etzea  tilfeynige  weyae  oder  offenbarunge  gotz  nocli  der  heyligen, 
dan  l&ge  dich  in  den  götliehen  wyllen  in  allen  dyngeu,  in  haben, 
in  derben,  in  yet,  in  nit,  in  trnst,  in  untrost,  nach  dem  aller  lieb- 
iO  liebsten  exempel  Christi.  Den  lasz  die  in  deynes  bertzen  und  seien 
grnnt  altzeyt  offenbar  seyn,  das  du  den  in  dich  bildes  und  in  dir 
an  sehest  on  underlais/.,  wie  hoger  volkoinenbeit  seyn  leben,  seyn 
Wandel,  seyn  gemiid  was,  wie  gelassen,  wie  eynfeldich,  wie  zucbticb, 
6tmiidicb,  geduldieb  und  aller  tugeuten  voll  das  er  was.  Dem  lasz 
15  dich,  auch  nemc  in  zä  dir  in  zö  eynem  gesellen  in  allen  dingen. 
E^ssestu  eynen  munt  vol,  deuck,  deyne  geliebster  herr  sitzet  entgeiu 
dir  und  isset  eynen  mit  dir,  sitzstn,  er  sitzet  bey  dir  und  sehet  dich 
an,  geesta,  nummer  ganck  allein,  lasz  in  deynen  gesellen  seyn, 
Rcbl&fstu,  läge  dich  in  im,  und  also  in  allen  steden,  in  allen  wysen, 
20  bei  allen  leuten.  Ich  weisz  eynen  meosch ,  der  umb  volkomen 
gleycheyt  unsz  herren  und  seiner  wege  gynge  von  einem  wiuckel 
zft  dem  anderen,  als  der  umb  seyn  ablasz  geet,  überdenckente  die 
wercken  Christi.  S.  Bernart  schrybt  dem  anhebenden  menschen, 
das  sie  einen  woU  genrdentcn  menschen  sich  für  äugen  sollen  setzen 
25  lind  dencken  in  ire  tb&n  und  lassen:  „woltu  und  getfirstu  disz  sprechen 
oder  thfiu,  wiinn  disz  der  gute  menscb  sefre?"  Vil  eigenlicher  sol 
man  'las  lieblich  bilt  unsz  herren  in  sich  drucken,  das  doch  w&rlich 
und  weselich  unsz  in  und  naere  ist,  dan  wyr  uns  selben  seyn;  wann 


8  Ihm  cb]  laeser  T      U  iiir|  .lieh  T      22  der]  die  I'      83  anhekenden  (1)  T 

lt.   Vgl.  Bdw  S2n,S,IT.  '  9  ff.   K-yl.  Kl  Bfb  391.4  ff.  23  ff..-   Gr  Bfh 

476,3ff.:  476,13ff.  10  e^öiupel.     Im   Itriginnl  »tand  jetUn/aüs  c»eiii|)lar 

(vgl.  Gr  B/b476M>-  14  ötiuiididi  =  ntnittetec,  liemätig,  sanft. 

IBff.    ygl.  Vita  34,llß:  u.  GrSfb  41S,a0ff.;  Tauhr  1543/.34<*. 

17  eynen  ^  ieiia,  ieiieii,  irgmd,  jtwtils.  20  ff.  WaM  S*i*Ke  xelhst,  vgl. 

Vita  Kap.  13,  bes.  34,19-  22  Wie  der,  welcher  iiut  einen  Ablas»  ivgi.  lldtw 

SS7^7ff.>  tu  gewinnen,  etica  in  einer.  Kirche  ooit  Altar  tu  Altar  geht.  Vgl. 
SehmtHer  J',1507.  2S  wercken  Cbristi  =  Leiden  Chrinli. 

•auch   i'ita  3H,5ff.;  Gr  Bfh  4ii,rig.  -ll    Vgl.  Kl  Bfh  393,6. 

,F=  nehw. 


Vgl. 


526  Tri.  Predigl.. 

in   im  ist  alle  trost,  alle  gftt,  alle  freude,   plenani   gratiae  et 
reritatis,  alle  gnade  und  wafheyt  ist  in  im. 

Dyn  geistliefa  mensch  sal   im   ttuminer  augenblick  disz  lasun 
entg&n,  er  eolte  der  stunden  eyn  veniunftich  wissen  und  iowendich 
inircken  babeti.  und  warden,  wye  im  zö  got  da  in  sie.     Das  Bolten  ( 
von  nlten  die  haben,  die  got  von  der  böser  falscher  well  hat  erlost    | 
und  nit  zu  sorgen  noch  züi  dencken  babent  fdr  hausz  noch  für  kinder,     i 
dan  allein,    wie  sie   got   behagen   und   im   allein   geleben    rauchten.     ' 
Dia  ist  Rchwerlig  den  zfi  raten  und  zfl  thön,  die  der  weit  sorge  zfl 
dragen  haben,  want  man  knm  geseyn  mag  in  der  mülleii  unbestohen  m 
und    in   dem   feiire  unverbrant.     iJoch   solt   ir  wyssen,    das  ich  der    ' 
leiitc  runden  haben  in  allen  iren  bekummernissen  in  also  hohe  lauter-    | 
heyt  und  volkomenbeit,  das  sich  geystliehe  leüte  wol  schämen  mAgei 

Das  liebliche  bilt  uns  heren  nempt  man  und  mag  es  nemen 
in  biltlicher  weysen  und  auch  in  lebendiger  wysen.  In  biltlicber 
wyeen  sei  maus  adelich,  g&tlich.  vernunftlich  nemen,  nit  creaturM 
oder  sinlich,  wie  etliche  leüte,  als  sie  von  gott  sollen  dencken.  «0 
dencken  sie  an  in  creatarlich  als  an  eynem  lieben  mensch ,  der  in 
vil  güts  gethan  bat  und  für  sie  geleden  hat,  uod  haben  zfi  im  nator- 
liclic  barmhertzicheit  und  mitleyden.  Nein,  nit  also!  Eyn  menscb 
sol  eyn  gÄtÜche  inbildunge  von  dem  lieplichen  menschen  Jesu  Christo 
leren  haben  als  von  dem  gotts  sune  und  von  got-mensch  und  mensch- 
got,  nit  creaturliche  inhildtuige,  dann  götliche,  übernatürliche 
bildunge,  also  das  er  das  aller  lieblichste  bilt  Christi  nnmmer  gedencke 
dan  als  von  got.  Alsus  gedacht  und  genomen  so  ist  man  nammer 
on  got.  Jet  gotz,  dar  ist  got  zJtmal.  In  dieser  wrsen  mach  maS 
nnmmer  das  aller  beste  versümen. 

Man  nempt  auch  bilden  in  lebenticher  wyeen,  das  ist,  das 
mensch  nit  geraste,   er  werde  dem  bilde  gelich  in  gelichfonnigkeyt 
na  seiner  wysen,  als  im  m6glich  ist.    Im  sol  eyo  klein  dinck  dnucken, 


1  f.  Joh.  1,14.  5  Vgl  Suriat  l.  e.  1B9:  diVffmirr  explorabit,  >U  *• 

illlg  (hnrit)  suua  a-ga  Drum  animut  afftciiu  »it  et  eon»titwtua.  Uff.  B*- 

tpielt  dafür  fühl  Taultr  auf,  FrankfiuUr  Augg.  II,  336, 394.  Vgl  auch  SIÖaA 
von  HeiUbroHn,  SMeu  Gh-ade  1529 ff.  Iß  biltlich  al»  Objekt  drr  fif#fAiai«"J. 
lebendig  alt  Vorbild  tur  Nachfolge.  SI  ff.  Suriia  l.  e.  199:  dirinam  -{uMia* 
et  tupernaturalem ,  non  purae  cuiutdam  ereaturae  imnginem  dt  ai 
homine  Christo  Jrtu  tanguatn  dr  Dei  filio  et  Uto  howiine  et  homiitt  Dn 
ngfummt.  26  7-,  e.  200:  iitii  nami/ue  alü/utd  Dei  est.  ibi  lolutn  rit 


ni.  Predigt..  627 

das  er  die  gebot  halte,  sonder  alle  die  r&te  uns  heren  aoUea  im 
[üstlich,  begerlich  und  ivunuiglicli  sein.  Uoae  here  hat  gesprochen: 
Jr  Bolt  lieb  haben'ure  fiante."  Das  ist  der  lieben  so  lieblich,  das 
ir  nit  geniiclit,  das  sie  die  fiande  gütlich  an  spreche,  sonder  man 
mag  wol  und  soll  sie  von  gantzem  hertzco  lieb  liaben  und  ausz 
bertzlicber  gunst  alles  güts  und  eien  woll  günnen,  und  in  wol  zfi 
^precbeu  und  sie  aller  schult  gunstlich  enechuldigen.  Aber  nit  meine, 
las  der  mensch  also  ungefiiglich  seyn  Bolte,  er  m6ge  wol  bekennen 
j^nst  und  Ungunst,  dann  er  sols  nit  achten  noch  wiseen  na  dem 
uilrJe  Christi,  das  er  dem  gantz  gelieh  werde. 

Nu  haben  wir  hie  vor  gesprochen,  der  menscli  solte  und  mäsz 
iber  alle  bilden  komen.  Sollen  wir  dan  das  liebliche  bilt  uns  heren 
tb  sprechen,  von  dem  wir  vü  gesprochen  haben V  Das  were  eyn 
wrglich  dinck.  Neyn  wir,  in  treuwen!  Dan  geen  wir  zu  im  selber 
lad  fragen  seyu  eygen  worf,  so  spricht  er:  „Expedit  vobis,  es 
ist  euch  nntz,  das  ich  von  euch  fare;  fare  ich  nit  von  euch,  so  kumpt 
1er  heilige  geist  nit  zQ  euch."  Ist  dan  disz  bilt  ab  gesprochen ?  Es 
ist  ab  gesprochen  in  creaturlicher,  sinlicher,  biltlicher  wysen,  als  im 
lie  jüngeren  hatten  und  also  mftsten  sie  in  lassen,  sonder  in  lieb- 
icber,  gütlicher,  übernatürlicher  wysen  geliessen  sie  in  nie;  want 
lo  er  leiplich  und  tegenwordiglich  von  in  l'oer,  do  fort  er  mit  sich 
Ule  ire  gemüte,  alle  ire  sinne  und  alle  ire  liebten.  Also  sollen  wir 
>Qeh  thAn.  Er  ist  zft  byramel  gefaren  in  das  vätterliche  hertz,  in 
les  vatters  schos/,,  wir  willen  recht  mit  faren,  da  er  hin  gefaren  ist, 
nit  alle  unsem  sinnen,  liebe  und  meinung  zftmal  in  das  vatterliche 
iert2,   da  er  ist.     Er  ist  da  eyn  leben,  eyn  wesen,  eyn  luchtende 


1  Ate  neTtnt  die  Throiogit  geteilte  im  Evangtlium  aapfoHent,  aber  nicht 
afiitlUtn/Usig  gtboUnt  Mittel  der  TugendSbang  (eonsilia  mangeliea),  betondert 
'rtiwiüige  AriHiil.  E-utckheit,  Gelioraam.  Vgl.  Thoma»,  S.  Th,  1,3  q.  I08a.i: 
■i.  Koeh  a.  a.  0.  UM)  ff. :  Dmifit,  Luthm-  i«,  140  ff.  3  Mailh.  6M. 

4  ff.  BtütpitU  aw  Sttut»  Leben  Vita  Kap.  29.  8  ungefUg'Iich  =  unbeholfen, 
aUimp,  (Suriue  I.  c:  Hupidiiate  praeditusl.  Der  abhängige  Satt  hat  negativen 
Sinn.  II   Oben  534,3.  13  f.   Vgl  Vita  159,13/.,-  liiee  ii.  a.  0.  3S1Ä.1. 

»  IBff.  Joh.  16,7.  Vgl.  Vila  l.Mi.Gff.c  Bdev  231,30ff.  und  dit  IV.  Predigt. 
■pa  liebUn  =  niione.  26  f.  Hel-r.  1.3.     Surias  l.  e.  SOi:  una  «tm  patrr 

SUm»  riita  et  asenlia.  splendor  gloriae  et  figura  gub/itantine  etu«,  Kperttlum 
ibtUÜMmum  elaritalis  illiun  rl  imngo  paltrni  vuliu*  «i'us,  non  toiun  imaginig 
"Vtitmt.  *fd  eliam  egtentialittf  in  perfecta  piivonae  Dei  patrie  aimilitudine,  m 
difrnfj  Ulli  arirmae  gtnernlioniii  ematialione,  iinvm  omntno  erixlms  cum  todm. 


528  III-  Predigt 

Spiegel  seyner  klarbeyt  und  eyn  bilt  seins  v&tterlichen  aogesichte, 
uit  allein  in  bilts  weisen,  sonder  in  weselicher  weisen,  in  volkommen 
gleicheyt  der  vätterliehen  personen,  in  dem  gütlichen  auszbrucb  der 
ewiger  geburt,  eyn  mit  dem  vatter.  Da  bin  sollen  wir  mit  aliem 
anserm  gemüt  und  liebe,  und  da  mit  im  vereinicbt  werden  and  ejo  5 
lucbtende  Spiegel  werden.  Da  sollen  wir  in  den  drye  personen  wonen 
und  wandelen,  und  mngeu  dann  allzeit  sprecben  mit  S.  Paulo:  „uose 
Wandelung  ist  in  den  bymmeln",  das  ist  in  den  drey  personen. 

Hier  nach  sol  der  nienscbe  mit  allen  seynen  begerungen,  sinnen 
und  kreften  stellen,  das  im  disz  werde.  Wirt  es  im  dann  nit  in  10 
seynem  leben ,  so  gibt  es  im  got  an  seym  ende.  Wurd  es  im  da 
nit  und  er  behalt  yet  gebrechen,  so  fort  er  die  gebrechen  ins  fege- 
feür  und  werden  da  ab  geschuert.  Und  als  er  dan  in  den  bimmel 
kumpt,  so  sol  er  es  da  eweglich  gebrauchen  alßp  yil  myn  und  mee, 
als  er  es  hie  myn  oder  me  hat  geliebt  und  begert  von  gantzem  15 
hertzen.  Dar  umb  solte  eyn  mensch  den  bogen  seyner  begerungen  nff 
das  aller  höchste  spannen,  das  er  vil  gfits  gewunne  in  eyner  yege- 
lieber  zeyt,  waut  der  begerungen  soll  got  in  ewicheit  antworten,  die 
weil  er  es  in  der  zeit  nummer  erfolchte,  und  sol  alle  sevn  laenwe 
kalt  leben  und  begerungen  na  den  höchsten  ordelen ,  da  er  ye  in  Vi 
kam  in  alle  seyn  tage.  Dar  umb  soll  der  mensch  nit  ab  lassen;  ob 
er  sich  nit  fint  in  eynem  hohen  graet  der  volkomenheit,  so  sol  er 
doch  ye  da  na  arbeiten  mit  allen  kraften.  Wilt  es  im  nit  gewerden, 
so  sol  er  es  doch  von  hertzen  lieben  und  begeren. 

Das  uns  allen  disz  werde,  des  gunne  uns  got  der  vatter,  der 25 
sun  und  gott  der  heiliger  gcist!    Amen. 

10  Stelleu]  stehen  T        19  weil]  wol  T 

7  f.  Phih  3,20.  14  myn  und  mee  =  minre  und  mer.  18  Surm 

l,  c.  3o:J :  veris  namque  animi  de,si(leriis  Deua  perenntm  reddet  vicem, 

20  f.   Ij.  c:    iuj'ta  supreinum  ülud  iudicalnt^   ad  quod  unquam  perh'gerit  in 
vitn  8ua. 


IV.  Predict. 


r  Iterum  relliiquo  mandnm  et  vado  ad  patreiu. 

^  Llnsee  ininaek liehen  herren  Jesus  CriRtus  alle  sin  vliz,  sine  lere, 
sine  hilde  gingen  dar  uf,  d&z  he  sine  geminte  vrunt  lerte  nnd  ai 
brehte  inwert  in  den  luteren  grünt,  in  den  dinst  der  warheit.  Und 
daz  Baeh  he,  daz  ei  so  sere  gekert  waren  uf  sine  azwendige  meDScheit, 
daz  si  niet  daz  wäre  gut  ervolgen  inkunden ,  und  dar  nmbe  mäste 
he  si  lazen. 

Kinder,  alle  gelosen  abe  und  alle  mentel!  Sint  sich  der  sun 
des  himelschen  vaders,  die  ewige  wisheit,  niet  sich  inkunde  gehalden, 
be  inwere  in  ejn  hindeinisse,  so  iniz  keine  kreatnre.  si  inhindere, 
si  beize  oiler  schine,  wi  dn  wUt;  si  mi^zent  zä  gründe  abe  und  uz, 
«allen  wir  daz  inwendige  gut  intfan,  daz  got  iz. 

NQ  vindet  man  dricr  leie  lüde :  die  eyne  geint  abe  und  die  anderen 
zti,  die  dritte  gient  in,  daz  sint  anbebende  und  zflnemende  und  volle- 
körnen  lüde.  Alse  der  mensche  ane  hebet,  so  sal  be  digerlichen  durch- 
Taren  und  durchsehen  alle  die  winkil  ainre  seien,  obe  be  yt  da  inne 
viode,  daz  be  bit  lust  besezzcn  habe,  obe  eynicbe  kreature  in  eyniehue 
winkil  wane-  die  drief  uz  altzömale!  Daz  mQz  van  not  daz  erste 
1  vfir  allen  dingen,  alse  man  die  kinder  y.(i  deme  ersten  leret  daz 


■m  1 


IV.  Predigt,  nach  V  =  Wien,  HofbibUnthtk  3739  Bl.  ST"*  —  93". 
Abaehrifl  uon  J.  Haupt  in  Hu.  15379  (Suppl.  3779)  Bl.  347'  —  SäO".  Varianten 
nach   T=  TauUr  1643/.  105  ■^  —  107™. 

1  Übtrichrifl:  diseu  «ernion  jiredigete  brSder  heurich  der  aiuse  1'  3  ünse 
niinaekliche  herre  ■'  fi  den  dinst]  das  liealit  T  11  ufF  erden  keine  or.  T 
13  inwend.]  liebliche  T  16  dapfferlioh  T  18  einlebe  vergenekliche  creatür  T 
19  drief]  jag  T 

2  Joh.  Ifl^SS.  Vgl.  eu  der  Aufführung  des  Theman  Vita  166,6  ff.  .■  III.  Predigt 
1,27,17 f.:  BcrtMrdiu,  sermo  3  in  Aseeag.  .t.4.-  Tatäir,  Frank/.  Ausg.  11,133 /. 

6  daz  ttrgles)  =  da.  9  Vgl.  III.  Predigt  518,19:  Gr  B/h  456,10/ 

11  f.   Vgl.  Xt  Bfh  3-JO,7ff.  18   Vgl.  III.  Prtdigt  522^.  14  ff.  geint 

»be  ier  Wut  und  der  Sande;  hei  zQ  und  in  ergänte  got.  Dit  Einteünng  in 
rncijfimfM,  proßcienteg,  prr/eeti  tat  die  gtwöhnliehe.  Sie  trifft  mit  der  Unter- 
ithtidung  einer  via  purgaUva,  ittuminativa  u.  itniliva  tutammen.  Vgl.  Vita  113,20: 
I68ß/.:  Kl  Bfb  390,lff.  Belege  aas  den  Vätern  und  Mt/sli kern  bei  Krchs 
L^  O.  128/.;  Hit»  a.  a.  0.  310/.  16  digerlichen  =  degerlicbe,  sehr,  gantlich. 

B  18  bit  =  mit  (ngl.  J.  Gnmm,  Deaftche  Gramm.  111,3681. 


530  IV.  Predigt. 

ABG.  Wer  ingeit  dit  niet  alliz  zfihant  zfi;  des  inervere  dich  niet, 
inlaiz  ocker  niet  abe!  Man  liset  den  kinden  so  dicke  eyn  wort  vor, 
biz  si  iz  vil  wol  knnnent,  aber  und  aber;  also  laiz  aber  nnd  aber, 
iterum,  also  heizit  iz  uns,  dan  lazen  ich  die  werlt,  aber  lazen  ich 
die  werilt,  daz  iz  alle  dink.  Des  morgens  an  deme  ersten  ufslage  5 
dinre  ougen:  „och,  minnecliche  luter  gut,  sich,  nü  wil  ich  aber  an 
heben,  mich  zfi  lazen  und  alle  dink;^  und  also  dusent  stnnt  an  deme 
dage;  obe  du  dich  alse  dicke  vindes,  alse  dicke  saltfi  dich  lazen. 
Da  liget  iz  allis  ane,  man  kere  iz,  wie  man  wille,  so  inwirt  niet 
druz  sunder  dit.  10 

Man  vindet  lüde,  alse  si  gode  gedinent  XL  jar,  nnd  ubint  sich 
und  wirkent  vil  guder  werke,  und  iz  an  deme  lesten  alse  unna  alse 
an  deme  aller  ersten,  rechte  alse  den  kinden  van  Israel  gesebag, 
do  si  XL  jar  gegingen  durch  die  wustenunge  bit  manicher  grozer 
arbeit  und  manicher  not;  do  si  zu  deme  ende  wanden  sin  kftmen,  15 
do  vunden  si  sich  an  deme  selven  punte,  da  si  zfi  deme  ersten  nz 
gingen.  Och,  waz  wii-t  grozer  arbeit  und  kost  und  zit  in  manichen 
menschen  verloren,  die  des  dunket  selber  und  ouch  ander  lüde  van 
in,  daz  si  rechte  wol  dran  sin,  und  dunkent,  daz  iz  rechte  alle  gedan 
si,  und  sint  noch  an  dem  ersten  punte,  der  si  iz  alreerst  begunden!  SO 
Dit  lazen  iz  daz  alre  swerste  in  deme  ersten  und  wert  is  bit  in 
daz  leste.  So  inleizit  man  sich  nummer  so  vil,  man  invinde  sich 
aber  und  me  und  neuwelicher  zA  lazen.  Da  wirt  manicher  vellich, 
alse  in  indunket,  he  indurfes  numme;  so  man  edelre  wirt,  so  klein- 
licher hat  man  zfi  lazen.  s& 

1  Dan  ob  disz  alles  zu  hant  nit  also  zu  ^eet  T      inerv.  dich]  erschreck  T 
2   ocker]   nur  7'  4   lazen  —  werlt]  iterum  T  5  f.   am   ersten  schlag 

uff  deyn  ougen  T  6  luter]  höchste  T  7  alle  dyng  umb  dejnen  will  T 

8  obe]    wan  T  11. 14  XI  (!)  V         und  üb.  sich  fthU  T         12  ist  mit  in  T 

14  wüsten  T  16  f.  [do]  giengenn  sie  wider  zu  dem  punct  dar  sie  erst  anfiengenn/ 
18  die]  der  V  21  swerste]  noitste  T  23  und  me  fehlt  T  zu  lassen  vnd 
sterben  T  Ilie  feiet  mancher  an  T  24  f.  so  kleynl.  und  scharpffer  hat  er 
sich  zu  lassen  T       25  hat  man  fehlt  V 

1  Wer  =  wäre  daz.  1  f.  Vgl,  Gr  Bfb  424j  12, 10,  —  erveren  =  erraeren, 
erschrecken ,  ausser  Fassung  bringen  (Lex»  I,6S6).  6   Es  ist  tcoM  sprach 

odei'  ein  ähnliches  Wort  zu  ergänzen  (Surius  l  c.  204:  sie  Deum  aÜoquens), 

9  f.   Vgl,  IIL  Predigt  516,19;  519,29,  11. 14  XL  jare,  vgl.  II,  Predig 

516,7 :  III.  Predigt  520,25,  12  unna  =  unnahe,  nicht  nahe,  entfernt, 

13  ff.   Vgl  IV  Mos.  33,  17  f.   Vgl,  Kl  Bfb  361,20,  20  der  ss  dar, 

relat,  T  hat  da.  21  bit  =  bis.  23  vellich  =  hinfällig,  schwach  (Schükr- 
Lühhen  V,22S), 


IV.  freiiiet.  581 

N6  vindet  man  lade,  alae  si  sich  ^lazent.  so  nement  Bie  Bicb 

Twider,   die  eyne  in  eynre  schalkcchi^r  wisen,  die  ander  in  eynre 

vilicher  wisen,  (iie  dritten  in  eynre  luciferlicher  wisen.     Nft  versteit 

ilie  schal kechtige  wisen:  die  naturc  iz  alse  rechte  schalkechtig:  und 

1^  suchet  duz  Ire  alse  heliendlichen,  gotsene,  m  nemet  iz  wot  und  kau 

rsich  so  wol  iDtschuldigen,  nnd  maclient  so  vil  mentit.  ai  willent 
wiser  sin  dan  got.  Wizzit,  der  eyne  plate  goldes  nf  sine  ougen 
leehte  oder  eyn  swartze  plate  iBerinz,  he  sehe  alse  wenich  durch 
dsz  golt  alse  dnrch  daz  ysen.    Dit  edil  blendit  in  alse  wol  alse  daz 

D  ander,  dn  sehes  alse  vil  dareh  das  eyne  aUe  durch  daz  ander.  .Alae 
Uze  Taren,  wie  edil  die  kreaturen  sin,  oder  wie  du  iz  meines,  und 
behilf  dir,  wie  dfl  wilt,  Maniche  lüde  sint  alse  ungelazen,  sint  si 
in  eynre  samenunge,  durch  eynre  spillen  willen  oder  umb  eyn  alee 
kleine  diuk  gebarcnt  si  alse  rasende  hunde  und  bellent  und  scheldent, 

s  Eyn  geistelich  mensche  sulde  alse  gelazen  sin,  singe  man  in  an  eynen 
backen,  he  sulde  den  anderen  dar  bieden;  waz  man  ime  dede,  des 

tpotde  he    in   vriden   bliben.     Üeme  minelicheme  exemplar,  unseme 
^ren  Jesus  Cristus,  deme  sprach  man,  he  were  eyn  verleider  und 
eyn  verreder  und  eyn  vraz  und  were  bit  deme  dnvel  besezzen.    He 
•}  sweich  und  vcrdruch  und  leit  iz  gutlichen. 

Man  liset  in  vitis  piilrnm,  daz  eyn  junger  vragede  den  sinen 
meister,  wie  bc  aulde  vollenkomcn  werden.  Do  heiz  he  in  gan,  da 
die  doden  lagen,  daz  he  si  eyne  wilc  sere  lobete  und  ander  wile 
sere  schulde.     Üaz  waz  in  alüz  gelieh.     „Also  sal  dir  sin,"  sprach 


3  die  dritten  —  wisen  fehlt  V      Lucifei"  T       6  Gol  »egen  mich  T      si 

nein.  —  kan]  icli  meyn  ea  lioch  woll  nie  kUnoen  T        nemeul   V  8  yacre  7' 

9  dit.  edil]  daz  eiti  7"        daa]  <lau  V         10  du  —  ander  fthll  T  11  varen] 

«ehin   V          alle  vergenckliciie  creatnren,  wie  edel  aie  »ein  T  13  durch  — 

willen]  rmb  eym  bficha  willen  T          15  cyu  edel  gejatlicb  m.  T  19  deme] 

nie  y          21    Man  —  patr.  fehlt  T          daz  eyn  jung'erj  ejner  T  vragc  V 
2S  ander  wile]  darnach  T        24  dir]  vns  oueh  T        24  f.  sprach  he  fthh  T 

I  2  achalkecbig  =  acbolkhaftig.  5  gotsene  =  Abkünunff  für  got  segen 

Pkieh  (vgl.   l'ar.  tu  da-  SttBe  nnd  «u  511^  in  der  II.  Predigt).  8  iaerini, 

Q»H*t,  von  iaerin,  iaem,  iser,  Suhst,  Xeatr,  =  Eisen,  huondert  da»  verarbeittle 
{Lex.  1,1459).  13   Bumenung  =  klötttrliche    V<rtinigting ,    Konvetit.  — 

«ptUeo    =   Bpinnel,   apindel,   Spindel  (Lex,  IJ,1096:   Schiller-Lübben  IV,32B); 
tgl.  Gr  Bfb  410,19.     Di"  Fredigt  ist  demnach  an  Nonnen  gerichttl. 

ISf.  Vgl.  Matth.S,39.        18f.  Mailh.  11,19;  Joh.7,13:  8,48.  21  ff.  Vita* 

t^amtvi  rd.   Rnpwifde   VIIIßH.-    Vättrbach  Sl,34f. 


532  IV.  Predigt. 

he.     Unse  mineklich  lueister  CriBtaB  spricbit:   „in  der  werilde  sallit 
ir  not  tiden  und  arbeit,  aber  in  mir  sullet  ir  haben  vride." 

Zfi  derae  anderen  male  uement  sich  sulche  lüde  wider  in 
eynre  viUclier  wisen.  Hie  inmeinen  ich  niet  viliche  lüde,  ich  Daeioeii 
die  des  miimekliehen  gudes,  daz  got  heizit  und  ist,  daz  ei  iz  be- 
gerent  in  eynre  natürlicher  wisen.  Der  mensche  insal  niet  ein  werk 
dftn  11  n vernunftlichen  alse  van  naturlicher  neigunge  oder  begeronge 
alse  daz  vilie,  daz  die  nattire  dribet,  aber  uz  willen  und  uz  wizzea 
vernunftlicben  gode  zQ  dienen  nnd  7.t  leiten,  man  ezze,  man  »lafe, 
man  spreche,  man  ewige,  iz  ei,  waz  tz  si  in  ertriehe  oder  waz  he! 
dö;  und  verdrucke  die  viliche  neigunge  und  wirke  uz  Vernunft  also 
beden,  denken  und  leben:  „lieber  herr,  dir,  niet  mir  ezzen  ich.  slafen 
ich,  sprechen  ich,  leben,  liden  und  lazen  ich  alle  dink." 

Eyn  geistlich  man  begerte  eer  eynis  grozen  lebens;  also  duchte 
in,  wie  he  wurde  gevniit  vur  eyne  groze  scbole,  da  waren  Til 
Studenten  inne,  die  waren  vi!  vlizich  nnd  studerten  vil  sere.  Do 
sprach  der  brtider  zf\  ime:  „alre  minneklicliiste  geselle,  dit  is  eyB 
hohe  echole,  van  der  ich  wunder  han  gehört,  sage  mir,  was:  Btndyerin« 
lerit  irV"  Do  sprach  der  jene:  „niet  anders,  dan  eva  gruntliob 
lazen  eines  selves  in  allen  dingen."  „Eya,  hie  wil  ich  blihen  ane, ' 
sulde  ich  dar  umbe  dnsent  dode  sterben,  und  wil  rechte  eyne  celle 
hie  buwen!"  „Nein",  sprach  der  jene,  „vare  vil  schone  und  ge- 
mecblicben!     So  d&  ie  minre  dftiz,  so  dO  ie  me  gedan  bai».' 


3  Huiche]  die  T  4  velilicbc  williche  »under  T  5  du  got  h.  d.  iit 
fthlt  V  6  notnrl.]  vrunüicher  1"  7  atXoA.  fehlt  \'  9  dienen  ..  lebeal 
lobeu  .  .  lieben  T  II  uIbo  —  12  lehen)  uii<I  liebe  alsiu  bittende  und  denckrndc  f 
12  lieber  h.  fehU  V        13  sprechen  ich  fthb  T       lazen  ich  fthlt  V        U  !ff 

feHtT      17(.  diserbraderzfl  iu:  aller« ebste  gesellen sugt  mir  T      I8rw 

Hage  Ut  sagen  durchstnchtn  V  Studium  T  19  do  —  jene]  er  antwoit  T 
20  sini'B]  uuHz  T       2-2  der  jene]  ehr  T       vil]  hin  7*      23  thiies  und  mer  dick 

1  f.  Jnh.  1(1,33  frii  tititrt.  i  viliche  lüde,  r^J.  Suriu»  I.  c.  3u6:  (" 

lanqwtm  iimunta  Bpontt  volutantur  in  ittrcoribug  titioram  tuorum.  Uf.  AuM 
htrichlet  das  folgende  als  seibtttTltblt  Vision  in  ViUi  Kap.  19  u.  Horol.  143  f~ 
doeh  jedeamiü  im  Dtlaä  ttKos  verschieden.  14  grozen  =  hohtn.         fT  ll 

ime  =  £«  dtiH,  der  ih»  geführt   fVita  53,lo:   ein   atoltaer  jungling  =  Kitgtli 
IS  f.  atodjerine.    Vüa  53,31  hat  dafür  biinst  —  lerit  =  lernet.  21  Pji. 

Kl  Bfh  3a7,3lf  21f.  Vgl.  Matth.  17,4.  23  Znmvdhn  VerstmdnUitlder 
Ztuait  m  Vita  ö4,14f.  briiuilrhtn:  und  meinde  ein  BÖlich  tau,  in  dem  der  B«i»ti 
sioh  selb  vermiteit  nnd  nit  Inter  gotes  tnb  meinet.    Vgl.  auch  die  Ltsari  nm  T. 


IV.  PrediEt. 


583 


I  Die  lüde  shit  rechte  verblent  und  willcnt  m  vil  ditu  and  be- 
jaent  60  RianieheB,  alee  si  got  irTeebten  wolleo,  alliz  bit  in  eelver 
j^me  eygenen  willen,  vol  gfitdnnkens  in  ire  eygenre  naturen. 
in,  iiiet  bid  dime  vechteii,  snnder  ocker  bit  lazen,  mit  sterben 
i  verwerden  und  mit  lazen!  Alge  lange  ein  drope  bludes  in  dir 
nngedodet  and  unüberwunden,  so  gcbrichet  dir.  üis  spriehet  der 
pnekliche  sente  Paulus;  n^'^*^  ^S*>)  i^"'  i'^"  ^S°'  ■'^^  leben, 
1;  ieb,  sunder  Christus  lebet  in  mir."  Wizze,  die  wile  it  in  dir 
K,  da  niet  got  inist,  dn  sihes  iz  ane,  waz  daz  si,  so  inlebet  got 
I  noch  nummer  in  dir. 

L     Die  dritten  nement  aioh  wider  in   eynre  luciferlicher  wisen. 
|b  wie,  daz  versteit.     Lucifer  den  hatte  got  wunneclich  geschaÜTen 
edeiich  gezierit.     Waz  deit  heV    He  kerte  wider  mit  behahunge 
ich  selver,  bit  eygenre  bebahnnge,  iie  wulde  it  sin.     Altzöhant 
!me  selven  punte,  do  he  sin  wolde,  do  wart  he  niet  und  verviel. 
^liebes  vinden  wir  in  unseme  vader  ond  müder  —  wir  indorfen 
vort  vragen,  —  die  got  wunderlich  edeliche  gezierit  hatte.    Der 
sagete  ir  und  verbot  vrouwe  Even  den  appel,  —  nein,  truwen. 
inwalde  sü  niet,  daz  ai  niet  insturbe  und  niet  zu  niede  inwurde, 
sprach  he.  „ir  sullit  gewerden,  ir  sult  iz  sin,  eritis!"     Daz 
waz  ir  so  geneme  und  schal  so  in  iris  hertzen   aren  und  waz 
^Ceminnet  ire  naturen  und  ir  ingewurtzilt,  daz  si  snellicben  und 
-adelicben  den  appil  nam  und  az,  und  wurden  wir  alle  icfl  nyede 
verwurden  bis  an  den  lesten  menschen,  kinder  und  kindskindcr. 
gewerden  wil,  der  mäz  van  not  entwerden. 
Dit   iz   der   grünt   und   daz  fundament  unse  selikeit,  eyn  Ver- 
den nnd  eyn  Terniden  sines  selves.     Wer  wil  gewerden,  des  he 

2  irvecbtenl  ertziehen  T  4  erfechten  T      ocker  fehlt  T        6  verw. 

«u]  verderben  iiiid  mit  verzieu  T  6  ungetödt  iineretorbeti  und  nnuber- 
<m  T  8  [die]  wile  V  9  das  nit  got  ist  T  da  niet  get  (1)  inne  inist  V  du 
;  dz  wlber  uder  ws»  das  iat  T  10  nimmer  vnlkoramlfch  T  12  AUe  — 
Öt  fehU  T  13  behnh.j  wolgefnllen  T  IB  ue]  in  T  17  und  adelich  T 
jete  ir  und  fthh  T        bot  T        vronwe]  verV       20  iz  fthlt  T        eritjsj 

Ü  ezdt(l)  V  24  bis  —  28  verwerden  frhll   V  27  sines]    \tih»  T 

«,I  be]  hie  V 

4  f.  Vgl  11.  Fredigt  515.111.  5  I.  Vgl.  a.  a.  0.  SUfif.  7  f.  Oal.  2^. 
iff.  Beidt  folg.  Britpitle,  Itiltctisr  in  gaitt  ähnlicher  Autführun/i ,  in  dtr 
iPrrdigl  611,lSff.  16  Adam  und  Evo.  18  verbieten  =  vorbedeii, 

(SehiOw-Lahhfi'   V..113).  20  I  Mo.-.  3,4f.  27  vefttiden  = 


rv.  Pradift. 

Diel  iui«,  der  verwerde  des,  daz  be  ist;  das  laü't  onch  vnD  not 
Üaz  luter  wuDnekliche  göt,  daz  got  beixit  und  iz,  daz  ix  in  ime 
eelver,  in  sime  istigen  wesen  inne  blibend,  eyu  weseücb,  stille  stände 
weaen.  ime  selver  webende  und  sinde,  Uemc  sulleut  alle  riink  sin, 
nict  in  selver,  sunder  ime,  durch  in.  He  ist  weseo,  wirken  nnd 
leben  und  all  dink,  und  wir  niet  dan  in  ime, 

Dfi  mttst  haben  eyn  grundeloia  lazen.  Wie  griideloisV  Were 
eyn  stein  und  viel  in  eyn  giundeloiz  wazzer,  der  roilste  nmmer  valieO) 
wan  be  inbelte  niet  grundee.  Also  eulde  der  mensche  haben  eyn 
grundcloiz  versinken  und  vervallen  in  den  grundelosen  got  undial 
in  gegründet  sin,  wie  awere  eyuicb  dink  uf  in  vjle,  da«  were  inne- 
wendich  ader  uzwendicb  lydeu  oder  ouoh  sin  eygen  gebrech,  der 
got  dicke  umbe  din  <rroz  gQt  verbeuget.  Dit  sulde  allez  den  meDEcbeo 
ye  difer  in  got  senken,  und  insulde  siues  grundes  nnrnmer  da  an 
gewar  werden  noch  ruren  noch  bedruben ,  noch  insal  ouch  niet 
snchen  noch  ineyuen  yme,  he  aal  got  raeynen,  in  den  he  versankep 
igt.  Der  yt  suchet,  der  insucbet  got  niet.  Alle  des  menacben  gnnsl 
nnd  grünt  und  meinunge  sal  sin  yme,  yme  glorie,  yme  der  vriUe, 
die  truwe,  numnier  unse  nutz  noch  lust  oder  alsulche  uaheit  oder 
Ion.  Snche  in  atleine,  spreuh  bit  deme  üben  aüne:  „leb  ensuchenl 
niet  mine  glorie,  sunder  des  vaders."     Wisse,  suchistu  yt  anders,  so 


1  verliehe  und  vt^twenlc  T  2  ir.  und  beizit  F  5  ime]  nltae  l'  5f.  ni 
leben  und  fehlt  T  G  ti"!  '"le  I'  7  f-  lassen  und  vcreihen  deyns  selb«.  W 
gruntloHz  mäjiz  düi^  nun  aeyn?  MiTckeot,  wann  eyn  Htein  fiele  iu  eyn  gr.  <r. 
10  in  i^ot  iler  gruntlnsK  Jet  T  II  ilaz  were  fthtt  T  IS  Dmbe  -~  )fÖ[] 
TuB  eigens  nutz  willen  'T  15  oitcb  sich  aelb«  T 
Hüchen  T         den]  de  V  18  sol  got  seja  T 

fehlt  V  odtir   ala.  naiieit]  noch  einige  n&het  2' 

ai  Wisset  T 


i^c^ 


me  fiiMi  T 

:  fMl    V 
2U  sucht .  ,  spredil  f 


2  Vgl.  oben  633,ö;  IL  Predigt  51ß,30;  II J.  Pr.  öä2,S.  A  t.  Gan:  lUn/ie* 

Bdw  3ä9fi—I3;  vgl,  die  diirligt  Anm,  Suriaa  l.  c.  30S:  tolvm  itlud  j/Hrim»im 
ac  /diciMtmum  bonum  ...  in  neipso  est,  t'ufiM  manttM  in  exilttnti  tttmtia  '• 
efftque  usentialü,  imm"ta,  tranquilla  tttmiia,  aäsUng  sibi  ipni.    Jüe  Iktdloji' 
lehrt  die  Aiciiät  (n  se  es/ie)  als  Grundeigfnaehqß  Golttg,  uitleht  die  Begnf»  A* 
esse  aimplieiter,  esse  tubaislens  und  actun  pKrinsiinus  eintchliegeL    Vgl.  flm» 
S.  Th.  Iq.  iaa.3;  Pohle,  Lehrbuch  dir  Dogmatil!  I  (iyoa),8lß.  5f.  Kjl 

Apg.  17,38;    Vita   I78,eff.  7  ff.    Dan    Bfispitl   von   Stein    alinlkh  *t^ 

Svga  9ltr38ff.    Vgl.  IL  Predigt  617,7  f.  Uf.  Suiiu»  I.  e.  iOS:  nee  aUr 

setitiat,  moveatHr  aul  contrialetar  in  fundu  auo,  16  jine  =für  tich  n'^'-   ^ 

—  verBunken,  vgl.  den  ScMuse  der  II.  Predigt  5!8,ö.  Ifl  alsulche  mUicit,  <*■  ( 

äerbte  SleUti'     Sm-iw  (.<•.:  noUri  KcaUati«.  20f.  Joh.S,49f. 


IV,  I'mligt.  535 

\z  dir  Lirirecht  und  dir  gebrichet.  Eyn  gla/,  wie  si^houe  dni  vi,  hat 
iz  eyn  fochelio  as  vaa  eynre  nalden  spitze,  so  iniet  iz  niet  gantz; 
wie  kleine  der  bruch  m,  ir.  ist  docli  yc  niet  gantz  noch  voUenkomen. 
Inerveret  uch  her  timbe  niet,  liebe  kinder,  ir  kümiDt  doch  wol 
6  zit!  Man  viudet  groze  und  kleine  lüde  in  hymelrieh,  aisc  mau  vindet 
gruze  man  und  risen  and  aQch  kranke  menschen,  man  mochte  si 
mit  eyme  vinger  dar  nider  atozen,  und  sint  doch  alles  lüde.  Also 
iz  id  an  diserae,  under  dusent  menschen  vindet  man  niet  oder  körne 
cynen  votlonkomen  menschen.     Ktliche  hant  sieb  gelazen  und  vindent 

10  sich  zi't  deme  jarc  eynes  in  uugelassenheit:  „owi  und  owe,  ich  han  dich 
Doch  vanden,  ich  wände,  ich  bette  dich  begraben,  leider  lebistu 
noch!"  Die  anderen  vindent  sieb  z&  deme  mande  eynis,  die  dritten 
zft  der  wechen,  anderen  des  dages  eynis,  anderen  manicb  werbe  des 
dagee.     Die  sullent  mit  weinendem   hertzen  ouch  sprechen:    „owi 

16  und  nmmer  owe,  mineklicher  got,  wa  bin  ich  arme  drane,  nnd 
uch,  wie  sal  iz  mir  ergane.  daz  ich  arme  mich  so  dicke  vindenV 
Zware,  ich  sal  mich  ummer  aber  lazen,  iterum  relinquo  mundum, 
ich  Bai  iz  aber  beginnen."  Dft  salt  sterben  und  verwinden  und  ver- 
werden   alse   dicke   aber   und   aber,    biz  iz   gewirt.     Eyns   swalven 

20  rlucb  inkundegit  uns  den  sftmer  nit,  aber  wan  si  alse  dicke  koment 
and  ir  alse  vil  komet,  dan  weiz  man,  daz  der  stimer  hie  iz.  Daz 
sich  der  mensche  eynls  oder  twiges  oder  XX  werbe  leizit,  dar  umbe 
iniz  he  niet  vollenkftmen;  aber  in  truwen,  alse  dieke  und  aber  und 
aber,   da   mak  yt  nz  gewerden.     Man  verstet  eyne  lezze  alse  lange 

%  and  alse  dicke,  daz  man  si  vil  wol  kan.  Also  laze  eyn  mensche 
sieb  aber  nnd  aber,  so  kau  he  iz  und  getoist  iz  alliz.  Nu  ingebrichet 
aas  niet  dan  vlizez  und  achtsam echeit.  So  koment  etliebe  lüde  und 
sagent   van  der  groster  voltenkumenheit,   und  begunden  des  ueisten 


3  kleine /eftii  r  4  inerr.]  «Bchreckt  T  tiehe  länier  fehlt  V  7  lade] 
fotaachen  T  8  an  diseme]  ouch  hie  T  niet  oder  fehlt  T  10  e;nec  V 
ingrelaw.  fehlt  V  12  die  dritten]  etliche  T  U  ouch  fthll  T  16  armer 
menech  2'  18  und  verwinden  felUl  T  92  twiges]  swerins  V  «wey  mal  T 
X  werff  t  24  verslent.  V  fasset  T  26  und  wurde  vim  alles  geloist  T 

.87  und  Tuttcüieu  aller  dyug  T         28  sagimt  yaiij  fragen  alles  nach  T         de» 
aetaten]  dai  myuBt  T 

Off.   Vgl.  Gr  Bfli  47 [t,7 ß.  Vi  mwide  =  iniined,  mänöt,  M'uuil. 

IB  od)  :=  ach,  16  verwinden  ^  verwenden,  umkehren,    oder  =  ver- 

lüinen,  übei-vHtidnt  (Schüler-Lttbben  V,S00,5OGt.  24  lezse  =  Lektion. 

27 f.   Vgl.  obm  600,17 f.:  !il9,31Jf: 


536  IV.  Predigrt. 

noch  nye;  si  inkunden  sich  an  eyme  kleinen  wortichen  nye  ge- 
lazen^  noch  si  inhant  die  kreatare  noch  die  werilt  noch  sich  selrer 
gelazen. 

Daz  wir  also  alle  gelazen,  alse  iz  got  von  anz  wil,  dez  luftze 
he  onz  helven.    Amen.  5 


1  wortleyn  T  4  —  5  fehU  1\  dafür  längerer  (Bl  106^—lo7r^)  Zutat: 
über  die  Armut  des  GeieieSy  der  vielleicM  von  Tauler,  jedenfalls  nicht  van  Stutt 
herrührt. 


Das  Minnebüchlein. 


'  [63']  Hie  Taliet  an  daz  erst  caplttel  des  miniiebrichelinB. 

0  sapiencia  eterna!  0  ewigä  wisheit,  du  bist  der  ugglantz 
Qod  eiD  gebrech  des  vetterlichen  weeens,  der  ellö  diog  von  Düti 
geacliaffen  hat,  und  dar  umb,  daz  dn  den  yerstoBsen  meDtscheD  ze 
der  fride  des  paradises  widerkertest  nnd  im  den  weg  dee  widerkeres 
mit  dinem  aller  suBseBten  wandet  erzögtest,  do  woltest  dn  her  ab  in 
dis  jamertal  komen,  und  ze  gantzer  sQn  und  ze  beearung  als  ain 
Kueeeg  lembli  woltest  dich  dem  vatter  opfren-  Entschlös  dur  dinee 
koetbern  blbtes  willen  min  hertze,  daz  ich  dich,  küuig  aller  kiiuigen 
nnd  herre  aller  herren,  mit  den  ogen  luters  glöben  Btätenklich  mug 
an  sehen.  Lege  alle  min  kunat  an  din  wanden  und  min  wisheit  an 
diu  wundtmäl,  daz  ich  fürbas  in  dir  allein,  wäree  minnebl^ob, 
nnd  dinem  tode  zi^  neme  und  allen  zergangklichen  dingen  ab  neme, 
also  daz  ietze  ich  nüt  ich,  sunder  daz  du  in  mir  und  ich  in  dir  mit 
vestem  band  der  minne  vereinbert  eweclichen  beüben. 


MinnehBchleiH.  Nach  der  eiiuigw  Ha.  e  =  Zürich,  Stadtbibliollttk 
(J96  erstmals  von  Preger  unttr  dtm  Titel:  „Eine  noch  unbfiaHnt«  Schrifl  Sutos" 
in  dm  Abhandlungen  der  bayrr.  Akademie  der  Wine.  III  Kl,  21.  Bd.  II.  Abt. 
lim,  426 ff.  rtröffentUeht.  AuseOge  (nhd.)  bei  Dmißf,  Das  geittl.  Leben  Sälff. 
Die  Echtheit  itt  nicht  sieher,  aber  sehr  wahrgcheinUch,  >,  i'.'inj. 


6  widerlertcBt  e        7  jamerteil  e        8  entscbüH  .c        13  oller  t 


H  2—15  Das  Oebttßndet  sieh  in  lateinischer  Übertragung  als  Leetio  prima 
%r  Matufin  in  dem  von  Sfuse  verfaasten  Curfue  de  aeterno  aapienlia.  —  us- 
^aoLz  luid  ein  ^ebrech  etc.  =  eplendor  gloriae  a  figura  aubatantiae  patris 
lÜfbr.  },3).  T  juiuertal,  vgl.  im  Salve  Segina:  in  hac  lacrimarum  vallr. 

11  f.  Curaua:  pone  meam  tn  tuis  vulneribua  phüoeophiam,  in  tuia  »tigmatibus 
'tpientiam.  Vgl,  Bemardua,  atrmo  43  in  Canl.  n.  4;  haee  mea  attblimior  intfim 
ohilosophia,  ecke  Jesum  et  hunc  crucijixatn.  14   Vgl.  Gr  ßfb  429ßf. 


538  Minnebüclileiu.    Kap.  I. 

Des  gerouteg  ein   ermnudrung. 

Üanimamea!     0  sele  min,  gang  ein  willi  in  dich,  in  die 
heimlikeit  dines  hertzen  und  gedenk,  daz  du  die  ewigu  wisheit  des 
himel8chen  vattere  dir  selb  ze  gemahel   und  ze  einem  einigen  liep 
hast  US  erweit,  und  gedenk;  daz  du  ze  einem  urkänd  der  lieplicheD  3 
gemahelschaft  sinen  naroen  dinem  hertzeu  nnzerdilklich  bist  in  ge- 
truckt,  und  hinderdenk  [64']  ze  gründe  die  muten  wise,  wie  er  dich 
mit  sinem  tode  erlöset  hat,  ker  wider  ze  dir  selben,   min  geminte 
sele,  und  e  wir  erdürren,  so  kröne  uns  mit  dem  rubinroten  rosen  ?od 
dem   hopte  unser  zarten   wisheit  'entsprungen.     Nut  geschehe  uns,  10 
daz  die  snmerlichen  blfimen  des  liebten  angers  siner  süssen  worten 
und  verwürtzten   werchen ,   die  so  rehte  süsseklich  alle  tagent  und 
miltekeit  smakent,  uns  vergangen,  daz  der  geminte,  den  wir  leider 
in  liplicher  gestalt  nie  gesahen,  in  nnserm  hertzen  bab  ein  wonang, 
und  daz  der,  den  wir  den  höhsten  wissent,  der  dnr  uns  der  nidroet  is 
ist  worden,  daz  wir  den  nit  yersmähen,  mer  daz  wir  ans  an  sid, 
crätz  negelen,  daz  wir  durch  in  sam  dur  ein  kuniglicb  Strasse  hin 
ze  der  ewigen  sälikeit  komen. 

0  spes  mea!  0  einigü  zftversibt  von  minen  jungen  tagen 
einer  trost  mines  hertzen,  du  fröden  bringerin,  du  leit  vertriberiD  30 
und  alles  mins  urdrutzes  vers wenderin  mit  dinem  süssen  trost , 
ewigü  wisheit,  aller  süssester  Jesu  Christe,  in  dem  da  sint  aller 
wisheit  und  kunst  tieffen  horde  verborgen,  du  zarter  berre,  do 
du  mit  dinem  süssen  wandel  gut  bilde  der  weit  hattest  vor  ge- 
tragen und  unmässiger  arbeit  erlitten,  und  die  götlicb  kraft  mitsß 
manigem  grossem  zeichen  ze  erkennen  gebde,  und  dir  kunt  was 
die  stund  dines  hinscheidens ,  do  weitest  dfi  das  jungst  nahtmal 
mit  dinen   liben  jungern   haben   und  inen   dins  heiligen   libes  und 


2  in  ein  willi  z      3  heimlik.]  heiligkeit  z      15  wissent  wüssen  z      22  f.  alle 
wisheit  z 

5  f.    Vgh  Vita  Kap.  4  u,  Uor.  221  f.  7   Vgl  Bdetc  209yl9f,:  8«  ich 

recht  hinderdenk  .  .  die  wise  unsers  heiles.  9—11    Vgl,  Bäeto  271yW—'ifJ'. 

gesegnet  si  der  geblümte  roselochter  anger  dines  schonen  antlütes,  daz  da  ge- 
zieret ist  mit  dem  rubinroten  blute  der  Ewigen  Wisheit !  Vgl,  auch  Kl  Bfb  374y23. 
17  kunig:lich  Strasse,  vgl.  Hör.  25:  si  ad  divinUatis  cognitiontm  pemmri 
drsideras,  restat  ut  per  assumptam  humanitafern  et  humanitatis passUmem  tanquam 
per  vi  am  reg  tarn  grndatim  ascendere  ad  aUiora  discas.  19  f.  Vita  JS^Uf'» 

üwe,  kind  mins,  owe,  eini^  frod  mins  herzen  und  miner  sei  von  minen  kintr 
liehen  tagen.  20  f.  Vgl.  Bdew  250^3 ff.  24  göt  bilde  vor  tragen,  r^ 

Kl  Bfb  382,9, 


I  blfitex   sacrat 


.MLiucliüi'lili.'iii.     K[i[j.  I. 


539 


I  blfitex  sacratiient  gebde ,  und  dur  iiucli,  da  du  iiii;ii  dumuli^kliuli 
tr  fiisse  wiiste  und  sÜBseklicb  bredieteet,  und  do  uff  den  Alberg  [64 'J 
keimd  und  din  junger  Bchlietfen.  do  knöwetost  du  nider  und  mit 
^esem  ernste  rfiftost  dn  dinem  vatter  au  und  aprecbt:  „pater,  vatter, 
■  ;•]  es  muglicb,  so  uberhab  mich  diser  inarter,  aber  doch  nät  ala  ich 
wil.  eunder  als  du,"  und  von  grundlosen  angeten  dine  hertzen  von 
der  gegen würtigen  marter,  die  din  zarler  lip,  von  kuoiglich  geschlecht 
geboro,  liden  weit  von  den  aller  hosten  mentschen,  mit  den  Mistigen 
abrinnenden  sweisatropfen  wurd  begossen,  —  sich  an  die  unorden- 
hafleu  angst  und  trurekeit  mins  hertzen  und  salb  es  mit  den  selben 
yAeelecfaten  tropfen,  daz  e8  in  aller  trurekeit  und  widerwertikeit  von 
Br  werde  geBterket  und  in  dir,  wäre  fröde,  stäteklich  werde  erfröwet. 
W  0  salutare  tnenm!  0  heil  und  sulde  min  und  min  günliohe 
Mre,  aller  sftssester  Jesus  Christus,  dt>  du  von  dem  engel  in  diner 
l|(BgRt  wurd  getröstet  und  zt  dinen  jungern  kemd  und  sie  scblStfent 
funde  nnd  inen  von  gefangnuss  seitest,  do  wurt  du  von  der  inurdigcn 
schar  umbhalbot,  und  do  sie  von  dinen  krefligen  worten  hinder  sich 
gefielen,  dar  nach  mit  ainem  valgchen  küsse,  dinem  sueseu  munt 
geholten,  wurt  du  verraten  und  strengklicli  gevaugen,  und  diner 
erbermd  in  dem  widerheilen  des  abgeschlagen  oren  hattest  nnver- 
geesen,  und  also  do  din  Junger  von  dir  gefluhen,  o  alle  min  zftversiht, 
do  wnrd  du  allein  den  grülicben  henden  gelassen.  0  min  einiges 
heil,  enbind  die  bant  mtner  sele,  Uss  min  nüt  noch  verlüss  mich 
.nietner  von  dir  gescheiden  werden!     Amen, 

L[65']  0  fortitudo  mea  etc.  0  himelschü  sterke  und  vestikeit 
er  sele,  aller  süssester  Jesu  Ghriete,  fio  du  von  der  gevangnuss 
ice  dem  ersten  wurd  in  her  Annas  hus  unmilteklich  gefürt,  do  wurd 
dn  von  den  iinmilten  Juden,  die  umb  daz  fiir  aassen.  nnd  von  dem 
selben  Annas  von  diner  lere  gefräget,  und  do  du  des  senfteklicben 
antwürtoBt,  do  wurd  d&  herteklich  nÜ  dinen  nak  geschlagen.  0  ein 
glantz  des  ewigen  liehtes  und  ein  Spiegel  sunder  masen,  wie  schamlieh 

23  bont]  hant  f 

S  wfigte  =^  l'nifK  von  winclien,  wüschen,  rtiniijrn,  Irorki'tii. 
S.  MaUH.  36.39.  19  Biltir 204,}. -316,4:  vientlich  gev&Dgeo,  streuklich 

landen.  28  ßdnr  3l5Mf.:  enbinde  mich  vun  miiien  sfintlichen  sweren 

e  umb  doz  fär  siasen  isl  unrichtig,  Effl.  Joh.  lS,18ff. 
t  Xt,   ^'gl.  Capil'thim  dtr  6'exl  im  Cursua:  gapicntia  candor  at  lucia  aetei-nat 
tkipaealwm  tinr  maciil't  dirinae  Maitslatin  i  M'eigh.  7,36).    ÄAnlich  auch  Bdtw 
'nßff.:  33I,S3,S7ß. 


1 


540  Mjniiübüchlein.    Etip.  I. 

wurden  dinen  liebten  3gen  verbunden,  diu  minuenklich  lätselig  antlif 
mit  unreinen  speicbellen  rermasgot,  din  wisser  nack.  nocb  scbouer 
denn  der  schönen  lylien  scbin,  mit  spottlieber  frage  so  dike  geschla^ol 
Sag  och ,  geininnter  herre  miner  sele ,  wie  din  sant  Peter  dristDDl 
vor  hankrätten  ziten  verl5gnet,  und  wie  dn  in  mit  dem  erbarmhertzigeo 
anblik  diner  minnsamen  ögen  widerbreht  ze  bittern  trehen.  und  gib 
minem  hertzen  dich,  Bpiegcl  der  ewikeit,  ze  Bcbowen,  also  dai  ich 
alle  zitlich  wollust  durch  dich  milge  versmähen,  und  daz  ich  mit 
den  ögen  diner  erbarmhertzikeit  in  aller  bekoning  milteklich  werde 
versehen.  I 

0  copiosissima  etc.  0  aller  genuhtsamnü  der  weit  erlang, 
aller  sÜBsester  Jcbu  Christe,  nach  der  grossen  marter,  so  dn  dnrih 
die  naht  untz  ze  tage  in  des  ffirsten  Annas  hus  hattest  erlitten,  dar 
umb  daz  din  marter  und  din  minne  aller  der  weit  ofTen  word,  in 
den  hof  Caypfa  wurd  du  friiy  als  ein  senftes  swigendee  lembli  U 
verfürt  and  von  den  grimmen  scharen  des  unfolkB  als  ein  Schieber 
umbgeben,  min  geminter  erl6ger,  und  do  dn  stfint  vor  dem  richter 
so  [65 ''J  gar  demüteklich ,  do  wurd  du  valschlich  geröget,  and  wie 
du  gottes  snn  wärist,  do  schrüwent  sü  mit  grülichen  stimmen,  Au 
du  schuldig  des  todes  werest.  Gib  mir,  gemiotter  herre.  ein  seoft-l 
niüdg  demälikeit,  also  daz  ich  mich  nach  dir,  dem  obresten  bildet, 
luiig  gebilden  und  alle  wider wertekeit  die  lebens  dur  dieb,  minnehcher 
Jhesue,  gedulteklich  müge  liden. 

0  kunig  aller  künigen  und  herre  aller  herren,  dn  wurd  vor 
den  richter  Pilatus  gestellet  und  vor  im  fälschlich  geräget  und  tod 
im  von  dinem  künlgrich  gefräget;  do  sprecht  du:  „min  küngrioh 
ist  nit  von  dirre  weit,"  und  dar  umb,  das  unser  erlösung  nit  wnrd« 
gewendet,  do  enwoltest  du  im  ze  vil  fragen  nnt  entwort  gebea 
Und  do  dich  Pilatns  unschuldig  gab  vor  den  Juden,  do  schrdwen 
BÜ  uff  dich,  aller  dingen  schöpfer,  daz  dn  werest  ein  verkerer,  ondl 
fhrtent  dich  zil  Herodes,  und  do  du  dem  zfi  aller  siner  fragen  swigt, 
do  spotot  er  din  und  alles  sin  gesinde,  und  zh  rechter  smäclieit  da 
wart  dir  ein  wisaes  kleit  an  geleit  und  wurd  wider  zfi  Pylatn  ge- 
schicket  and  wurd  vor  im  mit  löwinen  stimmen,  dn  sässes  lembli, 


13  huB  Annas  £      15  den]  dem  z      IS  f.  und  do  wie  du  ^ottM  sm  w.  i 

15  swigondee  lembli  =  Bdfir  360,4  (Jer.  11,19).  16  nnvolk  auA 

Ki  Bpi  37:i,22.          18. 25  valschlich  ^räg^t,  Bde»  S(A,1S.  19  Bdtw  304J!i 

sü  Bchrüwen  uf  mich  vil  grölich.             26  f.  Joh.  18.36.  34  Bdtv  260,16: 
die  n^^tigeu  lowen,  —  süsses  lembli  rbd.  360,16. 


MinnebHchlein,     Kap.  I. 


larterec  und  ze   crützgoD   gebeo   an  Barrabas  statt  gebeisohet. 

in  minem  hertzen  alle  die  Btnächeit,  die  du  durch  minen 

I  bfiBt  erlitten,   also  daz   es  keines  irdenechen  dinges  me  aobte 

i  mere  daz  ea  alles  sin  sehen  habe   zu  dir  und    ander  dirre  zit- 

I  wandelberkeit  da,   da   allein  rechte  fr&de  ist  unib,   »wekliob 

\  beliben.     Amen. 

s  princeps  etc.  0  einiger  forste  nnd  erster  anvang 
ir  wesen  und  ein  bertzog  [66 ']  aller  scbaren ,  aller  süssester 
»u  Cbriste,  da  ward  mit  dinen  annen  grimme  zertennet,  an  die 
^fiigen  snl  nackeut  gebunden  und  mit  grimmen  geislen  gegchlagen, 
t  pfeller  gekleidet,  mit  einer  dSrnineo  kröne  gekr6nnet  und  in 
•ttes  wige  gegrüsset  und  wurd  uS  dinen  heiligen  nack  mit  un- 
Itten  faenden  geschlagen;  du  ward  also  mit  blutigem  antlit  mit  der 
■in  krnne  und  mit  dem  pfellcrlicben  gewant  zfi  den  unmilten 
Lgefiirt  und  mit  ir  vientliehen  stimmen  zfl  dem  tode  ze  t6den  begert, 
,  also,  do  ir  stimmen  für  gebrachen,  da  ward  des  todes  urteil 
iMnem  tüdmigen  Hehler  über  dich,  ein  orthaber  des  lebens,  <lge- 
Verlib  mir  sünder,  ilaz  ich  die  cleider  miner  untügent, 
)  ich  han  entreitiet  mit  der  unflat  der  sänden ,  an  dinem  frucht- 
I  blflt  gewescbe,  und  daz  ich  dins  erützes  glicheit  stäteklich  an 
I  Übe  getragc,  also  daz  ich  die  jüngsten  uiteil  von  dir.  ewigen 
mit  frfiden  gebeite.     Amen. 


Kin  erwecken  des  hertzen. 

Eva,   bertze   mins,  halt  Btille  ein  ständli  und  nim  eben  war 

geminnten  userweiten  wisbeit,    wie   si  von    uggetnikten  bifttes 

pfen  von  den  hertten  geiselscblegen  allenthalb   ist  beschlossen 

i  begossen,  lüge,  wie  di  blötigen  riinsen  durch  den  zarten  lip 

enthalb   an   die   erd    lulfen.     W'e  mir   din,    süsse   süssckeit   miner 

1  wie  mochten  sü  dich  als  grnlich  geschlahen,    dn  sü  dinen  lip 

wol  geordnet  und   dine  glider  als  gerad  und  als  dar  wolstend 

Bähen,  daz  si  von  erbermd  dir  nit  vertrügen,  daz  sie  dich  über 

dinen  lip  so  gar  durchwandeten!     Aber  eins  wil  ich  wissen 

ftr,  daz  dn  das  alles  lieste  zh  gan  mit  einem  wisen  [66*]  off 


8  hertEogj  hertE  i 
re]  wie  r 


17  f.  gesprochen  fehlt  s 


19 1  blost  friicht  t 


II  pMer  (r^.  Hn(«n  Z.  H  pfeilerlich)  = 
bmwff,  Pnrpurgcirand  (Ltx.  II,S3ä). 
IhiH  krAzeR  nehsteu  gliclieit. 


pbellel,  phellAI,  fernen,  koftbai"*» 
20  f.  Bdfir  374^:  volbringe  in 


542  MiniieUilchli'iii.     Kap.  I. 

(In/,  daz  du  micli  zemäl  in  dioe  niinne  zügest.  wenn  du  dich  deDOfl 
aller  bester,  den  aller  bitroeteu  Btreiclien  zemal   dnrcli   mich  gibesLl 
Nu   dar,   eele   min,   mi   nnibvahe  din  wiaheit,  die  ir  scbonbeit  von 
grosser  niinne  dir  liat  vergessen !    Uq  solt  ir  billicb   von  minnen  als 
menigen  licplichen  kuss  bieten,   als   menigen   bitteiti   si   durch  dich) 
hat  erlitten.     Nu  diirschow  öch ,  dar,  bcger  ich,  sin  luiiiDencliches 
antlit,  in  im  habent  aller  gnaden  vniheit,  wie  daz  vna  dea  r&selechteii 
tropfen  rötet,   die   da   flnsBeu   von    dem   himelschen    parndis,   slnein 
wolgeetalten,  intseligem  höpt,  von  dem  da  uk  wiclen  die  bKitgieeseDden 
brunnen   von   den  grimmen  dornetiohen,  die  im  wurden  in  gerigeoÜ 
0  mine  minne,  mit  disen  blutränaen,  die  da  diu  Bch&nes  antlit  ab 
ninnen  und  dine  waugen  bititig  machten,  soltu  daz  höpt  miner  sele 
und  des  libes  begieefien,  dnz  von  irn  krnft  der  lip  der  bescbeidenheil 
undertenig  gye   und   da    beacheidenbcit   dinem   aller    liebsten  willen 
ieiner  genug  sye.     Amen. 

0  Bancto  saneta  etc.  0  aller  heiligestes,  des  ewigen  vattcn 
danknemetes  npffer,  aller  süssester  Jhesu  Christe,  dar  nach,  da  da 
wurd  von  dem  riehter  in  den  schamlicbeu  tod  des  cratzee  verurteilt  ir 
das  künglieh  rieb  dinen  achslen  ward  uffgeleit,  do  wurd  du  scbamlicb 
UB  gefiirt  und  berlich  gespottet  und  von  den  kinden  mit  horwe  ander  i 
din  antlüt  geworfTen  und  mit  den  meintetigen  schachern  nntz  an  die 
statt  des  todea  geföret,  do  wurd  du  aas  gezogen  und  ["67 ']  uff  dai 
nidergeleit  crütz  zertennet:  nch,  diu  arme  und  füsse  wurden  mit 
seilen  zerzogen  und  also  mit  den  nageln  an  den  galgen  des  crutjw» 
grimmendich  gebeft  und  also  mit  ufferhabem  crütz  enlzwfiscbeDiJfl 
himel  <und  erde>  Bcbamlich  orhenket.  Nu  gib  dinem  kneht,  klag 
miner,  mit  dir  ein  UBVolgen  dins  Hdens,  ein  tragen,  daz  ich  mit  dir 
hie  also  werde  gekrützgot,  daz  ich  ewenklich  mit  dir  werde  riobsend! 
Amen. 

0  lux  etc.     0  cljiree  lieht  des  mittentages  und  der  aanuea^ 
lott'es  hfichstes  zil,  aller  süssester  Jhesu  Ohriste,  gedenk,  wie  da  tif 
die,    (He    dich  crützgetent,   die   din  gewant  teiltent   und  ein  Iobs  nff 
dinen  rok  wurden,  und  die  dich,  küng  ob  allen  künigen.  in  dinen 

2  aller  best,  s        7  ik-u]  dem  s        26  imd  erde  /Ml  i 

5  Igt  nach  liittem  kiiM,  oder  eiira  smertzen  tu  erganzen?        10  iu  getigert  J 
Part.  Prart.  vnn  in  rihen  =  durchbohrend  stwhen.  19  daa  kflnglich  rici  = 

das  Kreal.    Vgl.  im  Hymnus  Vtxilla  Utgis  von  Venantia»  Forlunatu»;  r^nahil't 
a  ligno  IJeut,  u.  ZöehUr,  Jia»  Kreue  Chrigti  ISI ti,236  ff.  19  f.  «chuilicb  M  1 

fTpffirf.  auch  Piiw  2'>4^. 


Milincijürlilein.     Kaji.  1, 

igstlicheD  D^ten  mit  schamlichem  upott  schultteD,  dioen  vatter  so 
^nnenclich  au  r&fteat,  anrl  wie  du  den  riiwenden  Bchäeber  vod  diner 
ndloseii  erbermd  so  süaseclicfa  begnadetest,  und  dar  nach,  do  des 
fcelfi  <Iiehl>  von  mitliden  von  seit  unlz  ze  nonzit  erlöaehen 
mit  einer  grossen  etinime  ze  dinem  vatter  rfiftost;  o  unerscbepfter 
mnne  des  lebenden  wassers,  gedenk,  wie  du  an  dem  crutz  ersigde 
ud  von  abri^et'  dune  also  tiirstiger  wurd,  wurd  du  mit  essich  und 
sUen  getrenket  und  do  gespreebt:  „Coueumraatum  est",  wie  du 
inem  vatter  din  lieiligen  sele  befälchte,  o  ein  kinig  bimelrichs  nnd 
ftrichs,  von  dee  todes  wegen  alle  elment  und  die  bimelscben  ge- 
frae  mit  ungewonlichen  eacbeu  battent  ein  mitliden  ze  erzfigena 
BS  gewalteH.  Herre,  nnd  nacb  dinem  bittern  tode  al^o  ulf  erhenhte 
1^  liest  db  dir  din  siten  mit  einem  wessen  sper  uf  tttn,  dar  umb 
RE  du  mit  dem  blttt  nnd  wasser,  [G7^J  so  dar  us  ran,  alles,  daz 
it  und  dürre  was,  wider  erkiktesl  und  mit  dir,  dem  lebenden 
runnen,  alle  ti'irstigen  hertzcn  trenktest.  Dar  nacb  wnrd  du  von 
em  crfitz  genomen  und  begraben,  du  bist  an  dem  dritten  tag  er- 
;anden  und  an  der  gite  dines  vattera  als  ein  herre  aller  dingen 
eseesen,  und  hast  nisus  alle  ding  mit  dinem  tod  zi'i  dir  gezogen. 
übe  mich  zQ  dir,  gemintter  herre,  und  empfach  mich  in  diner  gnSd 
urch  din  grundlosen  erbermd  und  verlihc  mir,  daz  daz  kostber  blftt, 
az  du  sam  ein  unechuldig  lembli  fitr  aller  der  weit  vergusde,  vor 
en  ögen  dins  geberers  für  mich  bitte  unil  zii  mir  gnediclich  neige 
nd  für  alle  min  sänd  als  ein  lobliches  opfer  gantz  bessrung  volleiste. 

ED  flucht,  min  schirm  und  min  erläser,  bis  ermanet  diner  grund- 
minne,  die  dich  betwang  ze  dem  aller  bittrosten  tod  an  dem 
n  des  crutzes  dur  mich  ze  liden,  daz  du  min  misseiät,  die  ich 
nreiner  sünder  han  begangen,  milteklich  vergebest  und  mich  vor 
6nftigen  Sünden  und  vor  allem  übel  in  diner  miiinewunden  diner 
1  befaütest,  min  genge  in  den  wilden  freisinen  uff  ein  beilig  ende 
t  Dnd  mü*  die  bescbfiwede  diner  ewigen  frAd  verübest!    Amen. 


1  und  du  dioen  t 
;e]  negeit  t 


i  lieht  fihll  2. 


B  und  du  mit  einer  gr.  st,  i 


I  Von  dtr  6',  big  nur  9.  Stunde  (Luk.  U3,44l.  t>  Itninue  dee  lebenden 

e  ^3,1  f.:  vgl.  365,37 ff.  8  Joh.  19,30.  13  weBsen  von 

4  wesee  =  »ckarf.  17  f.    Vgl.  Si/nihotum  Apn/itolorum:  ttrtia  dir 

i  mortviti . . ,  sedet  ad  dtitrram  Bei  Palris  omnipoletUü. 

I  neige  ergäme  in  {den  himmlischen  Valtrl.  25  —  31  Latetniaeh  als 

XI  im  Curmg.  —  Sacht  =  z&vlnht  (r^itgiitm).  30  Curtits:  grmiu 

f  in  huiu»  vitae  fluctihits  (=:  frcLNiiiPn)  ad  sanclum  Jiurm  dirigas. 


IL 
<Uie  vahet  »d  daz  ander  capittel  des  nilnneböchellna.> 

0  aller  BÜsseste  himelscbe  magt  Maria,  du  ims  allen  sdiönen 
sam  die  gilyen  der  tetre  von  dem  abgrund  der  gdtlichen  kunst  and 
wisbelt  biet  ob  erweit,  dnz  du  deu  begerten  aller  der  weit  mit  dinem 
megtlicli  lip  enpäengest  nnd  als  süsseclicb  erzugest.  O  reine  frow, 
do  dir  die  junger  mit  [68']  weinenden  bgea  die  gevangnüse  diaet 
kindee  kunt  tätent.Cdo  wurdent  alle  die  müterlichen  ädern  bewegt 
von  grimmen  schrecken,]  do  giengt  da  zii  der  tür  her  Annae  has, 
ob  du  din  kint  ienu  mAhtest  gesehen;  dn  wurd  du  dannen  berlicb 
vertriben  noch  enmobtest  nut  hin  in  komen,  nnd  dar  umb  weioetesl 
bitterlich  und  sprecht:  „o  min  aller  Hepstes  kint  und  ein  spie^el 
miner  "gen,  wer  git  tninem  höpt  waeser  und  minen  Ögen  einen 
brunnen  der  trehen,  daz  ich  geweine  daz  aller  graste  mort.  das 
minem  zarten  klnd  dirre  naht  geschehen  ist?"  Und  dar  nach  da 
giengt  du  und  Maria  Magdalena  umb  daz  hus  hin  nnd  her, 
vil  lichte  üweru  geminten  raeister  ienont  m6htent  gesehen  in  M 
grossen  angstlichen  n&ten;  und  do  du  erburtest  Sant  Petern,  der 
zwelffbotten  fürsten,  sin  bi  dem  eide  verlognen,  frowe  min,  and  alle 
die  andern  berlicbe,  die  sie  im  an  tatent,  daz  dir  do  von  dem  grossei 
hertzleit  nach  waz  gebresten ,  nnd  do  Baut  Peter  gegen  dir  ae  den 
huse  gieng  und  dir  seite ,  wie  dines  kindes  antiät  so  jemerlicb  wer 

I  entreinct,  da  von  gewnnd  da  an  dinem  bertzen  nnmessig  bertzleid, 
o  röslecfatei-  blQm;  dar  nach  mornent  frä,  do  din  kint  von  her 
Annas  hus  in  Gaypbas  hof  ward  gefürt,  do  ersteht  du  in  an  den 
weg  und  5ch  sin  minnenclicbee,  16tseliges  antlüt,  daz  din  hertz  dike 
hat  erfröwet,  so  jemerlich  verspÖtzet,  und  do  du  mit  kleglichen 
Worten  zA  im  giengde  und  in  woltest  han  umbvangen,  do  ward  du 
von  in  mit  ir  nnmilten  worten  und  banden  nnwertlich  von  im  Ver- 
stössen, Aber  DU  sihest  du  in  eweklich  [68']  in  siner  glorie  richsen. 
Enpfach  mich,  reinä  frowe,  in  dinen  sundern  schirm  nnd  erwirb  mir, 
daz  din  einborn  sun  mich  vor  allem  ungeordneten  leben  und  minne 

1  Üherschi/t  aus  der  dtf  1.  und  S.  Kapitels  ergänzt.  15   liin] 
2ff,  Vgl.Bäitw36S,^ff.  —  gilyen  der  telre  =  iföAei.5,1.    Vgl.  Bdtic  243A 

ist.    Vgl.  Bdem  368,6 ff.  19  berUche.  Subft.  =  1  !nfrranrllichkat,  FrirJ- 

»tligktü;   von    berlich    Adj.   =   offenhar.   itleU  mit  wigäntligir  Kebinbeji 
(itgl.  Schwab.  Wllwh.  1,647 f.l. 


Miniieliäclilctii.     Kap.  II.  545 

nd  schädlicher  heimlichi  behüte  und  mir  gnedecUcb  verlihe.  daz 
in  liden  in  mir  gewinue  ein  sÜBsee  zönemen,  rIso  daz  alle  andre 
üssekeit  to  mir  ab  neme.     Amen. 

Immcdiatiim  refagium  etc.  0  mittelloBÜ  Hueht  aller 
linder,  aller  milteste  magt  Maria,  du  man  din  kint  use  fürte  ze 
Sden,  do  enmohteet  du  7.ft  im  nit  konien  vor  der  groBsen  mengi  des 
olkes,  aber  mit  hertzjejde  du  und  Maria  Magdalena  füriüffeut  in 
in  andern  weg;  do  begegent  er  dir  vü  jenierlich  entschSpfet  und 
icigt  sin  hSpt  gen  dir  gvitlich  und  sprach:  „ach,  mftterl",  als  ob  er 
pr&ch:  dir  si  gedanket  alles  des,  dn  inir  ie  getet,  und  sunderbar 
1er  jnngsten  trüwe,  da/,  du  im  mit  tniwen  bi  stündt,  do  in  alle  die 
»reit  hat  gelan,  und  im  nach  iltest  mit  grosser  bitterkeit  bis  nnder 
len  galgen  des  crätzes,  und  in  da  abgezogen  bedaktest  mit  eim  tüch 
Iin8  höptCB,  —  0  gemintter  blüme  aller  gnaden,   wie  din  hertz  doJ  j 

'on  dem  grimmen  klecken  der  egstlicben  hamerschlege  des  annegieuB  1  ^  ^ 
tines  kindes,  do  er  ward  durscblagen,  <erzitrei>,  wie  din  gewant 
'on  dem  kostbern  blftt,  daz  da  rnn  von  den  wunden  dins  einbornes 
[indes,  wart  begossen!  Din  hertz  was  dn  vol  jamers  und  bitterkeit, 
lar  umh  wan  du  din  kint,  daz  dich,  sin  zarten  möter,  dicke  in 
iner  kintheit  so  lieplich  hat  an  gelachet,  secht  vor  dinen  5geu  in  so 
^sser  angst  und  bitterkeit  so  scbamlich  hangen  nnd  im  alle  uneren 
irbieten,  und  du  im  in  [*^9']  keinen  sinen  uöteu  ze  statten  mohlest 
Eomen;  dannan  von  wart  din  sele  mit  dem  swert  heru  Syraeones 
nanigvalteklich  wunt,  und  do  wurd  du  von  dinem  kinde  dem  lieben 
unger  Johannes  bevolhen.  Dar  nach,  do  du  in  secht  mit  dem  ,  ^lovf 
ressen  spiess  stechen  in  sin  siten,  do  was  dir  nach  von  uumnht 
lebrosten,  und  alsna,  ein  mflter  aller  gnaden,  do  wart  dir  aller  trost 
lenomen  durch  mentBcblicbes  heiles  willen.  Eya,  dar  umb,  du  unser 
^minte  fürsprecherin,  kera  din  ögen  der  erbarmhertzigkeit  zil  mir 
nd  «rman  din  kint  aller  der  Wortzeichen,  des  jamers  und  des  leides. 
K»  dn   an  einer  marter  hattost,  daz  er  von  diner  niiltter  bei  wegen 


16  eraitret  fahh  :        28  dax  umb  do  du  i 


t'"- 


r- 

tit  Bd*tBS63^5:  du  bist  docli  daz  raitteUoB  mittel  sLer  «ander.    Vgl  dk 
.  lAd.  15  klecken,  schtr,  Vrrb.  —■  tmend  schlagen,  treffen  (LtJr.  I.IGIOJ. 

igeÜith=tgMUch,sc/ineki:eh.        19f.  Vgl.Bdttpät!7,-J3ff.         Q2{.BdeirS69^;i/.: 
eh  Inget«  nf,  do  eninoht  ich  minetn  kinde  nit  ze  staten  komen.  23  f.  Vtfl, 

lui.  2,36.  26  f.  Nach  Brltr  :iro,:!2ff.  1,-at  die   Olmmaeht  KirkUch  ein.  — 

sa   möter   aller   gnaden  =:  Bdtw  363^3.  29  f.    .Saiee  lUgina:    rya  ergo, 

tävocata  nostra,  iilo*  (not  misei-ieordtn  ociilos  ad  iios  eonverte.     Vgl,  Bäew  364,11. 

H.  S*B«B,    D«I>B) 


w 


54(3  Minnebüchlcin.    Kap.  II. 

mich  der  weit  leren  sterben  und  usser  mir  ein  erwünschten  mentsclien 
mache,  und  daz  antlüt  siner  erbermd  niemer  zornlich  von  mir  kere, 
und   mir  stätikeit   untz   an   min   tod   in   sinem  liepsten  willen  gebe. 

0  virgo  etc.     0  aller  schönstü  magt,   der  kleglichen  geberd 
menig  hertze   ze  erber m  bewagde,  als  ob  du  ir  eigen  müter  werist  5 
gesin,   die  dir  erbunnen,  do  sü  sächen  den  grossen  jämer  und  leit, 
so   du  von  dinem  geminnten  kinde  hattost  in  dinem  reinen  hertzen. 
wer  git  den  ogcn  mins  hertzen,   daz  sü   dich   sehen  vor  dem  erütz 
stän  und  als  erbermclich  uflF  sehen  und  dins  einbornen  kindes  arme 
so  trutlich  enpfahen,  so  gütlich  durchküssen  und  an  din  minnencliches  10 
hertz  so   lieplich   truken,   do   sü  von  dem  crütz  gelediget  wurdenl 
Ach,   herre   got,  wan  hetti  ich  gesehen  daz  heil  mins  antlüttes,  do 
jL^       (er  von  dem  crütz  wart  geloset,  wie  kläglich  er  do  in  diner  müter- 
'   liehen  schoss  lag  geneiget,  [69^]  und  hetti  ich  och  gesehen  din  bitter- 
liches weinen  und  din  jamerliches  clagen  und  den  wOff,  so  da  dar  16 
nmb  hattest,   daz  din  süsses  kint  als  gremlich  was  ertödet  und  da 
alles  trostes  do  wurd  berSbet!     Ach,  zarter  gott,  wan  hetti  ich  ge- 
sehen ze  der  kläglichen  stunden  den  geminten  sant  Johans  nff  sineg 
geminnten  hertzen  cläglich  Valien,  sant  Petern  loflFen  und  bitterlichen 
weinen,  Marien  Magdalenen  ab  iro  toten  meister  so  cläglich  vor  in  SO 
allen  gebären,  wie  sant  Jacob  sinen  brüder,  daz  heilig  antlüt,  daz 
im  als  glich  was,  do  weinet  und  claget,  und  wie  die  andern  junger 
alle  ir  lieben   meister   klageten   und  bitterlich   weineten!     0  reinü 
magt,  ach,   wie  was  der  bitter  schmertz  dins  reinen  hertzen  do  so 
gar  unmässig,   wie   waz   dins  hertzen   angst   do   so  unlidig!    Ach,  Ä 
aller  süsseste  magt,  nu  bit  ich  dich,  daz  du  mit  dinem  leit  min  hertz 
alle  zit  in  der  minne  dins  eingebornen  kindes  enzündest,  und  mich 
so,  einiger  schilt  aller  sünder,  vor  aller  anvechtung  behütest.    Amen. 

0  f  0  n  s  etc.     0  voller  brunne  aller  wolluste,  süsse  und  himel- 
sehe  Junckfrow,  do  der  grimme  tod  dir  also  din  gemintes  kint.  einen  30 


V 


24:  rillen  z 

4  f.  u.  547,20  f.  V(/l.  Bdew  27ü,19J\;  271,27 f,  6  erbunnen  =  erblinden. 
Pracf.von  erbunnen,  mhsgönnen.  Sinn:  sogar  solche  Her  een,  welche  dir  (anfange  > 
deinen  Jammer  tnisitgn nuten,  ivurden  zu  Mitleid  gerührt,  9 f.  Bdetr  275,llß-: 

wie  inutcrlichen  ich  do  sin  toten  arme  enphieng  .  .  .  zu  minem  mfiterlichen  herzea 
<laz  einig;  iizerweltes  zartes  liep  trukte  und  sin  blutig  vrischen  Tinnden,  sin 
totes  antlüte  durkuste!  15  wnff  =  Jammergeschrei,  Klage:  wufen,  wfifen 

(550,20)  —  laut  Jammern,  Jäagen.  21  Gemeint  ist  Jakobus  d.  Jung,,  der 

..Brudvr  des  Herrn"  (Gal.  L19).  29  Bdew  263,16:  paradjs  aller  wollnst. 


Min Debücb lein.    Kap.  II.  547 


behalter  aller  mentscben,  hat  benomen,  und  er  dich,  ein  magt  ob 
Stilen  creataren,  eines  tages  des  früntlichen  troEtes  nnd  des  süssen 
Sebes,  so  du  nianig  jär  mit  im  gehebt  hntteet,  hat  bcrSbet,  do  be- 
wertest du  weinendlicb  mit  müteiliehen  nmbvengen.  das  man  dir  din 
erst  erstorben  l^int  liessi  joch  also  toten  und  allermenlich  widenetn, 
den  sü  dir  lebenden  und  vor  allen  mentscben  lötseligen  nüt  enlassen 
wolten;  und  do  man  dir  daz  [70']  verseile,  do  begertest  du,  daz 
man  dieb  mit  dem  dinen  geiiiinten  vergrübe,  nnd  do  dir  daz  och 
yerzigen  ward,  do  vielt  du  von  wetündem  leide  uff  daz  grab,  und 
do  dich  din  pfleget  Johannes  dannen  füren  wolle,  do  schniwd  du  in 
an  jenierlieh,  da?,  er  dir  ndt  die  berlichi  nnd  daü  unliep  lete,  daz 
rlieh  also  von  dinem  aller  süssesten  kind  schiede,  und  bäte  in, 
daz  er  dich  da  dines  endes  gcbcilen  Hesse,  und  also,  o  du  bildriches 
exemplar  aller  reinekeil,  von  dinen  so  kleglich  Worten  do  wurden 
Alle,  die  da  stünden,  ze  erbermclichen  weinen  gereisset.  Dar  nach, 
I  dich  der  geminte  junger  dines  ungedankes  von  dem  grab  gebracht 
id  dich  in  die  statt  fflrte,  o  aller  wnnneclichste  magt,  wel  ein 
merlicb  gesiebt  do  wurd  dem  volk,  do  es  dich  ingän  sach  mit)  i 
IflLigem  gewand,  als  du  under  dem  crütz  ward  gestanden,  do  daz  (  w*** 
ilig  hitzig  blüt  uff  dich  geruunen  was,  dannan  von  öeh  die  sleininä  J**^ 
irtzen  ze  Prhermd  wurden  erwecket!  Aber  dar  nach,  als  du  von 
nes  kindes  marter  wurd  jemerclich  verwundet,  also  wurde  von 
aer  nrstende,  do  er  dir  so  wunnenclieh  erschein,  hcrlzeklich  erfrowt, 
id  bist  ntl  so  würdcciich  in  der  himelschen  pfallentz  sam  ein  edlü 
anabel  des  obresten  künges  ob  all  himelscbbait  von  dinem  geminten  \ 

Dt  erbebet,   da  du   ein  sunderbare  fürsprecherin  bist  aller  sünder,  1 

m  gottes  wegen  du  also  gewürdiget;  und  dar  umb,  du  müter  der  I 

ibermd,  spreit  über  mich  den  blütfarwen  mantel,  der  von  dines  ein- 
»bornen  kindes  blöt  ward  übergössen,  nnd  beschirm  mich  [70']  dar 
ider,  beidü  in  liep  und  in  leid  und  in  dis  zites  widerwerlikeit, 
■wirbe  mir  ein  volkomen  ende  mit  rehter  bescheiden  h e i t  und  mit 
intzer  zAversicht  und  gSlIichen  tröste,  also  daz  ich  din  gemintes 
int  ze  der  rechten  baut  sines  valters  frölich  werd  niessent  in  siner 
rigen  günlichcit.     Amen. 

6  labenden  i 

3«.   Vgl.  Edfw  Knfi.  iX>.  18  3.   i'ila  37.4^6:  nie  eilen dekl ich  ü  kora 

[«nde  ftleo  blSträsig  des  bixzigeu  blSteg,  daz  uf  si  hatr  g^tropfet, 
lS8  Vjrf.  Gf  Bfb  416,16.  '24  himelBChe  pfallentB  =~  Gr  Sfh  4ö7^. 

96t.    Vgt  Rdew  243,2, ff.  271',  SaJre  Jlcgina:  mattr  müfieordiat. 


548  Minnebüchleiü.     Kap.  III. 

III. 

Hie  yahet  an  der  dritte  teil  des  bAchelins. 

Ein  liepliches  kosen  der  sele  under  dem  crötze  mitirem 

gemahel,  dem  abgelösten  Christo. 

Quid,  dilecte  mi,  was,  min  geminter,  was,  ein  erfüUi aller 
miner  begirde,   was  sol  ich,   geminter  herre,   ze  dir  sprechen^  und  6 
ich   von   minnen   bin  erstummet?     Min   hertz  ist  voll  minneworten. 
k6nde  sie  die  zung  für  bringen!     Es  ist  grandlos,  daz  ich  bevinde, 
es  ist  endlos,  daz  ich  minne,  und  dar  umb  ist  wortlos,  daz  ich  meine. 
Hier   umb   du   bist  min  künig,  du  bist  min  herr,  da  bist  min  liep. 
du  bist  min  fröd,  du  bist  min  gute  stund,  du  bist  min  frölicher  ta^.  10 
du  bist  alles,  daz  sich  mime  hertzen  fruntlichen  gelieben  mag,  and 
dar  umb,   waz,  min  gemintter,   was  ist  der  rede  öt  me?    Du  bist 
min,   so  bin  ich  din,  und  daz  muss  iemer  stäte  sin!     Wie  lang 
sol  min   zung  ungeredet  sin,  so  alle  min  inrekeit  also  riiffet?    Aid 
sol  ich   dar  umb   schwigen ,   daz  ich   den  geminnten  nit  liplich  bi  15 
mir  gebaben  mag?    Nein  ich,  bi  nöte!    Der,  den  min  sei  da  minnet 
so  togen,   sehent  den  mit  mins  hertzen  5 gen,  1  Agent  sin,  nement 
war!     Ich  sich  minen  geminten  under  eim  wilden  öpfelb5me  rüwen. 
er  ist  lass  von  minnewunden  worden  [71']  noch  emmag  sich  selber 
nit  enhalten ;  er  hat  sin  hopt  geneiget  uflF  sin  geminten,  er  ist  un<ler-  20 
stützet  mit  den  blümen  der  gotheit  und  umbsetzet  mit  dem  senat  der 
jungerlichen  würdekeit.     Nu  vach  ich  an  mit  urlob  ze  reden,  wan 
ich  ein  äsche  und  ein  gestüppe  bin  von  eigner  verworflenheit,  und 
wil    reden   ze   minem    herren,  gen  miner  gemahlen,  der  clären  und 
zarten  ewikeit  und  wisheit,  nieman  mag  mich  gewenden.     Ich  will  25 
mit  minem  geminten  kosen,  wan  das  beger  ich  von  hertzen,  e  daz 
er  minen   ogen  werd  undergezogen   und  e  daz  er  in  daz  grab  mit 
salbe  werd  verborgen. 

Xu  sag  mir,  min  gemintter,  waz  das  meine,  daz  dich  min  sele  so 


II  alle  r 

4  f.   VglBdeio  304y4f,         7  f.  Vgl  Bdttc  306ß  f,         12  f.  Vgl  Hofiei  2,16 : 
Bdeir  ^67,4 f.  u.  oben  53744,  16 f.    Gr  Bfb  461,4 f.:    nu  schowent,  ellü 

hertzen,  sehent  in  an,  ach  gcnt  in  ogen  minem  geminten,  lügent  etc. 

18    Vgl  Hohel  6,5.  20  Hohel  a.  a.  0.  22  f.  Vgl.  I  Mos.  18,37, 

26  f.  Vgl.  Bdew  27fi,9ff.  29  ff.    Vgl  Vita  Kap.  1  u.  3:  Bdeir  Kap.  1  und 

Hör.  30  ff. 


MinaebücUein.     Kap.  lU.  54^ 

lang  und  so  inbiÜDfitlich  lieste  suchen  und  ich  dich  nie  künde  vindcnV 
Ifh  siechte  dich  durch  die  naht  in  der  wollust  dirre  weit,  nnd  do 
tnvatid  ich  niit  denn  grosse  hertzlclieh  bitterkeit,  in  menBchliehen 
Tillen  emzigen  bctiiibt  und  trurekeit;  in  der  schäle  der  uppekeit 
Icrntt  ich  von  allen  den  dingen  znifelen,  noch  envand  ich  dich  niena 
dar  inne,  dii  laterö  warheil,  und  dar  omb  so  volgte  ich  minem  eigen 
nülen  und  ffir  also  über  gebirg  und  über  gevild  unsinneclich  als 
ein  ross,  so  es  ist  unge/.&niet,  daz  mit  ungostumkeit  eins  Unheiles 
ii\  dem  strit  ilet,  und  was  min  ermü  sei  in  der  tieffen  vinstri  ver- 
ieret,  si!i  was  mit  dem  schmertzen  des  lodes  nnd  der  helle  dick  um- 
geben, mit  den  wutenden  giesscn  der  nngedankheit  jemerlich  besgffet 
ind  mit  den  stricken  des  ewigen  todes  umbhalbet.  In  allen  dingen 
jrzögtest  du  mir  [71']  manig  übellich  widerwertekeit;  aber  do  du 
iveltest  und  es  dir  geviel,  do  santtost  du  in  mich  din  lieht  und  diu 
ivärheit,  daz  mir  vor  zemal  was  uncrkant,  da  kertest  dich  und 
^kicktest  mich,  und  von  dem  abgründ  der  erde  widerlirachtest  du 
:nich.  Uar  nach  do  habtu  mich  wider  uff  erbarmhertzclich,  do  ich 
gefallen  was,  du  wisetost  mich,  do  ich  verieret  was,  do  ruftest  du 
mir  siisseclich  wider,  so  ich  dir  endrunnen  was,  und  erzogtest  ge- 
iverlich  in  allen  Sachen,  daz  da  gewarlich  bist  der  erbarmhertzig 
^ot  und  daz  billicb  ist,  daz  ich  mich  nn  aller  dtser  weit  eol  benemen 
and  von  gnind  mins  hertzen  mich  dir  sol  geben. 

Und  dar  umb,  adi,  ade  der  valschen  weit,  hüt  und  iemer  mel 
L'rlob  hab  die  valsche  weit,  die  minne,  verderben  inftss  die  gesell- 
»haft,  die  früntechaft,  die  ich  der  weit  bis  her  an  allen  dank  han 
geleistet,  wan  ich  mich  wil  zemal  dem  geben,  der  mich  hat  behatten 
and  als  mengen  und  solioh,  die  als  löse  waren,  bat  iertes  lan  ge- 
bogen und  in  den  blftmen  der  jugent  lan  erstorben,  und  mich  zä 
im  Bo  erbannhertzklich  hat  gezogen.  Da  von,  selc  min,  so  soltii 
lohen  nnd  gesegnen  beissen  von  dines  hertzen  grünt  dem,  der  din 
jugent  bat  ernerret  und  ernuwret  als  ein  adlers^  lob  in,  aegen  in 
and  erheb  in  ienier  me  eweclich,  und  vergiss  nit  des  manigvaltigen 
WeB,  daz  er  dir  hat  erzögt! 

izigeu  ,■         B  ä((1»  du  ist  riellticM  du  r»  h-ntii 
3  Kj^I.  Hohtl.  3.1.  6  von  allen  den  dingen  ewifeln,  i'ffl.  jmm  Ftr- 

I  Sdt«  301,r  f.  8f.    Vgl.  Jih  39,10 ff.  lOf.   Vgl  Fk.  17,i. 

■j*  ff.  Vgl  Pb.  43,3c  70,30.  19  lidnn  3i>2,l3f.:  do  ich  dir  endrinnen  wolt, 

t^tutteat  du  mich  so  sÖKeklich  geTangreu.  2a  Qr  Bfb  41l,5f.:  dar  umb 

adi,  ade,  got  gnade  dir  tiöl  und  iemer  me !    Vgl.  auc/t  410,17.  24  Vm-  minnc 

Ut  «Ullticht  an  Adjektiv  ausge/allt,,.  HO  t.    Vgl.  Pa.  lOiilfi. 


1 


550  Minnebüchleiii.    Kap.  m. 

Nunc  igitur,  dilecte  mi,  nu  dar,  gemintter  min,  ich  bitt 
dich,  zöge  mir,  bist  du  es,  die  obrest  [72']  selikeit,  die  min  sele  so 
begirlich  hat  gesüchet?  Aber  ich  weiss  für  war  an  zwifel,  daz  du 
es  bist:  du  naturlich  kunst  hat  dich  gen  mir  vermeldet,  du  götlich 
kunst  hat  dich  gen  mir  gnüg  erzögt,  und  dar  zfi  alle  creatar  heint  5 
mich  gewiset,  daz  du  es  bist !  Und  bist  du  der,  des  antlüt  alle  die 
weit  begert,  wie  vind  ich  <dich>  denn  so  gar  erbermclich  ligen  nnder 
dem  schamlichen  holtz  des  crutzes?  Ich  suchte  din  gotheit,  ich 
vinde  din  mentscheit;  ich  suchte  din  günlicheit  und  du  erzugest 
mir  din  erbeitsälikeit;  ich  begerte  süssekeit  und  vinde  bitterkeit.  10 
Waz  sol  ich  nu  sprechen?  Herre,  du  hast  mich  verwiset  und  bin 
verwiset.  ledoch  weis  ich  wol  an  zwifel,  daz  du  alle  dine  din^' 
ordenlich  hast  gewürket  in  rechter  wissheit,  und  du  enlät  nit  berüren 
daz,  bessrost  denn  du  mir  daz  mittel.  Er  enschowet  dich  nit  in 
diner  hohen  wirdikeit ,  der  dich  vermähet  hie  ligent  in  diner  ver-  IS 
worflFenheit.  Sid  ich  nü  funden  han  den,  den  min  sei  da  rainnel 
wie  möht  ich  mich  denn  vor  weinen  enthalten,  so  ich  dich  so  er- 
bermclich vor  den  ogen  mins  hertzen  sich  ligen?  Und  so  ich  dich 
so  mit  cleglicher  stimme  höre  weinen  und  clagen,  waz  ist  mir  ze 
tfine,  denne  dich,  lebender  brunne,  mit  wüffendem  hertzen  und  mit  so 
weinenden  ogen  under  die  arme  mins  hertzen  so  trutlich  umbschliessen 
und  zti  mir  trucken  und  süsseclich  mit  bitterlichem  hertzen  dar- 
küssen? Mir  sint  nüt  widerzem  die  bleichen  leftzen  dines  niundes 
noch  widerstendig  die  blutigen  arme  dins  libes,  me  si  liebent  dich 
mir  minnenclich  und  eignent  mich  dir  gentzlich;  won  so  ich  diehft 
vor  mir  ligen  <sich>  als  einen  toten  mentschen,  so  tun  ich  als 
ein  listiges  [72^]  tübeli,  daz  da  haltet  bi  dem  vollen  wäge,  und  ker 
uflf  min  rehtes  5g  ze  der  hohen  magenkraft  diner  gotheit,  und  also 
vind  ich  dich,  der  seiden  hört,  den  da  got  und  natur  vor  allen  dingen 
hat  geziert.  » 


7  dich  fehlt  z        19  cleglichen  z        20  denne]  und  z        26  sich  fthh  : 

2  f.  Ganz  ähnlich  Bdeiv  ^02,3  ff.  4  f.  du  naturlich  kunst  =  P?tüosnj'liit 

(B(bv  340,13:  Kl  Bfh  38bi,2);  du   gotlich    kunst  =  Theologie,  8 ff.  /»W<^ 

^04,:J8f.:   ich  such  alles  din  gotheit,  so  hütest  du  mir  din  menscheit;  ich  sich 
din  suzigkeit,   so  hebest  du  vtir  din  bitterkeit  13  f.  Sinn:  du  hitsi  ^cf 

(die  Gottheit,  Herrlichkeit,  Süssiykeit)  nicht  berühren,  bevor  du  mir  das  Hiftdtr- 
nis  trc[/schaffrst.    Vgl.  Bdew  205,1  ff.  16  Vgl.  Vita  173,6 f.;  Hohel.  3,4, 

18 f.  dich  =  Christus,  nicht  Maria,  icie  Preger  annimmt:   weinen  «.  tiigö' 
sind  transitiv  gebraucht  (vgl.  546,16 ff.  27  Vgl.  K.  v.  Megtnberg  lbO,i>ß- 

u.  Jlohcl.  5,12. 


Minnebüohleiu.    Kap.  ITl. 

0  sydera  erraticia,  o  ir  irregenileD  steine«,  icli  meine 
üeh,  unsteten  gedenke,  ich  heswer  üch  bi  den  geblümten  roseu  und 
den  gjlien  der  telre,  ich  mein  alle  geblümten  heiligen  mit  tii^renden, 
d»z  ir  mich  nngemüiget  lassen!  Scheident  von  mir  ein  wil,  l£nt 
mir  bi  im  werden  Joch  ein  einiges  stündelin,  länt  mich  dem  geminten 
besprechen,  Unt  mir  ein  gflt  bi  im  geaebehen!  0  alle  min  inren 
Rinne,  ir  s&llent  sin  war  nemen,  hertz  und  ogen  sond  ir  im  gelii^n, 
Iran  dirre  ist  min  geminttcr,  wiss  und  rot  ist  er  und  usserwelt  von 
■llen  mentsehen  diser  weit!  0  aller  süssester  Jhesu  Ghriste,  wie 
lelig  die  ögen  sint,  die  dich  lebenden  in  dem  libc  sahent  uud  dinü 
lUer  siisestcn  wort  horten!  Wan  du  bist  der  miiinenelich,  den  allein 
Ime  glich  disii  weit  bat  lür  bräht;  din  höpt  von  sincr  siiiwelen 
bätselikeit  gelichet  sich  des  himelB  genlatt  in  siner  hohen  Schönheit, 
Irol  wirilig  ist  es,  ilaz  es  sy  ein  hopt  der  weit,  und  des  höbtes 
[lider  sint  alle  die  usserwelten.  Die  t'alwen  Ificke  des  8ch6nen  böptes 
änt  gedrnngen  aam  die  wnnnenelich  beide,  die  wol  gezien  ist  mit 
Uäygenden  studen  und  mit  den  grünen  zwygen;  aber  ietuent  ist  es 
fon  den  wessen  [TS']  dornen  jemerlich  zerzert  allenthalb  und  ist 
vol   blfitiges   towes  und  der  nabttropfen.     Aeli  mir!   sine  ögen,   die 

SD  als  dar  wärent.  daz  sii  der  sunnen  glast  sam  des  adlere  sähent  an 
alle«  wenken  und  sam  der  clär  karfunkelslain  lachten,  eya,  die  sich 
ich  DU  erl5scben  und  nmbbekert  als  eins  andern  toten;  sin  bräwen, 
die  da  warent  sam  die  schwartzen  wölkeli,  die  da  swebent  ob  ili-m 
glast  der  sunncn  und  den  schon  beachetwent,  sin  uaae,  die  da  was 

HB  gemeit  sam  ein  ptiler  einer  schönen  mnr,  sin  rSseleehten  wangen, 
die  da  brunnen  als  die  rosen,  sint  nö  von  unfletikeit  entscbÖpfet 
und  erbleichet  and  gar  magerlich  gestellet.  0  min  geminter,  wie 
bist  du  dir  seihen  so  gar  ungelich  worden!  Wan  din  zarten  lefttxen, 
die  da  sint  gewesen  als  die  roten  röseli,  die  noch  nät  us  geschloffen 

•21  luargerlich  s 

1  irregendeii  stemen,  vgl.  Jud.  lä.  T    Vgl.  oben  ä4b,lt)/.  Anm. 

8  wiB  und  rot,  vgl.  Bohtl.  5,10;  Bdftc  199^.        Uf.  Vgl.  Ephei.  I,:'ä.  i.läf. 

15  ß.  Iiie  folgendm  Aimffihrungen  (vgl.  schon  uben  641^ f.)  haben  als  Grixnd- 

Itigc  —  neben  mehrfacher  Benüttmng  des  Hoheliedes  —  das  Schönhn'tsidtal  det 

MüUlallert,  bctondtn  der  hl>fi»chen  Kreüe.     Vgl.  darüber  A.  Schult»,  Quid  de 

perfecta   corporis   httmani  intlchriiudine  Germani  eatc.  XII  et   XIII  settsirinl, 

BBbil.-Schrifllbeii.Ders.,  Das  höfiselte  Leben  1,165  f.  19   Vgl.  Uohel.  S^. 

>  äOf.  Mtgenberg  Hi6,iiff.:  der  Adler  hat  so  scharfen  lilick,  dats  ti-  die  Sonne 

I       lÜB  waiitfi"   ansehen   kann,   und   anerkennt    nur  die   Jungen    ah   die   Seinen, 

I       infcA«  daxH   im   stände   sind.     Jihenfo    schon    Atirjuslinus,    irnct.  äii  in  ./oanu. 

I      "■  5  u.  .»B  Physiologas. 


552  Miimebüchlein.    Kap.  DI. 

siut,   din   muDt,   der  da  waz  ein   schul  aller  tugent   und  künsten, 
uss   dem   er  schankte  alle   kuDst  und  liste,  wan  er  ein  tabem  was 
der  süssekeit,  der  milch  und  des  honges  von  den  süssen,  lustlichen 
Worten,  die  dar  uss  ilussent,  die  da  trunken  machten  die  andechtigeii 
hertzen.  —  der  munt  ist  nu  gar  verdorret,  daz  du  kusch  zung  dem   5 
rächen   an   haftet  von   dörre:   din   wolstendes  kinne,    geschickt  als 
ein  gefuges  telli  zwüschent  den  bühelen,  ist  schamlich  entreinet,  und 
din  aller  süsseste  käl,  von  der  die  aller  süsseste  rede  us  schal,  daz 
alle  die,  die  sü  horten,  von  der  süssen  minne  sträl  geschossen  wurden. 
du  wart  mit  essich  und  mit  bittren  gallen  verbittert.     Ach  mir,  wel  lo 
wie  ist  verdorl)en  din  wunnencliches  antlüt,  zemal  l&tseliges  als  ein 
[73  ""1   paradis   aller   wunne,    an   dem   alle  ogen  süsseclich  geweidet 
wurdent!  Ich  sich  doch,  daz  du  nüt  hast  < Schönheit >  noch  gezierdel 
Din  lütscligen  hend,  sinwel  und  eben  und  schön,  als  ob  sü  getrevet 
sigint,  und  wol  geziert  mit  edelm  gesteine,  und  din  gebein,  sam  die  16 
marmelsülen,  die  gevestnet  sint  uff  guldin  stocke,  sint  craftlos  worden 
von  dem  unmessigen  spannen ,   daz  sü  hein  erlitten ;  din  zarter  lip. 
als  ein  ufferhöbtes  gefüges  bühelin  wol  gestellet,  daz  mit  den  lylien 
ist  wol  umbhalbet,  der  ist  nu  mit  bifit  begossen  und  als  tünne  von    I 
dem  engeschlicheu  spannen  worden,  daz  man  kuntlich  alles  singe- SD 
bein  m6hte  zelleu. 

Was  sol  ich  me  sagen,  min  gemintterV  Alle  din  glider  sonder- 
lich und  überal,  die  sam  ein  voller  huflF  der  gnaden  die  sinne  aller 
meutsehen  trunken  machten  und  von  begirden  zc  im  zugen,  die  sint 
nü  von  tötlicher  gestalt  dar  zö  worden,  daz  si  alle  sinne  der,  die» 
dich  minnent,  von  bitterm  leide  hertzclich  verwundent,  0  heissen 
trehcu,  nü  giessent  us  an  underläss  von  dem  grünt  mins  hertzen 
und  begiessent  alle  die  wunden  mins  geminten!  Wan  weles  herti 
mohte  sin  als  isenin  oder  als  steinin ,  daz  nüt  erweichen  mühte  so 
vil  angstlicher  wunden,  die  so  nüwlich  dir,  süsser,  behalt  sint  worden?  99 
Eya,  min  aller  süssester,  wer  git  mir,  daz  ich  für  dich  sterben 
müge?     Ich    heger,    daz   alle   min    kraft   mit  dir  ersterbe  und  alles 


i:3  sclionhoit  fehlt  z        17  daz  din  zarter  1.  z 

H    V<jL  Hohel.  5,16:    f/uttur  ilUus  SHavi.ssitnHui.  9    der   siiüseii   luinne 

Htral.  n/L  Gr  Bfh  43:t.:>  u.  die  Anm.  ehä,  13  Statt  Schönheit  ist  riiUekhi 

gestillt  Zf(  ergänzen :  vtjL  Is.  53^^:  non  est  spev.ies  ei  ncque  decor.  14f.  Hohcl.r.l^' 
maiius  iUius  tornatiles ,   fturan',  plcnae  hyacinthis,  16  f.  Ebd.  o,16:   rrura 

illi'is  cohimnat'  marunjreae,  f/iiaß  fundatae  xiint  super  hasts  aureas, 

18  f.    Vf/l  chd,  7,i\  20  f.    VifLPs.nM,  28  f.    Vgl  Bdcir  T^ll^ 

M   II  Ki"n.   lh,33.      Vfjl.  Kl  Bl'h  3:ü,!?:>J\ 


lUinuehüchlein.     Kap.  QI.  553 

^beia  mit  dir  eitödet  werd,  min  sei  mit  dir  riß  gebenket  werd. 

wie  g&r  seleelich  der  stirbet,  der  mit  dir  uff  den  plan  als  e\a 

«her  kempfer  in  den  strit  [74']  der  tugenden  triltet,  der  wvder 

i  leid  entwichet  nocb   von  liep  wenket,   wan  daz  er  vesteklich 

Itet  nnd  dtircbnillecliob  alle  lag  etirbet!     Wirt  der  Di'it  eÜEsclieh 

mmdet,  der  emselich  nach  dinen  vYimden  trabtet  und  von  der  be- 

htnug  wegen  von  aller  widerwprtckeit  wird  erlfisetV 

)    Gonsurge,   consnrge,    vvol  uff,  wol  ulf,  hertz  mins,   Btand 

lud  bekleid  dlcb  mit  gottes  eterki,  gebar  manlich.  bis  frum  und 

pi  dich  kecklieb,  fürcbt  dir  nüt,  gang  nit  me  wider  binder  dich! 

1  BOlt  niemer  me  geflieben,  hab  vor  dinen  ögen  dinen  kilnig  und 

Ben  leiter,  der  für  dieb  so  kreftenklicb   hat  gestritten,   der  so 

iicb  wnnden  so  gedulteklich  bat  erlitten,  und  der  den  tod  mit 

bittern  tod  hat  überwunden   und   der  dir  sin  zeawe  baut  bat 

;en  ze  hilf.     Und   dar  unib    solt   da    frölich   striten  gottes  strit 

Golyat,  ich  mein  den  bösen  vieut.     Läge,  hast  du  schirm  den 

Bterkensten,  die  tieden  wunden  sines  hertzen;  swer  zA  der  flüeht, 

wirt  bebalten.     Uis   ist   die  aller  sicbrest  statt  von  Engadi,  die 

ngesind   ist   vor   beschlossen,    und    altein  den  reinen  geisten 

lä  kunt  und  offen.    Hie  her  solt  da  in  aller  diner  widerwertekeit 

80  wirst  du  wider  alle  diu  vient  behalten. 

Sich  also,  geminter  minr,  die   wil  ich   leben,  so  wil  ich  din 

n  mit  bitterkeit  mius  hertzen  betrahten.    ich  wil  in  virren  ('(') 

wil  an  dir  allein,  du  zarteus  minnebüch,  studieren,  wan  icfa 

ür,   roUer   brunne    alles  des,  daz  begirliob  ist,  vind   guad   und 

alles,   daz   gebreatlich    ist.      Di'i    bebüteet   mich    doch  vor  be- 

in^  und  alle  widerwertekeit.  so  vind  ich  an  dir  den  aller  edlesten 

^3  bil'ler  ze  lebene    und  ze  komen  zfi  dir,   hosten  vollkomenheit, 

id   dar  umb,    was   euch  ich   me  von  dir  uff  dirre  erdeV     Min 

id    min    hertz  daz  müss  gewinnen  ein  abnemen  gen  aller  eer- 

iicbeit,   wan    du  bist  der   got  niins  hertzen  und  min  teil  in  zit 

ewikeit.      Geniintes   liep,   ich    vind   an  dir  alleine  alle  min 

le,  nnd  dar  nmb,  so  ich  din  minne  allein  ban  erworben,  so  ist 

idi  <hett>  alle  di«e  weit  besessen.    Uin  minne,  geminter  min, 


34  hm  fehlt  £ 

Bf.   Kl  Bfb  37'),24f.:    t.6  hfit  als  ein  framer  man  und  grfinr  kcohHch 
».Ä)^*J  nnii  war  dich  friidilichl    \'fl.  36S.I5J.  IS  Vgl.  I  K/..i.  24,1. 

=  dir  höatn  GcüUr.  23   VtrdtrbU  Sttll«:   *»  teheial    etfaf 

Ferren,  fem  sn-i  r  31 1  Fa.  7S^i. 


554  Minnebüchlein.    Kap.  III. 

Übertrift  in   mir  aller  frowen   minnenclichen  schin,   wan  alle  ge- 
bildeten geschaffenheit  ist  kum  ein  kleines  worzeicheu  und  unzallich 
fürwesend  von  diner  hohen  ungemessenheit  und  eigenlich  erzögende 
dich;  die  ersten  sache  und  einen  Ursprung  aller  genuhtsamkeit 

Eya,  nu  dar,  sele  inin,  ich  bitt  dich,  daz  du  dis  in  din  hert«  \ 
schribest  und  emsklich   dar  an   gedenkest,   daz   dich   der  betrogen 
glantz   keins   bildes  icbt  betriege   und   dekein  frömde  miuueriu  diu 
hertz  verkere,  und  daz  du  icht  trüwe  brechest  an  diner  aller  schönsteu 
gemahlen ,   der  ewigen  wisheit.     Neina,  sele  min,  du  ensolt  nüt  me 
hiuder   dich   sehen,   du   ensolt  nit   me   under   daz  swere  jocb  diser  i 
weit  dich  verwetten.     Gedenk,  daz  allenthalben  und  in  allen  dingen 
ist  arbeit   und  liden   des  geistes;   und   wan   du  doch  in  dirre  weit 
niht  mäht  an  liden  wesen,  so  schaff,  daz  dir  din  liden  nuttz  werde, 
daz  du  dar  inne  als  ein  frumer  gottesritter  [75']  werdest,  und  <tü> 
dem   also,    daz   du   umb   dise   kurtzen   arbeit   erwerbest   die  iemerll 
werenden  selikeit.     Amen. 

0  Jhesu,  min  aller  süssester,  min  aller  selegestu  wisheit,  eio 
wort  des  vatter,  ein  ende  und  ein  anevang  aller  dinge,  sich  ao  luit 
dinen   milten  ogen,   daz  ich  armer  mentsch  bin  ein  ungenemes  ge- 
stäppe   und  ein  krankes  fleisch ,  und  daz  des  menschen  heil  oit  lit  i^ 
an  sinem  verwalten,   es  lit   an  dinem  milten  begnaden.     Ach  herr. 
gedenk  an  den  bittren  tod,  den  du  für  mich  unwirdigen  s&nder  hast 
gelitten,  und  behalt  minen  guten  willen,  den  du  in  mir  bist  an  ge- 
vangen.     0  min  erbarmhertzikelt,  nu  enläss  mich  nüt,  o  min  scbinn, 
scheide  dich  nüt  von  mir,  o  min  erlöser,  bis  mir  behulffen,  gib  mir» 
der  weit  ein  sterben  und  mit  dir  in  dinem  grab  vor  den  vientliehen 
lägen  ein   sicher  vergraben,  daz  mich  von  dir    weder  tot  noch 
leben  noch  keines  gelückes  gelesse  niemer  mug  gescheiden.    Unserä 
minn   müss  von   ir  kraft  den   tod  überwinden,  und  dis  minnebant. 
ach  gemintter  min,   müsse   iemer  me  von  ewen  ze  ewen  zwÜ8cheD30 
uns  beiden  also  State  beliben.     Amen. 

11  tÖ  fehlt  z 

2  f.  unzallich  ( Adv,)  fürwesend  etc.  =  unsäglich  vergehend,  zu  nichte  icerdend. 
vor  uregtn)  deiner  hohen   Ungemessenheit.  11  verwetten  =  verpfändtn. 

11  f.  Fred.  1,14:    ecce  universa  vanitas  et  afßictio  s^piriius.  12  f.  1//^ 

Kl  Bfb  :i62,13Jf\  17  —  31  Lectio  II  im  Cuntus.  19  ff.  Cursus:  quiapaki'' 

sum  et  caro,  et  quia  non  ftum  volentis  neque  currentis  sed  tut  miserentis  (Röin.9Jf>}' 

27  f.  Cursus:  ut  me  a  ie  nee  vita  nee  mors  nee  ulla  fortunae  sors  septt»'*' 
(vgl.  h'öin.  ti.Sö.oS).  28  f.  lloheh  8,6:  fortis  est  ut  mors  dilectio. 


Berichtigungen  und  Nachträg-e. 


Ä  W*.      tßitr  dir.  Gotharr  Ha.  vgl.   Uktrt,  Beilrage  2,  11^. 

S.  1B:     Eine  Dlmälstr  lU.  dr»  Bdae  i«t  Germania  SO,  256  zitiert. 

S.  31'  Z.  23  B.  0.  Vit  19  BHtff  ttaU  IK  —  Htrr  ^ofMsor  Fh.  Strauch 
Salle,  äsutti  Gut»  ich  die  nurangrhimtlrH  irie  auefi  einige  der  J'olgtnden  XotUen 
itmir.  hat  mich  mit  graroknirr  Lithensofärdigkeit  auf  die  Ua.  der  Harn- 
'gtr  Stadtbibifotheh  Cod.  Iheul.  1S8S  4'  aufmerkaam  i/emaeM,  wttehe  in 
\rift  det  17.  Jh.  tfrtckiedene  Myatika,  u.  a.  auch  18  (lüfl  Staat- Bri*/e, 
fndigl  Lsctutun  und  das  Tratament  drr  Minne  enlhäU.  Ich  kontde  die  Ua. 
It  mehr  tintehen,  twmßt  ubrr  nicht  daran,  daan  wir  in  den  genannten  Stücken 
pUm  nur  Kopien  aue  Cod.  Berol.  germ.  oci.  ÖS»  f«.  S.  31'f.J,  tcoM  von 
linnanna  Hand,  vor  uii»  habtn.  Die  Reihenfolge  der  Brief t  stimmt  genau 
t^tr  TaheU'  auf  8.  311'  und  eine  RamBirmrrliuitg  tu  Brief  IV  eetieeist  auf 
fßudermattnsche  Ausgabe  ton   11132. 

I  8.28'.  Predigt  II  findet  airh  unlir  Tauleriaehtn  auch  in  Hilde  sk  lim, 
Win»che  Bibliothek  Nr.  ?24<'  Bl.  73: 

l  S^  126'  und  161*.  In  einer  demnächst  im  Afda  eracheinatden  Besprtehung 
lYntter*  Edition  de»  T6s*tr  Sehwealemtiucha  nimmt  Prof,  Strauch  an, 
■  Elsbeth  Stagel  die  Viten  vor  1336  verfaitt  hat,  und  tut  dar,  dasa  da* 
m  der  Elsheth  cun  Ungarn  nicht  von  ihr  stammt.  Zu  dem  Auadraek 
LnhtfA'  vgl  auch  Ch.  Schmidt,  Hist.  Wörttrb.  {a..S.4lil)  115:  Grimm 
l  IV,  1,1056. 

f  S.  166'  Aam.  4  lies  1892  statt  1902.  —  S,  166'  Anm.  3  Ifirl-Duhr 
f  Diel.  —   Vüa  2fi,29  zu  statt  xa.  —  97,31  ledoch  itiitt  Jedoch.  —   139^ 

iatalt  dieMr.  —  -V.  S'M  untersis  Zrilt  des  Kommtniara  lies  dritte  statt 
l  —  fldf»  309  Z.  5  F.  u.  mobilia  alatt  mobilai.  —  31(1,1  -iieher  imentch- 
•}  aUM  -icher.  —  Gr  Bfb  436,14  stritCD  slalt  sdeiteri  —  S.  437  Z.  3  v.  u. 
|pA  34,236  atatt  iJ. 

'  Vita  32,23Jf.  Pndigten  Gtiiers  Aber  dm  Baum  des  hi.  Krruies,  v>m 
'ftontaunntoff  bia  Oalem  3495  gehalten,  befind»»  sich  in  Mi'nem  i'rtdigtvtrk 
^'4fn  Tod,  gedruckt  Sirastburg  16IJ4.  Vgl.  A.  Hoch,  Oeäers  Ars  moriendi 
r.  Thtol.  Studien  IV. 3)  19a],  ff. 

%  »3,7;    Kl  Bfb  363,8;    Gr  Bfb  430.19.      Vgl.  einen  ähnlichen  Ä'a(- 
vga  ed.Dtnifie  7,17.  4S,36.    Grumllaye  i*(  wohl  Aristoteles,  hihic.  A'icom. 
ibl7. 


556  licrichtiorungen  uud  Nachträge. 

Vita  99, n.      Vgl.  II  Kor,  1^,^. 

Vita  131,26.  Über  die  Benediktion  Nos  cum  prole  pia  etc.  vgl.  A,  NägeU 
im  Katholik  1903  1,341  ff,,  der  ihr  Aufkommen  im  14.  Jh.  nachweist. 

Vita  173,11  Anm.  lies  David  von  Augsburg,  De  compos.  111,64  statt  67. 

Bdew  2()iiyl8f.  Eine  ähnliche  Stelle  bei  Bern.,  De  dil.  Deo  7  «.  J^. 
vgl.  Kies  a.  a.  0.  180  A.  1. 

Bdtv  355,5.  Der  Gedanke  des  20.  und  21.  Satzes  EckJiaris  ßndet  sich 
in  finnai  deutschen  Schriften  bei  rfeiffei'  70,12  f.  16;  137,16.21;  147,38 ff.  u.c: 
Jostes  11,19 ff.    Vgl.  dazu  Pahncke  a.  a.  O.  (s.  oben  S.  151*  Anm.  4)  54. 

M  innere  gel  488,30.  Statt  Philippe  ist  vielleicht  Philippe  zu  lesen  mi 
in  die  Anrede  einzubeziehen. 

Minner.  492,3.  Über  die  Symbolik  der  Turteltaube  vgl.  Strauchs  AnvK 
zu  Knikels  Weltchrofiik  (Mon.  Germ.  Deutsche  Chroniken  IV  1900)   Versieh. 

Minner.  494,21  drüglich  ist  wohl  eher  als  Adv.  zu  fassen  =  liruclich 
fest  (^^ermutung  Strauchs). 

I.  Predigt  501,10  f.  Richtiger  wöre  zu  zitieren  Bern,  sermo  3  in  Cant. 
n.  4:  paulatim  proficere  volo.  Quantum  displicet  Deo  impudentia  peecntm^, 
tantum  poenitentis  verecundia  placet. 

III.  Predigt  5 J 5,23 ff.  Vgl.  Bern.,  sermo  76  in  Cant.  n.  9:  paixuUi 
tantjuam  agniculis  adhartationis  lac  poiius  dafür,  non  esca.  Ad  haee  bmi 
sollicitique  pastores  impinguare  pecus  non  cessani  bonis  laetisque  e^tempUs  ft 
suis  magis  quam  alienis.  —  Für  Nachweis  dieses  und  des  vorigen  Zitats  hin  ich 
Herrn  Dr.  Ries  in  St.  Peter  bei  Freiburg  zu  Dank  verpflichtet. 

Kollation')  zur  IM.  Predigt  ,Exivi  a  patre'  S.  518—28  nach  Cod. 
Vindob.  2739  Bl.  79^»— 87-»>  (vgl.  oben  S.  28*  f.). 

l'berschrift  (rot):  dit  ist  brftder  Johannes  de«  taulers  predigate  o"» 
Rande:    des  vunfften  sondages   na  paischen  518,8  liebL]   aller  minklichste 

«prichet  9  und  bin  9  f.  wider  u.  —  vatt«r]  und  wil  wider  gan  eO  mynein 
vader        10  Und  —  14  seyn  fehlt        16  man  in  der  zit  h.  m.  18  selb]  tat 

19  dar  kumen 

519,1  über]  ane  in  der  weit  fehlt  2  noch  lust  fehlt         und]  b« 

6  noch]  na  7  1.  on  allen  zwifel  nach  Christo  9  sicherlich  fehlt  wic/eW 
11  dieser]  der  ersteit  und  wirt  15  aber/<?ÄZ/  16  diser]  der  17  beert] 
vihe  nun  fMi  Christo]  yme  20  hier  fehlt  22  vil  schone  23  nit  ^il 
wol  24  bald]  z&  haut  24  Die  siut  alse  der  mertz  recht  alse  . .  25  ud^ 
—   26  grammat.  fehlt  26   Die   andere]    aber   etlichen  27   meister,  BMJf 

etliche  werdent  kome  gelerit  krank  latin  und  hose  grammatika.  Also  . .  lieb«] 
luincliche  28  herzlichen  wol  also  gar  stede  vlizich  29  usr]  vau  oz 
ge\v('rd(*n 

520,1    [iU)er]  irr.  d.  über  komen  Er  —  2  ausz  lagen]  iz  sint  IX  »liu^ 

über  die  der  mensche  van  not  komen  möz,  der  wir  ocker  vier  uz  leijen,  «Ü^ 
minstc.n  und  die   nydcrstcn         2   Er]    so   wer  her  zö  komen  wil  der       3  üd<1 

')  Jlerr  Adolf  Sp'imer  in  Üicsnen,  dvr  die  THcM^r  Jla.  eben  dorthiM  tHÜithen  hatti,  W  ** 
//'V/iy,  die  Kolliiti'>nicrnn;t  für  mich  zu  hesorf^en.  Die  rein  dialektischen  oder  »achUch  bfdeifiunjil^^ 
AhircichuHnen  niwf  iccpgeltfinen. 


^htip[llgerl  und  Nuciitriigc. 

ilkhe  ilink  müsta  iiher  komeii        4  kommen  lllier] 
f>  ufttjirl.  kreffton]  ^'«istliche  dink  zÜ  duine  dritten 

6  daz  Werte  alle  b, .  .        7  Zma  —  über]  nÖ  n«nien 
(  willig  in  t«dts.  feMl  9  aooder]  ober  die 

ir      'aS  fehlt       10  die  alee  von       künden]  horeat        11  oder  —  das) 
lesen  oder  van  sagen  iz  iat  12  ist  fehU  13  uud  unsEbr.  fihlt 

14  solt  da]  von  Dot  ealtii  19  dirb  dan  bilden  in  dich  gelver  in 
fthtt  iJOf.  tui  domine  fihlt  21  du  haiz  din  liebt  ^ezeichent 
Itcht  dines  aatlitzie  über  uns  22  alite  etlicbe  gat]  id»e  25  sencken] 
I  26  f,  lyts  —  verloren]  verbrenre  Jze]  zit  bit  den  ainnen  26  dan  dÄn  si 
spricht:  got  ist  ejn  geist  und  die  in  ane  sollent  bedeu  die  v«n  anebeder  die 
it  beden  83  «elen  und  meinunge  ejn  iureliche  eja  treselich 
6S1,1  tegenw.)  in  gegenwortich«it  beten  6  doch/rA/I  7  «tlirckb.] 
6  tredtj  ge  9  Der  liebe  aente  Bemhart  dea]  iz  9  f.  aeynen 
'k.  fthtt  10  aurb]  nnd  12  aelver  und  oucb  ander  lüde  und  lais  16  vil 
iuwend,  üb.]  inwendiebeit  IS  wek  nz  19  zS  [z3] 
^  erkrit'en  dan]  minder  21  entr.]  aber  m  deme  ersten  23  nber- 
\  wsn  er  uocb]  alse  he        25  so  vil 

gerumpels]  gnibelins  fl  du  eyn  m  acbone  4  bilt  —  geaohelt] 
Jinne,  der  die  spene  äUeine  abe  acbclte  und  abe  hibe  5  Sprach  durch  eynen 
leten  T  tuterlicben  got  bloz  in  jme  ö  Über  fthli  !l  ober  k6men 
tdse  die  liridenen  arietotelei;  und  boccius  [uud  Ptat«]  18  mit  gr.  fleysz] 
jrozen  vliz  haben  und  17  innii^l.  wol]  vil  uiinciiuh  wek  was)  weich 

1         des  Bt'g,]  evnis  iDgesigelz         19  Aber  komit  iz  in  ejnen  Hten  dar  in 
!t  ic  bit  gr.  a.         21  onch  mit  fthtt         22  über  kSmcn  25  ander  frMt 

dt  eyg.  fehit 

623.1  uud  —  uacht]  der  lüde  vindel  man  die  lebent  alles  wunRches  Ton 
;en  biz  z8  naclit  2  dia  and  fthU  2 1  gebe  —  ofTeob.]  ao  vil  genaden 
i  uud  so  vil  oftenbarungeii  geben  ö  in  alleyn]  aiu  9  eyn  altxfi  w.  d. 
W  uinb]  wie  14  und  npracb]  biz  an  17  meine]  inwene  19  in  eyn 
li]  gestochen  dar  in  he  nie  in  quam  iz  19  f.  Also  —  leyden  und]  Aluo 
IB  niet  lidens  waz  were  dan  verdynens?  In  alle  diuen  2fi  mautel]  »cha- 
f  29  Nfin  —  beg,]  nä  in  sbI  mau  begeren  Nit  —  beg,]  ja  waz  saltu 
dn?    Niet  anders  dann  . .        30  ab  lege 

524,3  ober  kfimen         4  in  meinen  ich         aterbl,  fthli  5  oder  in  in 

mt        7  diuen]  diaeme        8  nit]  node       seyn  fehlt       10  im  fthlt       erk.] 
IB  sehen  sie]  aint  iz         22  Ob  —  23  eyns)  ist  das  X  jor  gfit  und  der 
i  des  T.  1.  mak  sicli  eynis 

825.2  die  lerer  ~  kirchen]  der  heiligen  lere  3  das  —  vertraeht]  doz 
t  der  über  eyn  dret  4  so  tred  —  neder]  nnd  dret  iz  da  myde  ungelicbeit 
' —  nit]  si,  in  volge  ime  niet  dir  und  inacht  es  niet  6  Dise  dink  soltu 
fn  der  wiseu  ober  kämen  9  nach  dem  —  Clirlali]  aber  das  alre  mink- 
B  Exemplar  12  boger  volk.]  vollenkomen  13  zuchtich]  gexogen  14  und 
•—  das  er]  in  nlre  gelazcnbelt  be  15  ifl  dir  in  fikli  16  gelicbster] 
iter  17  mit  lür]  dar  intgein  10  steden]  dingen  21  der  bilde  uns 
I  [nnd)  22  f,  ijherd.  —  l.'hristi  f^hlt  23  also  schribet  der  minekliche 
B.    S6  gfite  fthil         27  unsz  ben-en  ft!i!i         drucken]  bilden         28  in 

B  in  bittnen 


I 

i 


558  Berichtiguugeu  und  Nacbträge. 

52(),3  Dyn]  eyn  8  gel.  mochten]  geleuben  und  leben  12  leute  f^Mi 
17  oder]  alse  19  und  haben  —  20  mitl.]  und  dar  zö  eine  alse  naturliche  barm- 
herzicheit  haben  und   eyne  mydclidunge  23  dan]  sunder  übemat.  - 

^4  liebl.  fehlt        26  dar  ist]  daz        28  das  ist]  alse  wie  iz  daz        der]  eyn 

527,3  lieb  h.]  minen  der  minen  so  mineklich  4  man]  he  5  lieb  b., 
miunon  6  zu  fehlt  7  Aber]  mer  nit  inweinit  9  dann]  aber  10  ^antz 
fehlt        werde]  inbilde        12  Sollen]  wie  sulden        14  dan]  aber        15  soj  wie 

16  so  —  17  euch]  so  in  moget  ir  niet  den  heiligen  geist  intfan  17  Ist  —  18  ist) 
daz  bilde  ist  recht  abe  gesprochen,  hie  versteit  daz  bilde  ist  18  im]  in 
21  gegenwortklich  22  liebten]  minne  25  [mit]  alle  unse  minne  und  meiunuge 
und  sinne  z&male 

528,1  seine]  des  antlitziz  5  liebe]  minne  8  in  deme  himel  9  und 
allen  sinnen  10  stellen]  dar  na  stan  und  giencnd)  12  nit  und]  niet  und 
inlebet  he  niet  also  14  minre  15  minner  oder]  und  geliebt  und] 
gemeinet  und  so  he  iz  min  und  me  hat      gantzem]  alme      16  f.  uff  daz  a.  h.]  ho 

17  gdts]  groz  18  f.  die  weil]  obe  19  iz  ouch  in  20  orteilen  23  Ar- 
beiten] krigen  mit  alre  ktaft  26  der  vatter  —  26  geist  fehlt  26  amen. 
bidet  vor  den  schriber. 


Glossar  ^\ 


Abbruch  tun,  verkürzenSOQfi, 
[4:8,3;  subsL  Inf.  46,12. 426,19. 

188,12. 
er  79,35. 

ihend  werden  47,12. 
atiÜHse  347,1. 

mit  Bat,  abgehen^  verlassen 
133,29.  236,24.  505,18. 
len  Part,  getrennt,  abgeschei- 
n  dem  Irdischen)  4,24.  15,6. 
85,31.    190,17.  194,24.  218,6. 
245,9.  296,27.  360,6.  406,2. 
lenheit  59,29.  183,11.  192,18. 
388,14.469,18;  abgescheiden- 
^19.  288,12. 
echen  474,20. 

t,  abgezalt  Pari,  verurteilt 
31,14.  437,12. 

),  abgnind  Abgrund  (des  göii- 
Vesens  iisic.)  52*.  21,28.  26,18. 
27,20.   181,16.   189,2.  191,26. 

206,5.  218,15.  16.  214,4. 
245,11.  262,28.  288,6.  290,13. 
16.  296,9.  304,28.  805,4.  819,9. 

377,9.  432,25.  433,15.  22. 
476,4.  544,3. 

jit   23,7.    184,6;    abgmntlich- 
grundl.  88,15.  188,21. 
)0,11. 


ab(e)ker   Abkehrung   von   Sünde   und 

Welt  8,18.  29,3.  62,3.  89,26.  504,24. 
ab    kommen,    —    kummen   mit   Genet. 

loswerden  58,23.  362,15.  507,23. 
ablasB,  apla8(s)  Ablassen,  NacJUass  (der 

Zucht)    382,4.    463,13;    Absolution 

100,14.  101,3;  indulgentia  625,22. 
ablegen  subst.  Inf.  256,22. 321,19. 478,6. 
ablistig  verschlagen  119,2;   ablistekeit 

160*1. 
ab  losen  ablösen  (vom  Kreuze)  275,10; 

MoBung  Ablösung,  Pietä  143,1.275,2. 
Abraham  387,24.  468,28. 
ab  rinnen  319,1. 
ab  risen  abfallen  281,11. 
Absalon  273,16.  378,21.  444,5. 
ab  schriben  325,19. 
ab  schuem  P.  abscheuem  528,14. 
ab  sprechen  leugnen  354,6.  356,16. 
abe  tön,  sich  entsagen  431,13. 
abyal  Abfall,  Loslösung  vom  Irdischen 

159,25.  380,3;  ab  Valien  162,20. 164,13. 

168,20.  182,10.  296.6.  453,10. 
ab   walen    niederfliessen    26,16.    84,9. 

143,80. 
abwank  Anwendung  (von  Gott)  456,15. 
ab  weg  371,23.  460,20. 
ab  weschen  185,2. 
ab  würken  vom  Irdiscfien  trennen  106,27 ; 

subst.  Inf.  858,10;   sich   al)  wircken 

494,18;  in  abwürkender  wise  339,27''. 


Fettdruck  einer  Zahl  bedeutet,  dass  zu  der  betrefifenden  Stelle  im 
ir  eine  Erklärung  gegeben  ist;  P  zeigt  Wörter  an,  welche  aus  den  in 
zw.  niederdeutschem  Dialekt  geschriebenen  Predigten  11 — IV  stammen. 


I 


560 


(Glossar. 


abziehen    subsf.    Inf.    Abziehen    (der 

Kleider)  36,15.  416,11. 
abzug  Ekstase  10,10.  190,11.  193,16. 
Aclie  Aachen  158,11  (Aachenfahrt), 
acht,  in  siner  achte  i'/t  «eiwer  ylW  313,23. 
achtsamecheit  P.  536,27;   achtunge  P. 

612,18. 
Adam  168,1.  601,4. 
adamas,  —  z,  —  st    Magnet    274,23. 

387,28.  469,4. 
adel    26,19.    90,20.    137,27.    28.    166,6. 

158,28.  160,21.  162,27.  174,21.  192,6. 

7.  304,18.  309,26.  327,20.  336,3.  408,3. 
adel(l)ich  69,28.  130,21.  172,10.  194,11. 

27.    272,14.    294,12.    301,23.    339,18. 

356,13.  14.   391,12;   adellichen  Adv, 

262,20.  274,17.  357,10. 
ador,  ad  er  Ader,  das  Innere  40,26.  44,8. 

61,1.  69,14.  92,18.  110,6.  127,16.  27. 

270,33.  346,17.  544,7. 
adi,  ade  361,13.  411,6.  6.  649,23. 
adler,  adelar,  adeler  166,3.  180,6.  J81,2. 

472,26.  473,3.  15.  649,31.  551,20. 
äffe  49*;   affenheyt  P.  ToHieit  624,19. 
Agathon  Altvater  106,15. 
agestein  Magnet  stein  ^21^1. 
Airues,  Angues(e),  sant  10,12.  71,14.  30. 

227,16.  26.  428,9.  439,1. 
ahzen  ächzen  91,2. 

äl     •      •       Sm        61     •      • 

al  Aal  9,16. 

al,  daz  164,6.  170,8;   al   in    al   169,22. 

171,12.  175,5;  2i\]ic\i  allgemein  169,4. 

177,1.     388,3;     allich(k)eit     163,28, 

243,19.  440,18. 
Albrecht,  der  grosse  meifiter  366,13. 
alleluja  legen  30,19. 
allermen(gedich  384,11.   466,13,  507,9. 
alnic(c)htikeit  180,3.  292,4. 
almui^end  i:i5,3.  185,7. 
almöjsen  283,6.  11.  612,17. 
alrerst  eMn  erst  349,33. 
altar,  alter  22,4.   47,6.  9.  50,26.  143,2. 

386,28. 
alten  altem  212,3.  406,8.  430,26. 
altvat(t)er,  die  altvcter,  —  alten  veter 

Anachoreten  der  Wüste  W,\2.  16.  21. 

24.  28.  104,1.    105,32.  106,19.  107,1. 


3.  13:  21.  362,2,  412,3;  der  altveter 
bfich  17,2.  104,7.  28. 

alwegent  über  all,  immer  336,16.  :350;^'; 
alwent  366,5.  392,6.  437,13. 

amaht  Ohnmacht  87,20.  143,6.  386,-24. 

ampt  Plur.  empter  Klosteratnt,  Auf- 
gabe   381,5.    11.    14.    383,2.  431.10. 

462.16.  464,13;  ambaht  487,4. 
anbei8(8)    Ameise    888,8.    469,12;   an- 

beshafen  39,22. 
an  bissen  anbeissen  449,16. 
an(c)blik,  -  g  216,24.  224,20.  d^2;^. 

416,11.  433,4.  441,11.479,17.493,17. 
aii(e)bliken476,22. 479,22. 480,15.493,*2. 

494,9;  na  angeblikter  wise  163,1. 
andaht   Mose.   27,23.   97,5.  7.  lOO.lH. 

102,6.  103,15.   109,29.   110,3.  111.1^. 

116,14.  131,6.  134,36  tisic. 
andehtig    198,7.    216,1,    218,5.  364,19. 

423,21.  438,16.  476,3;  andehtfe^klich 

163,26.  194,3.  314,16.  391,16.  476,1. 
anderheit(e)  Anderheit,  Gegefisati  im 

eigenen  Ich  157,23.  177.3.  26.  181,1. 

329,19.330,1.27.  334,3. 344,28.352^8. 

487.17.  489,18. 

anden\'erb  wiederum,  zum  zweiten  Ma^ 

348,22. 
andrent  auf  der  anderen  Seite  125,8. 
and(e)re8t  zweimal,   zum  zweiten  Md 

35,28.  41,21.  436,5. 
an  gaffen  s,  an  kapfen. 
angebom  387,8.  468,12. 
an  gehaften  391,2. 
angel  Angel  284,9.  377,4.  449,17.  454,4. 
an  gelegen  412,1. 
an  genemen,   sich   mit  Genet.  »ich  d" 

geben  47*. 
angeng(e)    der    weit    Anfang  der  ir. 

246,11.  387,26.  469,3. 
anger    33,15.    172,16.    271,19.   374,2:^ 

447,1.  452,9.  638,11. 
angesiht  Aussehen  210,24. 276,17. 339,2i' 
Angnes  s.  Agnes. 
angrif(f)en  234,2.  368,19.  372,18.  442.10 

461,20.  473,20. 
angst  219,22;  ängstlich  23,28.  116,26. 

126,28.   562,30;  engeschlich  552,20: 

angschlichi  39,22. 


uAtihaßni  288,14.  477,18.  20; 

ig  ie6,-2S. 

1  19i(,2.  476,9,  477,12.  17. 

Buehieiiittis ,    Anhünglichkeit 

Itu    Irdische)     m,lS.     309|2i. 

,  468,6. 

B  427,lfi;  an  gaffen  439,12. 

B  309,29. 

0  über  einen  kotnmtn  66,18. 
.  614,13. 

i  86,11.  1S1,29.  546,20. 
Hüieh  260,26. 

1  i>erUuindm  126,15. 
ha/  182,6, 

Dt  $7,15. 

fl*^rtuHdiH  44,14.  &i,U.  102,2. 

er  sa9,27.  29.  644,1.  24 ;  Ifirst 
,18. 

tnttM.  Inf.  86.16.  416,12, 
D,  sich  F.  515,8;    ungenouieu 
290,29.    883,15;    aniiemunge 

D  82,30. 

ftbtt.  Inf.  149,21. 

-  scbowen  nuhat.  Inf.  36,15. 

anschowiiDgc  193,11. 
Bii  197,10. 

unjin-sönl.    463?    Bich    Ann. 

ansehen    suhsi.    Inf.    n;2\. 
.8. 818,28.  382,28.  335,20. 

47S,8. 

nteknlieh  266,0. 376,4.  447,14. 

(iurcA   SeMagttt    brfutiiitn 


Altüaler  105,1.  30.  106,28. 
Q  bttrtffm  470,11. 
a-  meBBch    3,4.    8,20.    17,14. 
118,20.   162,29.    166,2,    194,6, ' 
^   360,10,    366,7.  459,16. 

anTalieiiiles  l^bcn  3,3. 

97,10.  162,16.  251,19,  460,9. 

496,27.  603,27. 

n  371,6.  16.  458,18.  460,13. 

I*Bbi,  DntHba  SohrltUB. 


SM-.  5Ü1 

auvelitun»r6l,7.  28.  62,6.  11.  2.'H.  106,24. 

116,27.  132,16-  315,32.  498,11.  546,28. 
an  zenncn  anJIeUchfn  252,7. 
anaügig  vttfahien»ch  S66,I9. 
aplass  «.  ublaes. 
Apolioniu»  Altvatrr  100,13. 
apiiatel  490,2. 
aiiutek,    nppoleck(e)    266,23.    313,26. 

427,16.  431,6.  487,2. 
aquilo  NordKind  451,]&.  452,3. 
arbeit,    erbeit,   erbet    Arbeil,    Miihsot 

39,18.    81.27-    82,12.    120,6.    149,6. 

131,6.    164,4.   217,18.   219,22.   234,1. 

247,8.    326,20    atv.:;    sich    iirbeit,pn 

«.  abmühen  325,26. 
arbeiteelig,  crbetselig  mühs'l'g,  leidemi 

7fi.  62,21.  90,16.  91,8.  485,10;  arbeil- 

sellklicli,  erbetaelklicb  48.18.  426,22. 
ärbeiUeUheit,  erlieUelik.  82,18.  84,12. 

264,8.  370,29.  660,10. 
argwoD  484,9;  arknas  229,26. 
AriBtotiles  171,12.  428,1.  510,12,  622.11. 

Vffl.  177,15  ff. 
u-ke  Arche  298,18. 
annat  46,7.  160,7.  218,6.  246,2.  428,16. 

438,22.  475,4.  489,16. 
Ar8eDiQB,SBnt38,9.1U4,4. 105,32. 106,17. 
arxet,  arsat,  -d  142,29.  3U1,18.  503,19. 

21.  506,18;  arznen  heilen  51,21.  52,3. 
äecbe.  eecbe  221,20.  457,20.  548.23. 
as  nier=als  mer  82,13.  118,11. 
a«a  Aax  377,3,  449,17.  462,1'J. 
ABeumptio  tiimmtlfahrt  Maria  112,6. 
Aaweras,  kftng  266,18. 
äten  285,5;  et«mlin  300,16. 
AthanasiuB.   der  heilig  3673>>  440,24. 

490,4. 
athoiuo,  iu  3Si,lh. 
AugosIinuB,  saut  180,10.  183.22.  l;*5,ll. 

;i50,26.  501,1.  510,12.  fil5«4. 
nuüter  Sdäicind  451,11.  452,6. 
Ave  Maria  262,26.  314,19.  318,23.  .190,4. 

505,1. 
Ave  praeclara  maria  Stella  374,3. 
aveutAre  rtlltrtiv/tts  Abenteuer,  manäer- 

barts  KreiiinU  48,26:  oTeiitürer  der 

auf    ril Irrliche     Wagnistt     atusiehl 

149,11. 


562 


(ilossar. 


•  P. 

bad  46,2. 

balme,   palme    Palmzirrig   (als  Sieges- 

Zeichen)  252,24.  371,6. 
biilHam  ia,29.  252,1:{.  297,21.  479,1. 
baltheit  Kühnheit   92  8.  221,13.  263,2. 
band  der  iniüne(n)  487,7.  537,15. 
baim  liann  42,15. 

pantier  Panther  12,6.  427,19.  452,50. 
Paphnncius  Altrater  106,30. 
pjipyr  822,21. 
paradis,    -dys     222,8.    240,18.    248,16. 

251,25.    259,26.    263,16.    265,19.    23. 

266,23.    317,27.    35.    369,21.    432,19. 

457.18.  492,25.  501,4.  511,15.  537,5. 
:>42,8.  552,12;  paradisophel  303,3. 

bare,  bärü,  berü  notdurft   blosse,  reine 

X.  261,21.  364,9.  423,1. 
hare  Sahst.  Bahre  88,8;  baren  auf  die 

Bahre  legen  456,14. 
bare,  ber  Bär  40,22.  427,13. 
Barrabas  541,1. 
Bartholomaeus,  maister  vim  Bolsenheim 

5,18. 

passion  Masv,  Leidensgeschichte  Christi 

143,9. 

Pastor  Allvater  105,5.  25. 

Pater  noster  155,5.  314,18.  395,4.  486,8. 

505,1. 
Paulus,  sant  85,18.  106,24.  160,28.  30. 

172,4.    182,11.    31.     186,20.    193,16. 

25t,12.  335,27.  357,21.  367,25.  381,12. 

388.19.  392,21.  440,22.  441,15.  457,2. 
462,8.  477,20.  478,23.  479,6.  480,20. 
490,2.  518,10.  519,9. 19.  528,7.  5.33,7. 

becher  113,16. 

bedo(c)kon  484,20;  sahst.  Inf.  165,17; 
bedaht  Part.  186,16.  125,19;  be- 
dekun<2:e  164,5. 

bedehtikeit  .500,21. 

bederptlicli,  bedorb(f)klich  Adr.  ordent- 
lich, kräftig  122,34.    371,27.    460.24. 

bedli  l:i4;;4. 

becst  P.    Vieh  519,17. 

])Oirabet  l'art,  ausgestattet  5,16.  367,14. 

bo«ran  ins  Werk  setzen  280.27;  sich  b. 
.V.   ahg(hi'7t   ;i(M3. 

bet,^crlich(i  kraft  P.  522,2Ji. 


begerun^e)  170,5.  181,7,  196,10.  20(.KK 

314,9.  24. 
begrirde   209,10.   219,18.   237,10.  41b,.;. 

432,17.  433,16.  445,22.  447,33. 45.5,l;i 

468,28.  470,12.  471,14.  487,28.41^,12. 
begirlich  27,22.  31,20.  32,3.  41,3.  50,29. 

99,9.  139,21.  141,3.  153,25. 164,1  u^-^r. 
begnaden,  begnaden  117,18. 156,6.214,8. 

364.22.  375,12. 17.  447,22.29.  491,23. 
543,3.  554,21. 

begnügen,  be(g)nugen  unpers.  genü^tn 

170,19.  290,26.  369,32.  458,7. 
begrif  Begriff  182,25.    Vgl  Denifle  i» 

Archiv  11,463  A.3;  begriffenheit  337,3. 
begrif(f)en  ei'greifen,  umfassen,  erf<mtn 

14,15.  36,12. 164,22. 182,13.21. 193,18. 

197,19.    201,3.    206,7.    289,6.  292,3. 

293,11.  18.  19.  294,3.  314,16.  387,1. 

478.23.  493,13. 

behaben  behalten  219,22.  297,9. 
behagen  P.  526,8. 

behaglich  wohlgefällig,  passend  2()6J1' 
behahung  P.  Behagen  5.33,13.  14. 
behalten  62,9.  81,2.  206,1.  207,2. 340,14. 

663,18. 21 ;  behalter  Erlöser  (Chri^tml 

547,1 ;  behaltlich  habituaUs  351,2. 
behangen    Part,    selbstsüchtig   170,14. 

357,19. 
beheben /«>«^Äa/*<^  133,24;  sich  b.  167.13. 
beheften  festhalten,  verstricken  169,13: 

beheftunge  358,27. 
behelfen    subsL   Inf.    Behelf   Schv^, 

Vonrand  7,13.  164,18.  166,16.  476,9: 

sich   b.    162,13.    163,18;  behulf(Oen, 

beholfen  sin  36,8. 40,18. 261,17.319,10- 

5.54,25;  in  beheitV^ise  164,26. 
behencken  470,8. 
behend  288,9.  366,24.  489,8;  behende- 

lich  44,11;  behendeklich  140,8.258,8. 

371,32.  460,31. 
behulfenheit   6,14.    44,28.    63,8.  64,2<>. 

123,18. 
behusen  beherbergen  78,2. 
behöt  vorsichtig,  sichhüteftdliß.  156,25. 

353,7;  behüt  485,5:  behfitklich  340,5; 

behütkeit  47.* 
behüten  481,1.  486,22.  607,17;  l^ehnter 

89,18. 


^^^^■^                                                                     563        ^t 

all),    hedciitltolp   64,'2S».  412,11. 

berhiLft7Vuc;i(lr-ajrmd,sc/i>onn^(r  353,26. 

b^m:g  41,23. 

452.8;  herhaftikeit  ;«0,21.  358,19. 

it  Cntt.  irnHm,  ^n>-artm  74,23. 

berihten  auirichtfn  170,11;  Bicli  li.  sich 

93,21.  194.20.  230,11.  236,0.  7. 

rtrsrh<n  163,29. 

.  246,21   IM"'. 

berinueo  316,32. 

herlich    offenbar   imil   Nebenbeileulung 

Ut,    -DÖsae,    bekentiiue,    -nüa, 
-nüsse  Erkeimriih,  Vrrtdündnig 

85,29,  86,8.19.28.29.  114,19.  116,24. 

»,14.  177,15.  180,19.  181.5.  10. 

123,24.    152,5.   219,9.   235,17.   343,8 

.  189,7.  235,27.  349,17.  474,2. 

«»«■..-  berUche  Adt:  268,19.  606,6. 

ieri^BBPn  156,30.  172,6.  177,1. 

herUche,  -i  fiiuhxt.  5*4,19.  547,11. 

233,2.   290,27.  346,21.  347,3. 

bemeclicL  P.  516,6. 

9. 10. 15;  in  bekeuneodermateriL' 

bennit,pennitP(rjramcntlO.'S,lT.  199.19. 

hekant  bekannt,  erkannt,  vrr- 

212,29. 

■g  124,21.  129,4.  166,13.  Ib2,6. 

hern  gd,are>i  191,23. 

».  177,16.  290,.^.  489,24. 

Berahart,    saut    38,9.    187,19.    193,16. 

nge  Brkmnini»  351,18. 

197,25.   254,17.   256,6.   366,2.   424,6. 

Betehrunp  284,12. 

434,6.  437,10.  499,10.  501,10.   521,9. 

373,8.  6.  454,1. 

525,23. 

1  mil  Dat.  bfgegntn  49,12. 

beroben  211,25.  221,11.  447.9.  499,14; 

Kimuchcn    490,22;    bekomug 

beröber  439,29 ;  berobuug',  beröhtuge 

553,26. 

121,8.  308,4. 

Iren,    -bren,    beküntiem    227,1. 

berren  knttm  166,17. 

.236,28.361,25.  372,14.  461,16; 

perBonlieh    179.3.    22.    160,11.    181,12. 

imerniie  P.  626,12. 

185,7.  334,4.  335,2.  360,21.  354.11; 

1  unpirt.gtliitlrn  240,23.312,27. 

peraönlicLkeit  191,27. 

1.  S95,22.445,9. 496,1 ;  beUngung 

herurile    Taalänn,    Bvührung    2(18,2. 

25,9. 

294,28.  316,6. 

g^Hltt,  284,27;  heleiter  89,19; 

heschftiken   in    Vt,ruf  bri«g*n    116,23. 

Irin  87,19. 

123.12. 

bleibend,  daatrnd   174,21.  22. 

besobeiden  l'aH.  Aü.  klug,  ctretändig, 

l.  191,5.  193,27.  366,7. 

JOar   htwwiBt  89,18.    108,12.    128,13. 

1,  blipnuat  60,11.  159,18. 

192,16.  499,21.  603,6.  20. 

1,11.  98SA  463,12. 

«99,2. 

DükrtiiOH  4,33.  68,6.  94,22.    103,3. 

ns,  suit  44.4. 

125,25.    156,21.    161,1«.   19.     169,12. 

279,7.  t15,n.  467,25. 

164,6.  294,34.  315,31  m«p.  ,•   bwoUei- 

in  benenter  wine  M0,18. 

denlich  198,17. 

Genügen  653,33. 

beBcliHtwen  hcgchaUen  561,24. 

-e  384,7.  466,10.     Vgl.  \Axe. 

heflchirmcn  229,25. 315,26. 319,14. 340, 14. 

395,6,  482,11.  510,5. 

L  122,15.  146,8.  173,2. 

beschlahen  43,5. 

Ifutftriig,  hrrHl  254,27.  312,84. 

\. 

190,22.  191,12.  219,5.308,16.32.3,30. 

nibertiUn  125,28.  492,10;  \<e- 

326,6.  343.34.  452,6.  479,6  mj»-!.;  he- 

gBlBB,». 

ichlnaemm    kloiter    unlrr    Klausur 

»2,16.  449,26.  484,17. 

KUkmdn  Kl.  96,7. 

564 


Glossar. 


beschiüten  l'arf,  169,20. 

besclionen  schön  machen,   heschönigen 

220,12;  sich  b.  219,6. 
bepchowen   493,8;  "  besch6w(e)(le   72,5. 

308,5.  643,31. 
besinkeu  untersinken  119,25.  270,31. 
besinnen    ausdenken    342,6;    besinnet, 

besint  besonnen  74,16.  361,16.  411,10. 

469,21. 
besitzen,   in  besitzender  wise  SU8,28; 

besizlich  183,1. 
besitzun^e  336,16.  344,7.  351,17.  356,9. 
besofifen,    besoffen    ertränken    477,10. 

549,11;  besoftkeit  69,23;  besoftklich 

270,18. 
be8orfj:unge  156,22. 
besprechen  anreden  428,11.  551,6. 
bes8erung(e)     Entschädigung^     Busse, 

Besserung  258,20.  23.  26.  29.  277,2. 

282,15.  283,7. 12.  284,12.286,7.325,25. 

432,2.  513,16. 
bestan  458,7.  488,24.   26.  28.   489,14; 

in  im  selben  b.  251,15;  bestanden  sin 

Zugeständnis,ErlauhnishahenS72y2l. 

461,23;  bestandenheit  das  Bestehen 

(in  der  Prüfung)  311,3. 
bestecken  248,18.  296,30.  496,9. 
besteten  21,5.   278,17.  308,18.   319,20. 

364,24.  369,15.  378,17.  424,15.  451,9. 
be.strowen  248,20. 

bestui'zen  im  Sturz  bedecken  239,1. 
besweren  84,28.  131,13.  283,17.  364,21. 
bet(e),  bette  Bitte  373,13.  391,18.  394,16. 

IH.  479,11. 
bett(e)lin  444,12.  495,5.  496,3.  5;  bet- 

gewand  44,28.   45,3;    betstat  44,27. 

45,27;   betstuol  55,18. 
Peter,  sant  107,30. 125,31.  489,25.  540,4. 

544,17.  20.  546,10. 
betler  283,15. 
betralitung  24,11.    25,24.    29,16.    31,2. 

35,12.  36,22.  26.  38,6.  10.  41,32  usw. 
betrechen,   bedrechen   J*art.   betrochen 

bedfcktn  363,17.  421,10.  457,20. 
betrogen  triUjr-rtsch   216,10.   228,7.  23. 

824,16.    418,11.    424,1;    botrogenlich 

363,17. 
betnibt(e),    -])ete,    -bde    84,26.    94,29. 


31.    95,20.    166,11.    253,19.    381,15. 

462,16.  490,22.  23.  496,24. 
betten  215,31.  297,1. 
betüten    192,3.    193,3.   339,2.  4.  7.  IH. 

342,20.  435,16. 
bevinden  erfahren,  empfinden  15,1. 2t*. 

39,4.  204,4.  220,11.  14.  235,11.  326,9. 

388,20.  408,4.  456,26.  469,23.  478,2» 

487,27.    488,18;    bcTindunge   489.5: 

bevintlich  492,30. 
bewegde,   -t«   Betcegung    15,12.   86.6. 

200,6.  224,6.  260,8.  276,14.  444,13. 
bewegenlich  Adv.  entschlossen  236.13. 

461.5.  Vgl,  gewegenlich. 
bewegüch(k)eit  169,36.  309,22. 
beweren  187,9.  236,23.  391,20.  465,1^. 

466,26.  475,9.  505,23. 
bewinden  umwinden  224,1. 
bewisen  174,28.  177,29.  178,15.  180,1»3. 

191.6.  194,5.    197,4.   206,18.  288.10. 
308,28  usw.\  bewisunge  105,29. 

bezeichnung  330,27. 

bezeten,  bezetten  bestreuen  297,1.  466.6. 

496,9. 
bez^Tingenheit  358,6. 
pfad,  -t,  phad  200,23.  254,10.  367,26. 

430,18.  440,24.  472,13.  490,4. 
pfaffe  328,23.   329,24.   519,25;  pfalfQ- 

vasnaht  43,29. 
pfallentz,    die    hlmelsche    Königsbunj 

457,2.  547,24. 
Pfarao  183,18. 
phariseus  P.   509,4.  8.   511,27.  512.l:V 

513,4. 
pfeUer  541,11 ;  pfeilerlich  541,18. 
pfenni(n)g  25,15.  16.  46,7.  77,7.  475,12. 

499,4. 
pfil,phil  131,19.  23.  281,13.  371,7.460,3. 
pfiler  551,25. 
Philippus  Apostel  488,30. 
pfingstag  40,28. 
pflegamt  381,17. 
Pfleger  66,15.  547,10;  pflegerin  407,12: 

pflegnÄs  48*. 
phrengen    pressen,     drängen     210,21. 

215,28.  316,29. 
phy  P.  pfui  509,13. 
biderman  126,15. 


,24.  79,12.  80,1(1.  89.22.  99,36. 
I.  10.  102.6  ustc;  goDxe  bibt 
43,14-  99,26.  283,21 ;  bihttavel  1(10,14. 
l(c)hten  79,12.  2Ö.  28.  29.  80,4.  9. 
102,lfi.  116,17. 136,20. 174,31.358,29. 
gOB,23.  25. 

Seiehtvattr   99,27.   28.    102,10. 

16,6.  244,2.  502,21.  503,5. 

fAtus,  Pjlatufl  a4,22.  315,13.  514,8. 
.^140,25.  33. 
klden  bilden,  gestallen,  einprigcn  35,95. 
[191,50.  273,30.  274,17.  364,6.  391,7. 
kaS.  476,22;  gebUdet  2ä&,lT.  554,1; 
Eteh  b, 342,18;  in  sich  b.  168,3. 192,23. 
1(340,14. 
ildcr  VorblM  368,28,  392,21.  540,21. 

553,28. 
ildgebend  3,3.  191,1. 

dliub,  biltlich    156,7.   183,27.    191,3. 

tO.  15.  21.   192,4.   15.  387,9.  391,3. 

M»,13.  526,14.  527,18. 

Um  174,8.  183,6.  191,6.  11.    193,29. 

18 ;  bildloHekeit  97,13. 

Sricb  24,7.  103,15.   155,16.    183,8.  9. 

IB4,21.  185,6.  187,4.  197.15. 

8liug(e)  200,22.  520,6.  524,3.  9. 

gri(ii)  l-afftr  217,5.  U.  16. 24.  232,32. 

840,19.  20. 

iUehi   Biüigkdt,    GfmSs»htit   443,16. 

«66,7;  billicheit  302,4. 

I  Maec.  385,3.  467,9 ;  pinlich  206,14. 

<98.7. 

■Jt  96,15.  159,17, 

iriiaft5«»pi>/,  GUichiii  14,9.  161,16. 

197,28.  328,1. 

in  tMbtt.  Inf.  221,20,  27.  313,4 ;  bi- 

tind  178,9. 

ynch  ablt  XuchrtiU  481,12. 
rimen  382^  460,25.  461,20.  463,12. 
)i  WDUSO  492,10;  biwoniin^c  341,20. 
»U  P.  512,15:  blswTdr  44.1J. 
IIa»  553,3. 

^laneteu,  die  .''iben  172,11, 
PUto  P.  522,12, 

lU  341,13. 
ihen    bltich    irmU-n    385,3.    368,9. 
,1,17. 


blenden    177,18,  207,6.   221,] 

247,9.  421,6. 
Henken    hin  and  he,-  bfwegrn   224,29. 
bletlin  64,26. 
blick  435,5. 
blindgeboren  182,30. 
blindsliche  fiur.bUnden  aUchen  ;J87,ia. 

59,15. 
bUntheit  158,11.   163,6.   177,6.  219,15. 

247.17.  S97,18.  335,8. 
bloch  Block  45,10. 

bloBB,  blos,  bloz,  blozB  3,17.  14,31.  23,3, 

34,12.  45,15.  54,27.  31.  89,27,  97,11. 

130,8. 155,2. 160,27. 170,5. 174,12  «»«■. 

usw.;  blÖBCn  979,8. 
blos(s)heit,  bloBheit  174,7. 177,27. 186,16. 

188,9.  246,8.  254,18,  261,26,  328,17. 

360,6.  400,5.  405,2. 
blösklicli,  b]oa(äe)klich,  blnsElicb  378,7. 

387.11.  391,2.  460,28. 

blug  »ehüehttrn.  tagltaft  263,22.  481,10; 

bluklicb  42,20.  49,31. 
bla(g)keit  221,13.  301,12.  481,4. 
blüjen,    blügeo,    blan    310,26.    212,a 

215,80.  216,20.  321,33.  223,14.  289,4.  \ 

426,14  iMir. 
biam(e)    96,16.    233,10.    478,9;    blBinli 

110,27.  224,25. 
bl&meu,  geblümt  110,29.  216,21.  254,21. 

272.18.  803,3.    304,17.    318,7.    29. 
374,23  asw.  , 

blast  BIiK«  205,15.  221,81. 222,1. 224,24. 

281.12.  313,29. 
blutgieaaend  379,18.  542,9. 

blStig  199,4. 199,8. 904,6. 205,14.210,23. 
bluüi  121,18.  333,16. 
bltitna«s  879,19. 
blutruQB  Blutßugg  542,11. 
btutröDig  blutig  vmnd  37,5. 
blÖtyar6i«f/ar6i9213,21, 215,29. 970,27.  ^ 

276.13.  320,32.  547,28. 
hodeu»e(w)  48,8.  149,8, 

bogo    Sogen  (Waffti    131.12-    18.   2% 

381,18.  628,17;   Rtganhogtn  214,14. 
bone,  mit  eyn  b,  P.  518,21, 
bungarten  Baumgarten  313,7. 
port  Ktm\  Rand  BO,ä.  11.  81,19. 


566 


Glossar. 


port(e)  Fem.  Pfotit  29,17.  38,18.  60,2. 

102,15.  103,9.  10.  174,31.  175,12.  15. 

266,5.  366,13.  414,21. 
portner  146,9.  174,32.  176,13. 
bos(8)heit,  bozheit  120,5.  128,12.  161,17. 

22.  182,1.  186,14.  332,24.  29.  501,12. 
bosren  84,31 ;  sich  b.  380,23.  445,19. 
boswiht  66,18. 

bot(t)e  101,4.  102,8.  266,9.  294,20. 
botschaft   7,19.    102,17.    243,20.    372,6. 

374,21.  384,15.  407,18.  446,26.  461,10. 

466,15.  4a3,14. 
bougen  489,19.  506,26;  sich  b.  504,5. 
brame  Dornstrauch  425,22.  434,16. 
brawe  Braue  551,22. 
brechen   225,8.   322,8.   406,15,  438,21; 

sich  br.  413,16.  424,2.  457,8. 
brechten  lärmen  481,11. 
bredie  131,28.  152,29. 
bredien   112,24.  25.  29.  124.10.  152,28. 

149,7.  539,2. 
bredier,  brediprer  Prediger,  Dominikaner 

7,2. 132,9. 173,17. 196,2. 199,7. 253,17. 

256,24.  314,20.  365,18. 428,20. 436,17. 

497,0 ;  bredier  orden  5,18. 96,6. 120,21. 

128,13;   bredierin   ( bildlich)   375,21. 

448,1. 
prefation  27,19. 
breiti  41,7. 
prelat   Klostt^^jirsleher   (Prior)   5,18. 

84,31.  126,12.  128,28.  145,9.  422,1. 
breme  Brenne  125,15.  426,14. 
brief  68,10.    194,14.    360,2.   8.    370,20. 

373,21—30.    378,24.    380,33.    393,9. 

405,5.    479,13.    494,13;    brief büchli 

4,18.  18,12. 
Priester    78,16.    80,8.    386,12.    428,20; 

priesterlich  63,21. 
priol  Prior  145,18.  146,1.  4.  16.  20. 
pris  149,2.  20.  151,4.  399,30. 
priiseii  rerheiTlichen^  fich mucken  172,12. 

241,7.    374,13.   375,2.   396,2.   446,19. 

447,12.  452,8;  sich  pr.  361,24.  411,19. 
brockelin  401,30. 
profet,  prophete  183,8.  509,7. 
prologiis  3,1.  200,10. 
brotli  201,30. 
bruch  Bruchj  Iiis6'  215,11. 


brüder    Ordensbruder^    Mönch    31,o-2. 

32,2.  51,13.  64,5.  66,23.  198,12. 213.23. 

214,6  usw. 
brüderlich  206,26. 
brufen,    prüfen    101,26.    157,6.    177.7. 

334,25.  377,30.  388,13.  489,5. 
brugge  123,1;  brücke  514,3. 
brunne   75,15.  21.  92,19.  210,8.  257,^ 

266,2.  386,9.  408,19;    burne  467.17: 

der  lebende   brunne  216,17.  242,16. 

266,27.  643,16.  650,20;  br.  des  leben- 
den   Wassers    273,7.    543,6;  br.  des 

ewigen  lebens  265,29. 
Prüscen,   ein    ritter    von    P.   Deuhch- 

Ordensritter  81,11. 
brüstli  264,22. 
psalteri      264,1;      psalterjen     25<).KS. 

263,21.  22. 
bäb  Trossknecht  77,3. 
publicanas  P.  613,6.  6. 
buch,  daz  lebende  liöer  ffitat  7,3. 256,1''. 
buch  von  den   eugels(ch)lichen  Jewr- 

chien  (des  Dionysius)  390,1.  471.6: 

b.  von  den  gotlichen  namen  329.1* 
büchli,  büch(e)lin   196,1.  200,10.  32i:i 

4.   326,11.    18.  360,1.   484,10.  546.1: 

b.   der  warheit  4,9.   189,15;  1».  der 

wisheit  11,25. 
buchsak  76,2. 

büchstab  140,4.  228,29.  268,5.  393.2. 
büchs,  büchs  61,20.  23.  66,13. 
bühel  Hügel  652,7;  bühelin  552,18. 
böle  (Christus)  92,17. 
pülverlin  308,20;  pülverlich  313^27. 
bünden  =  binden  487,15. 
punct    87,17.    160,11.    178,13.    189,16. 

191,14.   352,3.  4.    9.   359.21.  330,29. 

388,23. 
puntlin,  püntli(n),  pünctli  166,13.210,14. 

272,16.   292,13.  309,9.  366,3.  437,10. 

470,2.  476,2. 
pur  451,2. 
burdi,  bünli,  bürde  72,25.  126,11.  nU.l. 

212,22.  216,6.  220,22.  362,12.  368.24. 

413,2.  442,27.  473,17.  483,15.  489,21». 

490,8. 
bürg  44,15.  83,4.    102,2.  362,13.  413,S. 

480,27. 


<  ilossar. 


567 


burger  66,15.  22.  67,26;  burgcriu  68,7. 

burne  s.  bronue. 

purpurvar  252,23.  :i23,19. 

busch  54,23. 

bäaen  40,21.  80,15. 

bä8s(e),  büz(e)  Busse,  Besserung,  Ab- 
hilfe 25,29.  39,6.  126,9.  21.  128,31. 
247,12.  258,5.  7.  12.  286,13.  506,10. 

biizcD,  büzzen,  buBseii  hassen,  hessem, 
befreien  46,22.  55,9.  61,9.  7:3,27. 
258,0.  277,13.  287,2.  322,2.  382,6. 
463,15.  506,14. 

biisswirdig  92,14.  134,26. 

buwen    wohnen,    bauen    54,11.    125,1. 

319.6.  514,2. 
^*yor  Altvater  105,11. 

C  siehe  K  und  Z. 

D.  T. 

^«A^bern  Schenke  372,20.   461,22.   552,2. 

^^gen  =  tougen  417,8. 

^«^n  dieTage(unnütz)  zubringen  282,17. 

^^flich,  tegelich  395,1.  434,6.  603,1. 

t^a  —  talanc,  tagelanc  den  gan  zen  Tag 

77,6. 
^^amaflcenus,  der  lerer  (Johannes)  333,14. 
ygL  ll^fi.  272,16  Kommentar, 

^ank,  wider  Binen  d.  wider  Willeti  11,6; 
dankbarkeit  74,9;  -berkelt  487,1. 

üan(c)kber  215,14.  314,14. 482,16;  dank- 
berüch  25,18.  281,22.  376,12.  396,4. 
448,25;  danknem  angenehm,  willhnn- 
men  542,17. 

tanz  21,17;  tanzeo  21,16.  242,14. 

tapfer  372,18.  461,20. 

darben  57,20.  128,31.  1H8,15.  210,25. 
231,20.   .317,7.  13.  368,4.  10.  441,18. 

tavel  Schreibtafel  100,13.  459,S. 

l)avid    36,6.     107,27.     298,18.    :J70,28. 

406.7.  432,11.  440,23.  459,17.  4i)0,4. 
496,22.  499,18. 

teilhaft  337,29:  teilhaftig  176,11.  171>,15. 

telli  Talchen  552,7. 

tempfig  engbriistig  384,7.  466,10. 


(lemut  85,34;   demütikeit,   diemütikeit, 

-ekeit    29,11.    47.5,3.    486,5.    488,12. 

494,22.  501,21.  506,26. 
demütig,    diemütig  33,12.  85,33.  86,14. 

167,1.    420,14.  465,15.  477,3.  486,11. 

507,11;     demüteklich    49,16.    111,1. 

152,19.  296,23.  504,9. 
teDnen  dehn*»,  spannen  289,14. 
tensen  Pr/ft.  tans  ziehen  443,9. 
termner  Älmosensammler  119,10. 
terren  dörren  221,31. 
testameut  der  minncu  494,14. 
Theodorus  Altvater  104,10. 
Thomas,  saiit  ron  Aquin  180,17.  428,3. 

453,29. 
thron,  tron203,12. 218,31. 224,16.26Ji,19; 

die  hohen   throne  Engelchor  throni 

243,16. 
dieb,   diep   66,12.    161,16.    19;   düplich 

verstohlen,   heimlich   162,13.    377,13. 

449,27. 
tief(f)i    185,28.    213,1.    221,22.   237,11. 

445,24. 
dienst  112,31.  119,9.  14.  282,22.  298,17. 

322,19.   371,20.  406,7.  446,4.  460,17. 

489,16. 
dienstberr  119,8;  dicnstbaft  261,17. 
tiergarten  411,12.    Vgl.  361,18. 
tierli  85,13.  103,12.  125,14.  172,18. 
tievel  .y.  tüvel. 

digcrlichen  P.  Adi\  sehr,  gänelich  629,16. 
timbcr,    tinber   dunkeL  finster   186,17. 

374,10.  390,18.  446,15.  471,28.  478.17; 

timberheit  505,10. 
tinkte  Tinte  213,1. 
Dioiiysius  der  Areopagite  180,11.  328.16. 

24.   342,16.    388,21;    saut    D.   455,6; 

der  liehtic)  D.  190,4.  390,1.  471,6. 
dirne  Mädchen,  Dimerin  223,18.  376.13. 

448,25. 
tisehsegen  48,14. 
tischsizen  25,32. 
«liaciplin   Ka.steiung,    (Jeissdung   36,17. 

41,28.  32.  42.5.  21.  22.  43,11.  44.16. 

135,26. 
disi)Utioreii  236,6.  504,15. 
tistd    Distel     222,11.    224,26.    310,14. 

432,21.  433,2.  18.  19.  493,2. 


5Ü8 


Glossar. 


tob,  tob  taiihj  stumpfsinnig y  unsinnig y 

nichtig  27,11.    134,1,    376,24.   449,4. 

15.    481,9.    483,12;    tobheit    246,17; 

tobig"  247,15;    toblich    Ädv.    in    un- 
sinnige r^  heftiger  Weise  57,26.  136,25. 
toben,  toben  iohen,  rasen  76,5. 8. 117,34. 
T(h)obia8  367,26.  440,23.  490,4. 
tod  —  .V.  tot  — 
totfen,  togen  Adj.  Adv.  heimlich y   ver- 

borgen^  geheimnisvoll    140,5.  190,27. 

408,7. 424,23. 548,17;  togenlich,  togen- 

Iich3,4.rv21.41,31. 156,27. 160,5. 189,1. 

190,15. 193,7.  194,7. 198,6. 201,18  «,«r. 
togenhcit,    tog.   21,28.  94,7.   190,6.  26. 

235,26. 
togni,  togui,  togene  101,9.  206,6. 254,13. 

290,12.  428,4.  506,16. 
tohterU  66,11. 

tolde   Wipfel  254,10.  429,20. 
Dominicus,  sant  38,H.  145,21.  146,8.  15. 

322,27. 
don,  ton  323,13.  425,2.  491,24;  donen, 

tonen  306,15.  19.  386,29. 
tonre  Donner  230,3;  tonren  subsL  Inf. 

230,6. 
dorf  139,15.  140,19;  dorfbrunne  75,19. 
torin  483,19. 
torlicli(en)  Adv.  wie  ein  Tor,  in  törichter 

W.^üe  204,16.  205,22.  219,31.  240,13. 

281,20.  315,16.  482,5. 
dorn  222,11.  425,22.  432,3.  434,16;  dorn- 

stich  542,10. 
dornig  432,1;  doniin,  durnin  541,11.  14. 
toroht.   toralit    145,24.    161,28.   361,17. 

411,11. 
torren,  dorren  dürr  werden,   verdorren 

57,20.    128,31.  210,25.  212,3.  231,20. 

317,7.  368,4.  10.  441.17.  41)1,20. 
todbet  146,18.  378,28. 
totbliitcn  Totenß ecken  44,21. 
totbringend  435,3. 
todenilicli  sterblich  93,24.  112,4.  125,7. 

157,28.  160,23.  172,3.  182,16. 
toten,  toden  368,4.  440,8.  491,11;  toden 

rrstrrhcn  271,21.  285,3. 
totlicli.    totlich,    totlicli    36,30.    69,12. 

203,1^0.  204,13.  208,11.  •J59,17.  260,10. 

270,32.  277,15  tisic. 


todmig  sterblich  81,4.  541,17. 

totschlag  80,5.  206,22. 

todschreke    Schrecken   vor  dem  lodt 

381,2. 
totsOude,    tots.    258,4.   300,20.  422.16, 

445,25.   499,4.   500,7.    16.  23.  501.7. 

502,25.  503,2.  11.  520,8. 
totsweis,  totsw.  80,14.  285,11. 
totwunde  275,21.  321,3. 
low,    tow    Tau   28,9.    249,26.  297,16. 

433,29;  towen  22,6. 
T6zz(e)  96,7.  367,4. 
trag  207,8;  traklich  228,2. 

tragkeit,  trakheit  34,19.  221,14.  228,1. 

trabt  Masc.  Duft  427,19. 

traht  Fem.  Gerichty  Speise  24,20.  428.12. 

trabten  nach  achten,  erwögen  .553,6. 

trechen  ziehen  54*.  115,23.  398,9. 

trecken  Frät.  trabte  ziehen  (vom  LafV 

425,16. 
trejen,  treyen  Prät.  träte  drehen  198,23. 

199.9.  552,14. 
trencken  466,8.  472,17. 
trengen  bedrängen  491,32. 

triben  subst,  Inf.  Treiben,  Hinneigung 
37,24.  64,2.  137,1.  370,7.  458,16. 

triefen  81,28. 

trieger  Beträger  49*.  211,22;  tr.  der 
weit  120,25. 

driheit  184,24.  185,8.  23.  186,3.  189,S. 
14.  243,17.  330,11. 

dringen  dringen,  bedrängen,  heimsachfn 
53,3.     60,8.     179,31.    351,8.   442,16. 

500.10.  505,14.  651,16. 
trinkvas  51,8. 
drispizig  43,8. 

trit  236,13. 

drivalt  345,11;  drivaltig  171,5.  178,1". 

198,21. 
drivalt(e)keit,  -tikeit  25,20.  179,30.  32. 

180,7.   185,12.   190,14.  237,8.  329,26. 

355,12. 
trom,  trom  246,13.  418,8.9.11.  524,13- 

tronien,  tromen  456,4. 12.  624,18. 19. 

tron  ,v.  thron. 

tropfen  tropfen  37,6;    treppe  P.  615,6. 


|b]li(ii),  tröpb(e)Li(D]  S8,8.  ^6,28. 

^13.    229^    237,11.     258,21.    23. 

5,7.11. 336,14.383,10. 432,15. 

i.  467.17. 

Etch  439,a:  troBÜi  114,13.  128, 

i. 

Bb.  troellich  74^.  87,30.  124,96. 

f«lS.   %0,33.  Sm,4.  397,1.  492,30. 

\6,9.  133,16.  366,32.  264,12. 
^6.    273,SB.    31.    276,7.    321,20. 

tubft.     Inf.    Drohaiig    372,7. 
11. 

Tmubf  303,3. 

I,  trnkeu  trockeM  383,24.  462,4. 
17;  trachenheit  383,22.  465,16. 
tmcken  drüektn  480,5.  16. 
«.  22.  498,33.  494,9.  21. 
,aa  22;  trugHcli,  trfiglich,  <lräg- 
htti-ügtriKch  119,2.  484,19.  487,9. 
Adr.  ron  drucken  /tut  494,21. 
gesättigt  werden,  gtdfihea  S53,l- 
iimrtriiHketi  (im  m^xfiMchm 
136,9.  10.  Sm.ll.  426,17. 
^.  12.  5B2,4.  24;  trunckpnlieit 
1.1. 

i  222,24.  412,2.  484,17.  496,19. 23; 
l(e)klicli  36,1.  <W,20.  109,19,  118, 
\A.  149,2«.  276,24.  321,7.  19;  tnir- 
I  118,19. 

Jkpit,  tnirekeit  36^3.  30,  62,1. 
kL  174,27.  233,15.  237,15.  -JÜSfi. 

MO  u^. 

\idj.  ifditbt,  traut  27,14.  92,16. 
r,19.  378,2.  417,12.  440,1-2.  442,2, 
(^;  StAH.  Ntuir.  Gemahl,  Ge- 
IlM-  461,7.  491,13 ;  trutlich  225,6, 

^6.  238.17.  321,14,  876,13, 392,18. 

il  umr.        . 

B  P.   Adr.  in   Trau-n  5:1^,18;    in 

Iren  536,23, 
«60,27. 

[■fm  Tueh  162,13. 

|h)  164,8.  393,15, 

i   -d    Tüchtifftdt,    Tinjend    27,6. 

(«,303,24.  431,17.478,12.487,34. 

}i.  hffl.Xn.  26. 


tagen thaft    tüchtig,    tdcl,    tugendhaft 

79,13,   84,17.   88,14.  100,24,  122,80. 

127,13.  171,11.364,30.394,16.«5,27. 

426,26.    454,16.    459,27;    tugeottiob 

117,26.   192,18. 
tumb,tnubfin/tfI(H;.(öncAJ238,5. 371,30. 

376,19.   3.19,4.  448,31.  456.3.   460.27. 
tungen  dingen  205,16. 
dunk    Subat.    Matic.    Btdänken    ,<W1,1. 

362,22,  366,19.  418,9,  436,18. 
duDken,  sich  424,9;  ȟbst.  Inf.  369,23. 25. 
dunkel  190,18;  tunkelu  dunkel  irc.vfifn 

230,2. 
t&un  562,19. 
dänaterheit  Dunktlheit,  FinsltrniH  idus 

göttliche      Wfsen)      187,17.      189,24. 

330,14. 
däplich  «.  diel). 
dlir(cli)brechen,  duriireuhim  durchferldm 

53,2.  246,33.  339,26.  446,7.  49T.3. 
durehbnioh,  darpruch  Durchbrueh,  via 

purgatim  84*.  52*.  3,11.  34,11.  94,10. 

97,8.  333,6,  474,17. 
diirehtein-W/oijeH  57,22, 148,14.462,17; 

durehtunge  486,6. 
durchgan  205,4,  305,3.  510,14. 
durgemint  37,6. 
dnrgleoEen  242,1. 

darglestenfimeerJeucArcn  69,24. 478,18. 
dur(cb)gie8sen    173,12.  208,12.  233,30. 

453,1. 
dUT^abeo  i/urcABoAr™  204,16.  210,19. 

316,36. 
dnrgTüii  tlic  bke  itliurehgrkn  düng. grün  d- 

lichr  Kmninh  188,12. 
durhowen  210.19.  318,26. 
durkleren  242,9. 
durtilMen  267,18,  275.16,  276.31.  321,1. 

546.10.  550.22, 

durlegen    Port,    durleil.    btnetrl    242,8. 

268,15. 
diirchljdeiid  484,18. 
duriobeu  309,10. 
durloffeu  414.17. 
durcUühlen  22,6. 254.18.  :i67.22,  425.27, 

466,7. 
UunnarteriJ    127,29,   210,15.    214,21. 

259.11.  STiJi. 


570 


(rloHsar. 


durnechtifi:    roUkoinmtn,    treu    827,19; 

(lurnchtklich  Adr.  ganz  undgnrS2b,22. 
(lurne<rcln  210,17.  316,21. 
durschiessen  120,26. 
durschla^en  210,17.  316,22. 545,16;  dur- 

schlagenes  gold  242,7. 
durschmelzen  266,14. 
durchschnidcn  229,24.  284.5. 
durschowen  208,14.  214,18. 
dursehen  30,10.  529,17. 
durseren   ganz  in   Schmerz   versenken 

210,27.  317,11. 
dursofen  ganz  ertränken  127,28. 
durötechen  315,19. 
durclivaren  P.  529,16. 
durflosseuheit  15,15. 
dur(ch  )wegeii  durchwehen  452,14.  24. 
diirchwilleclicb   Adr.   ganz   mit  freiem 

Willen  553,5. 
dur(ch)wmideii  41,17.  69,8.  120,26.  127, 

27.29.  199,4.  210,2.27.  271,2.  317,11. 

318,31.  541,33. 
durwünklich  245,19. 
dürftig  bedürftig,  arm  72,26.  30.  91,4. 

159,3.   249,10.   267,7.  286,21.  368,25. 

428,10.  443,1. 
turn  Turm,  Verlies  76,25.  293,24.  400,23. 
tiiniei,  -ey  Turnier  149,22.  152,15;  tur- 

nieren  149,12.  252,15. 
tiir  teuer,  selten  295,14.  299,25. 
dörr,  türr  dürr,  trocken  91,5.  199,22.  23. 

289,25.  297,15.  303,17.  373,25.  384, 

6.9.  409,15.  432,21.  466,9.  492,4.28. 
dürre,   dürre,  türri,   türi    Dürre  92,20. 

145,17.  199,22.  257,23.  319,27.  548,7. 

552,6. 
turst  95,5.  201,2. 
türsten    nach    240,26.    272,26.    274,11. 

305,15. 
tur8tig,ti'ir8tijnr91,5. 92,18.99,5.14.272,28. 

274,8. 10. 361,28. 384,27. 41 1,25.  467,5. 
turtcltüb(e)li(n)  425,11.  19.  492,3. 
tiKsontvalt  191,8.  376,18.  424,14.  447,20; 

tusontvaltklich  44H,30. 
tütscli,  tusch  deutsch  7,2.  104,3.  124,29. 

126,14.   197,10.   199,19.  200,18.  397,5. 

480,20.  4S4,10.  495,5;  tütscher  Deut- 

sehn-  199,25. 


tüvel,tiefel  114,25. 115,6. 119,26. 121,15. 

131,21.22.26.  136,32.  137,14.  159,13. 

167,11.  332,26.  28.  362,2.  369,19.28. 

32.  370,3.  33.  383,10.  412,6.  457,15. 

468,3.  7. 11. 18.  469,27. 464,26. 489i6. 
;       490,22.  503,5.  606,6. 
I   tüfellich,  tiefeUich  116,15. 131,14. 133.11. 
'       370,16.  459,5. 
•   twiges  P.  ziceimal  536,22. 
i   twingen  s.  zwiDgen. 

e,  die  alte  (und  nüwe)  alter  tand  neutri 

Bund  132,28.  183,18.  327,10.  351.14. 
ebenlengi  gleiche  Länge  67,8. 
eblich,  ebenlich  Adv.  auf  gleicht  H'ei^r 

66,6.  63,11.  27.  74,17.  98,14   116,2iJ. 

172,16.  227,16.  282,28  usw. 
echt,  eht(e)  Adv.  Conj,  bloss,  nur,  fUn, 

wenn  nur  47,11. 143,32. 162,ia  220,:)1. 

221,16.248,9.296,1.301,21.341,29Mf«". 
ed(c)li,  edele  228,16. 248,2. 325,9,863,16. 

421,9.  438,29 ;  edelkeit  421,2. 
edeln  192,1.  438,28. 
efrowe  448,24. 
eggeht  eckig  199,6. 
Eghart,  der  selig  ineister  22,28 ;  der  heiüir 

meister  Egghart  (Eghard)  63,4. 9(i3'. 
egstlich  schrecklich  646.15. 
Egyptu8  4M,21. 
eig(e)nen    zuteilen,    zu    eigen   machtH 

390.23.  472,5.  560,25. 
eigenschaft  Eigetischaft,  Anhänglich- 
keit an  das  Irdische  ( GegensaU  i« 
gelassenheit)    101,11.    179,22.  183,1 

184.24.  187,7.19.  188,2.  274,14. 33U 
332,28.  340,27.  350,4.  351,26.  387.S. 
486,12.  488,23.  489,2.  10. 

eigentfim  490,21. 

eigenwillen  397,16. 

ein,  eins  =  Gott  164,6.  193,29.  m*^- 

341,22.   344,13.  346,11.  347,6.  476.4. 
einberkeit  Einheit  420,21. 
einberlichen  Adv.  ühereifistimmtndlV^^y 

eynbarlich  Adj.  619,14. 
einborn  eingeboren  70,11.  91,11. 19. '24. 

134,6.  214,11.  19.  333,3.  839,4:  ein- 

geborn  339,10.  356,8.  18. 


166,9. 24;  einformikcil.  355,1 1 . 
Ünhoi-n  2ti6,25. 
z  (ein)  eiöigfes)  ein  ^  Gutt 
106,35.   IB6,6.   164,3.   177,27. 

204.23.  313,1.  380,1.  477,18. 
inigen  vei-tintgen  169,7. 170,12. 

'kait  Alleingiin,  Eiiihtil,  (tau 
«  Wegen  60,6.  RS,12.  104,9. 
6.  lB4,ai.ie5,6    24.186,3.13. 

198,14.    169,8.  17.    190,1.  9. 

328,10.  829,19.  330,l:j  amu. 
-~  enkeiii,  neheiu  122,13.  167,8. 

ttn  Jnntrn   pertrnulich  reden 

ntrt  EinmütigkHl  170,17;  ein- 
t  llbtreiHiiUmmung  339,22. 
mit   »ich  stlbst   redtn   54,19. 
127,3,  173,22.  231,23.  361,27. 

411.24.  460,16.  45.%13. 
Einigann    167,29.    334,3.  5. 

474,11. 

•veltig,  ainvallig  4,16.  97,15. 
160,8.  162,27.  164,14.  27. 
171,4. 19. 174,7. 177,13,22.24. 
>.  17.  19.  184,12  imo.;  ein- 
lich ,      Hinvalteklich      17,23. 

163,17.  186,17.   187,3.   292,4. 

397,4.  448,30. 

keit,  -tikeit,  -veltikeit,  ain- 
1 160,1.  164,27.  166,31, 167,20. 
,10.  178,4.  186,14.  25.  186,3. 
(©,22. 194,2. 218,6. 327,27  usk. 
Vutrafm  268,5. 
,28,4.  H».3(t.  172,24.  543,10. 
ih  361,24- 
■9.  Blflbet 

bft*(.  Frimde,  VtrbanHung, 
{209,13.  211,8.  :!44,7.  267,8. 

418,3.  436,15  »»m. 
^.  fremd,  verbannt,  brklagenn- 
e,24.  208,21.  211,18.  213,18. 
10.  15.  24.  218.25.  2:J0,26. 
WW.  .■  ellend(e)klich  69,4. 79,25. 
88,»-  1K7,I7.  175.6.  204.7.  20. 

S17,16  MW. 

iUptrg.  ilend  mncheii,  quälen 

812,86;  »ul'Ht.  Inf.  322.17. 


.ar.  571 

ElBaa  75,18. 

ElBbet  StagliQ  «.  Staglin. 

Elsbct,  EliBabeth,  die  liebe  sunt  3t>7,2&. 

440,22. 
eiD(t)zig,   emejg  htharrlich,  bealändig 

171,9.  192,17-  193,7.  409,1.  481,17. 

433,28.  44S,S  imw.:  einK(e)klich,  ems- 

kUch  205,19.  392,26.  415,18.  476,8. 

477,6;  emaikeit  301,17. 
empf —  »,  enpf— 
eubiasen  tsatnd  oder  trinkend  genitutBn 

10,12.  24,13.  25,9,  76,20.  286,19. 
enblözen,    enbt5s(B)en,  eutliloBeu,  enl- 

plözen  96,21.  125,16.  174,7.  186,19. 

316,16.  450,28,  476.17. 
eiibreunen  303,22.  466,16. 
enbresten  PrOt.  enbrtmt   hervnrhrtvhtii 

60,15.  69,81. 
eudrunge  341,17. 
ener,  enr  =  jener  58,29.  77,22.  91,21. 

142,9.  148,23.  229,26.  254,26  um. 
Engttd{d)i  303,4.  49;t,ll.  553,18. 
enge],  iler  (i,  näht  20,25;  der  e.  bohzit 

69,6;  in  der  heiligen  e.  octnve  ,47:1,28, 
eQgeb(cb)lJch    mglisth     20,26,     64,23. 

96,8.  101,10. 13, 17. 109,16, 137,16.26. 

144,27.  183,12.  343,20.  250,8  usw. 
eoi^tacbar  446,24;  engelgpiss  (Eucha- 

rimiel  297,20. 
engelten  lUi,16, 
engen  entyehn  188,5. 
eugen  engen  249,8.  496,16;  vngi  ■S5S,16. 
enklein   n'n  tvenig  18,31.  41,20.  46,24. 

49,17.  113,19  u*ut. 
eiipfallen   159,12.   192,26.  472,4.  477,M. 
enpfen(g)klich,  enphenkUch  99,8. 165,18. 

166,8.    173,10.  214,3.  221.26.  223.28. 

356,14.  .S88,13.  455,8.  469,17. 
enpfinden,     enpli— ,     eiupf—     94,23. 

167,7. 2H  223,25,  228,2.  229,7.  234,15. 

272.5.  284,4.  296,27  wui. 
eopfiQdunir,  i-mptindutig  66,25.   169,24. 

184,7. 
enpfintUch,  enph—  22,22.  41,4.   140,«. 
143,3. 6.  188,20.  202,9-  299,2;(,  301.17. 

385.6.  394,26.  467,12. 
enptinUit-'bkeit  34,^-  140,6.  193,1. 


572  Glo 

eothilden  von  Phaalasiehildern  befrtien 

160,28.  168,9.  3.18,5.  .147,6.  ;t91,2. 
entbiltlicli  391,2. 
entbiuilen ,    enbiiiiieu ,    hffrtien ,    löstn 

220,28.  ;tI6,24.  460,a0.  604,9.  639,23. 
enteU  49,3.  52,7.  128,26.  168,33.  381,14. 
entekange  186,16. 
enteren  ;f81,13.  462,U). 
entgaii   334,10.  341,21.  354,2.  369,25. 
eiit^''itU);enhoit     y.iitrwhuny      Ekstase 

94,27.   113,13.    168,16.    189,16;    ent- 

ganKuiig(e)    162,31.    168,19.    344,12. 
«Iitgeisten  dm  Gast  in  der  hö'-hsteu  Be- 

xchauiinii  ohsorhieren   181,28.  1S8,14. 

183,1.  189,21.  193,25. 
«tit^icsseo  181,16.  186,20.  186,6.  207,3; 

aitJi  e.  180,13.  14.  233,(-.. 
eaUrieB9UTis(c){i'o«  der  l'rinitut)  179,2  flf. 

181,12. 
entglicheu  transformare  (in  myttisfhem 

Sinne)  347,5.  356,16. 
«ntgosseoheit  (von  dtr  Trinilöl)  179,29. 

31.  180,18.  181,4.  185,7. 
■enlirötcn  18  ,in.  182,9. 
ent^roben  von  der  Sinnlichkeii  befreien 

94,-21.  158,9,  3-27,20. 
enthalt  SlUtit,  Schutt  350,11. 
enthalten    unlerhalttn.   erhalten    173,2. 

187,14.    16.    256,1.    264,18.    613,23; 

sich  nit  c.  73,29.  84,16.  548,20, 
entheftcti  losmachen.  h:~<:i   190,13, 
cnlheisscn  nelohen  162,26. 
entkleiden  186,17.  21. 
eiitkiien  htfrtifn  226,111.  370,1. 
«ntk-digen  :i58,8     «ich  entlid,    473,17. 
«ntletien,  in  entlentcr  wiae  174,23. 
cntmeiiachen  337,22. 
■entnemen  vtreHchm  349,26;  cntnomen- 

hcit  163,1, 
«illreincn  rrranravif/ei'  -">4I,19,  644,22. 

«ntiJLten  Mi  Unordnung  hrin/jen  221,10. 
373,10.  381,1:).  402,10.  470,7;  crit- 
i-ilituiiurv   109,20. 

färirabr    511.2. 


521,21. 


sütli'ii.  nicli  438,3. 


ent8(cli>laff'en     eintchluiiimern     223, 1!^ 

458,20.  496,7. 
entsrhlaheu  befreien  ;^S,18;    sieb  ruf- 

a(ch)lahen  162,5.  4ft3,20. 
entscbopfeD  enir,ielhii  545.*^.  651,2(). 
eutacbi'itea,  eich  s.losmaehen  164,2,  US.'. 
ent8ez(z)en    berauben     106,32,     llftSÖ, 

130,22.  169,32. 186,4. 188,6. 13.  mSf. 

330,12.  :i:i7,l-2-  .'4«,i;f.  15  ««f,.- eni- 

setznnge  ein  aelbs  350,19, 
entsinken    17,3.   23,10.    94,11.    I39i5. 

168,22.    189,19.  20.    192,33.  .'»250; 

336,11.  336,18.  340,11.  357,17. 
entspniiiglichkäit    Uerrorgthrn    I8B.7. 
H.'UI«äli<Tn  tn-unreiniffen  277,IJ).  321,3]. 
enlrnnkenheit   Vfr:i'ckfififi  90,19.  ^,8, 

182,26,  187,28. 
entvanvcn,    entferweu    54,26.  4li9,lü. 

439,23. 
entjriden  des  frieden»  beraiAen  ?ii\ß. 

460,27, 
entfrien  frei  macht»  158,27.  353.S. 
entfremden,  sich  161,11;  entfrönjdekrit 

189,1. 
taVxe^tn  au»  der  h'iitgung  bringt  liW- 
entwerden  lu  nichte  wei'den  imi/iliff^' 

164,11.  166,6,   168,13.  170.1.  1«S,U 
i       336,18,  23.  386,12,  14. 
entwerfen    191,1.    226,S.  896,22,  W. 
entwieen  wegtctisen  163,10, 186.21.1^1 

.356,23.  378,7, 
enlwordenheit  54,4.  160,7.  K4,13, 
j  entwordenlich  343,17.  350,25. 

entwürken    vom    Irdiichm    io»»«*" 
I       160,29.  165,20.  168,18. 189,21, 11051 

341.19. 
eutzo^enheit   Verzückung  127,34, 
enzit  (fr  Zeiten  62,13.  424,3. 
enzweres  hin  und  her  323,25. 
epfel,opfel  361,22.411,16;  epfdÜÄii: 

opfelböm  Ö48,1K 
epiatel  36,9.  347,27. 
eranien    rinemim,    trtetrbfn.   ^rrtö'" 

42,23.    60,7.     72,30.    87,23.    IHJ^ 

121,17.  122,12.  133,18.175,21.211.1. 

217,17  «*"■. 
erbaldeii,  sich  s.  erkühnen.  Mal  /"»«' 

5.12.  117,2. 


^m                                                                                673          ^^ 

Big  71,10.  T2,a  2lHXn.  214,22. 

ergriizcD  bt^mtigen,  it»»iir,-chm  312,20. 

604,7. 505,24 ;  crtarmherzklich 

erhaben  Pari.  Adj,  »rUaben,  anginthm 

57,8. 

r(t)«(i)keit206,2B.  307,3.  214,4. 

erhaben  Part,  erhangeo  rrhäm/en  161, 

m,n.  444,25.  447,27.  498,20. 

23.  207,27. 

erbeben,  eich  getchntlhii  413,14, 

bet  s.  arbeit. 

erbellen    Prät.    erbol    eritchaUen    18,1. 

17.49,12.15.68,7.76,11.79,18. 

93,28.  433,13. 

19,9. 148,5.  340,6.  4«4,4.  48B,2. 

crteDken  542,26. 

222,5.  456,7. 

erhiwen,  —  Ueo  139,21,  227.11.365,29. 

eh   72.9.   BB,9,    217,5.    246,2. 

437,2. 

321,12. 

erhöbeu  218,32. 

le  333,23.  387,16.  466,20. 

erholter    uäfte    tieftr    Seujier    77,24. 

^,15. 

126,26. 

en  trbrbm  230,3.  271,30, 

erbflgen  erfreuen  48,23.  243,7. 

lieh  s.  abbilden  292,U. 

erkalten  199,19;  erkelten  40,27. 

»80,13.88,6.208,6.13.209,10. 

erkantbeit  Erkenntnis.  Eineicht  162.9. 

816,15.19.  551,27. 

erkantnias  342,10. 

erkennen,  sich  342,9,  10. 

«1,11. 

erki(c)ken     erfrischen    200,4.    251,10. 

i.H&s(.  Inf.  Abbrechen,  Ent- 

275,11.  3B1,1.  543,15.  549,16, 

f  9,26.  .SB2,17;  sich  erhr.  s.  los- 

erklenken  erklingen  lassen  425,3. 

77,1. 

erkleren  erleuchten  303,22. 

Pfiit.   erbrftBt  hervorbrechen 

erklingen    199,15.   213,10.   246,10.  22. 

Vr/l.  enbresteu. 

806,17.  313,22. 

miatgoanen  Mfi.G. 

erkoaen    »ubtl.    Inf.    trauUehe    Unter- 

Unaehininden    212,2.   273,91. 

halUng    113,11;     sich    erk.    263,21. 

441,20. 

443,1. 

1,31. 

erkracben  143,5. 

ertorreu  36,17.  210,11.212.1. 

erkriegen,  140,6.  170.19.  515,21.  616,16. 

441,5.  6.  8.  21.  491,16.   17. 

erkfilou,   erkulen   46,17.    84.22.   85,28. 

ifinen  638,8. 

202,27.  208,15.  276,11. 

9*.  862,20.  4fi3,27. 

erknnt  (rieh)  von  erkomen  erschrecktn. 

14,1. 

oder    von    erkuoieD    kranli,    elend 

g  49,21. 

inerdtn  (Lrx.  I,  64GJ  205,31. 

I  98,20. 

erletnen,  sieb  s.  anlehne»  138,30. 

weiltn  366,14.  436,11. 

erlich  trefflich,  herrlich   170.11.  241,7. 

eh   ergthm,   unitrtänig  357,1 ; 

296,15.  370,26.  459.15. 

«8,6. 

erlofen    durch    Laufe"    ereilen   79,23. 

ga>  machen  214,18. 

281,21:  siob  e.  s.  gutragen,  ablaiifen 

tittfirabtn  393,18,  394,3]. 

175,22. 

m  in  Oram  versetctn    229,32. 

erloscherin  250,24. 

mit  dm  Klaam  gtfanet  {von 

erlöaer  499,16.  540,17.  554,25;  erlSeung 

Ben)  282,9. 

540,11.  S7. 

1  256,26,  268,26. 

«l*hten  177,28.  220,28.  204,1.  303,21- 

grDn,  frisch    machen,   gfüit 

390,8.  446,15.  471^ 

810,12.214,17.261,11.312,20. 

erllihtungCe)  61,31.  388,20.  469,24. 

^^ 

erliipben,  ertujifeu  8,7.  114,11.  »13,10. 

574 


Glossar. 


ernicion  ergötzen  208,10;  sich  ermeijen 
440,2. 

ermlich  363,20;  emiklich  217,26. 421,20. 

ermorden  78,29.  148,6;  ermürden  148,1. 

ermüden  215,26. 

ermündem  251,10;   ermundruiig  588,1. 

ennüten  ermutigen  313,5.  459,17. 

emassen  nass  werden  35,19. 

emschlich  90,17.  365,25.  373,14;  ernst- 
haft 218,2;  ernsthaftig  487,1. 

ernüwren,  sieh  436,9;  eniüwerüng(e) 
436,6.  15. 

ersam  370,22. 

erschameu,  sich  25,8.  27.  440,28. 

erschollen  Prät,  erschal,  Part,  er- 
schollen, erschallen  erschallen  31,26. 
67,20.  68,2.  112,3.  120,10.  139,28. 
257,3. 

erschiessen  ersehiessen,  fruchten  74,26. 
237,11.  12. 

erschozzen  gedeihen  machen  320,14. 

er8chrienaa/>c/*me**  30,11. 73,17.212,18. 

er8chro(c)kenlich  erschrecklich  181,11. 
279,34.  300,15. 

ersehen  67,12. 

ersetzen  suhst.  Inf.  Ersatz  255,1. 

ersigen  Präi.  erseig  und  ersigde  ver- 
siegen 127,15.  16.  543,6. 

ersitzen  Part,  ersessen  missraten  (vom 
Obst)  25,10. 

erstan  auferstehen  93,13;  erstehen^ 
erwerben  348,21. 

er^XAn^xm^Auferstehung  ( myst. )  163,30. 

erstarekcn  420,9. 

ersteiucn  zu  Stein  werden  70,27.  206,28. 
222,19.  268,8. 

ersterben  40,1.  70,28.  78,13.  80,6.  92,12. 
126,16.  130,7.  142,8.  205,13.  213,11. 
238,24.  260,31.  268,1.  275,20  usio. 

ersti^eborn  334,19. 

ersti  Anfang  58,22.  84,7.  329,15.  422,6. 
428,6. 

«rstumben  80,15.  199,24.  202.22.  374,31. 
447,10. 

ersuchen  heimsuchen  87,16.  358,10; 
sich  e.  sich  erforschen  503,15. 

ersüfzen  35.20.  58,10.  65,1. 85,15. 119,21 . 
121,28.  175,11.  217.16.  443,10. 


erswarzen  88,7. 

erswern    Prät.   erswar    zu    eitern  an- 

fangen  40,23. 
ertoden,   ertoden   sterben  35,18.  80,13. 

208,6.  14.  209,10.  269,21.  316,16.19. 
ertoden  töten  77,6.  128,6.  269.9.  27L6. 

393,1.  553,1;  sich  selber  e.  116,27. 
ertoter  Mörder  318,28. 
ertrenken  77,9. 
ertrinken  78,12. 

ertruchnen  trocken  werden  76,20. 
ervehten  365,14.  436,11. 
erveren,  sich  P.  erscftrecken  580,1. 535,i 
ervolgen  etyeichen,   erfüllen^  zu  Endt 

führen    3,14.     86,5.     98,7.    23.  27. 

107,13.  208,25.  315,33.  324,8.  826,18. 

331,21  usw. 
erfüUi  Erfüllung^  Befriedigung  548,4; 

erfüllunge  237,12. 
erwarmen,  sich  82,5. 
erwe(c)ken  211,13.  547,21;  subst.  Inf. 

541,24. 
erweichen    iceich   werden,    ir.  woeA« 

73,31.  137,82.  206,28.  227,11.  268,ia 

318,32.  321,18.  435,11.  552,29. 
erweinen,  sich  s.  ausweinen  122,22. 175.& 
erwerberin  250,25.  267,10. 
erwer(r)en  mit  Dat,  abtcehr<m,  verhin- 
deren; sich  e.  73,3. 
erwinden     auf  hör  en^     ablassen   45,1. 

134,29.  369,28.  392,4.  458,3.  479i6. 
erwirdig  244,1.  245,2. 
erwischen  Prift.  erwuste  77,12. 
erwisstro  Erhsenstroh  45^.  6. 
er  witteren  ausspüren  208,10. 
erwünscht   Part,  ganz  nach  Wunsch 

rollkommen  546,1. 
erzagen   verzagen  56,29.   70,30.  80,15. 

91,35.   98,25.    127,14.   149,ia  152A 

247,2. 
erziehen  herausziehen,   zücken  ^Sfl' 
erzittren  229,32.  239,26. 
erzogen,  erzoigen,  erzougen  23,6. 207A 

208,21.  444,17.  453,10.  467,18. 474,li 

489,12;  unpers.  879,7;  sich  e.  163^1- 

167,6.  170,8.  493,24. 
erzogung,  erzoigung(e)  125,19.  20^.23. 

262,5.  318,20. 


^F                                                                                    575             1 

Mtgen,  ftrtig   bringm  54,7. 

geberer35.^,22.öl3,23;(re1>eruiige340,2it. 

äl.  162,2.  409,17.  425,13. 

855,10. 

»4,33. 

geberlich  340,19.  343.9.  347,11.  360,12. 

cbc. 

gebesserte)!!,  geheuren  286,25.  26.  308,7. 

10- 

313,13.  «72,14.  373,13.  426,9.  449,2. 

er  wise  quodammodo  345,12 ; 

461,17.  485,4. 

er  w.  351.5. 

gebetJilii)  18,11.  35,26. 

.  453,21.  457,18.  .183,18:  Ev!i- 

gebihteii  502,20. 

»,I7.  18. 

gebilden  168,10.  191,6. 

L,   ewaiig  —  46,11.    133,29. 

gebirge  188,20. 

186,9.    ld7,lB.  340,20.  345,5. 

gebiM  252,6. 

m,5.  5)1,26.  525,2. 

gcblünt  8.  blümen. 

Hitimi  171.18.  WS,23. 

gebrecb   GUmr  537,3. 

VorbOd,     Munla-    3,2.    4,6. 

fetebreht  I.drm  75,7.  414,17. 

8,15.331,18. 19. 338,.i.476,24. 

gebrest(el    Gfhrrchtn,    fthltr    87,20, 

S47,14. 

94,30,    11.->A  116,24.  169,27.  161,18. 

in,9.  137,11.  143,12.  167,27. 

177,26.  246,2.  266,22  uw. 

184,20.  190,3  ««0. 

ich  44,1.  4(i,24.  ^'72,37.  543,7. 

283,6.  386,24.  429,33  luic. 

gebrenthafl     416,12.     449,25.    488.29. 

F  x;,7,(  V. 

499,22;    gebrosthafüg    92,22.    133,2. 

134,21.    157,28.    364,5.    377,12;    ge- 

e. 

breBt^k)lkh5,ll.  156,24.166,11.182,6. 

aeMag  76,16. 

193,5.  309,24  asw. 

frtehe»  Waibtbäd  481 3- 

gebruchen    26,21.    95,25.    158,28.    30. 

»pfan. 

170,18.  193.22.301,24.  859,12.  379,4. 

imubaüerche  374,12;  callaa- 

369,5. 

17. 

gebrucblich332,18. 350,30. 351,1.474,10. 

lu)  34,25. 87,7. 213,21 .  269, 10. 

gebröchlichkeit  185,30. 

64,11.  542,24.  543,27.  545,13. 

gebruchung  334,2.  349,18. 

.  272,27. 

gebur  Baatr  31,1.  77,12.  8J,16;    ue- 

aeUt  Funke  285,17.  48S,16. 

bürin  420,23. 

12.^,23.  291,29. 

Siebnßchheit  liohheil   lü.1,13. 

«,10. 

gebart  117,9. 119,6. 169,5. 179,16. 181.13. 

bUÜartg    Heu    Klogierg   für 

191,33. 22S,B.  324,1 1.276,1. 381, 11  unc 

Bfl,22.  137,6.  219,10.  372,20. 

tum  63,20. 

gediht,  gdiht  »chrifüicht  Aufttichnuttg 

in   JPofsie    odtr    Pr.iia   26,6.    »0,27. 

,163,23.172,91.220,7.297,20. 

157,8.  158,9. 

*»..-  «ich  ET.  231,1.  294.22. 

gediiig  Ntutt,   Vtrtran  144,6. 

18.  214,17. 

geding(e)A-s«(r.//ojH.«nff  47,19.377,28. 

0,13.   136,38.  221,22.  d60,9. 

450,17. 

n.  414,9.  18.  481,14.  487,9. 

gedSne  17,d4.  16,27.  20,26.  26,12.  29.23. 

13. 

31,17.  20.   139,29.  323,8  uw. 

ianit  191,97.  293,23.  330,26. 

gedSnen  313.24. 

17.348,9;  iubsl.  Inf.  179,27. 

getlrantf,   gedrenge    10,14.   56.4.   62,4. 

MB.l.'i.  473,H;  BJdi  g.  IfiS.lO. 

68,26.     69,1.     116,3.     126.20.     128,6. 

16, 

149,18,  .127,6.837,38.  356.16.  387,16. 

576 


Glossar. 


ge(lult(e)keit,  «redultik-,  gctultik-  28,11. 

60  J  4.     Ü4,10.     91,28.    93,9.    108,26. 

248,11.  251,16.  252,19.  504,8. 
gedult{e)klich  85,30.  86,9.  00,15.  102,26. 

134,9. 145,3. 161,24. 192,20. 236,7  tisw. 
geedelii  adehi  207,3. 
gegenwurf  Vorwurf,   Objekt,   AnUcart 

29,5.  81,1.  88,10. 103,26. 125,29. 160,8. 

168,21.  174,26.  180,21.  181,8. 10  us^w, 
gegenwürtig  96,16. 133,2. 168,31. 169,11. 

170,20.    177,25.    178,3.   200,4.    204,4 

U.SW,:  gegen^\'firt(e)klich  73,1.  95,22. 

165,13.    179,25.   236,18.   297,28  uftw. 
gegen  wiirt(i)kei  t ,      -wertikeit      24,16. 

164.15.  169,3.  176,15.  177,6.  178,10. 
179,3.  183,12.  221,26.  230,24.  27. 
231,26.  232,32  a.vir. 

gegin  Gegend  67,6.  131,31. 

geh  jöhj  ungestüm  414,8;  gah  455,9. 

gehabd,    gehab    Benehmen    126,23.  24. 

322,8. 
gehaben  suhsi.  Inf.  73,30;  sich  g.  sich 

haichmen,  bejindendbß2.  37,10.48,22. 

57,32.  69,28.  83,22.  91,32.  92,1. 112,17. 

12i),30.  131,5.  132,14  tusw. 
geheilen  heil  werden,  heilen  197,9. 467,4. 
gelieiss^e),  gehaiss  Versi/rechung  184,16. 

282.16.  285,21.  418,9. 

geheisv^^en  mit  Dat.  versprechen,  in  Aus- 
sicht stellen  69,2.  237,17;  daz  g.  land 
150,11.  451,21. 

gehellen  zustimmni  340,1. 

geherz  beherzt  207,18. 

gehilfe  207,17.  423,24.  484,5. 

gehorde  Gehör  209,6.  316,8. 

gchorsanii,  -e  Gehorsam,  Klosierzucht 
70,19.  73,32.  81,14.  218,5.  273,2. 
274,13.  320,8.  340,15.  381,8  usxv. 

gehügde  Gedächtnis  215,13. 

geierreu  54,11. 

geil  muttrillitj  105,21. 

geisel  43,5.  9.  16.  19.  21.  44,6.  22.  199,6. 

geiselschlag  204,18.  315,18.  541,27. 

geisloii  42,1.  43,25.  205,22. 

geistekeit  185,3. 

geisten  sjnrare  185,27. 

geistenrich,  geistrich  160,6.  171,2. 193,4. 

geis(er  und  geisterin  83,14.  15. 


gejegde  Jagd  103,12.  216,14. 

gekeren  361,29. 

geladen  Part,  beschwert  175,2.  212.:^. 

309,23. 
gelagen  außauem  375,27.  448,7. 
gelassen,  -z(z)en,  -zsen  verlassen  79,;iC». 

124,29.  238,17.  251,5.  270,15.  272J.S 

us^c:  Part,  gottergeben  37,7.  54;t2. 

93,9.  127,29.  166,21.  168,3.  9.  21.  26. 

27.  29.   169,8.  19.  22.  28.   170,7.  y. 

14.  232,17  usw.;  sich  gelan  :mi4. 
gelassenheit,  -z-,  -zs-  53*.  23,5.  10.  \^. 

63,7.  54,3.  97,13.  127,6.  9.  25.  15.^,15. 

161,10.  14.  16.  20.  23.  25.  29.  162.1. 

6.  8.  165,11.  170,5  usw.  usw. 
gelassenlich,  -z-  34,15.  189,5.  232.14. 
geleben  erleben  73,14;  gelept  im  geist- 
lichen Leben  erfahren  184,2. 7.  3'2S,i 

338,2. 
gelegen   die  spräche   verlieren  270,23. 

308,17. 
gelegenheit  Sachlage  93,24.  358,14. 
geleichen,  sich  *.  rühren  45,10. 
geleisteti    72,7.  227,21.   237,13.  269,8. 

270,2.   290,15.  296,18.  301,2.  375,:ß. 

420,25.  430,21.  448,12.  509,16. 
geleuden  landen  377,9.  449,23. 
gelert  Part.  Adj.  293,11.  328,4.  502.2i). 

503,12. 
gele8s(e),  -ze,  -zse  Gebahr en  65,3.  M7.15. 

301,22.  336,16.  554,28. 
g(e)üchen  209,4.   259,24.    363,8.  4093- 

440,31.  496,16;  sich  g.  209,4.  258,27. 

361,18.   363,15.  411,12.  421,5.  4212- 

441,22.  442,10.  473,15. 
glich(h)eit  92,6.  180,1.  25,  256,2.  261.18. 

262,2.   274,27.   293,22.  310,2.  317,5. 

338,4  usw. 
gelichnüze,  glichnti8(8e),  -nn8(8),  -nüst 

-nust,   -nisae  144,26.  181,9.  191,1.  a 

192,4.   196,17.  198,4.  214,24.  241,24. 

302,24.  338,13.  20—26.  339,4  usv. 
glichnusgebend  3,8.  191,10. 
glichstan  127,6.  256,11. 
glichformelich  490,11;  gelichformigken 

P.  526,29. 
gelid,    glid    91,23.    210,1.    21.   317,3. 

339,7.  9. 


ieben   litb   machm    114.23.   253,4. 
»"  413,4;  sich  g.  210,15.  548,11. 
^-liegen  lügtn  294,4. 
i;eliger  Lai/irMSHi-  44,35.  45,5. 
jr(e)Umi)f,    -Qpf    Schicbtiekteit ,    angt' 

mtsKenr»    Senthmen    136,ln.   288,16. 

370,6. 
^liiuiifea    Xa^lixtcht    ührii,    rrruHheu 

48.^10. 
?Iobfe(,Kelobe71l,29. 80,33. 89,16. 100,26. 

lul,l.   141,9.   154,4.  39H,1U.   492,27. 

498,10. 
jf^oben.   g(e}10beu  glauben,    gdolien, 
KntcA«i<:AtV»nH  187,28.251,15. 419,13. 
KS4.10.  432,18.21.  486,15.  498,3.  502, 
KT.  16.  603,19;  sich  g.  abstrhr»  372,11. 

4til,lB, 
^lobet  belman  466,,i. 
^elöbi^  treu  fßdftig)  2:-tl,20. 
gelos  =  getess  491,82. 
Miosen  126,18.  281,32.  :)66,19.  371,-2;i. 

4H8,10.  14.  18.  460,20.  504,18. 
gelt    Jiuahlung,    Geld    67,28.    79,11!. 

146,15.  25.  147,8.  148,13. 
gelten  eurückeahhn  146,17. 
gwltibleide,  -bte  144,10.  16.  152,7.  361,8. 

410.20. 
^lAben  grt'iht'i  214,18. 
gelökfl,  -tWe.l,  glökut)  l.i,22.  23.  1:^2.11. 

2.'i5,4. 394,7.  483,6;  (rliik(t)rad  123,20. 

421,18.  435,7;  der  Glükd  rad  3ß4,2ft. 
g(e)löckhaftig  894,25.  33. 
gpl6deni  rriim,  crrlackm  377,4. 
arfellöst«  170.13.  209,10.  316,19- 
g(c,ilu§tfn  228,11.  264,23.  303,5.  412,3. 

429,8. 
glAsÜicIie  Adr.  486,10. 
gMiiBch    Bfqiumlichlitit    35,15.    46,27. 

55,11.  29.  .16,7.  238,2.  S47,13.  284,16 

UMW- 

Btahel  211,16.  212,12.28.  213,23.  30. 
1^,14.    17.    244,6.    254,23.    266,18. 

396,3.  296,14  usw. 
genwliellich   206,27.    ■2i)6.-2i;    geioehel- 

lich  4ftS,3. 

■kheln,   geinehelij    vnnShlcn    15,16. 


gemahelschnft     11,20.    216,25.    219.2{t. 

361.25.  409,18.  411,20.  538,6. 
gemabplviiigerliD    Virlahungsring   213, 

29.  407,9. 
gemarg  Mark    120,11.    137,27.   358,11. 
gemasse  rischgenossr  24,18.  22.  25.28. 

428,11. 
gemechli  kUinf  Brgutmliehkdt  84,5. 
gemein,  der  g.  einne  P.  teueus  commu- 
nis {vgl.  heiiiflf   im  Arclitv  II,  ööH) 

521,24. 
genieiiid(e)   Kloster-   und   Dwf-  lictie. 

Sladtgtm*i%tdr    42,9.    148,11.    3RS,5. 

487,12. 
geincinden,  nicb  v.  mittalen  189,4. 
gemeinliah(e)  Ädv.  gewöhnlich,  für  dir 

Hegel  98,20.    137,5.  173,18.    183.21. 

300,9.  344,23.  360,18.  456,17  usir. 
gemeinsamen  mittcilrn  482,17. 
gemeinaaini ,    -e     Getnfinsehaft     73,3. 

22t),18.     356,26.     390,4.    471,9:     ge- 

meiDsamkeit  337,29:  gerne  im  otiiklicb 

831,21. 
gemeiBterQ  88,5. 
geraett  siatific/i,   «rhön   206,4.   244,15. 

316,13.    376,3.   406,10.   447,13;    des 

gemeit«)]  biten  26,5.  9. 
gemerk(ei  Augfimrrli,  Zirt  34,14.  163,h. 

177,1.  341,15,  356,24.  357,14. 
gemurkeu  181,23.  285,12.  452.16. 
ge  messe  angrmrgsen  08,9. 
gemessen  .^5,13. 
gemülle  A'taub,  Kclirirhl  490,1. 
geniiirt'  217,7.  367,22.  440,18. 
gemät     gtstitntnt,     aohigrmul     97,18. 

314.26.  429,6. 

''■   gemSten  hegthren  241,17.  425,1. 

:  gemiit<e)klich,  gem6t.  21,12.99,9.  112,8. 

genade  ».  gnade. 
'  g(e)nageii  40,18.  125,16,  412,11. 
'   genatflrt  Pari,  ran  Natvr  amgtaiuUet. 
I        begabt  108,4. 
j  geiicuieu  =  iiemen  493,6. 
geuemineu  iitnncn  606,1. 
geneten,    sich  s.  rrllm,   am  Lrben   tr- 
luilleii  82,5. 

I    I.ebrrt     bltihtn,     rrrtiUt 
•■dtn  ia3,l0.  271,1.  801,18. 


578 


Glosaar. 


geniess  Vorteil  380,14.  v 

geniessen  27,4.  80,23.  33.  100,25.  139,1. 

141,9.  195.3. 
jreuieten,  sich  (/eniessen,  sich  erfreuen 

308,14.  312,30.  399,29. 
gfe)DOt(e),  genot  Adj,  Adv,  eifrig,  be- 
flissen 54,19.   87,17.    115,24.    116,14. 

119,3.  124,26.  171,14.  234,25.  377,12. 

449,26. 
genoz  252^1. 
gcnüg(e)de,  gmigd  48,19.  49,26.  111,20. 

166,9.  228,18.  245,9.  274,8.  489,5. 
gemigen  231,11.  468,2.  482,18. 
genuhtsam,  gnubsam  reichlich   134,32. 

540,11. 
genuhtsamkeit,      gnuhsamkeit      Fidle, 

Beicht  um  14,13.  255,4.  554,4. 
gerachen  P.  erreichen  510,9.  22.  23. 
geragen     sich    ausstrecken,     erstarren 

71,26. 
gerasten  415,16.  526,29. 
geraten  166,7. 406,18. 448,17.496,11. 13. 

502,13. 
gerechnen  heröchnen,  aufzählen  259,2. 
gereden  502,14. 
gereizen  206,24.  309,2.  397,8. 
geren  begehren  239,12. 
gerereu  vergiessen  208,20. 
gerichtklich  in  Ordnung,  gewandt  162,4. 
^■eringklich  leicht,  schnell  234,2. 
gerochen  gewähren,  genehmigen  236,16. 

263,17.  308,26.  375,12.  440,30.  447,22. 

491,6. 
geninbel,  gerürabel,  gerumpel  Unruhe, 

Gerumpel  364,16.  423,19.  522,1. 
geröne  Gerauue,   Einflüsterung   312,4. 

504,13.  20.  505,2. 
gerüwen    Frät.    gerow    unjjers.    reuen 

41,21.  42,11.  58,20.  106,17. 
geruwen  55,13.  202,19.  440,5. 
geriiwig  502,22;  gei-üweklich  426,22. 
gesach  in  got  gestgnt't,  heatusl   31,25. 

227,22.  244,5.  284,25.  287,19.  422,10. 

4:^2,6. 
^^eschadon  445,27. 
geschaffen  ausrichltn  218.20. 
ge.^chaf(f)cn  Part.  Adj,  geschalfvn,  bc- 

schaj/ln  i:)8,.{2.  201,17.  232,5.  241,19. 


I    f-t 


278.21.  293,14.  345,8.  359,15.  H8:U1. 

464.27.  471,17. 
ge8chaf(f)enheit    53*.     157,15.     158.1. 

162.28.  174,8.  554,2. 
gescheiden  229,4.  415,22. 454,10. 465,2.1 
geschelire)  Lärm  4:3,32.  67,5.  75,6. 
geschenden  in  Schande  bringen  119,18. 

120,5. 
geschezzen  93,14. 
geschickt  Part,  Adj,  gestaltet,  pasiieud 

552,6. 
geschiht,  von  g.  V07i  ungefähr  81,U'. 
gescblichter  halm  geglätteter  16,25. 
ges(ch)lifne(r)  zunge  372,18.  461,21. 
geschophde  Geschöpf,  Gestalt  280,4.". 
geschowde  Anblick  43,24. 
geschrei  136,30. 
geschrift  (die  heilige)  394,23.  24.  89U 

420,18.  499,8.  500,8.  501,20.  502,l.i. 

24.  505,23.  506,7.    Vgl.  schrift. 
gesegnen    32,24.     122,23.  24.    138.14. 

143,15.  144,5.  396,5.  549,30. 
gesell(e)    16,30.    31,33.     53,30.    64,31. 

66,10.  69,3.  71,7.  74,14.  21.  24.  75,14. 

76,15.  23.  78,23  ustc. 
gesel(le)klich  143,22.  144,6. 
gesengeli  21,18. 

gesetzde,  gesatzd  243,21.  3.57.21. 
gesigen  245,3.  460,3. 
ge8i(c)ht    Gtsicht,     VtJtion    6,7.    U^- 

20,12.  25.  22,3.  23,13.  24,5.  25,4.  M 

31,14.  32,25.  40,27.   44,16  wnr.  uff^- 
gesihtig  sichtbar  190,8;   gesihtiekilicli 

295.22.  296  5.  299,15.  427,9. 
gesind(e)  32,7. 40,28.  74,25.  76,4. 101,1^ 

136,1.  370,15.  16.  426,17.  459,4. 
gesingen  oder  gesagen  P.  510,6. 
gesitt  geartt't  481,5. 
gesitzen  460,20. 
gesraclzen  228,29. 
gesmidc  251,21.  414,15. 
gespannon  Prät.  gespien  .vpannrn  41.1^- 

42,29. 
gespil(ej     Ge^^nelin,     Genossin,   M- 

Schwester    80,28.    137,7.    138,10.  U. 

483,24. 
gospilschalt      die     KlosterfrtwuUnM^ 

372,8.  461,12.  463,25. 


^V                                                                                 579         ]^| 

gevan^nfist,  -nöss, -nuss  60,10.  112.17. 

11.3,3.  539,16.  26.  644,6. 

77,29. 

geveht  9,23.  371,15.  460,12. 

mil   D'U.    Im    einem   utehtn 

gevelle  Otfallen  167.1. 

4ßO,I9. 

gevellig  115,18.  138,14.  304,12.  3-30,12. 

2,8. 

387,19.  420,13.  468,24. 

fi3,fi. 

gevellikeit  373,9.  469,25. 

)h  Priit.  gaste  atoU,  freudig 

gever  ftindnelig  81,8. 

m.  32,6.92,12.227,17.408,1. 

geverde,   ane  boae  g.  ulmr  WntrrhoU. 

498,27. 

uhm  (löse  Nehenitbsickt  42,10. 

<irÄuA«6m(j;e»  80,20;  rahig 

K«vild  549,7. 

346,13.  349,29. 

geHisaen  Part.  brjlia»m  227,2. 

6,28.  172,13.  254,11,  29(),17. 

gevolgen  186,19. 

ich  niediriaaaen  423,17. 

gefröwen  276,4.  4:*i,ll. 

Hia<ih  M7,23.  548,23.  554,19; 

gefründeu,    sicli    sich    hrfrma<U-n,    ». 

ich  28,7. 

Freunde    machen     409,20;     (felrüut 

gesfichc      Vtrtanq<:n     47'. 

241,13. 

74.2. 

gefüg  ntiig,  eierlieh  552,7.  18. 

18. 

g«ffig(e)    J-\tff,    Sehic/ilichknt    370,6. 

229,18. 

458,14. 

75,2ß.  448,5. 

geffigel   (ieflügd,  Vögel  370,12.  458,23. 

45,18.  47,6. 

gefölen  suhat.  Inf.  QefShl  492,21. 

,28.  69,14.  m. 

geffUIich  489,2. 

422,8. 

gcfur  Nutem,  Gewinn  18,23, 

i(eii)  Ade.  26,96.  1Q9,6. 

gefürdie)ren  96,14.  154,2.  250,10.  289,S. 

|id,  -t,   geawistergid,  -l    (if- 

gewaltklich  243,9. 

r.    SckirrgUr    22,11.     31,33. 

2,28.  29.  73,16.  446,2. 

B.  172,3.  8.  410,2.  471,21. 

67,17. 

eutr.  dat  m  W.thlntde,  Loas 

gewegen  wOgr:»  250,12.  4)19,17. 

gewegen  Part.Adj.  gtioirhtig, gewoi/en 

^rt.  triln«  20ti,20. 

~   115,4.    129,4;     irewegeiilicli    204!l5. 

197,16. 

422,18.  4:11,20. 

nihtn,  Lebemtirtiiie  327.23. 

gewendM  648,25. 

433,11. 

gewenken  skh  ohwrnden  23.^,15.  289,2. 

^träw  444,8.  468,28.  486,5. 

gewennen  82,22. 

,17.    491,9.    493,20.    506,18; 

i)Uch    109,7.    209,16.  22,  24. 

g«werb(«>  Bwhüftigung.  TrHbfn  186,1. 

821,14.  373,18,  443,23. 

192,26.  372,5.  437,20.  461.9.  520,22. 

geträweii    100.26.    364,29. 

gewille  Gewngr  289,18.  430,2. 

1113,15.  459,22.  483,6.  485,11. 

gewirbig  miig  96.15.  99,17. 

tSIB. 

it     Kiihnhri<,      Vtnrigenhrii 

gewoneu  geicohnt  lerrden  422,6. 

1,21. 

»,2.  138,2. 

gewordeaheit  178.10,  34t,B.  358,2. 

lieh  »,  ricini'ien.  HMgen  432,2, 

gi-wordenlich  .i^l.15.  333,4:  gewordi-n- 

22,17. 

lichkeit  188,18. 

5b0 


GloBsar. 


geworten  durch  Worte  ausdrücken  23,7. 
94,7.   101,13.   185,24.  223,26.  304,26. 

309.30.  342,7. 

gewülk,  gewülkeii  Gewölk  59,11.  186,1. 

478,17. 
gewülkter  thron   mis  Wolken  gehildei 

14,11. 
gewTindern  418,1. 
gewürken  431,5. 
gewürm,  gewörmme  Insekten  39,19.  23. 

40,19. 
gewörsen,    sich    s.   schlimmer   machen 

40,25. 
gewüsni,  gewüssne,  gewissen  (i)  Geirissati 

99,25.  229,2.  251,23.  2^)4,14.  358,16. 

375.31.  456,8.  495,39.  503,7. 
gewzen  (vgl.   Var,)  quacken  305,26. 
gezellen  210,13. 

gezem  geziemendy  gemäss  206,13.  358,3. 

469,19. 
gezemen  167,1.  2. 
gezemmen  zähmen  XlO^l. 
gezierd(e)    22,4.    33,3.    10.   20.    213,8. 

224,8.  25.    299,11.  19.    304,17.  378,9 

usu\ 
gezimber  Bau  217,8.  218,7. 
gezog  Schar  29,19.  20. 
gezow  Werkzeug  167,23.  160,6.  383,17. 

350,8. 
gczowlich  instrumentalis  335,16. 
gezügnüst  Abrechnung,  Zeugnis  146,27. 

525,1. 
gezwifleu  263,3. 

gezwungenheit  10,8.  436,9.  454,14. 
gibel  190,15. 
giesse  schmaler  tiefer  F'lussarm  81,7. 

549,11. 
gilt  i'ew.  u.  Ni'utr.  Gift  75,6. 17.  135,14. 

137,24.  252,18.  372,10.  435,6.  461.14. 
giftig  77,16. 
giftsekli  7;'),  15.  76,2. 
git'ttrager  75,5.  77,3.  5.  17. 
giofPH  geigtn  242,13. 
gimrae  Julelatiiti  303,2. 
gin«Mi^ä//;^(/U7,18. 92,18. 361,22.411, 17. 
girdo    202,17.    242,17.    278,13.   307,27. 

300,11.   375,20.   384,6.  431,1.  445,25. 

46H,8. 


girüch  472,16.  477,13. 

gitekeit   Geiz,   Habsucht  67,24:  gitie 

284,17. 
glanzenrich  10,22.  187,17.  189,24. 

glast  59,12.  13.  23.  25.   203,22.  224.1. 

233.8.  263,12.  267,1.  276,23  usir, 

glid  s.  gelid. 

glich  s.  gelich. 

glimpf  s.  gelimpf. 

gloria  tibi,  Domine  375,6.  447,16. 

glorie  306,12.   336,22.   337,17.  ois.ll. 
534,18.  21 ;  liecht  der  gl.  244,9. 

glorifiziert  291,28.  294,13. 

glose     Auslegung,     Umschiceif   369,^. 

372,10.  461,14.  529,9. 
glük  s.  gelük. 
glüjen  224,20. 
glust  s,  gelust. 
glüt  47,6. 
gnad(e)   228,15.  232,27.   246,14.246.7. 

23. 25. 251,4. 256,21.  263,23. 264,7.  lö. 

265.9.  13.  266,4.  20.  24  usir. 

genaden   gnädig   sein   2S8,^.  361,1'^  • 

suhst.  Inf.  danken  37,16. 
gnad(e)lo8  von  Gott  verlasse?!^  ungUid- 

lieh,   ungefällig   5,6.    228,10.  267,i. 

300.10.  301,9.    .862,1.  395,25.  4IJ8.i 
.      439,18. 402,4. 511,17;  gnadlosi 221.i:^. 

gnadenarm  428,6. 

gnad(en)rieh  32,8.  92,19.  101,25. 137.14. 

174,24.   266,3.   376,6.   439,17.  440.1. 

448,18.  488,24. 
gnadenrichkeit  151,7. 
g(e)nedig  381,1.396,24;  g(e)ned(e)klicl» 

68,1.    124,11.    130,2.    176,16.  1&7.'^ 

214,29.  303,7.  319,4. 
gnagen  s.  genagen.  | 

gncist  s.  ganaist.  i 

gnot(e)  s.  genot  j 

gnügd  s.  genügde.  | 

gnuhsam  .v.  genuhtsam. 
goch  Kuckuck  310,17. 
gold,  -t  251,20.  282,27.  428,19. 
Ciolyat  —  der  böse  vient  553,16. 
gottes  dienst  465,1. 
gotteskind  246,20. 
got(cs  rainnend  29,19.  393,4.  487,14. 


1 

uer     392,21;     (foticsiiijimcrin 

,U»lat'i  47,7.   115,22.   148.11.  103,15. 

471,18. 

denn  aac^-ihga  128,2. 

grübli  39,15. 

*r  554.14. 

grtn  148,21.  26;  gräae.i  344,3. 

d  48".  34,1(1. 51.19.  69,4.83,13. 

gnud,  -t.   4,13.    14,24.  16,8.  20.   54,22. 

70,1.  8ö,4.  91,7.  9B,12.  I17,S3. 

72,30, 114,26. 140.11. 156,24.157,24.27 

la8,12.    142,0.   144,1.   148,21. 

uair..-  roitt'ronde,  ze  gründe  ffriind- 

HJ6,14.  188,9.327,25.388,13. 

i.-eA,30NSa.ffnr  159,15,  162,1.182,27. 

4ai,4.  429,5,  431,21.  409,17. 

249,3.  260,7.9,  81ft,9.  396,18.  3H4,25 

r  1Ö6.26.  335,3.  35tS,18.  379,2. 

u«tr. 

lolUtiiff,  fromm    4,25.    lö,:». 

grundböswiclil  77,23. 

17.    110,1,    2.    143,20.    144,4. 

grtotikh,eTUiitlich  189,3.287,18.-331.23. 

205,21   u»,r. 

346,18.  511,.^. 

BO*.  133.18,   250,21,  367,13. 

gnintlieiilkh  275,13. 

grundlos  11,5.  13,31.  14,32,  l.i,U,  29,11. 

i>  Ootl  rtrlagset,  169,3.  219,19. 

33,19. 31.  90,24.  26. 32. 100,27. 126,2«. 

127,10.  20.  138,1.  171,21  u«ir.  «*.<■..■ 

ch  P.  526^. 

gruudlosklich,  -loselich  121,28.179,20. 

?.  581,5. 

304,2.  325,15.  378,9.  466,23.  52.1,11. 

id  367,18,  466,22. 

gruntrüri  drr  tiefste  Grund  331,11. 

12,16. 

graeeD  Sahtt.  Grauim  9,10. 

,26;  graet  P.  628,22. 

grtwel  Grtuel  107,23. 

ea,  519,26. 

grAwlich,    grfilich    79,2.    80,6.    89.11. 

m  397,28. 

107,6,    204,14,    21.    910,19.    229.30. 

288,10.  304,9.  478,14. 

248,29.  265.7.  316,26,  319,6. 

1,   unt  383,3.   388,20.    418,1. 

gogen,  guggen  361,19.  411,13.  433,1. 

455,11.  464,17.  499,5,  Ö05,9. 

guldiu,  gtldiD  Adj.Si.n.  130,9.149,16. 

228,29. 244,12. 18.  263,19. 374,17t((m'..- 

Uten  367,12. 

3uh»l.  72,6,  146,21.  475,13. 

grimmiff  68.6.  646,18. 

gült«  Schuld,  Zins  145,16. 

fhmfMerFett'i-ih-ff'l.Schirnrtf 

gameo  Gaumen  491,29.  49331. 

gÜDlich  A4i.  herrlich  593,13. 

wd  28,7.  463,5. 

gfiDÜchen  verheriliehtn  363,16. 

15.  16. 

gÜDlicht  HerrliehkHt,  Giilliehktil  23,2. 

6.  9.  43,6. 

95,7.   246,19.   337,13.  356.24.  391,8. 

riffen  287,6.  468,16. 

476,18;  g&nlJcheit  547,34.  650,9. 

S9,5.  453,4;   griiumkeit  85,1». 

gunnen  P.  528,26. 

'rät.  greiii  wntie»  39,19, 

guDst  166,30;  gfuiBtig  129,1. 

in  mü  den  Zähnen  Imirtehm 

giirtel  40,4. 

288,28. 

güs  Scharon.  OberichKfmmunff  71,16. 

12.  893,9.  340,1. 

götdunkeii  P.  aub»t.  Inj:  633,3. 

5,4.    168,25.    162,29.    168,11. 

gütekajt,  -ikeil  179,24.  380,32. 

guten,  sidi  s.freutidtieh  mMi»«i202,!L 

189,13. 

233,6. 

S58,^  29,  294,33. 

gütgtwüiiiier  Händler  74,2.5. 

riw    179,19.    258,18.    201,29. 

gölheit  178,23.  179,7.  32. 

gfitherzig    6,9,    14,    78,1.  874i2.    97.5. 

gTCi8Uch(eo)    Adr.   »ehr.    I.r- 

124,17. 

582 


Glossar. 


giiti,  gute,  göti  215,16.  236,14.  241,16. 
254,5.  258,15.  263,18.  360,27.  417,14. 
447,24.  467,19.  478,1.  498,20. 

gütig  119,3.  426,26. 

gütlich  24,18.  32,12.  86,24.  102,9.  113,4. 
116,28.  117,6.  122,3.  127,18  usir. 

gÖtschinend  125,18.  156,17.29.  385,16. 

gütwillig  28,31. 

gylie  .V.  lylie. 


Ifaben,  sich  s,  halten^  betragen  553,10. 
haft  I^'essely  das  Haften  190,13.  283,22, 

390,8.  471,14. 
haften  158,26.  473,17.     - 
hag  432,1. 
hakbank  343,8. 
halbgclassen  169,24. 
halm  16,25.  514,3. 
halten,  sich  187,4.  352,4. 
haltnng(e)  218,8.  381,26.  413,18.  463,7. 

486,12. 
bamerschlag  545,15. 
handeln,  handien  behandeln  46,7.  57,4. 

58,13.    68,23.    8r),29.    99,18.    110,28. 

204,25  usiL\ 
handvol  214,2. 
hankrat,    vor    h.tten     ziten    vor    dem 

Krähen   des  Hahns  540,5. 
hantel  (vgl,  Var,)  eine  Art  Handschuhe 

ivyl.  Lex,  7,  1173)  40,13. 
Iiari)f(e),   harph(e)   31,18.   225,5.  323,1. 

3.  400,27.  426,4. 
harphen  242.13.  250,17;  harpfer  432,11. 
harscher  Kriegsknecht  75,4.  83,7. 
havendirn(n)e      Küchenmagd      372,25. 

41 ;  1,27. 
hoogli  43,19. 
beide    125,22.    189,26.    224,25.    242,11. 

240,6.   804,17.   805,4.   828,19.   371,2. 

374,18  usw. 
!ieideusch  heidnisch,  ausländisch  171,12. 

.".28,19.  34S,12. 
heidinn   H)0,27. 

heil  2:).y8. 814, 1 8. 429,13. 4S8,5. 484,1. 22. 
heilnnt  29,8o. 

ijrilii.n'11  47^>,ir\  4sij,*.\. 


heilikeit  120,10.   141,6.   142,4.  Ibälii. 

431,7.  487,6. 
heilklich(en)   Adv,   auf  frommt  Hmt 

101,21.  218,3. 
heüsam  251,24.  252,19.  394,30. 

heimlich,  heinlich  heimlich j  vertraut 
7,9.  42,13.  43,14.  74,7.  79,27.^5,4. 
103,14.  113,24.  120,38  usw, 

heimlichi  (e),  heinlich i  Vertrauthriu 
heimlicher  Ort  6,12.  7,11.  15,:^i. 
16,29.  42,26.  84,16.  115,6.  143;^"- 
166,30.  173,15.  201,25  usw, 

heinlich(k)eit  Vertraulichkeit^  rertmu- 
tes    Gemach    181,22.    491,11.  o^sÄ 

heimüt  Heimat  240,20. 

hein  =  habent  oder  von  haben,  hängen? 
29,1. 

heischen  161,17.  274,8.  309,4. 

heiser  269,28;  heiserlich  Adr.  71,2*2. 
heiterlich   172,14.  304,20.  374,2.  44(v. 
heitri  233,23.  364,24.  424,13.  15. 
held,  helt  370,24.  435,6.  459,14. 
helfif(e)  Hilfe  462,15.  504,11.  17. 

helf(f)io8  375,7x  447,17;  hilflos  2T2.1K 

Hellas  Ältvater  105,19. 

Helyas  P.  Prophet  509,5. 

helle  Hölle  22,28.   62,16.   63,5.  i>i:'.'-^'- 

183.18.  159,12.  212,7.  214,;^.  2:;»'.^ 
287,21  usw. 

hellen   hallen,    lauttn,    iibercvisthni»^'* 

184,9.  844,11.  345,8.  m),iH,  »H- 

4()4,27. 
hellung  das  Hallen,   ÜbereinstimmiK' 

17,28.  27,20.   157,14.   181,81.  :U4.n- 

855,4. 
heisch  höUisch  61,10.  181,11.  2a'i.7. 
hemde  39,7.  107,5.  422,7. 
hendli  30,9. 
hendschlagen,  hentslahen  6uhst.  23b.'«^- 

458,14. 
beugen  nachgeben  503,7. 
hen(c)ken  Prot,  harkte  2(U,22.  :>2.:^'- 

464,10;  sich  h.  264,17. 
her    72,1.    138,17.    211,9.    20.   227.-2^ 

238.19.  241,7.  243,3.  6.  244,3.  252.10. 
264,15  usw. 

\  her  ab  komen  :i65,33.  487,6. 


Glossar. 


583 


10.  76,20. 82,9. 117,28. 140,1S. 

78,1.  284,80. 

lerrlichkeü,     Würde    84,20. 

421,2.  8.  9. 

in   hären   39,7.   89,9.   40,17. 

\H.  20.  107,5.  422,7. 

i^ubst,  Inf.  473,7. 

)4,1G.  315,15.  540,81. 

Hoheit  108,3. 

ngelchor  dominationes  243,17. 
lertikeit  98,15.  106,1.  142,20. 
2S2,15. 238,14. 247,21 .  278,31. 

1  78,1.  83,5.   123,2(>.  181,21. 

38,19.  472,17. 

1  herheiziehtn  128,14. 

1,8. 

11(1  861,52. 

h    hertz(e)klicli    11,9.   14,24. 

5,17.  87,8.  48,26.  48,(;.  r)0,15. 

),2().  100,19  usw.  usw. 

ht  105,1. 
rd  80,2. 
3()8,1.  440,25. 
122,2.  11. 
li't  143,26. 
u  Subst,  453,14. 

—  t  35,31.  41,15.  72,17. 
5,10.  91,2.  11(),26.  204,10. 
r.  218,2  um-. 

r8,l7. 

5b,  —  p  26,17.  444,7.  486,9. 
^Subst,  yeair,  281,1.  481,24. 

SnbifL  Fem,  490,1(). 
69,25.  419,4. 

hertzenlust  14,29.  224,6. 
132,2.  248,20.  825,4.  427,16. 

48,18.  899,21. 

247,12.  459,27.  50:^;. 
Icrzaajt  16,85. 
ach  r.  520,82. 

Subtif.  yeuir.  He.zens- 
27,4.140.7.10.878,15.421,14. 
lorztrut  226,12.  268,19. 


herzenfrid  180,18.  219,26.  221,11.  297,2. 

8(56,11.  488,4.  457,1. 
berzenfr6d(e)  897,11.  460,14. 
berzenwunne  215,2. 
herzen  wünsch  225,12.  23o,25. 
herzU  121,14. 
herzlicheit  895,22. 
hesli  54,23. 
hesslich  185,29. 
Hest^r  266,19. 

her  und(T  komen  sterben  121,1. 
Hilarion  105,21. 
himel,  der  iiünde  h.  241,25;   der  fiiriu 

h.  241,27. 
hiinelbrot  (Manna,  Euchariatiet  50,14. 

298,18.  808,15. 
himelport  252,21. 
himelrich  22,28. 28,4.  80,12.  49,19.  .s9,12. 

21.    95,29.     124,12.    159,13.    201,17. 

412,8.  507,17. 
himelsung  69,22. 
hinielsch   101,14.    192,29.  214,9.  222,8. 

415,28.  416,18.  440,19.  447,5.  452,12; 

biinelscblich  21,16. 
himelscbar  69,17. 

biinelschhait  drr  himmUxdu-  7/^/547.25. 
hiiuclsmak  11,15. 
himeltow  409,5. 
hiraeltrager  80,11. 
bimelfarst  20,12.  246,20.  510,16;  hiinel- 

fi'irstin  {Maria)  11.8,4. 
hinabt    hrutf  Nacht   oder  Abend  51,7. 

8.8,1.   89,6.    118,28.    146,12.    284,29. 

895,22. 
hinderbliben  P.  51(;,18. 
binderdenken   (.sich)   s.   mit   Oedanktn 

in  etwas  nrficftn  28,20.  55,5.74.17. 

W,9.    2(H).24.    207,7.    209,19.    211,7. 

228,3.  22!»,1(;  iisir. 
binderj^an  itherftilhn  .S7,19. 
liinderkhifen  rcrleumdtn  105,10. 
biiiderniss,    -nüs,    -uns    170.8.    221.27. 

879,8. 
hinderschlirlien  ri)H  hinten  hrsvhltichin 

28SJI).  2m;,11. 
hinilerstan  utifln.urn  870,2.  45Sjll. 
bindiian  atn  Uinttu  2^0,17. 
bindnmjre  ^51, 5. 


584 


Glossar. 


hin  glentzen  420,9. 

hinken  429,4. 

hinlessig  fahrinssujy  lau  28,2S.  484,12 ; 

hinlessikeit  133,22. 
hillliche  AdiK  nachläsaiy  297,29. 
hinnen,  hinnan  =  hin(len  41,14.  2().  28; 

von    hinnan    von    hier  fori    287,26; 

hinnan  für  hinfort  51,14.  55,7. 12.29. 
hinscheiden71,26.274,15;«w6«Mn/.89,23. 

312.24.  320,11.361,10.  411,2.538,27. 
hin  trieffen  92,25. 

hin(c)vart,  jüngste   Tod   37,19.   73,24. 

80,2.").  88,17.27.  155,7.  278,15.  287,21. 

315,29.  401,8. 
hin  vliezen,  -fliessen  204,6. 244,4. 249,27. 

315,3.  383,23.  465,16.  499,7. 
hiuwerf   Aus^ivurf   35,11.    13.    225,15. 

367.25.  440,23. 

hin  werfen  49*.  72,10.  121,34.   321,20. 

389,<».  442,3.  489,26.  505,3. 
hinziehende  ding  res  transiioriae  1()9,23. 
hinzug,  jüngster  Tod  274,16.   284,28. 
hinü  Hirn  120,34.  127,28. 
hirskomli  239,16.  18. 
hir(t)z216,16. 388,9. 435,1 1.436,7.469,13. 
hizzig,  hitzig  18,15.  37,5. 134,33. 210,22. 

216,16.  268,9.  271,23.  295,12.  313,19 

usw.;  Iiitzeklich  201,4.  210,8. 
ho(c:)heit  205,2.  24S,21.  429,21.  469,19. 
hochgemut  28,12. 
hohgertogen  1H1,2. 
hochmutig  506,25. 
hochtragent  hochgetrag^n  481,8. 
hochfart,   hofart    133,4.    142,14.    383,7. 

464,23. 
hochfertig,     hofertig     131,22.     420,14. 

443,19.  507,6. 
hohi  27,21.  156,5.  185,27.  309,22.  374,4. 

446,10. 
holizit  hohes  kirchliches  Fest  21,r>.  59,6. 

112,24;  hohzitklich  233,21. 
holt  holdj  gewogen  415,4. 
holrz  442,31. 
hoiig,  honig  96,1H.  159,17.  223,7.  427,13. 

43.'),5.  552,3. 
honitr^^oin  Jlonigsdin  22o,7.  264,27. 
lior    (ivnct.    horwcs    Schuuil:    138,26. 

237,3.  473,14.  542,20. 


hord,    -t    Schatz    29,17.    30,10.    5i)Ji. 
207,20.  259,6.  263,13.  27o,l.  290,2.').    ' 

366.27.  429,6.  439,7.  538,23. 

hören  aufhören  44, J.  69,10. 
hörn  43(),8. 
I   hof  111,8.  112,7.  137,5.   152,22.  2421 

284.28.  304,10.  374,28.  442,.m  447,7. 
457,1.  490,14. 

I  hof(e)lich  fein,  artig,  zart  12,24.  2tv. 
149,9.  369,29.  371,24.  372,17.  STU 
447,13.  450,30.  458,4.  460,21.  4«1J. 

hover  Höcker  135,29. 
I   hovieren  in  festlicher  Geselligkeit  sich 

erfreuen  149,12. 
;  hoftür  74,27. 
I   hübsch  30,8. 121,29. 122,7. 139,3.  m^- 

hufe,  huff  Haufen  68,26.  552,23. 
,   huffen,  die  Hüften  45,9.  20. 
hügen   sinnen,  verlangen  498,20;  w- 
pers.  264,24 ;  sich  h.  s.  freuen  233;2a 

hiiglich  freudig,  froh  18,3.  28,13. 93,5. 

258,22.  277,4.  811,16. 
hügnüst,  -niss  Gedächtnis  169,13. 803;23. 
huldte)  73,9.  2,50,25. 
hnlden,  sich  s,  gentigt  machen  92,7. 
hülsche  Hülse  207,15. 
hnlzin,  hultczin  hölzern  41,6. 50,2^- ^•^' 
hund  58,6.    368,27.   397,19.  443,S.  13: 

hündli  100,22.  121,34. 
hündern  =  hindern  474,16. 
hunderste,  daz   aller  =  hinderste  dof 

Alleröiisserste  209,26. 
hunger  296,25;  bungermali/ttw^«"!'^^- 
hungersnot  Bedrängnis  durch  Hunflfr 

443,2. 
hungfejrig  91,5.  121,15.  4.56,5. 
hure  heuer  409,15. 
hüsli  66,4.  71,19. 
hüswirt,  husw.  24,21.  142,19. 
höt  38,2.  484,23. 
hüter  414,23.   420,10;    hüt^rin  2r)l,l7. 

321,11. 
hütig  236,19.  469,3. 
Iiütuust  Behiltung  103,10. 
hüwlen    heulen    57,27.    86,17.    122.21. 

131,4.  238,29.  287,14. 
hymnu.s  33,7. 


•■rgang  98,0. 

>9,4. 

■MD    liii:>,27,     282,30.    :!Hö,4. 

.  370,18.414,7.459,7.0(14,12; 

in  ^luigeD  549,27. 

1  stenien  Komrten  hbi.X. 

3!H),M. 
3,17. 

U  71,22. 

t  auf  beiden  ÄViVfi.  40,».  43,7 ; 
3,21. 
eit  52*. 

0  gtradr  jtlst  370,33.  4;>4,a 
1,24. 
der  beJÜ?  3S2,ä&. 

tttea»    188,3.   345,8.   353,35; 

187,15.  329,3.  335,14.  342,8. 
ihtikeit  342,21.  %3,25. 
ieHter  hinein   331,11.  342,11. 


sieb  186,8. 
n  it  Phanl  asiehildem  vfiih  ischl 

•  Einirrägiing  der  Phantagtt- 
tHfnii>»io  306.14. 311,2!.  831,7. 

524,8.  526,21.  23. 

ibiM    Mahlsiit    44,5.    86,27. 

fruger  i.  74,1^1;  vast^nder  i. 

15.  158,31.  189,19.  33ö,lU.  11. 

850,24.  478,7. 

301,11. 

1  157.1. 

:inbruch  382,4.  463,14;  i.  der 

^intifhung  der  Sinne  168,30. 

inbrüchig  innerlieh  175,36. 

15,28,  16,4.  18,16.  29.  107. 
[ÜB,ia  133,13.139,30.140,13. 
tr,,-tDbniaHt(k)lich,  inbrüiiatic- 
11.314,3.317,16.395,27.435,2. 

SftUngrunil  161i,2a 
ubilo  21,19. 
1,  in  IriLiizen   V.>V^i.   193,1. 


«aar.  585 

I  indrak  8,21;  in  drnken  134.27.  19ti,llt. 
I  ingang  Eingang,  Veraetkung  in  Goti 
■  4,2(i.  Iß7,28.  232.21.  245,10.  284,2S. 
'       293,14.  380,3.  431,3.  479,18.  48r>.29. 

493,17. 
in  gebHckeo  P.  615,3. 
in  gebrecben  382,19.  463,27. 
'   ingebnrt  des  nortes  Ztugitng  den  Sohnes 

aas  rffm  Viiter  (in  der  Triniim)  279,ß. 
ingeleze  Einflüeterung  311,23. 
ingead    ringeltend,   btginntnd   26,2.   4. 

27,7.  .^29.  111,17. 
ingenomenbeit    Vertmkung    in    Gott, 

Beschauung,  VertOctung  23,e.  174,17. 

182,29.  188,6.  329,16. 
ingeHclilosBen  Part.  361,18. 
ingeiiiHd(e)  20,11. 42,17. 69,16.  111.8.15. 

112.1.  233,20.  368,5.  407,8.  427,18, 
iDgetdii  Part,  eingttogen  163,15.  167,1. 
ingefloMeuheit  Einflitssung  193,7. 
ingezogeu  irt  die  Betchauung  vtrsunken 

144,12.  352,11;  ingezogenbeit  478,8. 
iugnmd{e) ,     TOn     ana    dem    inneisttn 

Grunde  48,7.  217,14. 
iBgmotlicb  Adv.  von  Grund  aus  11,7. 

13,27.  126,17.   138,1.  239,23.  257,11. 
b]  buDgeo  einiBobnen  186,27. 
iiibiteig,  inhiK(x)ie/cur^  24,31.  886,17. 

466,17.  484,16. 
injebeu    nubst.  Inf.    Zurüekbtnth-ung 

335.24.  359,12. 
inker    Einkthr,    Versenkung    fin    aifh 

selbst,  in  Gott)  1ii8,15.  169,a5. 223,21. 

289,20.  309,13.  826,11.  332,2.  435,14. 

470.4. 
iu  keren  335,G.  431,17. 
in  leiten  einfahren  163,13,  170,25.  391,3, 

476,10. 
iuliden  subst-Iaf.  Gelassensein  164.19. 
inliihten,lnlähteD4,7. 28,1. 85,24. 101,9. 

168.16.  181,29.   196,7.  304,21.  327,6. 
328,8.  390,5.  396,2,   471,10.  478,16. 

inne  blibeu   180,2.    184,23,    185,19.  31. 

186,7.  191,28.  235,10.  844,27.  431,16. 

inueirendig,   inwendig   1tll,19,    182,20. 

296.17.  463,25.  4!l7,:i. 
inneweiidirkeil.,  innendekeil,  17,26.27,24. 

48,20.  93,30, 


586 


(ilossar. 


innen  werden  500,20. 

in    nemen    in   Gott   versenken    106,35. 

161.12.  338,16.  343,25.  344,2.  3.  4.26. 
innemung   339,12.    346,17.     Vgl   inge- 

nomenheit. 
innerkeit,  inr(e)keit  11,13.   33,7.  (>3,9. 

163,14.     167,15.    16.    169,33.    211,5. 

221,10.    365,<).    389,6.    7.   9.    444,13. 

470,7.  9.  10.  14.  497,22. 
innerlieh,   inrlich   24,11.    36,20.   48,26. 

95,26.    133,20.  14(5,12.  148,2.  167,15. 

174,32.  179,3  usu\ 
innig     innerlich,    innig,     indistinctus 

92,30.  164,1.  165,24.  179,18.  181,16. 

191,31.  355,3.  358,7. 
In  principio  186,9. 

in  rihen  Part,  gerigen  einsfechcn  542,10. 
in  runen  einßiisiern  504,18. 
inschiessender    gedank     8,26.     125,34. 

498,11. 
inschlag  Kntriickung  {myst.)  54*.  184,22. 

189,21.  193,19.  327,5.  1^3,18. 
in     schliefen     Frät,     Bchlofte     hinein- 
stecken 40,5. 
in  senken,  sich  186,3. 
in    sezzen    159,21.    162,6;    insetznnge 

:i50,18. 
insigel  Siegel  68,10.  155,18. 
insprcchen  suhst.  Inf.  Eingthnng,  Ein- 
sprechen  13,20.   87,8.   201,11.  501,5. 
in    Sweben    88,12.    173,18.    185,().    16. 

193,21.  330,14.  350,24. 
in  swingen  in  Gottes  Wesen  versenken 

53*.  193,22. 
in  trugen   eintragen,   beibringen   97,10. 

169.13.  331,8.  340,23.  351,22. 
inturstig  sehr  durstig  210,7. 

inval(l)     41,3.     61,25.    399,24.    499,23. 

:)00,12.   18.  503,3.  505,8.  507,1.  3.  5. 
intldschungie)  incarnatio  334,3.  356,12. 
in  tliessen  178,21.  473,4.  478,5. 
inHnz,  -»'S  Einßuss,  Kinfliessung  197,12. 

200,:{.  243,14.  302,5.  471,26. 
in  tinvn  169,29.  221.2S.  328,11. 
inwert  Adr,  einwärts  413,11.  496,11.  13. 
iii\v»:s<'n(l  darin  existierend  187,7. 

in  \\\>rn  u;:^,ii.  1G«;,7. 

in  wonrn  47S,1<;. 


in  wurtzeln  P.  533,22. 
inzügig  mit  Genet,  hereinziehend  1611.24. 
Ipericius  AUvater  105,9.  106,11. 
irdensch  251,2.  266,3.  293,17.  28. 
irde(n)8cheit  irdisches,  unvoUkommmtt 

Sein  310,1.  390,21.  472,4. 
irren  s.  ierren. 
ir(e)8heit  Xeutr.  ihr  eigenes  Sein  IsSJi. 

337,13. 
is  452,17. 
Isaac  409,21. 

Isaias  36,10.  363,6.  382,2:^.  420,7.  mi 
isen  427,7. 

isenhalte  eiserne  Fessel  14,1. 
isnin,    isin,    iscnin    eisern   39,7.  41.'. 

107,6.   252,7.  422,7.  452,16.  '^2.29: 

iserin  P.  531,8. 
Isidonis  AUvater  105,7. 
I8ra(li)el  454,20.  530,13. 
istig  existens,  suhsistens  171,*20.  i^^'M' 

329,10.  337,17.  .534,3. 
istekeit,   istik.  esse,  existentia  1^.25. 

186,8.  335,17. 

J. 
Jacob,  sant  546,21. 
jagen  166,8.  4(KX6.  427,20.  469/2. 
jainer    27,27.     111,16.     139,30.  i'AÜ 

220,10.  223,12.  234,8.  268,17. 27i'.2l. 

28  imc, 
jamern,  jamren  22.3,1.5.  241,18. 
jamersang  69,25.  239,11. 
jamertal  91,2 1 .  237, 14. 433,2. 44r),3.:>:^' '• 
jamrig  82,2.  95,5. 142,28. 173,22.822.11. 
jannarkt  74,20.  26.  7(>,10. 
jehen    zugesteheti^    entsprechen  S4,2l^' 

157,4.  429,20. 
Jeremias  183,8.  236,6. 
jerlich  434,6. 
Jerusalem  37,3.  278,14.  367,7. 22, 37S.1". 

432,1.5.   439,9.   12.   440,19.  451.t^.  ^ 

490,16. 
Jesus  15,26.   21,18.   24,14.  2.5,21.  49.5. 

50,6.    58,24.    102,20.    140.26.    V^^- 

14.  17.  22.  24.  154,5  usn\:  deruame 

ms   16,11.2.3.   41,27.    1.54,8.  3iv2.T. 

393,16;  Jesus  duicis  memoria  225,31 
Job  .55,19.  71,9.    182,3.  367,2.5.  W3 

489,27.  490,4. 


Glossar. 


587 


.  auch,  sowie,  füftcahr  79,30. 
50,28.  222,19.  285,23.  380,29. 
422,16  U81C. 

t.  Joch  56,7.  212,19.  216,6. 
362,11.  381,27.  383,26.  413,2. 

hhfisAUvaier  104,15. 106,3.27. 

Johans  der  Apostel  102,8. 
125,81.  340,20.  345,5.  347,23. 
10.    471,16.    545,25.   546,18. 

'hrysostomus  50,22. 

.  der  Täufer  b09,i.  510,15. 16. 

M. 

le  benedicere  38,11. 

tbilieren,  in  geistliche  Freude 

sein    15,21.    21,24.    173,11. 

30.  175,20.  23.  242,4.  246,27. 
•3,2.  7.  21.  25.  374,20. 446,25. 
i  125,32.  126,1.  2.  5.  6. 
6,3. 125,21.  509,4.  20.  539,28. 

23.    106,19.    125,31.    190,5. 

13,24.  2<)0,1.  11.  12.  261,24. 

,13. 16.  291,14  MA/r..- juuger- 

t2. 

14,19.  116,9. 

23.  21,8.  69,20. 

—    frowe    406,10.    407,11. 

1,  -  frowelich  29,11.  252,25. 
»,12.  481,6. 

21,3.224,19.230,10.308,22; 
te  zit  324,4. 

t    ritterlicher   Zweikampf, 
365,13.    370,26.    371,12. 
9,16.  460,8. 

K. 

illen  innalich  hvweyi  stitu 

5,29.  290,21. 

^alaiider. 

verdrn  406,S.  430.26. 

127,1.  322,24. 

3ll  16,16.  30,13.  135,25. 

naiiirlarfifjrs  Khid^  Kuttt 
1.  413,10. 


capell,  kapell  42,12.  44,5.  48,15.  60,1. 

11.  16.   93,28.   103,7.   14.  23.   104,2. 

109,15.  16.    116,3.  5.    131,8.    144,12. 

386,2.  396,22.  897,1;  keppelin  448,17. 
kaphen     verrvundert    schauen,     gaffen 

252.15.  16;  gaf(f)en  75,1.  146,6. 
capitel(l)  Versammlung  der  Mönche  und 

Ort  dasu,  Ordenskapitel  84,17.  .35,1. 
89,3.   42,16.  25.  124,27.    145,20.  23. 

175.16.  196,16.    537,1;     capitelhus 
174,29. 

kaplan  117,12. 

karfunkel  414,15;  -staiii  551.21. 

karklicb  363,19.  421,19. 

karre  Masc.  Karren  503,25. 

karrer  Kdmier  385,24.  467,32. 

karwüche  Karwoche  3(),10. 

Cassianas  (Johannes)  105,28.  106,34. 

Kayn  501,12. 

Cayphas  204,9.   315,9.  540,15.  544,24. 

kech    56,5.    120,81.    459,22;    kechlicb, 

kecklidi  105,4.  149,19.  190,6.  365,16. 

370,24.  436,13.  459,14.  5.53,10. 
Cedar  439,10. 
keiser  246,20. 296,12. 15.  416,16. 503,17; 

keiserin    219,30.    420,23;    keiserücb 

91,34. 
j   kelblin  420,8. 
kelch  260,26. 

kele,  käl  208,4.  369,19.  453,27.  457,15. 

552,8. 
kelr(e)  Keller  384,5.  466,4. 
kelti  82,1. 

kempfe  KümplW  432,14;  kempfer  553,3. 

kemphen  246,5. 

kepsun  unehelicher  Sohn  147,1. 

ker  Abkehrung,  Behhrung  8,14.  13,24. 

28,29.    96,9.    110,6.    132,34.     133,21. 

216,12.  228,13.  247,1.  282,13.  298,11. 

311,17.  385,1.  467,7. 
kereber,    kerker    311,5.    361,21.    379,3. 

411,15. 
keni(o)  207,16.  238,3. 
kerzo   22,7.    153,21.   22.   23:    kiTzwibi 

Knentuuih*   an  JJvhttutss  20,24. 
kcs  K'lsv  75,2. 
kessi'liii  48,5. 
kcssibodt'm  Krsse/Oodm  427,lo. 


588 


Glossar. 


kesKOgen  kasteien  108,22. 251,25. 3()5,24. 

486,24;  kest(i)ffuug  39,2.  105,1. 107,4. 

289,8.  473,21. 
keten,  kettin  Ketie  39,7.  422,8^ 
kevi  Käfic/  251,14.  297,4. 
kezzer  77,14;  kezzerlich  08.23. 
Cherubiu  243,74.  805,30. 
(Miristus,  Cristus  48,25.  54,8.  18.  07,9. 

09.12.  a5,26.  86,2.  87,0.  89,22.  92,3. 

98.13.  99,24  usiv. 

kiesen  209,27.  806,3.  353,80.  363,10. 
kilche  Kirche  121,20 ;  küchgang  505,10. 
kindbeterin  (Maria)  29,9.  16.  80.  80,3. 
kind(e)li(n)  25,21.22.  102,20.22.23.83. 

121,4.  25.   27.  29.  82.    122,2.  9.  23. 

184,84. 140,3.  863,15. 18.  420,9. 12.  16. 

421,5. 
kindskinder  P.  533,24. 
kintheit  93,29. 110,26. 201,8. 276,2. 506,8. 
kintlich  30,9.  85,24. 109,29. 110,3. 122,6. 

201,2.  231,19.  260,12.  267,16.  22.  25 

U8W,:    kiutsch  =  kindisch    kindlich 

30,12. 
kinne  552,6;  kinnbeiii  61,19. 
kiperwin  ä.  Cyper. 
kisling  Kieselstein  175,8. 
klaf   T'Vm.  verleumderisches  Oeschwütz 

128,19. 
clagspruch  397,9. 
klag>vort  125,19. 
klank  806,19.  886,30. 
klapern  82,2. 
klarheit    158,8.    177,20.    194,26.  213,9. 

228,17.  238,30.  242,1.  274,28.  277,17. 

291,23  usw, 
klarlich  (jlänzend  59,24.  885,20.  467,28; 

evidenter  190,8. 
klawe  40,28.  282,10. 
kle  872,17.  461,20. 
kleben  156,7. 
klcckeu  sahst.  Inf,  das  tönende  Schlatjen 

545,15. 
kleiben,  sich  s./estheissni  871,27. 460,25. 
kb'idcn  224,4.  829.23.  440,2.  492,17. 
kleinbf'reit  800,18.  19. 
kleirifd  KUinod  5S,14. 
klt.'inhrit   KUinhvit,  Schirächr,  Oerinri' 

J'iffjighit  205,7.  284,4.  25s,2S.  206,12. 


304,29.  883,6.  404,22;  kleiui  26.1.U. 

285.10. 
kleinliche  Adv.  gerinff  474,16. 
kleinfüg,  -füg  Mein^  zart,  sahtilis'E)S 

244,11.  500,11;  kleinfugklicb  292.10. 
Clemens,  sant  48,13. 
klert  =  geklert  verklärt  299,21 ;  gekiert 

244,10. 
klinglen  plöischern  48,4. 
klose,   kluse    Klause^    kleine   Begintn- 

niederlassung  76,9.  140,17. 19.  öll.lö: 

bildlich  296,27. 
kloster  59,80.  67,7.  83,8.  97,1.  102,14 

103,9.  104,16.  1154.4.  135,11. 2S0.1. 

382,19.  414,17.  403,27.  484,25. 508,12. 

511,10. 
kluben  klauben,  abpicken  239,17. 871,24 

400,21. 
klög    hubschy    zierlich    55,28.   323,2\ 

440,19;    klugy   weise   98,22.  482.1»»: 

klökheit/ei«c*  Benehmen,  Schicklich- 

keit  376,20.  448,32. 
knape  370,22. 
knebli  121,22.  122,7. 
kneht  Knappe  149,9.  205,8;  knehte 

219,10;  knehtliche  vort  timitrsmilüf 

182,10  (vgl  454,15  Anm.). 
knolleli  kleiner  Knollen  50,13;  knolloht 

knollig  45,0. 
kole  Kohle  60,10. 
coelum  enpyreum  241,27. 
collacion  Abendmahlzeit  47,21. 
Coln  143,10.  152,28. 
conplet,  complet  81,9.  36,21.  45,30. 47.S. 

17.  48,27.  415,10. 
conscienci(e)  212,26.  225,21.  487,18. 
contrarium  341,2.  7.  10. 
convent,covent,konventÄ'/oÄfe?iyrt»rtW' 

10,12.  25,10. 13. 15.  43,80.  145,15.16. 

414,4 ;  Kloster  überhaupt  45,31. 69,4. 

87,18. 
convers  Laienbruder  80,12. 
köpf  Becher  24,25 ;  kopili  40,15. 
kor,  chor  Chorraum,  Chorgebet ^  hiwm- 

lischer  Chor  10,12.  14.  86,12.  48,10. 

62,10.  71,4.  5.  103,7.  110,33.  111.23. 

112,1.  113,8.  116,6.  131,16.20.  14^^^». 

248,13.  886,4.  5.  413,19.  512,3. 


^^^^^^ 

-      ^w^^^-'^^^^H 

^^^^^f                                                                   589       ^1 

B,1U;  körbli  3'>^. 

181,25.32.  190:25.  194,11.  :(7H.l.=..ai. 

StiftthriT,  canonicum  Ii(i,lü.  IS. 

+89,9. 

). 

cristeu  Sulmu  Cliri»i  492.7. 

6,15. 

kristenlmit    156,21.    800.2.^.   327,8.  IS. 

lörpfi-,  Leichnam  77,HI. 

32H,6.  334,15.  351,27.  451,13. 

l8,2;-t.  148,21. 197,13.  U.  54«,2.26. 

criattormignfleA  ChfigtiYoA-ildgmaltet 

:t,sUmmf>ca>ni    73,38.    i2i,aa. 

34.17.    134,6.   335,26;    cristfonuklich 

i. 

50*.  145,4;  kriatmeBBig  350,6. 

loBtpcr  88,2+.  12!,17.  258,23. 

kron(e)  224,16. 241,10. 244,12. 15,  261,17. 

320,18.    +16,7;      koBlIierlich 

,371,8.  392,14.  414,11.  430,16.  460,a.4. 

ä. 

480,11;  krönen  205,23. 

er,  XXpfuud  r.  (pbennic)  146,13. 

krot  Krölt  77,lfi. 

.  kieftlos  113,1S.  230,26.  26S,22, 

crucifisTis,  crueitix  Ntutr,  16,16.  ÖC,+.  s. 

l.  318,36. 386,21 ;  kraftlosi  +5,23. 

67.8.  22.  135,85.  196,3.  197,1.  314,21. 

,  87,19.  319,17. 

379,16  389,17.  470,21. 

ehuach,  hinfaüig,  krank  18,27. 

kr&gü  49,6.  7.  8.  30. 

78,-2ä.  84,5.  89,1H.  90,3.  97,2. 

krumb    krumm   112,13.  377,4.   449,17; 

107,lfi.   161,10.   191,1.  215,25 

en-dreht,  listig  450,2. 

krankheit  54,6.  91,29.  107,1(1. 

knit  313,26  334,82. 

i   116,23.   136,22.   134,25.  I9S, 

krtz   17,6.  m,2.   35,29.   !)6,1+.  16.  18. 

l.  162,2  «.(c. 

41,2.  6.  9.  79,7.  87,18;  krt(tjzgang 

ur.  krezze   die  durch  KraUen 

Kreitilmguitg  Christi,  Kreutgang  im 

mdrw    Wände  411,22. 

Kloster  34,2. 24. 25.  35,6.  86,20.  ,->8,7. 

46,9. 

2<B,25.  415,19.  443,9;  in  krftzwi8(e> 

l,  creaturli  8ö,13.  455,1« ;  Vrea- 

57,96.  59,13.  2.54.2. 

li,    creaölrlich     193,17.    328,22. 

knizgen  87,11;  krüzger  261,1S. 

832,20.  948,17.  3+9,18.  353,35. 

kuchidirti,  küchidirue  376,12.  +48,3+. 

471.14. 476,17.  494,19;  kreatur- 
leit,  creatürlicheit  19^,2.  332,17. 
).  430,7.  490,28. 

kuehischwf^Hter  422,1. 

kumber  Miihaal,  Bedrängnis,  Belastung 

W       VorkonUr,       Mundschenk 

137,21.  218,10.  247,8.  288,1+.  822,16. 

T. 

390,H.  431,9.  437,20. 456,12.  +71,14. 20. 

ffich  73,27.  I73,I2.-223,13.30;j,19. 

477,17. 

X  8*5,7.  +38,16.  433.29. 

EngeUhOr  principatua  2+3,18. 

mtlheü  487,28. 

08,5.  7.  11.  191,19.  25. 

künden  +1615.  433,S.  +87,tJ. 

»chädigen  381,26.  46.^,5. 

kündig,  kundig  grschiekt,  lisitg  14r.,ll. 

tt  Kränslei»,  aureoh  244,13. 15. 

471,8. 

t  447.9. 

kundBami  a.  kuiits. 

l  888,8.  469,12.  +73,14. 

|6l  Jtat^ogel  mi,H). 

künftig  284,24.  406,1.  472,5.  608.10. 

lApfe  Krippr  363,16.  421,11. 

küng,  köuig  183,18.  219,9.  248,30.  266. 

».  gripfeD  gr*i/e»,  trfa»gtn  6f<,2. 

17.   22.    267,3.   273,17.   277,13,    14. 

80,21.  81,25.   112,11.   156,6.  1;.. 

296,12.  322,3.  367,8.  368,12.  376,12 

30,17.  243,9. 

uw.;  k«ii(i)gin    17,20.  37,1.  111,14. 

teiatMi.i*\eftf-X(.cA  &2*.  89,H. 

212,23.  219,30.  248.1.  262,15.  263,11. 

i.    876,80.    501,1;    kristunlich, 

Ifi.  264,9.  265,2.  16  mw. 

IBeh4,18.  110,11.  12a,6  18S,l. 

köini)grich  86,Ö.  2S1,23.  510,26.  2». 

590 


Glossai'. 


künklich,    künifflich     203,1:>.     4()7,11. 

491,30.  5H8,17.  589,7;  daz  k.  rieh  = 

Kreuz  542,19. 
kfinheit  205,9;  kunlich,  künlich  370,80. 

871,9.  459,21.  460,6. 
kiinne  Geschlecht  270,11.  388,25. 
kuimen,    künnen    sahst    Inf.    228,18. 

462,25. 
kfmsch,    kÜ8ch    peitsch    105,22.    552,5; 

kunschklich  106,11;  künschkeit  105,2. 
kuiist  Wissen,  Kenntnis,  Geschicklich- 
keit 5,16.  14,8.  53,6. 15.  20. 23. 27.  31. 

54,2.    10.    12.    9S,31.    104,10.    176J. 

190,11.  250,6.  255,8.  256,10.  262,16. 

280,24.  328,19.  341,11.  388,2.  506,3. 

512,16.  537,11.  538,28. 544,8.  552,1.2; 

du  götlich  k.  Theologie,  du  uaturlich  k. 

Philosophie  888,2.  550,4. 
kunstig   kitig,  gelehrt  250,9;   künstrich 

256,18. 
kunt   450,2(>.    453,17.    455,1;   kuntlich 

119,11.  125,10. 141,15. 142,29. 158,10. 

177.28.  179,18.   190,25  usir. 
kuntsami,  kundsami  Kenntnis,  Bekannt- 
schaft 7,5.  22,22.  97,6.   171,10.   17. 
176,H.  873,8;  kuntschaft  228,14. 

kürzen  508,7. 

kfirzi  314,25;  kur(t)zwiL  ktirzwil  9,80. 
14,1.    101,14.    269,15.  860,7.  3()S,2(>. 

876.29.  877,2.    405,8.  415,8.   481,15. 
448,8.  449,9.  12.  482,12. 

kürzlich,  ktir(t)zlich  Adr.   H8,8.   99,10. 

116,18.    128,22.    180,7.   132,8.    148,4. 

314,11. 468,8.  474,8;  kürzeklich  48,27. 
kürzrun^^  Kürsunfj  878,28. 
kusch  .V.  künsdi. 
kuss  126,7.  294,10.  542,5;  küssen  225,7. 

819,2.  821,14. 
küssi,  küssin  Kinfnen  17,8.45,1;  küsseli 

45,2. 
küwen  knaen  802,14.  391,21. 
Cypt^r  808,4;  kiperwiu  466.7. 

L. 

laclic    PffU-r    71.8.    124,4.   6.     l<;i,8l. 

287.8.  8s:).2:).  46S.1. 
lach. 'II   172,10.  4U7.1.  4S2.4. 
la.le  113,25.  2s.  29. 


laden  Fensterladen  137,10. 

la^e  Hinterhalt  282,26.  2S(),10.  554:21. 

lagen  P.  517,7. 

lambli  s.  lembli. 

lampad  Neutr,  Lampe  288,8. 

lang:wirig   lang   dauernd  56,17.  'i^K\ 

109,2.  152,16. 
lappe  Lappen  487,13. 
Lasarus  489,26. 
lass  ermattet  548,18;  laazheit  Trägheit 

Sichgehenlassen  481,9. 

lassen,  laszen,  sich  auf  den  eutfufn 
Willen  vereichten,  sich  Gott  ergehen 
161 ,2. 6. 9. 19. 21. 28.  162,1. 25. 164.17. 
167,12.  170,1.  307,2.  834,24.  871,21. 

475.8.  15  usw, 

laster  Schmähung,  Schimpf,  Makd, 
Fehler  72,16.  119,5.  207,29.  815,26. 
3 16,3. 487,29 ;  la8ter])erend  78,6 ;  Ima- 
lieh    schimpflich    77,14.  21.    120.5. 

204.9.  815,7.  362,7.  412,12;  lastersack 
(der  Leih)  399,2. 

latin  124,27.  328,6.  895,20.  896.6.  897.4. 

519,26. 
latwerge  11,15. 
law,  law  lau  227,9. 233,18.  237,1. 3<i2.^ 

485,12:    lawklich,    leweklich  22?^.:^ 

468,1;  law(e)keit^  lawekeit,  lewekeii 

28,2H.  215,24.  221,14.  365,12.  4:« 

499,9. 
lehlich  lebendig,  frisch  89,3.  «)2,4.  9Ö.:i 

98,7.    194,4.    228,12.    22.5,3:  lebliohi 

8S,7,  2(X),3. 
lebtag  Lehensseit  210,9. 
lech(e)lich    lachend,  freundlich  14,2i 

15,18.  178,6. 
Lectiüus  noster  floridus   131,29.  495.2. 

496,3. 
ledgen,    lidigen  frei    machen    30).14. 

809,27.  810,22.  425,26. 

lediif,  iidig  ledig,  fr^i,  unbehindert '1\:'. 
28,29.  54,18.  89,26.  94,15.  llKT. 
169,12.  20.  181, .82.  182,12.  196.16 
usw. ;  ledklich,  lidklich  127,7.  232.14. 
21K),1 ;  ledikeit,  lidikeit  das  Losgdi'Si- 
siin  168,8.  2l»6,29.  474,11. 

Icf'tze  550,28.  551,1.8. 


Glossar. 


591 


8.  nVirtn  870,9.  874,27.   ' 
.6.  458,1S.  4()0,12. 

tuvel   187,  U;  leidig:  be-  \ 
übend  lß8,4.  512,10.  ! 

Jen  189,2(). 

;  leiter  268,1.  446,8.  r)53,12. 
lersUch    204,17.   213,2.  5.   . 
1,5. 
ip     Anführer    875,8.  4. 

I 

B  I 

in  5:W,2().  I 

li   134,10.  204,15.  259.28.   ' 

261,80.    277,12.    317,23. 
29.  44S,9.  r>87,S.  540,15.  84. 

in   2S9,18.    82S,1.8.   842,8. 

458,1. 

Inf.  210,26.  817,9.  14. 

I.  446,18. 

r-ntenceisung  63,24. 1()3,10. 
32,28.  197,26.  28.  200,2. 
S,9.  851,27.  357,7  usw,;  in 
1^8,7;  lereknappe  459,11. 
en  488,13  ff.  519,25.  532,19. 
180,17.  18.8,11.  197,19. 
,8.  254,17.  328,17.  ;m,l4. 

en  (die  Hören)  414,5. 

utaer  39,18. 

m  875,80.  44S.9. 

tion  .585,24. 

i  schödiffcn^  verletzen  85,3. 

,20. 

,1().  80,7. 
Libanon    810,12;    Weih- 

18. 

16,1.  498,5. 

Adr.  leicht f'erthß  488.18. 

1,18. 

tif/lidikcit  840,15, 

in  Geduld  .schicl'un   KJ'J.s. 

168,ls.    4S5.12.    524.11; 

50,4.  :tt>2,3.  479,25.  49.8.25. 

Ifiddi'rl^.S.  !>1.2s.  !»2.11. 
:),29;  lidcrin  142.1s. 

40,5.   18. 


lidlixhidend,  ertritglich  41,26. 48.8. 78.72. 

12(),2.  253,6.  277,24.  294,18.  896,24. 

413,16   lAsiv.     V(jl.  ledifi:;   lidekliche 

Adi\  505,1. 
liebbrieflf  Liebesbrief  484,11. 
lieben  lieb  machen  120,19. 127,7. 550,24; 

sich  1.  422,12.  456,1. 
liepkosen    subsU    Inf.    3(14,28.    872,7. 

424,21.  461,11. 
lieplich  freundlich,  angenehm    108,18. 

118,11.    122,10.    130,10.     174,6.   18. 

2a8,31.   212,9.   217,19.   221,2.   225,6 

usw.:  Ueplichi  14,30.  1(J6,26. 
lieblos  ohne  Liebe  10,7.  221,9.  270,5. 

271.1.  276,7.  889,19.  446,1.  470,28; 
lieblosi   Verlassenheit  2()1,21. 

liebschen  878,2.  450,28. 

liebsSchend  57,12. 

liechen,    daz   werk   1.    Flachs  rupfen 

136,14. 
lied  Gesangsstrophe,  Lied  26,5.  31,27. 

189,28.  84,  35.  140,8.  12. 
licfror  Lügner  49*.  467,1. 
lieht  Subst.  11.5,11.  1.57,1.  169,3.  19(),12. 

242,6.254,11.  4:^8,18.  46(J,18.  471,27. 

28  usir.;\ichthnngeTiu( Maria)  17,22; 

liehtmifls    Maria  Lichtmess  29,7.  8. 

58,25. 
lieht  Adj.  hell,  strahlend  468,27. 469,12: 

l.rr  schlaf  Verzückung  198,17;  lieht- 

ber(e)nd  glänzend  378,5.  450,26. 
liehtrich  ()4,2S.  95,26.  180,9.  18.  1.56,28. 

180,19.  188X  190,18.  19.8,1(5.  194,28 

nsu\:    lichtvar  hellfarbig,  strahlend 

224,17. 
liken  mit  Genet.  ttiras  attssjiüren ,  er- 
picht sein  97.21.  158,29.    Vgl.  Schien:. 

Idiot.  IIT.  1250. 
lilie,  hiitj  ^8.1.8.  212.1.  222,  K».  224.28. 

242.10.  248.4.  266,21.  297.1.  430,27. 

488,24.    484.3.    44n.4.    495.6.    .■>4(),8. 

552,1  s;  g:ilyo,  gylie  5U,8.  ."»51,8. 
lind  155.17. 
liuptijr  fingenthm  25.1. 
lins  =^  lis  sanft  .871.24.  4(50.21. 
liplich  70.17.    19.    78,1s.   VH\.VX  192,s. 

197.28.  209,s.  211,15.  215,28.  221.25. 

224.2.  298.5.  S  //v/r..-  lipliehkrit  157,25. 


592 


Glossar. 


list    Klugheit,  Kunat,  List   14,8.   89,5. 

10:^,18.  115,25.  137,8;  li8%  552,2. 
lob  Laub  452,9.  478,14. 
lob(e)lich  132,19.22.  156,27.300,10.11, 

12.20.  352,1.  364,10.  375,11.  442,24. 

447.2.  543,24;  lobrich  18,11.  27,25. 
90,6.  21.  138,21.  394.24.  .395,1.  18. 
396,(). 

loblicd  15,3. 

loc  Flur,  locke  Locke  551,15. 

lochelin  P.  535,2. 

lof,  loff  Lauf,  Gang  (der  2s'atur,  Ge- 
stirne, der  Zeit,  des  Lehens)  171,13. 15. 
172,10.  385,17.  :^8,7.8.  420,3.  4(i7,25. 
468,9.  469,11.  470,2.  476,11;  einen 
lof  machen  einen  Zulauf  des  Volkes 
hvwirkm  67,23. 

logcnen  leugnen  176,13;  lo^genunge 
329,5. 

lonber  lohnhringend  250,1. 

los,  los  locker,  leichtfertig  435,5.  449,27. 
549,27. 

lotsen  353,8. 

loser  Erlöser  (Christus)  215,2. 

losen  hören  159,10.  176,6.  194,15. 

loss  Loos  542,32. 

lowe  260,16.  420,8;  lowin  .4^;;.  540,34. 

Lovica,  die  kunst  L.  aristotelische  I^ogik 
176,7.  328,19. 

Lncaö,  sant  P.  511,2(). 

Lucifer   P.   511,12.   533,12;    hiciferlich 

531.3.  533,11. 
lucke  Lücke  248,18. 

lüdern  reizeti,  verlocken  449,17;   subst, 

hl  f.  12,8. 
lüicjhten  186,12.  13.  22.  187,6.  7.  189,18. 

192,1.  241,21.  242,20.  244,2.  253,10. 

2J)8,25.  299,21   usw. 
hnnde,  limde  Leumund  8,7.  66,23.  426,8. 
lumpo  487,13. 
lust   209,5.    425,17.    430,10.  14.    479,4. 

5(M),13.  5(11,6;  lustsüchen  diiis  selbs- 

heit.  din    uwcr)  selbes  385,12.467.21. 

4SS,4. 
lustii;,  lustiiT  lieblich,  angenehm  209,7. 

3(t3.17;  liistlioli.  lüfitlich  5(1,30.90/28. 

a').s.    1)6,14.     110.2.     1(;5.24.    174,21. 

IsI.k;.   UM».20  usn\ 


I   lutbrecht  lärmend  482,4. 
luter  341,1.  416,6.  469,18.  470,4:  luter- 

lich  33,13.  72,18.  73,25.  86,16.  U4A0. 

115,12.  215,6.  261,12.  288,12.  t^K\ 

usw. 
luterkeit   51*.   29,11.   46,8.  .56,9.  ('4.1K 

104,14. 166,1.  5.  177,22. 189,18. 21  Hl»- 

218,6.  244,3.  263,3  usw.:  lütri mis. 
lütern    165,20.    179,23.    809,24.  ^^• 

390,3.  444,25.  468,14.  494,19. 
lütselig,  IvLiaseligwohlgef dllig,  anmHtvj 

22,7.   206,26.  208,9.  216,24.  269,1>- 

271,21.  304,29.  305,2.  311,l(i.  32:^17 

usw, 
;   Ifitselikeit,  lützel.  14,29.  228,15.  mi'K 

375.3.  377,13.  378,9.  409,7. 15.  4R».L . 
441,18. 447,13.  449,27.  4.50,30.  452.^- 

I   liitÄel,  lüzzel  Adj,  Adv.  klein,  rcenif/^ 
gering  312,32.  365,11.  366,20.  37(yi»- 

436.4.  438,10.  449,9.  485,15. 

M. 

Macharius  Altvater  106,1. 
magd,   magt    Flur,    megde   Jun(ifn'<t 
110,30.  361,17.  406,10.432,16.541.1 

545.5.  546,4.  26.  547,1.  17;  megtüch 
544,5. 

mage  P.   Verwandter  511,7.  512,1(>. 
:   magenkraft  Majestät  .55(V-^' 
;  magcrlich  551,27. 
I   Magniticat  Masc.  2^),14.  111,24. 
mal  .  .  5.  mei  .  . 
majestat  277,8.  321,27.  477,23. 
malen  103,16.  104,1 ;   maler  (W,12.  !■>. 

19.  23. 
man(e)   Mond  112,16.    172,11.  174.24. 
406,15.  407,5. 
;   m&ndag  Montag  144,8. 
mangel  91,5;  manglen  94,4. 
manigvaltig,    menigv.    96,16.    102,1;. 
109,24.  178,19.  182,7.  183,14.  83T.2\ 

339.6.  372,15  usw. :  manigvalticlich. 
menigvalteklich  Adr.  auf  mannifilal- 
tige   Weise  93,7.  154,3.  393,9. 

manigvalt(i)keit,  menigyaltikeit  Moiot- 
zerstreuende  Vielheit  64,14. 164,1. 2S. 
1(J7,21.  27.  170,16.  177,9.  1S.-).1. 
186,3.  193,19.  285,19  usw. 


Glossar. 


593 


Innlich  r)rv22.  149,19.  87o,.Sü. 

antd  323,18.   3()2,14.   412,3. 

Vonrand  521M).  531,r). 

2(J8,ir).  437,17. 
ir(c)k,    rnarg    Mark,    halbes 
'Silber    oder    Gold)    282,27. 
K)3,t).  499,4. 

»ant  M.eu  tag  136,13. 
Perle  242,H. 

oss    Varhangeschlosa  40,(). 
ff^r  Jff«w  89,2.  333,16.  374,2. 

i:r),5. 

daleoa  100,1.  4514<>.  r)44,15. 
U),20. 

trtstvi'  des  Lazarus  021,1. 
0. 

r)52,16. 

tristi  usic)  3,20.  84,0.  35,4. 
).  118,17. 142,20. 144,8.205,19. 
221,5  usir.;  beim  Schwören 
\t  482,2;  marterland  (Feg- 
'<b,lh\  marterlebeo  462,21. 
,  martehi  240,:».  368,4.  441,3. 
')08,().  541,1;  iiiarteler  508,5 ; 
?r  91,<).  117,31.  34.  118,1.3. 
13.  21.  133,14.  244,1.  245,4. 

str, 

40,20.  45  23.  117.25.  118,22. 

l-en,  Makd  134,33.  277,9. 
321. 2S;  innssuaMi  hejiecken, 
len  122,28. 

ize  Mass,  Ausdehnung  46,14. 
2S.  140,20.  249,2:  ano  (alle.) 
4S,2!).  323,17.  4im,12:  über 
sse  249,3:  zc  iiuter  inass 
.3S5,17.  4r>7,25:  masseii  tmis- 
1,11. 

(isslose  Stnnfjc  45,22. 
Sl4.  <)0,l;^  1S.S.4.    198,4.  12. 
.324,(1.    10.     333,14.     378,7. 
5»Mj,11  :    mat»Tilirhrif    349,1. 
2,2.  412,4.  «;. 
3U7,19. 

euse,  DciitPohc  "cbriften. 


mediana  Miitelader  44,8. 

nie^etin  Jungfrau  406,11. 

mebcln,    mebellen    vermählen    21n,30. 

410,19.  412,23. 
iiieie,    meige,  mey(e)  Mai,   Maihamn 

32,28.  29.  30.  33,1.  3.  4.  5.  16.  20.  25. 

111.17.  221,30.  224,24.  242,12.  281,12. 
297,16.813,29.  433,22.  440,3;  ineieii- 
ris  33,19.  216,19;  meiental  374,1H. 
446,23;  meientow,  meigeiitow  252,2. 

253.16.  431,2.  432,20.  433,18.  27. 
456,27.  486,28. 

mein  Frevel,  Missetat  264,20;  meinte- 

tig  542,21. 
meinen,    in    wohlwollender    Gesinnung 

an    einen   denken,    beswct-k^n   31,24. 

32,14.    57,16.    59,22.    63,25.    110,30. 

165,2.  175,8.  192,28.  298,15.   30(;,28. 

309.18.  339,10  usw. 
meinsamkeit  =  gemeinsamkeit  487,14. 
meinung(e)  28,15.  41,8.  103,24.  156,21. 

167,29.  309,28.  ;M2,20.  390,13.471,22. 

23.  487,13-21. 
meist  höchst,  grösst  422,3. 438, 15. 463, 1  fS. 
meister,    maister    Mvister,    Philosoph, 

magister  theolngiae  5,15.  17.    (),2.  7. 

23,1.  38,7.  53,22.  60,25.  9S,;J0.  99,14. 

12(U7.    162,ls.    171,7.  12.    172,4.  s. 

10.    177,15.    178,12.    179,7.     190,11. 

191,13  usw, :  meisterin  14,20. 462,3. 13. 
meisterscbaft  Vorstandschaß  im  Kloster 

112,25.    126,13.    274,13.    381,17.  28. 

383,4.  462,s.   4(;.3,S.  464,17.  484,23; 

meisterschiiftsampt  4()2,20. 
mel  Genet.  mehves  Mehl  221,19. 
melodie  380,6. 
mengi,  menigi  140,21.  172,13.  217,9.  12. 

218,25.  226,2S.  242,  HJ.  25S,ls.  2b0,3. 

254.17.  304,16 //.v/r.;  nienitrbcit  Man- 
uigfaUighit,    Vielheit  'X\);>.  3. 

meni«r  s.  niaiiiir. 

Hien:?('b    Fraucnsptrson    1 1.5,2().    119,2. 

120,1.  133,,3(».  145,(;.   153,20.    1(>2,24. 

.*i7n,4. 373,8:  i:eistlicb»-r  monscb  Xonne 

407.8.  481,13. 
nienscbib)eit  34,12.  S.-),12.  i)3,24.  159,14. 

184,1 4.  191,29.  203,1».  204,2s.  205,4.  5. 

2i«).l6.  2«)  usw. 

38 


594 


Glossar. 


mentelli  fiemänidung  45(1,11. 

mene)  Nachricht.  G /nicht  (10,14.  (>?^,2. 

70,2(>.  7n,21.  S8,2i).  24.   88,1.   «3,26. 

124,18.  120,10  usfi\:  mersa<?er  124,18. 
rnoren  sich  rerrfrösftmt  87,15;  racning 

141,5.  380,15. 
merklich  irohl  zu  htachfend,  iiv(Uutend 

Hoi,2i.  :m,23. 

merstorn  (Marin)  1S,1. 

Dierv^imdcr  seltsames  Mvcrtier   172,27. 

mess(e)  27,18.  58,3.  89,18. 117,:n.  131,18. 
142,24.  144,7.  11.  15.  17.  386,1. 
414,2;  stillo  messe  27,19;  m.  singen 
117,30.  146,S.  118,20.380,4;  m.  .spre- 
chen 22,4.  03,10;  messhuch  118,5. 

messer  79,3.   80,10.   S5,;u.    121,12.  14. 

Messias  327,11. 

meti,  metti  Mette,  ofjiciam  inatut  in  um 

17.1.  15.  :U,10.  40.7.  42,10.  25.  43,9. 

47.2.  4.  8.  53,8.  59,0.  190,2.  314,20. 
322,2S  usu\ :  rnfttigestirne  Morgen- 
Stern  242,4. 

metli  khine  Matte  44,2!). 

michel  gross  .'^70,12. 

midcn  und  liden  3,1 1. 

milie)  Meile  70,3.  TS.20.   SS,9.   297,30. 

milch  552,3. 

milt  frenndlichy  gütig,  harmherzig  27,5. 

70,8.    71,2.    73,34.    78,9.  10.     S4,25. 

85,16.  17.  21.    80,1.    100,25.   27.  29. 

117,1   usw.:  milt(e)klich  24,15.  51,9. 

S4,2.    117,19.   213,17.   243,8.   204,18. 

320,2. 
miltekeit  37,10.  7^^,9.  85,17.  100,27.29. 

127,10.  180,15.  203,30.  207,19.270,28. 

317,81.  370,8.  420,14.  448,20. 
minnc,  d(jr  m.  huch  das  Hohelied  367,5. 

417,3.  425X  434,11.  439,11.  451,13. 

495,2:    miniiehüch    Christn.s   537,12. 

558.24;  miiinobiichelin  537,1;  dorm. 

pris    8!)9,8();    miniieband,  -t    181,19. 

554,29;  minnebotte  405,7  ;  minnebot- 

lin281,S:  miiniebrief 231.10;  minnen- 

dii'p  4H0.19 :  luinnoirotin, -gutin 374,30. 

447,8;  miinickosi'n  Sahst.  12,10. 16,33. 

2:i<V-7.    259.7;    minnekosend    24,24; 

miiinelos  40S,1.  427,-5.  492,5.511,18; 

niinneluder     Liehesreizuuf/     385,14. 


4()7,22.    492,26;    der    minneu   n-el 
494,14;  minnerich  18,14. 18.  24,22. 3ii. 
20,8.    28,14.    59,24.    100.17.    180,14. 
193,12.  199,24  usir. :  minnerüt  252,4; 
minuesara  431,13.  540,0:  miune.<ie(h 
142,27;  miimespü  20,10.  225,1.  2<57.:). 
417.8;  der  minnc  stral  552,9:  miDii?- 
suchend  14,27;   minnevackel  313,1\ 
25.  314,2;   minnentinj^erlin  Vi^rrnnh- 
lungsring  494,8 ;  minnewanck  I.ifh^- 
Wendung,  -spiel :  miuneweinen«!  1').": 
minnewerck4äNr,19;miünewiselsl.2I: 
minnewort  223,12.  548,6;  miiinewand 
Adj.  16.22.  25,1.  274,18;  miniiewund»- 
543,29.  548,19 ;  minnezeichen  Litht^'     ' 
zeichen,  fünf  Wunden  Christi  16,1 
31.  41,9.  110,19.  210,14.  10.  21.\12. 
273,26.  2^>0,15.  18.  29.  291,1.  295,17. 
391,19.  479,12.  500,13.  508,8;  mlnn-^- 
zil  388,11.  469,15;   rainnezug  223,3. 

minnen  und  meinen  27,3. 337,2.449,5.7. 

minner  181,9. 19.  211,22.220,28.227.23- 
228,24.  229,1.  10.  232,31.  324,ia 
325,3  usw. ;  minnerin  12,1. 13. 14.21. 
227.16. 19.  440,25. 451,14. 453,7.:)r)4.7. 

minlichi  Zuneigung  .858,27. 

minren  verringern  251,21.  43<M9..')ii^.'^. 

minst  kleinst,  geringst  10,20.  3o7.2". 
3(>4.2.  366,24.  382J.  422.3.  43^.1.». 
408,17. 

mirrenbüschelli  254,2 1 . 

]^Iiserere  Tsaltn  50  30,24. 

miss(e)bieten  ungebührliches  sufäg'^*^ 
86.8.  22.  29.  297,19. 

misshfiten,  sich  schlecht  auf  sich  och' 
haben  42,8. 

misslich,  raiss(e)lich.  mislich  versehinhu- 
artig  99,22.  142,9.  358,18.  3S7.^- 
470,10. 

misslingen  70.23.  416,2. 

missetat  42,13.  15.  19.  6(i.l9.  7;'..26. 
70,25.  92,20.  99,27.  112,12.  ll.'>'- 
119,5.  8.  214,12.  215,0  usir.;  misse- 
teti^r  208,27. 

missetruwen  499,l.s. 

miss(e)vallen     150.34.     200,8.    22:U1. 
415,12.  482,1.  500,4.  501,11. 21 ;  mi^v    ! 
völlig  missfallend  105,7. 


Glossar. 


595 


w  Fem.  Buntheit  224,22. 

en  beim  Fliegen  das  Ziel  ver- 

159,20. 

iittel   was  hindernd  im   Wege 
Hindernis  18,25.  20,2.  142,16. 

13.  14.  17.  19.  158,1.  162,5. 
.  24. 170,6.  171,1.  174,2. 181,27. 
.  284,25  usic:  Hilfsmittel, 
ttlung  108,13.  194,6.  263,25; 
278,7. 

)08  ohne  Hindernis,  unmittel- 
3,4. 263,25. 476,3. 479,17. 493,16. 

tag  Mittag  137,3.  542,80i 
Vermittler     263,25 ;      mitlerin 
i)  264,1.  267,10. 

Miaeid    34,17.    41,4.    84,26. 
.  142,25.  206,3.  2.58,27.  260,22. 
;  mitlidung'e  858,27. 
3lle  490,15. 
ittelpunkt  452,18. 
g  gleichförmig  334,18. 
itheit  consubstantialitas  180,1. 
1  187,10. 
311  subst,  Inf.  344,8 ;  mitwürker 

Mordy  Missetat  66,16.   72,19. 

76,4.  14.   80,5.  6.   115,16.  17. 

122,33.  123,8.  211,22.  264,20. 

425,25.  544,13;  mordax  Streit- 

1,7. 

79,15. 

i9,26.  76,6.  77,4.  11.  20.  78,21. 
22.  88.  84.  80,2.  4.  18.  25.  27;  ! 
rin,morderml21,3. 361,12.411,5. 
'.  194,1;  Teufel  131,11.  285,7; 
367,8.  12.  439,20. 
ekentnisse  cognitio  matutina 
8tinus)S^7^4;  morgengabe  244,8. 
;  morgengrfiz  18.10. 19.  1(19,12. 
14 ;  morgenrot  271 ,18 ;  morgen- 
895,19;  morgenstern  14,11. 
18,9.  22.  283,21.  299,10.  18. 
.  482,23.  446,7.  510,16;  =  Ma- 
id, 878,15. 374,2. 6.  <S.  446,12. 18. 
dv.  morgen  :?71.26.  880,21. 
;  m.  des  tages  60,25 ;  mornend 
58,3.    60,26.     7S.18.     102.18. 


116,7.   131,26.   146,7.   152,10.^324.1. 

873,27;  mornendee  12,18.  370,'20. 
raoschin  Adj.  von  Messing  39,11.  40,15. 

48,6. 
raost  159,8. 

Moyses  327,10.  390,14.  471,24. 
Moyses  abbas  Altvater  104,12.   106,32. 
mfid  elefid,  unglücklich  72,23. 
miidi  168,19.  210,20.  316,28. 
mugent,     raügen     Macht,     Vermögen, 

Kraft    12,22.     340,21;     mugentheit 

185.11.  223,28.  244,10.  245,7. 
miigig  =  mujig  bekümmert  459,6. 
müglich(k)eit  177,3.  887,26. 

mujen  Prfit.  raöte  unpers.  beunruhigen, 

verdriessen  114,26.  131,20. 
müli   Mühle   81,24.   526,10;   mülistein 

539,12. 
mülich  beschwerlich,  lästig  86,4.  202,7. 

205,30.  221,3. 5. 283,26. 284,16. 249,21. 

454,13.  456,17.  496,12. 
münch  61,12.  75,5. 104,16. 115,17. 136,18. 
mündli  30,9. 
mtinster  143,1. 
muntvol  24,29.  122,15. 
mfirdig    mörderisch,    blutgierig    121,8. 

260,16.  539,16. 
murmlen  70,26. 
mursel  Bissen  13,11.  398,28. 
mÜ88ekeit,mu88ikeit54,13. 160,9. 167,21. 

184.12.  186,12.  18. 

muten  verlangen,  begehren  503,17. 
möterlicb    36,22.    50,25.    85,9.     113,6. 

140,2.     143,15.     205,20.    260,7.    11. 

267,23.  27.  269,3  usw. 
mutli  114,14. 
mötwillen  8.")2,27 ;  mßtwil(le)klich  108,21. 

132,7.  161,80. 
muzklich  Adr.  mit  Müsse  285,26. 

na,    nach,    nahe    Adv.    nahe,    beinahe 

131,19.   284,7.  286,8.  470,19.  507,19. 
nah  bilden  180,2.5.387,9;  nachbildunge 

274,11). 
nach  gan  292,5. 470,8;  na(ch)gend/o/(7tf«rf 

25,10.     i:)8,10.     146,28.    161,16.    23. 

162,5.  8.  1(>8,10.  86.V29.  437,2. 


59(> 


Glossar, 


nahgcbur  Nachbar  114,15. 
nachgreben    sahst.    Inf.    Nachgrübeln 

47 7, .S;  na  gniblen  171,18. 
nach  ilen  472,12. 
nach  kalen  471,27.    Vgl,  kalen. 
nahklank,  -klang  887,1G.  4()8,2ü. 
nahlich,  in  n.er  wise  genau  16H,12. 
nahruren  subsi,  Inf.  innerlicher  Antrieb 

l()r),2t). 
nah  tringeu  41,15. 
na(c)hvolg(e)  84.7.  184,15.  839,22;  nach- 

vülger  91,85. 125,88. 208,29.  82. 209,2; 

nachfolgklich    339,28;    nachvolgunge 

475,1. 
nach  volgcn  198,18.  207,9.   11.  488,11. 
nafragen  sahst.  Inf.  182,12. 
nahten  Nacht  werden  77,30. 
nuhtgal  172,17.  810,18. 
nahtmal  Abendmahl  34,21.  187,4.  204,3. 

291,15.   815,2.  472,21.  47S,1.  5;i8,27. 
nahttropfe  551,19. 
nachtwurmli  26(5,27. 
na(c)k  539,80.  540,2.  541,12. 
nackcut,   nacket   200,1.   318,4.   488,21. 

511,18;  nekent  77,17. 
nadel  89,21.  41,12.  14.  120,34.  138,82. 

1.84,2.    198,20.  210,14.  823,24;   nalde 

442,21.  585,2. 
nagt'l  89,11.  89,14.  41,8.  20. 
nagend  s,  nachgend. 
na  Jen  893,15. 
nani(e)lü8   ohne  Xaimn   177,4.    184,22. 

187,11.  828,24.  342,15.  852,20, 
namhafti    auctoritns   (Denijle:    Iland- 

huhang)  10S,24. 
nater  Natter  871,25.  400,22. 
natiir,  nicister  von  n.  Fhilosoph  451,17; 

schule  der  n.  4(i9;8;  die  alten  natur- 
lichen meister  844,19.  349,13;  schule 

der  natürlichen  kunst  8S8,2. 
naturlichkeit  198,1. 
nebelhfit  .Vr/>r/  47s,  17. 
neb«*lmenteliu,  -mentelli  V'onvand,  Be- 

mnutilung  872,11.  401,15. 
nej-b.M'  liohrtr  01,14.  10.   IS. 
ne-vln   114,1.  588,17. 
nehor,    riehst  /tohcr,    hnchsit  8,1.''.  28,5. 

98,1.^.    115.29.    174,10.    179,1.    ISOJ. 


ISI.27.  182,13.  209,26.  :is:>,is.  4;;>.2 


nsw. 


necherunge    418,5;     nachheit    4Th.I.'). 

584,19. 
nehtind  in  vtrgangentr  Nacht.  'jnU)ii 

Abend  66,20. 
neigen,  sich  *.  untertrerfen,  zum  /ttihoi 

der  Uhrfurcht  sich  vemeifftn  :^>.l', 

417,13.  467,20.  475,16.  488,1. 
neigung(e)  Zuneigung,  GeUmif  \^)\3. 

181,6.  7.  18.  456,16. 
neina  123,4.  459,13.  460,5. 
neiss  =  ich  enweiss  10,17. 29. 44,8.  T.U 

111,26;    ueiswa  =  ich    enweiss  va 

irgendwo  Uy\.  2().  71,19. 81,17. 112.13. 

1 18,24 ;      neiswannen      irgLndicokr 

111,29;    neiswar   irgendwohin  1H.'2; 

neiswer  irgendwer  31,16.  97,10:  iieis- 

waz  irgendetwas  8,11.  15,27. 17.4. 20. 

4S,20.  26.  50,12.  53,18.  57,31.  öS-"). 

87,4    usw,:    nei8weii(n)    irgendirann 

6,6.  7,14.   16,23.  48,18.  61,30.  sH.i:i 

90,2.    114,14.    122,27    usic:  neiswi 

neiswie,   neiswe  irgendwie  3,7.  s,9. 

9,23.  11,5.  14,34.  21,9.  199,2t).  m:!^ 

270,23.  322,24  usw. 
nemlich(k)cit  BegHf  188,15.  3H0,2^. 
nemmen   nennen   76,12.    114,1.  132.10. 

187,10.  .840,1 9.23. 842,7. 12. 343,10  u.^.r. 
nenmng(e)  4,1().  182,12.  .830.22.  831,24). 

848,19.  850,24.  .854,8.  15. 
nerges  Adv.  nirgend  482,15. 
nesel  Nessel  222,11.  232,11. 
Xestoruus)  Altvater  10.5,1.5.  106,20. 
nczz  185,82. 
Niclans,  sant  88,29. 
nider  giessen  87,27. 
niderkleid   Unter kleid^  feinitralia  ^>l^^. 

40,17.  43,1,5.  45,8.  21. 
nider  komen  schlafen  gehen  49,27. 
nider  lan,  sich  485,11.  462,23;  niderlaz. 

-88  Euhepunhi  312,38.  .872,21. 
Niderland  Land  am  Niederrh-in  bi^A'- 

78,22. 
uidern,  sich  s.  erniedrig<.n  420,1(>. 
niderschlag  Heimsuchung  li^V-1- 
nider  senken  sinken  machen,  be^chircnn 

8S7,9.  , 


Gloasar. 


597 


Prät.  soitr  niedersinken  71  ,,*U. 
18,1«.   U8,(;.  210,27.  213,13. 
271,B.    81)9,28.    317,10.    14. 
».JS(>,2n.  2fi. 

•11  sinken  machen  468,18. 
ffen  i:U,80.  272,18. 

I  suhsi,  Inf\  42,31.  43,1. 

II  niederfliessen  ()2,U). 

en  niederschlagen  (die  Augen) 

4SI, 4. 

u\  4,27.  476,8. 

.  durchaus  nicht,  nirgendwo 
:),20.  127,28.  188,88.  178,14. 
li)2,28.  202,18.  248,20;  nienr 
crgen  353,32 ;  nier§:ent  457.20. 

iezen  03,28.  171,23.  184,18. 
)7,18.  274,28.  295,18.  296,28. 
J2,8.  14.  18.  303,25  usw, 

u  Prilt.  neig  sich  zum  Zeichen 
ssesy  der  Ehrerbietung  rer- 
2(>,17.  29,23.  32,24.  3(J,28. 
.^8,6.  13. 

tt  187,12.  15.  16.  188.4.  9. 
29,2.6.  335,18.  341,8.  342,6. 
.  25.  343,5 — 25  usw.:  niht  = 
haffenen  Dinge  335,13.     Vgl 

Verstfirkung  von  nit  114,10. 
167,2().  831,2.  5.  .348,4.  850,8; 
niitzit  345,22.  483,18. 

h  tekeit  =  das  göttliche  Wesen 
14,22. 187,11. 188,19:  Nichtig- 
rdischen  Dinge  327,2 1 .  885,12. 
ater  106,7. 

f.  nötweseii. 

0  =  (\Gnnoc\\  jetzt  noch  ,846,5. 
349,22. 
\ 

des  Brevijrs  und  Zeil  d^r- 
24.27.  14.8.8;  iionzit  518.4. 
prole   pia    131,25.     Vf/L   dir 
ge  S.  :>5(i. 
117,15. 

?aftsaine  nitje  Einschränkung 
26,19.  210.22.  215.28.  268,9. 
3<;i.21.  411,1(5. 


noturft,  iiotdurft.  Not,  Bedürfnis,  das 
zum  Lehen  Notwendige  88,24.  122,2(). 
124,16.  125,8.  139,11.  166,15.  169,20. 
215,18.  248,9.  261,21.  284,17.  364,9. 
12.    366,12.    372,12.    879,20.    421.17. 

423.1.  5.  438,5.  487,12. 
iioturftig,   notiirfklich,   notdürftig  not- 
wendig, hedilrftig  97,1().  119,9.  179,4. 
308,9."  414,22.  487,19. 

nu    Augenblick   158,31.    161,3.    170,20. 

226.16.  302,7.  357,19.  474,6. 
iifichterlingen  Adi\  nüchtern  302,13. 
nügirig  neugierig  ,397,6. 
nun  Nonne  482,11. 
nüt  =  Gott  167,5.    Vgl  niht. 
nütnin  non  esse  842,18. 
nütwesen,  nitwesen  non  esse  176,12.  1.5. 

329,1. 
nütwissen  508,15. 
ntiwan,  nuwan,  nuwen,   nütwan    nichts 

als,  nur  25,16.  27,10.  4.3,2.  45,4.  46,17. 

62,12.  13.  72,28.   78,4.  8.3,19.  8.5,10. 

89,7.    91,2().    116,21.    117,4.    ISiV^."'. 

147,7.  159,14.  224,20  usw, 
nüwes  Adr.  neulich  152,29.  406,15. 
:   ni'iwi    Neuheit,    Frische    16,28.    149,4. 

.829,1.5. 
nuz8chal  219,5. 
nuzzberlich  50*. 

Oberland  Oberdeutschland,  Gegend  um 
Oberrhein  158.10. 
!    Oberteil  (des  Bades)  4.%,8. 

obren,    die    Vorgesetzten  i,'My.   146.27. 

obsweben  111,14.  24.8.3. 
;    ocker(n),  ockert  P.  5<)9.8.  510.19.  511,7. 

580.2.  588,4. 

ootave  achter  Tag  eines  Festes  373,2N. 
ode    öd,    gebrechlich^    schwach    45.21. 

112,14.  484,12. 
ortVnbar   85.20.   ss.lii.    212.19.    244.17. 

462.17.  47.3.5:    om^nbarlicb    140.2S. 
222.16.  80.8.25. 

ofiVnbaniiii:  (18.10.  1S6.1S.  508.14.  528.8. 

.V24.21.  24.  525.7. 
oftenlicb  Adr.  o/l'entlich,  mr  <db:r  Welt 

42.9.  (;7.15.  205.18.  222.15. 


598 


Glossar. 


oftf)Qen  bekannt  machen  4,35;    sich  o. 

if.  offenbaren  4,32. 
ogeii  eiüem  geben  ansehen  224,2^).  451,4. 

551,7. 
ogcublik,  ogenbli(c)k  Blick  der  Augen, 
Zeitmomeni  82,20.  H3,22. 95,18.  J)8,19. 
1()1,7.    175,17.  234,6.  235,15.  238,14. 
242,12.  26«,7.  261),2().  307,21  usw. 
ojsrenlos  (Venus)  3<)3,IK  420,22. 
ogenweide  253,13. 297,22. 312,29. 478,28. 
ügli  30,8.  122,8.  2(w,24. 
olberg  539,2. 
olei  Öl  283,8. 
opfcl  .V.  epfel. 

opher  252,12.  273,10;  opfren  414,12. 
ops  Obst  25,3. 
ordelen  P.  528,21. 

ordeii  Klosterorden  75,15.  7(),3.  115,2.  3. 
120,12.  131,2.   413,18.   438,14.     Vgl 
bredier. 
ürd((?)neii   415,9.   482,4.    508,1;    ord(e)- 

iiung(e;  168,12.  203,5.  489,9.  12. 
ordeiihaft  geordnet  353,10.  11;   ordcD- 

hafti  Ordnung  3,4.17.   192,15. 
ordenlich,  ordenlich  158,19.  163,2. 171,1. 
19.3,9.   194,0.  206,18.  243,18.  327,27. 
329,16.   41(),1.   422,22.   438,2.    470,5. 
171,25. 
ort  Funkt,  Ende,  Spitze  43,8.  334,25; 

orthaber   Urheber  26,25.  541,17. 
ostorlembli  (Christus)  303,14. 
üstertiig  27,1.  4(;,19.  93,4.  40(n16. 
ütmUdich  P.  525,14. 
Oven  45.31.  224,20.  250,13. 
0  vernalis  rosula  111,26. 
üwo.   owe  Au  172,17.  224,24.  211,11. 
242,12.  374,20.  446,25.  452,(>. 

P  siehe  B. 

<]Ujit«'rn   Lage  von  vier  Bogen  4,29. 
qnit  Adj.  fcdig,  frei  492,6. 
qwcK'n  P.  =  kalen  510,7. 

K. 

rattin-  Ma.sr.  Bachrn  552,6. 
rachu'),  rarho  J'cm.  AV/cV/c  128.32. 325,24. 
422,14.  15.  483,7. 


rappe  Babe  425,10. 

rast  P.  520,23;  rasten  491,28. 

rat  Ratschlag  233,20. 283,17. 20. 4264S. 
462,15.  503,5;  rat  die  Bafsschmstcm 
422,21 ;  rate  consilia  erangelieabiljh 
ze  rat  werden  heschlie^sen  78,11. 
119,26.  145,17;  Abhilfe,  Befrtiun^ 
62,7.  13.  17.  20.  8.5,7.  498,16;  Ter- 
mögen,  Mittel  146,16. 

rechen  325,27.  414,11;  8ichr.4U.il 
422.5.  9. 

Te(c)hüuug  Abrechnung  69,6. 84,2.  STä 

redlich  geziemend,  gchririg  98,23.  HSJUO: 
redelicheit  Begriff  328,20;  Ange- 
messenheit,  Vernünftigkeit  494.21. 

ri'gel  494,18. 

regen  452,7;  regenboge  219,7;  regen- 
trophli  210,12;  regenwet^r  81.1^. 

rehlin  216,13. 

reht,     kristAulichü     Sterbsakramtntc 

379,15. 

rechtschuldig   der  wirklich   SchMg^- 

Überführte  119,6. 
rehtvertikeit  ricJUerliche  Entseheidug. 

Gericht  229.18. 
reie,  reye,  reige  Tanz,  Beigen,  Taidi'd 

bezw,  -Melodie  69,1 8. 30. 1 14,2.  -i-'j^-i'!. 

3(>1,1.  374,28.   410,12.  432,26.  447.ii 

reieu  242,14. 
reif  Beif<m  375,30.  448.10. 
rein  Bain  211,11. 
reinen  rein  machen  27 4,20.  277,9.  l32<K2:i 

321,28. 
reinikeit,  reinekeit  212,25. 251,17.297.1. 

301,6.  412,21.  431,6.  487,4. 
reisen  bereiten, fertig  machen,  anscldagta 

(ein  iSaiteninstrument)   28,11.  2t')4.1. 

323,3. 
reizen,  reissen,  raissen  reizen,  verUtchn 

17,14.  305,17.   310,17.  327,22.  374.7. 

385,8.   395,3.  396,19.  418,14.  42(U<). 

429,13.    446,13.    455,13.    18.   467.Hi. 

477,6.  491,30. 
reizlich,    raizzlich,  reislich   rerlvchnd. 

verführerisch   41*.  4,28.  97,5.  lU.'i. 

174,17,  373,9.  483,19;  reizung  39.S.i:l. 

296,23. 
rekolter  Wacholder  384,7.  466,9. 


(xlossar. 


599 


reuguieren  regieren  1()7,20. 

repetitio  21 ,25. 

Requiem   'Irauermesae  144,8. 

reren  verf/i essen  208,28.  275,28.  281,24. 

321,:).  440,26.  458,14. 
respons  =  responsorium  18,24. 
reyger,  die  hoch  r.  litthcr  458,25. 
rich(h)eit    100,23.   1(>5,B1.  193,4.  244,7. 

2.50,9.   255,3.  262,10.  265,15.  283,10. 

296,9.  352,14. 
richlich,   rilich  rtichlkh   165,29.  217,3. 

250,21.    252,21.    299,13.    14.    :^05,5. 

311,1.  .351,8. 363,20. 21. 395,26. 421,20. 
richsen  hrrtfchen  356,24. 542-,28. 544,29. 
richtöm  228,16.  273,17. 
riechen     Xeuir.    Geruchssinn    207,29. 

316,4.    • 
riechen  =  riehen   sich   mehren  279,33. 
rite,   riffe  Utif  220,22.  221,30.  40i>,17. 

409,6.  425,23.  456,26.  516,3. 
rifleii  durchhecheln,  vericandcn   41,22. 

137,6. 
rihen  stechen,  spiessen  77,16. 17.  120,34. 
rihten  ab  einem  urt^len  285,27.  315,28. 

465,5;  ri(c)hter  70,5.  12(5,12.  205,21. 

229,15.    239,23.   263,7.   265,8.  285,9. 

12.   319,20.   372,16.   461,19;    rihthus 

praetorium  34,24;   rihtstöl   Richier- 

stuhl  244,1. 
richti  /'V//I.  gerade  Richtung  16,10. 
rilich  /?.  richlich. 
rimen,  in  gerimter  wise  397,6. 
Rin  48,8.   77,9.  78,22.   80,1.  12.   81,8. 

514,3.  517,8. 
ring  Ring,  Kreis  von  Mensch,  Kampf- 
platz UM  A)2M\,  \1.  178.13.  191,14. 

16.  21.  23.  192,3.  193,3.  205,8.  370,23. 

459,12.  18;  ringli  192,4. 
ring  Adv,  leicht,  gering  287,5. 
ringen    sich    abmühen,    heftig    streben 

2(>2,5.    231,16.    440.15;    subst.    Inf. 

193,23.  500,4. 
riut  420,9. 
rippe  214,17. 

ris  Reis,  Ztvtig  224,25.  341,12. 
rise  P.  Ries^  .535,6. 
ri.^en  zerfallen^  abfallen  217,7.  4;'0.26, 
rite   Fieber  (iK,28.  SiK''.0. 


riter,  ritter  36,7.  55,24-31.  91,35. 151,2. 
6.  152,12.  18.  252,15.  365,15.  370,22. 

28.  371,6.  398,12.  436,12.  459,11.  17. 
520,12;  ritterkleit  55,24;  ritterschaft 
51*.  55,20.  56,2.  3.  152,7.  8.  12;  riter- 
schöh  55,23.  27. 

rit(t)eriich  51*.  64,15.  205,8.  241,1. 
371,15.  460,11.  497,3. 

ri vieren  ausf Hessen  179,32. 

roh,  rop  Raub  83,18.  370,2.  3.  458,10.  11. 

robobli  Taschengeige  114,1. 

rochen  röuchern  313,28. 

rok  Kutte  110,21.  143,25. 

Korn,  Rom  363,13.  421,3. 

ror  467,33. 

roschlich  Ade.  rasch  79,1. 

rose,  rose  Masv,  58,31.  59,10.  (>4,S.  9. 
10.  26.  33.  102,19.  22.  23.  24.  \\Mi\, 
137,18.  148,22.  26.  252,24.  281,27 
usw.;  roseli  111,27.  551.29;  rosbom 
13,28.  59,8.  15.  2().  102,19.  20.  21. 
397,1.  10;  rosenschapelin  Krändein 
roll  Rosen  102,21;  rosenstude  58,31; 
rosenzwi  432,19. 

rosin,  rosin  A'lj.  von  Rosen  64,9.  361,23. 
411,17;  roslin  rosinrot  252,23;  rG.*<(e)- 
loht,  ro8(e)lecht  4S*.  64,13.  17.  11(M6. 

29.  271,19.  539,11.  542.7.  544,23. 
551,25;  rosenrot,  rosenrot  224,17. 
244,1.  245,18.  440.3;  rosvarvv,  ros- 
varw  199,11.  213,27.  214,20.  271.25. 
274,21.  295,12.  319,19.  320.1s.  24; 
rosvarwkiich  227,18.  274,21. 

r8ssli  Hössldu  138.34.  139,4.8.10.12.15. 

roten  214,17.  449,28. 

rotguldin  266,14.. 

rubin    252.25.    371.S.    4()0,4;    rubinrot 

271,20.  53S,S. 
rücben  uniurs.  kümnurn   169.27. 
rnder  289,18. 
ruf   des   «rcbotes   37.13:    ze   r.  werden 

ins  (ivrede  kommen   119.19. 
riiffon  21S.17.  274.2.  319.25.  46n,2S. 
ru.<jren/////7a//6'// 204.13.  ;515.13.54U.ls.  25. 
niirire.  ze  r.n  stossrn  lsi,29;  ze  n'icken 

wtrrtVn   457.7. 
ruiTirin,  nakt'n  leib  h'-tgi/rnlaib  385.27. 

468,2. 


600 


Glossar. 


rüglingcii  Adr.  riicJcUmja  77, IS. 

rukcn  IHS.S. 

rumeii  räumen^  freien  Baum  schaffen 

99/25.  15.S,25.  198,14. 
rümen  .S74,1B.  \Mi\;lh.  440,19. 
nineii  ffüsUm  1{).\M.  145.28. 
ruiis    Auf<flusSj    I'^luss,    Quell    44,10. 

1S0,12.  18.  200,1.  278,7.  541,28. 

rürcu  rühren,  herührrn,  in  Bewegung 
setzen^  ein  Instrum tni  spielen  8,1G. 
14,10.  21,28.  81,18.  171,26.  191,8, 
199,21.  209,18.  2()2,11.  268,S.  12. 
843/20.857,2.871,27.  460,25.  492,11; 
.sich  r.  377,27.  450,10. 

russijT:  rti8sii/j  schmutzig  77,12. 
röte  Zuchtrute  247,19. 
niwt',  ruwe  Beue  198,14.  458,8.  4.  454,5. 
498,18.  501,9.  11.  ^ 

riiweii  bereuen,  Beue  empfinden  282,7. 

408.8    454,8.   5(U,12.  18.  21.   543,2; 

suhst.  Inf.  211,8.  821,10.  321,14. 
rtiwer  Biisser  458,24;  riiweriu  458,8.  21. 

rfiwig,  niwijf  bereuend,  bussfertig  100,1. 
175,15.218,17.  258,17.  265,5.  445.25. 
452, 14. 450,5. 498,23  ;niweklich  1 16,17. 

röwe  Buhe,  Be^chauung   17,25.  18.28. 

I(i7.18. 183,10. 198,19,482,14;  ruwfejli 

17,1().  82,21.  98,5. 101,S.  124,22. 880,3. 
rüwcu  495,7 ;  subst,  Inf,  248,16.  297,7. 

817,14. 
rfiwig.  rinvig.  ruwig  i-uhig  18,2.  85,33. 

135,15.    156,11.    22.    160,23.    858,24. 

859,18.    .871,2.    488,25;     rÖw(e)klich 

18,2.  20,18. 

S. 

Sache  Ursache,  Grund  95,15.  178.9. 
191.83.  2()S.29.  844.21.  849,7.  8.  18. 
851.11.  478,0.  554.4:  sachlich  ur- 
sächlich   17S,9;   Sachlichkeit   l.S4,25. 

saonimciit  118.9.  2i>l,2i>.  292,2.  295.19. 
2!)S.9.  299,1.  10.  801,15.  802.().  10.24. 
4S7.1S.  yA\).\, 

Saireil    rgl.  sii(f/ru. 

^ai  f'i'inf,  snftV's  Sa  ff  2^.11;  sapf  4s,l. 
sak    877.1»'.     150.5;     \\i>>..'r    s.    ir,  i.s.srs 
Ordrus'hlao  :i(;i.24.  411.19. 


I 


I 


salbe  453,1.  513,18. 

s^de  s.  selde. 

salm  Psalm  35,4.  87,5.  6 :  salter  Pxnltv 

429,10. 
Salomoii   12,19.  273,17.   :^)7,7.  4:^»,l<i. 

18.  21.    441,20.  470,4. 
saltz  44,2. 
Salve  refrina  36,2. 21.  27.  814,18. 318.^ 

410,8. 
saiu  Conj.  so  irie  327,15. 
samiieu  sammeln  372,19.  421,2(K  47tU; 

sam(e)nung     Versammlung,     Schar. 

Konrent  (ron  Nonnen)  70.24.  W:l 

870,16.  459,5.  507,24.  531,13. 
Samps(»n  273,16. 
Sanctus  Teil  der  Messe  :i86.9. 
sandunge  Sendung  82,4. 
Saphir  266,15. 
sat  Plur,  sät  452,7. 
satan  471,18. 
satlen  189,4. 
satten  sättigen  228,2(>. 
Schacher,    Schacher    Schacher    132.3"2. 

:W,14.  817,33.  540,16.  542,21.  o43.2. 
schaffen    74,21.    130,23.    137,2.   2^.2. 

421,1.  466,4.  479,7.  483,21.  507.19. 
schal  49*.  374,4.  432,26.  446.9:   schal- 

lich(eii)   Adr.  schallend,   laut  374.S. 

440,13. 
sclialk  bösei-,  arglistiger  Mnisch  161.^; 

schalkhcit   86,1;    schalkhaft    hinter- 
listig, boshaft  86,19.  426,17;  scbalck- 

hafftig,   schalkechtig  P.  513,22.  :>31, 

2.  4;  schalklich  86.23.  1.36.17. 
schalmie  323,2.  10. 
scham(e)    71,3.    453,12;    scharagen  hr- 

schämen  205,18;  schamlich  rersclunni, 

schimpflich   204,18.  20.  208,22.  :U:>. 

13.  21.  539,31.  .542,18.  19.  20.  543.1. 

545,21.  550,8.  552,7;  schamrot  86.^^». 

180,28.  245,19. 
schantlich  182,8. 
schap(p)el    Kram   20,7.    14.    27,5.  1*2. 

(i4,9.  110.32.  111,2. 18.  252,24. 8C1.2X 

411.17. 
schai)ren  Masc. scapulare, SchuUerlhid, 

SIcapulitr  10.5. 
scharlat  Scharlach  801,24.  411.18. 


UloflHar. 


601 


scliarmesser  P.  Scher  messet'  517,0. 
scharp flieh  Adv,  acriter  156,81. 
8c]iat(o)  160,18.  228,18.  30(k7.  361, (>. 
schätz  2.'>8,1(».  403,10. 12;  Schatzkammer 

41)8,9. 
schef  s,  schif. 
schetli.  .scheff(ej»lm   78,:U.  H(k8.  881, 2(). 

420,8.  468,4. 
schelm  4!)*. 

schelten  sahst.  Inf.  (>8,8.  468,24. 
sehenden  86,28.  152,22. 
schenken  ausschenken  552,2. 
schephen,     schepfen     schöpfen     829,S. 

84<;.10.  48<),4;   erschaffen  292,20.  28. 

808.11;     schepfer,    schopfer    215,1. 

271,80.  882,11.  426,5. 
Sehern    scheren^    die    'Tonsur   ernenern 

110,18. 
schezzeu.  schetzen  157,7.  492,5. 
schidunge  separatio j  Tod  220,2.  240,6. 

260.11.  277,19.  278.8.  318,12. 
schif  .'«,4.  149,8.  287,23.  478,1 ;  schitlüt 

1S2,4;  schifman  289,17. 
schilt  546,28. 
schimpf  Schere,   Kurzweil  488,11.  18. 

485,9. 
schin,   geischlicher   hdbitus  religiosus, 

klösterliches    Gewand    8,5.     198,1S. 

218,10.  284,11.  863,17.  870,4.  407,21. 

421,10.  458,12.  4a5,15. 
schinherlich    Adv.    sichtbar,    tjlänzcnd 

143,27. 
schinden  125,13. 
schirm  89,8. 117,14. 1(K),5. 268,4. 264,18. 

896,4.401,6.  554,24;  schirmen  89.11. 

248,10.  840,12;  schirmerin  87,20. 
schit  Scheit  199,23. 
schl —  vgl.  sl — . 

schlaferlich  Adr.  schh'ifritj  45,11. 
schleht,    siecht   gerade,    schlicht,    auf- 
richtig 800.9.   859.17.  4S2.S.  :>li).28. 

517.5.  51H.17. 
3chlipfen     865.27:      sclilipfrio;     365,18. 

480.10. 
schm — .  sehn-  -  nfl.  sin    -.  sn — . 
schnate  Strirmv  45,20. 
scIm»'  s.  sne. 
Schönheit  199,12.  217.4.  26(;.2«i.  275.17. 


875.9.  425,10.  482,4.  447,8.  466,6. 
491.18;  schSni  266,19.  278,17.  312,12. 
874,24.  377,18.  885,26.  441,7.  449,27. 

schüp(p)e  Masc.  Jackj  77,12.  79,8. 
schoss,     schoz    121,27.    122,3.    256,30. 

267.28.  275,19.  276,17.  821,24;  schois 

P.  518,30. 
scliowen,  schowen  167,22.  188.5.  244,17. 

288,15.  388,8.  890,26.  464,1(5.  472,9. 

478.18.  474,4  usw.;  8chüw(e;lich, 
schowlich  anschauend,  beschaulich, 
contemplativus  156,5.  81.  160,27. 
171,22.  245,5.  889,27.  428,4.  464.19. 

469.19.  474,9;  schowlichkeit  38«.15; 
schowung:,  schüwnnj^  21,7.  183,7. 
198,18.  851,6. 

schrepfen  48,18. 

8chriber  4,3;  schriherin  4,3. 

Schrift,  serift,  heili^re  107,20.  4,14.  5.21. 

11,28. 188,20. 190,25. 197,16.21. 281,9. 

828,8.  879,11.  508,8.     Vgl.  geachrift. 
schrin  264,5.  290,12.  486.20. 
schft  467,88. 
schuhen,  schlichen  rerschenchen^  Scheit 

haben   ror   etwas   157,9.   19.    184.15. 

297,4.  827,19.  4s4,8. 
schuld  und  büze  820,14;  Schuldner  250,8. 

879,9. 
schül(e)  5.8.6.  12. 14.  81. 54,1. 29. 103,21. 

143.10.  19.  209,11:  schuler  32,22.  50, 
23.  26;  scholer  P.  519,25;  schölerli 
81,19.  98,29;  schnlpfaf  gelehrter  A7f- 
riker  58.26. 

Schulter  4M9.19. 
schupfen  stossen  145,10. 
Schussel  42H.14.  438.28. 
sehnten  schütteln  80,3o. 
schuzziu:  =  inschiessend  29.8,21. 
se(e)kli  45.2.  75.19. 
.scgrt'l  P.  Siegfl  522.17. 
scLrin(i  sagena,  Xets  18.82. 
seien  säen  8»;8.2«J.  421.19.  "SK 
seil  107.5.  8S7.29.  469.5. 
srit.' >///7t  19!».2<.  250.21.254,2;  sritiMi- 
si.il   15.1.  112.8.  118.2!».  19!».14.  225.5. 

'S^^K-ii^.  2i;5.i.  2«;9.n;.  .804. >^.  8 18.24. 

:'.2:i.i:>.  ::74.27.  884.9.  899.s.  447.:». 
4';«;.li.   177.11. 


602 


Glossar. 


selbsLeit,  selbheit  Fem,  Neutr.  Seihst" 

heit,    das  eigene  Sein   28,10.   180,2. 

182,27.  184,24.  185,2.  186,13.  187,22. 

189,7.  20.22.  337,19.  339,11.  385,13. 

389,4. 
selb8tanduuge  suhaisteniia,  Persönlich- 
keit 334,7. 
selde,  salde  224,1(1  246,23.  372,2.  394,7. 

415,16.  461,6.  589,13;  fro  Seide  435,7; 

seldenzwi  G  lacht  reis  216,19. 
seien,  die  die  Seelen,  im  Fegfeuer,  armen 

Seelen  313,13.  453,30.  524,15. 
selgerett;  146,19. 
seligen  beseligen  169,7. 
selklich  156,25 ;  Adv.  97,4.  439,5. 
seilos  484,12. 
selzen  seltsam,   unbekannt,  fremdartig 

90,30.  118,10.  226,14.  323,19.  475,13. 
semlich    Adj,    ebenso    beschaffen,    der- 

gleichen  108,24.  148,5.  482,2. 
Senat  548,21. 
senend,  sened,  send  Part,  sehnsüchtig, 

roll  Liebesschmerz  13,3. 223,11. 260,9. 

271,4.  277,32.  318,10.  430,14.  491,5; 

senlich  178,22.  229,17;  senung  20,20. 

Sonex  unhekannter  Altvater  105,17.  23. 

1(M),5.  9.  19. 
senften    21(>,2.    317,15;    senfteklich(en) 

Adr.  1.89,12.  589,29;  senftmütig  85,4. 

20S,82.   252,9.   868,6.   864,1.    414,18. 

420,6.   475,4.   494,21;    senftmütklich 

Adr,    204,15.    260,4,    261,30.    318,7; 

senftmnt(i)keit  21(>,23.  818,18.  364,8. 

420,18.  421,25.  422.22. 
sequonci  26,13.  111,12. 

ser  Mose.  Neutr.  Schmerz  35,16.  208,3. 
215,10.  216,2.  315,81.  316,11.  817,15. 

Seraphin,   Serafin    18,14.  24,32.  144,22. 

27.    145,11.    248,12.    805,80.    318,20. 

890,10.  471,16. 
sorwon  cntkxlftH  fr<rd*'n,  dahinwelken 

142.28. 
scss.-l  i\\\V.\. 

s^oxt    llnn    und  Zeit  derselhtn  548,4. 
siltiii  (/ur('hs{(bru   148.19. 

sicL(wlieit  108,^.  225.2.  242,15,  256,2. 11. 
olI.!>.  879,12.  42S.2.  ^'-VIAl. 


sicherlich(en)  Adv.  218,3.  226,8.  3 

372,22.  461,24.  508,11. 
sider  Conj.  da,  weil  202,20.  203,1. 2^3; 

261,2.  286,21.  881,10. 
sidin  3()9,19.  393,15.  457.15. 
siech  414,4. 503,18. 505,20 ;  sieche  du  »-i 

109,3;  siechen  212,4;    siechhus        . 

teilung    des    Klosters   für    Krem  Ji 

infimiarium  84,4.   86,11.  12;   sL^* 

Stube    31,15;     siechtag    Krank- ^h 

Siechtum  56,17.  68,27.  69,5.  109.a  - : 

133,9.  503,19. 
sieden  286,1. 
8ig(e)lo8   166,14.   260,3.   261,28.  aas. 

435,7. 
sigen  sinken  239,24.  330,11.. 
Sinieon  30,3.  » 

sin  Plur,  sinne  Ausspruch,  These 4,11 .  i'». 

5,13.    97,11.  13.  28.    99,11.    l^KW. 

190.27.  191,2.  11.  197,20.  325,/<» 
327,18;  Zweck,  Bedeutung  165.21.1^2; 
der  gemein  sinne  P.  521,24. 

singen  und  (ald)  sagen  (lyrisch)  dichten 
und  vortragen  15,4.  26,21.  56,(>. 

sinken  842,1;  in  sich  selb  s.  338.1S. 

siunelich,  sinlieh  163,24.  165,31.  r)20.1' 
527,18;  sinnelichlk)cit  seiumahio'^ 
169,36.  359,11.  501,6.  520,6;  siiimei- 
los  besinnungslos,  frei  von  den  Sinnm, 
wivtrständig  70,28.  282,10.  341.1*)- 
876,2. 448,14 ;  sinne(n)rich  verslündvj, 
klug,  scharfsinnig  4,29. 184.12. 2(>^.l'^- 

sinsheit  Fem,  Neutr,  das  eigeiu  vj/j 
95,12.  161,6.  164,4.  167,21.  H>i>- 
182,29.    183,2.    18(),4.    188,7.   l^'!^.-^-- 

382.28.  .887,1.  359,(i. 

sinwel  rund  64,11. 199,5.  551,12.  ."w^.U. 

Sirenen  435,3. 

Sitte  480,21;  sit(t)ig  1<>6,22.28.  aolUT: 

sitlich   Adv.  i-uhig,  anstdnditj  4<U."^- 
«lange,  schlänge  106,13.  425,17.  47:U: 

der  wis  sl.  436.8. 

s(ch)lechdoni  211,29.  480,27. 

slewe(n)zen  trdge  ssin  408,18.  424.> 
s(cb)Iichen    (herab)gleiten   436.21.  2<i: 

subst.  Inf,  478,1. 
%\q^s  414,20. 


Glossar. 


603 


8mak  Geschmack,  Gti'uch  1 11,16. 125,14. 
2(«,1.  203,23.  303,16.  313,25.  316,4. 

361.22.  411,17.  425,16.  427,17.  19. 
452,9.20.  453,2;  8(ch)ma(c)ken  209,6. 
232,5.  9.  233,13.  42(),H.  452,19.  492,22. 

smakhafti   Wohlgeschmack  316,8. 
8(ch)ma(ch)licb   Adv,   mit    Verachtung^ 

auf    beschimpfende     Weise     123,27. 

124,9.  259,21. 
Smaragde  266,15. 
smelzen  16,H. 
smertzen  413,  11. 
smevchen  P.  509,20. 
sne,  sehne  220,23.  323,20.  425,24.  452,5 ; 

sehne  wiss  194,25. 
snecke  473,14. 
s(ch)uelleklich  169,31.  334,26;  snellheit 

317,3. 
snod  P.  516,19. 
8oi,'en  267,20. 
sojtr(e  )tan  PaH.  Adj.  so  beschaffen  197,20. 

226,1.  257,4.  258,15.  263,3.  293,21. 

299,24.  340,16.  454,9. 12.  456,15  usw. 
solich  464,13. 
sorglich,   sorklich    Besorgnis  erregend^ 

bedenklich  68,28.  78,28.  147,(i.  267,8. 

352.5.  527,14. 
sorgreltikeit  494,19. 

.spacieren  subst.  Inf,   166,25;   spaciiuu 

322.23.  323,29. 

spalten  sich  spalten  447,25. 
spang  =  spanne  palma  41,6. 
span(n)en  482,15.  504,1;  gespannt  sein 

360.6.  405,2. 
speculieren  172,6.  7.  173,9. 
Speciilum  Viueentii  (v,  Jieaurais)  51.4. 

spfhe,  spech  spöttisch,  nbcnnütig  317.18. 

28.  439,2. 
speht  4.58,25. 
Speichel  204,19.  208,5.  316,14.  54(V2. 

spengler   Klempner,    Flaschner  40,15. 

«per  273,6.  .320,16. 

Kpeten,  sich  312,29. 

sy\i'gcl(eigentl  undbildlichvon  Chriahts 
ns,r.)  92.2.  97.1.  172..5.  208,9.  21(5.23. 
2:n.7.  242,18.  263,12.  269,16.  30. 
277.8.   292.8.  :r21,27.  477,2:<.  482.16. 


493,7.  528,1.6.  539,31.  540,7.  544,11; 

spiegelich  155,18. 
spiess  76,7.  77,13. 15.  17.  78,13.  79,2.34. 
spü  205,30.  224,26.  234,16.  237,19.323,9. 

361,6.   ,374,31.   410,18.   447,10;    der 

minne  sp.  234,11.  12. 
spilen    spielen,    sich    lebhaft    bewegen, 

fröhlich    sein    31,4.    82,23.    201,18. 

224,26.  276,20.  298,14.  417,8.  476,21. 

479,3;   spil(e)nd  leuchtend,  blinkend 

14,12.  173,6.  267,24.  406,16. 
spüle  P.  Spindel  631,13. 
spilman,  himelscher  21,8;  spilwip  salta- 

irix  481,14. 
Spiritus  blasphemiae  131,15. 
spisli  84,13;  spi8los^81,15. 
spissen  aufspiessen  77,16. 
spot  490,19;  spotred  84,6;  spotig  146,7; 
8pot(t)nch ,     spotlich     145,24.    205,23. 

2.59,19.  261,5.  317,19.28.  487,9.  540,3. 
sprechen,   einem   susprechen,   beilegen 

329,23. 
spreiten  547,28. 
sprengwadel  Aspergil  47,19. 
Spruch  60,13. 104,1. 157,6. 9. 12.  158,6. 8. 

163,10.    391,21.    396,18.   22.    469,7. 

484,10. 
Sprung  21,23.  372,-3.  458,3.  461,8. 
spunzieren   =   sponsieren    subst.    Inf, 

Liebesgetündel  treiben,  buhlen  135,14. 

136,22. 
spüren  172,4.  491,33. 
Staglin,   Elsbeth  (die)  8t.  124* ff.  96,7. 

367,4.  384,3. 
stiihlin,    steh(e)lin   212,11.    375,15.  'M 

447,25.  448,10. 
stanp-  442,22. 
stapf  restigium  455,19. 
stärckhrit  P.  521,7. 
stecken  4(;8.15.  493.11. 
steft  40,19.  4:<,6.  19;  steftli  4(M5. 

ste^  Mft,sc.  schmaler  Weg  225,10.  371,1. 
459.2(;. 

steirt*  Fem.   Trrjijtr  .S6.13. 

stehliii  .s-,  üitahlin. 

steiiiin  67,7.  547,2(1.  .'m2.29. 

St»*lla  Maria  iiiaris  etc.  17.29. 


604 


Glossar. 


stellen  nach  Pr('lt. stalte  stnheu^  trachten 
96,11.  2S9,13.  389;2r).  400,14.  4S3.27. 
4")1J.  471,4.  52H,10:  st.  uf  einea 
nachstellen  115,20;  sich  st.  sich  ge- 
stalten 425,14;  f^estcllet  Part,  gt- 
staltet.  nussehemnm,\b.  387,9. 37«,!  4. 
451,7. 

«tcreu  =c  Staren  suhst,  Inf.  Stufren, 
Stieren  10,21,  191,32. 

stcrki  278,1«.  553,9. 

Sternseher  Astronom  250,7. 

steten  befestigen  215,22;  stcteklicli(e) 
Adr.  H()2,10.  400,19.  475,1;  steti  Be- 
ständigkeit 170,14;  die  steti  dauernd 
249,4;  stetikeit  219.24.  2S9,21.  322.12. 

stetli  <)(>,)$.  67,4. 

stiften  hinstellen,  amichten  75,18. 335,7; 
gestift  Part,  erdichtet  ^  erkOnsidt 
377,13.  449,27.  514,4. 

8ti^  Fusssteig  49,11;  =  stigel?  434,17. 

still  haben  29,20;  stillsprecheud  190,16; 
stillestan  366,5.  437,13;  stillstend 
191,16;  stilleCs)  swijreu  211,5.  4:W,7; 
stilleswigcnd  173,23. 

stille,  -i  152,10.  352,12.  477,10;  stillen 
zum  Schweigen  bringen,  beruhigen 
122,21.  136,24.  183,14.  474,15;  stii(l)- 
heit  104,13.  170.1.  1H4,23.  186,11,23. 
1S7,7.  189,2H.  192.2(>.  245,17.  H09,27. 
3()4,1.  420,13.  474,23:  stilleklich  Adv. 
414,14. 

stock  Unkraut  im  Acker  495,7;  Unter- 
satz, Basis  bb2A6;  Gefängnis  •^H^^19. 

stolz,  ein  st.er  juug:lin«;  =  Kngd  21,10. 
31.22.  53.10.  139.26. 

st(>.ss.  stoz  Stoss,  Streit,  Widerstrehen 
95.13.  19S,15.  2S5,4;  stossen  2(;s,21. 
440,27;  stnssi^  in  Streit  befangen, 
um  ins  (mit  sich)  95,14. 

straflich  166.13. 

ötranire  2iU0. 

stral  PMl  230,4.  435.5.  453.12:  der 
niinnf»  str.  55*J,9. 

straiiüfhcit  x.  stronirlieit. 

StruslMur  23.1.  81.6. 

stra.^sr  434.15. 

streich  1I-*».1S;  strciflu-ii  hrrithm,  2<»><.5. 
3H;.13. 


I 


I 


I 


streiffen,  sieh  434.16. 

8trenkih)eit,   strengh.,    strauirh.  W.*2l. 

53,1.  107,9. 13.  29.  108,6.  12.  2:M7. 

;-64.11.  375,24.  38.SU.  -123.4.  44^.:^ 

469,18.25.  497,4;  stren(g)klich  \1:t\ 

204,7.  315,4.  340,5.   438,15.  53«  19. 
strichen  394,4. 
strik  72,23. 284,14. 310,21. 323.26  'i^WX 

445.10.  456,20. 
strit  459,19.   460,11.  17.   497.3;  wia.?r 

strit  um  die  Wette  39,24:   stritten 

240.2(>.    365,17;     stritberlich    '1(^\% 

459,12;  stritlich  241,8. 
stro  7().10. 369,22. 457,19 ;  strosak  :)ö.ln: 

strowin  strohern  152,12. 
stübli  31,0. 

stuche  Fem.  Schleier  83,18. 
stude  216,20.  .551,17. 
Student  P.  532,16. 
studieren    104,11.    2:)6,21.  29.   STÜ.'Ü 

438,1.  449,1.  552,16.  18.  553,24. 
stftl  70,5.  414,1. 
stunde,  min  liebü  i'göte)  st.  27,2.  .54S,10; 

stundliüi)  93,22. 168,2(5. 216,1 7. 2J4.2S. 

239.7.  281,21.  307,21.  383,17.  456.12. 

551,5;  stündlich  4*34,7. 
sturn  4(H),24;   stürmen   370.12.  42tU:). 

489.27;  sturmig  81,12.  92,21. 
suber  rein,  hübsch  55,22.  79.1.  134.28. 

substunci(e)  172,2.  180,3.  181.5.  23:iS: 
substanzlich  171,18.  179,3. 

subtil  .352,13.  489,8. 

suchen,   einen  ze  gründe  s.  grünolid 
durchsuchen,  heimsuchen  56,19. 

snfze  Mase.  Seufzer  27,24.  36,1,  45.1H. 

54,30.    62,19.    m,2S.    77,24.    7l».31. 

80,32.  34.   90,10.   91,3  ustr,;  süfzen 

31,14.  48,6.  72,3.  84,11.  110,8. 120.14. 

319,16  usir. 
sug(?n  15,10.  39,24. 61,21.  204,30.  371.2:>. 

4<J0.22.  472,16;  suger  .57,17. 
suht  47,15. 
sul  42,1.  198,25. 
sumlich«i  etliche  135,11. 

sunion  hinhalten  2S2AA.  474,17:  sich  s. 
mit  (rrnet,  versifumen  2S2,14 ;  sumiü 
415.12. 


(.Iloösar. 


G05 


iiniuDerlich     111,27.    172,U.    299,19. 

:  104, 17.    374,3().    407,4.    6.     425,10. 

4:i3,22.  25.  447,9.  4()(>,5.  47S,19. 

iiiKiiDerwuiiue    27,2.    111,3.    242,11. 

299.11.  22.  304,21.  406,17;  sumerzit 

425,27. 

11  Sä/nie  213,29.  261,15;    sunzeichen 

f  ltt(jvnhoyen)  214,15. 

iiiamitis  43"),15. 

ikU'II  süniUtjen  5i;0,22. 

iider    125,22.   453,24.    486,13.   4S8,8. 

508.5 ;  Sünderin  72,10.  IS.  73,8. 451,14. 

453,16.    512,2.  10.    513,20;   gemeine 

snnderinu  116,19;  sündig  79,29. 116,20. 

175.2. 198,2.  212,27.447,17.21.450,11. 

452.14.  461,17.  498,29. 

jidtr   Adj.    besonder    416,2.    468,24; 

sunderbar    Adv.    vorziUjlich    376,19. 

448,32;    sundern,    siindem    219,10. 

.•{:i2.5.  356,20 ;  sunderheit  25,12. 149,6. 

isr,.24.  193,15;  sunderiicli(en)  72,32. 

196.9.  199,19.  210,15.  224,5.  307,13. 
:i76,25.  27.  414,2  ustc. 

non  243,10.  321,15;  öünorin  264,2. 
mhcit   184,20;    sünlich    184,17;    sun- 
lichkeit  224,13;  sünlin  25,25. 
iiiue,    der    ewigen    s.u    rad    387,11. 
4<»s.l4;  sunnenglast  299,17;  sunnen- 
tag  Sonntag  4H,12.  352,11. 
mtlicli  11(>,24.  158,25.   192.16.   322,2. 
:^5,26.  452,17.  21.  468,1.  507,2. 
ippriorin  462.3. 

irsum   27,21.    171,26:    Sursum   corda 
27.17.  19.  25.  28,18.  30.  29,5. 
ise  7,1. 

isen  sauften  27,21. 

issekrit,  ßiissik..  siizik.  27,8.  37,2.  17. 
9S,15.  142,7.  197,5.205.2.207,13.16. 
241,2.  244,4.  249,26  ustr.;  8uz(e)k- 
lich,    snssekl.    69,18.     86,29.     90,19. 

111.10.  112,3.    202.11.    13.    213.10. 

223,19.  234,1  u.stt,:  süzmiitig  261,31. 
iSHcn  Fart.  gesiist  14.1;  siissren  45(K1. 
iter  SchusUr  86,8. 

Ä-alie  7,2;  Swab«Mi  26.3. 
lach  schlecht,  unvdtl  »l<>,24;  swachon 
schwach    irn'dfu    88.13;     swaclilifit 
S9.30:  swaclilicli  Adv.  380.21. 


swalvc  P.  535,19. 

swangc'r  330,21. 

8  wan  k  Seh  icuny,  A  ufsch  irw/<//4G8,6.459,2. 

swarheit,   swerheit  Last,   Beschwernis 

95,1.    193,5.    309,24.    476,7;    sweri 

498,7 ;  swarlich(en)  60,8. 214,31. 258, 1 7. 

375,30.  433,6.  448,9.  456,12. 
swärmütig,  swenn.  212,27.485,19;  swar- 

mdtikeit,  swerm.  235,4. 256,25.313,11. 

351,9.375,31.448,10.496,17.497,15.19. 
8 Warzen  schicarz  werden  230,2. 
8webeu  44,11.  838,20.   350,28.   44(;,23. 
8weclien  eminlriyen,  heschimpfen  120,21. 

369,13.  457,9. 
8weil\f)  371,27.  460,24. 
sweinen   schwächen,  vernichten    286,3. 
8 weis,  -z  204,6.  205,14.  315,3 ;  sweisbad 

Schwitzbad  46,3;  sweisetropfe  539,9. 
swelle  35,1. 

8wi*ll(*n  Fart,  gcswullen  453,12. 
swenken    schweifen,   schweben    370,18. 

459.7. 
swerlicit,  sweri  y.  Hwarheit. 
«wert  76,10.  83,6.  85,34.  270,19.  453,27; 

swertslag  422,(>. 
swertzi  439,17. 

swimmen  l.S0,5.  185,28.  247,9. 
swiu  222,12. 
swinden    unpers,    ohnmächtig    werden 

79,19.  213,14. 
swinen    Früt.  swein  abnehmen,  dahin- 
schwinden 120,2s.  302,1. 
swin^ren,  sich  424,25.  448,11. 
8ymeon  (lieri  294,7.  295,22.  545,23. 
svnioniu  (»2.25. 
8yndetice.»*,  sancta  106,21. 
Syon  297.5;  di<'  mogdr  ttohtcr)  von  8. 

432,16.  2»;. 

T  sithe  D. 

ü. 

ülu-llich  549,13:  Ade.  boshaft  123,11, 

ubdsteud  123.13. 

iibou  as/cetische  Chunt/en  pflegen  3,11  ; 
i,'"eübt  irfah\n  im  geistlichen  Lrhen 
252.2:  sich  fib.  51.13;  «.'inen  üb.  htim- 
suchen  51,13.  493.25;  iibig  VU4.  52.6. 
IKll.  140.6.   192.31. 


606 


Glossar. 


iiberbiMcii  irnmformar.^  1()8,10.  181,22. 

33S,r).  891.9. 
überbuiifl  Aushund  4:(M),22. 
überdenken  24().1.S.  r)2r),22. 
i'iberji:an,  -^en   überdenken,  üherireffeti, 

üherschreitm   234,4.   257,18.   21.  24. 

:m.27.  314.17.  334,4. 
nberire^otet  ühergöttlich  190,14;   i'iber- 

jETotlicb  188,20. 
überji^leHtet  hell  glänzend  49,7;   tiber- 

«rlestiir  190,15.  20. 
übergüldon    ilfnrtreßen  507,14;   sahst. 

Inf.  215,9.  26«.21.  454,14.  476,12. 
rtberiieben,  -haben    133,8.  2(M),3.  302,3. 

aS(),21. 
überkonien  überreden,  vermöyen  140,24; 

darüber  hinauskommen  521,4.  525,6. 
fiberkraft     Übermacht    139,29.    2iK),27. 

365,15;  fiberkreftiü:  882.2;  überkref- 

teklich  Adr.  4(>7.15. 
tiberladen    Part.    Adj,    überbürdet,    be- 
drängt 39,4.  69,7.  72,8.  216,8.  220,22. 

256,26.  497,6. 
überlast  51,18. 
überlesen  200,6. 
nberlieht  190,17. 
überloben  sehr  loben  51,1. 
übermerklieh  übr.rnus  in'chiig  329,7. 
überm esseklicli  Adr.  227,10. 
überniinneklieh  229.14.  409,7. 
übermrit    3()3,H>.    421,8;     übermutikeit 

235.3;  übennütklieli  S().8.  156.32. 
Übernatur  311,19;    übernatürlicb,   -na- 
türlich    10,10.    18,1.    170.2.    171.23. 

17S.22.   18!),9.  193,1.  223,27.  292.18 

iisir. 
überuftenbar  190.18. 
überschal  höchste  Frvude  112.4;  über- 
schallen 376,16. 
übcjrschinen  106.25.  241,10. 
übersehen  mit  Dat.  oder  o;en  übnsihtn. 

nnrhsehvn,     rcruikvn     123.9.    340.(). 

364.28.29.  3(;6.18.  369.16.  424,21.22. 

43S.!>.    457,12;     .^abst.    Inf.    375,2!). 

448,8;  sich  üb.  .v.  nrsrinn,  versäumen 

130.12.  310.6. 
übersetzen.  -s(rzzen  frunsf'ormmr  94,2(5. 

130.22.  V.ru2\\  3:U.12.  337.13.  358.7. 


I 


ül)erswenk   überschwenglich  52*.  5,U. 

1 0.28.  23.2. 97, 1 1 .  99, 1 1 .  179,2l>.  181.24. 

1S4,5.  344,26.  384,20.  466,21.  477.1: 

übcrswenklicb  288,10.  378.10. 
übertrajj^enheit    hochfahrendes   Wfsr.i 

1 33,5. 
übertrahten  überdenken  2.57.20. 
übertref(f)end     174,8.    ^39,11.    'U2.l:i 

352.21.  353,25;  übcrtreffe(nilicli  329.7. 

339,9:  übertreffeulicheit  327.21. 
übertruken  aushalten  370,27.  VM^. 
übemnbekant  190,15. 
übervaren  subsl.  Inf.  obprflaeUkh  U- 

trachten  257,16. 
übervart  transitus  193,11. 
übervemünftig:  185,26. 
überfliessend    178,22.     2(^4,23.    i«:».^. 

267.1 ;  überfluss  336,9.  3a5.1 1.467.18: 

überflüssig:  tlberfliessend  101.15. 
Überflug  —  übervart  184,2. 
übervoll  52*. 

überformen  transfonnare  33Vi,12.B45.l\ 
überfüllen  190,20. 

über  werden   enthoben   trerden  44.\17. 
ther\ves\ichsuperstanUalisjVtersifii''*ii^ 

lieh   52*.   95,15.   157,22.  24.  \mi 

182.20.  24.    190,12.    14.    191.32.  :U. 
193.17.  390.4;  überwesentlich  471.ii. 

überwinden    Part,    überwunden   "^nr- 

vältigt  48,6. 15.  270,22;  über\niinl»^n* 

heit  497,11. 
überwürken  53*. 
überzinen  verzinnen  48,5. 
übli  261,32. 
übrifr  übermässig   107,9.    1?32,4.  1:^4. 

139.31.  358,16.  543,7. 
ubung  Übung  (asketisch f.)  11,22.  ÄUt). 

30,14.  40,26.  41,3.  43.4.  45,25.  4().IH. 

27.  215,2(>.  448,4.  505,7  usw. 
nf  bieten   493,23;   subst.    Inf.  \m\\ 

318,33;  sich  uff"  b.  479.2:^. 
uf  blasen  anfangen   zu  blasen   .323.1*». 
uf  brcjchen   aufgehen,   sich    aufmnvhoi 

17.19.    90,29.    172.14.   173,14.  2U.«>. 

233.21.  271,17.  299,9.  313.17. 
nf  di.nen  323.13. 

nfflrin^^^en, -trinken  28,10. 172,16.211.10. 
252.13.  374,26.  426,5.  447,4. 


Glossar. 


607 


en  aufrecht  halten,  unterhalten, 
95,28.   165,5.   177,5.   280,20. 

117,14. 388,10. 469,U ;  sich  uf  e. 

.  ufenthalt  Stütse,  Schutz  24,7. 
118,30.  126,11.  169,29.  484^6. 

!ii  212,14. 

[en  259,19.  269,19.  543,12. 

en  156,3. 

nisz  P.  518,14. 

Igen,  sieh  158,26. 
aufragen  217,8. 

nehmen  505,18;  nfgang  165,19. 

\*art.  cr/7c&ew  465,13;  ufergehen 

:  ufergehenliche  339,15. 

iheit  Ekstase  196,7;  ufgezogen- 

0,2. 

schön  gerötet  110,14. 

m  die  Höhe  halten  77,18;  uf 

\i  zurückhalten  *61Q,\\'  448,2^3. 

,  sich  P.  511,13. 

n  553,1. 

gären  159,8. 

n  aufspielen  28,12,  323,4. 

en  138,27.  205,4. 

a     auflehnen,     in    Bewegung 

•  45849. 

171,26. 
u,  sich  448,6. 
Aufschlag    530,5;    Auf  schuh 

uf  schlahen  aufschlagen,  auf* 
i  225,15.   314,3;    zur    IFeidv 
treiben  374,23.  447,2. 
sen  207,21.  320,3. 
en  385,24.  467.33. 
i  438,23. 

,  ufgesatte  wise  488,19. 
en  173.7. 
^n  27,30. 
n,  sieh  193,5. 

auftragen,  darbringen  27,2^). 
.22.  91,16.  311,17.  431,11. 
n  1H,15.  216,22.  224.15.  243,13. 

1  J*rät.  wüst  auffahren  57,26. 

210,:^ 
.  sich  447.26. 


uft'   ziehen    hinhalten    455,12;    uffzug 

455,14. 
umbgan  einen  zu  schaffen  haben,  sich 

abgeben  mit  116,15.  361,4.  410,15. 
umhhalben  539,17.  549,12.  552,19. 
umbhenken  296,29. 
umb  keren  muiare  551,22. 
umbkleiden  492,28. 
umbmachen  66,5. 
umbschliessen  20,1. 178,10. 29r),24. 297,3. 

392,19. 
umbswank  Umfang,  Umschirung  178,14. 

191,15.   435,8;  umb  swenken  250,5. 
urabvaug   14,13.    18,4.   201,27.   214,26. 

276,15.  413,5.  433,13.  479,18.  493,16. 

49(),2. 
umbzi'inen  426,11. 
unandechtklich  Adr.  298,9. 
uuangenomen  stan  gelassen  sein  359,27. 
unangesehen    168,26.    348,16.    350.25. 

353,13.  liO, 
unbedaht   unbesonnen  300,9;   unbedali- 

t(e)klich  Adr.  235,13.  298,12.  415,1S. 
unbegirlich  297,20. 
unbegriffen   ^incomprehensibilis   223,23. 

328,22:  unl)egrif(f)enlich  178,7. 226,15. 

242,5.   243,15.   262,17.  295,9;   unbe- 

griffenheit  342,1;^. 
unbehabenlichi    Nacl^iebigkeit  ¥    (rgh 

Deniße  ö33  A.  2)  340,15. 
unbehangon  47*;  unbehenkct  ohne  An- 
hänglichkeit  an   die  Kreatur  38,21. 
unbehulfen  163.18;  uubehulfenlich  81.9. 
unbeliutekeit  42.10. 
unbekant  unbekannt,  unerkennbar,  un- 

rorhergesehen,    unverständig    128,24. 

156,10.  190,20.  194,2.  215,27.  284,30. 

310,12.   326,15.   379,6.   380,6.    4(H),4. 

410,4.  428,2.  434,15  usu\;  unbekant- 

heit   Unverständigkeit  503,16;  unbe- 

kantlich  Adr.  unvorhergesehen  :   un- 

bekennen  sahst.  Inf.  .'Ul,16. 
unbekumbert  208.24.  431.19. 
unbie'liplich     v(trühtrgehen(i     160.29. 

193.27. 
unbcradflii'lien  P.  inmnsuHe  533,23. 
unberichtet    nicht    untfnvicsvn^     unhe- 

hrlligf  Mi;9.3. 


1 

i 


üOS 


(Ilossar. 


imbernrt  215,19.  226,(>.  257,18.  M50,10. 
iinbesclieiden    iudiscrettts   1()8.12.  4:90, 

10. 18.  501,11;  iinbescheidentlich  Adr, 

ohn:  Jieiriisststin  284,15. 
unbeschlosseiies   kloster  ohne  Klausur 

ie5,:n. 

mibescbniten  25,22. 
unbesintklicb  Adi\  298,9. 
iinbesorget  157,5. 
imbestoben  P.  526,10. 
imbeweg(cn)lich   105,17.  210,21.  242,2. 

261.8.  810,29.83.  388,4.0.  469,9.10. 
unbewiset  201,16. 

imbezwungfeulich,  in  u.er  wise  179,4. 
uiibild(c)  EiUi'üsiung   120,8.  9.   127,24. 
iinbilUch  201,24.  293,26.  337,30.  420,19. 
unbUtlichkeit  164,8. 

Undank,  sines  u.es  gegen  seinen  Willen 
81,24;  undankbar,  -ber  215,7.  310,25. 

underdruken  5,11.  123,24. 

underducken  P.  522,14. 

undergan,  -gen  44,19.  55,2.  68,7.  85,30. 
105,26.  148,16.  353,16;  undergang 
48*.  57,4.  67,3.  133,5.  104,18.  165,19. 

107.9.  :m,2.  24.  389,5.  486,12. 

iindergeworft'euheit  477,3. 

undergezogenheit  Entziehung  der  fühl- 
baren Gnad^  322,25. 

und»jrgründen  13,1. 

undorlaz,  -ss,  ;ine  82,24.  224,30.  243,13. 
;U.S,9.  502,10.  5:>2,27. 

underlibi  ztiin'ciligt  liuhe,  Erholung 
r)0*.  4,23.  40,3.  360,8.  405,4. 

underrock  Unterkleid  394,5. 

undtTScbaid,  -scbeid  3,14. 10.  4,15.  97,17. 
113,20.  155,12.  150,14.  158,3.  13.  14. 
19.  159,10.  27. 100,10.  13. 15.  163,7.  9. 
107,12  usu\ ;  underscbeideu  verschie- 
den Adj.  850,21.  354,18.  35."'),3.  497,16; 
underscheideiilit'li  verschieden,  deuU 
lieh  185,15. 189,14.  15.  492,^1 ;  under- 
scheidciiheit  disfinctio  174-10.  354,11. 
U'k  22.    .355,1. 

nndcrscliidiujgo  .separatio  354,16.  17.  21. 

linder  schlalien  unterdrilcken  57,9. 

nndtT^tan  ftlttnhren^  verhindern  7,18. 
147,0.  201.21.  2s.  205.8.  373,10;  un- 
d^-rstand    sahiectum,    Stützt     157,16. 


162,20.  492,31 ;  undcrstandnugtr  *ü/>- 

sistentia,  Persönlichkeit  334,y.  12. 
understützen  548,20. 
undertau,  Untertan  22,33.  382,9. 4<U.2»i. 

465,25;  undertenig  89,6.  182,19.19-2. 

19. 274,13 ;  undertenikeit  ^57,1.  :C).U. 

381,10.  383,21.  462,18. 
undertragen     suhst,    Inf,    dazmfchh 

tragen  62,25. 
under  tön  447,14. 
underwcgen  lassen,   bliben  unbehelligt 

lassen,  äbtrgehen,  unterbleiben  97.22. 

98,8.353,12. 14. 309,18.  373,23.457.14. 
uuderwilenit)  367,16.  455,22. 
underwinden,  sich  sich  freundlich  unur- 

ziehen,  s.  annehmen  251,6. 
undervvurf  Unterwerfung  1(>3,30;  iinJer- 

wi'irflicb(e)  327,17.  332,22.  3öS,2. 
underziehen    entziehen    289,14.   W.'. 

548,27. 
underzuk  Entziehung^    Verlust  174.26: 

imderzucken     unterdrücken    21S.12. 

275,25;  underzukung  166,0. 
unehtig   t-on  geringem   Anselieii,  nkht 

achtend  109,20.  218,23.  304,5. 
unendlich  zwtcklos,  unnütz  221.23.282.2. 
unenphintlich  unerfindlich  249.5. 
unenthaltiichkeit  =  oltne  enthalt  1»>4.\ 
unerbermklich  Adn.  200,3.  318,6. 
uncTbrochen  ungebrochen  156,30. 
uuere  30,25.  69,8.  120,20.  215,3.  2i^2X 

308J. 
nnerkant  unerkannt,  unerkennbarl(ji'2.\'' 

549,15. 
unerlich  schimpflich,   schmählich  67.1. 

115,23.  282,23.  370,20.  459,16. 
uuerschoi)f(e)t  205,26.  498,19.  54a;>. 
uuerschrokenlich  Adv.  .378,19. 
unerstorben  3,12.  160,1. 
iinerstürmt  160,4. 
unertokeit  Unbill  74,17. 
uuervolgklich  unerreichbar  383.21. 
uni:iiuz   102,12.   275,25:   ungan(tW.lich. 

ungeutzlich  4,3.  871,34.  401,3. 
luiireherde     unziemliches    Benthmen 

ungebügig     unbeweglich ,     schwerfnlV-i 
470.9. 


lebroehen  53,2.  Iti5,3- 
^bonden  56,1 0- 
ftbäiH  ]82,t. 

er  Gtdaiikt  125,21;  <)ines 
wiiUr    Wülm    *17,16;    unge- 
L  4ankbeit    Gcdanktniosii/keit    049,11. 
mgednltie  44U,28. 
zugegeben  21l>,4. 
jngehabd,  -(,  -hebd   ühle»   Bmrhmrn, 

Ungwtdm   127,4.  24.  .HÜ;   ii.igehabt- 

keit  »4,ai. 
tntreliinilert  357,7. 
ingehört  StK.lI. 
iDgebiilfen  266,6. 
ing:ehi'ir  ungehruer,  «chrtcklich  61,10. 

77.12.  81,7.  87,14  13(»,1. 
lugeisüicb  258,21.  22. 
la^iitilaAea  frei  von  Anh'JngUc'iktiliehß. 
]llgelaB(8)en  nicht   Gott  rrgehtn,   unge- 
duldig 28,32.  54,22.  1«5,16.  531,12; 
BbBgeluienbeit  535,10. 
P^ebt  anerprobt  369,2. 
taigeleiBten  258,5. 
iiagelerl  4,10.  1110,1. 
iingrlejlicb    92,10.    108,1.    4.    142,6.    10. 
»  ir>7ri  161,26.    164,24.  172,2fi.  191,«. 
L4»4,l.  19»,14. 16.  220,14.  228,6  >»».,- 
KVig(e;1icb(b)eit  üivjhie/ifteil,  Abwen- 
Wfliutg  eon   Gott  idie&imilitudo,  im- 
f  ipiite»)  88,22.  92,28.  142,18.  IHfl.lö. 
|iOO,21.  2:»,16,  233,12.  247,5.  359,20, 
■^88,12.  46it,l(l.  478,6. 
ingelirapr  geben  (mW«  136,31.  485,11; 

nngelimpflicb     Adv.     unangtmeeitn 

159,25. 
iuig(e)löbe  291,26.  492,«;  i>iig(e)lo1jlicb 

107,22.  293,26. 
ongeloQCt  182,2. 
iingeln(c)k  51*.  1:13,24.   168,3.  395,19. 

483,7. 
iiDgemacb    Sitbtl.   46,3.    57,14.    70,23. 

208,4.  209,8.  213,2.  216,31.  221),18. 
12.  247,12.  14  ««/'. 
euen  54*.  291,31.  306,1.  328,22. 
F3ff7,26;  imgemessenheit  173,1. 182.29. 

554,3. 
ingemüigeC  UKbüäntigi  .')51,4. 

H.  Stoin,  DmMcba  ScbritMii. 


609 


iiii^enoiitheit    Unnennbarktit    iGiitleii) 

im,i. 

iingencm  »aangrwekm,  widtrwärtig,  nb- 
a/ojeenrf  89,27.  121,34.  2ia,ll.  214,7. 
259,21. 305,29.  306,25,  811,24.  554,19. 

imgeDemmet  ungmannt  821^,19. 

nugenfig  231,13:  ungenügde  8,9;  un- 
fe-enüklitb  219,19. 

nilgeordnet,   -denC  42,6.    11.  62,1.  23. 

174.26.  206,17-  247,11.  256,25.  318,16. 
327,2.  28.  852,6  mic. 

ua  geraten  147,1. 

Diijj^redet  sprachlos  548,14. 

ungereht  Subal.  da»  Vtrkehrte,  Unrecht 

390,16. 
nugern  Adv.  ungern,  »chwtrlich  76.14. 

462,15. 
ungerätel  ungerodet  495,7. 
ungegamnet  8,6.  215,22.  372,19.  4fil,21. 
ODgesust  uiigfsetzt,  iiHrtthig  159,22. 
unge8Ghftt'(f)eQ  unerschaffen,  ungalalt, 

hägtlieh  185,29. 158,4.  184,24.  312,4. 

.829,14.  345.8.  499,24.  500.12.  504,13. 

507,3. 14;  ungescbaffenheitffti/Druti'ti« 

506.27.  507,1. 

Uligescheiden    273,5;    ungeacbeidenliuli 

Ada.  3t)9,28. 
angeaelleklich  Ade.  unfreimdliek  130,6, 
UBgeaihüg    unfehlbar    190,».    19.   20. 

293,8;    iuige«ibteblkh    Adv.   292,20. 

295,23. 
nngesind    achltchlt»    Gesindel    i  bost 

Geisttri  558,19. 
ungeiunftk     luuehmackhafl .     tndrrhch 

.873,26.  899,3. 
angestalt  deformia  79,4.  131,10.  37(M3. 

877,11.  449,25.  460,1. 
imgestrafet  225,20. 
niigestrekct  45,17. 
ungestüm  A^.  140,15,  261,28.  31ä,18. 

496,17. 503,22;  nngeat^mklicli  136,18; 

ungeHtumkeit  549,8. 
ungetan  las8etM8,16. 
ungeteilt  180,3. 
UDB^tSdet  1.42,12.  633,6. 
ungeirüfltet  175,lu. 
ongeirüwe  Irtuio»  121.3:). 


09  ^^f 


610 


Glossar. 


ungfonpt,  -übt  anorproht  (im  (jeisilichen 

Lehen) y  wenig  begangen  56,*2r).  98.9. 

l()8,ß.  205,22.   200,19.   237,2.   826,9. 

8:)2,U. 
ungefii^lich  P.  unbeholfen  5273« 
iin.^ewalt  210,20.  215,20.  810.27. 
iiiigeweukt    unerschütterlich  309.1(5. 
unii:ewcret  27.ir>. 
un^ewerlich  geföhrlnh  108,7. 
xinfjreweschen  428,14. 
un^ewillet    nicht   nach    }\'illt'n    getan 

382,15.  403,24. 
unjy:ewiter  145,12. 
iinjj:ewonIich,    -wonlich    128,32.    190.7. 

205,2.   207,13.   25<>,12.   297.8.   478,0. 
iin^ewordcn  158,32.  203..S:  ungewordeii- 

heit  157,21.  188,19.  237,9. 
ungewnlkt  unbeirrt  172,14.  299,9. 
uugezellet  290,19. 
uiigezeint  251,11. 
ungezogen    unartig,    zuchtlos    204,17. 

315,17;iingez()g:enlicli(e)208,4.310,13. 
ungezomet  ungeeäumt  549,8. 
ungotlich  430,3. 

ungrnntlich  unergründlich  188,15. 
un^-unst  5.11.  145,10.  148,12.  527,9. 
Unheil,  sines  u.es  zu  seinem    Verderben 

549,8. 
unholt  P.  314,H. 
unkraft  KraftUsigkeit  .'386,25. 
unkrut  232,11.  495,8;  unkrut^^arte  222,9. 

unkunneud  unerfahren,  ungeschickt  4,3. 
140,5;  uukunentheit  381,22. 

uukunt  unbekannt  207,16. 212.20.  220.14. 
2S1,15. 

uulediiJ:  unfrn  335,20;  unledik(^it,  un- 
lidkeit  Unfreiheit ,  Beschäftigung 
3S.14.  121,22.  1(>H,7.  352,0. 

unlidi^  unleidlirhj  uuertnl glich,  unge- 
duldig 9,31.  76.25.  134,12.  105,10. 
229.23.  28.  209,5.  420.15.  546,25;  frei 
von  J.i'idin  244.12.  294,13:  unlide- 
lichi.'  Adr.  um rträglit'h  497,10;  uu- 
li'idlioh    V.  frei   ron    L'idi'n   519,11. 

unlidektMt  l'ngeduld  31>?.17.  Vgl.  un- 
ledikfit ;  nnlevdliirkoit  P.  Leidens- 
frdkül  519.:i. 


I 


unliep  Suhst,  Nvutr.  Lieblosigkeit.  Hiirtt 

547,11. 
unliplich  incorporalis  171,19. 
unluHt    294,27:    unlustig    unaugenehui, 

zuwider  9,30.  2:\3,U.  31(5,9. 
unluter  500J. 

unliit^elig  absiossend  377.11.  44l);2.\ 
unmaht    Schwache,    Ohnmacht  Tl.'i«'». 

545,20. 
nnmanlich  41,20. 
unmaterilich  utikörpcrlich  1S,(). 
unmehtig  kraftlos,  machtlos  8tJ.l.  2'»"2.s. 

2()(),2.  435,12. 
Unmensch   Masc.  128,23;  unmrnschliih 

107.22.  120,5.  290,6. 

unmessig,  -zig  15,27. 03,23.  73,25.  S4.21. 

142,27.  170,5.  213,13.  21.5,16.  211.13. 

242,1     usw.:     unmesseklich    18;A 

258,24. 
unmilt    unbarmherzig    260,15.   iW9.'iS. 

541,13. 14.544,28;  unmilteklich5:^.«.27. 
unminnerich  199,24. 
unniinuesam  491,33. 
unniugentheit    Unvennögen,   Schicüchf 

182,20.  310,15.  317,2.  435,17. 
unmüglich,     -muglich     107,2(5.    VM. . 

1(50,23.  219,4.  233,20.  30S.12.  :5S7.3". 

411.23.  454,13  usir, 

unmüsfl(e),  -z  Beschäftigung,  (ieschäfUij' 
keit  217,13.  218,10.  3(;4,19.  ^'33: 
unmüssig  54,11.  08,19;  uumüssikeit 
464,19;  unmfisgen,  -mussigeii.  sich 
aS9,8.  470,12. 

unmfit  109,13.  505,3. 

unna  P.  Adv,  nicht  nahe  530,12. 

uiinoKd  dürftig  35.15.  30(5,2.  499,:<. 

unnütz  Adj,  221.22,  222,13.14.  442,^^1. 
uiinuzherlich  Adv.  5,S. 

unordcnhat't  353,13.  5.39.9:  unonl*^uli«'li 
42,24.  108,15.  16.  109,20.  501,14. 

Unordnung  165,7. 

unrat  Gegensatz  von  rat,  schlechter  Hot, 
Hilflosigkeit  :^1,15.  462,10. 

unred  böse  Bede  364,3.  422.4. 

uurein  77.11.  19.  121,15.  134.29.  425.24. 
510.2.  543,28;  unreinkeit  263,3. 

uiiruwre)  2S,23.  Iu9,14.  414.17.  477.17: 
uurnwig  8,12.  9.3,21.  414,1(5. 


Glossar. 


611 


ii    unttagbar    10,9.    18,4.   22,16. 

73,33.   116,20.    134,31.   174,2. 
.  204,10  usw. 
ich  221,7.  21.  222,6. 
lieh  Adv.  impudenter  481,8. 
e    161,21.   212,24;   unschuldig 

448,28.'  498,28;    unschuldklich 

I 

I« 

g  220,16. 238,1 6. 246,17. 247,15. 
unsinneclich  549,7. 
126,23.  136,28. 

(e)lich     10,18.     15,2.     171,23. 
'.  17.  386,15.  510,27. 
74,23.   215,21.    237,17.    369,6. 
;  unstetekeit  380,9.  408,12. 
r  ohne  Streit  156,23. 
49*.  161,31. 
lii  individuitas  333,14. 
k   Unterjochung  158,21. 
9*.  377,18.  450,7. 
lieh  incorruptibilia  242,2. 472,4 ; 
^mklich  390,22. 

1  P.  immortalis  519,1 1 ;  untod- 
:  P.  519,4. 

P.   523,16.    525,9;   untröstlich 
502,9. 
)  57,14.  137,21.  144,14.  219,28. 

■ 

i  107,16.  165,17.  277,8.  296,28. 

.  382,13.  541,18. 

unden  P.  533,6. 

jcheiden  354,10. 

ig  mit  dem  nichts  auszurichten 

2,6. 

•gen  388,16. 

mnet  8,1 ;  unverbrant  P.  526,11. 

n(e)t  224,21 .  251,2. 306,3. 375,12. 

>. 

»ssen  398,10. 

et  unvereint  (mit  Gott)  345,2. 

• 

jsen  539,20. 

?chet  176,1 1 ;  unvermist  von  ver- 

i  nicht  fehlerhaft?  169,20. 

genthait  381,21.  j 

iftig   123,13.    156,18.  29:    un- 

iftlichen  P.  532,7. 

nden  unverständig  5,1.    163,6.   i 


247,3.   281,4.  5.   340,1.    424,24;    uu- 

verstandenheit  207,6.  281,2;    unver- 

standenlicli    Adv.    ohne    Besinnung 

128,26. 
unvervanklich  unniits  301,9. 
unverwenck(e)t   ununterbrochen  289,9. 

474,24. 
unverwenet  unvermutet  41,25. 
unverwert  ungehindert  160,9. 
unverwüsen,  -wissen  unverständig, dumm 

84,7.  158,11. 
unverzagt  51*.  398,16;  unverzageklich 

Adv.  56,3. 
unverzert  358,9. 
unverzogen  nicht  hingehalten,   unauf- 

geschoben  118,29. 
Unflat  68,23.  541,19;  unfletikeit  551,26^ 
unvolbracht  301,12. 
unvolg,   -k  schlechtes  Volk,   Gesindel 

372,22.  461,24.  540,16. 
unvolkomen    159,22.    174,23;    unvol(l)- 

komenheit  234,27.  429,10. 
imfrid(e)  382,21.  22.  464,1.  2. 
unfrolich  Adv.  135,22. 
unfrowlich  unweiblich  482,5. 
unfruhtber  442,31. 

unwandelber  171,19.  1JK),17.  223,27. 
230,14.  309,28.  407,6.  429,21;  un- 
wandelberkeit  262,20. 

unwerd,  -t  Subst.  verächtliches  Ding 
72,13.  225,15;  Adj.  verachUt,  unlieb 
89,21.  470,25.  512,22;  unwertüch 
Adj.  Adv.  geringschätzig,  unwillig 
.58,17.  71,8.  123,26.  128,4.  217,12. 
229,22.  27.  253,21.  384,10.  483,20. 

unweslich  nicht  wesenhaft,  unvollkom^ 

men  174,22.  25. 
unwiderbrinkUch  213,2.   222,3.   516,12. 
unwidernemklich  Adv.  ohne  den  eigenen 

Willen   wieder   anzunehmen   335,23. 

unwilHg  174,27:  unwilleklich  Adv.  248,8. 

:^1,9. 
unwirdig  26,26.  301.7.  364,21.  376,14. 

422,8.  424.9.  448,26.  499,1 ;  unwirdek- 

lich  112,8.  232,23. 

unwis  unverständig,  töricht,  ungelehrt 
30,20.  75.i:<.  4S5.12;  unwisheit  26,5. 


612 


Glossar. 


iin  wn3seiitheit,w'i88eiiheit  1 62,22. 18748- 
ISSJ.     193,20.    890,1S.    472,1;    un- 

wiisseiid,   -t   unwhstfidy   unbewusst, 

unvermutet^  unbekannt  72,13.  156,82. 

19040.  212,25.  865,22.  aS8,28;  un- 

wisseiiklich,  -tlich  Adv.  200.18, 824.12. 

486,21. 

unziillicli  21,29.  2-t,6.  28,7.  56,22.  29. 
61.8.  63,16.  155,1.  172,13. 241,25  usw, 

unzerdilklich  5iW,6. 

unzertriben  unyekaut  257,19. 

iiiizimllch  unschicklich  485,3. 

iinziut  bin  75,16.  81,15. 

unzitig  unpassend,  unreif  159,7.  281,11. 

iinzitiicheit  intempesiioitas  474,15. 

unznclitig  ausgelassen  485,0. 

iipip)ig   leer,   eittl,    leichtfertig   96,10. 

106.5.  114,7.   28.   133,16.   138,4.  12. 

209.6.  218,10.  284,16  usw,;  iip(^p)ek- 
lich  1364.  138,16.  289,5.  281,19. 
879,8.  456,8;  üpcp)ikeit  105,8.  483,18. 
507,19.  549,4. 

urdruzz,  -tz  Missbehagen,  Unlust  18,30, 

488.26.  588,21. 
Urkunde   Neuir,   Kennzeichen  ^  Beweis 

50,15.  28.  76,1.  18 14.  218,28.  299,28.   '■ 

29.  588,5. 
urlob   Erlaubnis y  Abschied  4,85.  38,7. 

10.  18.  15.    46,8.    60,18.    138,4.    15. 

182.18.  192,12.  194,15  usu\:  urloben 

erlauben  51,15.  115,8. 
ursach  Ursache,  Anlass  92A1A2. 115,24. 

16(;.ir).   20.    197,18.    807,2.    814,26. 

815.27.  872,12  usw. 
Ursprung    14,80.    89,27.    94,14.    104,8. 

179,8.10.  180,10.  181,20.  185.18.21. 

200.2.    208,5.   7    usw. :    urspnm^^licb 

t'ontalifi  14,84. 
urstendi,    -e    Auferstehung,   mijstische 

Wkdenjehurt  848.24.  27.  547,28. 
urteilen    840.8.   48841. 
usbas  Adr.   weiter  hinaus  342,22. 
usblik  181.11.  880,1(;;  usbükcud  313,21. 
usbreclien   ausbrachen,  ausrcissefi,  her- 

rorhre.chui  10.24.  58,15.  59,18.  70,21. 

105.().    lf>74.  H;8,20.  282.11.  446.15. 

471.9.502,4;    usbruch  88,21.   1(>447. 

24.    192,82.    210,28.    331,15.    338,4; 


usbruchig  38,6. 168,15. 17.5,26.352.14. 
8u6,'i8. 

U8brehendaM.svv^raÄ/«>iidl7,8.374.9.S9(U. 

U8  drucken  181,16. 

U8  erkiesen  47*;  subst.  Inf.  488.20. 

U8en»'el(l)en  70,10. 153,26. 169,12.201,27. 
211,16.  216,27.  305,9.' 441 ,14:  ui(s'er- 
welt,  uzerwelt  21,2. 31 ,2. 63,13. 187,11 
1444.  202,1.  20.  27.  21L18.  215.5. 
223,17  tis^c.  usw. 

U8  gan,  U8  gen  mit  Dat.  entgehen,  auf- 
geben 142,14. 471,17. 484,8;  sich  selber 
U8  gan  den  eigenen  Willen  au/gtlten, 
sich  lassen  28,19. 94,38. 161,19;  «mU 
Inf.  54,6.  95,12.  169,10;  usganir  4,2»i. 

245.10.  280,12. 
US  gedringen  434,5. 
usgelocben  vgl,  liecheo  137,5. 
usgenomeu  Fart,  Adj.  vornehmlich,  üh»- 

gezeichnet  812,12.  406,10.  453.(5. 
465,12;  usgenomeniieh  313,26.314,14. 

824.11.  876,22.  449,2;  usgenomenheit 
exceptio  249,12. 

US  gerich  ten  a<i*emaM<^er  setzen,  erkftfrt» 

108,1.  171,8. 
US  gesamnen  450,81. 
U8ge8cheidenlich(e)    Adj,  Adv.   unter- 
schieden,   deutlich,   ganz   besonders 

24,1.  832,4.  388,18.498,1.502,23.25. 

508,4 ;      usgescheidenheit    disUnctv) 

101,12. 
u.sges(ch)Io8senheit  297,3. 480,28. 486.25. 
usgesündert  3i^8,2. 

usgetribenheit  Läuterung  390,7. 471. l-^. 
usgeflossenheit  emanatio  52*.  186.5.7. 

liK),26. 
usglantz   587,2;    us  glen('t)zen  254.24. 

407,4. 
usgossenheit  180,2. 
usgrunend  hervorspriessend  180,l«i 
usguz  248,1.5. 

US  herten  ausdauern  149,22. 
usker     Auskehr,     Beschäftigung    mit 

äusseren  Dingen  63,8.  200,20.  8%.5. 

470,6;  usgekert  gemiille  490,1. 
U8  kiesen  aM*«7dfÄ/ml98,7.v^7,15.502.'i). 
US  klingen  225,4;  u8kliug(l)eQder  brunue 

hervorrauschend  92,19.  24246. 


Glossar. 


613 


8  legen  Part,  usgeleit  explanare  197,28. 

198,6.  828,1;  uslegunge  503,1.4. 
B  lesen  3«0,2. 
s  loflFen  Ausgänge  machen  414,1. 

8  In^en  169,12. 
B  lullten  30(),4. 

Bqual  Masc.  Het-vorquellen,  QueUSiiO^l ; 
US  quellen  14,80. 

9  riechen  ausduften  427,18. 

8  rihten  erklären,  beantworten,  ab- 
fertigen 23,15.  38,20.  198,8;  us- 
rihtung(e)  Besorgung,  Schlichtung, 
KrkUrung  166,2.  8.  176,2.  229,10. 
824,18.  349,19. 

8run.s  Ausfluss  181,14. 

s  rüten  ausroden  425.28. 

s  sehiden  trennen  354,18. 

sschlag  exitus,  das  Wiedereusichkom- 
intn  des  Geistes  bei  der  Beschauung 
184,28.  189,18.  198,10.  882,2.  ,885,17. 
346,1.  15. 

8  schliefen  ausschlüpfen,  aufbrechen 
iron  Bösen)  551,29. 

8  schliezen  842,21. 

ssehen  subst.  Inf  167,80. 

sserkeit,  -heit Aitsserlichkeit,  die  äussere 
\Velt(Gegens.  rinnerkeit)  166,2. 167,15. 
211,5.  285,19.  359,11.  366,12.  889,6. 
7.  10.  429,2.  431,16.  488,5.  470,8.  10. 

sserlich  845,13. 

8srenthalb  31,16. 

8se  stan  übrig  sein  322,22. 

8(8e)wendig  218,8.  468,25.  497,5. 

88ezlint?r  Aussätziger  208,7. 

s  singen  zu  Ende  singen  26.16. 

8  stossen,  -zcn  eliminnre  292,7.  364.17. 

K  strichen  ausstreichen,   mahn  60,17. 

»  «»türmen  159,18. 

8  suchen  47*. 

s  sugen  Part,  gesogen  aussaugen 
12.M7.  419,12. 

Sis weifen  subst.  Inf.  169,32. 

3  tu  wen  254,19. 

Strogen  subst.  Inf.  Austreiben  167,30; 
zum  Afistrag,  zur  {Übereinstimmung 
bringen  184,8;  ustrageud  nachnu-^sfu 
führend,  z^rHrcuend  169,88.  366.10. 
.881,5. 


US  trehen  ausduften  427,19. 

us(s)  triben  168,5.  191,9. 

usz  varen   aus  dem  Kloster  auslaufen 

484.25;    usvart  aus  dem  Leibe,  Tod 

160,19;    Ausgang   aus  dem   Kloster 

372,11.  461,15;  usvertli  872,12. 
usvergangen  Part,  hervorgeflossen2i)0,l. 
US  fliessen,   -zen   51,1.    179,9.    185,31. 

199,18. 206,10. 310,10.  344,24.  388.11. 

469,15.  473,3;  ustluss,  -z(z)  52*.  14,34. 

1;H,32.  179,8.   180,12.  203,4.  296,10. 

830,8.  832,10.  390,5.  400,2.  471,10. 
usvolgen  subst.  Inf.  Nachleben  542,27. 
usfuren   subst.  Inf.   Ausführen   36,12. 

196,17.  416,11;    von  Gott  wegführen 

221,28. 
uswal  emanatio  21,27.  185,18.  810,18; 

US  wallen  Prät.  wiel  273,7.  542,9. 
uswert  Adv,  nach  aussen  413,11.  496,10. 
US  wischen  7Vä7.  wüste  herausfahren 

149,28. 
US  würken  austciJrkeu,  ins  Werk  setzen, 

zubereiten     (mystisch)     94,16.    99,8. 

126,6.  156,20.  262,1.  8.  823,24.  514,1; 

subst.  Inf.  208,26.  .849,2.  358,18. 
US   zerren    ausreissen    229,21.    871,26. 

460,23. 
US  zerspreiten  weit  auftun  (das  Herz) 

15,8. 
\\%ZQ^  Auszug  (aus  der  Welt  ins  Kloster) 

861,1.  410,12. 
ützet  :=  ihtesiht  irgend  etwas  3.86.6. 

V.  F. 

varokel  (Inldlich)  884,16.  466,16. 
vadem,  -n  rnden  198,21.  199,9.  254,1. 

828,25.  369,19.  457,15. 
vaboii,  zÄ  huse  v.  einziehen  423,16. 
vaht  =  vach  Stück,  Teil  107,15. 
vaiss  feist  1S3.18. 
fal  Genet.  falwea  gelb   .'>51.15;   valwcu 

.v/c7/  enfflrltun  210.25. 
valke  8S<s,9.  408.5.   4«)9.18;   falkeuoge 

187.19. 
valle  2S1.88. 
falsch  Sahst.  Masc.  Folsrhlnit,  Irrtum 

28.5.   161.11.  4S9.7:    AdJ.  trüarisr},, 

irnn  410.18.  17.  489.2.  447.11.  44S.14. 


614 


Glossar. 


407,10.  -486,22.  489,2.  4 ;  valsch(h)eit 

Betrug^  Treuloaiykeit,  Irrtum  67,26. 

186,15.  219,23.  221,25.  871,29. 380,13. 

408,12.    494,20;     valschUch    204,13. 

211,22.  315,18.  ,827,12. 
fantasie  P.  r)24,18. 
varen   mit  JJai.  d,  Pers,   u.  Genct.   d, 

Sache  streben,  abzielen  106,14.  388,7. 

469,11;  ^euot  v.  eijrif/  .streben:  Ta- 

rnit  vol  =  vah'tf  494,23. 
varwe  71,5.  440,4.  458,12;  i^rwen,  ver- 

wcu  440,20.  450,1.  478,1. 
VHS.     fasz     Gvfü^s    (bildlich)    206,14. 

431,6.  487,4.  507,25. 
vasnaht  18,20.  30,18. 19.  21.  81,8. 82,26. 

118,12.  16;  der  geburcu  v.  31,1. 
vaste  Sahst,  Fem.  qundragtsima  143,1 ; 

vasten  106,28;  subst,  Inf.  46,5. 106,22. 

283,27.  487,19. 
vater  Ehrenname  des  Priesters  86,14. 

188,88;    Altvater  105,28;   geistlicher 

Vater  107,14.  138,2.  155,20;  vätter- 

Jich,    vaterlich     125,9.     174,1.  3.  4. 

198,26.  208,18.  212,6.  224,12.  230,7. 

247,19.   248,6.  277,10.   313,23  usio.\ 

vct^rlicheit  paternitas  224,14. 
vat(t)erlaiit,  -d  das  himmlische  V.,  der 

Himmel  240,18.22.  241,18.  17.  244,6. 

24(;,26.  278,10.  284,29.  876,2.  380,26. 

480.22.  445.22.  448,13.  487,26. 
veeh,  veh  bunt  8()2,14.  413,9. 
ve(e»liteii    k/impfeny    ringen    246.5.   6; 

subst.  Inf.  219,16.  504,4. 
vedraen  einfädeln  198,21. 
ve^fiir  22,24.  28,23. 183,9. 142,12. 144,18. 

214,82.    251,22.    258,11.  13.    288,24. 

2sr).14.  29.  287,8.  807,29.31.  332,25. 

458,80.  492,1.  508,8.  14.  528,18. 
feige   zum   Unglück  bestiynmtj    unselig , 

f'nhtil  bringend  77,22.  505,2. 
veil  feil,  preisgegeben  866,11.  438,4. 
vellich  V.  hinfälh'o  :)8(),28. 
vels  211,7. 
velsch<ii    für    schlecht    erklären,    rer- 

hamdcn  205,17. 
\A\  Frld  rint's  11  «y;/>^w.v  828,20.  28.  29; 

Zt.'    vcldc   bringen    ntrhringen   858,8. 
veltblnnic  Masc.  22^,11.  409,7. 


veitsiech  Aussätziger  442,16. 

fenix  Phönix  486,7. 

venje  Prostratio  (als  Bussübumjt  1S.11. 

14.  83,4.  36,26.  37,8.  14.  42,27. 2S,  81. 

196,8.    814,16.    17.    ^95,5.    4S7.J'i. 

513,17;    gestrachte    v.   42,2<5:  kiji'i- 

wende  v.  42,27. 
venster    88,2.  21.    370,14;    vensterliii 

81,29.  32,20. 
Venus,  fro  (fr<>;  363,9.  874,30. 420.22.  Ji. 

424,17.    485,4;    minnegotin  frc'  V. 

447,8. 
verahteu  geringschittzen^   nicht  achun 

177,12.  18(),24.  8:^,2.  889,20.  m.X^i 

379,25;  verahtung(e)  ir)6,:J3.  162.H1. 

182,28.  886,8.  3.50,27, 
veralten  407,7. 
verbilden  im  Bilde  entwerfen,  zum  lUai 

gestalten  (myst.)  193,32.  310.2:  sicii 

V.  476,19. 
verbinden,  sich  274,22. 
verbissen  verbeissen  422,18. 
verblenden  137,24. 
verblichen  verbleichen,  verwelkiTi  I9i».2'». 

212,1.  222,2.  277,11. 
verborgen    Part.    Ad^i.    170,6.    209.*2»>. 

226,17.  227,15.  421,8.  489,8.  492.4.  \ 

500.10.  5(K),15;  Verborgenheit  2<iii.l.\ 
474,4;    verborgenlich     95.27.    i'">. 

160.11.  222,5.   249,7.   280,1.  5(m;.2»). 

verbrennen  verbrennen  77.11 ;  verbraunf 
werden  78,12. 

verbrieven,   sich   (zur  Srchtrheitf  M 
eine  Urkunde  ausstellen  lassen  6S.14. 

verdaht  Part.  Adj.   in  Gedanken  vn- 

sunke?i,  nachdenklich,  besonnen  14.2*5. 

58,4.    62,18.    146,9.    811,25.    8:)2.12. 

499.20;   fiirdaht  .500,«);    verdiihtektir 

58,9. 
vcrdami  innen  204,14.  280,18.  815.14. 

verderben     zugrunde     richten.     ''"^■"' 

121,10.  282,17. 
verdienen  subst.  Inf.  255,1. 

verdornen,  verdümen  mit  Dornt n  /"- 
steckenj  absperren  248,18.  492.2 :  >ieh 
verdornen  486,25. 

verdorren  552,5. 


tilö 


I,  -seil  UMptra.  :jB3,15.  4SI^,5; 

Inf,  228,14;  sich  nit  v.  laasen 
133,21;  verdrossen  491,32;  ver- 
uiheit  390,23.  472,0. 
!)keu,  vertni(c)keii  nirdn-diückm, 
irucktn  246,22.  24(!,4.  261,1.'!; 

It\f.  Wfifii.  214,32;  sicli  under 

.  3«Ö,21.  438,12 ;  vertrnkt  fer- 
it  fil3.  142,10. 

=  vertümen  verurteilfii,  vrr- 
1  817,24.  34. 
I  vrrtinigm  (mii  Gott)    174,13. 

.   S!3I),2«.   24l},tl.  25.    2*5,12. 

819,2a.  320,26.  345,24.  347,10 
I  V.  303,1«.  422,11.  438,6; 
itlich    34.'>,1 ;    Tereinonge    u«in 

279A  347,13. 348,4.  35ß,13,  Iß. 
i.  472,8.  476,3. 

in  die  VeHiannuni/  treibrtt 
B;  sich  V.  in  dir  Frrmdi  gthrn 
4. 
n,  sich  ».  ahtrstilrtfn  4üü,Il. 

-gen  otrgihm,  vtrxchieindm, 
\tn  160,17—1».  iai,l.  218,7. 
.  290,3.  341.27.  377,14.  379,7. 
.  B38,13;  »ehieack,  btunmaiio» 
n  83,10. 17;  »ta-hen  87,21.  90,1. 
128,27.  394,28;  vergati  und  sich 
1  got)  in  Begchauang  ceraiitke», 
ekt  werden,  «.  i'ii  Galt  vrrlirrtn 
94,12.  29.  96,1.  160,29.  161,6. 
,  186,2.  189,22.  193,l.'i.  194,27. 
a.  836,12.  344,13.  345.12  «»v..- 
V.  mit  Betrachtung  vi^'ireilm 
.  497,13;  sich  v.  ».  vflau/en 
,  200,20. 

'enheit  (der  lUBreti  sinneu.)  da» 
itken  in  die  Sesehauung,  l'ff- 
mg  64,21.  90,2a  101,8.  1&2,U. 
}.  160,16.  17.  25.  161,1.  4.  12. 
i.  188,5.  189,12.  198,26.  38«,18; 
le  V.  Tod  l'.t4,2ll. 
n  »uhft.  Inf.  l'erieihang  21I,;f. 
i. 

n  *.  verjelieii. 
r    ffrijHirn    ■2d(i,27  ;    bftahlm 


Vergessenheit  182,:Sil.4'i(t,2l);  vcrgtssung 

144,20. 
vergichtig     cu^jeatehend,     hekci\iund 

832,11. 
vergiffKn  ins  Verderben  )/ringen  483,19 ; 

vergifliger  dot  Tud  durch  Vm-yiflwtg 

(durch  das  Gift  der  IrrlehreJ  489,9. 
yergölvtdeißfatus(vgt.Äim.eu34J,13JI'.) 

23,3. 
vergünlichen  vrrherrlichen  337,17. 
vergi'mnea  mit  Geuet.  rf,  Sach/i  miee- 

giintien  484,1. 
vergi'il  haben  =  viir  gflt  h.  417,11. 
verhüben  414.13.  4:ö,4. 
verhalteu  suräekhaltrn  i~ü,G. 
Tcrbefteu   etnheflrn,   verfeiiirn  2riM,29; 

sich  V.  478,22. 
rerbeilen  315,31. 
verhpngde      yrrhänijung,      Zuladfung 

67.11.   70,6.    114,19.    12l,.45.    124,3. 

220,21;  verhengnuB  115,39. 
verbengeu   gestatten,    verhängm    42,6. 

68,13.   95,8.   109,23.   115,29.   119,26. 

131,2.132,25. 133,3.148,3.489,21  (Wie..- 

in  verhengKr  yrhe  nach  allgemeintr 

Übereinstimmung  (Dtniflc)  342,8, 
verberteu  Part,  verhertt  485,18. 
verhönen  herabseteen  346,4. 
veriervrjen    iit    die    Irre   führen,    »ich 

verirren  3,15. 8,2a  01,27.  '.)4,4.  156.15. 

159,19.  160,13.  366,8. 
verjagen  314,5. 

veijftmen  in  Jammer  versanken  45,10. 
verjehen,    vergehen    bekennen     66,  is. 

75,10.  116,25,  393,13.  428,12. 
verkiltea  4()7,7. 
verkeren    ver  kehren,    vrneandetn,   eine 

falsche  Richtung  geben  83,13.  197^. 

218,14.275,17.29.276,0.295,16.316,2. 

320,7.   362,31   us«:;   vorkcrlich    ver- 
kehrt   4,12.    5,2.     148,15;    verkerer 

VtrfOkrrr  540,3i);  vcrkererin  375,21. 

447,-33. 
verklagen  vfrechmertm   456,16.   463,6. 
verkleiben  verkUbm  llfi,5.  192,7. 
verkleincn  erniedrigen  489,4.  7. 
verklenUDcn  verkleinern  226,28, 
Torkleren  23,14.  187,17.  189,23.887,17. 


61G 


Glossar. 


verkomen  ».  vürkoiuen. 
verkülen  refrigerare  245,17. 
verkunbern  verstricken  135,18. 
veiiiisseii,  -zen  Part.  Adj.  ausgelassen, 
unanstnndig    80,20.   25.     138,8.   10. 

209.0.  221,22.  Hl«,?.  ;^21,m  4Sl,12. 
verlei<len    P.  =  verleiten    irrefähren 

524,24;   verleider   Verführer  031,18. 

verlekern  lüstern  machen  174,24. 

verlihen  PaH.  verhi  wen  89,14. 2(>.  283,26. 

verliket  Pari,  erpicht^  lüstern  34,5. 

verlof(f)en  verlaufen  281,12;  sich  v. 
H)r),14.  211,H. 

verir»(i  )n^en,  verlogen,  verlti^gen  ver- 
leugnen, rerneinen  121,33.  251,5. 
2(50,28.264,16.389,7.470,11.510,18.19. 

verlorn lieit  Verlust,  Vergessenheit^  my- 
stische Versenkung  95,4.  182,31. 
187,22.  188,6.  193,2;  verlust  220.5. 
340.12.  463,().  508,2. 

vermasj^en  beschmutzen  540,2. 

vermelden  kund  tun  550,4. 

vei-mengen  226,28. 

vermessen  Part.  Adj.  verwegen,  kühn 
55.13;  verraessenheit  233,29. 

vermischen  177,3.  351,12;  verraischteH 
(vermischet)  wesen  ens  permixtum  cum 
potentia^  das  Kreatürliche  (im  (Gegen- 
satz zu  Gott)  166,26.  176,15. 

vermissen  mfehjen,  nicht  tcahrnehmen 
216,13;  sahst.  Inf.  188,16;  sin  selbes 
V.  (inen  Vthhr   hegchen   500,14.  16. 

venuitit)elu,  -tlen  hindernd  daztrischen 
irrten,  hindern  167,29.390,9.471,15; 
sich  V.  sich  ein  Hindernis  (der 
Vcrf'inigung  mit  Gott)  schaffen  54,15. 

169.1.  359.5;  vermittelt  am  Irdisrhm 
haftend  300,19. 

vermuiren,  vcrmugfcn  sahst.  Inf.  und 
Suhlst.  Vermögen,  Kraft,  Macht 
117.20.  165,5.  6.  22.  199,10.  205,11. 
206.8.  209,13.  228,19.  273.2i.  276.18. 
300,22.  301.11  //.s7/-.  .•  vermu«:endu 
(vermri<?endüi  kraft  141,.').  191.22. 
330.18;  vcnuui'entheit.  vormu«^:.  92,28. 
178.20.  I8S,9.  191.18.  ;C)8.13;  \vi- 
mügfontlicli  Adr.  kraft  in  9.24.  192,17. 
339,23. 


I 


venniigen,    sich   =   vernnijeu   s.  ah- 

mühen    504,1;     vermugft    entkrüftd 

55,4. 
vemi(c)hten     zu    nichte    machen,  für 

nichts  achten  233,28.  258,20.  259.21. 

261,6.    317,20.  29.    335,17.    351.25. 

353,28.  439,2 ;  veraiit^n  366,22;  ver- 

nihtikeit  an7»i7u7a^to  (mystisch  1 162.26. 

518,4. 
vemidren  219,31. 
vernieten  vernieten  454,5. 
Vernunft  156,19.  27.  31.  158,14.  i:)i^.22. 

1(>0,21.  163,23.  164,5.  167.20.  171.S. 

177.7. 28.  180,18. 21. 24.  181.5. 19l».7. 

19.  191,7.  317,1.  330,22.  28.  :fö\l. 

;m,27  usw. 
veraunftekeit,  -ikeit  3,16.  94.5.  15^.12. 

156,21.    158,2  ff.    171,2.  20.    181,10. 

191,5.   193,6.   326,8.   327,17.  m22. 

329,10.  512,16  usir. 
vernünftig  vernünftig,  verständig,  fibfr- 

sinnlich  4,10.   6,15.   53,6.  18.  97,11. 

121,2'!.    156,12  ff.    158,8  ff.    160,20. 

163,10. 13.  167,19. 20.  170,25. 171,12. 

172,2.    181,25.    183,6.    184,2.  a  17. 

187,9.    192,2.  7.   327,16.  18.  332,26. 

338,19  usic:   vernünfteklich   160.22. 

181,18.  193,8.  256,a3.  38(),19. 
verosen   vencüstim,   vernichten  221,31. 
verpfuhzen   mit  Abscheu  zurückirH.^cf^ 

72,14. 
verpulvern  308,21. 
verqwetzen  P.  vergeuden  516,11. 
verraten  sahst.  Inf.  462,17. 
verreden  solange  von  etwas  reden,  bv^ 

man  der  SacJie  müde  wird  67,4. 
verreder  P.  531,19. 
verreheit  das  Entfernte  417.14. 
vernMi  sich  entfernen  201,10. 
verrinnen  üherrinnen  (mit  Blut)  204.19- 

210.23.  315.20.  316.14. 
verrisen  ahf allen  222.2. 
verrüchcn    verzichten,    entsagen   46.26. 

.399,5:  sahst.  Inf.  164,2;  vorrüchie.t 

achtlos,  sorglos,  ruchlos  75,4.  H^.l. 

239,26.  453,13 ;  verröcht(e)keit  Uach- 

losigkeii,  Sorglosigkeit  147,2.  358.17. 
verrümte  beiden  berühmt  56.5. 


en  unpfB.  aufhürm  Sdmers  zu 

Im  •>a7.m. 

11.26. 

■11  vgnrcii/fii  49S,n ;  spröde 
418,12. 

imt  Part,  etnchämt  43ö,lü. 
cken  rtitgart  '289,U». 
iefen    Part,    verscbloffen    »ich  \ 
Htrhai    172,19;   sich   veralieffen 
16. 

ieMen,  sich  274,19.  322,17. 
lüden  versclitingen  287,1  it. 
isaen   almülien.   terräsMH   foon   ! 
lUnt  usw.)  58,7.  110,25. 
Imeben,  veramaheii  111,4.202,21. 
Ifl.  246,4.  307,5.  389,20.  430,21. 
Vi.   442,4.   482,30   ittre. ;    suhlt. 
321,21.  42!t,20, 

lineht    Btgehimpfiing,    Vtraeh- 
an,12.  36,30.  «9,».  91,^.  lOr.,18.   | 
,3.  209.9.  23fi.l0.  238,19.  306,18  I 
;  vcrsmeheulBac  489,23.  491,12. 
llt  Part,  rrrächiildtl,  schuldvoll, 
irkt  184,21. 198,17. 229,27.263,32. 
tS.  82.  333,26.  440,31.  441,13. 
in    vfrsorgeii,    brnchütetn    12n,7. 
!0.  465,23.  640,10;  nicli  v.  rfck- 
attf,    rnrartm    2.39,5.    280.17. 
i. 

■en  ttUhm,  vtrduakeln  4.S3.29. 
len,    versenedeD    (daz  bprs)    ir 
ruehmenv*rti«fen  391,24.479,20 ; 
reraendeu  ».  nbhärmmt  361,27. 
t4. 

iD  in  Srrtmtchmtrt  versenken 
!2;  Pari,  versened  ahgahärmt 
I.  281A 

:en  245,12. 858,2!l.  294,18. 432,:J4. 
Q     utrletsen,    vtnr-undm    10,15. 
L  25.  45,ai.  123,28,  .^2,18. 
Ken   vtrsperrm  365,27.  436,2«. 
wn  btfiatigen  77,18. 
D  Part,  van  venihen  vertieffm, 
■MJbtra  203,19. 
en  131,4.  150,1.  158,23.  336,18. 


Part,  in  (UdanhiH 
larn  429,11. 


*unk.?n 


wr.  ((17 

verBronheu,  venimeheii  s.  verscliintheii. 
versmeliien  30;i,20. 

verHÖffcn,    TerMf(l}eu    ertränken,    ver- 
senken aO,a2.  31ü,l.  446,24.  476,5. 
Ter8po(i)zzen,  verspotzen  niupeieK  '2Üiß. 

307,9.  315,7.  443,16.  544,2«. 
TeraprechcD  absagen,   aufgeben,  rerw- 

teilen   204,10.  216,29.  31f>,9;   sicli  v. 

s.  verteidigen  4,36. 
veratOD,   sich  verstehen,   einae/tcn,   sich 

beiruesl    srin    186,20.    281,4.    342,6. 

350,29.  463,1. 
verBtiindenheit    342,4;     v  ersten  taüsla), 

-niaee.    -nnel    166,5.    191,1.    243.11. 

2S0,7.    303,21.   :-(43,l.  348,11.  47S,8. 

489,6. 
veiBten    subsl.    Inf.    Vtrslehea    291,6. 

292,23.  293,18.  299,25.  301,18.  .S37.5. 

468.21.  474,20. 

Teraleln    »tehlrn   66,l:^.   75,2;    sidi    t. 

unbemerkt  irohm  gehen  243,1. 
varatossen  218,2ü. 
verBtri(c)ken  370,5.  458,13. 
veraOchen    versuckci,  prüfen,   avf  die 

Probe   sullttt   274,7.   388.1».   43.i,2. 

454.22.  467,17.  506,6. 

Teraumen  rersäutnen,  durch  SaumseÜg'' 

keil    in  Ifachttil  bringen,   im  Stiche 

lassen  222,13.  279^*.  282,28.  362,26. 

419,1.  425,25.  483,23;  üch  v.  352,5. 
Tersüoen   »ahnen,   gut   machen   113,1. 

207,4.  215.10.  372,16;  mh  v.  42.19. 

461,19. 
veraösaeu  137,24.  256,a  440,16. 

'•erschirinden  machen  iiit,'2ä. 
versenken  (in  tiotll  225,16, 

245,12.  477,18. 
veraweiiiiea  bnmtigrn,  Tertrtü>*n  251,22. 

313,11.  314,6.  456.26;   veraweuderin 

538,21. 
vmwioden  290,23. 304,2«.  433.13.464,24. 
veTavmllen  Paii.  versehmoUrn  78,6. 
verteilen  rerurteilen,  trrlusiig  erklären 

34,23.  35,2.  127,12.  204,20.  315.21. 
vertragen  forttragen  124,18;  mit  Dal. 

ti'uchgicht    hallen,   rerathontn  2Sii.\.. 

270.6.   3ß!i.27.    441,3.  45S.2,  491.13. 

641.32. 


618 


Glossar. 


vcrtriben  240,18.  2S1,29.  406,7.  415,8.9. 

417,12.  418,11.  434,11.  425,17.  431,4. 

4H3,27   usfr. ;   vertribenheit  ejcjmlsio 

312,8. 
vertniokon  s.  verdnicken. 
vertruweü    rerlohtn,   rennählen   483,2. 

489.17. 
verunreinen   08,21.  75,17.  77,11.  208,."). 

277.0.  321, 2S.  50^,4. 

vervallen    za'fallen,    in    Sünde  fallcti 

70.23. 72,18. 116,24. 110,5.217,6.218,5. 

r>33,ir).  .VU.lO. 
verfaron     Pari,     rtrganyen,     verloren 

210,10.  220,1.  230,8.  253,9. 
vervohtvn,  sich  *•.  abmühen  504,1. 
veiüiessen  3Jtö,8. 
vertiogen  ausser  sich  bringen  18,2. 27,2S. 

139,29.  227,S. 
vcrrtüssen,  -zen  Jiicssen  machen  262,26. 

337,16. 
vortluchen  26."),  10. 
verffircn  fortfiihrcn,  in  die  Im'  führen 

12:),17.  204,7. 227,5. 259,5. 280,2. 315,5. 

540,16. 
verwalten     sahst.    Inf,    Macht    haben 

.V>4,21. 
verwandlen,  -dein  09,19.  207.20.  292,21. 

200,7.    30.\10.    316,4.  325,21.  338,7. 

425.11;  verwandelkeit    Venlndfrlich- 

Iciii  177,24;  Verwandlung  1  (52,28. 

verwegen  auf  wägen  226,1.  413,7;  sich 
V.  .V.  entschlicsstUj  gefasst  sein,  auf 
,  'was  rerzichteu  .382,10.  401,5.40.3,20; 
Part.    Adj.    verwegen     entschlossen 

383.1.  413,7. 

verwoirenheit  Entschlossenheit  152,13. 
2« ir), 12. 432.3;  verwegenlich  rcrmcssen 
152.7;  Adr,  rntschlossrn  371,35. 

verwt'nnen    renröhvcn    34,4 ;    verwent 

57.17. 
verwerden  P.  ::u  nirhte  werden  515,16. 

:)10,0.  519,18.  533.24.2«;.  534,1.535.18. 

verwfit'eii  72.14.  108,0.  120,2o,  218,25. 
327.0.  14.  10.   444,22.  47U.10.  488,3. 

veiwt'ireii.  verwirren  //;  Vnrahv,  Ver- 
trirruHff  bringen  221,10.  390.12.  471, 
10.  5n3.:).  S:    .-kh  v.  219.31. 


veni'eseu  vertreten,  entschädigen  208,19. 

221,2.  260,18.  261,21. 
veni'etten,  eich  s.  verpfänden  554,11. 
ven^ilden,  sich  «.  in  die  Wildnin  rer- 

laufen  211,6. 
verwinden  P.  suhst.  Inf.  5*35,18. 
ven^isen  irreführen  3,15. 219,19.  ^IIU 

227,6.  353,2.  370,19.  550,11.  12. 
verworfen   Part,  Adj,  Verstössen,  «<*• 

gesetzt,  unselig  72,8.  121,21.  M.ll. 

290,22;  verworl(f)enheit  Vt:rwerluHg. 

Abscheu,  Entstellung  250,23.  jTT.l'i. 

296,30.  306,17.   311,4.  322,5.  368.iy. 

308,13.  421,3.  15  usw. 
verwunden  41,14.  110,7.  122,4.  22H,W. 

264,1. 
verwundren  unpers.  377,7.  449.2(». 
verwnrken    einfassen    17,6;    anhriun'U 

10:^,23. 
vorwürtzen  condire  538,12. 
verwüsten   40,27.   52,8.   222,,\  '61121 

447,2. 
verzagen  132,3.  152,13.  319,12. 
vcrzer(r)en  51,15.  105,19.  136,1.  UrÄ 

202,16.  273,18. 279,23. 281,.30.  BU.b. 

379,8.  385,1().  4(i7,24, 
verziehen  Pa/7.  verzogen  vereückt'2^^.^l 
verzihen  Part,  verzigen  versagen  *23D, 

8.  9.  547,9;  sich  v.  s.  lossagen^  rtr- 

eichten  205,26.  235,5.  261,20.  274.3. 

318,3. 
verzobern  fascinare  219,13. 
verzu(c)ken     rasch     vegnehrnm    234,»). 

270,12;    ver::ücken,    in  der  h^sclifn'- 

ung  entrü<:ken  10,16. 63,15. 64,3.  W.IS. 

102,6.  160,27.  174,15. 
verzwifeln,  -rten  165,16.  213,6. 6.  247.23. 

264.16.  375,7.  415,14.  434,1.  447.1S. 
ve8])erzit  Vesperzeit  (0  Uhr  abends  t  77.2. 
vest(e)klich,  vestikl.  Adr.  149,2.  246,7. 

259,22.  261,8. 30S,2.  317,21.29.  326.17. 
379,22;  vestikeit,  vestek.  61,31.  205.S. 

318.17.  539,25;  vesti  If'estung,  Burg 
(bildl.limA:  vestncn  215.22.  3*i6.7. 
20.  437,21. 

veteeli   Plur.  vetchen    144,27.  145.1.2. 

150,4. 
vetterlich  6'.  vatterlich. 


Mit,  der  bos  Teuftl  81,8;  die  bogen 
\  Tiende  37,20;  die  viende  89,ü.  12. 

antüch,  vigenUich  116,2. 2(>4,7. 2ri3,10. 
1 265,6.  S15,4.  319,16.  424,11.  489.9; 
\  Tientgcbaft  117,6. 

^lie  als  Zeiihe»timmuuy  173,20. 
ßi(e(,  yjch  281,6.  374,23.  2&.  421,13. 
6,11.  «7,2.  3 1  YiUioli,   »iüch   tit- 

rhch,aiitnlichfGegettgate:ycTaüiif\ig) 

156.10. 170,13. 631,3.  532,4. 11;  ri(e)h- 

Hchkeir   da»    unabgetStele,   sinnliche 

iK^»eH48'.8,12. 158,11. 182,18. 359,13. 
le  -Fe'Je  41,22;  vUeii  89,11. 
iKde  das  Virtredtti  105,26, 
H  468,33:  viulich  224,4.  32.   323,26. 

875,27.  409,9.  448,6. 
bden,  sich  m.  als  ungrlan&en  rrfindcn 

47ö,7.  14.  15. 

Enger  472,15;  Tingerlm  kleiner  Fingtr 
.226,7;  viugerli  Itinij  fiil»  Ttimier- 
^^^»ni'^,lb.  17. 150,4. 152,1.14.17.27. 
BSlerjStMle;',  unhegrei/lich  (fom  ^Vaen 

Guttfs)  184,25. 180,11. 245.17. 285,17. 
^471,38;  viuBterlieit  eatigo  (myst.  con 
■  GoitJ  177,19.  190,18;  vinslri  Danket- 

htit  ftigmll.  u.  mgat.)  190,13.  233,22. 
1874,2.  390,18.  424,13.  434,15.  446,8. 
!B49,9. 

bO,  vyol  Viiichen  33,12. 224,23. 296,80. 
',  4843.  410,4. 


in?  553,23. 

■rtrion  181,28.  188,4  ff-  524,21. 

Titae  patnim  P.  531.21. 

fiedemns  177,17.  427,10. 

Tlehcn   305,28.   392,2.  479,24.  493,24; 
vleiLjklicIi  1.16,9.  258,28.  373,15. 

flfschli  140,20.  24,  28.  141.12. 

fliegen  185,27. 

ttK(E)  99,26. 290,7. 362,30. 473,16. 481 ,1. 
;  «ÜBig,  Tliiig  169,26.  171,9. 
^198,7.  200,1.  367,7.  602,20;  flwseklich 
662,9.  366,20.  416,4. 
Urea  yfaHfm  376,1.448,111;  floiercnd 
hin-  44,  htruclnFankend,  aufg*bla»rii, 
iuichmütig  158,15.  1").  23.  24.  159,7, 
■lOli.33;  Üogitreiid  prunkmä  «52.14. 
Vgl.  florieren. 


aar.  619-< 

florieren  *.  mit  Blume"  schmävken(fj 

426,3;  j>rui)J:«n  520,13. 523,lU;tlorJert, 

^'cHurieret  bunt  gttchmäcH,   gtcitrl 

361,28.  396,22.  411,18. 
vifich  3011,14;  flächen  sühnt.  Inf.  68,3. 
flug  472,26. 
vitiht   das  Fliehen  289,20;   flucht  Zu~ 

ßudd  543,25.  545,4;   flflhlig  216,14. 

2ö5,7. 
flmuTeder  Fiaumftdrr  309,20. 
fluHS  Fluss  92,21;  Urgius  181.15. 
votrd   281,14.   297,4;    TÖg(;l(l)i    33,18. 

85,13.   172,17.  239,14.  251,13.  282,9. 

287,21.  406,18.  426,4. 
Togt  76,16.  24.  77,2.  7. 
vule  Fohlm  503,26. 
vi'U  Adv.  vuUmde  79,32. 
Tol(ie)bringen    perfice,-e    216.4.    390,3. 

455.H.  471,8;   volbringer  222,23. 
Toldanken  215,9;  Tolle  gedenken  499,6. 
vollen   »ich  fülkn   69,30;    vSlIi  90,34. 

428,12;    TüUeklich,  rüllectich    24,32. 

308,8. 
volgan  bis  mm  Zieh  gthen  80,31. 
Tollfejheit,  Tolheit  174,11.  255,3.  428,13.. 

542,T. 
Tolherteu  auidauei-n  13,21.98,25.519,26. 
Tolkomen    177,26.   179,4.  198,2.  344,6. 

434,14.  464,ia  465,12.  467,8  «*»-..- 

volkomeolich   201,3.   336,26.   351,18. 

472,14.  478,25;  ToKIelkomenhcit  106, 

34. 162,-i7. 178,4. 193,4.254,11.288,11. 

289,6.  308,24.  389.22,  390,24  usn: 
votierten  genug  tun  543,24. 
ToUoben  306,6. 
Tohchribeu  213.1. 
»ollf&ren  262,5. 
vul warten    mii    GmH.    bis   zite    UiiJ'r 

warten  479,2. 
vollewiirkeri  fertig  nwrÄ<7i  323,22. 
^oi\)tcT  Abwindung  8,24.  119,28,  168,19. 

169,21.  192.6, 16.  360,1W,  370,9.  :-W.i-l- 

435,13.  467,8.  483,21;  voukenn«; 

Inf.  259,23. 
vuDlribcn  ttäisl.  Inf.  201,13. 
vonsiig  Abschitil  168,17. 
Tor  beliben  mrentitaltm  'rerdcn  194,1'; 


4 


620 


(ilossar. 


Vorbild  43(),20;  vorbilden  208,26.  274,24. 
vorder(e^ii  283,4.  5()2,17.  504,11. 

vor  erschinon  erscheinen  6,7.  22,21.28. 
23,22. 40.27.  :M)AS.  51,19. 58,24. 1 1 7,11. 
128,3.28.  180,9.  142,10.143,11.144,22. 
25.  148,20.  194,24. 

vor  jran  =  vür  j^au  vorangehen,  unter- 
nehmen 375,3.  447,18;  unpers.  ent- 
(ffhen  182,25;  vorgend  pratvius 
KU. IT). 20.  ir>2,1.34«),9,36:),30.  437,8; 
vortrenfi^er  91,35. 

vor  jresin  mit  GenH,  schützen  413,10. 
vorhabe  \  'orgrahen  f  der  Festung)  1 60.4. 
vorbof  234,5.  362,5.  4l!>,9.  427.21. 

vorlof  praeamhulutn    174,17;    vorlofer 

2<t,23. 
vor  luhten  156,13. 
torm(e)     10,19.     169,11.    181,6.   9.   12. 

191,30.    193,5.    19.    218,25.    291,30. 

3:ß,4.  5.  336,21.  337,15  usw.:  formen 

489,1;     torm(i)lich     101,10.     157,22. 

179,10.  342.26;  formlos  10,18.  194,2: 

fonnlosklich    Adr.   ohne   Phantasie- 

hilder  174,5. 
voiTede  200,10. 
vor8(?n^rcr  21,23.  25.  28,17. 
vorsmak  297.8.  472,15. 
vorspü  17,13.  31,2.  179,11.  313.8;  vor- 

spilen  182,24.  188,21. 
vorstrit  erster  Streif  8,20.  22. 
vort  =  vorht  Furcht  78,6.  89,15.  182,10. 

382,1.  385,13  ustr.:  vortlich,  vor(ch)t- 

lieh  furchtbar  79,4.  182.2.  230.18. 

Vi.rtra^en,  fr\it  bild(e)  v.  3H2,9.  43S,14. 

46;i,19.  538,24. 
vorversuchtMi  ftuhsi.  Inf.  344,7. 
vorwitzikf'vt  P.  509,17. 
frai,'^er  1*.  510.6. 
vnurwisi".  in  197,26. 
vrlivcl.   fri'Vel  muftrillig.  frech   3S1.10. 

:>S2.i7.  4<;2.1S.  463.25.  477,3. 
vraz  I*.  Fresser  bSlA\);  frasHheit  105.4. 
fn*i(liir.  fruidiü:  u^iid,  trotzig,  ausgelassen. 

s,hr<,cl:Urh  WWA.  68,4.  77.29.  S3J.  16. 

li:).19.  116.15.  lL>().:>,.  136,27:  freidfi)- 

krif    WibUn-H,  Ühernni'  61.4.   123,i:i. 

148,7 ;  fivideklicli  Adv.  nhvnnütig  75,3. 


t'reischlich  =  vreislicli  Adr.  schrecliick 

grausam  43,25. 
vreisi  Gefahr,  Drangsal  310.21.  4:^(.a 

543,30. 
frid(e:io8  :W2,20. 463,27;  fridsain  481.12. 

486,12;  fridus  Interj.  es  sei  aiix  mit 

dem  Frieden!  371,28.  460,26. 
frien  288,13. 448,13. 456,25 ;  friheit  26.2ii. 

186,13.    228,17.    261,25.    327,2.  lN 

a39,30.   351,7    usiv,:    frilich  15.S.-26. 

178.24.  215,18.  227,22.  249,11.  268,2s 

usw. 
vriesen  P.  510,7. 
frisch  135,18;  frisclüich  37ü,25. 
fritag    144,8;    der  stille  fr.  Karfnilnn 

143.S.  406,16. 
frodenbemd     freudvbringend    1H4.17. 

374,31.  378,8.  447,10.  450.29;  vrode- 

bere    304,12;    fro(u)deurich    2ii9.3ft. 

297.21.  311,2.  374,4.  :^5.21.  44«.9. 
467,29.30.  486,6;  vr6dentanz  2251; 
vrodenvol  400.18;  vrodli  kleine  Freud*- 
219,21. 

vrolich    215,20.   220,8.  280,16.  2ys.lT. 

410.12. 15.  412,16.  426,2.  429,24  usir. 

fromd  fremd,  unffekannt,  seltsam  W^^ 

189.22.  209,9.  212,24.  216.18.  240.19. 
241.9.  1!^.  249,7  usw.:  fnSmdekliclj 
Adr,  231,1;  fromden  sich  fn-n  haltm 
3(>5,25.  436,24;  vromdi  Fntfremdanii. 
IJnhekanntheit  201,25.  221,13.251.8. 

fronaltar  Hochaliar  29,15.  47,2. 
fronlicham, -lichnam  Eucharistie,  HoHit 

43.10.  89,17.  128,27.  38t;,29. 
frosch  305,25. 
frostig  81,2().  82,7. 
frowe  Xonne  484,5.-    imse  (liebe)  truw 

(vW»we)  Maria  49,4.  8.   50,18.  111.*^. 

117.11.131,24.140,1.153,11.13.20.28. 

197.24.  322,23.  323,17.  415.23  as^.: 

unser  frowcn  tag  29,13.  58,24.  Il2,r,; 

n.  fr.  kapoll  110.33. 
frowenkh)ster  82.26. 
frowli   junge    Frau    niederm    Stand* ^ 

8(  ).2U ;  fro  wlich  writdich  1(  »7,10. 27 1 .14. 

481.4.  9;  fr.es  bilde  treihliche  Firso» 

12.2.  49.28. 116,22;  fr.epcr:<on  120.2^: 

vr.cr  iiani  265.18. 


«  der  Aitrrde  (lebeodfi,  reinä  fr.) 
m,  Gnchöpf  33,2a.  5Ü.1.  303,2. 
r  359,3.  489,13;  fmhllos  425,9. 
vruje  Adv.  frühr  1>04,9.  315,9. 
dj.  tüchtig,  tapfer,  trefflich  36,7. 

1.  53,26.  76,14.  91,34.  253,15. 
.  324,7.  998,12  ugtr..-  Sub»t.  ze 
en  (lin,  rän)  »um  Naizen,  ?Votn- 
310,19.  363,21.  421,21 ,-  frnmen 
SrU  aehaffm,  buitllen  9,23. 
!;  fnimkliohen  Ade.  240,äe. 
Vertrandttr  79.18.  83,7.  afil,16. 
17,  387,25.  4111,3.  486,5.  7  atir..- 
her  vrlint  122,32.  297,23;  frftnt- 
102,25.  109,11.211.  l.S0,14.  192,30. 
'.  249,14. 27.S,U  aar. :  Mntlicbflil 
I;  frtntBcliaft  124,19.  125,20. 
,2.  206,27.  219,24.  236,8.  12.  2.H. 

»/i^i  muMrr  28,16. 

^6;  Tfig^n  (f  ich)  Pannen,  nch'cken 

7.  484,7. 

I,«r<»ft»u2 425,11.  493.12;  fulea 

r5,24.  448,3. 
ent  P.  .533,21!. 
forscltend   finden,    rrforgchm 

176,6.  448,18;  daz  liefate  fänklin 

«le  »eintilla  aitimiu  192,10. 

-g  vonuSH»,  wiitrr  161,14. 172,24. 

furbea  rrinigm,  purgart  (mytt.) 

0.  296,29.  390,7.  471,8.  13. 

len  vorbitttn,  tur  .Schau  stellm 

S. 

Igen  83,1«.  180,8.  3S2.4. 

h  163,34. 

;  jmrgatio  390.17. 

dl.  fnrderl.  2H,».  122,28.  I.W,". 

».  309,1.  :i2a,l2.  474,18.507,20. 

ich  ttinrm  eigenen  WilUnfoigm 

2.  17.  169,2.  192,28.  a%,lti. 
pti»m,  Hährrn  99,6.  :«4,l-2. 
en  vorgebm  67,21. 

rechen  541,16. 

dex  »ins hei t  Vorgreifen  drs 
m  Ich  169.2.  3.iH,B. 


lar.  621 

förin     18,15.    131,1].  19.  32.     136,17. 

137,31.  214,14.  227,10.  229,24.  230,4. 

250.13  u>ir. 
iiürkouipo,    -knmeii    ronrSri»  kimunen 

385,17.  467,25;  /«oürtwim«!  500,18; 

trstheintn,sieh  rinsItlU«  hlfT.'SbW^i 

sorgend  hehOitn  202,18.212,8.229,5. 

310,25.   452,1!);   vcrkomeD   verhüten 

46:^,5. 
Tftrlofeii  =  TCrlofen  vergehen   28150; 

fürloffen    laufend    aherhoUrt    29,17. 

545,7. 
fftrnem  59,5.  68,18.  70.7.  114,20-  120,9. 

131.2.  143.4  0".  149,6.  152,12.  374,.30. 

447,9;  ttnieinekeit57,2.115,22. 142,13. 
färsaziz)  Vortatz,  KorAafrwi  35,10,59,1. 

152,8.  8B7,äÜ.  370,19.  415,9. 
fArschuK  das  VortchitMen  t(i:j,24. 
försehen       praetiidtre,      prardrslinare 

3:14,17 ;      Törsichlikeit       Vnrsi-hunp 

fff-itf/.^FormcA*  201,28. 206,«.  283,20. 
für«ürgeD  »ieh  kUmmern  410,4. 
vArepttü,  -Bptam dag Grtpand  tunamm'n- 

haltmde  Spange,  mnnile  252,25,  392,7. 

400,25.  480,3.  493,4. 
turBpreohiD,     fümpreclierin     advncafa, 

pairona  37,10.  545,29.  547,26. 
ffint  8t;3,13.  421,3;  f.  dler  kreataren, 

der  ftiliche  f.  (Öoü)  171,16.   173,9. 

388,3;   du  obrest  förstin   vm  liimel- 

rich(JUari(i>  112,20;  fürsteu^«!  21,12. 
firten  =  vflrhten  82,12.  28.  83,1. 116,2 


I 


fürtreten  einen  migtgim  trttm 

für  werfen  .S26,19, 

furweaen  ^  verweaeii  *u  nichte 

t'Arwetet  ^yeTvesM  Sti:tlcrrliflei 

312,3. 
fltrwitzig  curioitua  410,6. 
fnr  ziehen  eorhriagm  ifö6,l5. 
fSsHUpte    ;K>,2.    36,2.    138,28.    : 

322,10.  371,3.  469,28. 

fa8(»)tfloh  49*.  ö8,7. 8. 12. 14. ; 

23.  368.27.  397,18.  421,23.  24. 


37,3. 

werden 
■.■91,15. 


422,2. 
Fairer,  der  heilig  hri'der  JohHUs  der  F. 


44:f,9, 


:.  17. 


WBPh.-n  »-ib-t.  Inf.  23:t.*7 :  w»Ut.-r  17.17. 

18.21. 
H-afun.    »aff-n     .^4«*--«/    drr    Fnad-, 

i^lHrnuirhan'j.     Krmuiili-ritnii     arir. 

10.3.  H.a.  .•>5.27.  82.3.  86.17.   180.5. 

220.1.  227.5.  228.22.  2i6.U.  2»i.9. 
2(10.17.  ,i8B.14.  312,19.  .S74.1ß.  377.25. 
37'<.16.  44ii,21.  450.U.  451.8.  4:>4.12. 

459.2.  482,1.  402.1:1.  514.7. 
wufenkkit  2(ß.lO. 
wa^.WB(f.W««,iri-;f.-,iroj,-8I,2r..i:i8.22. 

173.2r>.  377.8.435,10.449.22.  5511.27. 
H-dli!«  (iö.7.  13.  522.17. 
wakfitlicb  Adi:.  fritch,  Uhkajl   37l>,23. 
walhi;    WifUch>-r,  Homaw  199,2.'<. 
walt.   vrM  400,14.  434,12.  15.    452.9. 

4IH1.5;  wal<l)-Bhal|j  80,3. 
wal'lien  J'rHI.  wiel  auj'irallm,  hrrrinr- 

„p/ürHJif«  lli,12;  air,   Verl,.   18,8. 
walkii  iPOHäfri,  2tt7,8. 
wao.  wou  iVuW.  Mate,  ungririnise  Hoff- 

nanij.  JCrtrarlung,  Diinkm  3t>l,7.  8. 

410,19.  20.  506,4.  10. 
wan  =  wnndK  «iCiriitta  260,17. 
wiiii.U-1  I.rhrHmraniH  74,3.  9l!.8.  119,3. 

1H3.15.  16.     166.22.    167,1.     192,2«. 

210.23.  340.0.  359.15. 17.  431.7.  482,0, 

480.12;   Wandluiui,  WrdwH  235,25. 
«■su.lclber  •■rr'ln,h>iich,  auslH   237.18. 

304,23.  370.1«.  :tH0.9.  424.14;  B-aii.lcl- 

lierkeit  -SH.X'.  19.  445.9.  .Hl.B. 
H-anileivii   I'.  ."}11.1. 
wanilli'n  gilun,   rrineii  148,1 ;    rcnraii- 

ilfhi  292.ä;i;  waiidluiiK  Umieiindlung 

:(76.7.  448.19;    l..l,niN,tnn,l.!  487.5. 

52H.8. 
wank    l'Uir.    «-.■Dkr.    «iui'ke    HV«(?Hi--/ 

21<:.I4.  48:1.19. 
Wdilinit  iurirlü^^iii  ;Hi3,24;    wiirliaftijr 

>r„l,rl,.illi.hend  Uü.ll.  510,1. 
war  miiicn  193.11.  21 1. 


I  421!.  i: 


■|  W(ihliriiff,g.n  183.17.22. 


387.29.  445.5.  469.4. 
wasT<erl>ad  46.3.  \U.X>. 

was^L-niot  (irfahr  iluich    II  o«*--  sl.j. 

■«■ar^H.TMiiitii;  4:.,19. 

wal    Khidung.    l'ificaml  111.7.  IS".!!'. 

134,27.  194.25.  224,22.  244.S.  iW:-. 

4i«,6.  514,2. 
waten,    watten    to/ch    101.2.».    är'.T. 

407,32.  523.26. 
wefftneri  hrtraff a-a  459.12. 
weg.  i-,vnen  w.  iaall'en  V.iinr  ^\'allJ■■.h■^ 

marhrtt  J17.4. 

wesri'ii,  wägen  PMt.  wa|r  irwj-i..  a"- 

»chlagtn    1;Ö,27.   28.    212.5.  i'-Hil 

2ä.-.,9.  287,5,  295.13.  300.8. 1 1.  :t«.ä". 

:i68,22  u*ir.  .■  hfo-fiifii  259.2iL 
wegfT  Oim/i.  von  waege  j«/.  Pi'il'i/- 

A,i/(,-.  «./'■'«"""'"  56,28. 1'W,14.1I91>S. 

126,19.  220,2.  422,19.  496,2.''. 
«■eb«e!  442.5. 
wL'büiu  66.6.  100.13. 
wehsli  I5&,I7. 

webti-n  =  weteii  iraitn  247.9. 
weitb  tc."-/i,  furchtsam  365,10.  36S,6. 

430,12.  453,22, 
wcHcn  492,19.  29.  552,12. 
weideiilicb  frisch,  stntllic/i.  «f A"H  14.3*. 

149,9.  150,3. 
«■(■inen  trriiteii,  htiethi'H  30,Ii,  20S.1S, 

27.  281,8.  9.  445,5. 
weinlicli    klüglich,    ireiiuHich     12-',lr. 

127,8.  209.2;  weinendlicb  -4i/c.  517,4. 
weiac  Waisr  91.4;  weisli  121,32. 
weia«    pol    icahrlickl     98,29.    l2:iJ(l. 

123,6.  369,25. 
wei«»eiiTar  n-eixtnfarh,   gdhUeh  199.2: 

wey«senk(.rii  P.  5i:>,14.  521.20. 
ivcjeti  irehfn  261,29. 
wellt-  .■(06,18.  436.17. 
weit,  d.T  w.  kint  23,21;  fro  w.  361,3; 

wi-l;lidi  110,12,218,9.484.6.485.5.15; 

wfitniinner  13,19. 
wCtulPii  <ihiren<l<tt  381,2."i.  398,14. 
weiL^r,.!  Smlr.   Wnniie  824.17.  227.1S. 

267,16.  378.5.  450,1.  27. 


Glossar. 


623 


weilten,    weuuen    Prdt,    wände,    woude 

iinhirii,    glauhen   281,1.    359,23.  25. 

:U)7,17.  411,2.  419,8.  425,13.   488,23. 

449,12.  16.  454,3.  458,4  u.w\ 
wennen  (jewöhmti  323,31. 
wonkoii  tranken y  treichen  553,4;  sahst. 

Inf.  551,21. 
werben  sich  bemührn,  täiig  sein  195,1. 

365.23.  436,22.  459,21:  subst.  Inf. 
1*^:^.23;  um  eine  Braut  werben  4(>9,21. 

wt^licr  Beirerher  13,16. 

weivn,  sich  497,7. 

Wi-rcnd  bleibend  73,5. 

werk  Flachs,    Werg   137,5.  214,3;   die 

hrsfimrnte    Handarbeit    der    Nininen 

tl/n'in  Spinnen)  415,19. 
werken  1'.  510,8. 

wennen  406,12:  wormerin  407,12. 
wernt,   werntlich   P.  =  weit,   weltlich 

511.24.  513,14.  17;  509,9.  12.  511,0. 
512,14.  516,19. 

wiMTen  mit  Dat.  stören,  hindern  14,32; 

waz  Wirt  Ach?  118,19.  133,31. 
we.>en    f^/?*',   en^y  essejitia  94,2S.    158,5. 

1 60,6. 1 62,23. 167,2. 23. 1 69,4. 171,18  flf. 

172.1.  174,12.  176,9-13.  177,1—24. 
17H,1— 18 //,??r./  we8en(t)heit  162,15. 
20.  30.  163,6.  183,1.  187,5.  245,7. 
390,25;  weslichkeit  188,11.  189,13. 
191,28:     wesnngre    343,19.     350,25. 

354.2.  15. 

weslich,  we8en(t)lich  essentialis.   irirk- 

lirh,  dauerhaft  52*.    162,22.    171,19. 

174,17.  18. 19.  176,14.  179,32.  180,11. 

184,23.  187.3.  232,2S.  262,24.   342,2. 

S  ti.sir. 
wesse  scharf  M:\,1^.  r>45,26.  551, IS. 
wettelof  493,13. 
wQUtwr  364,23.  371,12.   424,14.   460,9. 

516,4. 
wetiind,  wetund  23. IS.  46,13. 55,2. 60,23. 

72,15.  91,1.  7.  116,26.  547,9. 
wicliwasser  Weihwasser  47,17. 
widerbissen     subst.    Inf.     Widerstand 

s,1.3.  .'»14,13. 
widerblik  179,6.  1S0,24. 
widerbojLjen  subst.  Inf.  njlectere  171»,9: 

widerbo|Erunä:  180,20. 


widerbringen  zuriickWingetiy  ersetzen 
erlosen  74,1.  85,9.  100,17.  116,15 
213,s.l9. 21.^11.  220,7.277,11.281,25 
321,31.  366,26.  439,7.  463,13.  540,6. 
549,16;  widerbringer  72,4. 

widergebomheit  1S6,14:  wldergeburt 
279,7.  348,20.  23.  349,5.  S.  355,10. 

widerglanz  279,6. 307,23.  427,15:  wider- 
glast   10,22.    153,4.     190,12.    299,9. 

407.4.  477,22. 

widerglenzen  263,12.  299,16.  304,18. 
452,18. 

widergriiuen  subst.  Inf.  317,13. 

widerheblich  gegensätzlich,  unterschie- 
den 354,10. 

widerheilen  subst.  Inf.  539,20. 

widerhellen  widerhallen  172,1S. 

wideringang  Ri'ickkehr  in  (iott  334,20. 

widerinjehen  subst.  Inf.  dasSichzurnck- 
beziehen,  Zuriickschauen  332,27. 

widcrinfli essen  474,6 ;  wideringefl<Hsen- 
heit  52*.  190,27. 

widerinwal  Zunickwallen  21,28. 

widerkaphen  subst.  Inf  Zuriickschauen 
332,22. 

widerker  Üückkehr,  Umwandlung^ 
iSinnesffnderung  (ZU  u.  ron  Gott  weg) 
124,21.  170,14.  4r)3,2.S.  537,5;  wider- 
keren   zurückkehren,   sich  abwenden 

135.5.  214,5.  289,15.  453,25.  537,5. 
widerkonien    sich    erholen,    wieder   bu 

Kraft' n  kommen  S0,31. 
widerkriegen  subst.  Inf.  reluctari'M,\H. 
widerlegen   umbiegen   41,19;    vergelten 

273,27 ;  subst.  Inf.  für  das  in  die  Ehe 

Mitgebrachte  ein  At/uiralent  zusichern 

( recompensatio )  22s.  1  s. 
widerlenken  subst.  Inf.  349,9. 
widi-rluhten  l.">6.27. 172.5. 190,19.262.24. 

304,16. 
widermiitiiT  trübselig,  ungehalten  l.*)2.9. 
wider    iiemen,    sich    auf   den    eigenen 

Willen    zuriickfalhn    161,7.    162.14. 

25;  suhsi.  Inf.  1()2,2.  16. 
widenechnen      h'echenschaft      abhgtu 

222,14:  widerrechnunü   146.27. 
widtared  22VU!). 
widerruf  das   Wicdn  sprechen  8,28. 


G24 


Glossar. 


\vi(l(»rsache  G*'(jner^  Ftind  54,26.  S5,31. 

12S,33.  205,17.  317,30. 
widersa^en  Ju-hde  anIci'indUjen  147,4. 
widersatz  462,18, 

widerschin  59,24;   widerschinen  242,9. 
widerschlag  rediiusj  Reflejcion  nach  der 

Beschaiumg  185,16.  346,16. 
widerspenig  xviderspenMiy  9,19.  10S,20. 

4(>2,5;    widerspenklich   Adv.    H68,8; 

widerspenikeit  381,16.  462,19. 
widersprechen   228,13.  337,28.   499,21. 
widerstan,  -sten  229,11.  324,19.   503,7. 

504,14;   suhsi.  Inf,  201,30.   504,16; 

widerstendig  sutrider  550,24. 
widerstoz  OegenstosSj  WiderstandS27A ; 

widerstossen  440,15. 
widerstrehen  133,22.  381,8.  462,4. 
widerstritz  um  die  Weite  112,2. 
widertragen   sich  zurückheziehen ;  die 

w.deu  eigenschefte  reXaiiones  331,2. 
widervarn    295,6.    442,14;     widervart 

liückreise  68,27. 
widerfliessen  179,11;  widerfluss  192,14. 

203.6. 
widerwegen  aufwiegen  226,2. 
widerwerfon  anfechten,  ainstossen  9,15. 

68,6.   341,11;    sahst,  Inf    348,5.  12. 

349,12. 350,1. 13;  widi'rwerfung341,10. 

351,14. 
widerwertig  95,22.  142,18.  341,2.  452,1; 

widerwcrtikeit    54,22.    60,14.    84,13. 

91,29.  98,33.  143,13.  192,21.  282,20. 

230,11.    241,1    usw.:    widerwertlich 

Adr,  gegeiusfltzUch  397,4. 
widervvisen  zurückweisen  459,8. 
widerzem  ahstossend,  missfällig  547,5. 

550,23. 
widerzielieu  13,5. 
wi(l(.Tzu('kon  zun'ickstossen,  verhindern 

217,15. 
widin  cou    Weidtnkolz  442,31. 
wiht.  der  boso  w.  204.22. 
wild  irild,  unstet,  unhcgreiflivh^  wunder- 
bar   4J2.   8,11.   9,26.    12,14.   21,28. 

116.14.    188.20.   1S9,1.  200,20.  211,6. 

212.17.  245,11.  265,4    usw.;  daz  na- 

inclos  wilde  die  iieghardischv  Irrlehre 

352,20;  wildickiichen  Adr.  481,2. 


wilerli  kleines  (iehöft  82,a 
wili,  Willi  309,11.  395,12.  415,8. 
willeklich   145,3.  179,26.  192,20.  2i«Ml 
I       215.30.    220,1.   248,8.  307,30.  3i)8.8. 

316.18.  367,2  usw. 
willen   mit  IJat,  nachgeben,  nach  dm 

Willen  tun  382,15.  422,15.  5<»r).5. 

willenhrechen  suhst.  Inf,  91,6.  484,16. 
willig  248,11.  475,4;  wyilenlos  P.  517.1. 
wiudtürr  vom  Winde  ausgetrockneillA^. 
wiugarte  221,33. 303,4. 425,15. 18.426.13. 
winhus  caupnna  372,20.  461,22. 

Winkel    126,2.    175,5.    395,25.   513.23. 

525,21,  529,17.  19. 
wiunaht    Weihnachicfi     46,26.    118.25. 

124,27.    385,19.  467,28;   winnahttjtf 

25,23. 
winsmak  428,18. 
winter  433,24;  winterhalde  darre  Wddi 

425.9;  winterlich  299.11.  409,16. 

wintraht  Masc.   Weinduft  428,15. 
wintrübel  Weintraube  493,30. 
wiplich  399,24. 
wirdekeit,  wirdikeit  26,20. 88,26. 2«)94'. 

213.19.  217,25.  218,16.  243,2.273.17. 
421,15  us^w. 

wirdig  91,35. 172.8. 363,12. 364,4. 440,31. 

448.27.  486,7.  489,11.491,8;  wirdek- 
lich  112,29.  241,4.  279,21.296,12.19. 
23.  301,3.  303,5.  304.6.  305,14.  392,5 
usw. 

wirig     langdauernd,     dauerhaft   48*. 
107,17.  344,6.  362,32. 

wirs  Adr.  Komp.  schlimmer,  idthr  57.6. 
62,17.  125,24.  169,30.  271,12.  272,26. 

371.28.  381,10.  426,21  usw.:  Saperl 
wirst,  wurst  23,17.  67,3, 121,7. 128.25. 

249.10.  475,10. 
Wirt  233,19.  512,7. 

wise  Art  u.  Weise,  Art  sich  zu  geben, 
Beschäftigung ,  Urscheinungsforw 
10,19.  12,7.  53,1.  83,14.  142,10.  156. 
17.29.31. 166,8. 10. 188,10. 11.  205,21. 

228.11.  288,4  usw.:  wort  und  wise 
85.26.  29.  167,3.  4;  wise  Mehdit 
199.21 ;  wort  mit  wise  Tejct  u.  Melodie 
228,16. 


Glossar. 


625 


08  ohne  wise,  ohne  genauere  Be- 
mung    52*.    10,18.    23,7.    87,30. 

24,  188,11.  189,17.  191,6.  245,11. 

25.  328,24.  432,25;  wiselosekeit 
1.  186,22.  400,4;  wiseloseklich 
.  335,22. 

Leiter  446,3;  wiserin  321,li. 

1  Adv.  mit  Weisheit  315,30. 438,2. 

ie)  Prophet  36,10.  363,6.  392,11. 

|l6.  477,9.  480,7.  494,3. 

ren8uhst.Inf.  Propheßeiung  i2ß,lS, 

=  wise  Wiese  452,7. 

itliche  Adv.  499,21. 

weisse  Farbe  439,18. 

ge  384,21. 

»ht  Adv,  lärmend  502,13. 

pf  Wiedehopf  458,24. 

J50,28.  358,17. 

eiflich  Adv.  weitläufig  191,3. 

j  91,4. 

ind  rot  199,2.  551,8. 

,   Witz   Klugheit,  Einsicht  99,16. 

),24.    281,28.    399,12.    26.    410,8; 

aig     212,24;      wite(i)geu      weise 

chen,    witzigen     240,13.    287,20. 

),26.  456,19.  458,1. 

ivahend  47*. 

jdaht  94,21. 

»reit  heue  dispositus  300,12.16.18. 

jscheiden  verständig  99,27. 

jsorget  158,8. 

filieren  sich  hin-  und  her  bewegen 

5,23. 

8<),3.  134,11.  260,16.  875,29.  420,7. 

3,8. 

eborn  135,32. 

efloriert  wohlnrziert  140,4. 

eladen  mit  Leiden  stark  heimge- 

cht  133,28. 

elassen  164,10.  358,22. 

eiert  162,18.  328,23. 

emfit  28,16.  33,18.  225,20.  233,20. 

8,6.  245,20.  313,9. 14.  376,1.  448,12. 

•enaturt  wohlbegabt  376,5. 

:eorduet  171,15. 

:eraten  378,26.  444,9. 

resehend  5,22.  157,10. 

resmack  303,15. 

H.  BeuRe,  Deuttcho  Schriftra. 


wolgestalt  137,16.  542,9. 
wolgetan  83,24. 
wolgetrüwend  100,19.  135,1. 

wolgeupt  erfahren  (im  geistlichen  Leben) 

170,23.  182,5.  184,5. 
wolgevallen  Subsi,  94,14.  125,2.  226,23. 

261,13. 262,2. 266,19.25. 319,21. 507,2. 
wolgevallend     95,23.    159,11.    376,20. 

378,11.  451,1. 
wolgewahsen  156,4. 

wolgewegen    wohJgewogen ,   vollwichtig 

335,28. 
welke,  wulke  Masc.  230,2.  3;   wolkeli 

551,23. 
wolkunnend  geschickt,  angesehen  75,14. 

364,4. 
Wollust  Vergnügen,  Lust,  Freude  169,13. 

206,17.  225,14.  227,20.  237,3.  248,16. 

17.   249,26.   263,16.   2(J5,22.   286,17. 

a39,30.  344,16.  540,8.  546,29.  549,2. 

woliiiugcnd  kräftig,  gesund  282,13. 

wolricchend  2()6,23. 

wolsiiiffeud  31,23.  28.  406,18. 

wolsmekcnt  505,8. 

w(»l8tend  409,8.  541,31.  552,6. 

wolzüiieinend  48*. 

woii  .V.  wan. 

wonhaft  187,18;  wonuuge  474,24. 

worgen  würgen  (hildl.J  455,H. 

wormerin  v.  wermen. 

wort  Verbum,  Logos  179,27.  180,18.22. 
2(i.  181.3.  11.  191,27.  224.12.  279,6. 
473,3;  in  dt*n  worten  unter  dir^er 
Bedingung  25,26;  wortli.  W(>rtcUn 
1(J0,30.  200,16.  223,17.  225.3.  377,23. 
450,12.  477.11.  495,2;  wortlos  305,7. 
548,H;  wortwpjrc  kritisierend,  zänkisch 

106,26. 
Wortzeichen     Kvnnzeivhen,     Merkmal, 

lkweis U.22.  128,10. 15.545,30;  wor- 

zeichen  554,2. 
woschi  WäsvherM.2S;  woscherin  134,26. 

212,13. 
wöfT     Klagegeschrei    54<>,1;);     wiiffen 

550,20. 
willen  222.12. 

wulttn  wolfisch  23,12.  119.2.  420,12. 

40 


626 


Gnoflsor. 


wunder  Venrunderung^  unerwartetes 
Ereignis,  Wunder  8,16.  11,12.  22,16. 
30,11.  55,27.  64,30.  67,12.  68,8. 86,16. 
18.  90,9.  92,20.  97,4  uw^. :  wandcriich 
seltsam,  wunderbar  68,8.  65,8.  159,1. 

173.1.  177,6.   200,24.  206,4.  292,ia 

339.2.  409,12.  420,5.  490,32. 
wandern,   wondren    bewundem  477^2; 

unpers.  229,13.  291,27.  341,27.  376,2. 

424,11.448,13;*tt6««.Ifi/.293,21,367,7. 
wundrer  der  Wunderbares  tut,  mirabilis 

(doU)  108,2. 
wuudtmal  537,12. 
wunue,  wünne  94,3.  211,20.  225,2. 243,5. 

24«,24.  265,13.  269,17.  295,3.  304,17. 

312,28    us^c;    wunneiibernd    171,23. 

172,20;  wimneklich,  wünneklich,  wü- 

n(iiklich    23,14.   31,34.    33,1.   59,10. 

(U,29.    153,3.    199,12.    200,3.   '207,1. 

219,29.  221,31  usw,  usw, 
Wunsches  (wünsches)  gewalt  optio  om- 
ni um  93,15.  94,3.  17.  224,5.  242,14. 

279,17.  295,8.  377,31.  378,6.  450,20.27. 
würdig,  422,8;  wtirdigen  547,27. 
wurf  191,19. 
wurken  wirken^  tätig t<tin,  bearbeiten 24,4. 

171,20.    182,19.  335,14.  867,23  usw.; 

in  wurkender  wise  actunliter  34H,27. 
würklich  activus,  actualis  1G5,1''>.  177,25. 

li>2,32.   341,21.  47.5,1;   wiirklichheit, 

-kcit     aütiritas,     nctualitns     1S3,14. 

1S5,2.  10.  1H1),20;  würkunge  340,25. 

.■U.S,13.  15. 
wurm   Wurw,   Insekt  35,13.  39,21.  27. 

259,22.  305,29.  36S,15.  441,26. 
würz  H13,2r).  303,24;  wiir(t)zel  1(>5,17. 

421,24;  wurzgart(t)e  205,15.  222,7. 
wuscIu'u  =  wischen  Pnit.  wüste  trocknen 

•.vüssend  btwusst  .3.S8,23.  24;  wüssent- 
heit  Bcwasstsein  ISS,  15. 

wfi.st  wiist,  letr  103,8.  425,20;  wüste 
gotlieit  (las  Itlosse  Wesen  Gottes  (vgl, 
Strauch,  M,  Ebner  301  f.;  Denifle 
im  Archif)  II,  455):  wiisti,  wüste 
70,24.  15().10.  211,7.  434,12;  wilde 
wiisti  der  gotheit  245,11;  wuateuunge 
P.  530,14. 


waten   201,14;   wütend    45,17.   ttU 

139.31.  173,26.  408,8;  wfitig  »# 
132,6.  260,16.  370,17. 

Z. 

Zacharias  AÜvater  105,13. 

zage  Subst.  feiger  Mensch  370,25;  n^ 

heit  41,20. 
zam  363,5.  420,6. 
zarten    liebkosen,    schmeicheln  15,12; 

subst,  Inf,  122,18, 

Zartheit  Feinheit,  Schönheit,  Wetdüidh 
keit^l\  51*.  26,19.  35,16.  42,6.  94ii 
205,9.  209,7.  '217,4.  238,1.  243,3. 
247,21.  286,17  usw. 

zärtlich,  zertlich  Adv.  liebevoll,  iroA^ 
wollend,  -?<5Fr/?w?/i  99,13. 121,31. 174^ 
212,8.  223,10.  224,3.  225,7.  240ii 
2.54,22.  482,19  ustc, 

zartsüchender  lip  das  Wohlleben  suchmd 
46,3. 

zederbom  310,12.  442,33. 

zeh  zäh  44.5,18, 

zeiclieu    Zeichen,    Wunder  41,4.  66,6. 

105.8.  248,14.  252,10.  :)27,lO;  WttMd- 
mal  67,10.  241,11;  die  fünf  zeichen 
Chnsti  52,1.  479,8. 

zeichen   P.  =  zeichenen    Wunder  hw 

515,26. 
zeine  Ka^-b  31,31;  zeiuli  31,30. 
zek  =  zic  Liebtsneckerti  4^3,13. 

cell(ej,  zelle  40,10.  48,15.  ^\  44,27. 
,58,8.  5.  103,7.  21.  104,12.  106,ia 
110,82.  113 J  usw.-,  celleü  45,27. 

zemnieliche  Adv.  wohl  =  zemiiche  sak» 
504,3. 

zeUen  zählen  214,17.  247,16.  4Sl,i:t 

zelten  im  Passgang  geJurn,  traben  139,8. 

zepter  252,24.  460,2. 

zerbrechen  zerbrechen,  zerreissen  69,32. 

139.32.  382,5.  463,15. 

zerdenneh,   zertennen    209,12.  %V\y^ 

214,16.   20.   215,25.    250,21.  316,24. 

541.9.  542,23. 
zergan,    zergen    218,4.   266,6.  34931 

350,1.  351,11.  438,25.  463,16.  464,7; 
zergangen  Part,  verfallen  217.6.218,1 


621 


(g)klich,  cergenglieh  38,23.  26. 
11. 135,18. 139,20. 165,18. 208,25. 
10. 27. 219,2. 411,21.  438,20  usw.] 
enklicheit  553,30. 

«en,  eich  174,12. 
wen  zerkratzen  40,23. 
aen  397,19. 
n  210,3. 

ten ,    zermüsten    zerquetschen 
18.  315,18. 
zerreiastn  230,3. 
n  zerfallen  218,5. 
iien  270,33. 

ichen  auseinandergehen^  zergehen 
3.  4ß3,16. 

•iiiden  Prlit,  zerschrant  Hisse  be- 
men,  aufsprinyen  47,15.  92,20. 
teil  Friit.  zerspielt  zerspalten 
s.  271,29. 

ttnen ,  zerspeiinen  auseinander 
men,  d<^hnen  210,10.  214,14.  15. 
25.  272,20.  316,28. 

jiteii    22,8.    30,ti.    92,18.    177,18. 

20.  452,20;   sich  z.  28,14.  90,24. 

niTi^i  212,11.  :K)5,11. 

beii    zersfiehenj    r  rschivinden 

15.  449,19. 

•er    222,22;    zerstorerin    361,26. 

21;    zerstSruii^    162,20.    381,29. 

9. 

)wen  29,2.  170.16. 

t  Pari. getrennt  174,10;  zerteiltes 

in  ens  particalarv    177,2.  5.    18. 

14. 

a<'n  s,  zerdenneii. 

♦r  Virzärteltcr  Mmsch  57,18. 

rvw  ztujrundi-  rieht :n  (durch  Ver- 
ödung) 125,17. 
men,   zerdreniieu  ^82,18.  46.3,26. 

011  zerkauru,  wieder Uäuen  (hild- 
'  :300,10. 

ausbreiten  21(),20.  276,24;  sich  z. 
4. 

isen  27,26.  74,0.  227,6.  1:5.264,2«). 
28.  29S,17.  304,23.  310,23.  3S4,20. 
9.  400,9.  466,20;  zerflossenheit 
efaclio  386,19. 


aerfl&ssen  zerßiessen  machen,  eehmeigen 

111,11.  452,16. 
zerfuren  verwüsten,  verderben  204,18. 

315,18. 
serzerren  zerreissen  49*.  125,14. 
zerziehen  Part,  zerzogen  272,20. 
zesamen  . —  *.  zusamen  — . 
zeswe  hant  linke  H,  558,14. 
zieren  224,3.  409,16. 
zierer    hell    herrlich,    schmuck    435,6. 

459,14. 
zihen  zeihen,  beschuldigen  66,24.  307,8. 
zil  184,6.  185,3.  469,11;   zilen   156,30. 

168,6.  327,27.  28.  355,9.  11.  358,18. 
zimbreu  219,7. 

zimlich  passend  299,4.  375,14.  447,23. 
zipfel  Zipfel,  kleines  Stück  454,5. 
cirkellich  kreisrund  178,13.  179,8. 
zit    officium,    horae    canonicae   414,5. 

416,1. 
ziten   Zeit  sein   362,23.    418,10;    zitig 

reif,     ausgewachsen     31,30.     156,3. 

159,18.  482,13. 
zitlich  zdtlivh,  wiltlich  114,20. 135,7. 10. 

174,9.  178,10.  187,13. 194,20.219,7.8. 

300,14.  413,17.  11)  iisw.;  zitiich(k)eit 

390,23.  472,6. 
zitlose  weisse  odergelhe  Frühlingsblume 

{ Krokus  odi  r  Narzisse ,  vgl.  Lex.  III, 

1I3S)  211,29. 
zitter  Subst.  Masc.  Zittern,  Beben^O\,H\ 

zittrend  434,17. 
zitverlierend  die  Zeit  unnütz  vertuend 

3i;i,2r).  411,21. 
zobror  327,11. 
zora  139,15.  165,12;  zonien,  zomen  auf- 

itlainrn,   gtfangtn  fortfühmn    139,4. 

280,2.  397,16. 
zornlich  128,16.  13r»,17.  22<>,11.  22.  25. 

31.  230.6.  26r),8.  285,11.  325,1.  414,9. 
ziig  Zug.    Kunstgriff.    Art  und   Weise 

142,5.   200,24.  '3()2,29.  371,24.  388,7. 

4<)9,12.  419,6.  460,22.  469,12. 
Zügen  bezeug f-n  84.23. 
zuht  Zucht,  HOfiichknt,  Anstand,  Dis- 
ziplin  216,23.  221,32.  .361,21.  382,3. 

411,16.  463,1.3.  4S1,9.  482,6;   z.  und 

ere  bieten  49,18. 


628 


Oloesar. 


Ulken,  zncken   wegnehmen,  entreissen, 

anlegen   (den   Bogen)   57,19.   78,17. 

128,25.  181,18.  22.  175,6.  11.  281,20. 

428,22. 
z6chtig    eingezogen    482,(>.    485,2.    8; 

zühteklich  Adw  413,20. 

zun  Zaun  77,18.  78,5.  411,18. 

zunge  Zunge,  Sprache  199,24.  228,26. 

372,  la  461,21.  499,25. 
zÄ  ahteii  zurechneti  491,6. 
zu  besliesHen,  sich  486,26. 
zÄ   brinp:en    zustande,    bringen     26,6. 

120,32. 
zfij^ang  Zutritt  263,27.  837,1S.  492,2. 

zügehorlich  181,20.  a53,12;  zügehorlich- 

kcit  388,18. 
zu  gevallen  192,22. 
zu  komen  zum  Ziel  kommen  426,16. 
zükiinftig  489,8. 
zu  le^i^cn  beimessen  484,9. 
zfilof  67,14. 
ZÄ  muten  364,11. 
zünemen   ttubst.   Inf.  52*.   300,3;    zö- 

nemender     mensch    foiisehreitender 

8,10.  194,6. 
zu  samen  gehen  (ehlich)  483,1. 
zesamen  rihen  Part,  gerigen  zunnrnmen- 

zuhen  39,13. 
zu  8chliesseii,  sich  480,29. 
zntetig  sich  anschmiegend  225,8. 
z^l^xn  Zutun,    Beihilfe  383,29.  465,22. 
züval(l)  Zufall,  accidtns,   unbesonnene 

Handlung  162,19.  22.  164.12.  167,4. 

288,14.  ;fcfö.:l  7.  359,20. 


zA Valien  zufallen  462,8;  zuvallend  a- 
fäUtg,  accidentalis  54,25. 244,20. 24.%1. 
387,28. 

zdvailich  accidentalis  162,23;  zuvalli- 
kait  187,5. 

züveraiht  37,2.  127,21.  239,9.  2.Mi:i 
264,14.  277,1.  278,1.  286,28.  Sl.VÄ 
865,10.430,12.  491,2.  538,19.  539,:>1. 
547,32. 

Zuflucht  484,6. 

zu  fugen  zugesellen,  bescheren  4C'6,ll. 
506,19. 

zu  werffen  465,22.  492,13;  zuwiirff 
488,2.-^. 

zürnen  suhsi.  Inf.  424,20. 

zwahen  Pari,  gez wagen  traschen  4.V)jL 

zweien,  sich  *.  paaren  172,20. 

zweiheit  226,20.  2<»7,6.  420,21. 

zweinzig,  zwenzig  .364,16.  423,19. 

zwellfbolte  Apostel  544,18. 

zwelQerig  31,19. 

zwi  Zweig  32,31.  287,22.  297,16.  4*26,1L 

zwivel  81,2.  89,15.  183,6.  21.  323,28. 
498,10. 502,16;  zwifelheit  Zirr  W^wr  Af 
496,17;  zwifeln  498,15.  .349..'>;  zwifel- 
haft  amhiguus  4rvi.21 ;  zwil'el  I  ich 
unsicher,  ztrcifelhaft  1S3.3.  l'*^.^. 
380,16. 

zwingen,  twingen  drangen.  /ieimffHch'H 
178,23.  442,26.  4W,7.  506,i:». 

zwirent,  zwirunt  71,22.  173,18.  3*i:»il. 

;W0,34.  383,14. 
zwivalt  Adj.  34S,6. 


..i£s-.- 


^ 


37 


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